1 A Einzelpreis 70 IlWter 'einschlieMich 5 Hallar ta*4 ZENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii,fochova a. telefon sm. Administration telefon 53076. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFRDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Freitag, 18. Jänner 1935 Nr. 15 la Seal- Einigung, an der Saar: nadrcicldzng der Sieger! Genf.(E. P. B.) Der Bölkerbundrat trat nach längerer Verhandlung über das Ansuchen der Schweiz betreffend Kriegsentschädigungen für die Schweizer Bürger an die endgültige Erledigung des Saarproblems heran. Rach längerer Debatte wurde auf Antrag des Vorsitzenden des Saarausschuffes Baron A l o i s i eine Resolution folgenden Wortlautes angenommen: 1. Im Hinblick auf die Artikel 49 und 50 Kapitel 3 des Bersailler Beitrages und im Hinblick auf die Entscheidung des Rates vom 4. Juni 1934, auf das Uebereinkommen betreffend die Volksabstimmung im Saargebiet vom 7. Juli 1934, auf den Bericht vom 15. Jänner 1935, erstattet von der Regierungskommiffion betreffend die Ergebniffe des Plebiszits vom 13. Jänner 1935, beschließt der Bölkerbundrat die Bereinigung des ungeteilten Saargebietes mit Deutschland, so, wie dies in Artikel 48 des Bersailler Vertrages frstgelegt ist unter den Bedingungen, die aus diesem Vertrag hervorgehen und zugleich mit den besonderen Verpflichtungen, die im Zusammenhang mit der Volksabstimmung eingegangen worden sind. 2. Der Rat setzt den 1. März 1935 als Zeitpunkt der Wiedereinsetzung Deutschland- in die Regierungsrechte des Saargebietes fest. 3. Der Rat beauftragt den Saarausschuh, iu Verbindung mit der deutschen Regierung und der französischen Regierung die obangeführten die Aenderung des Regimes betreffenden Bestimmungen zur Geltung zu bringen. In dem Fall,daß diese Maßnahmen schon vom 15. Feber 1935 durchgeführt werden, wird der Ausschuß dem Bölkerbundrat einen Bericht erstatten und Vorschläge zur Erledigung der speziellen Fragen unterbreiten. «« a Der Terror wächst stündlich stimmungen des Friedensvertrages für das linke Rheinufer unterworfen und daß außerdem gewisse strategisch wichtige Anlagen, vor allem Verladerampen und einzelne Bahnlinien beseitigt werden. Demgegenüber hat Berlin von Stunde zu Stunde drohender die sofortige bedingungslose Rückgabe des Saargebietes verlangt und lediglich in der Frage der Bezahlung der Gruben hat Frick erklärt, hier liege kein Hindernis vor, man werde sofort zahlen. ken und Greise in den Händen einer Nazi-Truppe lag, dah vor den'Abstimmungslokalen Plakate hingen und dah die Ordner die Befolgung der ihnen erteilten Aufträge verweigerten. Die französischen Behörden sollen bisher 4000 Bisa ausgestellt haben. Der Terror der Nazi erstreckt sich bis an die Grenze selbst, wo auf Flüchtende wiederholt geschossen wurde. InGud- dingen drangen Nazibanditen in ein Kaffe e- h a u s ein und bedrohten die Anwesenden, wobei sie Schüsse über die Köpfe der Besucher in die Wand feuerten, um der Drohung Nachdruck zu verleihen. Die Pariser Presse erwacht langsam aus der Stimmung, in der sie sich kurz nach der Abstimmung befunden hat, da sie nur die endgültige Beilegung aller Konflikte mit Deutschland sah. Sie äuhert ihre Empörung über den schamlosen Terror und fordert Einschreiten des Völkerbundes. Aufklärung über den 20. Dezember General Fritsch schlägt Göring und Himmler Arbeiter, Bürger, Vaterland Der Völkerbund hat sich, den vorliegenden Meldungen nach zu urteilen, die Erledigung des Saarproblems sehr vereinfacht, indem er die heikle Materie einfach direkten Verhandlungen zwischen Berlin und Paris zugewiesen hat. Das schafft Aber für alle den Friedensvertrag, den Völler- hundspakt und den Locarnopakt berührenden Fragen ein gefährliches Psäzedenz. Im Mittelpunkt des Streites stand die Frage der Entmilitarisierung. Frankreich verlangt, dah die Scmr den Entmilitarisierungsbe- Während man in Genf um Formalitäten ver- jpmdelte, hätte der Völkerbund an der Saar selbst eine viel wichtigere Aufgabe zu lösen gehabt. Die vorliegenden Einzelmeldungen der Preßbüros und -der Sonderkorrespondenten bestätigen, dah an der Saar der braune Terror von Stunde zuStundewächst und dah sich jetzt bereits. Unter den Augen des internationalen Militärs, Szenen abspielen, die an das Treiben der braunen Banditen im Reich in den ersten Monaten der Hitlerdiktatur erinnern. Die»PragerPresse" erstattet in ihrer Freitagausgabe einen sehr ausführlichen Bericht über die Terrorakte, die sich nachweisbar in den letzten Tagen ereignet haben. Das Blatt meldet, dah unter der sozialistisch gesinnte« Bevölkerung eine Panikstimmung herrsche und Tausende vor den französischen Konsulaten Schlange stehen, um die Dokumente zur Reise nach Frankreich zu erhalten. Wie einst im Reich, so richtet sich auch jetzt im Saargebiet die Wut der Banden vor allem g e g e n die Volkshäuser, die fast sämtlich ausgeplündert und demoliert lourden. Dabei werden, wie die»Pr. Presse" betont, auch die Wohnungen französischer Staats- gngehöriger nicht verschont. Vor den Häusern der EtatuS-quo-Anhänger wurden in vielen Orten Feuer angezündet und dm Bewohnern