IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xh, fochova a. telgfon sm. Administration Telefon ssm. HERAUSGEBER■ SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR■ WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. BmWsTDfMir (•mcMMlich S Heller tato) 15. Jahrgang Mittwoch, 23. Zanner 1935 Nr. 19 Systemwechsel in Bulgarien Georgiew geht— Zlatew Ministerpräsident Sofia.(E. P. B) Ministerpräsident Georgiew hat nach einer kurzen Sitzung des Ministerrates dem König den Rücktritt des gesamten Kabinetts überreicht, der angenommen wurde. Mit der Bildung des neuen Kabinetts wurde der bisherige Kriegminister General Zlatew betraut. Um 7 Uhr abends war das neue Kabinett bereits fertiggestellt. Es ist folgendermaßen zusammengesetzt:' Ministerpräsidimn und Krirgsministeri«m: General Zlatew. Innenministerium: Oberst Kolew, Kommandant der Sofioter Militärakademie. Kultusministerium: General Radew, Garnisonskommandant in Plowdiw. Diese drei Minister find aktive Offiziere. Außenministerium: wie bisher B a t o l o w. Berkehrsministerium: Nikola Zachariews, der bereits im frühere« Kabinett dieses Reffort verwaltete. Bolkswirtschaftsministerium: M o l o w, der bisher das Kultusministerium leitete. Justizministerium: Mikolo Kalender» w, Führer der ehemaligen radikalen Partei. Finanzministerinm: Obrejkow, Vorsitzender der Handels- und Jndustriekammer in Plowdiw. Das neue Kabinett wurde von der dem Zaren Boris ergebenen OffizierSpartei schon längere Zeit vorbereitet. Zu der Aendrrung sollte es bereits zu den orthodoxen Weihnachtstagen, also um de« 6. Jänner, kommen. Allgemeine Aufmerksamkeit hat in Sofia die Tatsache hervorgerufen, daß Zar Boris Heuer zum erstenmal sich an der feierlichen Wasserweihc und an den großen Militärparaden in Sofia anläßlich der orthodoxen Drei Könige am 18. Jänner nicht beteiligte«nd auch nicht das traditionelle Abendessen im Königspalais zu Ehren der Regierung stattfand. Zar Boris weilt« an diesem Tage in Barna«nd lehrte nach Sofia erst vorgestern über Plovdiv zurück. Wie es heißt, soll»uch der Mißerfolg der bulgarischen Delegation bei den Genfer Finanzverhandlungen dpi Fall der Regierung Georgiew beschleunigt haben. ** Als Ursache der angeblich seit langem erwarteten Kabinettskrise wurde offiziell zunächst die ablehnende Haltung angegeben, die Kimon Georgiew gegen die Vorschläge der Finanzkommiffion des Völkerbundes einnahm. Georgiew soll erklärt haben, daß die Forderungen des Völkerbundes für Bulgarien untragbar seien. Es stellte sich aber bald heraus, daß es sich nicht nur um eine Kabinettskrise und um einen einfachen Regierungswechsel, sondern um einen Umschwung im.System handelt. Die neue Regierung war im Mai 1834 durch einen ausgesprochenen Staatsstreich ans Ruder gekommen. Hinter ihr stand die M i l i t ä r l i g a, ein Offiziersverband, dem 2600 Offiziere angehören und der zur Hälfte republikanisch gesinnt ist. Führer der Bewegung ist der Oberst der Reserve, Damian Welöew, ein Republikaner. Für den Zaren Boris war es unangenehm, mit einer Regierung zu arbeiten, die im Grunde e»ner republikanischen Offiziersverschwörung ihren Ursprung verdankt. Das neue Kabinett stützt sich auf die königstreuen Offiziere, die in der Armee die Mehrheit haben sollen. Es gehört ihm kein Mann des Zweno-Zirkels an, der den Maiumsturz herbeigeführt hat. Dagegen soll die Person des Innenministers Kolew die Brücke zu den Leuten des WelLow-Kreises bilden, so daß man nicht mit einem scharfen Kurs gegen diese, sondern mit dem Versuch einer Versöhnung dlr Republikaner und einer Einigung der Offiziere rechnet. Völlig im Dunkel bleibt die außen- politischeSeite des Regierungswechsels. Georgiew war seinerzeit als Mann der enteiste- 4» freundlichen Richtung begrüßt worden. Tatsächlich hat er— obzwar ihm von anderer Seite nachgesagt wurde, er halte es mit Hitler— gegen die Mazedonier energisch durchgegriffen und auf die Versöhnung mit Jugoslawien hingearbeitet. Es liegt nahe, von dem Regierungswechsel auch ein neuerliches Einschwenken Bulgariens in die italienisch-revisionistische Front zu befürchten. Es wird sich bald zeigen, ob die Regierung die mazedonischen Terroristen begünstigen oder den Kurs Georgiews beibehalten wird. Fortsetzung der bisherigen Politik? Abends empfing der Ministerpräsident General Zlatew im Kriegsministerium die Pressevertreter, denen er u. a. erklärte: Die neue Regierung wird die von der vorhergegangenen Regierung so erfolgreich begonnene Verwirklichung und Geltendmachung der Gedanken vom 18. Mai v. I. f ort s e tz e n. In der Innenpolitik wird die Regierung den Weg der vollkommenen Geltendmachung der Staatsautorität verfolgen. In der Außenpolitik wird die neue Regierung gleichfalls den Weg der vorhergegangenen Regierung, d. i. den Weg zu einem gesunden und dauerhaften Frieden auf dem Balkan und die Politik eines guten und freundschaftlichen Verhältnisses zu den Nachbarn fortsetzen und für eine Engergestaltung der wirtschaftlichen und Handelsbeziehungen zu den nahen und enffernten Staaten Sorge zu tragen. „Auf der Flucht erschossen** Saar-Gleichschaltung bereits vollzogen I Saarbrücken. Auf Anordnung des Untersuchungsrichters beim Obersten Plebiszitsgerichtshof wurde der Polizeikommiffar in Hostenbach T i l k verhaftet, nachdem es der Untersuchungsrichter des Saargebietrs in Saarbrücken abgrlehnt hatte, gegen Tilk den Steckbrief zu erlassen. Polizeikommiffär Tilk erhielt einen von den rrichsdevtschen Behörden gegen den Präfekten Meyer erlassenen Steckbrief, der vom Saarbrückener Untersuchungsrichter bestätigt wurde, und wies ihn in Begleitung eines Polizisten Meyer vor, um diesen in Hast z« nehmen. Als Meyer daraufhin angeblich zu flüchten versuchte, wurde er von dem Polizisten erschossen. Bisher 2500 Saarfflüchtllnge Paris.(Havas.) Den letzten Angaben zufolge überschritten die französische Grenze 2500 Saarflüchtlinge, davon 1373 Saarbürger, 85 Franzosen und 442 andere Staatsbürger. Sie wurden hauptsächlich nach Toulous, aber auch nach Montauban, Sonne, Earcaffon und Ariege geschickt. Die Ausländer halten sich vor allem in Straßburg auf. Memel-Prozeß geht weiter Kaunas. Nach 14tägiger Unterbrechung, die durch Krankheitsfälle unter den Richtern und Verteidigern hervorgerufen worden war, nahm am Montag der Prozeß gegen die umstürzlerischen Nazi-Organisationen im Memelgebiet seinen Fortgang. Es wurden Zeugen über die Ermordung eines gewissen JesuitiS verhört, der von ehemaligen Kameraden aus der Organisation SOVOG ermordet worden war. Da einige Zeugen auf eine solche Weise aussagten, daß bei den Richtern der Eindruck entstand, es sei auf sie von außen her ein Einfluß auSgeübt worden, nahm der Vorsitzende in dieser Richtung ein Verhör vor, bei welchem diese Vermutung durch einige Aussagen bestätigt wurde. Gegen einen der Zeugen wurde aus diesem Grunde die Anklage wegen falscherZeugenaussage erhoben. Nervosität In Berlin Berlin. Das DNB verlautbart: Die Deutsche diplomatische Korrespondenz beschäftigt sich mit den»Versuchen gewisser Kreise, nach der Abstimmung absichtlich das öffentliche Interesse rasch von der Saar abzulenken und es in sensationeller Weise auf das Memelproblem zu richten". Die halbamtliche Korrespondenz schreibt darüber: «Der Prozeß in Kowno geht letzten Endes darum, ob es Hochverrat ist, wenn die Memelländer das international garantierte Statut und die international verbürgte Autonomie verteidigen. Die deutsche Oeffcntlichkeit forderte— und zwar nicht erst nach der Saarabstimmung— nur die loyale Einhaltung der litauischen Verpflichtungen, die aus dem Memelstatut folgen: Diese Forderung kann und wird nicht durch phantastische Meldungen über angebliche Vorbereitungen eines deutschen Einfalles und ä h nli ch e Absurditäten verdunkelt werden. Vier Signatarmächte, England, Frankreich, Italien und Japan, haben es in der Hand, daß die berechtigte Unruhe der deutschen Kreise beseitigt und gleichzeitig der ungesunden Gerüchtemacherei jede Grundlage entzogen wird." Gärung In der belgischen Arbeiterschaft Brüssel.(Havas.) Der Zentralausschuß der belgischen Arbeiterpartei hat beschlossen,»im Hinblick auf den Ernst der Lage" ständig zu tagen. Der Generalsekretär der Partei erklärte dem Berichterstatter des Pariser Blattes»Le Soir", daß der Ausschuß es für unerläßlich hält, die Bewegung der Unzufriedenheit in den belgischen Arbri- Lerschichten sorgfältig zu verfolgen. Irak-Oel nach Haifa durch eine 1000 km lange Rohrleitung H a i f a. In Haifa, dem Endpunkt der Oel- rohrleitnng aus dem Irak, fand Dienstag die feierliche Eröffnung der wichtigen Oelzulcitung durch den englischen Oberkommissar Palästinas General Wauchope ftrftt. Der General öffnete das Bentil, um das erste englische Tankschiff- mit Oel aus dem Irak zu füllen. Die Leitung nach Haflrr ist 1000 Kilometer lang. In Kirkuk sammeln sich die Rohrzuleitungen der verschiedenen Bohrgebictr. Ein großes Pumpwerk drückt von hier aus das Oel durch die verschiedenen Leitungen dem Mittelmeer zu. Während die eine Leitung in Haifa in das englische Interessengebiet führt» endet die ander«? Leitung im französischen Mandatsgcbirt Syrien. Beide Leitungen mußten etwa 500 Kilometer durch die Wüste geführt werden. Rakosl-prozeB Budapest.(MTJ.) Im Rakosi-Prozeß wurde das Zeugenverhör mit Dr. Berinkey, dem Ministerpräsidenten der Karoly-Regierung, fortgesetzt. Er sagte hauptsächlich über die der Machtübernahme durch die Kommunisten unmittelbar voransgegangenen Ereignisse aus. Er schilderte,„wie di« extremen Linken immer kühner«nd verwegener wurden, so daß schließlich die Arbeiter- und Soldätenräte gegenüber den bürgerlichen Ministern alle Macht an sich.rissen". Er(Berinkey) wollte energisch gegen die Kommunisten nnd Sozialdemokraten austreten, doch wurden feine Maßnahmen durch das persönliche Eintreten Ka- t rolys zunicht gemacht. Sozialpolitik oder Seelenfang? Die Sudetendeutsche Volkshilfe vermittelt auch Gelegenheitsarbeiten aller Art(Holzsägen, Wäschewaschen. Kohleeintragen, Botengänge usw.). Der Arbeitsausschuß richtet an alle Arbeitgeber die Bitte, sich bei Bedarf an die Geschäfts«» stelle zu wenden. Um rege Jnanspruch- nahme wird gebeten. Notiz im»Teplitz-Schönauer Anzeiger" vom 18. Jänner. Es kommt immer schöner. Nun wird ml Zeichen der Volksgemeinschaft auch noch das Holzhacken und Wäschelvaschen politisiert. Denn die Urheber obiger Verlautbarung werden doch niemandem vormachen wollen, daß im ganzen sudetendeutschen Gebiet mft seiner chronischen Massenarbeitslosigkeit jemand in Verlegenheit wäre, auf eigene Faust eine Wäscherin oder einen Kohleneinträger zu finden. Was hier bezweckt wird, das ist die Aufforderung an die P. T. begüterten Volksgenossen, falls sie eine Wäscherin oder einen Gelegenheitsarbeiter beschäftigen, die im Geruch stehen, sozialistisch gesinnt zu sein, bei der Volkshilfe einen völkisch geeichten Ersatz anzusprechen. So wird versucht, die Methode des Serlenkaufes, längst erprobt in so vielen Betrre- ben, auch auf di« letzte kümmerliche Beschäftl- gungsmöglichkeft in der Privaten Sphäre zu übertragen. Wir kennen unser Bürgertum fest Jahr- zehnten. Abgesehen von rühmlichen Einzelfällm hat es als Klasse nur dann soziales Empfinden geheuchelt, wenn dabei politische Geschäfte zu machen waren. Beitragsleistung für eine ordentliche Sozialpolitik war ihm stets verhaßt, die Un- kosten für die Gründung und Erhaltung von gel- ben Arbeftervereinen hat es nie gescheut. Man braucht dabei nicht auf die Hunderte von Beispielen aus der Vorkriegszeit zurückzugreifen. Die Nachkriegszeit und besonders die letzten Kri- senjahre liefern ihrer genug. Viele Gemeinden haben längst in ihrem eigenen Wirkungskreis besondere Hilfsaktionen für die Arbeitslosen ein- geleitet. In den Bezirks- und Landeskommissionen für Kinderschutz und Jugendfürsorge arbei- ten Vertreter aller politischen und sozialen Schichten zusammen. Auch die Aktion Demokratie ftir das Kind bot eine neue Plattform für ein überparteiliches Krisenhilfswerk. Es lag nicht das geringste Hindernis vor, die schon bestehen hdn Humanitären Jnstttuttonen auszubauen und zu großzügigem Gemeinschastswerk zusammenzufaj- sen. Das wäre ein Sttick praktischer Volksgemeinschaft gewesen. Davon wollte aber das sudetendeutsche Bürgertum nichts wissen. Darum schuf es sich— ausgerechnet an der Schwelle des Wahljahres— unter Ausschluß der Sozialisten die Bolkshilfe. Jahrelang wurde das Wirken der Arbeiterfürsorge totgeschwiegen, die sozialpolitische Leistung der Sozialdemokratie bekämpft und verhöhnt. So trägt das Bürgertum dm Klassenkampf in die Fürsorge hinein, so unterminiert es die wahrhaft überparteilichen Institutionen und Hilfsaktionen. Soviel steht aus der bisherigen Tätigkeit der Bolkshilfe schon fest, daß sie wohl Sozialistengeld nimmt-— siehe dje Verpflichtung von Belegschaften unter Unternehmerdruck zu laufender Beitragsleistung,— daß jedoch bei der Verteilung der Spenden sozialistisch gesinnte Volksgenossen grundsätzlich ausgeschlossen sind. Wenn schon unser nationales Bürger- tum etwas ftir Hilfsbedürftige gibt, dann will eS dafür Gesinnung einkaufen. Geld gegen Ware — Vogel friß oder stirb l Diese saubere Art von Fürsorge will nun die völkische Klassenkampf-A.