I Sonntag, 2V. Jänner 1935 Nr. 17 15. Jahrgang BmMs 70 IMItr '•mftcNielMich 5 Heller Porto) ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xh,fochova a. telefon san. Administration Telefon ook. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR' EMIL STRAUSS, PRAG. Ernährungshilfswerk „Arbeiterfürsorge“ Als der Verband„Arbeiterfürsorge" Anfang Dezember in einem Aufruf zur Durchführung einer Hilfsaktion in den deutschen Bezirken dieses Staates aufrief, war er sich dcffen bewußt, daß dies bei seinen Mitgliedern, seinen Anhängern, bei der Oeffentlichkeit eine außerordentliche Hilfsbereitschaft voraussetzt. Die außerordentliche Rot in den Familien der Arbeitslosen und der Kurzarbeiter ist aber aufs Höchste gestiegen, es fehlt tausenden und abertausende« Familien in den von der Wirtschaftskrise besonders arg betroffenen deutschen Siedlungsgebieten an allem zum Leben Notwendigen: an Nahrung, an Kleidung, an Heizmitteln. Jh.c letzten Hoffnungen wenden sich ihren Arbeitsbrüdern, ihren Arbeitsschwestern, wenden sich der Solidarität der noch arbeitenden Klassen- genossen zu. Urber die Durchführung der Aktion in den Bezirken find bereits eine Anzahl Berichte eingelangt. In einzelnen Bezirken konnte von der Veranstaltung eigener Hilfsaktionen Abstand genommen werden, weil die Aktionen der Selbstverwal- tungSkörper die beste Gewähr für die gerechte Verteilung an alle Hilfsbedürftigen ohne Rück- stcht auf die Parteizugehörigkeit geben. In vielen Berichten aber wird aufgezeigt, daß durch die Aktionen der SBH dieHilfsaktio- iten der Selb st verwalt ungskör- ber unmöglich gemacht, öffentliche Sammlungen ungeheuer erschwert und die eige- Ne« Aktionen der Arbeiterfürsorge notwendig und bringend gemacht werden. Wir wenden unS deshalb nochmals an alle noch in Verdienst stehenden Arbeiter und Angestellten, die Fnnkttonäre der freigewerkschastlichen Organisationen, der Genossenschaften, der Partei Und der Kulturorganisattonen, weiter mitzuhrl- fen an unserem Ernährungshilfswerk, das bezweckt, den Hungernden B r o t bereitzustellen. Schon wird in einigen Bezirken regelmäßig an Familien Arbeitsloser Brot ausgegr- ben, doch ist es in vielen Bezirken nur möglich, die Aktton durchzuführen, wenn von außen finanzielle Hilfe gebracht wird. Spenden für den z-ntraten Hilfsfonds werden erbeten an den Verband Arbeiterfürsorge, Prag II.» Fügnerovo näm. 4.(Postsparkassenkonto: Prag 87428). Rachejustiz gegen Räkosi Budapest, ltk. B.) Matthias Räkosi— im Jahre 1918 Bolkskommiffarstellvertrrter in lln. garn— kam nach dem Zusammenbruch der Revolution nach Rußland und hat sich dort Jahre hindurch wissenschaftlich und teilweise propagandistisch betätigt. Im Jahre 1924 bezw. 192s, fuhr er im Auftrage der Komintern einigemal nach Ungarn mit dem Ziel, die ungarische kommunistische Partei zu organisieren. Trotz Lebensgefahr, bis e» verraten und verhaftet wnrd«. Er wurde damals wegen kommunistischer Umtriebe zn acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Räkosi bat inzwischen die Strafe abgebüßt. Er wurde nicht aus der Haft entlassen, sondern die ungarische Regierung hängt ihm jetzt nachträglich den Prozeß wegen seiner Bolkskommissär- 'ötigkeit an. Man kann zwar dem hochgebildeten Mann— er spricht und schreibt sechs Sprachen— vrrsönlich nicht na betreten, aber als Stellvertreter des Bolkskommissärs für Sozialisierungswesen wird ihm nach 15 Jabren angedichtet, daß er Mitglied der bolschewistischen Regierung war und daher für deren Handlungen verantwortlich wäre. Er wird angeklagt wegen 21fachen Mordes, Hochverrates, Aufruhrs, weiters wegen Geldfäl- lchnng— weil die Regierung, wie in allen anderen Staaten Geld drucken ließ— wegen Verletzung der persönlichen Freiheit in 387 Fällen, wegen Raub in LI, wegen Erpressung in 80 Fällen und wegen Diebstahls. Plontag, am 21. Jänner, wird sich ei« ungarisches Gericht allen Ernstes mit diesem unsinnigen und empörende« Fall von Rachejustitz befassen Es ist eine Schande, daß eine sogar vom Völkerbund grbrandmarkte Regierung, die Hel- 'crsbelfer der MarseiUer Mörder, heute noch so rmen Schandprozeß wagen kann! fniN Strauss Die Sowjetunion n schwierige und gegenüber e r s als j Nach einer dreiwöchentlichen Reise durch die Sowjetunion ist es nicht leicht, mit aller Bestimmtheit irgendwelche Schlüsse zu ziehen, da man in der kurzen Zeit Land und Leute eines Riesenreiches, welches ein Sechstel der Erdoberfläche bedeckt und 170 Millionen Einwohner zählt, nicht kennen lernen kann und die Unkenntnis der Landessprache überdies ein Hindernis bildet, mit den Massen der Bevölkerung in Verbindung zg treten. Immerhin möchte ich einige Erfahrungen und Ergebnisse niederschreiben, da ich Gelegenheit hatte mit den verschiedensten Menschen, sowohl mit Bolschewiken wie mit Nichtangehörigen dieser in der Sowjetunion alleinherrschenden Partei zu sprechen. Zweifellos ist, und darin stimmen Wohl alle Besucher der Sowjetunion überein, daß sich in Rußland seit 1917 ein gewaltiger Fortschritt vollzogen hat: wirtschaftlich, sozial und kulturell. In den dünnbevölkertsten Gebieten, in In Genf wird behauptet, daß Polen bereit wäre, sich an dem Ostpakt zu beteiligen, wenn dieser Pall kein Abkommen über gegenseitige Hilfeleistung, sondern bloß ein Konsultativpa 11 wäre. Das Problem bleibt demnach offen und die Verhandlungen zwischen Polen Frankreich sind noch nicht abgeschlossen. des Völkerbundes ausgenommen werden. Es handle sich aber nicht nur«m diese Kosten, sondern auch um die U« 1 e.r- bringungder Flüchtlinge» ein sehr schwieriges Problem, das ohne internationale Zusammenarbeit unlösbar sei. Der Völkerbund besitzt in derartigen Fragen sehr viel Erfahrung und besondere Organisation. Es möge deshalb entweder darauf zurückgreifen oder eine neue Organisation schaffen. Die französische Regierung werde in den folgenden Monaten schon die Aufgabe habe«, mehrere tausend französischer Bürger aus dem Saargebiet wieder aufzunrhmen und einzugliedern. Trotzdem sei sie der Meinung, daß die Erfüllung dieser Verpflichtung sie..och nicht von einer Geste der Menschlichkeit befreie gegenüber den deutschen Saarländern. Sig habe ihre Grenzen denen nicht verschließen wollen, hie in den ersten Tagen diese Grenzen überschreiten würden, sie könne aber die Türen nicht offen lassen für eine Einwanderung, wenn sie sich nicht der tatsächlichen Mitarbeit des Böllervundes vorher versichert habe. Ans diesem Grunde bitte die französische Regierung den Böllerbundrat, schon jetzt das Problem der saarländischen Flüchtlinge zu behandeln. Um den Ostpakt Polen zögert noch immer Genf. Die Genfer Beratungen zahlreicher Diplomaten betreffend den O st p a k t und den mitteleuropäis chen Pakt wurden zwar mit keinem konkreten Abkommen abgeschlossen, brachten aber doch in einigen wesentlichen Fragen eine Klärung. Minister Laval, verhandelte SamStag nachmittags mit Minister-B e ck und hierauf mit Minister Dr. Benes. Der polnische Außenminister Beck hatte eine Unterredung mit dem Volkskommissär für Aeutzeres Litwinow, die gleichfalls den Ostpakt betraf. Baron A l o i s i hatte mtt Minister Dr. Benes eine Beratung über die mitteleuropäischen Abkommen. In Angelegenheit des Ostpaktes hat die polnische Regierung entgegen allem Erwarten keine definitive Antwort erteilt. Die Lage scheint am besten durch eine Erklärung des VolkS- kommissär für Aeußeres Litwinow charakterisiert zu sein, der u. a. sagte, daß der Abschluß deS Ostpaktes weüerhin nur noch von der Antwort Deutschlands abhänge. Hitler fahrt ins Saargebiet? Paris. Der„Jntranfigeant" erfährt aus dem Saargebiet, daß dort heute für Anfang März der Besuch Hitlers angekündigt wurde. Hitler wird am 10. März in Saarbrücken eintteffen, im „Wartburg"-Saale, wo bekanntlich die Stimmenzählung stattfand, eine große Rede halten und persönlich einige Führer der Deutschen Front im Saargebiete dekorieren. denen früher nichts anderes als eine primitive extensive Landwirtschaft bestanden hatte, stehen Riesenunternehmungen, wie wir sie in der Tschechoslowakischen Republik kaum finden, gewaltige Elektrizitätswerke, Maschinenfabriken, Kombinate aller Art, die den größten amerikanischen Unternehmungen an die Sette, gestellt werden können. Mit einem Eifer und einer Leidenschaft ist da für den wirtschaftlichen Fortschritt gearbeitet und geschaffen worden, welche uns die größte Achtung abringt den Millionen Proletariern gegenüber, die die größten Opfer gebracht haben, um die Industrie des Landes vorwärts zu bringen, und eine Schwerindustrie zu schaffen, die die Grundlage einerseits für die Fertigwarenindustrie bildet und insbesondere die Voraussetzung einer erfolgreichen Lande sverteidigungist. Man kann den Sinn der beiden Fünfjahrespläne nicht verstehen, wenn man nicht bedenkt, daß die Sowjetunion dadurch Mittel zur Verteidigung des Landes gegen den Imperialismus einzelner Großmächti. schaffen wollte— und dies unter■ allen Umständen. SLährend aber der erste Fünfjahresplan vor allem die Schaffung der Schwerindustrie zum Zwecke hatte und die Erzeugung von Konsumwaren bewußt vernachlässigte, ist in den ersten zwei Jahren des zweiten FünfjahreSplans bereits eine immerhin beachtenswerte Industrie von Fertigwaren entstanden und es konnte somit auch der Nahrungsmittclversorgung der Bevölkerung größeres Augenmerk zugewandt werden. Äöm'Hunger als Massenerscheinuttg in der Sowjetunion sicht man nichts. In den großen Städten gibt es Läden, wo die Nahrungsmittel zu Bergen aufgestaut sind und in denen der freie Einkauf möglich ist. Freilich bekommt man nicht immer gerade dasjenige, was man will und man muß oft mit dem vorlieb nehmen, was gerade da ist. Jnsbesonders die Fleischversorgung ist noch mangelhaft und tägliche Fleischnahrung kann sich auch der besser qualifizierte Arbeiter kaum leisten. Satteffen kann sich aber Wohl jeder, der arbeitet und in den größeren wie in den kleineren Betrieben sind Küchen eingerichtet, in denen man zu verhältnismäßig billigem Preise essen kann. Ein großer Teil der Bevölkerung ißt Mittag nicht zuhause, sondern im Betriebe(auch geistige Arbeiter). Kann sich nun der Arbeiter auch die Nahrungsmittel kaufen, die er braucht, und wie i ü esmitder Lebenshaltung desrui- fischen Arbeiters? Man kann da zwei Maßstäbe anlegen. Vergleicht man das Lebensniveau der russischen Arbeiter und Bauern in der Zarenzeit mit jenem von heute, so ist gar kein Zweifel, daß die Werktätigen Massen der Sowjetunion heute besser leben als vor 1914. Vergleich! man aber die Lebenshaltung des russischen Arbeiters etwa mit der seines tschechoslowakischen Klassengenossen, so wird man Wohl festftellen können, daß diese bei uns höher ist als in der Sowjetunion. Ganz sicher bei den Massen der unqualifizierten Arbeiter, die bei uns besser leben, ebenio wie unsere Arbeiter besser, wohnen. Es wird tvotl auch der Arbeitslose, in der Tschechoslowakei, der organisiert ist und die Unterstützung nach dem Genter System bekommt, nicht schlechter leben, als der unqualifizierte Werktätige in der Sowjetunion, der Arbeit hat. Freilich stammen die un- qualifizierten Arbeiter in der Union meistens vem Lande und sind an eine niedrigere Lebenshaltung gewöhnt. Besser geht es schon den angelernten Arbeitern, noch besser den technisch und sonst bei- vorragend qualifizierten Kräften» wie Ingenieuren und öffentlichen Beamten. Wer etwa glaubt, daß kein Unterschied in der Bezahlung der Arbeitskräfte besteht, irrt sich. Wählend ein unqualifizierter Arbeiter vielfach nicht, mehr als 100 Rubel im Monat(manchmal am' weniger), hat ein qualifizierter Arbeiter 200 bis 300, ein Ingenieur etwa 1000 Rubel im Monat, Unterschied- in der Bezahlung, die also sehr groß sind und einen Unterschied in der Nahrung, Kleidung imd im Kulturgenuß bedingen. Schlechter als mit der NahrungSmittelver- sorgung bestellt ist es in der Sowjetunion mit Ver Wohnungsfrage. In den großen Städter., in welche die industrielle Arbeiterschaft zusanrinen- strömt, ist in den letzten Jahren wohl außerordentlich viel gebaut worden, in Moskau und ander- wärts sind ganze neue Arbeiterstävte entstanden. Bloß guter Wille zu wenig... Lord Eden an Deutschlands Adresse. Genf. Lord-Geheimsiegelbewahrer Ede hielt im Rundfunk eine Rede, die nach England überttagen wurde. Eden glaubt, daß das Ergebnis der Saarabstimmung eine glücklichere Aera einleiten wird, jedoch müßten die Völler den gemeinsamen Interessen größere Opfer bringen als bloß guten Wilken, möge er noch so aufrichtig sein. Saarflüchtlinge— ein