1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH PRIM.■ Redaktion uno Verwaltung trag Ai., fochova a. Telefon svz. Administration telefon jw«, HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, FRAG. EhneWt 70IMIW (eintchließlich S Hella,(ofto) 15. Jahrgang Donnerstag, 24. Jänner 1935 Nr. 29 Neuer japanischer Vorstoß Peking.(Reuter.) Ein Armrrkontingent, bestehend aus 1000 japanischen Soldaten, 1000 angeblich mandschurischen Soldaten, einer Abteilung von Bombardiernngsflugzcugen, Panzer- automobilen«nd mehreren Batterien Frldartillerie unternahm einen Angriff ans chinesische Städte in der östlichen Provinz Tschahar, im Westteil der Provinz Kalgan und im Süden von Dolonor. Japanische Infanterie unternimmt gegenwärtig Angriffe auf die Linie der großen chinesische« Rauer bei Tuschihkou. Peiping.(Reuter). Der Sturm der japanischen Infanterie gegen die große chinesische Mauer bei Tuschihbau war «m 19 Ahr beendet. Bulgarisch-jugoslawische Freundschaft bleibt Belgrad.(Avala.) Der neue bulgarische Ministerpräsident Z l a t e w gab dem Sofioter Vertreter der jugoslawischen Presseagentur Avala Erklärungen ab, wobei, er u. a. ausführte: Ich betone, daß die neue Regierung die Politik der Annäherung mit dem brüderlichen Jugoslawien sortsetzen wird. Der bulgarische Außenminister Batolow be- tvnte in seiner Erklärung gegenüber einem Verirrter der Presseagentur Avala, daß der gestrige Regierungswechsel die bisherige Linie der bulgarischen Außenpolitik in keiner Weise stören wird. Einer ihrer Hauptgrundsätze ist, die Aufrecht- «rhaltung der Freundschaftsbeziehungen mit allen nahen und entfernten Staaten, in erster Linie mit den Nachbarn. Insbesondere mit Jugoslawien sind unsere Beziehungen herzlich und freundschaftlich. Verhaftungen In Bulgarien Sofia. Wie hier mit Bestimmtheit behauptet lvird, wurden heute die Führer der Protogerow- Anhänger Sandonow und Pop Todorow sowie etwa 20 bis 30 weitere Anhänger Protogerows verhaftet, was beweist, daß die neue Regierung nicht nur gegen die Anhänger Michajlows, sondern auch gegen die Protogerows vorzugehen beabsichtigt. Nach einem weiteren Führer der Protogerow- Anhänger, namens Trajkow, fahndet die Polizei. Der Führer der Kapitän-Liga, der Oberst der Reserve VeleLew, befindet sich in seinem Haus unter Polizeiaufticht. Höhere staatliche Würdenträger, die Anhänger Protogerows oder Angehörige des polittschen Zirkels„Zveno" sind, werben aus den Staatsdiensten entlassen. Neben an- beren ist auch der Kabinettschef des ehemaligen Ministerpräsidenten Georgien,, Karakulakow, zu- rückgetreten. Kollektivvertrag für 400.000 englische Eisenbahner . Streik vor Erschöpfung aller friedlichen Mittel verboten London. Die Abkommen,, die Dienstag abends von den Vertretern der vier großen Eisenbahngesellschaften und den drei führenden Gewerkschaftsorganisationen der Eisenbahnangestellten einstimmig angenommen wurden und die alle Fragen im Eisenbahnbetrieb lösen, werden als die wichtigste Kollektivregelung angesehen, diejeinGroßbri- tannien erzielt wurden. Sie umfaßt rund 400.000 Angestellte. Das Abkommen, das eine fast zweijährige Vorberei- tüng erforderte, verbietet u. a. den Streik, solange dicht alle anderen Möglichkeiten, die zu Einem Einvernehmen führen könnten, erschöpft sind. Im Rahmen der Uebereinkommen wird ein gesamtstaatlicher Rat bestellt werden, welchem die Vertreter der Gesellschaften und der Gewerkschaftsorganisationen angehören werden und der alle strittigen Fragen betreffend die Lohn- und Arbeitsverhäktnisie prüfen wird. Außerdem Wird ein Reichs-Schiedsgericht geschaffen werden, das aus einem unabhängigen Vorsitzenden und zwei unabhängigen Mitgliedern bestehen wird, die von den beiden Parteien ernannt werden. Dieses Schiedsgericht wird über Fragen entscheiden, in, denen sich der obgenannte Rat nicht einigen konnte.' Spannung in Belgien Sozialistisch-katholische Koalition In Sicht „Het Bolk" meldet ans Brüssel, daß der Vorstand der sozialdemokratischen Partei beschlossen hat, angesichts des gespannten Zustandes, der im ganzen Land herrscht, in Permanenz zu tagen. Er ist im ständigen Kontakt mit der Führung des Gewerkschastsverbandes. Starke Spannungen herrschen vor allem in d e B o r i n a g e, wo ein Bergarbeitersttetk droht. Die sozialisfishe Parlamentsftakfion fordert die baldige Einberufung des Parlaments, um die Regierung wegen wichtiger wirtschaftspolitischer Fragen(Folgen der Jnflationspolitik) z« interpellieren. Es herrscht der Eindruck, daß die Regierung, deren Bollmachtsperiode am 28. Feber endigt, nicht im Amte bleiben wird. Man spricht über ein« Regierungsumbildung durch die drei Parteien, also unter Einschluß der Sozialisten. Schon jetzt sind in der Gemeinde M a«- rage 1100 Bergarbeiter im Streik. Der Streik droht auf de B oina ge Lberzngreifen. Die sozialistischen Blätter veröffentlichten einen A«s-I Wien. Der Wiener Havas-Berichterstatter verzeichnet das Gerüchr, daß die deutsche Gesandtschaft in Wien am zweiten Tage nach der Saarabstimmung im Vestibül des Gesandtschaftsgebäu- des Li st en anflegte, in welche sich alle diejenigen rintrugen, die ihre Freudrüberdas Abstimmungsergebnis imSaar- gebiete bekunden wollten. Die Polizei schritt ein und gestattete den Znttitt zur Gesandtschaft nnr Personen, die sich mit einem reichsdeutschen Paß auswrisen konnten. Zum Schluß dieser Nachricht wird betont, daß dieserart in Wien die Zahl der dem Anschluß günstig gesinnten Personen festgestellt werden sollte.— Nach dem Eingreifen der Polizei hat Papen erklärt, die Gratulationslisten seien abgeschlossen. Mit der Meldung der von Papen begünffig- ten Demonstration der Nationalsozialisten in Wien, die auf eine neue Welle der Hakenkreuz- bewegnng in Oesterreich schließen läßt, berichtet die| ruf an die Arbeiter, in dem sie vor unbesonnene« Aktionen wamen, die die Kampfmaßnahmen der Arbeiterschaft gegen die Regierung kompromittieren könnten. Die Arbeiter werden anfgefordcrt, sich nnr nach den von Partei und Gewerkschaften gegebenen Weisungen zu richten. Bei dem Streik der Bergarbeiter, der leicht in einen allgemeinen ansatten kann, hanvelt es sich um eine Widerstandsakfion gegen die im Zuge der Deflationspolitik von der Regierung veranlaßte Herabsetzung der Löhne»nd Pensionen. Der AP-Pressedienst meldet, daß zwischen den Sozialdemokraten und den christlichen Demo- kraten bereits Verhandlungen über die Bildung einer Koalitionsregierung unter Hinznziehung des linken Flügels der Liberalen geführt werden. * Brüssel.(Havas.) Der Bergarbeiter-Reichsausschutz hat die Resolution, daß die sozialistischen Bergarbeiter am 4. Feber in den Ausstand treten solllen, einmütig angenommen. „Prager Presse" über die Aussagen, die ein in den letzten Tagen aus der österreichischen Legion in Bayern nach Wien zurückgekrhtter Nationalsozialist nach seiner Berhaftung vor dem Untersuchungsrichter gemacht hat. Er gab an, daß die österreichische Legion in Bayern, von der man nach den offiziellen Berichten auS Deutschland annahm, daß sie aufgelöst wurde, neuerdings auf den Stand von 800 Mann gebracht worden sei. Rach einem andern Bericht fand am 6. Jänner in Linz eine Besprechung vdn einigen in Deutschland tätigen Nattonalsozialisten statt, bei welcher über die Reorganisation der Nationalsozialistischen Pattei im Jnnviettel beraten wurde. Drei der nationalsozialistischen Führer wur^m einer Meldung des „Linzer Bolksblatt" zufolge verhafttt und gaben bei ihrer Einvernahme den Tatbestand ihrer Tätigkeit in Oesterreich zu. Nach der Saar muß Oe st erreich erobert werden! Das scheint die neue große Losung der Nationalsozialisten z« sein. Vom Liberalismus zum Fascismus In allen Ländern trift der Fascismus nicht nur„antimarxistisch", sondern nicht minder auch „a n t i l i b e r a l" auf. Das Geheimnis seiner Massenwirkung besteht zum guten Teil darin, daß er seinen Gegensatz zur sozialistischen Arbeiterbewegung in eine revoluftonäre Phraseologie kleidet; diese jedoch kann heute immer nur irgendwie„antikapitalistisch", das heißt aber aufs Ideologische übertragen„anftliberal" sein. Ist aber der Fascismus tatsächlich eine Ueberwindung des Liberalismus oder nicht vielmehr eine Uebertragung seiner Grundideen auf eine veränderte Situation der kapitalistischen Gesellschaft? Dies sei im folgenden untersucht. Oer Liberalismus Glück und Ende Die Grundideen des Liberalismus waren: Freie Konkurrenz in der Wirtschaft als Vorbedingung einer höchstmöglichen Entfaltung der Individualität jedes Menschen, der Produk- ftvftät der Gesamtwirtschast; Freihandel zwischen allen Staaten als sinngemäße Uebertragung der Konkurrenzfreiheft auf das internaftonale Gebiet, als Grundlage einer internaftonale« Arbeitsw». lung; Fernhallen des Staates von Eingriffen ins Wirtschaftsleben, die nur die„natürliche" Aus- lese der Konkurrenz stören(von Lassalle bekanntlich als„Nachtwächteridee" bezeichnet); Konkurrenzfreiheft auch auf nationalem und kulturellem Gebiet aus den gleichen Gründen. Jene liberalen Grundideen sind niemals Wirklichkeit geworden. Es ist wichtig, dies gegenüber jenen Verftetern des Liberalismus sestzu- hallen, die die Dinge so darstellen, als ob erst durch den Einfluß der Arbeiterbewe- g u n g(Gewerkschaften, Sozialpolitik) die Konkurrenzfreiheit zerstört worden wäre. In Wirk- lichkeit hat keiner der Staaten, die nach England zum Kapitalismus übergingen, jemals mehr liberale Wirtschaftspolitik gemacht; jedes neue Land kapitalisfischer Wirtschaftsformen machte immer neue Formen der staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft zugunsten ihrer nationalen Sonderinteressen ausfindig. Vollends hat der Weltkrieg die Grundlagen einer freien Konkurrenz im internationalen Maßstab zerstört und ein Zellaller schleichender und akuter Dauerkrisen eingelellet, das selbst den unentwegtesten An- Hänger des Kapllalismus stutzig machen mußte. Oie feindlichen Brüder In dem Unterschied zwischen altem und neuem Kapitalismus liegt der Schlüssel sowohl zum Gegensätzlichen als auch zum Gemeinsamen zwischen Liberalismus und Fascismus. Das Ge- gensätzliche drückt inl Grunde nur den Unterschied eines Kapitalismus der Staatskrücken aus; der Fascismus haßt die Liberalen von heute wie die Pest, weil sie t h e o r e t i s ch immer noch an Konkurrenzfveihell, internationaler Arbeitstei- lung und analog(wenn auch ost genug verfälscht) an nationaler und kultureller Freizügigkell festhalten, obgleich sie praktisch längst schon Subventionswirtschast, Zollpolitik und „autoritäre" Ideen, wenigstens gegenüber dem Sozialismus, mllmachen. Und hier kommen wir auf das G e m e infam e der beiden Strömungen. Es besteht darin, daß beide eine hundertprozentige Jnteressenpolitik des Kapitalismus machen, bloß geschieden nach seinen geschichtlichen Phasen. In der Zell eines jungen, aufsftebenden Kapllalismus mit noch riesenhaften Ausbreitungsmöglichkellen waren die liberalen Grundsätze ohne Zweifel diejenigen, die seinen Bedürfnissen am besten entsprachen. Heute, da der europäische Kapitalismus I in aller Welt auf junge und sehr ost überlegene Konkurrenten stößt, durch die chronische Wirt- schastskrise in jedem Lande zu selbstsüchtiger Aonderpolitik auf kürzeste Sicht getrieben wird. Bund der Landwirte und Wieder einmal eine Abgrenzung! Henlein-Front Eine parteiamtliche Mitteilung über eine Sitzung der Reichsparteiverftetung des Bundes der Landwirte besagt nicht mehr, als daß Minister Spina ei» zweieinhalbstüudiges Referat erstattete, das einmütig gebilligt wurde,— daß der bisherige erste Partrivorsitzende Peterle znm Ehrenvorsitzende» ernannt wurde, und daß dem Ehrenpräsidenten Krepek znr Vollendung des 85. Lebensjahres Glück gewünscht wurde. Biel interessanter ist eine Meldung des„Prager Tagblattes" über eine Besprechung Spinas«nd Zierhuts mll Henlein, deren Ziel eine genaue Abgrenzung der Tätigkeit beider Parteien war. Die Landbundjngend hatte nämlich mllgeteilt, daß die Henlein-Front entgegen ausdrückliche» Vereinbarungen auch in den ländlichen Bezirken organisiere«nd vor allem unter der Landbnndjngend werbe. Henlein soll— nach dem„Prager Tagblatt"— erklärt haben, daß diese Agitation ohne sein Wisse« und gegen seine Weisung erfolgte und daß er dafür sorgen werde, daß sich die Heimatfront ausschließlich auf Arbeiter-«nd Biirgerkreisc beschränke. Wir wissen natürlich nicht z» sage», wie weit Glaube und Berftauen der Landbnndfiih- rer reichen. Daß Henlein zu jeder ftenudschaftlichen Erklärung und Arbeststeilung zunächst bereit ist, ist ohne weiteres anznnehme». Er dürste da ganz nach dem Beispiel seines großen rrichsdentschen Borbildes handeln. In Deutschland wisse« Konservative, Dentschnationalr, Zeuftnmslente bereits, was gewisse Bereinbarungeu und Erklärungen wert waren. Der„Bund der Landwirte" will mll eigene» Listen, ohne Berbindnng mit den Hen lein-Lenten, in die Wahl gehen und nnr geneigt sein, die Gewerbepartei unter seine Fittiche zu nehmen. Vielleicht erlebt er Nebrrraschnngcn, die mit den Bereinbarnngcn, dic nun zum zwellen Male mll Henlein getroffen wurde«, in einem gewissen Widerspruche stehen. Vor einer neuen Offensive der Nationalsozialisten in Oesterreich? Der letzte Ritt des Herrenreiters Sette S Donner-tag» 24. Jänner 1938 Nr. 20 Gehört Danzig zu Deutschland? Danzigs politische Gefangene werden Ins Reich verschickt Danzig.