gedroht, sie würdm verbrannt werden. Die Landespolizei sieht, wie das Blatt meldet, den Terrorakten zu» ohne das geringste zum Schutze der Bevölkerung zu unternehmen. Es scheint uns freilich, dah auch die internationalen Truppen und die Beamten des Herrn Knox nichts gegen die Vergewaltigung tun und dah sich leider herausstellt, dah die 70-—100 Millionen Franken, die das internationale Militär im Saargebiet kosten wird, hinausgeworfenes Geld sind. Denn auch am Abstimmungstag selbst hat, ttne jetzt durchsickert, der Terror der Hitlerleute doch eine gröhere Rolle gespielt, als der Bericht der Kommission zunächst zu- steben wollte. So berichtet jetzt der Schweizer Wahlkommissär, dah der Schlepperdienst für die KranDer Berner„Bund" veröffentlicht den folgenden aufsehenerregenden Bericht aus Berlin, der die vor kurzem hier veröffentlichte Darstellung des Pariser.Figaro" über die Abhängigkeit Hitlers von der Reichswehr ergänzt. „Wir sind nunmehr in der Lage, die mdgültige Aufklärung über die geheimnisvollen Vorgänge in der Nacht vom 20. Dezember 1934 in der Bendlerstraße(Reichswehrministerium) und über di« Bedeutung der überraschenden Zusam» mcnkunft in der Oper zu geben. Die Gruppe Fritsch beschloß, in der zweiten Dezemberhälfto zu einem entscheidenden Schlage auszuholen, um die Kandidatur Görings als Reichswehrminister unmöglich zu machen. Durch einen Handstreich gelang es Fritsch, sich am 20. Dezember überraschend bei der Berliner Gestapo in den Besitz von Dokumenten zu sehm, die die Ermordung des Gmerals Schleicher betrafen. Himmler geriet in äußerste Bestürzung und alarmierte sofort Göring, denn beide wußten, was für sie auf dem Lum Saar-Entscheid Der erste Eindruck des Hitlersieges an der Saar ist schon wieder im Abklingen. Die nächsten Wochen werden zeigen, inwieweit die daran geknüpften politischen Verallgemeinerungen berechtigt'oder übertrieben waren. Vorläufig liegen keine Anzeichen vor, als ob das Resultat vom 13. Jänner die europäische oder die innerdeutsche Situation grundlegend geändert hätte. Der Alltag der Krise, der Rüstungen, Intrigen und Konferenzen nimmt weiter seinen Gang. Die großen europäischen Entscheidung liegen noch vor uns. Heber seine lokale Bedeutung hinaus sagt aber das Ergebnis der Saarabstimmung doch einiges über die Problemstellung dieser geschichtlichen Etappe aus. Nehmen wir. den umgekehrten Fall: ein sozialistisch-kommunistisches Rätedeutschland hätte um die Stimmen der Saarbewohner geworben. Es verlautet, dah Laval in Genf auch die Frage aufwerfen will, wer die Kosten tragen wird, die aus der Versorgung der Emigranten erwachsen. In die Emigration Paris.(Tsch. P. B.) Die drei Hauptführer der StatuS-quo-Bewegung, der Sozialdemokrat Max Braun, der Kommunist P f o r d.t_und der Katholik Chefredakteur Hoffmann, haben die fMizösische Grenze überschritten und weilen jetzt in Frankreich. Max Braun ist nach Genf abgereist, um, wie er Journalisten sagte, dem Völkerbundrat und dem Dreierausschuh für das Saarland die Beschwerden und Proteste der Saar-Minderheit gegen Uebergriffe und einige bei dem Plebiszit festgestellten Ungesetzlichkeiten vorzubringett. Das französische Konsulat in Saarbrücken hat bereits mehr als zweitausend Personen Aufenthaltsbewilligung erteilt, viele Saarbewohner, insbesondere Kommunisten, überschreiten aber vorwiegend nachts, samt ihren Familien die französische Grenze ohne Bewilligung. Verschiebung der Zollgrenze Ford ach.(HavaS.) Die französisch-saarländische Zollunion wurde aufgehoben und die französischen Zollbeamten an die lothringische Grenze zurückgezogen. Auf beiden Seiten der Grenze wurde bereits die Ausfuhr einer Reihe von Er- zeugnisen abgelehnt. Gegen Abend trafen an der Grenze 150 Flüchtlinge ein, von denen 100 zurückgewiesen wurden, da sie ihre Papiere nicht in Ordnung hatten. In Saargemünd wird die Kontrolle sehr streng gehandhabt. Flüchtlinge aus dem Saargebiet erzählten, dah auf sie geschossen wurde. In einer Saargemeinde hätten sogar mehrere Frauen auf sie geschossen. Spiele stand. Ein Detachement SS versuchte darauf, in das Reichswrhrministerium ein,zudringen, um die belastenden Akten zurückzuholen. DaS war der versuchte Dokumentendiebstahl, dem man eine ganz andere Auslegung gegeben hat. Der Anschlag schlug fehl. 18 SS-Leute kamen dabei»ms Leben. Göring und Himmler hatten eine vernichtende Niederlage erlitten und der ersten Kompromittierung noch eine zweite hinzugefügt." „Das war", so fährt das Blatt fort,„die Ursache, weshalb Hitler eiligst nach Neujahr alle maßgebenden Persönlichkeiten zusammenrief. Denn er fürchtete, durch die Dokumente gleichfalls diskreditiett zu werden und auf diese Weise seine Schlüsselstellung zu verlieren. Daher die außerordentlichen Konzessionen an die Reichswehr, die dieser eine Weitervcrfolgung der Angelegenheit fürS erste unmöglich mache« sollten: ihre zahlenmäßige Berücksichttgung, die Proklamierung ihrer Gleichberechtigung neben der Partei, die Absage an SA und SS und— die in der Tat erfolgte Rehabilitierung des Generals von Schleicher." I Von ihm wäre in der Welt bekannt, dah es einige Zehntausende