Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto) IE HTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH FRÜH, mdAktion und Verwaltung nag xii, fochova«l Telefon 53077. AOMHSiunoNTUPONnK, HERAUSGEBER SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURS WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 15. Zahrgang Donnerstag, 7. Feber 1935 Nr. 32 Deutschland macht Schwierigkeiten Zögernde Haltung zu den Londoner Vereinbarungen Prag. Die Londoner Vereinbarungen scheinen für die Berliner Regie» rung eine harte Ruß zu bedeute«. Die vorliegenden Berichte stimmen darin überein, daß die Reichsregierung k e i n e E i l e zeigt, ihre Friedensbeteuerungen bei diesem Anlaß zu unterstreichen. Der„Völkische Beobachter" veröffentlicht einen sehr unfreundlichen Artikel über die französisch-englischen Anträge, worin wieder die Ablehnung desOstPak- tes recht deutlich ausgesprochen wird. Deutschland hat nach den Ausführungen dieses recht maßgebenden Parteiblattes seine eigene Borstel- l u n g von der Lösung des Sicherheitsproblems. Aus dem„Völkischen Beobachter" geht weiter hervor, daß das heutige Deutschland sehr wenig Neigung verspürt, sich in ein europäisch es Sicherheitsshstem einzugliedern. RI Arbeitsbeschaffung und Neuwahlen Der Standpunkt der tschechischen Sozialdemokraten Prag. Der Parteivorstand der tschechischen Sozialdemokraten befaßte sich Mittwoch eingehend mit der innerpolitischen Situation und den Aufgaben der Regierung. Eisrnbahnminister Genosse 8 e ch y» i berichtete über eine unter den Koalitionsparteien erzielte Berständigung, den regulären Verfaffungstermin für die parlamentarischen Neuwahlen einzuhalten, die Wahlen also erst im Herbst zu absolvieren. Der Minister gab weiter bekannt, daß die Verhandlungen über die Einführung der Bierzigstnndenwoche unmittelbar vor dem Abschluß stehen, daß ferner auch die Verhandlungen über das Arbeitsvermittlungsgesetz und den Ausbau der prod«ktiven Arbeitslosenfürsorge günstig fortschrritrn und dieses Programm zusammen mit den landwirtschaftlichen Angelegenheiten noch vor den Reuwahlr« ausgetragen Werden wird. Fürsorgeminister Dr. Meißner .erstattete einen ausführlichen Bericht über die in den letzten Tagen vereinbarte Vorlage betreffend die Sanierung der Selbstvrrwaltungsfinanzen und über einige sozialpolitische Angelegenheiten, wobei er sich besonders mit der sozialen Seite der Hebung der Investitionstätigkeit befaßte. Er gaß bekannt, baß dir Verständigung übe, di, Erschließung der zur erhöhten JuoestitiouS- tätigtest erforderlichen Geldquellen in ihren Grundzüge« bereits erzielt ist. Schwierigkeiten bei der Saar-Uebergabe Der DrelerausschuB soll entscheiden Base 7. Die französisch-deutschen Verhandlungen über das Saargebiet wurden Mittwoch dopmittags beendet, ohne daß eine endgültige Vereinbarung über die strittigen Punkte des Eisenbahnabkommens erzielt worden" wäre. Die Mitglieder der französischen Delegation Rueff und Lacour-Gayet sind nach Rom abgereist, um Baron Aloisi über die Anträge ), der Vereinbarung zu berichten. Zwischen den Delegationsmitgliedern wird die Diskuffion fortbesetzt. Basel. Wie die Schweizer Telegrqphen- Agentur meldet, wurden die französisch-deutschen Schwierigkeiten bei den Saarberistungen dadurch verursacht, daß die französische Delegation die Ergebnisse dieser Beratungen als bloße Empfehlung ansieht, während sie die deutsche Delegation als endgültigen Vertrag betrachtet. In informierten Kreisen glaubt man, daß die Beratungen des Dreierausschusses für die Saarfragen am Donnerstag abgeschlossen sein werden und wahrschein- ! lich zu einer Aenderung der Vorschläge führen werden.’ Schwere Verstimmung Amerikas gegen Rußland Washingt a n. AlS Folge des Abbruchs der amerikanisch- sowjetrussischen Schuldender- bandlungen hat das Weiße HauS am Mittwoch sine demonstrative Einschränkung der diplomatische« Beziehungen zur Sowjetunion angeordnet. Der Marineattachs sowie der Luftfahrtattache werden aus Moskau zurückgezogen. Das amerikanische Generalkonsulat in Moskau wird vollkommen aufgelöst, und das Personal der amerikanischen Botschaft wird erheblich eingeschränkt. Wahlen in Jugoslawien Wendung zur Demokratie? Belgrad.(Tsch. P^B.) Mittwoch wurde durch eine« Akas des Regentschaftsrates die gegenwärtige Skup- schtina aufgelöst, die Neuwahlen werde« für den 5. Mai ausgeschrieben. Die neue Skupschttna wird zu einer außerordentlichen Tagung für den 3. Juni \ laufenden Jahres einberufen. Simon nach Berlin oder Göring nach London? London.(Reuter.) In politischen Kreisen nimmt man an, daß man erst nach Eintreffen sämtlicher Antworten der interessierten Mächte, Deutschland inbegriffen, entscheiden werde, ob Sir John Sjmon nach Berlin zu den Beratungen über die englisch-französischen Vereinbarungen reisen M o s k a«. I» Stalina wurde die Kommunistin Priwalichina erschossen aufgefunden. Die Beamten des Bundeskommissariats nahmen mehrere Personen fest, darunter den Arbeiter Poljakow, der de« tödliche« Schuß abgegeben hat. Es wird. Man erwartet, daß die deutsche Regierung die formelle Antwort auf die neue FriedensiNi- tiative etwa in zehn Tagen erteilen wird— „Daily Mail" teilt hiezu mit. daß sich, falls kein britischer Minister nach Berlin kommt, der preußische Ministerpräsident G ö r i ng in seiner Eigenschaft als Reichsminister für Luftschiffahrt nach London begeben wird, um dort über den Vorschlag bezüglich eines FIugabkommens Verhandlungen zu pflegen. handelt sich um einen politischen Mord. Die Priwalichina war in Stalina als eine der eifrigste« Kommunistinnen bekannt und leitete die dortige Organisation der Gottlosen-Bewegung. Zuviel Mcnsdien? Das Statistische Staatsamt veröffentlicht eine Reihe von Ziffern über die Entwicklung unserer Auswanderung, die zu ernstem Nachdenken anregen. Mit dem Verlauf der Krise schrumpfen nicht nur die inländischen Arbeitsmöglichkeityn zusammen, es wird zugleich für unseren Menschen- Überschuß immer schwerer, außerhalb der Grenzen einen auch noch so bescheidenen Existenzboden zu finden. Im Konjunkturjahr 1828 sind aus der Tschechoslowakei noch 29.000 Personen ausgewandert, im Krisenjahr 1933 nur noch 4831. Das Jahr 1934 verzeichnet einen mäßigen Anstieg auf 5047 Auswanderer, was aber an der allgemeinen Tendenz der europäischen und Weltabschnürung nichts ändert. Die Zusammenschrumpfung der Einwanderungsmöglichkeiten ist gleichermaßen ans den Kontinent, wie in Amerika drüben festzustellen. Wenn die Vereinigten Staaten im Vorjahre nur noch 843 tschechoslowakische Staatsangehörige aufnahmen und Kanada 881, so fällt das praktisch überhaupt nicht mehr ins Gewicht. Südamerika, dessen wirtschaftliche Aufschließung noch nicht vollendet erscheint, vermag für diese verlorenen Chancen keinen nennenswerten Ersatz zy bieten. Auch die europäischen Länder verschließen sich immer mehr dem Zustrow fremder Arbeitskräfte. Frankreich hat 1933 noch 1957 Tschechoslowaken ausgenommen, 1934 nur wehr 1432. In anderen Staaten kommen höchstens einige Dutzend Qualitätsarbeiter unter, die von dort aus die heimische EKortindustrie konkurrenzieren. Sehr bedeutend ist die Verringerung der Zahl der landwirtschaftlichen Saisonarbeiter, die alljährlich von der Slowakei und von Mähren aus zum größten Teil nach Oesterreich, zum geringeren- Teil nach Deutschland auf Erntearbeit gingen. 1928 bis 1930 waren ihrer noch durchschnittlich 20.000 Personen, 1934 nur mehr 7000. In diesen Ziffern spiegelt sich die technische Rationalisierung der. Landwirtschaft und die Reorganisierung Mitteleuropas, welche die landwirtschaftliche„Leutenot" in den Industrieländern allmählich überwindet. Das Heer der Arbeitslosen und des jungen Nachiouchses findet sonach auf der Existenzsuche nicht nur verschlossene Fabrikstore, sondern auch versperrte Grenzen vor. Die Verschärfung der sozialen Spannungen, die daraus erwächst, soll nicht übersehen werden. Es darf nicht vergessen werden, daß die Provinzen der heutigen Tschechoslowakei schon in den Jahrzehnten vor dem Kriege einen bedeutenden Teil ihres Menschenüberflusses in das Alt- und Neuausland abströmen ließen. Auch in den Zeisen der industriellen Aufblüte ergoß sich aus Böhmen und Mähren ein Strom von Auswanderern und Saisonarbeitern nach Wien und Deutschösterreich, in die Industriezentren Deutschlands und nach Nordamerika hinüber. Die Tschechen und Slowaken sind durch ihre Wanderlust bekannt und gerade in der Slowakei hat die Auswanderung nach Amerika eine bedeutende Rolle gespielt. Daneben suchten auch die Sudetendeist- schen gerne auswärtige Arbeitsplätze auf. Für viel« unserer deutschböhmischen Grenzüezirke ist die Wanderarbeit eine wirtschaftliche Haupteinnahms- quelle gewesen. Die südböhmischen Fortgeher und die Sachsengänger des Egerlandes und des Erzgebirges, find jedes Frühjahr zu vielen Tausende» ausgeschwärmt. Von den Arbeitsstätten in Wien oder Deutschland sandten.sie ihre Ersparnisse heim, die sie über den Winter mit den Familien verzehrten, in der berechtigten Hoffnung auf neuen Saisonverdienst. Längs der böhmischen Grenze waren weitere Tausende in den bayrischen Forsten, in den sächsischen und schlesischen Fabriken beschäftigt. Diese Möglichkeiten sind nun bis auf kümmerliche Reste verschüttet. Die Welt ist klein geworden. In knapp zwei Jahrzehnten hat sich der soziale Aktionsradius unserer arbeitenden Menschen unerhört eingeengt und es klingt für die Nachkriegsgeneration recht unglaubwürdig, wie viele vollbeladene Arbeiterzüge vor dem Kriege durch die Bahnhöfe von Eger, Gmünd oder Luit» denburg gerollt sind. Das Kapital hat trotz aller Devisenmaßnahmen im wesentlichen seine Freizügigkeit behauptet. Kapital und Maschinen können auswandern, die überflüssigen Menschen müssen daheim bleiben. Aus diesem tragischen Tatbestand sind einige politische Folgerungen zu ziehen. Er spricht vor allem gegen die Scharlatane im sudetendeutschen Lager, welche den Hauptteil der Krisennot aus nationale Ursachen zurückführen möchten. Gewiß Frankreich hält am Ostpakt fest Die„Prager Presse" meldet a«S Paris: Entgegen gewissen in der sowjetrussischen Presse geäußerten Befürchtungen, daß die Londoner Abkommen das O st p a k 1-P r o j e k t gefährden könnten, wird an Pariser diplomatischen Kreisen in der bestimmtesten Weise betont, daß alle geplanten internationalen Pakte und Verträge ein»n teilbares Ganzes bilden und es daher ausgeschlossen ist, daß beispielsweise ein einzelner Pakt, wie das Lustabkommen, zu- standekommt, ohne daß gleichzeitig auch die anderen Verträge, welche die Sicherheit Europas garantieren sollen, unterzeichnet würden. Fascistische Schreckensherrschaft Todesurteil wegen kommunistischer Propaganda Massenprozesse— 13jährige als Angeklagte Das Kriegsgericht in Dünaburg(Lettland) verurteilte den 27jahrigen Angestellten Salman M u h r i n, der wegen kommunistischer Propaganda angeklagt wurde, zum Tode durch den Strang. Die Anklage gegen Mnhrin stützte sich ausschließlich ans Aussagen der Polizeispitzel«nd die bei Muhri« gefundenen verbotenen Drucksachen. Es ist das erste Todesurteil, das in Lettland wegen polttischen Vergehens verhängt wird. Im Lande herrscht darüber große Aufregung. Die Gerichtsverhandlung verlief bei geschlossenen Türen. Die lettischen Blütter dursten bloß in wenigen Zetten über das Artett berichten. Der Fall Muhri« ist bloß der Anfang. Zn der«Lchsten Zeit findet im Rigaer Kriegsgericht ein großer politischer Prozeß statt; unter den 22 Angeklagten befinden sich zwei IZjührige Knaben. Die politische Polizei bereitet zwei Prozesse gegen 20 frühere Mitglieder der sozialdemokratischen Partei vor, die man wegen Megaler Fortführung der verbotenen Partei beschuldigt. Auch diese Leute kommen wahrscheinlich vor das Kriegsgericht, auch ihnen droht— wie es der Fall Muhrin zeigt— die Todesstrafe. Fast sämtliche Verhaftete werden in der politischen Polizei schwer mißhandelt. Selbst im Dritten Reich oder im faseistischen Italien(von einem Kulturstaat zu schweigen) wurde noch niemand wegen Aufbewahrung verbotener Druckschriften, oder selbst wegen Propaganda zum Tode verurteilt. Der lettische Diktator, Herr A l m a n i s, hat augenscheinlich seine« Stolz darauf gesetzt, Hitler und Mussolini zu Übertrumpfen. Einer energischen Protestwelle gegen die faseistischen Barbarei würde es vielleicht gelingen, Muhrin und die anderen Opfer des faseistischen Terror- in Lettland zu retten. Politischer Mord In Russland Seite L Donnerstag, 7. Feber 1935 Nr. 32 Verfolgung Unschuldiger wird eingestellt Salzburg. Sämtliche im Lande Salzburg aus Anlaß der Feberereignisse des Vorjahres eingelei» teten und noch