Dienstag, 5. Feber 1935 15. Jahrgang Nr. 3V Eta Wate 70 HtUtr («inwhfi.Blich S Heller Fort») 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xiu fochova«r. Telefon sm. adrmntstration TELEFON 5X76. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR) WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR) DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Das Kompromiß von London? Regionalpakt gegen Luftangriffe Deutschland zum Beitritt eingeladen— Aufrüstung Deutschlands wird zugestanden, wenn es nach Genf zurUckkehrt London. Sonntag abends wurde eine amtliche Mitteilung über die am Sonntag beendeten englisch-französischen Besprechungen veröffentlicht, in der es heißt: »Die britischen Minister haben die Glückwünsche der britische« Regierung zum Abschluß des Abkvmmens von Rom über Mitteleuropa ausgedrückt und habe« sestgestellt, daß dir britische Regierung sich als unter den Mächten befindlich betrachtet, die, wie dies in dem Abkommen von Rom vorgesehen ist, gemeinsam beraten werden, wen« dir Unabhängigkeit und Integrität Oesterreichs bedroht werden. Die britischen und französischen Minister hoffe«, daß der ermutigende Fortschritt, der so erzielt worden ist, jetzt mittels der direkten und wirksame« Mit arbeit Deutschlands fortgesetzt wird. Sie stimmen überein, daß weder Deutschland»och eine andere Macht, deren Rüstungen durch dir FriedenSverträge bestimmt worden find, berechtigtift, durch ein- fettige Mio« diese BerPflichtungen ab- »«ändern. Aber ste stimmen»eiter darin«Herrin, daß nichts zur Wiederherstellung des«er» trauens und der AuSfichten des Friedens unter den Rationen mehr beitrage« würde, als riae allgemein« Regelung, die frei zwischen Deutschland n n d de« andere« Mächte« abgeschloffen wird. Tiefe allgemeine Regelung würde Borsorge für die Organisatton der Sicherheit in Europa treffen, insbesondere mittels des Abschlusses von Patten, die frei zwischen allen interessierten Parteien abgeschlossen werden und gegenseitige Unterstützung in Osteuropa und das Stzfte» ficherstelle«, daS in Rom für Mitteleuropa augekündigt wurde. Zugleich und in Urberrinsttm- «mrg mit den Bedingungen der Erklärung vom 11. Dezember 1932 bezüglich Gleichberechtigung in einem System der Sicherheit würde diese Regelung Vereinbarungen über Rüstungen im allgemeine« Herstellen, die im Falle Deutschlands die Bestimmungen des Artikels V deS Vertrages von Versailles, die augenblicklich die Rüstungen und bewaffneten Streitkräfte Deutschlands beschränken, ersetzen würde«. ES würde auch ein Teil der allgemeinen Regelung sein, daß Dentschlandseine« PlatzimBölker- b u«d zwecks aktiver Mitgliedschaft wieder einnimmt. Die ftanzöfische Regierung und di« Regierung des vereinigten Königreiches hoffen, daß die anderen in Betracht kommenden Regierungen diese Anfichten teilen. Im Verlauf dieser Zusammenkünfte habe« die brittschrn und die franzöfischen Minister unter dem Eindruck der besonderen Gefahren für den Friede« gestanden, die durch 817.963 Arbeitslose Prag. Am 31. Jänner 1935 wur» den bei den Arbeitsvermittlungsstellen nach den vorläufigen Ergebnissen 817.983 Arbeitslose gezählt. Gegenüber dem Vormonat bedeutet dies einen An- siieg der Arbeitslosenziffer um 65.655 oder 8.7 Prozent. Gegenüber dem Jänner des Vorjahres ist die Arbeitslosenziffer um 20.999 oder um 2.5 Prozent geringer. Bo« den Arbeitslose« entfallen auf die öffentlichen Arbeitsvermittlungsanstatten in Böhmen 415.442(im Vormonat: 383.704), in Mähren-Schlesien 234.543(223.408), in der Slowakei 119.231(100.749) und in Karpathoruß- land 5465(4641), auf private Arbetts- vermittlungsstellen im gesamten Staatsgebiet 43302(39.826). moderne Entwicklungen in der Lust geschaffen worden find und deren Mißbrauch z» plötzlichem Luftangriff eines Landes auf das andere l führen können. Sie haben dis Möglichkeit erwogen, Borsorge gegen die Gefahre« durch eine gegenseitige regionale Verein-> b a r» n g zwischen gewissen Möchten zu treffen. Es wird vorgeschlage», daß die Unterzeichner fich verpflichten, unverzüglich die Unterstützung ihrer Luststreitttäfte jedem unter ihnen zu gewähren, der das Opfer eines nichthrrausgrfordertrn Luftangriffes von feiten einer der vertragschließenden Parteien ist. Die britischen und französischen Minister befanden fich im Namen ihrer Das Echo In Berlin? Die offizielle»Deutsche diplomatisch-politische Korrespondenz" bespricht die Londoner Abmachungen in einem längeren Artikel, der die grundsätzliche Bereitschaft Deutschlands zu einer Verständigung betont. Aus dem Kommuniquee von London werden allerdings jene Stellen besonders hervorgehoben, die von der Unhaltbarkeit des Artikels •V des Versailler Vertrages sprechen. DaS Pro- aramm von London wird großzügig genannt. Man wendet sich aber gegen zu ausschweifende Pläne und fordert konkrete Abmachungen. Die Luftschutz-Konvention wird als solche Abmachung bezeichnet, da sie im Rahmen des Locarno-Vertrages bleiben wolle(also jener Politik, für die Stresemann verfemt, mit Mord bedroht und als Verwesemann in der Hitlerpreffe angepran- gett wurde). Berlin.(Tfch. P.-B.) Der Sprecher der Reichsregierung erklärte dem Berliner Vertteter des Reuterbüros, Deutschland werde die Londoner Vorschläge als Grundlage für Verhandlungen ansehen. Deutschland werde niemals die ihm gemachten Vorschläge kategorisch ablehnen. Der Sprecher fügte hinzu, daß der- Rcgicrungen in Uebrreinstimmung darüber, daß ein« gegenseitige Vereinbarung dieser Art für Westeuropa in weitem Maße dazu beitragen würde, als rin Abschreckungsmittel vor Angriffen z« wirken und dm Schutz vor Plötzlichm Angriffen aus der Luft ficherzustellm. Sir habe« beschlossen, Italien» DrutschlanA und Belgien rinznladen, mit ihnen zu erwägen, ob eine solche Konvmtion nicht rasch abgeschloffm werden kann. Sir wünschen emstlich, daß alle in Betracht kommenden Länder anerkmnm, daß der Zweck dieses Vorschlages ist, den Fricdm zu stärken— daS einzige Ziel, das von den beiden Regiernngm verfolgt wird..- Die Regierungen Frankreichs und des ver- einigten Königreiches erklären fich bereit» ihre Beratungen ohne Verzug wieder auf- z« n e h m e n, bis sie dir Antworten der anderm interessierten Mächte erhaltm habm." ••* Italien Informiert London. Der französische Außenminister Laval informierte Sonntag den italienischen Botschafter in London G r a n d i in groben Umriffen über die Ergebnisse der Aussprachen mit den britischen Ministern. artige Probleme natürlich gründlich durchbesprochen werden müssen, bevor die intereffietten Parteien zu einer vollkommenen Einigung werden gelangen können. Oie Botschafter bei Hitler Berlin.(DRB.) Der englische Botschafter Sir Eric P h i p- s erschien am Sonntag Mittag beim Reichsaußenminister Freiherrn«.Neurath und übermittelte ihm den vorläufigen Text des englisch-französischm Kommuniqures. Der Reichsaußrnminister meldete dann den englischen Botschafter auf seinen Wunsch für den Abend beim Führer an. Auch der französische Botschafter Francois-Poncet äußerte den Wunsch nach einer Unterredung mit dem Führer. Freiherr von Neurath begab sich darauf am Sonntag abend mit dem englischen und dem französischen Botschafter zum Führer. Am Abend übergab dann der englische Botschafter dem Reichsaußenminister das endgültige Londoner Kommuniquee. Die sudeteNdeutsche Arbefterbewegung ist um vieles ärmer gewordendEiner ihrer besten Söhne. Hans I o k l, ist gestorben. Mit der schlesischen Arbeiterschaft, deren unermüdlicher, vorbildlicher Führer er war, ttauern wir alle um ihn, der uns viel zu früh entrissen wurde. Wir haben die Arbeitskraft dieses wäckdren Mannes immer bewundert, bewunderten seine Ausdauer und die Ruhe, mit der er, schweres erduldete. Mit immer neuem Staunen verfolgten wir das Ringen, das sein zäher Lebens- und Arbeitswille mit schwerer, ihn immer wieder niederwerfender Krankheit führte. Er trotzte wahrhaftig dem Tod Jahr um Jahr, Monat um Monat ab. Während die Freunde vor der nächsten Attacke, der Krankheit auf den immer schwächer werdenden Körper des tapferen Mannes bangten, ging er ruhig, als ob er nicht wüßte, daß die Hand de? Todes ständig nach, ihm ausgestreckt blieb, seiner Arbeit nach— nicht duldend, daß ihm die Bürde auch nur um wenig erleichtert, nicht ertragend, daß ihm ein Stück der Verantwortung abgenommen werde. So eng verwachsen war er mit seinem Schaffen, daß er auch am Krankenlager nicht ohne Arbeit sein konnte, so ausgeglichen in seinem Wesen, daß nichts seinen stillen Ernst, nichts seine Güte zu erschüttern vermochte. Während er um sein Leben kämpfte, dachte er immer an andere. Welch ein herrlicher Mensch, welch ein wahrhafter Führer des arbeitenden Volkes ist uns mit Jokl verloren gegangen!'' Und wie frühe wurde, er uns genommen! Vor wenigen Wochen feierte er erst seinen sechsundfünfzigsten Geburtstag; Hans Jokl wurde am 18. Dezember 1878 kn Wien als Sohn eines Tischlers geboren^ Schon als Neunzehnjähriger bekleidet« er in der damals im ersten Aufbau befindlichen Jugendorganisation führende Aemter. Zugleich arbeitete er in der Bewegung der Handlungsgehilfen mit, an deren gewerkschaftlichen Kämpfen er hervorragend beteiligt war. Als Einundzwanzigjähriger vertrat er seine Berufskollegen im Gehilfenausschuß. Da er jedoch auch politisch eifrig tätig war, wurde er gemaßregelt. Er erhielt schließlich eine Anstellung in. der Krankenkasse und konnte sich nun ungefährdet der Arbeit für die Partei widmen. Der schon frühzeitig überraschend selbständige und entschlußfähige Jokl wurde 1907 von der Patteileitung als Wahlmacher nach Aussig geschickt. Die Aussiger Genoffen ließen den begabten jungen Menschen nicht sobald ziehen: er verblieb dort, als Parteisekretär imd übernahm nach dem Abgang des Genossen Gröger die Redaktion des„Volksrecht", Nun hatte er ein Tätigkeitsgebiet» das seiner besonderen Neigung entsprach: der Journalistik blieb er treu. Im Jähr« 1908 wurde Jokl. nach Schlesien geschickt, um die Redaftion der„Schlesischen Volkspreffe" zu übernehmen. In Schlesien wurde er bald bekannt. Nicht «ur durch seine erfolgreiche journalistische Arbeit, Prozeß Rakosl Argumente der Verteidigung— und der Anklage Zu Verhandlungen bereit... (Seite L Dienstag, 3. Feber 1833 Nr. 30 Vie Lenierung cierLelbstveiMsitung vom Ministerrat Im Prinzip beschlossen