von Kapitalisten ins Konzentrattonslager geworfen, einige tausend Menschen ermordet hätte, darunter auch erste Führer der katholischen Organisattonen. Ferner wäre nachgewiesen, dah die führenden Männer dieses Regimes vor organisierter Brandstiftung und Kameradenmord nicht zurückschrecken. Und schliehlich läge es im Streit mit den Kirchen, würde Geistliche einsperren, Sterilisierungen vornehmen und sonstiger unchristlicher Handlungen mehr begehen. Wie hätte in solchem Falle das Saarbürgertum gestimmt? Wäre z. B. der Großindustrielle Röchling auch so eifrig für die sofortige Rückgliederung eingetreten, wenn ihn dort Enteignung, Freiheitsberaubung, Lebensgefahr erwartet hätten? Wäre der Vatikan neuttal geblieben? Und hätten deutsche Bischöfe ebenfalls Aufrufe erlassen, bedingungslos für Deutschland zu stimmen? Die Frage, ob das kapitalistische Bürgertum Nation und Vaterland so sehr liebt, daß es sich jemals zur Preisgabe seiner Klaffeninteressen entschlösse, ist schon längst durch geschichtliche Fakten beantwortet. Vor allem an der Saar selbst. Als Deutschland eine bürgerliche Republik mit stärkerem sozialistischen Einfluß war, wollten die größten heutigen Hitlerpatrioten von einer Rückgliederung nichts wissen. Ganz« Gebiete bettelten in Paris um Zuteilung an Frankreich. Tausende von Saarbürgern bewarben sich um die französische Staatsbürgerschaft. Viele dieser„Spekfran- zosen" waren nun Funktionäre der natto- nalsozialisttschen Deutschen Front. In langen Kolonnen hat die tapfere Saarbrückener»Volksstimme" in den letzten Wochen ihre Namen veröffentlicht. Unter den Dokumenten, welche die „Volksstimme" der Saarbevöllerung unterbreiten konnte, lassen wir eines sprechen: „Herrn Ministerpräsidenten Georges Clemeneea» Pari-. Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! Die bodenständige Einwohnerschaft des Can- tonS Oberesch für Riederaltdorf, K e r p r i ch und Großhemmersdorf, Bieringen, Führweiker, Ober, e f ch»nd Gnerlfangen, vereinigt sich, um im Anschluß an ihre Brüder deS CantonS JtterSdorf Ihnen, Herrn Ministerpräsidenten, ihre Wünsche darzuiringen. 94 Prozent der bodenständige« Bürgerschaft deS CantonS sind französischer Ab» stammnng«nd hatte bis in die letzten Tage die feste Zuversicht, nicht von seinem Mutterlande, daS siegreiche Frankreich, vergeffen zu werden, sie hoffte auch, nicht von Lothringen getrennt zu«erden. Wir wollen nicht länger dem Lande angehören, daS uns vor hundert Jahren gewaltsam annektierte und»ns durch brutale Gewalt denaturalisierte. Wir wollen keine Trennung von Lothringen, mit dem«nS tiefe kulturelle, wirtschaftliche»nd familiäre Bande verknüpfen. Wir wollen vor aller Welt bekennen, daß wir eingedenk unserer Borfahren treue«nd loyal« Franzosen werden wollen, gestützt auf die Geschichte, unser Recht und die herkömmliche Bolks- wirtschast unserer lieben engeren Heimat. Nur so können wir Bettrauen hegen, daß wir endlich«nd für alle Zttten von der preußischen Bedrückung befreit werden, nur dann haben wir ttne unser heimischer Herd«nd unsere Scholle auf immer Gewährleistung, daß unsere religiösen In» stituttonen, gegen den Furor Teutonicus geschützt werde« sein." Eine andere von den Gries borner Bürgern unterzeichnete Bittschrift an Clemen- ceau«konnte das besiegte Vaterland nicht genug schmähen. Sie sagte u. a.: „Die preußische Verwaltung hat uns nach allen Regel« der Kunst ge knechtet«nd ganz besonders in diesem Kriege. Sie hat die»stpreußischen Junker hier in die Verwaltung gesetzt, um unsere innersten Gefühle mit alle« Mittel« zu dämmen«nd a«S» r« r o t t e n. Indem wir überzeugt find, daß Seite 2 Freitag, 18. Jänner 1935 Nr 1» ml Frankreich Gerechtigkeit bringe» wird, wieder- Halen wir unseren Wunsch, Fran- gase« z« werden." Clemenceau, der Mann, der einmal sagte, es wären um 20 Millionen Deutsche zuviel, kam auf Grund dieser Eingaben auf der Friedenskonferenz zu der grotesken Behauptung, daß im Saargebiet 150.000 Franzosen leben. Es bestand die Gefahr, daß das Saarland gleich Elsaß-Lothringen dauernd vom Reiche abgetrennt werde. Der Sozialdemokrat Scheide- m a n n setzte gegen die Treibereien der franzosenfreundlichen Saarbürger durch, daß dem als Faustpfand besetzten Saargebiet wenigstens nach 15 Jahren eine Abstimmung-Möglichkeit einge- räumt wurde. Für die dauernd« Einverleibung an Frankreich agitierte in den Jahren nach dem Kriege ein bürgerlich-katholischer„Saarbund". Die Sozialisten waren seine schärfsten Gegner und viele unserer Bertranensmänncr machten mit den französischen Gefängnissen Bekanntschaft. Max Braun kam im Jahre 1923 nach Saarbrücken, weil vor ihm die Redakteure des dortigen Parteiblattes ausgewiesen worden waren. Auch er hatte zuvor im Ruhrgebiet zwei Monate Gefängnis durch die Okkupationkbehörden aufdiktiert erhalten. Die bürgerlichen Sympathien für Frankreich blieben weiter stark. Zur Zeit der großen Markinflation entschieden sich die Saarländer freiwillig für die Einführung der Frankenwährung. Al» dann 1924 die Mark stabilisiert war und der Frank zu schwanken begann, wollten sie wieder zur Markwährung zurückkehren. Für einen so