XENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii, fochova a. telbon sxai. Administration Telefon 53076. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Heller (•inichliaBlich 5 Halter Porto) 15. Jahrgang Sonntag, 27. Jänner 1935 Nr. 23 iw Wie sichert die Republik sich vor ihnen? Die tschechoslowakischen Gerichte haben gegen die drei Täter von Stöchovice, deren genaue P-.r- svnsbeschreibung vorliegt und die in Deutschland mühelos zu greifen wären, einen Steckbrief erlassen. Der Steckbrief ist eine Formalität— die Mörder befinden sich bei ihren Auftraggebern sicher wie in Abrahams Schoß, man wird sie nicht finden, es wird ihnen nichts geschehen, ganz im Gegenteil,„ eS ist ihnen wie noch jedem, der im Dienste des Nationalsozialismus gemordet hat, im Dritten Reich eine große Karriere sicher, aus der sie nur eine Unvorsichtigkeit herauswerfen kann. Werden sie den Auftraggebern eines Tages unbequem, besteht die Gefahr, daß sie sprechen, dann, aber auch nur dann, werden sie ebenso brutal abgeschlachtet werden, wie sie jetzt ihr Opfer geschlachtet haben. Samstag tauchte plötzlich die Version auf, eS handle sich bei Gert Schubert, dem vermut- - sichen Haupttäter, um den Chauffeur Eckert aus Marienbad, der den Professor Lessing ermordet hat. Inzwischen wird gemeldet, daß die Identität pichten beweisen, eher auszuschließen ist. Die Vermutung aber, es sei Eckert, beweist, wie ahnungslos die dem Dritten Reich benachbarte Welt dem Wesen und der Moral des National- srzialismuS gegenübersteht. Weil zweimal unter ähnlichen Umständen ein tückischer feiger Rachemord verübt wird, weil zweimal ein sicherer Schütze, ein kaltblütiger Schlächter der Täter sein muß^follte cs sich um den gleichen Verbrecher handeln? Ja, bei jedem anderen Land der Welt läge diese Vermutung wirklich nahe, bei jedem anderen Land könnte man aui den Gedanken kommen, daß »Z nur e i n Untier solchen Formats geben kann. Aber es handelt sich doch um Deutschland, nm Hitlerdeutschland! Es handelt sich um rin Land, da- von der NSDAP beherrscht wird, die den Mord heiligt und das Morden lehrt. Es handelt sich um rin Land, in dem»Fememörder" een Ehrentitel ist, den seine Träger auf Plakate und in Zeitungen setzen lassen, sts handelt sich um das Land, in dem es das Lager Oranienburg und seinen Kommandanten Eicke, es handelt sich um das Land, in dem es Hermann Göring gibt, dessen Erscheinung Ubland vorausgeabnt haben muß, als er den König siin« Ballade schilderte: Denn, was er sinnt, ist Schrecken und, was er blickt, ist Wut. Und wa§ er stuücht, ist Geißel und, wa» er schreibt, ist Blut.. Es ist auch lappisch, wenn katholische Blät- ter schreiben, hinter dem Mord müsse eine geheim- Feme-Organisation stehen und man werde deshalb die Urheber nie fassen. Eine Feme-Organisation? Irgendeine, unbekannte Berbrecherbande? Die Feme-Organisation, die Europa unsicher macht, deren Häupter, deren Grundsätze, deren Methoden man überall sinnt, wo man sich nicht blind und blöd stellt. Die Urheber sind so bekannt wie die Täter. Die deutsche Regierung hat gewußt, daß es in «inen»— Dorf, wie sie glaubte—„Zähoti" einen Sender gab. Die Emissäre der Auftraggeber haben das Hotel Zckhöki gefunden. Wer sucht da noch geheime Organisationen? Ein Narr zerbricht sich den Kopf über die Auftraggeber, wer mit wachen Sinnen die Monate seit dem Reichs- Keine tschechoslowakischen Zeitungen in Berlin! Berlin.(Tsch. P.-D.) Die Zcitun- gen aus der Tschechoslowakei gehen nach wie vor nicht ein. Es scheint, daß He an der Grenze mit Rücksicht auf die bekannten Vorfälle in Zahoti zurückgehalten werden. tagsbrand erlebt hat, wer den 30. Juni nicht verschlafen hat, kennt die Auftraggeber. * Die Tatsache, daß aus dem Nachbarstaat wohlausgerüstete Mordkommandos in die Republik kommen, ihre Opfer holen und unbehelligt zurückgelangen, ohne eine Strafe zu riskieren, schafft eine unhaltbare Situation. Die tschechische Oeffentlichkrit müßte begreifen, an dem Beispiel von Marseille rrren- nen, daß eines Tages die Mordkommandos auch solche dem Dritten Reich unangenehme Warnungsbrief aus Deutschland! Die„Prager Presse" verzeichnet den sehr bemerkenswerten Umstand, daß Dr. Otto Strasser vor drei Wochen aus Deutschland einen ver- traulichenBrief erhalten hat, der die Warnung enthielt, daß nach dem 13. Lanner, also«ach der Saar, abstimmung, eine Säubernngs- aktiv« gegen ihn und seine Mit- arbeiter erfolgen werde. Es wurde ihm nahegelegt, äußerste Vorsicht, insbesondere bei neueintreffenden Reichsdeutschen, walten zu lassen. Zn diesem Zusammenhang gewinnt die Mordtat eine neue Beleuchtung. Persönlichkeiten suchen und angrcifen werden, die nicht Emigranten sind. Hat der Tod Bar- thous nicht reiche Ernte für das Dritte Reich gebracht? Der Brünner»Tagesbote" erinnert mit Recht an Görings Belgrader Erklärungen, in denen er sich rühmte, daß Deutschland Elemente wie die Mörder von Marseille nie dulden würde. Die Tatsachen beweisen das'Gegenteil. I n Deutschland gibt es Mordkommandos, die mit einer unheimlichen Präzision arbeiten und sichtlich geschickter sind als die Emissäre der Ustasa. i Wie soll die Republik sich gegen den Terror schützen, der aus dem Nachbarstaat herübergetragen wird? Durch Visumzwang? Durch schärfere Grenzkontrolle? Daß die Grenze besser bewacht sein müßte, als sie es bei der Heimkehr der Mörder war, ist nicht zu bestreiten. Daß ein armer Teufel, wenn er eine Kleinigkeit schmuggelt, sein Leben riskiert, aber Mörder ungehindert spazieren fahren und ihren ganzen Park von Mordwerkzeugen mit sich führen, daß man ein verdächtiges Auto anstandslos ausliefert, das sind sicher Mißstände, gegen die Abhilfe zu suchen wäre. Eine wirksame Hilfe aber kann nur gefunden werden, wenn man eine dem fascistischen Terror wirklich gewachsene Polizeitruppe schafft. Die Bürokratie und die Polizei, die heute noch mit den Methoden von vorgestern arbeiten und sich nicht im klaren darüber sind, mit welchem Feind sie es zu tun haben, werden die Republik, ihre Bürger, ihre Staatsmänner nicht wirksam schützen können. Der Terror der Nazi ist nur deshalb so leicht zu uns zu tragen, weil es in der Republik zweifelsohne zahllose Helfer, Spitzel, Sympathisierende, Miwerschwörer g.bt. Es wäre so schwer nicht, die Mitschuldigen zu fassen, wtnN man die Aufgabe politisch, nicht bürokratisch anginge I Man braucht, um die Sympathisierenden kennen zu lernen, nur die deutschen Blätter der Republik denkend— also nicht mit den Augen eines zensurierenden Bürokraten, sondern mit denen des politisch geschulten Menschen— durchzusehen. Ist es nicht auffällig, daß.die„B o h c m i a" über den eindeutig als Feme- und Rachetat erkennbaren Mord so schreibt, als handle es sich um eine Wirtshausrauferei („Mord unter Reichsdeutschen")? Fällt niemandem auf, daß Henleins getreue„EgererZei- t u n g" erst Samstag über den Mord berichtet, und zwar auf Seite 4 unter dem Titel„Mysteriösen Mord bei Prag"? Daß sie aber auf Seite 2 in Sensationslettern berichtet:„Verschärfte Ausländerkontrolle geplant— Die Auswirkung des Mordes von Stüchowitz". Ehe die Leser des Henlein-Blattes erfahren, daß überhaupt gemordet wird, dressiert man sie auf den Mann— auf die Emigranten. Wer denkt und denkend Zeitung liest, wird manches nichtmysteriös finden: nicht das Gert Schubert war Nazi-Emissär in Wien! Wien.(Tsch. P.-B.) Wie der„Telegraph" meldet, ist einer der Fememörder von Zahori, Gert Schubert, mit lenem SS-Führer Schubert identisch, der sich im Jahre 1933 mehrere Monate auf Weisung der Münchener nationalsozialistischen ParteUeitung in Wien aufgehalte» hat. Er hat sich als R a ch- richtenoffizier betätigt und hat gemeinsam mit dem Ingenieur Raute» und mit dem mehrfachen Bombenwerfer Fitzthum mehrere Unternehmungen durchgeführt. Schließlich wurde er nach Sachsen abkommandiert, wo er mehrere Monate Dienst versah. Schweigen der reichsdeutschen Zeitungen, nicht die Schüchternheit der sonst so sensationslnstigrn Henleinblättrr, nichtdie gutenJnfor- mationen der reichsdeutschen Mordzentrale über die Tschechoslowakei! Warum kommt di^ Gendarmerie diesem Netz nicht auf die Spur? Warum bleibt sie stecken, wenn sie es durch Zufall an einem Ende gefaßt hat, wie im Vorjahr in Saaz, in T e p l i tz, in Schönlinde? Weil sie von den Grundsätzen, Oraanisationsmethoden, den Zielen,.her Skrupel- losigkeit, der ganzen Ideologie und Praxis des Fascismus keine Ahnung hat. So wenig die Fascisten sich bei der Aufrichtung ihrer Herrschaft des alten staatlichen Apparates bedienen konnten, sondern sich einen neuen schaffen mußten, so wenig wird man ihrer mit dem alten Apparat Herr werden. Nur eine mit genauester Kenntnis des Gegners, mit dem Einsatz wirklicher, aus der Gesinnung erwachsender, Leidenschaft arbeitende, bewegliche Polizeitruppe wird den braunen Terror brechen können. Die Reform der politischen Posizei, die Schaffung einer republikanischen Garde zur Niedcrkämpfung des Fascismus wären die notwendige Voraussetzung für das Gelingen der Aufgabe, die der Republik durch die unheimliche Tätigkeit deka deutschen Mordkommandos gestellt ist. Die Bestattung des Ermordeten Gestern nachmittags fand auf dem Dorffriedhof von S l a p y das Begräbnis des ermordeten Jng. Formis statt. Zu dem Begräbnis hatte sich ein kleiner Kreis von Freunden des Ermordeten eingefunden, die Jng. Formis in Prag hatte, darunter Dr. Otto Strasser, ferner einige Journalisten und Amtspersonen. Die Schande der Konzentrationslager Die vorgestrige Ausgabe der„Times" brachte einen langen Artikel, in dem erneut im Namen der Gerechtigkeit gegen das Fortbestehen der Konzentrationslager in Deutschland Protestiert wird. Entgegen den zahlreichen Versicherungen deutscher Regierungsstellen, daß die Konzentrationslager aufgelöst werden sollen, befänden sich noch immer 2000 Männer und eine Reihe von Frauen in den verschiedenen Lagern, am meisten in Dachau, das etwa 600 Häftlinge beherberge. Seit dem letzten Sommer seien Besuche der Konzentrationslager weder Angehörigen der Insassen noch Journalisten gestattet worden. Es seien Beweise dafür vorhanden, daß die Mißhandlungen fortgesetzt werden. Der Artikelschreiber weist darauf hin, daß ein großer Teil der Unglücklichen, die sich im Konzentrationslager befinden, Schutzhäftlinge seien, die man angeblich zu ihrem eigenen Schutze in Haft genommen hat. Außer Kommunisten gebe es Sozialisten» Deutschnationale und auch Nationalsozialisten unter den Gefangenen. I Als bezeichnend wird der Fall zweier Berliner Mädchen erwähnt, die» man inö Konzentrationslager gebracht habe» weil sie Blumen auf Rosa Luxemburgs Grab gelegt hatten«, Stimme von drüben „Das neue Deutschland handelt— es redet nicht viel...!