(PD.) Während in Genf über die Einhaltung des Danziger Verfassungsstatut» der* handelt und von dem Senatspräsidenten Greiser zugesichert wurde, daß die vom Völkerbund garantierte Verfassung eingehalten würde, haben sich in Danzig selbst bedeutsame Vorgänge abgespielt, die das Staatsproblem Danzig grundlegend berühren. Der(ehrenamtlich fungierende) verantwortliche Redakteur der katholischen Danziger Volkszeitung, Stadtverordneter W a w e r, wurde nach mehrtägiger Polizeihaft vom Schnellrichter zu 300 Gulden Strafe verurteilt, weil er durch die Publikation eines Artikels über die Vermittlung von Arbeitskräften nach Deutschland fahrlässig gehandelt habe. Eben diese Verschickungen und, wa» noch schwerer wiegt, die Verschickung Danziger Strafgefangener in reichsdeutsche Gefängnisse, bedeuten die faktische Aushebung der Danziger Sonderstellung als Republik im Zollverband mit Polen. Die Verschickung der Arbeitslosen zur reichsdeutschen„Landhilfe" oder in Arbeitslager geschieht(dies hat der Prozeß Wawer ziem, lich unzweideutig ergeben) keineswegs freiwillig. Der Arbeitsamtsleiter gab zu, daß den jugendlichen Erwerbslosen— er nannte sie in seiner Aussage nur„die Jungens"— die Stempelkarte abgenommen wird, damit sie„am nächsten Tage nicht die Rücksprache über die Landhilfeverschickung abstreiten". Wäre diese Verschickung wirklich freiwillig, so würden solche Vorsichtsmaßnahmen wohl kaum notwendig sein. Da in der Welt niemand etwas ohne Grund verschenkt, auch das Dritte Reich nicht, so kann überdies die Aufnahme Danziger Erwerbsloser in solchen Stellen deS Reiches nur den Zweck haben, die Jugendlichen DanzigS der reichsdeutschen nationalsozialistischen Jugenderziehung zu unterwerfen, d. h. die Rückgliederung DanzigS an Deutschland psychologisch vorzubereiten. Noch gravierender ist die Ueberweisung von Strafgefangenen an reichsdeutsche Strafanstalten. SS dürste kaum irgendwo in Europa oder auch in anderen Kontinenten einen Staat geben, der seine Gefängnisinsassen einem Nachbarstaat zur Strafverschickung zuschickt, noch etwa einen Staat, der eine solche, keineswegs angenehme Aufgabe, ohne weiteres übernimmt. Nur wenn Deutschland ernsthaft mit der Reannexion des Danziger Freistaat» rechnet, ist ein derartiges Entgegenkommen erklärbar und verständlich. Die ganz besondere Aufmerksamkeit der europäischen Oeffentlichkeit wird es Wohl erregen, daß sich unter den an Deutschland abgegebenen Gefangenen auch politische Gefangene befanden. Für sie bedeutet diese Ueberweisung eine ganz erhebliche Strafverschärfung und das Aufhören jeglicher, in Danzig immerhin noch ge- gebenen, verfassungsrechtlichen Garantie über Dauer und Art des Strafvollzugs. Sie können beispielsweise nach Beendigung der gerichtlichen Strafe in ein reichsdeutsches Konzentrationslager abgeschoben werden, ohne daß ihre Angehörigen das mindeste für sie unternehmen können; und das, obwohl es auf Danziger Boden keine Konzentrationslager gibt. entspricht dem— wirklichen oder vermeintlichen — kapitalistischen Interesse weit stärker ein Re- gime, daS die Absperrungspolitik ohne traditionelle Hemmungen durchführt und mit einer allgemeinen nationalistischen Ideologie den breiten Massen schmackhaft macht, jene staatliche Kontrolle und„Sozialisierung der Defizite", ohne die der Kapitalismus nicht mehr existieren kann, unter gewaltsamer Ausschaltung jeder parlamentarischen Ueber- wachung, hemmender sozialpolstischer Einrichtungen und bockbeiniger Arbeiterorganisationen durchführt und so zumindest das kapitalistische Privateigentum rettet— noch dazu gestützt auf eine Massenbewegung, der dies alles in„soziali- stischer" oder„ständischer" Verhüllung präsentiert wird. DaS Ziel also ist beiden, Liberalismus und FascismuS, gleich. Nur die Mittel sind verschieden, genau ebenso verschieden wie die g e- fchichtlichen Situationen der beiden Geistesrichtungen. Daher ihr merkwürdiges Ver- hältnis: Der Fascismus kann den Liberalen nicht verzeihen, daß sie den Kapitalismus mit längst überholten Methoden und noch dazu unter offenem Bekenntnis zu seinem System retten wollen; dennoch übernimmt er vom Liberalismus die Verherrlichung der„Privattnittattve", die Feindschaft gegen jede freie Arbeiterorganisatton, die Vorstellung, daß die Kapitalistenklasse(siehe z. B. „Führer" und„Gefolgschaft" in der Deutschen Arbeitsfront!) die entscheidende in der Gesell- schast sein müsse. Und analog sehen die Liberalen über- all mit scheelen Augen den jüngeren und akttve- ren Nebenbuhler an, der ihnen die besten Ideen wegschnappt, breite Massen fanatisiert und noch dazu den Liberalismus auf Schritt und Tritt beschimpft— aber sie können ihm ihre Hochachtung dafür nicht versagen, daß er die sozialisttsche Bewegung auSzurotten unternimmt, das kapitalistische Privateigentum rettet und die Kapitalistenklasse zur führenden in der Gesellschaft macht. Freilich nur noch um den Preis, daß an die Stelle der unmittelbaren Herrschaft dieser Klasse jetzt eine Arbeitsteilung eintritt: In der Wirtschaft staatSkapttalisttsche Dittatur, in der Politik und im Kulturleben ein unbeschranktes Wirkungsgebiet einer Spezialorganisation uni- formierter Landsknechte. Der Ausgang des Liberalismus Diese Erwägungen zeigen uns zunächst, weshalb ausnahmslos in allen Ländern der Liberalismus während der NachkriegSzett in unaufhaltsamem, nur selten unterbrochenem Rück- gang ist, von England bis zur Schweiz und von Belgien bis Schweden, um nur von demokratischen Ländern zu reden. Mit dem ökonomischen Zeitalter des Liberalismus geht eben auch daS politische zu Ende und die Gemeinsamkeit deS Ziele-, die ihn mtt dem Fascismus verbindet, er- klärt uns auch zum guten Teil, weshalb gerade die ehemals liberalen Schichten die besten Kader für den Fascismus abgeben, weit mehr als die konservativen, die ihm doch scheinbar ideologisch weit näher stehen sollten. Der FasciS- muS ist eben dergeistigeErbedes Liberalismus, die Fortsetzung der nackten kapitalistischen Jnteressenpolitik mit anderen Mitteln. Sowjetrussische Budgetziffern Moskau.(Taß.) In der Budgetkommission des Zentralexekutivkomitees bezeichnete der Bolks- tommissär für Finanzen G r i n k o die Ergebnisse der Staatswirtschaft im Jahre 1934 als vollauf befriedigend. Gegenüber den im Budget mit 47.3 Milliarden Rubel veranschlagten Einnahmen wurden de facto 49.7 Milliarden an Einnahmen erzielt. Die Ausgaben waren mit 45.8 Milliarden prälimtniert, erreichten aber in Wirklichkeit 46.9 Milliarden Rubel. Nach diesen vorläufigen Berechnungen schließt also das Budget für 1934 mit einem Ueberschuß von 2.8 MMarden Rubel. Der Volkskommissar Grinko unterzog die einzelnen Posten einer eingehenden Analyse und erklärte daS Steigen der Einnahmen aus dem erhöhten Ertragender Umsatzsteuer als Folge deS gesteigettettWareNuiNsatzes. Er teilte weiters mit, daß die Sowjetunion für das Jahr 1935 die Budgeteinnahmen mit 65.7 Milliarden Rubel und die Ausgaben mit 65.2 Milliarden Rubel präliminiert hat. Sofioter Pollzeldlrektor nimmt seinen Abschied Sofia. Der Sofioter Polizeidirektor N a- c e w hat um Entlassung von seinem Amte nachgesucht. Die Sofioter Presse führt als seinen Nachfolger den Befehlshaber der Sofioter Garnison, Oberst T a n o w s k i, an. Abrüstungsausschüsse kür den 15. Feber einberufen Genf. Der Vorsitzende der Abrüstungskonferenz Henderson wird die Ausschüsse d.'r Konferenz, die mit der Ueberprüfung der Waffenerzeugung und deS Waffenhandels sowie mit der Ausarbeitung der Texte betraut wurden, und auch den ständigen Abrüstungsausschuß, für den 15. Feber einberufen. Diese Einberufung erfolgt unabhängig von den Ergebnissen der diplomatischen Verhandlungen, die zu Ende des lausenden Monates stattfinden werden. China soll lapanfelndllche Propaganda unterdrücken Tokio. Bon amtlichen Stellen wird verlautbart, daß der japanische Generalkonsul in Nanking in einer Unterredung mit dem chinesischen Außen- ministK MfmrffHmwejs am 21. Jänner bekanntgab, baß Japan bereit sei, dieZusammen- arbeit mit China zu erweitern, fall» China, wie bereits angekündigt,„auftichtige Bereitschaft" zu dieser Zusammenarbeit mit Japan zwecks Erhaltung des Friedens in Ostasien bei Wahrung der internationalen Verbindlichkeiten kundgeben wird. Gleichzeitig machte der Generalkonsul den chinesischen Außenminister auf di« antijapanische Agitation in einigen chinesischen Orten, namentlich in Hankau, Tschentschou und Fukien, aufmerksam und verlangte gleichzeitig, daß die chinesischen Behörden eine solche Agitation mit geeigneten Mitteln unterdrücken, da unter derselben die künftige Zusammenarbeit der beiden Staaten leiden müßte. ver mexikanische„Olrtreik“ Mexiko. Obwohl bereits Schiedsverhandluna gen im Gange sind, nimmt der mexikanische Oel- streik immer schärfere Formen an. Die Streikenden wollen die Arbeit keineswegs eher aufnehmen, bis ein Schiedsspruch vorliegt, der jedoch auch nur unverbindlich sein würde, so daß die Arbeiter oder die Gesellschaft„Mexikanischer Adler" ihn ablehnen können. DaS würde naturgemäß neu« Schwierigkeiten Hervorrufen. Mittwoch trat auch die Arbeiterschaft der einzigen bisher noch nicht vom Stress betroffene» Gesellschaft„California Standard Oil Company" kn einen Sympathiestreik. Die Benzinknappheit wird immer größer, obwohl die Regierung zollfteie Einfuhr aus dem Auslande gestattet hat und bereits rund 350.000 Liter eingeführt worden find, die unter Kontrolle der Regierung verkauft wurden. Zahlreiche Kraftwagen sind wegen des Benzinmangels außer Betrieb gesetzt worden, und vor den wenigen noch arbeitenden Tankstellen stehen lange Wagenschlangen. Auch in Tampico begann am Mittwoch der von der dortigen Arbeitskammer angeietzte General st reik, an den voraussichtlich 20.000 Personen aus allen Berufen teilnehmea werden. Di« Ursache hierfür liegt in einem Streit zwischen Krccktwagenführern und Fuhrwerkern, di« verschiedentlich Autobusse in Verkehr gestellt batten. Trotz dem Eingreifen des Präsidenten hat sich der Konflikt so weit verschärft, daß die Arbeitskammer den Generalstreik ausrief. Insgesamt stehen 46 Gewerkschaften unter dem Generalstreik. Da auch die ElektrizitatSarbeiter streiken. Wird Tampico völlig stromlos fein. Geheimer Fasdstenrat In Berlin? Berlin.