IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ff SCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiufochova a. TELEFON 5M7. Administration TELEFON 53076. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS. FRAG. EhmWt 70 Reiter (eintchließlich 5 Hallar Fort») 15. Jahrgang Dienstag, 22. Jänner 1935 Nr. 18 Huch ohne Deutschland und Polen... Frankreich, die Kleine Entente und Rußland als fester Friedensblock Paris. Die Pariser Presse begrüßt eö mit Freude, daß es L a v a l gelungen ist, eine volle Meinungsübereinstimmung zwischen Frankreich, Rußland und der Kleinen Entente herbeizuführen. Die Abendblätter betonen, daß der O st- a k t, den man in Paris das Ostlorarno nennt, verwirklicht werden wird, auch wenn Polen und Deutschland ihre» Beitritt Deutschlands Außenhandelsbilanz gegenüber 1933 um 950 Millionen Mark verschlechtert Berlin. Die Bilanz des deutschen Außenhandels zeigt für den Bormonat einen Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr in der Höhe von 45 Millionen Mark, ein Passivem, das sich schon seit mehreren Monaten nicht mehr gezeigt hat. Im ganzen Jahr 1934 betrug die deutsche Einfuhr 4451 Millionen, die deutsche Ausfuhr 4167 Millionen Mark. Das Passivum des deut- schen Außenhandels betrug also im abgelaufenen Jahr 284 Millionen Mark, während im vorangegangenen Jahr die deutsche Handelsbilanz noch stark aktiv war. Das Aktivnm im Jahre 1933 betrug 668 Millionen Mark. Zwangsanleihe Schachts? Berlin. In deutschen Finanzkreisen geht das Gerücht um, daß Dr. Schacht die Absicht habe, demnächst auf dem deutschen Markt eine Anleihe von 1.5 Milliarden Mark zu 4 Prozent zur Finanzierung des Arbeitsbeschaffungsprogramms der Reichsregierung aufzulegen. Man vermutet, daß ein Teil der Anleihe die Form einer Zwangsanleihe haben wird. ProzeB Rakosi Budap e st. Bor dem Budapester Strafgericht begann Montag der Prozeß gegen den ehemaligen kommunistischen BolkSkommiffar Matthias Rakosi. Rakosi wird des 27fachen Mordes und der 17fachen Anstiftung zum Morde sowie der Teilnahme an der Geldfilschung angeklagt. Der ehemalige Volkskommissar, der die wegen anderer Delikte über ihn verhängte acht- einhalbjährige Freiheitsstrafe bereits abgebützt halte, befindet sich seit April 1934 in Untersuchungshaft. Im Laufe seines Verhöres gibt Rakosi zu, Volkskommissar und Kommandant der Budapester Roten Wache gewesen zu sein. Als ihn jedoch der Vorsitzende nach verschiedenen Einzelbeiten befragt, behauptete der Angeklagte, er könne sich nach 16 Jahren nicht mehr genau an alle- erinnern. IM weiteren Verlauf der Verhandlung seines Prozesses berichtete Rakosi darüber, wie die Kommunisten im Jahre 1919 an die Macht kamen. Uebrr die verschiedenen während der Räteherrschaft erfolgten Hinrichtungen war der Angeklagte zum größten Teil nicht informiert- Kein Seid für Saar-Flüchtlinse? Genf.(Tsch. P.-B.) In seiner Schlußsitzung verhandelte der Völkerbund-Rat überd den Antrag der französischen Regierung betreffend die Saarflüchtlinge. Es wurde beschlossen, daß der Berichterstatter für diese Angelegenheit im Zusammenwirken mit dem Saarausschuß einen Antrag über die Unterstützung ausarbeite,^ die den Saaremigranten zuteil werden müsse. Der Generalsekretär des Völkerbundes Avenol betonte in der Diskussion, daß im Böllerbundbudget mit außerordentlichen Ausgaben, die durch die Uebernahme des Schutzes über die Saarflüchtlinge durch den Völkerbund entstehen würden, nicht gerechnet worden ist. Fortgesetzte Mißhandlungen im Saarsebiet Saarbrücken. Ein französischer Bergarbeiter, der von den Nationalsozialisten mißhandelt wurde, hat beim Obersten Abstimmungsgericht Klage erhoben. Weiters wird mitgeteilt, daß zwei Mitglieder der Wirtschaftsvereinigung der saarländischen Separatisten(?) in Völklingen in der vergangenen Nacht von Nationalsozialisten verletzt wurden. 8000 Emigranten Paris.(Tsch. P.-B.) Bis Ende der vergangenen Woche haben die französischen Behörden an Saarländer mehr als 8000 zum Aufenthalt in Frankreich berechtigte Paßvisa ausgestellt. ablehnen sollte«. So schreibt„Echo de Paris": Sollte Deutschland dem Versprechen gegenseitiger Hilfe aus dem Wege gehen, dann wird Frankreich mit Moskau und mit Prag sich verbinden und mit Deutschland über die Abrüstung erst verhandeln, vis Berlin dem Ost-»nd Donaupakt beitritt. Außenminister Laval ist Sonntag abends von Genf nach Paris zurückgrkehrt. Die Ergebnisse seiner Verhandlungen zusammenfassend, erklärte Laval bei feiner Abreise: „Es ist der Augenblick gekommen, wo eS notwendig ist zu sagen, daß, wenn ein Staat, sei Der Appetit wachst... Dagegen meldet Havas aus Berlin: Rach den letzten Erklärungen Hitlers hat es den Anschein, daß der brutsche Reichskanzler entschlossen ist, im Prinzip alle Verpflichtungen betreffend die Abrüstung, die Deutschland durch den Friedensvrrtrag von Versailles auferlegt wurdrn, abzulehnen und als erste Bedingung für jede weitere Bertragsverpflichtung Deutschlands die diplomatische Anerkennung der deutschen Rüstungen aufzustellen.' Das einzige positive Anbot, das sich aus den Kundgebungen Hitlers ableiten läßt, ist, daß er Habicht rehabilitiert Wien. Das„Reue Wiener Tagblatt" meldet, daß Habicht, der bekanntlich längere Zeit hindurch die nationalsozialistische Agitation und gegen Oesterreich gerichtete Propaganda von Bayern aus geleitet hatte, wieder nach München zurückgekehrt ist«nd neuerlich die Funktion des sogenannten Landesinspekteurs der österreichischen Nationalsozialisten übernommen hat. Oesterreichische Wintermanöver Wien. Wie das„Wiener Montagsblatt" erfährt, sind in diesem Winter zmy«rstenmale im größeren Umfang Wintergebirgsübungen im Gange. Diese Uebungen bilden den Abschluß der allgemeinen Wintersport» und Wintergefechtsübungen aller österreichischen Truppenkörper. Die Garnisonen Graz, Klagenfurt, Villach, Hall und Bregenz führen in kombinierten Unterabteilungen Mehrtagswinterge- birgSmärsche durch. Auch die Artillerie erhält ihre Winterausbildung, so sind u. a. die Batterien der Paris. Die Verhandlungen zwischen den Sozialisten und den Kommunisten über ein gemeinsames Aktionsprogramm, die seit dem Herbst geführt werden, wurden abgebrochen. Im„Populaire" schreibt Lkon Blum, daß dick Meinungsverschiedenheit, die sich von Anbeginn gezeigt hat, ständig gewachsen ist und sich in letzter Zeit in dem Maße verschärft hat, daß eine Jdeenannäherung zwischen den es welcher auch immer, einen anderen Staat überfallen würde, er heute auf eine feste Einheit derer stoßen würde, die dem Frieden ergeben sind.". Laval gab dem Polnischen Außenminister B e ck die Erklärung ab» daß, wenn die französischen Vorschläge über gegenseitige Hilfe von Polen abgelehnt würden, dieser ablehnende Standpunkt Polens die Verwirklichung des Ostpaktes nicht verhindern könnte. Wenn Deutschland und.Polen ablehnen werden, wird ihnen Frankreich bekannt geben, daß esauchohnesie den Vertrag über gegenseitige Hilfeleistung mit Sowjetrußland und der Tschrchosiowakei abschließen werde. bersit wäre, einen Nichtangriffspakt analog dem deutsch-polnischen Pakt avzuschließen. In deutschen Kreisen besteht der Eindruck, daß sich das Deutsche Reich gegenwärtig n i ch t an internationale Abmachungen binden will»- die der europäischen Solidarität eine feste und konkrete Form gebe« würden. ♦.* Berlin.(Havas.) Die„Westfälische Landeszeitung", ein offizielles Organ der nationalsozialistischen Partei, bringt einen Artikel über das Memelgebiet, welches sie die„Ost- Saar" nennt, und fordert, daß auch die Memelfrage ebenso wie die Saar-Frage durch ein Plebiszit geregelt werde. Linzer Artillerie-Brigade derzeit bei einer Scharfschießübung auf dem Dachstein, die anderen Gebirgsartillerie-Abteilungen in den Gebirgen ihrer Umgebung, so z. B. in Paherbach, im Oetzthal usw. zur Winterausbildung stationiert. Lord Eden wird Außenminister? Paris. Londoner Meldungen des„Exeel- sior" zufolge soll Sir John Simon binnen kurzem das Außenministerium verlassen und durch An- tony Eden ersetzt werden. Sir John Simon wird zum Bizekönig von Indien ernannt werden. Franzosenmassaker in Somaliland Paris. Havas berichtet aus Dachibuti (Französisch-Somaliland), daß ein französischer Administrator, 18 Mitglieder der französischen Miliz«nd 28 Somalileute auf französischem Gebiet bei einem Raubzng von Stämmen aus den abessinischen Grenzgebiet ermordet worden sind. Sozialisten und den Kommunisten unmöglich sei. Lkon Blum betont sodann, daß die Sozialisten soziale und materielle Vorteile der Prole- tavierklasse, die allgemeine Abrüstung» die Auflösung der nationalen Ligen, die Verstaatlichung der Waffenherstellung und des Waffenhandels etc. anstrebrn. Das bisherige gemeinsame Vorgehen der Sozialisten und der Kommunisten in bestimmten äußeren Angelegenheiten werde jedoch weiter andaurrn. Ilie Sanierung der Bergarbeiter-Versicherung Von Josef Zinner, Obmann der„Union der Bergarbeiter“ Die Fachkommission, die seinerzeit vom Minister für öffentliche Arbeiten nach Vorlage des Sanierungsplanes durch das Ministerium für öffentliche Arbeiten im Jahre 1927 eingesetzt' wurde, hat ihre Arbeiten abgeschlossen und sie wird nach Pressemeldungen den neuen Sanierungsplan der Regierung vorlegen. Dies veranlaßt zu verschiedenen Vermutungen, die auch m einem Teile der Presse auftauchen. So wird behauptet, daß zur Sanierung der Bruderladen viele Milliarden Kronen gebraucht werden. Ob diese Behauptung in Unkenntnis der Sachlage oder aus dem Bestreben heraus erfolgt, die Erhaltung der Versicherung der Bergarbeiter, als Unmöglichkeit erscheinen zu lassen, ist einerlei. Für die Bergarbeiter bedeutet eine derartige Information der Oeffentlichkeit eine Gefahr, die darin besteht, daß durch diese Beeinflussung die Meinung aufkommen könnte, als ob die Sanierung« nd Erhaltung der Selbständigkeit der Bergarbeiterversicherung nicht durchführbar sei. Dem ist aber nicht so. Gewiß befindet sich die Bergarbeiterversicherung in Schwierigkeiten und gewiß hat der seinerzeitige Vorschlag des Ministeriums für öffentliche Arbeiten aus dem Jahre 4927 dazu beigetragen, die Ansicht zu verbreiten, daß dje Bergarbeiterversicherung nicht selbständig erhalten werden könne. Der damalige Entwurf sah eine wesentliche Verschlechterung der Krankenversicherung der Bergarbeiter vor und verlangte u. a. die Aufhebung der Berufsunfähigkeit, der unbedingten Witwenrente und außerdem eine Kürzung der Renten um ein Drittel. Daneben war eine Erhöhung der Beiträge sowie ein Staatszuschuß zur Sanierung vorgesehen. Ein Teil des Sanierungsbeitrages sollte durch einen Zuschlag zu den Kohlenpreisen hereingebracht werden. Die Verwirklichung dieser fürchterlichen Vorlage konnte verhindert werden, weil sich die Bergarbeiter ganz entschieden gegen den Raub alter, erworbener Rechte wehrten. Die Bergarbeiter fordern schon viele Jahre die Sanierung der Bruderladen und es ist falsch, wenn die jetzige Situation der Versicherung dem Gesetze bezw. den Förderern des Gesetzes pom Jahre 1922 zum Vorwurf gemacht wird. Das Gesetz schließt die Möglichkeit einer rechtzeitigen Sanierung nicht aus, es war an den Behörden selbst gelegen, diese Möglichkeit auszuschöpfen. Die Bergarbeiter haben seit dem Inkrafttreten des bezogenen Gesetzes sehr hohe Beiträge für die Provisionskassa gezahlt, nämlich KL 33.— pro Monat. Bei Leistung dieser Beiträge haben sie nach fünfjähriger Beitragszeit Anspruch auf eine Rente von KL 75.— pro Monat. Bei einer Prämienleistung von KL 34.— monatlich, hat ein Privatangestellter nach Erreichung der Karenz- frist,(fünf Jahre Beitragszeit) einen Anspruch von KL 350:— proMonat. Bedenkt man dabei» daß die Beiträge aller im Bergbau beschäftigten Personen gleich hoch sind und daß jeder Beschäftigte ohne Rücksicht auf seinen Verdienst KL 33.— pro Monat Beiträge zahlen muß, io wird erst klar, was für ein Opfer es für einen Familienvater bedeutet, der nicht selten bloß KL 90.