-G. mft einer mög- lichst lückenlosen Beherrschung des Arbeitsmark» tes verbinden. Das Rezept ist wörtlich von Httler abgeschriebcn. Mft der Hungerpeiffche sollm dem charaktervollen Arbeitsmenschen die nationali- stisch fascistischen Glaubenssätze eingeprügelt werden. Das ist Klasjenkampf von oben in vollendet« Seite 2 Mittwoch, 23. Jänner 1835 Nr. 1» Der Verkauf Kurswechsel der japanischen Außenpolitik der Mandschurischen Bahn perfekt Monarchistische Kundgebungen in Griechenland Athen.(AP) Anläßlich de» Todestage» des Königs Konstantin kam es in Athen und anderen Städten zu monarchistischen Kundgebungen, durch die der Straßenverkehr längere Zeit lahmgelegt wurde. Dabei wurden Niederrufe auf die Republik und auf VenizeloS laut. Die Gerüchte, di« ständig BenizeloS mit monarchistischen Bestrebungen in Zusammenhang bringen wollen, werden dadurch schlagend widerlegt. Vom Balkon des Gebäude» der monarchistischen Zeitschrift »ElliniSmos" hielt ein Abgeordneter eine monarchistische Ansprache. In Patra» wurde eine Resolution angenommen, die die Forderung ausspricht, daß man den Mitgliedern des ehemaligen Königshauses Holstein-Glücksburg die griechische Staatsbürgerschaft wieder zuerkenne und die Rückkehr nach Griechenland gestatte. ster Form. Aber zu dieser Hacke wird sichauchnochein Stil finden. Die denkende Arbeiterschaft wird ihre sozialpolitischen Rechte und Forderungen nicht um ein Linsen» gericht verkaufen. Die deutschen Unternehmer und Kapitalisten werden durch Bettelpfennige für die Bolkrhilfe nicht die Tatsache verwischen, daß sie bisher jede reguläre Beitragsleistung für die Arbeitslosenfürsorge abgelehnt haben, daß sie zu den Saboteuren des Notfonds gehören, der von uns al» einziger Ausweg zur Verbesserung der staatlichen Erwerbslosenhilfe seit Jahren gefordert wird. So leicht wird eS bei uns nicht gelingen wie in Deutschland, daß die Herren Kapitalisten ihre sozialen Verpflichtungen einfach auf -ie Mittelschichten und auf die Arbeiter selbst ab- wälzen. Keinem Gutgesinnten war eS bisher verwehrt, zu den öffentlichen Leistungen für die Ar- beitslosm auch noch sein privates Scherflein bei- zusteuern. Wir lassen eS ruhig darauf ankommen, ob die ganze DolkShilfeauch nurein Zehntel soviel zu leisten vermag, als die vom seinerzeitigen Fürsorgeminister Dr. C z e ch durchgekämpfte Ernährungsaktion an Mitteln in die deutschen Krisengebiete geleitet hat. Wer über die Bettelkarten höhnt, möge sie über- trumpfen. Gegen die Gabotierung der Sozial- Politik durch Geelenkauf werden wir jedoch den schärfsten Kampf aufnehmen und durchfechten. Das sudetendeutsche Bürgertum wird sich durch keinen BolkShilfe-Tchwindel um die klare Tnt- scheidung Herumdrücken können, ob e» für soziale Krisenlösungen oder für kapitalistische Krisenver- schärfung ist. In der Frage des Arbeitsplätze» wird der Staat endlich ein ernstes Wort sprechen müssen. Alle tschechischen Parteien müssen sich darüber klar werden, wie folgenschwer sich die Zurücksetzung der Deutschen in öffentlichen Diensten poli- tisch auswirken muß, wenn im Zeichen der furcht- baren Krisennot in den Grenzgebieten unter den Deutschen selbst jede Halbtagsbeschäftigung mn Waschtrog ein Politikum geworden ist. Die endliche gesetzliche Regelung der Arbeitsvermittlung im Ginne sozialer und natio. naler Gerechtigkeit ist nach solchen Erscheinungen eine unaufschiebbare Notwendigkeit geworden. Loki». Nach einer Verhandlungsdauer von 18 Monaten, während der 40 Hauptbesprechungen stattfanden, wurden am Dienstag vormittag» die Verhandlungen über den Verkauf der Chinesischen Ostbahn endlich zum Abschluß gebracht. Der Vorvertrag enthält alle Einzelheiten des Uebergangs der Bahn an Mandschukuo. Danach tritt die Sowjetunion folgende Werte ab: 1726 Kilometer Bahnstrecke, 2867 Kilometer Telegraphen- und Telephonlinien, da» gesamte Bahnmaterial, Fabriksanlagen und umfangreichen Besitz an Ländereien und Wald. Der Gesamtprei» beträgt wie bereits im Oktober v. I. grundsätzlich vereinbart wurde, 170 Millionen Den (zirka 8.4 Milliarden KL). Ein Drittel dieser Betrages ist in Barem zu zahlen, die restlichen zwei Drittel in Waren. Die Zahlungen haben innerhalb von drei Jahren zu erfolgen. Die Hälfte des Barpreises ist bei Unterzeichnung des Vertrages fällig. Der Restbetrag muß mit 8 Prozent verzinst werden. Ueber die an zahlungsstatt zu liefernden Waren werden im Laufe der nächsten sechs Monat« besondere Verträge abgeschlossen werden. Die Sowjetunion verlangt R e i», Rohseide, kleinere Schiffe, elektrische Maschinen und Apparate, Kupfer, Tee, Sojabohnen und anderes,aber keine Waffen. Japan übernimmt die Bürgschaft für alle Zahlungen und wird hierüber eine besondere schriftliche Erklärung an Moskau abgeben. Die Preisfestsetzung für die zu liefernden Waren wird durch eine gemischte Kommission erfolgen. Die Chinesische Ostbahn oder, wie sie jetzt von japanisch-mandschurischer Seite bezeichnet wird, die Novdmandschucische Bahn, wird mit der Ussuri-Bahn und der Sibirischen Bahn verbunden werden. Hierüber folgt ein besonderer Vertrag. Die bei der Bahn beschäftigten sowjetrussischen Beamten müssen innerhalb von fünf Monaten nach der Sowjetunion zurückkehren. Vergütungen und Sanktionen für diese Beamten werden von der Sowjetunion bezahlt. Der Hauptvertrag über den Bahnverkauf soll im Feber in Tokio unterzeichnet werden. Japan beabsichtigt, gemeinsam mit Mandschukuo die gesamte Bahnverwaltung neu zu oichnen. Unter einer neuen Gesellschaft, deren Gründung in Aussicht genommen ist, werden drei Hauptabteilungen gebildet werden, u. zw. für da» Gebiet der Nordmandschurischen Bahn, der bisherigen Mandschurischen Bahn und der Südmandschurischen Bahn. Der Kaufvertrag über di« ostchinesische Lahn kommt unter den gegebenen Umständen sicher einem Friedmiverträg an Bedeutung nahe. Die Meisten Reibungsflächen zwischen der USER und Japan ergaben sich in den letzten Jahren aus dem Streit um die Bahn. Ob der Frieden von Dauer, ob der verkauf der Bahn ein« Garantie besserer Verhältnisse im Femen Osten sein werden, das hängt allerdings von der Politik ab, die Japan nunmehr treiben wird. Gibt«S sich mit dem Erreichten zufrieden, dann könnten sich seine Beziehungen zur USSR allerdings bessern, seht es sich nun neue, weiter gesteckte Ziel«, so werden auch neue Konflikt« entbrennen. Di« japanische Presse stellt da» Zustandekommen deS Kaufvertrages als eine Folg« der russischen Nachgiebigkeit dar. Tatsächlich haben beide Teile Zugeständnisse gemacht. Japan hat die Garantie für die Erfüllung der Zahlungsbedingungen übemommen und die gemischten Schic drkommissio- nen zugestanden, Rußland hat sich bereit gefunden, seine Staatsangehörigen selbst zu entschädigen. Entscheidend scheint aber doch ein merkbarer Kurswechsel in der japanischen Politik gewesen zu sein. Für ihn gibt«S eine Reihe von Symptomen. Japan, da» kürzlich das Flottenabkommen von Washington gekündigt hat und erklärte, daß eS di« volle Rüstung»gleichheit mit den angelsächsischen Seemächten erstrebe, erklärt plötzlich, eS sei zu einem neuen Abkommen bereit, ohne daß dabei die Forderung nach Gleickcheit noch betont wird. Der japanssche Außenminister H i r o t a erklärt, im selben Augenblick, da Japan auch sonst seine Friedensbereitschaft in auffälliger Weise betont. Leys Leibblatt verschwindet Der„Angriff“ übernimmt das Erbe Berlin. Der Reichsleiter der deutschen Presse, Amann, und der Leiter der Deutschen Arbeits- front, Dr. Ley» geben in einer Veröffentlichung im„Angriff* bekannt, daß ab 1. Feber 1938 der»A n g r i f f", das Berliner Organ der Nationalsozialisten, da» Organ der Deutschen ArbeitS- ftont werden wird. Das bisherig« Organ der Arbeitsfront,„Der Deutsche", daS beim„Berliner Tageblatt" gedruckt wurde, dürfte ab Feber nur noch als Wochenschrift herauSkommen. Sehr energisch wehrt sich daS„Berliner Tageblatt" gegen die im Auslage verbreitete Meldung, daß es demnächst sein Erscheinen einstellen werde; die im Verlage der Buch- und Tiefdruck- HitlerS Sieg an der Saar war nicht nur das Resultat des Terrors und der Propagandalüge, er war auch da» Resultat einer überschlauen diplomatischen Takttk jener Mächte, die die Saar al» Tauschobjekt für tat Frieden an Hitler ausliefern wollten.— Die Folgen zeigen sich schon jetzt. Nicht in einer Befriedung der Welt, sondern in gesteigerter Unruhe, in erhöht«? Konfliktstimmung.... Im Memelgebret verstärkt die hitlerdöutsche Jrrendenta ihr« Bemühungen, in Oe st erreich wittern die„großdeutschen" Gleichschalter mit Konzentrationslagern und Columbiahäusern Morgenluft und im Elsaß— regen sich die von Httler finanzierten Auto- n o m i st e n I Die«Elsaß-Lothringische Zeitung", ein dom deutschen Reichspropagandaministerium aus« gehaltenes Blatt, Organ der Hitlerkopisten an der Saar, schreibt wörtlich folgendes: „vergleiche mit Elsaß» Lothringen zu ziehen, liegt jetzt sehr nahe. So hörten wir denn von verschiedenen Leuten die Meinung, daß im Elsaß sollte man einmal eine Volksabstimmung veranstalten, damit auch hier endlich Ruh« dem chinesischen Gesandten, daß Japan ein« dauerndeVerständigung mit China anstrebe. Zugleich wird die Abberufung de» Gesandten in China Ariyoschials bevorstehend gemeldet. Sein Nachfolger soll der frühere Botschafter D o s ch i d a werden. Da» wäre ein weitere» Zeichen für die japanische Friedensbereit- schast. Die Ursachen der japanischen Schwenkung sind teil» innen-, teils außenpolitischer Natur. Jnnen- politisch macht die Seiyukai-Partei der Regierung die größten Schwierigkeiten. Ihr Führer Suzuki hat sich eben wieder gegen die kostspielige Rüstungspolitik der Regierung gewandt. Außenpolitisch dürfte maßgebend gewesen sein, daß Roosevelt die amerikanische Flotte neuerlich in den Pazifischen Ozean entsandt und mit dem Ausbau der Flottenstationen im nördlichen Pazifik begonnen hat; f e r n e r, daß Rußland in Europa eine gute Rückendeckung durch Frankreich gefunden und daß es seine Hee- reSbasis in Ostasien gut ausgebaut hat. Unter dem Druck dieser Verhältnisse entschließt sich Ja« pan augenscheinlich, die zum Kriege treibende Politik mindestens wbzubremsen. gesellschaft m. b. H. bisher herausgegebenen Zeitungen„Berliner Tageblatt",„Berliner Volkszeitung" und„Berliner Morgenzeitung" werden vielmehr, wie das Blatt versichert, in unveränderter Form weiter erscheinen. Diese ehemaligen M o s s e- Betriebe werden jedoch abermals ihren Besitzer wechseln und in den Besitz eine» neuen Konsortiums übergehen, da» unter der Führung der Dresdner Bank und deS Bankhauses Hardy u. Co. steht. * In einer der ältesten schlesischen Zeitungender im 116. Jahrgange stehenden»BreS- lauerZeitung" erscheint eine Erklärung, in der es heißt:»Die»Breslauer Zeitung" ist gezwungen, ihr Erscheinen einzustellen, falls es ihr nicht gelingt, noch in letzter Stunde die Mittel zur Fortführung de» Betriebes herbeizuschaffen." werde. Ein anderer meinte, der Völkerbund könnte die Urnen und di« internationalen Armee» gleich nach Elsaß-Lothringe» transportieren. Die Tatsache, daß i» unserer unmittelbaren Nähe eine Bevölkerung mit rund 600.000 Wählern frei über ihre Zukunft entscheiden konnte, mußte naturgemäß ihr« starke Wirkung auf unser Land habe«. Wir hörte« auch den Satz, der anscheinend die Runde durch» ganze Land machen will:„Da, wo sie nicht wollen, müsse« sie abstimmen, und da, wo sie a b• stimmen wollen, dürfen sit nicht." Die Sprache ist eindeuttg, das Ziel klar und der Jnsporator selbst dann, wenn man nicht von den Geldquellen der„E.