beweglichen Patriotismus hatte indes damals Deutschland kein Berständni». Nun wohnen auf einmal an der Saar 90 Prozent nationaler Helden. Das Saarbürgertum weiß ganz gut, warum e» seit dem Machtantritt Hitler» sein Herz wieder für Deutschland entdeckt hat. Die Begeisterung des Herrn Röchling für die Heimkehr in ein Land ohne freie Gewerkschaften ist wohl verständlich. Die Kirche ist schon immer mit den stärkeren Bataillonen marschiett. Wenn auch ein paar reichsdeutscher Katholikenführer zuvor erschlagen und eingeäschert wurden— ein Grund mehr, sie nach 50 Jahren heilig zu sprechen. Vielleicht paßt e» dann gerade in die Konjunktur. Aber die Arbeiterschaft? Sie hätte auch durch einen Achtungssieg ihre politischen und gewerkschaftlichen Rechte verteidigen, den geknechteten Brüdern im Reich«in Zeichen der Ermunterung und dem Hitlerregim« einen schweren moralischen Stoß geben können. Warum hat sie bi» auf 46.000 Aufrechte versagt? Weil die Arbeiterschaft in der heutigen Gesellschaft noch die einzige Klass« geblieben ist, die sich in größeren Teilen immer wieder Von der nationalen Phrase einfangen läßt, auch wenn fte damit nur vor den SiegeSwagen ihrer ärgsten Feinde gespannt wird. Die bürgerlich-kapitalistische Reaktion hat im Kampfe mit revolutionären Volksbewegungen stet» Nation und Vaterland verraten. Die russischen Weißgardisten verdingten sich den Kapitalisten aller Länder, um ihnen im Kampfe gegen den Bolschewismus beizustehen. Die ungarische Konterrevolution siegte mft Hilfe rumänischer Bajonette. Die österreichischen Christlichsozialen mach, ten aus dem Lande eine italienische Kolonie, um bei der Niederwerfung der Sozialdemokraten und später der Nationalsozialisten einen Rückhalt zu gewinnen. Und würde nicht Herr Henlein morgen die Hilfe tschechischer Fasci- CopyriBlrt by fmuJImt B. tniw-VwIu, Wien vielleicht bestand di« Macht diese» Manne» wirklich nur in dem guten Schnitt und den blanken Knöpfen seiner Uniform. Sie wollte darüber nicht Nachdenken und wahr froh, daß sie die Wirklichkeit reizt«. Felkcien rief ihnen vom Meer aus zu. Gr sah in der Schwimmhose sehr komisch au». Sie winkte zurück und meinte, zu Jouvenelle gewendet, daß Künstler sie nicht mehr interessierten. Am dritten Abend erzählte Babiola von ihrem Schicksal und dem wilden Verlauf ihres Leben». Felicien blieb taktvoll bei seinem Kaffee sitzen und ließ dir beiden allein unter dem südlichen, schwarzen Himmel lustwandeln. Vielleicht war ihr der Oberst schon verfallen, jedenfalls suchte er tag» darauf Raoul Bonett auf und brachte ihn in ihren Salon. Raoul war ein kräftiger Bursche geworden. Di« langen Jahre hatten seiner Häßlichkeit keinen Abbruch getan. Die niedrige Stirn reihte ihn in«ine andere Klasse rin. Die Sommersprossen, die sein Gesicht einst gutmütig und wohlvertraut gemacht hatten, gaben ihm jetzt einen listigen Ausdruck. Er hatte ein gesundes starkes Gebiß und eine rauhe Sttmme. Nun stand er rot und verlegen in dem prächtigen Zimmer vor Babiola, Die Mädchen, die er sonst mit seinen harten Fäusten zu fassen bekam und die bereit waren, Küsse mit Ohrfeigen zu lohnen, sahen ander» aus. Mit solch einer Dame hatte er noch nicht zu tun gehabt und er wußte sich keinen Rat. Babiola half ihm. Sie versuchte, ihm über die sten annehmen, wenn er damit die verhaßte deutsche Sozialdemokratie erledigen könnte? Solchen schmählichen Volksverrat, wie die Konterrevolutionen wird ein« sozialistisch« Bewegung nie begehen. Auch die Männer der saarländischen Freiheitsfront stehen makellos da. ES war ihr menschliche» Recht und ihre nationale Pflicht für den statu» quo zu kämpfen, solange dadeutsche Volk von überführten Brandstiftern regiert wird. Zu spät werden di« schaffenden Saarländer einsehen, daß der angebliche Abstimmungssieg für Deutschland in Wahrheit ein Sieg des kapitalistischen Klasseninteresses über die Volksintereffen war. Hitler im Rundfunk und daheim Pari«. s gegen verteuerte sich Kalbfleisch um 2.2 Prozent Schöpsenfleisch um 7.7 Prozent. Ein Preisrückgang zeigt sich bei Butter um 1.6 und bei(Steen um 4.8 Prozent. Bei den übrigen Nahrung»- und Genutzmitteln sanken die Preise von Kakao und Hopfen, während sich der Preis von Rohzucker um 1.1 Prozent festigte., Die GruppederMetalle weist eine Verteuerung bei den Eisen-Halbfabrikaten und-Ferttg- waren um 1.7 Prozent und bei Kupfer um 2.1 Prozent au». Dagegen verbilligte sich Gießereieisen um 0.9 Prozent, Zink um 6.6 Prozent und Blei um 2.8 Prozent. Eine steigende Tendenz weist die Grupp« der Textilien aus, und zwar zeigt sich ein« Festtgung bei Baumwollgarn um 4.2 Prozent, bei Seide um 8.2 Prozent, bei Jute um 1.7 Prozent und bei Flachs. Einzig der Preis von Rohbaumwolle schwächte um 0.9 Prozent ab. Von den übrigen Jndustriestoff«« verteute sich Rohleder um 4.1 Prozent, Leinöl um 2.9 Prozent und Zement um 13i2 Prozent. Ansichtskartenkartell. Acht von zehn tschecho- slowatischen AnsichtSkarten-Verlegern, die 98 Prozent der gesamten Erzeugung vertreten, haben sich zu einem Kartell zusammengeschlossen. Der Zweck des Kartells ist die Erhöhung der Preise und di« Stabilisierung der