verhandelten gerichtlichen Verfahren haben nunmehr durch Einstellung ihren Abschluß gefunden. vermögen wirtschaftliche Großräume die Krise leichter zu überwinden, doch in diesem Stadium des wirtschaftlichen Niederganges könnten weder Wien, noch die Steiermark oder das Rheinland unseren Menschenüberfluß aufnehmen. Es schließt ja auch das nordamerikanische Hundertzwanzigmillionenreich fast hermetisch seine Grenzen und im Jnlande sperrt sich fast jeder Bezirk schon von dem anderen ab. Die Abschnürung der sozialen Wanderbewegungen ist eine Folge der kapitalistischen Strukturkrise, die den Kampf um den Arbeitsplatz innerhalb eines jeden Volkes und Landes gewaltig verschärft und die Menschen mit dem Wahn erfüllt, daß der Zugereiste ihnen das Brot wegesse. Helfen kann dagegen nur die Ueberwin- dung der Schrumpfungstendenzen des Spätkapitalismus durch neue planwirtschaftlich-sozialistische Wirtschaftsmethoden und keine nationale Ro«' mantik. Nicht zu übersehen ist aber, daß das fast gänzliche Aufhören der Auswanderung innerhalb unseres Landes den nationalen Kampf um den Arbeitsplatz an Heftigkeit steigert und vadurch das ganze Nationalitätenproblem noch mehr kompliziert. Der Existenzkampf und die ganze Aufmerksamkeit der überflüssigen Menschen konzentrieren sich auf den Sektor des öffentlichen Dienstes. Jede Landbriefträgerstelle, jeder freie Platz, fei eS für einen Aspiranten oder für einen Oberbauarbeiter, wird zum Politikum. Fede nationale Ungerechtigkeit bei diesen Entscheidungen wird unter solchen Umständen zehnfach schmerzlich empfunden. Wir können immer wieder die Wahrnehmung machen, daß die Stimmungen gegen die nationale Zusammenarbeit, wie sie unter den Sudetendeutschen anzutreffen find, hauptsächlich durch verfehlte Maßnahmen in der öffentlichen Personalpolitik genährt werden. Das Ausmaß der Berücksichtigung der .Minderheitsbürger wird zum Maßstab der nationalen Gerechtigkeit im Staate und der Bewährung der Demokratie. „Not rauft sich" heißt ein tschechisches Sprichwort. Es wäre ein Unglück, wenn sich an der heutigen Massennot eine Verschärfung der nationalen Gegensätze entzünden würde. Darum dürfen vor allem die personellen Entscheidungen im Sektor des öffentlichen Dienstes nicht durch das zahlenmäßige Schwergewicht des Mehrheitsvolles gefällt, sondern müssen nach dem menschlichen und sozialen Gleichheitsanspruch aller Bürger bestimmt werden. Je mehr nationale Gerechtigkeit der Staat in seinem unmittelbaren Hoheitsbereich walten läßt, desto erfolgreicher werden die aktivistischen Kräfte der'Minderheitsvölker den Standpunkt verfechten können, daß die Krisennot durch engsten Anschluß an den Staat und durch feste Zusammenarbeit seiner Völler bekämpft und überwunden werden muß. Es sind nicht zuviel Menschen auf dem Boden der Tschechoslowakei, wenn sich alle Gutgesinnten verbünden, um das soziale Dasein ihrer Bewohner auf neuer.Grundlage aufzubauen. In diefer geschichtlichen Druckzone muß sich der wirtschaftliche Optimismus des Tschechenvolkes bei seiner S.t aatsfchöpsung bewähren und die Deutschen dürfen sich nicht von ihm beschämen lassen. Hakenkreuzgesinnung vor dem Prager Strafgericht Der Gablonzer Nazi-Arzt Dr. Schicketanz klagt Gen. Dr. Strauß Genosse StrauB freigesprochen Prag. In unserem Reichenberger Bruderblatt„Freigeist" erschien am 2. September 1938 unter der Ueberschrift„Arbeiter und anständige Menschen seid auf der Hutl Ein Fall typifcher Hakenkreuz gesinnung" ein Artikel, in welchem ein Vorfall rargestellt war, der sich unmittelbar nach Beko ckwerden der Ermordung des Prof. Lessing beim Schaukasten der„Reichenberger Zeitung" in Gablonz abgespiell hat. „Während nämlich elfte große Menschenmenge im Schaukasten den Bericht über die Ermordung Prof. Dr. Theodor LeffingS laS— hieß «s in dem Bericht—, ging der Augenarzt Dr. Karl Schicketanz vorüber. Als er sich vergewissert hatte, um was es sich handelt, machte er folgend« wörtliche Bemerkung:„ES ist ja bloß ein Jude." Ein großer Teil der Anwesenden war Wer diese herzlose und gemeine Gesinnung so empört, daß sie gegen Dr. Schicketanz drohend Stellung nahm und dieser in die Konditorei Köhler flüchten mußte."— Herr Dr. Schicketanz sandte hierauf der Redaktion des„Freigeist" unter Berufung aus 8 19 des alten Preßgesetzes eine Berichtigung, in welcher er bestritt, gesagt zu haben, es handle sich„b l o ß um einen Juden" und in welcher er zugibt, er hätte gesagt,„wegen eines Juden, der früher Professor in Hannover war und in Marienbad ermordet wurde". Der„Freigeist" gab dieser Berichtigung mit folgender Bemerkung Raum: „Zu dieser von unS am 2. September gebrachten Meldung läßt unS Herr Dr. Karl Schicketanz aus Gablonz durch seinen Rechtsvertreter «in«§ 19-Berichtigung zugehen. DieHerren Berichtiger scheinen aber mit ihren Gedanken schon ganz im Dritten Reich drüben zu leben, weil ihnen offenbar entgangen ist, daß mit der letzten Pveßgeletz« Novelle der alte 8 1.9 außer Kraft gesetzt wurde und daß Berichtigungen nunmehr gestützt aitf die neuen pretzgesetzlichen Bestimmungen eingereicht werden müssen." Die Redaktion fugte u. a. noch folgendes hinzu: „Es dürfte unseren Lesern gewiß nicht schwer fallen, den Eiertartz, den Herr Dr. Schicketanz hier aufführt, gebührend zu bewerten. Im wesentlichen gibt der Berichtigende zu,, daß er vom „Juden" sprach, dar, was er noch beifügt«, mag ja für eine„Berichtigung" noch zur Not verwertbar sein, ändert aber nichts an der Tatsache, daß eine solche Bemerkung in jenem Augenblicke, wo ei» Mord verkündet wurde, dir DenknngSart d«S Herrn Dr. Schicketanz offenbarte.... Da er anf die Beifügung der Bezeichnung„Jude" nicht glaubte, verzichten zu können, so deutele er damit seine Verachtung deS Opfers«nd seine stille Zustimmung für die Tat an. Jedenfalls kennt der Herr Dr. Schicketanz daS Sprichwort:„Der Ton macht dir Mustk."... Zur Erklärung der Situ«, tion»nd der daraus stch ergebenden Beurteilung der Berichtigung genügt noch, zu sagen, daß Herr Dr. Schicketanz— Nationalsozialist ist." Durch diese Behauptungen fühlte sich Herr MUDr. Schicketanz in feiner Ehre verletzt und klagte den verantwortlichen Redakteur des„So zialdemokrat" und des„Freigeist", Genossen Dr. Emil Strauß, denn Straf-Kreisgerichte in Prag wegen Ehrenbeleidigung. Ueber diese Klage fand die erste Hauptverhandlung am 23. April 1934 statt. Bei dieser Hauptverhandlung trat der Verteidiger des Genossen Dr. Strauß, Genosse Dr. Schwelb, für dir Behauptungen des inkriminierten Artikels, welcher unter der Ueberschrift„Ein Fall typifcher Haksnkreuzgesin» flung". erschienen war, den WahrheitS» b e w e t s an und nannte eine Reihe von Zeugen des Vorfalles. Der Kläger führte einige Leumundszeugen sowie sich und seine Frau als Zeugen zu seiner Entlastung. Mittwoch fand nun vor dem Senat« deS OGR. v o b o d a di« fortgesetzte Hauptverhand« lung statt. Für den Privatkläger war Herr Dr. L o s e r t, für den Angeklagten Doktor E ch w e l b erschienen. DaS Gericht beschloß, die Beweise durch Verlesung der Zeugenprotokolle durchzuführen und ließ alle beantragten Beweis« zu, mit AuSnahm> der Einvernahme des Dr. Schicketanz als Zeugen, und zwar mit der Begründung, daß das Gericht eine ganz« Reihe unvoreingenommener Zeugen gehört hat und aus diesem Grunde di« Einvernahme des Privatllägers als Zeugen für unentscheidend und überflüssig ansirht. Die Zeugenaussagen geben nachstehendes Bild: Der von der Verteidigung geführte Zeuge Heinrich H o l l a s jun. gibt an: „Zur Zeit, als in der„Reichenberger Zeitung" die Ermordung des Prof. Lessing veröffentlicht war, stand ich in Gablonz vor der Filiale der„Reichenberger Zeitung" und mit mir noch viele andere. Auf einmal hört« ich hinter mir «ine Stimme, welche sagte:„Was ist denn hier eigentlich los?" Auf das hin drehte ich mich um und erkannte hinter mir den Dr. Schicketanz mit seiner Frau. Dies hatte Frau Schicketanz gesagt und daraufhin sagte Herr Dr. Schicketanz:„D e y Lessing haben sie erschossen, eS ist ja nur ein Jude", worauf ich erwidert«: „Ist ein Jude nicht ein Mensch wie jederandere?" Darauf gab er mir keine Antwort und ging mit seiner Frau auf dem Gehsteig gegen den Markt weiter. Die bei der Zeitung anwesenden Mitleser waren über die Aeußerung des Dr. Schicketanz sehr empört und als er sich umdrehte und dies sah und hörte, flüchtete er in die nahegelegene Konditorei Köhler und ging nicht heraus, bis wir weg waren. Ich kenne Dr. Schicketanz und feine Frau genau: und habe mich in seiner Person nicht geirrt." Di« Zeugen Rudolf Ullrich, Paulchv u b« s k y, Edmund Sommer, Rudolf Runge und Rudolf Simon bestätigten ebenso wie der Zeuge H o l l a s mit voller Bestimmtheit die im„Freigeist" wiedergegebene Aeußerung deS Privat- anklägerS. Da Herr Dr. Schicketanz zunächst angegeben hatte, daß er ein vollkommen politisch uninteressierter Mann sei, der sich nm Poli» ttk nicht kümmere und den Parteien auSweichr, kam die Zuschrift des Polizeikommissariates in Gablonz a. d. N. vom 7. Mai 1934 zur Ber» Ergreifender Abschied von Hans Jokl Massenbeteiligung der Arbeiterschaft bei der Beisetzung In Ostrau Im schwarz verhängten Saale des Troppauer Volkshauses wurden Mittwoch früh Hans Jokls sterbliche Ueberreste aufgebahrt. Mitglieder des Atus, der sozialistischen Jugend, der Roten Wehr, des Aruk, wachten an dem Sarge, der von zahllosen Vertretern des Senats, des Parteivorstandes, der Klubs der Abgeordneten und Senatoren unter Führung des Genossen Taub und der Kreisvertretung umgeben war. Während Jokls Freunde an der Bahre vorbeizogen, trat am Vormittag die Kreisvertretung im Beisein von Mitgliedern des Parteivorstaudes und der parlamentarischen Klubs zu einer Trauer- sihimg zusammen, in welcher Abgeordneter Genosse Heeger den Nachruf für den Genossen Jokl hielt. Lange vor Beginn der Trauerfeier begannen sich die Räume des Volksheimes zu füllen, so daß die Trauerfeier für die auf der Straße Harrenden mittels Lauffprechers übertragen werden mußte. Aus ganz Schlesien hatte die sozialistische Arbeiterschaft starke Delegationen entsandt, welche ihrem toten Freund und Vertrauensmann das letzte Geleite gaben. Groß war die Zahl der offiziellen Bertteter der Stadt und der staatlichen Behörden. Genossin Marie Jokl ist durch den schweren Schlag, den sie durch den Tod ihres Lebens- und Kampfgefährten erlitten hat, vollständig zusammengebrochen, und liegt so krank darnieder, daß sie sich an der Beisetzung ihres verstorbenen Mannes nicht beteiligen konnte. Die Feier wurde durch einen Bläserchor eingeleitet. Dann betrat als erster Genosse Soukup die Rednertribüne, um als Vorsitzender des Senats und als Vertreter der Tschechischen sozialdemokra- ttschen Partei Abschied von Hans Jokl zu nehmen. Er sagte: Was Genosse Jokl für die bessere Zukunft des deuffchen Proletariats geleistet hat, hat er mich für die ffchechische Arbeiterschaft getan. Deshalb neigen sich an seiner Bahre heute auch die sschechischen Arbeiter dieses Landes. Sie sind stolz mif sein Leben, welches stets der sozialistischen Idee gegolten hat. Wir danken, dir, Genosse Jokl, für alles, was du in deinem aufopfernden Leben getan hast. Wir werden dich nie vergessen. Genosse Abgeordneter Heeger sprach namens aller proletarischen Organisationen des Kreises: Wir wußten, daß Jokl krank war, doch auch jetzt noch können wir«S nicht fassen, daß dieser Mann der eisernen Energie und Widerstandskraft so plötzlich von uns gegangen ist. Was die schlesische Arbeiterschaft an ihm verloren hat, wird sie noch lange, lange schmerzlich empfinden. 