I r I r * I i n t. L J r, a iS k il 5. I. :X !• S t ¥ K i* >/ i* « t ): « r. it I it I t. it s l it t ZENTRALORGAN-, DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag»tu fochova«2. telefon 53077. Administration Telefon 53074. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS. PRA&. Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto] 15. Jahrgang Freitag, 8. Feber 1935 Nr. 33 Minister Dr. Benes über den Völkerbund: „Vorbereitung der Welt für eine neue Ordnung“ Der Völkerbund hat noch eine Zukunft I Außenminister Dr. Benes hielt Donnerstag abends um 2V Ahr im Deutschen Volksbildungsverein„Urania" einen Vortrag, betitelt:„Befindet sich der Völkerbund tatsächlich in einer Krise?" Die tschechoslowakische Außenpolitik, führte Dr. Benes aus, hat als einen der Grundpfeiler ihrer ganzen Tätigkeit immer den Völkerbund an» gesehen. Manchmal hat man mir vorgeworfen, ich hätte alles auf die Genfer Institution gesetzt und vielleicht unserer Oeffentlichkeit Unmögliches von ihr versprochen. Das stimmt nicht Ich nahm den Völkerbund stets reell, kritisch und sachlich» wenn ich auch nie aufgrhört habe und nicht aufhörr, an feine Prinzipien und Ideen zu glauben. Deshalb bin ich von ihm nie . enttäuscht worden, da ich von ihm nie etwas erwartete, was er nicht geben konnte. An der Existenz und Prosperität deS Völ- »rbundes hat der ganze tschechoslowakische Staat -nreresse. Das tschechoslowakische Boll hat dieses Interesse deshalb, weil es seinen politischen De- dürfnissen, seinen Traditionen, seinen Neigungen zur Demokratie und seinen sozialen Bestrebungen entspricht..Unsere Deutschen haben aber dieses Interesse, weil es ihren nationalen sowohl inner- als auch außenpolitischen Interessen entspricht. Sie haben Interesse daran, daß unser Staat eine Politik des Friedens betreibe, daß er seine Beziehungen zu den Nachbarstaaten, vor allem zu Deutschland in dem Geiste friedlichen Zusammenlebens ordne und daß er alle zwischen ihm und Deutschland bestehenden Fragen durch Friedensmethoden und durch Prinzipien des Völkerbundes löse. So können sich unsere Deutschen überzeugen, daß wir fie nicht unnötig mit unseren Nachbar« in Konflikt bringen wollen und, wenn ein Konflikt entsteht, wir stets den guten Willen haben» ihn unter allen Umständen friedlich und vernünftig im Sinn: der Genfer Prinzipien zu beseitigen. Sie haben ferner Interesse daran, daß diese Prinzipien auch in der inneren Politik respektiert werden. Das bedeutet praktisch, daß dir tschechoflowakische Innenpolitik die Minoritäten respektiert, so wie fie fich dazu durch Verträge verpflichte, hat upd wie es der Völkerbund von ihr verlangt. Während der ganzen Dauer meiner Amtstätigkeit stützte ich meine Außen- und Innenpolitik auf diese Grundsätze. Es ging mir auch darum, daß' auch unsere Deutschen unsere Außenpolitik billigen, daß sie die Ueberzeugung gewonnen haben. daß wir ein gutes und freundschaftliches Verhältnis zu allen unseren Nachbarn suchen und daß wir dieses Verhältnis mit Grundsätzen bestimmen wollen, welche jeder unserer Deutschen/ der ein loyaler Bürger unseres Staates sein will, mit gutem Gewissen und unter allen Umständen akzeptieren kann. Diese Grundsätze find durch die Genfer Politik ausgedrückt. Es sind Grundsätze, die sich nicht ändern und die auch durch keine Aenderung in unserer Nachbarschaft, durch keinen Wechsel des inneren Regimes in Deutschland oder bei uns geändert werden können. Solange ich über die Innen- und Außenpolitik des Staates mitzuentscheiden haben werde, werde ich immer diese Politik unerschütterlich verfechten und verteidigen. Um die Tätigkeit deS Völkerbundes wichtig werten zu können, ist es notwendig, ihre Aktiva und Passiva klar festzustellen. Laut dem Pakte ist seine Grundaufgabe die, seinxn Mitgliedern den internationalen.Frieden, die internationale Ordnung und Sicherheit zu gewähren. Bis zum chinesisch-japanischen K o n f l i k t im Jahre 1931 erfüllte der Völkerbund diese Aufgabe ziemlich zufriedenstellend. Mit diesem Konflikte beginnen jedoch für den Völkerbund kritische Zeiten. Man muß ganz offen bekennen, daß der Völkerbund in diesem schreienden Fall nicht Mut genug fand, die Dinge und Geschehnisse zur rechten Zeit beim rechten Namen zu nennen und die zuständigen Artikel des Paktes in Anwendung zu bringen. Zwischen den Jahren 1932 bis 1935 mußte der Völkerbund weitere ernste und heikle Konflikte lösen. Den Konflikt zwischen Kolumbien und Peru gelang es mit Erfolg zu liquidieren. Der Konflikt zwischen Bolivien und Paraguay steht immer noch offen und es scheint, daß er ähnlich wie der Kon- flikt zwischen China, und Jatzanendnrwird. Schließlich haben wir das AbrUstunssproblem das viele etwas übertrieben zum Prüfstein der gesamten Wirksamkeit des Völkerbundes gemacht haben. Bei diesem Problem dürfen wir nicht die Tatsache vergessen, daß in einerPeriode des Kampfes zwischen den alten und den. neuen Methoden, in der erst die mit dem neuen internationalen System gemachten Erfahrungen gesammelt werden, nicht soviel Vertrauen und Sicherheit existiert, als zu einxr wesentlichen Herabsetzung der Rüstungen erforderlich wäre. Die Abrüstung setzt nicht bloß die feierlichen Erklärungen der Mitglieder des Völkerbundes voraus, daß sie alle ihre Konflikte mit friedlichen Mitteln und Methoden lösen wollen. Sie erfordert vielmehr zugleich wirksame und reale Garantien auch für solche Fälle, in denen die erwähnten Erklärungen nicht eingehälten und trotz allen Elementen des. Rechtssystems rohe Kriegsgewalt angewendet würde. Ich verteidige hier keinesfalls irgend eine einseitige These der Sicherheit, wie sie vielleicht von Frankreich vertreten wird, sondern das System einer Politik, die für alle gilt und die zum Beispiel auch Deutschland, Ungarn«wer Bulgarien Sicherheit bieten würde. Ich schließe nicht meine Augen vor den bisherigen Mißerfolgen der Abrüstungskonferenz, mache jedoch auf eine ihrer großen Folgen aufmerksam: Heute wird die Abrüstung nicht für eine große innere Staatsangelegenheit, sondern für eine internationale Frage gehalten und es ist allgemein die Ueberzeugung durchgedrungen, daß sie nur als solche gelöst werden muß. Die Abrüstungskonferenz ist übrigens noch nicht abgeschlossen und ihr Schicksal hängt von den diplomatischen Verhandlungen über die französisch-italienische Verständigung, über den Ostpakt, über die Verständigung in der österreichischen und mitteleuropäischen Frage ab. Die Monate September bis Dezember 1934 waren Zeugen eines Aufschwunges des Völkerbundes. Im September 1934 trat die Sowjetunion dem Völkerbünde bei, worin ich eine entscheidende Wendung zum Besseren und ein großes Ereignis in der europäischen und Weltpolitik erblicke. Auch die. Vereinigten Staaten haben ihre politische Zusammenarbeit mit dem Völkerbund verstärkt, so daß man mit Sicherheit sagen kann, daß die schwerste Krisenperiode des Völkerbundes vorbei ist und daß mit der Zeit Japan und Deutschland nach Genf zurückkehren werden. Die Macht und Autorität des Völkerbundes hat flar die Regelung der Saarfrage in der letzten Zeit erwiesen. Anfänglich schien ein Konflikt zwischen Frankreich und Deutschland unvermeidlich zu sein, aber in zwei Sitzungen des Völkerbundrates kam es zu einer plötzlichen Wendung. Es wurde nicht nur eine zufriedenstellende Lösung gefunden, sondern es wär ein wichtiger Präzedenzfall der Bildung internationaler Militärformationen unter der Patronanz des Völkerbundes geschaffen. Es wird bestimmt nicht ohne Folgen bleiben, daß dies in einem Konflikt zwischen zwei Großmächten geschah. In derselben Zeit wär auch der jugoslawisch-ungarische Konflitt, wegen der Ermordung des Königs Alexander befriedigend gelöst. Man muß anerkennend konstatieren, daß Genf diesmal ganz entschieden eingriff und daß auch die Großmächte eine klare und feste Stellung einzunehmen gewußt haben. Ganz Europa atmete nach Beseitigung dieser Fragen auf und es wurde allgemein anerkannt, daß der Völkerbund in der Tat den Frieden gerettet hatte. Diese letzen Ereignisse zeigen deutlich einen neuen Aufschwung des Völkerbundes und die Tschechofloivakei kann stolz darauf sein, daß sie sich an ihnen allen aktiv beteiligt und nicht wenig zu ihrer günstigen Lösung beigetragen hat. Ziehen wir also auf der einen Seite die Mißerfolge der Genfer Institution und auf der anderen Seite ihre früheren und ihre jetzigen Erfolge in Betracht, so müssen wir konstatieren, daß ihre bisherige Bilanz entschieden aftiv ist, sowohl in theoretischer als auch in praktischer Hinsicht.' Die militärischen und gewaltsamen Methoden der internationalen Politik'sind allerdings Nicht völlig verschwunden. Es gibt überall offizielle und inoffizielle Kreise, die fich auf sie verlassen. Damit müssen wir, besonders hier in der Tschechoflowakei'rechnen, und auch ich vergesse es nicht in meiner Außenpolitik. Nichtsdestoweniger werden sie als moralisch minderwertig und verabscheuungswürdig immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Die friedliche« Lösungen zwischenstaatlicher Konflikte werden zur offiziellen und normalen politischen Methode, zur Regel, zur Pflicht. Im ganzen also setzt sich die durch den Völker- bundpakt begründete neue Rechts- und politische Ordnung normal, wenn auch nicht immer erfolgreich durch. Unter die gegenwärtigen schwachen Seiten des Völkerbundes zähle ich vor allem das Berhältnis der Großmächte zu den fleine- ren Staaten. Die Großmächte ertragen unwillig die Majorisierung durch die vielen Stimmen der kleinen Staaten, diese aber ertragen noch unwilliger den Druck der Großmächte. In diesem Kampfe für und gegen die Demokratte wird oft auf beiden Seiten übertrieben. Eine ganz geradlinige internationale Demokrafie auch in der Genfer Institution zur Geltung bringen zu wollen, würde zu einer Bedrohung ihrer Existenz führen. Das bedeutet nicht, daß man über die Interessen der kleineren Staaten ohne ihre Stimme und Zustimmung entscheiden