erhöhten Preise. „Die Mutter bediente ein Maschinengewehr... Blutige Kämpfe mit amerikanischen Verbrechern New Nork. In Leonore(Illinois) drangen vier Räuber in ein Bankgeschäft ein, um die Kaffe zu berauben. Die Bankangestellten eröffneten jedoch sofort«in lebhafte» Revolverfeuer, worauf die Verbrecher die Flucht ergriffen. Einer von ihnen konnte von den Angestellten der Bank feftgenommen werden. Die drei Räuber drangen darauf in einen benachbarten Bauernhof «in, stahlen«inen Kraftwagen und nahmen den jungen Sohn des Landwirtes als G e i s e l mit. Sie kehrten zu dem Bankgeschäft zurück, befteiten ihren gefangenengenommenen Gefährten und erschossen den Kassler der Bank, während einzweiterAngestell- t e r schwerverletzt wurde. Ohne Beute zu machen, flüchteten sie nun in dem gestohlenen Kraftwagen. Die inzwischen benachrichttgt« Polizei nahm sofort mit einem großen Aufgebot die Verfolgung auf. Die vier Verbrecher konnten schließlich auf freiem Feld von etwa 50 Polizisten umzingelt werden. Es entspann sich ein regelrechtes Feuergefecht, bei dem ein Polizist erschossen, mehrere andere schwer verletzt wurden. Erst nach heftigem Kampf ge lang eS, drei der Räuber festzunehmen. Der vierte beging Selbstmord. Der von den Verbrechern verschleppte Farmerssohn wurde wohlbehalten aufgefunden.. JnOcklawaha(Florida) kam es zwischen einer Verbrecherbande und 16 Polizisten zu einem mehrstündigen Feuertampf. Es handelt sich um di« Bande, die im Vorjahre den Bankier Edward Bremer aus St. Paul entführt und erst nach einer Lösegeldzahlung von 200.000 Dollars fteigegeben hatte. Die Verbrecher hatten sich jetzt in einem palastarttgen Sommerheim verbarrikadiert. Hier wurden sie von der Polizei belagert. Die Polizisten schleuderten zahlreiche Tränengasbomben in das Gebäude, konnten jedoch zunächst infolge des heftigen Kugelregens nicht weiter Vordringen. Zw ei Bandenmitglieder wurden bei Ausbruchsversuchen erschossen, desgleichen die M u t t e r de» einen Verbrechers, die bei dem Kampf mit der Polizei ein Maschinengewehr bediente. Erst nach sechsstündigem Kampf ergaben sich die übrigen Mitglieder der Bande Seite 6 »,Sozialdemokrat* Freitag, 18. Jänner 1835. Nr. IS PRACER ZEHBMfi Gefälschte Czrch-Karten. Das Zenkal-Sozial- amt der Stadt Prag macht darauf aufmerksam, daß Falsifikate von Ernährungsanweisungen(der sogenannten Czech-Karten) festgestellt wurden. Sie sind von gelber Farbe; auch der Stempel der ausstellenden Behörde ist gefälscht. Diejenigen Kaufleute in Groß- Prag. die solche Anweisungen in Zahlung nehmen, werden aufgefordert, von eventuellen Falsifikaten das Zenttal-Sozialamt oder die Polizei zu verständigen und die Verbreiter sofort sicherstellen zu lassen. Die Entgegennahme von Geldeinlagen bei der Postsparkaffe in Prag. In der Tagespresse wurden Nachrichten darüber veröffentlicht, daß die Amtsstunden für den Gelddienst bei den Postämtern in Prag aus technischen Gründen nicht verlängert werden können. Die Postsparkaffe macht darauf aufmerksam, daß bei ihren Schaltern in Prag, Wenzelsplatz, Einlagen auf Scheckeinzahlungsscheine und auf Einlagebücher der Postsparkaffe täglich bis 19 Uhr. am Samstag bis 18 Uhr entgegengenommen werden. Di« Prager Uhren. Das Bauamt der Hauptstadt Prag, Sektion 15, gibt bekannt, daß die Sekundärapparate und die Zifferblätter der Prager öffentlichen Uhren nach und nach gegen neue ausge- tauscht und die Uhren selbst auf die Zeitzentrale der Post angeschlossen werden. Der Austausch aller Apparate wird bis zum 15. F e- b e r d. I. andauern und es werden während der Zeit der Arbeiten nachundnachdie Uhren in den einzelnen Prager Stadtteilen eingestellt werden. Sportzüge in den Böhmerwald. Samstag, den 19. Jänner, wird probeweise ein eigener Sportzug mit Wagen 2. und 3. Klasse von Smichov nach Kuüohütten abgefertigt werden. Abfahrt von Smichov 13 Uhr 56. Es wird empfohlen, sich in Winterberg ein Nachtquartier zu sichern. Jene Teilnehmer, die noch am Samstag bis Kubohütten fahren wollen, treffen dort um 19 Uhr 34 ein; diejenigen, die in Winterberg übernachten, fahren erst am Sonntag um 7 Uhr 31 mit einem Sonderzug nach Kubohütten weiter, wo sie um 8 Uhr 18 eintreffen. Rückfahrt Sonntag um 18 Uhr 92 von Kubohütten, Ankunft in Prag-Wilsonbahichof 22 Uhr 53. Der Zug wird nur bei günstigen Schneever-! hältnissen abgefertigt. Die Fahrkarten zum Fahr-' preis von 55 XL inklusive der Anweisung für* i Kö werden im Vorverkauf in den Stationen Prag-• Wilsonbahnhof und Smichov durch die ganze Woche für den am kommenden Samstag abfahrenden Zug ausgegeben. Bei den Sportzügen in den Böhmerwald werden auch die ermäßigten Rückfahrkarten für Wintersportler(Relationskarten), bei denen es möglich ist. den erwerbsmäßigen Zuschlag für die zweite Klaffe zu kaufen, anerkannt. Außer den Relationsfahrkarien werden auch die anderen gültigen Fahrkarten, zu denen der Reisende eine Platzanweisung für 1 Kö haben wird, anerkannt. Dies bezieht sich nicht aus Arbeiterkarten und Hchülermonatskarten. Berichtigung. In dem Vortragsbericht: i,S owjetrussischePhilisophie" in der gestrigen Nummer muß es in den Schlußzcilen