27 Jahre lang hat Jokl auf schlesischem Boden gewirkt, 27 Jahre schlesische Parteigefchichte sind untrennbar mit seinem Leben verbunden. In Worten ist eS nicht zu kleiden, was er in dieser Zeit für die schlesischen Arbeiter geschaffen hat. Auf allen Gebieten der Bewegung war er tätig und überall stand er in der ersten Kampfteihe. Tausende suchten bei ihm Rat und jeder fand sein mitfühlendes Herz und volles Verständnis. Jokl war ein Mann von tiefer Lauterkeit der Gesinnung, er war aber auch ein Mann der Tat, war der Haft, an den wir uns in Zeiten der Not klammerten. In einer Zeit der schwersten Kämpfe stehen wir nun allein. Aber sein Geist ist unfer Lehrer und ihm geloben wir, alle Kräfte für die Ziele einzu- setzen, für die er gelebt hat und die auch unsere Ziel« sind. Im Namen des Parteivorstandes und für den parlamentarischen Klub sprach Genosse Senator Heller: Schmerzliche Lücken haben die letzten Jahre in unsere Reihen gerissen. Die Genossen Pohl, Löw, Jarolim und Beutel sind von uns gegangen, und heute bestatten wir wieder einen unserer ersten Vorkämpfer. Lange vor dem Kriege begann Hans Jokl als Organisator und Führer der Arbeiter zu wirken, er hielt sie auftecht, als die erste Enttäuschung nach den Wahlkämpfen kam und viele zu zweifeln begannen. Dann warf der Krieg die erstarkende Partei zurück. Seinem Ende folgte eine neue Welle der Begeisterung und wieder brach ein Krieg aus, diesmal ein Krieg unter uns felbst. Aber wieder rissen wir uns hoch und eroberten die Stellung zurück, die uns gebührte. Und wieder kam vom Ausland ein Krieg, und auch diesen werden wir bestehen. Wie kam eS, daß wir diesen Kampf siegreich überdauerten? Man hat uns alles nachgeahmt, die rote Farbe, unsere Lieder, unsere Forderungen, nur eines konnte man nicht nachahmen: den sozialdemokratischen Vertrauensmann. Er war es, der durch seine Kraft und Treue die Idee immer wieder zum Siege führte. Ein solcher Vertrauensmann war Hans Jokl, weit über den Durchschnitt hinausragend, er war ein Mann mit einem goldenen Herzen und einem klaren Verstände. Sein Herz flammte auf, wenn Arbeitern Unrecht geschah, sein Verstand ließ ihn aber sehen, was er für sie erreichen konnte. Davon ließ er sich leiten. So wurde er das Vorbild des sozial» demokratischen Vertrauensmannes, ein Muster nicht nur für die schlesische, sondern für die gesamte Arbeiterschaft. Run hat er u.is verlassen, aufgerieben von der Arbeit, aufgezehrt das Heiße Herz. Zum letzten Male nehmen wir Abschied von dir, Hans Jokl. Die Aelteren werden dich nie vergessen, den Jüngeren sollst du ein Vorbild sein. Hab tausend Dank für alles, lieber Genosse Jokll Die Troppauer Arbeitersänger sttmmten daS Lied„Dort unten ist Friede" an, dann wurde der Sarg vom Bolkshaus aus an den Tausenden, die in den Straßen auf den Leichenzug warteten, vorbei bis zum Schloßring geführt. Tausende Arbeiter folgten dem Sarge. Auf dem Schloß» ring sprachen für die tschechischen sozialdemokra» ttschen Organisattonen Genosse Schnee, für die deuffchen Genossen Tietz. Dann setzte sich unter den Klängen der Staatshymne und der Interna» tionale dec Wagen mtt dem Same nach Mähr.« Ostrau in Bewegung.- Bon Troppau folgten außerordentlich viele Mitglieder der Arbeiterorganisation dem Kondukt nach Mähr.-Ostrau, wo Genosse Jokl eingeäschert wurde. An der Trauer» feier im Ostrauer Krematorium nahmen sehr starke Delegationen der Arbeiterschaft aus dem ganzen schlesischen Gebiete teil. Für die Bezirksorganisation Mähr.-Ostrau sprachen Genosse SB. Haas, für den Parteivorstand und die parla» mentarische Vertretung Genosse Abgeordneter K a tz, für die Tschechische sozkaldemokrattsche Par, tei der Bürgermeister von Mähr.-Ostrau, Abgeordneter Genosse P r o k e 4, für die Polnifche sozial» demokratische Partei Abgeordneter Genosse E h o- bot und ein Bertteter der Paole Zion. Als letz» ter verabschiedete sich im Namen der engsten Mit» arbeiter des Verstorbenen Genosse Wessely. Dann senkten sich die roten Fahnen. Als sie sich wieder erhoben, war der Sarg in der Tiefe versunken. Die Arbeitersänger von Oderberg und Mähr.-Ostrau schloffen die Feier mit dem Liede „Ein-Sohn des Volkes". Der Ministerpräsident Malypett und der Innenminister Dr. C e r n h haben dem Parteivorstand der Deutschen fozialdemokrattschen Arbeiterpartei anläßlich deS Todes deS Genossen Senator Jokl das Beileid ausgesprochen. lesung, in welcher mitgeteflt wird, daß Dr. Schicketanz ununterbrochen bis zur Auflösung Mitglied der deuffchen nationalsozialistischen Arbeiterpartei gewesen ist und den Mitgliedsbeitrag von 10 flö monatlich entrichtet hat. Die von Dr. Schicketanz beantragten Zeugenbeweise hatten folgendes Ergebnis: Der Bürgermeister Gustav Petrovsky erklärte, zur»Sache selbst überhaupt nichts angeben zu können und führt aus: „Ich kann bestätigen, daß der Privatanklä- ger ein ruhiger Mensch ist, daß er polittsch überhaupt nicht tätig ist. Er widmet sich bloß d«r Wissenschaft. Mtt Rücksicht auf seinen Charakter halte ich es. für ausgeschlossen, daß ein so ruhiger und nur wissenschaftlich arbeitender Mensch den Mord an Prof. Lessing genehmigt hätte." Herr Dr. Schicketanz führte auch den Gastwirt, bei welchem er verkehrt, als Leumundszeugen. Dieser, ein Herr Emil Novotny, gab an, daß der Privatankläger im Lokal« des Zeugen einen reservierten Stammsitz hat und nicht ge.cn gestört wird. Die Ehegattin des Klägers, Frau Auguste Schicketanz, schilderte den Vorfall so, wie der Kläger selbst, daß Kläger zwar vom Juden Lessing, nicht aber davon gesprochen hat, daß es „bloß" ein Jude war. Das Gericht verkündete nach längerer Beratung das Urteil, mit welchem der Angeklagte, Genosse Dr. Emil Strauss, von der Anklage freigesprochen wird und den besonderen Beschluß, daß der Pri» vatankläger Dr. Schicketanz zum Ersatz« der Kosten deS Strafverfahren? verurteilt wird. In den Gründen führte der Vorsitzende OGR. Svoboda aus:, Das Gericht hat anf Grund der überrin- stimmenden Aussagen von sechs Zengk», die unbefangen«nd an dem Ausgange der Sach« nicht interessiert find, die Ueberzeugung gewonnen, dass fich der strittige Vorgang so abgespielt hat, wie er im inkriminiertcn Artikel geschildert ist. Der abweichenden Ans- sage der Gattin deS Klägers mißt daS Gericht keine Glaubwürdigkeit bet. Mit Rückficht auf dm derart erwiesmen Ausspruch des Klägers ist das Gericht auch r" der Ucbcrzeugung gekommen, dass der Kläger durch seine Aeußenmg seiner Missachtung gegenüber dem Opfer des Mordanschlag e S, Herrn Prof. Theodor Lessing« Ausdruck gegeben hat und dass seist Aeußerung auch dafür spricht, daß er iw Innern den Mord an Prof. Lessing gebilligt hat und der Auffassung war, dass Lessi« g r e ch t g esch ehe. rd. Nr. 3S Donnerstag, 7. Feber 1938 Gerte 3 tfudetendeutscftcr Zeifepicgef So lebt die proletarische Düsend! nun schon zum die Hand, das Es ist wirtlich mit mandschurischen Truppen in von 50 mandschurischen Kavalle- mandschurisch-mongolische Grenze und zahlreiche Ortschaf- sallend, als daß man darüber zur Tagesordnung hintveggehen könnte. Man wird sich an maßgeben» der Stelle diese Praxis doch einmal näher ansehen müssen, denn schließlich kann es dem Staate nicht gleichgültig sein, in welchem Geiste seine Behörden arbeiten. Zusammenstoß zwischen B. d. L. und SHF. Bor kurzem fand in Oberpolitz bei Böbm.- Leipa eine von der Kreisleitung des B. d. L. einberufene Versammlung statt, zu der auch die Bezirksleitung der SHF eingeladen würde. Bom Bunde der Landwirte sprach der neue Genera, sekretär Beck aus Prag. Nach Beck kam de» Bezirksleiter der SHF, Architekt Knöchel auS B.-Leipa zu Worte. Zum Schlüsse meinte Knöchel daß Beck von der Politik nicht viel verstehe. Im Schlußworte packte Beck den Knöchel sehr unsanft an und meinte er unter anderen, daß es vielleicht möglich sei, daß er, Beck, von der Politik nicht sehr viel verstehe; es sei aber erwiesen, daß Knöchel überhaupt nichts davon versteht. Schließlich kam eS so weit, daß Knöchel mit den Mannen der SHF unter dem Gelächter der Landbündler das Feld räumen mußte. Die weitere Eroberung des Bundes der Landwirte scheint also doch nicht ohne Schwierigkeiten vonstatten zu gehen. Tödlicher Unfall In den Aussige Solvaywerken Ein Opfer seines Berufes wurde am 5. Feber in den Solvay-Werken in Restomitz der verheiratete Arbeiter P r o h a s k a. Eine Partie Arbeiter von 3 Mann war mit dem Transport eines Rührwerkes beschäftigt. Bei den Bemühungen, das Rührwerk an den Kran anzubinden, kippte das Rührwerk um, der unglückliche Arbeiter Prohaska stürzte, kam unter das Rührwerk zu liegen und zog sich schwere Verletzungen zu, die den sofortigen Tod zur Folge hatten. Der v"on der Betriebsleitung herbeigerufene Arzt konnte leider nur noch den Tod feststellen. An der Unfallstelle erschien Gendarmerie und eine gerichtliche Kommission, die den Tatbestand protokollierten. Die Leiche des Verunglückten, der seine Frau und zwei Kinder zurückläßt, wurde dem Moserner Friedhof zugeführt. Der Betriebsausschuß berief eine Sitzung ein, die sich mit dem traaischen Fall beschäftigte. Der Obmann des Be- triebsausschuffes hat an den Untersuchungen und Feststellungen der Kommissionen teilaenommen. Hitler-Deutschland bringt sudetendeutsche Arbeiter ums Brot! Der 6. Feber in Paris Ein kritischer Jahrestag Paris. Der Jahrestag der blutigen Ereignisse vom 6. Feber 1934, es waren bei nationalistischen Straßenkrawallen bekanntlich 11 Tote zu verzeichnen, ist ziemlich ruhig verlaufen. Die Regierung hatte alle Strahenkundgebungen verboten. Vereinzelte Anhänger und Gruppen der Rechten begnügten sich daher damit, auf dem Place de la Conkordia, wo die Straßenkämpfe stattfanden, Kränze niederzulegen. Jugendliche Fascisten hatten die Nacht zuvor die auf diesem Platz befindlichen acht Denkmäler, welche die größten Städte Frankreichs darstellen, mit roter Farbe beschmiert. Einer der Täter konnte verhaftet werden. instrumentenindustrie zu suchen. So richtig es sein mag, daß durch die starke Ausfuhr von Holz das vereinbarte Ausfuhrkontingent zu einem großen Teil erschöpft wurde, so unsinnig und unehrlich ist jedoch der Versuch des„Graslitzer Volksblatt", durch diesen Hieb nach Prag die Schuld der Reichsregierung wieder vergessen zu machen. Dieser Versuch zeigt deutlich, daß man sich wohl über Drängen gewisser Kreise bemüßigt gesehen hat, einmal der Wahrheit die Ehre zu geben, daß man ab« im Interesse des Dritten Reichs das eben Gesagte gleich wieder nach Kräften abzuschwächen bemüht ist. Zur Sache selber wollen wir nur sagen, daß hier doch einmal auch von bürgerlicher Sette bestätigt wurde, welch große Schuld die d e u t s ch e Regierung an dem weiteren Zusammenbruche unserer Industrie und des Kleingewerbes und der völligen Verelendung unserer Arbeiterschaft ttägt. Die reichsdeutschen Behörden lassen Wild ohne Devisengenehmigung einführen. Könnte dieses Entgegenkommen nicht auch auf Holz, das draußen ja gegenwärttg so notwendig gebraucht wird, angewendet werden, ohne daß die Ausfuhr der Musikinstrumente darunter leiden brauchte? Aber der deutschen Reichsregierung scheint eben an der Not der sudetendeutschen Industrie und ihrer Arbeiter herzlich wenig zu liegen. Der weitere Hinweis des betteffenden Geschäftsmannes auf seine Beziehungen zum Saargebiet läßt die Begeisterung über die Saarab- stimmung gleichfalls in einem anderen Lichte erscheinen. Die Saarabstimmung und ihre Auswirkung bringt neuerlich viele sudetendeutsche Arbeiter um ihr Brot. Wir haben dem Wetter nichts hinzufügen. Dieses Beispiel zeigt wieder, wohin kapitalistischer Wahnsinn und fascistische Autarkiebestrebungen die Menschen führen; eine Rettung kann nur durch Verständigung der Völker und Staaten und im Aufbau einer Planwirtschaft geftmden werden, wie sie die Sozialdemokratie seit jeher anstrebt! Lonsuet für Rakosl Paris. Der Außenausschuß der Kamme« nahm auf Antrag des sozialistischen Deputierten Longuet eine Resolution an, in der der AußenauL- schuß die Regierung auf die Umstände und die Art aufmerksam macht, in der in Budapest der Prozeß gegen das ehemalige Mitglied der ungarischen Revolutionsregierung Rakosi geführt wird. In der Resolution heißt es wörtlich, daß dieser Prozeß Ereignisse Betreffe, die der Ratifizierung des Tria- noner FriedenSverttages vorangingen, und daß er demnach eineVerletzungdeSArtikelS 76 dieses Vertrages bedeute, nach welchem kein Einwohner der ehemaligen Oesterrei- chisch-ungarischer Monarchie wegen seiner politischen Haltung vom 28. Juli 1914 bis zur endgültigen Entscheidung über die Souveränität dieses Gebietes beunruhigt oder belästigt werden dürfe. Sozialistenbegrßbnls in Warschau 60.000 Menschen geben Limanowski das letzte Geleit Der Nestor der polnischen Sozialdemokratte, Genosse Limanowski, der als fast Hundertjähriger seine Lebensbahn beendete, wurde Dienstag in Warschau unter riesiger Beteiligung begraben. 60.000 Arbeiter und Arbetterinnen und viele Vertreter des öffentlichen Lebens begletteten ihn zur letzten Ruhestätte. An der Spitze des Zuges wurde die erste Fahne der revolutionären Sozialdemokratie Polens aus dem Jahre 1906 ge« ttagen. Am Grabe sprach für die polnische Arbeiterbewegung Kwapinski. Für die Arbeiter- Internationale, ferner im Namen der beiden sozialdemokratischen Parteien und des tschechoflowa- kischen Senats nahm Genosse Dr. Soukup vor» Limanowfti Abschied. Mit ihm ist der größte Führer des Freiheitsund Unabhängigkeitskampfes der polnischen Arbeiterklasse dahingegangen. fallen. Die Lage fft zur Zeit sehr gespannt. Die mandschurische Regierung beansprucht die Gegend von Chalchin-Sume, die nach ihrer Auffassung zum Bestand des mandschurischen Kaiserreiches gehört. Der mongolische Ministerpräsident erklärte hiezu, daß er diese Auffassung nicht teilen könne, da nach den im Besitz der mongolischen Regierung befindlichen Dokumenten dieses Gebiet schon vor dem Jahre 1734 zur Mongolei gehörte und seitdem immer einBrstandteilder Mongolei gewesen sei. Er protestiere daher im Namen der mongolischen Regierung gegen die Besetzung mongolischen Gebietes durch mandschurische Truppen und verlange dessen Räumung in allerkürze st er Frist, um die normale Lage wiederherzustellen. Die mongolische Regierung sei im übrigen bereit, mit der mandschurischen Regierung zu verhandeln, um eine weitere Verschärfung der polttischen Lage zu vermeiden. Moskau.