sollte. Es bedeutet auch nickt, daß man das bisherige Statut abändern müßte. Wenn wir die Schwächen des Völkerbundes nüchtern betrachten, so sehen wir, daß es Schwächen sind, die jeder menschlichen Institution anhaften und anhaften müssen. Auf die Frage, ob sich der Völkerbund in einer Krise befinde, antworte ich negafiv. Er arbeitet zwar schwer, um seine Anerkennung, Autorität und Macht. Es fehlen auch nicht Stimmen, die nach Reformen rufen, deren einige den Völkerbund mit größerer Exekutivgewalt und das Prinzip der Einstimmigkeit der Beschlüsse mit dem Prinzip der Stimmenmehrheit ersetzen wollen. Dies würde aber die Schaffung eines Ueber- staates bedeuten, und zu dieser Äsung ist die Welt meiner Meinung nach noch nicht reif. Alle Reformen sind eigentlich Sache der Erziehung und der konsequenten Vorbereitung der Welt für eine neue Ordnung. Diese Erziehung ist aber in der jetzigen Zeit, wo die größten Nationen und Stauten zu absolutistischen, diftatorischen und militaristischen Regimen Lbcrgegangen find, sehr schwierig. Nach meiner Ueberzeugung sind wir dochnochlange nicht am Ende aller großen Umstürze der heutigen Welt angelangt. Ich glaube daher, daß diese Erziehung von Erfolg gekrönt sein wird, und daß der Völkerbund noch eine Zukunft vor sich hat. 1 Ein Fortschritt Die Vierzigstundenwoche in der Flaschenglasindustrie Ueberall wo man den Kampf gegen die Krise ernstlich führt und wo die Oeffentlichkeit nicht vollständig unter dem Einfluß jener Unternehmer steht, die in ihrer engstirnigen Jnteressenpolitik nicht die Notwendigkeiten der Zeit erkennen, beschäftigt man sich mit dem Problem der Verkürzung der Arbeitszeit. Deiens bestand zunächst die Absicht—•- der Ministerpräsident hat das seinerzeit in einer Rede betont— die Frage der Arbeitszeit in den einzelnen Branchen individuell zu regeln. Es wurden Konferenzen von Arbeitern und Unternehmern der Industriezweige einberufen, wobei jedoch die Unternehmer solche Schwierigkeiten machten, daß nunmehr daran geschritten wird, die Arbeitszeit auf gesetzlichem Wege herabzusetzen. In einer einzigen Branche haben die, Verhandlungen Erfolg gehabt, und zwar in der Flaschenglasindustrie. Die Glasindu- stciellen haben schor einmal in wirtschaftlichen Fragen größeres Verständnis für das, was ohnehin kommen muß, bewiesen, erinnert sei daran, daß der Vorsitzende des Verbandes der Glasindustrie selbst die Noftvendigkeit einer gewissen Planwirtschaft in diesem Industriezweige eingesehen hat. Nunmehr ist ein Uebereinkommen der' Arbeitgeber und der Arbeitnehmer der Flaschenglasindustrie zustandegekommen, wodurch wenigstens bei einem Teil der Arbeiterschaft die vierzig- stündige Arbeitswoche Tatsache wird. Nach dem uns vorliegenden Uebereinkommen, welches am 4. Feber 1935 unter Vermitüung des Leiters der volkswirtschaftlichen Abteilung des Mi- nisterratspräsidiurr 7, des Architekten Bittermann, abgeschlossen wurde, wird die Höchstarbeitszeit in der Flaschenglasindustrie bei der ununterbrochen arbeitenden Arbeiterschaft auf 40 Stunden, öti der übrigen Arbeiterschaft auf 42 Stunden festgesetzt. Im ununterbrochenen Betriebe werden wöchentlich 160 Stunden in vier Schichten gearbeitet, während acht Stunden in der Woche ruht auch in den kontinuierlichen Betrieben die Arbeit völlig (Sonntagsruhe). Was nun den Ausgleich der Löhne betrifft, so ist hier eine Vereinbarung zustandegekommen, nach der die Arbeiter in der Vierzigstundenwoche so viel verdienen, als ob sie 43 Stunden und diejenigen, die nunmehr 42 Stunden arbeiten, so viel verdienen, als ob sie 45 Stunden arbeiten würden. Wo schon verkürzt gearbeitet wird, tritt in dem angeführten Verhältnis eine Erhöhung der bisherigen Löhne ein. Die über 40 und 42 Stunden geleistete Ueberstunden-, arbeit,, wird ebenso bezahlt wie früher. Die Sonntagsarbeit wird mit einem fünfzigprozentigen Zuschlag entlohnt. Bemerkenswert sind auch folgende Bestimmungen: Die Anzahl der Arbeiter, welche an den sogenannten Halbautomaten oder mit der Hand arbeiten, wird für die Dauer des Abkom- mens keine Verminderung erfahren. Selbst wenn Maschinen in Betrieb gesetzt werden, welche bisher aus dem Arbeitsprozeß ausgeschieden waren, wird dies eine Herabsetzung der Belegschaft nickt zur Folge haben. Außerdem wird bei Neuaufnahmen der Arbeiterschaft zunächst Rücksicht genommen auf gelernte Flaschenmacher und Arbeiter, welche früher in Flaschenfabriken beschäftigt gewesen find. Wenn auch diefes Uebereinkommen, welches sich auf sämtliche Flaschenglasfabriken in der Tschechoslowakei bezieht, nur für die Dauer von vereinhalb Monaten abgeschlossen ist, kann man darin einen beachtenswerten Fortschritt sehen. Mit der Verkürzung der Arbeitszeit wird einmal der Anfang gemacht, u. zw. so, daß die Verkürzung der Arbeitszeit nicht allein auf Kosten der Arbeuer erfolgt. Während die Unternehmer bisher daran festgehaltcn haben, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit von 48 auf 40 Stunden eine Herabsetzung der Löhne um ein Sechstel zur Folge haben muß, ist dieses Prinzip in der Glasindustrie nun durchbrochen worden. Wenn sich auch die ganze Vereinbarung nur auf einen fleinen Bruchteil der gesamten Arbeiterschaft der Tschechoflowakei bezieht, so ist doch der Anfang gemacht und wir wissen aus der Geschichte der Sozialpolitik, welche Bedeutung der Verwirklichung eines neuen Prinzips in diesem Bereiche stets zugekommen ist. Gewiß bringen die betroffenen Arbefter auch ein Seite L Freitag, 8. Fever 1935 Nr. 33 Es Ist uns eine Ehre in Oesterreich verboten za bleiben Wien. Das Bundeskanzleramt hat das am 18. Feber 1934 verfügte Verbot der Verbreitung der Zeitung„Sozialdemokrat", Erscheinungsort Prag, und der Zeitung„N e u e r V o r- wärts", Erscheinungsort Karlsbad, auf die Dauer eines weiteren Jahres verlängert und auch das am 28. Feber 1934 verfügte Verbot der Verbreitung der Zeitung„Arbeiter-Zeitung", Erscheinungsort Brünn, auf ein weiteres Jahr verlängert. Opfer: die Machtverhältnisse sind eben so, daß die Arbeiterschaft ihre Forderungen nicht hundertprozentig durchsetzen kann. Aber für die gesamte Glasarbeiterschaft wird die Verwirklichung, der Vereinbarung ein Fortschritt sein, indem der Bedarf an Arbeitskräften sich infolge der Verkürzung der Arbeitszeit erhöhen dürfte. Wie groß der Reubedarf an Arbeitskräften sein wird, läßt sich angesichts der Tatsache, daß in der Glasindu strie vielfach verkürzt gearbeitet wird, nicht sagen. Da sich aber die Ausfuhr der Glasindustrie 1934 gegen das Jahr zuvor gehoben hat,,so ist zu hoffen, daß die wirtschaftliche Besserung bei verkürzter Arbeitszeit Neuaufnahmen von Arbeitskräften zur Folge haben wird. Auch der schrankenlosen Rationalisierung der Unternehmer wird ein Ende gesetzt, indem selbst bei Einführung bisher aus dem Arbeitsprozeß ausgeschiedener Maschinen die Belegschaft nicht verringert werden darf. Es ist m der Geschichte der Arbeiterbewegung schon oft vorgekommen, daß durch besonders günstige Umstände eine Schichte der Arbeiterschaft in gewißen Fragen die Vorkämpferin der gesamten Arbeiterbewegung wird. Diesmal sind es die Glasarbeiter, welche mit der Verwirklichung einer wichtigen Forderung der Arbeiterklasse den Anfang gemacht haben und die Pioniere auf dem Wege zur Vierzigstundenwoche geworden sind. Es ist nuy Sache alle übrigen Arbeiter ihre Anstrengun« gen^zu verdoppeln, um in absehbarer Zeit zur Vierzigstundenwoche zu gelangen und so wenigstens einem Teil der Arbeitslosen die Rückkehr'zur Arbeit und damit zu einem Halbwegs geordneten Leben wieder möglich zu machen. vieLeznungen des christlichen Ständestaates Bauer und Konsument bezahlen, was Wucher und Korruption fressen Wien.(Tsrh. P.-B.) Das offizielle Heimwehrorgan„Der Heimatschützler^ errechnet die Spannung zwischen den landwirtschaftlichen Produzenten- und Konsumentenpreise« in Oesterreich. So z. B. erhält der Landwirt für ein Kilogramm Lebendvieh 40 bis 80 Groschen, während der städtische Verbraucher sechs Schilling(28 KL) bezahlt. Für Milch wer- den dem Landwirt 15 bis 18 Groschen bezahlt, während der Verbraucher 47 bis 53 Groschen(2.20— 2.40 KL bezahlen muß usw. Die Situation sei unerträglich geworden, schon mit Rücksicht auf die verschiedenen Abgaben, die dem Landwirte auferlegt werden und dieinverschiedeneFondS fließen, die jedoch Keineswegs die Rot des Bauernstandes zu mildern imstande waren. Das Blatt fordert, daß Maßnahme« zwecks Angleichung der Preise und hauptsächlich zwecks Einsetzung eines Wirtschaftskommis- särs getroffen werden. Demokratisierung des Sowjetsystems? Gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht M o S k a«. Der Sowjetkongreß faßte nach einem Referat Molotows über die vom Zrntral- vollzugSauSfchuß vor-eschlagchien Aenderungrn in der Verfassung der Sowjetunion folgende Beschlüsse: 1. Die Verfassung der Sowjet-Union soll im Sinne der weiteren Demokratisierung geändert werden, und zwar so, daß die nicht vollständigen gleichen Wahlen durch daS gleiche Wahlrecht, die- gestaffelten Wahlen durch direkte Wahlen und die öffentlichen Wahlen durch geheime Wahlen ersetzt werden. Die sozialökonomischen Grundlagen der Verfassung sind genau präzisiert und entsprechen dem gegenwärtigen Verhältnis der Klaffenkräfte in der Sowjetunion(in der Schaffung einer neuen sozialistischen Industrie, in der Zerschlagung deS Kulakentums, in dem Sieg des Kollektivwirtschaftssystems, in der Befestigung oeS sozialistischen Eigentums als Grundlage der Sow- jetgesellschast). 2. DaS Zentralexekutivkomstee der Sowjet- Union wird veanftragt, den Verfassungsausschuß zu wählen, der zu beauftragen ist, den geänderten Text der Verfassung gemäß den obgenannten Grundlagen auszuarbriten und ihn n der Session des Zentralexekutivkomitees der So. wjet-Union zur Bestätigung vorzulegen. 