-L. Z. wüßte, gar nicht zu verkennen. Knapp eine Woche nach der Saar- absttmmung beginnt der neue Anlauf des Hit l erischen Jmpertali»« ! muS! Eine Illustration zu jener Rundfunkrede Hitlers vom 16. Jänner, in der der„Führer" feierlich versicherte, daß Hitlerdeutschland»nunmehr keine territorialen Forderungen an Frankreich" habe.... Und jetzt das Elsass I 47 Roman von Olga Scheinpflugovä Copyright by PrwwxUenrt I. Prwtr-VtrlK, WiM Felicien erschrak. Er atmete rasch und suchte nach einer Erklärung. Er hatte sich damit abgefunden, daß es herrlich sei, für Gottes schönen Morgen und Mutter» gute Mahlzeiten zu leben; die Frage des VaterS, bet seiner sonstigen Schweigsamkeit doppelt bedeutsam, schreckte ihn aus seiner Ruhe. «Ich fühl« mich hier wohl, Vater. Später— bis ich ganz gesund sein werde—- will ich nach Paris zurückkehren." Felieien fühlte sich neben dem gleich großen Vater als Mann und er fügte hinzu:«Ich muß erst vergessen, Vater." „Diese Frau?" „Sie war mir mehr ,.." Sie schritten wortlos weiter. Dann sprachen sie nicht mehr von Gefühlen. Sie waren wieder zwei Bauern, mit zwei Pfeifen im Mund, zwei Stöcken in den Fäusten und einer ganzen Welt in ihren ftohen Augen. So schritten sie gemeinsam durch die Felder. Felicien, dem vor sich selbst graute, mußte jemand weh tun. Und wie jeder dankbare und ehrliche Sohn übersiel er eines Tage» Frau Giraud; die Mutter, nur die Mutter hat mich so vernichtet! „Es ist entsetzlich, was du aus mir gemacht hast." Bei diesen Worten ihre» einzigen Glückes begann Frau Giraud zu weinen und die ganze Familie mußte sie beruhigen. das Wohl der ganzen Familie. Der alte Giraud mengte sich nicht in diesen Disput, aber später nahm er den Sohn beiseite und seine Augen hatten einen Ausdruck, der zu denken gab. „Felicien, du solltest wegfahren und zu arbeiten beginnen." „Du hast recht. Ich werbe Samstag fahren," antwortete Felicien und legte sofort seine Werkzeuge zurecht, al» wäre morgen nicht mehr genügend Zeit dazu. Aber Samstag stellte sich ein Schnupfen ein und man sprach nicht mehr davon. Er überfiel di« Mutter mit Vorwürfen, deren Härte sie nie verdient hatte. Er erinnerte sie daran, wie unmöglich sie sich zu.Vagabond' benommen habe. Er erzählt«, hochroten Gesicht», von BabiolaS Genialität, von ihrer berückenden Anmut. Er unterstrich, nahezu beleidigt, jede gute Eigenschaft BabiolaS. Er schrie. Einmal, al» er, ein Gewehr in der Faust, von den Feldern heimkam, stellte die Familie fest, daß er sich schrecklich verändert hab« und sehr krank sein müsse. Zu jener Zeit kam Nastja Petrowna auf da» Gut, Sie hatte ttefe, asiatische Augen und ein Päckchen Briefe von ihrem Liebsten; in diesem fremden Lande wollte sie nichts weiter als essen und schlafen. Sie war die Tochter eines Dorfbürgermei- sters, den man vor ihren Augen gehentt hatte. Sie hatte damals nicht geweint, wie sie auch sonst nie weinte. Mit ihrem letzten Gelbe war sie nach Pari» geflüchtet. Einige Wochen irrte sie in den Straßen der Stadt wie an den Ufern eines Flusses umher, fand aber nicht den Mut, ihrer Not in seinem Schlamm ein Ende zu bereiten. Männer sprachen sie an; alle hatten dieselben Augen und Worte und versprachen ihr gute Tage, wenn sie ihre Nächte verkaufen wolle. Ihr Geliebter in Rußland lebte vielleicht nicht mehr. Sie durste nicht daran denken. Kam , er ihr auf der Straße in den Sinn, dann um- Schließlich entschuldigte sich Felicien und nebelten sich ihre Sinne und sie taumelte gegen man trank mtt noch nassen Augen ein Gla» aus 1 die vorübergehenden. Schwach vor Hunger und Ermüdung fand sie schließlich in einem Kontor eine bescheidene Anstellung. Zu Giraud» kam sie durch einen Zufall. DaS Gut brauchte im Frühjahre weibliche Hilfskräfte und Nastja, großstadtmüde, ließ sich anwerben. Frau Giraud fteute sich darüber, einen Revolutionsflüchtling auf dem Gut« zu haben. Sie Naatja Petrowna hatte in ihrer Jugend russisch gelernt und all die Jahr« kein« Gelegenheit gehabt, sich von ihrem guten Gedächtnis zu überzeugen. Aus diesem Grund« nahm sie Nastja abends zu Tisch. Die ganz« Familie sollte wissen, daß Frau Giraud au» einer Familie stammte, die auf Bildung hielt. Felicien beachtet« Nastja anfangs nicht. Einmal bemerkte er aber zu Tante Lucie: ,/Solche Augen, wie Nastja sie hat, habe ich bisher noch nicht gesehen!" Diese» Ereignis wurde von Frau Giraud eingehend besprochen. Sie fand, daß diese Nastja Felieiens Gesundheit nicht schaden könne; im Gegenteil: sie werde vielleicht dazu beitragen, Felieien Aus Gut zu fesseln. Frau Giraud schenkte Nastja einige Blusen und von nun an speiste sie immer mit der Familie. Nastja begriff das alles auch dann noch nicht, als Felicien sie abend» zu Wanderungen durch di« Felder einlud. Mit den ruhigen Schritten eine» in sein Schicksal ergebenen Menschen schritt sie neben ihm her. Dieser Sohn ihres Herrn war ein eigen- arttger Mensch. Er sprach wenig und sie war ftoh, weil sie nicht antworten mutzte. Sie hätte ihm wohl manchmal gern von Rußland eitzählt, von ihrem Heimatdorfe, wo sich von den Schulkindern bi» zum Popen alles vor ihr verneigt hatte. Aber wenn er sprach, sprach er nur von sich, von seinem geistigen und physischen Leiden. Er schien sich danach zu sehnen, daß sie ihn bedaure. Sie hörte ihm mitleidig zu, wenn er von Paris, von Skulpturen und einer Frau sprach, die Babiola hieß. Sooft er diesen Namen nannte, blieb er ehrfurchtsvoll stehen. Er erklärte ihr Dabiolas Größe. Nastja verstand nicht, was da» war: groß sein. Sie wollte nur glücklich sein. Felicien meinte, daß sich daS schwer vereinen ließe. Sie gewöhnte sich an seine ständigen Erzählungen von Babiola, die seinen Worten zufolge für Paris mehr bedeutete, als dec Niagara für Amerika. Einmal las er ihr auf dem Feldrain Verse von Babiola vor. ES war Sommer. Ueber den Blüten gaukelten Schmetterlinge. Nastja hatte keine Lust, zuzuhören. Er ftagte dann: „WaS sagst du dazu?" Sie antwortete:„Ich weiß nicht, Herr." Wenn Felicien der Kopf schmerzte, sagte Frau Giraud: „Geh mit Nastja spazieren." Seit sie hier war, ging es in der Familie ruhiger zu. Frau Giraud fühlte instinktiv. daß ihr diese» stille, geduldige Wesen nicht schaden werde, daß sie nichts geben und ihr deshalb nichts nehmen konnte. Felieien mochte das arme Mädel lieb gewinnen, aber niemals würde er sagen:„Mama, das ist für mich die einzige Frau auf Erden." (Fortsetzung folgt.) Str. 19 Mittwoch, LS. Jänner 193S Sette 3 Nllgenrelner Im Nttlerkunle Montag mittags sandte der Dentschlandsender Lagesnachrichte«, die bereits abgeschloffen waren, als der Ansager hinzu fügte:„Wir erhalten soeben folgende Meldung". Es folgte dann ein ausführlicher Auszug aus der Rede des Senators Hilgen- reiner in Marlenbad, die einen Vergleich der Lage der SaarbebölKe- rung mit den Deutschen der Tschechoslowakei enthielt und für diese eine Status-quo-Abstimmung forderte. Der Deutschlandsender wählte Zitate und Darstellung so, daß für de» deutschen Hörer restlos klar wurde, waS Hilgenreiner mit seiner intereffau- ten Parallele gemeint hat. Die Meldung schloß mit dem Zitat aus Hilgen- reiners Rede:„Wir wollen den Friede«, aber nur bei voller Gleichberechtigung". unermüdlich für die Partei tätig ist, so daß er auch aus den Nachbarorten Arbeiter in di« Organisation brachte. Eine politische Verhaftung wird aus T e p- l i tz berichtet. Dort ist eine Frau namens Erszebet O. auf Grund des Schutzgesetzes verhaftet und dem Kreisgericht Leitmeritz zugeführt Wörden. Di« Behörden bewahren über die Verhaftung Stillschweigen. Frau O. ist die geschiedene Gattin eines ungarischen Offiziers, der pensioniert ist und in Aussig lebt. Die Verhaftet« soll durch Briefe aus ihrer Heimat belastet worden sein. Zwei Kinder Todesopfer der Elbe. Am Sonntag war eine Frau aus Politz a. E. mit ihrem sieben- und ihrem neunjährigen Knaben nach Pschira zum Besuch des Großvaters gefahren. Nachmittags gegen 4 Uhr tummelten sich die Knaben am Ufer der Elbe in der Nähe von Tichlowitz. Plötzlich glitt der kleinere der Jungen aus und stürzte in das Wasser. Passanten am anderen Elbe-Ufer alarmierten di« Bewohner, denen es gelang, das Kind den kalten Fluten zu entreißen. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. In der Hast des Rettungswerkes hatte man dem älteren Knaben, der noch auf dem Eise stand, keine Beachtung geschenkt. Auch dieses Kind fiel ins Wasser und ertrank. Die kleine Leicht konnte noch nicht geborgen werden. fuddtndeMfediei Seitsytejel Das Arbeitslosen-Elend Alle Meter stehen still im Friedländer »ezirke Im allgemeinen leiden di« deutschen Randgebiet« der Republik im weitaus höheren Maße unter der Wirtschaftskrise als di« übrigen Gebiet«. In vielen Bezirken kann man jedoch feststellen, daß selbst eine allgemeine Belebung der Wirtschaft kaum mehr eine Behebung der Arbeitslosigkeit zur Folge haben wird, da viele Betriebe für immer stillgelegt wurden. Von dem Elend in manchen Bezirken ist auch viel in den Zeitungen geschrieben worden, aber von vielen Bezirken, in welchen «benfallS Not und Elend in ungeahntem Ausmaß sich breit macht, wird kaum gesprochen. Gin Bezirk, in dem große Not herrscht, von der allerdings wenig bekannt wurde, ist der Friedländer Bezirk. In diesem Bezirke steht ein großer keil der Betriebe nicht erst seit dem Jahre 1989, sondern schon viele Jahre länger still. Die»rosten Betrieb« der Firma 8. Heini» schel& Eo., HeinerSdors o. T„ sind zum grüßten Teil schon abgetragen worden. Eine große Anzahl von Betrieben steht leer, viele ihrer Maschinen beraubt. ES feien hier nur die bedeutendsten angeführt: Eine Porzellanfabrik in Mildeneichrn, rin« HolzverwertungSfabrik in Haindorf, der Betrieb der Firma BrüninghauS in Hermsdorf, weiters Betriebe der Firmen M. B. Neumanns Böhne, DitterSbach, C. A. Prcibisch, Dittersbach, Hrrm. Pollaks Böhne, Dörfel, Heinrich Müller Wüstung, Johann Liebig, Bunzendorf, Ehrtstopf& Unmak, Tschern- hausen, rin» Stärkefabrik in Wirse, ein« Tuchfabrik in Weißbach. Bei der Firma Klinger ia Neustadt a. T.» wo vor einigen Jahren noch 2600 Arbeiter und Angestellte beschäftigt waren» werden nur noch zirka 600 beschäftigt. Im Betrieb« der Firma Wilh. Siegmund in Friedland, werden jetzt von der Firma Kraus grammbroschüre bildet. Diese Absicht wird also zugegeben. Die,,Rundschau" bekennt sich zu dem„Ar» beitsp siegel", dessen Diktat an Strlle des Tarifvertrages, der Arbeitsvermittlung und der Gewerbeinspektion tritt. Wir nehmen diese Aufklärung über daS wahr« Wesen der neuesten Auflage deS VolkKge« meinschaftsschwindels mit gebührender Dankbarkeit zur Kenntnis. Die SVH und die Not der Bevölkerung In der Stadt Böhmisch-Leipa ergab die Sammlung der SVH etwa 20.000 nö.| Das ist immerhin viel mehr, als jemals bei ande-■ ren öffentlichen Sammlungen aufgebracht werden konnte. Die Verteilung ging so vor sich, daß die! sich meldenden Arbeitslosen«ine«in-j malige Aushilfe von 10 K üj bekamen. Beileibe aber nicht alle. Bei bekannten, Sozialdemokraten hat man Ausnahmen gemacht,\ selbstverständlich auch bei Kommunisten. Man hat ruhig gesagt»Sie find Sozialdemokrat und Ihr Bruder ist Kommunist, also können Sie nicht- bekommen." In Wolfersdorf bei Böhm.