(TMB.) Wie aus Ulan- Bator gemeldet wird, hat der mongolische Ministerpräsident und Außenminister Gendun vor Pressevertretern eine Erklärung abgegeben, in der es u. a. heißt: Nach dem Zusammenstoß zwischen mongolischen und mandschurischen Trstppen am 24. Jänner am Buir-See war Ruhe eingettelen. Am 31. Jänner jedoch haben zahlreiche Lastkraftwagen Begleitung risten die überschrttten ten beseht. Die mongolischen Grenzposten sind darauf sofort zurückgezogen worden. Auf Veranlassung der Regierung haben die Truppen schärfsten Befehl erhalten, k e i- nrnSchußabzugeben. Der Rückzug der mongolischen Truppen vollzog sich in vollster Ordnung. Bon keiner Seite ist ein Schuß ge- Protest der Mongolei gegen den mandschurischen Vormarsch In der Komotauer H ejm statte für jugendliche Arbeitslose sind setzt im zweiten Turnus 80 Burschen untergebracht, die von der Leitung über ihre sozialen Verhältnisse befragt wurden. Die durchgeführten Erhebungen haben erschütternde Taffachen ergeben. Die meisten dieser jungen Menschen sind schon jahrelang arbeitslos. Darunter sind welche, in deren Familie kein einziger Verdiener mehr ist. Dabei handelt eS sich vorwiegend um viel köpfige Familien. Allein ihre Wohnverhältnisse bezeugen, in wie schrecklichem Elend sie gegenwärttg leben müssen. Rur in ganz wenige» Fällen habe« die in Frage kommenden Familienmitglieder ihr eigenes Bett. In zwei Fällen stehen-7 Personen nur 8 Betten zur Verfügung, in drei Fällen 7 Personen 4 Betten, in einem Falle 7 Personen 3 Betten, in fünf Fällen 6 Personen 4 Betten, in einem Falle 7 Personen 3 Betten, in fünf Fällen 6 Personen 4 Betten, in einem Falle 6 Personen 3 Betten, in zwei Fällen 6 Personen 2 Betten, in fünf Fällen 8 Personen 3 Betten und in einem Falle gar 8 Personen nur 2 Betten. Ein Jugendlicher Skoda-Lieferungen nach Rumänien gefährdet Bukarest. Die Verhandlungen zwischen der rumänischen Regierung und den Skoda-Werken über den Abschluß größerer militärischer Lieferungen wurden unterbrochen,— wenigstens für eine gewisse Zeif. Die Verhandlungen waren schon ziemlich weit gediehen, am Dienstag hat sich aber plötzlich die Situation geändert. Ministerpräsident Tatarescu, welcher als Minister für die Kriegsausrüstung diese Verhandlungen führte, hatte die von ihm zuerst größtenteils abgelehnten Forderungen des liberalen Parteipräsidenten Bratianu sich zum größten Teil zu eigen gemacht. Demnach sollten die Skoda-Werke verpflichtet werden, ein Drittel der Bestellungen der rumänischen Privattndusttie, ein zweites Drittel der rumänischen Staatsindustrie zu übergeben und nur das letzte Drittel selb st herzustellen. Präsident Dr. Wwenstein machte Gegen- vqrschläge, welche das letzte Wort der Skoda- Werke darstellen, da ein weiteres Entgegenkommen nicht möglich sei.. Der Ministerpräsident nahm diese Gegenvorschläge nicht an; damit sind die Verhandlungen an einem toten Punkt gngelangt. Der Landesausschuß für Böhmen hat in seiner Sitzung vom 6. Feber außer zahlreichen laufenden Angelegenheiten 567 Gemeinde» und 88 Bezirksbudgets erledigt und 260 Gemeinden die Einhebung verschiedener Abgaben und Gebühren bewilligt. U. a. bewilligte er für die Re- konstruktion der Sperren im Quellgebiet der großen Elbe in Spindlermühle, die mit 1,500.000 Kc veranschlagt wurde, einen Landesbeitrag bis zur Höhe von 375.000 KC. Zensur und Demokratie Dieser Tage wurden zahlreiche Blätter, darunter auch sozialdemokratische, beschlagnahmt, weil sie über das Gesetz zur Sanierung der Selbstver- waltungskörper schrieben.„Närodni Osvo- bozeni" macht darauf aufmerksam, daß nicht alle Blätter gleich behandelt wurden, daß Sachen konfisziert wurden, die im„Venkov" erschienen waren, daß in der«Närodnt Politika" sogar ein Auszug aus einer Rede des Innenministers der Beschlagnahm« verfiel. Die »Reichenberger Zeitung" hatte, ohne daß sie geniert wurde, ausführlich über das Gesetz geschrieben. Die Zensurpraxis ist also bürokratisch und widersinnig genug. Ueber einen Fall, dem aber größereBe» d e u t u n g zukommt, als dieser Konfiskatton, berichtete die„Prager Presse". Das Nazi- Blatt.Der Aufbruch"(Organ der kompromißlosen Nazi in der SHF) hat über den Mord on Jng. FormiS in einer Weise geschrieben, die m einem demokratischen Staat einfach unerträglich ist. Es hat den Mord nicht nur gebilligt, sondern ihn geradezu bejubelt. Der Zensor fand daran nichts Bedenkliches. Er hat zwar den„Aufbruch" konfisziett, aber wegen einer anderen Stelle. Das Blatt konnte nach der Konfiskation ein sweitesmal mit dem Kommentar erscheinen, der verdiente, in Streichers »Stürmer" gedruckt zu werden, also in der Kloake der ttefsten europäischen Barbarei. Dieser Uebereifer auf der einen und diese Weitherzigkeit auf der anderen Seit« sind zu auf« Man schreibt uns aus Graslitz: Ein Graslitzer Instrumentenmacher äußert sich im„Graslitzer Bilksblatt" darüber folgendermaßen: „Ich lieferte bisher meine Blechinstrumente z» 90 Prozent nach Deutschland. Seitdem die De- viscugene-migcmgen im Reich» notwendig sind, i st mein Umsatz mit dem Reiche fast ans Null gesunken. Rur wenig deutsche Kunden haben Lust und Liebe, um dir Devisengenehmigungen anznsnche«, well sie wahrscheinlich vermeide« wollen, daß ihnen die Bücher kontrolliert werden. Mein Geschäft«ft dem Deutschen Reiche ist durch diese Devisengenehmigungen b«- reitS total ruiniert. Bisher hatte ich einige gute Kundenim Saargetiet, die prima zahlten und wo keine Devisengenehmigungen notwendig waren. Nun werden im Saargebiet dieselben Bestimuwnqen kommen»«dich werde auch diese Kunden verliere«. Ich glaube, die Fehler- anellc liegt an den kompetenten Stellen im Reicht. Hier müßte im Reich ei« anderer Weg beschritten werden." Demgegenüber weist das„Graslitzer Dolks- blatt" darauf hin, daß andere Sachen, z. B. Wild, ohneweitereS nach Deutschland eingeführt werden und'daß man dafür keineDevi- sengenehmigung braucht. Das Blatt schreibt: „Die Graslitzer Musikinstrumentenmacher fra- gen, wieso es möglich ist, daß, um nur einen Artt- kel zu nennen, Wild ohne Devisenbescheinigung ausgeführt werden kann, während der Musikinstru- mentenexport vollkommen gedrosselt wurde. DaS ist eine wittschaftliche Ungerechtigkeit, die ehestens behoben werden muß!" Unmittelbar darauf und ohne jeden Neber- gang stellt dann das„Graslitzer Volksblatt" die Behauptung auf, daß die Mufikinstrumentenaus- fuhr nach Deutschland durch die Holzausfuhr erschlagen wurde. Die Schuld liege in Prag und dort sei die Ursache der Lahmlegung der Musik- Das junge Bolk bekommt zweiten Male eine Zeiffchrift in sich mit Recht nach ihm benennt, erstaunlich, wieviel Gedankengut, Krastspende, verdeutlichte Politik, Bcittäge zum Wirtschaftsverständnis da auf vicrundzwanzig Seiten der sozialistischen Jugend nicht nur in einfach schmuckem Gewand«, sondern auch in wohltuender Mischung mit Schöngeistigem und Blick-Erfteuendem dargebracht werden. Die Februar-Nummer des „I u n g e n V o I k" ist ein kluger, seiner Aufgabe bewußter Führer junger Arbeiter und Angestellten durch den letzten Zeitausschnitt, ist zugleich Geschichtslehrer, antikapitalistischer Ankläger, Erzieher zu freiem Blick, sittlicher Bettachtung, zu internationaler Gesinnung, Förderer des guten Buchs von gestern und heute. Wer die Arbeiterjugend liebt, wird ein Freund des„Jungen Volk" werden. Auch die reifen Männer und Frauen werden vieles darin finden, das sie belehrt und erfteut, werden durch die Lektüre fester an die Generation gebunden werden, die nachrückt. Und daß sie mit Zielklarheit, Ernst und Begeisterung nachrückt, dazu wird das„Junge Volk", wenn es weiter so geführt wird,-Weisel-1 los sehr viel beitragen können. Belastungszeugen im Memelprozeß Kaunas. Aus den Zeugenaussagen im Me- meler Terroristen-Prozetz geht immer mehr hervor, daß die Nationalsozialisten eine Losreißung des Memelgebietes von Litauen anstxebten. Am Dienstag gab der Zeuge Barts ch an, daß ihm der angeklagte Führer der Terroristengruppe, W a l l a t, den Auftrag erteilt habe, sichHand- granaten anzuschaffen. Ein anderer Zeuge namens PaltinS bestätigte, daß die Nationalsozialisten im Memelgebiet Sturmabteilungen besahen. Ohne Zögern gab er an, daß der Zweck der Aufstands.ewegung die Losreißung des Memelgebi etes von Litauen gewesen sei, daß bedeutende Mengen von Waffen aus dem Auslande eingeschmuggelt worden seien und daß die Mitglieder der Aufstandsbewegung militärische Hebungen abhielten. Auch er selbst habe an derartigen Hebungen teilgenommen. Der Zeuge Wertens gab an, daß 7h>geklagte, die sich auf fteiem Fuß befanden, ihn zu beeinflussen gesucht hätten. Es wurde demnach festgestellt, daß Zeugen gezwungen wurden, unter Eid falsch auszusagen. ^berichtetes,, Wir. sind zu Hauseze hn Personen. Zwei davon schlafen in Betten, die übrigen acht auf Stroh." Die jungen Arbeitslosen wurden auch geftagt, was für besondere Wünsche sie in bezug auf ihre nächste Zukunft haben. Die Antworten waren bei alle» 80 Jugendlichen dieselben. „Ich möchte meine« Beruf zu Ende lernen",„Ich möchte mich in meinem Berufe wei- ttrdilden",„Ich wünsche Beschäftigung in meinem Berns",„Ich wünsche Arbeit, ganz gleich, welcher Artt< und„Ich möchte gerne ins nächste Arbeitslager". Daraus geht hervor, daß diese Wohl am härtesten bettoffenen Opfer der kapitalistischen Wirt- schaftsttise nur eine Sehnsucht kennen: Arbeiten, nicht mehr von Almosen leben, müssen, nicht mehr anderen zur Last fallen! Diese Jugend, deren furchtbares Schicksal eine einzige wuchtige Anklage gegen die heutige Gesellschaftsordnung ist, darf nicht verkümmern! Ihr zu helfen, ist die oberste Pflicht des Stacttes und aller hier in Bettacht kommenden Faktoren. Die Sozialdemokratte wird alles daransetzen, damtt dieser Verpflichtung Genüge getan wird. Seite 4 Donnerstag, 7. Fever 1935 VK.32 Fliegerunglück in Letnany Mechaniker tot, Pilot schwerverletzt Prag. Mittwoch um 13 Uhr 30 Min. kam es auf dem Flugplatz in Letnany zu einem Flug- nnglück des Schulflugzeuges mit doppelter Lenkung E 39—EKD. Das Unglück ereignete fich wahrend eines dichten Schneetreibens, als der Chefpilot der EKD, Smetana, mit dem Fabriksmechaniker Smid dieses Flugzeug der Mili- tärkommisfion vorführte. Bei dieser Vorführung kam es zu einer Havarie des Flugzeuges beim Trudeln und beide Mitglieder der Besatzung wurden schwer verletzt. Der Mechaniker S m i d ist bei der Urberführnng ins Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Georg Roh, wurden dabei getötet. Der 20jäh- rige Sohn, der durch den Lustdruck, den die stürzenden Erdmassen hervorriefen, anscheinend weggeschleudert worden war, wurde mit einem Schädelbruch ins Krankenhaus eingeliefert. Das Ehepaar lag noch zur Zeit des Unglücks im Bett. Da die Leichen keine äußeren Verletzungen zeigten, muß das Ehepaar erstickt sein. Das Unglück ist Wohl darauf zurückzuführen, daß die Schuttmassen durch die Schneeschmelze der letzten Tage und die fortgesetzten Regenfälle aufgeweicht waren. 