3. Die kommenden ordentlichen Wahlen der Organe der Sowjet-Union find bereits auf Grund des neuen Wahlsystem- durchzuführen. Der Beschluß wurde unter stürmischem, langanhaltendem Beifall angenommen. Vie Alarmanlage war in Qrdnung Der Kellner Flleser In ZOhoH Donnerstag früh wurde der verhaftete Kellner Flieger von Prag nach Zähoti überführt, wo in Anwesenheit des Staatsanwal- ter Dr. T r j i c k h, des Untersuchungsrichters Dr. Horn und des Kladnoer Gendarmeriekommandanten Major B t t ein neuerlicher Lokalaugenschein vorgenommen wurde. Flieger mußte zeigen, an welchen Stellen sich die von ihm dargcstellten Vorgänge in der Mordnacht abgespielt hatten und er mutzte die Handlungen der einzelnen Beteiligten und seine eigenen vor der Kommission demonstrieren. Die Alarmvor- richtung, die nach Aussage der beiden weiblichen Hotelangestellten auf Weisung Fliegers nach dem Mord nicht in Tätigkeit versetzt werden durfte, wurde vollkommen in Ordnung gefunden. Nach Schluß der Untersuchung wurde das Zimmer, in welchem F o r m i S ermordet worden ist, versiegelt. Aus der Ansestelltenbewesung Am 8. Feber d. I. tagte in Teplitz- Schönau di« Jahreskonferenz der F a ch s e k- tion Handel und verwandte Berufe im Allgemeinen Angestellten-Ber« band. Reichenberg, sowie die Hauptversammlung der Vereinigung der Gehilfenvertreter in Handel, Spedition und Export, Sitz Reichenberg. Vor der Konferenz fand anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr deS Todestages des Abg. ErnstHirsch an deffen Grabstein eine Kranzniederlegung mit Gesangvorträgen, Ansprachen und Gelöbnisabgabe statt. Die Konferenz war aut dem ganzen Verbandsbereiche zahlreich beschickt; auch der Einheitsverband der Prwatangestellien hatte zwei Vertreter entsandt. Der Vorsitzende, Verbandsobmann-Stellvertreter Kirchhof, eröffnet« di« Konferenz mit einem Rückblick auf di« Entwicklung der Organisation im letzten Jahrzehnt, worauf nach Erledigung der Formalitäten und Entgegennahme von Begrüßungen der Tätigkeitsbericht folgte. Der Berichterstatter L ö w i t gab eine ausführliche Darstellung der Tätigkeit des Verbandes im Handel, in der Spedition und in den verwandten Berufen, wobei er sich insbesondere mit den Fragen der Arbeitszeit, der Wochentags-Ladensperre, Sonntagsruhe, Geschäftszeit an Feiertagen und ähnlichen befaßte. Er verwies auch auf die Stellungnahme zu den Einheitspreisgeschäften, Fabrikfilialen, Monopolen, Kartellen und Syndikaten, ferner zu den Gesetzentwürfen über das Zugabenverbot, über die Dienstkautionen, über die.. Beschäftigung von Ausländern, üher di« Dienstabzeichen für Apotheker, zur Novellierung der Gewerbeordnung, zum Ausbau des Lehrlingsrechtes, zu internationalen Angelegenheiten, zu Fragen der Speditions- und Anwaltsangestellten u. a. m.— Als zweiter Berichterstatter behandelte Geschäftsstellenleiter P l o h s Angelegenheiten der Angestellten in den verschiedenen Zweigen deS Genossenschaftswesens. In der anschließenden Wechstlrede sprachen Fischer(Teplitz-Schönau), Schilder(Mähr.- Ostrau), Engelmann(Aussig), Sturm (Trautenau), Rahm(Bodenbach), worauf nah zusammenfassenden Worten des Vorsitzenden Kirchhof die erstatteten Berichte zur Kenntnis genommen und den dazu eingebrachten Anträgen zugeRoman von Fritz Rosenfeld I. Ein Säbel klirrte auf den Tisch, er funkelte im Scheinwerferlicht wie ein silberner Fluß, der träg durch ein breites, braunes, herbstliches Feld schleich!. Eine Faust hämmerte auf die dunkle, mattschimmernde Holzfläche, eine bunte Uniform, goldglitzernd, beugte sich vor und eine mächtige Stimme rollte durch den Raum: »Wir können nicht länger warten, Kameraden i Unsre Leute beginnen zu murren. Sie laufen uns in Scharen davon, wenn wir nicht bald los- jchlagen." „Halt", rief der Regisseur, ein untersetzter, glatzköpfiger Mann in fliegendem weißem Mantel. „Licht aus!". Der heiße, helle Strom, der von der Decke niederflutete, versickert. Das Atelier versinkt in ein trübes Grau, die Umrisse der Dekorationen und die Gestalten der Menschen dämmerten wie gespenstige Schatten. Das Manuflript, eine wehende weiße Fahne, in der erhobenen Hand, stürzte der Regisseur auf Desider Schwartzkopf zu wie auf einen Feind. Schwartzkopf, Chargenspieler am Staatlichen Schauspielhaus, nun Verschwörer wider einen König, in Purpur und Blau gekleidet und mit funkelnden Orden übersät, schnaflte den Säbel wieder um und biß die Zähne zusammen. Er wußte, was kommen wird. »Herr Schwartzkopf, ich habe ihnen hundert Mal erklärt, daß sie sollen nicht wie ein Irrsinniger losbrüllen und den Säbel hinschmettern, daß das Mikrophon wackelt. Sie sollen nicht mit der Faust auf den Tisch dreschen, daß das ganze Atelier zittert. Sie sprechen nicht in einer Volksversammlung auf dem Marktplatz, sie spielen einen Verschwörer, haben sich mit ihren Kameraden irgendwo in einer Spelunke verabredet, sie ahnen, daß sie von Spitzeln umgeben sind, sie wissen, daß im Nebenzimmer Leute sitzen, die sie hören, wenn sie brüllen. Folglich brüllen sie nicht, im Gegenteil, sie reden mit gedämpfter Stimme und sehr eindringlich. Verstehen sie mich denn nicht? Soll ich es ihnen nochmals vormachen?" „Danke, ist nicht nötig", sagte Herr Schwartzkopf und wendete sich mit einer Geste der Verachtung zu Durberg.„Der Menschenschinder macht mich noch wahnsinnig. Er hält uns vom Theater alle für Trottel." Durberg» in der Uniform eines Ulanenrittmeisters, die Zigarette im Mund, das Monokel im Aug:„Nimm's nicht tragisch. Laß ihn schreien. Das gehört dazu. Hauptsache: sie zahlen güt." „Licht", rief der Regisseur.„Ruhe! Aufnahme!" Der Hilfsregisseur gab ein Signal mit der Pfeife, aus der Kabine des Tonoperateurs antwortete eine Sirene, Licht brach sich wieder in den Helmen, auf den Treffen, in den Gläsern, der Regisseur blickte gespannt und lauernd auf die Schauspieler, der Hilfsregisseur hielt eme dunkle Tafel, auf der mit Kreide geheimnisvolle Zeichen gemalt waren, vor das starre Auge der Kamera, knallte mit einer hölzernen Klapper ein hohles, schnarrendes Signal in die Stille und sprach dann mit tonloser Stimme ins Mikrophon: »Szene siebenundvierzig zum zweiten Male". Der Säbel lag auf der dunklen Tischplatte, er glitzerte im Licht der zehntausend Kerzen, die auf ihn niederstrahlten. Die Faust Schwartzkopfs fuhr neben ihn, hockte wie ein winziges Raubtier sprungbereit auf dem spiegelnden Holz. Der Schauspieler neigte sich vor, sprach mit verhaltner Kraft, um männliche Entschlossenheit und kriegerischen Mut vorzutäuschen, langsam and schwer. Wort fiir Wort, Silbe für Silbe: „Wir können nicht länger warten, Kameraden! Unsre Leute beginnen zu murren. Sie laufen uns in Scharen davon, wenn wir nicht losschlagen." Durberg hob die Hand, gebot Schweigen, trat einen Schritt vor. Er nahm die Zigarette aus dem Mund, zerdrückte sie. im Aschenbecher. Dann sagte er mit ruhiger Ueberlegenheit: „Es ist alles vorbereitet, Kameraden. An seinem Geburtstag findet eine Galavorstellung im Theater statt. Wir haben diesen Abend gewählt, aus verschiedenen Erwägungen. Erstens werden alle Minister im Theater sein, wir können sie dort leichter fassen, wenn es nottvendig werden sollte. Zweitens kommen zu den Geburtstagsfeierlichkeiten viele Fremde in die Stadt, es wird nicht auf- faflen, daß wir unsere Leute auf den Straßen sammeln." Nun kam Gregor dran, der abseits saß, er spielte einen Keinen Leutnant und hatte nur wenige Worte zu sprechen: „Der Plan! Ist der Plan ausgearbeitet?" „Der Plan ist bis in alle Einzelheiten fertig. Am 13. rücken unsere Leute ein. Es ist Wochenmarkt, sie kommen als Marktfahrer, auf ihren Karren sind Kartoffeln und Rüben. Unter den Kartoffeln lagern die Gewehre. Am 16. fahren die leeren Wagen wieder zurück, die Kartoffeln, die Rüben, das Gemüse find verlaust. Am 16., bei Einbruch der Dunkelheit, erscheint ein Flugzeug über der Stadt. Es trägt in Leuchtbuchstaben den Namen einer Zahncreme. Der Direktor der Firma gehört zu uns, er steflt uns daS Flugzeug zur Verfügung. Erscheint die blaue Leuchtschrift am 16. abends über der Stadt, geht es am 17. los. Bleibt das Flugzeug aus, ist alles abgeblasen." „Wer keinen Kopf hat, braucht keine Zahncreme mehr", warf ein Verschwörer ein, der neben Durberg auf einem Sessel lümmelte. Der Regisseur durchbohrte ihn mit den Blicken. Der Satz kam zu spät. Alle erwarteten, er werde die Aufnahme abbrechen. Aber er schwieg, sah stumm in das Manuflript. „Am Vormittag des 17. trifft auf dem Bahnhof die Truppe ein, die abends im Theater stimmt wurde. Hierauf folgte ein Vortrag des Ver« bandSsekretärs Grünzner über die Gegenwartsfragen der Angestellten. Er behandelte insbeson- dere die wichtigsten Angelegenheiten der Wirtschafts- und Sozialpolitik und befaßt« sich auch mit Organi« sationsstagen. Der aufschlußreiche Vortrag fand lebhaften Beifall und allgemeine Zustimmung. Hiezu sprachen Hermann Müller(Reichenberg), Trude Simon(Reichenberg), Plohs(Teplitz- Schönau), worauf sich der Vortragende im Schlußwort zu den verschiedenen Anregungen äußerte. Mit der Annahme von zwei Entschließungen und der Neuwahl des Sektionsleitung, die keine wesentlichen Veränderungen brachte, fand die Konferenz ihren Abschluß. In der Hauptversammlung der Vereinigung der Gehilfenvertreter wurde über eine Reihe von Angelegenheiten verschiedener Ge- hilfenausschüff« und sonstige Berufsfragen der Handels-, Speditions- und Exportangeftellten berichtet. In der ausführlichen Wechselrede machten H L b;. e r (Reichenderg), Schimana(Saaz), Wanke (Reichenberg) und L ö w i t(Reichenberg) ergänzende Mitteilungen. Der Kassabericht wurde auf Antrag der Rechnungsprüfer genehmigt. Die Beiträge wurden in derselben Höhe wie bisher belassen. Nach der Neuwahl des Vorstandes wurde die Haupwersammlung geschlossen. Zum Tode des Genossen Jokl. Der Exekutivausschuß der tschechischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hat an das Parteisekretariat der deutschen Sozialdemokratie anläßlich des Todes des Genossen Jokl ein Beileidsschreiben gerichtet. „Auch Misere Partei", so heißt es in dem Schreiben,„hat bei verschiedenen Gelegenheiten