pes vorletzten Absatzes heißen:„Mechanistische Fehler bei der rechten und Verstoß gegen die Gesetze vom Uebergang von der Quantität zur Qualität bei der linke» Gruppe." Konst und Wissen „Das Kloster." Emile Verharren, der Hhmnische Dichter des„Aufruhrs" und zahlreicher Gedichte über das proletarische Belgien mit seinen Fabriken und Bergwerken, der Verkünder einer neuen Zukunft im sozial revolutionären Drama„Morgendämmerung", befaßt sich auch in seiner Mittwoch im Weinberger Stadttheater aufgeführten vieraktigen dramatischen Dichtung„Das Kloster" mit dem Verhältnis des Individuums zum kollektiven Ganzen. Ein Einzelner ist nicht um seines Eigenen Heils willen berechtigt, die Gesamtheit zu schädigen. Der Aristokrat Balthasar ermordet seinen Vater und läßt kaltblütig «inen unschuldigen Landstreicher als Mörder auf dem Schafott sterben. Er findet Zuflucht im Kloster, wo er zehn Jahre in Ruhe verlebt und von dem ihn protegierenden Prior, dem seine Tat bekannt ist. zum zukünftigen Prior ausersehen ist. Nach der Beicht« eines Bauern, der ein gleiches Verbrechen begangen hat, erwacht in dem bisher selbstbewußten Balthasar das Gewissen und er vergeht fast vor Demut. Der Prior läßt ihn, um ihn von seiner Seelenpein zu befreien. vor versammelten Mönchen beichten, die ihn Vatermörder schimpfen und nur mit Mühe gelingt es dem Prior, ihre Auflehnung gegen ihn selbst zu händigen. Schließlich schreit Balthasar sein Verbrechen während der Messe in der Klosterkirche zum Fenster seiner Zelle hinaus und wird auf Befehl des Priors auf die Gasse gestoßen, da er durch diese Selbstanklage vor den Gläubigen das Ansehen des Klosters verletzt hat. Mehr als diese Handlung fessel- ten die schönen Verse des Autors, welche vom Dichter Stanislav Hanus meisterhaft ins Tschechische verdolmetscht und von den Schauspielern trefflich vorgetragen wurde. Insbesondere haben zum Erfolg des Abends die beiden Darsteller der Hauptrollen Ko r- beläk(Balthasar) und Hart(Prior) beigetragen. r. i. Die Uraufführung von MaSragnis neuer Oper „Nero" in der Mail ander Scala bildete, laut italienischer Meldung, den Höhepunkt der musikalischen Darbietungen dieses Winters. Das vollbesetzte Haus trug ein durchaus festsiches Gepräge. Pietro Mas- cagni, der sein Werk persönlich dirigierte, erntete mit den ausführenden Künstlern stürmischen Beifall. Heute Premiere des literarischen Kabaretts „Die Pfefsermühle". im kleinen Unitariersaal 8.15 Uhr. Prag I, Annenska ul- 5. Restliche Karten bei der Abendkasse. Karten auch nachmittags erhältlich! Auf zahlreich« Anfragen macht die Direktion ausdrücklich darauf aufmerksam, daß auch am Nachmittag gute Karten aller Kategorien gekauft werden können, und zwar bes der Auskunftsstelle des Deutschen Hauses, bei M. Truhläkova, Vach näm. 58, und Palais Koruna, weiters bei M. Vojtechova. Smichov, Stefanikova 78. Auf den Wochenspielplänen findet sich auch ein diesbezüglicher Vermerk. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Freitag, halb 8 Uhr: Der Barbier von Sevilla, D 1.— Samstag halb 8: Iuar« z und Maximilian, Gastspiel Ernst Deutsch, B 1. Spielpla« der Kleine» Bühne. Freitag 8: Che m. b. H., Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag 8: Der Schneider von Gumpendorf(Schneider Wippel). Erstaufführung. Vcrclnsnadirlditcn Volkssinggemeinde. Freitag, den 18. Jänner, halb 8 Uhr abends wichtige Ausschußsi^ung. Anschließend um 8 Uhr Uebungs- st u n d e. Auch hier sei darauf verwiesen, daß die nächsten Proben unbe dingt von allen Sangesgenossen besucht werden müssen. Borturner-Kursus. Durch den Aufschwung unseres Turnbetrie. bes in den letzten Monaten ist ein Mangel an geschulten Vorturnern eingetreten. Wir wollen diesem Uebel sofort begegnen und veranstalten deshalb eine Vorturner-Schule, an der sich möglichst viel« Turngenossinnen und Turngenossen beteiligen sollen. Wir beginnen Samstag, den 19. Jänner, und üben von17bis20Uhr, Sonntag, von 9bis 12 Uhr. Die Leitung haben die Genossen Tietze und Prochafla. Meldet Euch zu diesem Kursus in den Turnstunden.— PRAG Theodor Pistkk in dem Film„Grandhotel Nevada". BerSnderungen in den Atlanten Neue Städte, neue Namen PS. Noch nie haben die Atlanten so rasch und in so großem Ausmaß ihre Physiognomie geändert wie in unseren Tagen. Wir wollen hier nicht an die zahlreichen Grenzverschiebungen erinnern, die seit Beginn dieses Jahrhunderts erfolgt sind; wir wollen nicht rekapitulieren, was im besonderen der Weltkrieg und die Friedenskonferenzen zur Umgestaltung der polifischen Geographie getan haben. Bon einem anderen Kapitel sei hier die Rede: von der Umgeburt und Neugeburt der Städte. Eine verhältnismäßig große Stabilität weisen die Städtenamen in den»misten westeuropäischen Ländern auf. Seit der endgülfigen Abschaffung der Monarchie in Frankreich sind kaum nennenswerte Umbenennungen erfolgt. Mit dem definitiven Sturz des Königtums fielen auch ungezählte Ortsnamen, die auf die Monarchie Bezug Nahmen; so wurde etwa aus Dun- le-Roi ein Dun-sur-Auron. Die enffchiedene republikanische Gesinnung des französischen Volkes duldete derlei Reminiszenzen nicht; es