sondern auch durch seine rednerische Begabung. Ei hat die Sprache gemeistert— nie jedoch hat er sie zu Unsachlichkeiten mißbraucht. Er batte eine Hobe Aujfassung Von den Aufgaben eines Arbeiterjour- nalisten und Parteiwerbers: immer war er sich bewußt, daß man in der Ausübung dieser Aemter Vor allein auch der Arbeiterbildung zu dienen hat. >— Die Redaktion der„Volkspresse" befand sich in der ersten Zeit deS schlesischen Wirkens unseres Jokl in Jägerndorf. Später wurde sie noch Trop- pau Verlegt, aber das Blatt wurde weiterhin in Jägerndorf gedruckt. Diesem Zustand ein Ende zu machen hatte sich Jokl zur Aufgabe gestellt. Es entspricht ganz seinem Wesen, daß er packi der positivsten Lösung suchte: er bemühte sich um hie Schaffung einer Parteidruckerei in Troppau. Unter Einsatz seiner ganzen Kraft trotzte er der bürgerlichen Gemeindevertretung von Troppau die Zustimmung zur Konzessionsbewilligung ab, unter unsäglichen Schwierigkeiten besorgte er den notwendigen Kredit— und das Wer! gelang. Dir schlesische Parteidruckerei war bald eine Stühe der schlesischen Bewegung; Jokl widmete chr bis in seine letzten Tage die größte Aufmerksamkeit. Er war aber auch der Organisator der schlesischen Parteibewegung. Rasch wuchs sie durch seine Arbeit. Als der Krieg kam, hatte sie feste Grundlagen und eine beträchtliche Ausdehnung. Im Jahre 1911 wurde Jokl als einziger Sozialdemokrat in Schlesien in den Reichsrat gewählt; er hatte im Wahlkreise Freudenthal-Land kandidiert und seine Mehrheit war beträchtlich. Zu Kriegsbeginn rückte er als Infanterist ein. Er wurde an der russischen Front schwer verwundet, später war er als Rechnungsleutnant in Montenegro, dann wurde er als Abgeordneter beurlaubt. Sofort widmete er sich wieder der Parteiarbeit. Als der Umsturz kam, wuchs seine Arbeitsleistung ins Riesenhafte. Die Partei wurde groß, aber Jokl war überall: als Kreisvertrauensmann, als Chefredakteur der„Bolkspreffe", als Redner, Werber, Berater. Wo es notwendig war, griff er energisch zu. Jokl bekleidete in der schlesischen Landesregierung, die nach dem Umsturz gebildet worden war, das Amt des Landeshauptmannstellvertreters. Im Jahre 1920 wurde er ins Abgeordnetenhaus gewählt, in den Jahren 1928 und 1929 in den Senat. Er war der Militärfachmann der parlamentarischen Klubs. Das Uebermaß an Arbeit hatte ihn schon in den ersten Jahren nach dem Umsturz einmal niedergeworfen. Er war zuckerkrank. Es trat später eine Herzkrankheit hinzu. Aber Jokl schonte sich nicht. Die letzte Erkrankung, die ihn am vergangenen Donnerstag erfaßte, war nicht einer der sogenannten.normalen* zeitweisen Zusammen- ' brüche: es war eine Lungenentzündung, die das kostbare Leben in der Nacht zum Sonntag auslöschte. Er hatte am Vortage noch, trotz hohem Fieber, Weisungen für die Parteiarbeit erteilt uns fein lebhafter Wunsch war es, an der Kreiskonferenz der Jugendlichen teilnehmen zu können, die am Sonntag in Troppau tagte. Die Liste der Gastdelegierten trägt seinen Namen an erster Stelle. Als die jungen Genossen zur Konferenz kamen, wehte die schwarze Fahne vom Bolkshaus. Mit der Partei trauert die tapfere Genossin Anna Jokl. Sie war ihm Weg- und Kampfgenossin, und erste Mitarbeiterin in der Partei. Beide haben der Bewegung Opfer über Opfer gebracht, das Privatleben immer wieder hinter die Erfordernisse der Bewegung stellend. Jokl war in seiner Treue, seinem Eifer und seiner gütigen Energie ein Beispiel für alt und jung. Wir werden ihn nie vergeflen. P r a g. In der gestrigen MinisterratSfitzung wurden, wie amtlick gemeldet wird, die Prinzipien beschlossen, auf Grund welcher der endgültige Tezt der Regierungsvorlage über die finanziellen Maßnahmen ans dem Gebiete der territorialen Selbstverwaltung ansgearbeitet werden soll. Ein ministerielles Sonderkomitee wurde beauftragt, die Stilisierung des Entwurfes zu beenden. Genehmigt‘ wurden ferner u. a. der G e* setzentwurf über den Schutz und die Verteidigung gegen Flieger- und ähnliche Angriffe und zwei Regierungsverordnungen welche betreffen: Verlängerung der Gültigkeit der Einfuhrscheine, insoweit sie im ersten Halbjahr 1938 endet, bis 30. September 1938; Verlängerung der Zollbegünstigungen für Mais, der zur Ernährung der Einwohner Kar- pathorußlands importiert wird» für die restliche Versorgungsperiode im heurigen Jahr. Genehmigt wurden ferner die Dispositionen be- treftend die Beteiligung an der im Jahre 1935 in ror Herbstwahlen treten in ihrem Leitartikel Sonntag die„Lidove Noviny" ein. Sie schreiben: »Was sagen die Staatsbürger dazu? Wir irren uns nicht, wenn wir sagen, daß der größte Teil der ruhigen und bedächtigen Bewohner dieses Staates es lieber sehen würde, wenn die Wahlen erst im Herbst wären... Der Hauptgrund dafür ist der, daß es den Leuten gefallen würde, wenn in dieser schweren Zett gerade wir zeigen würden, daß wir das Abgeordnetenhaus für die ganze Gesetzgebungsperiode erhalten konnten. Die Skeptiker werden lächeln, daß ein solches Gefallen kein ernstes Argument ist. Wir aber sagen, daß es gut ist, wenn in den Leuten ein solches Gefällen lebt auszhaltenbiszum Ende. Auf. der andern Seite sind unsere Leute. deswegen ruhig, weil der Unterschied von etwa drei Monaten nicht entscheidend ist und wenn die Koalition fünf- einhälb Jahre nach all dem ausgehalten hat, was Man ihr prophezeit hat, ist das auch ein bedeutsames Stück Stabilisierung." Tschechisch-Klerikale für Planwirtschaft Sonntag, den 3. Feber, fand in Jungbunzlau ein Kongreß der Volkspartei staft. Nach Eröffnung sprach HandelSmmister Jng. D ö stäle r, der in seinem ausführlichen Referate wirtschaftliche und politische Fragen erörterte. Der Minister sagte, daß wir bereits den tiefsten Punkt der Krise überwunden haben und uns auf dem Wege de? allmählichen wirtschaftlichen Aufstiegs befinden. Es ist sicherlich gerecht, wenn sich die Berufsstände, soweit ihre Angehörigen unverschuldet in Schulden geraten sind, bemühen, eine Erleichterung der Kreditlast zu erlangen, was man ungenau Entschuldung nennt. Der W'eg zu dieser Entschuldung besteht einzig nur in der Umwandlung der kurzfristigen Kredite in langfristige und in einer durchgreifenden Herabsetzmrg des Zinssatzes. Hierauf sprach der-Landesparteivorsitzende Pater S t a- sek. Er sagte u. a., daß unsere politische Demo- Brüssel ftattfindenden Weltausstellung sowie an der dort veranstalteten internationalen Ausstellung der modernen Kunst sowie der Musterentwurf der Ordnung für die Ausrangierung der Akten für sämtliche Staatsämter mit Ausnahme aller Gerichte und Justizbehörden. Zur Kenntnis genommen wurden die Berichte über die Verhandlungen des Komitees der politischen und wirtschaftlichen Minister betreffend die Vorbereitung des Programms der weiteren Arbeiten der Naftonalversammlung und Regierung. Herabsetzung der TelephonsebQhren Die Zustimmung ausgesprochen wurde zu der angemessenen Herabsetzung der Telephongebühren und die Ministerien für Post-«nd Telegraphenwesen und Finanzen wurden mit der Durchführung der notwendigen Maßnahmen betraut. kratie durch die wirtschaftliche und kulturelle Demokratie ergänzt werden muß. Nur die mit Zustimmung des Volkes von unten her direkt aus den einzelnen Ständen und Berufen geschaffene Wirtschaftsdemokratie kann unter der Kontrolle des Staates zu einem Pfeiler einer neuen Wirtschaftsordnung werden, welche die Regierung unter dem Namen der Plan-Wirtschaft ins Leben zu rufen beabsichtigt. Tsdicdilsdilflerikale Warnung an die Christlidisozlalen In den sonntägigen»Lidovs Listh" beschäftigt sich der katholische Journalist Dr. Alfred Fuchs mit den Zuständen in der deutschen christlichsozialen Partei. Er schreibt: »Es scheint, daß in der christlichsozialen Partei ein. gewisser Gärungsprozeß stattfindet. Der eine Teil der Politiker möchte die Partei gern in der Regierung sehen, damit durch eine positiv« Politik der radikal-nationalen Agitation die Stirn geboten wird, ein anderer Teil will offenbar mit Henlein einen Ausgleich treffen und bestrebt sich, die einstige Regierungsvergangenheit der Parte', zu vergessen. Den nationalen Radikalismus repräsentiert gegenwärtig Senator Hilgen- reiner, der nach dem Saarplebiszit verkündet daß die Deutschen den status quo für das Saar-, land äbgeldhnt haben und daß sie sich'äuch'änders- wo Nicht mit dem stakus quo zufrieden geben können. Der Ausspruch war vielleicht nicht so gedacht, wie er vielfach interpretiert wird, aber wir er auch immer gemeint war, gefährlich war er, well sich in den Grenzgebieten Agitatoren zeigen, die unseren Deutschen einreden, daß es auch bei unS zum Plebiszit kommen wird... Wenn wir die Situation in der deutschen christlichsozialei- Partei kennen lernen wollen, müssen wir auch ihre Provinzpvesse, insbesondere die mährische, lesen. Es geht daraus lervor, daß die Regierungspolitih hauptsächlich Abgeordneter Luschka vertritt, während Prof. Mayr-Harting als Vermittler auftritt. Wir würden iin Interesse der katholischen Sache wünschen, daß sich die Lage in der christlichsozialen Partei zugunsten der positiven Polttik klärt. Die Erfahrungen des Bundes der Landwirte zeigen den Christlichsozialen, welch unverläßlicher Bundesgenosse Henlein ist." Vie handelspolitischen Verhandlungen mit Oesterreich die seit dem 29. Jänner in Prag stattfinden, sind vorläufig beendet worden. In einer Reibe von Sitzungen, welche an allen Tagen vor- und nachmittags abgehalten wurden, verhandelten die Delegierten in erster Linie über die finanziellen Beziehungen zwischen den beiden Staaten. Die Grundlage dieser Verhandlungen bildeten die Berechnungen, die in einigen Beratungen von den Vertretern der beiden Nationalbanken anfgestellt und den Delegationen unter- brettet wurden. Weiters wurden die Zollforderungen sowie Fragen durchberaten, die sich auf das Bewilligungsverfahren beziehen. Ueber das Ergebnis der Verhandlungen werden beide Delegationen ihren Regierungen referieren. Die Höusdien der Arbeitslosen Im»Prävo Lidu" macht Abgeordneter Genosse N e k a s auf die schwierige Lage aufmerksam, in der sich Arbeitslose befinden, die seinerzeit, als sie noch Arbeit gehabt, ihre ganzen Ersparnisse dazu verwendet haben, sich ein Häuschen zu bauen. Da das Geld nicht reichte, haben sie Hypotheken ausgenommen und können nun, da sie kein Einkommen haben, auch