— pro Woche verdient. Wenn trotz dieser hohen Beiträge der Abgang in der Bergarbeiterversicherung größer wurde, so ist diese Erscheinung in den objektiven Verhältnissen begründet. Die Bruderladenversicherung ist eine viele Jahrzehnte alte Einrichtung und sie wurde mit Rücksicht auf den gefahrvollen Beruf der Bergarbeiter geschaffen. Die Gewißheit, daß der Bergarbeiter für seine schwere gefahrvolle Abreit nach der Pensionierung eine den damaligen Verhältnissen angemessene Provision erhält, sollte ein Anreiz zur Wahl dieses gefahrvollen Berufes sein. Diesen Anreiz zu erhalten, ist, well die Arbell im Bergbau nicht weniger gefahrvoller wurde, nur im Interesse des Bergbaues selbst gelegen. Die Bergarbeiterversicherung ist durch vieles zu Unrecht belastet, worauf zum Teil die entstandenen Defizite zurückzuführen sind. Während sonst für die Renten der Kricgsinvaliden und Kriegerwitwen der Staat aufkommt, zahlt die Bruder- jlade jedem Kriegsinvaliden und den Kriegerwjtweu Moskau,(Taß.) In einem Artikel, betitelt„Geschlossene Front im Kampfe um den Friedyr", weist die„I s w e st i j a" darauf hin, daß in den Erklärungen Litwinows, Lavals «nd Titulescus die Entschlossenheit der Sowjetunion, Frankreichs, der Kleine« Entente«nd der Balkan-Entente zum Ausdrucke kam, in geschloffener Front den Kampf um den Frieden im allgemeinen und insbesondere in Osteuropa zur Verwirklichung des Ostregionalpaktes fortzusetzen. Diese Erklärungen gewinnen eine große politische Bedeutung in erster Linie dadurch, daß sie nach dem Abkommen in Rom«nd nach der Volksabstimmung in der Saar abgegeben wurdrn. — Zusammenarbeit mit Kommunisten unmöglich Seite L DienStag, 22. Jänner 1938 Nr. 18 Revierkonferenz In Kladno für nachhaltige Verkürzung der Arbeitszeit die Rente aus eigenen Mitteln. Während der Staat für die Sozialversicherungsrentner Staatsbeiträge leistet, zahlte er bis nun bei der Bergarbeiterversicherung nichts zu. Durch die Einverleibung des Hultschiner Landes wurden viele Ris- ken ohne jede Kapitalsreserve übernommen. In der Slowakei und in Karpathorußland kamen ebenfalls viele Bergarbeiter mtt alten Rechten zur Zentralbruderlade. So muß seit Jahren die Berg- arbeiterversicherung Lasten tragen, die sonst der Staat trägt, obzwar diese Belastung aus staatspolitischen Gründen entstanden ist. Zu alldem kommen die Auswirkungey^der Krise, die Massen- entlaffungen und der frühzeitig bedingte große Zustrom neuer Berginvaliden zur Provisionskaffe. Hieraus erwächst sowohl dem Staate, als auch den Bergbaubesitzern die Verpflichtung, die Kosten der Sanierung der Bergarbeiterversicherung zu tragen. Als am 3. Jänner 1984 die schreckliche Katastrophe am Nelsonschachte allgemeine Anteilnahme und Verständnis für den gefahrvollen Beruf des Bergarbeiters erweckte, wurde nicht zu Unrecht aus den Kreisen der Bergarbeiterschast die Forderung nach Erhöhung der Bruderladenpensionen laut, denn tausendmal geht der Bergarbeiter, der einige Jahre im Bergbau beschäftigt ist, knapp am Tode vorüber. Jeden Tag zieht er, sobald erzur Schicht geht, sein Leichenhemd a n. ES wäre nur recht und billig, wenn jene, die die gefahrvolle Arbeit zu ihrem Beruf erwählt haben, bei Eintritt der Invalidität hiefür durch eine entsprechende Rente entschädigt würden. Wenn aber der berechtigte Wunsch der Bergarbeiter nach Erhöhung ihrer Renten, mit Rücksicht aus den schlechten finanziellen Stand der Bergarb.'i- terversicherung nicht möglich ist, so muß bei der Sanierung darauf Bedacht genommen werden, "daß die Rechte und Ansprüche gesichert bleiben. Zwar ist gegenüber der Anzahl der derzeit beschäftigten Bergarbeiter die Zahl der Rentenbezieher groß: es stehen derzeit rund 64.000 Rentner, 83.000 Witwen und 8500 Waisen im Genuffe einer Rente. Die aufgelaufenen Schulden der Zentralbruderlade dürsten 100 Millionen Kronen betragen, von denen 70 Millionen durch Papiere gedeckt sind. Nachdem seit vielen Jahren die hohen Beiträge der Bergarbeiter zur Auszahlung der Renten nicht ausreichen» mußte der Staat Vorschüsse geben, die zu einem Betrage von 330 Millionen Kronen angewachsen sein dürften. Der Fachkommission war die gewiß nicht leichte Aufgabe gestellt, einen Sanierungsplan auSzuarbei- ten, durch welchen das Desizit gedeckt und die weitere geregelte Auszahlung der Renten gesichert wird. Zu dieser Sanierung sollen in Hinkunft der Staat 90 Millionen und die Unternehmer 34 Millionen Kronen beitragen. So hoch diese Summe erscheinen mag, so reicht sie doch nicht aus, um die Auszahlung der ungekürzten Renten zu gewährleisten, weshalb mit Recht angenommen«werden muß, daß der fehlende Teil als Sanierungsbeittag der Rentner(durch Rentenkürzung) gedacht ist. Dadurch aber würde an der Bergarbeiterschast, obzwar sie sich die Erhaltung der Selbständigkeit der Bruderladenversicherung als wichtiges Kampfziel gesteckt hat, und obwohl sie die Aufrechterhaltung der Berufsunfähigkeit und der unbedingten Witwenrente als große Berbefferung gegenüber der unsprünglichen Vorlage vom Jahre 1927 zu werten weiß, ein großes Unrecht verübt werden. ES wird unsere Aufgabe sein— falls bei der Sanierung der Bergarbeiterversicherung an eine Rentenkürzung gedacht wird— den auf die Kürzung entfallenden Betrag des Sanierungsplanes anderweitig aufzubringen. Kladno.(Tsch. P.-B.) Sonntag vormittags fand in Kladno eine Revierk»«- f e r e n z der Bergarbeiter unter Beteiligung von 142 Delegierten statt. Zunächst verlas der Vorsitzende die eingelangten Sympathiekundgebungen für den Kampf der Bergarbeiter. Hierauf wurde das Andenken der in der Nelsongrube ums Leben gekommenen Bergarbeiter von allen Versammelten durch Erheben von den Sitzen geehrt. Der Hauptberichterstatter war der Settetär des Revierrates der Bergarbeiter von Kladno, Saska. Die Konfeenz nahm den Bericht über die bisherigen Verhandlungen zur Kenntnis. Die Vertreter der VerttagS-Gewerkschaftsorganisatio- nen, das ist des Verbandes der Bergarbeiter (Svaz), der Vereinigung tschechoslowakischer Bergarbeiter(Jednota) und der Nationalen Vereinigung(Närodni Sdrujeni) gingen gemeinsam vor. Einen abweichenden Standpunkt bezüglich der Taktik des wetteren Vorgehens bekundeten die Vertreter des JndustrieverbomdeS der Bergarbeiter (Kommunisten). Zum Schluß nahmen di« Delegierten der Ver« trags-Bergarbeiterorganisationen eine R e s o- Javanische Friedens beteuerungen Tokio.(Reuter.) Der japanische Außenminister H i r o t a hielt im Abgeordnetenhaus eine wichtige politische Rede über die Beziehungen Japans zum Ausland« und über die Pläne und Probleme Japans für die Zukunft. Den Grundton seiner Rede bildete der Wunsch Japans nach Abschluß einer neuen Flottenkonvention, welche umfangreiche Streichungen in den RüstungsauSgabrn enthalten würde. Die Kündigung des Washingtoner Flottm- abkommens durch Japan dürfe n i ch t alS Beginn fieberhafter Rüstungen Japans angesehen werden. Es sei nicht denkbar, daß eine Veranlassung zu einem Zusammenstoß zwischen Japan und den Bereinigten Staaten, die durch den Stillen Ozean voneinander grttennt sind, eintreten würde. Auch gegenüber der Sowjetunion sei die japanische Regierung bestrebt, die friedliche. Entwicklung in den Beziehungen zu beschleunigen. Japan hoffe ferner, daß China die Gesamtsituation in Ostasien endlich begreifen und de« ta p’tf'if't s ch e'ir’ F irr tfe tti tttflftt e n tspr e che n werde. Die politische Situation in China habe sich in der letzten Zeit etwas beruhigt; außer zwischen den kommunistischen Armeen Md den Regierungstruppen gebe es heute in China keinen Bürgerkrieg. Japan werde auch weiterhin mitt äußerster Aufmerksamkeit die Tätigkeit der kommunistischen Partei und der kommuni st ischen Armee in China verfolgen, da sich in der politischen Lage Chinas trotz aller scheinbaren Beruhigung immer noch sehr ein st e Möglichkeiten verbergen. Neue Vervlcklungen In Dschehol Peiping. Die Gerüchte über bevorstehende militärische Operationen Japans an der chinestsch- l u t i o n an, in der das Interesse und die Sympathie der gesamten Oeffentlichkeit, die dem Kampf der.Bergarbeiter im Kladnoer Revier entgegengebracht wurden, sowie auch die Tatsache mit Dank zur Kenntnis genommen wird, daß auf Grund einer Entscheidung der zuständigen Bergbehörden des Reviers eine amtliche Untersuchung durchgeführt werden wird und daß bis zu dem Zeit- punkte der Beendigung dieser Untersuchung die Unzulässigkeit von Entlassungen erllärt wurde. Schließlich betont die Konferenz, daß sie eine nachhaltig« Arbeitszeitkür- zungimBergbauals das notwen- digste Mittel für die Berhinderung weiterer Entlassungen und für die Milderung der kriti- schcn Arbeitslosigkeit in dem Revier erachte. Hinsichtlich der bevorstehenden Sanierung der Bergarbeiterversiche- r u n g erwartet die Konferenz, daü die Berg- arbeiterverficherung unter Aufrechterhaltung der bisherigen rechllichen und materiellen Ansprüche der Bergarbeiter und Provifionisten durchgeführt werden wird. Die Bertteter des Jndustriellenverbandes der Bergarbeiter nahmen eine eigene Resolutton an. mandschurischen Grenze verdichten sich immer mehr. Die japanischen militärischen Kreise begründen ihre Absichten zum Vorgehen damtt, daß die Truppen des Generals S u n g widerrechtlich den westlichen Teil Dschehols besetzt hätten. Außerdem hätten diese Truppen irregulären Charakter. Wie die japanische Telegraphen-Agentur Rengo mitteilt, hat jedoch der Gouverneur von Charhar dem„Ersuchen" der Militärbehörden der japanischen Kwantung-Armee entsprochen und die chinesischen Truppen aus Dschehol abberufen. Daraufhin hat die japanische Arme« ihre angedrohten Maßnahmen zurückgestellt, wodurch der Ausbruch eines neuen Krieges vorläufig vermieden worden sei. Goebbels kommt um eine fette Sensation Berlin.(Tsch. P.-B.)-Im nationalsozialistischen„Angriff" erschien seit einiger Zett der Roman„Zita, die schwarze Dame", der mit großer Reklame angekündigt worden war. Bon dem Roman, als dessen Autor Edgar Stamm zeichnet«, wurde behauptet, daß er sich auf historische Bege» benhvittwstlitz'e.'''Er istitt zwar seht^senfkttonell aufgemtrcht,"illustriert, aber ohne literarisches Niveau und voll faustdicker Unwahrheiten? Der Roman schilderte u. a., wie angeblich eine österreichische Division auf den Geheimbefehl ZitaS das Feuer einstellen mußte, damit das Eigentum der königlichen Familie nicht vernichtet werde. Ein andereSmal wäre der Könsg von Italien beinahe schon von österreichischen Truppen gefangen genommen worden, Zita aber habe steien Durchlaß für den König gefordert. Der Roman wurde jetzt plötzlichabgebrochen. Hiezu wird bekannt, daß dies auf Protest des ungarischen Gesandten in Berlin geschehen ist. Der Roman sollte auch in'Buchform erscheinen, was jedoch mit Rücksicht auf den Protest des ungarischen Gesandten unterbleiben wird. Copyright by Pmitilwit E. Prager-Verlag, Wien Er mußte Oberst Jouvenelle oft die Türe öffnen. Der Oberst hatte seine Scham überwunden. Anfangs kam er unfrei. Aber nach einigen Wochen sklavischer Dankbarkeit vevwandelte er dieses Gefühl in die noble und andauernde Ergebenheit eines Mannes seiner Art. Ohne daß er es merkte, erzog sie ihn für sich. Er erzählte ihr mit der Zeit nur das, was sie interessierte und sprach schließlich auch über das Theater. Sie entließ ihn immer mit einem Witz oder einem Scherzworte. Sie wollte, daß er froh heimkäme. Er lebte mit einem Diener, der wenig sprach, weil sein Herr schweigsam war. Wenn Jean Jouvenelle von Babiola oder einer ihrer Premieren nach Hause kam, sah. er gewöhnlich noch lange zum Fenster hinaus und grübelte. Er hatte ja keinen Mund mehr, um sie zu küssen und das Glück, das er von ihr empfing, schien ihm unverdient. Jouvenelle und Babiola spazierten im Bois d« Boulogne. Der Winter nahte und die Feuchtigkeit nagte wie Raupen an den Blättern. Auf den Waldwegen führten Mütter und Bonnen Kinder spazieren. Die Kleinen spielten lärmend und rissen Babiola aus ihrer Zerstteutheit. Sie sah auf. Sie kannte nur Theaterkinder. Kinder von Schauspielern, Kinder des Personals, die zuweilen mit ihren unsicheren Stimmen aushelfen mußten und die in unmöglichen Akzenten sprachen. Diese Kinder hier sahen anders aus. Wie sonderbare Tierchen, lustig, übermütig und einfallsreich. Sie gingen spielend aus der Mutter Schoß gradeaus in die Welt. Sie verstand nicht, was in ihnen vorging, wie den Mündchen zu Mute war, wenn sie ihr zweites „Ich" aussprachen. Kinder I Sie fühlte sich selbst zu sehr erfüllt,"am anzunehmen, daß so ein Wesen noch in ihr Platz finden könne. Sie rief eines der Kleinen. Das Kind kam aber nicht, flüchtete hinter die Stuhllehne einer fremden Frau und lugte mit ängstlichen Augen hervor. Ettvas Böses stieg in Babiola auf. Am liebsten hätte sie das Kind geschlagen. Sie ttöstete ihre ungewisse Trauer, die sich durch das Schweigen Jeans vertiefte. Diese Kinder, dachte sie, sind liä und sagen kleine Dummheiten. Wenn sie größer werden, sagen sie größere. Ihr habt ihnen euer Blut gegeben, ihr Mütter, diesen künftigen Feinden eurer Ueberzeu- gung; jede neue Generation tötet die alte. Es ist schrecklich von der Hand der eigenen Kinder den Tod zu empfangen. Diese Mütter I Sie sind die Lieferantinnen des Lebens, aber auch die des Todes. Mich werden stemde töten... Auf dem Wege versuchte sie, Jouvenelle ihre Gedanken llar zu machen, schwieg aber bald. Sie Merkte, daß er sie nicht verstand. Da» fünfzehnte Kapitel Alljährlich zur selben Zeit besuchte der Frühling das Gut Giraud. Er meldete sich mit Flugschriften goldenen Lichtes an, die von der Sonne herabfielen, mit raffelnden Leiterwagen und keimenden Wurzeln. Mit dem Duft der Erde. Im März war der Rasen schon grün und so sauber wie vor dem Ostergroßreinemachen. Der Rauch machte Ausflüge in den Himmel und die Bäume krachten vor Sehnsucht. Die Dorfbewohner gingen öfter zur Kirche; jetzt war es dort nicht mehr so kalt und dann hatten sie im Frühjahr mehr Wünsche auf dem Herzen. Frau Gttaud wurde mit jedem Jahre anspruchsvoller, Herr Girayd blieb immer gleich ruhig. Er ging, hatte seine geliebte Pfeife im Munde und sah auf den Feldern und im Hause nach dem Rechten. Seine Pfeife hatte ihm manchen Protests gegen die Zungengeläufigkeit seiner einstigen Wahl überwinden geholfen. Tante Lueie wurde in der Stärke ihrer Tugend immer magerer. Sie erzählte jetzt ost von ihren Erfolgen bei den Männern. Sie erzählte den Mägden bei der Arbett romantische Geschichten aus ihrem Leben, wie sie, zwanzigjährig, Verehrer vor Jahrzehnten zu Dutzenden abgewiesen Herr Giraud blieb immer gleich ruhig... hatte— mit Zank und Tadel ob der liederlichen Arbeit der Mägde vermengt. Felicien saß daheim. Er kannte nur mehr einen Ort auf der Welt. Babiola hatte die Briefe, die er ihr nach seiner Flucht geschrieben hatte, zurückgewiesen. Kränkte er sich? Sein Gehaben war sonderbar. Und er hatte sogar eine Ausrede dafür, die er Neurasthenie nannte. Er gab sein Atelier in Paris auf und übersiedelte zur Mütter. In einem unbewohnten Zimmer schlug er seine neue Werkstatt auf. Hier sah es recht armselig aus. Vorwahlzeit In England Labour Party und Lloyd George Die laufende Wahlperiode des britischen Unterhauses nähert sich ihrem Ende. Es ist die Ber- mutung aufgetaucht, daß die konservative Regierung ihre ungüstigen Aussichten durch eine überraschende frühere Auflösung des Parlaments unb* Ausschreibung der Neuwahlen verbessern wolle, um das 25jährige Jubiläum der Thronbesteigung Georgs V.