Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. ADMINISTRATION TELEFON 53076, HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM HIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) 15. Jahrgang Mittwoch, 30. Jänner 1935 Nr. 25 Ein Hilferuf der Geschwister Hitlers Drang nach dem Osten Hilgenreiner startet Matthias Rakosis Verhütet einen Mord! Molotow: Sowjetrußland wird daraus die Konsequenzen ziehen! zum Wahlkampf Wir erhielten Dienstag ein Tele Boltsfommissäre der Sowjetunion Molotow Moskau. Der Vorsitzende des Rates der gramm aus Moskau, in dem die Brüder berichtete auf dem kommunistischen Parteifongres Matthias Rakosis, Franz und Zoltan über die Bilanz der Außenpolitik der Sowjets feit Rakosi, die Hilfe der Welt- Deffentlich dem im März 1931 abgehaltenen Kongreß. Er keit für ihren Bruder anrufen, der vor stellte dar, welche Anstrengungen die Sowjetunion dem Budapester Ausnahmsgericht etappenweise für die Erhaltung des Friedens ſteht und dem die Horthy- Diktatur unternommen hat, und gab eine Uebersicht der offensichtlich ein furchtbares Schicksal diplomatischen Beziehungen zu den wichtigsten zugedacht hat. In dem Telegramm wird angeführt, daß R akosi durch Disziplinar strafen je de Möglichkeit der Verteidigung genommen ist und daß man ihm dauernd das Wort entzieht. Eine Schwester des Ange. klagten wurde zum Prozeß nicht zuge laffen, eine zweite aus dem Saal verwiesen. Die ganze Prozeßführung, an sich schon rechtswidrig und eine Kulturschande, deutet darauf hin, daß die blutbefleckten Henker, die Ungarn regieren, ein neues Erempel statuieren und einen Justizmord begehen wollen. Es liegt an dem zivilisierten Europa, seine Stimme laut werden zu laffen, um die magharischen Henker. Ravaliere an der Vollendung ihrer verbrecherischen Absicht zu hindern! Arbeitszeitverkürzung auch in Frankreich? Ländern. Ueber Deutschland sagte Molotow: Man kann die Augen nicht vor den Aenderun gen verschließen, die in den Beziehungen zu Deutschland Tatsachen geworden sind, als der Sowjetunion und zum Ostpaktprojekt erklären. Die Deutsche Presse" behauptet in ihrer Auf diesen Umstand werden wir Rücksicht nehmen Ausgabe vom 29. Jänner, daß sich im deutschen und daraus für uns die Kon- Lager ein ,, besonderes politisches Interesse" der sequenzen ableiten. christlich sozialen Partei zuivende, und zwar, ohne daß sie sich darum bemüht hätte. Bezüglich Japan 3 erklärte Molotow Daran ist richtig, daß in verschiedenen Kombina unter anderem: Wir haben keinen Grund, uns über triebenen Hoffnungen hinzugeben. Die Angriffs- und Kriegselemente werden die Waffen nicht niederlegen. Von einem Krieg gegen die Sowjetunion wird in Japan bereits längere Zeit offen gesprochen und bisher ist kein Anzeichen zu sehen, daß diese Agitation eine Abschwächung erNationalsozialismus zur Macht gelangt ist. Wir fahren würde. hatten und haben keinen anderen Wunsch, als weiterhin gute Beziehungen zu Deutschland zu Rote Armee verstärkt haben. In die Beziehungen der Union zu Deutschland haben sich jedoch in der letzten Zeit ernste Schwierigkeiten angehäuft. Molotow zitierte hierauf aus Hitlers Buch ,, Mein Kampf" seinen Ausspruch über Rußland tet werde. Molotow stellte die Frage, ob noch immer neuen Ausgaben sehr stark in Deutschland verbreitet werde. Molotof stellte die Frage, ob noch immer Hitlers Ausspruch von der Notwendigkeit des Ueberganges zur Bolitik der territorialen Eroberungen in Oftenrosa und der Ausspruch, daß, wenn die Nationalsozialisten von neuen Gebieten in Europa fprechen, fie in erster Reihe Rußland und die R and sta a ten im Sinne haben, in Geltung bleibe. Diese Aussprüche Hitlers, führte Molotow weiter ans, bleiben offenfimtlich in Geltung, denn nur so können wir vieles aus dem hentigen Verhältnis der deutschen Regierung zur Schließlich wandte Molotow in seiner Darlegung seine Aufmerksamkeit auch den Fragen der Verteidigung zu: tionen, bei dem Mandatsschacher der bürgerlichen Parteien und in den Kommentaren der Provinzpresse über die sudetendeutsche Tragikomödie die christlichsoziale Partei oft genannt wird. Unrichtig ist, daß sie selbst nichts dazu getan hätte. Ganz im Gegenteil: mit der Rührigkeit eines Goebbels bemüht, die Aufmerksamkeit von allen anderen abist der christlichsoziale Parteivorsißende seit Wochen und auf sich und seine Partei zu lenken. Es ges schieht auf Kosten des Restes von politischer Seriosität, über den die Christlichsoziale Partei nach der Ministerschaft Mahr- Hartings und der folgenden Oppositionsära Hilgenreiners noch verfügte, aber das scheint Herrn Hilgenreiner nichts auszumachen. Es ist auch nicht der Vorteil der Unabhängigkeit", dessen sich die Christlichsozialen erfreuen, wie die Deutsche Sucht, sich um jeden Preis in das politische KräftePresse" glaubt, sondern es ist die krampfhafte Es war notwendig, an eine verlässliche Verteidigung zu denken und in den letzten Jahren wurden entsprechende Befestigungsmaßnahmen an der West- und Ostgrenze durchgeführt. Die Sow- spiel einzuschalten. ietslotte wurde vermehrt, insbesondere wurden Der Wah I fa mpf oird geführt Untersee boote eingereiht. Die Tapfer- werden zwischen Henle in, als dem feit der Artillerie der Tanks und des Fliegertorps Treuhänder des deutschen Fascismus, dem Stellwächst. Die mechanische Ausrüstung der Armee vertreter Hitlers auf böhmischer Erde, und der feit dem letzten Rätekongreß ist gewachsen. Wir deutschen Sozialdemokratie. mußten auch den z a h Ienmäßigen Stand der roten Armee erhöhen. Das alles war weder leicht noch billig. Unser Budget zur Erhaltung der roten Armee und der Verteidigung ist in der letzten Zeit stark gewachsen. Edith Kersbach noch in Böhmen? Paris. Der Ministerrat traf einige Entscheidungen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Wendung im Mordfall Formis U. a. soll es den Staatsangestellten verboten werden, neben ihrer staatlichen Anstellung einer privaten entgeltlichen Beschäftigung nachzugehen. An diejenigen Arbeitgeber, die Arbeitslose anftellen, werden Prämien in der Höhe eines bestimmten Prozentsatzes der Arbeitslosenunterstützung ausgezahlt werden, die den eingestellten Arbeitern vor ihrer Anstellung ausgezahlt wurde. Weiters wurde über die Her abschung der Arbeitszeit in Berufszweigen und Gebieten beraten, in denen die Mehrzahl der Arbeitgeber eine kürzere als die achtstündige Arbeitszeit gutheißen. Belgische Arbeitslose beim König Brüffel.( Havas.) Der König der Belgier empfing am Dienstag eine Delegation der Arbeitslosen unter Führung Vanderveldes. Tumulte im Unterhaus Scharfe Worte gegen Macdonald London. Das Unterhaus verhandelte Montag abends über die Forderung der Regierung nach Bewilligung eines Zusatzkredits in der Höhe bon 5 Millionen Pfund Sterling, mit denen ein neuer Hilfsfonds für jene Arbeitslosen gespeist werden soll, die keinen Anspruch auf Erwerbslojenunterstützung besigen und bisher auf die öffentliche Wohltätigkeit angewiesen waren. Im Verlaufe der Debatte bezeichnete der Anhänger des linken Flügels der Labourparty Buch an an diese Aushilfe als ungenügend und Sensationelle Angaben eines Lobositzer Wachmannes ,, A- Zet" berichtet über die Aussagen des Lobositer Wachmanns Hermann Böhm, die, wenn sie sich nicht als Irrtum herausstellen, die Ereignisse nach dem Mord in neues Licht stellen. Böhm sagt ans, daß er am 13. Jänner einem reichsdeutschen Wagen mit der Erkennungsmarke I 48259 also dem Auto der Mörder- den Weg nach Prag gewiesen habe. Im Wagen saßen damals zwei Männer und eine blonde Frau. Böhm merkte sich die Nummer, da er sich für Automarken interessiert und niemals vorher eine solche Erkennungsmarke gesehen hatte. Am 24. Jänner passierte dasselbe Auto die Stadt Lobosit. Wieder erkundigten sich die Fahrer bei Böhm nach dem Weg, diesmal aber nach der Straße nach Aufsig. Sie lehnten es ab, den Weg über Teplik zu nehmen, wie Böhm ihnen riet. Diesmal saßen im Wagen nur die beiden Männer, nicht mehr die Frau. Hier ist die entscheidende Front des Ringens, das noch in diesem Jahre ausgetragen wird. Kommt es zu einem völligen Bruch zwischen den Agrariern und der SHF, so wird die Front eine Verlänge rung gegen das Land zu erfahren. Damit sind die Hauptprobleme des Wahlkampfes und der Wahlentscheidung erschöpft. Was zwischen den Fronten steht, was sich mit dem Vorteil der Unabhän gigkeit im politischen Niemandsland herumtreibt, hat die beste Chance, allseits abzufallen und die Rechnung zu bezahlen. Die Christlich sozialen sind in der unangenehmen Lage, z wischen den Fronten und heute schon im Kreuzfeuer beider Lager zu stehen. Sie haben von 1926-1929 Regierungspolitik gemacht, wer soll also ihrer grundsätzlichen Opposition, ihrer nationalen Kompromißlosigkeit Glauben schenken? Sie waren unter den ersten, die den Aufstieg Hitlers zur Macht als Zeitenwende und Wiedergeburt der deutschen Nation begrüßten, waren aber nicht fonsequent genug, dem braunen Gangster- Regime auch die Katholiken nachzusehen, die ob ihres Katholizismus über die Klinge springen mußten. Wollte man sie aber auf die Ablehnung der braunen Mordsitten festlegen, so entschlüpften fie mit dem Hinweis, daß es in Rußland im Grunde schlimmer sei, und daß der braune Terror, so weit er die Roten trifft, auch von ihnen freudig gebilligt wird. Da sie gegen eingetretene Nieren, zerfekte Frauenrüden, ausgeschlagene Augen und gegen jegliche Bestialität des Dritten Reiches aus ihrem christlichen Gewissen im allgemeinen nichts, sondern nur im besonderen Falle das einzuwenden hatten, daß die Betroffenen gute Katholifen waren, da sie in einem Atem für Hitler und gegen ihn waren wer sollte sich von solcher ,, Unabhängigkeit" imponieren lassen?! Kaum hatten sie dem Dritten Reich falbungsvolles Lob gespendet, zwangen sie die österreichischen Vorfälle, gegen die Urheber des Dollfuß- Attentats Stellung zu nehmen. Nun sind aber alle echten Hitlerianer, die Henleinleute vor allem, im Punkt Oesterreich überempfindlich. Ein Wort zugunsten der weißbergrünen Stonkurrenz des braunen Gangstertums eingelegt, erledigt in den Augen der echten Nazi jeden halbschlächtigen Mitläufer. So gelten die Die Annahme der Polizei, daß bei der Schießerei im Hotel die Kersbach verwun= det wurde, würde sich demnach bestätigen. Die Aussage Böhms wirft aber ein neues Problem auf. Wo blieb Edith Kersbach? Wurde sie bei Helfershelfern in der Tschechoslowakei verborgen oder ließ man sie unterwegs irgendwo liegen, nachdem sie ihrer Verwundung erlegen war? Oder wurde sie von Schubert und Müller ermordet, um den beiden beim Ueberschreiten der Grenze nicht hinderlich zu sein? Es wird nicht leicht sein, diese Fragen zu klären, jedenfalls muß die Polizei entlang des Weges, welchen die Mörder nahmen, genaue Nachforschungen anstellen. Auffallend ist, daß Böhm seine Beobachtungen erst Dienstag meldete. Er erklärt es damit, daß er die Beschreibung des Autos erst an diesem Tage aus den Zeitungen erfahren habe. Diese aus dem Munde eines Wachmannes bedenklich klingende Aussage wird hoffentlich die Polizeibehörden zur Mitteilung veranlassen, was unternommen wurde, um den eventuellen Aufenthalt der Mörder auf ihrem Wege zur Grenze festzustellen. Wenn es möglich ist, daß ein Wachmann in Lobosit, also direkt auf dem normalen Wege zur Grenze, vier Tage nach dem Mord die Nummer des Autos nicht kennt, so liegt zweifellos eine schwere Unterlassung der Polizei vor. Verhaftet und ausgewiesen Die Prager Polizei verhaftete einen gewissen fritisierte in scharfen Worten den Premiermini- ildebrand, der nach seinen Angaben aus ster Macdonald, von welchem er sagte, man sollte Deutschland fliehen mußte, weil er aus der ihn auspeitschen und aus tun gehabt haben sollte, doch Spikeldienste für das Dritte Reich leisten sollte. Hildebrand wurde berhört und aus der Republik ausgewiesen. Elne Zeugin des Mordes? dem NSDAP ausgeschlossen und auf die schwarze Liste Verschiedene tschechische Blätter behaupten, Christlichsozialen den echtblütigen Nazis als öffentlichen Leben davonjagen." gefeßt worden war. In der Tschechoslowakei be- daß der Mord an Formis eine Zeugin gehabt habe. Waschlappen und Parteigänger der landesver= Als ein weiterer Redner der Labourparty mühte sich Hildebrand, der nicht mit dem nach Ein Mädchen aus der Nachbarschaft des Hotels räterischen" Wiener Regierung, jedem menschlich das Wort ergriff und Kritik an der Regierung Deutschland zurückgekehrten Sekretär Otto Stras- Záhoři", zu dem Formis in Beziehungen gestan- fühlenden und demokratischen Zeitgenossen aber übte, riefen Männer und Frauen von den Busers zu verwechseln ist, mit dem Führer der den sein soll, habe„ von einer erhöhten Stelle" vor dreht sich der Magen um, wenn er die Eröpächter blikumstribünen: Weg mit der Sun Schwarzen Front Berbindung zu bekommen. Es dem Hotel das Zimmer des Emigranten beobachtet, der christlichen Weltanschauung ihren Kotau vor gerregierung!" Als sich die Unruhe auf wurde ihm nachgewiesen, daß er auf der deutschen um zu sehen, ob Formis sie nicht mit der Kersbach den Henkern des Dritten Reiches machen sieht, den Tribünen steigerte, wurden zahlreiche Stö- Gesandtschaft in Prag war, für einen deutschen betrüge. Dabei habe sie genau gesehen, was sich ganz abgesehen von ihren Sympathien für das rer abgeführt. Schließlich wurde das Publikum Emigranten etwas ungewöhnliches. Der Verdacht im Zimmer abspielte. Die Meldung, welche viel österreichische und das spanische Gemezel. auf den Tribünen froß seiner Proteste gezwun- ist nicht von der Hand zu weisen, daß Hildebrand, unwahrscheinliches enthält, wird man mit großer gen, das Parlament zu berlassen. wenn er auch nicht mit dem Mord in Záhoři zu Zurüdhaltung aufnehmen müssen. Mit der Stellung zum Stande staat ist es nicht anders. Wer ihn ganz und ohne viel Seite 2 Mittwoch, 30. Fäimer 1935 Nr. 25 Sicherheit für alle Erklärungen Lavals In der Kammer Großer Flleseralarm in Berlin Berlin. Vom 19. bis 22. März finden auf Anordnung des Reichsluftministeriums in Berlin zivile Luftschutzübungen statt, wie fie in derartigem Ausmaße bisher im Reich noch nicht durchgeführt wurden. Es handelt sich dabei um dem Ernstfall angepaßte Hebungen größten Stils, an denen sich di« gesamte Bevölkerung sowie säntt« liche Verkehrsmittel beteiligen werden. Brimborium als das was, als was er gemeint ist, alS die nackte Unternehmer-Diktatur, der wendet sich gleich zu Henlein, Stkibrny, Hodaä und dem deutschen Industriellenverband. Wer ihn nicht will, wem das Gerede vom Ständestaat zu albern und der Inhalt zu gefährlich ist, der wird sich mit Hilgenreiner nnd seinem neuen Programm, daS ihm nach den naiven Ansichten der„Deutschen Presse" so großes Vertrauen einbringt, nicht erst einlassen. So stellt sich bei näherem Hinsehen die Unabhängigkeit der Christlichsozialen als der akrobatische Versuch dar, zwischen einem Dutzend Stühlen zu sitzen. In dieser Situation versuchen sie, alle Konkurrenten zu überbieten und sich als die nationalste, radikalste, d i e Oppositionspartei schlechthin zu gerieren. Hilgenreiner hat die erste große Red« zur Saarabstimmung gehalten und er hat die Parole von derStatusquo-Abstim- m u n g der Sudetendeutschen ausgegeben. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Parole mit ihrer demagogischen Zweideutigkeit bei den Nazis Anklang findet. Aber den Christlichsozialen wird sie dann gewiß nicht nützen. Der Herr Zajiöek wieder, den freilich die Magie des Namens zu den Deutschnationalen ziehen muß, hat in Jglau eine Lanze für die Nationalpartei eingelegt, deren „Bürgermeister— ausgerechnet— für den Starrt große Aufbauarbeit leisteten", und er tat ein übriges, indem er die Auflösung der kommunistischen Partei forderte, die wirklich staatsfeindlich sei. Schuld daran, daß sie noch bestehe, sei eine große tschechische Partei(gemeint sind die Agrarier), die den Sozialdemokraten den Stim- menzuwachs aus dem kommunistischen Lager nickt gönne. Wir danken Herrn Zajitek für daS Interesse, das er an unserem Wachstum nimmt, aber wir müssen ihm sagen, daß man sich mit solchen Bemerkungen bei uns keinen Pardon sichern kann. Ebensowenig mit dem Hinweis darauf, daß nicht Dr. Czech der gefährlichste Feind der SHF sei, sondern ein anderer deutscher Politiker. Das Manöver ist zu plump, um zu verfangen. Dir wollen uns für die Freundlichkeiten des Herrn Zajiäek lediglich mit einem guten Rat revan- chieren: er wolle sich gefälligst an daS erinnern, was in Deutschland, vor allem aber, was in Oesterreich der christlichsozialen Partei geschehen als sie in Konkurrenz mit dem FasciSmus ein» rratk ES wird bei uns nicht anders sein. Der '"Unerfahrene" Konrad Henlein, dem Zajiöek sein Bedauern ausspricht, daß er der landbündleriscken Demagogie nicht gewachsen sei. wird sich als erfahren genug erweisen, seine christ- lichsozialen Lehrer und Freunde aufzuzehren. Um deutschnationale Politik zu machen, kommen die Christlichsozialen bei uns um runde neun Jahre zu spät, um den Rahm von der fascistischen Milch abzuschöpfen, sind sie aber auch nicht früh genug aufgestanden— und dafür, daß man sie als ch r i st l i ch e, als soziale und als demokratische Partei nicht ernster nimmt, als sie eS verdient haben, dafür wollen w i r sorgen! PariS. In der klammer befaste sich der national-radikale Deputierte Franklin Bouillon mit den wachsenden Rüstungen Deutschlands und mit der bewußten Verletzung der Versailler Vertrages. Außenminister Laval, der hierauf die Rednertribüne betrat, verlas ein« Erklärung, in der er u. a. sagte: Ohne allen Zweifel werden unsere Londoner Besprechungen die Frage der Rüstungen Deutschlands bettePen. Wir haben Sinn für die realen nationalen Interessen. Wir wissen, waS die Verteidigung unseres Gebietes erfordert, weil unS die Geschichte dieS zur Genüge gelehrt hat. Ein geschwächtes Frankreich würde weit weniger Freunde in der Welt haben. Ein isolierteS Frankreich wäre weniger stark und dadurch wäre dem Frieden nicht gedient. Tokio. Ueber die militärischen Fragen im Fernen Osten meldet der politssche Berichterstatter des Blattes„Mainichi" in Osaka: Japan wünsche, daß China sich verpflichtet, nicht an den Völkerbund zu Peru f e n, ja daß es aus demBölkerbund auStrete. Japan wünsche ebenso, daß die europäischen und amerikanischen militärischen Ratgeber in China durch japanischeBe» rater ersetzt werden. Japqr wünscht, daß ein japanisch-chinesisch-mandschukuoscher Block gefchäffen werde und ist bereit, China wirksame finanzielle Hilfe zu gewähren, falls China diesem Block beitritt. Japan ist entschlossen, ohne jedes Zögern mit China einen Pakt zu vereinbaren, ähnlich dem japanisch-mandschukuoschen Protokll. Zusammenstöße mit Mongolen Reuter meldet aus Tokio: Segen Seitz, Kenner und Danneberg Verfahren wegen Mitschuld am Hochverrat Wien.(Tsch. P.-B.) Die im Zusammenhang mit den vorjährigen Feber-Ereignissen eingeleitete Strafuntevsuchung gegen die Mitglieder des Parteivorstandes der aufgelösten sozialdemokratischen Partei Oesterreichs wurde nunmehr abgeschlossen und die Akten wurden der Staatsanwaltschaft abgetreten, welche den ehemaligen Bür- Wir wollen eine« Anteil—- und einen großen Anteil— an der festen Organifirrnng des Friedens in Europa haben. Aber wir kännen uns den Frieden nicht ohne Sicherheitsgarantien vorstellen. Darin liegt nicht- Egoistisches. Diese Sicherheit, auf die alle Völker ein gleiches Recht haben, verlangen wir unbedingt für alle. Die Besprechungen, die wir in London haben werden, werden von einer immer engeren Freundschaft durchdrungen sein, die Frankreich und Großbritannien verbindet. Wir wissen, daß unsere Sicherheit für die Erhaltung deS Friedens in Enropa««umgänglich notwendig ist. Wir wissen, Nnd auch daS Ausland weiß eS gut, daß Frankreich stet- zu einer loyalen und wirksamen Zusammenarbeit bei allen internationalen Bemühungen um die Festigung deS Friedens bereit ist. Die Kammer kann unS ihr Vertrauen schenken." düng ausgesandt wurden, leiteten mit den Mongolen Verhandlungen ein, dieer abgebrochen wurden. Es entspann sich eine Schießerei, wobei die mandschurischen Patrouillen, die einige Soldaten verloren, den Rückzug antraten. Später entsandten sie zu den Mongolen ihren Bevoll- mächfigten mit einem Schreiben, in dem sie verlangten, daß die mongolischen Abteilungen das mandschurische Gebiet räumen und sich hinter den Chalkargol-Fluß zurückziehen. Die Mongolen zerrissen aber den Brief und schickten die Papierfetzen zurück. Die Mongolen sollen Verstärkungen erhalten haben und nehmen eine drohende Haltung ein. Aus Chajlar wurden mandschurische Verstärkungen entsandt. Sie richten sich häuslich ein geringster Seitz sowie Dr. Renner, Dr. Danneberg und Genossen, soweit sie auf österreichischem Boden weilen, wegen Mitschuld am Verbrechen des Hochverrates verfolgen wird. Alle Beschuldigten befinden sich bekanntlich bereits längere Zeit in Freiheit. Die Untersuchung gegen Dr. Bauer und Dr. Deutsch und die übrigen Mitglieder dieser Gruppe, die ins Ausland geflüchtet sind, wurde überhaupt eingestellt und auch von der Erlassung von Steckbriefen abgesehen, da keine Hoffnung besteht, daß sie den österreichischen Behörden ausgeliefert würden. 13 Forderungen der tschechischen Genossen Prag. Unter dem Vorsitz des Abg. T o m ä- Sek fand am Dienstag eine Klubsihung der tschechoslowakischen Sozialdemokraten statt, in welcher der Vorsitzende zunächst den Mandatsnachfolger deS Abg. Koudelka, den Abg. BouSka begrüßte, worauf Parteiobmann Abg. H a m p l über die polittsche Situation und die Verhandlungen mit einzelnen Parteien und Fürsorgeminis ster Dr. Meißner über den Fortgang der Regierungsarbeiten und besonders über den Stand der 40-Stundenwoche Bericht erstattete, worauf er zur Milchvorlage, zur Frage des Viehmonopols und anderen Programmspuntten der Regierung Stellung nahm. Nach ausführlicher Debatte, in welche zahlreiche Mitglieder des Klubs eingriffen, wurde eine Kundgebung angenommen, in welcher der Klub in Berücksichtigung der heutigen Situation folgende 13 Punkte verlangt: 1. di« beschleunigte Durchführung der Ge- setzesvorlnge des FürsorgeminisleriumS über di« 40-Ltundenwochc,- 2. das Gesetz über di« Arbeitsvermittlung; 3. di« Regulierung der Minimallihne; 4. Maßnahmen zwecks der netwendigen finanziellen Mittel zur Durchführung außerbudgetärer Jnvestitionsarbeiten im größeren Umfang; 8. eine rasche Novellierung des Paragraphen 126 der Sozialversicherung; 6. beschleunigte Sanierung der Selbstverwaltungsfinanzen; 7. Durchberatung der im Vorjahr eingebrachten Gesetzesvorlage über die Verstaatlichung der Kohlenwerke; 8. ein Gesetz zwecks Aushilfe an arbeitslose Familicnhausbcsitzcr; 9. Einrechnung der Heeresdienstzeit in di« RuhestandSgenüff« der Kanzleihilfsangefteüte« und des Hilfspersonals; 10. Aenderung deS Paragraphen 29 des In» validenfürsorgegesrtzcs; 11. Ausbau der Gewerbeinspektion; 12. Erleichterungen in der Verordnung über den StaatSbeitrag zur Arbeitslosenunterstützung und 13. die Gesetzwerdung deS Zusammenschlusses der Studrntenstiftungen. Tagung des Internationalen Arbeitsamtes Genf. Am Dienstag wurde» in Genf die Beratungen des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes eröffnet. Das Programm der Beratungen des Verwaltungsrates umfaßt einige sehr wichtige Fragen, namentlich die Revision des Abkommens über die Arbeitszeit in den Kohlengruben, weiters die Frage der Einführung der verkürzten Arbeitszeit in verschiedenen Industriezweigen und das Problem der Mitgliedschaft der acht größten Industriestaaten im Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes. Es geht darum, daß Belgien und Kanada ihren Sitz Rußland und den Bereinigten Staaten überlassen, die diesmal durch„Beobachter" vertreten sind. Ein zweites Mandschukuo? Japans„Wünsche“ bezüglich China Am Nordufer des Flusses Chalkargol, der sich in den Boer-See ergießt, sind mongolische berittene Militärabteilungen aufgetaucht. Mandschurische Pattouillen, die unter dem Kommando japanischer Oftiziere stehen, und die auf Erkun» Shanghai. Die Japaner beginnen, wie die chinesische Presse berichtet, bei T a t a n, dem Hauptquartier des japanischen Frontkommandos, mit der Anlage eines Militärflugplatzes. Auch den Bau von Verbindungsstrahen haben die Japaner in dem von ihnen besetzten Gebiet unter dem Schutz von Panzerwagen in Angriff genommen.^ Die Rakete Cln Kurzroman von Kurt Doboror Das Material der Rakete wurde Stück für Stück geprüft. Di« Treibstoffmenge ist genau berechnet. >— Die Triebkraftformel stimmt!