keine Hypothekarzinsen zahlen. Eine vorläufige Hilfe für sie bietet das Gesetz über den Aufschub von Exekutionen gegen Arbeitslose, welches vor kurzer Zeit wieder für ein Jahr verlängert wurde. Das war ein- Nothilfe in verzweifelter Situation und es wird jetzt notwendig sein, ein endgültiges Gesetz zu schaffen. Im Ministerium für soziale Fürsorg' wird ein derartiges Gesetz vorbereitet, wodurch jenen, welche keine Hypothekarzinsen zahlen können, auf die Dauer von drei Jahren geholfen werden soll. Für die deutschen Emigranten seht sich der bedeutende tschechische Publizist Ferdinand Peroutka in den montägigen„Lidovt Noviny" ein. Er nimmt insbesondere Stellung gegen die Blätter Stkibrnys, die»Närodni Listy" und einige klerikale Blätter, welche den Mord an Jng. Formis zu einer Emigrantenhetze benutzt haben. Gegen diese Blätter wendet sich Peroutka wie folgt: Diese Menschen benehmen sich zur deutschen Emigration, welche zu uns ftüchtete, so, daß sie von Hitler oder Göring sofort eine Auszeichnung bekommen könnten... Six haben sich zur Emi- Wittoi? arch^nen sehr brirmlen SttinsipUnkt ge- stellt: Krepieret, in'welchem WinkÄ Ihr wollt! Als Jng. Formis ermordet worden ist. haben sie mit Entzücken alle Schuld auf den Ermordeten gewälzt, statt sich dafür zu schämen, daß die deutschen Mörder zu uns nach Belieben kommen, hier ihre Arbeit verrichten und wieder wegfahren können... Die Hetze gegen die Emigranten tthen wir genau so als eine Schande an, als wenn hundert kräftige, gutgenährte Leute zusammen- kämen und einen schwachen und elenden Menschen schlagen würden... Diese Worte Peroutkas können in daS Stammbuch auch der fascistenfreundlichen deutschen Bürgerpresse in der Tschechoslowakei geschrieben werden. Hin Kurzroman von Kurt Doberer Einige Tage später zeigte jedoch der..Progreß" an Hand von genauen Angaben über Treib- wirkung und mitgeführte Triebstoffmenge, durch die Formel, daß die theoretische Berechnung eine gefahrlose Rückkehr gezeigt hätte. Aber nach eingelaufenen Mitteilungen sei die Bemannung erst spät aus der Betäubung erwacht, und so wäre zuviel Triebstoff beim Abflug verbraucht worden. ♦ Leicht gähnend stand Jonny an den Instrumenten, während Merimeer still über lange Zahlenreihen gebeugt saß. Am Objektiv des Fernrohrs stand Lady Merimeer. Sie war damit beschäftigt, die rote Marsscheibe zu studieren. Die Einzelheiten traten jede Stunde klarer Herborn und die Lady trug eifrig schreibend ihre Beobachtungen in den Funkbericht für Zentron ein. Jonny sah auf den Zeitmesser. Dann begann er mit symmetrischen Anordnungen von Punkten und Strichen und dann in toten und lebenden Sprachen den Mars zu bearbeiten. Seit vielen Stunden machten sie regelmäßig diese Versuche.— Kein Funke aus dem Weltenraum brachte ihnen Nachricht. »Wieder nichts", sagte Jonny mißmutig, nachdem er einige Minuten regungslos und gespannt gehorcht hatte,„und dabei sollen ihre Ingenieure riesige Kanäle bauen", fügte er lächelnd hinzu. «Die nächsten Photoaufnahmen werden uns Aufklärung bringen", sagte Merimeer mit seiner klaren, ruhigen Stimme.„Die letzten Aufnahmen zeigen uns ja schon dieses regelmäßig unterbrochene Netz." Er holte die Platten herbei, und alle drer beugten sich nochmals grübelnd über die merkwürdigen Gebilde.»Es sieht ja so aus, wie wir unsere Eisenbahnen auf der Erde in die Karte zeichnen. Immer diese schmalen Rechtecke aneinander. Hell— dunkel— hell— und so regelmäßig läuft es durcheinander, wie ein Spinnennetz," sagt die Lady.»Eisenbahnen", lächelt Merimeer,»und dabei sind diese Dinger dreißw Kilometer breit, das ist das Fatale, Hier, da liegen sogar zwei nebeneinander. Kanäle können es nicht sein, denn die Linien sind ja regelmäßig unterbrochen. Dann, sie sind auch zu breit und doch— sie gehen von Meer zu Meer. Lady Merimeer schraubte die photographischen Apparate vom Okular ab. Sie hatte wieder Aufnahmen der rätselhaften Marsscheibe gemgcht. Bald mußte nun ja die Entscheidung kommen. Man photographierte mit dem neuen Verfahren in Farben, sofort als Positiv und auf Pergal, dem unzerstörbaren Metallfaserstoff. Lord Merimeer nahm die nassen Blätter aus dem Bad. Der Mars wirkte durch das Objekt schon so groß, daß man nur noch einzelne Gebietsteile aufnehmen konnte. Klar und scharf zeigten die Bilder alle Einzelheiten, die schon Schiaparelli zum Kanalproblem geführt hatten. Dort lag ein weiß und hell glänzendes Meer. Hauchfeine Streifen grenzten das ein, was man auf der Erde als Kanäle bezeichnet hatte. In diesen Kanälen wechselten gleichmäßige Rechtecke ab. Ein hellgrünes— ein siwerweißes, dann wieder ein dunkelgrünes. Ein dünner dunkler Streifen sperrte immer ein Rechteck gegen das andere ab. Zu beiden Seiten dieser„Kanäle" lag nichts als eine rötlichgelbe, grell strahlende Fläche. Nur dicht an den Kanälen war diese durch dunkel und hell geteilte Flecken unterbrochen. Lord Merimeer lächelte sein leises Lächeln. Wie einfach war nun die Erklärung. Rießige Sperrdämme waren es, ein Netz von Bewässerungsanlagen! Auch auf der Erde haben wir ja solche Ueberreste, als Trümmer einer uralten Kultur. So abgetragen waren die Gebirge am Mars, daß es keine natürlichen Flüsse mehr gab. Nur ein flaches, versandetes Meer. Wüste, erbarmungslose, rotgelbe Wüste was das, was sich da zu beiden Seiten der Kanäle ausbreitete. Und die hellen und dunklen Flecken an den Rändern? Siedlungen waren es! Reste einer absterbenden Kultur. Wie um all das zu bestätigen, lagen auch einige grauschwarze, schlammfarbige Rechtecke zwischen den silbernen. Es waren die frisch von den Wasserfluten befteiten. Ihnen sollte erst Allmutter Sonne das lebende Grün entlocken. Auf der Rakete war man sich klar geworden, daß nur die Parabelumkreisung wieder auf die Erde zurückführen würde. Merimeer hatte die Berechnungen dazu bereits fertig. Man würde die Rakete bis zu hundertneun Kilometern Entfernung an den Mars heranführen. Es war ein gefährliches Wagstück, aber die Parabeläste wurden dadurch mehr parallel, und man sparte dadurch den Triebstoff. Den wertvollen Triebstoff sparen, das tvar jetzt die wichtigste Aufgabe. Lord Merimeer hatte seine Berechnungen nochmals überprüft und dann Jonny die Taten zur Parabelsteuerung angegeben. Wollte die Parabel nicht von selbst werden, so mußte durch den Raketenantrieb nachpeholfen werden. Jonny trug eben die Zahlen in die Steuerungsübersicht ein» da— ein furchtbarer Stoß erschütterte die Rakete. Der Kreiselkompaß fuhr langsam einen Grad um den anderen vom Peilstrich ab. Jonny hatte die Ruhe nicht verloren. Mit einem Sprung war er an den Hebeln. Die Augen starr auf dem Richtungszeiger, gab er Gas. Ein leichter Ruck ging durch das Projektil. Der rote Feuerstrom, der aus zwei der Triebstoffbehälter trat, drückte es wieder in einer Kurve auf die Flugbahn zurück. Im Ausgleich zwischen Zentrifugalkraft und Massenanziehung jagte jetzt das Projektil auf der Parabelbahn um den Mars. -ft „Ein verdammtes Meteor", sagt Lord Merimeer, durch die Zähne sprechend.„Dicht ist die Kiste ja anscheinend geblieben, aber der Triebstosf ist bis auf den kleinen Rest dahin, den wir zum Richtungstellen auf die Erde brauchen. Den Einsturz auf die Erde abzubremsen, dazu haben wir kein Gramm." Während Merimeer sprach, blickte Jonny unruhig auf das Instrument, das den Sauerstoff- gehalt der Lust in Prozenten anzeigt. »Nach außen wohl, da ist sie dicht geblieben, die Rakete. Aber die Tanks, die den Sauerstoff- ballast führen, drücken ihren Inhalt nun in den Jnnenraum. In den letzten Minuten ist der Saüerstoffgehalt um drei Prozent gesttegen!" „Dann gibt es keinen Ausweg mehr," flüstert der Lord.„Oh, die Papiere und Bilder, könnte ich sie doch retten! Aber es gibt keinen Weg—" „Keinen Ausweg," wiederholt die Lady automatisch. „Doch, es gibt einen!" sagt Jonny.„Die Aufzeichnungen sind gerettet, wenn wir auch nur die Trümmer des Projektils auf die Erde bringen. Die Kassette wird ja gefunden werden» dafür ist gesorgt." Jonny dämpfte seine Stimme.„Daß wir alle drei sterben müssen» das ist nun sicher. Aber es wird mehr von uns verlangt! In unserem Tode muß ein kalt überlegtes. System liegen." Mtt einem Blick auf den Sauerstoffanzeiger spricht Jonny hastig weiter.„Zwei bleiben in dem Raum und sterben den Sauerstofstod. Der dritte schließt in der Schalt- und Sendestelle die Schotten dichtsteuert das Projektil in den Ozean und stirbt in den Trümmern. Aus dieser Einsturzhöhe ist an eine Rettung nicht mehr zu denken." Jonny hebt die Hand.„Ich weiß, was Sie sagen wollen, Lord. Sie denken, daß ich den Sender vergesse. Sehen Sie," er drückte den Tasthebel ein paarmal rasch herunter,»dort auf dem Instrument kein Ausschlag. Die Sendeanlage ist zerstört.— Wie ich es gezeigt habe, werden wir sterben müssen." .s Schluß folgt!)