(1910) zur Entfesselung einer nationalen Hochstimmung auszunutzen und dadurch einem überwältigenden Wahlsieg der Arbetter- partei vorzubeugen. Premierminister Mae- d o n a l d hat soeben in einer Versammlung seiner Wähler die Absicht einer früheren Wahlausschrei« bung bestritten, wie auch die Nachrichten der Arbeiterpresse, daß die konservattven Minister auf der Suche nach sicheren Wahltteisen seien, stets demen- tiert werden. Spätestens um die Jahreswende muß aber die Neuwahl des Unterhauses erfolgen und darauf richtet man sich überall ein. An seinem 72. Geburtstag hat Lloyd George in seinem Wahlkreis Bangor wieder einmal seine Walliser Landsleute zu ihrer großen Freude auf Gälisch angeredet und ihnen das Heil von seinem„New Deal" versprochen. In diesem Plan befürwortet der einst so mächtige Parteiführer die Einrichtung eines Wirtschaftsrates, die Ersetzung der vielköpfigen Regierung durch eine Art lleineS Krieg»- kabinett und eine staatliche Beeinflussung der Produktton, ja selbst staatliche Bankenaufsicht. All diese Vorschläge weichen erheblich ab von der Tra- dition der Liberalen Partei, die fteilich zu einer fast bedeutungslosen Gruppe herabgesunken ist. Selbst diesen Rest der Liberalen» der in Opposition zur Regierung steht, hat Lloyd George bereits verlassen und bildet mit vier seiner Verwandten eine eigene Zwergftattion. Sein New Deal ist ein Gemisch von„ständischen" Ideen und von abgeschwächten Forderungen der Arbetterpar- tei. Diese lehnt denn auch den New Deal als zwecklose Halbheit ab und stellt ihm mit desto größerer Energie ihr« radikalen Forderungen gegenüber! 1. Verstaatlichung der Bank von England, deren Leitung aus den Tüchügsten bestehen und eine Weitblickende Bankpolitik treiben soll. 2. Oeffentlichcs Eigentum am Boden, an den Schlüsselindustrien, am Transportwesen, der Kohle, elekttischen Kraft, dem Wasser, Eisen und Stahl. 3. Höhere Löhne durch verstärkten Tarifschutz und Erweiterung der Produktion durch Verbesserung der wirtschaftlichen Gesetze. 4. Abschaffung der Elendswohnungen und Förderung des Baues gesunder Wohnungen zu niedrigen Mieten. 5. Verlängerung der Schulpflicht bis zum 15., dann auch bis zum 16. Jahr und erhöhte Ruhegeholter für ältere Arbeiter, um ihre. Plätze für, Jüngere fteizmnachen. 6. Planmäßige Ausdehnung der Ekrktrifizie« I rung, der Ausnutzung der Kohle, der Entwässerung,> des Sttaßen- und Brückenbaus. Für dieses Programm führt die Arbeiterpartei im ganzen Reich einen inttnsiven Kampf unter der Führung des bewährten George LanSbury. Verkauf der Ostchinabahn perfekt Tokis. Zwischen den japansschen und sowjetrussischen Delegierten wurde der Verkauf der chinesischen Ostbahn endgültig abgeschlossen. Ter Verkaufspreis wurde bereits im Jahre 1934 festgesetzt. Wie Ruinen seines zerschlagenen Lübens. Hier lebte er, arbeitete aber nicht. Er konntt nicht ar- betten. Meißel, Hammer und Ton blieben kalt, von keiner wärmenden Arbeitshand gefaßt. Er begriff nicht, daß er einmal Bildwerke gemacht hatte, die auf den Ausstellungen zu Paris Preise erhielten. Alles war nicht mehr wahr: Paris, die Arbeit und Babiola. Manchmal schritt er mit dem Battr durch die Felder und sagte:„Wenn ich an Paris und all das andere vergessen habe, werde ich arbeiten. Ich habe viele Gedanken und Ausdrücke vorbereitet, die aus dem Ton Worte bilden sollen." „Ja", antwortete der Pater wortkarg. Ueber die Felder, die fruchtbar dufteten, wehte frische Lust. Der Himmel verlobte sich mit der Erde. Der Boden war weich und jung. Jeder Schritt hinterließ leise Spuren. Felicien gefiel eS hier. Er ging ost mit dem Vater, seltener allein. Auf diesen Wanderungen begegnete er de« Wegen seiner Kindheit. Er ging die Sttaßen, di« er mit dem brummigen, längst verstorbenen Knecht Jean geschritten war, und die Natur gab ihm ihre große Ruhe und Versöhnung. Er ließ sich eine Hausjoppe machen und suchte sich aus Vaters Vorrat einen Stock aus, der zum Rhythmus seiner Schritte paßte. So wurde er, ohne es zu wissen, von heute auf morgen zum Bauer. Er half dem Vater bei der Beaufsichtigung der Arbeiter, bei der Pferdezucht. Frühmorgens, wenn die Erde noch feucht vom Tau war, gingen sie zusammen an die Arbeit. Der alte Giraud schien einverstanden zu sein. Er sagte nie ein Wort; aber er hätte dem Sohn ein besseres LoS gewünscht. Ein einziges Mal sagte er, als sie zusammen heimwärts wanderten und seine Augen glitten über den fernen Horizont: „Du, Felicien, er ist eigentlich schade um dich." (Fortsetzung folgt.) Nr. IS DienStag, 22. Jänner 1938 Seite 3 fudetendeutstfieT Zeitepie^el Krise und Volksgesundheit Erschütternde Festste.lungen jährlichen Kinderkrankheiten, Diphterie- und Scharlach, so häufig auf, daß man von einer förmlichen Epidemie sprechen kann. Besonders häufig waren die Diphteriefälle, die zudem auch ungewöhnlich bösartig verliefen und viele Todesopfer forderten. Die Häufigkeit der Fälle stellte auch das Tetschener Krankenhaus vor schwere Aufgaben, da sich ein sehr empfindlicher Raummangel bemerkbar machte. Eine vollständig« Uebersicht Wer die Erkrankungen an Diphterie und Scharlach ist leider nicht zu erlangen, da bei weitem nicht alle Fälle im Krankenhause behandelt wurden. Im Kranken- Hause in Tetschen standen in Behandlung: Diphterie: 89 männliche, 70 weibliche, zusammen somit 129 Kranke. An Diphterie gestorben sind acht männliche und zwölf weibliche Erkrankte, im ganzen also 20. Die Scharlacherkrankungen verliefen viel gutartiger und es ist im ! Tetschener Krankenhause an dieser Krankheit kein Patient gestorben. Behandelt wurden 87 männliche und 80 weibliche, zusammen daher 107 ! Scharlachkranke. Bon den 20 an Diphterie gestorbenen Personen wurden einige dem Krankenhause eingeliefert, als bereits keine Hilf« mehr möglich war- Es mutz daher neuerdings aufmerksam gemacht werden, bei Halserkrankungen unverzüglich den Arzt zu Rate zu ziehen. Verhüttungen ehemaliger Hakenkreuzler Wie loyal und demokratisch die Heimatfront in Wirklichkeit sein mutz, das geht auS einer Gendarmerieaktion hervor, die am Freitag, dem 18. Jänner, im Bezirke Trautenau plötzlich vorgenommen werden mutzte. In der Stadt Trautenau wurden eine Menge ehemaliger Hakenkreuzler und nachmaliger Heimatfrontler von der Gendarmerie verhört. Auch wurden eine Reihe von Hausdurchsuchungen vorgenommen. Im Zusammenhänge damit wurden Ernst Werner und der bekannte Hakenkreuzler Erich Winkler aus Trautenau verhaftet. Beide wurden in das Kreisgericht nach Jitschin eingeliefert. Am gleichen Tage wurde in Rettendorf Alois Werner aus Neurettendorf verhaftet, der gleichfalls dem Jitschiner Kreisgerichte überstellt wurde. In Prag wurde der Hörer der Medizin P o s n e r aus Trautenau verhaftet. Die auswärtigen Verhaftungen stehen alle im Zusammenhang« mit den Verhaftungen in Trautenau. Die Unterschlagungen eines deutschnationalen Vorstehers Der Bezirksausschutz in Pretznitz im Erzgebirge hat in seiner letzten Sitzung über die durchgeführte Revision der Gemeindekassa in Christof- hammer berichtet. Daraus geht hervor, datz die Unterschlagungen des früheren deutschnationalen Gemeindevorstehers Willibald Kitzan eine Höhe von 204.781 XL erreichen. In Christof« Hammer waren die Unterschlagungen deshalb möglich, weil der bürgerliche Vorsteher alles allein machen konnte. Der Prehnitzer Bezirksausschutz hat verschiedene Matznahmen beschlossen, um in Hinkunft derartige Verfehlungen hintanzuhalten Der jetzige Amtsleiter der Gemeinde Ehristofham- mer ist unser Genosse Roman Kitzan, dem auch die Sympathien aller rechtlich denkenden Menschen sicher sind. Die Bevölkerung dieser Gemeinde hat wiederum ein Musteicheispiel,.wohin" die nationalen Diktatoren das Vermögen der Gemeinde verwalten. Verhängnisvolles Mittagsmahl Vierfacher Mordversuch In Tuschkau-Dorf Ein Arzt schreibt unS: Im Gegensatz zu anderen Ländern werden der breiten Oeffentlichkeit Erfahrungen über die Auswirkungen der Krise auf die Volksgesundheit von Aerzten der Sozialversicherungsanstalten nur selten berichtet. ES hängt dies vielleicht zum gro- tzen Teil damit zusammen, datz bis heute eine geregelte ärztliche Versorgung der Arbeitslosen nicht vorhanden ist. Die in der amtsärztlichen Praxis in den Krankenkassen fassbaren Folgen der Krise auf die Volksgesundheit können sich daher nur aul die arbeitenden Menschen und ihre mitversicherten Familienangehörigen beziehen. Datz aber auch hier schon Folgen festzustellen sind, soll an zwei Beispielen aus einem nordwestböhmtschen Gebiete gezeigt werden. In der Weihnachts- und NeujahrSwoche wurden in diesem Bezirke einige Betriebe während der Feiertage stillgelegt. In diesen Tagen meldeten sich in der zuständigen Bezirkskrankenkasse eine grössere Anzahl von Erwerbstätigen zur Untersuchung. Es waren zumeist langjährig arbeitende Menschen, die sich schon lange Zeit mit einem Leiden trugen und aus Angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren, die arbeitsfreien Tage benützten, um etwas für ihren Körper zu tun. Unter diesen waren schwer Lungenkram ke, Magenkrebskranke und Leute mit schwerem Ma gengeschwür. Der Befund bei diesen Kranken war so schwerwiegend, daß man sich alS Arzt wundern mußte, datz solche Menschen ihrer Arbeit noch nachgehen konnten. Auf Beftagen, weShalb sich die Kranken nicht eher znr Untersuchung gemeldet haben, teilten diese dem Arzte mit, datz man als einziger Verdiener einer grotzen Familie nicht wagen könne, längere Zeit im Krankenstand zu bleiben, weil man einerseits vom Krankengeld eine Familie mit einigen erwerbslosen Erwachsenen nicht ernähren könne und es andererseits bei den heutigen ArbeitSverhältnissen leicht möglich sei, das! bei längerem Fernbleiben von der Arbeit ein anderer für den Kranken eingestellt wird. Bemerkenswert ist, daß eS sich in diesen Fällen Meist um Arbeiter von grotzen Betrieben handelt. Ganz im Gegensatz zu früher vergeht fast keine Woche, in der man nicht einige Fälle von s ch w e« ttt Lungentube rk ulose bei k leinen Ki tttz erst und S ä ü glinßen bei der Röntgenuntersuchung zu sehen bekommt, und dies zwar bei Kindern erwerbstätiger Arbeiter. Sicherlich sind es zum gröhten Teil Nachzustände nach Infektionskrankheiten, wie Masern, Keuchhusten. doch auch diese Kinder find Opfer der Krise. Wenn man sich über die WohnungS« Verhältnisse, über die Zahl der vom Erwerb eines Menschen lebenden Familiemntt- glieder erkundigt, erfährt man die trostlose Lage der arbeitenden Menschen. Und dabei sind diese Menschen immer noch besser daran als jene, die arbeitslos sind und von keiner ärztlichen Untersuchung erfatzt werden. Bei dieser Betrachtung ist es aber auch notwendig, darauf hinzuweisen, datz wir nurzwei Anstalten für lungentuberkulosekranke Kinder besitzen und datz die Aufnahme in diese Anstalten erst nach Monaten und da zumeist schon zu spät gelingt. Einige allgemeinöffentliche Krankenhäuser besitzen zwar Kinderabteilungen, doch stehen diese Kinderabteilungen zumeist ohne lungen- und kinderfachärztliche Beratung. Nach dem heutigen Stand der Kenntnisse über die Beeinflussung der Lungentuberkulose erscheint für die Behandlung dieser Krankheit schon bei Erwachsenen eine ausgesprochen fachliche Vorbildung und längere Erfahrung der behandelnden Aerzte sehr angezeigt. Umsomehr muh man an dieser Forderung bei der Behandlung von kleinen Kindern, die an dieser Mrankheit leiden, festhalten. Es liegt dahe: bei den Landesverwaltung e n, fü! mehr Betten für lungentuberkulosekranke Kinder unter fachärztlicher Leitung in den grotzen Krankenhäusern Sorge zu tragen. » Die Diphtherie* und Scharlach* erkrankungen in Nordböhmen In den letzten Monaten des verflossenen Jahres traten im Bezirke Tetschen die beiden ge- Vom Internationalen Gewerkschatsbund Am 18. und 16. Jänner fand in Paris eine Sitzung des Vorstandes des Internationalen Ge- werkschastsbundes statt, an der für die Tschecho, slowakei Genosse T a y e r l e teilnahm. Der Vorsitzende C i t r i n e erstattete einen Bericht über das Verhältnis des JGB zum merikanischen Gewerkschaftsbund. Weiters befasste sich die Sitzung mit den Verhältnissen in Deutschland und Oesterreich sowie mit der Hilfsaktion für Spanien. Der Vorstand genehmigte ferner die Aktion, die im Internationalen* Arbeitsamt im Interesse der Jugend unternommen wurde. Es handelt sich da hauptsächlich um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unter der Jugend. In Königshan und in Bernsdorf wurden am Freitag bei einigen Hakenkreuzlern ebenfalls Hausdurchsuchungen durch die Gendarmerie vorgenommen. Bon Königshan wurde ein Hakenkreuzler und von Bernsdorf wurden drei Hakenkreuzler von der Gendarmerie in Haft ge- rwmmen, die jedoch, später,_ nach..exnem. durch« geführten langem verhöre, wieder auf freien Fuß gelassen wurden. Ueber die Ursachen der Verhaftungen wird vorläufig strengstes Stillschweigen beobachtet. Die Delikte scheinen jedoch keineswegs leichter Natur zu sein. Der Prozeß wird jedenfalls über die politischen Vergehen der Verhafteten und Mitbeschuldigten Aufklärung bringen. „Hunger!" Unter diesem Titel finden wir in bürgerlichen Blättern folgende, schon wegen ihrer lakonischen Kürze auffallende Notiz aus Warnsdorf: Am Mittwoch fand man in der Nordbahn- straße unweit des Hotels„Union" einen gegen 80 Jahre alten Mann aus dem Hungergebiete der GlaSgemeinde Oberpreschkau bewußtlos auf dem Bürgersteige auf. Hilfsbereite Hände trugen den Besinnnungslosen ins Hotel„Union", wo er zu sich kam und wo man ihm mit Speise und Trank labt«. Es handelt sich um einen. Mann aus Obergrund, der schon mehr als zwei Tage keinen Bissen in den Mund gebracht hatte und daher vor Hunger ohnmächtig geworden war. Schon früher war dieses Schicksal dem Armen passiert. Er gehört, das muß betont werden, zu der kleinen Gruppe der verschämten Armen... In dieser Notiz kommt nicht nur die furchtbare Tragik deS Schicksals der arbeitslosen Glasarbeiter zum Ausdruck, sondern auch die Barbarei der heutigen Gesellschaftsordnung. Was nützt es, wenn man dem einen Arbeitslosen einmal Speise und Trank gibt, er dann aber wieder dem Nichts gegenüber steht? Was heißt das, wenn die bürgerliche Presse betont, daß der Bewußtlose zu der„k l e i n e n Gruppe der verschämten Arbeitslosen" gehört? Sind die übrigen armen Menschen vielleicht unverschämt, weil sie das Recht beanspruchen, von der Gesellschaftsordnung, die an ihrem Elend schuld ist, unterstützt zu werden?! Die bürgerliche Presse zeigt mit dieser kurzen und doch so inhaltsreichen Notiz ihr wahres Gesicht, das Gesicht der Verteidigerin der kapitalistischen Ordnung. Das liegt daran, wenn ein Arbeitsloser vor Hunger zusammenbricht. Die kapitalistische Weltordnung braucht davon nicht Notiz zu nehmen. Schließlich sterben heute Tausende Hungers. Man tut seine „Pflicht", man meldet darüber in kurzer Form und gibt dem Zusammengebrochenen Speise und Trank, um ihm wieder dem Elend auszuliefern. Nachher kann man noch den Hilfsbereiten mimen, ?