** Seite 2 Sonntag, 27. Jänner 1935 Rr. 23 Vie politisdic Woche Die schwere Beunruhigung durch den K l a d n o c r Konflikt wurde durch die allgemeine Bestürzung über dengrauenhaftenFeme- m o r d abgelöst, durch den der fluchwürdige deutsche Fascismus neue Blutschuld auf sich lud. Unerträglich der Gedanke, daß ein geistig hochstehender Flüchtling, der sich dem Fascismus nicht h.itte beugen wollen und der lieber das Martyrium des Emigranten-DaseinS auf sich genommen hatte, mitten im Herzen unseres Landes bestialisch hin geschlachtet wurde. Und daS Aufregendste: der Tollkühnheit der Mordgesellen ist es gelungen, quer durchs ganze Land wieder an die Grenze:.nd in die Arme der blutbefleckten Auftraggeber zurückzugelangen. An der Klarstellung dieses entsetzlichen Falles, der natürlich sein außenpolitisches Nachspiel haben wird, wird fieberhaft gearbeitet. Hoffentlich wird dieses Verbrechen jenen, die in der Beurteilung der fasristischen Gefahr und der fascistischen Elemente hierzulande noch schwankten, endlich die Augen öffne». Wir haben rechtzeitig«nd reichlich gewarnt! Mitten in der überhitzten Atmosphäre, die der politische Mord auslöste, gehen die Arbeiten der Regierung weiter. Alle Ressorts sin- voll am Werk, um die Unterlagen für die politischen und parlamentarischen Entscheidungen bereitzustellen, alle ministeriellen Komitees arbeiten an den Aufgaben, die in der Richtung des von der Regierung beschlossenen, vom Ministerpräsidenten dargelegten Programms liegen. In derletzten Ministerratssitzung wurde der größte Teil des während der verflossenen kurzen Ferien angehäuften Materials aufgearbeitet, wobei den internationalen und den innenpolitischen sowie insbesondere den wirtschaftlichen Fragen größtes Augenmerk zugcwendet wurde. Ein groß angelegter Bericht des Außenministers veranschaulichte die letzten Phasen der auswärtigen Politik und deren brennendste Probleme. Im Anschluß daran wurden selbstverständlich die letzten innerpolitischen Ereignisse und vor allem der Fememord eingehend erörtert und die notwendigen innen- und außenpolitischen Maßnahmen beraten. In den Vorarbeiten der Regierung nahmen die Wirtschaftsfragen den breüesten Raum ein. Der neuerliche Krisenan- s: i e g erheischt entschiedene Abwehrmaßnahmen vor allem durch Produktionsbelebung und Arbeitsbeschaffung. Durch eine planvolle Produktionsregelung, die die wichtigsten Produktionsgebiete erfaßte soll ein neuer Aufbau der Wirtschaft angebahnt und durch' wcitmrStzrdftende Arbeitsbeschaffung und durch sozialpolitische Maßnahmen(Arbeitszeitverkürzung, Regelung deS Arbeitsmarkes) nachgeholfen werden. Man wird aber auch mit diesen Maßnahmen nicht das Auslangen finden und zu radikalen Eingriffen gegen plan- und rücksichtslose Rationalisierung greifen müssen. In der Frage der Arbeitsbeschaffung war die Regierung in der letzten Woche bemüht, die für das laufende Jahr budgetmäßig gesicherten Investition n e n, deren Ausmaß an zwei Milliarden heranreicht, entscheidungsreif zu machen und sie durch schleunigsteKreditsicherungin Gang zu setzen. Inwieweit auch noch darüber hinaus Brot und Arbeit bereitgestellt werden kann, wird in der kommenden Woche entschieden werden. Das von der Regierung eingesetzte Investitions- Komitee(Ministerpräsident, Arbeiten-, Fürsorge- und Finanzminister) hielt bereits eine Reihe von Beratungen ab, um die notwendigen vorberestenden Anträge für die Regierung auszuarbeiten. Ernstest beraten wird zur Zeit auch die Sa- nierung der Selbstverwaltung. Die Schwierigkeiten in der Beschaffung der finanziellen Sicherung, aber auch gewisse Bedenken hinsichtlich der Gestaltung des Sanierungsprojektes haben zu einer Neuredigierung der Vorlage geführt. Die beiden zuständigen Res- sorts haben sich über die entscheidenden Punkte bereits verständigt; augenblicklich werden die Fach- W i e n.(Tsch. P.-B.) Samstag zeitlich früh wurden in zahlreichen Wiener Druckereien überraschende polizeiliche Durchsuchungen vorgcnom- men. Die Polizei wollte offensichtlich den Herstellungsart des illegalen Propagandamaterials, sowohl nationalsozialistischen als auch marxistischen Inhalts, feststellen. Die am Tage vorher erlassenen«nd verschärften Vorschriften gegen die illegale Pressepropaganda sieht bekanntlich für Druk- kereien, die solche Erzeugnisse herstellen, strenge Strafen vor. Die polizeilichen Durchsuchungen erstreckten sich auch auf die beiden tschechischen Druckereien in Wien, die Bolksdruckerei im 5. Bezirk und„M e l a n t r i ch" im 9. Bezirk. DaS Er» Vor den Londoner Besprechunsen Wird Frankreich die deutsche Aufrüstung tolerieren? Paris. Mit dem sich nähernden Termin der Abreise Flandins und Lavals nach London wächst in der politischen Oeffentlichkeit und in der Presse das Interesse an den Problemen, die Gegenstand der Besprechungen der französischen und englischen Minister sein werden. Gegenüber den englischen Blätterstimmen, die andeuten, daß Frankreich dem gegenwärtigen Rüstungsstand Deutschlands gegen einige prinzipielle Erklärungen über Zusatzgarantien für Frankreich zustimmen tverde, zeigt sich in französischen parlamentarischen Kreisen sowohl der Rechten wie des Zentrums und auch der Radikalen ein wachsender W i verstand dagegen, daß Frankreich von s 11 n em p ri n z i p i eil en Standpunkt etwas Nachlasse. Am Freitag hielt in Paris der ehemalige Direktor der„Times" Wickham Steed einen Vortrag, der reichen Beifall fand, als er darauf bestand, daß Frankreich und England absolut einmütig gegenüber Deutschland vorgehen mögen. „Echo de Paris" meint, daß die Londoner Besprechungen in der nächsten Woche eher Nur ein Austausch der Ansichten, als Konferenzen mit bestimmtem Programm sein werden. Das Blatt wiederholt, daß Laval dauernd fest entschlossen sei, die Verhandlungen über den Abschluß eines Ostpaktes zuEndezu führen, auch wenn Deutschland mit Polen ihren Beitritt ablehnen. kreise angehört, worauf dann die Verhandlung der Vorlage in der Regierung beginnen wird. Gleichzeitig wurden auch die schwebenden Landwirtschaftsfragen zur Beratung gestellt und schon in der kommenden Woche wird die Regierung die Prüfung der Vorlagen beginnen. So sind denn innerhalb der Regierung die wichtigsten Fragen des gesamten Komplexes bereits in Fluß, die nächsten Wochen werden einige Vorlagen entscheidungsreif machen. Natürlich geht innerhalb der Opposition das große Rätselraten um den Wahltermin weiter, ohne daß sich dadurch aber die Koalitionsparteien in ihrer Arbeit stören ließen. Sie überlassen diese Rätselrater ihrem wenig imponierenden Spiel. gebniS der Untersuchungen ist noch nicht bekannt. Was die beiden tschechischen Druckereien betrifft, so verlief die Untersuchung negativ. JnKlagenfurt wurden im Zusammenhang mit der erhöhte« Tätigkeit der Linksparteien abends der ehemalige sozialdemokratische Gewerk- schaftSsekretir Heinrich S o f f n e r und Redakteur Anton K o m b o s ch«nd andere Sozialdemokraten, durchwegs Mitglieder deS neuen sozialdemokratischen Aktionsausschusses, verhaftet, der in Kärnten bereits längere Zeit hindurch Propagandamaterial verbreitete. Freitag nachtS wurden in verschiedenen Wiener Bezirken 20 kommunistische Agitatoren verhaftet. Umschwung im Femen Osten? Tokio. Wie verlautet, sind zwischen Japan und der Sowjetunion Berhandlungen ausgenommen worden mit dem Ziel, alle Sicherungsmaßnahmen an der mandschurischen Grenze zu verwirklichen«nd später in einem Richtangriftspakt festzulegrn. Hinsichtlich dieses Paktes wird bekannt, daß Sowjetrußland gewisse Sicherungen militärischer Art für die Amurbahn beansprucht, waS aber dem Plan einer entfestigten oder entmilitarisierten Zone Schwierigkeiten bereitet. Auf sowjetrussischer Seite ist man ferner der Ansicht, daß auch die Lage des ungeschützten«nd wenig bevölkerten Ostsibirien gegenüber dem militärisch starken Japan«nd Mandschukuo zu berücksichtigen ist. In politischen Kreisen Tokios rechnet man aber damit, daß der starke Friedenswille der Sowjetunion eine Verständigung erleichtern wird. Tokio. Die Regierung hat eine Mitteilung des Oberbefehlshabers der japanischen Armee in der Provinz Kwantung erhalten, wonach das am 23. Jänner in der Provinz Tschachar eingeleitete militärische Vorgehen beendet worden sei. Die japanischen Streitkräfte hätten alle von chinesischen Truppen besetzten Gebietsteile in ihren Besitz genommen. Damit sei der Zwischenfall als beigelegt zu betrachten. Für Herrn Krupp lohnt sich der Nationalsozialismus Berlin. Zum ersten Male nach drei Jahren weist die Bilanz der, Krupp-Werke einen Ueberschuß in der Höhe von 6,651.601 Mark auf. Der Ausschuss der Bergarbeiter-Internationale hat nach Prüfung der Frage der Konvention über die Arbeitszeit in den Gruben, die der nächsten Tagung der internationalen Bergarbei- terkonferenz in Genf vorgelegt werden wird, seine Arbeiten in Paris beendet. Der Ausschuß ersuchte u. a. seinen Sekretär, eine Enquete über die Ursachen der Grubenkatastrophen einzuleiten. Dieser Ausschuß wird seine nächste Sitzung vor der Tagung der Internationalen Lr- beitskonferenz in Genf abhalten. Die Neosozialisten Paris. Die sogenannte neosozialistische Partei ist zu einem Jahreskongreß zusammengetreten. Dem Kongreß wohnen die beiden Begründer dieser Partei nicht bei. Deputierter R e n a u d e l ist bereits längere Zeit ernstlich krank, Deputierter M a r q u e t, ehemaliger Arbeitsminister im Kabinett Doumergue, ist bekanntlich im Vorjahr auS der Partei ausgetreten»und hat so der vorbereiteten Mißtrauenskundgebung vorge- griffe«. Die größte Zweigstelle der Partei, die auS der Gegend von Bordeaux, deren Mitglied Mar- auet blieb, und die ihn zum Kongreß entsandte, fordert, daß Marquet neuerlich in die Partei ausgenommen werde. Marquet selbst hat das Gesuch jedoch selbst nicht überreicht und ist dem Kongreß auch fern geblieben. Auf dem Kongreß entwickelte sich eine scharfe Debatte über die Politik jener, die eine Sozialpolitik im nationalen Rahmen anstteben, und jener, die eine rein sozialistische Politik verlangen. Marcel D e a t will beide Richtungen versöhnen und propagiert die Politik der Vereinigung der Linksparteien um den gemeinsamen gewerkschaftlichen Plan.(Die neosozialistische Partei verfügt in der Deputiertenkammer über 30 Vertreter.), Arbeltszeltkürzuns In England? Am Donnerstag und Freitag hat der englische Arbeitsminister Oliver Stanley mit dem Generalrat der englischen Gewerkschaften und mit der Föderation der englischen Unternehmerverbände über die Frage der Arbeitszeitverkürzung verhandelt, deren internattonale Regelung bisher von der englischen Regierung nicht unterstützt worden ist. Die Gewerkschaften halten daran fest, daß die Herabsetzung der Arbeitszeit ohne Herabsetzung der Löhne erfolgen solle, während die Unternehmer überwiegend Gegner einer solchen Maßnahme sind. Wie die„Times" berichten, soll dec Arbeitsminister geneigt sein, der Forderung der ' Gewerkschäftendösistustm^?''> Die Identität des Marseiller Mörders Marseille. Der Richter, der mit der Untersuchung deS Marseiller Attentats betraut ist, erhielt von der jugoslawischen Gesandtschaft in Paris eine Nachricht, wonach der KonigSmörder Kelemen in Wirklichkett Verusoko Dünitrov K e r i m heißt. Er wurde am 10. November 1894 in Kaminutza, Bezirk Petsch(Bulgarien), geboren und ist nach Orim zuständig. Er hatte in Sofia zwei Morde verübt und wurde deshalb zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Im Jahre 1922 wurde er jedoch begnadigt und aus der Hast entlassen. Der„tote" Austromarxismus Durchsuchungen und Verhaftungen In Wien und Klagenfurt Roman von Olga Scheinpflugovä CopyrigMfcy Fre—>dien*». Prag««-Verlar. Wien Wie Babiola richtig vorausgesehen hatte: Abends kam das Blumenangebinde. Herr Gabi selbst stelzte auf neuen Beinen in das Theater. Offen gestanden kam.er mehr aus Angst als aus Bewunderungsgründen. Die fette Ruhe seiner Frau durfte nicht gestört werden. Und da Andrö Gabi ein Geschäftsmann war, berechnete er nicht das„Wie?" sondern das„Wieviel?". ■ Er Köpfte an Babiolas Garderobetür. Wie et eintrat, erinnerte er Babiola lebhaft an Papa Bonnetier. Sie schminkte sich gelassen weiter. „O, Herr Gabi, persönlich? Die Blumen hätten genügt. Sie sind wirklich sehr aufmerksam zu Ihren Kunden. Ihre Firma ist auch wirllich einzig. Die Wäsche ist prachtvoll." Andre Gabi stand der Schweiß auf der Stirn. Babiola eilte an ihm vorbei. Sie mußte auf die Bühne. * Abends öffnete sie den Karton, den man ihr aus dem Geschäfte zugesandt hatte. Die Rechnung fehlte diesmal. Babiola lachte laut auf. „Schauen Sie, Jouvenellel Wäsche— für mein Leben. Es gibt doch noch Menschen, die ein gutes Gewissen haben. Es gibt doch noch Menschen, die guten Willens sind; es gibt sogar Hemden, seidene Hemden— ohne Rechnung." Babiola wurde zerfahren, zerstreut, reizbar. „Nanette! So geht das nicht weiter! So einen Wirrwarr gibt es nicht einmal im Theater: schauen Sie meine Garderobekasten an. Soll ich die selbst in Ordnung halten? Ich habe genug andere, zeitraubende Beschäftigungen." Sie warf Nanette einen Hermelinmantel an den Kopf und verwandette in kürzester Zeit den Garderobenraum in ein Bergwerk