? Nr. 30 DienSta-, 5. Fever 1935 Seite 3 fadeiendcB^er Xeifspie^ef Neue gewaltige Volkskundgebungen im Weseritzer Ländchen An Herrn Q. P. Im Sonntagsleitartikel der„Bohemia" beschäftigt sich Herr G. P. mit unserer Kritik an dem deutschbürgerlichen Mandats» schacher, gibt die innere Berechtigung dieser Kritik zu, nennt sie aber dennoch eine„H e u- chelei" und wirft uns nicht mehr und nicht weniger vor, als daß wir durch„Verdächtigung" oder durch„Gewalt" die Einigung der deutschen Bürgerparteien zu verhindern mitgeholfen hätten. Nun, Herr G. P., auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Und drum wollen wir dem Herrn Abgeordneten Gustav Peters vor allem sagen, daß wir uns mit ihm über politische Moral, als deren Lehrer er sich da aufspielen möchte, gar nicht auseinandersetzen können. Sein Wort von der Heuchelei nimmt sich besonders überzeugend aus im Munde eines Mannes, der zum guten Teile für die— na sagen wir: Schaukelpolitik der„Bohemia" verantwortlich ist, für ein gewisses Kokettieren und Paktieren mit dem Hit- lerfascismus, für gewisse Reisen nach Deutschland (siehe den Kauder-Brief!) und für das ernste, wenn auch nicht sehr siegreiche Bemühen, der„Bomemia" die Verbreitung in Deutschland zu sichern, aber nebenbei nicht nur den tschechoslowakischen Demokraten, sondern» wie dieser «Bohemia"-Artikel wiederum zeigt, den Lehrmeister der wahren Demokraten zu spielen. Grotesk aber wird dieser Herr G. P.» wenn er seinen Witz daran zu üben sucht, daß die Sozialdemokratie ihre Stellung in Europa nicht zu sichern verstand, die sie nach dem Weltkrieg erlangt hatte, und dass die Haltung der Sozialdemokratie„das Volk eher entfremdete als gewann", weshalb sie auch„in so vielen Staaten"„aus dem politischen und staatlichen Leben so restlos ausgeschaltet werden" konnte. Daß Herr G. P. sich über die Niederlage der reichsdeutschen und österreichischen Sozialdemokraten freut, ist verständlich. Aber wirklich zu dumm, daß er darüber das Schicksal der bürgerlichen Demokraten nicht nur in Deutschland und Oesterreich, sondern in fast ganz Europa zu vergessen scheint. In England haben die Liberalen die Sterbesakramente im Haus, während die Sozialdemokratie dort, wie wir hören, noch einigermaßen lebt; in Frankreich, in den nordischen Ländern, in der Schweiz, in Belgien, in Holland können sehr kräftige Sozialdemokratien einiges über die Jammergestalt bürgerlicher demokratischer Politik erzählen. Und bei uns? Zum Glück ist die Demokratie im tschechischen Volk, auch außerhalb der Sozialdemokratie, verankert. Denn die deutschbürgerlichen .Demokraten sind selbst mit der Laterne nicht zu sinden. Es sei denn, jemand nehme den Herrn G. P. für einen wirklichen Demokraten. Wäre er aber einer, so müßt« er über alle Klassengegensätze hinweg es als ein Glück empfinden, daß die deutsche Sozialdemokratie lebt und gegen den FasciSmus, hitlerischer oder henleinscher Prägung, mit Erfolg kämpft. In Wahrheit ersehnt er aber nichts inniger als eine Schwächung der Sozialdemokratie zugunsten solcher Demokraten, wie wir sic in den Herren Peters, Henlein und Rosche schätzen. Auf welcher Seite also die Heuchelei zu suchen ist. ist unschwer zu erraten. Strafanzeige gegen Otto Strasser Wegen Beihilfe bei den Rundfunksendungen Nach Meldungen tschechischer Nachmittagsblätter wurde gegen den Besitzer des Hotels Zä- hoki Graf und gegen den Führer der Schwarzen Front Dr. Otto Strasser die Strafanzeige erstattet, weil sie dem ermordeten Jng. Formis bei den Rundfunksendungen mittels des nicht angemel, deten Senders Beihilfe geleistet haben sollen. Neue Ungereimtheiten aus ZähoH Die„Halo-Roviny" von Sonntag hatten gemeldet, daß nach ihren privaten Erhebungen am Morgen nach dem Mord um halb sieben Uhr früh ein Arbeiter, der am Hotel vorbeiging, den Kellner Flieger und den Hotelbesitzer Graf im Garten unter dem Fenster des Zimmers gesehen habe, in dem der Mord verübt wurde; er hatte den Eindruck, als ob sie sich etwas auf der Erde zu schaffen gemacht hätten. Als sie ihn erblickten, verschwanden sie eiligst im Hotel. Dem Arbeiter war dies auffällig; er blieb stehen und sah sich genauer nm. Dabei bemerkte er den Schein einer elektrischen Taschenlampe in einem Fenster des ersten Stockes und gleich darauf in einem Nebenzimmer. Dann siel ihm auch der Strick auf, der aus dem einen Fenster herunterhing. Etwa um halb acht Uhr gingen zwei andere Arbeiter an dem Hotel vorbei. Auch sie sahen den Wirt und den Kellner im Garten etwas arbeiten. Auch diesmal verschwanden die beiden schnell im Hotel. Der Hotelbesitzer erläutert dieses Verhalten dadurch, daß er angenommen habe, daß ein Balken in der Nähe des Kamins glimme. Er habe gefürchtet, daß dadurch feinGeschäftgeschä- d i g t werden könne, da er mit seinen Nachbarn in Unfrieden leb«.‘ Wer am Samstag und Sonntag die gewaltigen Kundgebungen in Oberkosulup und L e s k a u mitgemacht hat, der konnte voll Freude und Stolz feststellen, daß die Anziehungskraft der sozialdemokratischen Partei trotz fünf schwerer Krisenjahre nach wie vor gewaltig ist. . Die furchtbarsten Schneestürme, die in diesen beiden Tagen das Weseritzcr Gebiet heimsuchtcn, konnten keineswegs die Massen des Landvolkes vom Besuche der Kundgebungen abhaltrn. In O b e r k o s o l u p, einem größeren Dorfe, haben sich weit über 200 Teilnehmer eingefunden, die volle vier Stunden ausharrten. Unter ihnen befanden sich auch etwa 50 b:s 60 Leute, die der Landjugend und der Henleinfront angehörten. Die Genossen Schmidt und P r o s ch haben in dreistündigen Ausführungen die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen geschildert und dann die Forderungen der Kleinbauern und Häusler, sowie der Arbeitslosen des Weseritzer Bezirkes vorgetragen. Die Ausführungen der Referenten lösten großen Beifall aus. Nach ihnen sprach für den Landjugendbund der„Kreisjugendführer" Fischer, der in seiner Dreiminutenrede nichts anderes zu sagen wußte, als daß die Landjugend gemeinsam mit dem Herrn Henlein die Volksgemeinschaft errichten will, und zwar nicht nur mtt Worten, sondern auch praktisch. So habe es auch der gotts- öberste Jugendführer Hacker angeordnet. Genosse Schmidt zeigte dann im Schlußwort, wie der Jugendführer Hacker die Wirtschastsprobleme löse und die Volksgemeinschaft verwirkliche, nämlich durch Suchen und Tasten, Ausprobieren und Versuchen. Unter stürmischem Beifall der Mehrheit der Anwesenden sagte Genosse Schmidt, daß wir auf solche Volksbeglücker, die in dieser schweren Notzett nichts anderes zu sagen wissen und keinen anderen Ausweg aufzeigen können, dankend verzichten. Die vom Genossen Prosch vorgetragene Resolution wurde dann einstimmig angenommen. Geradezu überwältigend war der Besuch in Leskau, wo mehr als 500 Leute an der Kundgebung teilnahmcn. Unter ihnen befanden sich etwa 40 Henleinleute und ungefähr 50 Landbundjugendliche. Die Genossen Prosch und Schmidt befaßten sich in ihren Referaten ausführlich mit den planwirtschaftlichen Maßnahmen in der Landwirtschaft, besonders mit der Schuldenregelung und übten Kritik an einzelnen Vorkommissen in den Gemeinden des Weseritzer Bezirkes, wo agrarische Vorsteher nicht nur Gelder veruntreuten, sondern auch verhinderten, daß die Arbettslosen Ernährungskarten bekamen. Selbst die anwesenden Henleinleute mußten den Rednern und ihren Forderungen zustimmen. Als Gegenredner meldete sich Dr. Frank aus Wese- ritz zu Worte, der ausdrücklich feststellle, daß er die sachlichen Ausführungen der Referenten nur unterstreichen und bekräftigen könne. In seinen zehn Minuten langen Ausführungen brachte er den üblichen Bolksgemeinschaftsschlager, bei dem die anwesenden Henleinbürschchen in marktschreierisches.Geheile" ausbrachen. Im übrigen muß konstatiert werden, daß sich Dr. Frank äußerst gemäßigt verhielt, im Gegensatz zu seiner anwesenden Gefolgschaft. Augenscheinlich schämte er sich auch des unwürdigen Radaus seiner Anhänger, von denen nachträglich festgestellt werden konnte, daß die größten Schreier noch bis vor kurzem Kommunisten waren. Er hatte daher ununterbrochen zu tun, das unwürdige und beschämende Krähen seiner Hähnchen zu unterdrücken. Als dann zahlreiche Versammlungsteilnehmer durch drohende Zwischenrufe und Gesten ihren Unwillen zum Ausdruck brachten, wurden die Bürschchen ruhig. In der Debatte sprach auch noch Fräulein W ä s ch t a aus Leskau, die die Forderung nach billigem Zucker und billigem B r o t für die Arbeitslosen erhob: Im Schlußwort befaßten sich die Gen. Schmidt und Prosch ausführlich mtt der recht kärglichen Argumentation der Henleinleute und widerlegten sie völlig in rein sachlicher Weise. So bedeutete auch der Ausgang Reichsdeutscher Spitzel in Karlsbad verhaftet In der Vorwoche wurde in Karlsbad der Reichsdeutsche Bikwr Wolf verhaftet, der vor kurzem ans München dort eingctroffen war und sich an kommunistische Funktionäre herangemacht hatte, denen er erzählte, daß er das Hitlerregime durch Maffenerzeugung von falschen Markbanknoten stürzen wolle. Nebenbei erkundigte er sich aber nach einemreichsdeutschenJour- n a l i st e n namens P., der nach seiner Entlassung aus dem Konzentrationslager in die Tschechoflowakei geflüchtet war und sich tatsächlich einige Tage in Karlsbad aufgehalten hatte. Wolf leugnet zwar jeden Zusammenhang mit rrichsdentschrn Stellen, machte, sich jedoch durch einen mißglückten Fluchtversuch bei seiner Ueber- stellung in die Haft des Egerer Kreisgerichtes nur noch mehr verdächtig. der Laudvolkskundgebung in Leskau einen schönen Erfolg für die Kleinbauernbewegung und die sozialdemokratische Partei, die sie gemeinsam vcran- stalteten. Der Verlauf aller bisher stattgefundenen Kundgebungen am Lande zeigt, daß das Landvoll in einzelnen Gebieten tatsächlich in Bewegung geraten ist, in Erwartung der kommenden Ereignisse bei den Wahlen und gerade den Veranstaltungen unserer Partei das größte Interesse entgegenbringt. Das ging auch aus den Gesprächen hervor, die die Referenten mit einzelnen Landbündlern hatten, die sich überall an den Kundgebungen zahlreich beteiligten. Sie zeigen auch, daß wir getrost vor allen Volksschichten die bisherige Regierungsteilnahme und das, was in der schweren Notzeit unsererseits zur Abhilfe veranlaßt wurde, voll verantworten können und daß es seitens der breiten Schichten der Landbevölkerung auch tatsächlich Anerkennung und Würdigung findet. Die Ergebnisse der bisherigen Auseinandersetzungen»mit unseren polttischen Gegnern am Lande sind daher recht erfreulich und werfen einen günstigen Lichtblick auf die kommenden Wahlen. Auf dem Wege zur 40-Stundenwoche Arbeitszeit-Einigung in der Flaschenglas-industrie Nach längeren Verhandlungen unter der Leitung des Architctten Bittermann von der volkswirtschaftlichen Abteilung des Ministerrats- Präsidiums ist gestern eine Einigung zwschen den Unternehmern«. den Arbeitern der Flaschenglas- Jndnstrie über di« Kürzung der Arbeitszeit zu- standegekommen. Darnach wird im ununterbrochenen Betrieb die 40-Stundenwoche und unterbrochenen Betrieb die 42-Stundenwoche eingeführt. Im«nnntrrbrochenen Betrieb wird in vier Schichten gearbeitet werden, wobei die Sonntagsruhe, während der überhaupt kein Glas erzeugt wird, acht Stunden beträgt. Uebrrstunden werden nach dem Kollettivvertrag Sonntag mit 50 Prozent Zuschlag, an hohen Feiertagen mit 75 Prozent(bei Glaserzeugung um 10 Prozent mehr) entlohnt. Tachau In der Kampffront Sozialdemokratische Massenversammlung Trotz des schweren Schneesturms, der die Zugänge aus den Landgemeinden fast unwegbar machte, erfreute sich die für Sonntag vormittag .einberufene sozialdemokratische Volksversammlung ejües aläpzendemBesoches. Gut siebenhundert Arbeiter und Kletnbartern waren dem Rüfe der Partei gefolgt. Der Referent Genosse Jaksch fand mtt der Begründung