Völkerbundproblem Französische Denkschrift in Genf überreicht Genf. Der französische Außenminister Laval hat am Freitag abends die von ihm in einer Rede bereits angekündigte Denkschrift über die Frage der Saarflüchtlinge dem GeneralsekretLr des Völkerbundes zu Händen des Dreierausschufses überreicht. In der Denkschrift verweist Laval darauf, daß das Problem vor allem den Völkerbund an gehe, der eine doppelte Verantwortung gegenüber diesen Flüchtlingen trage? er müsse hier vor» beugend tätig sein. Dann könne auch eine Auswanderung vermieden werden, die bei dem gegenwättigen Stand des Arbeitsmarktrs sowohl für die Emigranten selbst wie für die Bevölke rung, innerhalb deren sie leben, wohl Probleme aufwerfen würde. Die Stellung des Böllerbundes diesen Flüchtlinge« ist ganz and die gegenüber früheren Flüchtlingen. Der Völker bund habe das Saargebiet 15 Jahre lang verwal- tct, ein großer Teil derjenigen, der unter Um ständen gezwungen sein. würde, ausz«wanderm, habe sich für die Aufrechterhaltung dieses Böller- bundregimes ausgesprochen. Der Völkerbund habe daher gegenüber diesen Menschen nicht nur die allgemein menschliche, sondern eine unmittel bare Verantwortung. Daraus müßten die nö tigen Folgerungen gezogen werden. Es handelt sich dabei um eine finan zielle Frage. Die Kosten für den Unterhalt der Saarflüchtlinge müßten in dem Haushalt Abessinien—Italien' Genf. Der Völlerbundsrät hat am Samstag in geheimer Sitzung davon Kenntnis genommen, daß Italien und Abessinien sich durch Schreiben an den Generalsekretär des Völkerbundes verpflichtet haben, auf der Grundlage des Vertrages von 1908 in unmittelbare Verhandlungen über die Regelung des Streitfalles einzutreten und nichts zu tun, was die Lage verschlimmern könnte. Abessinien behält sich aber vor, falls keine Einigung erzielt werden sollte, den Völkerbundsrat später wieder mit der Frage zu befassen. In dieser Angelegenheit hatte am Freitag Minister Laval vermittelt. Frankreich und England werden auf Grund des Vertrages vom Jahre 1906 über der Einhaltung der territorialen Unabhängigkeit Abessiniens Wachen. Seite 2 Sonntag, 20. Jänner 1935 Rr. 17 An«IS« Arbeitersportler! Der Zentralrat der sozialistischen Körpererziehungsorganisationen, der 280.000 Mitglieder umfaßt, hat in seiner Hauptversammlung am 13. Jänner 1935 sich neben der organisatorischen und erzieherischen Arbeit auch mit der politischen Entwicklung in diesem Staate befaßt und festgestellt, daß sich die Arbeitersportorganisationen aller Sprachen auch im verflossenen Jahre einheitlich und klar zum tschechoslowakischen Staate bekannten und wirksame Arbeit für die Freiheit urid Demokratie und das Ansehen des Staates leisteten. Wir verweisen noch einmal auf die HI. tschechoslowakische Arbeiter-Olympiade in Prag, an der alle Arbeiter-Sportorganisationen dieses Staates in einheitlicher Front ein gewaltiges Bekenntnis zur Freiheit und Demokratie ablegten. Eine imposante Manifestation, die weit über den Rahmen des Staates hinaus von großer Wirksamkeit war. Auf den Wehrtagen zeigten die Organisationen deS Zentralrates durch den Massenaufmarsch geschulter Wehrsportler die Bereitwilligkeit, im gegebenen Falle die demokratischen Einrichtungen dieses Staate- gegen die offenen und getarnten fascistischen Abenteurer mit allen Kräften zu verteidigen. Damit leisteten die Organisationen ein großes Werk staatspolitischer Erziehung Das Jahr 1935 ist wiederum gezeichnet durch die Auswirkung der kapitalistischen Krise. Schwer arbeiten unsere Organisationen, die Bemühungen der Gegner wachsen. Doch unsere Organisationen stehen fest und unerschüttert. 1935 ist daS Jahr großer politischer Entscheidung im Staate. Die Wahlen für die Nationalversammlung, in die Landes, und Bezirke. Vertretungen müssen beweisen, daß die sozialistische Arbeiterschaft auch in der nächsten Ber- waltungbperiode ein wichtiges Wort mitz,«reden hat. Unsere Organisationen haben am Ausgang der Wahlen ein besonderes Interesse und werden sich begeistert in den Dienst der sozialistischen Wahlarbeitenstellenundallestun, um den Wahlsieg der sozialdemokratischen Parteien zu sichern. Jeder ArVeitersportler hat die ehrenvolle Verpflichtung, jetzt schon in diesem Sinne rnitzu- helfen und Agitator für uns zu sein. Der Ausgang der Wahlen mutz ein Schlag gegen die reaktionären Elemente in jeder Nation sein und einen Triumph der Arbeiterklasse bringen. Arbeiter-Sport- und Kulturorganisationen aller Nationen, an die Arbeit! Für die hehre Idee proletarischer Körperkultur, für den sozialen Aufstieg deS Proletariats, für die freie demokratische Tschechoslowakische Republik! Der Zentralrat der sozialistischen Körpererziehungsorganisationen der ESN- R. Silaba J. PoSapka H. Müller Diese Wohnhäuser machen insbesondere, soweit sie in den ersten Jahren des Bestandes der Union gebaut wurden, einen primitiven Eindruck, sie lassen sich mit den Wohnhausbauten bei uns nicht vergleichen, wie denn bei uns die Wohnkultur auch des Arbeiters auf weit höherer Stufe steht. So ist das Mobilar unserer Arbeiterbevölkerung besser und gediegener als jenes der Arbeiter in der Sowjetunion. Die Häuser, die in der allerletzten Zeit gebaut worden sind, sind aUerdings besser und geräumiger als die etwa bis 1925 entstandenen. Die Wohnungsnot geben ebenso die Sowjetfunktionäre wie die Arbeiter zu, mit denen man darüber spricht. So sagte ein Arbetter in Moskau zu uns, daß er mit seiner Familie ein Zimmer bewohne und sehr beengt sei, aber in zwei Jahren werde er eine bessere Wohnung haben. Diese Erfahrung kann man allgemein machen: die Leute geben gewisse Mängel zu, aber sie hoffen bestimmt, daß es in absehbarer Zeit besser sein werde. Insbesondere die jüngere Generation, welche vielfach nicht nur in den Fabriken dominiert, sondern die auch hohe Posten in der Wirtschaft und Verwaltung bekleidet— man findet Fabriksdirektoren, Korpsgenerale und Sektionschefs zwischen 30 und 35 Jahren— steht hinter dem herrschenden Regime und ist berett mit aller Kraft und mit allem Talent am Aufbau der Sowjetunion mitzuarbeiten. Wenn man einige Zeit in der Sowjetunion geweilt hat, erhält man also den bestimmten Eindruck, daß das Land wirtschaftlich und kulturell mit raschen Schritten vorwäriSschreiiet und daß daS Regime fest im Sattel sitzt. Ebenso klar werden jedoch die großen Unterschiede in der wirtschäftli ch^e n und sozialen Struktur, in der kult.urellen und seelischen Eigenart zwischen Westeuropa und dem Sowjetstaat. Im Osten eine ganz anders geartete Bauernklasse, Ausbau der Industrie, jahrhundertelange Gewöhnung an eine niedere Lebenshaltung, bei uns zu viel Industrie, eine sich ihrer Klaffenintereffen bewußte, selbständig handelnde Bauernklaffe, höhere Lebenshaltung, höheres Kulturniveau. Faßt man den Marxismus nicht als Dogma auf, sondern als eine realistische Lehre, welche von den jeweils gegebenen Lebensbedingungen ausgeht, so gelangt man sowohl durch das Studium als auch durch die Anschauung der sowjetistischen Wirklichkeit zum Schluffe, daß dieMethodendesSozia« lismus in Westeuropa notwendigerweise andere sein müssen als im Osten. Ich hatte mehrere Male Gelegenheit mit Sowjctfunktionären über die Aufgaben der Sozialdemokratie außerhalb der Sowjetunion zu diskutieren, die Argumente, welche da von kommunistischer Seite kommen, sind bekannt. Ich habe in solchen Auseinandersetzungen stets darauf aufmerksam gemacht, welche große hi st arische Auf gäbe der Sozialdemokratie in der Tschechoslowakischen Republik gegenwärtig zukommt. Ein einziger Blick auf die Landkarte genügt, um diese Aufgaben in ihrer ganzen Bedeutung zu erkennen. Umgeben vom Meer des Fascismus haben wir bisher erfolgreich eine politische Verfassung erhalten, welche der Arbeiterbewegung jene Bewegungsfreiheit gibt, ohne die kein Aufwärts und Vorwärts möglich ist. Wir haben das erreicht durch die Aktivität der sozialdemokratischen Parteien deS Landes, welche von dem Stück Macht und Einfluß, das sie in der Hand halten, nichts preisgeben wollen. Ist es für die Entwicklung der Sowjetunion in den nächsten Jahren ein Lebensbedürfnis den Frieden zu erhalten, um den wirtschaftlichen Aufbau weiter fortzusetzen, so hat sie hiefür keinen besseren Bundesgenossen als die tschechoslowakische Demokratie, welche ebenso wie die Sowjetunion keine Eroberungsabsichten hat und in der gleichen Weise an der Erhaltung des Friedens interessiert ist. Die sozialistischen Parteien der ESN sind aber die stärkste und verläßlichste Stütze der tschechoflowakischen Demokratie und deswegen ist es gegendasJnteresse der Sowjetunion gerichtet, durch Unterstützung der kommuni st i- schen Partei der§ SR di« sozialistischen Parteien zu bekämpfen und zu schwächen. Die kommunistische Partei bei uns tut nichts dazu, um die demokratische Republik zu festigen und leistet daher der Sowjetunion und ihren Werktätigen Massen einen schlechten Dienst. Haben die Bolschewiki Rußlands 1920 geglaubt, durch Spaltung der Arbeiterbewegung in Westeuropa die Weltrevolution herbeizuführen und dadurch die Sowjetunion vor der Intervention kapitalistischer Mächte zu retten, so liegt die internationale Situation heute durchaus anders. Die Spaltung, der westeuropäischen, Arbeiterbewegung schwächt diejenigen Schichten der westeuropäischen Bevölkerung, welche die Sowjetunion am tatkräfe tigsten in deren Kampf um den Frieden unter- stützen können, während eine starke Sozialdemokratie in Westeuropa ein Friedensfaktor ersten Ranges i st. Als mich jemand während meines Aufenthaltes in der Sowjetunion in einer Diskussion fragte, warum ich Sozialdemokrat bin, antwortete ich ihm kurz und bündig:»Weil ich der europäischen Entwicklung im allgemeinen und jener der TSR im besonderen nicht mit den Händen in den Hosentaschen zusehen will und weil ich meine Aufgabe nicht darin erblicke, nichts anderes zu tun, als auf die bürgerliche Gesellschaft die Zunge hinauSzustecken." Nicht die revolutionären Phrasen unserer heimischen Kommunisten, son dern positive Arbeit im Interesse der Werktätigen ist die Aufgabe. Diese Erkenntnis, die ich seit jeher hatte, ist durch meine Reise in die Sowjetunion bestätigt und gestärkt worden, wobei ich gern zugebe, in Rußland außerordentlich viel gesehen zu haben, was für einen Sozialisten sehr lehrreich ist und was er anderwärts nicht sehen kann. Ebenso spreche ich es gerne auch aus, daß sich in den letzten Jahren in der Sowjetunion einimposan- terAufbau vollzogen hat, für den das sowje- ttstische Proletariat mtt Geschick und Energie, mit Leidenschaft und sozialistischer Aufopferung Bewunderungswürdiges gelei- st e t hat. Generalstabschef KreRi über aktuelle Wehrprobleme Prag. Der Minister für Nationalverteidigung B r a d ä k lud für SamStag die Vertreter der Prager Tagespresse zu sich. An'der Zusammenkunft beteiligten sich Generalinspektor Armeegeneral Syrovh, Generalstabschef Armeegeneral Krejü und dessen Vertreter die Brigadegenerale Husärek und Neumann sowie auch der Vorstand des Präsidiums General Dr. Bobratilek. Generalstabschef Krejist befaßte sich mit einer ganzen Reihe aktueller Fragen, die mit der Verlängerung der Dienstzeit auf zwei Jahre verbunden sind. Die zweijährige Dienstzeit sei auf absehbare Zett hinaus die gegebene Grundlage; eine kürzere Dienstzeit bezeichnete der General als inhuman, da sie keine Soldaten, sondern nur„Kanonenfutter" ausbilde. Die zweijährig« Dienstzeit habe die Bedingungen für eine gute Ausbildung der Armee geschaffen. Namentlich für die Ausbildung der Reserveoffiziere wird mehr Zeit zur Verfügung stehen; die weitere Ausbildung in Spezialkursen wird in das zweite Dienstjahr verlegt werden. Der Antrittstermiu wird jetzt wieder einhett- lich auf de» 1. Oktober festgelegt werden, und zwar sowohl für die Mannschaft wie auch für die Ersatzresrrve und die ReserveoffizierSafpiranten. Die höheren Unteroffizierschargen bis zum Zugsführer werden jetzt schon der präsent dienenden Manschest zugänglich sein; die Beförderung soll nach je sechs Monaten erfolgen. Bezüglich der Urlaube wird in der bisherigen Praxis keine Aenderung eintreten bis auf die landwittschaftlichen Urlaube, die in Zukunft nachgedient werden müssen. Dem Offiziersmangel sucht die Heeresverwaltung vorläufig durch die Heranziehung von Unterleutnants der Reserve zu einer freiwillig verlän« gerten Dienstzeit von sechs Monaten bis höchstens drei Jahren abzuhelfen; trotzdem hier der arbeitslosen Intelligenz ein bescheidenes Auskommen bis zur Erlangung einer entsprechenden