von Chiffon, Seide, Tüll und Spitzen. Auf allen Sesseln, allen Tischen häufte sich der Inhalt der Schränke. Babiola hatte sich in die Garderobe geflüchtet, um Ruhe zu finden. Eine Schachtel, die Theaterschmuck enthielt, geriet in ihre Hände. Die nahm sie in ihr ArbeitS« Seinen Namen hatte sie vergessen.., zimmer mit. Die ungefügige Schachtel entglitt ihr, rasselnd hüpfte das unechte Geschmeide über den Teppich: Eine Perlenschnur zerriß und zahlreiche mattschimmernde Kugeln eilten durch de« Raum. Babiola schlug erfreut die Hände zusammen. Die Ablenkung war ihr willkommen. Sie kniete nieder, sammelte die verstreuten Dinge und setzte sich schließlich auf den Teppich, um die Perlen auf eine Schnur zu reihen. Sie befeuchtete das Ende der Schnur mft den Lippen; in längst vergangenen Kindertagen hatte sie so Muscheln zu einer Kette vereinigt; sie kam sich jetzt ein wenig wie das lleine Mädel aus Bidar vor. Sie begann ein längswergessenes Lied von einem ertrunkenen Mägdelein zu singen, das sie zuweilen mit Raoul gesungen hatte. Einförmig rauschend hatte das Meer diese einfache Melodie begleitet. Sie hatte Lust, Raoul ins Zimmer zu rufen, damit er sich neben sie auf de» Teppich setze und mitsänge. Sie überlegte es sich aber im letzten Augenblicke: Raoul war zu häßlich; es war eigentlich gar nicht zu begreifen, wie sich ein Mensch so verändern konnte. So blieb sie mit den Perlen im Schoße und den zwanzig Strophen des Liedes aus ihren Kindertagen allein. Die Zeit der Abmdvorstellung nahte. Babiola sagte im letzten Augenblick ab— und zwar gleich für die folgenden Monate. Der Direktor kam mit unheimlicher Schnelligkeit; er war sehr besorgt. Als er sah, daß Babiola nicht krank zu Bett lag, bot er ihr eine ungeheure Summe an; sie solle nur wieder auftreten. Babiola schüttelte traurig de» Kopf. „Ich bin eS müde, Bergnügungslieferantin des Publikums zu sein. Ich muß fort." Sie rief Jouvenelle, ließ ihre Koffer packen. „Adieu, Jean; ich fahre fort; wohin— ich weiß es noch nicht. Wollen Sie mitkomMen?" „Nein," sagte er ernst. Babiola fuhr in die Schweiz. In der Weltabgeschiedenheit eines Berghotels atmete sie die reine Luft des Alleinseins. Sie wanderte auf Ge- birgspfaden, saß stundenlang an Wasserfällen und streichelte mit zitternden Händen Ziegen und Scbafe. Mit flattemdem Haar starrte sie in das Tal, wo das gleiche Kirchlein in immer gleicher Demut lag. Hie und da kreuzte ein junger Mann ihren Weg. Er schien der Sohn eines reichen Baiers zu sein; seinen Sweater wechselte er täglich; das war augenscheinlich seine ganze Beschäftigung. Die Schönheit eines romantischen Ausblicke- vermittelte ihre Bekannffchaft. Er hieß..... Babiola vergaß den Namen in dem Augenblicke, in dem sie ihn hörte. Sie selbst erzählte, sie sei die Tochter eines Pariser Fabrikanten und daher nervenkrank. Von nun an wanderten die beiden gemeinsam und kehrten auf dunkelnden Wegen abends ins Hotel zurück. Zuweile» blieben sie stehe» und küßten einander. Babiola horchte in sich. Aber ihr Körper blieb tot wie immer.' Und eines Tages fuhr sie sott, ohne sich zu verabschieden. Wohl brachte sie in ihrem Kopfe hohe Berge, sattes Grün und eine ganze Herde Schafe mit sich — als aber der Zug über die Gleiswechsel vor ' Jfc.23 Sonntag, 27. Jänner 1935 Seite 3 fudetendeutsdier Zeitspieget Nicht Totalität, sondero Katzenjammer Das Durcheinander in der sudetendeutschen Bürger-Politik lichenFührnngs st eilen« nd B e- Der Traum Henleins» durch eine Allianz mit dem Bund, der Landwirte zur vorläufigen unspäter durch dessen vollständige Zersetzung zur voll- kommenen Totalität zu kommen, scheint ausgeträumt zu sein. Und damit auch der Traum, die Sozialdemokratie bei den nächsten Wahlen durch dieses Bündnis ganz einfach zu überrennen. Seit der Reichsparteileitungssitzung des Bundes der Landwirte, über deren Ergebnisse nur spärliche Nachrichten in die Oeffentlichkeit kommen, gibt es in der bürgerlichen Presse aufgeregte Diskussionen und Kombinationen, ja, es haben söbon schüchterne Polemiken zwischen dem B. d. L. und der SHF begonnen. Ein Berichterstatter der»Deutschen Presse" will gehört haben, daß die Teilnehmer an der Reichsparteileitungssitzung an den Tischen des Deutschen Hauses in Prag in sehr scharfer Weis« über die SHF geurteilt haben, von der sie sagten, daß sie bedingungslos zu Kreuze kriechen müffe und von den tschechischen Agrariern nicht weiter gedeckt werden würde. Wenn die SHF nicht pariere, werde sie»die schärfsten Maßnahmen" zu spüren bekommen. Die »Deutsche Presse" behauptet auch, der Landbund habe sich bemüht, eine einheitliche deutsche Liste unter Einbeziehung aller deutschbürgerlichen Parteien mit Ausnahme der Ehristlichsozialrn zu- standezubringen. Die Preffestelle der SHF ist nicht wenig erregt über die Gerüchte, die es um diese Verhandlungen gibt. Ihre Stellungnahme gewährt einen tiefen Einblick in die Berhandlungsmethode und die Stimmungen, von denen die Verhandlungspartner erfüllt sind. Lasten wir die Preffestelle der SHF sprechen: »Daß derartige Pressemeldungen erscheinen konnten, ist wohl auch ein Symptom dafür, in welcher Weise versucht wird, Politik zu machen. Es gibt Dinge, die reifen und naturnotwendigerweise vorerst im Beratungszimmer von den hiezu Beauftragten und Befugten vorbereitet werden müssen. Um so sonderbarer ist es, wenn plötzlich verschiedene i Blätter(noch dazu Zeitungen, die gewiß nicht den Sprechorganen des Sudetendeutschtums zuznzählen find, wie etwa da» Mercysche Börsenorgan.Prager Tagblatt" und das in deutscher Sprache erscheinende Organ des Außenministeriums, die»Prager Presse") angeblich Intimstes aus poli- ’ tischen^G esp r.ä ch e n z u D.r ,j,t t- u berichten wisseil. Wenn endlich noch in gewissen Journalistenkreisen mit besonderen Beziehungen zu einem maßgebenden Parteifunktionär und durch diesen z u allerhöchster Stelle geprotzt wird, die sich selbst die Endredaktion heikelster Indiskretionen angelegen sein läßt, dann kann man eine derartige Methode. Politik zu machen, nur als fatal bezeichnen. In dem Wirrwarr der teils aufgeregten, teils bissigen, teil» schadenfrohen Pressestimmen fehlt diesmal auch die.Deutsche Presse" nicht; richtig aber ist. was sie sagt, daß es nationalpolitisch unerträglich wäre, wenn etwa«ine deutsche Partei eineranderen mit .Maßnahmen" drohen wollte. Im übrigen sind wir dahingehend unterrichtet, daß auch die Zeiten, in denen derartige.Maßnahmen" mit einiger Hoffnung auf Erfolg angedroht werden konnten, längst vorbei find. Es ist offenkundig so, daß eS heute politische Faktoren im tschechi» schen Lager gibt, die durchcms fähig und bereit sind, die wirklich gestaltungsfähigen Kräfte im Sudetendeutschtum zu erkennen und ungeachtet aller intrigantenEinflüsterungen und Keifereien besorgter Partei- Politiker vorurteilslos zu prüfen.-." Alle deutschen Parteien können in der SHF einen ebenso aufrichtigen wie ehrlichen Partner finden, wenn sie die Erkenntnis mitbringen, daß es letzten Ender auch in der Politik keine andere Moral gibt, al» unter anständigen Menschen schlechthin und daß auch in der Politik nur Sauberkeit und Eharakter fruchtbare und verantwortliche Gestaltung zu entwickeln vermögen?" Es scheint sich also bei den»Maßnahmen" dicht nur um Bierfisch-Drohungen gehandelt zu haben. Man steht aber, daß diese Drohungen das Selbstbewusstsein Henleins durchaus nicht geschwächt haben, der auf die treue Liebe der tschechischen Agrarier zweifellos größere Stücke hält als auf die des B. d. L. Daß jetzt auch der B. d. L. die Sprüchlein über»Sauberkeit und Charakter in der Politik" zu hören bekommt, die die Hen« leinleute bisher als rhetorische Waffe ausschließ- lich iu Kampfe gegen den»Marxismus" angewandt haben, ist recht amüsant und läßt recht nette Formen der Auseinandersetzung zwischen den beiden Lagern erwarten. Diese Auseinandersetzungen, die sich jetzt schon anspinnen, dürften über kurz oder lang in aller Offenheit geführt werden. Darauf läßt auch eine in der»Rundschau" veröffentlichte hochoffizielle Erklärung der SHF schließen, in der es heißt: »Die SHF war nie al» Sammelbecken für die Anhängerschaft der aufgelösten, bzw. eingestellten Parteien gedacht und gewollt. Auch hat sich die SHF nie in dieser Richtung geäußert^ oder festgelegt. Konrad Henlein ist vielmehr ausdrücklich mit der Parole der polifischen Einigung de» Sudetendeufich- tmn» überhaupt und der Zusammenarbeit seiner polifischen Faktoren hervorgetreten. Diese Zielsetzung schließt die Vermeidung neuersicher überflüssiger Reibungen zwischen den aufbauwilligen polifischen Fakwren des Sudetendeutschtums in sich. In diesem Sinne hat Konrad Henlein mit den polifischen> Vertretern der sudetendeutschen Parteien Fühlung genommen. Im Verfolg dieser Unterredungen ist es auch zu Uebereinstimmungen mit dem Su- vetendeutschen Landstande gekommen, die darauf hinausliefen, eine aktive Agitation in den Kreisen des Lundes der Landwirte zu unterlassen. Um aber im Sinne der Zielsetzung der SHF das Verhältnis zum Bund der Landwirte eindtutig und verbindlich klarzustellen, hat Konrad Henlein dem Bund der Landwirte am 22. Jänner vorgeschlagen, unter grundsätzlicher Berücksichfigung des ländlichen Organisationsbereiches des Bundes der Landwirte in pafitättsch beschickten Kommissionen, die für jeden Abgeordnetenwahlkreis eingerichtet werden, taxativ jene Gemeinden aufzuzählen und zu verzeichnen, in denen entweder nur der Bund der Landwirte oder nur die SHF. oder beide Parteien eine Organi- sationStätigkeit entfalten. Jede in dieser Richtung zustandegrkommene Vereinbarung würde selbstverständlich den verfaffungs- mößigen Rechten der Wählerschaft auf freie Mei- nungsäufierung und politische Betätigung Rechnung trage» müssen. * Rach all den Gerüchtemachereien der letzten Monate klären diese Mitteilungen der Pressestelle den Stand der Beziehungen zwischen SHF und B. d. L. restlos auf. Eß wird damit offen tekanntgrgebe», daß sich dir SHF tereit erklärt, um der polifischen Rot- wendigkriten de» gesamten Sudetendeutschtums willen schwere Opfer auf sich zu nehmen. Diese Opfer recht- ferfigen sich nur, wenn der Bund der Landwirte und sein Repräsentant, Herr Minister Spina, die sich heute in bevorzugter politischer Stellung befinden, tatsächlich alle Möglichkeiten erschöpft haben und weiterhin erschöpfe« werden, um die rindeuttgen politscheu Ziele der SHF gegenüber allen Lerdäch- tigungrn dei de« maßgebende» stank- Sonntag. den 20. Jänner 1938: fand im .Botkshaus" in Komotau eine Reichskon- f e r tzn z sozialdemokratischer Gewerbetreibender und Kaufleute statt. Die Konferenz war außer- ordentlich gut von Vertretern aus allen Teilen der Republik besucht. Diese Tagung hat für die Bewegung eine besondere Bedeutung, weil sie den Beweis erbracht hat, daß in den Schichten der Gewerbetreibenden immer mehr und mehr die Erkenntnis an Kraft gewinnt, daß den Gewerbetreibenden nicht mit den»Ständen" oder einer »sogenannten" Volksgemeinschaft zu helfen ist und daß sie in Gemeinschaft mit der organisierten Ar« beiterschaft ihre Interessen am besten wahren können. Genosse Grimm eröffnet« die Konferenz und begrüßte die Erschienenen; insbesondere die Genossen Abg. Kremser für den Parteivorstaud, Abg. Kaufmann für die Zentral-Gewerkfchaftskom- miffion. die Genossen M r a z e k und Zenker für ven Zentralverband der Kleinbauern und Häusler, Genossen Vizebürgermeister Türmer für die Bezirksorganisation Komotau. den Genossen Palme für den Kreisverband der nordwestböhmischen Konsumvereine und den Genossen B e r n t für die.Volks«■ zeitung". Die Genossen Kaufmann. Zenker! und Türmer begrüßten die Tagung namens ihrer Organisafionen. Darauf erstattete Genosse T o b i a s ch- Komotau einen sehr ansehnlichen Bericht über die im abgelaufenen Jahr geleisteten Arbeiten. Sein Bericht war ein schönes Bild der großen und hingebungsvollen Arbeit, die allen Widersachern zum Trotz geleistet wurde