(AP.) In Regierungskreisen wird an die Errichtung eines Senats, ein« Art nationalsozialistisches Oberhaus, gedacht, das sich aus 61 Mitgliedern zusammensehen soll und dessen Verhandlungen itreng geheim sein sollen. MS Tagungsort ist das Braune Haus in Aussicht genommen. Maßgebend soll auch hier das Prinzip der Ernennung sein. Die Pläne befinden sich aber erst in einem vorbereitenden Stadium. Die WelBenberg-Sekte Berlin. Wie der amtliche preußische Pressedienst mitteilt, hat daS Geheime StaatSpolizeiamt die„Weißenberg-Sekte"(auch„Evangelisch» johannische Kirche nach der Offenbarung Skt, Johannes" genannt) einschließlich ihrer Untergliederungen und deS Kriegervereines„Ewige» Leben" für daS Gebiet des Freistaates Preuße» aufgelöst Und'verboten/ Das Verbot ist erfolgt, weil die„Weißenberg-Sette" unter dem Deckmantel religiöser Be- tättgung spiritistische Sitzungen abhält, in denen unter Verwendung von Medien di« Geister große« Männer und Nationalhelden zittert werden, um so für die Sette und den„Meister Josef Weißenberg" Propaganda zu machen, und darüber hinaus versucht, die Verdienste der heutigen Regierung für sich in Anspruch zu nehmen. Nicht mit Unrecht! Denn die Weißenberg- Sette, deren Führer durch Auflegen weißen Käse» alle Krankheiten„heilte", hat im Verein mit vielen anderen Sekten jene Atmosphäre deS Wunderund Führer-Glaubens mitgeformt, in der de« HitleriSmuS so gut gedeihen konnte. Copyright by Pressedienst>. Prager-Verlag. Wies Einmal räumte Nastja sein Arbeitszimmer üüf. Sie berührte die Gegenstände mit den scheuen Händen eines Menschen, dem alle Kunst fremd ist. Er forderte sie auf, sich zu setzen. Sie gehorchte wie immer und ftagte nach der Bedeutung der einzelnen Bildwerke. ES war seinem Künstlerherzen, daS schon lange zu schlagen aufgehört hatte, unangenehm, über diese Dinge zu sprechen. Sie zeigte mit ihren sonnverbrannten Fingern dahin und dorthin und Felicien dacht« daran, daß er eigentlich schon lange keine Mädchenhand gestreichelt hatte. Und so küßte er Nastjas Handflächen. Sie seufzte verwundert auf; ein sonderbares Gefühl beschlich sie. Die Briefe ihres Liebsten waren unvergessen. Aber es wäre schrecklich gewesen, das Gut der Girauds zu verlassen, den Familientisch Felicien hob seinen Kopf von ihren Handflächen; man konnte in seinen Augen lesen: jetzt werde er sich dürstend an ihre Lippen heften. Nastja fühlte Mitleid mtt ihm, ein sonderbares Mitleid mit dieser wunderlichen und verschüchterten Seele. Sie war ihm dankbar, weil er sie zu seinen Spaziergängen mitgenommen und mit seinem Verttauen beehrt hatte. Sie wehrte sich nicht. Sie wurde freudlos und widerspruchslos seine Geliebte. Abends verbrannte sie schamerfüllt die süßen Worte ihres Liebsten. Der war vielleicht— nein, er war sicherlich tot. Wer der Vergangenheit lebt, beleidigt die Gegenwart Sie nahm sich vor, vernünftig zu sein. Felicien ging ihr im Atelier auf Schritt und Tritt nach. Er erlaubte nicht mehr, daß sie aufräume. Er fühtte sich seü dem Siege über ihre Schwäche kräftiger. Abends wanderten sie durch das Dorf. Die Nacht leuchtete wie Silber. Der Mond war im Abnehmen und über dem hohen Grase tanzten die Mücken. Felicien erinnerte sich eines Gedichtes: „Vom Monde fielen tausend grüne Funken..." Das hatte Babiola geschrieben. Den zweiten Vers flüsterte er, als fürchte er, jemand horche. «Nastja", fragte er dann,„könntest du glücklich sein?" Sie dachte an alles, was ihr genommen und durch die Fremde ersetzt worden war, an ihr Heimatland, an das klingende Traben der Pferde, an ihre Muttersprache, die sie jetzt so selten hörte, an den teuren Toten, der durch diesen braven, fremden, lebenden Menschen ersetzt werden sollte und in ihre Augen traten ttockene Tränen. Felicien fragte nochmals: „Könntest du glücklich sein?" „Ich könnte eS", sagte sie und fügte im Geiste dazu: wenn ich es könnte... Ihre Schatten verschmolzen: er umarmte sie. Und Felicien dachte: ich könnte auch glücklich sein, wenn— ja wenn— nie mal/ eine Babiola gewesen wäre. •.* Nastja begann sich heimisch zu fühlen. Frau Giraud schrie wohl hie und da ohne jeden Grund mit ihr. Wahrscheinlich ertrug sie eS nicht, daß Felicien jetzt den lieben langen Tag in der Nähe der Russin verweilte. Der alte Giraud ahnte, was er nicht wissen wollte und wurde noch schweigsamer. Er setzte sich erst zu Tisch, wenn die stille Nastja bereits Platz genommen hätte. Felicien war ihm dafür dankbar. Noch mehr aber dafür, daß er nicht mehr von Paris sprach. Im Dorfe sind die Schicksale lleiner und einfacher. In der kleinen Kirche erteilte ein lleinerer Gott den Segen, als in dem mächtigen Dome von Notre Dame. Nastja war lleiner als Babiola. Felicien könne seine Sehnsucht nach Babiola nicht los werden. Er lief in die Felder, um das Grauen seiner Schwäche in Einsamkeit zu bekämpfen. Einmal stellte ihm Nastja nach. Sie mußte lange auf ihn warten. Sie stand auf dem Rain und eine unsagbare Angst prägte sich in ihrem Gesichte aus. Sie war blaß und verstört, wie damals, als man ihren Vater gemordet hatte. Felicien kam, ftoher gestimmt als sonst. „Felicien, wo warst du?" „In den Feldern. Ist das Mittagessen schon fertig?" „Ich weiß es nicht. Ich bin dir entgegengegangen." Er faßte sie bei der Hand und wollte mtt ihr gehen, Hand in Hand, wie sie immer gingen. „Ich muß dir etwas sagen." Er erschrak. Er hatte vor allem Neuen Angst. Nastja sah jämmerlich aus. „Mach mit mir, was du willst. Ich verspreche dir alles zu tun, was du für gut findest. Ich werde zum Arzt in die Stadt fahren— wenn du es so willst— ich werde aus deinem Leben verschwinden— ich werde aus der Welt verschwinden— ganz wie du willst—" Er begriff. Nastja war sehr blaß. Ein Weilchen stand er ratlos da. Seine ganze Schwäche kam ihm zum Bewußtsein. Er nahm sich vor, diesmal stark zu sein. „Gut, Nastja. Ich habe nie daran gedacht, aber wenn du sagst, daß wir daran denken müssen, dann quäle dich nicht weiter. Das Gut ist groß. Es kann viele erhalten..." Nastja fühlte die Erleichterung mit der Ergebenheit ihres dankbaren Körpers, der sich nun nicht töten mußte. Sie faßten einander bei den Händen und gingen dahin wie Kinder, die für allzulanges Spielen bestraft werden sollten. FelicienS Schritte nahmen unbewußt an Kraft und Ernst zu. „Nastja, gib acht, hier ist ein Stein—" „Danke", sagte sie dankbar. „Wir wollen noch nicht heimgehen." Sie gingen ans Ende des Dorfes, dort waren zwei Teiche, deren Wasser wie Opale schim- mertcn. Ringsum dehnten sich die Felder, die alle zum Gute Giraud gehörten und bis an den Horizont reichten. Felicien jauchzte laut heraus, um sich von der Ueberfülle der in ihm wachsenden Kräfte zu befreien. Nastja lächeüe wie di« Morgensonne. Sie setzten sich dicht ans Ufer. DaS Spiegelbild ihrer Köpfe schaukelte im Wasser. „Nastja, das wird lustig sein! Wir bekommen ein Kind!" Die Glocken der Kirche läuteten; eS klang, als kämen diese Töne geradewegs vom Himmel. Nastja dachte:„Jetzt weiß ich, warum ich leiden mußte— um glücklich zu werden." Das Tor des Gutes erschien ihnen wie die Tür in eine andere Welt. Nastja blieb einen Augenblick stehen und Felicien erriet sofort, wa» sie dachte. „Mütterchen, komm. Hab keine Angst." Deutlich war der Vermittler ihrer beiden Seelen fühlbar. Bei Tisch aß er ernst, aber nicht ttaurig wie sonst. Frau Giraud, die sich das Recht, die Supp« auszuteilen, nicht nehmen ließ, tat dies heute mit ahnungsvoll zitternder Hand. Ihr schien, daß daS einizige Gefühl, das sie ihrem Sohne gestattet hatte, durch ein stärkeres bedroht war. Nach Tisch ging Felicien in sein Zimmer. Er hatte den Wunsch, sich die Taten des Pariser Felicien anzusehen. Das erstemal stand er ohne Unruhe und Selbstvorwürfen vor seinen Figuren. „Steine", dachte er, vollständig von der Vorstellung seines Kindes erfüllt. Eines KindeS, daS lebend und warm war und ihn lauter ansprechen wird als alle Kritss.(Fortsetzung folgt.). Nr. SO Seite 3 Tschechischer Hochschulprofessor gegen die nationalistische Entstellung der Insignienfrage Im„Mitteilungsblatt des Tschechischen Zen» tralvereines der Hochschullehrer mit dem Sitz in Prag"(VSstnik Ceskeho üstredniho spolku uüitelü vysokoskolskych se sidlem v Praze) befaßt sich der Professor für römisches Recht an der juridischen Fakultät der Prager tschechischen Universität, Dr. Otakar Sommer, mit den Prager Jnsignienkrawallen. In objektiver Weise schildert er die Vorgeschichte der Vorgänge und stellt fest, daß ein Teil der tschechischen Presse in vollkommen unrichtiger Weise referierte und den Anschein erweckte, daß das tschechische Karolinum von dm deutschen Studenten besetzt wurde, welche den tschechischen Hörern den Zutritt in ihr Gebäude verwehrten. Als richtig wird die Meldung der „Prager Presse" bezeichnet, wonach tschechische Studenten sich vor dem Eingang zur, deutschen Rechtsfakultät versammelten und einzudringrn versuchten. Wörtlich heißt es in dem Artikel Prof. Sommers: „AuS allen Nachrichten geht hervor, daß es zum ersten Zusammenstoß vor der. deutschen Fakultät kam, die sich allerdings im Karolinum befindet, aber in jenem Teil, welcher der deutschen Universität für diese Zeit durch das Universitätsgesetz v. I. 1920 selbst gesichert wurde. Weshalb die deutschen Studenten dieses Gebäude besetzten, in welchem sich die Insignien gar nicht befanden, und weshalb die tschechischen Studenten versuchten, hier auf deutschem akademischen Boden einzudringen, würde einer Aufklärung bedürfen.— Erst dann kam es zu der Versammlung auf dem Hof des tschechischen Teiles des KarolinumS, unter Leitung akademischer Funktionäre der Karls- Universität. Als hier gemeldet wurde, daß der Eingang zum Haufe Nr. 7 auf dem Obstmarkt, in dem sich das Rektorat der deutschen Universität befindet und wo die Insignien aufbewahrt waren, verschlossen ist, kam es zur Belagerung dieses Hauses, welches freilich nicht zum Karolinum gehörte, so daß nicht das Karolinum besetzt und erobert wurde, sondern das sogenannte Bouquoi-Haus." „Pcävo Lidu" bemerkt zu den Ausführungen Sommers, daß damit auch der letzte Stüchpunkt der tschechischen Nationalisten gefallen ist. Nachdem der Widerstand, der auS der ruhig und vernünftig gebliebenen tschechischen Bevölkerung selbst gekommen war, sie noch während der Krawalle gezwungen hätte, die Ausschreitungen auf den Prager Straßen auf„nichtstudentische" Elemente abzuwälzen, bricht jetzt auch das Argument zusammen, daß daS Karolinum gegen die deutschen Studenten geschützt werden mußte. Sommers juristisch fundierte Darlegungen zerreißen vor allem den Nimbus des Akademikers Domin, der alle Exzesse der Studenten gebilligt und zum Großteil hervorgerufen hat, und sie setzen das Treiben der chauvinistischen Presse ins rechte Licht. Unberührt bleibt von seinen Worten die Kritik, welche an den deutschen Hochschulbehörden und der deutschen Studentenschaft geübt werden muß, die eS zuwege brachten, noch Oel ins nationalistische Feuer zu gießen. Professor Sommers Eintreten für die Wahrheit, wird nicht die Billigung des Prorektors Domin finden, sie wird aber dem tschechischen Volt wehr Achtung gewinnen, als da» hysterische Geschrei der„Retter" und„Einiger" der Ratton. Nur die Wegräumung der Unwahrheit kann den Weg verbreitern helfen, den Deutsche und Tschechen gemeinsam gehen müssen, wenn sie nicht wieder gutzumachenden Schaden erleiden sollen. Berlin. Auf der.Führerkundgebung" des »Reichsstandes des deutschen Handwerks" hielt Reichsbankpräsident Dr. Schacht eine Ansprache in der er ausführte, daß durch«ine Verordnung der Reichsregierung der»groß« Befähigungsnachweis" für das Handwerk eingeführt wird. Di« selbständige Ausübung des Handwerks wird von der Ablegung der Meisterprüfung abhängig gemacht. Berlin. Die BerlagSleitung.Der Deutsche" gibt bekannt, daß daS Blatt am 81. Jänner sein Erscheinen einstellen wird. Athen.(Reuter.) Wie verlautet, ist über dir Insel KalymnoS im Dodekanes der Belagerungszustand verhängt worden, da unter der Bevölkerung«in Aufstand ausgebrochen sein soll. Ein ftalienischcS Kriegsschiff ist nach der Insel unterwegs. Madrid.(HavaS.) Der spanische Justizminister hat dem Vorsitzenden deS Parlaments die Dokumente betreffend den Waffenschmuggel überreicht. Da die Verantwortung hiefür wahrscheinlich auf einig« Mitglieder der früheren Regierung fällt, wird di« radikale Partei die Einsetzung einer Unter» suchungSkommiffion für dies« Angelegenheit fordern. Tallin.(HavaS.) Bei einem Kongreß der Vertreter der Selbswerwaltungskörper sprach der« st- ländische Präsident PaetS über daS Regierungsprogramm und kündigte die Absicht der Regierung an, eine estländische verfassungsgebend« Nationalversammlung «iuzuberufen. Donnerstag, 84. Jänner 1933 fudetendeutsdjen Positive Arbeit der Sozialdemokratie ÄSSSLJEU"? Bezirke und der Gewerkschaften und sebastiansberg Um die Beschäftigung im Wildstelner Tongebiet Verhinderte Massenentlassungen In Neudek An zwei Beispielen kann heute nachgewiesen werden, in welch intensiver Weise unsere Partei und unsere Gewerkschaften sich für den Arbeitsplatz des sudetendeutschen Arbeiters einsetzen. Der eine Fall betrifft Wildstein, der andere R e u d e k, beide in Westböbmen. Wir haben vor einigen Tagen darüber berichtet, daß die Drosselung der Ausfuhr des Wildsteiner Tons um 66 Prozent gegenüber der Ausfuhr im Jahre 1934 bei ungezählten Familien des dortigen Gebietes die größte Sorge hervorgerufen hat. Um diese furchtbare Gefahr abzuwenden, hat sich eine Deputatton von Tonarbeitern in Begleitung des Bürgermeisters Baumgarten von Wildstein, des Genossen Ernst H ü t t l vom Glas- und Keramarbeiter- verband und der Abgeordneten Genossin B T a t* n h, Freitag, den 18. Jänner, nach Prag begeben. Durch Vermittlung des Genossen Dr. Czech wurden der Deputation alle Wege freigemacht. Borgesprochen wurde im Außenministerium, im Handelsministerium, im Fürsorgeministerium, im Arbeitsministerium und in der Nationalbank. An allen Stellen wurde darauf hingewiesen, daß die Gefahr der Entlassung von 600 bis 700 Arbeitern drohe und daß dann von den bei der Tongewinnung beschäftigten 2000 Arbeitern nur noch zehn Prozent beschäftigt wären. Dazu kommt die weitere Gefahr, daß Deutschland nach Ersatzton suchen würde und die Abnehmer in Deutschland für immer verloren wären. Falls eS nicht möglich wäre, das Ausfuhrkontingent in der Höhe des Jahres 1934 zu erhalten, würde der Bevölkerung von Wüdstein der Hunger drohen. Die Ausführungen der betreffenden Deputatton sind auf die betreffenden Regierungsstellen nicht ohne Eindruck geblieben. Es wurde