- Leipa wurde der Beschluß gefaßt, all« Arbeitslosen ohne Unterschied der Partei zu beteil««. Ms es aber zur Durchführung kam, war die Sach« ganz anders. Jen« Arbeitslosen, dir Mitglieder des Arbeiterturnvereines find, wurden von der Betitlung ausgeschlossen. Motiviert wurde dies damit, daß Arbeitslos«, di« noch hie und da 80 Heller für den Turnverein erübrigen, eben nicht be» dürftig seien. In der Gemeinde Reugarten bet Bohmtsch-Lrtpa ergab die Sammlung den sehr ansehnlichen Betrag von 8000 XL. verteilt wird dieses Geld ausschließlich an die Anhänger der SHF. Ein Arbeitsloser mit sechs Kindern, der in bitterster Rot lebt, bekam nicht»inen Heller, weil er un» nahe steht. Oie Gleichschaltung der Feuerwehren Wie wir schon seinerzeit mitteilten, beabsichtigte das Präsidium des deutschen Landes-Feuer- wehrverbandr» ein neues Statut nach berühmtem „Führerprinzip" einzuführen. Die Entwürfe zu diesem neuen Muster-Statut gingen allen Wehren zu und in gewalttgen Bezirksversammlungen, die Wer 80.000 Mitglieder vertraten, wurde dieses Statut abgelehnt. Am 20. d. M. fand nun G Prag«in« Ausschußsitzung statt- wo die von den Bezirksverbänden gewählten Obmänner hiezu Stellung nahmen und daS Ergebnis lautet: „Hierdurch teil« ich Ihnen mit, daß bei der i gestern in Prag abgehaltenen Ausschußsitzung des Deutschen Landesverbandes für Feuerwehr- und RrttungSwesen in Böhmen di« neuprojektierten Satzungen durch einen«instimmigen De- schlußabg«lehnt worden sind und eine Reu- i auflage auf ganz unbestimmt« Zeit vertagt worden ist." Die Urheber diese- Statutes dürften ob dieses Beschlusses recht wenig erbaut gewesen sein, oder haben sie vielleicht gar mitgestimmt, weil die Angst die eigene Tourage übertönte? Wie dem auch sei, auf alle Fälle gehört dieses„Führerprinzip* in kein demokratisches Land und falls sich jene Herren gar so sehr darnach sehnen, so habe': sie ja alle Pässe und im Dritten Reich ist Platz genug, um sich dort wirksam al»„Führer" zu betätigen. Vorbildlich« Parteiarbeit. Tschemin ist eine kleine Landgemeinde im Tuschkauer Gerichtsbezirk. Der Großteil der Bevölkerung sind landwirtschaftlich« und Bauarbeiter. Heute herrscht auch die Arbeitslosigkeit in ziemlich großem Maße Für dir landwirtschaftlichen Arbeiter des Großgrundbesitzes gelten manchmal noch geradezu patriarchalische Arbeitsverhältniffe. Wohl besteht die Parteiorganisation in Tsöhemin schon viele Jahre, doch hatten unsere Genossen unter diesen Ilmständen einen sehr harten Kampf zu führen Im Vorjahre war es besonders schwer: der Mit- gliederstand war auf elf zurückgegangen und der verbleibenden Mitglieder bemächtigte sich fast Verzagtheit, so daß einige schon daran dachten, die Organisation überhaupt aufzulösen. Da griff die Bezirksleitung Tuschkau ein und es gelang dem Genossen Walch, dem kleinen Fähnlein der treuen Genossen wieder neuen Mut einguflvhen und ihnen da< Versprech«» abzunehmen, daß sie mit erhöhter Kraft an dem Wiederaufbau der Organisation arbeiten werden. Die Genossen haben dieses Versprechen mehr als hundertprozentig eingehakten. Der Mitgliedsrstand wurde innerhalb eines Jahres von 11 aus 48 Mitglieder gesteigert. Da» Haupwerdienst an diesem glänzenden Erfolg gebührt dem Genossen Franz Müller, der Ein Sträfling klagt anl Millionenbetrug der Leriach-Gruben am Staat und dem Bergarbelterfonde Im.Buch äasu" schreibt der Sekretär de» Ostrauer Revierrates, Genosse L o p i n k a, daß er Anfang Jänner«in aus Prag datierte» Schreiben erhalten habe, mtt welchem ihm mitgeteilt wurde, daß dem Schreiber zur Zeit da Dr. Za- j i ö 11 noch Zentraldirektor der Lartsch-Mönnich- schen Kohlengruben gewesen sei, also noch vor seiner Verurteilung, von diesem erzählt wurde, daß Larisch den Revierrat in Mähr-Ostrau an dem zehnprozentigen Anteil vom Reingewinn, der nach einem Gesetz dem BergarbeitersondS abgeführt werden muß, um mehrere Millionen Kronen geschädigt habe. Genosse Lopinka besucht« hieraus den ehemaligen Zentraldirektor, der bekanntlich wegen seiner Millionenbetrügereien an Larisch, zu viereinhalb Jahren Kerkers verurteilt wurde, die er jetzt in der Strafanstalt Bory bei Pilsen absitzt, und verlangte von ihm nähere Erklärungen über diese von ihm erhobene Anschuldigung Noch bevor Gen. Lopinka an ZajiLek eine Frage richten konnte, sagte dieser:»Sie kommen wegen der Angelegenheit der Bergarbeitergelderi Gut! Die Herren haben mich nicht geschont, ich werde sie auch nicht schonen." Dann erzählte er. Aus seinen umfangreichen Aussagen ging vor allem hervor, daß die Grubenherren den B e r g- arbeiterfonds um mehr als neun Millionen Kronen geschädigt haben. ZajiLek sagte weiter, daß er die Bilanzausweise gefälscht hat, wodurch der Staat ungeheure Verluste erlitten hat. Er erklärte: »AlS Zentraldirektor von Larisch habe ich den Staat um 2b Millionen K£ geschädigt!" ZajiLek erzählte weiter von Steuerab- s ch r e i b u n g e n, die er mit Hilfe eines Advokaten für Larisch erzielt habe. Allein aus dem Titel polnischer Kohle habe man eine Abschreibung von 20 Millionen KL erreicht. An der Wahrheit der Angaben ZajiLek» kann nicht gezweifelt werden, da er Einzelheiten aller dieser Manipulationen erwähnte, die jeden Zweifel über seine Behauptungen auSschaltcn. Man darf nunmehr auf die Folgen dieser Enthüllungen, die einmal von der Verworfenheit der Unternehmermoral Zeugnis ablegen und zum andern zeigen, wo die Quellen sind, au» denen die Mittel im Kampfe gegen Arbeitslosigkeit und Not genommen werden könnten, gespannt sein. Rassensachverstfindlger Tlrala Brünn. In der letzten Zett wurde wiederholt über Antipathiekundgebungen der Münchner Studenten gegen den Inhaber de» Lehrstuhls für Rassenforschung, Dr. Lothar Tirala, berichtet. Dazu erfahren wir von wohlinformierter Seite: Die Theorien Tirala», nach denen die nordische Raffe allein alles Große auf der Welt hervorgebracht hat, müffen um so kurioser anmuten, als der Vater des bis vor kurzem in Brünn tätig gewesenen Frauenarztes mit ausgedehnter jüdischer Klientel, ein angesehener Steuerbeamter, wiederholt und mit Stolz erklärt hat, daß er der Sohn einer Jüdin und daher Halbjud« sei. Tatsächlich führt der Stammbaum der seit Jahrzehnten in Brünn ansässigen Familie zu einer Großmutter de» unentwegten Rassen forscher», über deren Abkunst verdächtige Unklarheit herrscht. Dir hartnäckigen Gerüchte über Einlieferung Tiralas in» Konzentrationslager mögen nicht zuletzt in der Entdeckung dieser Großmutter begründet sein. Aus dem Abgeordnetenhause. DaS Präfidium des Abgeordnetenhauses hält Freitag, den 28. Jänner, um 11 Uhr vormittag» rin« Sitzung ab. MandatSniederkeguns deS Abgeordneten Koudelka. Wie das„Prävo Lidu" mitteilt, hat der tschechische Sozialdemokrat Koudelka, der aus der Kleinbauernbewegung hervorging, auf sein Abgeordnetenmandat verzichtet, und zwar offenbar unter dem Druck der Partei, welche, wie daS Blatt weiter meldet,»mit dem Vorgehen beim Ankauf von Grundstücken in Gedlec bei Kuttenberg nicht einverstanden" war. Die MnrückungStermine. In der Sammlung der Gesetze und Verordnungen erschien die Kundmachung des Nationalverteidigungsministeriums über die Einrückungstcrmine im Jahre 1938. Ms Einrückungstermin wird für die Angehörigen der Ersatzreservr, di« im.Jahre 1934 oder früher assentiert worden sind, der 1. März 1935 festgesetzt. Der Einrückungstermin für die Angehörigen der Ecsatzreserve, die im Jahre 1988 assentiert werden, sowie die Einrückungstermine zum Präsenzdienst im Jahre 1935 werden später festgesetzt werden.— Nach den kürzlichen Erklärungen des Generalstabschefs soll künftig der Einrückungstermin einheitlich auf den 1. Oktober festgesetzt werden. Schurchniss nach park und London Braucht der Austrofaecismus wieder Geld? London. Der österreichische Bundeskanzler Dr. Schuschnigg wird wahrscheinlich Ende Feber in London eintreffen. Unterwegs wird er, wie es heißt, einige Tage i n P a r i S Aufenthalt nehmen. Sette« Mittwoch. 23. Immer 1935 Nr. IS i.son Noel Gesandter der französischen Republik in Prag, wurde vor einigen Tagen nach Paris berufen, um das Sekretariat des Ministerpräsidiums zu organisieren. Noel soll zum Sekretär des Mini- präsidiums ernannt werden und dabei weiter Gesandter(Titulargesandter) in Prag bleiben. TagcsncuigkcMcn Hingerichtet Breslau. Gestern ist auf dem Hof des Untersuchungsgefängnisses in Breslay der vom Schwurgericht Breslau wegen Ermordung eines Stahlhelmmannes zum Tode und dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilte Paul Hahn aus Breslau hingerichtet worden. Das Blutbad in Somaliland Paris. Die Nachricht über den heimtückischen Ueberfall auf den französischen Kolonialbeamten Bernard in Französisch-Somali hat in Frankreich Erregung ausgelöst und wird verschieden interpretiert. An amtlichen französischen Stellen wird behauptet, daß der kriegerische Stamm der Aisse- maras, dessen Angehörigen den Ueberfall durchführten, der direkten Verwaltung der abessinischen Regierung nicht untersteht, sondern ihr nur nominell untergeordnet ist und ein uralter Feind des Jffas-Stammes ist. Bei keinem der vorhergehenden Zwischenfälle kam es aber zu einem so großen Blutvergießen wie diesmal. DaS französische Kolonialministerium erhielt abends aus Dschibuti eine Meldung, m welcher es heißt, daß der 25jährige Kolonialbeamte Bernard vom Jssas-Stamm um Hilfe ersucht w u r d e. Er machte sich sofort auf. wurde aber unterwegs von etwa 800 Angehörigen den Alssamaras-Stammes überfallen. Nach zweistündigem Kampfe waren am 18. Jänner früh sämtliche Munitionsvorräte Ber- nardserschöpft und Bernard und seine Gefährten unterlagen. In Bernards Körper wurden zehn Schußwunden festgestellt. Die französische Regierung erwähnte Dienstag abends Bernard wegen seines Heldentodes in einem Ehrenbefehl. Bergarbeiter sterben in aller Welt Pottsville(Pennsylvanien). Bisher konnten aus der Grube» Gilbe rton" zwölf Tote und 71 Verletz te geborgen werden. Kattowitz. Am Montagabend konnte eine Retiungskolonne auf der„O h e i m g r u b e* das zweiteTodesopferdes schweren Einsturzunglücks, das sich in der Nacht zum Samstag ereignete, bergen. Die Aufwältigung der Strecke Wird fortgesetzt. Man hofft, ehestens die letzten beiden Opfer der Katastrophe freizulegen. 12 Tote i« Zajekar Belgrad. Die Zahl der Opfer der Grn- tenexplosion in ZajeLar hat sich auf zwölf erhöht, nachdem eine Person im Krankenhaus ihren Ber- letzungen erlegen ist. Bahnräuber bei Dortmund erbeuten über 8000 Mark Dortmund. Ein schwerer Raubüberfall wurde in der Nacht zum Dienstag auf den Bahnpostwagen eines Personenzuges verübt, der um 23.46 Ilhr den Bahnhof Rauxel in der Richtung Dortmund verläßt. Durch Ziehen der Notbremse wurde der Zug etwa einen Kilometer vom Bahnhof Rauxel entfernt zum Stehen gebracht. Nach dem Anhalten des Zuges liefen drei maskierte Männer auf dem Trittbrett am Zuge entlang bis zum B a h n p o st w a g e n, der auf ihr Klopfen von dem nichts ahnenden Beamten geöffnet wurde. Die Räuber feuerten im gleichen Augenblick sieben Schüsse ab und erzwangen sich so den Eingang in den Wagen. Sie warfen vier G e l d k i st e n auf die Geleise, die über 20,000 Mark enthielten. Darauf suchten die Räuber unter Mitnahme von zwei Kisten das Weite, während sie die beiden anderen Kisten liegen ließen. Im ganzen sind 84 50 Markgeraubt worden. Die Täter sind unerkannt entkommen. Westböhmens Wintersportler im Böhmerwold siegreich Der Wintersport-Verbandswettkampf DDZj Atus und tschechische Arbeitertouriften am Spitz« berg bei Eisenstein war von vielen Vereinen mit Wettkämpfern beschickt worden. Neben westböhmischen Sportlern aus Abertham, Bärringen, Neudek, Merkelsgrün, Rothau, Graslitz und Eibenberg-Grünberg waren Großhammer(DTJ) und viele Böhmerwaldvereine des Pilsener Kreises vertreten. Die AtuS-Sportler belegten in allen Disziplinen, in welchen sie starteten, die ersten Plätze; es zeigten aber auch die tschechischen Wintersportler vorzügliche Leistungen. Bei den Läufen der Sportlerinnen und Sportler gab es spannende Kämpfe. Der Jugendlauf war nur von Wettkämpfern