1934 in Berlin 26.39« Berkehrsunfälle. Im Jahre 1934 haben sich nach der soeben herausgekommenen Unfallstatistik in Berlin insgesamt 26.396 Berkehrsunfcklle ereignet, was gegenüber dem Jahre 1933 eine Erhöhung um 2876 Fälle oder um 10.8 von 100 bedeutet. Dabei müsse allerdings berücksichtigt werden, daß der Verkehr im Jahre 1934 ganz erheblich stärker gewesen ist als 1933. So betrug allein die Zunahme des Kraftfahrtzeugbestandes im Jahresdurchschnitt 11.6 von 100. Auch der Ausflugsverkehr, der erfahrungsgemäß viele Verkehrsunfälle im Gefolge hat, ist wesentlich umfangreicher als in den Vorjahren gewesen. Die Zahl der Todesopfer stieg von 350 im Jahre 1033 auf 877(davon 4 5 Ki n. d e r) im Vorjahr, Henso die Zahl der Verletzten, und zwar von 10.642 auf 11.057(davon 895 Kinder). Von den 377 Todesopfern sind 164 Fahrer(davon 12 weiblich), 40 Fahrgäste(davon 14 weiblich) und 173 Fußgänger(davon 58 weiblich). Tod durch UeberschwemmunU. Dienstag wurden durch Ueberschwemmung große Schäden in der Umgebung von Jerusalem verursacht. Vier Personen kamen ums Dcken, etwa 14 werden vermißt. Ein Maffennnglück. In Mistretta(Sizilien) brach in einem Hause bei der Verteilung von Lebensmitteln unter der Last der Anwesenden der Fußboden durch. Aus den Trümmern wurden 13 Leicht- und sieben Schwerverletzte geborgen. Tuberkulose-Bekämpfung in Sowjetrußland. In Moskau tagte jetzt der sowjetrussische Tuber» kuloseforschungs-Kongreß. Unter den Beschlüssen des Kongresses wird insbesondere die Empfehlung nach allseitiger Verbreitung der I m p s u n g mit einem von dem sowjetrussischen Arzt Mazur entdeckten Antituberkulose-Serum ausgesprochen. Der Kongreß stellte fest, daß in Sowjetrußland die Arbeiten auf dem Gebiet der Tuberkulosebekämpfung in den letzten Jahren eine ungewöhnlich gedeihliche Entwicklung zu verzeichnen haben. Schweizer Volksabstimmung gegen Freimaurer? Der Ausschuß der sogenannten»Helvetischen Aktion" hat eine Petttion behufs Aenderung der schtveizerischen Verfassung eingebracht, durch die das Freimaurertum verboten würde. Der Bundesrat stellte fest, daß sich bei der Unterfertigung dieser Petitton Unrichtigkeiten ergeben hckben, und fordert die Gemeindebehörden auf, die Identität jener Personen, welche auf der Petttion unterfertigt sind, festzustellen und zu beglaubigen. I« der Schweiz siebe« Lawinen-Opfer Tagcsncuighcitcn Bergarbeiter-Tod Johannesburg. Im Germinstoner Bezirk wurde ein Erdbeben verspürt, wobei in «'nem nahe gelegenen Bergwerk Gesteinsmaffen >«Vergingen. Vier Bergarbeiter kamen i ins Leben. In einer anderen Grube wurde durch h-reinbrechendes Gestein ein Bergarbeiter getötet und acht verletzt. Dressur der Mörder »Ich verlange von jedem SS-Mann Gehorsam, der nicht fragt, zögert oder gar zaudernd nachdenkt, sondern einen Gehorsam, der in jedem Fall ausführt." Reichsführer der SS Himmler in einer Ansprache. In jedem Fememord-Fall l Mit 14 Mann gesunken? Wesermünde. Der Fischdampfer»Main" der Reederei Hans Kunkel(Wesermünde), der am 22. Jänner 1935 von Wesermünde mit der Bestimmung Harstadt(Norwegen) aufgebrochen mar, um dort am 27. Jänner Eis zu nehmen, ist dort nach einem Telegramm aus Harstadt bishe. nicht eingetroffen. Man muß befürchten, daß das Schiff, mit seiner 14köpfigen Besatzung bei der, Stürmen der vorigen Woche an der Küste Norwegens gesunken ist. In 23.000 Meter Höhe Moskau. Ein unbemannterBallon zur Erforschung der höheren Luftschichten, eine so- genannte Radiosonde, der in Slutzk bei Leningrad aufgestiegen war, erreichte ein« Rekordhöhe von 23.700 Meter. Die Temperatur in dieser Höhe bettug 33 Grad unter Null. Immer stilvoll!„Im»Theater des Westens" fand eine Wohltätigkeitsvorstellung von»Was- fenschmied" für die erwerbslosen Schmiede und Schlosser statt." So meldet der Berliner»F i l m- K u r i e r". Eine Schweizer Zeitung kommentiert diese Notiz boshaft:».... Und was geschieht, wenn man S ch i l l e r s»R ä u b e r" auf den Spiel- vlan setzt?" Masaryk Ehrenbürger von Hultschin. Der Stadtrat in. Hultschin hat beschlossen, aus Anlaß des 15.' Jahrestages des Anschlusses an die Tsche- choslowakische Republik den Präsidenten der Republik Dr. T. G. Masaryk zum Ehrenbürger zu ernennen. Es ist dies die erste von der Stadt Hultschin während der Republik verliehene Ehrenbürgerschaft. Die Katastrophe eine Familie. Am Mittwoch kurz vor sieben Uhr kamen in Chriswphstal bei Freudenstadt in Württemberg die gewaltigen Schuttmassen des Boschenloches, eines Müll- und Schuttablageplatzes an der Straße nach BaierSbrogg ins Rutschen. Sie rissen das an ihrem unteren Rand stehende städtische Haus um. Seine Bewohner, die Familie des Forstwartes Genf. I« der ganzen Schweiz haben sich infolge der starken Schneefälle» denen Föhn uns Regen folgten, Lawinen losgelöst. Es find fieben Todesopfer zu beklagen. Die Unglücksfälle ereigneten fich bei Les Avants am Genfer See, im Berner Oberland und im Kanton Graubünden In höheren Lagen liegt Schnee in großen Massen. ES gibt Bezirke, wo die Schneehöhe drei biS vier Meter beträgt. Einzelne Ortschaften waren meh- Die Suche nach den beiden Offizieren Spindlermühle. Mittwoch wurde die Suche nach Major Pazdirek und Stabskapitän P k i« k r y l fortgesetzt Die Rettungsarbeiten fühtt ein Zug Freiwilliger und eine Abteilung Militär durch. Die anstrengende und gefährliche Arbeit erbrachte jedoch bis in die Nachmittagsstunden kein Ergebnis. Die Stelle, wo die Rettungsarbeiten vorgenommen werden, ist ständig vonSchnee- lawinen bedroht. * Drei Opfer der Lawine in den Alpen geborgen Salzburg. Im Großglocknergebiet wurde,! wie gemeldet, am Montag der- Skiläufer Chri- staph Berchwld aus Mörtschach bei Heiligeirblut von einer Lawine verschüttet. Perchtold wurde am Mittwoch vormittag als Leiche geborgen. Salzburg. Niedergehende Lawinen forderten Montag bei St. Wolfgang im Salzkammergut zwei Todesopfer. Der Schleusenwärter in Schwarzenbach. Stelzhammer, befand sich nachmittag auf einem Dienstgange. Dabei wurde er von einer Lawine verschüttet. In nächster Nähe des Unglücksortes verschüttete eine andere Lawine rere Tage von der Außenwelt abgeschnitten. Die Verbindung ist jetzt überall wiederhergestellt. Schneelawine vernichtet zwei Anwesen und tötet sechs Menschen Bern.(SDA) Unweit der Gemeinde St. Anthönien im Kanton Graubünden ging eine riesige Lawine zu Tal, die zwei Wohngebäude und Ställe verschüttete. Sechs Personen kamen ums Leben. einen Bauernsohn aus Graben bei St. Wolfgang, der ebenfalls unter ungeheureren Schneemassen begraben wurde. Die beiden Opfer konnten nurmehr als Leichen geborgen werden. Hohenems(Vorarlberg). Am vergangenen Samstag unternahm der 20 Jahre alte Otw Patscheider, ein bekannter Skifahrer aus Hohenems, eine Skifahrt auf die Schuttannen-Alpe, von der er nicht mehr zurückkehrte. Rach mühevoller Suche fand man seine Leiche. Innsbruck. Eine der Lawinen, di« in den Tälern des ZillertaleS niedergingen, hat in Tux di« Materialhütte eines Steinbruchs verschüttet, in der sich der Arbeiter Schuler befand. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. An der österreichisch-schweizerischen Grenze bei Finstermünz im Engadin staute einen 300 Meter breite Lawine vom Piz Mondin durch fünf Stunden das Wasser des Inn, doch brach sich daß Wasser glücklicherweise einen Durchbruch. Die Straße in die Schlveiz ist verschüttet.- * Zehn Gebäude im Schnee begraben Tarbes. Eine mächtige• Schneelawine hat m Grenzdorf Azun drei Gebäude des Barytbergwerkes und 10 den dortigen Zinngruben gehörige Gebäude mitgeriffen. Radiostationen für Flugzeuge. Der britische Luftfahrtminifter teille mtt, daß die Anttäge aus Errichtung eine- Netzes von Radioftationen über dem ganzen englischen Gebiet genehmigt wurden. Die Stationen sollen zur genauen Information für Flugzeuge während des Fluges dienen. Im Vorjahre wurden drei neue Stattonen, u. zw. in Hüll, Portsmouth und Belfast in Betrieb gesetzt. Heuer werden weitere sechs Statwnen den Betrieb aufnehmen. Die Statwnen sollen an solchen Stellen errichtet, werden, wo sie auch von Flugzeugen der internationalen Aerolivien mit Erfolg benützt werden können. Zu dem gleichen Zwecke sollen auch b e w e g l i ch e Radiostationen errichtet werden. Sie werden durch ständige Stattonen mtt großer Leistungsfähigkett ergänzt werden. Arbeitslose besetzen ein Rathaus. In E n n e- velin bei Lille drangen etwa 40 Arbeitslose in das dortige Rathaus ein und überreichten dem Gemeindesekretär eine Zusammenfassung der Förderungen der Arbeitslosen. Die Arbeitslosen besetzten das Rathausgebäude und weigerten sich, es zu räumen. Gendarmerie verdrängte dann die Arbeitslosen aus dem Rathause. Später kam es nochmals zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Arbeitslosen, die inzwischen aus verschiedenen umliegenden Ortschaften Verstärkung erhalten hatten und immer wieder versuchten, das Rathaus im Sturm zu nehmen. Schließlich zerstreute die Polizei die Demonstranten. Ein« allgewerkschaftliche Konferenz für Blut» tranSfnfio« tagte in Moskau. Die Konferenzteil- nehmer Hütten mehr als 60 Borträge über die verschiedensten ärztlichen Probleme an, die auf die Bluttransfusion Bezug haben. Fahrtermä ßignn« schon für eiuzelne Winter- Touüsten und-Spöttler. Lediglich diejenigen Win- terspottler und-Touristen, welche sich mit der Legi- timatton eines Winterspott-Verbandes, also des Ber- baüdes für Arbeiter-Winter-Touristik oder deS Haupt- verbandeS deutscher Winterspottvereine HTW auS« weisen, können die ermäßigten Rückfahrkarten in bestimmte Eisenbahnstattonen des Wintersportgebietes lösen, welche bis 16 Tage Gültigkeit haben.—- Die Mitglieder des TouttstenvereineS»Die Naturfreunde" oder des Atus, welche derattige Relationskarten benötigen, verlangen von ihren Gruppen die Mitgliedskarte des Verbandes für Arbeiter-Winter- Touristik(Ausgabesteller E. Strnad, Prag II. Fügnerovo nam. 4).— In weitere Gebiete über 100 Kilometer Bahnfahrt-bewährt sich jedoch die Tou- ttsteukarte. da schon drei Personen 33 Prozent Ermäßigung genießen und ein« Rucksabrkarte nicht gelöst zu werden braucht und auch jeden Wochentag die Fahrt angctreten werden kann. Ueber 200 Kilometer wird unter denselben Voraussetzungen eine 50prozen- tige Ermäßigung gewährt.— Die Sicherheit gebietet, den Skifahrern, stets in Gruppen zu fahren. Es wird daher empfohlen, geplante Ausfahtten zwecks Anschlusses stet« der zuständigen Gruppe zu melden. < Adresse. Telephon.> Wahrscheinliches Wetter Donnerstag: Zunächst unbeständig und stellenweise noch Niederschläge bei. wenig verändetter Temperatur. Winddrehung nach Norden und später auch Abnahme der Bewölkung und allgemeine Abkühlung. Vom Rundfunk iMptaklMmriM au dM Programmen: Freitag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsch« Nachrichten, 11.25: Schulfunk, 12.10: Unterhaltungsmusik, 16:45: Tschechischer Sprachkurs für dentsche Höret. 18.20: Deutsche Sendung: Sporworschau, 18.25: Prof. Birk: Die Lokomotive im Schneesturm. 18.45: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten, 19.10: Luftiges- Stündchen. 19.55: Jazzorchester, 22.15: Bleib jung und schön, Schallplatte». 22.80: Russisch« Bericht«. Sender S.: 14.20: Schallplatte». 14.35: Duos für Violine und Cello, 15: Deutsche Sendung: Singer: Hellseher Hall- ström, Hörspiel. 15.35: Deutsche Presse.— Brünn 11: Schallplatten. 12.10: Arbeitsmarkt und soziale Informationen, 12.35:Orchesterkonzett. 18.20: Deuftche Sendung: Svortbettcht, 18.45: Meixner: Schlechtes und gutes Deutsch.— Mährisch-Öftra«: 18: Deutsch« Sendung: Prof. Rapp: Tie Lufter- fotschung, 19.30 p Tanzmusik. »»» Abbau der Herrschsucht Von Hella Rohm. Dr. Alfred Adlers, des Begründers der Jndividualpsychologie, fünfundsechzigster Geburtstag, bietet Anlaß, in einer Zeit, in welcher Menschen und Mensch, Volk und Volk, scheinheilige Friedensbeteuerungen wechselnd, bewaffnet bis an die Zähne, sich zu zerfleischen drohen, seines Le- benswerfes.zu gedenken. Denn dieses Werk bedeutet Gemeinschaft, Nächstenliebe, Zusammenarbeit, gerade das, was uns am meisten nottut, gerade das, was wir am wenigsten begriffen haben. Der Mensch, in seiner irdischen Unzulänglichkeit, lehrt Adler, trachtet nach Möglichkeiten, seine Schwäche in Stärke zu wandeln, aus Minus Plus zu machen, sein drückendes Gefühl der Un- vollkommenhrit zu überwinden. Er könnte es durch Leistung, durch den Erfolg seiner Arbeit, ourch das, Was er für seine Mitmenschen und im Verein mit ihnen tut, gemeinsam mit ihnen wirkend für em , gemeinsames Ziel. Diesem Streben gegenüber aber steht die Att, der Aufbau unserer Gesellschaft. In dieser ist ein jeder seines Nächsten Feind, sein Kon- kurrent- der ihn niederzurennen sucht, auf daß er nicht niedergerannt werde. So entsteht ein steter Zwiespalt zwischen dem natürlichett Gemeinschaftsgefühl und dem gesellschaftlich bedingten Konkurrenzkampf, in dem die Menschen ihre beste Kraft verzetteln. Ihr Leben wird zerrieben zwischen diesen beiden Polen, und statt sich menschheitsfördern den Zielen zuzuwenden, bemüht man sich, den anderen siegreich aus dem Wege zu schlagen, sich selbst auf seine Kosten zu behaupten und hervor» zutun, auch dann noch, wenn man einsehen müßte, daß es nicht möglich ist. Es gelingt nie. Nicht aus irgendeiner von moralinsauren Ethikern konstruierten Vergeltungssucht des Schicksals, sondern, weil es einfach nicht anders geht. Die Auftnerksamkeit, die man dem etwaigen Vorsprung des anderen wiomen muh, zieht von der eigenen Arbeit, der eigenen Leistung, den eigenen Aufgaben ab, muß darum ihre Qualität herabmindern, die Angst vor Konkurrenz schafft Lebensunsicherheit, Vereinsamung, Mißtrauen, das keine Freude finden läßt. Zerrissenheit, Pessimismus, Lebcnsuntüchtigkeit