die fruchtbare erfolgreiche und opferreiche Tätigkeit des Verstorbenen geschätzt und wir brauchen Euch nicht zu versichern, daß wir den Senator Genossen Jokl dauernd im Gedächtnis behalten werden." Der Parteivorstand, der Klub der sozialdemokratischen Senatoren erhielten anläßlich des Todes des Genossen Jokl Kondolenzschreiben vom Justizminister Genossen Dr. D i r e r, Fürsorgeminister Genossen Dr. Meißner, Innenminister Dr. C e r n h, Minister für nationale Verteidigung B r a d ä L, Landwirtschaftsministcr Dr. H o d z a und Handelsminister D o st ä l e k. Ferner von, der Reichsparteileitung der Deutschen christlichsozialen Volkspartei, vom Senatsklub der tschechischen Genossen, von den, parlamentarischen Klubs der tschechischen nationalsozialistischen Partei, von den Klubs der republikanischen, der nationaldemokratischen und der kommunistischen Senatoren, vom Vizepräsidenten des Senates Dr. H r u b a n, von den Senatoren Genossen I. I. KrejLi, Dr. Klouda, Simek, und vom Abgeordneten Genossen T o m äs e k, von Dr. B art o il l e k im Namen der Senatskanzlei Der Präsident der Republik empfing Donnerstag in Läny den Abgeordneten und früheren Ministerpräsidenten Frantisek Udrzal. Die Waggonverladungen im Jänner. Wie das Essenbahnministerium mitteilt, wurden im Jänner 1985 auf den tschechoslowakischen Bahnen insgesamt 320.167 Waggons beladen, war gegenüber dem Jänner 1934 eine Steigerung um 15.446 Waggons oder um 5.07 Prozent bedeutet. Auf den JnlandSverkehr entfallen 293.502 WaggonS (7s- 15.835), während die Zahl der für das Ausland beladenen Waggons um 389 auf 26.665 zurückging, Mit Kohle wurden 96.336(4- 5628) Waggons beladen. gastiert. Ein Ballettensemble und ein paar Artisten. Unsere Schauspieler sind ja für seine Geburtstagsfeier nicht gut genug. Aber er wird an den berühmten Gästen seine blauen Wunder erleben. Im ersten Teil des Programms tritt eia Karikaturenzeichner auf. Es hat einen Scheck aus zweitausend gekostet, aber er hat sich bereit erklärt, zu tun, was wir ihm vorschreiben. Er zeichnet der Reihe nach alle Könige, Diktatoren und Präsidenten Europas. Bis auf ihn. Er wird erwarten, daß er, als Krönung der Nummer, zum Schluß gezeichnet wird. Er wird sich vor dem Stift des Zeichners fürchten. Er wird zitern: jetz komme ich dran, jetzt erscheint dort auf dem weißen Papier mein Gesicht, und das ganze HauS wird vor Gelächter erdröhnen. Es wird wie die Angst vor einer Hinrichtung sein. Doch wir begnadigen ihn. Nach den Herrschern Europas kommen Künstler, Mozart, Schubert, Wagner. Er wird enttäuscht sein: der Zeichner zählt mich nicht zu den Herrschern. Er wird beleidigt sein. Aber er muß schweigen, will er sich nicht verraten. Dann versetzen wir ihm den zweiten Stich- Ein Kunstschütze tritt auf. Mit dem Kerl war nicht zu reden. Er ist Künstler sagte er, und nicht käuflich. Er wird mtt den anderen vom Bahnhof ins Hotel gehen, aber das Hotel nicht verlassen. Er tritt in einer schwarzen Maske auf. Brimius, der besser schießt als jeder Kunstschütze, nimmt seine Stelle ein. Nicht einmal die Partner werden bemerken, daß sie mit einem Fremden arbeiten. Brunius hat die Nummer in Budapest neunmal gesehen. Er kennt sie genau. Er verrät sich nicht. Er zeigt erst die üblichen Scherze, schießt Zigaretten aus dem Mund der Girls, zerfasert mit Revolverkugeln ein paar Spielkarten, zertrümmert ein paar Vasen und beginnt dann zu erzählen. Er habe die ganze Welt bereist, er habe vor Königen seine Kunst gezeigt, und Könige haben sich ihnl für seine Nummer zur Verfügung gestellt. (Fottsetzung folgt.) Ut. 33 Freitag, 8. Feter 1935 Sekte 3 fudeimdeutsAcr ZeUspie&et hat, sagte und freiwillige gewinnen fern, statt seiner kam sein Knappe der gleiche Herr, dem Genosse Jaksch mehr als acht Tagen in Mies eine bereitete, die er lange nicht vergessen SÄ dir aller Deutschen ins Reich" gesprochen Frauenfeld: Was Deutschland nicht durch Abstimmung wie. im Saargebirt könne, müsse mit Gewalt dem Deutschen Reiche angegliedert werden. Darin liege nun auch die große Zukunftsausgabe der SA, deren Mission also entgegen dem Gemeckere aus gewissen Kreisen noch lange nicht erfüllt fei! Das ist eine vermessene Sprache. Vermassen, ja— aber vor welcher Vermessenheit der Sprach' sind die braunen Gewaltmenschen bisher zurückgeschreckt, der sic nicht auch hätten Taten folgen lassen? Frauenfeld spricht nicht als irgendeiner, um dessen Verstiegenheiten man sich nicht kümmern brauchte. Er spricht als verpflichteter Redner vor der Söldnertruppe des braunen Regimes Vielleicht erhöht es den Ernst dieser Mitteilung, wenn man weiß, dass kürzlich sm„Freiheitskampf", dem sächsischen Organ der NSDAP, ein Inserat erschienen ist, in dem ein Redakteur, möglichst mit Schriftleiterausweis, gesucht wurde, der die tschechische Sprache vollkommen beherrschen und mit den tschechi scheu Verhältnissen völlig vertraut sein müsse. Das alles lässt nur alldeutlich darauf schliessen, dass das Dritte Reich im Begriffe ist,-inen Propagandafeldzug gegest die Tschechoslowah'i zu eröfsnen. Und wer seinen Radioapparat auf direichsdeutschen Sender einstellt, kann vielleicht eines Tages die Stimme Frauenfelds gegen die Tschechoslowakei hetzen hören. Es war die Stimme Frauenfelds, die die Tore des Wiener Bundes- kanzlerpalais hat sprengen helfen. Und wenn er heute in Deutschland gegen die Tschechoslowakei spricht, so spricht er vor Hörern, aus deren geistiger Nähe die Mörder nach Zähoki gekommen sind. Henlein hier— Frauenfeld dort. Wer ist so taub, den drohenden Klang dieser Stimmen zu überhören? Iin Asch vorgelesen und sein Referat darauf aufgebaut. Wir wollen uns mit dem Urteil, das von der zweiten Instanz überprüft werden wird, nicht beschäftigen, auch nicht mit der Frage, ob es zulässig ist, dass aus dem Material eines noch laufenden Prozesses in so unverschämter Weise politisches Kapital geschlagen wird. Wir möchten heute nur zwei Fragen an die Oeffentlichkeit richten, insbesondere an die tschechische, die an diesen Dingen leider noch inkmer varbeisieht: tu Ist jemandem etwas davon bekannt, daß die gleiche Presseer Arbeiterfreund, sprach es in den Aethcr hinaus — so zwischen zwei Walzerplaüen— und forderte die roten Verbrecher auf, die Waffen zu strecken. Dann würde er ihnen Gnade gewähren. Auch damals war Fasching... Wer könnte das vergessen? Von uns in Wien keiner. Wien— das sind nicht allein die viertausend Glücklichen, die auf dem Opernball eine etwas zeremoniöse Heiterkeit verband. Wien stand nicht Spalier und schrie Hoch, als Herr Schuschnigg samt Gemahlin dem Auto enfftieg. Wien besteht nämlich nicht nur aus der Inneren Stadt, wie man gern die Welt glauben machen möchte. Wien ist groß, größer, als vielen Herrschaften lieb ist!... Es reicht bis Floridsdorf, Kagran, Heiligenstadt. Aber auch Ottakring gehört dazu. Dort war es dunkel an diesem Abend. Dort sah man keine Wagenauffahrt und keine Toiletten entzückten die Augen der Besucher. Die Gassen in Ottakring sind unfreundlich und kalt. Laternen brennen dort vor unschönen Bretterplanken. Nur manchmal taucht plötzlich ein Wohnhausbau auf, und liest man die Aufschrift„Errichtet aus den Mitteln der Wohnbausteuer", dann krampst sich einem das Herz zusammen. Das gab es einmal? Das hat eine Verwaltung, die keine Opernbälle veranstaltete, sondern den Jammer zur Kenntnis nahm, für die Arbeiter getan. In hellen Kindergärten wurde gejubelt, gesungen, geturnt, Fröhlichkeit und Güte gelehrt... Jetzt beten sie dort, strafen und streichen dem„vorlauten" Kind mit einem Klebepinsel über den Mund... I « Anstatt Wohnbauten zimmern sie Firlefanz für Maskentreiben und Sektzelte zurecht. Schöne Ballettmädchen erfreuen das Herz, warme Würstel wärmen den Magen, Champagner löst die Zungen, Herr Fey lächelt in seiner Loge, der„Fürscht" plaudert mit seinesgleichen, Herr Schuschnigg amüsiert sich, Herr Miklas repräsentiert—;. Das kostet Geld, läßt sich denken, viel Geld. Aber es bringt auch welches. Dem Unternehmer, dem Manager, den paar Prominenten, die im Mitternachtskabarett mittun dürfen—(und denen es egal ist, ob der Kollektivvertrag der Schauspieler erneuert wird oder nicht)— und, bald hält ich es vergessen!, auch der Winterhilfe!. Denn solch ein' glanzvolles offizielles Fest ist natürlich zu einem wohltätigen Zweck veranstaltet, na freilich, was denn, kennen Sie nicht das goldene Wiener Herz—!?!»Ein bisserl Wälzer und ein bifferl Wein und sehr viel Lebensfreude. Schimmernde Uniformen—", wie derselbe Berichterstatter meldet. Als fromme Christen glauben sie nicht an Geister. Und wer gehenkt ist, der ist tot. Wie kommt es nur, daß mich das Pfropfenknallen unentwegt an Maschinengewehre denken macht, und an Haubitzen? Wie kommt es nur, daß ich im Klingen der Walzerweisen den dumpfen Tvn der Geschützeinschläge vernehme?!...»Es ist doch schon ein Jahr vergangen, ich bitt Sie, man kann nicht immer dem Gewesenen nachhängen, vorbei ist vorbei, der Februar war sehr bedauerlich, abe> man muß mit der Zeit gehen!", höre ich eine Stimme.„Und jetzt überhaupt— im Fasching! Der Wiener Fasching ist berühmt./.. Wien ist wieder Wien geworden! Das Kino hat gesiegt und Statistiken interessieren nur Marxisten und solche Leut... Gut, die Arbeitslosigkeit ist angewachsen und die Ausgesteuerten werden nicht angeführt, heuer sind auch viel mehr Erkrankungen in den Schulen— aber die Delogierungen kommen eh net in die Zeitung und läßt sich ein Selbstmord net vertuschen, schreibt man„Motiv unbekannt" ... Wer keinen Zins zahlen kann, der muaß eben aussi, wovon soll denn der Hausherr leben? Das hat mit dem Fasching gar nix zu tun... Sie können nicht zum Opernball gehn? Sie haben ka Geld?... Mir scheint. Sie sind gegen die Regierung, was?!... Zeigen's mir die Mitgliedskarten von der Vaterländischen!... Na, wenn S' wirklich ka Geld haben, dann gengan's halt zum „Stahlehner", wo die Dienstmadeln hingehen, die was von der roten Bagage„Hausgehilfinnen" genannt worden sind... Solche Dienstspritzen l Solche Trampeln! Seidene Strümps haben sie haben wollen und Kombineschen, Barchent hat ihna gar nimmer genügt! Und an Urlaub! Und wann eine ein uneheliches Kind kriegt hat, Hais für den Bankert auch noch eine Unterftützung bekommen!... Na, das hat sich ja jetzt alles geändert, Gottseidank. Es ist wieder eine reinliche Scheidung eingetreten, man weiß wieder, wer die Gnädige ist! Na, stellen S, Ihna vor, was mir vor zwei Jahren passiert ist! Ich sprech ein blitzsan- bers Pupperl an, glaub, es is was Besseres, auf einmal entpuppt sie sich als das neue Dienstmadel von unserer Nachbarin! Na, muß sich da meine Frau nicht ärgern?... Darum haben wir den Ständestaat geschaffen", sagte die Stimme. Das Opernhaus ist- festlich erhellt. Die Scheinwerfer des Kanzlerautos durchsuchen ängstlich das Dunkel.