— Unser Wille ist stark! Wir werden starten, und sollten wir stürzen, so war eben die Natur noch stärker als wir!" » Hundertausende umsäumten, Kopf an Kopf gedrängt, den Startplatz. Ein Militärkordon hielt alle die Unvorsichtigen fern, die ttotz der zu erwartenden Gluthitze näherzudrängen suchten. Mächtige Scheinwerfer machten die Nacht zum Tage. Sie hatten alle die Strahlcnkegel auf ein riesiges Betonfundament gerichtet. In dessen Mitte stand das silbergraue, glänzende Projektil, einer großen Granate gleichend. Da und dort richtete einer das Fernglas. Dann sah er an der Spitze die kleinen Glasaugen der Rakete. Aber man sah es auch mit bloßem Auge, daß das zylindrische Projektil unten in «ine Form überging, die im Querschnitt einem vierblättrigem Kleeblatt glich. Hier unten lagen die vier Triebkraftbehälter, die man aus der Ferne für die Eckpfeiler dieses Weißen Turmes halten tonnte. Schon hat der„Wal", da» Riesenflugschift der Erowell, den Startplatz verlassen. Er war mit den modernsten optischen und radioelekttischen Apparaten ausgerüstet. Mit ihnen sollte die Be<- satzung der Rakete vom Moment der Abfahrt in Verbindung bleiben. Funkentelegraphisch wurden die letzten Informationen vom„Wal" zum Projektil gegeben. Da— eben strahlten die Scheinwerfer deS Wals in fünf Richtungen auseinander. Es war das Signal für die den Platz umsäumende Men schenmenge und für die Vertreter der Regierungen, daß der Augenblick des Startes da sei. Eisige Stille herrschte. Nach einigen Augenblicken erhob sich vom Projekttl ein wüstes Fauchen. Die Scheinwerfer erloschen, und nun sah man, wie sich vier blaurote Feuersttöme, im Viereck aneinander liegend, in die Nacht emporschoben. Eine brüllende, jauchzende Brandung aus Menschenkehlen schlug herauf. Der glühend heiße Luftsttom drohte dabei den Nächststehenden die Lunge zu verbrennen. Da— noch stand di« blaue Feuersäule wie der Schweif eines Kometen am Himmel, da klang es wie ferne Kanonenschüsse. Die vier blauen Säulen trugen zwei tiefrote leuchtende Sternbüschel, und an diesen führte in jäher Kurve ein blauroter zweifacher Schweif schräg zur Erde hinaus ins Meer. Das blaue Leuchten erstarb, und nun stand nur noch ein gluttoter Streifen auf dem M^ere. Er lag wie ein erhobener, blutiger Finger über dem entsetzensstarren Schweigen der Menge. Der erste Flug der Rakete war mißglückt. Im Kommandoraum des„Wal" starrten drei Männer durch die Beobachtungsschlitze, ohne die Hände von den Hebeln zu ziehen. Der am rechten Schlitz beginnt wie zu sich selber zu sprechen:„Die Triebstoffbehälter wurden zu heiß.— Es sind zwei davon explodiert. Wir hätten es endgültig für dieses erste Projektil bei der Fernsteuerung lassen können.— Der alte Wilm hatte auf alle Einwürfe nur das Wort: Di« Formel stimmt.—- Die beiden jungen Hitzköpfe mußten unbedingt mtt der ersten Rakete fliegen. Nun hat sie alle drei das Meer." „Gebt den Kurs Westnordwest," spricht der in der Mttte. „Wir müssen nach Zentronl" Ihre Augen liegen wieder auf den spielenden Zeigern. Ihre Hände fassen die Hebel.— Sie schweigen.— Doch ihr Gesicht trägt eine Rune inehr. Jonny konnte nicht länger an sich halten. „Die Admiralität der Völkerliga weiß," rief er erregt,„wohin die beiden englischen Kreuzer verschwunden sind. Der Funker Jim hat mir genug erzähll, bevor er, auf dringenden Wunsch der Admiralität hin, verrückt wurde. Die Schiffe sind in di« Lust geflogen!" „Und das Bullettn, daß die Schiffe an die Erowelt übergegangen sind, daß die Mannschaft desertiert"ist?" rief man erregt. „Das ist alles gemacht, um neue Freiwillige zu finden," sagte Jonny ruhig.„Sie haben hier eine Mannschaft beisammen, di« es gewohnt ist» für Geld ihr Leben zu riskieren. Aber wenn wir für Geld unser Leben opfern sollen, dann wird sie der Teufel holen I" „Ihr wißt, ich war auf dem drttten Schiff, das nicht verschwand, weil es zurückbleiben mußte. Ich will euch erzählen, warum ich weiß, daß die Schiffe in die Luft geflogen sind und nun samt Mannschaft auf dem Grund des Meeres liegen." Man rückte näher zusammen, und Jonny dämpfte die Stimme.„Es waren zwei leichte Kreuzer der englischen Marine. Das dritte Schiff, das, auf dem ich fuhr, war eines der neuen mit elektrischem Antrieb. Jim, mein.Freund, war Funker. Wir saßen abends in der Freizeit ost beisammen in der Koje. Eines Abends kam er später.— Er war erregt und nicht so wie immer. „Ich weiß nicht," sagte er,„es ist fieberndes Tönen in den Funkgeräten. Unheimlich anschwellend, summend und singend. Wenn es verschwunden ist, dann liegt es noch wie Zittern in den Spulen. Es lauert etwas Unheimliches in der Lust!" Es war drei Tage nach dem Abend, an dem mir Jim seine schlimmen Gedanken erzählte. Ich war im Maschinenraum und beobachtete die Drehzahlanzeiger. Es lag ein Druck auf dem ganzen Schiff. Bor zwei Stunden waren die Motoren heulend auf höhere Drehzahlen gesprungen. Ohne Anlaß und ohne unseren Willen, von selbst—• geheimnisvoll. Sie rasten minutenlang in diesem Tempo, dann kehrten sie, nach einigen Schwankungen, wieder auf normale Drehzahl zurück. Man holte mich zum Kapitän. Als ich an der Funkbude vorbeikam, rief mich Jim an. Er war ganz weiß im Gesicht.„Sie funken!— Es geht los.— Wir haben nur nch zwanzig Meile» bis Zentron—." Der Kapitän stand an seinem Tisch. Er hielt ein Schreiben in den Händen. Ein entsiegelter Umschlag lag daneben. AIS ich einttat, hauchte er mich an:„Was treiben Sie mit den Maschinen, Mensch?" Aber er schien es selbst nicht zu glaube», daß ich daran schuld wäre. Man mußte dem Schiff von Zentron aus schon Halt und Warnung gefunkt haben. Denn als ich auf ihn zutrat und sagte:»Herr, glauben Sie mir, es kommt von Zentton," sagte er nur mit halblauter Stimme: „Gehen Sie an die Maschinen, Mann!" Was dann kam, ging rasch vor sich. Die Motoren rückten plötzlich wieder wie toll an und heulten auf. Die Drehzähler sprangen über den roten Sttich. Dann zischten ein paar Funkengarben auf, und dann— stand das Schiff still. Man hatte die Motoren von Zentron aus mtt Starkstrom überlagert, die Spannung in die Höhe getrieben, und nun waren eben die Motoren zerstört. Das war eS auch, was Jim und ich schon lange gefürchtet hatten. Als die Schraube ihre letzten zitternden Schläge getan, stand ich schon zur Meldung beim Kapitän auf dem Verdeck. Es war Nacht geworden. Unsere ganze Beleuchtung war natürlich auch durchgebrannt. Bon den beide» Kreuzern war kein Schimmer zu sehen. Der Kapitän brüllte:„Notlichter an!" Aber man war nicht vorbereitet. Da blinkten von de» Kreuzern die kleinen Azetylensignalwerfer auf. lFortsetzung folgt.) Nr. 25 Mittwoch, 30. Jänner 1935 Sudetendeutsɗfier Zeitspiegel Das Gebiet der größten Arbeitslosigkeit Im Kampfe gegen die Not Vertrauensmänner- Konferenz in Graslitz In Graslik fand Samstag, den 26. Jänner, eine Konferenz statt, an der Vertrauensmänner der Partei und Gewerkschaften sowie Gemeindevertreter aus fast allen Orten des Graslizer Bezirkes teilnahmen. Die Konferenz beschäftigte sich mit dem Notstand, der seit Jahren im Bezirke Graslih herrscht und gegenwärtig einen Umfang und ein Ausmaß angenommen hat, für welches die Bezeichnung unerträglich nicht mehr zureichend ist. Es wäre zu wünschen, daß die Vertreter der Behörden, vor allem die Repräsentanten mancher Prager Regierungsstellen, nur einmal an einer solchen Tagung teilnehmen würden, um sich ein direktes Bild von der furchtbaren Lage in diesem Bezirke zu machen. Sieben Jahre Krise Genosse Abg. Kaufmann besprach einleitend in einem großangelegten Referate die Bemühungen, welche er in Gemeinschaft mit den Parlamentariern Westböhmens und den Vertretern der in Betracht kommenden Gewerkschaften in letzter Zeit unternommen hat und führte u. a. aus: Es ist eigentlich falsch, wenn davon gesprochen wird, daß wir im fünften Krisenwinter leben; für eine große Zahl Arbeiter im Graslizzer Bezirke ist es bereits der sechste und siebente Krisenwinter, weil in den hiesigen Exportindustrien und im Eisenwerk Rothau schon vor Beginn der allgemeinen Krise Einschränkungen erfolgten. Es ist daher keine Uebertreibung, wenn ausgesprochen wird, daß in diesem Teile des Erzgebirges die Not weitaus größer ist, als in anderen Notstandsgebieten des Staates. Die Gewerkschaften haben bisher unerhörte Anstrengungen gemacht und große Opfer gebracht, um das Krisenelend mildern zu helfen. Die Arbeiter helfen den Opfern der Kapitalisten Der Metallarbeiterverband hat bisher allein in das Gebiet Grasliz- Neudet mehr als 20 Mill. Kč an Arbeitslosenunterstüßung gegeben. Die Unterstützungen aller Gewerkschaften dürften einen Betrag von 35 Millionen erreichen. Es ist als eine große und beispiellose Solidaritätsattion anzusprechen, die auf diese Weise von der Gesamtmitgliedschaft der Gewerkschaften für die arbeitslosen Klassengenossen im Erzgebirge geleistet wurde. Es wird nun höchst an der Zeit, daß auch andere Faktoren, insbesondere Staat und Land helfend eingreifen, um die so schwer heimgesuchten Krisenopfer vor dem gänzlichen Verderben zu bes wahren. Außerordentliche Hilfe ist das dringende Gebot der Stunde. Die Berechtigung, für dieses Gebiet außerordentliche Hilfsmaßnahmen zu ber= langen, liegt vor allem darin, weil ja diese unerhörte Verschärfung des Notstandes im Bezirke Graslitz durch die Willtür einzelner Menschen verursacht wurde. müdlichen und ernsten Arbeit und den hohlen Phrasen der Henleinleute besteht, jener Henleinleute, deren Gesinnungsfreunde das Elend in Rothau verschuldet haben. Stelle zu stehen. Es ist notwendig, daß eine Umkehr in der Frage der Devisenbewirtschaftung und Exportförderung raschestens erfolgt. Rasche Hilfe ist nötig Es ist notwendig, den maßgebenden Faktoren in Prag das Elend unserer Grenzgebiete zum Bewußtsein zu bringen. Genosse Abg. Baumgart! beschäftigte sich mit der unhaltbaren Situation im Allgemeinen Krankenhause und den dort herrschenden, einfach unmöglichen Zuständen, insbesondere im Infektionspavillon. Er besprach weiter die unerhörten lebergriffe der Bürokratie in der Nichterledigung bon Bauprojekten und betonte, daß wir feine Versprechungen mehr haben wollen, sondern praktische Taten. Nach den mit starkem Beifall aufgenommenen Referaten sprachen die Vertrauensmänner aus den Graslik hat die traurige Berühmtheit, in der einzelnen Orten. Wir werden über ihre ForderunStatistit der Arbeitslosenziffer weitaus an erster gen morgen berichten. Seite 3 Sinclair Lewis. Dieser Tage vollendet Amerikas bekanntester Schriftsteller Sinclair Lewis, der im Jahre 1930 als erster Amerikaner den literarischen Nobelpreis erhielt, das 5 0. Lebensjahr. Von seinen Werken hat der Roman ,, Babbitt" die größte Verbreitung erlangt. Henlein will uns hundert Jahre Auseinandergejagte Der Hitler in Taschenformat " Henlein- Versammlung beglücken! in Sternberg Henlein erzählte dann weiter: ,, Man glaubt, uns durch Polizeimaßnahmen Abzug der Henlein- Ordner unterm Schutz der Gendarmerie! Für Montag abends war in die Turnhalle von Sternberg eine öffentliche Versammlung der Sudetendeutschen Heimatfront einberufen worden, unmöglich zu machen. Fast alle meine Mitarbeiter für welche Veranstaltung zwar die SHF ihre wurden eingesperrt. Nur Ruhe! Nach dem Ordner aus ganz Nordmähren Einsperren kommt das Auslassen aufgeboten und zum Teile in Autobussen heranGewisse Kreise glauben, uns einzuschüchtern, geschafft hatte, für die sich aber auch die deutschen wenn sie sagen: Ihr werdet aufgelöst und nicht fozialdemokratischen Arbeiter registriert. Das werden wir erst sehen!" Unter den Titel enleindroht!" vers| Adolf Deutschland tausend Jahre behüten öffentlicht die heutige Prager Preffe" will, will sein kleiner Nachahmer, der arme Koneinen Artikel, in welchem sie sich mit der Ver- rad, die Sudetendeutschen wenigstens hundert sammlung, welche die Heimatfront Sonntag in Jahre beglücken! Marienbad abgehalten hat und in der Dr. Walter Brand und Konrad Henlein gesprochen haben, beschäftigt.„ Das waren nicht mehr die rorzensurierten Töne von Böhm.- Leipa", so schreibt das Blatt.