der DTJ und de« tschechischen Touristen besetzt. Diese Jugendkämpfe haben gezeigt, daß die tschechischen Genoffen sehr guten Nachwuchs besitzen. Zum Springen fanden sich etwa 500 Zuschauer ein; auch da waren die Westböhmen nicht zu schlagen. Die Spitzberg-Schanze ist sehr flach, daher auch ungemein hart. Springer mit starker Vorlage schnitten daher schlecht ab. Zum Abschluß wurden die Leistungsblätter verteilt. Abg. Genoffe Hummelhans sprach den Dank ter DTJ-Verbandsleitung aus, Genoffe M y k u r a verwies auf den schönen Erfolg dieser ersten gemeinsamen Wintersportveranstaltung und dankte im Namen des Atus für die frohen Stunden in Eisenstein. Die Jugendlichen liefen in zwei Gruppen; in der ersten(6 Kilometer) siegte Novak(DTJ Klat- tau) in 46:89 Min., in der zweiten(8 Kilometer). Skarda(DTJ Klattau) in 1:12:48 Std. Die Frauen absolvierten einen Lauf über 8 Kilometer, den Genossin Klier(Atus Graslitz) in 16:47 vor Zitkova(SDT Pilsen) 17:10 Min. gewann. Der 15-Kilometer-Laufder Sportler wurde gleichfalls in zwei Gruppen ausgetragen. In der Kategorie von 18 bis 26 Jahren gewann Fink (Atus MerkelSgrün) in 1:10:30 vor Ptikryl(DTJ Taus) 1:13:04 Std., während Häuser(Atus Bärringen) über die gleiche Strecke für die über 26- jährigen in 1:13:45 vor Krcma(DTJ Taus) 1:31:05 Std. siegte. DaS Hauptinteresse fand naturgemäß daS S p r i n g e n, welches von 14 Springern absolviert wurde. Sieger wurde Held(Atus Abertham) mit 32, 31 und 26 Metern, Note 19.500, vor Hüller (Atus Rothau) 30, 27.5, 23, 17.056, und Eermak (SDT Pilsen) 26.5, 26, 21 Metern, Note 16.944. Sehr gut sprang auch der 15jährige I l l n e r(Atus Eibenberg), welcher 26, 26, 23 Meter und Note 18.277 erreichte. In der Gesamt kl assifikation beseht« der A t u s, vertreten durch den 6. Kreis, den ersten Platz, gefolgt von der DTJ und dem SDT..Die Wettkämpfe nahmen einen glatten Verlauf und standen unter der technischen Leitung des 3. DTJ-Krci- seS und des 6. AtuS-Kreises. Grausamer Winter in Amerika Stürme, Ueberschwemmungen, Frost New Aork. Gegen Ende der vergangenen Woche wütete in den Vereinigten Staaten ein ungewöhnlich heftiger Orkan, dem insgesamt 4 0 Menschen zum Opfer fielen. Im Golf von Mexiko wurden erhebliche Zerstörungen angerichtet. Die Flüffe im Staate Wisconsin haben ein starkes Ansteigen des Wasserspiegels zu verzeichnen. Aus den Staaten Kentucky und Kansas werden scharfe Fröste gemeldet. Nachdem derSüdwesten der Bereinigten Staaten, vor allem die Staaten Tennessee, Arkansas und Mississippi, in den letzten Tagen unter ungeheuren Wolkenbrüchen gelitten hatte, durch die große Ueberschwemmungen eingetreten waren, ist das Wetter dorr plötzlich umgeschlagen. In den genannten Gebieten setzte eine Kältewelle ein, die verheerende Schnee stürme zur Folge hatte. Der Temperatursturz betrug teilweise 10 bis 20 Grad Celsius. Die Bevölkerung der Flußniederungen. die durch die Ueberschwemmungen zum Teil o b d a ch l o s geworden ist, leidet furchtbar unter der Kälte. Der Verkehr auf den Landstraßen und Eisenbahnstrecken ist weitgehend lahmgelegt. Berschnette« Italien Rom. In Rom fällt reichlich Schnee. Das Thermometer zeigt minus 7 Grad Celsius, was der tiefsten Temperatur im Verlaufe der letzten sechs Jahre entspricht. Fast in ganz Italien fällt Schnee. Ans dem Felde erfroren Wien. Montag forderte die Kälte bei Korne u b u rg ein Todesopfer. Die 83jährige Natalie Kaupa wurde von Passanten aut einemFelde erfroren aufgefunden. Die alte Frau weilte bei Bekannten zu Besuch, dürste sich am Rückweg verirrt haben, sank, wahrscheinlich vor Kälte übermannt, zu Boden und erfror. Aenderungen im Personentarif der Staatsbahnen Am 1. Feber 1935 treten im Personentarif der Staatsbahnen verschiedene Aenderungen ein. Die wichtigsten hievon sind: Bei Gesellschaftsreisen mit fahrplanmäßigen Zügen: Bei Bezahlung des Fahrpreises für mindestens 100 Teilnehmer wird eine Ermäßigung von 40 P r o z ent gewährt. Sonn- und Feiertagsrückfahrkarten gelten für die Rück fahrt nicht mehr am Samstag oder an dem Tage, der dem Feiertag vorangeht. Bei Rundreisekarte« muß die gesamte Rundreise mindestens aus drei und darf höchstens aus zehn Abschnitten bestehen. Für jeden einzelnen Reiseabschnitt muß der Fahrpreis für mindestens 30 Kilometer bezahlt werden. Künf- ttghin können Rundreisen auch in der umgekehrten Reihenfolge der einzelnen Abschnitte zurückgelegt werden. Die Ermäßigung beträgt bei drei Abschnitten nur 20 Prozent, bei vier Abschnitten 20 Prozent bei Entfernungen bis zu 500 Kilometer, bei einer größeren Gesamtentfernung 30 Prozent; bei mindestens fünf Reiseabschnitten ist die Ermäßigung wie bisher abgestuft, und zwar: 20 Prozent bis 500 Kilometer, 30 Prozent bis 1000 Kilometer, 40 Prozent bei einer größeren Entfernung der Gesamtstrecke.' Die den Mttgsiedern von Wandervereinen bisher zustehende Begünstigung, an Tagen, an welchen die Sonn- und Feiertagsrückfahrkarten gellen, ermäßigte Fahrkarten für beliebige Fahrten auch für Einzelstrecken(ohne Rückfahrkarte) zu lösen, wird dahin eingeschränkt, daß diese Begünstigung nur bei Lösung von Rück fahrkarten, allerdings für jede beliebige Strecke. gilt. Auf der Strecke Komotau—Wcipcrt und Reitzenhain wird die in allen Verbindungen dieser Strecke, bisher gewährte 25prozentige Ermäßigung bei Lösung von Rückfahrkarten künftighin auch für Einzelfahrten (ohne Rückfahrt) gewährt werden. AoStt»« Schwiegertochter unter mysteriösen Umständen gestorben Die Frau des Prager Advokaten Dr. Lad. R a s i n, des Sohnes des ersten Finanzministers, starb in der Nacht auf Dienstag unter bisher ungeklärten Umständen. Sie war gegen 3 Uhr nachts nach Haufe gekommen. Kurz darauf wurde eine Hausangestellte durch Stöhnen aus dem Schlaf geweckt. Frau Rasin wurde berests bewußtlos im Badezimmer gefunden. Sofortige ärztliche Hilfe blieb ohne Erfolg. Da die Todesursache nicht festzustellen war, ordnete der Bezirksarzt die Obduktion an. Käse als Beispiel. Der Spiegel der bürgerlichen Welt zeigt immer und immer wieder auf der einen Seüe maßlosen Ueberfluß und auf der andern namenloses Elend. Die Darlegung der Tatsache, daß Weizen zu Heizzwecken verwendet wurde und wird, daß Unmengen Kaffees in das Meer geschüttet werden, daß man Lebensmittel aller Art in unermeßlichen Quantitäten auf den Feldern verderben läßt, sind so ost erzähll worden, daß sie gar nicht mehr gelesen werden. Jetzt schreibt das Züricher„Bolksrecht" über den Ueberfluß an Käse. 800 Waggons des besten Schweizer Käse lagern in den Riesenkellern der Exporteure und gehen langsam zugrunde, weil für sie kein Absatz vorhanden ist. Es ist genau die Hälste des Jahresexportes an Schweizer Käse überhaupt. Dieser Ueberfluß an Käse entspringt aber beileibe nicht der Steigerung der Produktion an Käse, sondern hat seine Ursache imRückgangdesKonsums dieses so wichtigen Nahrungsmittels in der Welt. Während in früheren Jahren mehr als 300.000! Zentner Käse ausgeführt werden konnten, be-1 trägt jetzt der Export nurmehr noch 200.000! Zentner, ein Rückgang von einem Drittel also. Weil die Menschen infolge der Wirtschaftskrise wenigerKäse essen können, entsteht Ueberfluß und der Ueberfluß schafft— hier in der Käse-Industrie— neue Arbeitslosigkeit, mehr Hunger und Elend. Hanptmanns Bankkonto. Ein Beamter des Schatzamtes der Vereinigten Staaten sagte vor dem Gericht in Flemington aus, daß die Eheleute Hauptmann am 2. April, dem Tage, an welchem das Lösegeld für das Lindbergh-Baby ausbezahlt wurde, über ein Bankkonto von 203 Dollars und Wertpapiere von 100 Dollar verfügten. Tags darauf sei ihr Konto plötzlich auf 4 4.6 89 Dollar angestiegen. Derselbe Zeuge erklärte weiter, daß er über Auftrag Hauptmanns nach dem 2. April öfters Wertpapiere an der Börse gekauft habe und zwar im Gesamtbeträge von etwa 50.000 Dollar. Vor diesem Tage habe er für Hauptmann niemals Börsen-Operationen in einem solchen Umfang vorgenommen. Der Arbeitgeber Hauptmanns erklärte vor Gericht, daß Hauptmann zwar am 1., nicht aber am 2. April gearbeitet habe. Sinowjew im Gefängnis. Der ehemalige Vorsitzende der Kommunistischen Internationale mußte, wie dem„Daily Herald" aus Moskau gemeldet wird, seine zehnjährige Freiheitsstrafe binnen 24 Stunden nach seiner Verurteilung antreten, wie das für alle Urteilsvollstreckungen in den Prozessen wegen der Ermordung Kirows angeordnet worden ist. Sinowjew wird im Gefängnis eine seinen Fähigkeiten entsprechende Arbest und, wie alle Strafgefangenen, einmal im Jahr Urlaub zu seiner Familie erhalten. Die Jugendfürsorge leidet in den letzten Jahren unter einem katastrophalen Rückgang von Mitteln, nicht zuletzt deshalb, weil immer neue Vereine und Hilfseinrichtungen entstehen und die außerordentliche Bedeutung der Jugendfürsorge für die Volkskultur und ihre ganz ungewöhnlichen Erfolge in unserer nowollen Zeit in den Hintergrund des Interesses gedrängt werden. Der Reichsverband für deutsche Jugendfürsorge beschäftigte sich mit dieser Notlage in seiner Konferenz vom 11. Dezember 1934 und beschloß eine Mitteilung an die deutsche Oeffentlich- keit, sie möge daS große Werk der einheitlich aufge- bauten deutschen Jugendfürsorge, dem die ganze überparteiliche Hilfeleistung für die deutsche Jugend bis zum 18. Lebensjahre obliegt, auch weüerhin in Schutz und Betreuung nehmen und mithelfen, alle wettere Zersplitterung und Schädigung abzuwenden. Italienische Banemhäoser unter der Schneelast znsammengebrochen. Unwei t Bari in der italienischen Provinz Apulien stürzten unter den Schneemaffen mehrere Bauernhäuser ein; nicht weniger als 27 Familien find obdachlos geworden. Verletzt wurde niemand. Wahrscheinliches Wetter Mittwoch: Vorwiegend bewölkt, vereinzelt leichter Niederschlag. Auch im Osten und Südosten des Staates Eintrübung und allmähliche Froftmilderung. Im Westen in den Nie derungen strichweise leichtes Tauwetter.. Wetteraussichten für Donnerstag: Im Osten weiter« Frostmilderung, sonst keine größer« Aenderung. Vom Rundfunk ImpfahlMtwartu au* den ProgrammenJ Donnerstag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 10.15: Sälonorchesterkonzert, 11: Schallplatte«. 12.10: Arien aus der Oper„Don Juan", 13.45 Leichte Musik, 15.55 Militärkonzert, 16.55: Musik für die Jugend, 17.55: Deutsche Sendung: Wo die Wälder heimlich rauschen, aus dem Preßnitz-Weiper- ter Land, 18.40: Deutsche Presse, 20.80: Violin- konzert, 22.20: Jazzorchesterkonzert. Sender S.: 14.30: Tanzlied«, 15: Deutsche Sendung: Dr. Donath: Wozu GerichtSbarkett im Steuerverfahren? 15.20: Leichte Musik auf Schallplatten, 18.05: Tamburizzenkonzert, 19.10: Opernszenen.— Brün« 18.35: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.50: Deutsche Arbeite rsendung: Hans Honheiser: Aus eigenen Werken.— Vom geistigen Ringen der sudetendeutschen Arbeiter, 21.10: Orchesierkonzert. — Mährisch-Ostrau 17.50: Deutsche Sendung: Klavierkonzert.— Preßbnrg 18.55: Unterhaltende Tamburizzenmusik.