des sozialdemokratischen Kampfes gegen die Krisennot in den Grenzgebieten und seiner anschließenden Abrechnung mit der Phrasenpolittk der Heimatfront einmütige Zustimmung. Anhänger des Landbundes und der christlichsozialen Partei, die ebenfalls vertreten waren, erhoben keine Einwendungen. Die Versammlung, welche ohne Debatte abgeschlossen wurde, erbrachte wieder den Beweis, daß die sozialdemokratischen Positionen in diesem von der Krise so schwer heimgesuchten Grenzgebiet durch nichts zu erschüttern sind. Dreieinhalb Jahre Kerker für einen Komotauer Nazi Am Freitag hatte sich vor dem Brüxer Kreisgericht der 47 Jahre alte, in Komotau, Beethovenstraße wohnhafte Beamte Otto We i n e r wegen Verbrechens der Vorbereitung von Anschlägen gegen die Republik und wegen Betruges und Falschmeldung zu verantworten. Weiner, ein bekannter Nazi, der sich„Doktor" nannte und bereits zum viertenmal verheiratet ist, trat im Jahre 1933 in Sachsen als nationalsozialistischer Agitationsredner auf. Er sprach in mehr als 20 Vorträgen als„Dr. Herbartb" über das Thema: „Nationalsozialismus, der Glaube der Geknechteten die Kraft der Befreiten". In diesen Vorträgen griff Weiner die Tschechoflowakische Republik heftig an. Wegen Betruges hatte sich Weiner zu rechtfertigen, weil er anläßlich einer Zeugeneinvernahme in Brüx sich fälschlich als JUDr. ausgegeben und unrichtig ausgesagt hatte. Weiner hatte ferner den Gastwirt Oehme in Gabrielahüt- ten beschuldigt, in seinem Lokal verbotene natio- nalsozialistische Versammlungen zu dulden. Oehme und dessen Sohn wurden deswegen seinerzeit verhaftet, doch stellte sich später heraus, daß die Denunziation jeder Grundlage entbehrte. Weiner wurde der ihm zur Last gelegten Taten schuldig befunden und zu dreieinhalb Jahren schweren Kerkers unbedingt verurteilt. Am zehnjährigen Todestage des Genossen Emst Hirsch— Sonntag, den 3. Feber— versammelten sich auf dem jüdischen Friedhöfe in Teplitz-Schönau die Angehörigen des Verstorbenen, die Funttionäre des Allgemeinen Angestelltenverbandes, die Angestelltenjugend, die Vertreter der Kreisorganisation unserer Partei, Delegierte des Einheitsverbandes der Angestellten und einige Freunde des Vorkämpfers der freien Angestelltenbewegung zu einer kleinen schlichten Erinnerungsfeier. Den Grabhügel schmückten Kränke mtt roten Nelken und roten Schleifen, die vom Verband in Der Lohnausgleich findet bei ununterbrochener Arbeit mit drei Stunden(43 Stunden für 40 bezahlt), bei der übrigen Arbeit mit drei Stunden 45:42 statt. Uever die Arbeitszeit-Einteilung haben sich die Betriebsleitung mit den Betriebsausschüssen zu einigen. Im übrigen gelten alle Bestimmungen der Kollektivverträge. Der Vertrag ist auf viereinhalb Monate abgeschlossen und ist erst ab 1. Juli einmonatig kündbar. Die Unternehmer verpflichten sich, bei Rcuauftrahmm die Arbeiter zuerst zu brrücksich- tigm, die früher dort beschäftigt waren, dann jene, die im Genter Svstcm stehen. Bei Einführung nmer Maschinen dürfen leine Arbeiter entlassen werden. Reichenberg, von der Ortsgruppe Teplitz-Schönau und dem Einheitsverband der Privatangestellten niedergelegt wurden. Der Kammerchor des Arbeiter-Sängerbundes sang unter ZelenkaS Leitung„Die Nacht" von Beethoven, worauf für die Partei Genosse Seidel und für die Angestelltenorganisation Genosse Kirchhof herzliche Worte heS Dankes, und, der Ehrung sprachen. Die Jizgenii'.Allgemeinem HstSestArrcherbaudes sprach ein Gelöbnis,' im Sinne des-großen Führers zu wirken. Mit dem„Rotgardistenmarsch" von Scheichen, vorgetragen vom Teplitzer Kammerchor, fand die erhebende Ehrung ihren Abschluß.— Die Arbeiter und Angestellten werden das Wirken des Genossen Ernst Hirsch nie vergessen. Die Wahrheit über Hindenburg, die demokratische Justiz und die Nazi-Presse. Das Kreisgericht als Pressegericht in Olmütz hat eine Klage des„Sozialdemokrat" gegen ein nordmährisches Naziblatt abgewiesen, weil das Gericht der Ansicht war, daß die Beschimpfungen, die sich das Naziblatt leistete, eine berechtigte Kritik an unserer Bewertung Hindenburgs darstelle. Nun druckt die Rundschau die Urteilsbegründung(die eigentlich eine Polemik gegen die Kriegsgeschichte und ein Hymnus auf Hindenburg ist) wortwörtlich ab, jedoch auch andere Naziblätter wie die„Bohemia" konstatieren triumphierend, daß der„Sozialdemokrat" eine Lektion erhalten habe und moralisch verurteilt worden sei. Wir haben gegen das Olmützer Urteil die Berufung eingcbracht und werden nochmals die Probe auf das Exempel machen, ob es m ö g l i ch ist, vor einem Gericht einer demokrattschen Republik geschichtliche Tatbestände unter Beweis zu stellen. Daß inzwischen von der Nazipreffe das erstgerichtliche Urteil, das sich die Gedankengänge der beklagten Partei wortwörtlich zu eigen gemacht hat, ausgeschrotet werden kann, ist wohl mehr als sonderbar. Denn eigentlich soll man in schwebende Verfahren nicht eingreifen. Oder gilt das nur für demokratische Zeitungen?! Göring darf nicht mehr köpfen lassen Das Recht der Begnadigung geht auf Hitler über Berlin. In einem Erlaß über die Ausübung des Gnadcnrechtes wird bestimmt, daß der Führer und Reichskanzler in den wichtigsten Sachen, insbesondere bei T o d e s st r a f e, in Hoch- und 'Landesverratssachen sowie bei Freiheitsstrafen von mehr als sechs Monaten gegen Wehrmachtangehörige die Entscheidung persönlich trifft. Hitler hat sich ferner hinsichtlich der unmittelbaren Reichsbeamten die Aufhebung eines auf Dienstentlassung lautenden Disziplinarurteils, ferner die Zuerkennung bisher nicht bewilligter Ruhegehaltsbezüge und die Beseitigung der beamtenrechtlichen Folgen einer strastgerichtlichen Verurteilung Vorbehalten. Im übrigen find die Reichsminister zu Gnaden» entscheidungen innerhalb ihres Arbeitsbereiches ermächtigt worden. Hitler hat sich aber ausdrücklich das Recht gewahrt, auch in diesen Sachen die Gna- denentschließung selbst zu treffen. Seite 4 Dienstag, 8. Fever 1835 Rr. 30 Vierfacher Lawinentod im Riesengebirge Die Opfer: zwei Offiziere, ein Beamter, seine Tochter, deren Freundin— noch zwei junge Leute S p i« h l e r m ü h l e. Samstag abends brachen von der Martinsbande zwei Skifahrer, nämlich MajorPazdirekund sei» Freund, ein Stabskapitä«, der den Angabe»»ach P k i k r h l heißen nnd ans Milodice stamme« soll, znr Elbfallbande ans. Zur «»gegebene» Stande war die Martinsbande voll besetzt. Da die beiden Skifahrer hier kein Nachtlager finden konnten and es ablehaten, ans dem Gang z» übernachte», verbanden sie sich telephonisch mit der Elbfallbande, von wo sie die Nachricht erhielte«, daß dort ei» Zimmer frei ist. Obwohl sie gewarnt und ausgefordert wurde«, in der Martinsbande zu bleiben, leistete» sie keine Folge nnd brachen bei heftigem Schneesturm znr Elbfallbande auf. Bo» dort w»rde» ihnen zwei Le»te entgegengeschickt, dir jedoch, obwohl sie bis zur Martinsbande gelangte», unterwegs die beide» Skifahrer nicht traft«. Telephonisch wnrde dann festgesteltt, daß die beide» vermißten Offiziere weder in der Elbfallbande eintrafra«och znr Martias- baude znrückkehrten. Deshalb wurde« ve« beide« Baude« Rettungsmannschaften entsandt. An de« Rettnngsarbeüea beteiligten sich auch zahlreiche Gäste und das Personal der Bauden. Die Nachforschungen nahm hierauf die Abteilung auf, die im Borjahre aus dortige» Skifahrer»»nd Mitglieder« der freiwillige« Feuerwehr gebildet wnrde. Wie es scheint, ist die Ret- tuugsexprdition den beide« Offiziere« vielleichtanfderSpnr. Zwischen der Elbfall- nnd der MarfinSbande ist eine L a w i« e in Richtung«ach dem Elbfallgrnnd aiedergegan- gcn. Die RettnngSexpeditio« nimmt an, daß sich die beide« vermißte» Offiziere» n t e r d e r Lawine befinde». Es wnrde sofort eine Hilfsabteilung alarmiert, die mit de« entsprechenden Geräte« ausgestattet ist und fieberhaft an der Beseitigung des uiedergegangene» Schnees arbeitet. Weiter trifft die private, amtlich»och«icht bestätigte, Nachricht über ei» weiteres U» g l i ck im Rieseugebirge ei«. Der Beamte Renner aus Marschendorf begab sich SamStag abend mit seiner Tochter und deren F r e» n d i«, die Praskovä heiße« soll, auf de« Weg zum Petzer«nd vo« hier zur Wieseubaude. Unterwegs wurde die Gesellschaft vou eurer niedergeheuden Lawine erfaßt. Neuner«nd die Praskovä solle« auf der Stellt getütet worde« sei«. Dft Tochter Neuners wurde verletzt.' Schließlich werden»och zwei juuge Lotte vermißt, die für Sonntag abends ihre Ankuust « Harrachsdorf angekündigt hatte«. Bergungsarbeiten eingestellt Gestern abends wnrde gemeldet: Die Ber- gnngsarbeitrn und die Suche nach Major Paz- d i r e k«nd StavSkapitän P11 r QI mußten eingestellt werden, weil dieGefahreineSwei- t e r e» Sch« e e st u r z e S droht. Die an den Bergungsarbeiten Beteiligten fanden einen Ski- fstUstling ans Zellstoff, der wahrscheinlich Eigentum eines der vermißte« Offiziere ist. Auf dem Felsen in der Richtung zum Elbfallgrnnd ragt ein Gegenstand hervor, der wie ein Ski auSsirht, doch ließ sich dies nicht sicher ermitteln, weil kein Zutritt zu dem Felsen möglich ist. Die Bergungsarbeiten werden sofort fortgesetzt werden, sobald die Witterung es gestattet. Meterhohe Mächten Hirschberg. Der von Samstag mittags bis Sonntag im Rieftngebirge tobende Schnee» st n r m war noch stärker als der Schneesturm vor acht Tagen. Es wurden Böen mit Windstärke 12 gemessen; dabei herrschten 6 bis 8 GradKälte. Mit ungeheurer Gewalt frgte der Orkan von einigen -freiliegenden Stellen im Hochgebirge den Schnee völlig weg, so dass die blanke Eisdecke zutage trat. An anderen Stellen wurde der S ch n e e zum e£ e r h o h e«Mächten au f g e- sch i ch tet. Ein Fortkommen im Hochgebirge war nur unter allergrößter Lebensgefahr möglich. Eine Gruppe von 20 Skiläufern, die nach der Rie- senbaude unterwegs war, wurde durch den Schneesturm auseinandergetrieben und kam vom Wege ab. Rach den bisherigen Feststellungen find die Teilnehmer dieser Gesellschaft in benachbarten Bauden untergekommen. Soweit bisher bekannt ist, sind auf der deutschen Seite des Riesengebirges keine Todesopfer zu bekla. en. Zwe i F rau en, die am Samstag abends auf Schneeschuhen von der Prinz-Heinrich-Baud' zur Hampel-Baude wollten, traten im Gebiet des kleinen Teiches ein Schneebrett ab und wurden mit den Schneemassen i n hi e Ti e feg e r is s e n. Skiläufer, die gegen 22 Uhr in die kleine Teichbaude kamen, hörten Hilferufe. Allerdings wurde von der Baude eine R e t t u n g s« x p e d i t i o n abgeschickt, der es nach mehrstündiger Arbeit gelang, die beiden Domen aus den Schneemassen zu befreien und zu bergen.,Sie haben nur l e i ch t eV erl e tz un- a em erlitten. Auch im Tal tobte heftiger Sturm, der an Gebäuden und in den Wäldern großen Schaden an- richftte.