zugesagt, bei den nächsten Verhandlungen mit Deutschland, die Ende dieses Monats stattfinden werden, sich ernsthaft dafür einzusetzen, um einen größeren Export an Ton nach Deutschland zu erreichen. Die Deputatton verließ Prag mit dem Eindruck, daß die Regierungsstellen volles Verständnis für die Bedürfnisse der Wildsteiner Bevölkerung zeigen. Hoffentlich wird die Intervention auch den gewünschten Erfolg bringen, um die Wildsteiner Bevölkerung vor der größten Gefahr zu retten. Eine bedrohliche Eituatton war auch in den letzten Tagen in Neudek vorhanden, da die Gefahr der Entlassung von 2000 Beschäftigten in der dortigen Spinnerei bestand. Hier ist es insofern zu einer Entspannung gekommen, als es durch die nachdrücklichen Borsprachen der Vertreter der sozialdemokratischen Partei, der Union der Textllarbeiter, deS Betriebsausschusses und der Firma gelungen ist, eine außertourliche Erhöhung des in diesem Betrieb für die Ausfuhr nach Deutschland eingeräumten Kammgarnkontin» gcntes zu erreichen. Diese Interventionen fanden unter Führung des Abgeordneten Anton Roscher und Eugen de Witte statt, und zwar bei der Nationalbank, beim Außenministerium, beim Fürsorgeministerium und beim Ministerpräsidium. Auf Grund dieser Borsprachen wurde der Firma eine einmalige Bewilligung außerhalb des ihr zugeteilten Kontingentes für die Ausfuhr von Kammgarnen nach Deutschland im Betrage von drei Millionen XL gewährt. DaS bedeutet eine vorübergehende Erleichterung für die Neudeker Arbeiter, die dauernde Auftechterhaltung der Erzeugung im bisherigen Umfang hängt aber davon ab, ob es der Firma gelingen wird, von der Kammgarnspinnervereinigung einen größeren Anteil am gesamten Ausfuhrkontingent zu erreichen und andere Märtte zu gewinnen. In beiden Fällen hat es sich gezeigt, daß sowohl unsere Partei, als auch unsere Gewerkschaften tatkräftig eingreifen, um die Lebensinteressen der sudetendeutschen Arbetter zu vertreten. Made In Germany Der bekannt günstige Wind weht uns ein Schriftstück auf den Schreibttsch, daS seinen Inhalt und seiner Tendenz nach in keinem anderen Land der Welt hätte geboren werden können, als in Deutschland Hitlers. Man lese: Auskunftei Deutscher Induftrieschut Berlin BW»8 «alinowski u. Co. 12. AÜNN« 1835. Bank-Konto: Dresdner Baak, Dedositenkasse 80, Rbeialttatze 2—3. Posischeck-Konto: Berlin Nr 12072«. Kernwrecher: A7 DSnboff S94tz Delegr.-Adr.: SchubauSlunft Berlin Abt.: Sozial. Streng vertraulich. Herr Fabriksbefitzer, Herr Direktor I Wenn Sie in Ihrem Betrieb vor Erschütterungen bewahren wollen, dann schenken Sie den Vorgängen, die sich in Ihrem Betriebe hinter den Kulissen abspielen. Ihre erhöhte Aufmerksamkett. Wenn Sie wahrnehmen, daß in Ihrem Betriebe regelmäßig kommunistische Zeitungen, Zeitschriften oder Flugblätter verteilt oder ausgelegt werden, wenn die Wände der Arbeitssäle, Toiletten oder Aufenthaltsräume mit kommunistischen Parolen beschrieben oder beklebt werden, wenn Wer Verhältnisse Ihres Betriebes in der kommunistischen Presse beruhtet wird oder sich innerhalb der Belegschaft eine unerklärliche Unzufriedenheit bemerkbar macht, dann können Sie überzeugt sein, daß auch Ihr Betrieb dazu auserschen worden ist, eine kommunistische Brutstätte zu werden. ES fft dann für Ihre Firma höchste Zett, dafür Vorsorge zu treffen, daß sich eine kommunistische Betriebszelle im Betrieb sich festsetzen kann, dessen sichtbare Vorläufer die vorgenannten Arbeiten sind. Da der Zweck einer Betriebszelle eine restlose Organisierung der Belegschaftsmitglieder, Terror gegen ander» Denkende, Sarotage der Betriebseinrichtungen und Hervorrufung von Differenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist, so gehen Sie großen Unannehmlichketten und Nachteilen aus dem Wege, wenn Sie sich in einer geeigneten Form rechtzeitig dagegen schützen. Diese Möglichkeiten bietet Ihnen die Beratungsstelle unserer Firma. Wir sind die einzige Firma, die seit dem Jahre 1927 bis Anfang 1933, als die staatlichen Stellen versagt hatten, der kommunistischen Zersetzung in den Industriebetrieben Deutschlands den aktiven Kampf angesagt hat. Ohne Bindung nach irgendeiner Sette und ohne eine moralische oder wirtschaftliche Unterstützung haben wir uns unter erschwerten Umständen mtt unserer Arbeit erfolgreich durchgesetzt. Auch der kommunistische Terror, der gegen uns angewendet wurde und die regelmäßigen Drohungen und Einschüchterungsversuche in der kommunistischen Presse konnten unseren Erfolgen keinen Abbruch tun. Ein kleiner Auszug aus unserer Referenzliste soll Ihnen beweisen, welches Urteil, auf das wir mit Recht stolz sein können, die von unS bearbeiteten Industriebetriebe über unsere Arbeit ausgesprochen haben. Unsere ca. 8jährige praktische Spezialerfahrung in der Abwehr kommunistischer Umtriebe haben wir fett 1VS8 verschiedenen ausländischen Firmen zur Verfügung gestellt. Auch Ihnen wollen wir di« Möglichkeit geben, Maßnahmen zur restlosen Beseittgung der Wirtschaftsschädlinge Ihres Betriebes zu treffen. Durch eine individuelle Beratung, die den Verhältnissen Ihres Betriebes Rechnung ttägt, werden wir Ihnen einen Monat lang mündliche und schriftliche Pläne unterbreiten, die einen vollen Erfolg sicherstellen, ohne daß die davon betroffenen Kreise etwas merken. Durch eine rechtzeitige unauffällige Säuberungsaktton bewahren Sie Ihren Betrieb vor Verlusten und Schäden, die aber unausbleiblich sind, wenn Sie sich weiter paffw verhalten. Wir hoffen gern, daß Sie unsere beratenden Dienste in Anspruch nehmen werden, zumal daS Honorar, welches wir in Rechnung stellen, in gar keinem PerhältniS zu unserer Leistung und dem dadurch erzielten Erfolg steht. Gegen eine Pauschalsumme von Kä 600.— bei Kleinbetrieben, von Kd 1000.— bei Mittelbetrieben und von K6 1600.— bei Großbetrieben, exklusive Reiseunkosten ab Prag, sichern Sie sich den Wirtschaftsfrieden in Ihrem Betriebe. Indem wir Sie um streng vertrauliche Behandlung unserer Offerte bitten und Ihnen dieselbe auch unsererseits zuftchern, empfehlen wir Ihnen, uns für einen weiteren Schriftverkehr eine neutrale Adresse aufgeben zu wollen, um dadurch unliebsamen Zwischenfällen vorzubeugen. Wir erwarten gern Ihr« Nachrichten und begrüßen Sie mit Hochachtung Auskunftei Deutscher Jnduftriefchutz Kalinowski u. Co. 1 Anlage.(Unterschrift unleserlich.) Der Briefumschlag zeigt, daß der Brief von Berlin aus verschickt wurde. In der linken Ecke des Briefumschlages ist folgender Text mit einem Gummistempel angebracht: O s o b n i, darunter Persönlich.. Hier wird Bekämpfung der Arbeiterschaft den tschechoslowakischen Fabriksherren und Unternehmer als deutscher Exportartikel offeriert, mit Referenzen belegt und zu Preisen von Kö 600.— bis KC 1500.— als Pauschalhonorar angeboten. ES gibt da individuelle Behandlung zur Ausrottung der Begehrlichkeit der Arbeiter, die, nach der Behauptung der Berliner Firma„Deutscher Jn- dustrieschutz Kalinowffi u. Co." schon seit Jahren, insbesonders aber feit Hitlers Herrschaft, mit dem größten Erfolg vorgenommen wird. Jeder andere Export Deutschlands versagt, wie die statistischen Ziffern Deutschlands bezeugen, aber mtt dem Offert zur Niederknüppelung der Arbeiter nach dem Muster des Dritten Reiches hoffen die Herren Kalinoivski u. Co. doch Gnade zu finden. In der Einfühlung für die Tschechoslowakei gehen diese Nazi so weit, daß sie sich auch der tschechischen Sprache bedienen. In Durchführung der Beschlüsse der Notstandskonferenz, die am 13. Jänner 1935 in Komata« stattfand, sprachen die Genossen Dr. Heller, Kremser und Kaufmann beim Minister für soziale Fürsorge Genossen Dr. Meißner vor. Sie ersuchten um eine stärkere Beteilung der beiden Bezirke mit Ernährungskarten, welches Ersuchen auch bei der Landesbehörde vorgebracht wurde. Bride Aemter sagten ihre Unterstützung zu. Es werden nun die erforderlichen Jntervrntionm bei den Bezirksbehörden erfolgen. Die Deputation besprach mtt dem Genossen Dr. Meißner auch die Möglichkeit der Durchführung von staatlichen Arbeiten, und fand bei ihm vollstes Verständnis. In der nächsten Zeit wird bei den zuständigen Ministerien wegen der Bergab« von staatlichen Aufträge« interveniert werden. Sie entdeckten ihr soziales Gewissen Der Sekretär der Vereinigung deutscher Krankenversicherungsanstalten, Herr Dr. Fran- Kor e i s, hat an die angeschloffenen Krankenkassen ein Rundschreiben geschickt, in dem sie aufgefordert werden, bei allen Krankenversicherungsbeamten ständige Zuwendungen an die Sudetendeutsche Polkshilfe zu veranlassen..... es gilt heute alle aufzurütteln und für dieses große Hilfswerk zu gewinnen, gerade weil es keine Klassen und Parteien sieht, sondern nur Menschen in Elend und Not."— Daß die SVH eine parteipolitische Einrichtung ist, die der Bekämpfung des Marxismus dient, ist kein Geheimnis mehr und das Rundschreiben wirst die Frage auf, wie sich denn die Aufforderung zur Unterstützung des Henlein-Werkes mit der Gesinnung jener sozialdemokratischen Krankenlassenbeamten vereinbaren läßt, die in den der Bereinigung deutscher Krankenversicherungsanstalten angeschlossenen Instituten angestellt sind. Diese Beamten haben schon lange, bevor es Herrn Dr. Koreis eingefallen ist, sein soziales Gefühl zu proklamieren, für ihre notleidenden Volksgenossen Opfer gebracht. Jetzt werden sie unter Druck gestellt werden, um Leistungen für eine Einrichtung zu bringen, die dem Kampfe gegen ihre Weltanschauung dienen soll. DaS ist ein Kapitel mehr in der Geschichte der Nötigung und des Terrors, die sich um die SVH abspielt.— Cs ist jedenfalls nicht uninteressant, daß der Herr Dr. Korew erst setzt entdeckt, eS müsse für die notleidenden Volksgenossen etwas getan werden. Der Grün» ist klar: Weil die SVH— nach seiner Memung —„keine Parteien und Klassen sieht". Uns dünst. Herr Dr. Koreis hätte schon früher Gelegenheit gehabt, zur Unterstützung unpolitischer Hilfswerke aufzurufen. Daß er es erst jetzt tut, ist kein Beweis„guter" politischer Witterung. Taschen auf, eS geht gegen die Marxistenl Der X. ordentliche BerbandStag deS BerbandeS der Bank-«nd Sparkaffenbeamten wird am 23. und 24. Feber 1936 im Prager GewerffchaftShaufe, Prag I., Perstyn 11, abgehalten werden. Abgesehen von formalen Punsten enthält die Tagesordnung den Rechenschaftsbericht, Neuwahlen, OrganisattonS» statut, ftrner Referate über sozialpolitische und wirtschaftliche Fragen und über die künftigen Aufgaben deS Verbandes. Billiger Fleisch-«nd Wurstrinkauf. Bei einem Warnsdorfer Fleffcher im 4. Bezirk erschien am Montag eine unbekannte Frau und kaufte auf den Namen des Warnsdorfer Bahnhofsgastwirtes Weber Schweinefleisch, Wurst und Schinken im Werte von 62 Kä ein. Sie erwähnte dabei, daß sie in der Eil« den Bestellzettel des Gastwirtes vergessen hätte und ersucht«, noch weitere Fleischund Wurstwaren, die sie jetzt nicht mitnehmcn könne, dem Wirte zuzuschicken. Die Frau machte einen guten Eindruck und der Fleischermeister scheuste ihr Glauben, um so mehr, als Gastwirt Weber ein ständiger Abnehmer von ihm ist. Die Frau entfernte sich. Als man jedoch den Rest der „bestellten" Ware in der Bahnhofswirtschaft abliefern wollte, erfuhr man. daß der Wirt nicht nur nichts bestellt, sondern auch niemandem zu dem Fleffcher geschickt hatte. Der Fleischermeister war einer geriebenen Schwindlerin ins Garn gegangen. Tödlicher Unfall durch scheuendes Pferd. Aus G r a s l i tz wird gemeldet: Der Bäckermeister Langhammer mrS Silberbach bei Graslitz befand sich mit seinem Fuhrwerke unterwegs nach Schönau. Auf dem Kutscherbocke des Schlittens saßen der Besitzer und sein Sohn. Plötzlich ging das Pferd durch, u. zw. mit solcher Heftigkeit, daß die Zügel rissen und die beiden Langhammer auf die Straße stürzten. Sie zogen sich dabei nur leichte Verletzungen zu. Dem in gestrecktem Galopp dahinrasenden Pferde wollte die Revierförstersgattin Hartl aus Silberbach ausweichen, kam aber dabei zu Fall und wurde, noch bevor sie wieder aufstehen konnte, von dem Pferde überrannt. Brustkorb und Kehlkopf der Frau wurden völlig zertrümmert und die Schwerverletzte stattb kurz nach ihrer Einlieferung ins Graslitzer K«m- lenhauS. Seite 4 Donnerstag, 24. Jänner 1935 Re.