— Kascha« 17.20: Liederkonzert. Emigranten verlassen das Saargebiet Die französisch-saarländische Grenze wird jetzt von einem Strom von Emigranten überschritten. St. rs Mittwoch, 23. Jänner 1935 Seite 5 Die Grabschender Aus Berlin wurde berichtet, daß Nationalsozialisten die Grabdenkmäler Karl Liebknecht» und Rosa Luxemburgs zerstört haben. Sie taten eS und schlugen ein, auf kühles, graues Gratgestei« und schlugen es in Fetze». Tie trampelte« die Hügel glatt und wähnten so, rS fei die Statt gelöscht auch ans den Herzen. ES kommt zu spät der Schindersknecht. So bricht es nicht, wie ihr eS brecht. DaS Denkmal bleib! doch stehe«. Aus rotem Blut und nicht aus Stein, in einem Herze« nicht allein. Ei« Lump kann es nicht seh«. Fest sind die Name« eingebrannt, die löscht nicht Mord, nicht Bubenhand. Liebknecht und Luxemburg. So lang wir find, find fie auch da. Sie lebe«, waS nun auch geschah: Liebknecht und Luxemburg. Kurt Doderer. Wer will««ter die Entmannte«? In den deutschen»Reichsgerichtsbriefen" ist Folgendes zu lesen:„Die Möglichkeit, daß ein verur» teiltet Ausländer auf Grund des Gesetzes über Reichsverweisungen von der zuständigen LandeSpolizeibehörde auSgewiesen werden kann, steht nach Auffassung des Reichsgerichts der gerichtlichen Anordnung der Entmannung und ihrer Durch, führung nicht im Wege." Bei einem Angriff auf einen Zug, den Aufständische in Mexiko zum Entgleisen bringen wollten, wurden acht Aufständische und drei Soldaten getötet. Honorar in Teppiche«. Die strengen bulgarischen Devisenbestimmungen haben den be- kannten Sänger Schaljapin bei einer Konzertreise erheblich in Verlegenheit gebracht. Es gab keine Möglichkeit, das Honorar über die Grenze mitzunehmen. Nach längeren Verhandlungen mit der Nationalbank kam schließlich ein Kompromiß zustande, wonach Schaljapin den Armen Sofias eine namhafte Spend« überwies und die Nationalbank ibre Zustimmung gab, daß er für de» Rest seines Honorars— mehrere hunderttausend Lewas— bulgarische Teppiche laufe und mit über die Grenze nehme. Betriebsgeiseln. Au» Wien wird gemeldet: Da vielen Unternehmern in der letzten Zeit durch die politische Betätigung ihrer Arbeitnehmer Unzuträglichkeiten erwachsen sind, ist der bekannte Großkaufmann I. Meinl auf eine ganz neuartige Methode verfallen, solches zu unterbinden. Die Betriebsleitung der Meinl A.-G. gab bekannt, daß zehn namentlich bekanntgegebene Arbeiter der Firma sofort entlassen würden, wenn sich in den Meinl-Betrieben die geringsten Anzeichen staatsfeindlicher politischer Betätigung bemerDar machen sollten. Die literarische Gleichschaltung. In diesen Tagen ist der sechste Band des»Klugen Alphabets", des im Propyläen-Verlag erscheinenden gedrängten Konversationslexikons, erschienen. Er »würdigt" den Dichter Thomas Mann in fc——«i————— sieben Zeilen, die lediglich die Werke aufzählen— unter Weglassung von»Joseph und seine Brüder"! Heinrich Mann wird überhaupt nicht erwähnt. Aus Seenot gerettet. Alle an Bord des Dampfer„B a l v e r d a" gewesenen Personen sind gerettet worden, mit Ausnahme des dritten Mechanikers, der seinen Verletzungen erlag— Der Kapitän deS amerikanischen Dampfer»»President Jackson" teilte funkentelegraphisch mit, daß er die gesamte Besatzung des japanischen Dampfers»Hokuman Maru" trotz schwerster See nach zweistündigen Bemühungen retten konnte. Wolfsplag«. Die Gemeinde Magura bei Buzau wurde von Wölfen förmlich belagert, die in die Ställe eindrangen und Vieh und Menschen angriffen, so daß sich die Einwohner nicht auf die Straße getrauen konnten. In einer Eingicke an die Behörden wurde um die Veranstaltung einer Treibjagd zur Befreiung de» Orte» ersucht. Die Handelsbilanz in den Jahren 1928—1934 Die Entwiiklung unseres Autzeuhaudel» feit der Konjunktur Der tschechosiowakische Außenhandel hatte im Dezember 1934«ine weitere Erholung zu verzeichnen. Die erneute Steigerung der Gesamtausfuhr hat das Aktivum derHandels- b i l a n z des Jahres 1934, wie wir in der Samstag-Nummer mitteilten, auf nahezu 8 8 9 Millionen Kronen erhöht. Die Handelsbilanz bestätigt, daß die Kronen- abwartung für»nseren Außenhandel nicht ohne günstige Auswirkungen geblieben ist; ebenso dürfte zu ihrer besseren Gestaltung auch der leichte Aufschwung in der Weltwirtschaft beigetragen haben. Diese Besserung der Handelsbilanz für da» Jahr 1934 gegenüber dem Vorjahre ist, wenn sie sich auch nur in bescheidenen Grenzen hält, vor allem deshalb erfreulich, weil sie durch eine beträchtliche Vermehrung der Fertigwarenausfuhr ausgezeichnet wird. Einzelne Zweige der Fertigwarenindustrie, wie die Papierindustrie, die Maschinenfabriken und die Konfektionswarenindustrie konnten 1934 gegen- Warmgruppe 1834 1833 Lebende Tiere... 73 105 Lebensmittel u. Getränke 936 1.117 Rohswffe 8.454 2.908 Fertige Waren... 1.901 1.670 Edelmetalle«. Münzen 42 325 Zusammen: 6.406 6.125 über dem Vorjahre die Ausfuhr besonders erhöhen. Diese genannten Industrien haben den Ausfuhrwert von 1932 entweder knapp erreicht, oder bereits überschritten. Dies gilt fstr die Kon- fektionSwarenindustrie. Bei derSteigerungderRoh- stoffauSfuhr, die gleichfalls größeren Umfang hat, fällt besonders die starke Erhöhung der Ausfuhr von Eisen- und Eisenwaren und von Holz auf. Auf der Einfuhrseite find die Veränderungen gegenüber dem Jahre 1933 weniger erheblich. Es sind hier in erster Linie einige wichtige Rohstoffe, wie Baumwolle» Wolle, Flachs, Hanf, Seide, Eisen, unedle Metalle und Mineralien, für die eine nennenswerte Steigerung der Einfuhr festzustellen ist. Die Beurteilung der Besserung der Handelsbilanz 1934 ist leichter möglich, wenn die letzte Handelsbilanz mit der der vorhergehenden Jahre verglichen wird. Es betrug dieSpezialein- fuhrt» den Jahren: 1932 1931 1930 1929 1928 In Millionen Kronen 187 231 725 951 719 1.570 2.884 2.657 2.920 - 3.494 3.307 4.978 7.115 9.779 9.151 2.445 4.131 5.183 6.292 5.808 699 75 35 46 36 8.158 11.800 15.715 19.988 19.208 Die Gesamteinfuhrerhöhung gegenüber 1938 beträgt demnach 289 Millionen Kronen. Mit 6406 Millionen Kronen im Jahre 1934 ist die Einfuhr um 13.582 Millionen Kronen Warengruppe 1934 1983 Lebende Tiere... 2,8 1,5 Lebensmittel u. Getränke 401 455 Rohstoffe 1.763 1.343 Fettige Waren... 5.111 4.042 Edelmetalle u. Münzen 19 81 Zusammen 7.287 5.858 niedriger als im besten Konjunkturjahr 1929. Die Spezialausfuhr zeigt dem Werte nach in der Handelsbilanz diese Entwicklung: 1932 1981 1980 1929 1928 In Millionen Kronen 4 23 55 35 62 832 1.113 1.706 2.341 2.901 1.386 2.041 2.796 3.442 3.668 5.107 9.929 12.904 14.667 14.554 .63 43 13 14 39 71392; 13.149 17.474 20.499 21,224... Der Ausfuhrwert von 1934 übertrifft demnach den des Jahres 1933 um 1436 Millionen Kronen nnd erreicht fast die Höh« von 1932. Gegenüber' dem besten Außenhandelsjahr 1928 ist die Rohstoffausfuhr 1934 auf weniger als die Hälfte zurückgegangen, während die Fertigwarenausfuhr auf etwas als ein Drittel deS damaligen Wertes gesunken ist. Der Rückgang der Lebensmittel- und Getränkeausfuhr ist auch 1934 noch nicht zum Stillstand gekommen. Für Getreide, Mehl usw. und für Zucker ergibt sich weiter eine bedeutende Abnahme; die Ausfuhr von Obst und Gemüse hingegen konnte gegenüber 1933 um mehr als ein Drittel ihres Wertes auf 285 Millionen gesteigert werden. Weist die Handelsbilanz deS vergangenen Jahres ein Aktivum von 889 Millionen Kronen auf, so schloß sie in früheren Jahren ab: 1983 Aktivum 21 Millionen Kronen; 1932 Passivum 766 Millionen Kronen; 1931 Aktivum 1349 Millionen Kronen. 1930 Aktivum 1759 Millionen Kronen, 1929 Aktivum 511 Millionen Kronen, 1928 Aktivum 2016 Millionen Kronen. Rur in einem Jahre also, 1932, überstieg demnach der Einfuhrwert den der Ausfuhr; in allen anderen Jahren hat der Ausfuhrhandel unserer Gesamtwirtschast zum Tell recht erhebliche Ueberschüsse gebracht. Rom ist enttäuscht Ebenso rätselhaft wie entscheidend war stt der Saarfrage die Haltung der Katholiken. Alle Verfolgung der katholischen Kirche und ihrer Organisationen im Dritten Reich hat weder die gentrumspartei im Saargebiet abgehallen, sich der»Deutschen Front" anzugliedern, noch die Romkirche zur Ausgabe einer Anti-Hitler-Parole für die Bollsabsttmmung veranlaßt. Dafür aber haben die Bischöfe von Speyer und Trier Aufrufe zugunsten der sofortigen Rückgliederung erlassen und zum Schluß sind auch noch die Erzbischöfe von Köln und Breslau in die Pirrofront eingerück. Der Vatikan aber schwieg in allen Tönen, wenn auch selbswer« stündlich die Herren Bischöfe und Kardinäle nicht ohne Ermächtigung von Rom ihre Dienste der Hitlerei erwiesen haben. Unter vier Augen konnte man eine merkwürdige Aufklärung dieses Verhaltens bekommen! Die Besitzungen der Romkirche in Deutschland stellen einen Wert von mindestens 25 Millionen Mark dar und ihr Verlust sowie neue schwere Verfolgungen würden die Folge einer Paroleausgabe für den Status quo sein. Die Kundgebungen der Bischöfe aber seien niemals von ihnen erlassen worden, man Hätte ihren Namen dazu freventlich mißbraucht. Sie könnten aber diese freche Fälschung nicht öffenllich feststellen eben wegen der dann sicheren Rache nicht nur an ihnen, sondern an der ganzen Kirche! Die materiellen Beweggründe zugegeben, so wird es doch nicht recht einleuchten, wer und wa» die Bischöfe verhindern könnte, die Fälschung oder Erpressung ihnen unterschobener Hllleraufrufe im Ausland zu publizieren. Der Vatikan selbst hat nur ein ein« zigesmal gegen die hitlerdeutsche Saarpropaganda Stellung genommen, und das— z u spät. Als nämlich in der vorletzten Stunde deS Wahlvorabends die Nazis das allgemein« Zeitungsverbtt der Saarregierung durch Herausgabe eines Extrablattes mit der Meldung einer ausdrücklichen Deutschland-Parole des Vatikans, durchbrachen, dementierte der»Osservatore Romano" diese Behauptung, wovon aber die Saarwähler vor ihrer Abstimmung nichts mehr erfuhren. Mehrere Tage nach der Abstimmung allerdings meldete sich das Organ des VattkänS wieder, um die Enttäuschung der Kurie darüber auszusprechen, daß die Regierung Hitler den treuen Dienst der Saarkatholike« nicht mll der Erklärung einer Garantie anständiger Behandlung der Katholiken im Reich und im wiedergekehrten Saargebiet honoriere. Maa fragt sich, wenn man die verschiedenen Regie- -runtzea B e rt rast e.n in E t'Hitungen d e r H t t l e rir e g i e r u n g setzen hörk mSF immer wieder, wen sie damit außer sich selbst täuschen wollen! ■■■■■■■■■■■■■■■ Ihre Blumen dürsten nach dem gutem Dlrrmen-garrber-ung 1 Paket mit Postzuseudung Kß 5*60 durch Verwaltung»Frauenwelt", Prag XU» Fochova 62 a Sklavenmartt in Grande Toilette Von Max Winter, Hollywood. ES waren immer die heißen Länder, in denen der Sklavenhandel gedieh. Afrika, Südamerika, der Süden Nordamerikas, das warm die Zonen, in denen der Freie zum Sklaven emiedrigt, in denen Mmschen verkauft wurden. Darum wohl lebt in uns die Vorstellung, daß auf Sklavenmärkte nur nackte Menschen getrieben werden. Die fortschrettmde»Kultur" der Menschen hat nun ein neues Beispiel dafür geschaffen, daß der moderne Sklave, will er gekauft werdm, von seinem Fell nur so viel oder so wmig sehen lassen darf, al» es die Mode gerade vorschreibt und daß er iip-top gekleidet sein muß. Und das gilt auch für da» heiße Land Kalifornim. In der ersten Dezemberwoche konnte der dazu Gerufene zweimal dieses Schauspiel mitansehm. Am Dienstag marschierten vor einem der grüßten Studio» Hollywoods 6000 Männer— sage und schreibe sechs- tausend Männer— in Lack und Frack auf, Zylinder und Abendmantel, Handschuhe und Spazierstock mit Silbergriff, und mutztm Mann für Mann schön der Reih« nach in einen großen Saal eintreten, in dessen Mitte ein Podium aufgestellt war. Auf dieser Estrade saßm an einem Tisch eine Anzahl Herren— die Richter. Vor diese mußte jeder dieser 6000 Elegant» treten, eine weltmännische, der augenblicklichen Sitte mtsprechende Verbeugung machen, dann einigemal auf und abgehen, um endlich, ungewiß seines Schicksals, auf der andern Seite wieder zu verschwinden. Die Herren oben am Tisch aber machten auf ihren Listen Num- mcrn und Kreuze. Um zwölf Uhr nachts hatten sie 6000 Nummern geschrieben und 200 Kreuze. Das heißt 5800 blieben Nummern und hatten ihr ungeschriebenes Kreuz weiter zu tragen und schwerer als bisher. Die Zweihundert aber waren t die Auserwählten. Genau so ging es Kvei Tage später 6000 Damen. Auch sie in Grande Toilette, mit vollendeter Kunst für das blendende Licht der Scheinwerfer, die sie grell beleuchten, hergerichtet; ihr« Lippen find zu ihrem schönsten Lächeln gekräuselt. Die Lippen jeder der 6000. Und doch haben auch hier nur 220 das große Los gezogen, ein Kreuz hinter ihre Nummer bekommen und damit die Erlaubnis, das Kreuz einer„Extra" weiter zu tragen. Die anderen 5780 aber hatten umsonst ihre Spargroschen zur Schneiderin, in den Schuhladen oder in den Modestore für Hüte, Schirme und Handschuhe-getragen, sie hatten sich umsonst mtt den erlesenen Düsten der Hollywooder Parfümerieladen bespritzt, fie hatten fich umsonst geschminkt, Lippen und Wangen bemalt, die Wimpern gekräuselt, die