find die Folgen, deren verschiedenarttgste Erscheinungsformen tvir unter dem Begriff„Nervosität" zusammenfassen. Sie trübt unseren Blick für die Erfordernisse des Lebens und der Stunde, fie läßt, was uns persönlich betrifft, riesengroß erscheinen und dadurch überwerten. In der auf einer bestimmten Technik der Jndividualpsychologie. beruhenden Zurechtrük- kung der Maßstäbe liegt die Behandlung des Ein- zelnen. die aus dem nervösen den, gesunden Menschen macht, ihn wieder einordnet in Leben und Gesellschaft. Die Bedeutung der Adlerschen Lehre aber geht weit über diese Möglichkett hinaus. Sie weist aus der Enge persönlichen Erlebens auf zwischenstaatliche und zwischenvölkische Verbundenheit hin. Sie könnte Basis werden für eine neue Gesell schaftslehre, wenn anders sie die Menschen recht begriffen hätten. Man müßte nur verstehen lernen, daß man sich selbst am wenigsten behauptet, je ängstlicher man sich zu behaupten sucht, daß.man am sichersten ins Hintertreffen ggrät, je rücksichtsloser man die anderen zurückzudrängen trachtet. Mit je größerer Gewalt nian seine Stellung aufgerichtet hat, umso größere muß man zu ihrer Aufrechterhaltung verschwenden, umso heftigerer Gegenwehr muß man gewärtig sein, umso gefährdeter wird man sich selbst fühlen. Und die Konsequenz? Sie geht llar hervor. Kein Mensch kann sich auf Kosten eines anderen behaupten, keine Klasse von der Niederhaltung einer anderen leben, kein Volk durch Schädigung des anderen'Macht erlangen. Gewalt trägt ihren Todeskeim in sich, der Sieg des Menschen über Menschen ist ein Pyrrhussieg. Aber auch der umgekehrte Schluß ist möglich: Verbundenhett m,t anderen Menschen, Schichten, Völkern, vom Einzelnen ins Allgemeine, schafft Weitblick, unbehindert um die Sorge für das eigene, kleine Dasein, schafft Spielraum für alle, ihr Bestes zu geben, schafft Unabhängigkeit und Objckttvität, die wahre Not des Tages zu erkennen und sich für echte Menschhcitsziele einzusetzen. Gemeinschaft gibt allein die Möglichkeit, statt unfruchtbar einander zu bekämpfen, gemeinsam für die Dinge einzutreten, die, bei Lichte besehen, im Interesse aller Menschen liegen und deren Schettern aller Existenz bedroht. Zu Alfred Adlers fünfundsechzigstem Geburtstag wird uns ferner von einem Jndividual- psychologen geschrieben: Der Hernalser Gassenjunge, der zweimal als Kleinkind unter ltte Räder eines Wagens kam, im gering bemittelten Elternhaus unter vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, unter denen eine Rachitis, ein Stimmritzkrampf, eine Lungenentzündung eine bedeutende Rolle spielten, bat eigentlich sein wissenschaftliches Weltbild selbst gelebt: durch Uebcrwindung von Schwierigkeiten ein nützlicher Mitmensch zu werden. Als Arzt hatte er immer eine Unzahl unbemittelter Patienten, denen er seine Hilfe unentgeltlich widmete..Für di« worden einmal andere zahlenl", meinte ec nur. Sein großer Aufstieg begann durch seine Wirksamkeit in den Wiener Bolksbeimen, wo ständig Hunderte der Aermsten die Säle füllten, ja dem Meister zu Füßen saßen, weil der Platz mangelte. Sei" Vortrag war ein Gespräch, denn jeder fühlle M angesprochen. Adler behandelt die Menschen behutsam und hebt sie durch seine Mitmenschlichkeit" Schüler Freuds sein kann, sondern daß er seine« eigenen Weg schreitet. Seit 1926 weilte Adler ziemlich häufig, st» 1932 ständig in Amettka, von wo er nur zu Bf' suchen nach Europa zurückkehrt. Alfred Adler t jetzt Professor am L-ma Island Medical College in New Dork. d- 8»- Nr. 32 Donnerstag, 7. Feier 1935 Seite S 7. Februar ISS» ITeu Teilnehmern an dem Ball der Stadt Wien gewidmet.) Ihr Herren und Dame», ihr wallt euch vergnizen, I« gestohlenen Rathaus, der gestohlenen Stadt. Dach«s weih die Welt, tratz rnrrn Lügen, Wer alle Verbrechen begangen hat. Tanzt modern»der Walzer, laßt euch eitel beschauen, Freßt und sanft nnd lacht im prunkenden Saal, Wal kümmern euch schon die Trine» der Frone», Wal schert rnch schau der Gefangenen Oualk Dach wen« Mitternacht schliß, dann sollt ihr fie sehr», Tie gespenstische, drahende, schreibende Handl Dann wird var eure» klugen entstehen Da» biblische Wort a» der gleißenden Wand! Dann sollt ihr sie schaue«, die Schatten der Toten, Dann stockt der Geigen jubelnder Lauf, Dann kommen z» euch die gemordeten Roten And spiele» z» eurem Tanz euch auf. Fühlt ihr nicht der Erde Zittern und Beben? Ihr tanzt über die Gräber— und dir Tote» stad da. Und tansend für einen kommen, die leben! Hütet euch! Der Tag der Vergeltung ist nah. Gracch»S. (Wenige Tage vor dem Gedenktag an den glorreichen Kampf der Wiener Arbeiter findet eine der von den Sozialdemokraten abgeschafften, von de» fascistischen Diktatoren erneuerten Festlichkeiten statt: Der„Ball der Stadt Wien'.) Blutige Schlacht in» Tanzsaal Budapest. In einem Dorfe bei MiSkolcz kam es anläßlich einer Tanzunterhaltung zu einer blutigen Schlägerei. AIS jemand auS der Gesellschaft die Lampe zertrümmerte, wurde die S 4 lä« ßereiimDunkeln fortgesetzt.BeimEindrin« gen der herbeigerufenen Gendarmerie lagen bereits zweiLandwirte, und zwar zwei Brüder, tot am Boden, während fünf andere Landwirte, darunter auch der Vater der beiden Toten, mit lebenSgefährlichenBer« lrtzungeninS Spital gebracht werden mußten. El« interessanter Wettbewerb Washington. ES wird ein Flugwettbcwerb den Washington nach Buenos Aires End zurück auf einer 82.000 Kilometer langen Strecke vorbereitet. Für den Wettbewerb find Greife in der Höhe von 100.000 Dollar gestiftet wrden. Verbrannt. In seinem Bungalow in der Nähe der birmanischen Hauptstadt verbrannte der britische Offizier Kapitän Hamilton mit seinen zwei Lindern bei lebendigem Leibe. Hochwastrrbienst am Rhein. AuS Köln wird saneldet: Nachdem di« Rheinftromverwaltung bereits Dienstag eine Hochwaffe rwarnung veröffent» licht hat, ist Mittwoch morgenS der amtliche Hoch» wfferdienst eingerichtet worden. Bon Maxau wird Nittwoch früh ein Wasserstand von 8.93 Meter ge» E>eldet gegenüber 4.87 Meter am Dienstag morgen Ter Koblenzer Pegel stand Mittwoch um 8 Uhr auf 8.0g Meter. Bom Oberrhein wird noch langsame» Ansteigen der Fluten gemeldet, so daß bei Koblen« wit einem Höchststand von 8.78 bi» 6 Meter zu rechnen ist. Günstige Nachrichten kommen von den Lebenflüssrn. Der Neckar ist im Fallen. Auch der Bafferstand der Mosel finkt. Die Hochwafferflnten d»n Nah« nnd Lahn gehen ebenfalls zurück. Der Lkain steigt noch langsam. Eine Grippe-Epidemie wütet i» der französt- scheu Stadt Belfort. Wegen Ansteckungsgefahr wurde das Lyzeum auf eine Woche gesperrt.— Tie Grippe-Epidemie in Istanbul hat einen solchen Umfang angenommen, daß die Mittelschulen und Theater gesperrt Ewrden mußten. Ein interessanter Fund. Im Flusse Jkhlavka *i Trebitsch fanden Sandarbeiter ein etwa 80 Lentimeter hohes Stück eines Fenstergewände s, das in feiner Profilarbeit u. a. da» Wappen der Stadt enthält. Das Gelände ist aus Sandstein berge stellt. Sein Alter wird auf über 400 Jahre «schätzt. 3«« zweite« Male Film.Pio«ier Der 81jährige französisch« Erfinder Louis L u m i i r e, der im Jahre 1893(nachdem Edison »en perforierten Filmstreifen erfunden hatte) die Erste brauchbare Filmkamera konstruierte und zwei 8ahre später mit seinem inzwischen verstorbenen "rüder in Paris das erste Kino der Welt eröff« "eie, hat jetzt, wie der Londoner„Daily Hrrald" weldet. neue Erfindungen auf dem Gebiete de» klastischen Films gemacht, di« da» lang diskutierte Problem der stereoskopischen Filmaufnahme gelöst haben sollen. Der greise Erfinder bat seinen Apparat in Paris bereits einem Kreise von Sachverständigen vorgeführt.-' Wie die Pariser Zeitung.Comedia" mit- «em, sind Bestrebungen im Gange, LouiS Lu« witre zum vierzigsten Geburtstage des Film» im Lcmfe diese» Jahres besondere Ehrungen darzubringen. Unter anderem ist in Aussicht genom» wen, eine französische Briefmarke mit sei« "au Porträt auSzugeben. Volksgemeinschaft der Pleite Kürzlich, in der Nummer vom 8. Jänner, haben wir an Beispielen au» Dresden dargelegt, wie die nationalsozialistischen Wirtschaftskünstler, ohne es noch zu wollen, im Begriffe sind, die deut* scheu Konsumgenoffenschaftrn zugrunde zu richten. Die Konsumvereine gehen dem Ruin entgegen, nicht weil es die Nationalsozialisten den Kleinhändlern versprochen haben; sie gehen zugrunde, obwohl das braune Regime jetzt und im Gegensatz zu seiner früheren Absicht bemüht ist, die Ge- noffenschaften seinen Interessen dienstbar zu machen. Was wir letzthin an einem Einzelbeispiel darlegten, gilt in eher noch schlimmerem Umfange für ganz Deutschland. Es ist leider nicht übertrieben, wenn gesagt wird: diedeutschenKon- sumvereine sind im ganzen gesehen ko n ku r s r eif. DaS wird durch die neuerdings vorliegenden Berichte unbarmherzig bestätigt. Die Vereine, die der Großeinkaufs« g es rll schäft deutscher Konsumvereine(GEG) in Hamburg angeschlossen sind, also sämtliche früher als»sozialdemokratisch" bezeichneten Konsumvereine, haben im Geschäftsjahr 1933/34 einen Umsatzrücksang von 911 Millionen RM auf 719 Millionen RM zu verzeichne«; daS sind 22 Prozent! Katastrophaler noch ist die Lage der einzelnen Vereine, und zwar ist eS gerade um die größten, die der Stolz der Bewegung waren, am schlimmsten bestellt. Beim Hamburger Konsum« verein.Produktion" zum Beispiel ist der Umsatz von 88 Millionen RM im Jahre 1929 anf 29 Mllionen RM im Geschäftsjahre 1933/34 gesunken. Die Sparkassengelder sind von 84.3 Millionen RM auf 27.4 Millionen RM gefallen. Noch eindringlicher kommt die unhaltbare Lage darin zum Ausdruck, daß die gesamten G e- schäftSunkosten in diesem Jahre 14.5 Millionen RM, also 50 Prozent des Umsat- ze» betragen. Aehnlich steht eS, von zwei, drei Ausnahmen abgesehen, mit allen Konsumvereinen, auch den in Berlin. Einer der ganz wenigen großen Vereine» die noch liquid sind, ist die Genossenschaft in Dortmund. Aber auch hier ist der Umsatz von 18 Millionen RM im Jahre 1929/30 auf 10 Millionen RM im Jahre 1983/34 zurückgegangen. Die Spargelder sind von 2.5 Millionen auf 1.2 Millionen gesunken. Trotz der verhältnismäßig leidlichen Situation hält die rückläufige Bewegung an und man rechnet für dieses Jahr mit einem Umsatzrückgang um weitere 2 Millionen. Die Lage wird auch für diesen noch einigermaßen intakten Ve^üi, immer,schwieriner, weil ei;,durch die braunen Lokaldiktatoren gezwungen-wird» den-völlig bankrotten christlichen Konsumverein in Dortmund zu stützen. In G r«i z in Thüringen hat sich der Kon« sumverein durch die Notlage gezwungen gesehen, wefigehenden Personalabbau und harte Lohnsenkungen vorzunehmen; unter anderem hat er sämtliche Vorstandsmitglieder bis auf einen letzten Mann abbauen müssen. Die Konsumvereine in Z i t t a u und Bautzen haben.Vergleiche" schließen müssen» bei denen die Lieferanten auf 40 Prozent ihrer Forderungen verzichtm mußten. Die Sparguthab en d e r M it g li e d e r sind auf 70 Prozent abgewertet worden. Wy also 100 Mark gespart hatte, hat plötzlich nur noch 70 Mark. Diese Quoten werden jedoch nicht ausgezahlt, sondern der Vergleich ist außerdem mit einem.Stillhalteabkommen" verbunden. Dir Mitglirdsanteile find überhaupt gestrichen worden; fie find restlos verfallen. Genaue und ebenso trostlose Angaben liegen jetzt für den Konsumverein»Vorwärts" in Dresden vor; sie ergänzen die seinerzeit mitgeteilten Einzelheiten zum Bilde einer hoffnungslosen Lage. Bei diesem Vereine hat sich der Umsatz folgendermaßen verschlechtert: 44. BetriebSjahr 1931/32: 38.9 Mill. RM 45. BetriebSjahr 1982/88: 25.8 Mill. RM 46. BetriebSjahr 1938/84: 19.3 Mill. RM Der Umsatz ist also in drei Jahren um fast 50 Prozent gesunken. Im Geschäftsbericht 1933/34 wird dazu mitgeteilt, daß»die erforderlichen Abschreibungen" auf Einrichtungen und Gebäude von 567.492 RM nicht erwirtschaftet werden konnten. Außerdem ist ein V e rl u st von 149.979 RM vorhanden.. Beide ungünstigen Einflüsse führten dazu, daß unsere Genossenschaft außerstande ist, aus eigener Kraft ihren Mitgliedern eine Rückver- gütung für 1933/34 zukommen zu lassen. Nur durch die herrliche Geschlossenheit der auf Gedeih und Verderb miteinander verbundenen Glieder der nationalen Genoffenschaftsbewegung(dieser Quatsch steht in einem Geschäftsbericht deS ehemals.roten" Konsumvereines„Vorwärts"— es ist zum GtiefelauSziehen!) war es möglich, daß auch für unsere Genoffenschaft di« Mittel zur Ausschüttung einer Rückvergütung von 2 v. H. durch die Fürsorge de» Reichsbundes der deutschen Verbrauchergenossenschaften(GEG) in Hamburg zur Verfügung gestellt wurden." DaS Geheimnis der„herrlichen Geschloffen« heit" ist sehr einfach: für die Vereine, die