-Schneewehen von mehr« cen Metern Höhe erschwerten den Verkehr auf der Landstraße sehr stark oder machen ihn stellenweise sogar unmöglich. Am Sonntag mittags flaute der Orkan ab. Auch im Erzgebirge lebensgefährliche Schneestürme 'Der furchtbare Sturm am vergangenen Sonntag hat-auch im Erzgebirge den Wintersportlern hart zugesetzt. Arbeitersportler berichten uns aus Z i n n w a l d, daß der orkanartige Sturm und das. blizzardartige Schneetreiben» das am Samstag abend einsetzte und Sonntag vormittag zwischen 8 und 11 Uhr seinen Höhepunkt erreichte, lebensgefährlich war. Atemku raube«der Sturm fegte daher, das dichte Schneetreiben. machte jede Sicht und Orientierung unmöglich und sicher wären tödliche Unfälle zu verzeichnen gewesen, wenn die Atus-Samariter nicht einen großzügigen R e t t u n g s d i e n st organisiert- hätten. Die hilfsbereiten Menschen, die im Atus- heim Zinnwald einen ständigen Hüttendienst unterhalten, Haffen«mgesichts des furchtbaren Wetters Skrpatrouillen ausgerüstet, die vielfach selbst in schwere Gefahr gerieten. Ihre aufreibende und lebensgefährliche Arbeit konnten die Helfer nur unter äußerster Anstrengung und schwerer ebener Gefährdung durchführen. Männer, Frauen und Kinder hatte der Sturm total erschöpft. Drei Mädchen, ein Bursche, zwei Kinder und ein Ehepaar, die völlig erschöpft waren und ohne Hilfeleistung in dem Schneetreiben umgckommen wären, mindestens aber großen Schaden an'ihrer Gesundheit genommen hätten, wurden in das Atusheim gebracht, wo sie bis zu ihrer Erholung betreut und gepflegt wurden.. Freund und. Feind wurde betreut in Betätigung wahrer Menschenliebe und proletarsscher Solidarität. Aebereinstimmend Tagcsnculgkcllcn Nachträgliches volles Geständnis der Vatermörderin Marie Vyletälek Sie entlastet den mitverurteiften Gatte«. Prag. Im Herbst v.'I. wurde bekanntlich nach sensationellem Prozeß das Ehepaar Jaroslav und M a r'i e Byte k ä l e k wegen Ermordung des Vaters der Frau abgeurteilt. Der alte Mann war mit Axt und Strick ums Leben gebracht worden, worauf die Eheleute die Leiche in einer Mauernische hinter dem Küchenherd ihrer Klein- seitnex Wohnung über ein Jahr lang verborgen hielten. Jaroslav Vyletälek, der den Ermordeten mit der Axt niedergeschlagen hatte, erhielt nur z w e iei n h a l b I a h r e, da die von der Axt herrührenden Verletzungen von den Gerichtsärzten nicht als tödlich befunden wurden. Nach dem Obduktionsbefund wurde vielmehr als Todesursache Erdrosselung festgestellt und M a r i e V Y l e k ä- l e k> die- ihre Aussage mehrfach gewechselt und schließlich ihren Mann stark belastet hatte, für schuldig befunden, ihren eigenen Vater mit einem Strick erdrosselt zu haben. Sie wurde zu 2 5 I a h- r.e n s ch w e r e n Kerkers verurteilt, erhob aber Nichtigkeitsbeschwerde und der Strafakt be- findet sich derzeit beim Obersten Gericht. -Nun hat sich Marie Vyletälek aus der Haft dem Senatspräsidenten- OÄR Dr. Novotnh vorführen lassen und das unerwartete Geständnis abgelegt, sie sei ganz allein sch ul d ig und ihre Aussagen, soweit sie den Mann belasteten, seien unwahr und nur- die R a ch e f ü r ve r- s ch i e d e n e e h e l i ch e Ze r w ü v f n i s s t. Dadurch kommt der ganze Fall allerdings in ein ganz anderes Licht und die Ratskammer wird über das weitere ihre Beschlüsse fassen. rb. Sechs Todesopfer auf der Fahrt zum Fußballwettspiel Paris. Nm einem Fußballspiel ihrer Lieb- lingsmannschäft. beiwohnen zu können, hatten sich 20 Personen in einem Lastkraftwagen auf dem Weg nach Narbönne begeben. Sie fuhren unterwegs an einen Baum. Der Lastkraftwagen schlug um. Bier Personen wurden auf der Stelle getötet, zwei Schwerverletzte sind im Krankenhause gestorben. Weitere vierzehn Personen wurden s ch w e r v e r l e tz t.— Ein zwei- tesAutoun g l ü ck ereignete sich bei Lille, wo zwei Privatwagen in voller Fahrt zusammenstießen» Alle n e u n Insassen wurden wird uns berichtet,-daß mindestens Windstärke 10 zu verzeichnen war. Auch in N o l l e n d o r f hat der Sportbetrieb unter dem fürchterlichen Sturm stark gelitten. Smrm-Opfer in den Alpen BadTilz(Obernvapern). Am Sonntag früh gegen 1 Uhr wurde dir Berna«- Hütte bei Lenggries von dem orkanartigen Sturm erfaßt «nd etwa hundert Meter weit i«S Hirschbach-Tal hinabgewarfen. Die massive Holzhütte wurde dabei vollständig zertrümmert. AchtS k i f a h r- r deS Skiklubs Bad Tölz, die sich in der Hütte befanden«nd sich znm Teil bereits znr Ruhe begeben hatten, wurden«nter den Trümmern begraben. Sie konnten sich aber wieder heraus»rb eiten. Teilweise nur mil dem Hemd bekleidet«nd ohne Schuhe machten sie sich ans den Weg nach Leng- grieS. Zwei der Skifahrer sind unterwegs er- froren. Die übrigen Skiläufer, die bei dem Unglück zwar nur leichtere Berletzungen erlitten hatten» aber durch den Abstieg in unvollständiger Bekleidung vollkommen erschöpft waren, wurden in das Krankenhaus Bad Tölz eingeliefert. Im. Gebiet des Z i r b i tz- K o g e l, in der Gegend von Knittelfeld,, wurde eine Gesellschaft von sechs Personen, in der sich auch der Bundesbahnangestellte Fr. H ü- t n e r aus Knittelfeld befand, von einer Lawine überrascht und verschüttet. Während sich fünf Personen der Gesellschaft retten konnten, blieb Hüttner in den Schneemassen und konnte noch nicht geborgen werden» Es besteht nurmehr wenig Hoffnung auf seine Rettung. Arosa. Beim Aufstieg zur Weißdorn- Hütte wurde eine Gruppe von sechö Personen von einer Laniine überrascht. Drei Personen wurden verschüttet, eine konnte gerettet werden Zwei jugendliche Träger blieben«nter den Schneemassen begraben. Bad Reichenha kl. Der 38 Jahre alte Skilehrer Sepp Riedelberger unternahm am SamStag gegen Abend vom Prebitsch- Stuhl bei heftigem Sturm, da die Bergbahn vorübergehend den Betrieb eingestellt hatte, allein die Abfahrt nach Bad Reichenhall über die Roetelbach- alm. Da er bis znm Abend nick« eingetroffen war» suchten ihn di« alpine Rettungsstelle, Reichswehr und Bergwacht noch in der Nacht, dann am ganzen Sonntag und am Montag trotz schwerstem Schneesturm(Windstärke 8 bis 10).- Niederberger, der schon mehreren Personen das Leben gerettet batte, ist zweifellos vom Sturm oder einer Lawine fortgeriffen worden. Die Leiche konnte noch nicht gefunden werden. Bern. Neber den Sonntag sind in der Schweiz eine Reih« von Lawinen niedrrgegange«, so in der West-Schweiz, im Berner Oberland, in der Ost-Schweiz«nd im Kanton Graubünden. Es sind zahlreicheTodeSopfer z« beklagen. mit sehr schwerenV erl e tz u n g e n ins Krankenhaus gebracht. Bei mehreren Verletzten besteht Lebensgefahr. Die Goldgrube des Königs Krösus gefunden? Ankara. Ein türkisches Blatt bringt die sensationelle. Meldung, daß es gelungen sein soll» die Goldgruben des lydischen Königs Krösus aus dem Vl. Jahrhundert v. Ehr., welcher durch seinen unermeßlichen Reichtum berühmt war, aufzufinden. Das Ministerium für Volks- wirffchaft bekundet diesbezüglich großes Interesse und leitete. Untersuchungen bezüglich der Ergiebigkeit des Fundortes und der Möglichkeit seiner Exploitierung ein. Der gute Kamerad. Vor dem Kriege kannten wir in Böhme«— wenn man von Aussig absieht, wo er kurze Zeit gewirkt hatte— H a n s Jokl nur wenig. Nack, dem Umsturz war er lange krank, so daß ich erst verhältnismäßig spät erfahren habe, welch guter Kamerad Hans Jokl war. Menschlich näher getreten bin ich ihm wäh- rend der Parteischulen, welche unsere schlesischen Genossen fast alljährlich in dem am Füße des Allvaters gelegenen Dorfe Karlsthal veranstal- ten. Jokl tvar der Leiter der Schule, der auf Ordnung und Pünktlichkeit sah— firrz alles tat, da- mit die Schülerinnen und Schüler in den paar Tagen wirklich etwas lernen. Er trug meist Par- teigeschichte und Organisationskunde vor, seine Ausführungen waren die Erfahrungen eines der Partei gewidmeten Menschenlebens, Daneben aber konnten wir alle, die wir das Glück hatten, einmal ein paar Tage in Karlsthal sein zu können, Jokl als Menschen und Kameraden erkennend Auf den Spaziergängen, durch die dunklen Wälder zum„Meerauge" erzählte Jokl aus seinem Leben, Polstische und Parteierinnerungen, an den Abenden als man zusammensaß, wußte er so schön zu plaudern, daß man ihm stundenlang zugehört hätte, wenn er als guter Lehrmeister nicht um zehn Uhr abends zum Schlafen ge. mahnt hätte. Seitdem ich zum erstenmal in Karlsthal unterrichtet habe, war ich mit Jokl befreundet und kannte ihn näher. Ich kannte seine Sorge um die Partei— es gab nichts in der schlesischen Arbeiterbewegung^ worum er sich nicht gekümmert hätte—-sah, wie er mtt den Arbeitern seines Wahlkreises kameradschaftlich verkehrte, wie er die Partei in Schlesien in Ordnung hielt, wie sein Sinnen und Trachten nichts anderem galt als dem Wohle der schlesischen Arbetter. Immer wieder warf ihn die Krankheit nieder, die ihn anderthalb Jahrzehnte gequält hat, immer wieder bezwang er sie, arbeitete er und sorgte für dos schlesische Land und das Volk, das er liebte und mtt dem er verbunden war, wie keiner, der von auswärts dahin gekommen, war. Dem einzelnen war er ein guter Freund, Schlesiens Arbeitern der getreue Eckart, der nicht vergessen werden wird, so lang am Fuße des Sudetengebirges Menschen um Freihett und Sozialismus^ kämpfen werden.