Zivilstellung geboten ist, reicht die Zahl der Anmeldungen noch nicht hin, um den Bedarf zu decken. Der Generalstabschef ver- sicherte, daß jeder dieser Unterleutnants ohne Rücksicht auf die übernommene Dienstverpflichtung auf Wunsch sofort entlassen werden wird, falls sich ihm eine Zivilstellung bietet. Angesichts der ständigen Vervollkommnung namentlich der technischen Kampfmittel sei die Vermehrung der Zahl der Berufsoffiziere und die Sorge für eine höhere, namentlich technische Ausbildung des Offizierskorps eine weitere dringende Notwendigkeit der Armee, ebenso wie die vormilitärische Erziehung auf gesetzlicher Basis. Diese dürfte sich wahrscheinlich in einer eigenen Organisation abspielen und müßte von Reserveoffizieren und Unteroffizieren geleitet sein. Hier spielen natürlich sofott finanzielle Momente eine große Rolle. Bei allen Nachbarn sei man in der vormilitärischen Erziehung schon bedeutend Wetter. Eingehende Aufmerksamkeit widmete der Generalstabschef schließlich den materiellen Verhältnissen der Militärgagisten, die gegenüber anderen Staaten viel schlechter gestellt seien. In dieser Richtung hat bekanntlich schon Minister B r a- bat selbst im Parlament die Forderung nach Besserstellung der aktiven Offiziere und Unteroffiziere angekündigt. Die Militärverwaltung plant eine Erhöhung deS Equipierungspauschale bei Offizieren aus 1800 bis 2000, bei Rottmeistern auf 1500 KC jährlich. Bisher betragen diese Beittäge bei Offizieren 600, bei Rottmeistern 360 Kü. Außerdem soll in bescheidenen Grenzen eine Sonderzulage für das Militär geschaffen werden, um ein gewisses Aequivalent für die erhöhten Anforderungen, die an das Berufsmilitär gestellt werden, zu bieten. Diese materiellen Fragen befinden sich allerdings noch nicht'einmal im Anfangsstadium der Koalitionsberätungen. Das Komitee für Betriebe der Kommission für die Oekonomisierung der öffentlichen Verwaltung hiell am 16. dS. eine Sitzung ab und beriet über die An- träge, die auf eine Verbilligung der Verwaltung der Staatsbahnen gerichtet sind, sowie über die Verwaltung der Staatsbäder, über die Sparsamkeit bei öffentlichen Bauunternehmungen ustv. Behandelt wurde weiter das Arbeitsprogramm für die nächste Zeit. Di« Arbeiten im Komitee für Be» triebe werden vor allem auf die Beendigung des Planes der Organisatton der Staatsbahnen und die Oekonomisierung der Verwaltung in den Staatsforsten und-Gütern, den Berg» und Hitttenunter- nehmungen und den Druckereien konzentriert sein. 45 Roman von Olga Scheinpflugovä Copyright by Pressedienst E. Prager-Verlag, Wien Der Wagen hielt vor einem Hause und alle, Raoul und auch der Oberst, der allerdings wenig Neigung hiezu zeigte, gingen die Treppen hinauf. Raoul blieb auf dem Korridor stehen und wartete, bis man sich seiner erinnerte. Die Stubenmädchen liefen hin und her. Eine gefiel ihm sehr gut. Babsola kam und schien verlegen zu sein; sie hatte seiner vergessen. Man führte ihn in ein kleines Zimmer, wo das Nachtmahl und ein Bett seiner warteten. Raoul schlief die erste Nacht in Paris recht schlecht. Der Oberst setzte sich mit Babiola zu dem späten Souper. Während des Essens öffnete sie die Post. Obenauf lagen einige Briefe Feliciens und sie gab vor Jouvenelle den Befehl, sie uneröffnet zurückzuschicken. Sie speisten. Babiola ttank unvernünftig viel, als wollte sie ihren Verstand bis zur Unvernunft müde machen.- Sie sah Äes nebelhaft. Wo war Felicien? Sie trank. Plötzlich bot sie dem Obersten mit ihren Lippen eine reife Beere an. Er nahm sie aus mehr als geziemender Entfernung. Aber seine schweigsamen Lippen öffneten sich; er sprach: „Meine liebe, schöne, törichte Babiola: ich bin schon ein alter Soldat, dem man eS Nachsicht, wenn er die Manöver nicht mehr mitmacht. In einen wirklichen Krieg zöge ich wohl gern mit— aber ich könnte nicht..." „Warum?" „Verwundete kämpfen nicht." „Sie sind...?" „Verwundet, ja." Ihre Intelligenz bedurfte keiner weiteren Erläuterungen. Ein sonderbarer Nebel trübte ihre Augen. Sie war jetzt wie ein Kind mtt der Stimme einer Erwachsenen: „Sie sind krank?" „Ja."* „So...?" „Ja... so." Er wäre am liebsten tot gewesen; er bedauerte, an der Marne nicht gefallen zu sein. Mit fester Stimme sagte sie:„Jean, ich will einen wirklichen Menschen neben mir fühlen. Alles andere ist gleichgültig. Morgen kommst du zu mir zu Tisch; übermorgen fahren wir nach Versailles. In einer Woche werde ich wieder spielen. Dann werden wir gemeinsam schöne Abende verbringen." Sie versprach viel. Er sollte wissen, daß sie mit ihm rechne. Er lächelte dankbar. Es war ihr gelungen, ihn zu beruhigen; sie war mtt sich zufrieden. Es war eine edlere Aufgabe als die, das Publikum zwei Stunden lang seine Tagessorgen vergessen zu machen... Babiola plauderte fröhlich von diesem und jenem. Schließlich stellte sie sich schläfrig, damtt er gehe. Er straffte seine Gestalt und ging. Ba^'laS Ruhm breitete sich epidemisch auS, Sie sei sah sich wie einen fremden Menschen an. Die w'. Begeisterung der Hände, die ihr Beifall spendeten oder sich um die neueste Ausgabe ihrer Bücher rissen, war ihr unverständlich. Sie wünschte in der Einförmigkeit ihrer Siege wenigstens einmal auf Stille, Unverständnis oder Verlegenheit zu stoßen. Sie spielte zwanzigmal im Monat. DaS Theater war immer ausverkauft. Ihre Leistungen waren wie kostbares Obst aus dem Garten der Erkenntnis. Den Männern wich sie aus. Sie sah, wie der Rostandverehrer und viele andere Verehrer älteren und neueren Datums in Leiden-. schäften zu unbedeutenden Mädchen entbrannten, nur weil sie weniger bedeutend, schwächer als sie waren. Kleine Statistinnen erlebten berauschende Liebe und wurden geliebt, wie sie selbst es nie zu ttäumen wagte. In ihrem Leben gab es keinen Lucien, keinen Jacquc» mehr, der sich in seiner trostlosen Ehrlichkeit weiß Gott wohin verloren hatte. Es gab hier nur noch Jouvenelle. Daß er nicht ihr Geliebter war, schien eine Zeitlang das Interesse Ladtolas Ruhm breitete sich epidemisch aus... ihres Verkehrs zu heben. Sie gingen zusammen spazieren, führten stundenlange Gespräche. Er war ihr dankbar. Einigemal begleitete er sie zu Tees und ins Theater. Man sah dem Paare wohlgefällig nach. Sein Aeußeres befriedigte die verwöhntesten Augen. Mit ihrem Ruhm wußte er nichts anzufangen. Er hielt sich dem Gedränge, das ihr Auto umgab, stets fern. Ihre Blymen trug er aber gern und widerspruchslos. Er wär aufrichtig und geradsinnig. Er kannte und wußte viel, aber in ihren Gesprächen entstanden doch öfter Lücken, die er nicht ausfüllen konnte.— Nach langem Ueüer- legen und Erwägen entschloß sich Babiola, Raoul selbst zu behalten und sie beförderte den von der Großstadt berauschten armen Teufel zu ihrem Diener. In einer schönen, mit Lackleder überzogenen Schachtel, die an einen Riemen geschnallt war, trug er ihre Garderobe ins Theater. Die Köchin brachte ihm bei, den Tee in einem weißen Rock zu servieren. Babiola versprach Raoul, ihn zu ihrem Chauffeur zu machen, bis er sich an die Großstadt gewöhnt habe. Inzwischen fiihrte er die Hunde auf die Straße und besorgte Botengänge. Es dauerte einige Wochen, bis er begriffen hatte, wer Babiola aus Bidar geworden sei und er wurde jeden Morgen rot, wenn er förmlich wie die Mädchen grüßen mußte:„Guten Morgen, Madame." Früher hatte er„Du" zu ihr gesagt und sie duzte ihn heute noch. Er begriff aber, ohne daß ihm das jemand gesagt hätte, daß er das nicht mehr tun dürfe. Die erste Zeit empfand er große Sehnsucht nach der Heimat. Aber die fünfhundett Franken, die er außer freier Statton von seiner Gebieterin erhiell, übertönten das sehnsüchtig lockende Lied des Meeres. Er gewöhnte sich daran, anstatt der Brandung das Tosen der Großstadt zu hören. Anfangs schämten sich die Hausmädchen seiner, klier aber elegantere Kragen trug, befreundete sich eine mit ihm; sie hieß Nanette. Zunächst warf sie ihm vor, daß er dumm sei; ein wenig später aber hatte sie Angst, er könne unter ein Auto geraten. Er fühlte, daß ihn jemand in der großen Stadt gern habe. Raoul erzählte einmal dem aufhorchenden Mädchen von der kleinen Limonadenverkäuferin und freute sich, als er merkte, daß er dadurch in ihrer Achtung stieg. Zu seinen Obliegenheiten gehörte eS, die Türe zu öffnen, wenn eS läutete. lFortsetzung folgt.) Nr. 17 Sonntag, 20. Jänner 1938 Seite 3 Die pollflsdic Woche Im Kladnoer Revier ist wieder Ruhe eingc- treten und damit auch in der ganzen Oeffentlich- keir, welche die Sache der Bergarbeiterschaft zu der ihren machte. Mit fester Hand hat die Regierung in dm Konflikt eingegriffen und die Bergherren, deren Vorgehen allgemeine Erbitterung hervorgerufen hatte, in die gesetzlichen Schranken gewiesen, nachdem die vorangegangenen Versuche, den Grubenbesitzern die Unmöglichkeit ihres Vorgehens verständlich zu machen, zu keinem Ergebnis geführt hatten. Dabei ließen es alle Regierungsstellen und insbesondere das Arbeitenministerium an Bemühungen, dem Kladnoer Revier verschiedene Zugeständnisse und Begünstigungen eisen- bahntariflicher und anderer Art zuteil werden zu lassen, nicht fehlen. Die Bergherren hatten es diesmal auf ein D i k t a t abgesehen und so mußten denn die Bergbehörden, die bekanntlich dem Arbeitenministerium unterstehm, auf den Plan treten und ihres Amtes walten. Sie haben den von den Grubenbesitzern angekündigten Versuch der Kündigung einer größeren Anzahl von Arbeitern als nach dem Gesetz unzulässig erklärt und in diesem Sinne die notwendigen Verfügungen getroffen. Sie werdm nun das weitere gesetzliche Verfahren durchführen, auf Grund dessen sie dann die endgültige Entscheidung treffen werden. Die Grubenbesitzer scheinen daraufhin doch langsam den Ernst der Lage begriffen zu haben. Wenigstens, haben sie sich in einem an den Revierrat gerichteten Schreiben, in welchem sie der Arbeiterschaft die Schuld an der weiteren Entwicklung anzulasten bemüht sind, in die gegebene Rechtslage gefügt. Es ist das erste Mal, daß die Bergbehörden zu einer solchen Maßnahme greifen muß- ten, aber das unverantwortliche Vorgehen der Bergwerksbesitzer machte ein solches Eingreifen ebm notwendig I Es unterliegt natürlich keinem Zweifel, daß schon in den nächsten Tagen in der kommunistischen Presse nachzulesen sein wird, daß die Kommunisten wieder einmal die Situation gerettet und durch ihre Kampfparolen den Unternehmern ihren Kampfwillen aufgezwungen hätten usw. Aber diesmal hat es die Arbeiterschaft ganz klar zu sehen bekommen, daß es die Ber» trauensmännerdersozialisti- schen Arbeiterschaft gewesen find, die durch entschlossenes Handeln den Unternehmern Halt geboten und die Bergarbeiter vor den Folgen der Maffenentlaffung bewahrt haben, und nicht irgendwelche kommunistischen Schreier. In der Innenpolitik wurde die zurückliegende Woche zur Vorbereitung der kommenden Arbeiten benützt. Die Beratungen über das Arbeit-- b e s ch a f f u n g Sprogram m haben wieder eingese^. Die Regierung bemüht sich um die Aufbringung der notwendigen außerbudgetären Mittel, um den Arbeitslosen durch weitausgreifende Maßnahmen, vor allem durch Beschaffung von ArbeU, beizuspringen. DaS Ministerium für öffentliche Arbeiten hat nicht nur das normale Arbeitsprogramm für das laufende Jahr 1938 vollkommen bereitgestellt, so daß alle diese Investitionen sofort bei Eintritt günsttger Witterung beginnen können; über den Rahmen deS Budgets hinaus liegt außerdem ein in«Alen Einzelheiten ausgearbeitetes, auf konkrete Projekte gestütztes zusätzliches Arbeitsprogramm vor, das sofort in Gang gesetzt werden könnte, sobald die notwendigen finanziellen Mittel gesichert sind. Auch das Fürsorgeministerium hat im Rahmen der produktiven Arbeitslosenfürsorge die notwendigen An, stalten getroffen, damit mit Hilfe von Vorschüssen gewisse infolge deS Mangels an finanziellen Mitteln ruhende, sonst aber fertiggestellte Arbeiten so rasch wie möglich in Gang gesetzt werden können. Die sozialistischen Parteien schaffen also unermüdlich und lassen die sonstigen Projektemacher in den diversen nationalistischen Fronten ouhig gewähren, die mit ihren verworrenen, alles andere als konkreten Plänen Wohl den Dummen den Kopf vollzumachen bemüht sind, damit aber nicht einem einzigen Arbeiter Beschäftigung geben können. Selbstverständlich sind alle Ressorts bemüht, im Rahmen des vom Ministerpräsidenten vor kurzem angekündigten Arbeitsplanes die Vorbereitungen für die Entscheidung der Regierung zu treffen. Es haben auch bereits die Beratungen gewisser ministerieller Komitees begonnen, doch