gar keine Ueberschüffe erzielen konnten, mußte di« GEG 7 Millionen RM zur Verfügung stellen; 20 Prozent dieser Summe dursten die Vereine für die Auszahlung der Rückvergütung verwenden. Im Geschäftsbericht de- Dresdner Vereines heißt eS weiter:»Die Mehrabhebungder Spareinlagen gegenüber den Einzahlungen hat, wenn auch in vermindertem Maße, im Berichtsjahre angehalten. Durch die im Mai 1933 geschaffene verschärfte Sparordnung wurde dem Spareinlagenabfluß eine bestimmte Grenze gesetzt. Immerhin betrugen die Abhebungen noch 1,539.113 RM, denen al- Einzahlungen nur 220.725 RM gegenüberstanden. Es verblieb somit am 30. Juni 1934 ein Einlagenstand von 5,575.525 RM." Die Zahl der Beschäftigten ist im Berichtsjahre um weitere 92 gesunken. Die Durchschnitts löhne und- Gehälter sind von 2037.65 auf 1865.42 RM, also uan 8 Prozent vermindert worden. Die Mit- gliederzahl ist in diesem Jahre von 69.261 auf 67.891 zurückgegangen; die Anzahl der im Konsumverein tatsächlich kaufenden Mitglieder beträgt aber nur 48.915. So steht es jetzt um die einst blühende deutsche GenoffenschastSbewegung. Restloser Zusammenbruch droht ihr. Mer auch die Nationalsozialisten wiffen, daß ein solcher totaler Zusammenbruch nicht ohne schwere Rückschläge auf den übrigen Klein- und Großhandel und die Industrie, soweit sie Lieferanten und Gläubiger der Genossenschaften sind, bleiben könnte. Die Pleite der Genossenschaften zieht die Pleite anderer nach sich. Darin liegt der Grund, weshalb man es, von Ausnahmen abgesehen, noch nicht zu Konkursen hat kommen lassen. Wie daS gemacht wird, zeigt das Beispiel des Konsumvereins in Elberfeld-Barmen, jetzt Wuppertal. Dort war die Genossenschaft durch starken Umsatz- Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Arbeit unserer Gewerkschaften 17 Mllionen für arbeitslose Angestellte in zwei Jahre«. Welch enorme Leistungen unsere Gewerkschaften aufbringen» lehrt die Statistik der Arbeitslosenunterstützung des Allgemeinen Angestelltenverbandes(Reichenberg)., Derselbe hat an seine arbeitslosen Mitglieder im Jahre 1933 8,731.990 Kö, im Jahre 1934 8,386.433 KL, zusammen also in den beiden Jahren 17,018.423 KL ausgezahlt. Diese Zahlen lehren zweierlei: die furchtbare Ausdehnung der Arbeitslosigkeit unter den deutschen Angestellten der Tschechosiowa» kei, aber auch die Hilf«, welche die Gewerkschaft den grbeitSlosen Angestellten bringt. Auf der Suche nach dem Piratengold (PS.) In diesen Tagen geht wieder einmal«»« Expedition auf die Suche nach dem Piratenschatz, der 28,000.000 engl. Pfund wert sei» soll und auf den CocoSinseln vergraben sein soll. Das Expeditionsschiff ist- ein Lowestofterf Frachtschiff, die Veracity. Das Schiff ist beinahe in eine Luxusjacht verwandelt worden. Plüschüberzogene Lehnstühle, seidene Bettdecken usw. findet man jetzt dort anstatt der Fischladungen. DaS Schiff wird einen Kurzwellensender haben, der es möglich machen wird, mit England über die 6000 engl. Seemeilen in Verbindung zu bleiben. Unter den zwölf Mitgliedern der Expeditton befindet sich Dr. I. D. Harris, der Geologe, zwei Experten für.Elektrotechnik, zwei Bergbauingenieure, ein Bohrsachverständiger und rin Kameramann. Es. ist das erste Mal, daß elektrische Bohrer auf der Insel in Tätigkeit treten werden. Die Expedition wird van F. W. Worsley, dem Lei- rückgang konkursreif geworden. Der'alte Vorstand wollte Konkurs anmelden. Deshalb wurde er durch einen nattonalsozialistischen ersetzt. Konkurs wurde nicht angemeldet. Man sucht ihn zu verhindern— indem man ihn einfach nicht anmeldet l Auf wie lange das geht, das probiert man zur Zeit aus. Die Preußenkasse, das große staatliche Kre- dittnstitut für Genossenschaften, hat einen Kredit von 80 Millionen RM für die wackligen Genossenschaften zur Verfügung stellen müssen. Man pumpt und wurstest weiter. Man repariert die brüchige Wirtschaft mit Schulden. Im Reich wie im einzelnen. Da» ist nationalsozialistische Wirtschaftsweisheit. In Zusammenarbeit mit der GEG, die mit starken Reserven in die Krise ging, übt man auf fast alle großen Konsumvereine einen Druck aus, sich durch Vergleichsverhandlungen, also aus Kosten der Gläubiger und Mitglieder(siehe Zittau und Bautzen) zu sanieren. Die GEG muß mtt Waren- und Bankkrediten helfen. Die Vollmachten sind hinsichtlich der Sanierung von Vereinen sehr weitgehend/ In den verslbiedensten Teilen des Reiches sind Bevollmächtigte eingesetzt, die die Sanierungs- und Verschmelzungsverhandlungen durchzuführen haben. So wird planmäßig daran gearbeitet, aus der gesamten deutschen Genossenschaftsbewegung eine einzige große Virlustgemein- schaft zu machen. Dank der nationalsozialistischen.Sanierungs"-Maßnahmen geht es nicht mehr nur um den Bankrott einzelner Konsumvereine, sondern um den endgültigen Ruin der ganzen, von der deutschen Arbeiterschaft in jahrzehntelanger Arbeit mühevoll und erfolgreich aufgebauten deutschen GenoffenschastSbewegung. Denn durch di« unvermeidliche Zwangsverflechtung ist da» Einzelschicksal zum Gesamtschic^sal geworden. ter der Shackleton Polarexpedition geführt. Es wird drei Wochen dauern bis das Schiff die Cocostnses erreichen wird. Kapitän F. Marfarlane Arthur, em ExDeditionsmitglied erzählt:„Es sind schon. Dutzende von Expeditionen nach der-Insel gemacht worden, aber keine ist so ausgerüstet gewesen wie wir. Unsere Expedition ist eigentlich nur reorganisiert, denn wir find schon dort gewesen und haben !0e^^elHdas>alIiscft*!SucA schon die Arbeit angefangen. Wir haben eine Polizeiwache auS Costa Rica dort auf der Insel. Die Kosten dafür trägt die Expedition. Außerdem sind einige Mitglieder unserer Expedition auch dort geblieben. Die Geschichte des Schatzes ist in zwei offiziellen Handbüchern beschrieben und sind von dem Fremdenbüro dieses Landes herauSgegsben. Die Insel besteht aus einem vierzehn Quadratmeilen breiten Urwald. Die Schätz« sind unserer Meinung nach in den Quadratmeilen deS Nordostens und Nordwestens der Insel verborgen. Diese zwei Platze find nämlich die einzigen zugänglichen Stellen der Insel. Der übrige Teil der Küste ist gleich den Klippen von Doover 200 bis 300 Fuß hoch-. Der größte Teil der Schätze wurde von den Piraten vor einigen Hundert Jahren von den spanischen Galeeren geraubt. Er wurde der Sicherhett halber auf der Insel vergraben. Wir zweifeln nicht daran, daß der Schatz hier ist. Etwas davon ist schon gefunden worden. Tatsächlich gibt es auf- der Insel fünf authentische Stellen, wo Teile deS Schatzes aufbewahrt fein sollen. Unserer Expeditton wurde das Recht zuerkannt, auf der Insel nach den Schätzen zu suchen, jedoch beansprucht die Regierung von Costa-Rica ein Drittel jedes Fundes.„Wir. werde» ein Jahr dort bleiben", meint der Kapitän.„Wenn wir aber«her den Schatz finden, werden wir ihn so schnell als möglich nach England bringen." Großreinemachen im Panama-Kanal Alle 20 Jahre werden die Schleusen und sonstigen Anlagen des Panamakanals einer gründlichen Reinigung und lleberholung unterzogen. So sind auch gegenwärtig wieder 1500 Arbeiter mit dieser Riesenarbett beschäftigt, von der hier die Reinigung der Gattin- Schleuse bei Christobal gezeigt wird. Seife 6 „Sozialdemokrat* DonnerStag, 7. Fe!« 1-35. Nr. 32 PBAGBB ZEmJMft Menschenschicksale— ziehen vorbei Zur Einführung der Ausspracheabende „Die Frau"- und Errichtung einer „Frauenberatungsstelle" in der„Urania" Zn Zeiten der Not brauchen besonder? diele Menschen einen Rat, weil selbst die kleinste Begebenheit wichtig wird. Dabei ist es sechstverständlich, daß die Frau sich am liebsten an die Frau wendet, bei der fie besonderes Verständnis für ihre Lage voraussetzen kann. Sechst der tüchtigste Mensch kann sich nicht mehr in allen Lebenslagen allein zurecht finden: sei es, daß er sich nicht im Gehege der gesetzlichen Bestim- nmngen auskennt, sei eS, daß er in irgendeiner Frage besonders sicher gehen will, sei es, dah familiäre Angelegenheiten ihn bedrücken. Für Menschen in derlei Konfliktenfind di« Beratungsstellen da. Eltern kommen, deren Kinder in der Schule «der Lehre besondere Schwierigkeiten haben, Eltern, deren schlechte Ehe, deren Scheidung oder Trennung die Kinder in Mitleidenschaft ziehen.— Frauen wollen sich über ihre ehelichen Rechte und Pflichten aussprechen, über ihre Rechte als Mutter. Jung« Mädchen brauchen eine Belehrung oder Auskunft, mit der fie fich nicht an die Eltern oder Erzieher wenden wollen. Eltern wieder find in Sorge um die Kinder, di« in schlechte Gesellschaft gekommen find oder auf dem Wege dazu.' Andere Konflikt« wieder ergeben sich aus dem Berufsleben, aus Geld- und Vermögensfragen. Manches Menschen Leben steht unter dem Schaden eines Verbrechens/in der Jugend einmal selbst begangen, oder dessen Mitwisser man geworden ist. Und es heißt diesen Schatten zu bannen, den Menschen frei zu machen. Hat sich eine Beratungsstelle erst einmal ein- geführt, so gibt es bald kein Problem mehr, das dort nicht erörtert wird: ob man die Schwiegermutter mit in den Haushalt aufnehmen soll wird besprochen, ob dem Manne zuliebe auf di« alt« Hauskatze berzichten. Es gibt nichts, was in diesem Zusammenhang lächerlich sein könnte. ✓ Denn für die. die es angeht, find das Lebensprobleme, solange sie nicht gelöst find. Eine Beratungsstelle wird immer segensreich wirken, denn sie erfaßt die Menschen, in ihren großen und kleinen Röten, in denen sie sonst verschlossen hleiben. Sie erfaßt zum anderen die menschlichen Tragödien, die einer rasche« Hilfe bedürfen. Nie nämlich darf man vergessen/daß fich nicht alles Leben organisieren läßt, daß viel« Menschen nicht gleich an die richtige Stelle findest, andere eine Scheu nichi^ibertyinden können, so daß sie nicht sofort das öffentliche Gremium, den Arzt", den Anwalt aufsuchen, aus Angst, daß aus ihrer Angelegenheit ein„Fall" entstehen könnte. In der Bera- itingsstelle aber sprechen sie sich aus, denn dort brauchen sie zunächst keinen Namen und keine Anschrift anzugeben, und lassen fich— eben weil fie Vertrauen haben—, wenn es nottut, gern an die sozusagen zuständige Stelle weisen. Folglich ist es eine der vornehmsten Aufgaben der Beratungsstellen diese Menschen gewissermaßen aufzufangen, die sonst hilflos bleiben und sich quälen. In anderen Ländern haben Vereine aller Art sogar Krankenkassen und Gerichte derartige Beratungsstellen gegründet. Die Kaffen, um vorbeugend zu wirken, die Gericht« aus der Erwägung heraus, daß es menschlich durchaus nicht immer das Richtige ist, gleich zum Kadi zu laufen, und viele Wogen sich von selbst wieder glätten, wenn eine verstehend« Hand eingreift. Deshalb haben Kassen und Gerichte in anderen Fällen auch oft ihre Besucher an bestehend« allgemeine Beratungsstellen -weitergeleitet,.damit Sorge für eine vollkommene Beilegung getragen wird. Eine Beratungsstelle kann ihre Aufgabe rmr restlos erfüllen, wenn alle Wohlfahrtsanstalten und Organisationen mit ihr in engstem Zusammenhang stehen und mit ihr gemeinsam arbeiten, wenn andererseits die Behörde diese Einrichtung maßgebend unterstützt. Vorläufig ist hier in Prag nur ein Anfang gemacht:- Mitte Feber werden Ausspracheabende in der „Urania" abgehalten, die sich mit den verschiedensten Frauenproblemen befaffen:„Die Frau in der Ehe"(Rechte und Pflichten der Ehefrau«— Hygiene der Ehe),„Me Frau als Mutter",„Di« Frau im Beruf" und über„Aktuell« Frauenprobleme", in denen soißohl über die Frau" als Staatsbürgerin als über die Hygiene der Frau im allgemeinen gesprochen wird. Außerdem werden spezielle Fraßen und Fragen persönlichster Art in besonders anberaumten Sprechstunden beantwortet. Sonderzüge. Die S-taatsbahndirektion Prag veranstaltet jeden Samstag einen Sonderzug mit Verpflegung- nach Johanmisbad zum Preise von 75 Kd und auf den S ch'w a r z e n b e r g für 86 Kd. Anmeldungen mit einer Angabe täglich von 8 bis 17 Uhr im Basar neben dem Wilsonbahnhof. — Ski-Exkursion-nach Eisenstein am 16. und 17. Feber.. Abfahrt: Prag-Smichov am SauzStag, dem 16. Feber, Um 14 Uhr 40. Preis 75 Kd tein- schließlich Nachtlager und Frühstück). Anmeldungen bis Freitag, 17 Uhr, im Basar.