legte Wert darauf, daß auch die äußeren Dinge des Lebens der polifischen Umformung Rechnung tragen. Im übrigen aber waren in der Zwischenzeit nur sehr selten irgendwelche Aenderungen zu registrieren. Vor einiger Zeit wurde der Ort Cette in Set« umgetauft, und solche geringfügige Modifikafionen gibt es noch mehr. Auch in Deuffchland ist die Zahl der Aenderungen von Ortsnamen kn Lauf vieler Jahr- ipsrl• Spiel• Körperpflege Sttagen Sportärztliche Bedenke» gegen den Rmgkampf der Jugendlichen. Bon Dr. med. E. Sch. CH. Der Ringkampf ist aus rein psychologischen (seelischen) Gründen der Natur der Jugendlichen gelegen. Wer von u»S wird sich nicht gerne der Jugendzeit erinnern, wo wir uns als Knaben, auf unsere Kraft und unseren Mut pochend, gerade in dieser Sportart maßen? Mag auch der Kampf nicht immer ganz regelrecht und ehrlich gewesen sein und somfi auch nicht den sportlichen Regeln entsprochen haben, so herrschte doch meist überschäumende Kampfeslust, Ehrgeiz und Wille zum Sieg. Obwohl viele dabei manchen harten Griff ertragen mußten, so wird dies den Knaben und Jünglingen, die einst rechte Männer werden wollten, gut getan haben. Das gleiche Empfinden beherrscht die heufige Jugend, die sich dem Ringkampf zuwendet. Betrachten wir das Ringen von sportärztlichen Gesichtspunkten aus— um einen Begriff zu setzen— als eine„Widerstandsgymnastik am lebenden Körper"—. so dürfen wir seine Bedeutung auch in gesundheitlicher Beziehung nicht unterschätzen. Selbst der kri- tische Beobachter wird zugeben müssen, daß man über die Einstellung, ein Muskelathletentum zu schaffen, längst hinaus ist. Wer sich der Aufgabe unterzog, Amateursportvereine diesbezüglich zu überwachen und sich gar selbst mit den Regeln und Feinheiten des Ringens befaßte, wird bald eines anderen belehrt sein. Deshalb sollte man auch dem Ringsport di« rechte Würdigung zuteil werden lassen, obwohl besonders früher der Gedanke auch ärztlicherseits verbreitet wurde, daß sich die Jugendlichen aus Gesundheitsrücksichten nicht dieser Sportart widmen sollten. Aber die neuesten Untersuchungen dürfen wohl dazu berechtigen, diesem Einwand die Spitze abzubrechen. Daß ein gesunder Körper und vor allem ein gesundes Herz Vorbedingungen für das Ringen der Jugendlichen sind, ist selbswerständlich; ebenso, daß das Training sorgfältig geleitet und ärztlich überwacht wird. Wir müssen wohl zugeben, daß ein einseifig betriebener Kraftsport im Sinne des bevorzugten Gewichthebens, Reißens und Stoßens für die Jugendlichen nicht gut geheißen werden kann. Hiefür bestehen oft ärztlicherseits Bedenken und ist deshalb vor Ueberanstrengungen und allzu starker Belastung des Herzens zu warnen. Denn sonst könnten die mancherseits gemachten Einwendungen und etwaige Bedenken doch eine Berechtigung finden. Man mutz als Arzt in Erwägung verschiedener Umstände zu dem Schlüsse kommen, daß die sog. „Pressung" die als besonders schädigendes Moment betont wird, nicht so sehr in den Vordergrund gestellt zu werden braucht, wenn man gleichgewichtige und etwa gleichwertige Jugendliche nach Möglichkeit im Kampf paart. Wenn sich die Jugendlichen je nach sportlicher Ntigüng und Eignung dem Ringsport zuwenden, so werden wir beobachten, daß gerade diese Spottakt sich in der körperlichen Entwicklung mehr oder weniger deutlich ausprägt. Meist ist der Ringer durch statten Muskelansatz, breiten Schultergüttel und großen Brustumfang kenntlich. Es liegt aber die Schulung in dieser spottliche» Uebung nicht nur auf rein körperlichem Gebiet, sondern auch in anderer Beziehung Hilst der Ring- kampf Fähigkeiten entwickeln, die nicht zu unterschätzen sind. Denn die Gewandtbeit und Geschicklichkeit, die Geistesgegenwart und die schnelle Entschlußkraft, das Erfassen und Ausnützen günstiger Augenblicke im Kampfe, ist mitbestimmend für den Sieg. Wer es verstanden hat, seinen Körper außer in den Fachübungen auch in anderen Leibesübungen, wie es bei den Ringern meist üblich ist, als Ergänzungssport zu kräftigen, trägt zu seiner All- gemeindurchbilduna bei und kräftigt seine Gesundheit. Wer es gelernt hat, auf der Ringermatte seine Pflicht zu tun, bietet auch meistens die Gewähr, daß er im Lebenskampf seinen Mann stellt. Kaktusse mit„Z a» b e r d» n g" begossen, werden zauberhaft schön. Senden Sie uns Kö 5.60 in Briefmarken, wir liefern Ihnen dafür den guten Blumenzauberdung, den besten Dungguß für Ihre Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihre Blumen gedeihen werden. Berwalfimg„Frauenwelt", Prag XI1„ Fochovc tr. 62, und durch alle Kolpur» teure erhältlich. Die Kranken verlieren das Vertraue« zum Chinin Die mysteriöse Seuche auf Ceylon. Aus Colombo wird berichtet, daß die schreckliche Seuche noch in unverminderter Stätte wütet. Tausende von Kindern starben i» einem Monat allein im Kegalle-Dsstritt. Eine halbe Million Kranke ist sicher zu niedrig geschätzt. Die Totenliste wächst erschreckend. Und wo das Fieber im Abflauen ist, zeigen sich entsetzliche Nachwirkungen. Die Dörfer find stumm, die Felder vernachlässigt, die Scheunen leer. Das Volk hat den stummen wehen Blick des Hundes. Im Krankenhaus