(Die»Daily Mail" schrieb, im Wagen sei ein Maschinengewehr montiert.) Die Zeitungen bejubeln täglich die Wiederkehr der Tradition.»Fasching in Wien", dieses Thema wird endlos abgewandelt. Und wir? Wir müssen das mitansehen, mitanhören. Es ist nicht einfach, das Recht, die Menschlichkeit auf seiner Seite zu wissen— und besiegt zu sein. Aber das Licht vom Opernhaus dringt nicht weit. Noch dürfen sic ihren Fasching feiern. Wir rechnen nicht engherzig mit der Zeit. Sie habe» uns gebrochen, aber nicht gebogen. Wir müssen nun durch ein langes Dunkel gehen, während sie noch die Wohltätigen spielen. Nach der angenehmen Weise:»Herr Ober, noch ein Flascherl Sekt— es(st ja für die Armen...!" ^h. Wien.)) Nr. 33 Freitag, 8. Feber 1935 Seite 5 Berliner Rundfunkprozeß wurde am> n aa■■■■■■■ Buhnenbund appelliert eine der u m nützen. Nunmehr hat di« irrwitzige Anarchie der heutigen Wirtschaft neue Kreationen auf diesem Gebiet gebracht: in Australien kam man infolge der überreichen Vorräte an Wolle und Baumwolle au) die Idee, diese Rohstoffe zur Straßenpflasternng zu verwenden. Wolle wurde mit Sand vermischt, rnd eS heißt, daß man damit ein ausgezeichnetes Pfla- sterungSmittel erzielt habe. Von Australien griff die Methode auf Neuseeland über, imd von hier auf England. In Lancashire, dem gigantischen Baumwollzentrum, in dem Millionen von arbeitslosen Spindeln verschrottet werden sollen, hat man das Beispiel nachgeahmt imd zur Planierung einzelner Straßen Baumwollabfälle verwendet. Und zur selben Zeit fabriziert'man in Japan— zur„Lösung' der Seidenabsatzkrise— Schuhsohlen aus Seidenfäden!. Gendarmerie-FahndungSstation im Blute unter dem Kragen des Schlafrockes der Toten ein abgerissenes Uhranhängsel. Als dieser Fund dem Michälek gezeigt wurde, brach er zusammen und gestand, seine Frau ermordet zu haben, um das Vermögen zu erlangen, welches er auf Grund des Erbschaftspertrages erben sollte. Er beschrieb die Mordtat mit allen grausamen Einzelheiten. Er schilderte anch, wie die Fra«, als ste schon die Kehle durchschnitten hatte, ihn bat, ste nicht verblnten zu lassen. Die mit Blut getränkten Kleider habe er verbrannt und hierauf seiner Tochter daß Frühstück gekocht. Hierauf hab« er das Zimmer so geschickt abgesperrt, daß die Schlüssel innen stecken blieben, und ging fort. Auf den Mord hatte er sich sorgfältig Vorbereitet und ließ bereits eine Woche i'qt.tei Zattdas Wester.hei dem Schlosser des-Ortes schleifen, wobei er'- besonders darauf Gewicht legte, daß das Messer recht scharf sein solle. Die Verhandlung wird etwa zwei Tage dauern. Der„Bühnenbund in der Tschechoslowakischen Republik"(Brünn) hat der Regierung eine Denkschrift über die Lage der deutschen Theater in der Tschechoslowakei überreicht» Das Memorandum trägt auch die Unterschriften des deutschen Musikerverbandes, der Zentralgewerkschaftskommisiion, des deutschen Gewerkschaftsbundes, des Verbandes der deutschen Theatererhalter und des Verbandes deutscher Bühnenleiter in der Tschechoslowakei und die Unterschriften von neun deutschen Städten, zehn Theatervereinen und zwölf Theatern. Die' Denkschrift bezeichnet rechtens die Erhaltung der bedrängten und bedrohten Theater als„Erhalter der Kultur und Kunsteigenheit der deutschen Bevölkerung unserer Republik, also eines eminenten Instrumentes im Geist der Völkerversöhnung und Demokratie, also eines fiir den Staai äußerst wichtigen Faktors, und in wirtschaftlicher Beziehung die Erhaltung einer großen Anzahl von Menschen samt ihren Familien, einen beträchtlichen Umsatz in den betreffenden Städten/durch den eine große Anzahl von Geschäftsbetrieben erhalten bleibt." Die Wirtschaftsbedeutung des deutschen Theaters in unserer Republik geht am deutlichsten aus seinem Umsatz hervor, der ziffernmäßig ausge-rückt jährlich 47,134.448 AL beträgt. Hierin sind Wanderbühnen und Sommertheater nicht inbegriffen. An den a u f- Jglau. Vor dem hiesigen Schwurgericht wird jetzt der gemeine Mord des 42jährigen Maurermeisters Pavel Michälek aus Petrovice bei Okkisky verhandelt. • Michälek heiratete zum ersten Male in Zvolen in der Slowakei, doch gingen die Ehegatten nach zehnjähriger Ehe wegen gegenseittger Abneigung auseinander. Auch nach der Trennung unterstützte Frau Michälek ihren Dkann aus ihrem kargen Er- ttägnis als Wirtschafterin in Brünn. Michälek richtete mehrere Briefe an sie, in welchen er ihr zusagte, wi^er mit ihr zusammen zu leben. Im Jahre 1932^kieß sich. Michälek in Petrovice bei Okkisky nieder und warb um di« reiche Marie Friedrich, welche in Znaim ein schönes Haus und außerdem 400.000 Kd in barem besaß. Er heiratete sie im Jänner des Vorjahres. In der Ehe brgchen bald Meinungsverschiedenheiten aus, da sich zeigte,- daß-Michälek vor Abschluß der Ehe di« unrich- tige Behauptung aufgestellt hatte, daß er ein Vermögen von mehr als 200.000 KL besitz«, und weiter» hm zugesagt hatte, für den Haushalt monatlich 1000 KL beizusteuern. Es gelang ihm, zu erreichen, daß seine Frau mit ihm in TkibiLe bei einem Notar einen wechselseitig,en Erbvertrag abschloß, durch den sich die beiden Ehegatten gegenseitig als Universalerben einsetzten. Fran Michälek ersah aber bald, daß ihr Mann es'nur auf ihr Geld abgesehen habe und deponierte aus Furcht vor ihm die Sparkassebücher und Wertpapiere in einer Jglauer Bank. Am 16. Mai traf Michälek kurz vor Mittag aus Tkcbice im Automobil ein und schlug Lärm, da er nicht in das von innen abgesperrte Schlafzimmer seiger Wohnung gelangen konnte. Er rief Gendarmen und einen Schlosser herbei. Als das Zimmer geöffnet wurde, fand man die M i ch ä l e k auf dem Bett mit durchschnittener Kehle auf. Sie war nur mit Nachtwäsche bekleidet und hielt in der Hand krampfhaft ein M e s s e r. Alles wies auf einen Selb st mord hin. Michälek erklärte scheinbar verzweifelt, daß seine Frau aus Gram darsiber, daß er ihr am Abend vorher das Konzept der Scheidungsklage vorlas, Selbstmord verübt haben dürfte. Die Gerichtskommiffion aus TkebiLe ordnete die Sezierung der Leiche an, doch schon vorher fand die gezählten zwölf Theatern, an denen 1700 Personen beschäfttgt sind, bettägt das Defizit insgesamt nur vier Millionen. Dieser Bettag ist durch weitere Einschränkungen in den Betrieben unmöglich einzubringen. Das Gagenetat an den angeführten Theatern b«ttägt jährlich 16,698.231 KL, das jährliche Durchschnittseinkommen des einzelnen Ange- stellten zirka 10.000 KL. „Zur weiteren Erhaltung des Theater- ist ein Betrag von 4,088.372 KL außer den von Land und Gemeind« bisher geleisteten Subventionen und Naturalleistungen erforderlich. Wir wenden«ns aa di« Regierung mit dem Ersuchen, diesen Bettag zur Erhaltung des deutschen Theater- au- Staatsmitteln beizntragen. In diesem Zusammenhang wollen wir ausdrücklich darauf Hinweisen, daß es uns ferne liegt, die Subventionierung des tschechischen Theattrs als genügend zu bezeichnen und daß durch die Mehr- zuwendung dem deuffchen Theater gegenüber eine Verringerung der Subventionen des tschechischen Theaters erfolgen soll. Beide Nattonen müssen, soll das Theater, die Nationen gegenseitig befruchtend, völkerversöhnende Arbeit leisten, die entsprechenden Mittel nicht nur für di« Erhaltung, sondern auch zur Hebung dieser Kulturinstitute erhalten." Die Denkschrift urgiert schließlich die Schaffung eines Theaterfond. s. Heimwehr-Marischka unterschlägt Millionen! Wiener Zeitungen müssen schweige«! Hubert Maris ch/ a, der„Heimwehr- Hupsi", ist mit seinem Theater an der Wien trotz i„O du mein Oesterreich" und„Kadettenliebe" zusammengebrochen! Der Lieblings-Tenor der Re- Extravaganz kostete sie/ wie sich jetzt herausstellt, 8 00.000 Schilling. Marischka hat, wie wir schon berichteten, als Besitzer des Karcsag-Verlages über eine M i l l i on S ch i l» lingTantiemen, die Komponisten und Autoren zustehen, unterschlage«! Lehar allein ist um 300.000 Schilling geprellt. Marischkas Bühnen wurden von der s o z i ä l d e m. P ar t e i schon seit 1982 boykottiert. Denn Marischka, der Unternehmer, war Initiator und Förderer der..unabhängigen" Bühnengewerkschaft, errichtet, um den so- zialdem. Bühnenverein zu sprengen. Der Girls- Schinder und Choristen-Ausbeuter Marffchka war immer ein Feind von Verttägen und Löhnen. Ganz Wien weiß von den Defraudationen Marischkas! DieZeitungenab er dürfen darüber nicht ein« Zeile schreiben, damit nicht etwa die Bevölkerung di« Frage stellt, warum<°>r. Marffchka nicht verhaftet wird! Ist Oesterreich denn noch ein Rechtsstaat? Ein Arbeitsloser erhält, wenn er 3 Schilling unterschlägt, 14 Tag« Arrest, Heimwehr-Hupsiabergehtz — Opernball! Wien. Das Theater an der Wien wird neue Leitung erhalten. Den Karczag- Berlag übernimmt«ine englisch-amerikanisch« Finanzgruppe. Die Gläubiger haben infolge dieser Hilfsmaßnahmen von einer Strafanzeige vorläuftg I abgesehen' an die kezierunz um au3relchende Subventionierung der deutschen Theater Die Gattin ermordet,«m sie zu beerben Das Opfer fleht— der Mörder bleibt hart! I«! Donnerstag Stebo gründung erklärte der Vorsitzende:„Unbeschadet der Frage, ob die bereits verhandelten und noch