sollen die eigentlichen Arbetten erst in der kommenden Woche voll einsetzen. Der erste Ministerrat dürste wahrscheinlich Ende der kommenden Woche stattfinden. Mittlerweile versucht die Opposition aller Parteischattierungen, Tschechen wie Deutsche, recht ausgiebig, sich für die kommenden Wahlen entsprechend in Positur zu werfen. Trotzdem eS der Ministerpräsident in dem erwähnten Exposee deutlich gesagt hat. daß zu einem Wahlalarm kein Anlaß vorlieg«,' versucht die Opposition, die Oeffentlichkeit durch Ankündigung von„Ueber- fallswahlen" in ständiger Unruhe zu erhalten, um, da sie sonst nichts zu Weg« bringt, wenigstens auf diese Weise in der Bevölkerung eine oppositionelle Wahlstimmung wachzurufen. Die sozialisttschen Parteien aber lassen sich durch nichts auS dem Geleise werfen und sind auf alle Fälle gerüstek. In allererster Linie gilt ihr ganzes Streben aber nach wie vor ihrer dringendsten und nächsten Aufgabe, der Bevölkerung Arbeit und Brot zu geben! $g de tenden tstfieT^eifspie^d Hilgenreiner fordert eine„Status-quo-Mstimmung der Deutschen in der Tschechoslowakei Eine kaum mehr„zweideutige** Rede Hilgenrein er, der sich zum Hauptkonkurrenten Henleins auf dem Gebiete des Hit- lerkopismus entwickelt, hat in Marien bad eine Rede gehalten» die nach dem Bericht der ^„Deutschen Presse" eine Sensation für I die Stadt gewesen ist. Es bleibe dahingestellt, ob j die Versammlung so sensattonell war. Die ! R e d e HilgenreinerS war es jedenfalls. Er sprach ' über die Saarabstimmung und feierte sie in den ! höchsten Tönen als Treuebekenntnis deutscher j Menschen in ihrem Vaterland. Dann begann er Vergleiche zu ziehen. Er sagte— laut Deutscher Presse: Auch wir Sudetendeutschenhaben Saarabstimmungen hinter uns: die Volkszählungen von 1920 und 1939 haben vor aller Welt bewiesen, daß die Sudetendeutschen geschlossen zu ihrem Volke stehen, obwohl auch sie sich durch diese Volksgemeinschaft mit der drückenden Stellung eines Minderheitsvolkes belasten. Die Männer, die zu Versailles das Schicksal der Saar beschlossen, haben zu St. Germain auch über die staatsrechtliche Stellung von 3i4 Millionen Sudetendeutscher entschieden. Und diese Entscheidung lautet: Gleichberechtigte Bürger im neuen Tschechoflowakischen Staate. So steht eS im Friedensverttage, so steht es in der Verfassung. Das ist unser gutes, auch international gesichertes Recht, daS wir fordern müssen.. Ist der Friedensbertrag, ist die Verfassung verwirklicht? Sind wir Deutschen in diesem Staate tatsächlich gleichberechtigt? Nein. AuS unserer Schuld? Haben wir vielleicht unsere Pflichten als Staatsbürger nicht erfüllt? Nein. Und selbst die p o l i t i- schen Schwankungen mancher Kreise sind heute überwunden. Die S u d e t e n d e u t s ch e n sind loyale Bürger desStaateS. DaS sagt der christlichsoziale Senator, als ob jes nur„Schwankungen", nie eine nationalsozialistische Partei, nie eine Hitler-Propaganda gegeben habe, als ob nicht das Treiben der SHF täglich die Hiller-Sympathien— also auch die Sympathien für das alldeutsch« Programm, Hitlers— bei den sudetendeutschen Bürgern unter Beweis stellten! ES folgt eine der bei Hilgenreiner schon berühmten Polemiken gegen die deutschen Regierungsparteien, die in fünf Jahren nicht versucht hätten,„die deutsche Frage auf die polittsche Tagesordnung zu setzen". Kein Wort über die Mayr-Weichling Aera der deutschen Po- littk, da soviel zum Schaden des deutschen Volkes geschah, obwohl die damaligen Regierungsparteien nicht mit der dauernden Rückenbedrohung durch ein hakenkreuzlerisches Deutschland zu rechnen hatten! Aber dann kommt wieder ein schütter Vergleich: Bel den nächsten Wahlen muß es heiße«: Status qno oder Gleich- berechtigung derDeutschen! Und diese Abstimmung wird der Saarabstim- mung gleiche«: Zum Teufel mit dem StatuS quo, mit dem jetzigen Jammerzustand r! Dann wird hoffentlich eine einheitliche deutsche Front die Folgerung aus der bitteren Erkenntnis ziehen: So kann, so darf eS nicht wettergehen! Ma« lädt»ns rin mit unseren anderssprachigen Mitbürgern die Nationalhymne zu singen: „Kde domov müj, wo ist mein Heim, mein Bater- land?... Zemk kefkä, domov müj. Dieses Land, so schön vor allen, Böhmen, ist mein Heimatland!" Wir wrrdrn gerne mit einstimmen, aber gebt uns vorher unsere Heimat wieder, unser schöne-, freies, deutsches Heimatland! Heute wird es uns schwer gemacht, da unsere eigene Scholle, unsere eigme Arbeitsstätte bedroht, der Deutsche in der eigenen Heimat beargwöhnt«nd bespitzelt wird und jedes tschechische Postfräulcin im deutschen Gebiete sich mehr zu Hause fühlen kann, als der erbgeseffene Bauer, als der Bürger, dessen Vorfahren dir Geschicke einer Stadt bestimmt habm. Diese Rede stellt nach zwei Richtungen hin eine starke Zumutung dar: andieRe- g i e r u n g der Republik und die loyalen Büxger des Staates, denen mtt dem ewigen Heranziehen der Saarabsttmmung deutlich gesagt wird, worauf Hilgenreiner im Grunde hinaus will(wenn der Jesuit auch zu vorsichtig ist, sich mtt einem Wort zu fangen), und eine Zumutung an die Deutschen, denen die christlichsoziale Partei— ausgerechnet die Partei der Berwaltungsreform, einer unsozialen und darum volksschädlichen Wirtschafts« und Steuerpolittk, die Partei, die gegen daS De'rersche Programm der Kulturautonomi- den heftigsten Kampf geführt hat— als Hüterin der nationalen Interessen voraestellt wird Hilgenrciner scheint entschlossen, an Henleins Stelle zu treten oder ihm den Rang abzulaufen. Es kann ihm aber auch so gehen, wie gewissen anderen katholischen Parteien, daß er samt seiner 90prozenttg nazistischen Bewegung dabei von den hundertprozentigen Nazis aufgefteffen wird! Volksnot und SVH Aus Loosch(Bezirk Dux) wird uns geschrieben: Erst 1935 entdeckt daS deutsche Bürgertum die seit Jahren herrschende Not und glaubt mit Spenden dieses Elend zu beseitigen. Aber nicht die Not der Arbeiter ist der Grund für diese„soziale" Handlung, nein, die im Jahre 1938 stattfindenden Wahlen bringen daS soziale Verständnis bei diesen Herrschaften zum Vorschein. Die Bevölkerung des Ortes kennt die Personen zu gut, die ständig den Lohnabbau predigen und Lohnabbau ständig an den in ihrem Betriebe beschäftigten Arbeitern vornehmen, wie es bei den I Firmen Kurt und Max Endisch zutrifft. In diesen Bettieben gibt es„Volksgenossen" Kutscher, verheiratet, mtt einem MonatSlohn von 120 KL. Arbeiter mit einem Stundenlohn von 90 Hellern. Ja, hier wäre nicht„Bolkshilfe", sondern Abhilfe durch daS Volk am Platze. Die Arbeiter dieser Betriebe werden verhalten, von diesen Löhnen noch Gelder für die SVH zu zeichnen, selbstverständlich»freiwillig"; wer nicht zahlt, riskiert die Arbeitsstelle. Gewerbetreibende ! verpflichten sich durch Monate, Beittäge für die Volkshilfe zu leisten, was von den gleichen Leuten bei keiner anderen Sammlung gesagt werden kann» ! wenn gleich die Sammlung für die Arbeitslosen I des Ortes bestimmt ist. Was bringt die„Volks- | Hilfe" den in Not geratenen Volksgenossen? Bis ! jetzt herzlich wenig; einigen ganz verläßlichen i Volksgenossen, obwohl voll beschäftigt, Geld und j Lebensmittelanweisungen, den arbeitslosen Volks- glnoflen, wenn politisch»unverläßlich", nichts, I oder es erhalten jene Arbeitslosen, welche früher in der hakenkreuzlerischen Gewerk- i s ch a f t waren und nach der Auflösung zu den j christlichen Gewerkschaften übergetreten sind, Un- l terstübungen. Der neueste Schlager ist jetzt erschienen; an den Türen der Henleinanhänger sind gedruckte Karten angebracht mst dem Aufdruck: „Wir gaben der SVH und geben keine Spende anderer Art". Damit bekennen sich alle diese Menschen nicht nur j zur Henleinfront, sondern erflären, keine andere - Fürsyrgeaktion mehr zu unterstützen. Wie Hohn klingt diese Kart« an der Tür der Landwirte, welche erst vor kurzem vom Staate Unterstützung erhielten anläßlich der Dürre im Jahre 1934. Wie wäre«S, wenn der Staat erllären würde, wir geben nur Landwirten mit demokratischer Gesinnung und sozialem Empfinden? Aehnlich verhält es sich mit den Gewerbetreibenden, wo Gelder von Sozialdemokraten, tschechischen Konsumenten und Arbeitern mit demokratischer Gesinnung gern genommen werden, aber Spenden für Sammlungen demokratischer Korporationen oder di« Gemeinden, wenig Anklang finden, obwohl die Verteilung durch Mitbestimmung aller Parteien geschieht und jederzeit eine Kontrolle möglich ist, was bei der SVH nicht gesagt werden kann. Durch diesen Vorgang soll in Zukunft keine andere Fürsorgeaktion, durch welche Korporation immer, möglich sein und nach Auffassung der Henleinleute ein Privileg der Volkshilfe, besser gesagt, der SVH bleiben. kocab xu 14 Tagen Arrest unbedingt verurteilt Leitmeritz Freitag fand vor dem KreiSgericht« der Prozeß ein Ende, den der Ge- nasse Ernst Sattler gegen den ehemaligen nationalsozialistischen, jetzt der Sudrtendeutschen Heimatftont angehörigen Redakteur Depp HanS Korab angestrengt hat. Wie unseren Lesen: erinnerlich ist, hat Sett> Hans Korab in der jetzt von ihm redigierten „Anssig-Schrcckensteiner Zeitung" im August 1934 einen Artikel veröffentlicht, der geradezu unflättge Angriffe«nd Beschimpfungen gegen«nseren Genossen Ernst Sattler deswegen enthielt, weil Genosse Sattler als Herausgeber des„Reuen Vorwärts" ftmgiert. Genosse Sattler ließ durch Genossen Dottor Schwelb gegen Korab beim Kreisgerichte in Leit- meritz die Presscklage überreichen. Ueber die erste Hauptverhandlung und die komische Verteidigung des Angeklagten haben wir bereit- berichtet. Bei der am Freitag fortgesetzten Hauptverhandlung war für den Privatankläger wieder als Substitut Genosse Dr. Friedrich Pollak(Leitmeritz) erschienen. Für den Angeklagten ttat ein Konzipient deS Herrn Dr. Hotzner auS Schreckenstein ein. DaS Verfahren wurde geschloffen und eS wurde das Urteil gefällt, mit welchem Korab wegen des Vergehens nach 8 1 und 2 des Gesetzes zum Schutze der Ehre im Sinne der Anklage schuldig erkannt und zur Strafe des A r r e st e s oon vierzehn Tagen, verschärft mit einer F a st e und zum Kostenersatze unbedingt verurteilt wird. Korab wurde auferlegt, den Nrteilsspruch in seiner„Aussig-Schreckcnsteinrr Zeitung" zu veröffentlichen und ferner wurde dem Privatanklä- ger Ernst Sattler die Befugnis erteilt, den Urteilsspruch im„Bolksrecht" und im„Bolkswille" auf Kosten des Angeklagten mit einem Aufwand von je KL 100.— innerhalb eines Monates zu veröffentlichen. Bergarbeiterkonferenzen In Kladno Am Samstag fand in Kladno eine Konferenz der Bergarbeiterfunktionäre der tschechischen sozialdemokratischen und nationalsozialistischen Partei statt, in der u. a. eine Ueberprüfung der Wirtschaftsgebarung der Grubengesellschaften gefordert wurde. Eine allgemeine Konferenz von Vertretern der Selbstverwaltung aus dem Revier forderte ebenfalls eine staatliche Revision der Gebarung der Bergwerke und die Verstaatlichung der Gruben und Hüttenwerke. Die tschechischen Agrarier gehen selbständig in die Wahlen. Der„Venkov" kommt in seiner Ausgabe vom 19. Jänner auf die Nachricht deS „Hospodäkskh rozhled" zu sprechen, daß die Wahlen ins Parlament am 14. April stattfindcn wer- > den. Daran knüpfte das Stkibrnh-Blatt„Expreß" die Nachricht, daß die tschechischen Agrarier mtt den Gewerbetreibenden ein Wahlbündnis geschlossen hätten, wonach die Gewcrbepartci, in der nach den Wahlen zu bildenden Negierung daS Handelsministerium erhalten werde.„Venkov" bezeichnet diese Nachricht als Unsinn und erklärt, daß sowohl die Agrar- als auch die Gewerbepartei selbständig in die Wahlen gehen werde. „Der Trotzkismus als Agentur des internationalen Fascismus." Man würde es nicht glauben, aber es ist doch so, daß im Zentralorgan der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei em zweispaltiger Artikel unter diesem Titel erschienen ist, der den kommunistischen Abgeordneten Klement Gottwald zum Verfasser hat. Man mag gegen Trotzki einwenden, was man will, aber daß er ein Fascist sei, kann nur die Ausgeburt eines kranken Gehirns sein. Einen solchen Artikel zu veröffentlichen zeigt die Verkommenheit desjenigen, der ihn geschrieben hat und der kommunistischen Presse in der§SR, die so etwas bringt. 0er Kampf um die VireKanrlerscKakt Berlin.