«» TagcsncuiglfcNen Ein falscher Priester Mitglied der Diplomfälscher-Bande. Prag. Vor einigen Tagen wurde eine Gesellschaft von vier Betrügern verhaftet, welche gefälschte Diplome und Pässe verkaufte und auch sonst allerlei dunkle Geschäfte trieb. Nunmehr wird die Reihe der Verhafteten um einen Mann bereichert, dessen Gaunereien, wie„Telegraf" meldet, nicht leicht ein Seitenstück haben dürften. Es handelt sich um den jetzt 73 Jahre alten Doktor der Philosophie Emanuel Neumann, der einst römisch-katholischer Pfarrer war, später zur tschechoslowakischen Nationalkirche übertrat, im Jahre 1931 aber auch dort seines Priesteramtes entsetzt wurde. Neumann hat nämlich bei Feuerbestattungen geistliche Assistenz geleistet und die Gebühren für sich behalten, obwohl er sie hätte der Kirchengemeinde abliefern sollen. Trotzdem tauchte er immer wieder bei Begräbnissen im Krematorium als Priester auf. Er bediente sich dabei einer Liturgie, die seine eigene Erfindung war und ebenso unterschied sich seine Amtstracht von der Kleidung der Geistlichen aller anderen Bekenntnisse. Infolgedessen scheint keine Religionsgemeinschaft es für notwendig besiinden zu haben, sich näher für den sonderbaren Geistlichen zu interessieren. Die tschechoslowakische Kirche gab nach Neumanns Verhaftung eine Erklärung heraus, in welcher sie die Verwunderung darüber ausspricht, daß die Krematoriumsverwaltung das Treiben Neumanns geduldet hat. Zwei weitere Mitglieder des Konsortiums verlegten sich auf Jnseratenschwindel. Sie gründeten eine Firma, deren einziges Geschäft darin .bestand, daß sie Inserate vergab. Der eine der beiden Gesellschafter kassierte bei den Zeitungen die Provision für die Inserate ein, während der andere sie schuldig blieb. Nicht ganz klar ist noch die Beteiligung eines Mannes, der in der Prager Unterwelt den Beinamen„Der schöne Georg" trug und eines Architekten(mit selbstverliehenem Titel), dessen Spezialität die Fälschung von Einfuhrbewilligungen gewesen zu sein scheint. Untereinander haben sich die Mitglieder der Bande keine Konkurrenz gemacht. Nach den bisherigen Ergebnissen der Untersuchung hatte jeder sein Spezialgebiet, so daß sie alle zusammen eine Art Trust bildeten, der alle Arten, Leute ums Geld zu bringen, nach Möglichkeit ausnützte. Der Mörder vo« Tacho« in Bayern verhaftet München. In Waldsassen wurde der 34- jährige Karl S ch u e b l wegen eines Pahver» gehens verhaftet.’ Dabei wurde festgestellt, daß Schuebl der Täter ist, der in der vorigen Woche in St. Katharina bei Tachau in der Tschechoslowakei den Landwirt Josef Stelzner erschossen und dessen Frau und Tochter erschlagen hat. Schuebl befindet sich im Amtsgerichtsgefängnis in Waldsassen. Sowjetrusstsche Inhumanität Leningrad. Am Mittwoch begann hier ein Prozeß gegen sieben Eisenbahnbe- a m t e, denen vorgeworfen wird, anfangs Jänner an der Strecke Moskau—Leningrad ein großes Eisenbahnunglück verschuldet zu Hachen, das 27 Tote und 60 Verletzte, forderte. Der Prozeß dürfte voraussichtlich drei Tage dauern. Die Anklage verlangt die Todes- ftrafe gegen drei Beamte. In der Anklageschrift wird den Beamten vorgeworfen, durch Unvorsichtigkeit und Unkenntnis der technischen Vorschriften das Unglück herbeigeführt zu haben. Kältewelle i« Zehn jugoslawische Soldaten erfroren Belgrad. In der Nähe von Podgorica (Montenegro) wurden am Dienstag die Leichen von sieben jugoftawischen Soldaten aufgefunde», die auf einer Uebung von einem Schneesturm überrascht worden sind. Drei weitere Soldaten werden noch vermißt. Man befürchtet, daß sie ebenfalls erfroren sind. Rew Orleans. Die Kältewelle in den Vereinigten Staaten hat nunmehr auch auf die Südstaaten übergegriffen. Schnee st ürme und Ueberschwemmungen verursachten große Schäden, die man auf mehrere Millionen Dollars beziffert. Die Kälte hat auch berests zahlreiche Menschenopfer gefordert. Ganze Viehherden sind der Kälte zum Opfer gefallen, viele Schiffe sind vom Sturm und ihren Ankerplätzen losgerissen worden. SS Todesopfer der amerikanischen Frostwelle New Nork. Die starken Fröste in den Vereinigten Staaten haben 65 Opfer an Menschenleben gefordert. Auch in den südlichsten Gegenden Türkinnen erstmals Parlamentswählerinnen Paris. Nachrichten ans der Türkei zufolge haben türkische Frauen zum ersten Mal an den Parlamcntswahlen teilgenommen. Fünfzig Frauen kandidieren für die Volks- Partei» deren Führer der Präsident der Republik Kemal Atatürk ist. Zahlreiche Wählerinnen begaben sich««verschleiert und in europäischer Kleidung zur Wahl. Bor den Wahllokalen riefen sie in feurigen R e d e n zur Wahl Ghazis auf. Die Abstimmung dauert drei Tage und ist i n d i r e k t. Die Wähler bezeichnen das Wahlkollegium, welches in den nächsten Monaten die Nationalversammlung wählen wird. Alkohol und Tabak als Unglückbringer Osterode. In der S ch e u n e eines Land- Wittes in Osterodebrach Feuer aus, dem das Gebäude zum Opfer fiel. Bei Beginn der Löscharbeiten wurde ein« grausige Entdeckung gemacht. Am Eingang der brennenden Scheune sah man die v e r k o h l t e L e i ch e eines Mannes, bei dem man eine leere Branntweinflasche und eine Tabakspfeife fand. Es handelt sich bei dem Toten um einen früheren russischen Kriegsgefangenen, der in Deutschland verblieb und sich in Osterode als Schuhmacher niedergelassen hatte. Im Rausch hatte er sich mit brennender Pfeife in die Scheune gelegt und so das Unglück verursacht. „Arbttterwohnungeu". An der Strecke Bo- denbach—Aussig kann man ein düster-graues Gebäude sehen, das einen recht ärmlichen Eindruck macht. In großer Schrift steht an der Hausfront zu lesen:„Arbeiterwohnungen". Man wüßte auch ohne diese Aufschrift, daß es sich um Wohnungen handelt, die ein Fabriksunternehmen „großmütig" für seine Arbeiter gebaut hat. Die Dürftigkeit der Anlage beweist es.— Diese Ar- beiterwohnungen haben alle das gleiche Gesicht, ob es sich etwa um die Werkswohnungen bei drei Erdteile« ist die Temperatur mehrere Grade unter den Nullpunkt gesunken. In Texas sind infolge der Kälte einige tausend Stück Rindvieh verendet. Tunis. Auch Tunis wird von einer Frostwelle heimgesucht. Es ist starker Schneefall eingetreten und an einigen Stellen liegt der Schnee 35 Zentimeter hoch. Innsbruck. Der 28. Jänner war in diesem Winter bisher der kälteste Tag in Tirol. Innsbruck verzeichnete eine Temperatur von minus 20 Grad; aus dem unteren Jnntal wurden bis zu m i n u s 30 Grad gemeldet. Aber in der Eifel blüht der Ginster Bitburg(Bezitt Trier). Aus Neuerburg an der luxemburgisch-deutschen Grenze wird bettchtet, daß dort an einem Waldrand in 350 Meter Höhe infolge des milden Wetters der Ginster in voller Blüte steht. Die ältesten Bewohner des Ottes können sich an ein so seltenes Ereignis der Ginsterblüte im Jänner nicht ettnnern. Es handelt sich bei dem blühenden Ginster nicht um den gewöhnlichen Besenginster, der in der ganzen Eifel zu finden ist, sondern um eine seltenere Matt, den sogenannten Stachelginster. Im allgemeinen stellt sich die Blüte erst um die Pfingstzeit ein. Schächten oder Glasfabriken handell. Besieht man diese„Wohnungen" näher, so entdeckt man noch mehr Mängel als von außen: meistens fehlen alle sanitären Einrichsiingen. Die Gnade, die die Kapitalisten solcherart ihren Arbeitern gewähren, besteht darin, daß das Leben der Kinder, die in diesen Höhlen aufwachsen müssen, ständig gefährdet wird.— Man denkt, wenn man solche„Siedlungen" erblickt, unwillkürlich an die Wohnungen, die die Gemeinde Wien unter sozialdemokratischer Herrschaft gebaut hat. An den Zustand gewöhnt, daß die Kapitalisten für die Arbeiter gerade das schlechteste für gut genug halten, hätte man kaum geglaubt, daß die sonnigen Wohnräume, daß die großen Wohnpaläste für Arbeiter besttmmt sind. Man hätte es auch kaum geglaubt, wenn es große Aufschttsten verkündet hätten.— Man merkt eben auch ohne Aufschttsten, welch ein Unterschied Mischen der von Sozialdemokraten und den von den Kapfta- listen betriebenen Arbeiter-Wohnkultur besteht. Staatliche SkikurS in Petzer. Der Lehrgang beginnt Sonntag, den 27. Jänner, um 7 Uhr abends bei.Kohl, Zehgrund Nr. 75. Der beschränkten Zeit wegen müssen schon Sonntag Vorträge angesetzt werden(Vorteile einer Einheits- Skilehrweise, Zdarfly-Technik). Wer in Freiheit ankommt, benützt den Renner-Autobus gegen Ermäßigung. Der Fremdenverkehr. Die Bewegung der die Staatsgrenze überschreitenden Reisenden wird durch die Grenzerhebung der Reisenden mit Reisepaß verläßlich erfaßt. Die Einreise von Ausländern hat sich im D e z e m b e r vorigen Jahres um 27.1 Prozent gegenüber November erhöht. Die Ausreise unserer Staatsbürger ins Ausland ist im Dezember um 33.8 Prozent höher als im November. In die Republik kqmen im Dezember 112.457 Ausländer, während in der gleichen Zeit 100.003 fremde Staatsangehörige abreisten. In das Ausland gingen im Dezember 91.548 tschechoflowa- kische Staatsangehörige ab und 88.953 kehrten zurück. In der Zeit vom Feber bis Dezember 1934 kamen annähernd 1.5 Millionen Ausländer zu uns, 1,415.000 Ausländer reisten ab und bei uns verblieben von dieser ganzjährigen Frequenz ungefähr 93.000 Ausländer. In der gleichen Zett reisten in das Ausland beinahe eine MM«! tschechoslowakische Staatsangehöttge ab, ungefähr 976.000 Personen kehrten zurück. Verbot von Postnachnahmesendungen und Postaufträgen a«S der Tschechoslowakei nach Deutschland. Mit fofottiger Gültigkeit ist es verboten, aus der Tschechoslowakei nach Deutschland Postnachnahmesendungen und Postausträge zu senden. Blutige Rache. In der Gemeinde Koskovce bei Humanne drang ein gewisser Stephan H r o m h in die Wohnung der 33jährigen Land- wittin Anna Jenkikova ein und gab sieben Gewehrschüsse auf sie und deren Tochter Susanne ab. Die Jenkikova mußte sofott ins Krankenhaus gebracht iverden, wo ihr ein Arm amputiert wurde und auch ihre Tochter erhielt schwere Verletzungen. Der Täter konnte von der Gendarmerie verhaftet werden und gab beim Verhör an, die Tat aus Rache begangen zu haben. Schuschnigg und die tschechischen Arbeiter. Die Bundespolizeidirektion in Wien hat die Beschlagnahme des Vermögens der Arbeiterturnvereine„Omladina" im Hl. Bezirk und „S v o r n o st" im Xll. Bezirk angeordnet.(Die beiden tschechischen Vereine waren im Zusammenhang mit den Feberereigniffen aufgelöst worden.) Abrüstung der— Pferde. Aus London wird gemeldet: In der neuen mechanisierten sechsten Jnfantette-Brigade, deren Bildung demnächst ettolgen wird, wird es überhaupt keine Pferde mehr geben. Dies ist der erste derartige Fall in einem größeren brittschen Truppenkörper. Die Zugpferde werden durch leichte Traktoren, gewöhnliche Kraftwagen und Lasttraftwagen ersetzt werden. Zur Abwehr von Tanks wird die Brigade Selbst-Ladegeschütze von 2 Zentimeter-Kaliber erhalten, deren Geschosse in einer Entfernung von 500 Meter Panzerplatten von 14 Millimeter Durchmesser und in einer Entfernung von 150 bis 200 Meter Panzerplatten von 25 Millimeter Durchmesser zu durchschlagen vermögen. Die 6. Infanterie-Brigade wird ein Brigade-Hauptquar- tter mit einer größeren Anzahl Kraftwagen, em Maschinengewehrbataillon mit 36 Maschinengewehren und 16 Tankabwehrgeschützen sowie drei Infanterie-Bataillone mit je vier Müttern von 7.5 Zenttmeter und 52 leichten Maschinengewehren umfassen. Gesunken, ertrunken. Ein japanischer Dampfer ist in der Nähe von Horischima in einem schweren Sturm gekentert und gesunken. Elf Mann der Besatzung werden vermißt. Ein weiterer japanischer Dampfer gettet in einem Hafen auf der Insel Hokkaido in einen Taifun und sank ebenfalls. Man befürchtet, daß neunPerso- n e n, die vermißt werden, den T o d in den Fluten gefunden haben. Abgrstürzt und ertrunken. Im japanischen Marineflughafen Saebo ist am Dienstag ein Flugzeug abgestürzr. Alle d r e i I n s a s s e n ertrank e n. Ein wetteres Flugzeug mußte notwassern. Seine Besatzung sandte rechtzeitig SOS- Rufe und konnte so errettet werden. Das Flugzeug versank. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programmen: Freitag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachttchten, 10.15: Schallplatten, 11.05: Schulfunk, 12.10: Operettenmusik, 13.35:, Arbeitsmarst, 13.45: Wanderlieder auf Schallplatte«, 17: Konzert des Bläserquintetts, 18.20: Deutsche Sendung: Sporworschau, 18.45: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten, 19.10: Orchestettonzett, 21: Konzert der tschechischen Philharmonie, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 14.24: Kttegelstein: Was haben wir in amerikanischen Schulen gesehen? 14.35: Altttalie- nische Lieder, 15: Deutsche Sendung: Die Geschichte von^ Aucassin und Nicolette.— Brünn 13.40: Operettenmusik, 18.20: Spottberichte.