„ Das war fast wieder der Henlein aus dem Jahre 1931, der die Turnbewegung als völkische Kampftruppe unseres Sudetenlandes" propagierte, als„ Mittel zur Erhaltung unserer Wehrhaftigkeit." Was Henlein selbst nicht sagen wollte, besorgte das Mitglied des Kameradschaftsbundes Dr. Walter Brand, der unter Benüßung der Hilgenreiner Parole erklärte, die Wahlen würden eine Saarabstimmung werden. „ Eine Saarabstimmung zum status quo der Barteienzersplitterung oder zu neuen Fahnen." Aber auch Konrad Henlein nahm sich kein Blatt vor den Mund und verstieg sich diesmal zu Drohungen. Er sagte u. a.: ,, Man hat es uns nicht leicht gemacht. Da hieß es: Tarnung, Fascismus, Staatsgefährlichteit. Es waren leider Gottes nicht die Tschechen, sondern es waren Deutschsprechende. Aber es tommt der Tag..." Diese Stelle der Nede wird freilich nicht von den Blättern gebracht, welche von den„ SudetenMit Recht bemerkt die" Prager Presse" zu diesen Aeußerungen, daß dies nicht mehr jener Henlein ist, der nach den ersten Verhaftungen erklärte, niemand, der in Strafuntersuchung stehe, fönne Mitglied der SHF bleiben. Diesmal bekennt er sich zu den Eingesperrten, von denen er sagt, daß sie wieder entlassen werden. Sternbergs stark interessierten. Um acht Uhr sollte die Versammlung beginnen, um halb acht Uhr war der Saal voll besetzt. Als Vorsitzender figurierte Herr ,, Landesleiter" Sto morovsky, derzeit aus Mährisch- Schönberg, aber gebürtiger Po I e, als Redner Herr Georg Wollner aus Eger. Schon als dieser die Versammlung mit " Wird sich das die tschechoslowakische Demo- eil!" begrüßte, geriet der Großteil der Verfiatie auf die Dauer gefallen lassen?" Mit dieser fammlung in Empörung. Als aber Wollner, nachFrage schließt der Artikel der„ Prager Preſſe". Ohne die Verlegung der Eisenwerke durch die deutschen Pressebriefen", der Korrespondenz der des deutschen Volkes in der Tschechoslowakei eine den Saal verließen. Als Polizei Schuld der Herren Doderer und Konforten und der Aktionäre würde die allgemeine Wirtschaftsfrise bei weitem nicht so verheerend wirken. Unbeschreibliches Elend herrscht nicht nur im Rothautale, sondern auch in den übrigen Teilen des Bezirkes. In der Textilindustrie sind heute noch zwei Bünftel des früheren Standes beschäftigt. Die Seim industrie liegt völlig darnieder. Die Spielwaren- und Musikinstrumentenerzeugung ist total zusammengebrochen. Ziffern, die Schicksale bedeuten Im Jahre 1930 waren in der Musikinstrumen tenindustrie in den Fabrikbetrieben 1045, im Kleingewerbe 1112 Beschäftigte. Ende 1934 waren es in den Fabrikunternehmungen nur noch 377 bei einer Arbeitszeit von 24 bis 40 Stunden, im Kleingewerbe 356 bei einer Arbeitszeit von 16 bis 40 Stunden. In der Spielwarenindustrie waren 1930 in Betrie ben und Heimindustrie 1624 Arbeiter beschäftigt, beute sind es taum mehr 100. Wie kann man helfen? " dem er ungefähr zehn Minuten lang gesprochen hatte, den 3 wifchenruf eines Arbeiters Wir wissen nicht, was sich Herr Henlein gemit einem ,, e r foll die. Schnauze dacht hat, als er fagte:„ Es kommt der Tag..." Es ist dies eine unverhüllte Drohung. Gegen halten!" quittiert hatte, entstand im Nu ein wen ist diese Drohung gerichtet? Herr Henlein Riesen krawall und innerhalb zwei scheint zu vergessen, daß das Sudetendeutschtum Minuten eine Schläger ei, die bewirkte, daß noch nicht gleichgeschaltet ist und daß sich innerhalb die Henlein- Ordner fluchtartig mächtige Volksströmung befindet, die seine Drohungen nicht fürchtet, sondern die ihm uner- und Gendarmerie eintrafen, war das Schicksal der bittlichen Kampf anfagt. Die Sozial- Versammlung schon entschieden. Die Henleins hatten nicht einmal demokratie wird in der kommenden Zeit, insbesondere im Wahlkampf, nicht irgendeine Vertei- den Versuch einer Abwehr unterAngriff übergehen und Henlein wird mitsamt der Gendarmerie ab. Sie werden digungsposition beziehen, sondern sie wird zum nommen und zogen unter dem Schutze feiner Heimatfront und mit allen seinen Bundes- fich jedenfalls hüten, nochmals eine öffentliche genoffen die Kraft der deutschen Sozialdemokratie Versammlung in Sternberg zu wagen! „ Ich muß schon alle Gegner um Entschul- zu spüren bekommen. Unsere Partei hat am digung bitten: Ich bin einmal da und ich bleibe 4. November gezeigt, daß sie zum Kampf entschlos= ba!.." ,, Wir geben nicht nach, weder sen ist und Herr Henlein und seine Anhänger heute, noch in hundert Jahren. Die haben mit unseren Genossen in zahlreichen VerBewegung ist heute der Ausdruck des Volkes und fammlugen bereits Bekanntschaft gemacht. fie bleibt hier." und seine ganze Sippschaft werden Wie man sieht, ist also Henlein ein Hitler uns in den nächsten Wochen noch Taschenformat. Während der große gründlichkennenlernen. Henleinleute, verbreitet wird, sondern von der Marienbader Zeitung", die den Ehrgeiz hatte, ihren Lesern ein wörtliches Stenogramm vorzufeßen. Aus der stenographischen Wiedergabe der weiteren Stellen der Rede ersieht man nun deutlich, daß Herr Henlein von dem Streben besessen ist, ein Nachahmer Hitlers zu sein und die Hitler schen Phrasen wiederzugeben. Er sagte nämlich: in • Wieder ein SA- Mann Er tungen stand. Von Bruno Hanns Wittets Werten wurde übergelaufen Die jüdischen Inserate eines Nazi- Blattes am Die Freiheit" veröffentlichte 2. Dezember 1933 eine Notiz, in der sie ausführte, daß der" Tepliß Schönauer Anzeiger" in einer Nummer rückwärts um etwa 1500 Kč jüdische Inserate brachte, während auf der ersten Seite ein Bericht über die Vorgänge im tschechoslowakischen Parlament tommentarlos vor allem sein Hans- Kudlich abgedruckt war, nach welchem Schollich den Kampf Roman, Sturm überm Ader" bekannt, der Nationalsozialisten und Deutschnationalen im Aus Ta cha u wird uns berichtet: der das Leben und den Kampf des Bauern- Reich als einen Kampf gegen die jüdische WeltStaatliche Kredite, besondere Förderung des In den letzten Tagen ist neuerdings ein SA befreiers schildert. Auch der schlesische Nach herrschaft und den jüdischen Geist bezeichnete. Exportes, Aenderung der Devisenbewirtschaftung Mann übergelaufen. Die reichsdeutsche Kerker- friegsroman„ Die Heimkehr des Andreas Losch- Diesen Artikel flagte die Firma E. Weigend und Maßnahmen zur Erhöhung der Kontingente würden die Lage unſerer Exportindustrie ganz be- luft war ihm zu dick und die Sehnsucht nach fri- ner" ist von Heimatsliebe erfüllt. Eine Er- als Inhaberin des Anzeigers ein, da darin ein bentend erleichtern und ihr eine nennenswerte Hilfe scher, freier Luft hat ihn in die Tschechoslowakei zählung aus der Schwedenzeit ist die Novelle unlauterer Wettbewerb sichtbar ſei bringen. Die Durchführung solcher Hilfsmaßnah getrieben. Es ist dies in letzter Zeit der dritte Peter Leutrecht". Als Lyriker ist Bruno Hanns und das Blatt bei den jüdischen Geschäftsleuten men läge durchaus im Bereiche der Möglichkeit. SA- Ueberläufer, der hier die Grenze passierte. Wittek in seinem letterschienen Gedichte und auf Grund dieser Notiz weniger Inserate erhalEine andere Form, die Krisenwirkungen zu mil- Danach scheint eine starke Flucht von SA- Leuten Balladenbuch„ Schatzhauser" und in seinem Ju- ten habe. Diese Klage wurde nun vom Kreisdern, wäre die Schaffung von Notstandsarbeiten. nach dem Ausland eingesetzt zu haben. Unseren gendwerk Seele im Licht" eigenartig und kraft- gericht in Leitmerib fostenpflichtig abgewiesen und Ein Henleins paßt es gar nicht in den Kram, daß SA- voll in Erscheinung getreten. Bruno Hanns Wit- die Firma Weigend schuldi erkannt, an Sosten Viele schon baureife Projekte liegen vor. Großteil der Webedung ist bereits sichergestellt, aber Leute aus Deutschland flüchten. Denn gewisse tek iſt auch als Autor verschiedener Hörspiele be- Kč 2249.40 dem Anivalt der Freiheit" zu beGemeinden und Bezirke sind je ausgeschöpft, daß sie nationalistisch vernebelte Idioten haben es ja als zahlen. In dem Urteil, das bereits in Rechtstraft nicht imstande sind, auch nur einen fünf- bis zehn eine besondere Auszeichnung angesehen, zur Arerwachsen ist, heißt es, unter anderem, daß man diesem Artikel den politsichen Charakter keinesbrozentigen Baukostenbeitrag zu leisten. Es müßten wegs nehmen könne. Den Prozeß führte in Veralso vom Staate auch der Reit der Baukosten über- beitermördergarde Hitlers zu gehören. Daß nun Noch ein ,, Sechsundsechziger". In Jgla u tretung der klagenden Partei Dr. Karl Heinrich nommen werden und es könnte hunderte Menschen selbst die SA flüchtet, ist ein bedenkliches Zeich.n für die Situation in Deutschland. Wie lange starb im Alter von 91 Jahren an Marasmus der Strada I, die Verteidigung hatte die Kanzlei wenigstens zeitweise wieder in Arbeit kommen. Organe, durch schikanöse Auslegung des Gesetzes ten, falls er noch rechtzeitig sein Flugzeug er der im Jahre 1866 an der Schlacht von Königgräß Unsere Leser werden sich an die oft zitierte SchreibAußerdem müssen die Verfuche einzelner staatlicher wird es noch dauern und Hitler wird selbst flüch ehemalige Briefträger 2 e o pold Straus, Dr. Heller und Dr. Klein übernommen. über das Genter System und der Vorschriften der reicht? 27 kannt geworden, die, wie lezthin ,, Beethoven in Gräz", vom Prager Rundfunk übernommen wurden. teilgenommen hatte. Der Gegenwart war er beweise des Blattes zu Beginn des Hitlerregimes Ernährungsaktion die Not noch zu steigern und die Misstimmung in der Bevölkerung noch zu verschär Bruno Hanns Wittet gestorben. Nach vier- ihm nichts mehr bedeutet. Er vermochte sich selbst tet haben, wie die Leserschaft des„ Tepliß- Schö reits ganz abgekehrt und schon der Weltkrieg hat sehr gut erinnern und manche werden auch beobach= fen, auf das entschiedenste bekämpft werden. nauer Anzeigers" darauf reagierte. Ein Blick in aber lebte er in seinen Erinnerungen ganz im Sterne vom Himmel, aber wir wollen endlich ernst- tag, dem 27. Jänner, der schlesische Dichter Bruno wurde am 15. Feber 1895 in Freudenthal ge- Jahre 1866, vermochte sich der Namen der Armee heit" in einem ursächlichen Zusammenhange mit hafte Maßnahmen, um unsere Menschen vor dem Hanns Wittet. Der so früh Heimgegangene Weigend aber war der Meinung, daß die Freibölligen Zugrundegehen zu bewahren! Referates des Genoffen Kaufmann auf den getals fast ausschließlich in seiner schlesischen Heimat der Ortschaften, in deren Umgebung Gefechte worüber sie wohl zufolge des Prozeßausganges Gen. Abg. de Witte verwies in Ergänzung des boren und hat seine Lebens- und Schaffensjahre führer und Vorgesetzten, seiner Kameraden und der Reaktion der Leser und Inserenten stünde, sigen Unterschied, der zwischen unserer steten, uner- verbracht, die auch im Mittelpunkte seiner Dich- stattfanden, zu entsinnen, Wir fordern nichts Unmögliches, wir wollen nicht die wöchigem Leiden verschied in Troppau am Sonn- der leztvergangenen Tage nicht zu erinnern, dafür die betreffenden Nummern sagt alles. Die Firma A eines anderen belehrt worden sein dürfte. Seite 4 Tagesneuigkeiten Fliegertod in Kbely unter scharfem Winkel gelang es ihm jedoch nicht mehr rechtzeitig, das Flugzeug in die Höhe zu reißen. Der Apparat stürzte zu Boden, Kapitän Borufit wurde getötet. Mittwoch, 30. Jänner 1935 Adrianopel unter Wasser In Kürze Nr. 25 und ohne Licht Paris. Der Oberstaatsanwalt der franPrag. Dienstag um 11 Uhr vormittags Unwetter in der Türkei dauern an. Als der behörden zeigten sich äußerst entgegenkommend fonen im Zusammenhang mit der Affäre StaAdrianopel. Die Wollenbrüche und zeugen fortzufeßen. Die bulgarischen Grenz- zösischen Republik hat bereits gegen 2000 Berbollführte auf dem Flugplak Kbely der Flieger- Expreßzug in der Nacht vom 27. zum 28. und beschafften Automobile. In sechs Wagen wisty die Anklageschriften fertiggestellt. kapitän Bedřich Bornsit vom Fliegerregi= ment Nr. 1 mit dem Flugzeuge BA 33-8 An- Jänner an die große Brücke über die Mariza führte die Fahrt über das weithin überschwemmte unmittelbar vor Adrianopel fam nachdem er Gebiet fast immer durch einen halben Meter Baris. Der ehemalige Generalstaatsanwalt im griffsübungen mit Bodenziel. Bei einem Anflug bereits eine große Strecke überschwemmtes Gebiet tie fes Wasser in Richtung auf die tür- Seine- Departement Georges Pressard ist am Brücke nicht befahren werden konnte, da ihre durchfahren hatte stellte sich heraus, daß die fische Grenze. Dienstag im Alter von 69 Jahren gestorben. Pref= Die Stadt Adrianopel ist durch das Ueber- ford ist der breiten Oeffentlichkeit nach dem StavistyFundamente unterwaschen waren und Eintreten der Marika und Tundja zu acht Zehn Standal und auch im Zusammenhang mit dem rätsturzgefahr drohte. Der Zug wurde darauf- te In völlig unter Wasser gesezt. Da der Betrieb felhaften Tod des Generalrates Princ bekannt hin nach der bulgarischen Grenzstation zurück- des Elektrizitätswertes gestört ist, liegt die Stadt geworden. Er hat noch vor wenigen Tagen vor dem Ein Obersteiger schwerverletzt geschoben. Da die Brücke nach der Ansicht von in Dunkel gebüllt, was die Rettungsarbeiten parlamentarischen Untersuchungsausschuß die ton Fachleuten erst in mehreren Tagen wieder befahr- sehr erschwert. 3 a hlreiche Häuser sind ein verschiedenen Seiten gegen ihn erhobenen schweren durch Karbid- Explosion bar gemacht werden kann, ist der Reisebergestürzt oder schwer beschädigt. Es sollen auch Anschuldigungen energisch zurückgewiesen. Aus Ung.