ür die Arbeiterschaft müssen solche Beispiele eine ürchtbare Lehre sein. Sie muß endlich erkennen, wie es ihr ergeht, wenn sie sich nicht dazu ausrafft, dieses System des Hungers und des Verderbens endlich zu beseitigen. In Tuschkau-Dorf gab«S am Freitag eine außergewöhnliche Erregung. Grund hiezu war genug vorhanden, denn eine ganze Familie war am Leben bedroht..Das kam so: In. der. Familie des Bauern Turnwald aß man am Freitag zum Mittagmahl Buchteln mit Heidelbeermarmelade. Dem Sohn fiel als ersten der scharfe Geschmack der Buchteln auf, doch aß man trotzdem weiter. Nach dem Essen wurde allen Mitgliedern der Familie unwohl. Die Tochter und der Sohn erbrachen, den Eltern erging es schlechter; sie mußten sich sogleich hinlegen. Die Tochter veranlaßte noch mit dem Aufgebot aller Kräfte, datz ein Arjst gerufen werde. ES erschien Dr. Linhart auS Hradzen, der sich mit Energie und Umsicht der Erkrankten annahm, an denen er«ine schwere Vergiftung feststellen mußte. Den ganzen Nachmittag und die ganze Nacht von Freitag auf Samstag harrte er auS. Seinem zeitgercchten Einschreiten ist eS zu danken, daß der Tod von der Familie Turnwald abgewchrt wurde. Erkranft ist außerdem eine Verwandte der Familie, die ebenfalls von den Buchteln kostete. Rätselhaft war der Umstand, datz von dem Mehl und der Marmelade schon wiederholt gegessen wurde, ohne daß sich solche Erscheinungen eingestellt hätten. ES kann also das Gift erst jetzt dazugekommen sein. Die Unfälle des So wie der vorige, brachte auch dieser Sonntag eine Reihe, leider sehr ernster Unfälle, von denen der größere Teil dem Wintersport zuzuschreiben ist. Im Bodenbacher Gebiet war eS die schon bekannte gefährliche Stelle bei den sogenannten.Lsschechener Wiesen", wo sich zwei Unfälle ereigneten. Der 26jährige, im Eisenbeh- nerkonsum in Tetschen beschäftigte Genosse Richard Sperl aus Biela fuhr auf der vereisten Straße mit einem Bob hinunter. Dabei scheint er di- Herrschaft über diesen verloren zu haben und fuhr gegen einen Holzstoß. Er wurde mit einem BruchdeslinkenUnterschenkels dem Krankenhause in Tetschen eingeliefert. Auf derselben Straße, jedoch etwas weiter eben, verunglückte der 26 Jahre alle Em'l Matzke aus Biela beim Rodeln und zog sich einen Bruch der linken Kniescheibe zu. Eduard I a n i ch aus Tetschen verunglückte gleichfalls beim Rodeln auf der Falkendorfer Straße und trug einen Bruch des linken Armes davon. Auch die mangelhaft bestreuten Gehsteige forderten in Bodenbach ein Opfer: Der 48jäbrioc Franz P i e s ch l aus Bodenbach rutschte auf einem Gehsteig in Bodenbach aus und stürzte, wobei er einen Bruch des linken Fußknöchels erlitt. Ein weiterer Unglücksfall, der sehr leicht hätte schlimmere Folgen nach sich ziehen können, ereig- Hoch klingt das Lied vom braven Man«. Die„Landpost" bringt Beispiele, wie arme Teufel zur Sudetendeutschen Volkhilfe beitragen. So wird ein Arbeiter und Familienvater lobend erwähnt, der einem arbeitslosen Kameraden Brennmaterial spendete, obwohl er selbst wöchentlich nur 114 XL verdient. Auch eine Frau, die ihren Unterhalt durch Semmelaustragen bestreitet, soll sich zu einer wöchentlichen Spende von 3 XL verpflichtet haben. Nun meldet aber die„Landpost" weiter: „Und da war auch ein begüterter Volksgenosse, Liegenschaften gehören ihm, 7000 XL soll sein Monatseinkommen betragen. Er spendet« 6 XL, volle fünf Kronen. Ein Freund drückte ihm seine Mißbilligung aus. Unser braver Mann erhöhte darauf seine Spende auf 10 Xi. Zwei Stunden später ließ er durch sein DienstmädcheH mitteilen, daß eS doch nur bei fünf Kronen bleiben soll. Das ist kein Opfer, das ist ein Bettel, den die Sudetendeutsche Volkshilfe nicht nimmt, weil ihr dafür der darbende sudetendeutsche Arbeitslose viel zu gut ist." Diese Berichte sind unbedingt glaubwürdig. Im Verlaufe der fünf schrecklichen Krisenjahren hat sich in unzähligen Fällen bewiesen, daß gerade die ärmsten Teufel ein fühlendes Herz für den noch mehr darbenden Mitmenschen haben. Aus der Praxis unserer.„Arbeiterfürsorge" könnten noch viele Sosidaritätsbeispiele von arbeitenden Menschen angeführt werden. Die„Landpost" selbst muß aber die Hartherzigkeit der begüterten Volksgenossen an dem Fall des knauserigen Liegen- schaftsbesitzers geißeln. Es ist gut so, daß sich das deutsche Bürgertum selbst den Spiegel vorhält. An der Opferbereitschaft der arbeitenden Menschen, di« selbst schwer ausgebeutet werden, hat bisher niemand gezweifelt. Nun sollen die beffergestellten Schichten zeigen, wie es mit ihrer Solidarität siir die arbeitslosen Volksgenossen aussieht. Wir laden die„Landpost" ein, recht viele solcher rührender Beispiele, vor allem aus drutschagrarischen Kreisen, der Oeffentlichkeit mitzuteilen. Die Gendarmerie, die dm Fall eingrhmd untersuchte, verhaftete unter dem Verdachte des vierfachen BergistungsversucheS die Nichte Turnwalds, Elisabeth Manlik» und unterzog sie einem gründlichen Verhör? Die Manlik gestand, sich auf Anstiftungihrer Mutter, die bereits mehrere Mal in einer Anstalt für Geisteskranke intemkert war, in einer Staaber Drogerie ein giftiges Pulver verschafft und es zum Teil indasMehlgeschüttet zu haben, daS bei Tumwald zur Herstellung von Gebäck bereitgestellt war. AlS die Mutter der Manlik entschieden in Abrede stellte, an dem Vorfall beteiligt zn sein, erklärte die Tochter, daß sie s e l b st den Bergistungsversuch verübt habe. Ws Motiv der Tat führte sie an, daß sie sich nach der Befeittgung der Familie ihre- Onkels i n d e n Besitz seines BermögenS setze« und dadurch auch ihrm Eltem Helsen wollte, die sich in sinanziellrn Schwierigkeiten befanden. Die Gendarmerie verhörte auch den Drogisten, bei dem die Manlik daS Pulver gekauft hatte» dessen Zusammensetzung bisher noch nicht gma« frstgestellt worden ist. Der Drogist behauptet, der Manlik ein Mäusegiftpnlver verkauft zu habm. Der Gesundheitszustand der altm Fra« Turnwald ist ernst, die Lbrigm Familienmitglieder befinden sich außer Gefahr. Sonntags nete sich in Politz a. E. Der Benzintank*9 Lastautos deS Kohlenhändlers Ottomar Wünsch war undicht geworden und der 34jährige Chauffeur Franz Pohl aus Bodenbach hatte ihn entleert, um die undicht geloorden« Stelle zu löten. Dabei entwickelten sich Gase, die sich an ter Flamme der Lötlampe entzündeten und den Behälter zur Explosion brachten. Pohl erlitt ernste Verletzungen am H a l s und am K i n n und mußte mittels Rettungswagen dem Tetschener Krankenhause zugeführt werden. Auch die bei den oben angeführten Unfällen Verletzten befinden sich alle im Krankenhause in Behandlung. Im Riesmgebirge In den letzten Tagen wurden allein auS dem Hohenelber Gebiet elf Sportunfälle gemeldet die sich auf Knöchelbrüche, Knie- und Beckenverletzungen, Arm- und Oberschenkelbrüche, beziehen. Die Verletzten fanden im Hohenelber Krankenhaus« Aufnahme. Verunglückte Wintersportlerinnen in Brün«. Die 20jährige Verkäuferin Marie Schlesinger stürzte beim Rodeln und erlitt einen komplizierten Beinbruch Sie wurde in die Landes« krankenanstalt gebracht.— Beim Skifahren im Schreibwald stürzte die 36jährige Elisabeth Fn- d r a L e k und erlitt eine schwere Verletzung d«S Rückgrates. Sie wurde gleichfalls in die Landes- krankenanstatt gebracht. Seite 4 Dienstag, 22. Jänner 19)8 Nr. 18 Köter Vorstoß im Asrarseblet Landvolkskundgebung in Weseritz In dem egerländischen Agrarbezirk W e s e- ritz wurde Sonntag eine rote Landvolkskundgebung abgchalten, welche einen über alles Erwarten schönen Verlauf nahm. Der Saal des Gasthofes„Rathaus" war von mindestens 460 Arbeitern und Kleinbauern überfüllt. Viele Besucher konnten keinen Einlaß mehr finden. Genosse Abgeordneter I a k s ch vertrat in zweistündiger Rede den Kampf der Sozialdemokratie um Brot und Freiheit und die Forderungen des kleinen Landvolkes unter allgemeiner Zustimmung In der Debatte sprachen Genosse P r o s ch und der Kleinlandwirt Genosse Ha bla(Planes). An Hand einiger Beispiele verwiesen die Debattte- rsdner darauf, wie in den von den Agrariern beherrschten Gemeinden mit öffentlichen Geldern gewirtschaftet wird. Die Stellungnahme führender Landbündler gegen das allgemeine Wahlrecht erklärte Genosse Habla damit, daß sie in den Landgemeinden jede Kontrolle der Arbeiter und Kleinbauern unmöglich machen wollen. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wurde zu diesem Punkte folgendes erklärt: „Wir fordern, daß in dieser schweren Zeit all« notwendigen gesetzlichen Maßnahmen getroffen werden, um den Mißbrauch in der Verwaltung öffentlicher Mittel hintanzuhalten. Im Bezirke Weseritz wurden in den letzten Jahren mehrer« Fälle festgestellt, wo in der Geldgebarung einiger Gemeinden hohe Beträge gefehlt haben. In mehreren Fällen wurde die Entscheidung über derartige Abgänge den betreffenden Gemeindevertretungen überlassen, in welchen oft dir Parteifreund» der Schuldigen herrsche«. Die Beträge wurden ganz oder teilweise abgeschrieben und so den schuldigen Rechnungsführern geschenkt. Eine ordentliche strafrechtliche Verfolgung der Schuldigen ist nicht erfolgt. Dadurch wird der Mißwirtschaft Tür und Tor geöffnet. Es muß verlangt werden, daß die Kontrolle verschärft und gegen die Schuldigen«nnachstchtlich vorgegangen wird." Unter Hinweis auf die Moratorien bei der Deutschen Volksbank und der Deutschen Landbank fordert« die Entschließung ferner einen ausreichenden Schutz der Einleger und strenge Maßnahmen gegen die Schuldigen an dem Zusammenbruch dieser Geldanstalten. Die Landvolks-Kundgebung fand nach vierstündiger Dauer in voller Einmütigkeit ihren Abschluß. Ihr eindrucksvoller Verlauf hat bewiesen, daß auch die roten Vorposten in den Agrardörfern des Egerlandes in der Kampffront für Brök und Freiheit ihren ManU stellen. Haber-Feier als Demonstration Berlin.(Tsch. P.-B.) Am 29. Jänner wird die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften eine Gedächtnisfeier für den im Vorjahre verstorbenen berühmten Physiker und Nobelpreisträger Dr. Haber veranstalten, obwohl Unterrichtsminister Dr. Rust sein Mißfallen ausgedrückt, hat. Dr. Haber, der Erfinder des künstlichen Stickstoffes(Herstellung von Stickstoff aus der Luft), der durch seine Erfindung Deutschland ermöglichte, den Weltkrieg jahrelang weiterzuführen, hatte als Nichtarier seine Demission als Universitätsprofessor eingereicht. Der Unterrichtsminister erblickte in der seinerzeitigen Demission eine feindselige Haltung Habers dem nationalsozialistischen Regime gegenüber und verbot jetzt seinen Beamten die Teilnahme an einer etwaigen Feier der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Da die Einladungen zur Feier trotzdem ausgeschickt werden, erhält diese einen gewissermaßen demonstrativen Charakter. Die Begrüßungsrede wird der Präsident der Gesellschaft und bekannte Gelehrte und Physikprofessor Planck halten. In JtMKC W Berlin. Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet aus Athen: Nach griechischen Meldungen aus dem Dodekanes soll es auf der zu der italienischen Inselgruppe gehörenden Insel Kalymoszu Zusammenstößen zwischen der italienischen Polizei und der griechischen Bevölkerung gekommen sein. Es seien zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden. Angeblich sollen auch Kriegsschiffe und Hydroavions von Italien nach der Insel Ka- lymos unterwegs sein. Paris. Der Gesandte der Republik Frankreich in Prag Leon Noel wurde vor einigen Tagen vom Ministerpräsidenten Flandin nach Paris berufen, um dort das Sekretariat des Ministerpräsidiums zu organisieren. Das französische Parlament hat kürzlich, wie erinnerlich, einGesetz verabschiedet, durch welches beim Ministerpräsidium autonome Zentralsektionen reugeschaffen werden, die von einem Generalsekretär geleitet werden sollen. Gesandter Leon Noel, der als guter Organisator bekannt ist, soll zum ersten Generalsekretär des Ministerpräsidiums ernannt werden. Paris. In Chartres fanden Sonntag Manifestationen der Organisationen der Patriotischen Jugend und Gegenmanifestationen der gemeinsamen sozialistisch-kommunistischen Front statt. Abends kam es zu einer S ch i e ß e r e i, bei der eine Person schwer und einige weitere leicht verletzt wurden. Einschränkung der Fahrtbegünfttgungen für Mitglieder von Touristenvereinrn Von der Staatsbahiwerwaltung wird mitgeteilt, daß ab 1. Feber die sogenannten Sonntags- Rückfahrkarten am Samstag nur für die Hin», fahrt, nicht aber für die Rückfahrt gelten. Die Rückfahrt darf also frühestens Sonntag angetreten werden. Spätestens muß diese am Montag um 12 Uhr angetreten werden und um 24 Uhr beendet sein. Die Bestimmungen betreffend den Samstag gelten analog für den Tag vor einem Feiertage und die betreffend den Montag für den Tag nach einem Feiertage. Die übrigen Bestimmungen betreffend die Sonntags-Rückfahrkarten bleiben auch weiter uiwerändert. Bei Inhabern von gültigen Touristenlegitimationen werden für Einzelpersonen ab 1. Feber l. I. einfache ermäßigte Karten nicht mehr ausgegeben, sofern nur ermäßigte Rückfahrkarten, allerdings mit der Begünstigung, daß die Rückfahrstrecke mit der Hinfahrstrecke nicht identisch sein mutz und daß die Entfernung nicht beschränkt ist. Bezüglich der Gültigkeitsdauer dieser Fahrkarten gelten die Bestimmungen wie bei Sonntags-Rückfahrkarten. Die übrigen Bestimmungen betreffend die Touristen bleiben unverändert. eine Eintrittskarte kaufte und sich sodann von dem Felsen hinabstürzte. Die Ursache sind Wahrschein«, lich finanzielle Schwierigkeiten. Dr. Weiß war 62. Jahre alt. Unter Mordverdacht. Die Gendarmeriestation in Mseno bei Mölnik verlautbart: Im Zusammenhang mit der Ermordung des Knechtes Jan O r t e l t, in der Nähe von Skramous ersucht die Gendarmeriestation in Mseno bei Melnik alle Sicherheitsorgane um Anhaltung des ledigen Knechts Karl F e n c l, der 1907 in Horni Bekkovice(Bezirk Roudnice) geboren wurde und dorthin zuständig ist und der am Tage der Verübung des Mordes sich in der Umgebung von Mseno bei Mölnik umhertrieb. Bei der Anhaltung möge er aufgefordert werden, sein Alibi für den 10. Januar 1938 nachzuweisen. Das Grubenunglück in Belgien. In der Nachi auf Sonntag gelang es, von den durch einen Stolleneinsturz auf der Grube in Beyne Heusay eingeschlossenen neun Bergarbeitern drei zu befreien. Einer von ihnen, der beide.Beine zertrümmert hatte, verschied bald hierauf.. Ei« Zug mit Schlachtvieh entgleist. In der Nähe von Versailles, entgleiste Montag nachts ein Güterzug, der-Schlachtvieh in die Pariser' Schlachthöfe bringen sollte. Mehrere hundert Stück Bieh'wurden getötet oder so schwer verletzt, daß sie auf der Stelle: abgeschlachtet werden mußten. Menschen kamen nicht zu Schaden. Die Eisenbahnstrecke war bis Montag früh gesperrt. Opfer des Wintersports. In der Umgebung Wiens ereigneten sich gestern beim Skifahren, Rodeln und Schlittschuhlaufen insgesamt 112 leichte und 29 schwere Unfälle. Wahrscheinliches Wetter Dienstag. In Böhmen: Vorwiegend bedeckt, zeitweise leichter Niederschlag, mäßige Erwärmung. In den mittleren Tellen der' Republik: Allmähliche Bewölkungszunahme, später strichweise leichte Niederschläge. Im Südosten und Osten deS Staates: Noch immer heiter, nachts strenger Frost. Wetteraussichten für Mittwoch: Auch im.. Osten der Republik allmähliche Froftmllderung. Grubenunglück Belgrad.(Avala.) Montag um 10 Uhr vormittags ereignete sich auf der Kohlengrube bei Zajetschar in Serbien eine Explosion von Methangasen. Rach Privatmeldungcn befanden sich im Augenblick der Explosion mehrere Jun« dert Bergarbeiter in der Grube, von denen jedoch nur 24 von der Explosion betroffen wurden. Bisher sollen sechs Leichen aus der Grube gezogen worden sein. Das Blatt„Pravda" veröffentlicht das Gerücht, daß die Zahl der Toten 30 beträgt, fügt aber hinzu, daß es unmöglich sei, genaue Nachrichten zu erhalten, da auch in Zajetschar niemand etwas Genaues über das Unglück wisse. Später erklärte der Besitzer der Grube, der ehemalige Minister GenLiL, daß nach den letzten noch nicht bestätigten Meldungen die Zahl der Opfer der Explosion elf betrage, während sieben Bergleute mit schweren Berlctztmgcn in das Krankenhaus gebracht wnrden; fünf seien leicht verletzt worden. Der Zustand von drei Verletzten ist sehr ernst. Ein, Bergmann werde noch vermißt. »* Kattowitz. Zu dem schweren Einsturzunglück auf der Oheim-Grube in Kattowitz, bei dem in- in Jugoslawien folge eines Gebirgsschlages auf der 590 Meter- Sohle eine Strecke von 40 Metern zu Bruch ging, wird ergänzend mitgeteilt, daß nicht sechs, sondern siebenBergleutever schüttet wurden. Drei Bergleute konnten, allerdings schwer verletzt, geborgen werden. Das weitere Vordringen der Rettungskolonnen, die in drei Schichten arbeiteten, gestaltete sich außerordentlich schwierig, da immer neue Gesteinsmaflen nachstürzten. Nach 36stün- diger aufopferungsvoller Arbeit wurde ein v i e r- ter B e r g m annfreigele gl, er war jedoch bereits tot. Die anderen drei Bergleute liegen noch unter den Trümmern begraben; es besteht keine Aussicht, sie lebendig zu bergen. Gilberto»(Pennsylvanien). Im Zeitpunkt einer in dem hiesigen Kohlenbergwerk erfolgten Explosion befanden sich etwa 200 Bergleute in den Gruben bei der Arbeit. Zwei von ihnen wurden getötet, 50 wurden durch die bei der Explosion entweichenden Gase vergiftet. Nach dreistündigen Bemühungen konnten rund 100 Bergleute aus der Grube gerettet werden, von denen einige in kritischem Zustand an die Oberfläche gebracht wurden. Einer weiteren Nachricht zufolge sind bereits sechs weitere Personen gestorben, so daß die Gesamtzahl der Opfer acht beträgt. TagcsncuiglfcHen Den Bater erschlagen uzhorod. In dem Orte Fakobyky im Bezirk Sevljus geriet Ivan FedoraniL mit seinem Later M i ch a l, der angeheitert vom Markt aus Sevljus zurückgekehrt war, in einen Streit, wobei er den Vater erschlug. Michal FedoraniL war rin b e k a n n t e r S a u f b o l d, der oft seine Frau und feine beiden Söhne prügelte. Am Donnerstag slüchtetedieFrau FedoraniLs aus Angst vor ihrem Mann zu Nachbarn. Der Sohn Ivan blieb zu Hause, wartete ab, biS der Bater eingeschlafrn war und erschlug ihn sodann mit s e ch s gegen den Kopf des Vaters geführten Axthieben. Sodann ging Ivan FedoraniL auf die Gendarmeriestation und zeigt« an, daß sein Vater Selbst!mord verübt habe. Die Gmdar» merie stellte jedoch durch eine Untersuchung und das Verhör mit Ivan FedoraniL den Batermord fest und transportierte den Mörder in die Hast des Kreisgerichtes von Berehovo. Der Gesundheitsschutz in Sowjetrußland Moskau. Der Volkskommissar für öffentliches Gesundheitswesen, Kaminski, sprach auf dem Rätekongroß über Arbeit und Aufgaben auf dem Gebiete des Gesundheitsschutzes in der SSSR und führte u. a. aus: Das Budget der Sozial- versicherung erreichte in diesem Jahre sechsMilliarden Rubel. Im Jahre 1934 wurden indenKinderkrippen 3,7 0 0.0 0 0 Kin- d e r gegenüber 10.000 Kindern im Jahre 1913 betreut. Zweiundzwanzig Millionen Kinder stehen unter ärztlicher Aufsicht. Im Jahre 1934 betrug das Budget des Gesundheitsschutzes zwei Milliarden Rubel und überstieg das Budget 1931 um mehr als das Doppelte: Heuer ist es um weitere 60 Prozent gestiegen. Im zaristischen Rußland betrug die Sterblichkeit 30 pro Mille, im Jahre 1933 sank sie um ein Drittel. Die Kindersterblichkeit ist um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Ungefähr neun Millionen junge Arbeiter und Kollektivwirtschaftler treiben Sport. Während im zaristischen Rußland viele Menschen an epidemischen Krankheiten starben, sind-in der Sowjetunion Cholera- oder Pockenerkrankungen fast gänzlich unbekannt. Schiffe in Rot Halifax(Neuschottland). Der Dampfer „Hurryon" wurde während eines.Sturmes oyn den Meereswellen an eine Felsenküste geschleudert, wobei er leck ging. Die elfköpfige Besatzung des Dampfers„Hurryon" befindet sich in höchster Gefahr. Krampfhaft hält sie sich an dem Wrack fest, das als verloren gilt. Das Meer ist ungewöhnlich stürmisch, weshalb die verunglückten Matrosen es nicht wagen, ans Ufer zu gelangen, obzwar dasselbe bloß 20 Meter von der Unfallstelle entfernt ist. Halifax. Der seit 47 Tagen von den Bahama- Jnseln nach Varmouth(Neuschottland) unterwegs befindliche Dreimaster„Novaqueen" mit acht Mann Besatzung an Bord ist überfällig. Man hat jede Hoffnung aufgegeben, daß das Schiff noch eintreffen wird. Nerv Aork. Der britische Petroleumdampfer „B a I v e r d a", der sich.zirka 500 Meilen von Portorico entfernt befindet, meldete drahtlos, daß im Maschinenraum Feuer ausgebrochen sei, und bittet um sofortige Hilfe. Der deutsche Dampfer „Saarland" eilt ihm zu Hilfe. Aus weiteren radiotelegraphischen Berichte.: geht hervor, daß das Feuer bereits z W e i R e t- tungsboote vernichtet hat, so daß deren nurmehr zwei zur Verfügung stehen. Cs wird befürchtet, daß sich das Schiff nicht mehr lange auf der Oberfläche halten kann. Der letzten Nachricht zufolge haben insgesamt sechs Dampfer Kurs auf das brennende Schiff genommen. Man rech net damit, daß die„Valverde" von diesen Schiffen erst Dienstag früh erreicht werden kann. Nach neuen Meldungen des Kapitäns der „Valverde" wurde der Maschinenraum von den Flammen vollständig vernichtet. Der Brand hat aher bereits beträchtlich nachgelassen und eS scheint, daß das Schiff sich nicht mehr in Gefahr befindet. San Francisco.(Tsch. P.-B.) Der japanische Dampfer„Hokuman Maru" mit 35 Mann Besatzung, aus Vancouver nach Osaka unterwegs, sandte 300 Meilen westlich von Kap Flattery. SOS-Rufe. Der Dampfer ist leck. Er meldet 17 Grad Schlagseite. Der japanische Dampfer^„Kasku Maru" ist zur Hilfeleistung unterwegs. Strenger Winter im Süden Rom. In Mittelitalien hat sich die ungewöhnliche Kälte noch wesentlich verschärft. In der Nacht zum Sonntag wurden u. o. in Perugia und Rom 7 Grad unter Null verzeichnet. Der strenge Frost hielt— eine Seltenheit—in Rom sogar den ganzen Tag über an und steigerte sich noch gegen Abend. Saloniki. In Salonifi und in ganz Mazedonien sowie auch in Thrakien und Thessalien fällt bereits v o l l e 30 StuUden lang d i ch t« r Schnee. An einigen Orten liegt der Schnee bereits meterhoch. Dabei herrscht ein ungewöhnlich scharfer Frost mitunter bis 10 Grad unter Null. Die Schneewehen und die Fröste haben zahlreiche Unfälle verursacht. Auf der Straße bei Manthe geriet ein Auto ins Schleudern und stürzte in einen Abgrund. DievierJnsassen fanden hiebei den Tod. Die photogeaphieete Mondes- fiusternis Paris. Das Pariser Observatorium gab am Sonntag bekannt, daß die samstägige Mondesfinsternis von rund 300 Astronomen der ganzen Welt mit Erfolg photographiert wurde. Diese Photographien werden gesammelt werden und ein vollkommenes Bild über den Verlauf dieser Himmelserscheinung zum erstenmal seit der Zeit geben, da die Mondesfinsterniffe studiert werden. Vm guter Familie Ujhorod. Die Gendarmerie in Alna Szlafina verhaftete drei 18jährige Burschen, die durchwegs aus guter Familie stammen, die im November und Dezember des Vorjahres in Akna Szlatina sieben große Diebstähle und Einbrüche verübten. Sie.- entwendeten goldenen Schmuck, Schreibmaschinen u. ä. im Gesamtwerte von 18.000 KL. Bei dem letzten Diebstahl in der Gemeinde LegiodruZstvo wurden die Täter durch den Nachtwächter gestört, entwendeten aber trotzdem eine Handkaffe mit 4000 KL und 12.000 Lei. Die Gendarmerie stellte fest, daß der Haupttäter der Kommis des LegiodrMtvo Alexander Pohl ist und seine Helfershelfer der Praktikant des Notariatsamtes Adalbert Kuban und Andrej Te- rentyak sind, die die gestohlenen Sachen bei sich aufbewahrten. Die Diebe wurden in die Hast des Kreisgerichtes in Chust eingeliefert.- Eine Meldung, die keines Kommentars bedarf, dringt auf dem Wege über Paris über- allhin:„Der Berliner Berichterstatter des „Journal" reproduziert eine Meldung des Blat- tes„Der Montag", derzufolge der g e e i g- netesteKan bi d a t für den Nobel- Friedenspreis Adolf Hitler„der. Führer des neuen friedliebenden Deutschland" sein werde." Romanttscher Freitod. Montag vormittags stürzte sich von dem Felsen, auf dem die Burg von T r e n Lin steht, der TrenLiner Advokat Dr. Alexander W e i ß in eine Tiefe von 55 Metern hinab und erschlug fick' beim Sturz in den Burg- Hof. Vormittags weilte-Dr. Weiß iwch im Kreisgerichte, von wo er sich, auf die Burg begab, sich Vom Rundfunk Dauernder Anstieg der Ruudfunk- hörerzahl in der Tschechoslowakei Am 1. September betrug die Rundfunkhörerzahl in der Tschechoslowakei 624.264 zahlende und 4018 von der Rundfunkgebühr befreite Rund-, funkhörer, insgesamt also 628.282. Am 1. Oktober stieg die Ziffer auf 632.631 zahlende und 4041 nichtzahlende, insgesamt auf 636.672 Hörer. Am 1. November wurden bereits 647.769 zahlende und 4091 von der Gebühr befreite Rundfunkteilnehmer, im Ganzen demnach 651.860 Hörer registriert und am 1. Dezember konnte die Tschechoslowakei bereits 667.099 zahlende und 4152 nichtzahlende, insgesamt 671.251 Rund- funkhörer verzeichnen.(PR.) Empfehlenswertes aus de« Programmen: Mittwoch: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 10.15: Salonorchefter, 12.10: Leichte Musik, 12.35: Konzert des Salonorchefters, 13.45: Deutscher Arbeitsmarkt, 16.45: Theater für die Jugend, 17.50: Schallplatten, 18.20: Deutsche Sendung: Aktuelle zehn Minuten, 18.30 Arb^eiterfnnk: Fr. Müller, Gemeindesekretär in Langugest: Der Gemeindefunktionär in der Krise, 18.50: Sozial« informattonen: Dr. Robert Wiener: Sozial politische Probleme der Arbeitsbeschaffung. 