(AP.) Der Kampf um die Vizekai^- lerschaft ist erneut mit größter Heftigkeit entbrannt. Göring, der sich nach dem Ausscheiden Papens die größten Hoffnungen gemacht hatte, sicht die Chancen von Schacht wachsen und erkennt, daß weder Hitler noch Heß, noch Goebbels seine, Görings, Kandidatur unterstützen, und zwar Hitler nicht, weil er Görings weitergehende Ambitionen auf das Reichswehrministerium, seine Verbindungen zu den Monarchisten und seinen Ehrgeiz fürchtet, Goebbels, weil er— trotz der Zusammenarbeit am 30. Juni— ein alter Opponent von Göring ist, und Heß, wett er selbst Vizekanzler werden wollte. Heute verfügt aber Schacht über die Verbindungen zur Reichswehr, mindestens zum Blomberg-Flügel, und er sieht nicht ungern, daß das Verhältnis Görings zur Reichswehr, abgesehen von der Gruppe Reichenau, sich sehr verschlechtert hat. Hitler hat also zwischen Göring und Schacht zu wählen. Die allgemeine Ansicht ist, er werde sich für Schacht entscheiden. Goebbels hat nämlich einen Plan ausgeheckt, der wieder einmal bezeichnend ist und der wachsenden Unzufriedenheit— ein Faktor, der sich auch durch das Ergebnis der Saarabstimmung nickst aus der Welt schaffen läßt— Rechnung tragen soll. Man braucht einen Sündenbock, dem man alles aufbürden kann, was dem Volk nicht paßt, den man allein verantwortlich machen kann, wenn die Bloßstellung eines Rcgierungsmitgliedes sich als nützlich erweisen sollte, so wie man es seinerzeit mit Hugenberg gemacht hat. Denn einen Parteiführer will man für diese Rolle nicht nehmen. Schacht aber, so sagt man, ist nicht derjenige, der das nicht durchschaut und sich dadurch beirren ließe, sondern er ist gewillt, Hitler nicht aus der Verantwortung zu lassen. Er spielt falls es zu einer sollen Konstellation kommen sollte, gestützt auf Wirtschaft und bewaffnete Gewalt, mit ganz anderen Erwägungen. England sichert sich gegen Luftangriffe . London.(Havas.) Nordöstlich von London werden drei neue Flugplätze errichtet werden. Die Vorbereitungen hiezu sind bereits in vollemGange. In England wird auf diese Weise eine zusammenhängende Zone von Flugbasen parallel mit der Meeresküste errichtet werden, um gegen Angriffe aus der Luft gerüstet zu sein. Im Süden Englands wird ein geeignetes Terrain gesucht, daS für milttärische Uebungen mtt Bombardierungsflugzeugen verwendbar wäre. Seife 4 Nr. 17 Sonntag, 20. Jänner 1935 MM m WtUlM Ott WOMMII KStVtttMlMgSOMIlWOIItll in Ott IfMOfMti Die Konferenz, welche am 13. Jänner in Prag stattfand, war von allen in der Zentrale vertretenen Körpererziehungsorganisationen beschickt. Die Vorsitzenden Genosse S i l a b a und P o L a p k a gedachten zu Beginn der Sitzung der für die sozialistische Sache Gefallenen und Eingekerkerten. Aus den vorgetragenen Berichten geht hervor, daß die Arbeiter-Körpererziehungsverbände in der Tschechoslowakei trotz der Krise unerschüttert dastehen, weil sie auf dem Grundsatz der sozialistischen Solidarität aufgebaut sind. Aus allen Referaten sprach der einheitliche Wille, die Bewegung durch die jetzige schwere Zeit so hindurchzuführen, daß sie technisch, organisatorisch und erzieherisch vertieft werde. lieber die Vorbereitungen zur Hl. Internationalen Arbeiter-Olympiade, welche im Jahre 193? in Belgien abgehalten werden wird, referierte aus führlich Genoffe Simei(D. T. I.),. Seinem Bericht lag das Bestreben zugrunde, heute schon die breitere Oeffentlichkeit für dieses große internationale Werk zu interessieren. lieber die Situation in der internationalen Arbeiter-Körpererziehung sprach Genosse Müller, welcher in einem inhaltsreichen Referat den Stand der Bewegung in Europa, Amerika und Asien schilderte. Auf diesem Referat fußt die Resolution, welche wir an anderer Stelle veröffentliche«. Bei i>en Ergänzungswahlen in den Ausschuß wurden für den Atus Genossin Kästle r-Karlsbad und für den D. T. I. Genossin Patoökova gewählt- Die schön verlaufene Konferenz, in deren Verlauf eine Reihe durchführbarer Anregungen vorgebracht wurden, endete nach fünfstündigen Beratungen. TagcsncalgKdtcii Neun Bergarbeiter verschüttet Lüttich. In der Kohlengrube sn Beynen- Heusav stürzte ein Stollen ein und verschüttete neun Bergarbeiter. Es wurden sofort Rettungsarbeiten eingeleitet. Der Rettungsmannschaft ist es gelungen, mit zweien der Verschütteten in Verbindung zu treten, die auf Zeichen antworteten. Ob auch die übrigen sieben Bergleute noch lebend sind» konnte bisher nicht festgestellt werden. Auffiger Bahnarbeiter vom Zuge getötet Freftag vormittags wurde auf der Bahnstrecke Prag— Bodenbach im Auffiger Stadtgebiet von einem in der Richtung gegen Wannow fahrenden Motorzug der dem Oberbau zugeteilte Bahnarbeiter Josef H a n d l i k, 54 Jahre alt, Vater von vier unversorgten Kindern, wohnhaft zuletzt in Schönpriesen, erfaßt und zur Seite geschleudert. Der Schwerverletzte wurde mit demselben Zug in die Station Auffig gebracht, wo er an den Folgen des Unfalles verstorben ist. Auf Grund der Zeugenaussagen steht fest, daß Handlik zur kritischen Zeit an dem Hauptgeleise in der Richtung gegen Prag arbeitete, mit dem Gesicht gegen Wannow gerichtet. Zu derselben Zeit fuhr auf dem anderen Hauptgeleise ein Lastzug in Richtung Auffig. Der unglückliche Bahnarbeiter dürfte wegen des Geräusches des vorbeifahrenden Lastzuges die Signale des Motorzuges und die Zurufe seiner Mitarbeüer überhört haben. Der Motorwagenführer war der Meinung, daß Handlik gleich den übrigen Arbeitern rechtzeittg das Geleise verlassen werde, bremste erst auf kurze Distanz ab und konnte den Zug nicht mehr rechtzeitig zum Hatten bringen. Beim Raubmordversuch an einer fremden Frau die eigene erschlagen Pillkallen. In der Nähe der Grenze, im litauischen Kreise Szaki, hat ein Bauer bei einem Raubmordversuch an einer anderen Ehefrau seine eigene Ehefrau erschlagen, die er mit seinem Opfer verwechselt hatte. Eine Bäuerin aus einem benachbarten Orte hatte bei einem Tuchverkauf 300 Lit erhalten und übernachtete bei dem genannten Bauern. Bei seinen schlechten wirtschaftlichen Ver- hältniffen reizten den Bauern die 300 Lit so sehr, daß er kurz entschlossen war, die junge Bäuerin zu ermorden und sich in den Besitz des Geldes zu setzen. Er wollte die auf der Ofenbank liegende Frau mit der Axt erschlagen. Da aber nicht die fremde Bäuerin, sondern seine eigene Frau sich auf der Ofenbank zum Schlafen niedergelegt hatte, schlug der Bauer auf diese blindlings mit der Axt ein und tötete sie auf der Stette. Die fremde Bäuerin konnte sich durch die Flucht ihrem Schicksal entziehen. Sogar ein Grab hatte der geldgierige Bauer für sie bereits gegraben, um sie nach der Mordtat dort zu vergraben. Der Mörder der eigenen Frau wurde verhaftet und dem Gericht in Szaki zugeführt. Ruffischer Eisenbahner zum Tode verurteilt Moskau. Samstag hatten sich die Personen, die das Eisenbahnunglück vom 9. Jänner verschuldet hatten, bei dem sechs Menschenleben zugrunde gingen, vor Gericht zu verantworten. Der Hauptangeklagte Gusew wurde zum Tode, acht weitere Angeklagte zu Gefängnisstrafen bis zu zehn Jahren verurteilt. Dreifache Bluttat eines Irrsinnige» Bitterfeld. In der Deutschen Grube bei Bitterfeld sollte am Freitag nachmittags ein geisteskranker junger Mann durch die Gendarmerie festgenommen und einer Heilanstalt zugeführt werden. Der Geisteskranke riß sich plötzlich los, raste mit einem großen Messer bewaffnet durch de« ganzen Ort und stach auf alle Personen, die ihm in den Weg kamen, blindlings ein. Alles flüchtete sofort in die Häuser. Drei ältere Personen wurden von ihm durch Messerstiche schwer verletzt. Der Geisteskranke konnte später überwältigt und ins Krankenhaus gebracht werden. Nnr fünf Briefmarke«. Auch an Kleinig- keiten kann man die Wahrheit erkennen. Hätte in Deutschland Jahre nach dem Umsturz einmal jemand auf die Briefmarke geblickt, die er da tag. sich auf seine Briefe klebte, er hätte dort die gewappnete und gekrönte Reaktion wie zu des Kai- fers Zeiten Wetter sitzen sehen. Jahre vor Httlers Aufstieg kündete sich der neue Preußensttefel aus der Briefmarke an. Es kam auf der Zehnpfennig- Marke Fridericus Rex. Da konnten die Deutschen die Augen nicht schließen. Diesen mußten sie sehen. Nur eine Briefmarke der Deutschen Republik. Aber darauf war Friderims Rex. Symbolhaft wehrten sich die Republikaner. Sie parierten den Schlag nicht, sie wichen aus und klebten immer zwei Fünfpfennig-Schiller-Mar- ken. Bis man es gewöhnt war. Dann leckte man auch den Fridericus dürt, wo man Briefmarken zu lecken pflegt. So symbolisch können solche Kleinigkeüen wie Briefmarken sein... Und nun eine andere neue Briefmarkenserie. Fünf russische Briefmarken schreien uns an: Rußland will keinen Krieg! Diese hochrechteckigen Papierchen sind mehr als Briefmarken, sie sind Antikriegs. Plakate. Auf schwarzer Marke fällt aus rauch, schwerer Wolke Bombe an Bombe, der schlanke tropfenförmige Tod. Noch steht die Stadt der Wolkenkratzer— New Jork, Francisco— im nächsten Augenblick aber, wird Gas über ber- stende Mauern schwelen. Brennende Dörfer, flüchtende und verzweifelte Frauen und Kinder zeigt die zwette, stolz ausmarschierende und ver» krüppelt, erblindet heimkehrende Soldaten zeigt die dritte Marke. Auf brauner Marke pflügt der Tod in Stahlhelm und Gasmaske mit dem Schwert den Erdball. Sein Stiefel zerstampft die Städte, deren Bewohner selbst den zerstörenden Schwertpflug ziehen. Die Knute des braunen Todes schwirrt über ihren Rücken. Rot ist die Farbe der letzten Marke. Der Soldatenstiefel zer- ttiü die Gurgel des Generals. Kraftlos sinkt die drohende Hand und der Offizierssäbel. Ueber die Drahttierhaue hinweg reichen sich weißer und gelber Soldat brüderlich die Hände. Zerbrochen sind nur die Säbel der Generäle. Ganz sind die Waffen in den Händen der Soldaten. Bei den Räumungsarveiten im Nelsonschacht stieß man Samstag auf der Lokomotivbahnstrecke des Salesius-Ganges auf die Leichen zweier Opfer der Katastrophe. Es handelt sich um den Lokomotivführer I. Glöckner, der 24 Jahre alt und verheiratet war, und um den 27 Jahre alten Förderer Anton Sperling, der verheiratet und Vater eines Kindes war. Die Beerdigung fiydet am Sonntag statt. Eine Ehrung oder eine Beleidigung Frank' reichS? Der deutsche Rundfunk hat am Freitag zur Einleitung eines Vortrages die „Marseillaise" gesendet. Angeblich das erstemal. Wir können im Augenblick nicht kontrollieren, ob das stimmt, ob nicht zur Zeit der demokratischen Republik die Marseillaise im deutschen Rundftmk gespieü wurde. Das Dritte Reich hat die französische Nationalhymne das erstemal zugelassen. In verschiedenen Kommentaren wird dieser Goebbels-Witz als eine „bezeichnende liebenswürdige Geste nach Frarck- reich" bezeichnet. Es fragt sich, ob es nicht vielmehr eine Schändung der Marseillaise war,, daß sie dort erklang, wo sonst die Zuhälterballade, genannt Horst-Wessel-Lied, gespielt wird. Die Marseillaise ist immerhin auch eine revolutionäre Hymne und deckt den Begriff der zivilisierten Gesellschaft, des modernen freiheitlichen Rechtsstaates. Nimmt man dazu, daß die Sendung doch nur erfolgte, um die Franzosen blöd und also vergessen zu machen, daß an deutschen Schulen Hitlers„Mein Kampf" als Lehrbuch gilt und daß in diesem Buch die Vernichtung Frankreichs gefordert wird, so wird die liebenswürdige Geste zu einer sehr fragwürdigen Bewegung. Noch besser vielleicht war der Einfall Gqebbels', in dem Vortrag selbst Napoleon feier« zu lassen, und zwar ausdrücklich als de» geistige n B egründerdes 19. Jahrhunderts(das die Nazi aus der Kultur» geschichte streichen wollen) und des modernen Staates(den sie in ihrem Machtbereich vernichtet haben). Auch hier ist der Zweck durchsich- ttg: Napoleon wird gelobt, damit die Franzosen sich düpieren lassen und damit deutsche Spießer ihn bestenfalls für einen kleinen Vorläufer des großen Adolf ansehen. Wenn die Franzosen nach all dem nicht beleidigt sind, sondern sich wirllich geehrt fühlen, dann ist ihnen schwerlich zu helfen! Fürchterlicher Selbstmord. In Wolf- r a n i tz bei Mähr.