- Hradisch wird berichtet: Amehr zwischen Bulgarien und der Türkei Tote zu beklagen sein. Die Bevölkerung London. Wie die Handelsgesellschaft„ Arcas Montag früh war der Obersteiger der Grube borläufig unterbrochen. Die Reisenden räumt ihre Wohnungen und drängt mitteilt, hat sie die Verhandlungen über die Ausfuhr Alberti in Dubnany bei Kyjov, Ladislav Sih, mit entschlossen sich, ihre Reise in Straßenfahr sich in den höher gelegenen Stadtteilen zusammen. von Maschinen und verschiedenem Material nach = der Zuteilung von Karbid an die Bergleute beschäftigt. Nach der Beendigung dieser Arbeit wollte nahme gab Hauptmann zu, daß er die Inwahrsich Sitz vom Stand seines Karbidvorrates über- heit gesprochen habe, als er den Eltern Fischs zengen; aber als er sich dem Lager mit einer nach dessen Tode mitteilte, daß er ihm 5500 Dollar offenen Flamme näherte, entstand eine Explosion geborgt habe. der im Lagerraum angesammelten Gase. Sit wurde von den Arbeitern, die das Unglück bemerkWährend des letzten Teiles dieses unbarmherzigen Verhörs wurde Hauptmann offensichtlich ten und den Brand löschten, ins Krankenhaus von von Ang it befallen und seine Hände begannen zu zittern. Ung. Hradisch geschafft, wo festgestellt wurde, daß er schwere Brandverletzungen im Gesichte erlitten hatte. Die Aerzte bemühen sich, Sit das Augenlicht zu erhalten. Kohlengasvergiftung einer sechsköpfigen Familie lehrling, als er Gebäck austrug, den Forst meister Millets lumpiger Enkel Sowjetrußland im Gesamtwerte von über einer Mil. wird in bar erfolgen. lion Pfund Sterling abgeschlossen. Die Bezahlung 1974 A sig Grippe- Epidemie in Mecklenburg. Die zur Zeit in Mecklenburg starf auftretende Grippe hat es erforderlich gemacht, daß in fast allen Teilen des Sofia. Die bulgarische Polizei traf in der Landes die Schulen geschlossen werden Umgebung von Harmanly vier gesuchte Kommu mußten. Am schwersten tritt die Grippe in der nisten, die sich durch eine Schußsalve zur Wehr Landeshauptstadt Schwerin auf, wo über 50 von setten. Ein Gendarm wurde dabei erschossen, drei 100 der Schüler und der Lehrer erkrankt sind. Fast weitere verwundet. Die Polizisten erwiderten die ebenso verhält es sich in Vorpommern. Salve und erschossen zwei Kommunisten. Die 300 Jahre Französische Akademie. Die Fran- restlichen zwei Kommunisten flüchteten in den zösische Akademie, die am 29. Jänner 1635 über Wald, wurden aber vom Militär gefunden und Erlag Ludwig XIII. gegründet wurde, feierte also verhaftet. Baris. Gestern begann vor dem Gerichte in gestern ihr 300jähriges Jubiläum. Die eigentlichen Moskau.( Taß.) Im großen Kreml- Palast Fontainebleau die Verhandlung gegen den Enkel Feiern werden im Juni stattfinden, denn über eröffnete Kalinin in Anwesenheit von des im vorigen Jahrhundert berühmten Malers Wunsch der Akademie soll im genannten Monat stimmberechtigten Delegierten aus allen Gebieten Millet, Jean Charles Millet, der gleich auch die achte Auflage des französischen und Republiken der Sowjetunion den Rätekongres. Wien. In Mönchhof am Neusiedlersee falls Maler ist und gemeinsam mit dem Maler Wörterbuches, eines Werkes der Akademie, Das Erscheinen Stalins, Kalinins, Molotows, im Burgenlande fand Dienstag früh ein Bäder- Cazot angeklagt wird, Fälschungen von erscheinen. In Paris werden große Feiern veran Kaganowitschs, Woroschilows und anderer Führer Bildern Millets und anderer Maler der Barbizon- staltet werden, zu denen sich Vertreter der Ata- der Partei und der Regierung auf der Tribüne des des Ortes, Stefan 3 a hr a, und Schule angefertigt und um Hunderttausende unter demien und wissenschaftlicher Gesellschaften aus Präsidiums wurde mit stürmischem Applaus begrüßt. mit Kohlengas angefüllten Wohnung bewußtlos um Stücke aus dem Familiennachlaz derausstellung wird die Entwicklung der Ovationen kein Ende nehmen... dessen& r a u, sowie vier Kinder in der der Vorspiegelung verkauft zu haben, daß es sich der ganzen Welt einfinden werden. Eine Son- Insbesondere wollten sie Stalin bereiteten auf. Die ganze Familie mußte ins Krankenhaus Millets handle. Diese Angelegenheit wurde im Akademie in den drei Jahrhunderten ihres Begebracht werden, wo eines der Kinder bereits ge- Jahre 1930 bekannt und Millet und Cazot wurden standes veranschaulichen, außerdem werden die storben ist, während die übrigen Familienmitglie- damals in Haft genommen; die Verhandlung einzelnen Ausgaben des Wörterbuches sowie Geder mit dem Tode ringen. Die Familie wurde das wurde aber immer wieder verschoben, da viele denkstücke berühmter Mitglieder der Akademie zur Opfer eines fehlerhaften Umgehens mit dem Ofen. private Bilderbefizer und fremde, insbesondere Ausstellung gelangen. Schließlich wird eine beson- wahrscheinlich bereits im heurigen Jahre oder zu Beenglische Museen feine Klagen einbrachten, sondern dere Gedenkschrift herausgegeben werden, ginn des nächsten Jahres das neue Internationale sich lieber von ihren Sachverständigen die Echtheit die Beiträge einzelner Mitglieder über das Wirken Abkommen über die Eisenbahnfrachtbeförderung in 1.5 Millionen Dollar verloren ihrer Bilder bestätigen ließen. Hingegen beharrte der Akademie und ihrer Angehörigen enthalten Kraft treten, das ein neues Formular des interNew York. Die Bank of Manhattan Millet- Bild ein Bilderhändler, der für ein falsches wird. nationalen Frachtbriefes vorschreibt. Mit diesem gibt bekannt, daß einer ihrer Geldboten am Mon- hatte, auf seiner Anklage, welche nun der Haupt- fam es zu einer Gaserplosion. Ein Bergmann in Kraft treten, durch welches der Inlandstrans150.000 Franken bezahlt In den Gruben von Marchienne( Belgien) Abkommen wird auch das neue Inlandsreglement tag morgen seine Aktentasche mit Regierungsgegenstand der Verhandlung sein wird. wurde getötet, zwei schwer verletzt. port geregelt wird, das auch ein neues Formular Die Goldfendung des Flugzeuges Paris des Inlandsfrachtbriefes einführt. Arbeit in den Kranken- Versicherungsanstalten. Am Sturm aus dem Flugzeug gestürzt war, ist in Dienst. Ein ärztlicher Vorbereitungskurs für die London, die am Samstag bei einem heftigen 28. Jänner wurde beim Staatlichen Gesundheits der Nähe von Diſement im Departement Somme direktion der staatlichen Bälder und Güter) in amte in Prag vom Vorsitzenden der sozialärztlichen von einer Frau auf freiem Felde aufgefunden Brag II., Těšnov Nr. 65, werden im April 1935 Vereinigung der Mladá generace lékařu", Prof. worden. praktische Prüfungen für den staatlichen forsttechnis Dr. H. Pelc, ein ärztlicher Vorbereitungsturs für Postbentel mit 1½ Millionen Francs verloschen Dienst bei der Verwaltung der staatlichen Wäldie Arbeit bei der Krankenversicherung eröffnet. ren. Auf dem Wege von Paris nach der Stadt der und Güter gemäß der Verordnung des ehemaliDer Kurs dauert vier Wochen und behandelt Neuilly an der Marne ging ein Postbeutel berlo- gen Aderbauministeriums vom 7. Mai 1907, Themen aus dem Gebiete des Sozial- Heilwesens, ren, der 1½ Millionen Francs Bargeld enthielt. Nr. 116 RGBI., abgehalten. Die ordentlich belegder Organisation der Sozialversicherung und des Bisher wurde noch nicht festgestellt, ob es sich ten Gesuche um Zulassung zu dieser Prüfung müsrationellen Heilverfahrens. An dem Kurse betei- um einen Diebstahl, um einen zufälligen Verlust sen dem Landwirtschaftsministerium( der Zentralanleihen im Werte von 1,456.000 Dollar verloren hat. Der Verlust der Aktentasche ist deshalb besonders erstaunlich, da der Bote auf seinem Gang von awei bewaffneten Begleitern bewacht wurde. Die Polizei und auch die Verficherungsgesellschaften sind mit der Untersuchung der geheimnisvollen Umstände dieser Angelegenheit eifrig beschäftigt. Hauptmann in Nöten Flemington. Bei der neuerlichen Einvernahme Hauptmanns gab der Vertreter der AnNeue Frachtbriefe. Aller Voraussicht nach wird Staatsprüfungen für staatlichen forsttechnischen Im Landwirtschaftsministerium( Zentralflage bekannt, daß das Notizbuch Haupt- ligen fich 26 Hörer aus der ganzen Republik. Der oder um ein Verlegen des Postbeutels handelt. direktion der staatlichen Wälder und Güter) läng manns eine Skizze des Fensters und der Leiter Kurs soll zur Annäherung zwischen der Kranken- Die staatliche Sicherheitspolizei hat sofort die stens bis 28. Feber 1935 vorgelegt werden. enthalte. Der Angeklagte behauptet jedoch, daß versicherung und den Aerzte- Organisationen bei Untersuchung eingeleitet. Die Poſtverwaltung hat diese Stizze nicht von ihm angefertigt worden sei. tragen, was in den gehaltenen Reden sämtlicher bisher noch keine Beschwerde erhoben. Weiter gab Hauptmann an, daß er im Jahre 1929 Teilnehmer auch zum Ausdruc tam. Ersparnisse in der Höhe von etwa 10.000 Dollar beſeſſen habe, von denen er aber seiner Frau feine Mitteilung gemacht habe. Eben so verschwieg er ihr auch die Tatsache, daß er später in seiner Garage 14.000 oI= Spanisch. Das Strafgericht in Oviedo ver urteilte den Sergeanten der Zivilgarde Macarilla zu sechs Jahren Kerker, weil er sich während der Oktober- Revolution tampflos den Aufständischen ergeben hatte, die in einer Zahl von mehreren Zivilgarde belagert hielten. Neber Erwerbslofen- Siedlungen mündliche und Nauhe Kälte, wie fie in Spanien nur von Vorträgen an Ort und Stelle, erteilt die Deutschriftliche Aufklärungen, auf Wunsch auch in Form selten auftritt sowie große Schneestürme haben be- fche Beratungsstelle für Wohnungs- und Siedlungswirkt, daß eine Reihe von Ortschaften in den ver- wesen, technische Abteilung, Prag XV., Hodkovičky schiedenen Bezirken durch Schneeverwehungen Nr. 113. Telephon: RF 1202. gänzlich von der Außenwelt abgeschnitten wurden. Ein Dorf in Flammen. In der etwa 90 Kilo- treten febr rasche Wetteränderungen Andanern des Winterwetters. In Nordeuropa Sierra brach ein Großfeuer aus, das bisher sieben wärmung dringt über Standinavien vom Bolarmeer Häuser zerstörte und die ganze Ortschaft bedroht. Schutzpanzer für die deutsche Polizei. Der Reichs- doch zunächst einen Einfluß auf unsere Gegenwieder Kaltluft ein. Diese Aenderungen haben- jestaatliche Polizeiverwaltung zwei Brustpan= dauert; namentlich auf den Bergen wird noch viel= Iar gefunden habe. Als ihm ein Papier- hundert Personen das Wachelokal der meter von Madrid entfernten Gemeinde Montejo auf. Nach einer sehr starken vorübergehenden Erstreifen vorgelegt wurde, den man in seiner Wohnung gefunden hatte und auf welchem sich die Adresse sowie die Telephonnummer Dr. Condons Eine Kathedrale eingeäschert. Aus bisher unbekannter Ursache brach am Montag in der St. Feuer aus. Der Brand griff rasch um sich. Die bebefand, erklärte der Angeklagte neuerlich, daß es James- Kathedrale in Milwaukee( USA) ein u. preußische Innenminister hat angeordnet, für jede den, wo bei Nordwind das winterliche Weiter ansich hiebei nicht um seine Handschrift handle. dies Ihre Handschrift sei", entgegnete ihm der wurde eingeäschert. Dabei wurden die wertvollen schüßer zu beschaffen sind. Die Berliner Polizei ist Tälern, wo auch tagsüber nahezu überall leichter Aber in Brong haben Sie doch geschworen, daß rühmte Kathedrale, die seit 1853 Erzbischofsiz ist. 8 er verschiedener Größe, Halsbinden und Kopf fach Schneefall gemeldet. In den Niederungen und Anklagevertreter. Als Hauptmann das Maß sei- Kirchenfenster zerstört und auch die Gemälde und bereits mit Schutzpanzern ausgerüstet. Die Schub Frost herrscht, fann teilweise Aufheite= ner Schuhe bekanntgab, bemerkte der Vertreter der Kunstschäße wurden ein Raub der Flammen. Nur panzer sollen in allen Fällen verwendet werden, in rung weitere Abkühlung bringen; auf den Bergen Anklage, daß Fußspuren von annähernd gleicher der architektonisch wertvolle Glockenturm blieb er- denen von vornherein zu erwarten ist, daß Amts- dürfte die Temperatur bereits nicht mehr sinken. Größe unter dem Fenster des Lindbergh- Hauses halten. Der Sachschaden wird auf mehrere hunhandlungen der Kriminalpolizei bewaffneter Wider Wahrscheinliches Wetter von heute: gefunden wurden. Bei seiner weiteren Einver- derttausende Dollar geschätzt. stand entgegengesezt wird. Wetter Andauern des winterlichen Wetters. Namentlich auf den einsamen Besucher. Die Villen, die sich im etwas Leben. Die Läden sind schlecht beleuchtet. zelt Abnahme der Bewölkung und noch etwas tälter. den Bergen noch hie und da Schneeschauer. VereinWeltbad im Winter Sommer hinter grünen und blühenden Büschen Schwarze Gestalten huschen durch die Straßen. Wind aus nördlichen Richtungen. Es ist ungemütlich heute. Ich wandere am verstecken, stehen nun langweilig und nackt da. Die Am Ufer liegen die Fischerboote und ruhen aus aussichten für Donnerstag: Keine grö Ifer entlang. Meine Hände sind tief in die Ta- Fenster sind mit Holzverſchlägen bernagelt. Im bon ihren schweren Kämpfen mit den Wellen der Bere Aenderung. schen vergraben. Die Nase habe ich frierend in Garten warten Rosenstöcke, eingehüllt in wär- Ostsee. Fischerneße sind aufgespannt. In der meinen blau- weiß- schwarzen Schal gesteckt. Sonst mende Strohhülsen, auf den kommenden Früh- Dämmerung sehen sie aus wie riesige Spinndarf ich meine Nase nirgends hineinstecken. Eisiger ling. Schilder verkünden und mahnen:„ Betreten gewebe. Aus einem einzigen Schiffschornstein steigt „ Achtung, Selbstschuß!" Trotzdem Rauch auf, bermählt sich mit den herabhängenden Wind fegt über die zu Eis erstauten Wellen gegen das gefrorene Ufer. Schnaufend zerbricht er und kommt es vor, daß unerwünschte Gäſte ihren Win- Nebelwolken. Aus der Ferne hört man, immer in heult wütend über das Hindernis. Ich schaue am teraufenthalt in diesen verlassenen Villen verbrin- genauen Zeitabständen, einen wehmütigen Ton zerfetzten Steilufer herunter. Steine, Geröll, Eis gen, ohne sich vorher mit den Beſizern über den ein Nebelhorn. Ein Leuchtturm wirft grelles Licht und Schnee. Du schönes Ufer! Wie war es doch Preis der Miete zu unterhalten. Eines Tages gegen graue Nebelwände. Das Packeis in der 10.15 Salonorchesterkonzert. 