10.10:. Schallplatte», 19.25: Militärkonzert, 21.15: Uebertragmtg aus Kopenhagen: Konzert isländischer Musik, 21.45: Carus singt Opernarien, Schallplatte«, 22.15: Tanzmusik, Sender S.: 14.20: Mujiks Salonquartett, 15: Deutsche Sendung:^inderstunde, 15.35: Deutsche Presse.— Brünn 12.10: Arbeitsmarkt und soziale Informationen, 17.30: Tanzmusik, 17.50: Deutsche Sendung: Lieder, 18: Leichte Musik auf Schallplatte«.— Mähr.-Ostrau 20.20: Populäres Konzert.— Preßburg 17.35: Chopin, «r 18 Dienstag, 22. Jänner 1938 Seite 5 Kaktusse mit n 3«*tetb*nt* begossen werden zauberhaft schön. Senden Sie uns KC 5.60 in Brief» marken, wir liefern Ihnen dafür den guten Blumenzauberdung, de» besten Dungguß für Ihre Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihre Blumen gedeihen werden. Verwaltung. Frauenwelt". Prag XII, Facha»» tt. 62, und durch alle Lalpar» teure erhLltlich. Ein au-gezeichneter Flieger. Die Direktion der Gesellschaft Air France meldet, daß ihr Pilot Jan Slädek soeben zum Ritter der Ehrenlegion und mit dem Kreuz der Ehrenlegion für seine Verdienste um das Flugwesen dekoriert wurde. Slädek hat während seiner zehnjährigen Tätigkeit bei der Air France 1.400.000 Kilometer in 8000 Effcktiv- Flugstunden zurückgelegt. Durch seine Probeslüge trug er erheblich zur Vervollkommnung de- Flugwesens und zur Sicherest de- Lufttransportes bei. Flug Frankreich—Madagaskar Die französischen Flieger Gönin, Robert und Laureat haben den gewagten Versuch unternommen, eine Flugverbindung zwischen Frankreich und seiner Kolonie Madagaskar in drei Tagen herzustellen. Sie starteten Sonntag abends auf dem Pariser Flugplatz, landeten nachts in Marseille und gestern vormfttags in Gabes, von wo sie nach einstündiger Unterbrechung den Weiterflug fortsetzten. Das Flugzeug besitzt keinen Radio- apparat. so daß es nicht möglich ist, ihren Flug genau zu verfolgen. Vroßfener im SiecheahanS. Im linken Seiten» stügel eines Krankenhauses für alte Leute in Ost» London brach am Sonntag abends ein Großfeuer aus, durch das 250 bettlägerige Kranke in große Gefahr kamen. Dank der schnellen und sachgemäßen Hilfeleistung der Krankenschwestern und Pfleger wurden aber die hilflosen alten Leute binnen kurzer Zeit geborgen. Als eine halbe Stunde nach Ausbruch des Brandes der Dachstuhl eiustürzte, befand sich niemand mehr in dem Gebäude. Der wie Widerschein der Flammen am nächtlichen Himmel war weithin sichtbar. Rach zweistündiger Arbeit gelang eS der mit 20 Motorspritzen angerückten Feuerwehr, das Feuer zu löschen. Tot»ater Trümmer». In Harburg-Wil» her«, z b u r g(Hannover) vernichtete eine durch einen Selbstmordversuch' verursachte schwere Gasexplosion eine ganze Wohnung. Di« Wohnung S- besitzeri» selbst sowie ihre fünf Jahre alte Tochter wurden besinnungslos aus den Trümmern geborgen und starben bald darauf. Eine andere Nachbarin der Getöteten wurde durch die Explosion schwer verwundet. Schmuggler-Tod. In der Sonntag-Nacht hielt ein« italienische Finanzer-Patrouille in Hinterpas» feier in der Nähe der LandeSgrenze zwei Tabak- andSaccharinschmuggleran, worauf die Schmuggler mit Revolverschüssen ant- tvorteten und über die Grenze zu flüchten versuchten. Die Finanzer schossen den Flüchtende» nach, wobei einer der Schmuggler, ein gewisser Pichler, 28 Jahre alt, am Kopst getroffen wurde und bald darauf verschied. Der zwefte Schmuggler, der 33jährige Georg Pöhn, wurde verhaftet. Traurige» Fest. In einer Erdgeschoßwohnung in Blumenkamp, bei Essen, die zu einer Festlichkeit überreich mit Papierdekorationrn geschmückt war. geriet beim Abbrennen eine- Blitzlichtes ein leichter Vorhang in Brand, im selben Augenblick stand die ganze Siaumdekoration in hellsten Flam- Fieberwahn Meine Schwester Annuschka war ein seltsames Wesen. Schon ihr AeußereS war unge» tvöhnlich. Sie hatte ein stilles, blasses Dulderingesicht, voll slawischer Melancholie— und— was sie am meisten auszeichnete— war ihr tiefe», geheimnisvolles Schweigen. Sie schwieg immer. Blickte mit ihren wunderschönen, glanzvollen schwarzen Augen stets verträumt und still irgendwo in die weite Ferne... Sie beunruhigte mich. Ich hatte Grund dazu. Ihr ewiges Schweigen war unergründlich und tief wie das Meer,— und mir schien es— daß ihrer unbedingt ein tragisches Schicksal harre. Sie fühfte sich fremd und verlassen inmitten ihrer eigenen Geschwister. Obwohl ich die Jüngste war, empfand ich stets das Bedürfnis, dieses schwache, hilflose und schwermüttge Wesen zu schützen, zu verteidigen, über sie mütterlich zu Wachen. Irgendwo tief verborgen in meiner Seele schlummerte der Gedanke, daß Annuschka einmal Selbstmord begehen wird,— und ich lebte in ständiger Angst um sie. Ich war damals erst achtzehn Jahre alt. 8m Osten geboren, war ich wild und temperamentvoll wie der Osten selbst. Als romantisches Ding — wie ich war— las ich unendlich viel. Russische „Belohnung" für Verrat. Wie die AP. erfährt, hat der Uebertritt Hildebrands von der Schwarzen Front zu den Nationalsozialr« sten ein für ihn unerwartetes Ende gehabt. Er wurde kurz nach dem Grenzübertritt von Gestapo verhaftet, ohne daß ihm die schriftlichen Zusiche- Thomas Mann» der berühmte deutsche Schriftsteller, der heute in der Prager»Urania" über Richard Wagner spricht, begrüßte gestern Prag in einem Rundfunkvortrag, dem wir folgendes entnehmen: Thomas Mann gab vor allem seiner Freude Ausdruck,„wieder in Prag zu sein, dieser herrlichen und ttef charaktervollen Stadt, die ich nie ohne den stärksten Eindruck besucht habe und ich bekenne a»rn, daß mir an dem Kontaft auch mtt den tschechischen Publikum Pragherzlich gelegen ist, und daß ich den Sinn und Zweck dieses Aufenthaltes nicht als ganz erfüllt ansehen könnte, wenn eine solche Berührung nicht zustande käme. In einer Zeü, wie dieser, wo sich die Absonderung der Völker mehr und mehr in einer, wie ich gerade au» meinem deutschen Kulturgefühl heraus meine, unglücklichen Weise versteift, ist es die Aufgabe derer, die an die Notwendigkeit eines ein- trächttg zusammenwirkenden Europas glauben, diesen Gedanken hoch zu halten und für ihn einzustehen. Und eine VortragSreise, wie die, welch« ich gerade absolvieren sek fteauch eines rein geifkh- gen, künstlerischen, literarischen EharakterS, hat immer doch zugleich den tieferen Sinn" und die höhere Funftion, eine BerührungderKul- tursphärcn herbeizuführen und damit aus eine zwar leise und indirekte, aber keineswegs unwirksame Weise die Annäherung der Völker und BolkSgeister zu fördern. Sie wissen vielleicht, daß ich seit einiger Zett in der S ch w e i z lebe, aus Sympathie für die friedliebend-freien Charakter diese- Landes, den es sich hoffentlich unter dem Druck und Ansturm einer verworrenen Zeit wird bewahren können. Ein Böllerstaat aber wie die Schweiz, in dem verschiedene Bolkstelle friedlich unter demselben staattiche» Dach zusammenwohnen und rin Pfei. ler der demokratisch-europäischen Staat-- und Weltgesinnung ist auch die Tschechoslowakei unter ihrem ehrwürdigen Präsidenten, dessen Gestalt in der Tat das Ideal eines moder« nenStaatS-Oberhauptes erfüllt und nicht nur eine- modernen, denn daS Ideal, das sie verkörpert» kann man ja zurückführen . auf die platonische Forderung, dass Weise und Philosoph« die Staaten regieren sollen. Literatur verschlang ich mit Leidenschaft, denn nur sie allein konnte meinen Durst nach höherer Ro- mantik und Heroismus stillen. Es war an einem Hellen Sommertag. Meine Schwester Annuschka saß wie immer still und verträumt auf dem Balkon, der auf die Straße ging und blickte irgendwohin in die weite Ferne... Ich verließ sie trotzdem ruhigen Herzens— ging auf mein Zimmer, streckte mich auf den Diwan und ging daran, das ftisch entliehene Buch von Leonid Andrejew zu lesen. Es war ein Lesen wie im Fieber, denn es handelte sich wie immer bei Leonid Andrejew um etwas grauenhaft Düsteres. Dieser dekatente Schriftsteller wirkte überhaupt verheerend auf meiner jungen Phantasie. Ich kann mich an die Einzelheiten der Erzählung nicht mehr genau erinnern, nur entsinne ich mich dumpf, daß dort von einem Manne die Rede war, der im Rausche einer Liebesnacht seine Geliebte ersttckt... Der Leichnam fällt am Morgen dumpf zu Boden... Der Eindruck dieser düsteren Erzählung wirkte so gewaltig auf mein junges Gemüt, daß meine schon ohnedies überspannte Phantasie— wie im Traume fieberte. Ich blieb regungslos— ohne Gedanken, ohne Gefühle— liegen. Ich weiß nicht wie lange ich so erhitzt und fiebernd dalag. rungen auf Straffreiheit und fteies Gelett, auf die er sich zunächst entrüstet berief, etwas nützten. Er wurde schwer mißhandelt und befindet sich zur Zett im Keller in der Prinz Albrecht Straße in Berlin. Das ist der„Strom deutschen Geschehens", von dem er in seinem Aufruf pathetisch schrieb. rischen Publikum dieses Landes Dank für eine Anteilnahme an meiner Arbeit, wie sie mir so freund- lich, ernst und intelligent nicht leicht aus einem anderen Lande rntgegengekommen ist..." Thomas Mann sprach dann von den»Ideenverbindungen, die sich an den Namen dieser Stadt knüpfen, einem Namen, der dem lesenden Deutsch« von früh auf, schon durch seine klassische Dichtung, durch Schillers Wallenstein, enigrgentritt; ich meine in der Szene zwischen Wallenstein und Wrangel, wo der schwedische Oberst die Verpfändung von Prag und Eger von dem Generalissimus verlangt und dieser ihn abweist:»Diel gefordert. Sei's um Eger, aber Prag geht nicht." Das ist eine frühe Einprägung, die schon dem Knaben einen eigentümlichen Eindruck von der Wichtigkett dieser Stadt vermittelle. Und später ist es dann Adalbert Stifter, der ihm durch seinen herrlichen Roman»Witiko" das mittelalterliche Bild dieser Stadt durch das berühmte Belagerungskapitel heraufzaubert und unvergeßlich macht... Meine Unkenntnis der schönen, aber schwierigen tschechischen Sprache ist daran schuld, daß meine Ver- ttautheit mit der tschechischen National-Literatur leider beschränkt ist. Dafür mußte vor allem die tschechische Musik eintreten, di« mir von jung auf durch Smetana und D v o k ä k, diese so charakteristisch-nationalen und dabei mit ihrer hinreißenden Melancholie zu aller Welt sprechende Temperamente, entgegentrat, dann aber auch durch die neueren Janäkek und Weinberger. In deutscher Uebersetzung aber konnte ich doch auch einige- von der modernen literarischen Produttion des Landes auf mich wirken lassen... Aber namentlich waren es natürlich die deutsch-böhmischen Dichter, denen ich meinen Begriff von der Seele des Landes und von dieser Stadt verdanke, von der eigentümlichen, aus Modernität und fast spukhafter Romantik seltsam gemischten Atmosphäre Prags, die auf irgendeine Weise alle Dichtung, die von hier kommt, verspüren läßt und die im Dichterisch-Seelischen so unverwechselbare und kostbare Werte gezeugt hat. Da kommt mir natürlich vor allem der Name Gustav Meyrinks auf die Lippen, dessen ganzes Lebenswerk das Ge« prggr ,Prggs soomverlmubar trägt und da? Wesen dieser.Stadt auf so suggestive unh^. meisterliche MAse'fühlbar" macht.' TE» muß ettoas dickst«risch Anrieizendes und Produktives in der Luft sein, in dem alten Boden der Stadt liegen, daß sie so vieles an literarischer Merkwürdigkeit, Besonderheit und ptttoresker Phantastik hervorgebracht hat und an dem modernen deutschen Schrifttum euren Anteil hat, wie sie in diesem Umfang und in dieser besonderen Ausprägung selten ist. Hier zeigt sich übrigens wieder, daß Echtheit und charaktervolle Bodenständigkett keineswegs im notwendigen Gegensatz stehen zur internationalen, zur europäischen Wirkung. Denn von der spezifisch pragerischen deutschen Dichtung ist ein außerordentlich. intensiver internationaler Reiz ausgegangen, und schon heute wird FranzKaf- kas Gottsucher-Werk in seiner peniblen Traum- hafttgkeit in Paris mit ebenso viel Bewunderung gelesen wie in Deutschland. Den Lyriker deutscher Zunge, der vielen als der größte der letzten Jahrzehnte gilt, Rainer Maria Rilke, Hai Prag hervorgebracht... Noch einmal zum Schluß:»Ich bin glücklich, wieder hier zu sein, in dieser Stadt, deren archi- tettonischer Zauber unter den Städten der Wett fast einzig ist, glücklich, wieder einmal von Freundes Hand durch ihre offenen und verschwiegenen Schönhetten geleitet zu werden, und glücklich, wenn auch mit gewiß unzulänglichen Worten, auf diesem Wege danken zu können für die herzliche und gastliche Aufnahme, die mir auch diesmal wieder hier widerfährt." Plötzlich... höre ich einen grellen Schrei einen herabstürzenden Körper. Ich erstarre vor Grauen. Annuschka I blitzt es mir durch den Kopf. Höre deutlich, wie sich die Leute bei unserem Hause ansammeln, wie sie schreien, rufen nach dem herbeieilenden Wachmann— dann ein dumpfes Gemurmel, Geschrei, Weinen. Mein Herz steht still vor Entsetzen. Ich fühle mit allen Fasern meines Wesens, daß ich mich dem Unglück entgegenstürzen muß— bin aber nicht imstande, mich vom Fleck zu rühren— bleibe wie angenagelt liegen, wie von einer unsichtbaren Macht zurückgehalten. Und ... als ich höre, wie man den leblosen Körper meiner Schwester auf die Stiege bringt— stürze ich mich in wilder Verzweiflung in's Zimmer meiner kranken Mutter, verberge mich vor unsagbarer Angst in einem Winkel und schluchze wild auf. Mutter— erschrocken— fragt mich warum ich denn so verstört auSsrhe. Ich öffne den Mund will ihr daS namenlose Unglück mitteilen— daß Annuschka sich vom Ballon herabgestürzt hat, — bring's nicht über mich und da... öffnet sich leise die Tür und Annuschka tritt still herein und ftagt seelenruhig ob sie schon daS Nachtmahl zubereiten solle... Ich aber schleiche mich wie ein Verbrecher durch die Tür hinaus. Raja. Vorn Prater RundiunK Soweit das abgelaufene Wochenprogramm verfolgt werden konnte, bot«S wenig bedeutsame Halte» punkte. Da sei zunächst erinnert an den dritten Vortrag Maria Hellers in der Reihe»Die bedeutendsten Komponisten der Cembalozeit". Er führte zu den Werken WeckmannS, Bendas, Händels und Telemanns. Sie erstanden in voller Schörcheit aus der virtuosen Meisterschaft Maria Hellers.