-Kromau verübte die 36jährige Bauersgatttn Marie Kalabova Selbstmord, indem sie sich mit einem Rasiermesser den Bauch aufschlitzte. Jede ärztliche Hilfe war vergeblich und sie erlag ihrer Verletzung. Um Max Linder. Der vor zehn Jahren erfolgte tragische Tod des berühmten Filmkomikers Max Linder hat jetzt ein gerichtliches Nachspiel in Paris. Max Linder hatte nämlich in einem Anfall von Melancholie seine Frau, wie eS hieß, aus Eifersucht, und hierauf sich selbst erschossen. In seinem Testamente hatte er angeordnet, daß die Erziehung seines damals zweijährigen Töchterchens seinem Bruder übertragen werde. Die Mutter der Frau Linder fordert jedoch, daß die Erziehung ihrer Enkelin ihr selbst übertragen werde. Gleichzeitig ficht sie die Gültigkeit des Testamentes mit der Begründung an, daß Max Linder geistesgestört gewesen sei. Der Advokat des Bruders Max Linders, Senator Paul-Boncour, widerlegte nun in einem ausführlichen Plaidoyer und auf Grund zahlreicher Dokumente die Behauptung der Gegenseite, daß Max Linder unzurechnungsfähig gewesen sei. Das Urtell wird in einer Woche gefällt werden. Mit 95-Kilometer-Gcschwindigkeit in den Tod. Bei der holländischen Ortschaft de Torp ereignete sich ein schweres Autounglück. Ein mit vier Personen besetzter Autobus, der vom Viehmarkt in Leeuwarden zurückkehrte, raste in voller Fahri gegen ein aus entgegengesetzter Richtung kommendes Auto, das mtt zwei Personen besetzt war. Sämtliche Insassen des ersten Wagens, vier Gemeinderatsmitglieder, wurden auf der Stelle getötet. Der Geschwindigkeitsmesser des zertrümmerten Autos zeigte eine Geschwindigkeit von 95 Stundenkilometern an. Lawinentod em es Vaters von sieben Kindern. Unweit des Schlosses Weißenstein bei Matrai (Osttiwl) löste sich, als Bauern einen Heuw-g von einer Lawine freischaufelten, eine zweite Lawine los und rieß zwei Bauern mit sich. Während einer noch rechtzeitig freigemacht werden konnte, war der andere» der 39 Jahre alte Alban Steiner, Vater von sieben Kindern, als man ihn aufiand, bereits tot. Der Luftdruck dieser verhältnismäßig Keinen Lawine hat auch an einer etwa 300 Meter tieferen Stelle einen Bauern samt Pferden und Heufuhre, wenngleich ohne Schaden, weit über den Weg hinausgetragen. Die Stawisky-Untersuchungskommiffion beschloß, dem Ministerrat den Fall Mallarme vorzulegen, dessen Vorgehen die Kommission als »ungewöhnlich und bedauerlich" bezeichnet hat. Man glaubt aber, daß der Konflikt zwischen der UntersuchungSkommiffion und den Ministern Mallarme und Mandel keine besonderen politischen Folgen haben werde. Grimmige Kälte in Nordamerika. In den nordwestlichen Gebieten der Vereinigten Staaten herrscht grimmige Winterkätte. Heftige Schneestürme haben schwere Verwehungen verursacht. Die Schneedecke bettägt stellenweise eineinhalb Meter. Bis zu fünf Meter hohe Schneewehen haben an‘ vielen Stellen den Eisenbahn- und Straßenverkehr lahmgelegt. Wenn Sie für die Düngung Ihrer Blumen den guten Blumen-Zauberdung verwenden, werden Sie zauberhaft schöne Blumen haben 1 Paket mitPostzuseuduug Kt5*60 durch Verwaltung»Frauenwelt", Prag XII., Fochova 62. Bet alle« Kolporteuren erhöltl. In den Staaten Montana und Minnesota ist die Kälte besonders groß. Zahlreiche Menschen sind erfroren. Wahrscheinliches Wetter von heute: Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, vielfach neblig, vereinzelt leichter Niederschlag, schwacher Nordwind. In den Niederungen Böhmens Temperatur tagsüber nahe Null, im Osten des Staates nach kalter Nacht allmähliches Abklingen der Fröste.— Wetteraussichten für Montag: Im Osten der Republik weitere Erwärmung. Ziehung der Klassenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Samstag-Ziehung der 2. Klass« der 32. ftchsl. Klassenlotterie wurden nachfolgende GÄvinste gezogen. Kö 130.000 das Los Nr. 72693; KC 20.000 die Lose Nr. 25724 55819; K<5 10.000 die Lose Nr. 30761 80160; Kö 5.000 die Lose Nr. 52463 122 25336 102346 5699 71708 38724 46984 36758 31259; Kö 2.000 die Lose Nr. 67562 101029 9569 13246 3304 49226 84049 42780 100464 62319 108353 61654 60078 80767 51294 52167 98703 5432 14801 47224. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programmen« Montag Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 10.40 Leichte Musik. 12.35 Orchesterkonzert. 13.35 Arbeitsmarkt. 16.55 Kinderstunde. 17.20 Schallplatten. 17.45 Klavierkonzert. 18.20 Deutsche Sendung: Gaube: Ueber das Absehlernen der Schwerhörigen. 18.45 Thomas Mann: Gruß an Prag. 18.55 Deutsche Presse. 19.10 Schallplatte». 19.15 Wir lernen russisch. 21.00 Lieder von Dvorcik. 22.15 Tanzmusik. — Sender S.: 14.20 Schallplatte«.. 14 40 Volkslieder. 15.05 Deutsche'Sendung: Kreische liest seine Erzählung: Seltsame Geschichte. 15.30 Schallplatte». 19.15 Saxophonvotträge.— Brünn: 18.50 Schallplatte». 17.45 Jugendstunde. 21.00 Ballettmusik.— Mährisch-Oftran: 15.55 Orchesterkonzert. 18-20 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk:.Doloviec: Fachorganisationen und Frauenbewegung.— Preßburg: 20.45 Orchcsterkonzert. Dienstag Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 11.00 Schallplatten. 11.05 Deutscher Schulfunk: Zwischen Mittelaüer und Neuzeit. 12.10 Opernarien. 12.35 Mittagskonzett. 16.45 Jugendfunk. 18.20 Deutsche Sendung: Dr. Husch: Wirtschaftliches Relief. 18.30 Südmährischer Heimatsabend. 19.10 Schallplatte». 20.15 Orchesterkonzert. 22.25 Schallplatte». — Sender S-: 14.20 Schallplatte«. 14.35 Biolin« konzert. 15.00 Deutsche Sendung: Prof.-Laufle: Die wunderbare Zahl sieben. 15.30 Schallplatte«: Verdi. — Brünn: 10.15 Orchesterkonzert. 17.45 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Soziale Informationen. 17.50 Fritsch: Der Dmnpf um den Menschen. 19.10 Schallplatte«: Dvokäk.— Mäbr.-Oftran: 17-25 Bakulesänger. 19.30 Unterhaltungskonzert.—- Preßburg: 15.55 Orchesterkonzert. 17.05 Lieder« konzert. Internationales Musikfest in Karlsbad Das große internationale Mufikfest der internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Musik wird in der Zett vom 2. bis 6. September 1935 in Karlsbad durchgeführt. Die Beratungen der Jury über die Zulassung der einzelnen Werke wurden Ende Dezember in Karlsbad abgeschlossen.' Das Programm weist insgesamt 16 Orchesterwerke(darunter eines mit Chor) und 15 Kammerkompositionen auf. Der Staatszugehörigkeü, bzw. Nationalität nach verteilen sich die zur Aufführung' angenommenen Werke wie folgt: an erster Stelle steht die Tschechoslowakei mit sieben Werken, darunter vier tschechischen und drei sudetendeutschen Werken. Es folgen sodann- drei österreichische, drei englische, zwei belgische, zwei polnische, zwei russische, zwei ungarische, Mei italienische, zwei reichsdeutsche, ein französisches, ein amerikanisches, ein schweizerisches, ein schwedisches, ein holländisches und ein jugoslawisches Werk. Bon den 81 Werken des Gesamtprogrammes. wurden 29 juriert, die Schöpfungen von Alban Berg und A. Schönberg standen außer Konkurrenz. Dte Jury des internationalen Musikfestes Von links nach rechts: Prof. E. Clark, Prof. Dr. J. Koffler, Dr. H. Scherchen, Prof. Dr. Edward Dent, Cambridge, Vorsitzender; Pro«. V, Tallch und Direktor£ Def au w. 9k. 17 Sonntag, SO. Jänner 1935 Sette 8 Transpacifie-Flug Lindberghs? New Kork. Nach der Beendigung des Haupt- mann-Prozeffes wird Oberst Lindbergh, wie vertraute Freunde von ihm erzählen, wahrscheinlich «inen Transpacificflug unternehmen zur Vorbereitung eines amerikanischen LuftbeförderungS- dienstes zwischen Kalifornien und China. Lindbergh ist Vorsitzender deS technischen Ausschusses des„Panamerican Airways System". Die Endpunkte des geplanten Flugdienstes dürsten LosAngeles und Kanton sein. Die Flugswecke ist etwa 9000 Meilen lang und soll über die amerikanischen Inseln im Pacific führen. Es wird damit gerechnet, daß der neue Dienst die Beförderungszeit zwischen Amerika und China auf 60 Flugstunden herabsetzen würde gegenüber einer vierwöchigen Dampferfahrtzeit. Sm««tter über de« Atlant» London. Der Engländer Macpherson hat in einem 18 Tonnenkutter den Atlantik überquert. Ar hatte am S. Dezember Portsmouth verlassen und ist jetzt wohlbehalten in BarbadaS eingetroffen. AufS Pferd, ihr Proleten....! In einer Berliner Zeitung nimmt sich ein Gleichgeschalteter des Arbeiters an: „Auch der Arbeiter soll, wenn er Freude daran hat. auf dem Rücken eines RosfeS dahintraben können. Heute brauchst du nicht mehr abseits zu stehen, deutscher Arbeiter, oder scheu beiseite treten. Wenn du reiten willst, so reite!" Aeudeutsches Tempo! Schon darf der Berliner Stempelbruder hoch zu Roß durch den Tiergarten »Waben", wenn er nur will und— es bezahlen kann! Doch vielleicht stellt das feurig schnaubende Roß die Winterhilfe—. Die Schaffung einer»gepanzerten Infanterie" ist, wie»Daily Telegraph" meldet, erneut don den englischen Militärbehörden in Angriff genommen worden. Die sechste und siebente «nglische Infanteriebrigade werden in diesem Jahr Versuche mit einem gepanzerten Maschinen gewehrwag en durchführen, der als beweglicher Begleiter für angreifende Infanterie bienen soll. Diesen Versuchen wird die größte Be« beutung im Rahmen der Mechanisierung der Jn- santerie beigemessen.' Das Militärgericht von Paris hat am Samstag eine Familie rehabilitiert, die im Kriege kgen Spionage verurteilt worden war. Es Han« b«lt sich um einen französischen Bergmann, seine «stau und sein« zwei Kinder, die im Dezember 19 U vom KreiSgericht wegen Spionage und Ein- bernehmens Wtt d«tt Miitd. verurteilt~ worden b«e». De^^ekgmanm und' feine Leidest Söhn?' barm zu je v Jahren Zwangsarbeit, die Frau Rt 20 Jahren verurteilt worden. Die beiden Eltern Mbm vor Abbüßen der Strafe. Nach längeren Verhandlungen hat sich die Schuldlosigkest der Das astatische Laster Von Ernst Machck Die Hafeneinfahrten von Rio de Janeiro, Sid» vey und Singapore gelten als die landschaftlich schön-, kn und prächtigsten der Welt. Ich kenne bloß die iwei letztgenannten, doch neben diesen beiden kenne ich noch eine, die ihnen keineswegs nachsteht: die von Sabang. Das Panorama, das sich dem Reifen» b«n bei der Einfahrt in den Hafen vom Schiff aus bietet, ist gleich romantisch wie bezaubernd: überall in verschwenderischer Fülle wucherndes Grün, aus bvn die schlanken Stämme verschiedenartiger Pal- »>«n emporstreben, deren herrliche Kronen sich als Silhouetten von dem tiefblauen Himmel malerisch abheben; dann die Hafenanlage mit dem Molo und dem Schwimmdock, die kleinen Weißen Häuschen und der einzigartige Strand, der von den Wellen eines ulwamarinfarbenen Meeres bespült wird. Sabang ist schön. Und artenreich und üppig wie die Vegetation, ist auch das Tierreich der Insel. ES gibt da prächtig gefiedert« Vögel, große, bunte Schmetterlinge und alle erdenklichen Farben spielende Schlangen, unter ihnen auch die kleinen, doch um so gefährlicheren»Five-minute-killers", deren Biß, wie stdon der Name sagt, innerhalb fünf Minuten tötet... Sabang auf Pulo Weh, einer der Nordspitzr don Sumatra vorgelagerten vulkanischen Insel, ist die Hauptkohlenstation der holländisch-indischen Ge- tdisser. Zu der Zest, als ich dort weilte, war man 8«rade daran, die Hafenanlagen auszubauen. Den stets wachsenden Anforderungen und Bedürfnissen entsprechen zu können, hatte die Sabang Maatschap- Vhj eine reichsdeutsche Gesellschaft mit der Durchführung aller notwendigen Arbeiten wie f Erweiterung der Anlagen, Aufstellen mächtiger Kräne usw., betraut. Die Bauleitung lag in den Händen eines Dbrringenieur», dem ein ungarischer und zwei deutsch« Ingenieure zur Seite standen, durchweg» nette Leute, mit denen ich mich bald angefreundet hatte. Sie waren alle verheiratet, doch nur einer von ihnen, Ingenium: Jansen, hatte seine Frau mit herüber genommen. Frau Inge Jansen war eine noch sehr junge, zart und schlank gebaute Dame, voll Temperament and Leidenschaft. Auf Ersuchen de» Gatten widmete ich ihr hin und wieder einen freien Vormittag zu gemeinsamen kleinen Ausflügen und Tpaziergän« aen. Ich führte sie hinauf zum Süßwastersee, in dessen kristallklarem Naß sich Gold- und Silberfisch- tummelten. Frau Inge freute sich wie eia Kind, . Neues ParlamentsgebSude für die Abessinier Während sich die Kriegswollen um Abessinien anscheinend immer mehr zusammenballen, fand jetzt in Addis Abeba, der Hauptstadt von Abeffinien, durch Kaiser Selassie I. die feierliche Eröffnung eines neuen Parlamentsgebäudes statt. An dem Staatsakt nahmen der Kronprinz Asfa Woosan und das Diplomatische Korps teil. Man sieht hier den Kaiser von Abeffinien vor der Schwelle des neuen Parlaments, dessen Tür er soeben geöffnet hatte. verurteilten Familie ergeben und das Gericht hat dies im Wiederaufnahmeverfahren ausdrücklich anerkannt. Den Nachkommen wurde ein Schadenersatz von 68.000 Franken zugebilligt. Auf der„Ohrimgrube" bei Kattowitz ereignete sich in der Nacht zum Samstag ein schweres Einsturzunglück. Bei einem heftigen GebirgS- stoß ging das Hangende auf der 590-Meter-Sohle zugrunde. Die beschäftigten sechs Bergleute wurden verschüttet. Die Rettungsmannschaft konnte nach einigen Stunden zwei Bergleute bergen. Sie waren leicht verletzt. Zwei Stunden später konnte noch ein Bergmann zutage gefördert werden. Er hatte sHvere Verletzungen erlitten. An die übrigen drei Verschütteten konnte die Rettungskolonne noch nicht herankommen. Es besteht wenig Hoffnung, sie noch lebend zu bergen. 