12.10 bor Jahren im Sommer? Da stand ich auch an schlingelt dann aus einem Schornstein dünner Fahrrinne kracht. Es ist kalt und traurig an der Tschaikowski. 17.55 Deutsche Sendung: Besuch bei berboten" Schwung hinunter und landete lachend im weichen volle Rauchfahne und die unerwünschten WinterSandbett. Heute ist der Sand gefroren. Ein Ab- Kurgäste werden amtlich ausgehoben. fprung ist nicht zu empfehlen. Meine Augen Empfehlenswertes aus den Programmen: Vom Rundfunk Donnerstag Prag, Sender 2.: 10.05 Deutsche Nachrichten. Schallplatten: Wir lernen russisch. 19.30 Unterhaltungsmufit. 20.05 Generaldirektor Belzebub, Hörspiel von Hahn. 19.15 Hebertragung aus dem Smetanasaal: Tschechische fanische Lieder. hilharmonie. 21.05 Klaviermufit. 21.30 Südameri Sender S.: 14.20 Die Jungen 15.00 Deutsche Sendung: Dr. Roeser: Ich gehe durch die alten Straßen. Aus einem versteckten Fischerhaus schleicht eine gar traurige Melodie. Irgendein Fischer spielt auf seinem suchen die See. Die gefrorenen Wellen musizieren Das Kurhaus liegt unfreundlich hinter kah- Schifferklavier. Bald erreiche ich den Stadtbahn- frie wie ungeölte Stubentüren. Darüber ziehen hung- len Bäumen, eingehüllt im Fünf Uhr- Nebel. hof. Menschenleer gähnt mir die große Bahnhofs: Tschechoslowakische Siedlungen in Palästina. 15.20 rige Möven als weiße Bettler gen Travemünde. Fünf- Uhr- Tees mit Jazz gibt es nicht im Winter. balle entgegen. Eisenbahner wandeln in aller Aus Wagner- Opern. 18.20 Salonorchesterkonzert. Brünn: 11.05 Orcheſterkonzert. 13.35 Deutscher ArTravemünde. Die 17.50. Deutſche schmutzig- graue Linie. Arme Strandallee. Im digten: Heute Seeräuberball! Morgen Wahl der Schneeweißer Dampf steigt auf. Ein Beamter hebt Sendung. Arbeiterfunt: Dr. Spielmann: ArSommer tummelt sich eleganteste Welt unter den Rosenkönigin! Die Saisongeschäfte sind geſchloſſen. ſeine trübe Laterne. Langsam und teuchend verläßt beiter und Lebensberatung. schattigen Linden. Jest fizen neugierige Spaßen Die Zeitungskioste sind vernagelt. Man begegnet der Personenzug ein schlafendes Weltbad. 17.55 Deutsche Sendung: Wiener Liede. und Chan Mährisch Ostran: in den schwarzen Aesten, piepsen und spotten über fast feinem Menschen. Nur in Alt- Travemünde is Jürgen Bullenweber. fons. 20.00 Orchesterkonzert. Violinkonzert Presburg: 17.20 Bon einer Anschlagssäule hängen geben von bun- Ruhe über die Bahnsteige. Ein Zug wartet auf Nr.?5 Mittwoch, 30. Jänner 1835 i Seite 5 Das nichtarische Kleinod In Nr. 1. der„K u n st l a m m e r", dem amtlichen Organ der.Reichskammer der bildenden Künste" nennt Philipp Harth im Leitaufsatz M a- r e es einen der groben Künstler, die.abseits von der offiziellen Auftragserteilung" gearbeitet haben. Harth bezeichnet Marees Werke als.Kleinode shm- bolhaftdrutscher, unangekränkelter Gestaltung". Soweit gut. Rur ist dem repräsentativen Organ nazideutscher.Kunst"politik ein kleiner, belustigender Irrtum unterlaufen—. Vlaziti ist nämlich.Nicht, art er", seine Mutt«.r t-»r die Jüdin strederikeSustmann aus Hallerstadt. Kann der nationalsozialistische Rasse-Unfug geistreicher ad absurdum geführt werden als es hier durch die Braunen selbst geschieht—?l Eine Schülerzeitschrift. Unter dem Titel „Iouth an School" erscheint in New Aork eine Wochenzeitung, die ausschließlich für Schüler bestimmt ist und eine Auflage von über einer Million hat. Sämtliche Redakteure sind Schüler. Die Zeitung wird wegen ihres ausgezeichneten Inhalts auch von Tausenden von. Erwachsenen gelesen. Außerdem benutzen zahlreiche Geschäftsleute die Schülerzeitung als Jnsertionsorgan. Schlägerei zwischen Gefangene«. In einer Zelle des Gerichtsgefängnisses in Jaworzno bei Bendzin(Polen) kam es zwischen mehreren Gefängnisinsassen zu einer blutigenSchlägerei, in deren Verlauf sieben Gefangene schwer verletzt wurden. In der Gemeinschaftszelle waren insgesamt neun Gefangene untergebracht, di« mehrere Tag« Gefängnis wegen widerrechtlichen KoH- lenförderns aus Notschächten zu verbüßen hatten. Da der Raum verhältnismäßig klein ist, kam es des öfteren zu Streitigkeiten. Im Verlaufe einer solchen Auseinandersetzung geriet der Gefangen« Jubel in eine derartige Erregung, daß er ein Rasiermesser zog und auf seine Widersacher blindlings einstach. Es entwickelte sich daraufhin eine furchtbar« Schlägerei. Ehe die Gefängniswache zur Stelle war, hatte Jubel bereits sieben Männer schwer verletzt. Die Verletzten mußten sofort dem Krankenhause zugeführt werden, wo zwei von ihnen in gefährlichem Zustand darniederliegen. Musikalisch« Schlange«. In dem Orte Synum, 80 Meilen von Melbourne, wimmelt es in einem Stadtteil von Schlangen. Es sind sogenannte Tiger» schlangen, schwarz und braun gestreift mit kupferfarbenen Köpfen. 600 dieser, unerwünschten Einwoh- ver hat man in einer'Woche getötet. Während eines Konzertes in einem öffentlichen Garten, erschienen Kätzlich, wahrscheinlich von der Musik angelockt, wigeheure Mengen dieser Schlangen. Das Publikum, m» diese ungebetenen Gäste gewöhnt, begann sofort Jagd auf die Schlange« zu machen. Mit Stocke« und Steinen richtete man ein Gemetzel unter dem Schlangengezücht an. Ei« Museum der italienische« Niederlage«. In dem geräumigen Innern des Denkmals d«S Königs Viktor Emanuel II., in dem auch das Grab deS Unbekannten Soldaten untergebracht ist, wurde mit den Arbeiten begonnen, durch die das Denkmal zu einem zentralen Museum der nationalen Wiedergeburt, das am 24. Mai feierlich eröffnet werden soll, ausgeftaltet werden wird. Das »Vittoriano" wird demnach alle Gegenstände und Dokumente enthalten, die sich„auf die heldenhaften Kämpf« der Italiener gegen das Ausland" beziehen, welch« im letzten Jahrhundert zur„Wiedergeburt des Landes"(und zu seiner Versklavung durch den 8asciSmus) führten. Die fortschreitende Konzentration des Geldwesens in der Slowakei und in Karpathorußland äußert sich in der kleineren Zahl der Aktienbanken, 62(78) mit einem Aktienkapital von 258(294) Mill. XJ. Ferner gab es 15(16) Bankgeschäfte betreibende Gesellschaften m. b. H. mit Betriebsgrundfonds von 16(17) Mill. KC. Insgesamt weist also unser Bankwesen 108(120) Anstalten mit einem Aktien-, beziehungsweise Grundkapital von 1618(1651) Millionen Xi, Reserve- und sonstigen Fonds 1671 Mill. Xö, Einlagen auf Einlagebücher und Kassenanweisungen 12.416 Mill. Xd, Kreditoren(darunter laufende Rechnungen) 16.429 Mill. XL und Gesamtemission von Teilschuldverschreibungen 5924 Millionen Xö auf. Rettet die Wiener Schutzbündler Bon Otto Bauer. Die österreichische Regierung bereitet einen Justizmord vor. Sie hat die Mitglieder des Parteivorstandes der österreichischen Sozialdemokratie unter dem Druck der öffentlichen Meinung Europas aus ihren Gefängnissen entlassen; aber sie will das Rachebedürfnis, das sie an Männern, deren Namen ganz Europa kennt, nicht befriedigen konnte» an zwei Dutzend schlichten Arbeitern befriedigen, deren Namen der Welt nicht bekannt sind Kn Feber sollen zwei Dutzend Wiener Arbeiter, die die Führer der Bezirksgruppen des Republikanischen Schutzbundes in Wien gewesen sind, als„Hochverräter" vor Gericht gestellt werden. Wessen werden diese Arbeiter angeklagt? Der Teilnahme an dem Aufstande im Feber 1934? Keineswegs. Alle diese Männer sind schon vor dem 12. Feber 1934, dem Tage des Beginns des österreichischen Aufstandes, verhaftet worden. Sie saßen während des Aufstandes im Gefängnis und sitzen dort noch heute. Sie hatten an dem A u f* stand daherkeinen Anteil. Man erinnere sich der Lage, in der diese Arbeiter verhaftet worden sindl In den ersten Febertagen 1934. marschierte die Heimwehr in allen österreichischen Landeshauptstädten bewaffnet auf und forderte, auf ihren bewaffneten Aufmarsch gestützt, die Absetzung der verfassungsmäßigen Landesregierungen und die llebergabe der Ber» waltung an die Vertreter der fafcistifchen Wehr- formatiynen. In demselben Zeitpunkte ließ der Minister Fey die Gruppenführer des Schutzbundes verhaften, damit sie nicht in der Lage seien, den Schutzbund zur Verteidigung der Verfassung gegen die bewaffneten Rebellen, die die gewaltsame Absetzung der verfassungsmäßigen Landesregierungen forderten, aufzubieten. Man erkennt nun das Groteske der gegenwärtigen Situation. Hochverrat begeht nach österreichischem Recht, wer die Verfassung gewaltsam umzustürzen versucht. Des Hochverrates angeklagt werden aber nicht diejenigen, die die Verfassung wirklich gewaltsam«mgestürzt haben, sondern diejenigen, die eben deshalb verhaftet worden sind, damit sie nicht in der Lage seien, die Verteidiger der Verfassung gegen die bewaffneten Fascisten aufzubieten! Die 24 Arbeiter werden angeklagt, weil sie den bewaffneten Kampf vorbereitet, die Schutzbundmänner geschult, Waffenlager und Lager von Sprengstoffen angelegt hätten. Man erinnere sich auch hier der Situation: Bis zum März 1933 warm sowohl die Heimwehren als auch der Schutzbund private Formationen. Beide rüsteten,— die Heimwehr zum Umsturz der republikanischen. Pep» fassung, der-Schutzbund g» ihrer Verteidigung. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Das tschechoslowakische Bankwesen im Jahre 1933 Die in diesen Tagen erschienene Doppelnmmner 199—200 der„Mitteilungen des Statistischen Staatsamtes"(Jahrgang XV—1984) bringt eine Uebersicht unseres Bankwesens für das Jahr 1988, der wir folgende Dat«n entnehmen: Im Jahr« 1933 waren bei uns in voller Tätigkeit insgesamt 22(im Jahre 1982 ebenfalls 22) Aktienbanken mit einem Aktienkapital von 1283 Millionen Xi(1284 Mill. Xi), 9(9) Banken ohne Aktienkapital mit Betriebsgrundfonds in der Höhe von 56(56) Mill. Xi. Wenn die Schuhbundfuhrer Waffen und Sprengstofflager angelegt haben, so haben die Heimwehr- führer, die Starhemberg und Fey, dasselbe getan. Aber diejenigen, die Waffen und Sprengstofflager zumSchutzeder Verfassung angelegt haben, werden jetzt des Hochverrates angeklagt; diejenigen, die ganz ebenso Waffen und Sprengstofflager angelegt, aber sie zum Kampfgegen, di«republikanische Verfassun g angelegt haben, bilden die Regierung, die diese Anklage erheben läßt! Mit dm Arbeitem, die die Bezirksführer des Schutzbundes gewesen sind, sollen auch zwei Offiziere angeklagt werden: der Major Eifler und der Hauptmann Löw. Beide hochverdiente Offiziere der österreichischen Armee, die sich dem Schutzbund angeschloffm und seinem Stabe angehört haben. Auch sie wurden s chonvor dem 12. Feber verhaftet. Auch sie hatten also an den Feberkämpfen keinen Anteil. Auch sie werden angeklagt, weil sie die bewaffnete Verteidigung der republikanischen Verfassung gegen die bewaffneten Fascisten vorbereitet haben. Sie werden angeklagt, weil sie zum Schutz derVer- fassung dasselbe getan haben, was die Starhemberg und Fe y gegen die Verfassung taten. Sie anzuklagen, hat die fascistische Regierung allerdings ein besonderes Motiv. Vor wenigen Monaten hat die fascistische Regierung dem Major Eifler unb(einen Genossen Straflosigkeit anbieten lassen, wenn sie sich in den Dien st d e r F a s cistenregierung stellen, unter dm Schutzbündlem für den Fascismus werben. Eifler und sein« Genossen haben allerdings den Hochverrat begangen, diese Zumutung ehrlosen Verrates an ihrer Gesinnung stolz abzulehnen. Die öffentliche Meinung Europas hat die Mitglieder des Parteivorstandes, Männer wie Seitz, Renn er, Ellenbogen, Weber, Danneberg aus dm Gefängnissen der österrrichischm Klrrikofasristm befreit. Wird die öffentliche Meinung Europas duldm, daß schlichte Arbeiter und republikanische Ofsiziere nur deshalb in dm Kerkem des österrrichischm FascismuS begraben werden, weil ihre Namm in der Welt nicht so bekannt sind, wir die der Parteiführer? Die österreichische Arbeiterklasse erwartet, daß die sozialistischen Parteien der Welt gegen die zynische Justizkomödie, die die Wiener Regierung vorbereitet, die öffentliche Meinung der Weü mobilisieren...«.-W'•' ..• Rettet Hw Wie»«« Schutzbündlosj, vm Ubier Mundgeruch wirkt abstoßend; mißfarbige Zähne entstelle« das schönste Antlitz. Beide Schönheitsfehler werden oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont- Zahnpaste beseitigt. Chlorodont gibt den Zähnen schimmernden Eltenbeinglanz, ohne den Zahn* schmelzzubeschädigen.TubeKö4**.lnl. Erzeugnis. Was wird ans der saarländischen Industrie? Saarbrücken.