und auch ihre Früchte getragen hat. DaS Jahr 1934 war im wahrsten Sinne des Wortes ein Kampfjahr, das Jahr 1938 soll ein Jahr deS inneren Anfbanes«nd der Werbung neuer Anhänger fein. Wir wollen, so schloß der Bericht, mit der aufstrebenden Arbeiterklasse kämpfen um die neue Gesellschaft der freien Menschen. Genosse Dr. Mahler behandelte Organi- safionSfragen- Er erklärte den Besitz von Kenntnissen ver gesetzlichen Bestimmungen als eine gute Waffe deS kleinen Handwerkers. An die beiden Referate schloß sich eine sehr anregende Debatte, worauf diese Berichte zur Kenntnis genommen wurden. Hierauf wurde der Hauptgegenstand der Tagung verhandelt, die Schaffung eines Programms der sozialdemokratische« Gewerbetreibenden. Gen. Grimm macht« darauf aufmerksam, daß die größte deutsche Partei dieses Staates, die dsutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei, sich offiziell auf die Seite der Gewerbetreibenden und Kaufleute stelle und mit ihnen gemeinsam ein Programm ausarbeite. Genosse Abg. K. em s er schilderte nun in anschaulicher Weise den Entwicklungsgang der Arbeiterbewegung. In dem großen Kampf»wischen Kapital und Arbeit müssen sich die Mittelschichten entscheiden, entweder sich zum Sozialismus bekennen und mit ihm eine neue Gesellschaft der freien Menschen aufbauen oder an Seite des Kapitalismus mit in den Abgrund zu stürzen. Zum Schluß seines Referate» empfahl er Hörde« z« beglaubige«. Die SHF hat damit vor aller Oeffentfichkcit im Sinne des GründnngSanfrufrS ihres Schöpfers neuerlich prakfifch bewiesen, daß sie einerseits für Partei» takfische Manöver und Verfolgung kleinlicher Parteiziele nichts übfig hat,«nd daß sie anderseits bereit und fähig ist, um der gemeinsamen»nd höhere« Ziele willen Opfer zu bringen. Die weitere Entwicklung wird zeigen, ob die SHF in ihrer selbstlosen«nd verantwortlichen Haltung Partnervon gleichem moralischen Rang« findet." Diese Stellungnahme läßt den Schluß zu, daß die SHF mit den»Wegbahnungsarbeiten" des Herrn Spina reichlich unzufrieden ist und widerspricht einigermaßen dem selbstbewußten Auftrumpfen, das in der Berufung der SHF auf das ihr angeblich von den tschechischen Parteien ent- gegengebrachte Vertrauen zum Ausdruck kommt. Das henleinsche Hintertürchen der in der SHF- Erklärung besprochenen Vereinbarung mit dem B. d. L. ist die Berufung auf die„verfassungsmäßigen Rechte der Wählerschaft auf freie Meinungsäußerung und politische Betäfigung", deren Anerkennung die SHF in die Lage versetzt, auch in den dem Landbund»vorenthaltenen" Gebieten ungehemmte Wahlagitation zu treiben. Der Bund der Landwirte hat zur gleichen Zeit, da diese Erklärung konzipiert wurde, ein Abkommenmit d e r G e w e rb e p ar t e i getroffen, das seine Wirkungsmöglichkeiten in den Städten, also in dem ursprünglich der SHF »vorbehaltenen" Arbeitsbereich stark erhöht. Schon daraus müssen sich zwischen dem Bund der Landwirte und der SHF Reibungsflächen ergeben, die durch keine schöngeschriebenen Freundschaftsbeteuerungen aus der Welt geschafft werden können. Der Bund der Landwirte scheint nicht übel Lust zu haben, selbst zur Sammelpartei des sudetendeutschen- Bürgertums zu werden. Und zwar gegen die SHF. der Konferenz das vorliegende Programm anzunehmen. Nach einer längeren Debatte, die zeigte, daß alle mit dem Referat als auch dem Programment- Wurf einverstanden waren und.. jeder, einzelne Debattenredner den Wunsch aussprach',' daß nun mit aller Energie an die Werbung von Anhängern geschritten'werden muß, wurde dann das Programm unter Beifall der ganzen Konferenz einstimmig beschlossen. Im Programm wird festgestellt: Dir sozialdemokrafischen Gewerbetreibenden strebe« die Umwandlung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung in die sozialistische an. Innerhalb der bestehenden Gesellschaftsordnung kämpfen sie für die wirtschastlichen Interessen und den Schutz btt Ge- werbetreibeüden und Kaufleute. Dieses Ziel kaim nicht durch Zusammengehen mit den bürgerlichen Parteien und Organisafionen erreicht werden, sondern nur durch eine selbständigeOrganisation, die mit den Arbeitern und Angestellten zu gemeinsamem Kampfe verbunden ist. DaS wirksamste Mittel zur Wahrung der Interessen der Gewerbetreibenden«nd Kaufleute ist der Ausbau deS Genossenschaftswesens. Nicht der heutigen. von zünstlerischem Geist erfüllten Zwangsgenossenschaften. sondern der Einkaufs« und Verkaufs-, unter Umständen der Prodnktipgenossenschaf- ten. die auf dem Grundsatz der-Selbstverwaltung aufgebaut sind. Diesen sollen insbesondere die öffentlichen Arbeiten vergeben werden. Das Programm'ordert die Organisierung desKreditwesens unter offizieller Kontrolle und eine planmäßige Regelung der Ein- und Ausfuhr. Auf dem Gebiete de» Steuerwesens verlangt es den Abbau der Konsumsteuern und den Ausbau der Besitz st euer n. Die allgemeine Erwerbsteuer ist progressiv zu staffeln, wobei ein angemessenes Existenzminimum freibleiben muß. Ebenso find die autonomen Zuschläge zu staffeln. Am Steuerbemessungsverfahren sollen die Steuerträger Mitwirken. Die Versorgung im Alter ist durch eheste Verwirflichung ter Sozialversicherung für die selbständig erwerbstätigen Personen zu sichern. Das Programm enthält die Aenderungsvorschläge zu dem Gesetz vom Jahre 1928. Zur Steuerung der«egenwärtigen durch dir Kfise hervorgerufenen Notlage der Kleingewerbetreibenden«nd Kaufleute ist ihnen d«r Aufschub der Exekutionen bis zur Entschuldung zu gewähren. Die Enfichuldung ist durch Konversion der Schulden in langfristige und niedrig verzinsliche Darlehen durchzuführen. Gewerbetreibenden und Kaufleuten welche unverschuldet in Not geraten sind, sind angemessene Steuerabschreibungen zu gewähren. Für erwerbslos Gewordene ist fine staatliche Hilfsaktion durchzuführen. Zur Hebung der qualftafiven Leistungsfähigkeit der Gewerbetreibenden ist der Ausbau des Gewerbe- und Fachschulwesens durch- zusühren. Der Unterricht ist grundsätzlich als Tages» unterricht zu erteilen. Die Gewerbeschulen sind vym Staate zu erhalten. Der Schlußsatz des Programmes lautet: Die Gewerbetreibenden«nd Kaufleute sind sich dessen bewußt, daß ihre Existenz nur gesichert werd«« Lerroux verspricht Untersuchung der asturischen Greuel Wie der«Daily Herold" meldet, hat der spanische Ministerpräsident Lerroux auf eine Anfrage des ftührren spanischen Außenministers Fernando de los Rios geantwortet, daß er fine strenge Untersuchung über die Vorgänge während des katalanischen und asturischen Bürgerkrieges führe« werde. De los Rios hat dem Ministerpräsidenten genaue Angaben über dieSchandtatender Zivilgarde nnd der Fremdenlegion im Kampfe mit den spanischen Revolutionären gemacht.»Wenn nur ein Zehntel von diese« Angaben sich bestätigen sollte", hat Lerroux erklärt» „dann werde ich die Schuldigen«nnachsichtlich zur Verantwortung ziehen". kau», wenn die Konsumfähigkeit der Arbeiter und Angestellten gehoben wird. Unbeschadet ihrer bfiou- deren, aus ihrer BerufSstrllung fließenden Forderungen unterstützen sie daher alle Bestrebungen der Arbeiter«nd Angestellten um ihre wirtschaftliche Besserstellung. * Unsere Partei will die neuen Kämpfer für den Sozialismus unterstützen und Schulter an Schulter mit dieser Schichte arbettender und leidender Menschen kämpfen. vle Spannung B.d.L.—SHF und die Christiichsozlalen Die„Deutsche Presse" beschäftigt sich in einer ausführlichen Darstellung mit der Reichsparteileitungssitzung des Bundes der Landwirte. Si« stellt dem Kommuniquee über diese Sitzung eine Erklärung der SHF-Preffestelle gegenüber und folgert dann: „Der„Abgrenzungsvorschlag", den di« SHF nun selbst zugibt und inhaltlich veröffentlicht, stellt wohl das Maximum dessen dar, was eine politische Partei an Selbstverleugnung bisher ausgebracht hat. Nach der„Pr. Presse" aber bleibt der BdL intransigent. Wenn man weiß, wie zerdros''n die Positionen des BdL auf dem flachen Lanoe auch ohne SHF waren::nd für den Fall freier Wahlen bleiben würden, kann man sich über das Selbstbewußtsein des BdL nur wundern. Wie sich in den Köpfen der Landbündler das Verhältnis zur Heimaffront malt, kann man aus jenen Aeutzerungen entnehmen, die man am 23. abends so von den landbündlerischen Tisch«» im Deutschen Hause hören konnte, wie„die SHF müsse bedingungslos zu Kreuze kriechen oder die tschechischen Agrarier werden Henlein nicht mehr decken";„die deutschen Agrafier hätten es satt, sich weiter zu exponier««; wen«, di« SHF- nicht pariere, werde sie die schärfsten Maßnahmen zu spüren bekommen", u. ä. mehr. Wenn Spina und Henlein sich doch verkannt haben sollten und sich jetzt enttäuscht gegenüber stehen, si» ist das ihre Sache und sie müssen selbst sehen, wie sie da ferfig werden. Nicht gleichgültig aber kann es für die Entwicklung ynsereS polifischen Lebens sein, wenn ein« Partei einfach ganze Bevölkerungsschichten und deren Siedlungsgebiet monopolistisch für sich verlangen kann, nicht gleichgültig por allem aber kann es auch nationalpolitisch nicht sein, wenn eine deutsche Partei einer anderen in nicht mißzu- vefitehender Weise mit„Maßnahmen" drohen kann." Man kann neugierig sein, was der Bund der Landtvirte zu dieser für die Verhältnisse im bürgerlichen Lager sehr auffchlußreichen Betrachtung der»Deutschen Presse" zu sagen hat. Mißerfolg der„Nationalen Vereinigung" Kein Zusammengehen mit den Slowaken So wie auf deutscher Seite von der sudetendeutschen Heimatfront der nunmehr als gescheitert anzusehende Versuch gemacht wurde» unter Henleins Führung einige deutschbürgerliche Parteien zusammenzufassen, so lag es auch auf tschechischer Seite im Plane der»Nationalen Bereinigung", zu der sich die Nattonaldemokraten unter Hodäö und die Liga Stribrnhs zusammen gefunden hatte, alle tschechischen oppositionellen Parteien dazu zu bewegen, eine gemeinsame Liste bei den kommenden Wahlen aufzustellen. Die nationale Bereinigung verhandelte zuerst mtt der tschechischen Gewerbepartei, aber die Verhandlungen haben sich zerschlagen, die tschechische Gewerbepartei kandidiert selbständig und wird nach den Wahlen wahrscheinlich in enger Verbindung mit der tschechischen Agrarpafiei voreghen. Ein zweiter Versuch wurde gemacht, um die Slowakisch-Klerikalen für den Anschluß zu gewinnen, aber auch dieser Versuch ist fehlgeschlagen. Die Partei Hlin- kas geht gleichfalls selbständig in die Wahlen, und zwar stellt sie das Programm der politischen, wifi- schaftlichen und kulturellen Autonomie der Slowaken in den Vordergrund. Die nationale Vereinigung hatte nun die slowakische Nationalpafifi, die unter der Führung des Abgeordneten Nazus steht, zum Zusammengehen aufgefordefi, aber die flowakische Nationalpafiei scheint Anlehnung(obzwar sie protestantisch ist) an Hlinka zu suchen. DaS Razus-Blatt„Narodnie Noviny" wirst der „Nationalen Vereinigung" sogar vor, daß diese nichts anderes vertrete als die Interessen des Großkapitals, wobei der Nationalismus nur als Borwand diene. Die Pläne der„Natonalen Bereinigung"- eine große oppositionelle tschechische Grupp« zu schaffen, sind demnach gescheites. Eine bedeutsame Tagung der sozialdemokratischen Gewerbetreibenden und Kaufleute Seite 4 Sonntag, 27. Jänner 1935 Nr. 23 Vom Rundfunk Kmpfehlenswerles au* den Programmen! Montag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 12.10: Berliner Philharmoniker auf Schallplatten, 13.35: Arbeitsmarkt, 16.50: Kinderstündchen, 18.20: Deutsche Sendung: Redakteur Wannemacher: Wirtschaftliches Relief, 18.30: Vorschau auf das Musikprogramm der tschechoslowakischen Sender, 18.35: Huhn: Was bedeutet Abessinien uns Europäern? 20: Liederkonzert, 21: Orchesterkonzert, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 14.20: Schallplatte», 14.40: Liederkonzert, 15.05:DeutscheSen- dung: Bunt« Schallplattenfolge, 15.35: Deutsche Presse, 19.15: Xylophonsolo.