Nägel umsonst rot poliert. Fünstausendachthundert waren nun Nummern ohne Kreuz, das heißt, fie waren aus der Liste gestrichen ein für allemal. Zu Ende ein Traum! Zu Ende der Traum aller dieser Tausende. Alle kamen sie mit gewalttgen Hoffnungen in daS gelobte Land, in dem die Stern« wachsen; jeder und jede, sie hofften, daß der Stern ihre» Glücks hier aufgehen werde und fie alle wurden in die große Reservearmee der Kunst gewiesen. Sie alle wurden»Extras", d. h. Statisten. „Waren Sie schon einmal in einem amerikanischen Gesellschafts- und Geschäftsfilm?" „Gewiß!" „Da haben Sie ja auch die Herren Berwal- tungsräte gesehen? Die geschniegelten Grafen und Fürsten im Ballsaal oder den Herrn mit Monokel im Spielsaal von Monte Carlo und alle die eleganten Damen? Sehen Sie» das waren lauter „Extras" und alle haben ihre eigenen Kleider getragen. Das waren nicht Bühnenkostüme, die der Filmerzeuger beistellte. Nein, wem die Gunst werden soll, bei einem Film mitzuwirken— und sei es auch nur als„Extra", der muß das Gesell- schastsrequisit seiner„Rolle" auch selbst beistellen. Er wird dafür ja auch glänzend bezahlt. Er oder Sie bekommt für den Tag fünfzehn Dollar. Für den Tag! ES find Taglöhner der Kunst. Natürlich werden fie nur für den Tag bezahlt, an dem sie beschäftigt werden. Da» ist bei den meisten höchstens ein- bis zweimal in der Woche. Ein Durchschnittseinkommen von 20 Dollar in der Woche ist für einen Extra schon ein hohes zu nennen. DaS find aber die„hohen" Herren und Damen unter den Extras, die vielbeneideten, die, die über eine schöne eigene Garderobe verfügen. Die anderen bekommen nur 10 Dollars für den Tag und die große breite Masse der Extra», über die der Film jederzett verfügt, gar nur siebeneinhalb Dollar». DaS sind die, die bei Massenszenen in Betracht kommen.„Wir brauchen heute fünfzig Combohs, italienische Landleute, Herren und Damen für eine Massenv ersammlung, zu einem Sportfest, für das Strandbad..." da» ist alles für siebeneinhalb Dollars! Und es sind siebzehntausend„Extras" in Hollywood registriert gewesen. Höchsten» zwölfhundert von ihnen kamen überhaupt in Frage. Alle andern waren in der Liste der Vermittlungsorganisation geführt, aber fie kamen nie zum Zug. Täglich hofften fie und täglich wurden sie enttäuscht. Da gärte eS eines Tages im Sklavenheer der„Extras" und die 17.000 machten nun einmal keinen Sturm für die Leinwand, sondern einen wirklichen Sturm— so wie da» in Amerika üblich ist. Die arbeitenden Menschen Amerika- stehen noch auf der tiefsten Stufe organisatorischen Zusammenschlusses. Die wenigsten Gruppen haben geschulte Wortführer, die ihre Wünsche und Forderungen vor dem andern Vertragsteil, vor dem Unternehmer, vertreten könnten. So kommt es in der Regel zu BerzweiflungSauSbrüchen. Als so ein Akt der Verzweiflung der siebzehn Regimenter „Extras" ist es anzusehen, daß sie eines Tages das Vermittlungsbüro förmlich stürmten und begehrten. daß da endlich einmal Kla I bis dahin bevorzugt beschäftigt worden waren. Die Arbeit möge gerecht aufgeteilt werden— oder wenn da» nicht möglich sei, so möge man so viele streichen, als möglich, damit diese endgültig de« Traum aufgeben, durch den Film ihren Weg zu machen. Diese mögen Zeitungen verkaufen, Schuhe putzen, Milch ausführen oder Eis, für Farmen Lebensmittel vertreiben oder irgendwelchen Zu« fallsbeschäftigungen nachgehen. Das Bermittlungsbüro trug dem Rechnung. ES schied alle auS, die noch nrcht fünf Jahre in der Liste geführt worden waren. Auf diese Art fielen 5000 weg. Aber noch immer blieben 1200 übrig. Diese waren verteilt auf die drei Lohngruppen. Neuer Sturm. Die Mehrheit schrie Auch wi- habe» gute Kleider, auch wir wollen zum Zuge kommen, nicht nur die Auserlesenen 1200!" „Gut. Einverstanden," sagte wieder daS Büro.„Wir werden eine Extraschau veranstalten. Dienstag für die Herren, Donnerstag für die Damen. Ein Richterkollegium wird die Auswahl treffen.. Und daS war nun dieses Schauspiel, das in der Einleitung geschildert ist 420 von diesen 12.000 nicht Bevorzugte« haben nun hinter die Nummer ein Kreuz bekommen, aber 11.580 wissen eS nun, daß st« nur Nummern sind und in der Liste gestrichen werden. 11.580! Was werden sie machen? Das letzte Geld haben sie zu den Modewarenhändlern getragen, die Konkurrenz zu bestehen... Wir sitzen im Film, bewundern die Massenszenen, den Flirt der Damen und Herren, diese elegante fröhliche Welt, und begehrenden Auges folgen viele junge Mädchen und Burschen solchem Spiel...„Könnten wir dabei auch mittun!" Von 17.000 Taglöhnern der Kunst find chließlich 420 als tauglich befunden worden. Die 1200 alten dazu. Die andern 15.000 aber vermehren das große Heer der Arbeitslosen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Das ist die Geschichte werde. Alle 17.000 hungern, nicht nur die 1200,t vom Sklavenmarkt in Grand Toilette. Sozialdemokrat" Seite 6 Mittwoch, 23. Jänner 1935. 9kr. 18. PBAfiEB ZEITBMG Mit dem Motorzug ins Riesengedirgr. Die Staatsbahndirektion in Prag fertigt am 26. und 27. Jänner einen Sondermotorzüg nach F reiheit- Johannisbad zum Preise von XL 75.—, inkl. Hin- und Rückfahrt, Nachtlager, Autobus vom Bahnhof Johannisbad und zurück, sowie Versicherung, ab. Anmeldungen sind bis Freitag 17 Uhr im Referate der Ausflugszüge im Bazar neben dem Wilsonbahn- hof vorzunehmen. Vorträge Was ein Kandidat des Hochschullehramts als Wissenschaft vorträgt Bor einigen Tagen ließ sich die„Deutsche juri- Kische Gesellschaft" in Prag, die aus deutschen Professoren, Richtern und vorwiegend Advokaten besteht, von Herrn Dr. Westphalen-Fürstenberg, dem jugendlichen Sproß der ehemals gräflichen Fa- Milie, die auch im Grohgrund besitzerverbarid tonangebend ist, über die„Freiheits- und Gleichheitsrechte im liberalen und im totalen Staat" belehren. Die Vorlesung war eine interessante Antwort auf die Frag«, was alles heutzutage unter dem Mantel eines wissenschaftlichen Vortrages Deckung findet und was von den Mitgliedern eines Vereines, dessen erwachsenere Mitglieder immerhin noch Vorträge -und Artikel zu jedem 48ger-Jubiläum schrieben, bereits widerspruchslos geschluckt wird. Aus der Vorlesung des Herrn Dr. Westphalen erfuhren diese alten Praktiker des Verfassungsrechtes, daß man die Freiheits- und Gleichheitsrechte der liberalen Idee und Praxis, von der immer im Perfectum gesprochen wurde, von denen des totalen Staates die konsequent mit dem Präsenz ausgezeichnet wurden, streng unterscheiden müsse. Erstere hätten als Produtte irriger Vorstellungen von dem Vorgang des Individuums vor der Gemeinschaft dazu geführt, daß dem einzelnen jede Freiheit gegenüber dem Staate zugebilligt wurde und hätten vom fittiven Urzustand des„contuat social" über die atomisierte liberale„Wach- und Schlietzgesellschaft" geradeaus— zu dem sowjetrussischen Experiment führen müssen, das der gleichen staatsrechtlichen Kategorie wie der liberale Staat zugeordnet und von ihr„nur" durch die vollkommene Unfreiheit unterschieden, dafür aber mit der Note„tiefster Absturz des Menschengeschlechtes in vollkommene Moral- und Kulturlosigkeit" klassifiziert wurde. Ganz anders der autoritäre Staat sJtalien, Deutschland, Estland, Oesterreich): Hier gibt es nach Herrn Westphalen-Fürstenberg zum. Unterschiede von Rußland Freiheits- und Gleichheitsrechte. Die Freiheit ist(allerdings) nicht dazu da, von einzelnen mißbraucht zu werden, ist überhaupt keine Freiheit vom Staat, sondern eine für den Staat, und die Glejchheit— ja die ist, wie Oesterreich jetzt zeige, eine relative Gleichheit, d. h. eine, die auf die tatsächlich zwischen den Menschen bestehenden -Unterschiede der Anlage, des Wissens, Wollens usw. verliehen wird. Von da ging es geradeaus zu einem Dichterzitat, das die Gerechttgkeit postulierte, und die Vorlesung war zu Ende. An ihrem Anfang stand übrigens die Versicherung, daß nur unpolitische, reine Wissenschaft vorgebracht werde. Natürlich, denn Herr Dr. Westphalen hat sich ja mtt diesem Vortrage eigentlich als Anwärter auf eine Dozentur für Staatsrecht vorgestellt, für die bereits alles vorbereitet ist. s. Freier ärztlicher Fortbildungskurs: Lungenkrankheiten, Klinik Prof, Nonnenbruch. Sonntag, den 27. Jänner, 10 Uhr a. m. Kunst und wissen Kammermusikkonzert. Der Prager Deutsche Kammermusik verein hatte sein erstes diesjähriges Abonnementkonzert vorgestern im neuen Feftsaale des Deutschen Hauses veranstaltet. Bisher fanden diese Konzerte als Matineen im Deutschen Theater statt. Für intime Kammermusik ist der Festsaal des Deutschen Hauses ebenso wenig der richtige Ort wie das Theater. Aber die offene und helle Akustik des zuerst genannten Saales empfiehlt ihn für Kammermusik, während sie sich bei Orchesterkonzerten bisher nicht bewährt. Das Programm des vorgestrigen Kammermusikkonzertes bestritt das altberühmte und oft bewährte WienerRose- Quartett der Herren Ross, Fischer, Handel und B»u x b a u m, eine Kammer- musikvereinigung, die in der llassischen Abgettärthett ihres Vortrages, in der gleichmäßigen Schönheit des Tones und im vorbildlich«inverständlichen Zusammenspiel noch immer ihresgleichen sucht. Die Künstler spielten ausschließlich Werke von Beethoven: das letzte Quartett, des C-Dur-Quest-A opus 59 und die Trioserenade. Der übervolle Saal bereitete den erlesenen Quartettkünstlern begeisterte Beifallskundgebungen. Organisatorisch wollte es aber bei diesem Konzerte nicht so recht klappen; die Garderoben erwiesen sich als unzureichend in der Bedienung und die Plätzeanweisung an das Publikum begegnete Widersprüchen. Auch der Umstand, daß sich der Kammermusikverein entgegen seiner früheren Gepflogenheit die Vortragsprogramme teuer bezahlen ließ, befremdete.- E. I. Ein Nationaltheater in Ankara. Die türkische Regierung hat beschlossen, in Ankara ein Nationaltheater zu erbauen, dem eine dramatische Schule angeschlossen sein wird. Der Bau soll einem sowjetrussischen Architetten übertragen werden. Deutsche Musikakademie. Oeffentlicher Abend, Donnerstag, den 24. Jänner, 20. Juhr im Lyzeum, Prag II., Charvätovä. Werke für Gesang, Ceflo, Klavier und Kammermusik von Strauß, Debussy und JanaLek. Wochenspielplan deS Reuen Deutschen Theaters. Mittwoch halb 8: Menschen in Weiß, BI. — Donnerstag halb 8: 13 bei Tisch, Erstaufführung, CI.— Freitag halb 8: Stille Musik, Ensemblegastspiel von Mitgliedern des Wiener Burgtheaters, D 2.— Samstag halb 8: Die schöne Helena, Abonn. aufgehoben.— Sonntag halb 3: Schneider Wippl kontra Napoleon, Arbeitervorstellung, halb 8: I e n u f a, neueinstudiert und neuinszeniert, A 2.— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch%9:. Schule für Steuerzahler, volkstümliche Vorstellung.-— Donnerstag 8: Sch n eid er Wippl.— Freitag 8:Fremdenverkehr, volkstümliche Vorstellung.— Samstag 8: 13 bei Tisch.