— Mährisch- Ostrau 18: Deutsche Sendung: Salten: Schöne Seelen, Lustspiel. zwar durste man durchaus nicht erwatten, daß Thomas Mann, was zu tun er auch express is vervis ablehnte, versuchen würde, anzugeben, wie Richard Wagner sich über unsere Zeit äußern würde; aber etwas von Manns Ansicht über die Bedeutung Wagners und seines Werks für unsere Zeit, für die neuen Generationen hatte man l och zu hören gehofft. Wenn Mann sagt, daß jeder Zukunstswille Wagner für sich in Anspruch nehmen könne, so ist das zwar sicherlich ttchtig, hätte aber unseres Erachtens dennoch eines Kommentars bedurft. So müßig es wäre, darüber nachzudenken, wie Richard Wagner zum nationaltoll gewordenen Haus Wahnftted und zu jenen Natio- nalisten stünde» die aus dem Revolutionär von 1848, aus dem Flüchtling, dem Verbannten, dem Antikapttalisten, dem Freihettsucher eine Att nationalsozialistischen Kunstgott zu machen versuchen, so fruchtbar könnte es doch sein, aus Willen und Werk Wagners Hessen Beziehungslosigkeit zu allem darzustellen, was, jenseits der national« sozialistischen Phrase, llnllarheit und Unwahrheit, nationalsozialistische Tat geworden ist. Wollte Thomas Mann an diesem Punkte seinen vor zwei Jahren vollendeten und in seiner Att vollendeten Efley fortsetzen(etwa auch den philosemitischen Antisemiten Wagner näher erklären), ko wäre das eine Krönung seines Verdienstes um Wagner, eines Verdienstes, das auch bei diesem Vortrag zn Anfang und zu Ende durch minutenlangen Beifall und während des Vortrags durch eine bewun- derungs- und verehrungsvolle Aufmerksamkeit schönsten Dank erhielt. UG Thomas Mann über Richard Wagner Richard Wagner als die größte deuffche Kulturerscheinung des 19. Jahrhunderts mtt zugleich stärkster internationaler Wirkung reizt noch immer die bedeutendsten Köpfe zur Betrachtung und Durchleuchtung^ Thomas Mann, der mit Recht berühmteste unter den zeitgenössischen deuffche« Schriftstellern, sieht sich fett Jahrzehnten zu Wagner und seinem Werk mächtig hingezogen, und wie der geist- und herzbetonte Dank eines glücklich Liebenden wirst der Essay, den Thomas Mann vor Mei Jahren, etwa um die Wende von Deutschlands Geschick, niedeffchrieb. Da diese Liebe nicht blind und taub, sondern scharfäugig und hellhörig ist(und darum so ungemein fruchtbar) und weil weiter gerade die neuen Teutonen sofort ihres zwangsläufigen Mißverständnisses der Mann-» schen Wagner-Analyse sich freuten— Wagner ist unter Deutschen ein Mißverständnis, sagt Nietzsche —- so liegt schon in der Tatsache, daß Thomas Mann nun(vorgestern, in der Prager„Urania") seinen Essay im übervollen großen Saale las, ttn mehr als kulturpolitisches Bekenntnis des Manns, dessen Bücher in Hitlerdeutschland nicht verboten sind, der es aber freiwillig verließ. Thomas Mann sucht die Gestalt Wagners vor allem aus den zwei Wurzeln der Psychologie und der Mythik begreiflich zu machen und schildett die Einzigartigkeit dieser Erscheinung in dem wun dervollen Bild, daß Wagners Musik, obwohl be-I rechnet, bedacht, hochintellestuell und hochkulturell! dennoch wie ein Geysir aus vorkulturellen Urzeiten hervorzubrechen scheint. Es fällt das im ersten Augenblick gewagt erscheinende Wort vom „Dilettantismus" Wagners sowohl in den einzelnen Kunstgattungen als auch in seiner Idee vom Gesamtkunstwett, das dann aber dennoch oder vielleicht gerade deswegen aus Wildwüchsigkeit zu monumentaler Größe sich erhebt. Andere nannten dieses beispiellose Phänomen„unklassifizierbar", Thomas Mann sucht es als aus der von Wagner zu tiefst» gefühlten Not seines Jahrhunderts zu ergründen, durch Wagners Wesensgemssch aus Zartheit und Zähigkeit, aus Melancholie und Ueberschwang, aus Deutschheit und Mondänität, aus einem ewigen zwangvollen Ausgleichssuchen zwischen Lebens-, Liebes- und Glückshunger Wagners einerseits, aus seinem Drang zur Tat, zur Gestaltung, zur künstlerischen Erlösung anderseits. Viele Erkenntnisse von Wagners Schaffen und Wirkung gießt Thomas Mann in eine gedanklich und sprachlich neue Form, die allein schon, selbst künstlerisch vollendet, auch dort zum Aufhorchen zwingt, wo eS sich um schon durchdachte Gefilde handelt. Man könnte sagen, daß Thomas Mann da sich selber als ein Stück Wagner, ja als fast aufgesogen vom Wagnerschen Gesamtkunstwerk erweist— so sehr glaubt man etwa den „Ring" wieder zu erleben, wenn Mann von ihm spricht; dazu kommt, daß Thomas Mann an etlichen Stellen in seiner Wagner-Erfülltheit zu glühen beginnt und sich dann wie ein Priester der Wagnerschen Kunst dem Publikum mitzuteilen vermag. Und man spütt da, wie Thomas Mann es gelingt, durch sein Wott, durch seine Hingabe, durch seine grenzenlose Verehrung für Wagner Wagnermüdigkeit zu brechen und gerade diejenigen zu ihm zu führen, die vielleicht nicht um Wagners, sondern um Manns willen zum Vortrag kamen. Eine untettrdische Verbindung ist da zwischen Thomas Manns Ueberzeugungskraft und dem Zauberstab Wagners, des„Dilettanten", sagen wir des Außer-Zünftigen, der gerade auch die Unmusikalischen auf seine Seite zu bringen verstand und vermag. Sehr vieles aus dem persönlichen Leben Wagners hellt Mann auf, des Romantikers, des „unernsten" Menschen, dessen Art jeden möglichen Rückschluß auf eäsarischen Machtwillen Lügen straft; mü deutlichen Strichen rückt Mann von jenen ab, die aus einzelnen reaktionären, großbürgerlichen Zügen Wagners auf dessen allgemeine Rückwärtsgewandtheit schließen möchten; klar formt sich das Bild eines ganz auf Erneuerung und Befreiung gerichteten Künstlertums. Wo Thomas Mann steht und wo nach seiner Ueber- zeugung Richard Wagner steht, wird offenbar, wenn jener sagt, daß diesen heute wahrscheinlich der Schimpf„Kulturbolschewist" treffen würde, und wenn er daran ettnnert, daß Wagner, der Hanswurst, Lichtgott und moderner Sozialrevolu« tionär in einem war, sein Theater einer klassenlosen Gesellschaft geschenkt wissen wollte. Und dennoch vermeinte man, in dem wundervollen Bau, den Thomas Mann über der Erschei- I nung Wagners aufrichtete, eine Lücke zu erkennen; Nr. 30 TonnerStag, 24. Jänner 1933 Sette 3 Bor vierzig Jahre« wurde i« Paris das erste Kino eröffnet Ein nener Weltrekord im 200-Mtter-Rücken- schwimmen wurde in Amsterdam von der jungen Holländerin Ria Mastenbroek aufgestellt, die die bisherige Bestzeit von 2:60,4 aus 2:40,6 verbesserte. Wüstenschlacht um Brunnen? Paris.Der abessi'Nische Gesandte in Paris,.Takle Mavaxiat, dementierte in einer Unterredung mit Journalisten die Nachrichten, denen zufolge eS sich in Abessinien um eine antifranzösische, durch die Unzufriedenheit über die Abtretung bedeutender Gebietsteile an Italien hervorgerufene Bewegung handeln solle. Man hält dafür, daß der französische Kolonialoffizier zugleich mit den somalischen Stammesangehörigen das Opfer einer der Wüstenschlachten wurde, die in der gegenwärtigen Periode der Trockenheit und des Wassermangels in der Wüste zwischen den nomadisierenden Stämmen um die Brunnen entbrennen. Der Gesandte sprach sein^ Bedauern über Vie großen Verluste Frankreichs aus, fügte aber hinzu, daß die abessinische Regierung nur eine geringfügige Autorität über diese wilden Stämme besitze. Amerikanisches Banditentum New Kott. In Jallriver im Staate Massachusetts liberflelen fünf Banditen Lin Postauto, fesselten den Fahrer und entkamen mit einer Beute von rund 130.000 Dollar Bargeld in Banknoten und Silber. Mexiko. Ein« größere Bande von Räubern überfiel die Ortschaft Monte Blanco im Staate Veracruz, ermordete vier Einwohner und raubte >nd plünderte alles, was nicht niet» und nagelfest war. Die Banditen zogen dann Wetter nach dem Ort Choeoman, den sie ebenfalls vollständig aus- »aubten. Erfolgreiche Werbung der Prager Messe. Die Präger Messe hat bei der Vorbereitung zur bevor- strhenden 30. Frühjahrsmesse in richtiger Abschätzung der gebesserten Absatzlage in zahlreichen AuslandSstaaten eine außergewöhnliche Werbe- tätigleit entfaltet. Der allgemeine Auslandsprospekt wurde diesmal statt in den bisherigen 9 in 13 Sprachen an sorgfälttg ausgewähltes Adressenmaterial versandt. In großem Umfange wurde ferner erstmalig eine Sonderwerbung für die tschechoslowakischen Spezialindusttien aufgezogen. Spezielle Einladungskarten, auf denen alle einschlägigen Artikel angeführt sind, werben in Ein- käuferlreisen der ganzen Welt für tschechoslowakisches Porzellan, Glas, Lederwaren, Spielwaren, Wäsche, Strick- und Wirkwaren, technischen Bedarf, Haus- und Küchengeräte usw. Mit individuellen Schreiben wurden 1360 Warenhäuser und Einkaufskonzerne zur Messe eingeladen. Diese Aktionen der Prager Messe haben im Auslande ungewöhnliches Interesse für tschechoslowakische Erzeugnisse hervorgerufen. Der Nachfrageneinkauf im Nachfragedienste der P. M. ist um 60 Prozent gestiegen und die Besucheranmeldungen zur Messe sind wesentlich höher als andere Jahre. Auch von Warenhäusern tteffen bereits Anmel- Meldungen ein. Das größte schweizer Kaufhaus entsendet zur Frühjahrsmesse allein fünf Einkäufer. Einzelbesuche sind bereits aus fast allen Staaten gemeldet, Gruppenreisen aus Schweden und Bulgarien. Das Interesse des Auslandes ist um so überraschender, als es bereits zwei Monate vor Messebeginn einsetzt, was in anderen Jahren nicht der Fall war. Schmuggel im Panzerauto. An der deutschholländischen Grenze spielle sich am Dienstag em scharfer Kampf mtt Schmugglern ab. DaS Bezirkszollamt von G o ch l a g schon fett langem auf der Lauer,, um ein gepanzertes Schmuggler- Automobil abzufangen. In der vergangmen Nacht hatte man an geeigneter Stelle zwischen den Ott« schäften Hassum und Kessel eine Autofalle eingerichtet. Auch ein Scharfschütze war in der Nähe postiert worden. Tatsächlich kam der Kraftwagen mtt unheimlicher Geschwindigkeit heran und beachtet« weder Haltesignale noch Schüsse. Aber der Scharfschütze tmf tatsächlich auf 160 Heuer werden es vierzig Jahre werden, seit in Paris das erste Kino auf der Well überhaupt eröffnet wurde. Am 28. Dezember 1896 veranstalteten die genialen Erfinder des Kinematographen, die Brüder L u m i s r e, die erste öffentliche Filmvorstellung in einem unter der Erde gelegenen Saal des Pariser»Grand Cafö" auf dem Boulevard des Capucines. Der Besitzer des Kaffeehauses M. Bolpini, der ein großer Schlaukopf war, hatte sich an Stelle einer festen Saalmiete einen zehnprozentigen Anteil am Bruttogewinn gesichert. Seine Ueberraschung war groß, als am ersten Tage nur vierzig Leiste die Vorstellung besuchten, welche je einen Franken Einttitt bezahlten, so daß sein Anteil ganze vier Franken betrug. Dann stieg jedoch der Besuch von Tag zu Tag, bis man schließlich Tageseinnahmen von ein- bis zweitausend Franken zu verzeichnen hatte. Die Brüder Lumitte erhielten dann glänzende Angebote von allen Seiten zum Verkaufe ihres Universalaufnahme- und Vorführungsapparates, das höchste zu 35.000 Franken, die sie jedoch vernünftigerweise alle ablehnten. Kurze Feit später, am 21. März 1896, wurde in Berlin im Hofe des Hauses Nr. 21 Unter den Linden das erste Kino eröffnet. Man spielte ununterbrochen von 10 Uhr früh bis 10 Uhr abends und hob einen Einttitt von 20 Pfennig Meter Entfernung in der Dunkelhett den Hinterreifen des Wagens. Das Auto geriet ins Schleudern und stürzte um. Als die Zollbeamten hin- zuellten, waren die Schmuggler schon entkommen. Nur ein Stück eines menschlichen Fingers war auf dem Tatort zurückgeblieben. Der große Packard-Wagen, der eine Geschwindigkeit bis zu 120 Kilometer entwickeln konnte, hatte Panzerplatten von 6 Millimtter Stätte und war mit Tabak und Kaffee im Gewichte von 10 Zentnern beladen, die natürlich beschlagnahmt wurden. Packpapier ans den Saarstimmzetteln. Wie die Genfer Presse meldet, sind die 539.800 Wahlzettel aus dem Saargebiet in der Papierfabrik Bttstlen in Veroux bei Genf eingestampst worden. Bei diesem Akt waren Beamte des Völkerbundes und mehrere Gendarmen anwesend. Die 27 Urnen mit den Wahlzetteln wurden in einen großen Eisenbottich geschüttet, der mit heißem Wasser gefüllt war. Die Einstampfung erfolgte dann durch Rotation. Aus der Papiermasse soll Packpapier gemacht werden. Karriere im Dritten Reich. Oberleutnant JW.tt r l o h, der für die.Ermordung der I^nn- schastcN der" Volksmarinedivision am 11. März 1919 verantworllich ist und dem seinerzett der Prozeß gemacht wurde, ist jetzt zum Direktor der Strafanstalt in Telle(Hannover) ernannt worden. Verunglückte Seilkünstler. In Hannover ereignete sich am Dienstag nachmittags im Tivoli- Varietee ein schwerer Unfall. Beim Auftreten der Wallendas-Truppe, die als Turmseilkünstler Weltruf besitzt, stürzten von den vier Mitgliedern der Truppe während der Arbeit auf dem hoch oben im Saal gespannten Drahtseil drei ab und fielen i n da s S chu tz ne tz, das glücklicherweise standhielt. Alle drei trugen Verletzungen davon und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Vorstellung wurde sofort abgebrochen. An angriffslustiger Reger. Am Sonntag abends überfiel aus bisher nicht geklätten Gründen ein 18jähriger Neger aus Brazzaville (Französisch-Kongo) einen pensionierten französischen Kolonialbeamten, welcher ihn als Diener auf sein Besitztum nach Lahors mitgenommen hatte, verwundete ihn durch Messerstiche schwer und tötete dessen Frau. AIS die Polizei sich deS Täters bemächtigen wollte, mußte sie sich vor den vergifteten Pfeilen in acht nehmen, di« der Neger aus seiner verbarrikadierten Stellung heraus abschoß, bis ihm der Bogen unter den Händen zerbrach. Es scheint, daß der junge Mann durch den Umgang mit stammesverwandten Eingeborenen aus dem Ubangi-Land, die bei dem in CahorS liegenden afrikanischen Schützenregiment standen, diese kriegSlusttge Einstellung erhalten hat und eS nicht erwarten konnte, bis er ins Heer hätte eingestellt werden können, um von der Waffe Gebrauch zu machen. Unliebsamer Erzbischof. DaS griechische Kultusministerium hat den Kirchenbehörden verboten, mit dem katholischen Erzbsschof von Athen in offiziellen Verkehr zu tteten, da dessen Sitz nach Ansicht des erwähnten Ministeriums ohne gesetzliche Grundlage errichtet worden ist. DaS Wetter. In ganz Nordeuropa herrscht unter dem Einfluß einer tiefen Druckstörung über Norwegen sehr veränderliches und stürmisches Wetter In unseren Gegenden dauert die Erwärmung be> Westwind noch immer an. In Böhmen wurden Mittwoch nachmittags stellenweise pluS 3 Grad Celsius verzeichnet und auch im Karpathengebiete hält die allmähliche Frostmilderung weiterhin an. DaS Wetter dürfte in der nächsten Zeit auch bei uns eine« ausgesprochen veränderlichen Tharakter tragen.