— Brünn 12.10: Arbeitsmarkt und soziale Informationen, 17.20: Tanzmusik, 17.45: Deutsch« Sendung: Dr. Brttholz: Fürst Metternich und die heilige Allianz. — Mährisch-Ostrau 17.20: Orchesterkonzert, 18.20: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Kamler: Statistik und Arbeiterschaft, 19.30: Unterhaltungsprogramm.— Preßburg 17.10: Klavierkonzert, 20: Lieder und Chansons.— Kaschau 12.35: Buntes Orchesterprogramm. Dienstag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 11.05: Deutscher Schulfunk, 12.10: Unterhaltungsmusik, 12.35: Jazzorchesterkonzert, 17.50: Liederkonzert, 18.20: DeutscheSendung: Volkstümliche Kompositionen sudetendeutscher Tonsetzer, 19.10: Militärkonzert, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 14.20: Schallplatten, 14.35: populäre englische Melodien, 15: Deutsche Sendung: Dr. Auspitzer: Die Subvention und ihre Wirkung, 15.15: Chansons, 15.35: Deutsche Presse.— Brünn 10.15: Salonorchester, 17.45: Deutsche Sendung: Arbeite r f u n k: Soziale Informationen, 17.50: Dr. Müller: Buchbesprechung, 18.20: Kompositionen von Tschaikowski, 19.10: Schallplatte»: Dvokäk. Mähr.» Ostra« 18.20: Deutsche Sendung: Landwirtschaft, Liederkonzert, 20.10: Mährische Volkslieder/— Preßburg 19.10: Unterhaltungsmusik-— Kaschau 15.55: Orchesterkonzert. Eine nette Krankheit, die wie eine Epidemie um sich greift, ist über die Tschechoslowakei her- eingebrochen. Es begann in den Kurorten. Die Lotteriestelle hat dort versuchsweise das Roulette bewilligt, mü der Begründung, daß dieses Spiel auf„Geschicklichkeit" beruht. W orin die Geschicklichkeit besteht, wenn der Croupier das Rad dreht und die Spieler setzen, wissen die Götter. Der einfache demokratische Bürger wird diese Weisheit eines findigen Bürokraten, der eine neue Steuerquelle wittert, nicht begreifen. Und da nun dieses Spiel in den Kurorten eingeschla- gen hat, werden alle größeren Städte der Repu- blik von diesem Unheil verfolgt. Es begann mit Personen werden noch vermißt, und zwar drei Frauen und neun Mitglieder der Besatzung. An der Stelle, an der die»Mohawk" untergegangen ist, schwimmen noch immer zwei leere Rettungsboote, deren Taue bei dem Zusammenstoß nicht mehr rechtzeitig freigemacht werden konnten. Der Kapitän, der bis zum letzten Augenblick auf der Kommandobrücke ausgeharrt hatte, ist gemeinsam mit seinem Schiff untergegangen. Die „Mohawk" liegt etwa sieben Meter tief auf dem Meeresgründe. Die Ursache des Schiffszusammenstoßes ist weiterhin in Dunkel gehüllt. Wie behauptet wird, soll di« Steuerung der„Mohawk" versagt haben. JnfolM der Meldung über die Katastrophe des Dampfers„Mohawk" gab Präsident Roo, s e v e l t bekannt, daß er binnen 48 Stunden in sehr ernster Weife die Frage prüfen werde, ob es angezeigt wäre, den Senat zu ersuchen, das Sre- schiffahrtsabkommen von London aus dem Jahre 1929 über die Sicherheit des Lebens auf dem Meere anzunehmen. Knlbyschew gestorben In Moskau ist Freitag, den 25. Jänner, der stellvertretende Vorsitzende des Rates der Volkskommissäre und Vorsitzende der staatlichen Kontrollkommission Kuibyschew gestorben. Der Verstorbene war einer der führenden'Staatsmänner der Sowjetunion und einer der ersten Wirtschaftspolitiker des Landes. An der Ausarbeitung und Durchführung des ersten und zweiten Fünfjahresplanes hat er hervorragend mitgewirkt. Französischer Ex-General verhaftet Paris. Der ehemalige General Bardi de F o u r t o u, Verwaltungsratsmitglied der S t a- w i s k Y-Unternehmungen, wurde verhaftet. General Fourtou, der ehemalige Vorstand der Militärkanzlei des gewesenen Staatspräsidenten Millerand, wurde vor Jahresfrist vom damaligen Kriegsminister Marschall Petain seiner Generalswürde entkleidet, als seine Beteiligung an den skandalösen Unternehmungen Stawiskys sich erwiesen hatte. Schneesturm über England London. Schwere Schnee- und Hagelstürme wüten seit Freitag über den britischen Inseln. An der englischen Südküste erreichte der Sturm eine Geschwindigkeit von 150 Kilometern in der Stunde. Das englische Verkehrsflugzeug Paris-London mußte infolge des ungeheuren Gegenwindes zurückkehren. Auch ein belgisches Flugzeug konnte England nicht erreichen. Im Binnenland wurden Bäume entwurzelt, Telephon- und Lichtleitungen zerstört und F a- brikssch.lote umgeworfen. Zahlreiche Wege sind durch Schneeverwehungen vollkommen unpassierbar geworden. An der Küste wurden zahlreiche Fischerboote auf offener See vom Sturmwinde überrascht und konnten erst nach langwierigen Bemühungen in die Häfen einlaufen. Menschenleben sind bisher nicht zu beklagen. Von den zahlreichen mutigen Rettungstaten während des Unwetters wird insbesondere das Vorgehen eines Arztes und einer Krankenpflegerin hervorgehoben, die bei einem mit 130 Kilometer Stundengeschwindigkeit hinwegbrausenden Orkan auf der hochgehenden See eine 16 Kilometer lange und lebensgefährliche Fahrt unternahmen, um einem verletzten Manne auf einer der Shetlands-Inseln zu Hilfe zu kommen. RiesengebLrgsfturm Herschberg. Im ganzen Riesengebirge tobte von Donnerstag abends bis in die Rächt znm Samstag rin überaus heftiger Schnrrsturm in Stärke 11 bis 12. Im Hochgebirge war der Verkehr unmöglich und die Bewohner der Hochgebirgsbauden konnten die Häuser nicht verlassen. Auch in den Grbirgsorten und in den Borbergen war der Verkehr stark erschwert. Auf den Landstraßen wurden Autos umgeworfen. Für Fußgänger war rin Fortkommen fast unmöglich. In den Wäldern ist sehr großer Schaden angerichtet worden, ebenso an Dächern, Gärten usw. Die Baudenfuhrwerke, die sonst jeden Tag ins Tal fahren» konnten am Freitag nicht fahren; Samstag ist der Sturm erheblich abgeflaut. Im Hochgebirge hat Schneefall eingesetzt. Unwetter in Nordgriechenland Griechisch-Mazedonien, Thrakien und Thessalien liegen noch immer unter einer stellenweise über einen Meter hohen Schneedecke. Die Temperatur ist auf minus zehn Grad Celsius zurückgegangen— eine für diese Gegenden ungewöhnliche Erscheinung. An zahlreichen Stellen sind die Eisenbahnzüge in den Schneewehen stecken geblieben. Die Stadt Janina ist von der Außenwelt abgeschnitten, und i>ie Lebensmittelzufuhr ist ins Stocken geraten. Bei dem Städtchen Manthe ist ein mit vier Personen besetztes Auto von der verschneiten Straße in einen Abgrund gestürzt, wobei alle Insassen den Tod fanden. Abstoßend -. lieber Geschmack läßt sich streiten. Heber schlechten Geschmack nicht. Durch die Presse gistg gestern ein Photo, das den Obduktionsarzt im Falle Formis„be i der Arbeit" zeigte. Vor sich den blutigen Klumpen Mensch, die Aermel hochgekrempelt, das Messer in der Hand. Der Photograph hat gewiß geglaubt, hier einen nervenlihelnden„Schlager" auf die Platte bekommen zu haben; aber auf Menschen mit gesundem Empfinden wirkt dieses Photo in seiner aufdringlichen Brutalität abstoßend. Schließlich ist ein Obduktionsarzt, der einer schweren Pflicht genügt, kein Filmstar, den man in seiner Paraderolle zeigt! Sonst ist der Zensor oft allzu flink bei der Hantz. eine derartige unappetitliche Obszönität läßt er jedoch ungehindert passieren- Tagcsnciilgkcitcn 46 Tote beim Untergang bet„Mphawk" New Nork. Bei dem Untergang des Dampfers„M o h a w k", der in einer klaren Nacht bei Kap Map mit einem zweiten Dampfer zusam- Polen und Deutschland Warschau. Der„Völkische Beobachter" veröffentlicht zum Jahrestage der Unterzeichnung der polnisch-deutschen Nichtangriffserklärung eiste Unterredung mit dem polnischen Außenminister Beck, der erklärte: Der 26. Jänner werde in den Beziehungen zwischen Polen und Deutschland einen Umschwung bedeuten. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern gründen sich seit diesem Datum auf gegenseitiges Verstehen und Respektieren, was die Vereinbarung wirtschaftlicher Abkommen ermöglicht. Polen und Deutschland hätten einen Weg beschritten, welcher durch die Regelung gegenseitiger Mißhel- ligkeiten zur Stabilisierung des Weltfriedens führt. 200 Tote, Tausende Obdachlose Die Winter-Opser von USA in einer Woche R e w York. Die Gesamtzahl der Todesopfer, die dir große Kälte und die mit ihr ver-. bundenen Katastrophen in den Bereinigten Staaten im Verlaufe dieser Woche gefordert haben, ist auf 203 berechnet worden. Die Kälte hat nachgelassen und die ungeheuren Schneemassen fangen allmählich an zu schmelzen. Mehr als zehn Städte, darunter Banrouver, find von der Außenwelt ab- geschnitten. Zahlreiche Brücken sind durch Hochwasser und Eistreibrn fortgeriffrn worden. Auf den Landstraßen stauen sich riesige Schlammengen. Auf der Olympie-Halbinsel wurden 50 Familien durch einen etwa 100 Morgen großen Erdrutsch von der Außenwelt abgrschnitten. Wie aus Marks(Mississippi) gemeldet wird, haben die furchtbaren Ueberschwem- mungen im oberen Mississippi-Delta bisher mindestens 25 Todesopfer gefordert. 18.000 Personen sind obdachlos geworden. Zahlreiche kleine Städte treffen Vorsichtsmaßnahmen wegen der Gefahr eines Steigens des Hochwassers. Hunderte von Flüchtlingen sind infolge der eisigen Kälte an Influenza und Lungenentzündung erkrankt. Es wird das Ausbreche« einer Grippe- Epidemie befürchtet. Jn Äfir«e Paris. Die französische Regierung beschloß, der abessinischen Regierung eine Note zu übersenden, worin sie Genugtuung wegen des blutigen lleberfälles der abessinischen nomadisierenden Bande auf das französische Somaligebiet und für die Er mordung des Kolonialbeamten Bernard und von etwa 100 Eingeborenen fordern wird. Insbesondere wird Frankreich verlangen, daß ähnliche Einfälle künftighin unmöglich gemacht werden.— Bernard, der ob seines Heldentodes in einem Ehrenbefehl der ReMruNg geMMk^'Mrbest'isk/''würde^utit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet. Danzig. Der Polizeipräsident von Danzig hat für die Dauer eines Monates die sozialdemokratische „V olksstimme." verboten, weit sie den Bericht veröffentlich hat, den im Völkerbund der britische Delegierte Lord Eden stber Danzig vortrug, und!nrenstieß, siuko 46 Personen«ms Leben gekom- hieran die Bemerkung knüpfte, daß die Kundgebung men. Die Küstenwachschiffe haben bisher 34 Lei- Edens eine Warnung an die Behörden von Danzig chen bergen können, die agnosziert wurden. Zwölf enthalte, die nationalsozialistischen Ziele, die an Widerstreit zu der Danziger Verfassung stehen, zu verwirklichen. Washington. Das Repräsentantenhaus hat den Antrag angenomMen, der das Schatzamt ermächtigt, Kassenscheine im Betrage von vier Milliarden D o l l a r s auszugeben. Die Mehrzahl der An weisungen wird in 10 bis 20 Jahren rückzahlbar und nicht höher als zu 3 Prozent verzinslich sein. Millionenbetrug an Arbeitslosengeldern Washington. Samstag wurde ein eigenes großes Schwurgericht einberufen, das am 6. Feber zusammentreten wird, um die Anklage der Korruption in der staatlichen Administrative der öffentlichen Arbeiten zu überprüfen. Im Laufe der letzten zwei Jahre wurden Betrügereien, und zivar im Zusammenhang mit den Krediten für die Kampagne Roosevelt zur Arbeitslosenbekämpfung verübt, wobei die Schadenssumme mehrere Millionen Dollar beträgt. Der Oberstaatsanwalt der Vereinigten Staaten hat eine Untersuchung über das Projekt des Texas-Kanals angeordnet, der mit einem Kostenaufwand von 4 Millionen Dollar gebaut werden sollte. Man fand Beweise einer ganzen Verschwörung, in welche auch zahlreiche Staatsbeamte verwickelt sind. Die Verschwörung bezweckte eine Hintergehung^der Regierung der Vereinigten Staaten. Lonbon—Paris in 67 Miaute« London. Ein Flugzeug der französischen Luftfahrtgesellschaft Air France legte Samstag die Strecke London—Paris in der Rekordzeit von 67 Minuten zurück. dem Spielautomaten. In allen möglichen Variationen wurde dem armen Teufel seine letzte Krone abgejagt. Aber schließlich konnte da nur der Einzelne zu Schaden kommen. Was aber jetzt in aller Oeffentlichkeit in den Kaffee- Häusern mit dem Roulette getrieben wird, ist empörend. Nicht nur bringen Mütter, die keinen Verstand haben, ihre Kinder ins Kaffeehaus, um ihnen dieses Monte-Carlo-Ereignis zu zeigen, picht nur wohnen Sechzehnjährige stundenlang als Zuschauer dem Uebel bei—arme Angestellte, Arbeiter, die glauben, hier ihre Notpfennige vergrößern zu können, opfern ihr letztes Geld und werden von den Croupiers skrupellos ausgebeutet. Denn von den Bedingungen, die die Lotteriestelle vereinbart hat, wird nicht eine eingehakten. Es ist nämlich vereinbart, daß nur ein Spieler spielen darf und daß nur Sätze von einer Krone bis 5 Kronen, je nach der Spielart, gesetzt wer- den dürfen. Tatsächlich spielen aber 2 0,3 0 u n d mehrPersonen und die Sätze werden be- deutend erhöht. Und das Aufreizendste: dies in aller Oeffentlichkeit mit großen*Anschlagstafeln über die behördliche Anordnung. Macht man den Croupier darauf aufmerksam, wird man verlacht und es wird erklärt, daß ja bei Einhaltung der behördlichen Bewilligung mit Arbeitersport und Demokratie In der Haupwersanunlung des Zenirälrettes der deutschen und der tschechischen Arbeitersportorga- j nisationen gab Genosse Abg. Heinrich Müller einen interessanten Ueberblick über die Auswirkungen der politischen Ereignisse in den einzelnen Staaten aus- den Stand der internationalen Arbeitersportbewegungs In den fascistischen Staaten Deutschland, Oesterreich, Lettland und Italien wurden die Arbei«. tersportorganikationen von der Reaktion sofort beseitigt, ihr Vermögen wurde konfisziert. In den Halbfascistischen Staaten Polen, Ungarn, Jugoslawien und Rumänien bestehen legale Organisationen, welche jedoch unter dem starken Druck der Staats-, gewalt zu leiden haben. In den demokratischen Ländern, in Belgien,^" Holland, Finnland, in der Schweiz und in der' Tschechoslowakei sind die Verbände der Arbeiterin!