— Auf zwei junge Begabungen wurde man besonders aufmerksam: Heinz Politzer und Hans Walter S ü ß k i n d. Der erste las aus seinem Gedichtband»Fenster vorm Firmament", Proben einer ganz seltsam berührenden, jedenfalls aus stark persönlichem Empfinden dringenden Dichtkunst. Vom zweiten hörte man ernste und heitere Gesänge mit Texten von Morgenstern, Ringel- natz, Klabund und Kästner. Zweifellos wächst in dem jungen Komponisten eine vielversprechende Eigenart. Etwa» ganz Schöne» brachte der Dienstag mit S i m- brigers»Sieben Liedern" nach altjapanischen Texten für Sopran und Streichquartett. In dieser Musik atmet eine Melancholie wie der Duft fremder Blumen in einer seltsamen Umwelt voll tiefen Schwei» genS. Jäh aufbrechende Leidenschaft stürzt ab in verklingende Trauer und weit in die Ferne reichende Sehnsucht schwebt hin über versunkene Rätsel. Luis« Eckstein(Aussig) folgte mit innigem'Singen die» sen einsamen Wegen einer ganz außergewöhnliche» musikalischen Erfindungskraft. Die verschiedenen must» kalischen Darbietungen sanden ihre monumentale Umrahmung in den^beiden Orchesterkonzerten am Beginn und am Ende der Berichtswoche. Die Einleitung gab das Orchester des Prager Deutschen Theaters unter der Leitung des Dirigenten Dr. I a l o w e tz. Mozarts„Prager Symphonie" und Webers Ouvertüre zu»Euryanthe" umschlossen den Liederzhflus .Tragikomödien" von Jiräk(Solist Zd. Knittl). De» Abschluß bildete eine Uebertragung aus der Musikschule in Petschau, wo das Schülerorchester unter Leitung des Direktors Josef Nürnberger mtt Wagners.Tannhäuser"-Ouvertüre und Tschai» kowskvr.1812" den altbewährten Ruf der Anstalt in alle Wett hinaustrug und Rud. Matouschek als Solist in Gräfe» Posaunenkonzert den Start einer hoffnungsvollen Laufbahn verließ. Aus D. Mollers dienstägigem Wirtschaft?» relief sei festgehalten, daß es wieder einmal die Feststellung verzeichnete, der Tiefpunkt der Krise se» überschritten und di« Arbeitslosenziffer daher gesunken. Zu unterstreichen sind die beiden Forderungen der 40-Stundenwoche und der Beseittgung der Autarkien. — In der Mittwoch-Arbeitersendung zeichnete Dr. Brügel einen Querschnitt durch die soziale Struktur der Gegenwart, betonte die Fortschritte auf sozial» Volitischem Gebiete(Heimstätten für jugendsich« A"< beitslose, Krankenversicherung, Bergarbeiterschutz, Meterschutz usw.), verschwieg auch nicht, was unter dem Druck der Verhältnisse nicht aufrecht erhalten werden konnte, konnte aber doch nachweisen, daß wett entfernt von dem brutalen Abbau in Ländern mtt anderer Staatsform, die Demokratie noch immer mehr Fürsorge, mehr Lohn, mehr ,Brot, mehr Licht, Lust und Freiheit zu geben bat.‘— Ratschläge zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in den Gemeinden er« teilte in den Sozialinformationen Genosse Krejöi. Nicht zu übersehen ist auch, daß Senator. R. S t ö h r unter den'»Zeitgemäßen- Wirtschaftsfragen" des landwirtschaftlichen Funks am Donnerstag dringend eine völlig« Umstellung der Wirtschaft verlangte' wenn man ein« ernsthafte und wirflichen Erfolg versprechende Bekämpfung der Krise durchführen will. Die einzige Stellungnahme des Rundfunks zur Saarabstimmung nahm Dr. Emil Franzel in der Arbeitersendung am Frettag. Sie brachte zum Ausdruck. daß die Entscheidung durch die zwei Drittel der Katholiken und den bolttischen und sozialen Druck erfolgte. Sie nahm teil an dem Schicksal der Besiegten und begleitete die Emigranten auf dem Leidenswege aus der ftemden Heimat in die heimatlich« Fremde. Gerade an dem Beispiel der.Saarabstnnmung" kann man mit ganzer Deutlichkeit erkennen, daß unser Rundfunk noch weit davon entfernt ist, seine Hörer in weltpolitischen Fragen auf demokrattsche Art zu beraten und seine Aufgabe in der Erziehung zum ge» schichtlichen Urteil zu erfüllen. Er läßt sie im Stich und überläßt sie den polittschen Wahrsagern der Stammtische und Parteipropaganda. E. T h ö n e r. GcrlcNssaal Todesopfer einer Lichtleitung Monteur unter Anklage. Prag. Gerade vor einem Jahr fand der Schlosser Samuel Lehovsky auf sonderbare Weise den Tod. Er arbeitete auf einem Neubau in der Französischen Sttatze auf den Weinbergen und war in einem Raum beschäftigt, in welchem gleichzeitig die Monteure der JnstallationSfirma Kraus u. Slädek die elektrische Lichtleitung einrichteten. Nach dem Gutachten der Sachverständigen ist Lehovsky durch Berührung der nicht isolietten Enden der Leitungsdrähte umS Leben gekommen, welche ohne genügende Sicherung aus der Wand ragten und einen Strom von 220 Voll Spannung führten. Da im Augenblick des Unfalles der Verunglückte allein in dem Raum war und sonstige Zeugen nicht vorhanden sind, mußte die Todesursache auS den objettiven Anzeichen erschlossen werden. An Zeigefinger und Daumen der rechten Hand des Toten fand man oberflächliche Verletzungen, die von Einwirkungen des elektrischen Stromes her» rühren können. Die Obduktion der Leiche ergab ferner ganz Keine Blutergüsse in der Lunge, die als typische Merkmale deS Todes durch elektrischen Strom anzu» sehen wird. So wurde der 26jährige Eleftrotechniker Klime-, der al» Beauftragter der Installationsfirma die Montagearbciten geleitet hatte, wegen des VergehenS der fahrlässigen Tötung unter Auflage gestellt und hatte sich vor dem Senat Perndt am Montag zu verantworten. Die Sachverständigen aus dem elektrotechnischen Fach erklärten als schwere Fahrlässigkeit des Angeklagten einerseits die Tatsache, daß die nicht isolierten Enden der Leitung nicht entsprechend verwahrt worden waren, sondern ungesichert aus der Wand ragten, wodurch die tödliche Berührung ermöglicht wurde. Ferner müsse es al» weitere grobe Fahrlässigkeit angesehen werden, daß der Angellagte in der kritischen Zeit den Strom nicht ausschaltete. Da der Angeklagte sein Verschulden in Abrede stellte und die Ladung neuer Zeugen notwendig wurde, mußt« die Verhandlung vertagt werde». rb- Aber eS sind nicht nur so weitläufige, sondern auch intimere und persönlichere Gesichtspunkte, die mir den Wunsch eingcbcn mußten, auch dem tschechischen Publikum Prags nicht ganz unsichtbar und I unhörbar zu bleiben. Denn ich schulde dem litera» men. Durch die von der Decke herabfallenden brennenden Papierteile erlitten infolge der zum Teil leichten Kostümierung etwa 12 Personen mehr »der weniger starke Brandwunden. Sie wurden durch sofort zur Brandstelle gerufene Krankenwagen den Krankenhäusern zugeführt. Thomäs Ma«« begrüßt Prag Bekenntnis zur demokratisch-europäischen Staats- und Weltgesinnung Seit« 6 »Sozialdemokrat Dienstag, 22. Jänner 1935. Nr. 18 PRÄGER ZHICMfi Kunst und Wissen Kasernenhof oder Theater? Brutalität des Herrn Sztll Bor wenigen Tagen hat sich— wie das »Prager Montagsblatt" meldet— im Prager Deutschen Theater eine abscheuliche Szene abge-- spielt. Während einer Probe ging der erste Kapellmeister des Hauses, Herr Georg Szäll, gegen den klavierspielenden Korrepetitor— einen ganz jungen Mann— in der heftigsten Weise los und stieß ihn/ weil er nicht zur Zufriedenheit des .^Opernchefs" gespielt hatte, so brutal vom Stuhl, daß der junge Musiker sich Verletzungen am Knie »nd im Gesicht zuzog. Der Auftritt sei dann, nachdem ein Vertreter des Personals bei Szell interveniert hatte, so beigelegt worden, daß Szsll Lei dem Beleidigten sich schriftlich entschuldigte. Wie wir hören, soll dieser Entschuldigungsbrief am Schwarzen Brett des Theaters angeschlagen werden, außerdem soll Szell von der Direktion eine g e erhalten. Es ist sehr traurig, daß das Deutsche Theater die Oeffentlichkeit mit solchen Dingen beschäftigt. Man kann aber, so sehr man auch Stunk um das ohnehin schwer kämpfende Institut vermeiden möchte, zu solchem Vorfall nicht schweigen, weil einerseits die Mitglieder des Ensembles selber aus Existenzsorgen gegen Uebergriffe sich kaum so zur Wehr setzen können, als es ihrer Auffassung von Menschlichkeit entspräche, und weil anderseits der gemeldete Vorfall doch eine zu böse lleberschreitung selbst weitest gesteckter Grenzen darstellt. Bei aller Kenntnis der allzuoft mit llebernervosität geladenen Theaterluft und bei voller Berücksichtigung des Umstands, daß -M:achs" im Theater oft andere und vielfach geringere Bedeutung zukommt als in anderen Betrieben, ja sogar unter dem Maßstab, daß Musiker- und gar Kapellmeisternerven zuweilen abnormal zu reagieren pflegen» muß doch gesagt werden, daß uns eine solche brutale Handlung, wie die, zu der sich Kapellmeister Szell hinreißen ließ, als für die Sänger und für die„Untergebenen" eines Kapellmeisters untragbar erscheint. Herr Georg Szell genießt ohnehin nicht den Ruf eines Mannes, mit dem zu arbeiten für die Nichtgleichgestellten immer sehr angenehm wäre. Wiederholt sind uns in dieser Hinsicht Berichte zugekommen, von deren Veröffentlichung,wir bisher immer Abstand nahmen, weil uns die leidige Kapellmeister- Nervosität als allgemeine Krankheit dieser Berufs» gattung bekannt ist, weil wir uns mit Theater« „Tratsch" grundsätzlich nicht beschäftigen und weil manchmal Dinge übler Art zum Nutzen des Theaters anders als in der Presse ausgetragen werden können. Aber wenn die anderen sich Beherrschung und Rücksicht auferlegen, dann müssen es verantwortliche Leute im Theater erst recht tun! Wir wollen hoffen, daß das Nachspiel dieser Affäre Szell für diesen Herrn eine Lehre sein wird. Freilich, sollte sie nicht nachhaltig sein, dann müßte man ihm doch bedeuten, daß er sich für seinen Kasernenhofton eine andere Wirkungsstätte aussuchen möge. Denn mit Recht könnte man sonst zu der Ueberlegung kommen, daß man sich nicht just von einem Staberl, das s o geschwungen wird, in die ßiefilde Mozarts und Beethovens geleiten lassen möchte. Schneider Wipp! kontra Napoleon Hans Saßmann ist kein Dichter. Aber er versteht zu mischen. Und ist die Basis tragfähig genug, sich von dem diesem„Bearbeiter" Entsprechenden nicht allzuviel anhaben zu lassen, vielleicht gar so ausbaufähig, daß sie durch Darumgefügtes noch reicher zu erscheinen vermag, dann haben beide Teile imd schließlich das Publikum sich nicht zu beklagen. So ist es hier. Um von echtem Temperament und klarer Menschenbetrachtung bestimmte Ausgangspunkt« hat Hans Saßmann ein Rankenwerk gefügt, in dem kaum etwas fehlt, was jemals Erfolg gehabt, das er aber doch nicht so üppig wuchern läßt, daß es das Wesentliche des(ursprünglich rheinländischen und in Kölnischem Dialekt geschriebenen). Stückes von Hans Müller-Schlösser zu verdecken vermöchte. Es wäre wirkungslos, besäße das Original nicht so viel Leidenschaft und Witz; ander»‘ seits aber kommen nun auch die Hauptlinien des Spieles in vielen ihrer Wendungen und Abzweigungen fraglos näher, als dies ohne Uebertragung ins Wienerische und ohne Zusätze erreichbar wäre. Im ganzen siird durch Saßmann gewiß manche der spezifisch Volksstückhaften Ingredienzien verlorengegangen, Fabel und Entwicklung verhindern wieder wnsequente Transponierung ins rein Komödienhafte, im Zusammenklang kommt aber ein Resultat zustande, das auch nicht allzuoft anzutreffen und keines»! falls von der Hand zu weisen ist: ein Lustspiel volkstümlichen Charakters, ein Volksstück mit luftspielgemäßen Variationen, wie sie einem heutigen Publikum behagen, eine flott« und amüsante, eine gesund« Komödie. Wozu noch kommt, daß di« nun vorhandene Form— und nicht nur aus dialektischen Gründen— leichter erfaßbar und sogar dankbarer ist als der immerhin herbere, strengere, konsequentere Ur- sprungsstil. Dies macht sich nun die Prager Aufführung— unter Walter Taubs eindringlicher Regie in geradezu vorbildlicher Weise zunutze. Walter Taub selbst ist ein polnischer Schneidergeselle, .der sein Leben der Jagd nach einem Dieb opfert und für seinen Meister ins Gefängnis geht, weil er dort den Verfolgten zu finden hofft, von diesem aber erschlagen wird. Er spielt ihn komisch mit wehmutvollen Untertönen, erheiternd mit gespenstigem Hintergrund, primitiv mit pathologischem Einschlag. Der Schneidermeister, der(zur Zeit der Besitzung Wiens durch die Franzosen) in einem Wirtshaus Napoleon beleidigt, dafür ins Stockhaus soll, aber eben»vertreten" wird, wodurch er auch Gelegenheit erhält, sich über seine eigene»schöne Leich'" zu freuen, zu gespenstern, Verstecken zu spielen, ist Leopold Dudek, bei aller Effektsicherheit ungemein diskret zeichnend, em Mensch ganz und gar(sogar in den vom Bearbeiter auf Theatralik allein gestellten Momenten), Herz offenbarend in jedem Detail, witzig und liebenswert. Emmy Carpentier gibt als Bänkelsängerin Hopp Marie ihr echtes Temperament, Grazie auch in Derbheiten, ein tatsächlich aus Wienerischem Winkelgaffenmilieu gewachsenes Geschöpf. Als Schneidermeistersgattin Mali Wippl bringt Else Lord Draufgängertum, weibliche Schlauheit und klare Kontrastierungen. Ueberaus wirksam und stilsicher Karl Padlesak, Rudolf Stadler, Erich Dörner, Paul Demel, Wilhelm Tauchen und Karl Trabeuer(Wolferl, Weigl, Krögl, Scha- cherl, Schorschl und Weidner), zu einer interessant-» Studie vertieft Max Grünberg den französischen Beamten Picard, der eigentlich die ganze Verwirrung anrichtet. Nett und lustig musiziert daS kleine Orchester unter Fritz Riegers Leitung, die Couplets(von Robert Frey komponiert) apart pointierend.'Ein Kassastück und«in durchaus akzeptables Stück, ein großer und verdienter Erfolg. Burgtheater-Ensemble mit Lotte Medelskh, Auguste Pünkösdy, Höbling, Mayerhoffer, Onno in Rudolf Holzers Schauspiel„Stille Musik" am Freitag, dem 28. Jänner, im Neuen Theater.