(AP.) Nach der Rückgliederung werden zahlreiche saarländische Industrien ihrer Existenzmöglichkeiten beraubt sein. Nach der Zollabschnürung hat sich im Saargebiet eine eigene Bekleidungsindustrie entwickeü, di? auch den französischen Markt belieferte. Die Wäschefabrikation verdrängte durch den Zollschutz die Berliner und Bielefelder Konkurrmz vom Markt. Die Herren» und Knaben-Kleiderfabrika- tion lieferte nach Glsaß-Lothringen. Die Wirk- und Strickwarmindustrie, früher im Saargebiet überhaupt nicht vertreten, hatte sich entwickelt. Ebenso hatte sich eine Strumpfwarenindüstrie (Werke in St. Ingbert und Quierschied) und Krawattenfabrikation gebildet. Natürlich wird jetzt die reichsdeutsche Konkurrenz, die leistungsfähiger ist, allen diesen Betrieben den Garaus machen. Die Industrie von Berlin, Frankfurt, Bielefeld und Aschaffenburg, die Chemnitzer Strumpffabriken warten nur darauf, den saarländischen Markt zu erobem. Mit der Errichtung von Zollgrenzen nach Frankreich geht gleichzeitig der französische Markt verloren. Der Zusammenbruch der gesamten saarländischen Bekleidungs- ittbustrie mit 5000 Arbeitem ist gewiß. Äehnlich ist es mit der S ch u h i n d u st r i e. die auch nach 1919 neu entstand(Fabrikm in Blieskastel und Homburg). 30 Fabriken beliefem den saarländischen Markt, aber auch Elsaß-Lothringen. Hier lauert die Industrie von Pirmasens auf die sich jetzt bietenden Möglichkeiten. Auch das ergibt 3000 Arbeitslose. Die weiterverarbeitende Eisenindustrie(7000 Arbeiter) wird von der Drosselung der Rohstoffeinfuhr und den teueren inländischen Rohstoffen betroffen werden. Die Steigerung der Produktionskosten aber muß ihre Konkurrenzfähigkeit drosseln. Das gilt vor allem für die Maschinen-, Apparate- und Fahrs zeugbau-Branche. Das gleiche gilt für die neu entstandenen Blechwaren- und E m a i Ile- Fabriken in Fraulautem, die nur auf Frankreich angewiesen sind(Export 1933: 14.000 Tonnen). Bei Saarlouis waren Herdfabriken entstanden, die auch auf den elsaß-lothringischen Markt angewiesen waren. Die Beispiele könnte man noch beliebig fortsetzen. Hier wird es überall bald ein grausames Erwachen geben. Kaktusse mtt„3 a« b« r d n« g" begossm, werden zauberhaft schön. Emden Sie ünS Xi 5.60 in Briefmarken, wir liefem Ihnen dafür dm gute« Blumenzauberdung, den bestm Dungguß für Ihre Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihr« Blumen gedeihen werden. B«rwalt«ng„Frauenwelt", Prag XU., Fachavx 1t. 62» und durch all« Kslpsr- tcure erhältlich. WH Deutsche Revolrtttons-Anekdoten Die königliche Unterhose Der letzte Bayemludwig war im Gegensatz -um bayerischen König seines Namens ein geiziger Knicker. Das pfiffen in Münchm die Spatzen von den Dächem. Und zuweilen trieb der königliche Geiz höchst unkönigliche Blüten. Am 7. November 1918 war Ludwig Hl der Auw Hals über Kopf aus München abgereist. Gr konnte ja nicht wissen, daß die Revolution den Fürsten kein Haar krümmen würde. Wenige Tage nachher wurde im Borzimmer des neuen bayerischen Ministerpräsidenten„eine Dame aus der Umgebung Seiner Majestät" angeweidet, die den Ministerpräsidenten zu sprechen tvünschte. Man ließ sie eintreten. Sic war kaum über zwanzig Jahre alt, hatte ein hübsches Gesichtchen und war gut gekleidet Vor Angst zitterte sie am ganzen Körper. Ihre Aufgeregtheit ließ sie kaum ein Wort hervorbrin- gen. Es kostete einige Mühe, die königliche Abgesandte zu beruhigen. Nachdem sie endlich zaghaft Platz genommen hatte, begann sie stockend mft leiser Stimme ihr Anliegen vorzutragen. „ES ist doch bekannt, daß Seine Majestät dor einigen Tagen gezwungen waren, München in aller Eile zu verlassen. Das war so plötzlich gekommen, daß sich nicht einmal Zeit fand, auch nur die allernötigste Leibwäsche mitzunehmen. Ich möchte deshalb ftagen, ob es gestattet ist, für Seine Majestät etwas Leibwäsche aus dem Wit- telsbacher Palais abholen zu lassen." Fechenbach, der als Sekretär des Ministerpräsidenten diese Unterhaltung führte, biß die Zähne aufeinander, um nicht in heftiges Lachen KMzubrechen. Jetzt, da«S um den Thron der Wittelsbacher ging, wurde dieser König von der Sorge um seine Unterhosen beunruhigt!. unkönigliche Verlangen wurde dem Ministerpräsidenten vorgetragen und der abgesetzte Wittelsbacher bekam die Erlaubnis, sich seine Leibwäsche aus München abholen zu lassen. Während die Abgesandte des Königs ihr Verlangen Fechenbach vorgetragen hatte, war ein Ministerialbote gekommen, der Akten überbrachte. Er hatte gehört, um was sich das Gespräch drehte- AIS nun das Mädchen zum Ministerpräsidenten ging, gab der im bayerischen Dienst ergraute Bote seinem Mitgefühl mit folgender Bemettung Ausdruck: „Ja mei, unser König, der alt Mann, der hat eine Angst ausstehen müssen. Da glaub ich schon, daß der eine neue Unterhose braucht!" -Er kennt feine Landsleute Am 9. November 1918 hatte Karl Liebknecht das Berliner Schloß unter den Schutz des Ar beiter- und Soldatenrates gestellt und die Wache dem Telegraphenbataillon übergeben. Wo sonst die Kaiserstandarte auf dem’ Schloßdach wehte, flatterte jetzt eine riesige rote Fahne. Der Wachhabende im Schloß war ein Unteroffizier des Telegraphenbataillons. Er stellte kurz nach der Besetzung fest, daß im Schloßkeller eins Anzahl Soldaten sich daran machten, Wilhelms Weine zu probieren. Da gabs ein heiliges Donnerwetter. Der Gute war weniger um den Wein besorgt, als vielmehr um die Kampstrast seiner Truppe. Kurz enffchlossen ließ er um di« Kellereingänge gewöhnlichen Kupferdraht spannen, Pla. katr daneben aufhängen, auf denen zu lesen stand: „Vorsicht! Hochspannung! Lebensgefahr!" Am Abend kommt der Wachhabende zum Arbeiter- und Soldatenrat und gibt seinen Tagesrapport ab. Dabei erzählt er auch den Trick mit dem Kupferdraht. Karl Liebknecht meint dazu: „Das ist ja ganz schön, war aber höchst über flüssig. Wir sind doch in Deutschland. Den Draht konnten Sie sich schenken, wenn Sie an die Türe ein Plakat angeschlagen hätten: „Eintritt verboten!" Der revolutionäre Schauspieler In Berlin tobten Straßenkämpfe. Es war im November 1918. Trotz der aufregenden Ereignisse spielten abends die Theater, wie sonst auch. Kurz vor Beginn der Aufführung im Staatstheater stürmt der Darsteller des jugendlichen Helden in die Garderobe, um sich rasch umzukleiden. Dabei erzählte er atemlos: „Dreimal habe ich heute auf den Barrikaden mitgestürmt.. Jetzt eben setzten sie zum vierten Sturm an, aber da mußte ich weg, um rechtzeitig ins Theater zu koaunen" Der St«rm auf den Franst. „Auf zum Franzl!" schallte es durch die Menge, als am 7. November 1918 in München schon alle Kasernen in der Hand der Arbeiter und Soldaten waren/ Der„Franzl", das war die Militärartest- anstalt. Und wie ein Lauffeuer gings durch die aufgeregten Massen: „Zum Franzl, zum Franzl!" Da gabs kein Halten. In breitem Strom, die ganze Straße einnehmend, wälzte sichs zur Leon- rodstraße. Der leichte Lattenzaun vor dem Haus mit den vergitterten Fenstern hielt dem Ansturm Nicht stand. Aber die schwere Eingangtür war verriegelt. Die Menge tobte, die Gefangenen sollten freigelassen werden! Die hinten standen, drängten nach vorne. Die in der vordersten Reihe wurden gegen die Tür gepreßt. Aufgeregte Rufe schallten über die Köpfe. Da— ein Schuß Er kam von drinnen durchs Fenster. Ein einziger, wuterfiillter Schrei gellt aus der andrängenden Menge. Gewehrkolben werden von schwieligen Fäusten gegen die schwere Tür geschwungen. Rach wenig Schlägen gibt sie nach. Die Vordersten dringen ein. Ein Feldwebel, den Revolver in der Hand, steht hinter der aufgebrochenen Tür. Er wird niedergeschlagen. , Besonnenere springen herzu, tragen den Verwundeten ins Wachzimmer. Dann beginnt ein aufgeregtes Suchen nach den Zellenschlüffeln. Sie sind nirgends zu finden. Auch die Aufseher sind verschwunden. An ihnen hatte so mancher sein Mütchen kühlen wollen. Aber nicht ein einziger Aufseher' läßt sich blicken. „Die haben sich verzogen," meint einer der Suchenden. Wie nun die Gefangenen aus den Zellen bringen? Rasch ist Hilfe geschaffen. Die Gewehrkolben, die im Felde so manche Tür geöffnet haben, müssen als Zellenschlüssel dienen. Schwere Schläge wuchten gegen die, Zellentüren und bringen den Häftlingen die Freiheit. Keiner wird gefraat, wer er ist, warum er hier unfreiwillige Gastfreundschaft genießt. Alle, die in den Zellen sind, werden befreit. Zwei Tage nach dem Sturm auf den „Franzl" wurde es offenbar» wo die Aufseher an jenem kritischen Tag waren. Sie hatten vermutet, daß man sie nicht allzu fteundlich behandeln werde und zu ihrer Rettung folgenden Plan durchgeführt: Alle legten ihre Dienstmützen, Leibriemen und. Seitengewehre ab, so daß sie sich in nichts von den Militärhäftlingen unterschieden. Der Feldwebel sperrte jeden einzelnen in eine Zelle und verschloß sie wieder. Dann waren die Stürmenden gekommen, hatten die Zellen aufgeschlagen, die Häftlinge be- frett und damit auch die Aufseher. Seite 6 „Sozialdemokrat* Mittwoch, 30. JSmur 1833. Nr. 25 PKAGER ZEITCWe Sportzag nach Schlackenwerth. Bei günstigem Wetter und bei einer Beteiligung von mindestens 35 Personen fertigen die Staatsbahnen am Donnerstag, dem 31. Jänner, einen besonderen Motorzug von Prag-Wilsonbahnhof über Hostovice nach Schlackenwerth ab, wo Autobusse zur Beförderung nach Gottesgab bereit stehen. Abfahrt Wilsonbahnhof 13 Uhr 55, Ankunft Schlackenwerth 17 Uhr 09, Joa- chimstal 17.45 und Gottesgab 18.18. Rückfahrt am Montag, dem 4. Feber, von Gottesgab 16.30, Joa- chimstal 17.02, Schlackenwerth 17.34. Ankunft Prag 20.38. Ob der Sportzug fährt, wird Mittwoch im Äbcndrundfunk verlautbart. Preis der Rückfahrkarte 50 KL, Autobus nach Gottesgab und retour 14 KL. Gerlehtssaal Rcvolverschüsse zur Sperrstunde Anstalt zu einer Schwurgerichtsverhandlung. Prag. Die Angelegenheit, die hier in Frage steht, wird noch das kommende Schwurgericht zu beschäftigen haben. Am 21. November v. I.— am Tage des Kirchweihfestes im Dorfe DobröPolebei Kourim— erschienen im dortigen Gasthaus des Wirtes E e s p i v a nach der Polizeistunde noch vier Gäste und verlangten Bier. Als sich der Wirt weigerte, auszuschenken, ergriffen sie Stühle und drangen auf ihn ein. Der Aushilfskellner Ludvik Kulik, der gleichfalls von den rabiaten Gästen angegriffen wurde, zog einen Revolver und schoß. Wir wollen dem Beweisverfahren des Schwurgerichtes nicht vorgreifen, denn der Aushilfskellner Kulik wird bei der nächsten Schwurgerichtsperiode unter Anklage des Mordes vor den Geschworenen erscheinen. Auf dem Kampfplatz blieb nämlich einToter: Anton Kratochv il; eine weitere verirrte Kugel traf den bedrängten Gastwirt E e s p i v a, der schwer verwundet wurde. Ferner wurde durch einen „Geller"(abprallende Kugel) der in der Küche sitzende ganz unbeteiligte Fleischhauer Weiner aus Böhmisch-Brod verletzt. Aber nicht diese Schießerei selbst, sondern ein Vorfall, der sich während dieser Schießerei begab, wär Gegenstand der am Dienstag vor dem Senat Cervinka eröffneten Verhandlung. Diese Verhandlung betraf eine Anklage wegen Verbrechens des Diebstahls. Das Objekt des Diebstahls ist lächerlich gering, nämlich ein Ochsenziemer, der dem Gastwirt Eespivä gehörte und der an der Wand des Schankzimmers hing. Einer der vier rabiaten Gäste, Miroslav D u s e k ist beschuldigt, ihn gestohlen zu haben. Obwohl der Wert der gestohlenen Sache nicht mehr als 20 KL beträgt, wurde Dusek doch des Verbrechens des Diebstahls angeklagt, und zwar deshalb, weil der Ochsenziemer in einem Augenblick entwendet wurde, als sein Eigentümer, der Gastwirt Eespiva, getroffen von der verirrten Kugel seines Kellners bewußtlos am Boden lag und daher nicht i m st a n d e w a r, fein Eigentum zu verteidigen. Diese Ohnmacht ist aber im Sinne des Strafgesetzes ein Belastungsmoment, welches auch den kleinsten Diebstahl zum Verbrechen .stempelt. Der Täter ist ein sechzehnmal vorbestrafter Berufsdieb, der seine kriminellen Erfahrungen auch in seiner äußerst gerissenen Verteidigung bekundete. Die Verhandlung mußte vertagt werden, rb. Wie Herr Nostitz-Rieneck um 40 Millionen kam Dunkle Hintergründe einer Bezirksgerichtsverhandlung. Prag. Vor dem hiesigen Bezirksgericht(G.