zu verhandelnden Tatbestände zu einem Schuld beweise geführt haben“ oder ob ein dringender Tatverdacht gegeben ist, hält das Gericht nach dem bisherigen Ergebnis des Verfahrens Ver dunkelungsgefahr und Fluchtverdacht nicht mehr für vorliegend." Frankreich und Paris vcrurteilt. Das Pariser Gericht fällte Mittwoch das Urteil in dem- Prozesse eines Bürgers gegen den Staat und die! Stadt Paris, der am 6. Jänner 1934 schwer verletzt wurde, als er über den Platz„de la' Concorde" ging. Das Gericht erkannte die Be schwerde des Klägers als berechtigt an und ver urteilte die Stadt Paris und den Staat zum gemeinsamen Schadenersatz und Schmerzensgeld in der Höhe von 405.000 Franken. Ms Folge der Verletzung des Klägers wurde eine dauernde hundertprozentige Erwerbsunfähigkeit anerkannt. Lösung der Pariser Trinkwasser-Frage. Der französische Staatsrat genehmigte rechtsgültig die Inangriffnahme eines riesigen Werkes, näm lich die Versorgung der Stadt Paris mit gutem- Trinkwaffer aus der Loire. Mit diesem Wasser I 'werden auch die Versorgungszisternen und eine ganze Reihe weiterer Gemeinden und Städte in den Departements Seine et Oise und Seine et Marne gespeist werden. Durch einen riesigen Aquaedukt aus Eisenbeton, der einen wahren Muß von Nutzwasser, in der Länge von 144 Kilometern darstellen wird, wird nach Paris etwa 1 Million Kubikmeter Wasser geleitet werden. Der mit dem Bau verbundene Aufwand wird aus über 2 Milliarden Frcmcs veranschlagt. Durch den Bau werden einige tausend Arbeiter auf sechsJahre Be- s ch'ä f t i g u n g finden. Es ist dies' die end gültige Lösung des langjährigen Problems der Versorgung der Hauptstadt Paris mit gutem Trinkwasser. 45 Jahre Gefängnis. In London(Ontario) wurde David Meißner aus Covington der Entführung des Brauereibesitzers John Labatte, die im August 1934 erfolgt war, überführt. Meißner wurde wegen dreier Verbrechen, nämlich der Enfführung, der Einschränkung der persön lichen Freiheit uyd des Raubes verurteilt. Der Staatsanwalt hatte lebenslänglichen Kerker und Prügelsttafe beantragt. Der Richter McFarland verhängte jedoch im Hinblick auf das Alter des Verurteilten eine 15jährige Kerkerstrafe für jedes .der drei Verbrechen, im ganzen also 45 Jahre Gefängnis. Kinobrand in Warschau. Donnerstag, mittags; wurde das älteste Warschauer Kino/'daS mitten in der Stadt gelegen ist und 500 Plätze faßte, durch einen Brand eingeäschert. Das Feuer brach bei einer Probevorführung aus. Zur Lokalisierung des selben mußten drei Feuerwehren in Tättgkeit tteten. Das Gebäude des Kinos, das versichert war und die gesamten Einrichtungen, die jedoch nicht der- sichert waren, sind vollständig verbrannt. . Die Mongolei, die jetzt zur weiteren Umfassung, Ostfibiriens in das japanische Aufmarschgebiet ein- öezogen wird, ist vor einigen Jahren das Ziel einer amerikanischen wissenschaftlichen Expedition gewesen, die dort nach vorgeschichtlichen Resten suchte und wahrlich nicht mit leeren Händen zurückgekommen ist. !st. Chapman-Roy hat seinerzeit ein Buch dar über geschrieben, das bei Brockhaus deutsch erschienen ist. Die groß«, und reich ausgestattete Expedition kam, Mit ihren Lastautos in menschenleere Gebiete und Machte bei den„Roten Klippen" halt. Dort gelang es durch genaueste Durchforschung der Felsen und Klüfte nicht nur versteinerte Spuren und Knochen riesig» Saurier, sondern sogar eine Anzahl ihrer Eier aufzufinden, wenn auch zumeist nur in Teilen, und natürlich versteinert, da sich ihr Alter wohl auf eine Million Jahre schätzen läßt. Aus den vollständig auf-; gefundenen und zusammengesetzten Teilen gelang es,' das Skelett des„Balachitherions" aufzu bauen, des gewaltigsten der uns bekannten Saurier. Cs gibt übrigens eine Gruppe von Mtertumsfor- schern, die das erste Auftteten des Menschen in die Mongolei verlegen. Ganztagsfrost. Bei Zufluß aus dem Norden bis Nordosten ist in den mitteleuropäischen Niederungen leichter, auf den Bergen sttenger Ganztagsfrost ein getreten;- der Fichtelberg meldete am Donnerstag um 14 Ähr—12, die Schneekoppe—14 Grad. Von der Ostsee, wo es sich noch immer bei steigendem Luftdruck abkühlt, ziehen noch unbedeutende Schnee schauer heran; im allgemeinen, nimmt jedoch di« Bewölkung ab. In der nächsten Nacht dürfte der Frost noch anziehen, namentlich in Gegenden mit heiterem Himmel. Schon in der Nacht auf DonnerS- fag wurden in einigen Gebirgstälern und in Kar- dathorutzland—l!k bis—20 Grad verzeichnet.—- Wahrscheinliche- Mttter von' heute: Halbheiter bis heiter, nachts strenger Frost, schwacher bis mäßi ger Wind auS nordöstlichen Richtungen. Im Ostteil der Republik noch veränderlich und stellenweise etwas Schnee.:— Wetteraussichten für Sams tag: Fortdauer des Frostwetters, in den Niederun gen strichweise nebelig, auf den Bergen etwas wärmer. Baumwolle als— Straßenpflaster. In ter Zeit der größten Ueberproduktion— oder besser ge sagt: Unterkonsumtion.— an Kaffee wurde es in. Südamerika üblich, die Kaffeebohnen nicht nur lui. ^eryerzung tn Ozeandampfern, sondern auch(rn gjerung wurde bekanntlich durch die verstaatlichte Brikettform gepreßt) zur Straßenpflasterung zu be- Credit-Anstalt im August 1934„g e st ü tz t". Diese Nach Verlesung der Anflageschrist gab der Angeklagte auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich schuldig fühle, eine ausweichende Antwort, obzwar er sich vorher beim Verhör sechzehnmal zur Tat bekannt hatte. Zum Unterschied von seinen stöberen Geständnissen erklärte er. daß er den Mord i n Aufregung verübt habe, und bestritt, daß er sein Messer vorber geschliffen habe. Bei Beschreibung der Mc.dtat führte Michälek aus, daß er sich aufgeregt habe und seine Frau strafen wollte. Weil sie zur Häuslichkeit nicht beitragen wollte und forderte, daß er auf die Tochter aus erster Ebe verzichte. Bors,:„Was sagte Ihr« Frau?" Angell.:„Jchmögesienichtverlluten lassen, sie werde bereit- brav sein." „WaS tattn Sie dann?" „Ich führte noch einen Schnitt ans."(Große Erreguna im Publikum.) Angeklagter bestreitet, daß er sich mit dem Mordgedanken beerits einige Tage vorher getragen habe, und behauptet, er wisse nicht, was ihm eingefallen sei, denn er sei krank. Das Urteil wird wahrscheinlich Freitag nachts gefällt werden. Mttt M WM Kleine Wirtschastsnachrichten Der„Bolkskredit" in Warnsdorf, ein bürgerliches Bankunternehmen auf genossenschaftlicher Grundlage, ist zahlungsunfähig geworden^ 500 Millionen Kronen bettagen die in den Balkanstaaren eingefrorenen tschechoslowakischen Forderungen. Reue Verhandlungen, über die Verlängerung des Stillhaltr-Abkommens, das heißt über die weitere Nichtzahlung der Schulden und Schuldenzinsen durch Deutschland, haben in Berlin begonnen. Die Schuldenforderungen der Tsche- choflowakei, die unter das Stillhalte-Abkommen fallen, betragen noch immer 170 Millionen KL, Bon 56 Millionen KL im Jahre 1929 aus 31 Millionen im Jahre 1934 ist die Gesamtsumme der in der Proßnitzer Kleider-Konfek« tionsindustrie ausgezahlten Löhne gefallen. Dieser umfangreiche Lohnausfall hat die Notlage im Proßnitzer Bezirk unheimlich anwachsen lassen. Gold so viel, wie noch nie lagert in den Kellern der amerikanischen Notenbanken. Am 23, Jänner 1935 erreichte der Goldbestand der Vereinigten Staaten von Amerika di« Höhe von 8 Milliarden 300 Millionen Dollars. Das ist ein Rekordstand. Persien kauft eine Handelsflotte. Mit Unterstützung der Regierung ist in Persien eine „Gesellschaft für Handelsschiffahrt auf den Meeren" gegründet worden, die in England und Deutschland vier Dampfer mit je 5000 Tonnen Inhalt ankaufen soll. Es soll damit angeblich die Modernisierung und die wirtschaftliche Unabhängigkeit Persiens gefördert werden. Die Kohlen-Weltproduktion hat im Jahre 1934 nach den neuesten Schätzungen um rund 70 Millionen Tonnen zugenommen. Sie wird damit mehr als 1000 Millionen Tonnen betragen. Die Produktionssteigerung bettug in Amerika 30 Millionen t, Rußland 17 Millionen t, Deutschland 15 Millionen t und Großbritannien 14 Millionen t. Dänemark «nd die 40-Stnnden-Woche Der dänische Sozialminister hat dieser Tage einen Gesetzentwurf über die Einführung der 40- Stunden-Woche unterbreitet. Er wird gestützt von den Sozialdemokraten und den Radikalen, während die Högerpartei, obwohl sie immer Obstruk- tiyn gegen die staatliche Unterstützungsfürsorge -betreibt, gegen diesen Entwurf steht. Obligatorische Arbritslosenversichernng für die Landarbeiter in Großbritannien. Ein von der Regierung eingesetztes Komitee schlägt in Großbritannien die obligatorische Arbeitslosenversicherung für Land-, Forst- und Gartenbauarbeiter vor. Familienbetriebe, Gelegenheitsarbeiter und Saisonarbeiter, die nicht in anderen Beschäftigungen versichert sind, sollen ausgeschlossen werden. Das System würde 750.000 Arbeitern zugute kommen. Dem Landarbeiterverband, der mit mit der Negierung in Verhandlung steht, wurde versichert, daß die Versicherung im nächsten Winter in Kraft treten werde. Beiträge(je 4 Pence per Woche) sollen von den Unternehmern, den Arbeitern und dem Staat bezahlt werden. Ueber die Unterstützung ist man sich noch nicht einig. Vorgeschlagen wird 12 sh per, Woche für erwachsene männliche Arbeiter, 6 sh 6 d für die Frau, 2 sh für jedes Kind(Maximum 30 sh per Woche). Das System soll der allgemeinen Versicherung angegliedert werden, Beiträge und Unterstützungen sollen jedoch geringer sein als in der allgemeinen Versicherung. Fünfte gewerkschaftliche Frauenkonferenz in Großbritannien. In London trat unter dem Vorsitz tzon I. V a r l e y die 5. Konferenz der Gewerkschaften zusammen, in denen Frauen organisiert sind, 65 Delegierte vertraten 31 Verhände (der britische Gewerkschaftsbund zählt insgesamt 210 Verbände). I. Varley teilte mit, daß sich die Mitgliederzahl der Frauen wieder entschieden in auffteigender Richtung entwickelt. Mitteilungen über die Konferenz wurden durch den Rundfunk verbreitet. Auf der Konferenz nahm I. Varley, die Leiterin der