— Die Staatsbahndirektion in Prag veranstaltet werter nachfolgende Sonderzüg« mit Verpflegung und Führung: In die Hohe Tatra zu den Fis-Skiwettkämpfen vom 10. bis 18. Feher zirm Preise von 490 Kd und in den Tygen vom 14. bis 18. Feber zu 315 Kd: ins Riesengebirg« nach Spindlerniühle vom 16. bis 24. Feber zu 850 Kd; zur Premiere der Oper Smetanas„Verkaufte Braut" nach Mailand vom 21. Feber bis 1. März zum Preise von"975 Kd; in den Tagen vom 2. bis 11. März nach Karpathorußland für 425 Kd und vom 9. bis 18. März in di« H o h e T a t r a zum Preise von 535 Kd. Informationen und Anmeldungen mit einer Angabe nimmt das Ausflugszugreferat täglich von 8 bis 17 Uhr im Basar neben dem Wilsonbabn- hof entgegen; Telephon Nr. 383-35. Mißlungener Selbstmordversuch. Dienstag gegen 14 Uhr sprang vom Riegerkai die 23jährige Marie K. ist die Moldau, wurde jedoch rechtzeitig von dem Schiffer Prochazka und dessen Sohn mit einem Rettungskahn ans Ufer gebracht. Sie verweigerte jede Angabe über das Motiv der Tat. Gcrichtssaal Gin alter Landstreicher stirbt— die Polizei sieht zu— und der Helfer" bestiehlt den Sterbende«! Prag. Dieser Fall hat fich ereignet am 1. August im Jahre des Heils 1934. I In den Nachmittagsstunden dieses Tages lag am Ufer des Bächleins K o c& I bei Neu-Straschitz eine erbärmliche Gestalt in völliger Hilflosigkeit und Verlaffenheit. Es war der 75jährige Bettler und Landstreicher Karl Jelinek, dem sein morscher Körper just an dieser Stelle ein für allemal den Dienst aufgesagt hatte. Der alte Vagabund lag bewußtlos am Bachufer und seine Füße hingen hilflos ins Waffer. Und siehe, es nahte der Gemeindepolizist. Er zog den Bewußtlosen weiter aufs Ufer hinauf und waltete seines Amtes, d. h. er durchsuchte die Taschen des Ohnmächfigen, stellte mit Befriedigung deffen Personalien fest und ging getrost von dannen, im Gefühl treulich erfüllter Pflicht. Vorher hatte er den zufällig vorübergehenden Josef R ä p r st e k angehalten und diesem zufälligen Paffanten die weitere Fürsorge für den armen Teufel überlassen. Mer auch diesem erschien der Zustand des seiner Pflege Empfohlenen nach einer Weile so zufriedenstellend, daß er gleichfalls seiner Wege ging. Am nächsten Tag fand man an dieser Stelle die L e i ch e des alten Vagabunden... Nun setzte fteflich die Tätigkeit der Amtsorgane mit Volldampf ein. Denn eine Leiche ist, zum Unterschied vom lebenden Menschen, ein Objekt, dem die Behörden ihre Fürsorge angedeihen lassen müssen. Es folgte die vorschriftsmäßige Identifizierung des Toten, die Leichenbeschau usw. Hiebei ergab sich nun^ daß entgegen dem bekannten Sprichwort, nicht einmal der Tod umsonst ist. Der sterbende Bettler hat ohne sein Wissen dem edlen. Helfer Näprstek seine„Hilfe" bezahlen müffen, denn Näprstek hatte deffen armselige -Taschenuhr angeeignet, als er ihm„Hilfe" leistete. Dies konnte festgestellt werden, weil der Polizist, als er in den Taschen des Bewußtlosen nach dessen Papieren suchte, auch eine Nickeluhr fand, die nachher verschwunden war.! • Die Uhr hatte einen Wert von kaum 20 Kd. Der Diebstahl einer Sache von solchem minimalen Wert wäre an fich eine kleine Uebertretung, die mit ein paar Stunden Arrest gestraft würde. Da aber der-Bestohlene sich im Zeitpunft des Diebstahls sich im.Zustand der Wehr» und Hilflosigkeit befunden hatte, ist auch dieses Bagatellvergehen im Sinne unseres Strafgesetzes als V e r b r e ch e n qualifiziert. Ter' Strafsenat N o s e k verurteflte Na- p r st e k, der sich Mittwoch wegen seiner Uebeltat zu verantworten hatte, zu sechs Wochen Kerkers bedingt. rb. Vorfrage Zunge sudetendeutsche Dichtung? Der„Abend junger sudetendeutscher Dichtung", auf dem Marion Wünsche Arbeiten von Helmuth Spießmayr. Ehrhard Ernst und Alfted G ö r g l vortrug, war eine Enttäuschung. Einige nicht, sehr originelle, aber sprachlich schöne und bildhafte Gedichte Erhard Ernsts, darunter ein wahrhaft dichterisches,„Der Ehrgeizige", sowie ein echt empfundenes Gedicht Helmut Spießmahrs,„Mutter", ausgenommen.(Alfred Grögls Lyrik entzog sich, des Vortrags wegen, jeder kritischen Beurteilung), war es, schlicht gesagt, aufreizend unerquicklich. Zwei abschreckend langatmige k''fiel aus einer Erzählung Helmut Spießmayrs befremdeten durch eine ausgesprochen greisenhafte Sucht nach vernebelnden Jmpreffionen— Vorbildern nachempfunden, die man offensichtlich nicht verstanden hafte—, während zwei Szenen aus einem Malerschauspiel Erhard Ernsts teils unfteiwillig komisch', teils ausgesprochen unappefttlich- wirkten. Marion Wünsche murmelte ihr Pensum, alle etwa vorhandenen Werte erbarmungslos vernichtend! im Schnellzugstempo, ohne Farbe und Temperament, ohne jedes Bemühen um dramatische Gestaltung herunter;, sie versprach sich so peinlich häufig, daß man den Eindruck gewann, fie habe ihre Manuflripte an diesem unglücklichen Wend zum erstenmal zu Gesicht bekommen. In den verlegenen Beifall einiger Faunlienmit- glieder mischte sich heftiges Zischen. Pierre. Kunst und Wissen Karte» für da? Deutsch« Theater auch nachmittags erhältlich! Auf zahlreiche Anfragen macht die Direktion ausdrücklich darauf aufmerksam, daß auch am Nachmittag gute Karten aller Kategorien gekauft werden können, und zwar bei der Auskunftsstelle des Deutsch«! Hauses, bei M. Truhlarova, Vacl. näm. Nr. 58, und Palais Koruna; weiter bei M. Voj- techova, Smichov, Stefanikova 78. Spielpla« des Neuen Deutschen Theaters. Heute Donnerstag halb 8 Uhr: Carmen, Gastspiel Kammersänger Richard Tauber. CI.— Freitag halb 8: 13 b e i Ti s ch, D 2.— Samstag halb 8: Don G i o v a n n i, B 1, Gastspiel Kammersänger Richard Tauber.— Sonntag halb 3: Der Kreidekreis, Arbeitervorstellung,$£8: Das Land des Lächelns, C 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute Donnerstag 8 Uhr: Ich Habs getan.— Freitag 8 Uhr: Schneider Wippl kontra Napoleon, Kulturverbandsfteunde und fteier Verkauf.— Samstag 8: Ich Habs getan.— Sonntag 8: Schule fürStenerzahler, 8 Uhr: Ich Habs getan. Film Ellen Frank als Ingrid in dem sogenannten„Peer Gynt"-Fflm. Die verlorene Patrouille AuS der Erzählung Philipp Maedonalds von der im Weltkrieg in der mesopotamischen Wüste verirrten englischen Patrouille, die ihren Führer verloren hat und unter dem Kommando des Sergeanten eine verlaffene Oase besetzt, wo fie durch einen nächtlichen Ueberfall der Araber ihre Pferde verliert und zu langsamem Verderben verurteilt ist,-— belagert von einem unsichtbaren Feind«, der aus dem Hinterhalt-jeden niederstreckt, der die Oase verlassen will, — aus dieser Erzählung hätte sich zweifellos ein Film machen lassen, der Schrecken, Tragik und Sinnlosigkeit des Krieges in dem ergreifenden Schicksal einer kleinen Schar vor uns erstehen läßt. Aber in der amerikanischen Verfilmung des Regisseurs John Ford sind nur ergreifende Momente geblieben. Allzuviel ist Routine, Berechnung und Unwahrscheinlichkeit geworden. Gerade eine Handlung wie diese erfordert in der filmischen Wiedergabe ein Aeußerstes an Realistik. Daß die Wüstenreiter hier nicht einmal Ferngläser bei sich haben, daß ein englischer Pilot, der die Verirrten sichtet, nicht Hilfe holt, sondern in der Wüste landet(und so den Arabern zum Opfer fällt), — das sind Kleinigkeiten, die aber hier zu entscheidenden Mängeln werden, genau wie der unerwartete Schluß, der uns zeigt, wie der als Einziger am Leben gebliebene Sergeant im letzten Augenblick doch noch gerettet wird. Und daß die Darsteller (Victor Mac Leglen als Sergeant, Boris Karloff als religiös wahnsinniger und Reginald Denny als kipling-begeisterter Soldat) bei allem ehrlichen Mühen um Menschendarstellung doch nur Hollywood- Typen bleiben, nimmt dem Film die bezwingende Wirrung, die er haben könnte— und müßte. Er ist also mit Kriegsfilmen, wie„Westfront 1918" oder„Niemandsland" nicht zu vergleichen. Wer immerhin beffer und sehenswerter, als Singspiele, Ausstattungsstücke und Jdioften„frei nach Ibsen".— eis— Liebe am Zarenhof. Das ist eine Berliner Verfilmung der Oscar Straus-Operette„Der letzte Walzer", zu der nichts zu bemerken ist, als daß sie drei Mängel hat: erstens das Libretto, das einem finsterkitschigen Kolportageroman entnommen zu sein scheint, zweitens die Regie Georg Jacobis, die ungewöhnlich plump ist, und drittens die beiden Hauptdarsteller Camilla Horn und Iwan Petrowitsch, die schlechthin unmöglich sind. Ein«euer Pabst-Film. Der nach Paris emigrierte deutsche Filmregiffeur G. W. Papst(der Schöpfer der Filme„Westfront 1918" und„Kameradschaft") hat soeben seinen dritten französischen Film beendet, der den Titel„Ei n moderner Held" führen soll.(Der erste französische Pabst- Film war„Don Quichotte". Der zweite, die Satire „Von oben nach unten", ist in Prag noch immer Nicht gezeigt worden.) Chaplin an der Arbeit. Englische Blätter brachten in den letzten Tagen Aufnahmen aus Chaplins neuen Film, an dem er schon seit längerer Zen arbeitet. Aus den Bildern ist zu ersehen, daß Chaplin in diesem Film(der den vorläufigen Titel Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Artetterpartei. Montag, den 18. Feber 1935, nm 8 Uhr abends im großen Saale des GewerkfchastshanseS Prag l- PerSthn 11, Jahresversammlung Tagesordnung: Protokoll, organisatorisches«nd politisches Referat d«S Ber- ttauenSmanneS.— Berichte des Kassier-, der Kontrolle.— Neuwahlen.— Allgemeines» nd Anträge. Zutritt haben nur Parteimitglieder gegen Borweis deS gültigen Mitgliedsbuches. „Bild Nr. 5" führt) die Rolle eines FrileurS spielt und daß Pauline Goddard seine Partnerin ist. Sport• Spiel• Körperpflege Internationales Arbeiter-Schwimmfest in Budapest Die ungarischen Arbeitersportler veranstalteten am Sonntag ein großes Schwimm-Meettng, an welchem auch ausländische Arbeiterschwimmer teilnahmen, und zwar von derDTJPrag und vom Atu s-A. Die Wettkämpfe nahmen einen schönen Verlauf und zeugten vom weiteren Aufstieg des Arbeitersports. Di« Veranstaltung ging im größten Budapester Hal lcnbad vor sich und wies einen ausgezeichneten Besuch— rund 1200 Personen— auf. Ein Beweis, daß der ungarische Arbeitersport große Beachtung bei der Arbeiterschaft genießt. Die Prager und die AtuS-A-Sportler waren bei den Zuschauern Gegenstand großer Sympathien. Di« Ergebnisse der internationalen Schwimmwettkämpfe. 100 Meter Brust(Männer): 1. Kreit (Atus-A) 1:29, 2. Petrbok(Prag) 1:29.6, 8. Deutsch(AtuS-A) 1:30 Min. Neun am Start. 100 Meter Freistil(Männer); 1. Schwartz(Atus-A) 1:09, 2. Polykiewicz(Budapest)! 1:11, 3. Günther(AtuS-A) 1:12.2. 4. Jark» (Prag) 1:14 Min. Zwölf am Start. 3X67 Meter Lagenstaffel: 1. Atus-Ä 2:89.1, 2. Budapest 2:44, 8. Szegedin 2:45.0, 4. Prag 2:46.5 Mim ES starteten sieben Stafetten. HX67 Meter Freistil: 1. Atus-A 4:30k 2 Budapest 4:36, 3. Prag 4:46 Min. Auch hiet ' starteten sieben Staffeln. Außer diesen internattonalen Wettkämpfen fanden ein« Anzahl nattonaler Bewerbe für di« heimischen Schwimmer statt. Das Wasserball-Turnier. An dem Turnier beteiligten- fich folgend« Mannschaften: Prag, Atus-Ä, Szegedin und Budapest. Das erste Spiel trugen Prag und Budapest aus, das die Budapester mit 2:0(0:0) gewannen. Ti« Prager Mannschaft erzielte zwar en» gutes Ergebnis, hatte aber im Schießen kein Glück. AtuS-A gewann gegen Szegedin 8:0(0:0) in einem spannenden Kampf.— Im Spiel um den dritten Platz trafen Prag und Szegedin aufeinander. Das Match endete 1:1(1:0). Die Prager erzielten den dritten Platz durch das bessere Torverhältnis. Die ganze Mannschaft spielt« sehr gut, aber der Sieg blieb ihr versagt. Da- einzige Td« der Prager erzielte Suchan.— Im Endspiel des Turniers siegte Budapest über Atu S-A uni 1:0(0:0). Die Schwimmer der Prager DDF waren das große Bassin(33.5 Meter Bahnläng«) sowie di« hohe Wassertemperatur(28 Grad Celsius) nich' gewohnt, trotzdem hielten sie sich in der ausgezeichneten Konkurrenz sehr zufriedenstellend. Die ungarischen Arbeitersportler erwiesen ihren ausländischen Gästen während ihres Aufenthaltes herzliche Gastfreundschaft. Die Prager Genossen erhielten von den Szegediner Genossen zum Andenken einen Wimpel, d«ffen Inschrift in tschechiicher Sprache gehallen war. Einen Hochsprung mit 2.09 Metern erziell« bei einem Hallensportfest in New Nork der Reger Threadgill,«ine Leistung, die bisher noch nicht erreicht wurde. Ans der Partei Sozialistische Jugend: Feierstunde dem Ge- dcnkcn der Wiener Februarkämpfer am 24. Feber, um 8 Uhr im Unitariasaal. Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker, Wir beteiligen uns über die Semesterferien an de» Heimabenden der SJ. Vcrelnsnadirlditcn Ortsgruppe Prag. Ausfahri insRiesengebirge. Am Samstag, dem 9. Feber, Sportschnellzug, eventuell für«inen Wochenaufenthalt Riesengebirg« und Jsergebirge, Natür- freundehaus. Anschluß möglich. Anmeldung am Freitag in dec Kanzlei der Naturfreunde, Narotni Nr. 4, von 6 bis 8 Uhr. Führer: Strnad. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Kd 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Jnfertte werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfiepen Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele- graphendireüion mit Erlaß Nr. 13.800/VI1/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck«. Verlags, und ZeituugS-A-G., Prag.