— Wahrscheinliches Wetter am Donnerstag: Vorwiegend bewölkt und zunächst weitere Erwärmung, namentlich aber im Karpathengebiete. Auf den Bergen der böhmischen Länder später wieder kälter, Schneefall, Nordwestwind. ein. Es wurden„Groß"filme von 15 Meter Länge vorgeführt, welche von Josef Stein und seinen zwei Freunden, dem Chefredakteur Leo Leipziger und dem Banfier M a s o p, in den Rocktaschen nach Deutschland eingefühtt wurden. Die Handlung dieser Filme hatte mit Rücksicht auf die große Länge freilich nur«inen sehr kurzen Atem Das erste Programm des Bettiner KinoS sah folgendermaßen aus: 1. Der Zug fähtt vorbei. 2 Ein Herr steht auf der Straße und grüßt. 3. Zwei Hunde raufen sich. Das Publikum verhielt sich anfangs zu den beweglichen Bildern auf der Leinwand sehr ungläubig und es fanden sich auch Leute, die sich durch einen schnellen Griff überzeugen wollten, ob die Personen auf der Leinwand nicht etwa doch lebendig seien. Prag lernte die Erfindung der Brüder Lu» mitte zum ersten Male im Jahre 1896 im Hotel „Zum sächsischen Hof" kennen. Die ersten Filme mit tschechischen Titeln wurden zwei Jahre später, im Jahre 1898, vorgefühtt. Josef Stein, der die ersten Berliner Vorführungen ermöglichte, ist von Geburt ein Mährer. Er ist heute auf dem Barrandow ein beliebter Spielleiter der tschechischen Filmproduktion. Sensationelle finnische Veröffentlichungen Pläne während des Weltkrieges. HelfingforS.(AP.) Der finnische Geschichtsforscher Dr. Aahre Pakaslahati hat eine Schrift„Finnlands Polittk während des Weltkrieges" veröffentlicht, die aufsehenerregende Mit- teilungen über die Pläne zur Errichtung eines skandinavischen Kaisertums während des Welttriege» macht. Er berichtet darin, daß die finnischen Aktivisten schon bald nach Ausbruch des KttegeS darnach trachteten, Deutschland zur Entsendung eines LandungSkorpS nach Finnland zur Befreiung deS Landes von den Russen zu bewegen. Deutschland habe eine solche Expedition zunächst abgelehnt, wenn sich nicht auch Schweden daran beteilige. Im Sommer 1915 sei dann eine engere Zusammenarbeit zwischen schwedischen und finnischen Aktivisten zustande gekommen. Im Oktober 1915 habe eine finnische Deputation, zu der u. a. der spätere finnische Ministerpräsident Stenroth und der spätere finnische Gesandte in London, Saastamoinen(auf dessen Aufzeichnwr- gen sich die Veröffentlichungen stützen), gehörten, den damaligen schwedischen Reichsmarschall Graf Douglas in Stockholm besucht, der zu den Aktivisten in Schweden gehötte. Douglas habe als Voraussetzung für eine Kriegsbeteiligung Schweden» die Bedingung gestellt, daß Schweden Gebietszuwachs von Finnland erhalte, und sich schließlich auch mit den Aalands-Fnseln zufrieden erklärt. Beide Forderungen wurden jedoch von der finnischen Deputation abgelehnt. Als Staatsform für Finnland schlug Douglas die Monarchie mit dem Prinzen Wilhelm von Schwöen als König vor. Die Finnen wandten jedoch_ ein, die Wahl eines Fürsten müsse davon abhängig sein, welchem Land Finnland seine Befreiung zu verdanken haben würde. Einen Monat später arbeiteten schwedische Polittker unter Beteiligung deS jetzigen finnischen Gesandten in Schweden, Dr. Erich, einen Berfassungsentwurf für einen skandinavischen Staatenbund auS, der Dänemark, Norwegen, Schweden, Island und Finnllmd umfassen sollte. Die »»»»»«»■■■■■■■■ Jetzt müssen Sie unbedlnst Ihre Blumen mit Blttmen-Zauberdung begießen, wenn sie schön blühen sollen 1 Paket Kc 5*60 durch die Verwaltung „Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tk. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich Regierungsgeschäfte sollte ein Bundesrat führen, während König Gustav V. der Kaiser dieses Staatenbundes werden sollte. Die Außenpolitik sollte gemeinsam gefühtt werden, das Parlament von 500 Volksvertretern in Stockholm seinen Sitz haben. Die Verhandlungen gediehen aber nicht weiter, da in Schweden inzwischen die Mehrheit der Bevölkerung für die Beibehaltung der Neutra«, lität einttat. Die Veröffentlichungen haben große» Aufsehen hervorgerufen. Die schwedischen Blätter, erklären sich im übrigen verwundert darüber, daß diese Pläne gerade jetzt veröffentlicht werden. Der Heiligenschein Pariser Blätter melden, daß di« Friseure der Seinestadt auf einen neuen Einfall gekommen sind. Sie, wollen den Frauen von Paris— sprich besser, den Frauen der Bourgeoisie— ihren verloren gegangenen Heiligenschein ersetzen. Di« Friseure er«, inner« daran, daß der besondere Reiz auf den Ma- donnenbildern alter Meister davon herrühre, daß ein sonderbarer Schimmer das Haar der Jungftau Maria, wie eine Gloriole umstrahle. Nach Ansicht der Figaros kann ein solcher Glanz niemals von der natürlichen Haarfarbe auSgegangen, sondern mußte künstlich erzeugt worden sein. Einer hat nun herauSge« funden, daß das Haar, welches, nicht gleichmäßig, sondern schattiett gefärbt ist, am Ansatz hell beginnend und sich zum Hinterkopf verdunkelnd, jenen iri-. fierenden Schein auSzustrahlen vermag, der so seltsam faszinierend wittt. Da jede neue Modelaune bet Leuten, die noch keine anderen Sorgen kennen, ihre Anhänger findet, so beginnen jetzt die schönen Nichts« tuerinnen von Patts Haufenwesse zu ihrem Leib« ftiseur zu laufen, sich da» Haar violett-lila, rötlichdunkelrot, filbrr, goldblond Patinieren zu lassen. Ob die Pariserin der besitzenden Klassen diesen neuen künstlichen Heiligenschein zu recht und unrecht ttägt — dies wollen wir dahinstellen.„Tugend" ist bisher nicht gerade die Hauptstätte der sogenannten.mondänen" Dame gewesen. Wir bemerken, nur: ttne .Neu« Erscheinung von Dttadenz innerhalb einer mor--^ schtNL faule«-und übersÄtighurMesellschtzstSschicht^ Die Rohttsengewirmung der Bereinigten Staaten von Nordamerika betrug 1934 15,850.000 Tonnen gegenüber 13,218.000 Tonnen im Jahre vorher, und nur 8,668.000 Tonnen 1932. Für die Rohstahlgewinnung ergeben sich in den gleichen Jahren die folgenden Ziffern: 25,625.000 Tonnen, 22,894.000 Tonnen und 13,464.000 Tonnen. Zwangsanleih« in Deutschland?.Nm aus den finanziellen Schwierigkeiten herauszukommen, soll demnächst in Deutschland eine sogenannte Konsolidierungsanleihe aufgelegt werden, die mehr al» eineinhalb Milliarden Reichsmatt bttngen soll. Die Anleihe soll von den privaten Kreditinstituten gezeichnet werden, auf die das fascistische Regime einen entsprechenden Druck auSüben wird. Für eine viertel Million Mar? Rauschgift verbräunt Die amettkanische„Rauschgist-Division" der Polizei fühtt den Kampf gegen die Rauschgift- Händler mit den schärfsten Mitteln durch. Allein in San Franzisko wurde innerhalb von drei Monaten für über ttne viettel Million Opium beschlagnahmt. Enssprechend den Polizeibestimmungen verbrannte der Direktor der Rauschgist-Division, G. Walker, persönlich die beschlagnahmten Opiummengen. Teste 8 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 24. JLnner 1935. Nr. 20 Abschaum Herr Dr. W. G. K r u g, der geschätzte Reisekorrespondent angesehener(der Begriff ist für reichsdeutsche Zeitungen gewiß relativ) Berliner Blätter, hat das LondonerJuden- viertel besucht. Und was er gesehen hat, beschreibt er in dieser anmutigen Form: „ Der Abschaum der Menschheit beherrscht die dreckigen Straßen.... In dieser Umgebung, in dem Schmutz und Dreck, in den verwahrlosten Häusern haben dieSöhneJsraels ihr Heim aufgeschlagen, hier wohnen sie.. unsagbar dreckig... In diesem Miastel glaubt man sich nach Galizien oder Palästina verseht. Der Kaftan ist hier noch in Ehren, wie auch der struppige, verlauste Bart, der Gebetriemen und das Käppchen. Der Geruch von Knoblauch mischt stch mit dem Dreck und der Verwahrlosung zu einem undefinierbaren, penetranten Gestank..." Die Kultursprache der Kameradenmörder mit fließendem Wasser und Bad... ' PRAGER ZEITUNG Dienstag erlebte Prag ein Schauspiel, das an die Ekstase anläßlich der Fußballweltmeisterschaft in Italien erinnerte: Ein Schauspiel, das auf tausenden Bühnen zugleich abrollte, in Wohnungen, in Büros, in Läden, auf den Straßen. Vor den Häusern der großen Zeitungen gab es dramatische Szenen, die Riesenbuchstaben in den Auslagen einiger tüchtiger Geschäftsleute, die auf die Idee gekommen waren, das Publikum durch Bekanntgabe des augenblicklichen Standes des Eishockey-Wettspieles Italien— Tschechoslowakei anzulocken, war Grund zu heftigen Diskussionen. Die meisten Aemter und Geschäfte waren in ständiger telephonischer Verbindung mit den Redaktionen. Ein Kollege erzählte mir, daß ein Prokurist einer bekannten Prager Großbank seiner Telephonistin den Auftrag gab, jede zehn Minuten eine andere Redaktion anzurufen. Die Arme hätff verrückt werden können, als die einzelnen Abteilungen sie mst telephonischen Anfragen bombardierten, ob»wir" schon gewonnen haben. Endlich kam sie auf die Idee, das Haustelephon auszuschalten. Aber das Sportinteresse wußte sich auch jetzt zu helfen: Da der Prokurist der einzige Informierte in der Anstalt war, geschah ein Wunder: selbst die Beamten, die sonst dem gefürchteten Raum dieses Funktionärs ausweichen, dachten sich die einfachsten Vorwände aus, um das Zimmer betreten zu können. Und der sonst nur für Wertpapiere und dergleichen Interessierte sprach nun nur über den Wettkampf in Davos. Ihn interessierte sogar die Ansicht seiner Untergebenen, er wollte wissen, wie siedasEndresultat»tippen", er Köpfte ihnen brüderlich auf die Schulter, schloß mit ihnen Wetten über den Ausfall des Kampfes ab, und— als das Resultat Sri für „uns" bekannt wurde, umarmte er vor Freude gerade den Beamten, dem er ab 1. Jänner seinen Gehalt kürzen ließ. Das wird wohl nicht die einzige Szene dieser Art gewesen sein, die sich in der Tschechoslowakei an dem historischen Dienstag im Jänner 1935 äbspielte. Aber bereits am Mittwoch, wo„wir" nur gegen Schweden spielten, das schon nördlich der Popularität liegt, rollten die Tage wieder auf den alten Geleisen. Der Prokurist interessierte sich wieder nur für Wertpapiere und ihre Kurse, die Auslagen verloren ihre Anziehungskraft und vor den Anschlagstafeln der großen Tagesblätter drängten sich nur die Leute, welche die Rubrik „Freie Stellen" durchse.hen wollten. h—b. Wieder Stempel-Diebstahl in einer Prager Trafik. Prag. Nachdem erst vor wenigen Tagen zwei ausländische Diebe verhaftet worden waren, weil sie in einer Trafik Stempel im Werte von 18.000 KL gestohlen hatten, hat sich die Prager Polizei jetzt von neuem mit einem ähnlichen Fall zu beschäftigen. Dienstag meldete die Verkäuferin in einer Trafik in der Hybernergaffe, daß ihr aus der Verkaufsbude eine Aktentasche mit Marken und Stempeln im Betrage von 10.000 KL entwendet wurde, während sie sie einen Augenblick lang unbeaufsichtigt ließ. Nähere Angaben über den mutmaßlichen Täter konnte die Frau nicht machen. Spiegel in Dtratzenbahnwagen Versuchsweise sollen in 30 Motorwagen der .Straßenbahn Spiegel angebracht werden, um die Wagen so auszustatten, wie andere Städte es bereits getan haben. Außerdem sollen die Möglichkeiten, durch Anbringung von Reklame-Affichen der Straßenbahn neue Einnahmen zu verschaffen, stärker als bisher herangezogen werden. ticrlehtssaai Advokat wegen Betruges verurteilt Die Palmarrechnung soll alles gleich bringe«. 