30 Häuser unterspült. In dem türkischen Städtchen KiliS bei Adana im östlichen Kleinasim hat eS 25 Tage ununterbrochen geregnet. Die Waffer- maffon haben 30 Häuser unterspült und zum.Einsturz, gebracht. AuS-den Trümmerm-Würden A ah^>r eich« Tote und Verletzte geborgen, Moskauer NSA-Gesandtschaft von Ratten bedroht. Amerikanischen Pressemeldungen zufolge ist die amerikanische Botschaft in Moskau in eine unangenehme Situatton dadurch geraten, daß aus den Trümmern eines in der Umgebung der Botschaft einge- riffenenalten Hauses eine ungeheure Zahl von Ratten in die Botschaft zogen und sich in den Kellern und unteren Räumlichkeiten des Gebäudes festsetzten. Ein ganzes Regiment von Katzen mutzte— wie die amerikanischen Blätter humorvoll melden— vor der Uebermacht der Ratten den Rückzug antreten, und die Botschaftsbeamten find nunmehr auf der Suche nach einem wundertätigen Rattenfänger, der sie von dieser Plage befteien soll. Der Reichtum der türkischen Sprache. Die don der türkischen Regierung eingesetzte Sprach-Kommission befaßt fich mit der Klaffifizierung deS tür- kischen Wortschatzes, welcher im vergangenen Jahre in der ganzen Türkei durch Erhebungen ergänzt wurde. Präsident Khemal Atatürk interessiert fich lebhaft für diese Arbeit und hat bereits einigemal die Arbeitssitzungen dieser Kommission geleitet, in welchen bisher etwa 1000 Worte hon der Gesamtzahl von 13 5.0 0 0 insgesamt verzeichneten Worten «dsstfiziert wurktsl. Mtt.HUfe diese» AgamwWtt- schatzes wird eine' neue rein«"störrische S p r'a ch e festgesetzt werden, deren erste» matzgebende» Wörterbuch von der genannten Kommission im Mai d. I. herauSgegeben werden soll. Labour-Party in USA? (I. I.) Die Exekutive der Sozialistischen Partei der Vereinigten Staaten hat in einer Ätzung in Boston(Mass.) im Dezember ein Mionsprogramm beschlossen, das bestimmt ist, das ständig freundlicher werdende Verhältnis zwischen der' organisierten Gewerkschaftsbewegung und der sozialistischen Partei zu fördern. Das Programm steht vor eine kräftige Kampagne für die Dreißigstundenwoche, Propaganda für den Einttitt aller Arbeiter in die freien Gewerkschaften und für di- Zerstörung der Werkgemeinschasten(Company Unions), für angemessene Arbeitslosenversicherung. Das Programm enthält ferner eine Hebersicht über die nächsten Aussichten einer unabhängigen politischen Aktion der Arbeiter« und Bauernorganisationen. Das Arbeitskomitee der Sozialistischen Partei teilte mit, daß die Beziehungen zwischen So- zalisten und Gewerkschaftern weitaus freundlicher geworden seien als seit vielen Fahren. Die Par« bestellt«las WalHscft-jBncft tei-Exekutive fordert die Sozialisten in allen Teilen des Landes auf, mit den lokalen Gewerkschaften über gemeinsame Demonstrationen für die Dreißig st undenwoche am I.^Mai zu verhandeln. Die Exekutive wählte ein Komitee, daß sich mit den Aussichten für die Gründung einer Bauern- und Arbeiterpartei im ganzen Land beschäfttgen soll und erklärte gleichzeitig, daß sich Gewerkschaften, die 20 Prozent der Mitglieder der organisierten GewerffchaftSbewrgung vertreten, für eine Arbeiterpartei ausgesprochen haben. Norman Davis glaubt an ein AbrüstunsskompromiB Washington.(Reuter.) Der amerikanische Delegierte für die Marineverhandlungen in Lon don, Norman DaviS, erstattete dem Präsidenten Roosevelt Bericht über das Ergebnis der jüngsten Londoner Diskussionen. Er erklärte, daß diese Verhandlungen in erheblichem Matze die Atmosphäre geklärt und die Grundlage zu einem eventuellen Kompromißabkommen gelegt haben. Norman DaviS deutete an, daß in zwei Jahren eine Einschränkung der Rüstungen zur See und zu Lande erziett werden wird, wenn sich der Geist internationaler Zusammenarbeit beleben wird. Er fügte hinzu: Ich erachte es als der Wahrheit am meistrn entsprechend, daß die Grundlage betreff» Einschränkung der Marine- Ästungen" Großbritanniens, der c Bereinigtest'""" Staaten und Japan» gemäß den Richtlinien der britischen Kompromitzvorschläge aufgestellt werden wird. die herrlichen Fischlein füttern, und dann wieder bunten Faltern nachjagen zu können,— Faltern, von denen einige die Größe einer kräftigen Männerhand erreichten. Und ein unsagbare» Vergnügen bereiteten ihr auch die buntschillernden Keinen Kolibri», die sie anfangs gleichfalls für Schmetterlinge hielt. Es waren schöne Stunden, die ich teil» mit Frau Inge, teils in Gesellschaft der deutschen Herren verbrachte. Da trat eines Nachmittags Frau Jansen ganz unverhofft bei mir ein. Sie schien ein wenig nervös, vielleicht auch nur zerstreut, und ba< mich, ihr auf dem Grammophon etwas vorzuspielen Ich kam ihrem Wunsche nach, und sie befahl einen Walzer von Strauß. Ich suchte die Platte hervor, setzte den Apparat in Gang und nahm dann an der Seit« meiner schönen Besucherin Platz, gleichfalls den Klängen zu lauschen, die Erinnerungen an die ferne Heimat weckten. Bei Frau Inge schien sich die Wirkung dieser einschmeichelnden Musik in einem Zärtlichkeitsbedürfnis zu äußern, und sie neigte langsam ihr Haupt, um eS sachte an meine Schulter zu lehnen. Die Nähe des berückenden Weibes tat wohl, doch ich konnte mich deS Gedankens nicht erwehren, daß es nicht gerade vornehm gewesen wäre, das volle Vertrauen, das ich seitens des Gatten genoß, zu mißbrauchen. Ich atmete daher gewissermaßen auf, als das Stück zu Ende ging und ich aufstehen mutzte, das Instrument abzustellen. Manche Frauen indes zeigen sich Situationen, die durch das Auslösen widerstreitender Empfindungen geeignet sind, ein armes Herz in Verwirrung zu bringen, gewachsener denn ein Mann. Frau Inge hatte fich gleich mir erhoben, und als ich mich wieder zu ihr wandte, umfingen mich zwei schlanke Arme und ein heiße» Lippenpaar berührte meinen Mund. Ich weiß nicht, ob die verzehrende Glut einer aussichtsreichen Leidenschaft oder die feuchte Hitze des tropischen Klima» die Ursache war, datz Inge ermattet auf den Long-Chair sank und sichtlich ermüdet die Augen schloß. Ich bot ihr ein ErsrischungSgettänk an, sie winkte leise ab. Doch nach einer Weil« rief sie mich zu fich und bat, ich möge ihr Opium geben, damit sie nacht» besser schlafen könne. Ich brachte da» Gift, Frau Inge nahm e» an fich und ging. Zwei Tage nachher kam Frau Inge wieder. Sie war lustig und guter Ding«, plauderte allerhand närrisches Zeug und konnte des Lachens nicht sati werden. Ihre Fröhlichkeit wollte mir beinahe etwa» übertrieben scheinen, al» plötzlich eine unverhoffte Wendung eintrat. Inge sprang auf und warf fich auf da» in der Ecke stehende Feldbett, auf dem ich um die heißeste Zeit de» Tage» mein Mittagsschläfchen zu halten pflegt«. Ich erschrak nicht wenig und trat hin zu ihr, sie aber zog mich nieder und flüsterte mir mit leidenschaftlich erregter Stimme in» Ohr. datz fie mich liebe und ich von ihr Besitz ergreifen möge, nur müsse ich versprechen, ihr Opium zu beschaffen. Mit schwindelte. DaS schöne, schlanke Weib, dar da vor mir lag, ließ mich vergessen, daß es«inen Mann gab, dem gegenüber ich zum Verräter werden sollte. Inge schlotz die Augen und ich neigte mich, nicht mehr Herr meiner Sinne, über st«,— da fühlte ich einen kalten Schauer durch die Adern rieseln und mein Blut erstarren machen. Ich vermochte nicht zu denken, ich fühlte nur, datz ein eisige» Entsetzen meine Glieder lähmte und eine fürchterlich« Erkenntnis mir fast die Sinne raubte: Dieses Weib war unrettbar verloren! Das Opium, das die Macht gehabt, Nationen zweier Raffen gegeneinander zu hetzen und einen blusigen Krieg zu entfachen; dieses Opium, das ehrbare Frauen zu Dirnen und brave Männer zu Mördern gemacht,— e» hatte auch in jenem Weibe ein Opfer gefunden und «S hinabgezerrt in den Abgrund unwürdigen Menschentums, in den schon Tausende und aber Tausenoe gesunken waren', um schlietzlich eines jammervollen Todes zu sterben! Ich griff mir an die von kaltem Schweiß benetzte Stirn. Wenn ich nur früher geahnt hätte, daß diese» Weib dem»asiasischen Laster" bereit» so sehr ergaben war, daß e» nicht mehr die notwendige Willensstärke aufbringen konnte, sich de» Opium» zu entwöhnen, ich wäre e» sicher nicht gewesen, der ihm bei Beschaffung diese» narkotischen Gifte» hflfreiche Hand geboten! Frau Inge warf mir einen flehenden Blick zu. Ich wendete mich ab und trat in das Nebenzimmer, um irgendetwas zu holen. Als ich zurückkam, war Frau Inge fort. Kaum eine halbe Stunde mochte e» gewesen sein, datz Frau Inge mein Hau» verlassen hatte, al» ihr Gatte, der Ingenieur, sehr erregt bei mir ein- trat. »War meine Frau bei Ihnen?" .Ja." „Wann ist fie fortgegangen?" «Bor einer halben Stunde." »Haben Sie ihr vielleicht Opium gegeben?" „Ich habe ihr einmal welche» gegeben, da sie vorgab, nacht» nicht schlafen zu können. Heute bat sie mich abermals darum, doch ich schlug ihr« Bitt« ab." „Dann weiß ich, wo ich sie zu suchen habe." Ingenieur Jansen ging. Ich folgte ihm, um eine unbesonnene Handlung, die bei der großen Erregung de» Manne» nicht ausgeschlossen war, allenfalls zu verhindern. Schräg gegenüber lag die Opiumschenke eine» Chinesen. „Ist meine Frau da?" fragte Jansen den in der 3Ar stehenden Wirt. „Nein, Tuan." Der Ingenieur zog eine Pistole au» der Tasche und hielt sie dem dicken Towkah vor die Stirn. „Ich ftage, ob meine Frau da ist?!" „Ja, Tuan." Jansen schob den Gelben beiseite und sprang di« morsche Holztreppe empor. In kleinen Kabinen, deren jede durch einen Vorhang von dem schmalen Gang gettennt war, saßen die Raucher— zum Großteil Chinesen— auf Teppichen oder Strohmatten und saugten, sofern das Opium seine Wirkung nicht schon getan hatte, an ihren Pfeifen. Die Pfeifen, deren man sich dortzulande bedient, sind fingerdicke Rohre junger Bambusschötzlinge mit kleinen, schmalen Köpfen aus Ton oder Metall. In den Kopf gibt der Wirt ein aus sehr fein geschnittenem, mit Opium durchttänttem Tabak geformte» Kügelchen, und bringt die so zubereitete Pfeife dem Gast. Al» ich den engen Gang ziemlich atemlos be- ttat, sah ich Jansen eben hinter dem Vorhang dc» zweiten oder dritten Kabine verschwinden. Ich stürzte ihm nach, doch in dem Augenblick, da ich den Vorhang zur Seite riß, erzitterte die Lust von den scharfen Detonationen einiger in rascher Folge abgegebener Schüsse, lleber de» Ingenieur» Schulter hinweg sah ich im Halbdunkel zwei schlafende Menschen: einen Chinesen von ganz unglaublichem Leibesumfang und— Frau Inge, die neben diesem Koloß auf dem Teppich saß und deren Haupt auf der Brust deS Asiaten ruhte. Ich schlug den llrm de» Ingenieurs von rückwärts in die Höhe,— e» war zu spät: die beiden Schläfer sollten aus ihren holdseligen Träumen nicht mehr erwachen. Der ttäge Leib deS Chinesen zuckte, ohne seine Lage zu verändern,«in paarmal zusammen, Frau Inge sank lautlos vornüber, mit dem Gesicht zu Boden. Ingenieur Jansen wurde nach Kota Radja gebracht und vor da» holländische Gericht gestellt. Man sprach ihn frei, doch der völlig zusammengebrochen« Mann kam nicht wieder nach Sabang. Kurze Zeit nachher mußte ich in Geschäften nach Singapore. Bon der Reise zurückgekehrt, erfuhr ich, daß Jansen in einer Opiumschenke im Chinesenvier» tel von Kota Radja von einem amoklaufenden Malaien erdolcht worden war. «dfr S „Sozialdemokrat* Sonntag, 20. FLnner 19311 Nr. 17 PRAfiER Aufbruch der Flegel Ein Leser schreibt uns: Am Nachtschalter einer Prager Postanstalt kam es in der Freitagnacht zu einem höchftpeinlichenZwischen- fall. Bier deutsche Studenten erschienen gegen halb 8 Uhr in Damenbegleitung und begannen Lärm zu schlagen. Aus den laut ge- führten Reden der völlig alkoholisierten .Führer der Nation" in spe ergab sich, daß es sich um tatendurstige Jünglinge der Hitler- Henlein-Fakultät handelte. Als das Gebaren der famosen deutschen.Kultur"propagandisten immer abstoßender wurde(sie versuchten unter anderem durch lautes Rülpsen zu provozieren), griff der diensttuende Beamte, mit Recht erregt, sehr energisch ein und brachte die Burschen zur Ruhe. Der Deutsche, der Zeuge dieser unwürdigen Szene war, schämt sich für die Jünglinge, die ja das Deutschtum bekanntlich so gern renommierend im Munde führen, es aber durch derartige Lümmeleien nur in Mißkredit bringen. Wenn die alkoholfreu- digen Söhnchen wohlhabender Eltern gehört hätten, mit wieviel nur zu verständlicher Verachtung der Postbeamte von ihnen und ihresgleichen sprach, sie würden vielleicht in Zukunft vorsichtiger sein. Das Bedauerliche, ist jedoch nur, daß die Rüpeleien der einzelnen immer wieder sie Gesamtheit belasten. ■ Menschen mit unregelmäßiger Herztätigkeit können durch gewissenhaften Gebrauch des natürlichen „Franz-Josef"-Bitterwassers ausgiebigen Stuhlgang ohne Anstrengung erzielen. Aerztlich empfohlen.