-R. I a n L i k) wurde Dienstag die Verhandlung über eine sonderhare Anklage nach dem Terror- gesetz eröffnet...» ,. s v Herr Josef Nostitz-Rieneck(seinerzeit Graf) war seinerzeit mit einem Herrn Siegmund Amarant in geschäftliche Verbindungen getreten, deren Zweck offenbar war, dem Herrn Nostitz- Rieneck bei„Auslandstransaktionen" behilflich zu sein. Es scheint, daß es sich dabei um Kapitalsanlagen im Ausland handelte Die Geschäftsverbindung mit dem Herrn Amarant kostete dem Herrn Nostitz-Rieneck angeblich und glaubwürdigerweise 40 Millionen, was auch für diesen reichen Aristokraten ein schwerer Schlag war. Was nun den Herrn Amarant betrifft, so scheint dieser auch außerhalb der Grenzen unserer Republik bekannt zu sein und es verlautet auch, daß die seinerzeitige Verhaftung des Prager Anwalts Dr. Dembicky in Wien mit den vorstehend angedeuteten netten Affären in Zusammenhang steht. Jedenfalls sind in dieser Sach« 20 Klagen und Strafanzeigen anhängig, die noch ihrer Erledigung harren. Dies ich also der Hintergrund des vorliegenden Falles. Bei Herrn Josef Nostitz-Rieneck war seü 18 Jahren ein Dr. Ferdinand Smejkal beschäftigt, der schließlich in den Ruf kam, mit dem Amarant in engerer Verbindung gestanden zu sein, als seinem Dienstgeber lieb war. Dr. Smejkal schied also aus den Diensten des Herrn Nostitz-Rieneck und nahm dabei verschiedene Dokumente und Belege mit, die schwer zu entbehren waren. So begab sich also der Sohn Josef Nostitz' in Begleitung eines Dozenten der Prager deutschen Universität. Doktor Camillo W o r l i c z e k, in die Wohnung Dr. Smejkals, um die Rückgabe dieser Papiere zu fordern. Dr. Smejkal, der damals krank war, gab tatsächlich einen Teil der Dokumente heraus und diktierte seiner Frau eine Erklärung in die Maschine. Später überlegte sich Dr. Smejkal aber die Sache und erstattete die Strafanzeige, daß ihm di« Herausgabe der Papiere durch moralischen Druck abgenötigt worden sei. Daraus wurde eine Anklage wegen Uebertretung nach dem T e r r o r.g e s e tz, deren Verhandlung allerdings vertagt wurde. rb. Vorfrage Abessinien von heute In der„Urania" sprach am Montag der Afrikaforscher L. G. H u h n über„Abessinien von heute". Dies Land, überreich an Naturschätzen, zerrissen von Kontrasten, ist heute das begehrte Objekt imperialistischer Interessen, wofür gerade die letzten Wochen sehr deutliche und blutige Beweise geliefert haben. Huhn hat das Land mit den scharfen Augen des Wissenschaftlers durchstreift, aber auch mit der warmen Subjektivität des Menschen, der Partei ergreift. So wurde sein bunter, vielseitiger Bericht, der von' gut ausgewähltem Bildmaterial illustriert wurde, zu einem Plaidoher für Land und Leute. Abessinien steht erst im Anfang einer neuzeit- > sichen Entwicklung. Neben, den primitiven Hütten, der grenzenlosen Dürsti^eit dormittelalterlich vege- tterender Eingeborener stehen die modernen Bauten der Ausländer; während Leprakranke dem Gast ihre grausigen Verstümmelungen vordemonstrieren, um Mitleid zu erwecken, durchschneiden Aeroplan« vom neuesten Typ die Luft. Abessinien ist ein patriarchalisch-feudaler Staat; die Leibeigenschaft ist Staatsprinzip und in den Sttaßen der Hauptstadt werden dem Besucher sogar Kinder zum Kauf angeboten. Huhn hat auch Rassestudien gemacht, und konnte, wie er mit Ironie feststellt, bei einem nicht gerade sehr hochwerttgen Eingeborenentyp auf niedrigster Kulturstufe alle Merkmale jenes langschädeligen llebermenschen nazistischer Prägung feststellen, der durch die scharffinnigen Deduktionen des heutigen Rassismus geistert. Die Hörer bedachten das originell formulierte Referat mü freundlichem Beifall. Pierre. Mitteilungen aus dem Publikum Stuhlverstopfung. Schon dir Altmeister der Heilmittellehre haben anerkannt, daß sich das natürliche „Franz-J»sef"-Bitterwaffer als ein durchaus zuverlässiges Darmreinigungsmittel bewährt. Aerztl. empf. Kunst und Wissen Maria Antoinette, ein historisches Drama, das fett voriger Woche auf der Bühne des Ständetheaters aufgeführt wird, hat zur Verfasserin Frau JoZa Götzovä, Autorin auch eines Werkes über das tschechische Theater— dies allein hätte sie vor einem historischen Massenschauspiel von elf Bildern(bei den Wiederholungen nurmehr neun) bewahren müssen, da hiezu die Kraft eines großen Dichters gehört, um der durch die französische Revolution selbst gestrafftenvdramatischen Spannung gerecht zu werden. Da hier jedoch Maria Theresias Tochter im Mittelpunft steht— ihre kindlichen Schwächen liegen hinter ihr und sie wird Heldin in Erfüllung ihrer ehelichen und königlichen Pflichten, im Festharren bei ihren Rechten und der bestehenden Ordnung, die auch die Zukunft ihrer Kinder sichert,— müssen die Revolution und ihre Träger— die Masse—- notwendig die Schattenseiten des Dramas abgeben. Bis auf die kurzen Minuten, da Mirabeau auf der Bühne erscheint, erscheint das aufgeregte, frerheitsbeseffene französische Voll nur als«in haßerfüllter Haufen, der in Versailles, in Barrenne, in den Tuillerien abwechselnd„Hoch der König" und„Rieder mit der Oesterreicherin" schreit. Der Proklamierung der Menschheitsrechte geht nur«ine kurze Aussprach« zwischen Mirabeau und Maria Antoinette voraus, der Zug der Frauen nach Versailles, der Zug der Sansculotten zu den Tuillerien zeigt eine lärmende, aber, keineswegs bewußte Masse, dafür aber eine resolute Königin. Von da ab ist die fortschreitende Revolution und ihre schwierige Aufgabe zur Abwehr des äußern Feindes und der inneren Zerrissenheit nur«in schwarzer Hintergrund für die immer hellere Gestalt der königlichen Gefangenen, die di« Zuschauer fast absolut für sich gewinnt. Der ungetreue Adel, der enttvtdkk Migrittte oder" zmn Schaffon ging, der verbrecherische Kardinal Rohan, der unfähige und stets zaudernde König, sind eine gute Folie für die Heldin des Dramas, die hier die letzt« Stütze des alten Regimes und der Ueberlieferung verkörpert, und in der Ueberzeugung ihres Rechtes schließlich auf den Karren steigt, der si« zur Guillotine führt. Die Autorin brauchte im Begleitwort zu ihrem Drama gar nicht zu bemerken, daß sie aufmerksam die riesige Literatur über die französische Revolution las; es gab viel überflüssige Literatur I Und Solidarität mtt der Königstochter, die mitverurteilt wurde, um die vielen Verbrechen der französischen Louis zu sühnen. An achtzig handelnde Personen, die di« fleißige Autorin mit den aus der Literatur geschöpften charakteristischen Merkmalen über die Bühne gehen läßt, entziehen sich im vorhinein einer Beurteilung ihrer Leistungen. Schlicht uno wahr brachte Herr V Y d r a die überzeugenden Worte der Revolution vor, auch der Beaumarchais des Herrn K o h o u t kam zur Geltung; Herr Roland gab seinem Schuster Simon die nötige Härte. König Louis XVI. fand in Herrn Stepanek einen Darsteller, der die Zagheit, Unentschlossenheit und naive Verbundenheit mit dem französischen Volle und auch das folgerichtige Ende mit beinahe philosophischer Größe zu Geltung brachte. Die Hauptrolle lag in den Händen der Frau P a c o v ä, die hauptsächlich in den Szenen der persönlichen Tragödie echtes künstlerisches Empfinden zeigte. Regie batte K. H. Hilar; die szenische Ausstattung von V. Gottlieb hatte nur in einzelnen Szenen glückliche Momente. Das Stück dürfte Wiederholungen erleben; sie Tränen fließen reichlicher um das Schicksal des Einzelnen als um die Not von Millionen. m. i. Eine Destinn-Ausstellung, Anläßlich des fünften Todestages der hervorragenden ffchechoslowaki- schen Künstlerin und Opernsängerin Emmy Destinn veranstaltet die Theaterabteilung des National- niuseums eine Ausstellung der Erinnerungs- und Gedenkstücke. an die Künstlerin. Die, Ausstellung umfaßt mehrer« Handschreiben von Richard Strauß und Massenet, Handschriften von dramatischen Arbeiten uttd Liedern der Künstlerin, Theater- und Konzert-Ankündigungen. Zahlreiche Photographien^eben ein Bild der künstlerischen Laufbahn der Toten. Die Ausstellung ist im ersten Stock des Nationalmuseums u ergeb rächt. Damnirr-AuSstellun» verlängert. Infolge des großen Interesses, das sich für die Ausstellung von Werken Honore Daumiers und anderer Meister der Schule Barbizon kuudgibt, wird die Ausstellungszeit verlängert, und zwar bis zum 10. Feber. Die Ausstellung befindet sich aber ab heute im Französischen Institut Ernest« Denis. Prag II., StLvanskä 37. Geöffnet täglich von 10 bis 17% Uhr. Eintritt 3 KL, Studenten die Hälfte, Schuljugend 1 KL. Der 75. Geburtstag Tschechows wurde gestern in ganz Rußland in Gedenffeiern gewürdigt. Auf den Theatern werden seine Stücke aufgeführt werden und außerdem finden mehrere Ausstellungen des literarischen Lehenswerkes Tschechows statt Freie Bereinig««- sozialistischer Akademiker Wir beteiligen uns an der Kundgebung der Hochschulfront für demokratische, kulturelle und soziale Rechte der Studenten, gegen Krieg und Fasrismus! Heute, Mittwoch,«m 20 Uhr Großer Saal der Produktenbörse, Hap« lirekplatz. Die Ordner haben um 18^ä Uhr gestellt zu sein. Spielplan des Deutschen Theaters. Mittwoch(£8: LaTraviata, Verdi-Zyklus I B 2.—Donnerstag halb 8: Sie führende Marke, Ensemblegastspiel Gisela Werbezirk, C 2.— Freitag halb 8: I e n u f a, D 1.— Samstag halb 8: Das Land des Lächelns, neueinstudiert. 8 2.- Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Mittwoch 8 Uhr: 13 bei Tisch.— Donnerstag 8: Schneider Wippl kontraNapoleon, — Freitag 8: Kleine Bühne etwas verrückt, Gastspiel Fritz Grünbaun.— Samstag 8 Uhr: Kleine Bühne etwas verrückt, Gastspiel Fritz Grünbaum. Ans der Partei Deutsche sozialdemokratische Bezittksorganisatio» Prag: RW-Bersammtnng: Montag, den 4. Feber findet im Patteiheim, Narodni tk. 4, eine Versammlung der RW statt. Referent von der Reichsleitung der RW. Bezittsfrauenkomitee. Mittwoch, den 30. Jänner, um halb 7 Uhr im Partecheim Sitzung. Sozialisttsche Jugend. Kreis Prag. Heute, 8 Uhr ahends, Gruppen« abende: S. I. Zentrum: Die erst« russische Revolution 1905. S. 3» Holleschowitz: Generalversammlung, S. I. Weinberge: Welt im Bild (Lichtbild ervortrag). Sport• Spiel• Körperpflege Was ist Slalom? Unter Slalom, welcher nun auch bei den Ver- austaltungen der Arbeiterwinterfportler in Erscheinung treten wird, verstand man ursprünglich in Norwegen einen hinderniSreichcn Geländelauf, bei d«n> es auf schlagartige Fahrtrichtungsänderungen ankam(Sla— Schlag). Für die Durchführung eines solchen Laufes wurden bäum- oder buschbesetzt« Gelände gewählt. In den Alpenländern hat dek Slalom eine andre Entwicklung geitommen. Durch den Klang des Wortes Slalom verleitet, dachte ma» zunächst an eine schlangenarttge Spur, womit man dem Sinn dieses Wortes in sportlicher Hinsicht fast nahekam. Dian reihte, dem damaligen Können entsprechend, einfach Schwung an Schwung. Bot 25 Jahren wurde auf dem Arlberg in Oesterreich ein Slalom abgehalten, der in einer ziemlich steilen Abfahrt bestand, die stocklos zu nehmen war. Te^ war man dott damals von der sichtlich überlegenen Hockstellung nicht überzeugt und stellt« sich die fährt noch in Telemattschwüngen vor. Der moderne Slalom stellt nun eine Wendig- kcitsprüfnng auf einer kurzen Abfahrtsstrecke dar, di« durch verschiedenfarbig« Flaggentore mattiert wird. Damit für alle Läufer annähernd gleiche Bedingungen bestehen, muß die Strecke durch Staffel prävariett werden. Auch di« Sturzlöcher müssen nach jedem Fahrer ausgebessert werden. An de 4 Ausgestaltung des Slalom war der Einfluß der in der Schweiz befindlichen englischen Skiläufer mst- bestimmend. Am leichtesten läßt sich ein Slawin auf Hartschnee oder leicht aufgefirnten Hattch dnrch- führen. Die exakte Durchführung eines Wei"*- schnee-Slaloms erfordert einen ziemlichen Aufwand an Arbeitskräften, damtt die Schneedecke-einigermaßen gleichartig erhalten werden kann. Das gute Ausstecken einer Slalomstrecke ist«i” 4 Kunst, di« man sich erst durch Erfahrung aneiMN muß. Man hat ein ganzes Schema von Richtungsänderungen geschaffen, die auch in ihren Einzelheiten wertvolle Uebungshehelfe darstellen. Literatur O-kar Maria Graf, Derhatt« Handel, ein bahttscher Bauernroman, Amsterdam, Ouerido-B« 4' lag. In der Einleitung zu diesem Buch nennt Gral den Roman Studie und Bild zugleich und bekundet aus dem Gefühl einer sozialen Verantwortung h« 4' aus, daß er seine schriftstellerische Aufgabe imm< 4 dattn gesehen habe, Menschen und Zustände, so ft schildern, wie sie wirklich sind. Daß ihm di«s ius- besonders mit der Geschichte des Amrainer-Sepp>n ganz hervorragendem Maß gelungen ist, empfind 44 der Leser ganz instinktiv, mag er dirsei. bayrisch 4" Bauern so fern als möglich stehen. Dieser verschon' gene verbissene Kampf des Eigenbrötlers gegen d< 4 Gesetze und Mächte, die in sein Leben und Strebs eingreifen, das äsoziale, vor keiner Hätte zurüa- scheuende Tun und Unterlassen hat etwas Cyklopi- scheS, aus der harten Arbeit des Sommers und dc 4 Enge des Winters Erwachsenes. So führt auch Gra'- der aus demselben Milieu stammt, hier eine Sprach 4- deren Kraft und karge Realistik der Landschaft, den Menschen und Vorgängen lebensvolles und eindeu- ttgeS Relief verleiht. W. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL SS.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarik billiast k»>r-»n<>t. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSftankatur wurde von der Post- und Tele- ' B graph-nvjr-ttiyn mit Erlaß Nr. 13.800/VIl}1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags« und 3citungs-A.-G„ Prag.