(D2.) Normale Preise! Vorverkauf täglich! Weihnachts- abonnement gültig l. DaS literarische Kabarett»Die Peffermühle". Die Vorstellungen finden täglich um 20.15 Uhr im kleinen Unitariersaal, I., Annenska ul. 5, statt. Da die Vorstellungen bis jetzt ausnahmslos ausverkauft waren, ist es angezeigt, sich die Karten im Vorverkauf bei Truhlar, Wetzler oder Unitaria zu besorgen. Wochenspielplan des Neue« Deutschen Theaters. Dienstag halb 8: Don Giovanni, A 2.— Mittwoch halb 8: Menschen in Weiß, B 1. — Donnerstag halb 8: 13 bei Tisch, Erstaufführung, CI.— Freitag halb 8: Stille Musik, Ensemblegastspiel von Mitgliedern des Wiener BurgtheaterS, D 2.— Samstag halb 8: Die schöne Helena, Abonn. aufgehoben.— Sonntag halb 8: Schneider Wippl kontra Napoleon, Ar- beitervorstellnng, halb 8! I« n u f a, neueinstudiert und neuinszeniert, A 2.— Wochenspielplan der Kleinen Bühn«. Dienstag 8: Schneider Wippl.— Mittwoch halb v: Schule für Steuerzahler, volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag 8: Schneider Wippl.— Freitag 8: Fremdenverkehr, volkstümliche Vorstellung.— Samstag 8: 13 bei Tisch.— Sonntag 3%: M a fit vor dem Ultimo, 8: Schneider Wippl. Vorträge „Die aktuellen Kulturaufgaben des Sudetendeutschtums" war ein.Dreigespräch" betitelt, das zwischen dem Schriftsteller Walter Seidl, einem Herrn Frank Matzke aus Reichenberg und Emil Hadi n a aus Troppau Freitag in der„Urania" abgehalten wurde. Die wirklich aktuellen Kulturaufgaben des Sudetendeutschtums wurden in diesem Gespräche kaum gestreift und wo sie gestreift wurden, meist auch verneint. Als erste und dringlichste Kulturaufgabe, die unseren Dichtern und Schriftstellern, unseren Musikern und bildenden Künstlern gestellt ist, würden wir die scharfe, kompromißlose Abgrenzung von dem braunen Zerrbild einer Kultur sehen, die dem deutschen Volke von Goebbels und dessen Trabanten eingeimpft wird, wir würden sie in der bewußten Ausnützung des glücklichen Umstandes sehen, daß es noch eine Insel deutschen Geisteslebens gibt, die nicht den Winken des Berliner Propagqndaministeriums ge- horsamt. Ihre Erfüllung würde sich uns in dem Bekenntnis zu jenem besseren Deutschtum offenbaren, das mit den Namen Goethe. Kant und Beethoven bezeichnet ist. Nichts von alledem bewegte die Diskussion der drei Herren. Sie beschäftigten sich nahezu ausschließlich mit dem ja unleugbar vorhandenen Gegensatz zwischen dem Prager Jnseldeutschtum und der deutschen Provinz. Ihr Ziel ist nur auf Ueberwin- dung der Kluft gerichtet, die sich noch wie ehe und je zwischen Prag und der sudetendeutschen Provinz auftut und zu der sich jetzt die womöglich noch größere Kluft gesellt, die zwischen Prag und der ihm bis 1818 ganz unbekannten Geisteswelt Deutschmährens und Schlesiens besteht, die vor dem Umstürze überhaupt keine Berührungspmckte mit Prag hatte- Den Wunsch der drei Schriftsteller, Prag zum Kulturzentrum der Sudetendeutschen zu machen, in Ehren, aber mit. der Errichtung eines„Kulturrates", wie sie ihn planen, werden sie das Mißtrauen, das in der„Provinz" oder besser gesagt, von de» dort ansässigen nationalen Spießern, gegen Prag als Stadt der Jnternationali- iät rein gefühlsmäßig gehegt wird, kaum überwinden. Walter Seidl, bat richtig darauf hingewiesen, daß der Begriff, den sich die Provinz vom deutschen Prag' macht, falsch ist. da die deutsche Bevölkerung Prags keine geistig homogene Masse darstellt; er sieht sie in eine weltbürgerliche, allem Neuen zugetane, in künstlerischer Beziehung anspruchsvolle Schicht und in eine andere Schicht zerfallen, die in ihrer kleinbürgerlichen Einstellung, in ihrer trotzigen Ablehnung dessen, was ihr die Großbourgeoisie als Kulturbeispiel. aufdisputieren möchte, viele Berührungspunkte mit 1 r „Provinz" hat. Anerkannt sei. daß Seidl— wenn auch nur mit einem Satze— von der Notwendigkeit sprach, das tschechische Geistesleben den Sudetendeutschen näherzubringen; um so bezeichnender, daß keiner der beiden Provinzsprecher dieses Stichwort auf-., genommen und auch nur eine Erwähnung in dieser Richtung getan hat. Anerkannt sei, daß Seidl mit Bedauern das Fehlen eines epischen oder dramatischen Werkes feststellte, das sich mit dem Leben des sudetendeutschen Fabrikarbeiters befaßt, was Herr Matzke damit begründete, daß die sudetendeutschen Schriftsteller hiezu zu wirklichkeitsfremd sind. Es sei nicht alles„hakenkreuzlerisch", was aus der Provinz komme, sagte Matzke und Seidl sekundierte, indem er diese Klassifizierung unter dem Hinweis ablehnte, daß die sudetendeutsche Heimatdichtung stets auch vor Hitler national betont war. Als ob.es darauf ankäme und nicht vielmehr auf die Frage, wie man zu einem System steht, das den Geist mit Konzentrationslager» und Bücherverbrennungen vernichten will! Fern von der Tagespolitik sollen die Dichter ihr Handwerk betreiben, meint Seidl und will ihnen höchstens gestatten, ihre Stimme»gegen Hunger und Bedrückung" zu erheben, als ob das keine Tagespolitik wäre und als ob es überhaupt etwas auf der Welt gäbe, das unpolitisch ist! Wie stehe» unsere Herren sudetendeutschen Künstler— auch die sozusagen„linken"—ä jämmerlich ba neben einem Karel Capek und einem F. X. Saida, die die Propagierung ihrer Ideale auch auf dem Gebiete, das die Ignoranten als„Politik" höhnen, geradezu zu einem Teile ihres Lebenswerkes gemacht haben! Wo bleibt der sudetendeutsche Pendant zum Aufrufe der tschechischen Schriftstellergemeinde anläßlich der Universitätskrawalle? Und wo blieb an ,diesem Abende der Protest des Herrn Seidl gegen die Zumutung eines Hadina. eine Zusammenarbeit könne es nur mit jenen Künstlern geben, die„in ihrer Grundhaltung deutsch sind" und nicht»zersetzend", sondern„aufbauend" wirken? Goebbels, wie er leibt und lebt! Wer»in seiner Grundhaltung deutsch ist, bestimmt wahrscheinlich Herr Henlein nach vorheriger Anfrage in Berlin! Wir wollen hoffen, daß die also Disqualifizierten auf eine Zusammenarbeit mit dem Herrn Hadina keinen besonderen Wert legen und sicher die Auffassung vertreten werden, daß Können und nicht„aufbauende Wirkung" ein Kriterium bildet. Soviel ist aber gewiß, daß eine Zusammenarbeit mit teutonischen Hint- lerwäldlern, die sich— zur Ehre der Provinz sei es gesagt— zu unrecht„Provinz" nennen, für das sudetendeutsche Geistesleben kaum befruchtend wirken kann. I. W. B. Freier ärztlicher Fortbildungskurs: Lungenkrankheiten, Klinik Prof. Nonnenbruch. Sonntag, den 27. Jänner, 10 Uhr a. m. 81111t, Spiel und Körperpflege Autoritärer Kurs beim DFB? In der letzten Zeit stlstcht der TMkfche Fußball- Verband der Tschechoflowakei auf sich in der bürgerlichen Presse und in seinen Amtsmitteilungen aufmerksam. Ohne jeden ersichtlichen Grund erscheinen dann und wann Meldungen in den, Blättern, di« besagen, daß im Vorstand»volle Einmütigkeit" herrsche und nun wird gar verlautbart, daß»den Amtsstellen und Amtsverwaltern verboten" wird,»Informationen an die Presse zu erteilen". Man muß sich mit Recht fragen, was da im Schoße des DFV ausgeheckt wird und die Oeffentlichkeit scheuen— vorläufig wenigstens— muß! Ein Verband, der alle Augenblicke von»Einmütigkeit" faselt und den übrigen Amtsstellen sozusagen einen Maulkorb umhängt, muß es sich gefallen lassen, daß man ihm erst recht auf di« Finger schaut. Sollte die»Eingliederung" in die„Volksgemeinschaft" schon vollzogen und die westböhmischen Faktoren im DFB der Henlein-Front den Weg sogar schon bis in den Vorstand „geebnet" haben? Wir glauben, daß der unpolitische DFB statt solcher oben zitierter„Kundmachungen" doch lieber Farbe bekennen sollt«! Da» Prager Futzballturnier Die drei Prager Klubs Sparta, Slavia und DF C im Verein mit dem SK. Kladno veranstalten«in Turnier, zu dem die»Ranni noviny" einen Pokal beistellte. Die erste Runde ist vorbei. Kälte und hartgefrorener Boden stellten an die Spieler große Anforderungen. Die Stürze und unabsichtlichen Zusammenstöße wirkten weit gefährlicher als bei normalem Boden. Und doch muß gespielt werden— warum? Weil eben die Klubs Einnahmen brauchen, um die Spielergagen einigermaßen decken zu können. Im ersten Spiel konnte Sparta gegen SK. Kladno mit 4:1(2:0) einen leichten Sieg erringen. Die Spartaleüte sind derzeit schon in Form und die noch untrainierten Kladnoer boten nicht die! erwartete Ueberraschung.—- Im zweiten Match trafen D 8 C und Slavia aufeinander. Slavias Team zeigte sich aber doch weitaus besser und er. rang einen verdienten, wenn auch knappen 4:3 (2:1)-Sieg. Ein annehmbares Ergebnis für den DFC, bei dem erstmals Mittlöhner(ehemals KFM im Tor stand und der sich mit der Verteidigung gut aus der Affäre zog. Nicht so schnitten die beiden Mittelläufer ab. Aber auch im Angriff hapert es noch. Man wird also mit einem Urteil noch zuwarten müssen. Sonstig« Fußballergebniff«. Prag: Cechie Karlin gegen Viktoria Nusle 8*:0(5:0), Cechoslovan Koöik gegen Nuselsky SK. 2:1(0:0).— Teplitz: TFK gegen Dresdens!« Dresden 4:0(3:0).— Warnsdorf: WFK gegen Sportbrüder Bensen 13:3.— Wien: Rapid gegen Rapid Oberlaa 6:2, Vienna gegen Red Star 4:1, WAC gegen Ostbahn 2:0, LibertaS gegen FAC 6:5, Vorwärts gegen Helfort 2:0, Fav. AC gegen Schwechat 4:0, Florids- dorfer AC gegen Herrmann 8:0. Lida Baarovck und I. Plachy in der verfilmten Operette„Auf Rosen gebettet". Die Welt- und Europa meisterschaften im Eishockey die in D a v 0 s durchgeführt werden, haben bis jetzt einen schwachen Besuch aufzuweisen. Die sonntägigen Spiele brachten wiederum eine Niederlage des Europameisters Deutschland, das damit ausscheidet. ES scheint, daß die.Führer" ihr» „Gefolgschaft" und den„Sport" ganz mit „Systemen" verkleistert haben, so daß es Niederlagen am laufenden Band gibt. Mit dem Hitlergruß und dem Zuhälterlied kann man auch keine Lorbeeren ernten. Di« Mannschaft der Tschechoslowakei mußte auch diesmal alles aufbieten, um die Rumänen abzuhängen. Nicht unbetont— und das ist doch so wichtig und hervorhebenswert— berichtete der Rundfunksprecher des Radio-Journals, daß bei Rumänien ein leibhaftiger Prinz mitspielte l Ueberaus hart ging es beim Spiel« Schweiz—Ungarn zu und es gab nicht wenige ungarische Spieler, die zur Beruhigung vom Eise geschickt werden mußten. Die Ergebnisse lauten: Tschechoslowakei gegen Rumänien 4:2(2:1, 0:1, 2:0), Oesterreich gegen Belgien 6:1, SOveiz gegen Ungarn 1:1(0:0, 0:0, 1:1), Polen gegen Deutschland 3:1(1:0,2:1, 0:0), Italien gegen Frankreich 1:1(0:0, 1:0, 0:1), Hchweden gegen Holland 6:0, Kanada gegen Lettland 14:Ö. Am Montag gab eS«inen Rekordsieg der T s ch e- slowakei über Belgien und die Deutschen erhielten nach einem wenig erfreulich durchgeführten Kampf von Frankreich ebenfalls eine Niederlage. Schwer hatte es, auch Oesterreich, um sich gegen Rumänien durchzusetzrn. Eine Ueberraschung bildet der Sieg der Schweden über Ungarn. Die Ergebnisse: Tschechoftowakei gegen Belgien 22:0, Schweden gegen Ungarn 3:0, Frankreich gegen Deutschland 2:1(0:0, 0:1, 2:0), Oesterreich gegen Rumänien 2:1(0:0, 0:1, 2:0), England gegen Lettland 5:1, Schweiz gegen Holland 4:0, Italien gegen Polen 1:1. Ja die Zwischenrunde gelangen folgende Teams: Schweiz, Schweden, Frankreich, Italien, Tschechoslowakei, Oesterreich, England und Kanada. Sonstiges Eishockey. Die Prager Slavia fuhr mit Ersatz nach Komotau und schlug den dortigen DFK 10:2 und 12:1.— Die DEHG Prag gewann in Marienbad gegen den WSB 2:0.— Der Troppauer EB gewann daheim gegen den"K Prerau 12:1.— Der Prager LTC komb. gewann in Zlin gegen SK Bata 18:1 und in Kromkkitz gegen SK. Hana 21:1.— In Paris schlugen di« Pariser Kanadier ihre Londoner Landsleute 7:1. Aus der Partei Drei Wochen in der Sowjetunion Ueber dieses Thema spricht Donnerstag, den 24. Jänner, um 8 Uhr abends im Parteiheim, Nä- rodni tk. 4, im Rahmen der Deutschen sozialdemokratischen Beziftsorganisation Prag, Genosse Dr. Emil Strauß, der soeben von einem dreiwöchigen Aufenthalt in der Sowjetunion zurückgekehrt ist. SPD-Emigranten: Fortsetzung der Versammlung am Donnerstag, den.24. Jänner um 7 Uhr abends Perstyn 11. Verclnsnadiriditcn Volkssinggemeinde! Sämtliche Sangesgenossen werden ersucht, die Proben jetzt regelmäßig zu besuchen; in Vorbereitung: Neueinstudierung von Chören zur Jahresversammlung unserer Partei und zur großen Fest akademie im Monat März.— Nächste Probe Dienstag, den 22. Jänner, um8Uhrabend imProbelokal.— Die Generalver sammlung der Volkssinggemeinde findet Freitag, den 25. Jänner, um 8 Uhr abend im Parteiheim. Närodni tt. 4. statt, z? welcher auch alle Freunde der Volkssingqemeinde herzlichst willkommen sind. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ms Haus odeo bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd 96.—, ganzjährig Kd 192—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungssrankatnr wurde von der Post- und Tele- grapbendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VI 1/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis" Druck-, Verlags« und Z«itungS-A.-G.. Prag