• Kunst und Wissen Erika Manns„Pfeffermühle" scheint anfangs manches zu zermahlen, was mit Gewürzen nicht allzuviel zu tun hat. Bal!^ aber dringt ihre Hauptsubstanz nach vorn, und leicht erkennbar wird dann, daß es nicht ihr Verschulden ist, wenn ihr Inhalt nicht mehr ungemischt(mit mildernden Bestandteilen) serviert wird. Aber auch in dieser Form kann noch immer eine überwältigende Zahl kostbarer Delikatessen vermittelt werden. Wie wäre es erst, wenn.... wenn nicht... Viel Romantik liegt dieser Satire zugrunde, und noch mehr Idealismus. Sie spotten, die jungen um Erika Manns„Pfeffermühle" gescharten Menschen, aber um zu bessern; sie zerstören Phantasien, aber um schönere Wirklichkeit an ihre Stelle zu setzen; sie dünken erbarmungslos, aber größerer Zukunft zuliebe. Nicht alles ist frei von Banalität, wie die(erwartete) Pointe der Piece vom.Hungerkünstler" zum Beispiel, nicht immer sind Längen vermieden, wie bei den„Jntervietos" etwa— immer aber ist Geist vorhanden, und ein Geist dazu, der nicht in Aktuellem verhaftet zu sein braucht, um stärkster Wirkung sicher zu sein. Scherz und Ernst wechseln ab, beide gleichermaßen ethisch fundiert. Ins absolut Geniale gerissen wird aber die dem Kabarett zugrundeliegende Idee durch die hinreißenden Tänze der Lotte G o s l a, r, die grandios aus Humor in Kämpferisches steigernde, selbst Komik zu beinahe gespenstiger Absonderlichkeit erweiternde Therese Gries e, durch Sybille Schloß, durch Nummern wie„Der Koch",„Die Krankenschwester", „Frau T", das einfach unübertreffliche Bild von der „Dummheit" und viele andere noch(komponiert und ausgezeichnet begleitet von Magnus Henning und Walter S ü ß k i n d). Kalt ist die Welt, sagt Erika Mann, von der viele der geistvollen Texte stammen— die Mehrzahl der übrigen von ihrem Bruder Claus— und die graziös, charmant, erfüllt von bezwingendem Esprit, konferiert, bald ist die Welt, sagt Erika Mann, nur lauter Eis und Schnee. Warum sind wir so kalt? Beteiligt euch, es geht um euer Leben, beteiligt euch und ihr habt die ganze Macht.... Das will die„Pfeffermühle".—z. VII. Arbeiter-Borstellung Sonntag, den 87. Jänner. Um halb 8 Uhr nachmittags-.Schneider Wippe! kontra Napoleon" von Müller-Schlösser. Regie: Walter Taub.— Der allgemeine Vorverkauf beginnt Montag, den 21. Jänner, bei Optiker' Deutsch, Graben, Koruna. Telephon 26820. ZEITUNG Das Unterrichtsministerium hat in der Ausstellung des Verbandes deutscher Graphiker im Kunstverein für Böhmen(II. Pstrossova 12) je drei Arbeiten von R. Jakubek, Norbert Hochfieder und Leo Fitz, zwei Arbeiten von Inge Thiele-Peschke und je eine Arbeit von Leo Haas, Robert Stubner. Fritz Meinhard und der Bildhauerin Ilse Pompe zum. Ankauf vorgemerkt.— Die Moderne Galerie kaufte von Hochsieder vier, von Stuber sechs, von Fitz, Jakubek. Meinhard und Ilse Pompe je ein Werk. Die Ausstellung schließt unwiderruflich heute, Sonntag, den 20. Jänner. Nächste Woche Eröffnung der Sonderausstellung Frieda Salvend y-Wien und Theo Fried-Paris. Das literarische Kabarett„Die Pfeffennühle" Prag I., Annenska ul. 5, Kleiner Unitaria-Saal. Heute Sonntag nachmittags halb 4 Uhr Vorstellung zu Preisen von 5 bis 16 Kd. Abendvorstellung 8.15 Uhr. Restliche Karten eine Stunde vor Beginn an der Kassa. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Sonntag%3: Gesellschaft, volkstüml. Vorstellung, Gastspiel Ernst Deutsch, halb 8: Dieschön« Helena, Abonn. aufgehoben.— Montag halb 7: Juarez und Maximilian, Gastspiel Ernst Deutsch, Theatergemeinde.er Jugend.— Dienstag halb o: Don G i o v a n n i, A 2.— Mittwoch halb 8: M e n s ch e n"i n W e i ß. B 1. — Donnerstag halb 8: 13 bei Tisch, Erstaufführung, CI.— Freitag halb 8: Stille Musik, Ensemblegastspiel von Mitgliedern des Wiener Burgtheaters, D 2.— Samstag halb 8: Di« schöne Helena, Abonn. aufgehoben.— Sonntag halb 8: Schneider Wippl kontra Napoleon, Ar- beitervorstellung, halb 8: I e n u f a, neueinstudiert und neuinszeniert, A 2.— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Sonntag 3:Mädels imNgchtbetrieb, 8: E h e m. b. H.— Montag 8: Ehe m. b. H., Bankbeamte und freier Verkauf.— Dienstag 8: Schneider Wippl.— Mittwoch hallb 9: Schule für Steuerzahler, volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag 8: Schneider Wippl.— Freitag 8:Fremdenverkehr, volkstümliche Vorstellung.— Samstag 8; 13 bei Tisch.— Sonntag 8%: Nacht vor dem Ultimo, 8: Schneider Wippl. Vorträge Vortrag des Prof. Nejedly Donnerstag, den 24. Jänner im großen Saal der städtischen Bibliothek über„Das Schicksal der europäischen Emigranten" um halb 8 Uhr. Der film Der letzte Diktator Es ist überflüssig, die Frage zu stellen, ob dieser neueste Rene Claire-Film(der eigentlich „Der letzte Milliardär" heißt) zu den besseren oder schwächeren Werken des Meisters zu zählen ist.. Es genügt, daß er ein Werk des Meisters ist: mit dem witzigen Geist, der filmischen Treffsicherheit, dem bildhaften Können und der mutig-übermütigen Angriffslust, die Rend Clair zu dem gemacht haben, was er ist. Er geht auch hier wieder von der Operettenparodie aus, und das Thema so vieler Singspiele: die Sanierung eines Äönigsreichs durch die reiche Heitat der Prinzessin(die aber einen armen schönen Jüngling liebt), setzt bie- Handlung-in Bewegung. Aber was Rene Clair daraus hat werden lassen, das ist eine solche Fülle karikierter Gestalten, grotesker Begebenheiten, satirischer Hiebe und witziger Phantasien, daß es niemand nacherzählen kann, zumal sich das Witzigste nicht in Reden, sondern im Bereich des Sichtbaren abspielt, wo der Schwerpunkt aller guten Filme liegt. Eine Fülle von Gestalten erscheint: die geschäftstüchtige Königin, der geohrfeigte König und der schwachsinnige Kronprinz, die unschuldig-holde Prinzessin, die zwei heimliche Kinder hat, die streberisch-feigen Minister, der dreiste Kammerdiener und der scharfsinnig-ratlose Detektiv. Aus den Einfällen, die Rene Clair beim Spiel mit diesen Figuren entwickelt hat, hätten andere vermutlich ein Dutzend Filme gemacht: aus dem verliebten Hofkapellmeister zum Beispiel, dessen Herzensnöte immer auf Tempo und Takt der Nationalhymne abfärben— oder aus der Naturalwirtschaft im geldentblößten Königreich, die Geflügel und Schuhe und Revolver zu Zahlungsmitteln werden läßt:— oder mis dem Streik der Telephonfräuleins und der Polizisten. Der Kern des skurillen Spiels jedoch ist die phantasievoll verkleidete, Zeitsatire: der Hohn auf ein die Krise beschwatzendes' Parlament, auf ein Königshaus, das vom reichen Schwiegersohn leben will, auf die patriotische Begeisterung, die nur gegen Barzahlung funktioniert— und auf den Diktator(der«in pleitegehender Milliardär ist): er beginnt zu diktieren, als ihn ein Unfall idiotisch gemacht hat, er veMetet das Reden(und läßt sogar den«insperren, der dazu„Sehr richtig!" sagt), er läßt das Volk im Kreise marschieren wie auf dem Gefängnishof, er läßt die Minister auf allen Vieren kriechen und bellen,— aber als er infolge eines Attentats wieder zu Verstand kommt, hält seine Umgebung an den Narrheiten fest, die er im Wahnsinn befohlen hat. Bezeichnend genug, daß Rene Clairs Film überall Anstoß erregt hat: in Frankreich des Parlaments, in England des Königshauses und anderswo deS Diktawrs wegen. Ein Film also, wie wir ihn von Rene Clair erwarten- durften. Auch was die Auswahl der Darsteller betrifft— di« vom Diktator Max Dear» l a h S bis zum letzten Minister zu loben find, —eis— Rene Saint-Cyr in dem Rend Clair-Film„Der letzte Diktator". Lus der Partei Drei Woche« in der Sowjetunion lieber dieses Thema spricht Donnerstag, den 24. Jänner, um 8 Uhr abends im Parteiheim. Nä- rodni tr. 4., im Rahmen der Deutschen sozialdemokratischen Bezirksorganisation Prag, Genosse Dr. Emil Strauß, der soeben von einem dreiwöchigen Aufenthalt in der Sowjetunion zurückgekehrt ist. Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Heute, 8 Uhr nachmittags im Gewerkschaftshaus Unterhaltung s n a ch m i t t a g der Kampfgemeinschaft. Tschechische Rezitationen und Sprechchöre, nachher Tanz. Regie beitrag 1 Kd-— Mittwoch, den 23. Jänner, 8 Uhr abends Gruppenabende: S. I. Zentrum: Gemeinsamer Abend mit den tschechischen Genossen.— S. I. Holleschowitz: Die bürgerlichen Parteien in der Tschechoflowakischen Republik. — S. I. Wein berge: Generalversammlung. Sport• Spiel» Körperpflege Die Welt- und Europameisterschaften im Eis». Hockey wurden Samstag in Davos unter Teil«^ nehme von 15 Ländern eröffnet. Es wird in vier Gruppen gespielt. Der ersten Gruppe gehören an: Schweiz, Ungarn, Holland und Schweden; in der zweiten spielen: Deutschland, Italien, Polen und Frankreich; die dritte bilden: Tschechoslowakei, Rumänien, Oesterreich und Belgien; die vierte: Kanada England und Lettland.'Die in den Vorrunden auS» scheidenden Mannschaften absolvieren ein Trostturnier nach Cupsystem. Die er st en Spiele brachten folgende Ergebnisse: Tschechoslowakei gegen Oesterreich 2:1(0:0, 1:1, 1:0), Schweiz gegen Schweden 3:1(4:0, 1:1, 1:0), Ungarn gegen Holland 6:0(3:0, 3:0, 0:0), Rumänien gegen Belgien 2:1(1:0, 0:0, 1:1), Italien gegen Deutschland 2:0 (1:0, 1:0, 0:0), Frankreich gegen Polen 3:2(1:0, 2:1, 0:1), Kanada gegen England 4:2(0:1. 2:1, 2:0).— Das Spiel Tschechosiowakei—Oesterreich wurde sehr offen durchgeführt und nur das Glück entschied. Die Mannschaft der Sieger wies ebe' sehr viel« Schwäch".', auf, besonders der erste Sturm war schwach. Zuschauer gab es herzlich wenig, da zugleich di« Schweizer mit den Schweden tyieUe’i und demnach die Heimischen den Vorzug hatten. Verclnsnadiriditcn Bolkssiuggemeindc! Sämtliche Sangesgenoffen werden ersucht, die Proben jetzt regelmäßig zu besuchen; ia f Vorbereitung: Neueinstudierung von Chören zur Jahresversammlung unserer Parjci und zur großen Festakademie im Monat März.— Nächst« Probe Dienstag, den 22. Jänner, um 8 Uhr abend imP robelokal.— Die Generalver sammlung der Volkssinggemeinde findet Freitag, den 25. Jänner, um 8 Uhr abend im Parteiheim. Narodni tr. 4. statt, z» welcher auch alle Freunde der Volkssinggemeinde herzlichst willkommen sind. Mitteilungen der»Urania« Heute halb 11 Ahr:„Die weiße Welt". Kulturtonfilm. Für Jugendliche geeignet. Unvergeßliche Filme:„Die letzte Kompanie". Conrad Veidt. Montag%9 Uhr. Thomas Mann spricht über:„Leiden und Gröhe Richard WagnerS". Dienstag 8 Uhr. „Die Biene Maja" und der letzte Kinderwett-' bewerb ist das Programm des Kindernachmittages. Mittwoch 3 Uhr. „Die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas". Regierungsrat Dr. A. Sattler-Dorniacher.(Wien). Donnerstag 8 Uhr. Massryk-Bolkstzschschnle Dienst am Knuden— Moderne Derkaufskunde. Dr. E. Goder-Herniann. Montag 8 Uhr. „Dein««verstandener Lebensstil" Individualpsychologe Paul Fischl. Dienstag 8 Uhr. Literatur Thomas G. Masaryk:„A nemzetisegi kerdes" (Dm Nationalitätenfrage). ins Ungarische überseht von Dr. Ferdinand Szerenhi. Herausgegeben voM E. Prager-Verlag, Preßburg-Wien-Leipzig. Für dü ungarische Minderheit hat die NafionalitätenfraN eine besondere Bedeutung. Der E. Prager-Verlaß bat es unternommen, im Rahmen des Sammelwerkes .A magyar Masaryk"(Masaryk ungarisch) aR Aeußerungen und Schriften des Präsidenten, die siä auf die Nationalitätenfrage beziehen, in einem Bands zu sammeln. Die Uebertragung besorgte Dr. Ferdinand Szerdnyi mit philologischer Genauigkeit, i> leicht lesbarer Form. Dr. Walter Feuereisen gew. Assistent der Medizinischen Klinik(Prof. Nonnenbruch), hat seine Ordination in Prag II« Washingtonova(früher Stadtpark, Brchliekkh« fad»' Rr. 8, eröffn«. Sprechstunde 15—17 Uhr- Telefon 321—80. 2831 Verlangen Sie in Jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER« Cie., PILSEN Selchwaren der Fa.HE<3NER* Cie.. PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I BÖHMISCHE UNION-BANK (VEREINIGT MIT DEM ALLGEMEINEN BÖHMISCHEN BANK-VEREIN) Zentrale In Prag Aktienkapital K 200,000.000'— Ftstnefnnds« 201,550.000- FILI ALEN; Aach, Aussig, Bodenbach, Böhmisch-Bud weis. Bratislava, Braunau i. B, Brünn, Brüx« Freiwaldau, Frt dek, Gablonz a. N., ürulitz, Hohenelbe, Iglau, Jägerndorf« Karlsbad, Königinhof a. E. Leitmentz, Manenbad. Mähr• Ostrau, Mähr.-Schönberg, Neu-Titachein. Olmütz. 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