■*. Grauenvoller Bcrgtod hat>en Wiener Sportler, den Studenten der Technik'Fritz Wein- z et tl am Tiroler Kogel bei Türnitz in Nirder- Oesterreich ereilt. Er trainierte Freitag für den Abfahrtslauf des Wiener Amateur-Schwimmklubs, der Sonntag in Tirol stattfinden sollte. Er stürzte, erlitt einem offenen Bruch beider-Beine und konnte sich nicht mehr erheben und ebenso wenig bemerkbar machen. Obwohl-sofort eine Ret- tungsexpedidion nach dem Vermißten ausgesandt wurde, gelang es ihr nicht, den Verunglückten zu finden. Erst Sonntag entdeckte man ihn in einer großen Blutlache mit bereits steifen Gliedern. Er war tot. Kindertragödie. Am SamStag abend wurde die Mordkommission der Berliner Kriminalpolizei nach einem Hause in der Wein-Straße nn Nordosten Berlins gerufen, wo man in einer Kellerwohnung zwei kleine Kinde r eines dort wohnenden Ehepaares tot aufgefunden hatte, während ein drittes Kind mit schwachen Lebenszeichen geborgen und in ein Krankenhaus geschafft worden war. Die Ermittlungen der Kriminalbeamten ergaben» daß der Vater der Kinder seit längerer Zett in einer Heilanstalt weilt, während die Mutter sett mehreren Tagen nicht mehr in der Wohnung gesehen worden ist. Aeußere Anzeichen eines gewaltsamen Todes konnten bei den. kleinen Leichen nicht gefunden werden. Der Arzt der Kommission stellie fest, daß die Kinder etwa am Freitag gestorben sein müssen.. Die Leichen wiesen starke Be r- wa h rlosun g und E n t k r ä s i u n g auf Die Polizei hat die Ermittlungen nach dem gegenwärtigen Aufenthaltsort der Mutter aufgc- nommen. Junkers gestorben. An seinem 78. Geburtstage ist Sonntag Professor Hugo I u n k e r s an seinem Ruhebesitz in Gauting bei München nach längerem Leiden gestyrben. Junker s, der im Jahre 1888 in Dessau eine Versuchsanstalt für Gaskraftmaschinen gründete, wandte, sich später vor allem dem F k u g z e u g b a n zu und schuf- im Jahre ISIS das e rste G an z m e t a l l- f l u g z e u g der Welt mit freitragenden Flügel,'. 1928 folgte der Doppelkolben-Schweröl-Mug- motor und im Jahre 1830 das erste G r o ß v er- kehrSflugzeug„G. 38". Als Schöpfer und Leiter der weltberühmten Junkers-Werke in Dessau, der größten deutschen Flugzeugfabrik, war Junkers einer der bahnbrechenden Forscher des deutschen Flugwesens. Die Stadt Frankfurt Erbin eine- Sträflings? Im Gefängniskrankenhaus zu Albany im Staat New Dort verstarb am Freitag der Strafgefangene AlphonS S t e p h a n i. In seinem Testament vermachte er sein gesamtes Vermögen der Stadt Frankfurt a. M. Stephani hinterläßt allein auf einem von mehreren Bankkonten angeblich 283.000 Dollars. Die Höhe seines übrigen Vermögens ist noch unbekannt. Gegenwärtig prüft die Staatsregierung die Gültigkeit des Testaments. Stephani war im Jahre 1891 wegen Mordes verurteilt worden. Eine Neunjährige ermordet. In S ch w a»g- st o r f, im Regierungsbezirk Osnabrücks wurde ein neunjähriges Mädchen auf dem Schulwege ermordet. Die Eltern vermißten das Kind in der Mittagszeit und fanden es bei her Nachsuche in einem Tannenwald tot auf. Der Tatverdacht lenkt sich auf einen jungen Burschen, der sich in der Nähe des Tatortes Herumgetrieben hatte. Drei Sträflinge im Arrest verbrannt. In dem polnischen Städtchen Stoczek brach in der Nacht auf Montag im Pölizeiarrest ein Brand aus, der in kurzer Zett das Gebäude vollkommen einäscherte. Drei Häftlinge, die im Polizeiarrest untergebracht waren, fanden in der geschlossenen Zelle den Tod. Vom Rundfunk tafMlMiwlu mm dM PrograMM«! Mittwoch: Prag, Sender L: 10.08: Deutsche Nachrichten. 11: Schallplatten, 12.10: Leichte Musik, 13.45: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.55: Bücher guter Schriftsteller, 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Maras: Aus dem tschechoslowakischen Kulturleben, 18.30: Arbeiter fendung: Franz M y k u r a: Ueber den Arbeiterwintersport, 18.80: Sozialinformationen, 20.10: Frauenchöre. Sender S.: 14.20: Konzert des Salonquartettcs, 15: Deutsche Sendung:' Kinderstunde.— Brünn 12.10: Ar« beitsmarkt und soziale Informationen, 17.50: Deuffche Sendung: AuS Operetten und Tonfilmen, 20.10: Violoncellokompositionen.— Mätzr.-Ostran 13.45: Leichte Musik.— Prrßburg 15.55: Orche- sterkonzert, 17.10: Harfentrio, 18.25: Tanzmusik. '— Kascha« 20.50: Orchesterkonzert. Nr. 30 Dienstag, 5. Feder 1935 Seite 5 t PRAGER ZEITUNG Sport• Spiel• Körperpflege Ablauf von drei Fahren gefüllt sein wird, ist dazu ^bestimmt, die Städte von Süd-Kalifornien mit Wasser zu versorgen und große Gebiete fruchtbar -zu machen. Ferner wird es elektrische Kaft liefern und der Gefahr von Ueberschwemmungen ein Ende machen. Die gesamten Unkosten des Baues «beliefen sich auf 385 Millionen Dollar. Der Bau -hat nur 4sH Iahre in Anspruch genommen, während ursprünglich 7 Jahre vorgesehen waren. Beulenpest im Oranje-Freistaat London. Nach einer Meldung aus Johannesburg ist im nördlichen Teil des Oranje-Freistaates die Beulenpest ausgebrochen. Ueber 30 Personen, darunter fünf Europäer, sollen bereits gestorben sein. Die Ratten, die die Krankheit verbreiten, sterben zu Tausenden. Das Gesundheitsamt hat eine besondere Truppe in den Bezirk geschickt, die die Ratten mit Giftgas bekämpft. Die Arbeit wird dadurch erschwert, daß eine außerordentlich große Getreideernte die Ratten aus änderen Bezirken herbeigelockt hat. Die letzten Opfer der Seuche waren mehrere europäische Schulkinder; man hofft jedoch, daß es gelingen Wird, ihr Leben durch schleunige Impfungen zu retten. London. Wie aus New Dort gemeldet wird, ist der Bau der großen Talsperre am Colorado-Fluß beendet. Donnerstag abends wurde damit begonnen, das 1340 Tonnen schwer« Tor in das Flußwaster zu senken. Freitag vormittags hatte es den Boden des Flußbettes erreicht und der Stausee begann sich zu bilden. Das riesige Staubecken- das eine Länge von 180 Kilometer hat und erst nach Todesopfer des Antisemitismus Setief(Algier). In der Nacht zum SamS- tag kam es hier zu blutigen Ausschreitungen, die vielfach antijüdischen Charakter trugen. Bei diesen Ausschreitungen wurden zwei Perso- fonen getötet, fünf verletzt, darunter auch Polizisten. Die Menge griff fünf Kaffeehäuser an, von denen zwei vollständig verwüstet wurden. Auf ein Gebäude wurde ein Angriff mit Steinen unternommen. Die Gemeinde Prag kaust das Siebener Gaswerk In der gestrigen Sitzung der Zentralvertretung der Stadt Prag wurde der Antrag des Stadtrates mst der erforderlichen Mehrheit angenommen, wonach die Stadt Prag von der Gesellschaft »Imperial Continental Gas-Association in London" die Liebener Gasanstalt nm den Gesamtbetrag von 14 Millionen Kö kauft. Bon diesem Betrage entfallen der Teilbetrag von 3,177.500 auf Grundstücke, der Betrag von 10,822.500 auf die übrigen Einrichtungen und das Zubehör der Gasanstalt. Von nun an wird somit die gesamte Versorgung der Prager Bevölkerung mit Gas von der Stadt Prag selbst besorgt werden. Die Brünner Zidenire befindet sich derzeit wieder im Süden, und zwar auf der Insel M a I ta Am Samstag schlugen die Brünner eine englische Flieger-Elf mit 5:1(2:D) und Sonntag die Sliema Wanderers mit 2:1(1:0). Tepliher FK. schlug in Teplitz den Reichender^ ger FK. 7:0(4:0) auf einem mit Schnee und EiS bedeckten Spielfelde. Blamierte„Europäer" In Zi» ri ch wurde am Sonntag ein Eishockeys, Match Kanada gegen Europa ausgetragen, das für die sogenannte Europa-Mannschaft mit einer großen Blamage endete. Die^Europäer" wurden nämlich' von dem kanadischen VereinSteam(!) Winnipeg Monarchs mit nicht weniger als 15:1 (5:0, 6:1, 4:0) abgefertigt.— Im Jahre 1933 schlug Kanada nach den Weltmeisterschaften in Prag ein„Europateam" bloß 2:0! Eishockey-Ergebnisse. Die Prager Slavia schlug in Orlau den SK. 9:0.— In Cortina d'Ampezza errang Sparta Prag erstmals«inen Erfolg auf ihre: Tournee; sie schlug den dortigen HC. 4:2.— Das polnische Nationalteam wurde in Troppau vom EV. knapp 2:1 geschlagen.— Die Winnipeg Monarchs' spielten Samstag in Zürich unter Teilnahme von drei Schweizern ein Match„Kanada—Kanada", das 6:6 endete.— In Garmisch-Partenkirchen fand das Meisterschaftsspiel Rießersee gegen Rastenburg statt, das Samstag 0:0 und Sonntag, neu ausgetro-^t, erst nach dreimaliger Verlängerung mit dem 1:0- Sieg« der Rießerseer endete. Internationale EiSwettkämPfe in Troppa«. Im Eiskunstläufen gewann bei den Frauen Dietz (Graz) vor Hohlbaum(Troppau) und bei den Mm- Nerin Pataki(Budapest). Im Eisschnelläufen siegte über 500 und 1500 Meter Turnovsky(Prag) in 47 Die Tischtennis-Meisterschaften des Prager DTJ-Kreises wurden am Sonntag beendet. Die Wettkämpfe, an denen sich rund 70 Männer und Frauen, beteiligten, nahmen einen schönen und anregenden Verlauf und ergaben folgende Meister: Männer-Eiüzel: Pospi- Sil...'•'■■■■ /y Gcricntssaal Um drastisch Selbstmord vorzutäuschen kaufte er Rinderblut. Prag. Die Ehe des 32jährigen Schlossers Ferdinand Keil' aus Riöan war schon seit Jahren nicht die glücklichste. Keil steht im Ruf eines Rohlings und als ihn seine Frau vor einiger Zeit verließ, gaben ihr die Nachbarn vollkommen recht. Montag saß Keil auf der Anklagebank vor dem hiesigen Strafsenat Waldmann und im Verlauf der Verhandlung ergab sich, daß der üble Ruf des Angeklagten keineswegs aus der Luft gegriffen war. Bereits zweimal war er wegen, schwerer Mißhandlung und Bedrohung seiner Gattin angeklagt gewesen und entging damals der Verurteilung nur deshalb, weil ihm die Frau vor Gericht verzieh ünd sich der Aussage entschlug. Diesmal, also das drittemal. kam Keil nicht so glimpflich davon.. Er war der gefährlichen Drohung angeklagt. Am 2. Dezember v. I., krachte nachts vor dem Häuschen seiner Frau, die seit zwei Monaten. von ihm getrennt im Dorfe D o u b e k lebte, ein S ch u tz. Es folgte ein Stöhnen und Röcheln und als Frau Keil entsetzt vor die Türe lief, wurde ein zweiter Schuß abgefeuert. Schon waren aber beherzte Nachbarn zur Stelle, die den flüchtenden Schützen verfolgten und festnahmen. Man stellte in ihm den Angeklagten fest, der bei seiner Verhaftung wild« Verwünschungen und Drohungen gegen sein« Frau ausstieb. Er bedauerte.„daß es diesmal nicht gelungen sei" und verschwor sich, sie das näch- stemal ganz sicher a b z ü m u r k s e n". Da«r außerdem seine Gattin seit Aufhebung der ehelichen Gemeinschaft unabläffig mit Drohungen verfolgt hatte, wurde der Verdacht rege- erhob« 'einen Anschlag gegen's«me Frau geplant und sie aus die geschilderte Art vor das Haus locken wollen. Keil verantwortete sich damit, er habe lediglich einen Selb st mord Vortäuschen wollen, u m ihr Mitleid zu erwecken und dadurch zur Rückkehr zu bewegen. U. ck. stellte er auch unter Beweis, er habe sich im Schlachthaus Rinds- blut besorgt, mit dem er sich das Gesicht beschmieren wollte, damit d e r b a r g e t ä u s ch t e Selbst.