-| ner und Sportler ein großer Kulturfaktor geworden.\ In Dänemark und in Norwegen bestehen große Or- J? ganisationen, welche der SASJ nicht angeschlossen A sind, mit ihr aber in guter Verbindung stehen. In Schweden besteht eine selbständige Organisation der Arbeitersportler noch nicht. Die französische Organisation steht nach der Verschmelzung mit den Kommunisten außerhalb der beiden Sportinternationalen. In England besteht eine sehr schwache Arbeitersportbewegung. Eine große Förderung erfährt der Sport in der Sowjetunion. Von den außereuropäischen Staaten besitzt Palästina die bekannteste Arbeiter- i sportorganifation. Verlust gearbeitet werben müßte? Weist man darauf hin, daß es doch eine Verhöhnung der Republik ist, die behördlichen Verordnungen zu plakatieren und nicht einzuhalten, so empören sich die Spieler, weil man sie stört... Dabei gehen dis Verluste der armen Teufel, unter denen sich viele anständige Beamte befinden(die dabei übrigens ihre Stellung riskieren), ins Gigantische. Amtsorgane haben wiederholt solche Lokalitäten besucht und fragt man, was sie ausgerichtet haben, so bekommt man die hohnvolle Antwort, was uns schon die Behörden genieren. So wird die Behörde und damtt die Republik täglich verlacht und da fragen wir, worauf warten die vorgesetzten Aemter, bis der erste Selbstmord, oder die erste größere Defraudatton als Folge dieser neuesten Segnung der Freihett geschieht. Es wäre höchste Zeit, diesem Treiben ein Ende zu bereiten. Dir»Deutsch« Prstalozzigesellschast in der Tschechoslowakei" gibt soeben ihren sechsten Jahresbericht 1933 heraus. Es wird darin vor allem der Bericht über die Pädagogische Akademie gegeben, welche von der Gesellschaft betrchir Wird. Aus dem Bericht geht hervor, daß an der Akademie 46 Hörer studiert haben, Einnahmen und Ausgaben bewegen sich ungefähr um die Summe von 130.000 KL. Der Bericht legt Zeugnis ab von der. vielseitigen Tätigkeit der Deutschen Pestalozzige- sellschaft, welche sich große Verdienste um die Fortbildung der sudetendeutschen Lehrer erworben hat. Gegen den Wille« ihres Mannes wollte die 24jährige Beamtensgattin Simaskovä in Petschmühle bei Krumau einen Ball besuchen. Sie hatte sich zu diesem Zweck bereits ein schwarzes Seidenkleid gekauft. Der eifersüchtige Gatte verbot ihr jedoch den Besuch des Balles und die junge Frau nahm sich dies so zu Herzen, daß sie sich mit dem Gürtel ihres neuen Abendkleides erhängte. Sie hinterläßt zwei kleine Kinder im Alter von und 1% Jahren. Der Vorfall hat in der ganzen Gegend große Erregung hervorgerufen. Die Mutter eines 25jährigen Krüppels er-, mordete in ihrer Wohnung in Chicago eine Wohlfahrtspflegerin,. da ihr die Erwerbslosenunterstützung entzogen werden sollte. Darauf gingen Mutter und Sohn in die Geschäftsstelle des Wohlfahrtsamtes und feuerten in die dichtgefüllten Räume'zahlreiche Schüsse ab. Dabei wurden drei Angestellte, darunter einer tödlich, verletzt. Mit den beiden letzten Kugeln machten Mutter und Sohn ihrem Leben ein Ende. Turnierreiter von seinem Pferd getötet. Der zweite Tag des Berliner Reitturniers begann mit einem Todessturz des bekannten Turnierreiters SS-Sturmführers Axel Holst. Beim „Jagdspringen" sprang das Pferd mit voller Wucht auf den Retter und tötete ihn. Türkinnen in die Armee! Nach der neuesten Entscheidung der türkischen Regierung können künftighin in die türkischen Militärschulen und Akademien auch Frauen zu den gleichen Bedingungen wie Männer ausgenommen werden. Straßenbahnunglück. Samstag mittags ereignete sich in Leipzig ein schwerer Straßenbahnzusammenstoß, bei dem eS zwölfVerletzte gab. Drei Personen mußten mit schweren Verletzungen inS Krankenhaus gebracht werden. Eine erschütternde Statistik. Nach einer Statistik des Httfskomitees zur Linderung der Weltnot starben 1933 in der ganzen Welt 2,400.000 Menschen den HungertÄ». Die Zahl derer, die ihrem Leben aus Nahrungssorgen ein Ende machten, wird auf 1,220.000 angegeben. Zur gleichen Zeit wurden, nut die Preise stabil zu halten, vernichtet an Getreide 568.000 Waggon, Reis 144.000 Waggon, Kaffee 267.000 Sack, Zucker 2,560.000 Kilogramm. Verheizt wurden 423.00 Waggon Getreide. ES ist berechnet worden, daß mit den vernichteten Lebensmitteln 67 Prozent der Verhungerten hätten gerettet werden können. Nr. 23 Sonntag. 27. Jänner 1935 SekteS Mattonis Gießhübler mit heißer Milch... ei» altbewährtes, natürliches Heilmittel bei H u st e n und Heiserkeit. Früh und abends 1—2 Gläser; % heiße Milch,% Gießhübler. Aerztlich empfohlen. 2858 7000 Pfund ins Meer grsatkien London.(Reuter.) Während des Fluges von Paris nach England fiel ein Goldbarrenpakct im Werte von 7000 Pfund, das in einem englischen Flugzeuge transportiert wurde, ins Meer, lieber dem Kanal hatte das Flugzeug gegen fchwerenSturm zu kämpfen. Konkurrent Weißenberg stillgelegt. In dem Landstädtchen Trebbin südlich von Berlin hat der Weißkäseprophet Weißenberg seine gar nicht bescheidenen Zelte aufgeschlagen. Bor seinem Wohnhaus steht eine alte Kanone und daneben eine pompöse Kirche. In Scharen drängten sich die Gläubiger aller Jahrgänge, um den Segen des großen Mannes und seinen wundertätigen Weißkäse zu empfangen, der als Heilmittel füx alle möglichen Krankheiten und Schmerzen von dem Propheten denen verschrieben wird, die nicht alle werden. Aus den freudigen Spenden seiner Jünger hat der treffliche Mann in 30 Jahren ein Vermögen von ungefähr 30 Millionen Kö eingeheimst und aufgespeichert. Das große Gasthaus mit Biergarten, das er nebenbei betreibt, stärkt sein Kapital immer mehr. Die vielen aber, die an der Weißkäsebehandlung zugrunde gegangen sind, schweigen. Die Zeitschrift„Der weiße Berg" hatte eine Auflage von 100.000, anreden ließ sich der Prophet per„Eure Majestät". Dem sinkenden Schiff der Demokratie gab auch Prophet Weißenberg einige Tritte. Seine Jünger prangten im anmutigen Schmuck von Hakenkreuzarmbändern. Aber mißtrauisch gegen jeden anderen Wundertäter, wie die Osafs sind, haben sie jetzt die ganze Weihenbergerei verboten und ihr Geld„sichergestellt". Diesen Schmerz muß der Prophet in seinem 80. Lebensjahr noch hinnehmen. Wissenschaftliche Experimente am eigenen Leit. Wie aus Oslo gemeldet wird, hat Prof. Llaus Hansen am Freitag am eigenen Körper mit Versuchen Mit dem sogenannten„schweren, Wasser" begonnen, um dessen Einwirkungen aus> den menschlichen Organismus zu erforschen. Der Belehrte trank 10 Gramm dieses„Wassers" in keinem Zustande, d. h. mit einem Gehalt von 98 bis 99 Prozent. Die Menge soll allmählich gesteigert werden. Zu dem Versuch hatte sich eine Reihe b«i Aerzten eingefunden, die dem Gelehrten von Seit zp 8gUJB,T C' b. entnehmen. wök-. len.— Wie bekannt, ist im vorigenJähre dem amerikanischen Gelehrten U r e y für die Entdeckung des„schweren Wassers", daS eia höheres spezifisches Gewicht besitzt, der Nobelpreis verliehen worden. In einer pyrotechnischen Werkstatt in Sara- So s s a erfolgte eine Explosion, durch die drei Personen getötet und drei schwer verletzt wurden. Gestohlen. DaS Vermögen des aus Deutschland geflüchteten ehemaligen Berliner Polizeivizepräsidenten und ehemaligen Reichsangehörigen Bernhard Weiß war bereits vor längerer Leit beschlagnahmt worden. Jetzt teilt, brüt NDZ, der Reichs- und preußische Innenminister mit, daß das Vermögen Weiß' als dem Reich verfallen erklärt worden ist. DaS Rembrandtsche„Bildnis eines MaaneS" auS der Petersburger Bildergalerie wurde in einer Auktion in Berlin um 22.400 Mark verkauft. In der gleichen Auktton wurden auch zwei RubenSbilder, und zwar daS eine um 17.300 und das andere um 21.500 Mark verkauft. Deutscher Freiballon in Lettland gelandet. Am Freitag nachmittags ist der deutsche Freiballon „Deutschland", der angeblich am Donnerstag in Dresden aufgestiegen ist, bei Modohn in Ostlettland gelandet. Der Gondel entstiegen zwei Personen, die sich als die deutschen Reichsangehörigen Lau und Kauenhofen auswiesen. Wie die Blätter melden, erklärten die deutschen Luftschiffer, daß sie die Absicht gehabt hätten, sich nach Kleinasien treiben zu lassen, um einen neuen Streckenrekord zu erzielen. Eine Aenderung der Windrichtung habe sie dann in nordöstlicher Richtung abgetrieben. Die Flieger klagten über die starke Kälte in den oberen Luftschichten, durch die die Hülle des BallonS vereist sei, so daß sie, zu einer Landung gezwungen worden seien. Bei der Landung habe der Ballon beinahe eine Hochspannungsleitung von Hier soll nicht von den Geheimnissen des .dritten Grades" gesprochen werden. Vielmehr wollen wir einige Methoden aufzeigen, die großenteils in Amerika angewandt werden und die be? weisen, daß es auch andere Möglichkeiten gibt, als die von der Gestapo in der Papestratze und im Ko- lumbia-Haus angewandten. Es handelt sich um Verfahren, von denen das.Forum" in New Aork sagt, daß sie geeignet seien, eine Umwälzung hervorzurufen und die barbarischen Methoden durch humane zu ersetzen. Als ein besonders vollkommenes Instrument wird der.Polygraph" von Keeler bezeichnet. Er mißt die Spannungsverhältniffe in den Adern und Blutgefäßen und hat einen Hebel mit einer Feder, der in Kurven auf einem Blatt Papier die Variationen der Spannung* registriert. Der Angeklagte sitzt, und der.Deteftor" ist an einem seiner Arme angebracht. Der.Operateur" stellt ihm Fragen, und zwar mit ruhiger Stimme und ohne Hast. Wenn der Häftling lügt, verzeichnet der Polygraph eine plötzliche Vermehrung der Spannung in den Blutgefäßen. Man könnte aber fragen, wieso dies als ein Anzeichen der Schuld ausgelegt werden kann. Die Antwort ist nicht schwer. Jede noch so kleine Erregung ruft phyfiologische Veränderungen im menschlichen Körper hervor. i Wenn wir einer Gefah» begegnen,--rüstet sich unser Körper-sofort zur Verteidigung. Millionen von' roten Kügelchen erwachen im Blut. Dazu gesellen sich Absonderungen der Drüsen. Nerven und Muskeln gewinnen an Kraft, das Herz schlägt schneller und der Blutdruck steigt. Wer hat nicht schon sein Herz bei einem plötzlichen Schrecken schlagen hören? Wenn eine befragte Person sich nun einer Gefahr gegenüberfieht, die sich aus einer wahren Antwort ergeben könnte, weil sie sich eines Verbrechens schuldig gemacht hqf, ist die ganz natürliche Reaktton die Furcht. Daher befindet sich der Organismus im Verteidigungszustand. Selbst wenn es gelingt, äußerlich die Ruhe zu bewahren, so verhält es sich doch mit den inneren Kräften anders. Gesichtszüge und Stimme mögen sich nicht verraten, aber die erhöhte Spannung bringt eS an den Tag. Die Geständnisse werden erlangt, wenn man den Angeklagten auffordert, diese auf dem Papier registrierte Veränderung zu erklären. In 75 von 100 Fällen gibt i der Schuldige sich dann geschlagen. Die gleichen 15.000 Volt berührt, was für die Luftschiffer außerordentlich verhängnisvoll gewesen wäre. Nach Erfüllung der amtlichen Formalitäten dürften die deutschen Flieger zusammen mtt ihrem bereits verpackten Ballon in den nächsten Tagen nach Deutschland zurückkehren. Die Wetterlage unsicher. An der Rückseite einer Druckdepreffwn, die sich über Finnland allmählich ausfüllt, strömt aus Skandinavien kältere Luft gegen Süden. Demgegenüber dringt vom Mittelmeer gleichzeitig warme Luft gegen daS Karpathengebiet vor. Unsere Gegenden, wo die Temperatur noch nahezu unverändert bleibt, werden nunmehr voxaussichtlich in die Nähe einer b-deutenden Wärmegrenze gelangen, so daß mit unbeständigem Wetter und vielfach mtt.Niederschlägen gerechnet werden muß.