in Kegalle find nur 20 Betten, aber 90 Fäll« frühzeifiger Entbindungen, verursacht durch die Seuche, stehen zur Behandlung. Am Weihnachtstage brach das gesamte Pflegepersonal zusammen. Erschütternde Szenen spielen sich ab und entsetzlich ttauttge und hoffnungslose Bilder bieten sich dem Beobachter. Die Dorfbewohner verlieren täglich mehr das Vertrauen zum Chinin. Hilfsarbeiter in Deewala, sonst ein herrliches, zwischen Hügeln verstecktes Dott, bettchten, daß niemand von ihnen noch kräftig genug ist, um von den Verteilungsstellen Lebensmittelpakete abzuholen. In einem Hause fand man Vater und Sohn hilflos neben der Leiche der Mutter, an deren Seite«in lebendes Kind schlief. In einem anderen Hause war die Frau ganz verstört. Sie weigerte sich, Hilfe anzunehmen. Ihr Mann und ein Kind waren bereits wt und zwei Kinder krank. Sie wollten alle sterben. Eine Famüie, Mann, Fran und fünf Kinder, hatte ihre Tür verbarrikadiett und wollte ebenfalls den Tod erwatten. Obwohl nicht eine Meile davon Lebensmittel und Medikamente ausgegeben wurden, konnte doch niemand von ihnen hingehen, da sie alle krank und schon zu schwach dazu waren. Nach zwei Tagen erst wurde die Tür aufgebrochen. Drei Kinder waren bereits tot, das viert« starb auf dem Transpott ins Krankenhaus und das fünfte starb ein paar Tage später. Aehnliche Situa- fionen kann man in tausenden von Famllien vorfinden. Die Felder find trocken und zersprungen. Niemand ist da, um sie zu bewässern. Es wird 1935 keine Ernte geben. Das Gespenst der Hungersnot bedroht die zu Tode bettoffenen Dezitte. Die Regierung hat zwei Buddhistentempel als Pflegehäuser ausgestattet: Die Fachleute sagen, daß eS sich nicht um die eigentliche Malaria, wie angenommen, handelt, sonder» um eine Vitt schlimmer« Seuche, die leichter Lber- ttagen wird und schneller zum Tode fühtt. Urania-Kino, Klimentshä 4. Fernsprecher 61623. Ab Kreitae: „rarst Woronweffff“ (Nach dem bekannten Roman.) Driqitte Hel«, H. Knoteck, A. Schürrtzals. Ans der Bühne: der berühmte Hellseher ftreb Marion. zehnte recht unbedeutend; wir verweisen auf die Gründung der Stadt Hindenburg in Oberschlefft» im Zuge der Nachkriegsereigniffe und auf ein paar Ottschasten, di« sich nach dem 30. Jänner 1933 beeilten, die neuen Lenker deS Reiches durch Umbenennungen zu ehren... -Wichtiger als solche Namensänderungen sind aber die vielen Neugründüngen von Städten, die wir im Laufe weniger Jahre erlebt haben. Beginnen wir bei den Vereinigten Staaten von Nordamerika, die uns di« jüngst« Stadt der Welt geschenkt haben. Es handelt sich um Grand Coulee im Staate Washington, eine Niederlassung, di« im Oktober 1933 nicht einmal in ihren Anfängen existiette und di« heute bereits 2000 Bewohner zählt. Auch stn Staate Tennessee ist, in ganz kurzer Zeit ein neuer Ott aus der Erde emporgeschossen; er heißt Rorris und umfaßt heute bereits 350 Häuser, die mit dem modernsten Komfott auSgestafiet sind. In Alabama ist gleichfalls eine neu« Siedlung im Entstehen be- gttffen, die noch ohne Namen ist; sie dürfte wahrscheinlich nach dem General Wheeler bezeichnet werden. Auch Italien bereichett den Atlas durch neue Städte. Die Trockenlegung der Ponfinischen Sümpfe ist bekannt. Drei neu« Städte sind in dem neu eröbetten Gebiet im Wachsen begttffen: Sabau- ' dia, das von 20.000 Einwohnern nicht mehr weit enffernt ist, sowie Ponfinia und Littotta. Vor einigen Jahren war Gdynia ein fast unbekannter Ott; heute ist es ein« blühende polnische Hafenstadt. In Rhodesia ist die Stadt Lusaka an die Stelle der früheren Hauptstadt Livingstone gettete t. Die Invasion der Japaner in Mandschukuo und Korea hat auch in diesen Ländern zu namhafte» Neugründungen gefühtt. Ein kleiner Frachtbahnhof, der früher Chang-Chun hieß, wurde beinah« über Nacht das Zentrum einer großen Stadt. Nunmehr heißt der Ort Hsin-King, in dem mehr als 150.000 Menschen leben und arbeiten. Nach der letzten Stafistik ist der Ott zu der viettgrößten Stadt MandschukuoS aufgerückt. In Korea haben sich, zwei neue Hafenstädte entwickelt: Rashin und Seishin, und beide bedrohen sie die Vormachtstellung Wladiwostoks. Neue Eisenbahnlinie» gaben auch zu neue» Städtebildungen im Innern des Landes Anlaß; mit den Namen Taonen, Koshan, Tunhua, Tung- liano und Angangki erwähnen wir die wichtigsten dieser jungfräulichen Niederlassungen. Wenn wir gerade bei den exotischen Bezitten halten, wolle« wir auch noch darauf aufmerksam machen, daß die südlichste Stadt der Welt vor kurzem ihre» Name» gewechselt hat:, Stalingrad, Sverdlowsk, Askkhabad, Dnjepro- petrowfl, Alma Ata. Erst in den letzten Wochen hat man zu Ehren des ermordeten Kirow eine Reihe vo» Orten umbenannt. „Alles fließt", sagt der alt« Heraklit. Der Wandel der Städte auf den Atlanten der Gegenwatt ist ein neuer Beweis für diese alte Wahrheit. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kö 16.—. vierteljährig Kö 48.—, halbjährig Kö 96.—. ganzjährig Kö 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Ttte- graphendirekfio» mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-. Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.