- mord natürlicher wirke. Aber die vor mehreren ZeuHn auSgestoßenen schweren Drohungen konnte er nicht in Abrede stellen und da seine Frau diesmal, gewitzigt durch die bösen Erfahrungen, keine Lust zur Nachsicht hatte, sondern erklärte, daß sie„b e g r ü n d e t e Furcht" empfunden habe, wie sie zur Verurteilung nach diesem Paragraphen erforderlich ist. wurde Keil denn auch schuldig erkannt und zu vier Monaten schwe- renKerkers unbedingt verurteilt. Reue Markthallen in Paris. In Anwesenheit des Innenministers fand Sonntag die feierliche Grundsteinlegung zu den neuen Gebäuden der Pa- Äser Zentralmarkthall«» statt. Die gegenwärtigen, im Jahre 1851 erbauten Pariser Markthallen entsprechen sowohl in hygienischer Hinsicht als auch durch ihren Umfang weitaus nicht mehr den Bedürfnissen. Außerdem ist das Pariser Viertel inmitten der Stadt täglich hiS in die Mittagsstunde von den Wagen der Marktfahrer völlig blockiert. Der Antrag, die neuen Markthallen an der Peripherie der Stadt zu erbauen, drang nicht durch und die neuen Markthallen werden an der bisherigen Stell« errichtet werden. Mit d«m Flugzeug auf Tournee. Der bekannte Pariser Theaterschriftsteller Sascha Guitry will mst seiner Theatergesellschaft eine Tournee nach europäischen Großstädten organisieren, zu welchem Zwecke er Flugzeuge benützen will Er wird im September mit seiner Gesellschaft auf einem von dem bekannten Ozeanflieger und Rekordmann CodoS gesteuerten Gro ßflugzeug starten. Die Ge- neralprobe zum Tournee-Programm wird noch in -Paris abgehalten werden, während bereits am nächsten Tag die Premiere in einer europäischen Hauptstadt und gleich darauf die Wiederholungen, und .zwar jeden Abend in einer anderen Metropole stattfinden werden. Der„Excel- sior", der diese Nachricht bringt, bemerkt, dies sei der erste Fall eines so engen Zusammenwirkens der Kunst mit den Errungenschaften der modernen Technik. Schließung der Klöster auf dem AthoS. Die griechische Regierung beabsichtigt, sämtliche Klöster au« dem Berge Athos zu schließen. Da die Einkünfte der Klöster von Jahr zu Jahr sinken, waren bedeutende Zuschüsse erforderlich. Vor dem Kriege lebten auf dem Athos 15.000 Mönche. Die zahllosen Pilger brachten reiche Spenden. Auch aus Rußland kamen große Za- wendungen. Alle diese Quellen sind jetzt versiegt. 1980 war die Zahl der Mönche bereits auf 2500 gesunken. In mehreren leerstehenden Klöstern wurden Flüchtlinge aus Kleinasien untergebracht. Nun.sollen auch .dst letzten Klöster geschlossen wefden. ,In fchen Orffeüttichkeit hat daS'Ende-dtr wNWekanrirert Mönchsrepublik wider Erwarten keinen großen Widerspruch gefunden. Man erklärt, der Grund liege darin, daß, wie man im Volk munkele, die Mönche vom Athos sich nicht allzustreng an die Klosterregeln halten. Die Staatslahndirektion in Prag fertigt jeden Samstag einen Motor-Sonderzug nach Johannisbad im Riesengebirge für 75 llö ab. Im Preis« sind Nachtlager, Frühstück, Autobusfahrt vom Bohnhof zum Hotel und Versicherung inhegriffen. Außerdem Wird jeden SamSiag ein Motor-Svnderzug für 90 llä abgefertigt werden. Im Preise sind die Unterbringung in der Sokolbaude und die Seilbahn auf den Schwarzen Berg inbegriffen. Anmeldungen mst einer Anzahlung von 10 KC spätestens' bis Freitag 17 Uhr im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon Nr. 383—35. Zugsunglück in Schweden. Zwischen Malmö und dem Eisenbahnknotenpunkt Arlöv fuhr am Sonntag ein aus Lund kommender elektrischer Zug auf einen Personenzug auf. Dabei wurden der letzte Wagen des angefahrenen Zuges schwer beschädigt und etwa 20 Personen verletzt. Zur Zeit des Unglückes herrschte ein schwerer S ch n e e st u r m und man nimmt an, daß der Führer des Lunder Zuges seine ganze Aufmerksamkeit auf die elektrische Leitung gerichtet und die Signale außer Acht gelassen hatte. Fliegertod. In der Nähe von Marseille ßurde ein motorloses Flugzeug in der Höhe von 1500 Metern, von einem heftige» Windstoß«.«!-' faßt, durch-.den.der Piwt'. aus-dem" Mügzeüg.geschleudert wurde. Bei dem Absturz fand der Pilot dm Tod. Zwei Häftlinge in der Zelle verbrannt. Im Polizeigefängnis des Städtchens Stoczek im Kreise Lukow geriet in einer Zelle ein Stroh- s a ck durch eine Zigarette in Brand. Ehr die Schreckensrufe der Gefangenen gehört wurden und die Zelle geöffnet werden konnte, verbrannten zwei der Häftlinge völlig; ein d r i t t e r wurde in hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus geschafft. Gesunken. Nach einer Mitteilung aus Jinglau(früher Ninschang) ist der 600 Tonnen große japanische Dampfer„Sato Maru" mit seiner gesamten Besatzung von 26 Köpfen gesunken. Der Dampfer, der auf dem Wege nach Dairen war, hat anscheinend infolge heftigen Sturmes eine Beschädigung der Funkanlage erlitten/ so daß er keine Hilfe anfordern konnte.— Beim Verlassen des Lissaboner Hafens stießen die beiden portugiesischen Schiffe„Fiuminense" und„Jupiter" zusammen. Dabei sank der„Jupiter". Seine Besatzung wurde bis auf einen Mann gerettet. Explosion tötet drei Arbetter. In L o r i e n t (Frankreich) explodierte infolge Berstens des unteren Teils eines Hochofens ein mit glühendem Stahl gefüllter Behälter. Bei der Explosion wur- den drei Arbeiter getötet und sieben leicht verletzt. Saarweisen im Elsaß. Das plötzlich« Anwachsen der autonomistischen Propaganda im Elsaß wird in Frankreich auf Nazigelder zurückgeführt, die nun nach der Saarabstimmung anderswohin Dirigiert werden. Eine beweiskräfttge Bestätigung findet diese Meinung durch die neuerdings im Elsaß und auch in Lothringen entfachte antijüdische Boykostpropaganda. Am letzten Wochenende waren tausend« Mauern, Fenster, Straßenlampen und selbst hie Wände öffentlicher Gebäude mit Klebezetteln öehaftet, auf denen die„Christen" aufgesordert wurden, jüdische Geschäfte zu meiden. Die Hetz» Plakate tragen als Zierde eine Wolfsangel. Bereits tauchen auch Auslageschilder„Deutsches Geschäft" auf. Plötzlich schläft sie ein tPS.) In Wimbledon lEnaland) lebt«in 93« jähriges Fräulein bescheiden und zurückgezogen in einem kleinen Zimmer über einem Geschäftslokal. Sie leidet an einem merkwürdigen Zustand, der ihr selbst und auch den Acrzten seit Jahren schon ein Rätsel ist. Dieses Fräulein Ellinor Coburn verfällt nämlich von Zeit zu Zeit in einen tranceähnlichen Schlaf, der achtundvierzig Stunden und manchmal noch länger anhält. Dieser 2chlafzuftand überfällt sie jäh und unvermittelt ohne vorherige.warnende, Anzeichen. Eben noch ftisch und munter, schläft sie vlötzlich ein. um nach etwa zwei Tagen eben so plötzlich zu erwachen, wobei sie jedesmal wie verjüngt wirkt. Das alte Fräulein macht nach dem Erwachen einen frischen rosigen Eindruck ünd nimmt sofort lebhaft an ihrer Umgebung Anteil.' Sie schreibt viele Briefe an«inen ausgedehnten Bekanntenkreis, vfteat mannigfache Interessen und' liest viel und mst Vorliebe Bio- araphien großer Persönlichkeiten. Während ihres eigenartigen Schlafzuftandes wird sie von ihrer Pfle- aerin ernährt. Vorsichtig wird ihr etwas Suppe und Hühnerfleisch eingeflößt. Die Schlafende schluckt im allgemeinen automattsch. Manchmal allerdings verweigert sie die Nahrungsaufnahme. Dann muß man warten, bi? sic aus ihrem seltsamen Schlaf erwacht und wieder mit bestem Appetit allein speist. Ueber die Ursache dieses naturwidrigen Schlafes beftagt. versucht Miß Coburn folgende Erfläruna zu geben:„Ich hin Amerikanerin, lebe aber seit fünfzig Jahren in England. Ich pflegte meine Mutter, die neun Jahre krank war. und habe in den Jahren sehr wenig geschlafen. so daß man sich vorstellen könnte, daß mein Körper sich jetzt dafür rächst Ich habe genug gearbeitet und genug gelebt und möchte nicht 100 Jahre alt werden. Es Macht mich unglücklich, daß kb so lange ununterbrochen schlafen muß‘ Ich träume dabei nie. Ich habe das Gefühl, daß ich in der Zeit schon aus der Welt verschwunden hin. und nur ein merkwürdiges Schicksal mich immer wieder erweckt, denn ich bin doch eigentlich alt genug, um für immer schlafen zu gehen." Aerzte. die sich sehr für den Fall interessieren, wissen keine medizinisch stichhaltig« Erklärung für den eiu- zigartigen Zustand des alten Fräuleins „Salon regierte ein Jahr", so formulierte der Redner sein anti-diktatoriales Bekenntnis,„Cincin- natus nur sechs Monate... die heutigen Führer, so steht zu befürchten, kommen sich picht so schnell überflüssig vor. Geht eine Diktatur nicht bald zu Ende, so wird sie zur Tyrannest Keine Not der Zeit vermag die allgemeine Heuchelei einer vorgetäuschten Gemeinschaft zu entschuldigen, eines erzwungenen Lippenbekenntnisses, das di« Geschlossenheit des Volkes untergräbt und zerwühlst, statt zu vereinigen. Das Fehlen jeder öffentlichen Kon- troll« wird immer mehr schmerzlich vermißt und die Korruption kann ungehemmt walten, wenn sie nicht öffentlich an den Pranger gestellt werden darf. Das für die antidemokratische„Führer"-Periode typische und symbolische Ausdrucksmittel scheint Gomperz der R u n d f u n k zu sein, da am Mikrophon, dem Redner niemand widersprechen könne.„Er kommt, brüllt und siegt!" Nach dieser. Abrechnung mit der „Weltanschauung" des„politischen B ri«f- st e l l e r s"(weder Hitler noch Schuschnigg wurden erwähnt—) wandte sich der Gelehrte gegen«ine gewisse Presse„von Soldjchreibern, Ignoranten. Erpressern und Sensationsgierigen", die die Presse- freiheit in Anspruch nimmt, sie mißbraucht und kompromittiert.„Das sind Leute, die weder die Sprache kennen, in der sie schreiben, noch den Gegenstand, über den sie schreiben", So sei-die Pressefreiheit ein Problem, das man gleichsam in der Schwebe lassen müsse, da auch dem Zensor vielerlei Bedenken entgegengebracht werden müßten. • Der Redner schloß, unserer Meinung■ nach allerdings durchaus abwegig, mit dem Ruf nach einem wirtschaftlich geftstigten Mittelstand, der, ea ausgesprochen liberaler Illusionismus, allein eigen neuen Widerstandsblock gegen geisttge Versklavung und Uniformierung«nttvickeln könne. Ein Referat, das manchen scharfen Widerspruch, vielfache Zustimmung und in jedem Wort gespanntes geistiges Interesse erweckte. Pierre ner etwas „Grundsätzliches und Soziologisches zur Krise des Toleranzgedankens" benützte der"bekannte Gelehrte zq einer ttefgreifenden, aktuell-mutigen Stellungnahme mit vielen glücklichen und auch dialektisch brillanten Prägungen. Gomperz' Ausführungen waren, als Ganzes genommen,«in kompromißloses Plaidoyer für die geistige und,