Organisationsabteilung für Frauen des Verbandes der Transport- und ungelernten Arbeiter sowie Mitglied des Genetal- rates des Gewerkschaftsbundes nach einem Lehen harter Arbeit von der Bewegung Abschied. International ist I. Varley als Mitglied des Frauen- komttees des JGB. bekannt. Kaktee« mit M 3anO(rönna M begossen, werden zauberhaft schön. Senden Sie uns KL 5.60 in Briefmarken, wir liefern Ihnen dafür den guten Blumenzauberdung, den besten Dungguß für Ihre Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihre Blumen gedeihen. Verwaltung„Frauenwelt", Prag XII., Fochova tt. 62, und durch alle Kolporteur« erhältlich. Seite 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 8. Fever 1938. Nr. 33 PRAftEft ZB1TBMG Frau hinter dem Stand Der Wenzelsplah ist das Zentrum jener nächt- lichen Kleinverkaufs-Stände, an denen sich die Nacht- brunmler mit Zigaretten, Würstchen und Zuckerzeug zu versehen pflegen. Unweit des Brückl sitzt Abend für Wend eine ältere Frau, vielleicht in den Fünfzigern, hinter ihrem Stand, der sich von denen der Kollegen unu Kolleginnen nur durch seine besondere Armseligkeit „auszeichnet". Dieser Stand hat nicht einmal ein Dach, das immerhin gegen den beißenden Wind der Schneenächte einen gewissen Schutz gewährt. In den frühen Abendstunden kommt die Frau und sie geht erst wieder, wenn die ersten Straßenbahnen durch das erwachende Prag klingeln. Unweit von ihrem Stand liegt ein lichtüberflutetes Premierenkino. Zehn Meter zur Linken befindet sich der Treffpunkt der Pärchen, vor ihren Augen wickelt sich das Zeremoniell der zahllosen Rendezvous ab—. Die Frau hinter dem Stand sieht das große, sorglose Leben an sich vorüberfluten, den abendlichen Korso, das Kommen und Gehen zwischen den Drehtüren der großen Fremdenhotels. In ihren müden Augen spiegeln sich die funkelnden Strahlen lockender Lichtreklamen. Sie sitzt hinter ihrem ärmlichen Stand und friert. Und wenn man, so gegen zwei Uhr nachts, an ihren Stand tritt, hat sie regelmäßig ihr armseliges Geschäft im Stich gelassen. Ein Räuber könnt« ihre gesamte Habe wegtragen... Das Gesicht auf der harten Holzplatte, sitzt sie, dornübergesunken, und schläft—-. Den bleiernen Schlaf der Erschöpfung. Im Freien, bei minus 6 Grad... P—re. Der Sportzug nach Schlackenwert(Motorzug ab Prag Wilsonbahnhof 13.55) fährt diesen Samstag bestimmt. Ein unentgeltlicher Skiknrs mit Führern wird den Teilnehmern des von der Staatsbahndirektion in den Tagen vom 16. bis 24. Feber nach Spind- lermühle zu veranstaltenden Ausflugszuges gewährt. Einquartierung in Hotels mit Zentralheizung lind fließendem kalten und warmen Waffer. Preis 350 Kd. Anmeldungen mit einer Anzahlung von 50 Kd nimmt bis zum 14. Feber das Referat für Ausflugszüge der Staatsbahnen. Basar neben dem Wilsonbahnhof(Tel. 383—35. Amtsstunden von 8 bis 17 Uhr) entgegen. tierlclitssaal Das unbezahlte Luxusauto des falschen Direktors vier Jahre schweren Kerkers für eine« Grotzbetrügrr Prag. Wenzel Houdek ist 40 Jahre alt und hat zwanzigPor,'trassen. Noch.im alten Oesterreich verbüßte er als Neunzehnjähriger eine schwere Kerkerstrafe und bat seither eine ansehnliche kriminelle Karriere absolviert. Donnerstao stand er wieder einmal vor dem hiesigen Strafgericht unter Anklage des vielfachen Verbrechens des Betruges. Die Anklage zählt 27 Straftaten auf und das Verzeichnis der geschädigtes: Personen läuft über mehrere Maschinenseiten. Der Gesamtschaden be- läust sich auf gegen 80.000 Kd. Wenzel Houdek ist ein Menschenkenner und weiß, daß dem DurchschnittÄbürger nichts so sehr imponiert als ein„vornehmes Auftreten". Demgemäß baute er seine Gaunerexistenz auf einem Luxusauto und auf klingenden Titeln auf. Und es dauerte mehr als drei Jahre, ehe man dem Treiben des Hochstaplers ein Ende bereiten konnte. Das erforderliche Luxusauto bekam der existenzlose Kriminalbruder dank seinem selbstbewußten Auftreten spottbillig. Er zahlte 5000 Kd an. den„Rest" ccher sucht die Firma seit 1931 vergeblich einzutreiben. Als man ihn schließlich stellte, leistete er den Offenbarungseid und erklärte, das Auto gehöre seiner Frau. Während ihn die verzweifelten Gläubiger vergeblich suchten, fuhr er mit seinem ergaunerten Wagen fröhlich im Lande umher und ver- übte allenthalben die unglaublichsten Betrügereien. Er pflegte meist als„D i r e k t o r" aufzutreten und dieser Titel in Verbindung mit dem prunkvollen Auto trieb ihm immer neue Gimpel ins Garn. Wie großartig er sich auf sein Fach verstand, geht daraus hervor. daß er selbst die Hüter der Benzinpumpen um Benzin und Oel zu prellen wußte, so daß ihn seine Raubfahrten gar nichts kosteten. Die armen Teufel glaubten dem eleganten Herrn Direktor im Luxuswagen, wenn dieser, nachdem der Benzintank gefüllt war, nachlässig hinwarf, er habe eben kein Kleingeld bei sich und werde morgen beim Vorbeifahren bezahlen. Was nun die hauptsächlichen, sozusagen existenziellen. Gaunereien des„Herrn Direktor" betrifft, so sind sie einfach genug. Er lockte den verschiedensten Geschäften und Personen Waren heraus, die er dann sofort versetzte oder verschleuderte. Auf Einzelheiten einzugehen, ist bei der Unzahl der Fälle nicht möglich. Unter der endlosen Reihe der herausgelockten Gegenstände finden wir nehst vielen andern: Fünf Radioapparate. Schreibmaschinen, Möbel, Stoffe, Pelze, Musikinstrumente usw. Er war nicht wählerisch und nahm was^ sich bot. Er kaufte „zur Probe" oder einfach„aut spätere Bezahlung" und erhielt meist die verlangten Sachen wicderspruchs- los und mit vielen Komplimenten— dank dem Auto und dem schönen Berufstitel. Es scheint, daß Houdek Sinn für Humor hat. So erschien er eines Tages in einer Musikinstrumentenhandlung. wo er sich als Polizeibcamter vorstellte und „eine schöne Ziehharmonika für die Frau Gemahlin des Herrn Polizeivizepräsidenten" verlangte. Eine so noble Kundschaft hat natürlich Anspruch auf Kredit und so konnte Houdek vergnügt mit seiner Beute abziehen. Der Händler wagte zwar nicht erst nachzuforschen, ob diese hochgestellte Dame wirklich dem Hormonikaspiel ergeben sei und das ist sehr schade. Denn dabei hätte er feststellen können, daß das Amt eines Polizeivizepräsidenten überhaupt nicht existiert. . Die Verhandlung war stellenweise recht kurzweilig und endete damit, daß der Sestat Novotny -en Angeklagten fast in allen Punkten der Anklage schuldig erkannte und ihn zu vier Jahren schweren und verschärfte« Kerkers verurteilte. Houdek nahm die Strafe an. rb. Vorträge —-„Die üsternationalc Funktion Spaniens im Laufe der Geschichte", lieber Einladung der Freien Schule der politischen Wissenschaften sprach in der Städtischen Bücherei der Botschafter Spaniens in Paris Don Salvador de Madariaga in französischer Sprache über das obige Thema. Madariaga erklärte eingangs, daß er es vorziehe, von einer Funktion bestimmter Staaten oder Nationen, nicht von ihrer Mission zu sprechen, da er empirisch vorgehe und keine mystische Sendung vortäuschen wolle. Die Funktion, die Aufgabe Spaniens sei es gewesen, die Brücke zwischen der europäischen und der orientalischen Kultur zu bilden, wozu die- geographische Lage des Landes drängte. Einen sehr interessanten, wenn auch hypothetischen Ausblick eröffnete der Vortragende, als er die Frage aufrollt«, was geschehen wäre, wenn Spanien die Kraft, die«s bei der Kolonisierung Amerikas verbraucht habe, zur Erorberung Nordafrikas.«ingesetzt hätte. Es wäre das Natürliche gewesen, daß nach der Einnahme Granadas und der Verdrängung des maurischen Kalifats aus Spanien die vereinigten Königreiche versucht hätten, über die Straße von Gibraltar vorzudringen. Das wäre die natürliche Auf« gäbe Spaniens gewesen. Madariaga meint, daß die Durchdringung Nordafrikas bis Tunis mit europäischem Geist geglückt und daß eine maurischiberische Mischkultur entstanden wäre. Der Geniestreich des Critobal Colon habe diese natürliche Entwicklung verhindert. Ausführlich sprach Madariaga über Karl V., den er einen Vorläufer der Paneuropa- und Völkerbundsidee nannte. Er habe Europa durch di« christliche Idee einigen wollen und seine Tragödie sei es gewesen, daß gerade in seiner Zeit schon die nationalen Ideologien zu wirken und die religiöse zu verdrängen begannen. Die weitere Funktion Spaniens sieht Madariaga in einer vermittelnden und einigenden Rolle seines Vaterlandes in Europa, wozu es durch seine geschichtlichen Er- fahrungen berufen sei.— Den Vortrag leitete Minister Dr. JBenet ein, der Don Madariaga als Politiker und Schriftsteller dem Publikum borstellte. fr. Kunst und Wissen Ein Sommernachts-Alptraum von Herrn Renate Mordo. fälschlich Shakespeare zugeschrieben, ging über die Bretter des deutschen Theaters, eilt« Vision vom Untergang des, Theaters. Brachte man die Erinnerung an die seinerzeitige stilvolle und schöne Aufführung unter L i e b l s Regie mit ins Haus, so war es einem besonders schmerzlich, die Fastnachtspoffe Mordos zu erleben Vom Text ging das meiste verloren, weil es an Wortregie mangelte— mit der sich Herr Mordo nicht abgibt, weil er wie sein Zettel alles kann, aber am besten„eine Rolle, wo man alles kurz und klein schlagen muß"—, aber auch weil die Besetzung der wichtigsten Rollen willkürlich war und auf die Fähigkeiten der Darfteller keine Rücksicht nahm. Im Zauberwald ging es zu wie auf einer Bauernkirchweih, die Liebespaare kugelten durcheinander Hermia produziert« einen Purzelbaum, dafür waren die Elfen in dem halsbrecherischen Dunkels in dem dir Künstler andauernd, und nicht nur über die Versfüße, stolperten, kaum zu erkennen. Herr Valk war sprachlich weitaus die beit« Besetzung, aber figürlich als Oberon ein Novum unwohl auch Unikum. Frau Carpentier bringt durch den merkwürdigen Singsang ihrer Vers« einen neuen Ton ins Elfenreich und Frl. Schneck ist vollends der Hermia sprachlich nicht im geringsten gewachsen, wobei es fraglich ist, ob ihr Organ über- Haupt für Verse taugt. Heri*S i e d l e r faßte den Theseus als Bonvivant auf und Frau Warnholtz hatte von der Hypolita nur die F^idität der Amazone. In der Haupthandlung blieb neben dem Puck WalterTaubs, der zwar kein Droll, abe ein temperamentvoller Teufel war, nur die zarte Helena der Frau Wünsche als sprachlich sauber- und darstellerisch befriedigende Leistung übrig. Mit delll RilprUblel kvar es-esset dtfiekli.! Immerhin konnte man an dem Zettel des Herrn Götz den Abstand von der früheren Inszenierung! ermessen. Dudek, Volker, Padlesak,§ Stadler und L e w i t t spielten mit viel Tern-, pcrament die biederen Handwerker so recht und> schlecht als Mordo sie auffaßt. D«r Reiz des Sha- kespearschen Rüpelspiels liegt in der Naivität der dilettierenden Handwerker. Bei Mordo find di« Rüpel nicht naiv, sondern eher dummdreist. Si». machen sich, aus der Sach« einen outen Tag, sie lachen über die eigene Dummheit, mit der sie die andern hineinlegen. Einem Teil des Publikums gefiel es ausnehmend. Man laste ihm das Vergnügen, dieses Theater und solch« Regiekunst—, aber Shakespeare bleibe aus dem Spiel, und wenn schon seine Personenverzeichnisse herhalten müffen, verschweig« man taktvoll die Quelle! Schön. war die Musik, die unt«r"Fritz Zweigs liebevoller Hand erblühte...' E. F. Mitteilungen aus dem Publikum. Kinder-Millionäre. Kinder zahlen Rentensteuer. Bekanntlich erhalten Kinder der Mitarbeiter der Bakawerke in Zltn bei Geburt eine Einlage von 1000 Xd, welche auf den Namen des Kindes deponiert und bis zum 21. Jahre des Beschenkten mit 5% verzinst werden. Das Eigentum dieser Kinder betrug heuer 4,500.000 Xd, welch« teils im Unternehmen, teils in der städtischen Sparkasse angelegt find. Es ist interessant, daß der Staat große Einnahmen an Rentensteuer durch diese Einlagen verzeichnen kann. Nur von den Geldern, welche in-er Betriebssparkasse aufbewahrt sind, erhielt der Staat bis zum heutigen Tage 43.000 Xc an Rentensteuer. Insgesamt erhielten 3737 Kinder vom Jahre 1926 bis 1934 die erwähnte Einlage von 1000 XL. „Die Pfeffermühle". Drei letzte Vorstellungen: Freitag 20.15 Uhr, Samstag 15.30 Uhr zu reduzierten Preisen, abends 20.15 Uhr Abschiedsvorstellung. Spielpla» des Reuen Deutschen Theaters. Freitag halb 8: 13 b e i T i s ch, D 2.— Samstag halb 8: Don Giovanni, Bl, Gastspiel Kammersänger Richard Tauber.— Sonntag halb 3: Der Kreidekreis, Arbeitervorstellung,%8: Das Land des Lächelns, C 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8 Uhr: S ch n e i d e r Wippl kontra Napoleon, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag 8: Ich Habs getan.— Sonntag 3: SchulefürSteuerzahler, 8 Uhr: Jchhabs getan., Ans der Partei Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Sitzung der Bezirksvertretung am D o n- n e r s.t a g, dem 14. Feber, um 8 Uhr abends, im Parteiheim. Wichtige Tagesordnung. Parteigenossen! Eure Kinder gehören in den Arbeiter-Turnverein! Turnstunden für Kinder jeden Samstag ab 3« Uhr nachmittags im Stefansgymnasium. Sozialistische Jugend: Feierstunde dem Gedenken der Wiener Febrüarkämpfer am 24. Feber, um 8 Uhr im Unitariasaal. Verelnsnadirlditen © Ortsgruppe Prag. Ausfahrt insRiesengebirge. Am Samstag, dem 9. Feber, Sportschnellzug, eventuell für einen Wochenaufenrhalt Riesengebirg« und Jsergebirge, Batur- freunoeha.:s. Anschluß möglich. Anmeldung am Freitag in der Kanzlei der Naturfreunde, Narodm Nr. 4, von 6 bis 8 Uhr. Führer: Strnad. Urania-Kino, Klimentska 4. Fernsprecher 61623. „Der Stolz der 3. Kompagnie“ Premiere der heiteren Satire auf den Drill. Der grobe Lacherfolg I Heute war halb 6 Uhr, morgen halb 6, Viertel 9 Uhr. Der erste Protest Kinder waren genug da. Vier aus der ersten Ehe und drei aus der zweiten Ehe und der Vater trank. Er war kein schlechter Mensch, er hatte auch ein Herz für seine Kinder, aber noch mehr Herz hatte er für seine Saufbrüder und wenn er eines Tages bei seines vielen kleinen Geschäften ein gutes abgeschlossen hatte, dann hielt er die ganze Runde frei. Natürlich gab es zu Hause Zank. Die Mutter arbeitete, daß ihre Hände rot und dick wurden und die Kinder hingen an ihr, auch die Stiefkinder. Und wenn der Vater einmal nüchtern war und seiner Frau ein gutes Wort gönnte, dann gab es sogar gute Stunden. Wer die waren eben selten. Josef war der Aelteste aus der zweiten Ehe und er sah und hörte mehr, als für sein Kindergemüt gut war. Sah-er die Mutter weinen» so ballte er in ohnmächtiger Wut die Heissen Fäuste und empfand beinahe Haß gegen den Vater. Und trotzdem liebte er ihn, gegen seinen Willen, den großen Mann, der eine so tiefe, schöne Stimme hatte, der lachen konnte und mit'den Kindern scherzte. Ja, wenn er nüchtern war,'aber das war eben selten. Er hörte, wie die Mutter den Vater bat, doch nicht ins Wirtshaus zu gehen, wie sie ihn beschwor, ihr wenigstens vor dem Gang inS Wirtshaus Geld zu geben, wie sie ihm die dringendsten Ausgaben vorerzählte und um die Sohlen oder Flicken für die Kinder geradezu bettelte. Er hörte die Lügen seines Vaters, daß er ja gar nicht ins Wirtshaus gehe, daß er ja zu einer Kunde müsse, er staunte, daß die Mutter immer wieder glaubte und hörte in seinen kläglichen Kinderschlaf hinein die Geräusche, wenn der Vater in tiefer Nacht nach Hause geschleppt wurde. Dann hörte er ihn schnarchen und die Mutter schluchzen. Schenkte ihm dann der Vater in guter Laune Geld oder Süßigkeiten, dann war er versöhnungsbereit, aber immer mit etwas Mißtrauen, wie wird es morgen sein, was wird der Vater tun, nimmt denn dieses Zanken und Streiten der Eltern kein Ende. Die kleineren Geschwister verstanden davon noch nichts und die größeren gingen ihre eigenen Wege. Aber er stand so dazwischen in rechter Kinderhilflosigkeit. Als Josef sieben Jahre alt, war, trug sich folgendes zu: Der Vater war in der Nacht nicht nach Hause gekommen und als Josef zur Schule gegangen war, war der Vater noch nicht da. Als Josef um zwölf Uhr wiederkam, war der Vater noch nicht daheim. Die Mutter weinte nicht, sie ging mit seltsam hartem Gesicht herum, war streng und wortkarg^. „Wo ist der Vater?" fragte das Kind. Aber die Mutter gab keine Antwort. Da wußte Josef genug. Er kannte ja das Stammlokal des Vaters, schon öfter hatte die Mutter ihn mitgenommen, wenn sie den Vater geholt hatte, so machte er sich denn auf den Weg. Der Weg war ziemlich weit. Und hungrig war Josef auch, denn das Mittagessen war nicht nur karg gewesen, sondern die Mutter hatte es auch so lieblos dargeboten, daß es nicht recht schmecken konnte. Im Magen hatte er ein sonderbares Gefühl, aber mehr noch im Herzen. DaS stieß und drückte so sonderbar, daß er sich wünschte, überhaupt keines zu haben. Er lief und fühlte nicht den Frühling um sich, sah nicht bunte und fröhliche Menschen, er dachte nur: Vater. Endlich war er an Ort und Stelle. Er ging am Schanktisch vorbei, niemand hielt ihn auf, er ging zielsicher weiter und kam ins Hiäterstüberl, in dem so viel Pfeifen- und Zigarrenqualm war, daß er zuerst niemanden sah. Aber dann erkannte er ein paar Gestalten an einem großen Tisch und unter ihnen war wirklich der Vater. Sein Gesicht war schweißbedeckt, seine Augen verschwommen, seine Weste angekleckst, seine Hände zittrig. Er erblickte den Knaben, ohne ihn zu erkennen und lallte ein paar Worte. „Vater!" sagte Josef,„du sollst nach Hause kommen!" „Ach, der Josef!" sagte der Mann„ah, da schau her.... wo kommst du denn her..., so mitten in der Nacht." „Ah, das is dein Bub?" fragte einer von den Zechern.„Ein nettes Bürscherll" Der Vater wollte Josef an sich ziehen, aber der wich zurück.„Na, du dummer Kerl!" lallte er,„willst wohl gar... deinen Vater nicht... kennen... was? Komm, ftink einen Schluck, so was Feines... hast du noch gar nicht..." und er wollte dem Kind das Glas in die Hand drücken. . Josef nahm es nicht und der Wirt mischte sich drein.„So.einem kleinen Kerl soll'n Sie keinen Alkohol geben." Der Vater erwiderte ganz lustig und gar nicht bösartig.:„Ich bin der Vater..., ich kann meinem Buben geben, was ich will..., verstanden?... Komm her..., zeig, wie lieb du deinen Vater hast." Josef ging ganz nahe an ihn heran, so nahe, als es der Geruch vsin Fusel, der dem Munde des Vaters entströmte, eben zuließ. „Vater! Du mußt sofort nach Hause kommen." „Er tyrannisiert mich!" lachte der gutmütig. „Er ist... ein ganz energischer Bursch..., wird einmal was werden..., der Kerl..■> der.." Dann erhob er sich. Schwankte, wurde gestützt, befahl einen Wagen und torkelte hinaus. Er mußte ein hübsches Sümmchen im Wirtshaus gelassen haben, denn der Wirt besorgte tatsächlich den Wagen. Unter einigem Aufsehen wurde der lallende, lärmende, spuckende Mann in den Wagen gebracht. Er drückte dem Wirt noch ein paar Geldstücke in die Hand, dann rief er:„Komm, mein... Sohn... Josef... Setz dick her..., heute kommen wir einmal... vornehm nach Hause..., die Alte wird... schauen, was? Na, wird's?" Aber Josef stieg nicht ein« „Na, steig ein, Bürscherll" sagte der Wirt. Der Vater mutz ja endlich ins Bett!" Und-er fatzte nach ihm. Aber Josef ritz sich los. Alles lachte, ddr Wagen fuhr an und das Kind lies nebenher. Ein grosses Tempo hafte der dürre Gaul wohl nicht, aber für die Beine eines siebenjährigen Aufrührers war es rasch genug. Er sah. wie der Vater im Wagen hin» und hergeworien wurde, er hörte ihn schwatzen und ei: lief und lief. Zorn schnürte seine Kehle zu, Haß pretzte sein Herz zusammen, Wut ftieb ihm die-Tränen in die Augen, in seinen Schläfen hämmerte Qual. Aber all dies vermochte nicht seinen Willen zu brechen. Als der Wagen hielt und Josef fast zugleich mit ihm vor dem Hause ankam, als diN Mutter den Mann aus dem Wagen zerrte und oann das halb ohnmächtige Kind in ihren Armen auffing, endete Josefs Kindheit und er stöhnte wie ein Mann. G. H. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Hans oder bei Bezug durch die Pott monatlich XC 16.—, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. 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