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Unbeständig, vielfach nach Schauer, in den böhmischen Ländern und in der Westslowakei im allgemeinen etwas kälter. West« bis Nordwestwind. Im äußersten Osten vorwiegend umzogen mit Niederschlägen, Temperatur wenig verändert.— Wetterausfichten für Montag: Wetterlage unsicher. durch seinen Körper geht. Bei krittschen Fragen kann man eine seltsame Erscheinung feststellen. Die Schweißdrüsen treten durch die Energie, die sich gegen die Gefahr stemmt, in Tätigkeit. Die geringe Schweißvermehrung in der Handfläche genügt aber, um den Widerstand zu verringern, den der Körper dem elektrischen Strom entgegensetzt. Diese Verminderung wird durch ein Zifferblatt angezeigt. Auch wenn der Schuldige die Antwort verweigert, der Schweiß verrät ihn. Auf einem anderen Prinzip beruht die Methode des Prof. Croßland. Es handelt sich um die Assoziation von Worten. Diese Probe enthüllt nicht die Lüge, kann aber zu Geständnissen führen. Man wählt z. B. 100 Worte aus, unter denen sich 20 auf das Verbrechen beziehen, und stu» diert die Reaktton des Verdächtigen. Nehmen wir an, in einem Büro sei ein Kuvert mit 100 Dollar gestohlen worden. Alle Angestellten werden dieser Prüfung unterworfen. Man hat«ine Liste von Worten, unter denen sich u. a. befinden: Zirkus, schwarz, Milch, 100 Dollar, Feuer, Schublade, Diamant, Haus, Kuvert, Dach usw. Bei jedem Wort muß der Befragtp mit dem ersten Wort antworten, das ihm in den Sinn kommt. Die normale Reaktion erfolgst in zwei Sekunden. Dauert es länger, so überlegt der Befragte oder ist erregt. Haben die ILerdächtigen Assoziaüpweu an seltsame oder an den Haaren herbeigezogenk" Morte, so verzeichnet man sie. Die Unschuldigen sind schnell herausgefunden. Die.Farbenpshchologie" wird angewandt in einem Zinnner mit Spiegeln. Der Verdächtige sitzt in der Mitte und wird durch ein Loch in der Wand beftagt. Während des Verhörs wechselt die Beleuchtung und wird plötzlich grünlich. Er sieht, ohne sich von der Veränderung Rechenschaft abzulegen, daß sein Gesicht blaß und fahl geworden ist. Er glaubt, sein Aussehen habe ihn verraten und beginnt zu gestehen. Dies ist nur anwendbar bei Neuraschenikern, die zu sensibel sind, um zu widerstehen, oder bei ganz Unkundigen, die unfähig zu einer natürlichen Erklärung sind. Der Pnenmo» g r a p h registriert die Atmung des Verdächtigen, der Oszillograph photographiert die Reaktion der Schweißdrüsen. Das.Forum", das auch vom Scopolamin spricht, das beim Verhör von van der Lubbe oft genannt wurde, erklärt zu allen diesen Methoden, die Richter seien Kvar eifersüchtig auf ihre Vorrechte und liebten es nicht, wenn die Gelehrten in ihre Domäne einbrechen. Aber die Offensive der Gelehrten werde weitergehen und schließlich zum Durchbruch dieser Methoden führen. Millionendiebe verhaftet. Die Polizei in Genua verhaftete drei Personen, die im November b- I. in Nizza eine Kiste mit 80 Kilo Fein» Sold im Werte von über 1,300.000 Frankey gestohlen hatten. Diese Kiste war von einer!Dienste leistet daS Psycho-Galvanometer Pariser Bank an ihre Filiale in Nizza gesandt j von Summers von der Universität Fordham. Der tvorden. Die Mitschuldigen dieser drei Diebe i Angeklagte hält in der Hand eine kleine Metall- dnrrden bereits in Genua und in Nizza verhaftet, Iplatte, während ein schwacher elektrischer Strom Humane Methode« zur Erlangung von Geständnissen Vom Prager Rnndfunh Es hat einmal wirklich große Menschen gegeben, vn ihnen zurückzukehren, in der Bettachtung ihres «bens erst zu leben, ist Trost in einer Zeit, die so stltsame Maßstäbe prägt für geistige Wertigkeit, «iner der überragenden Großen war Prof. August Forel, dem Genosse Josef Hofbauer in der dttaschnitzer Sendung am Sonntag ein würdiges Bedenken sprach. Der Titel seines Werkes„Gehirn Und Seele" gibt daS Leitwort für das Schaffen des einsamen, bescheidenen Gelehrten, der den Sinn des Lebens erkmmte in der innigen Verbindung von «eistigkett und Gefühl, diese Einigkeit belebend mtt wiem Begriff von„Arbeit", wie er mit mehr Ehrfurcht, mit innigerer Hingabe nicht gleich ein zweites Mal gefaßt worden ist.— Ein zweiter Großer, ein „Genie des Herzens", erstand aus der Sonntagsendung: Matthias Claudius. Urban R o e d I Uatte zum 120. Todestage des Dichters Bilder aus «m Leben und Stattonen aus dem Schaffen zu einem Hörspiel verdichtet, dar unter Fischers Spielleitung oon Mitgliedern des Neuen Deutschen Theaters eindrucksvoll vorgetragen wurde. Ein Wort des stillen oiomantikerS will feine besondere Bedeutung haben: «... nur kommt eS mir vor, daß die Besserung nicht übler sein dürfe als das Uebel, das man bessern will". Der dritte Große ttat lebend auS der Reihe der «benden an das Mikrophon: Thomas Mann, der Etadt Prag einen Gruß entbietend. Zwei heimatliche Motive standen im Wochen- drogramm: Hornttichs Hörfolge„Südmährischer Heimatsabend" mit mundartlichen Dichtungen, Spiel und Gesang, und die von Hugo Beck-UttS geschnittenen Bilder auS dem Preßnih-Weipertcr Land:„Wo die Wälder heimlich rauschen..." Der Sprecherin SM zweiten Bilderfolge mutz man doch zu bedenken geben, daß sich gerade erzgebirgisches Heimatgefühl weit weniger pathetisch kundgibt und daß der Unkundige niemals versuchen soll, mundartlich zu sprechen. Der Noten f für die arbettslosen Gebirgler und ihre unterernährten Kinder soll hier gerne weitergegeben werden... Er fand hunderfach verstärkten Widerhall in den erschütternden Berichten, die Sekretär Josef Hille in seinem Borttage„Di« Heinr- arbeiterfrage in der Gegenwart" als furchtbares Anklagematerial gegen eine brutale Katasttophen- entwicklung der Oeffentlichkeit übergab.Was wird die Gesellschaft als Verantwortliche für diese Entwicklung tun? Für Minuten di« Opfer bedauern, in den nächstes Minuten dankbar den Trost der„Wirtschaftlichen Reliefs" einnehmen und weittr auf das große„Wunder" warten, das ja bestimmt von irgendwoher irgendwann einmal kommen wttd und dem man mit am so mehr Ruhe und Gottvertrauen entgegensehen kann, je weniger einem selbst der Hunger der Krisennot in die Eingeweide beißt.— Die Uebersichten über die politischen Tagesereignisse, die am Mittwoch durch Dr. K. Ludwig Reiner und von der Arbeitersendung am Freitag durch Genossen Ernst Paul gegeben wurden, beschäftigten sich vor allem mit den weltpolittschen Auswirkungen der Saarabstimmung, mtt dem Systemwechsel in Bulgarien, mit der Erstarkung der großdeuffchen Propaganda, mtt dem Aufbau einer englisch-französischen Front, betonten die befriedigende Mission des Völkerbundes für Europa, verzeichneten die Kollektivregelung Großbritanniens und verdolmeffchttn die Entrüftungsurttile aller anständigen Gesinnungen über den Fememord an Jng. Formis in Stöchövice. Man wird aber doch einmal in Erwägung ziehen müssen, ob diese Form der skizzenhaften Reportage dem Zwecke des Rundfunks so ganz entspricht. Bei der fliegenden Hast, mit der die Ereignisse«ine politisch so unruhige Zeit durch- eilen, sind in der elften Minute schon die Dinge veraltet, die in den auf zwei Wochentage verteilten „zehn Minuten" kaum mehr recht„aktuell" waren; sie hinken den viel ausführlicheren Zeitungsberichten nach, von denen sie ja nur die Titel und bedeutungsvolle Schlagzeilen übernehmen können. Es wird also zu überlegen sein, ob es nicht zweckdienlicher wäre, nur einzelne, besonders bedeutsame Ereignisse in ihren Auswirkungen zu untersuchen und die Hörer» schäft so in geschichtlicher Urteilsbildung zu schulen— eine Aufgabe, der zuliebe man gerne auf bie Vielseitigkeit der Bettachtung verzichten könnte. Recht hörenswert waren die Stoßseufzer des Gemeindesekretärs Franz Müller von Langugest. Was soll eine Gemeinde alles schaffen in den Notzeiten der Krise; welch« unerträgliche Last an Arbett und Verantwortung wird den Gemeindefunktionären auf den Rücken gepackt; welch verzweifefter Mut gehört dazu, durchzuhalten, bar aller Mittel, jeden Augenblick von der Gefahr bedroht, unter der erdrückenden Wucht unabwendbarer Katastrophen zusammenzubrechen. Man hört die Notrufe der Opfer des Gemeindefinanzgesehes, das im Begriffe ist, das i sudetendeutsche Randgebiet unserer Republik in den! wirffchaftlichen Bankrott zu werfen. Und aus dem gleichen Sender hört man die Propaganda seiner Urheber, den im Namen der Liebe in die Welt geschickten Werberuf zum ersten gesamtstaatlichen Katholikentag in Prag. Diesmal- machte er sich literarisch auf den Weg, kehrte ein bei„C e n o d o x u s", dem„Doktor bap Paris", der trotz musterhaften Lebens zur Hölle fahren mußte, weil er ohne Gott war. Prof. Dr. Joseph Gregor hat das alte Legendenspiel Bidermanns neu bearbeitet für den Katholikentag und Prof. Pirchan-Prag ist sein künstlerischer Wegbereiter.— Ich erinnere mich nicht, daß I die allgemeine Prager Sendung einmal Werbendei Worte ausschickt«, wenn eS sich um Feste proletarischer Kultur handelt«. Doch lasse ich mich gerne eines' besseren belehren, wenn mich mein Gedächtnis be- i trogen haben sollte! Ernst T h ö N e r. I Jede ASPIRIN-Tablefte trügt das Boyw* Kreuz, das Zeichen des Vertrauens!—» Die kleine Tablette ASPIRIN mit dem Bayer« Kreuz bricht jede Erkältungs-Krankheit! Aspirin Z Kohlenförderung gestiegen— M, Kohlenverbrauch gesunken Die Steinkohlen- und Braunkohlenförderung ist im Jahre 1934 gegenüber dem Vorjahre um je 200.000 Tonnen gestiegen. Ein Vergleich mit der Förderung der früheren Lahre ergibt dieses Bild: Jahr Steinkohle Braunkohle in Millionen Tonnen 1913 14,1 23,2 1929 16,8 22,6 1932 11,1 15,9 1933 10,6 15,1 1934 10,8 15,3 Man sieht also, daß trotz der gestiegenen Förden rung im Jahre 1934 immer noch sechs Millionen Tonnen weniger gefördert wurden als 1929. Die Braunkohlenförderung bleibt gegenüber dem gleiq chen Jahre um 7.3 Millionen Tonnen zurück. Im Gegensatz zur Gestaltung der Förderung ergibt sich in dem Verbrauch von Steinkohle, Koks und Briketts ein wesentlicher Rückgang. Nur die Braunkohle hat eine mäßige Verbrauchssteigerung zu verzeichnen. Obwohl die Ausfuhr von Stein« kohle etwas gestiegen ist, ergeben sich Ende 1934 doch größere Vorräte als am Jahresende 1933. Die Braunkohlenhalden haben eine kleine Verminderung erfahren. ticrlchtssaal Verunreinigung des Schlafzimmers durch den betrunkenen Gatten begründet«och nicht den Scheidungsgruud der unüberwindlichen Abneigung Prag. Scheidungsprozesse eröffnen häufig recht unerquickliche Einblicke in das Zusammenleben der ehemüden Gatttn. So wurde vor dem hiesigen Zivilkreisgericht ein Scheidungsprozeß zu Ende geführt, der ein« seit viele» Jahren völlig zerrüttete Ehe abschließt. In diesem Fall, der im Bereich der sogenannten besseren Gesellschaft spielt; brachte die Gattin die Scheidungsklage ein und als Scheidungsgründe wurden geltend gemacht: eheliche Untreue deS Mannes, tief« Zerrüttung der Ehe aus Verschulden des Gatten und unüberwindliche Ab- neiguNg der Frau gegen den Ehegatten, gleiche falls aus dessen Verschulden. Die Untreue des Gatten und die durch ihn verschuldete eheliche Zerrüttung war durch schlagende Argumente nachzuweisen, u, a, auch durch Vorlage einer äußerst intimen Korrespondenz mit einer Offiziersfrau aus der Slowakei, wobei zu bemerken ist, daß der geklagte Ehegatte die höchst verfänglichen Ausdrücke, von denen es in diesen Briefen wimmelt, als den in dieser guten Gesellschaft übliche» „scherzhaften Ton" zu erklären versucht«. Mit dieser Verteidigung hatte er kein Glück. Die Ehe wurde aus seinem Verschulden für geschieden erklärt und sämtliche von der Gattin geltend gemachten Scheidungsgründe anerkannt— bis auf«inen, und zwar den der„«»- überwindlichenAbneigung". Zur Begründung dieser unüberwindlichen Abneigung hatte die Gattin angeführt, daß ihr Mann häufig erst gegen Morgen in völlig berauschtem Zustand heimkam und das gemeinsame Schlafzimmer durch Erbrechen und Darmentleerungen verunreinigt habe, wodurch die Gatttn einen Abscheu gegen ihn gefaßt hab«, der ein Eheleben unmöglich mache. In diesem Puntt fand das Scheidungsgericht ober die Vorbedingungen der unüberwindlichen Abrieigung nicht für gegeben, was in diesem Fall allerdings nichts am Endergebnis ändert. rb. Jetzt massen Sie unbedingt Ihre Blumen mit Blumeo-Zanberdoii begleBen, wenn sie schön blühen sollen 1 Paket Ke 5*60 durch die Verwaltung „Frauenwelt“, Prag XU., Fochova tf. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich Seite 6 „Sozialdemokrat* Sonntag, 27. Jänner 1935. Nr. 23 SCHULERS SS WEISSE WOCHE Bestes! Bezaubernd! Billig! 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Tischtuch 90—90 cm» 2 Spitzendecken, 2 Leintücher alles im Karton um K6 IwV“ PRAGER ZEITUNG Der Prager Kreisgerichtspräsident-Franz Linhart tritt mit 1. Feber d. I. in den Ruhestand. Kreisgerichtspräsident Linhart, der dieses Amt seit dem Jahrö 1928 beNeideie, tvirkte als Bezirls- richter bei auswärtigen Gerichten, seit 1916 beim Smichover Bezirksgericht, und wurde, nach dem Ilmsturz ins Justizministerium berufen, wo er bis zu seiner Betrauung als Prager Kreisgerichtspräsident tätig war. Er erfreute sich mit Recht abseitiger Beliebtheit und Wertschätzung. Kreisgerichtspräsident Linhart ist auch ein Kenner und Förderer der Kunst und Besitzer einer werwollen Gemäldesammlung. Sein Verständnis für die sozialen Fragen der Rechtspflege bewies er durch seine tatkräftige Förderung des Vereines für Sträflingsfürsorge„Neues Leben", der sich, die Aufgabe stellt, die Strafentlaffenen nach den Methoden der modernen Sozialpolitik der sozialen Gemeinschaft wieder einzugliedern. Kreisgerichts« Präsident Linhart war durch Jahre hindurch Vor- Kunst und wissen Mißglücktes Burgtheater-Gastspiel Im Spielplan des Prager Deutschen Theaters zeigt sich jetzt— was das Sprechstück anlangt— eine(hoffentlich nur kurze) Pechsträhne. Nach der Modeschau-Kirchenmaus am Donnerstag hatte man für Freitag Erfreulicheres erhofft, da es sich doch immerhin um«in Ensemble des Wiener Burgtheaters handelte. Allerdings: wer den Autor des Schauspiels„Stille Musik", den Hofrat Rudolf Holzer aus Wien, vor wenigen Monaten im Ausfiger Stadttheater als Festredner gehört hatte, war nicht mit übertriebenen Erwartungen ins Haus gekommen. Leider wurde aber kaum das Mindestmatz erfüllt.„Stille Musik" ist angeblich dramatisierter— Grillparzer. Dieser Nichtskönner soll sich anscheinend nach fast hundert Jahren dahin belehren lqssen, datz seine wundervolle Novelle„Der arme Spielmann"(1848 erschienen) eigentlich ein Schauspielstoff sei. Na, die Belehrung ist so ausgefallen: die Dramatisierung dieses epischlyrischen Stoffs durch den Wiener Hofrat und dessen Zutaten haben aus einer Dichtung«inen erbärmlichen Kitsch gemacht. Der„heilige Narr", der aus Lebensuntüchtigkeit, Kunstbegeisterung und menschlicher Hochanständigkeit und Warmherzigkeit zusammengesetzt ist. wirkt in diesem Schauspiel als ein unglaubwürdiger Tepp— natürlich, ohne datz der Autor das gewollt hat; woraus aber eben hervorgeht, datz er ein schlechter Autor ist.„Stille Musik" ist eine Mißgeburt, deren Väter Bastarde von Sudermann, Hauptmann und Ibsen zu sein scheinen. Mehr Worte sind darüber nicht zu verlieren. Datz das Burgtheatet diesen Schmarren in Wien spielte, ist seine Sache. Warum aber das Prager Deutsche Theater, das sich doch wohl erst in Wien überzeugt hat, sich dazu ein(wahrscheinlich kostspieliges) Burgsitzender dieser Vereinigung. Dem scheidenden Kreisgerichtspräsidenten wurde der Dank und die Anerkennung der Regierung ausgesprochen und der Präsident des Prager ObergerichtcS Hausmann verabschiedete sich persönlich von ihm mit einer herzlichen Würdigung seines Wirkens. Ehetragödie. Gestern gegen sechs Uhr abends schoß in einem Hause der Smichover Havlickova ul. der 26jährige Chauffeur Josef K r ä k o r a auf seine 21jährige Gattin und traf sie in die Brust. Nach der Tat entfloh Krakora, schoß sich aber dann in einer anderen Straße selber in Kopf und Brust und blieb tot auf dem Platze. Seine verwundete Frau wurde ins Allgemeine Krankenhaus gebracht. Grund der Tat: Ehezerwürfnis. Bei Bergiftungscrscheinungen, hervorgerufen durch verdorbene Speisen, bildet die sofortige Anwendung des natürlichen„Franz-Josef"-Bitterwaffers ein außerordentlich wichtiges Heilmittel. Aerztl. empf. theater-Gastspiel verschrieben hat, ist nicht zu begreifen. Denn auch die beste Aufführung vermöchte dieses Stück nicht zu retten. Nun ist aber diese Burgtheaterleistung regiemätzig und darstellerisch wahrhaftig nicht als mustergültig zu bezeichnen.' Und weil die Herrschaften vom Burgtheater, die sich vermutlich als hochgeehrte Gäste betrachtet sehen wollten, dieser, vor allem ihrem Institut zukommenden Achtung so begegneten, daß sie zum Teil nicht einmal ihre Rollen beherrschten, dürfen wir um so mehr auch über ihre Leistungen so reden, wie wir denken. Nun, Herr Ferdinand Onno, der„arme Spielmann", war, von ein paar interessanten Charakterisierungsversuchen abgesehen, den ganzen Abend durchaus langweilig, schuf eine mehr verachtens- als bemitleidenswerte Figur und wirkte jedesmal, wenn er auf der Geige zu kratzen begann, nicht, wie er sollte, rührend, sondern unfreiwillig komisch und lächerlich. Herr Höbling imponiert in Prag durchaus nicht, wenn er sich breitspurig auf die Bühne stellt und seinen Bariton rollen läßt;« r ist es, der am meisten„hängenblieb" A u g u st e P ü n k ö s d y ist wahrscheinlich eine ausgezeichnete Schauspielerin; sie kann nichts dafür, daß ihre Emotionen übertrieben wirkten und nicht zum Herzen drang««— dafür ist der Autor verantwortlich.^ Und auch Frau Lotte Medelsky sind di« forcierten Töne nicht sehr anzulasten; aber es darf Wohl gesagt werden, datz unsere Medelsky— die leider kranke— das bedeutend besser gemacht hätte. Bleibt Herr Ferdinand Meierhofer, über dessen prachwoll«n Humor und geglückten Versuch wirklicher Menschendarstellung viel gelacht wurde. Neben ihm war am erquicklichsten, vom heimischen Ensemble, Herr Padlesak, der mit dem lächerlichen Pathos eines verzeichneten 48er Revolutionärs durch Kraft und sprachlich« Gestaltung mehr als anständig«fertig wurde, und Herr P a u l D e m e l, der in einer Charge aufhorchen machte. L. G. DaS literarische Kabarett„Dir Pfefsermühle" I., Annenska 5, Kleiner Unitaria-Saal, heute Der Film MW 445 Mitteilungen aus dem Publikum. Schillers Weihe Wache beginnt morgen. Symbolisch betrachtet gleicht sie dem Nil, jenem gewaltigen Strom, der Aegypten durchfließend, diesem Lande den kulturellen Stempel unvergänglicher Beständigkeit aufprägt, und der immer wieder das Land alljährlich neu befruchtet und verjüngt. Immer anders und doch gleichartig repräsentiert sich auch Schillers „W e i tz e W o ch e". Gleichartig in bezug auf die bekannt guten Qualitäten, auf die in grotzen Mengen ausgestellten Waren, auf die Staunen erregenden billigen Preise, und wiederum von Jahr zu Jahr verschieden bei Betrachtung des prunkvollen äußeren Bildes, das uns Heuer Abrisse Aegyptens vorführt, in den schöpferischen Ideen moderner Wäsche- und Kleidungsstücke und in der restlosen Hingabe an die Wünsche aller und jedes einzelnen. Diese Sehenswürdigkeit kaufmännischer Machtentfaltung ist in der Zeit vom 28. Jänner bis 10. Feber jedermann frei zugänglich. nilst rasch bei Schmerzen m den Gelenken und Gliedern, Kopfschmerzen und bei Erkältungen. Haben Sie Vertrauen zu Togal. Ein Versuch überzeugt. In allen Apotheken erhältlich. A«f Rosen gebettet Auch wer von einer verfilmten Ausstattungsoperette nichts Begeisterndes erwartet, wird von dieser tschechischen Novität enttäuscht,— denn alle, die an ihrem Zustandekommen beteiligt waren, haben ihr Möglichstes getan, um sie unwirkscnn zu machen. Die Manuskriptschreiber(drei an der Zahl!) haben das Libretto der Weinbergerschen Operette, das gerade noch als loser Faden zur Anreihung von Sing- und Tanzszenen taugte, in die Länge und in die Breite gezogen, als ob es sich bei dieser einfältigen Geschichte von der grötzenwahnsinnigen Hausbesitzerin mit den hübschen Nichten, den geldlosen, aber uw so verliebteren Mietern und der Rosenfarm des hasenherzigen Herrn Gemahl um«in veri- tables Schauspielthema handelte. Und der Regisseur Mirosiav C i k ä n hat mit der schmeichelnden und klingenden Musik Jaromir Weinbergers nichts anderes anzufangen gewuht als sie hin und wieder in die leersten Stellen des Spiels hineinplatzen zu lassen. Nicht einmal zu Witzen hat die Erfindungsgabe dieser Filmschöpfer gereicht, die ganz am Ende plötzlich eine Varieteszene mit Chorgesang vom Stapel lassen, um, alles Vorangegangene vergessen zu machen.• Unter den Mitwirkenden sind so herzhafte Komiker wie dieNedosinskä und der junge Ladislav P e s e k. Aber nie waren sie so eindruckslos wie hier, wo sie von Text und Regie im Stiche gelassen werden.—eis— nachmittags 15.30 Uhr zu Preisen von 5 bis 15 Kd. Abends täglich 20.15 Uhr. Da die bisherigen Vorstellungen ausverkauft waren, ist es angezeigt, sich die Karten bei Truhlar und Wetzler zu besorgen. Die nächste Arbeitervorstellung„Der Kreidekreis" findet am 10. Feber im Neuen Deutschen Theater statt. Karten ab Dienstag im Vorverkauf für Abonnenten und ab Mittwoch allgemeiner Verkauf bei Optiker Deutsch, Koruna. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Sonntag, nachmittags halb 3 Uhr: Schneider Wippl kontra Napoleon, Arbeitervorstellung, halb 8: Jenufa, A2.— Montag halb 7: Don Giovanni, Theatergemeinde der Jugend, Monn, aufgehoben.— Dienstag halb 8: 13 bei T i s ch, A 1.— Mittwoch halb 8: La Traviata, Verdi-Zyklus I B 2.— Donnerstag halb 8: Die führende Marke, Ensemblegastspiel Gisela Werbezirk, C 2.— Freitag halb 8: I e n uf a.D 1.— Samstag halb 8: Das Land des Lächelns, neueinstudiert. B 2.— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Sonntag, nachmittags 3 sä Uhr: Nacht vor dem Ultimo, 8: Schneider Wipp!' kontra Napoleon.— Montag 8 Uhr: Schneider Wippl kontraNapoleon, Bankbeamte und freier Verkauf.— Dienstag 8: Schneider Wippl kontraNapoleon, — Mittwoch 8: 13 bei Tisch.— Donnerstag 8: Schneider Wippl kontraNapoleon, — Freitag-8: Kleine Bühne etwas verrückt, Gastspiel Fritz Grünbaun.— Samstag 8 Uhr: Kleine Bühne etwas verrückt, Gastspiel Fritz Grürchaum. John Loder in dem englischen Film„L i Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Heute, um 9 Uhr vormittags! Funktionärkurs. ,— Dienstag, den 29. Jänner, 7 Uhr abends< Kreisleitungssitzung.— Mittwoch, den 30. Jänner, 8 Uhl abends: Gruppenabende: SJZentrum: Die erste russische Revolution 1905.- SJ Holleschowitz: Generalversammlung. SJ Weinberge: Welt in Bild(Lichtbildervortrag). filme In Prager Lichtspielhäusern Alfa:„Die Königin der Verfemten". Lorn« Doon«. E.— Avion:„Auf Rosen gebettet". Ts