10.000 KL für fragwürdigen Rechtsbeistand! Prag. Es ist keine erfreuliche Angelegenheit wenn ein Rechtsanwalt des Betruges und der Veruntreuung angeklagt ist und die Sache wird um kein Haar erquicklicher, wenn ein solcher mit dem Doktordiplom gezierter Beschuldigter sämtliche gerichtlichen Vorladungen durch Vorlage ärztlicher Zeugnisie zu sabotieren versucht, die ihm bescheinigen, daß er wegen schwerer Krankheit unmöglich vor seinen Richtern erscheinen könne. Uns ist ein Fall bekannt— er hat mit dem vorliegenden nichts zu tun—, wo ein hiesiger Advokat fünfundzwanzigmal in eigener Sache vom Untersuchungsrichter vorgeladen wurde, aber stets«in treffliches ärztliches. Zeugnis zur Hand hatte, mit dessen Hilfe er sich der Vorladung zu entziehen wußte. Später stellte sich dann heraus, daß der „schwerkranke" Mann am gleichen Tage vor einem andern Gericht als Verteidiger aufgetreten war! Am Mittwoch stand also vor dem Straffenat H r u§ k a des hiesigen Kreisgerichtes der Prager Advokat Dr. Josef Hacker unter Anklage des Verbrechens der Veruntreuung und der Uebertretung des Betruges. Die Vorgeschichte dieser Anklage ist ebenso abenteuerlich al- tragisch. Ein junger Mann, Josef K., hätte sich in Liebeshändel verstrickt, deren Folge schamlose Erpressungen seitens der„Geliebten" waren. Josef K. mußte sein Abenteuer furchtbar bezahlen. Er stellte für viele tausend KL Wechsel aus, um sich von der Erpresserin loszukaufen. Trotzdem aber gelangten gewisse Dinge zur Kenntnis seiner jungen Frau, die sich daraufhin vergiftete. Die Erpresserin ver- kauste inzwischen die Wechsel einem Geldinstitut, welches sie nun in rücksichtsloser Art einzutreiben begann. Josef K. und seine Familie wurden derart in die Eng« getrieben, daß seine Mutter um ihre Villa zu fürchten begann und sich in einen Prozeß mit dem Geldinstitut einließ, welches gegen den i Wechselschuldner eine Exekution nach der andern durchführen ließ. Als Rechtsbeistand erwählte sie sich den Dr. Josef H a ck e r, der zunächst 1000 KL verlangte, um die nächstfälligeExekutionaufz uschi e- b e n. Er erklärte, das Geld bei Gericht zu'erlegen und erhielt unter gleicher Begründung nach und nach 7000 KL. Sonderbar war dabei freilich, daß trotz dieser angeblich bei Gericht erlegten Beträge die Exekutionen munter weitergingen. Später verlangte und erhielt dieser Anwalt noch weitere 1800 KL, die er ebenfalls in zweckdienlicher Weise zu verwenden versprach. Schließlich schöpften seine Klienten Mißtrauen und betrauten einen andern Anwalt mit der Prüfung der ganzen Angelegenheit. Dr. Hacker suchte immer wieder der verlangten Abrechnung aus dem Wege zu gehen und als die Sache schließlich zu Gericht kam, suchte er di« Anklage dadurch zu parieren, daß er für seinen frag- würdigen Rechtsbeistand eine Palmarrechnung von etwa 10.000 KL präsentiert«, so daß durch diese Gegenrechnung die Forderung seiner geschädigten Klienten wettgemacht seil Das Gericht war anderer Meinung. Es fand zwar den Tatbestand des Verbrechens der Veruntreuung nicht als gegeben, verurteilt« aber den Angeklagten, der stch zur Verhandlung nicht eingestellt hatte, in absentia wegen Uebertretung des Betruges(hinsichtlich der 1800 KL) zu vier« zehnTagenstrengenArrestes. Ueber die Bedingtheit der Verurteilung wird das Gericht später entscheiden. rb. Vorträge Vortrag des Ministers Krosta. Mittwoch, den 30. Jänner, um halb 20 Uhr, spricht im großen Saal des Narodni Düm in Prag XII, der bevollmächtigte Minister Dr. Kamil Krofta über das Thema:„Die neue Lage in der europäischen Politik". Der Vortrag ist frei zugänglich und wird vom republikanischen Nachwuchs Groß-Prags veranstaltet. Freier ärztlicher Fortbildungskurs: Lungenkrankheiten, Klinik Prof. Nonnenbruch. Sonntag, den 27. Jänner. 10 Uhr a. m. Kunst und wissen Don Giovanni Mozarts„Don Giovanni" wurde vorgestern in musikalischer Neueinstudierung dem Spielplane des Deutschen Theaters wieder einverleibt. Dies muß mit besonderer Genugtuung festgestellt werden; denn gerade dieses unsterbliche Meisterwerk dürste aus dem Spielplane des die Mozarttradition wahrenden Prager Deutschen Theaters niemals verschwinden. Musikalischer Erneuerer des„Don Giovanni" war Kapellmeister Fritz Z w« i g, der schon zu Beginn der Spielzeit mit der stilvollen Aufführung einer anderen Mozart-Oper, der„Entführung aus dem Serail", seine besondere Eignung für die Musik Mozarts beweisen konnte. Auch seine„Don Giovanni"-Neueinstudierung war von echt mozart- schem Geist erfüllt. Vor allem war sie durchaus stilvoll und von peinlichster musikalischer Sauberkeit. Im allgemeinen betont Zweig mehr die Anmut und leichtbeschwingte Lieblichkeit der„Don Giovanni"-Musik, als ihre dramatischen Akzente; im besonderen liebt er auffallend zurückhaltende Zeitmaße und sparsame Dynamik. Ähr schön und sauber klangen di« C h ö r e. sehr präzis die großen Ens emb l e, immer nachgiebig und doch ungemein passioniert musizierte das Orchester. Einige Neubesetzungen waren bei dieser Neueinstudierung vorgenommen worden. Fr. Rose Pauly sang und spielte die Donna Anna; stimmlich glänzend disponiert und doch nicht belcantomäßig, aber mit aller dramatischen Leidenschaftlichkeit ihrer starken künstlerischen Persönlichkeit. Leporello war Herr Jul. Guttmann, ein Künstler, der buftomäßig durchaus am Platze ist, aber dem Schöngesang aus dem Wege geht;, auch musikalisch sicherer muß er werden. Musikalisch unsicher war auch der neue Masetw des Herrn Potz o v i L, dessen schöne Barüonstimme wieder angenehm auffiel. Eine echt mozartische Zerline von lieblicher Anmut in Erscheinung, Spiel und Gesang, sah und hörte man von Frl. HertaRayn, einer jungen Künstlerin, deren auffallend schön sich entwickelndes Talent zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Der Erfolg der Neueinstudierung, an dem die bewährten alten Kräfte(Frl. K o n e tz n i, Herr Hagen, Herr R i a v e e und Herr Andersen) verdienten Anteil hatten, war groß und echt. Leider zeigte der schwache Besuch des Theaters, daß die Prager„ihren" Mozart nicht mehr verstehen wollen. E. I. Deutsche Mnstkakademie, heute 20 Uhr Oeffent- licher Abend, Lyzeum Prag II., Charvätovä.(R. Straub, Debussy, Janäiek.) Spielplan des Neuen Deutsche« Theaters. Donnerstag halb 8 Uhr: 13 b e i Tisch, Erstaufführung, CI.— Freitag halb 8: Stille Musik, Ensemblegastspiel von Mitgliedern des Wiener Burgtheaters, D 2.— Samstag halb 8: Die schöne Helena, Abonn. aufgehoben.— Sonntag halb 3: Schneider Wippl kontra Napoleon, Arbeitervorstellung, halb 8: I e n u f a, neueinstudiert und neuinszeniert, A 2.— Spielplan der Kleinen Bühne. Heute Donnerstag, abends 8 Uhr: Schneider Wippl. — Freitag 8 Uhr: Fremdenverkehr, volkstümliche Vorstellung.— Samstag 8; 13 bei Tisch.— Sonntag 3%: Nacht vor dem Ultimo, 8: Schneider Wippl. Lida Baarovä in dem Film»Grandhotel Nevada". Der Schatten in der Tür Als dieser Berliner Ufa-Film vor nunmehr zwei Jahren gedreht wurde, war er eine drittran- gige Angelegenheit. Heute da 22 Monate Goekckels- Film ins(In- und Aus-)Land gegangen sind, erscheint er uns als beachtliches Produkt handwerklicher Sorgfalt und unterhalffamer Konstruktion. Der Regisseur Alfred Z e i s l e r war(wie schon sein „Schuß im Tonfilmatelier" bewies) ein hinreichend geschickter Kriminalfilm-Macher, der sich nie zu weit ins Gebiet des Allzu-Unwahrscheinlichen begab und der den kunstgerecht verwickelten Fall mit derbhumorigen Typen, aufregenden Zwischenfällen und dem unvermeidlichen happy end versah, das auch hier der Aufklärung des großen Bankeinbruchs folgt. Unter den Darstellern ragen Speelmanns als gemütlich-energischer Kommissar, Oscar Sima als wienerischer und Ernst Deppe als berlinischer„schwerer Junge" hervor.—eis— Spott• Spiel• Körperpflege Für Sozialismus und Arbeitersport Eine wirknngSvolle Vortragsreise in Amerika Der Präsident der SASF, Genosse Dr. Julius Deutsch, ist von seiner Amerika-Reise zurückgekehrt. Er hat dort neben Vorträgen, die er an Universitäten und in wissenschaftlichen Vereinigungen gehalten hat, auch ein« Anzahl großer Versammlungen für die sozialistische Partei und die Gewerkschaften Amerikas gehalten. Wie wir Zeitungsberichten entnehmen, hat Genoss« Dr. Deuffch in diesen Reden stets auch auf die Bedeutung des Arbeitersports als eines der Kampfmittel der Arbeiterklasse gegen den Fascismus hingewiesen und es ist zu hoffen, daß dieser Teil seiner Ausführungen in den Partei- und.Gewerkschaftskreisen Amerikas die gebührende Beachtung gefunden hat. Genosse Deutsch war auch in der Lage, mit den 'Arbeitersportlern Amerikas selbst in Verbindung zu treten. In ihrem Kreise hat er darauf hingewirkt, daß di« jetzt selbständigen deutschen, tschechischen und finnischen Arbeitersportvereine sich zu einem leistungsfähigen amerikanischen Arbeitersportverband zusam- menschließen. Wenn diese Vereinigung gelingt, und hiezu besteht begründete Aussicht, dann ist der Boden geschaffen, auf dem sich eine kräftige Arbeitersportbewegung entwickeln kann. Sie wird dann nicht allein von den Gruppen eingewanderter Arbeiter getragen, sondern sich sehr bald schon auf die englischsprechenden Arbeiterfportgruppen ausdehnen. Eine Werbeaktion unter der englischsprechenden Arbeiterschaft ist bereits im Gange. So kann der Besuch des Genossen Deuffch in Amerika mit dazu beigetragen haben, daß nicht allein die Arbeiterbewegung dieses Landes einen kräftigen Impuls empfangen hat, sondern auch di« Arbeitersportbewegung, auf neuen Boden gestellt, nunmehr kräftigere Fortschritte macht als bisher. Die Welt- und Europa-Meisterschaften im Eishockey. Am Mittwoch fand die Zwischenrunde ihre Fortsetzung. Mit viel Glück blieb die Tschechoslowakei über Schweden erfolgreich. Di« Schweden, während zwei Drittel der regulären Spielzeit überlegen, vermochten nach dem Ausgleich nicht di« Chance in der Aufregung wahrzunehmen, die das tschechoslowakische leere Tor bot. Dadurch wurde eine Verlängerung von zweimal 10 Minuten notwendig und der Tschechoslowakei gelang das Siegtor, Mit 2:1 mußten sich die Schweden, etwas unverdient, geschlagen bekennen. England gewann gegen Oesterreich mit 4:1, nicht so sehr durch Ueber« legenheit, als durch den Leichtsinn des österreichischen Torwächters, welcher, um ein Tor zu verhüten, einfach den Kasten umwarf und dafür auf drei Minuten ausgeschlossen wurde, die genügten, um den Engländern einen leichten Sieg zu verschaffen. Frankreich konnte der Schweiz nicht den erwarteten Widerstand leisten und wurde mit 1:6 abgefertigt. Kanada machte mit Italien wenig Geschichten und ferffgte si« mit 9:0 ab.— Im Trostturnier gewann Rumänien gegen Lettland 3:2 und Ungarn besiegte die Belgier mit 6:1. Lus 6er Partei Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpariri. Donnerstag, den 24. Jänner, 8 Uhr abeiws Parteiheim Närodni tr. 4 Vortrag des Genossen Dr. Strauß „Drei Wochen in der Sowjetunion" Donnerstag, den 24. Jänner, 7 Uhr abends im Parteiheim Sitzung der Exekutive Montag, den 28. JLnner, 8 Uhr abends im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Bergstein Patteiversammlung mit Vortrag „Deutschland" Zutritt zu den Parteweranstaltunge» nur gegen Mitgliedsausweis. Die Jahresversammlung der Be- zirkSorganisation findet am 18. Feber statt.---Ersuchen Termin freizuhalten. Die Bezirksvertretnng. Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker. Wir beteiligen uns an dem Vortragsabend des Genossen Dr. Emil Strauß über das Thema: „DreiWochen in de rSowjetunion" Donnerstag, den 24. Jänner, um 8 Uhr im Parteiheim. Närodni 4. Montag, den 28. Jänner, Teilnahme an der Parteiversammlung im großen Saale des Gc- werkschaftshauses am Persthn. SPD-Emigranten, heute, Donnerstag. Arbeitsgemeinschaft über Mittelstandsfragen. Beginn 6 Uhr nachmittags im Parteiheim. Vereinsnathrithlen PRAG Volkssinggemeinde Vereinsleitung. Deutsche Bolksstnggemeinde. Generalversammlung! Freitag, den 25. Jänner, um 8 Uhl abend im Parteiheim Närodni tk. 4. 3. Stock, zu welcher sämtliche Sangesgenossen sowie alle Freunde der herzlichst willkommen sind. Die Eisläufen. Solange die Moldau für das Eisläufen frei ist, tref- fen sich alle Schlittschuhläufer des Atus Samstag nachmittags und Sonntags auf dem zweiten Platz ström« aufwärts von der Stefanikbrücke (Kettenbrücke). Mr sollt auch unter Euren Freunden und Bekannten werben und sie mitbringen. Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab 1935 da täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „Goaial&emotrat" Verwaltung Prag XU., Fochova tr. 62, zum Preise von 16 KL monatlich, und sende diese« Bettag nach Erhall des Erlagscheines ein. Name: Genau« Adresse: ,,,,,,,,,■* Letzte Post: Unterschrift: Bezugsbedingungen: Bei Zustellung inS Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Äetourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraph endirekffon mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck-, Verlags« und ZeitungS-A.-G.. Prag.