— Sonntag 3J$: Nacht vor dem Ultimo, 8: S ch n e i d e r W i p p l. Der Film Käthe von Nagy als Prinzessin Turandot in dem gleichnamigen Film Prinzesiiu Turandot Der große Aufwand an Kostümen urü> bemalter Pappe, den die Berliner Ufa an diesen Film verschwendet hat, kann nicht darüber täuschen, daß er«ine ttägliche Fehlgeburt ist. Aus jeder Szene und jeder Zeile spricht hier die Hoffnungslosigkeit eines „Liebe Ellern! Ich sitze am Ufer der Moldau und freue mich wirklich auf den Augenblick, da die Wellen mich aufnehmen werden. Ich denke noch einmal an Euch alle. Ich bitte Euch, mich so bald als möglich zu vergessen und mir den Frieden zu gönnen. Dieser Abschied, wenige Minuten vor d«m freiwilligen Tode seiner Verfasserin flüchtig auf einen Briefumschlag hingekritzelt, ist seither zu einem ge richtlichen Attenstück geworden, einem sauber numerierten Bestandteil des dicken Strafaktes, der die Unterlage der umfangreichen Anklage bildet, die Dienstag vor dem Prager Senat Fidrmuk verhandelt wurde. Dieses erschütternde Dokument legt nebst vielen anderen Zeugnis ab von der unheilvollen Tättgkeit des gerichtsbekannten und oft vorbesttaften Betrügers Josef Jakoubek, der neuerlich wegen einer ganzen Reih« skrupelloser Gaunereien vor Gericht stand. Josef Jakoubek, der 38 Jahre alt ist und vorgibt, Vertreter zu sein, hat sich nach seiner letzten Rückkehr aus dem Gefängnis u. a. auch auf Heiratsschwindeleien verlegt. Er knüpfte mit zahlreichen Frauen Bekanntschaften an, wobei er sich, wie so viele seinesgleichen, wirkungsvoll stili- sierter Inserate bediente, wie z. B.:„Suche brave Mütter für meine zwei Töchterchen." War einmal die Bekanntschaft gemacht, so wußte der erfahrene Schwindler unter allerlei Vorspiegelungen den verttauensseligen Frauen ihre letzte Krone hc:- auszupreffen. Die Verblendeten vertrauten ihm ihre Sparbücher an, stürzten sich für ihn in Schulden und glaubten fest an die Lügen und Aufschneidereien, die er ihnen auftischte. Es handelt sich durchwegs um kleine Existenzen, die auf diese Art an den Bettelstab gebracht wurden. Und eines der Opfer wurde sogar in den Ttt» gettieben. Es war eine bewegte Verhandlung, die ihren dramatischen Höhepunkt bei der Einvernahme der Eltern dieser Selbstmörderin und Verlesung des eingangs erwähnten Abschi«dsbri«feS erreichte. Es handelt sich um ein junges Landmädchen, eine Häuslerstochter, die die Werbung des Gauners so ernst nahm, daß sie ihm nicht nur ihre Ersparnisse auslieferte, sondern auch ihre Eltern bestimmte, ihm nach und nach 5000 XL zu„leihen", was für die fleinen Häuslersleute ein beträchtliches Kapital bedeutete. Der Schwindler trieb sein Gaukelspiel so weit, daß er zweimal den Hochzeitstag festsetzte, Betriebs, dem die Talente abhanden gekommen find — und eines krampfhaften Amüsierwillens, der unter der Fuchtel der Diktatur nicht den Mut zu einem einzigen Witz ausbringt. Daß man diesen öden Ull hier gleichzeitig mit dem neuen Rene Clair-Film spielt(der von Satire überschäumt), mutet fast wie eine lehrhafte Demonstration des neudeutschen Filmzustandes an: man kann es sich im Dritten Reich gerade noch erlauben, ein alt-chinesisches Märchen so geistlos zu verulken, daß keiner der Zuschauer auf irgendeinen Gedanken kommen kann(falls er nicht eigene ins Kino mitgebracht hat). Unter solchen Umständen läßt sich kaum noch ein Vorwurf gegen die Tertverfasserin Thea von H a r b o u erheben, die früher einen literarischen Hausierhandel mit parfümierter Mystik und blecherner Mystik bettieb und die hier nun die Konkurrenz mit Friedrich Schiller ausgenommen hat, der einst GozziS„Turandot" deutsch nachgedichtet hat. Frau von Harbou hatte vielleicht di« Absicht, die Schiller- sche Klassik nach Offenbachs Art zu parodieren(und bei Puccinis halb-komischer.turandot" Anleihen zu machen). Aber die Talentlostgkett verleugnet sich nicht,— am allerwenigsten dort, wo sie spöttisch sein will. Das Filmmanuskript ist ein lederner und roher Unsinn geworden,— aber anders wäre es, wie gesagt, in Berlin schwerlich verfilmt worden^ Der Regisseur Gerhard L a m p r e rh t galt vor vielen Jahren als Hoffnung. Er ist es schon längst nicht mehr. Hier versucht er mtt opernhaften Aufbauten di« Bedeutungslosigkeit des Spiels zu verdecken, an dem außer dem geschmintten Sct- Helden Willy F rits ch die rassische Verwandlungskünstlerin Käthe v. N a g y und der zum Clown herabgesunkene Paul Kemp beteiligt sind.—eis— Krach um Jolanthe Diese„Bauernkomödie" des Herrn August H i» r i ch s ist im Dritten Reich pflichtschuldigft von allen Bühnen gespielt worden, weil sich herumgesprochen hatte, daß sie des Führers Lieblingsstück ist(also nach seinem Geschmack gleich neben den „Meistersingern" rangiert). Es handelt sich in diesem bemerkenswerten Lustspiel um eine fette Sau, die versteigert werden soll,«Her- von den Bauern verteidigt wird— und auch sonst um eine ganze Reihe von Schweinereien, die mit mouotoner Plumpheit geäußett werden. Die.witzlose Unappetttlichkeit des Ganztn wttd nur noch durch den Stumpfsinn übertroffen, mit dem der Verfasser die neckisch sein sollenden Zwischenfälle und die Liebesszenen endlos wiederholt, und durch die Aufdringlichkeit, mit der es für tierisch-menschliche Blödheit als bodenständigen Wert Rellame macht. Die Verfilmung dieser grunzenden Literatur durch Carl Froelich ist ein neuer erschreckender Beweis für den Verfall des Films im Dritten Reich. Denn dieser Carl Froelich, der hier durch Dehnungen alles Plumpe noch plumper und alles Geistlose noch langweiliger gemacht hat, war einst der Mitschöpfer der„Mädchen in Uniform". — eis— Ein Walzer ans Wie». Ein deutscher Johann Sfraüß-Filin, der sich von feinen vielen und auch schon altersschwachen Ahnen nur dadurch unterscheidet, daß er nicht an der Donau, sondern an der Newa spielt(weshalb er in Deuffchland„Petersburger Nächte" hieß). Er bewegt sich um eine Liebes- und Duell-Affäre des Walzerkönigs am Zaren- um den Eltern seiner„Braut" leichter Geld abpressen zu können. Den ersten Hochzeitstermin sagte er in letzter Stunde ab, als schon die Hochzeitskuchen gebacken und alle sonstigen Vorbereitungen getroffen waren. Den zweiten Hochzeitstag aber sagte er gar nicht erst ab, sondern blieb ganz einfach verschwunden und überließ die umsonst wartend« Braut dem Gespött des Dorfes. Diese Enttäuschung hat das junge Ding in di« Moldau gettieben. Bezeichnend für den Angellagten ist die folgend« Episode: Er betrieb eine zettlang auch eine Heiratsvermittlungskanzlei, wobei er eine Klientin mit einem and-rn Gauner zusammenbracht«, der ihr 13.000 XL ab schwindelte. Als sie sich bei dem Herrn Heiratsvermittler beschwerte und daber verriet, daß ihr noch 8000 XL geblieben seien, bot ihr Jakoubek auf der Stelle Herz und Hand an und — brachte sie auch noch um diesen Rest ihrer Ersparnisse! Begreiflich also, daß die Verhandlung einen mehr als erregten Verlauf nahm. Weinen und Schluchze«, wilde Klagen und Anklagen der Zeugen klangen durch de» Gerichts» saal. Eine Zeugin erlitt eine» Ohnmachtsanfall. Die alttn Eltern der Selbstmörderin hätten sich an dem Mann auf der Anklagebank sicher vergriffen wenn sie nicht der Aufseher aus dem Saal gedrängt hätte. Neben den Heiratsschwindeleien fallen dem Angeklagten noch zahlreiche andere Betrügereien zu» Last, insbesondere KautionSschwindeleieu unter Schauspielern, denen gegenüber er als reicher Filmunternehmer austrat. Dies« Beträge gehen in die vielen Tausende, wobei die Auflage betont, daß es die Mehrzahl der Geschädigten aus Furcht vor de» Blamage vorgezogen hat, keine Anzeige zu erstatten. Nach langer Verhandlung, während der sich der Angeklagte ungemein zynisch und brutal benahm wurde er im Sinne der Auflage schuldig erkannt und zu dreieinhalb Jahren schwere» und verschärften Kerkers verurteflt. Auf Antrag des Staatsanwaltes Dr K a b r l e erkannte der Gerichtshof ferner auf Anhaltung des Angeflagten in der Zwangs- arbeitsanstalt, der er nach verbüßter Strafe übergeben werden wird.- rb. Hofe— in den ausgefahrenen Bahnen des sogenann- ten musikalischen Lustspiels. Der Regisseur E. W. Emo, der seit jeher ein Routtnier der nachgeahmten Einfälle ist, hat eine Revue der Dagewesenheitea veranstaltet— und sich darauf verlassen, daß der als sympathisch bewährte Paul Hörbiger und die als komisch bekannte Adele Sandrock die Zuschauer trösten werden. Ans der Partei Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Donnerstag, den 24. Jänner, 8 Uhr abends Parteiheim Närodni tr. 4 Borttag des Genossen Dr. Strauß „Drei Wochen in der Sowjetunion^ Donnerstag, den 24. Jänner, 7 Uhr abends im Patteiheim Sitzung der Exekutive Montag, den 28. Jänner, 8 Uhr abends im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Bergstein Parteiversammlung mit Vortrag „Deutschland" Zutritt zu den Patteiveranstaltungen nur gegen Mitgliedsausweis. Die Jahresversammlung der Bezirksorganisation findet am 18. Feber statt.— Ersuchen Termin freizuhalten. Die Bezittsverttttung. Handarbcitskurs. Wir machen nochmals auf den jeden Mittwoch von 4 bis 6 Uhr nachm. iw Patteiheim unentgeltlich stattfindenden Handarbeitskurs aufmerksam. Frauenorganisation Prag. Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Heute, 8 Uhr abends, Gruppenabende: S. I. Z e n t ru m: Borleseabend.— S. I. Holle« schoWitz: Geschichte der bürgerlichen Patteien in der C. S. R.■— S. I. Weinberge: General versammlung. Sport»Spiel• Körperpflege Skiwettkämpfe der tschechischen Arbeftertouriste» in Rordtöhmen. Die Skisektton des Verbandes der ffchechischen Arbeitertouristen(SDT) in Ob 11- Rosenthal veranstaltete am Sonntag, dem 20. Jänner, ihre ersten Wintersportwettkämpfe um de« Wanderpokal des Bürgermeisters Genossen Josef Korinel(Ober-Rosenthal), an welchen 80 Wett«/ kämpfer und Wettkämpferinnen der SDT, Naturfreunde und der DTJ teilnahmen.— Die E r d gebnisse waren: 18-Kilometer-Lauf: 1. Fischer (Naturfreunde) 1:44:35, 2. Humpal(Naturfreunde) 1:48:25.— 8-Kilometer-Hindernislauf: 1. Humpal 10:30 Min., 2. Kerda(SDT) 10:54 Min.—Zusammengesetzter Lauf: 1. Fischer 1:55:32 Std., 2. Humpal 1:55:34 Std.— L-Kilometer-Lauf (Frauen): 1. L. Chmelova(SDT) 46:20 Min.—- 6-Kilometer-Lauf(Zöglinge): 1. Paulu(DTJI 37:36 Min.— Der Sieger des zusammengesetzte» Laufes gewann den Wanderpokal, alle Ädrigen Sieger erhielten Plaketten. Die Eishockey-Weltspiele in Davos haben aw Dienstag mit der Zwischenrunde begonnen und refl« weise schwer erkämpfte Siege gebracht. Nicht so leicht, als man es sich borgestellt, hatte es das Teaor der Tschechoslowakei gegen Italien. Das reguläre Spiel endete trotz aller beiderseitigen Anstrengungen 1:1 und erst in der Verlängerung von zweimal zehn Minuten konnte die Tschechoslowake» einen Sieg mit 5:1 herausholen. Die Schweiz spielte mit Oe st erreich ebenfalls 1:1 trotz dreimal Zehn-Minutenverlängerung. Es wurde mit Punfteteilung gewertet und erst, wenn nach allen Spielen beide punktegleich sind, soll ein neuerliches Spiel die Entscheidung bringen. England schlug Frankreich 1:0 nach einem sehr langweiligem Spiel. Dagegen zeigte sichSchwedenim Kämpft mit Kanada von der besseren Seite und verlor bloß 2:5, jedoch hatte man den Eindruck, daß die Kanadier nicht in Form waren.— Das Trostr turnier, das gleichfalls am Dienstag begann, setzte mit einem 12:2-Sieg der Polen über Belgien ein und Deutschland brachte es zuwege, Holland 5:v zu schlagen. Bürgerliche Fußballvereine gegen Hitler. Wir die Blätter melden, haben über achtzig Fußball« flubs in Holland ihrem Verband einen Antrag zu- kommen lassen, in d«m gefordett wird, das propo« nierte Länderspiel gegen Deuffchland abzusagen. Dir holländische Berbandsleitung unterscheidet sich aber nicht von den der übrigen in Europa und lehnte diesen Anttag ab, weil er aus— politischen Motive« hervorgegangen sei. Hoffentlich verstehen es die Antragsteller, daraus die entsprechende Lehre zu ziehen! Geschäft geht vor Amateurismus! Diese Fest- stelllmg ist nichts Neues mehr im bürgerlichen Sport« bettieb, denn schon xmal wurde das angeprangert. Aber mit solcher Deutlichkeit noch von keinem bürgerlichen Sportverband, wie'das auf dem Davoser Kongreß der Eishockey-Internationale(LJHG) geschah. Ihr Vorsitzender, der Belgier Loicq, stellte fest, daß der Eishockey-Europacup eine Gefahr für den Amateurismus bilde, da bei dieser Konkurrenz das finanzielle Interesse a« erster Stelle stehe. Loicq warnte di« Verbäiwe v.'r e»ner Teilnahme.— Die gemeldete Gefahr und die Warnung werden aber trotzdem di« einzelnen interessierten Verbände nicht davon abhalten, es gerade doch zu tun— denn für den Amateurismus hat man schöne Wotte, aber das Geschäft ist wettvoller. Mag dabei auch das spottlich« Ideal zum Teufel gehen... M MMMlkl ill dkl» A WM Eine tragische Gerichtsverhandlung Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Hans oder bei Bezug durch die Post monatlich Xi 16.—, vietteljährig XL 48.—. halbjähttg XL 96.—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungssrankatur wurde von der Poft, und Tele- grapbendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VI1/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis" Druck-. Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag