Einzelpreis 70 Heller (einschließlich$ Hollar Porto) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN VEK TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung PRAG XII.. fochova a. Telefon 53077. Administration TELEFON 5307«. HERAUSGEBER» SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURS WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS. PRAG. 15. Jahrgang Sonntag, 10. Feber 1935 Nr. 35 Diktaturen Bedeutungsvolle Rede Dr. BeneS’ In Islau eine vorübersehende Krankheit Sie fuhren zu unlösbaren Situationen und zur Katastrophe 3 glau. Außenminister Dr. Benes hielt Samstag abends im Legio» närhaus in Zglau vor etwa 1500 Personen einen Vortrag über„Die Krise der Demokratie und der Kampf um die autoritativen Regime", der in eine vernichtende VerurteUung aller autoritativen Regime und in den unerschütterlichen Glauben an den Endsieg des demokratischen Staatsgedankens ausklang und wiederholt begeisterte Zustimmung auslöste. An die Spitze seiner Ausführungen stellte Dr. Benes den Satz: Ich di« demokr'at und ver teidige die Demokratie. Wenn ich für dir Demokratie spreche, so deshalb, weil ich L i er zeugt bin» daß dies das Regime ist» welches sich für die Tschechoslowakei einzig und « I.I e i tt e i 9 n 1.t. - Der Krieg war eine große moralische, politische rmd soziale Weltrevolution, und alle unerhörten (Schwierigkeiten der gegenwärtigen Zeit beruhen tzarin, daß wir uns immer noch in einer vollen Re solution als Folge des Krieges befin den. Im Krieg waren die demokratischen Staaten siegreich: etwa vor acht Jahre» trat«a Umschwung rin: Es entstehen die Maffendiftaturen der politi schen Parteien und der kollektiven Volksbewegun gen. Diese sind bewußt a n t i de m o k ra- tisch und betonen dies. Unser tschechoslowakischer Bürger muß sich entscheiden, welchen Weg er gehen will.. Ich gebe für meine Person eine klare Antwort: prinzipiell, folgerichtig und kompromißlos-alte ich eS mit dem demokratischen Regime u»d verteidige es. De« Kampf gegen die Demokratie und den Fall ter Demokratien werte ich als Soziologe als die Symptome des abnormalen, krankhaften Rachkrirgs- zustandes verschiedener Staaten und Gesellschaften» als Kundgebungen einer unrichtige« politischen Ideologie und eines zeitweise» Chaos im Denken des Rachkriegsmmschen. Unsere'Generation ist zu diesem schweren, ja verzweifelten Kampf um die Erhaltung der Revo- lutionserfolge direkt verurteilt. Ein ruhiges Leben wird sie nicht haben. Dieser Kampf ist ihr Schicksal, sie mutz ihn zu Ende kämpfen und mutz ihn gewinnen!. Wir müssen den Mut haben, anzuerkennen, daß hie fascistischen, nationalsozialistischen, kommunisti schen, ständischen u. alle übrigen Reaktionsarten an dielen Stellen vor allem durch das Richtvorbereitet- srin der Demokratien' auf grotze Umwälzungen u. auf die großen Kriegs» und Nachkriegsaufgaben, am häufigsten auch durch die Unfähigkeit ihrer Parteien Und Leute verursacht wurden. Trotzdem war ich, bin ich und werde ich kein Skeptiker und Pes sim ist sein, was die weitere Entwicklung der Demokratie betrifft. Dir jetzige Krise der Demokratie erflleßt u. a. daraus, daß das moralische Problem der Demokratie und ihre inhaltliche Seite nicht hinreichend verstan den wurde. Sie zeigt sich am konkreteste» in der Agitation, Hetze, im Verbreite« von Haß, Lei- dmschaften und gegenseitigem Reid, dadurch, daß die Fehler des Parlamentarismus und der politischen Parteien vergrößert und««richtiger Weise eine Kor ruption der mitregierenden Leute verallgemeinert wird, dadurch daß eine demagogische Presse sich auSbrritet und die Ersetzung einer Partei durch »ine andere Partei oder Kaste mit HUfe der Diktatur «der des Patsches verkündet, wobei man i« lügenhafter Weise vom neue« Re gime daSBlauevom Himmel ver spricht, wiewohl äuS der Struktur und der Krise der heutigen neuen Welt hervorgeht, daß dieses »ene Regime im wesentlich«nnichtsz« verbessernvermag. Wir sehen es an der Revolution in einer Reihe europäischer Staaten, daß der Nachkriegsmcnsch sein geistiges und sittliches Gleichgewicht verloren hat, ideell vollständig desorientiert ist. Aber schliehlich siegt doch wieder die Vernunft und die Demokratie ist ein Regime, in dem die durch das wahrhafte menschliche Empfinden geheiligte Vernunft siegt! Diktatur und Unfreiheit kann vielleicht wohl hie und da Mängel der Demokratie für eine Weile beseitigen. Am häufigsten wird jedoch eine Situation geschaffen, die um vieles ärger ist, und in der Mehrzahl der Falle ist sie unlösbar und endet mit einer Katastrophe. Die autoritären Regime sind Systeme,, die zwangsläufig mit alle» FÄgen der unfreie» L.egune leben, d. i. durch die Unterdrückung d e r P r e s s e f r e i h e i t, der f r e i e n Meinungsäußerung, durch alle Arten von materiellem und sittlichem Druck auf den einzelnen undganze Dürgergruppen. Die allgemeine Unzufriedenheit ist die notwendige letzt« Folge dieses Zustandes. Aber die schärfste« Kritiker der Diktaturen beurteilen sie nicht allem vom sittlichen und geistigen Gesichtspunkte aus. Sie blicken hauptsächlich auf das Wirtschaften und die Finanzen der Diktaturen. In dieser Hinsicht aber befinden sich die heutigen Diftaturen im Vergleich mft den westeuropäischen Demokratien im großen Nachteil. Prüfen wir doch in dieser Hinsicht finanziell und wirtschaftlich England, di« skandinavischen Staaten, Belgien, Holland und Frankreich! Wesentlich aber ist, daß alle diese neuen Regime schwer um ihre Existenz Kämpfen, fich gegen Ihre alten Gegner verteidige» müssen, sich selbst allmählich anpaffen und ändern, in dem sie ihre Schwächen fühlen und nolens volens mit der Zett gezwungen sind, Wege zu irgend einem neuen Regime größerer Freiheit zu suchen. Die Entwicklung Europas geht und wird den Weg zur Anpassung und Angleichung der verschiedenen Regime gehen. Auf der anderen Seite wird die Demokratie aus den autoritativen Regime viele Lehren ziehen müssen. Bor allem muß sich jeder Demokrat bewußt sein, daß die Voraussetzung einer richtigen und gesunden Demokratie die parteipolitische Toleranz ist, die vernünftige Zusammenarbeit der Parteien. Jeder von uns muß systematisch an der Einschränkung der Oede der politischen Kämpfe arbeiten. Politische Verhetzungen vergiften den Geist einer jeden Demokratie. bedeutet noch nicht, sich gegen die Kritik der politischen Parteien und Personen zu stellen, aber es muß eine sachliche, o b j e k t i v e, a n st ä n d i g e, s i t t l i ch e und ehrliche Kritik sein. Die. Freiheit, vor- Zwei Hinrichtungen „Verrat militärischer Geheimnisse** Berlin. Die Jnstizpreffestelle Berlin teilt mit: Di« vom Volksgerichtshof am 9. August bzw. am 16. Oktober 1934 wegen Berratesmili- tärischer Geheimnisse zum Tode verurteilten Kurt Böhm auS Ludwigshafen und Paul Merz ans Stuttgart sind, nachdem der Führer und Reichskanzler von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht hat, Samstag früh hingerichtet worden. nehmlich die Pressefreiheit, darf nicht Anarchie, Böswilligkeit, Rachsucht, das Feilschen mit der öffentlichen Meinung und Verkäuflichkeit bedeuten. Dieses Problem überhaupt ist gleichermaßen eine Lebensfrage der Diftaturen wie der Demokratie. Die Demokratie darf nicht leichtsinnig die Autorität der Führer vernichten, sie soll nicht neidisch und mißtrauisch, und ihren Führern gegenüber nicht ungerecht sein. Mißtrauen ist eine der größten Schwierigkeiten des demokratischen Systems. Ich bemühe mich, meinen politischen Partnern zu vertrauen, und habe das niemals bereut. Der Demokrat ist gegen die politische Diktatur und wird daher auch gegen diewirt- schaftliche Diktatur sein! Dr. Benes kam sodann auf die Beziehungen der nationalen Idee zum Internationalismus zu sprechen, verwies auf dieUebertriebenheit des Rachkriegsnationalismus und Chauvinismus und ftizzierte die richtige Synthese der nationalen Idee mit der internationales Solidarität und Zusammenarbeit im Gerste ver HumanitätSivee. Sr betonte im gleichen Sinne die Notwendigkeit der militärischen Verteidigung des Staates und des Volkes. Ausführlich beschäftigte sich sodann der Minister mit der Entwicklung, Funktton und Mission des modernen Staates. Er zeigte die Entwicklung des Staates von der Phase des primitiven Absolutis- muS über den mittelalterlichen Staat zu den modernen Konsutitutionsstaaten, zum heutigen fascistischen, Totalität?- und kommunistischen Staate auf. Reben diese stellte er die Konzeption deS demokratischen Staates, der in der gegenwärtigen zerrütteten Zeit die Synthese eines richtigen MaßeS individueller Freiheit mit dem richtigen Maße öffentlicher Disziplin«nd Autorität des Staates zu schaffen sich bemüht. Er zeigte auch, daß die polittsche Demokratie fich not- wendigerweise heute auch in. der sozialen«nd vornehmlich in der wirtschaftlichen Demokratie auswirkt im Sinne der Planwirtschaft und daß heute eigentlich daS Hauptproblem der demokratische«Regier« n g e««nd Regime ist. Die erfolgreiche Lös«ng dieses entscheidenden Problems wird auch über den Erfolg der modernen Demokratie entscheide«. Für uns, für die Tschechoslowakei, erklärte Dr. Benes abschließend, ist die Demokratie innerlich und international, polittsch und wirtschaftlich, das einzig mögliche Regime. All das, was ich über die Krise der. Demokratie gesagt habe, ist eigentlich der Kampf um ein neues Europa, um den neuen Europäer, um den neuen Menschen. Damit wird auch das tschechoslowakische Ideal das Ideal des neuen Europa. Reaktionen gegen diesen Geist in den sogenannten„autoritativen" Systemen sind vorübergehend, sind nach meiner Auffassung Krankheitssymptome, die ganz Europa nach dem Kriege durchlebt. Der Sieg der demokratischen Ideale— nicht nur politisch, sondern vor allem auch sozial und wirtschaftlich— liegt in der Logik der europäischen Entwicklung«nd in der Gesetzmäßigkeit der sozialen Entwicklung des modernen europäischen Menschen. Rakosis Verurteilung widerspricht dem Friedensvertrag Paris. Die Linkspresse verurteilt in scharfer Weise die Verurteilung Rakosis u. verlangt, daß die Mion der internationalen Proteste gegen die ungarische Justiz fortgesetzt werde. Der sozialistische .Populaire" weist auf die Illegalität des Urteils gegen Rakosi hin, da Ungarn sich im Friedensvertrag von Trianon verpflichtet hat, keine politischen Taten aus den Jahren 1919 und 1920 zu verfolgen. I Tag des Gedenkens Ein Jahr ist es her, seitdem Oesterreichs tapfere Proletarier einen Kampf auf Leben und Tod geführt haben und noch zittert in uns die Erregung nach, die wir empfanden, als die österreichischen Schutzbündler den Kampf begannen und wir Tag um Tag um das Schicksal der proletarischen Revolution in Oesterreich bangten. Wir werden diese Tage voller Hoffnungen und Befürchtungen niemals vergessen, wir werden niemals diejenigen vergessen, welche für die heilige Sache des Sozialismus und der Freiheit der Arbeiterklasse ihr Leben gewagt und geopfert haben. Die Erhebung des Proletariats Oesterreichs kam am 12. Feber 1934 nicht unerwartet. Seit langem hatte es Oesterreichs Bourgeoisie darauf abgesehen, die Arbeiterklasse mit Gewalt niederzuwerfen. Alle Versuche her herrschenden Parteien Oesterreichs den Einfluß der Sozialdemokratie auf die Arbeiterschaft zu brechen, waren vergebens. Von Wahl zu Wahl konnte sich die Partei der Arbeiter behaupten, ja noch Mandate hinzugewinnen. Akte Anstrengungen der Herrschenden den Einfluß der Sozialdemokraten vor allem im Wiener Rathause auf legal-demokratischem Wege zu brechen, waren nicht gelungen. Durch eine ordentliche Finanzwirtschaft, durch sozial gestaffelte Abgaben, durch Wohnbauten und durch ein soziales Hilfswerk, welches die Aufmerksamkeit der ganzen fortschrittlichen Welt auf sich zog, hatten, die Sozialdemokraten in Wien ihren Einfluß so tief verankert, daß sie durch Wahlen nicht zu besiegen waren. Auf der anderen Seite sah die Bourgeoisie, wie die Zprjrtznug m IhlM eigenes Reihen immer.weiter um sich griff. Die christlichsoziale Partei hall« die Mehrheit in der Bevölkerung und im Parlament verloren und immer größeren Einfluß gewannen auf die kleinbäuerlichen, ja sogar bäuerlichen Schichten die Nationalsozialisten. Durch den Sieg Hitlers pm 30. Jänner 1933 wurde die Angriffslust der Nationalsozialisten in Oesterreich immer mehr gesteigert. Der Anschluß an Deutschland wurde nun die Parole der nationalsozialistischen Reaktion. Die österreichische Sozialdemokratie» einst die entschiedenste Vorkämpferin für den Anschluß an Deutschland, erkannte, daß die Selbständigkeit Oesterreichs nunmehr eine Notwendigkeit für die österreichische Arbeiterklasse geworden war und war bereit gemeinsam mit dem nichthitlerischen Teil des Bürgertums Oesterreich gegen die nazistische Gefahr zu verteidigen. Aber Oesterreichs Bourgeoisie und seine herrschende Partei, die Christlichsozialen, waren zu klassenbe- wußt, um ein Bündnis mit der Arbeiterschaft gegen die Nationalsozialisten einzugehen. Die Niederwerfung der Arbeiterklasse erschien ihnen zur Durchsetzung ihrer Klasseninteressen geboten. So riefen die bewaffneten Scharen der österöeichischesi Bourgeoisie», die Heimwehren, Provokation auf Provokation hervor. Ende Jänner wurde Innsbruck besetzt, es begann die Besetzung der übrigen Landeshauptstädte und es war der Tag vorauSzu- sehen, da die Hcimwehr auch in Wien mll Gewalt die Macht an sich reißen würde. Als in den Morgenstunden des 12. Feber die Heimwehren das Heim der Linzer Arbeiterschaft besetzten, wollten die Arbeiter Wiens ihre Linzer Freunde nicht, im Stiche lassen und erhoben, sich, um ihre Freiheit und Zukunft zu verteidigen. lieber den Heldenmut, welchen die Schutzbündler in den Kämpfen aegen die Exekutive, bewiesen haben, sind die llreeile der Welt einhellig Die Feberhelden von Wien, von Steyr, von Bruck a d. Mur sind eingegangen in die Heldengeschichte des sozialistischen Proletariats. Wenn der Kampf verloren wurde, lag das nicht an dem Mangel an Mut, den die Kämpfer bewiesen haben,' sondern an der politischen Stellung Oesterreichs in Europa und an dem wirtschaftlichen Niedergang, den das Land seit Jahren durchgemacht hatte. Schon 1918 und 1919 haben Oesterreichs Arbeiter mit zusammengebissenen Zähnen und geballten Fäusten sehen müssen, wie der Mangel an Nahrungsmitteln und Rohstoffen das Land zu Konzessionen an die europäische Bourgeoisie gezwungen hatte. So war Oesterreichs Arbeiterschaft nicht imstande die revolutionären Errungenschaften jener Jahre durch wirtschaftliche und politische Maßnahmen zu sichern. Seit dem Regierungsantritt des Kanzlers Dollfuß war daS Land vollkommen unter den Einfluß Italiens geraten und der' italienische Großstaat stützte so die arbeiterfeindliche Negierung. Dazu kam noch, daß Oesterreich unter den Wirkungen der Weltwirtschaftskrise noch Seite 2 Sonntag, 10. Feier 1935 Rr. 35 Gör in 5, Polen und die Reichswehr Polen—Japan Paris.«Der Moskauer Sonderierichter- fiatter des„T e m p s" bringt die gleichzeitig auch von englischen Blättern verSffentlichte Nachricht, daß Polen und Japan ein Militärabkommen abgeschlossen haben. Es handle sich nicht um eine tatsächliche Militärallianz, sondern um eine Zusammenarbeit der beiden Staaten i m Falle eines Krieges. Die beiden Staaten würden gegenseitig Kriegsmaterial u. L. aus- lauschen. mehr litt als alle anderen Länder Europas und daß ein Teil der Arbeiterklasse zermürbt war von der jahrelangen Arbeitslosigkeit und jede Hoffnung auf eine Besserung der Verhältnisse verloren hatte. So blieb der österreichische Schuhbund im Kampfe gegen Militär, Gendarmerie und Polizei isoliert, die Revolution wurde niedergeschlagen und nahm "furchtbare Rache an ihren Opfern. Die Niederlage der Wiener Revolution hat! kn der gesamten sozialistischen Bewegung der Welt Anteilnahme hervorgerufen. So sehr wir in den denkwürdigen Febertagen des Vorjahres mit hei--! ßer Inbrunst den Sieg des österreichischen Proletariates herbeigesehnt haben- wir sind nicht kleinmütig geworden, als uns die Niederlage des österreichischen Sozialismus zur Gewißheit wurde. Wer nur ein wenig Einblick in die Revolutionsgeschichte der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte hat, der weiß, daß revolutionäre Klaffen und Parteien nicht mit einem Schlage siegen, sondern daß das Glück der Waffen auch im Klassenkrieg ein wechselndes ist. Entscheidend für unsere Zeit bleibt, wer die großen wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Menschheit zu lösen imstande sein wird. Die Diktaturen in Europa haben die Schwierigkeiten nicht beseitigt, denen sie zum Teil ihr Entstehen verdanken. Sie haben die Versprechungen, die sie in verschwenderischer Fülle gegeben haben, nicht gehalten und sie haben gezeigt, daß ein Abgrund besteht zwischen den Interessen eines kleinen Klüngels von Herrschenden und dem Lebenswillen der großen Massen. Ganz besonders in Oesterreich sehen auch Bürgertum wie Bauern, daß das Ergebnis der Niederlage der Arbeiterklasse im Feber 1934 nichts anderes ist,«ls die Herrschaft des Feudaladels und der Kirche. Dieser Herrschaft aber kann nur kurze Dauer beschieden sein. Es ist unmöglich, daß im 20. Jahrhundert jene Gewalten wieder regieren, die bis zum Jahre 1848 die Herrschaft ausgeübt haben. Sie haben die Revolution des JahreS 1848 niedergeworfen und sich an den revolutionären Kämpfern jenes Jahres gerächt, aber sie haben die Entwicklung nicht lange aufgehalten. Sie haben auch im Feber 1934 gesiegt, aber sie werden es noch erleben, daß sich auch nach 1934 das Rad der Geschichte nicht aufhalten lassen wird. So wie dem Absolutismus des Vormärz das konstitutionelle Regime gtfdlgt ist, wird die Entwicklung der nächsten Jahre über die Interessen einer kleinen Schichte von Herrschenden hinwegführen zu einem demokratisch-proletarischen Oesterreich. Alles, was wir seit dem einen Jahre über Oesterreich gehört haben, hat uns gelehrt, daß die österreichische Arbeiterklasse wohl besiegt, aber nicht gschlagen ist, daß Oesterreichs Arbeiter auch heute die Gesinnung haben, wie sie zum Ausdruck gekommen ist in dem Heldenmut und dem Heldentod der Feberkämpfer. Sie wie die Weisse! und Münnichreither, die Stanök und Gerl, die Bulgari und Wallisch für die Ideale des Sozialismus gestorben sind, so werden Oesterreichs Proletarier leben und siegen für ein freies, demokratisches und sozialistisches Oesterreich! Abenteuerliche und gefährliche Berlin.(AP.) Görings Position ist bekanntlich bedroht. Man weiß, daß er dagegen Vorbereitungsmaßnahmen trifft. Daneben deuten aber verschiedene Anzeichen darauf hin, daß Göring, der nicht gewillt ist, freiwillig von der Bühne abzutreten, auch noch einen anderen Ausweg im Auge hat, falü alle anderen Möglichkeiten versagen sollten. Dieser Ausweg liegt in der Richtung eines außenpolitischen Abenteuers. Daß Göring in außenpolitischen Fragen gleich Rosenberg den intransigenten Standpunkt einnimmt und auch die Konzeption eines Kampfes gegen die Sowjetunion hat, ist nicht neu. Es ist also geineswegs müßig, unter diesem Gesichtswinkel die letzte Reise Görings nach Polen zu betrachten. Man weiß, daß sie gegen den Willen der Reichswehr erfolgte. Die Reichswehr ist nicht nur gegen eine bestimmte Abenteurerpolstik, sie will auch von dem deutschpolnischen Vertrag nichts wissen. Man könne fast sagen, daß die Reichswehr antipolnisch sei, so wie sie auf der anderen Seite für die Herstellung des Zustandes ist, wie er mit der Sowjetunion nach dem Vertrag von Rapallo bestand. Es ist auch nicht unbekannt geblieben, daß die Reichswehr entgegen dem deutsch-polnischen Pakt ausgedehnte Rüstungen an der deutschen Ostgrenze vorgenommen, die Garnisonen verstärk, Schützengräben auSgehoben und zahlreiche Kasernen(in Oppeln z. B. befinden sich beinahe ein halbes Dutzend im Bau) gebaut hat. In Polen ist man darüber außerordentlich entrüstet. Die Opposition gegen Beck und die Angriffe der Nationaldemokraten kommen nicht von ungefähr. Man ist um so mehr beunruhigt, als der Einfluß der Reichswehr wächst. Auch in Regierungskreisen sieht man diese Gefahr. Die politische Wodic Das stark verfrühte Wahlfieber hat etwas nachgelassen. Es wurde durch die Panikstimmung der Opposition ausgelöst, die in dem Polstischen Wirrwar, daS sie angerichtet hatte, ihr Süppchen zu kochen hoffte, bald aber darüber belehrt wurde, daß sie wichtige politische Entscheidungen, wie es Wahlgänge sind, nicht herbeizuführen vermag. Wie die Dinge hente stehen, will man an den entscheidenden Stellen der Koalition keine vorzeitigen Wahlen, obwohl auch in gewissen rechts- orientierten Koalitionskreisen Stimmung für Wahlen gemacht wird. Die Koalition als Ganzes hält jedoch nach wie vor an dem Herbstter- m i n fest. Das besagt natürlich nicht, daß die sozialistische Arbeiterklasse jetzt die Hände in den Schoß legen und sich nicht für j e d e Situation rüsten soll. Auch in- den normalsten Zeiten ist ja aus gewissen nicht voraussehbaren polistschen Situationen und Konstel- lationen heraus, eine Vorverlegung des Wahltermi- nes niemals ausgeschlossen. Eine solche Situation liegt augenblicklich aber nicht vor. Im übrigen geht es in der Innenpolitik sehr bewegt zu. Auf tschechischer Seite beginnen sich die Dinge langsam zu klären. Im national! st i- s ch e n Lager ist man eben daran, die ursprünglich bloß für besondere technische Zwecke bewerkstelligte Kooperation zwischen Nationaldemokraten und Stki» brny zu einer völligen Verschmelzung Pläne Bon diesem Gesichtspunkte aus sollte die Reise Görings der Beruhigung dienen. Kein Zweifel, daß also Görings Besuch in gewissem Sinne nicht unwillkommen war. Göring ist ja eben momentan der Widersacher der Reichswehr. Seine Reise machte er nicht zufällig in dem Augenblick, als Fritsch sich auf Urlaub befand. Göring hat aber bei seinem Besuch noch weiter vorgefühlt. Wir sind in der Lage, darüber Einzelheiten zu berichten. Göring schlug ein gemeinsames Bor- gehen gegen Litauen vor, und zwar in der Weise, daß Deutschland das Memelgebiet angreift und Polen auf litauische Gegenwehr mit Mobilisierung und Einmarsch antwortet. Danach solle ein Angriff auf die Sowjetunion erwogen werden, wobei Polen durch Japan Rückendeckung haben werde. Und Polen? Es hat n i ch t zugestimmt. Insofern war Görings Besuch in der Tat eine Niederlage. Denn Polen sieht das Abenteuerliche, erkennt auch Görings bedrohte Situation und ist mißtrauisch. Polen aber hat auch nicht Nein gesagt. Und daraus schöpft Göring immer noch Hoffnung. Die Stellung Polens wird vielfach verkannt. Diejenigen, die an einen deutsch-polnisch-japanischen Geheimpakt glauben, mit einer Spitze gegen die Sowjets,, irren zweifellos. Diejenigen, die etwa derartiges nun aber für alle Zeiten für völlig unmöglich halten, verkennen auch die Sachlage. Polen will abwarten, das Zünglein an der Waage fein, sich alle Möglichkeiten offen halten: Zurück zur Freundschaft mit Frankreich, falls von Deutschland Gefahr droht, Bündnis mit Deutschland und Japan, falls die Konstellation es als wünschenswert erscheinen läßt. beider Gruppen auszugestalten, die in den unteren Instanzen(Studenten etc.) vielfach schon via facti vollzogen ist. Im klerikalen Lager haben alle Bemühungen der Stasek-Gruppe nach Annäherung an die Hlinka-Partei bisher keinerlei Erfolg gezeitigt. Ueber diese beiden Wahlgruppen hinaus denkt keine der übrigen tschechischen Parteien an eine besondere Wahlbindung. - Dagegen herrscht im deutschen Lager ein buchstäbliches Chaos, von dem in letzter Zeit auch di« christlichsoziale Partei ergriffen wurde, die bisher jahrzehntelang eine selbständige Politik gewacht und sich aller extrem nationalistischen Strömungen zu erwehren vermocht hat, die aber jetzt infolge teilweiser Jnfeftion durch dieHenlein» krankheit auch gewisse innere Kämpfe auszufechten hat. Eine Wandlßng bereitet sich auch beim Bund der Landwirte vor, der, um sich des An- stunns der Henleinleute zu erwehren, nach einem Zusammenschluß mit den kleineren Gruppen, wie es die G e w e rb e p a r t e i ist, greifen muß. DaS ist der Dank vom Hause Henlein! Wir haben keinen Augenblick daran gezweifelt, daß eS so kommen wird, denn wir kennen den Appetit deS Herrn Henlein, der vom Landbund aufgepäppelt wurde und nun in seinem Heißhunger ihn samt den anderen kleineren Parteien schluk- ken möchte. Daß aber auch bei Henlein die Bäume sticht in den Himmel wachsen werden, daS bekommt die ha- kenkreuzlerische Führung täglich zu spüren.. Unsere Partei ist ihr hart auf den Fersen und soweit sich die Herrschaften an die Arbeiterkreise heranwagen, erleiden sie durch unsere braven Anhänger nur Nie« Verlage auf Niederlage. Inzwischen wird in der Regierung m it B allda m p f gearbeitet. Die Vorlage über die Sanierung d er S e l b ft v e r w a l t u n g wurde umgebaut und auf neue Grundlagen gestellt, die von der Regierung bereits genehmigt wurden. Leider wurden aber auch Diskussionen über die Vorlage mit Konfiskation bedroht, so daß wir unS jeder Stellungnahme enthalten müssen. Im Zusammenhang mit der Sanierung der Selbstverwaltung bereitet daS Finanzministerium die Neuregelung der Erwerbssteuer und des Gesetzes über die Stabilisierungsbilanzen vor. Parallel mit diesen Beratungen laufen die Verhandlungen über die B i« r z i g stu nde n w o ch e wefter. Mit den diesbezüglichen Vorarbeiten wurde das sozialpolitische Komitee betraut, daS die Vorlage des Ministers für soziale Fürsorge zur VerhandlungSbasis gemacht hat. Die Vorlage» die bekanntlich iw wesentlichen auf di« Sicherung der Verständigung zwischen den beiden Jnteressen- tengruppen der einzelnen Produktim-Skreise hinausläuft, ist vor allem im Lohnpunkt umstritten. Die Verhandlungen werden in der nächsten Woche weitergehen. Gleichzeitig soll auch die vom Arbeitenministerium vorbereitete Vorlage über die Vierzig« stundenwoche imBereich der öffentlichen Arbeiten verabschiedet werden. Zu erwähnen wäre noch, daß die Beratungen nach Beschaffung ausreichender Mittel für die Durchführung von Investitionen weit über den Rahmen deS normalen Budgets hinaus weitergehen. Bekanntlich stehen im Budget einschließlich der Staatsbetriebe gegen 1800 Millionen Kro« nen für laufende Investitionen zur Verfügung. Dar« über hinaus sollen nun noch weitere Mittel aufgebracht werden, um einen möglichst weiten Kreis von Arbeitslosen nach Jahren der Entbehrung wieder in den Rährstand zu bringen. Von den agrarischen Forderungen ist da- Viehmonopol vorläufig Gegenstand der Beratungen der einzelnen Parteien. Die Besuchssperre bei den Ministern in der letzten Woche zeigt, daß die Regierung mit der Vorbereitung all der erwähnten Vorlagen vollauf beschäftigt ist. Don der Fertigstellung dieser Vorlage wird dann auch der Termin der Parlamentseinberufung abhängen. Anläßlich des Ablebens deS Genossen Jokl liefen beim Klub der Senatoren noch folgende Beileidsschreiben ein: Von den Abgeordneten der tschechischen Gewerbepartei und der tschechischen nationaldemokratischen Partei, von den Senatoren Genossen C a s n h, Genossen Jng. Winter und Genossen Dr. Witt und vom Abgeordneten D a v i d. Abgeordneter Zajiiek Nagt Hacker«nd die „Deutsche Landpost". Wie die„Deutsche Presse" mitteilt, wird Abgeordneter ZajiLek wegen der Angriffe, welche Gustav Hacker gegen ihn in der „Landpost" gerichtet hat— wir haben darüber gestern berichtet— sowohl die.Landpost" als auch Hacker llagen. Das Bodenamt wird mit dem Landwirt- schastSministerium vereinigt. Auf Grund deS Er« mächtigungsgesetzes soll in der nächsten Zeft eine Verordnung erscheinen, wodurch das Bodenamt als selbständige Behörde liquidiert wird. Es soll ab 1. April dem Landwirtschaftsministerium unterstellt werden. 3 komm von Fritz Rosenfeld „Licht auS", schrie der Regisseur.„Was haben sie denn? Sie verpatzen ja die ganze Szene! Rehmen sie sich doch zusammen! Die paar Minuten hätten sie noch aushalten können!" Man brachte ein Glas Wasser, Gregor trank, die Dinge vor seinen Augen wurden klarer, er sah das von Wut verzerrte Gesicht des Regisseurs, die leeren, fahlen Gesichter der Kollegen, das winzige blitzelnde Auge der Kamera. „Es geht schon wieder", sggte er.„Entschuldigen sie bitte". Der Regisseur ging an seinen Platz zurück. Das Licht flammte Widder auf. Gregor besann sich, die Worte bildeten sich in der Dämmerung vor seinen Augen, erst sah er sie, als hätte eine unsichtbare Hand sie vor ihm auf den Boden geschrieben, er las sie, und dann konnte er sie auch aussprechen: „Er verdient keine andere". „Im Theater fällt der Vorhang—" „Das Signal für unsre Leute." „Ein Chor beginnt zu rufen—" „Aus dem Parkett—' „AuS allen Logen—" „Von allen Rängen—" „Abdanken! Abdanken l Brot und Gerechtigkeit! Abdanken l „Er wird in sein Auto fliehen—" „Aber die Rufe laufen ihm nach durch die ganze Stadt—" „Sie gellen durch das Fenster seines Zimmers im Schloß—“ „Sie jagen ihm nach in den Schlaf, in den Traum—" „Sie zermürben ihn, zerbrechen ihn, zerstampfen ihn". „Wenn er schießen läßt?" „Es ist niemand mehr da, der seinem Befehl gehorcht." „Die Minister verstecken sich—" „Wir werden sie finden—" „Die Garde läuft zu uns über—" „Gin paar alte Diener, die zu ihm halten, mögen mit ihm in die Verbannung gehen." „Wird er abdanken?" „Er wird abdanken. Er hat Angst um sein Leben. Er wird Kohl pflanzen in seinem Garten, am Klavier phantasieren und sich als Märtyrer einer Zeft fühlen, die ihn nicht versteht." „Und wenn er nicht abdankt?" Gregor sprach diese Frage, mit aller Kraft hielt er sich aufrecht, er sprach die Worte stumm vor sich hin, daS Zeichen kam und er stieß sie hervor, als jagte er sie von sich weg. Dann sank er wieder in sich zusammen, auSgedörrt vom Fieber, glühend, flammend, ein Feuer, das in Asche erstarb. „Dann.ist die Kugel bereit. Ohne Gnade, ohne Erbarmen. Um Mitternacht erscheint die Deputation der Offiziere im Schloß—" Am Morgen verkünden es die Proklama- tionen an allen Hauswänden: „Das Land ist frei!" „Und wenn er sich wehrt? Die Regimenter sammelt, die noch zu ihm stehen?" »Der Sender witt> in der Nacht beseht. Die Burg, das Rathaus, die Bahnhöfe werden besetzt. Wenn er Militär aus der Provinz heranholen will, wird die Brücke gesprengt. Es ist alles vorbereitet: Langt die Nachricht ein, daß Truppen unterwegs in die Hauptstadt find, fliegt die Eisenbahnbrücke in die Lust." Die Brücke fliegt in die Lust. Gregors Stichwort. Er sieht das Bild vor sich: Eisenteile spritzen zum Himmel auf, ein Pfeiler fällt um, klatschend stürzen Schienen ins Wasser, die Wa gen eines Zuges purzeln wie umgeworfenes Spielzeug in den Fluß. Die Brücke fliegt in die Luft. Der Eisenbahnzug ist zu schnell gefahren. Wäre er langsamer gefahren, wäre er zwei Minuten später eingetroffen, er hätte noch knapp vor der Brücke anhalten können, vielleicht hätten Trümmer das Dach der Wagen durchschlagen, vielleicht— aber—. Durberg stieß ihn mit dem Ellenbogen. DaS Stichwort war da. Er sprach, das Feuer fernes Blutes loderte in den Worten: „Wer feig ist, bleibe zuhause! Wer um sein Leben fürchtet, verkriech« sich hinter MutterS Schürze! Brot und Gerechtigkeit." Wie leer ein Wort werden konnte, wenn man es ost hätte, sechsmal, achtmal hintereinander, bei den Proben». bei den Aufnahmen, immer wieder, immer wieder. Was war das: Brot? Etwas Braunes, Rundes, man konnte es essen. Aber er wollte nicht essen. Er hatte nur Durst, ein feuriger Stein glühte in seinem Innern, man mußte Wasser darauf gießen, dann zischte eS wohl, das tat gut. Gerechtigkeit? Das war eine Figur, sie hatte verbundene Augen, wie Kranke einen Umschlag«m die Stirn haben, wenn die Schläfen brennen— und sie hatte eine Waage in der Hand, nicht so flein, wie die Waage, auf der der Apotheker die weißen und gelben Pulver abwog— aber auch nicht so groß wie die Waage, die beim Krämer stand. Und ein Schwert hatte sie— wozu eigentlich? Heißt Gerechtigkeit: töten? Aber Durberg und Schwartz- kopf hatten ja auch Säbel, und. töteten niemand. Schwartzkopf rief, gedmypft, beherrscht, ein Feldherr vor der Schlacht: »Versammlungen in allen Städten, allen Dörfern. Extraausgaben jede Stunde, Rundfunkmeldungen in alle Welt:»Das Land ist frei!" »Halt!", rief der Regisseur.„Wir machen eine Großaufnahme. Herr Schwartzkopf, Sie l'rechen ganz langsam und deutlich, und ohne jedes Pathos, den letzten Satz noch einmal". „Ich spreche doch ohne Pathos", entgegnete der Schauspieler gekränkt. „Ja. Aber Sie sprechen wie ein Liebhaberder mit seinem Mädchen ein Rendezvous verein« bart. Sie sprechen nicht tri. ein Revolutionär- der davon überzeugt ist, zu siegen. Das Gefühl der Sicherheit muß sich auf das Publikum über« tragen. Nicht Wo.Ie sprechen, Gefühle über« ttagen, das ist das ganze Geheimnis, Herr Schwartzkopf". Er schulmeistett mich, ich werde noch die Geduld verlieren und meine Meinung üb.r den blühenden Unsinn sagen, den er da zusammenbraut, dachte Schwartzkov-. Aber er war klug genug, zu schweigen. Die Rolle war dankbar, die Gage konnte sich sehen lassen. Es konnte der Anfang einer Filmkarri re sein. Billa am Meer, ein großes, dunkelgrün lackiertes Auto, ein Saal voll Bücher, in schwerem Ledereinband, Aufnahmen in allen Zeitschriften: der Künstler in seinem Heim. All dies stand auf dem Spiel. Man verdiente das Geld leichter als beim Theater, wo man Abend für Abend dieselbe Rolle hersagen mußte, die'elbe Maske machen, dieselben Witze der Kollegen hören. Ich werde nicht Wotte sprechen, ich werde Gefühle übettragen. Er soll recht behalten. Die Kamera, die Scheinwerfer fuhren durch daS Halbdunkel, ims sich über das Atelier gesenkt hatte. Hundert Birnen brannten im Raum, denn« noch war er, nach dem Verflackern der zehntau« sc„. tzcihen Sonnen,'."'ter wie ein G.lg.oölbe. „Schneller", schrie der Regisseur,„wir müssen fertig, werden". Gregor tappte durch die Dämmerung mühsam in Raum und Zeit zurück. Eine Großaufnahme. Da brauchen sie mich nicht mehr. Ck fragte den Hilfsregisseur. Der lief zu dem Gewaltigen im weißen, fliegenden Mantel. (Fortsetzung folgt.) Str. 35 Sonntag, 10. Feier 1935 Seite 3 fudetendeutsdm Zcitspieget r ft Johann Schott— ein Siebziger Einer von denen, ohne deren Arbeit, Opfer Und Mut die sozialdemokratische Bewegung nie geworden wäre, was sie heute ist, Genosse Johann S ch o tt in Platt en wird Montag, den 11. Feber, siebzig Jahre alt-. Man müßte die Geschichte der westböh- mischen Arbeiterbewegung schreiben, wollte man alle seine Verdienste um die sozialdemokratische Arbeiterbewegung in vollem Umfange würdigen, denn diese herrliche Entwicklung der Sozialdemokratie in Westböhmen ist mit seinem Namen innig verknüpft. Er begann schon im Jahre 1894 mit der Organisationsarbeit, schuf Bildungsverein und Handschuhmacherorganisation, führte Lohnkämpfe und wurde so zu einem der führenden Persönlichkeiten unserer Bewegung seines Gebietes. Im Jahre 1903 gründete er die sozialdemokratische Lokalorganisation, mit andern dann die Genossenschaft, und eine Reihe von Kulturorganisationen. Nach dem Kriege wurde er Bürgermeister der Stadt Platten und später Bezirksobmann. Seine Verdienste um die Arbeiterschaft, die er sich' durch seine Arbeit m diesen öffentlichen Funktionen erwarb, sind in seinen Werken festgehalten worden. Sein Leben war bisher ausgefüllt von Arbeit und Opfern, es war aber auch reich an Erfolgen und Anerkennung. So feiert er als unerschrockener Vorkämpfer unserer Idee seinen siebzigsten Geburtstag, an dem er als Ausdruck des höchsten Dankes seiner Heimatstadt, zum Ehrenbürger der Bergstadt Platten ernannt wird. Mit seiner Bergstadt feiert ihn an diesem Tage die Arbeiterschaft, dankt ihm für sein Wirken im Interesse der Armen und Unterdrückten und wünscht ihm noch fiir viele Jahre Gesundheit und den alten Kampfgeist. „Die Henlelnfront will nicht registriert werden?** Unter diesem Titel schreibt das„Prävo Lidu": Am 12. Jänner sprach der Ministerpräsident zu den Journalisten von den künftigen Aufgaben der Regierung und da erwähnte er auch die Registrierung der politischen Parteien, welche noch vor den Wahlen durchgeführt werden soll. Er sagte: „Durch diese Vorlage wird die Mitgliedschaft in den Parteien geregelt, das Fungieren ihrer Organe und die Verhältnisse werden so gestaltet werden, damit in den Parteien auch die innere Demokratie gesichert werde." Der Herr Ministerpräsident meinte offenbar mit dieser inneren Demokratie den gesetzlichen Schutz der Mitgliedsrechte der Anhänger aller politischen Parteien, also auch den Schutz der kommunistischen Arbeiter vor der illegalen Führung und dem Pol- Büro und den Schuh der Fascisten vor dem diktatorischen Statut der Partei. Ein solches Statut hat z. B. die Gajda- oder Maresbewegung, wo die Mitgliedschaft— wie wir seinerzeit durch Zitate aus dem Statut der Nationalen Front Maress nachgewiesen haben— keine Rechte. Alle Funktionäre wählt und setzt der Führer ab, die Mitglieder haben nur das Recht zu zahlen und zu gehorchen. Solche Statuten hat nun auch die Henlein-Front. Die„Prager Presse" brachte daraus einen längeren Auszug. Die Statuten sind gerade im Druck erschienen und treten mft dem Tage der Ausgabe in Kraft, also nach der angeführten Aeußerung des Vorsitzenden der Regie-j rung. Niemand weiß, ob sie von irgend einer Korporation beschlossen oder einfach souverän verlautbart wurden. Auch davon ist in den Statuten nicht die Rede. Alle Funktionäre der Henlein« front werden von der führenden Person, welche sie selbst„wählt", ob es sich nun um lokale oder Bezirksgruppen handelt, bestimmt. Die führende Person setzt sie auch ab und, ersetzt sie durch andere, welche sie selbst„erwählt". Auch Henlein „wählt" nach den Artikeln 135 und 156 der Statuten die Mitglieder der Hauptleitung, er ist selbst der Vorsitzende aller zentralen Körperschaften der Bewegung und hat das Recht die Funktionäre abzusehen, die Gruppen aufzulösen,„wählt" und entläßt seine Mitarbeiter und kann dauernd oder zeitweilig mit allen Vollmachten betraut werden, welche die Hauptleitung hat. Die Bezeichnung „Führer" gebührt nach dem Artikel 40 ausschließlich ihm. Tas alles ist allerdings keine innerparteiliche Demokratie, welche der Herr Ministerprä- sident als Bedingung bei der Registrierung der Parteien bezeichnet hat. Es wird dies ein Anblick für Götter fein, wenn unsere Regierung einige politische Parteien und verschiedene sonderbare Gruppen nötigen wird ihren Mitgliedern neben den Pflichten auch einige Rechte zu geben. Aber Herr Henlein wird vermutlich seiner Diktatur den Vorzug geben vor der Registrierung. Vie die sozialistische Iugsnddewezuns„zerfällt" Schöner Vormarsch in Westböhmen Die Henlemzeitungen werden nicht müde, von einem„Zerfall" der sudetendeutschen sozialistischen Jugendbewegung zu berichten. Unsere Jungen und Mädchen machen sich aus diesen'„Berichten", deren Ursprung ja bekannt ist, einen guten Tag und verrichten ruhig und zielbewußt ihre Arbeit: Ueber den prächtigen Erfolg ihres Schaffen? berichtet u. a. ein Rundschreiben der Karlsbader Kreisleitung unseres Jugendverban- des, in dem es u. a. heißt: „Mit dem 31. Jänner haben wir einen sehr wichtigen Teil unseres sozialistischen Wettbewerbs, die Mitgliederwerbung für die Wertung abgeschlossen. In Vier Monaten war uns ein sehr guter Erfolg beschieden. Es wurden in der Zeit 655 neue Mitglieder. ausgenommen, 8 neue Ortsgruppen gegründet. Mit diesem Erfolg wollen wir uns aber nicht begnügen. Alle Gruppen haben nach wie vor die Verpflichtung zur Werbung und alle Bezirke zur Schaffung neuer Ortsgruppen. Nachfolgend bringen wir zum Vergleich die von den Ortsgruppen getätigten Neuaufnahmen: Asch 30, Krugs- reuth(11), Roßbach 7, Eger 20, Schönbach 8,' A.ltsattl Q2, Ehodau 37»' DMasüML» Neu§. süttl 18, Elbogen 77'Falkenau 42, Königsberg 16, Graslitz 27, Rothau 27, Aich 19, Altrohlau (48), Espenthor(16), Fischern 12, Karlsbad 24, Meierhöfen(35), Pirkenhammer(22), Putschirn 19, Sodan-Lessan(43), Wcheditz 6, Ahornswald 6, Bärringen 9, Bernau 17, Eiben- Sir Simon habe Flandin dahin informiert, baß nach der Neberzeugnng des britischen Außenamtes Deutschland das Londoner Angebot nicht annehmen wird und daß das Foreign Office überrascht wäre, wenn das Gegenteil einträte. Der Auflchub, um den Deutschland ersucht, habe nach Londoner Ansicht den Zweck, M i ß- stimmigkeiten zwischen Frankreich und England zu verursachen. Flandin kündigte dem britischen Außenminister an, daß sich Frankreich der Absicht widersetzen würde, eine Konferenz von vier, fünf oder sechs berg 1, Hochtanne 16, Neudek 51, Neuhammer 10, Platten(14), Schönlind 3. Die in() gesetzten Zahlen bedeuten Neugründungsorte. Verum bremst des Finanz ministerium die Durchführung der Brotaktion für die Arbeitslosen? Das„Prävo Lidu" schreibt: Im Ministerium für soziale Fürsorge finden bereits eifrige Vorbereitungen für die Einleitung der Brotaktion für die Arbeitslosen statt. Es ist dies eine Fottfetzung der gleichen in den früheren Jahren seitens des Ministeriums für Bolksernäh- rung und im Vorjahr« vom Fürsorgeministerium dnrchgeführten Aktion. Zufolge Regierungsent- fcheidung ist für die Brotaktion ein Betrag von 50 Millionen KL gewidmet, mit dessen Beschaffung das Finanzministerium betraut wurde. Die Art und Weise, wie das Fürsorgeministerium die Durchführung der ganzen Aktion besorgte, stieß nirgends auf besondere Schwierigkeiten. Es ist nicht uninteressant, daß das Finanzministerium ! plötzlich die Attion aus dem Grunde bremst» weil angeblich der bisherige ModuS unzweckmäßig, unpraktisch und schleppend ist. Das Finanzministerium verlangt, daß daS Fürsorgeministerinm nicht den Getreideeinkauf vornehme, das Getreide nicht vermahlen lasse und aus dem Mehle nicht das Brot in Regie der Aktion gebacken werde, sondern, daß das Brot, fertig gekauft werde, resp. beim Produzenten bestellt werden solle. Das Finanzministerium behauptet, daß die Durchführung der Brot- nktion durch direkten Broteinkauf sich in administrativer Hinsicht bedeutend einfacher gestalte alS der bisher gewählte Modus. Auf diese Weise entfällt angeblich die besondere Verrechnung, die Kontrolle und Auszahlung beim Getreidreinkauf. Transpott in die Mühlen und zu den Bäckern etc. Dabei behauptet das Finanzministerium, daß die Brotaktion im Ausmaße von 5000 Waggons Korn eigentlich nicht bloß zu Lassen der staatlichen Mittel dnrchzuführen war und ist, sondern daß rin Teil der angefühtten Kornvoreätr hätte Ver- wendimg finden sollen für eine indirekte» seitens der Gemeinden oder Bezirke durchzuführendc Aktion für Arbeitslose. Zu dieser Sache, die nach der VorgangSweise dcS Finanzministeriums den Eindruck eines Zerwürfnisses mit dem Fürsorgeministerium erweckt, bemerken wir folgendes: Der Modus dieser Aktion möge aufjbi.e oder jene Art gelöst werden, Haupt-, fache M. daß die Arbeiten des Fürsorgeministe- rinmS für diese Attion nicht anfgehalten werden, damit die Attion tunlichst bald eingeleittt werde. Jedes Aushalten— aus welchen Gründen immer — bedeutet nur eine Verlängerung der Leiden der Hungernden. tische Meinungsaustausch nnd hierauf die Beratung der allgemeinen Abrüstungskonferenz. An informietten Stellen ist man der Ansicht, daß Sir John Simon und Flandin beschlossen Haven, die deutsche Regierung zn verständigen, daß die Verhandlungen nicht in d i e L ängegezogen werden dürfen und daß alles in der Weise verhandelt werden müsse, daß die künftige September-Session der Völkerbundsversammlung die abschließenden Verhandlungen, mögen sie nun günstig oder ungünstig sein, verzeichnen könne. Vie Hetze gegen den GEC-Verband Vom GEC-Verband geht uns folgende Er* klärung zu: Am Freitag, dem 8. Feber a. e., sind drei Angestellte unseres Znaimer Betriebes verhaftet worden. Diese Verhaftung erfolgte im Zusammenhänge mit der Verhaftung des früheren Betriebsleiters Scheuer, der im vergangenen Jahre wegen Untreue entlassen wurde. An diese Tatsachen knüpfte eine Reihe von Blättern Kommentare, denen gegenüber wir erklären, daß alle Anschuldigungen, die Scheuer erhebt,jeder tatsächlichenGrund- lag e entbehren. Sie sind nichts anderes als ein boshafter Racheakt und eine Fottfetzung des seinerzeitigen ErpreffungsversucheS. Wir wollen der Untersuchung gegen unsere verhafteten Angestellten nicht vorgreifen, werden aber, sobald die Möglichkeit hiezu besteht, die Oeffentlichkeit eingehend informieren und beweisen, daß alle Verdächtigungen aus der Luft gegriffen sind. GEC- Produktions- und Großeinkaufsverband für Erwerbs- und Wirtschaftsvereinigungen Prag II., Fügnerovo nam. 4. « Im Zusammenhang mit der Verhaftung Scheuers brachten einige Blätter Berichte, in denen Scheuer als sozialdemokratischer„Führer" hingestellt wurde. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß Scheuer, der zur Zeit der Spaltung zu den Kommunisten übergangen war, wohl einige Jahre darauf sich wieder in unsere Partei aufnehmen ließ, aber keinerleiFunktio- n e n, geschweige denn führende, erhielt,(d. Red.) Versöhnunsstas in Budapest Budapest. Ministerpräsident Gömbös und Graf Stefan Bethlen hatten Samstag nachmittags beim Reichsverweser eine längere Unterredung, in deren Verlaufe sie alle strittigen Fragen bereinigt haben. Die in der Partei der nationalen Einheit aufgetauchten sachlichen und persönlichen Gegensätze sowie Mißverständnisse haben durch die Unterredung volle Erledigung gefunden. Die Regierung wird ihre Tätigkeit in der Richtung der bisherigen Ziel- setzungen auch weiterhin ungestört fottsetzen. „Grundsätzliche" Zustimmung Italiens Ueber die Stellungnahme Italiens zu den Londoner Besprechungen wird"aus Rom amtlich mitgeteilt: Die verantwortlichen italienischen Kreise betrachten die Gesamtheft der abschließenden Erklä- rung über die Londoner Besprechungen mft Sympathie und sind der Ansicht, daß in ihr die Mög- lichkeit einer Verständigung mit Deutsch la nd und damit der Beginn einer Periode der Zusammenarbeit zwischen den interessierten Mächten gegeben ist. Was des Näheren den Pakt für gegenseitigen Luftschutz betttfft, so wird die Stellung Italiens demnächst im Sinne einer grundsätzlichen Zustimmung festgelegt werden, wobei die besondere Lage Italiens gegenüber England und umgekehrt noch zu erörtern bleibt." Ein neues Todesurteil Klagenfurt. Der 28jährige Schlosser O. K r a ß n i g, Nationalsozialist aus St. Ruprecht bei Klagenfurt, wurde vom Schwurgericht Klagenfurt nach dem Sprengmittelgesetz zum Tode durch den Strang verurteilt. Der Verurteilte brachte die Nichtigkeitsbeschwerde ein. Rlntelen-ProzeB am 2. März Wi e n. Der Prozeß gegen den ehemaligen Gesandten Dr. Rintelen wurde definitiv auf den 2. März festgesetzt. Arn Henker Rache genommen Luftpakt auf alle Fälle Schlimmstenfalls nur England-Frankreich Paris.„L Oeuvre" erfährt zu der freitägigen Unterredung Sir John Simons mit Flandin in Patts, daß neuerlich betont wurde, daß Frankreich und Großbritannien das Flugavkom- mcn in jedem Fall unterzeichnen, auch wm die übrigen Staaten ihre Teilnahme ab- lehnen sollten. , Großmächten cinzuberufen, die über die Regelung der Äbrüstungsangelegenheiten verhandeln würde. Das einzig mögliche Vorgehen, das Frankreich zu- läßt, sind vor allem dernormalediploma- Max Liebermann Der große und weltberühmte deutsche Maler, der am Freitag als Achtundachtzigjähriger in Berlin gestorben ist. war im Laufe der Jahre zu einer jener Künstlergestalten geworden, um die der Streit längst zum Schweigen gekommen war,— aber Liebermanns Lebendigkeit, die sich in seiner unermüdlichen Schaffenslust ebenso ausprägte wie in seinem bissig-berlinischen Humor, bewahtte ihn davor, schon bei Lebzeiten eine histottsche Legende zu werden. In seiner Jugend, als er den französischen Impressionismus der Manet und Courbet in Deutschland fottzusetzen begann, als er mit seinen atmosphärischen Freilichtbildern und seinen realistischen Schilderungen der holländischen„Netzflik- k«rinnen" und des«Jesuskindes im T e m p e l" ein aus Bewunderung und Empörung gemischtes Aufsehen erregte, galt er als Führer einer neuen Kunstrichtung(die er seit 1898 in der Berliner Sezession sammelte und zum Siege führte). Später aber, als das damals Neue zur Traoition und Max Liebermann zum Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste geworden war, galt er nicht mehr als Repräsentant einer„Richtung", sondern als Repräsentant der deutschen bildenden Kunst. Bon ihm porträtiert zu werden, war der Ehrgeiz aller, die in der deutschen Oeffentlichkeit eine Rolle spielten, wie es der Ehrgeiz aller Museep und Sammler'war,«ins seiner Bilder zu besitzen (von denen die„P o l o s p i e l e r" das bekannteste und die märkischen und holländischen Landschaften die zahlreichsten wurden.) In der Reihe der großen deutschen Maler, die um die Jahrhundertwende berühmt wurden, nahm Liebermann eine besondere Stellung ein. Von den(schon vor ihm verstorbenen) Corinth und Slevogt unterjchied ihm. sein geringeres Maß an farbiger Leidenschaft und erfindender Phantasie. Bon der großen Graphikerin Käthe Kollwitz unterschied ihn sein geringeres Maß an sozialer Tendenz. Aber was ihn heraushob, war seine Stetigkeit und Sicherheit» seine objettive Ruhe und Intensität, seine auf meisterhaftem Können begründete Bildgestaltung, die auch auf jenem Wissen um die Gesetze der Kunst beruhte. die sich in seinen berühmt gewordenen Aussprüchen kundtut, von denen der Satz„Zeichnen ist Weglassen" der bekannteste wurde. Liebermann war nicht nur ein großer Künstler, sondern darüber hinaus ein erfolgreicher Kunst-Politiker, der die Sezession und später die Akademie überlegen leitete und sich trotz seiner zuweilen sehr scharf betonten Ablehnung aller expressionistisch-kubistischen Experimente der aufstrebenden Generation nicht in den Weg stellte. Er enfftammte einer Alt-Berliner jüdischen Familie, aber seine Kunst war so mit dem deutschen Leben und der deutschen Httmat verwachsen, daß seine Bilder sogar noch im Dritten Reich als„nordische Kunst" ausgestellt werden konnten. Daß die geistverlassenen Kunst-Versklaver des Nazi-Regimes(bei deren Machtantritt Liebermann alle seine Ehrenämter niedergelegt hatte) daS zum Anlaß nahmen, um dem greisen Maler ein„Arbeitsverbot" zu diktieren, war eine der lächerlich-schändlichsten Taten, die, das Hiter- Regime der deutschen Kunst vor aller Welt zugefügt hat.—eiS— Barcelona. Samstag Nachmittag betrat im Stadtviertel Saint Andrö eine Gruppe von unbekannten Männern ein Gasthaus, in dem ein Gast gerade Kaffee trank. Die Unbekannten traten schweigend an ihn heran und erschossen ihn mit einigen Revolverschüssen. Später wurde in dem Erschossenen der Scharfrichter von Barcelona sichergestcttt, der bereits seit dem Tage, an dem er die Hinrichtung des Anarchisten Aranda vornahm, mit dem Tode bedroht worden war- Meuterei in Mandschukuo Schanghai. In der mandschurischen Provinz Kirin haben über 1000 Mann Polizeitruppen gemeutert. Sie erschossen ihre fapani- l ch e".Offiziere und Führen jetzt einen Kleinkrieg. Nördlich der großen Mauer haben Einheiten der Volksmiliz gleichfalls gemeutert und die Ablieferung der Waffen an die Mandschuren und Japaner v e r w e i g e r t. In Dschehol sotten die Organisation der.Bösen Schützen" in Stärke von 500- Mann den Aufstand ausgerufen und die Un- abhängigkeft des Gebietes erklärt haben. Sonntag, 10. Feder 1935 Nr. 35 Sette« Dor einem 3oQr Das verwüstete Innere des Arbeiter-Cafös„Goethehof". Um den Block, in öem das Cafe liegt, tobten stundenlang erbitterte Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und den Schutzbündlern Ein wahrer Held unserer Zett Selbstmordversuch, um dem Kameraden den Arbeitsplatz freizmnachen! Innsbruck. Eine Brauerei wollte einen Angestellten, einen Familienvater mit drei Kindern a b b a n e n, der durch die Entlassung in große Rot geraten wäre. Sein Arbeitskollege, A n t o n H a« p t, der ledig ist und für niemanden z« sorgen hatte, bat die Direktion, ihn an Stelle des Familienvaters z« entlassen. Dir Direktion ging auf diesen Vorschlag nicht ein. Dar auf faßte Haupt den Entschluß, durch Selbstmord den Arbeitsplatz stei zu machen. In der Tat schoß er sich eine Kugel durch den Kopf und verletzte sich lebensgefährlich. Sein Zustand ist sehr ernst, er wird, wenn er am Leben bleiben sollte, wahrscheinlich einAugever- l i e r e n. Tagcsncuigkcitcn Noch immer Larvinen-Opfer Mailand. Ein schweres Lawinenunglück ereignete sich im P u st e r t a l in der Nähe von Sexten(Desto) an der italienisch-österreichischen Grenze. Eine Lawine, die von den Hängen des Mont Elmo niederstürzte, verschüttete eine Gruppe von vier Zollwächtern. Einen der Verschütteten gelang es, sich aus den Schneemassen herauszuarbciten und Hilfe herbeiznholen. Rach vieler Mühe konnte man einen der Verschütteten schwer verletzt bergen. Die veidenan- deren Zollwächter waren bereits tot. * Innsbruck. Der Bauer Albert W e i- l e r aus Aßling in Ost-Tirol wurde von einer niedergehenden Lawine verschüttet und getötet. Aus Bozen wird berichtet: nächst Corvar» in den Dolomiten wurde der 21jährige Skifahrer Ro, f a t a auS Triest von einer Lawine getötet. Sein« zwei Begleiter konnten sich noch rechtzeitig retten. Innsbruck. Eine der größten Lawinen der letzten Tage ging in den Zillertaler Alpen im Fin- singtal nieder, durch die das Almdorf Schellen b e r g vollkommen vernichtet wurde. Insgesamt, würden 12 Hütten mit Wohnungen, 23 Viehställe und zwei Scheunen sowie die Kapelle der Siedlung und die. Gastwirtschaft weggerissen. Da die Siedlung im Winter nicht bewohnt ist, lind keine Menschenleben zu beklagen.. Auch der oberhalb der Alm liegende Schutzwald sowie der Wald auf der gegenüberliegenden Seite wurden restlos weggefegt. Die Lawine war zwei Kilometer lang. Im Sellraintal wurde der Gasthof»Alpenrose" in St. Sigismund, 25 Kilometer westlich von Innsbruck, von einer Lawine schwer beschädigt. Im gleichen. Tal verschüttete eine Lawine einen Wiener Touristen, der jedoch noch lebend geborgen werden konnte. In Osttirol verschüttete eine Lawine den Bauer Albert Weiler. Seine Leiche konnte bisher nicht geborgen werden. Die Täler von Hinterhornbach und von Namlos sind seit Tagen sämtlich von der Außenwelt abgeschnitten. Im Oschnitztal wurden drei Bauernhäuser durch Lawinen beschädigt. Der bekannte Wintersportort St. A n t o n war längere Zeit ohne Licht, da die Kabelleitungen zerstört waren. In den Hotels mußten Petroleumlampen und Kerzen gebrannt werden. Annabella von einem Baren angefallen Paris. Die französische Filmschauspielerin Annabella wurde Freitag beim' Drehen einer Zirkusszene von einem Bären angegriffen und zu Bohrn geworfen. Rur dem sofortigen Eingreifen ihres Ehemannes, des Filmschauspielers John Murat, und einiger anderer Darsteller ist es zu verdanken, daß Annabella keine schweren Verletzungen davontrug. Sie erlitt jedoch einen d op- P elt e n F ußg el e n kb ruch und mußte in eine Klinik gebracht werden. Gastod dreier Hausbewohner Sieben lebensgefährlich Vergiftete Paris. Ein bedauerlicher Unglücksfall, der bisher drei Todesopfer forderte, während sieben Personen mit lebensgefährlichen Vergiftungser-. scheiüungen ins Krankenhaus geschafft werden mutzten, ereignete sich Freitag in Clermond F e r ran d. Der Pförtner eines Mietshauses bemerkte Freitag früb starken Gasgeruch..Er. begab sich in die Wohnung des ersten Stockwerkes, die von einem a l t e n E h e p a a r und ihrem D i e n st m ä d ch e n bewohnt wird. Ms er aus mehrmaliges Klopfen keine Antwort erhielt, öff nete er gewaltsam die Tür und fand alle drei Bewohner leblos auf. Die Ehefrau war bereits t o t, während bei den anderen beiden Wiederbelebungsversuche erfolgreich waren.— Da der Gasgeruch aber nicht aus dieser Wohnung des ersten Stockes kam, begab der Pförtner sich auch in das zweite Stockwerk, wo er in einer Wohnung einen Mieter tot auffand, während im gegenüberliegenden Zimmer eine betagte Witwe mit schweren Vergiftungserscheinungen im Bett lag. Inzwischen waren Polizei und Feuerwehr benachrichtig! worden, die die weitere Untersuchung einleiteten, denn man hatte festgesteUt, datz das Gas nicht aus den Hausleitungen ausströmte, sondern aus den Erdleitungen gedrungen war. In einem Nebenhause wurde daraufhin eine Miet e r i n im Erdgeschotz tot aufgefunden. In diesem Haus und einem gegenüberliegenden Hause wurden noch mehrere Personen in hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Die Untersuchung hat ergeben, datz das Haupt- z ü f u h r r o h r geplatzt war. Die Gasge- Älschaft scheint keine Verantwortung■ zis kragen! dagegen wird man prüfen, ob" die kürzlich durchgeführten Straßenarbeiten, bei denen das Gaszufuhrrohr freigelegt wurde, der Anlaß zu diesem bedauerlichen Unglücksfall gewesen sind. Schon seit einigen Tagen hatte, man in dem ganzen Umkreis einen starken Gasgeruch festgestellt, ohne datz sich jemand fand, der die zuständigen Behörden benachrichtigt hätte. „Fürst" Schwarzenberg als Balntaschieber. Wie die„Nova Doba" mitteilt, sind die Pressemeldungen, die in den verschiedenen Zeitungen austauchten und von einer Geldschiebung des Herrn Schwarzenberg nach der Schweiz erzählten, durchaus nicht aus der Lust gegriffen, sondern haben einen sehr realen Hintergrund. Man erfährt aus dieser Geschichte, mit welchem Rasst- nement die großen Patrioten ihre Millionen nach dem, ihrer Meinung nach geldsicheren Ausland — in diesem Falle in die Schweiz— bringen. Ein nordböhmischer Fabrikant hat für Waren, die er in die Schweiz lieferte, bei einer schweizerischen Firma ein Guthaben von 1,500.000 Kronen. Davon erfuhr einer der Agenten, die unsere Ka- pstalisten, offenbar nur zu diesem Zweck, in der Schweiz unterhalten. Durch Verbindungen, die man nicht kennt, wird nun dem Schweizer Unter- nehmen durch einen Bevollmächtigten des„Kö- nigreiches" Schwarzenberg das Guthaben zur Weiterleitung abgenommen und der Warenlieferant in derTschechostowakei verständigt,daß er an einem bestimmten Tag im Hotel„Blauer Stern" in Prag sein Geld übernehmen könne. Er kommt nach Prag und erhält von einem Herrn„Berg" diese 1,5 0 0,0 0 0 XL b a r ausbezahlt und das Geldgeschäft ist für ihn auf dem kürzesten und i leichtesten Weg erledigt worden. Nicht aber für die Devisenzentrale. Diese kontrolliert die Bücher des Exporthauses und isommt auf die Warenlie- ferung nach der Schweiz und die Bezahlung der Waren durch den Herrn„Berg". Eine Nachfrage bei den Banken in Prag ergibt, datz an dem in Frage kommenden Tage nur vom„Konto Schwarzenberg" 1,500.000 Kc behoben wurden. Damit ist erwiesen, daß Schwarzenberg von seinem in derTschechoslowakei liegenden Gelbe für die nach der Schweiz gelieferten Waren bezahlt hat und den.in der Schweiz erlegten Betrag auf sein Konto bei einer Schweizer Bank einlegen ließ. Valutaschwindel, wie er besser nicht organi- siert werden könnte und nur durch eine richtige, zu diesem Zweck; geschaffene Schieberzentrale möglich ist. Dafür mutzte nun Schwarzenberg im Ganzen eine Strafe in der Höhe von 2,000 000 I Kronen und den Ersatz-es gestohlenen Betrages leisten, also 1,500.000 Kc, d. s. zusammen 4,000.000 Kö. Wie werden da die armen Holzfäller und Grstsarbeiter schinden müssen, um die- sen Riesenbetrag wieder hereinzubringen. S i e werden die durch den Schwindel in Verlust geratenen Millionen bezahlen müssen. Nur siel Falschmeldung über de» Hungertod eines Kindes. In der Presse tauchte die Meldung auf, daß in der karpathorussischen Gemeinde Zä- v a d k a das zweijährige Kind des Ivan Rosinec Hungers geswrben sei. Rosinec verbüßt augenblicklich eine zehntägige Gefängnisstrafe wegen Manipulationen mtt Viehpässen. Eine Unter- suchungskommisiion stellte bei der Sezierung der Kindesleiche fest, daß die Todesursache eine Entzündung der Lungenlappen und des Herzbeutels war; außerdem wurden Blutunterlaufungen infolge von Mißhandlungen konstatiert. Einen Tod infolge Hungers halten die Gerichtssachverständigen absolut ausgeschlossen. Zur Zeit des Todes des Kindes besaß die Familie eine Kuh und Karroffelvorräte. Die Stiefmutter des Kindes, die mit ihrem Manne nicht in gutem Einvernehmen lebt, hat noch am Tage des Leichenbegängnisses ein— wenn auch selbstredend einfaches— Gastmahl für die Trauergäste veranstaltet. Ein heftiger Tornado verwüstete die Umgebung von Grapeland(Texas), vernichtete 30 Häuser und richtete insbesondere in Leon Trinity und Houston großen Schaden an. Zehn Neger wurden getötet und 40 verwundet. Flug-Frachtsendungen ins Ausland. Ab 15. Feber 1935 werden zur Beförderung auf dem Luftwege Frachtsendungen ohne Wertangabe bis zum Gewicht von 20 Kilogramm für di« Vereinigten Staaten von Amerika, die Virginia-Inseln der Vereinigten Staaten, die Zone des Panamakanals, die Insel Porto-Rico, die Marinebasis Guantanamo, die Halvai-Jnseln, die Inseln Guam, Pago-Pago, Tutila Und Maanoa/ Alaska und die Philippinen entgegengenommen. Diese Beförderungsart bietet den Jnter- esienten gegenüber der gewöhnlichen Postbeförderung hinsichtlich der Schnelligkeit der Beförderung Vorteile. Die Stelle je eines Bezirksschulinspektors für die Volks- und Bürgerschulen und die Kindergärten Mit deutscher Unterrichtssprache im Schulbezirke R e it*5> e I mit dem Amtssitze in Neudek, und im Schulbezirke Böhmisch-Kruma« gelangen zur Besetzung. Die ordnungsgemäß belegten Gesuche nimmt der Landesschulrat in Prag bis einschließlich 16. März 1935 im Dienstwege entgegen. Wahrscheinliches Wetter von heute: Am Nordwestrand des Staates wechselnd bewölkt und viefach strenger Nachtfrost. Im übrigen Gebiet meist bedeckt und vom Südosten her Zunahme der Neigung zu Schneefällen. Im allgemeinen leichteFrost« Milderung. Wind aus östlichen Richtungen. Unteroffizier-Pilot zum Leutnant ernannt Prag. Am Samstag wurde dem Stabsrottmeister-Pilot Franz N o Vak vom Fliegerregiment Nr. 1 in feierlicher Weise vom Vorstand des Flugwesens, General F a i f r ein Dekret überreicht, worin ihn die Regierung ausnahmsweise zum Leutnant ernennt. Es ist dies der erste Fall, daß die Regierung von der Ermächttgung der Verordnung 194/27 Gebrauch macht, wornach sie„aus besonders triftigen dienstlichen Gründen" auf übereinstiot- menden Antrag der Zentralbehörde, des Ministeriums des Innern und der Finanzen die Dispens von den für dir Bestellung zum Offizier vorgeschriebenen Bedingungen etteilen kann. Der neue Leutnant ist seit acht Jahren militärischer Fluglehrer und ein international anerkannter Flugakrobat, der namentlich bei den letzten Konkurrenzen in der Flugakrobattk in Paris und Lissabon die Tschecho- flowakei ehrenvoll vertreten hat. Vom Rundfunk i Empfehlenswertes aus den Programmen: Montag: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 10.40: Schallplatten, 12.10: Opernszenen, 15.55: Leichte Musik, 17.20: Schallplatten, 17.35: Slowakische Volkslieder, 17.45: Violinkonzert, 18.20: Deutsche S e n d u n g: Dr. Schausberger: Rund um Afrika, 18.40: Pädagogischer Funk, 18.55: Deutsche Presse, 19.15: Wir lernen russisch, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 14.20: Leichte Musik, 14.40: Liederkonzert, 15.05: Deutsche Sendung: Vermischte Adrigen, heitere Schallplattenfolge, 19.15: Trompetenkonzert.— Brün» 13.35: Heitere Musik, 17.45: Deutsche Sendung: Dr. Veöera: lieber Anton Dvokak, 19.80: Unterhaltungsprogramm.— Mährisch-Ostrau 17.45: Kla<- viettdnzett, 18.20:' TkSü t s ch e"S e K d ü n g: Prof. Berner: Etwas Sprachgeschichte. Dienstag: Prag. Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 11.05 Deutscher Schulfunk: Auf Heringsfang, 11.50: Schallplatten, 12.10: Ouvertüren auf Schallplatten, 12.35: Salonorchesterkyn- zett, 16.45: Rundfunk für die Jugend, 17.50: Klavierkonzert, 18.20: Deutsche Sendung: Prof. Reich: Expottförderung durch aktive Währungspolitik, 19.10: italienische Lieder, 20.40: Orchesterkonzert, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 14.20: Schallplatten: Schubett, 15:Deutsche Sendung: Dr. Beck: Umbruch der Weltanschauung, 15.20: Chansons, 19.30: Orchesterkonzert.— Brünn 17.45: DeutscheA rb eitersen- düng: Perlsee: Arbeiterschastsbewegung im Lichte der Gegenwatt, 21.30: Abende in fernen Ländern. ■—Mährisch-Ostrau 18.20: Deutsche Sendung: Zehn Minuten für die Kinder, Frauenfunk. Nicht vergesse«! Wien, 1». Feber 1934 Das zerschossene Gebäude des hartumkämpten Arbeiterheims in Ottakri n g nach der Einnahme durch Regierungstruppen Nr. 35 Sonntag, 10. Fever 1935 Sekte 5 Deterding und die Ukraine. Daß der Petro- keumindustrielle Deterding in Bezug auf die USSR, insbesondere die Ukraine, ein ähnliche Konzeption verfolgt wie Rosenberg, ist nicht mebr neu. Neuerdings ist bei ihm als Propagandist ein Historiker namens Korotovez tätig, der-zum Nachweis englischer, Interessen an der Ukraine die amüsante Feststellung gemacht hat, daß im Jahre 1042 der Herzog von Kiew mit der Tochter des letzten angelsächsischen Königs Harold verheiratet^Wesen sei. Wenn das nicht stichhaltig ist.... Flugverkehr China-Deutschland.„Daily Telegraph" meldet aus Singapore, dass das Mitglied der chinesischen amtlichen Flugkommission Dr. Tschaingli erklärt hat, datz noch vor Ablauf des Jahres der regelmäßige Flugverkehr auf der Strecke Deutschland—China über Sibirien und die Sowjetunion ausgenommen werden wird. Ein verwegener Vanditendverfall auf einen Personenzug ereignete sich Freitag in der Nähe von P l o e st i. Maskierte Räuber sprangen auf die Bretter des Postwagens, hielten drei Postbeamte, die sich ihnen entgegenstellen wollten, mit dorgehaltenen Pistolen in Schach und warfen den ganzen Inhalt des Wagens durch die Türen hinaus auf das Eisenbahngelände. Nachdem sie die drei Beamten geknebelt und gefesselt hatten, schmuggelten sich die Räuber unter die Fahrgäste des Zuges und vermochten an der nächsten Eisenbahnstation den Zug unbehelligt wieder zu ver- laffen. Die Beute ist offenkundig von Spietzgesellen der Räuber aufgelesen worden. Der Raubüberfall wurde dadurch entdeckt, datz der Postbeamte der Station Campina vergeblich auf die Meldung des Begleiters des Postwagens wartete. Als man die Türen des Wagens öffnete, fand man die drei Beamten geknebelt und gefesselt vor. Nur noch reinrassiger Aerztenachwuchs. Der Reichs- und preuhische Innenminister hat die Prüfungsordnungen für Aerzte und Zahnärzte durch Einfügung einer Bestimmung geändert, wonach die /Zulassung zu den Prüfungen und die Erteilung der Approbation von dem Nachweis der arischen Abstammung abhängig zu machen find. Ausnahmen hiervon können nur aus besonderen Gründen gestattet werden. Im Gefängnis von Sing-Sing wurden am Freitag drei des Mordes überführte Gangster in Intervallen von zehn Minuten auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Führer zur Demokratie T. G. Masaryk, der„Lebensroman' eine- großen Mannes". ...»Durch has Volk«,» dem Volk«. Volk..." DaS find' die schlichten Worte, die T. B. Masarhk beim triumphalen Einzug in die Hauptstadt des tschechofiowakischen Staates spricht wnjubelt von den Hunderttausenden, die die Straßen überfluten... Der greise Kämpfer, soeben aus dirrjähriger Emigration und vierjährigem Kampf für seine Idee in die Heimat zurückgekehrt, schmettert.keine heldischen Phrasen in die Menge. Mit leiser, fast schüchterner Stimme spricht er, mit Listiger Geste den spontanen Jubel, der ihm gilt, umbildend in den Segen der gemeinsamen, ehrlichen, sachlichen Arbeit... Johann P«t a i 8 gibt seiner Masarhk-Biogra- dhie, hie, von Friedrich G o.l d m a n n ins Deutsche übersetzt, soeben in der ,N o r'd b L h m i s ch e n Berlag G. m. b. H.", Reichenberg, erschienen ist, den Namen»Von der Pike auf". Der Titel trifft den Ilagel auf den Kopf. An der Entwicklung dieses Proletariersohnes ist nichts Sprunghaftes, nichts Künstliches, nichts Gewaltsames. Es ist«in Leben ohne Mißklang, ohne falsch« Töne, ohne Bothos und dort, wo es pathetisch und dramafisch 1 Zwerge in den Dschungeln Madrid. Der Führer einer spanischen Forschungsexpedition in Afrika, Dr. Louis Lasern«, entdeckte einen bisher unbekannten Stamm von Zwergen in den Dschungeln an den Ufern des Flusses Notem. Dr. Laserna schreibt, datz die Zwerge in den dichten Wäldern an der Grenze von Kamerun, u. zw. in ungewöhnlichen primitiven Verhältnissen. Hausen. Einige der Frauen sind n ichteinmaldreiFutz gross. Der Stamm ist rein schwarz und lebt entweder in N e st e r n auf den Bäumen oder in ganz primitiven Hütten, die aus Gras und Erde gebaut sind. wird, da ist es das Pathos der Wahrheit, das diesen überlegenen, schlichten Menschen herauShebt auS der weisheitsvollen Enge seines Studierzimmers. Denn die Wahrheit geht und ging T. G. Ma- saryk über alles. Wenn ihn die»goldene Jugend" d«r tschechischen Bourgeoisie umtobt, wenn er von seinem Lehrstuhl in der Universität heruntersteigt und durch die Gafie der Brüllenden aufrecht und stolz den Weg ins Fre-e geht, wenn er den Kampf gegen den Ritualmord- Wahnsinn aufnimmt— einer gegen fast alle Verblendeten— immer ist tB die innerste Erkenntnis, die ihm den Weg vorschreibt. .Verräter" brüllen sie ihm nach,»bestochener Judenkn echtl" Der Schmutz reicht nicht an ihn heran, denn er weiß, er kämpft für sein Volk, wenn er gegen Rassenhaß und subalternen Aberglauben in die Schranken tritt—. Hier, an T. G. Masarhk, zeigt sich in vollendeter Synthese etwas, was sehr selten ist: die Einheit von Geist und zielbewußtem Tatwillen, von souveräner Erkenntnis und zuchtvoll gebändigt:! Vitalität. Da ist nichts von trockener Stubengelehrsam- kekt, nichts von Jntellektuellertum ohne Zusammen. Hang mit Volk und Land... Und schließlich: Der Weltkriea— Die letzte Phase des Kampfes um den unabhängigen Staat beginnt. Und wir hören den Emigranten Masarhk in einer Versammlung diese Worte sprechen: »Wie Sie heute in der»Times" lesen können, bin ich eben von der österreichischen Regierung zum Tode verurteilt worden. r. Ich will Ihnen ein« Gewifiensfrage vorlegen: Soll ich.... zurück- kebren und mich a u f h ä n g e n lasten, um diesen Wilden deutlich zu zeigen, daß ich imstande bi«, fü: mein« Ideen daS Leben darzubringen und nicht zu fliehen?..." Er opferte sich nicht sinnlos, sondern kämpft« sinnvoll und hielt durch bis zum Siege—. Eine Erinnerung, die der heut.i.gen politi,schen Emigration äuS den fascistischcn Diktatur» löndem Sinn.und WertihreS/eigeven Kampfes, klar-, 'tzmnachen geeignet ist. muamw Da» Buch, schlicht, manchmal nur ein wenig zu idyllisch und lesebinhhaft geschrieben, ist reich a« dramatisch bewegten, lebendig gestalteten Einzelszenen und wirkt nicht trocken, sondern unmittelbar und anschaulich. Pierre. Wenn Eie für die Düngung Ihrer Blumen den guten Blumen-Zauberdung verwenden, werden Eie zauberhaft schöne Blumen haben 1 Paket mit Postzusendung Xi 5'60 durch I Verwaltung„Frauenwelt", Prag Xll„ Fvchova 62.»et alle» Kolporteure««rhältl. Vom Prager RnndlunK Schließlich muß man es ja doch einmal aussprechen: die Programm« der Prager deutschen Sendung find daS verschämte Eingeständnis einer Verlegenheit. Sie gleichen einander von Woche zu Woche; sie versuchen zu unterhalten, erfüllen Anstandspflichten gegenüber volksbildnerischen Forderungen, reden rin bißchen zur Zeit(und an ihr vorbei, wenn die Gefahr,«in entschiedenes Bekenntnis ablegen zu müssen, zu groß ist) sind um Gedenktag« besorgt(wie sich das ja auch gehört), berichten von Wintersport und Düngemitteln, haben eine solide Schablone für wirtschaftliche Reliefs unv werden— man kommt nicht darum herum, eS sagen zu müssen—: langsam langweilig! Damit soll gar nicht ein Vorwurf gegen die Leitung ausgesprochen werden: ich kann mir ihre arge Verlegenheit ganz gut vorstellen und auch die Engen, in die jeder bessere Wille auf allen Seiten getrieben wird. Hier ist nicht der Ort, davon zu sprechen. Wohl aber von den verhängnisvollen Wirkungen solcher Umstände! Von zehn deutschen Hörern stellen kein« zwei ihren Apparat auf die Prager deutsche Sendung ein! Di« frommen Sprüche, die von dort kommen, finden wenig Widerhall; sie fügen sich auch nicht in den Rhythmus der Zeit.—In den letzter. Tagen erwecken die Pressemeldungen berechtigte Hoffnung, daß nun wirklich bald der eigene deutsche Sender zu erwarten sei. Man wird sich wohl auch darüber klar sein müssen, daß er mit anderen Berechtigungen, Mitteln und Bewegungsfreiheiten auszustatten ist, wenn er seine besondere gesellschaftliche Aufgabe erfüllen soll. Die Berichtswoche begann mit«iner recht nett zusammengestellten Schulbuben-Komödie»Der Flugzeugpreis" von Lilli Weber-Wehle, so recht packend für bubenhafte Abenteuerlust, ihr frisch nach dem Schnabel hingezeichnet und von kleinen Mikrophonisten ungeniert nacherlebt. Der Sonntag setzte dramatisch fort mit einem Hörbild aus dem Zirkusleben,»Die Rummerläuft", von Manfred Georg, musikalisch sehr fein untermalt von Walter S ü ß k i n d. Am Montag fesselte vor allem der.Bcricht de» Genossen Fachlehrer Heinrich H e r g e t h über die Heimstätten für arbeitslose Jugendliche. Er gewährt« nicht nur einen Einblick in die vom Fürsorgeministerium mit den BezirkS- brldungSausschüffen und den Bezirkskommissionen für Kinderschutz und Jugendfürsorge durchgeführten WohlfahrPaktion-^.sondern vennütAft auch jfiiMW Beitrag, zur Psychologie de» jugendlichen.Menschen der von der Krise zur Arbeitslosigkeit verurteilt ist Eine erschütternde Ergänzung zu Hergeths Bericht ggben die Elendbilder, die Genosse Wilhelm W«ig» in den Sozialinformationen am Mittwoch einer grauenvollen Wirklichkeit nachzeichnete. Daß das Proletariat auch in dieser verzweifelten Lage mit Aufgebot aller Kraft bemüht ist, dem Kulturprogramm deS Klassenkampfer treu zu bleiben, bewiesen die Ausführungen deS Genossen Franz M y k u r a „lieber den Arbeiter-Wintersport". Die Propagandavorträg« für den gesamtstaatlichen Katholikentag im kommenden Soumier scheinen eine stehende Rümmer im Rundfunkprogramm zu bleiben. In dieser Woche hielt Abt Dr. Domimk Prokop eine Predigt über di«»Völkerverbindende Kraft der Religion".— Eigentlich ist damit das Programm in seinem weftntlichen Teile erschöpft. .Di« Führung durch den musikalischen Teil gab Dr. Pflegshörl, das wirtschaftliche Relief Tan« z t r s unterschied sich nicht besonders von früheren, die Karlsbader»Splendid-ArtistS" unterhielten die Dienstag-Hörer mit einem Schlagerprogramm, man hörte die besonderen Wintersportreize des BöhmerwaldeS rühmen, Lokomotiven und Men schen gegen Schneestürm« käuchfen... fast iMglei- chen Atem wurden die kindlichen Freuden der Som« merferien im Ferienheim gepriesen(was nicht übertrieben zeitgemäß erschien!). Zum Schluß folgt« man noch einer sehr anziehenden Führung des Ge- noffen Franz K r e j t i durch die aktuellen Ereignisse. Ernst T h ö n e r. Die Bialowiezer Heide— der Urwald Europas Der Besuch Görings in Polen, von dem hiev nicht weiter die Rede sein soll,.hat die Aufmerksamkeil auf die Bialowiezer Heide gelenkt, übe» dre in Europa sehr wenig bekannt ist. Und doch lohnt es sich, ein paar Worte über dies Gebiet, das man als den Urwald Europas bezeichnet und dessen tiefes Dickicht auch Schauplatz eines sehr bekannten Romane? von Zweig,»Der Streit um den Sergeanten Grischa", ist, zu sagen. 200 Kilometer hinter Warschau erstrecken sich diese Forsten, ein einzig dastehendes Jagd- und Naturschutzgebiet, in dem sich die Natur in voller Urwüchsigkeit erhalten hat, über 130.000 Hektar. Früher gehörte dieser polnisch« Urwald der russischen Krone. DaS Land ist reich,an Sümpfen, Hier befindet sich die Wasserscheide zwischen Njcmen, Bug und Pribet. Dort gibt es Baumarten/ denen gegenüber die Baumbestände europäischer Forsten wie Zwerge erscheinen. In der Bialowiezer Heide steht auch die sagenumwobene Jagiellonen-Eiche, die auf ein Alter von 600 Jahren zurückblickt und in deren' Schatten schon vor Jahrhunderten Könige Gericht hielten. Inmitten der Heide liegt das Jagdschloß Biglowiez, vön' dem auch di« diplomatische Jagd Görings^ dieSmal-ihren-Ausgang nahtni' Hat sich jetzt*• auch die Gepfiogenheit"entw7ckelt^ alft^ Reisen als""" Jagden aufzumachen, ob es sich nun um Göring, Papen oder Ribbentrop handelt, mag das Objekt auch aus Elchen, Bären, Füchsen oder Birkhühnern be- stehen, jedenfalls ist die Bialowiezer Heide ein Jagdparadies. Hier haben sich Tierarten erhalten» die sonst längst auSgestorben sind. 4640 Hektar sind Natur» schutzgebiet. Der größte Stolz der Forsten sind die Wisente,^eren es wieder eine stattliche Anzahl gibt, obwohl der Krieg und die Abholzung weiter Strecken zeitweilig unter ihnen aufgeräumt hatten. Daneben- sind die Auerochsen zu nennen, die eine Länge von 3 bis 3.5 Meter erreichen. Im Sumgfgelände hausen Wildschweine. In ihren Höhlen kann man Bären aufspüren. Im Waldesdunkel lauert der Luchs, der schlimmste Feind des Rehwilds. Ganz zu schweigen von Wölfen und Füchsen, Wiesel und Marder. Eine besondere Seltenheit sind auch die schwarzen Störche.. Beliebt ist auch die Jagd auf den Auerhahn,, Birkhühner, Reiher und Kraniche. Ter Urwald Europas wird als eine-er größten Sehenswürdigkeiten Polens bezeichnet. Wir habe« eine Heimat verloren t Und die Eisenbahnzüge verkehren. Der Bahnhof verschluckt die Abreisenden und speit die Ankommenden aus, wi e alle Tage, Und einige Dutzende Kilometer weiter nach Osten rattern die Mas chinengewehre. Die städtischen Autobusse sind gepfropft voll vahnenschwänzlern, die auf billige Eroberung in hie„rote Stadt" einfahren. In den Betrieben harten sie, datz einer im städtischen Elektrizi- iätswerke die Hebel Herabriffe und der Ström der iveitzen Kohle versiegte. Einige Dutzend Kilometer weiter im Süden, da krachen die Handgranaten. Kriminalbeamte in Mietautos durchrasen die «tadt und verhaften blindlings, wen die Behörde „roten Funftionär" bezeichnet hat. Der Laut- sprecher im alten Gemäuer rapportiert gehorsam oie Berichte einer„Regierung". Welcher? Irgend ^>ner, verfaffungsmätzig ist sie längst nicht mehr Amte. Warum aber schweigt nicht der Sender? ' Einige Kilometer weiter nach SAdwesten, dort wo schon die Berge beginnen, verteidigt fick eine "orsprengte Schutzbundpatrouille gegen eine Heim- wehrkompagnie.„Rote Verbrecher" plärrt(wahr-: peinlich eine offizielle Stimme kopierend) der Lautsprecher. In einer Keusche finden die fünf sin Versteck. Die Hahnenschwänzler umstellen das «W. Durchsuchen eS. Der Kommandant klettert .Hühnerstiege" auf den Heuboden hinauf. Der Bursch im Winkel der offenen Tür will sich Erster hineindrücken. Er berührt den Abzug des Mannlichers: ein Schutz kracht. In den Kopf getroffen stürzt der Heimwehrmajor die Stiegen hinunter. Fünf Minuten später sind die fünf von den Heimwehrkolben niedergeschlagen, sind sie gefesselt. Der Bursch und der Patrouillenkommandant sind weitere fünf Minuten später auf dem Wege zum St. Pöltner Standgerichte. , Im Schnee der weiten Au brechen zwei Augen. Zwei gute treue Augen. Ein rotes Schlänglein läuft über die Schläfe hinunter auf die Bluse und läuft weiter, bis es in dem schneeigen Bette sich verläuft. Ein Pistolenlauf erhaltet in der Winternacht. Stahlmäntel singen übet einem Sterbenden. Mündungsfeuer drüben am andern Ufer zündet Totenkerzen an. Das Eis der Lachen in der Au zerknickt unter dem eiligen Tritt der Stiefel. Sie war zu klein, die Zahl der Treuesten. Und drüben am Flutzufer, hinterm Bahndamm bellen die Maschinengewehre, raffelt das Einzelfeuer der Schwarmlinien. Der Führer hört es nicht mehr. Für die letzte Patrone war ihm keiner gut genug von den Bezahlt en drüben, da wandte er den Lauf der Pistole... In der Armensünderzelle warten zwei: Fahrlässige Tötung? Putativnotwehr? Notwehrüberschreitung? Das gilt nicht bei„roten Verbrechern". Der Vorsitzende betritt die Zelle: „Sie Hois, Ihr Gesuch ist abgelehnt!" Und dann wendet er sich zu dem zweiten. Ganz kurz, g a n z g e s ch ä f t I i ch, als cP er etwas ganz Unwichtiges, nur so im Vorübergehen, bemerken wollte:„Ihrs auch, Rauchbrrger!" Und draussen ist er, der Herr Oberlandesgerichtsrat Zednik. Dem Verteidiger schnürt etwas die Kehle zu. Da läßt der Aeltere der Beiden zum Tode Verurteilten die Hand auf den Tisch fallen und sagt ganz ruhig:„Eigentlich ist mir'S jetzt, Herr Doktor, so, grad so, wies uns damals einwaggoniert haben mit dem Marschbataillon!" Dann geht wieder die Türe auf. Der Henker. Und Stahlhelme und Bajonette hinter ihm als Kulisse.—„Lebens Wohl, Herr Doktor!" sagt der Hois und „AufWiedersehe n!" Da fällt ihm bei, wie das so sein wird mit dem„Wiedersehen". Und angesichts des Galgens setzt der Hois hinzu: „Nämlich oben!" Und lächelt. Lächelt das Lächeln des gläubigen, deS reinen Kindes. Dann geht er ganz langsam und ganz ruhig mit dem schweren Tritt der Gebirgler über die Steinflie- tzen... Drahtverhaue. DaS Riesenhaus, das stille geworden ist, seit der Einbruch der grossen Krise, eS ist ganz umspannt und umwickelt mit Stacheldraht. In der Niesenhalle stehen zweihundertfünfzig Mann in Reih und Glied. Die letzte Kompagnie. Aber gefangene! Es ist am Mittag deS Tages nach Koloman W a l l i s ch letztem Gang. Im ganzen Bundesgebiete wurde„Trauer" dekretiert. Für die gefallenen S ö l d n e r des Fascismus. Aber die zweihundertfünfzig wissen, wem die.„Vergatterung" gilt. Der selber'Mitgefangene„Kommandant" spricht nur einen Satz: „Es ist auch unsere Pflicht— der Totendes Feber zu gedenken." Die zweihundertundfünfzig wissen, welcher Toten. Da heult durch die Halle über die Strohlager auf dem'harten Boden hinweg ein Windstoß. Eine der Oberlichtklappen hat sich geöffnet, just als das„Halssacht!" erschallte. Und der Sturmstotz heult über die Reihen. Und nachher sprachen sie'» aus, was jeder, auch der Nüchternste, der Primitivste in dieser Minute, gefühlt:„Es war, als ob der Koloman die Front abgeschritten hätt'I"—: — Damals haben wir die H ei mat verloren. Vor einem Jahr! Sie war sehr klein, diese Heimat, und recht armselig. Aber, sie ersähen uns meilenweise so unendlich gross, wenn die Hunderttausende über die Ringstraße, marschierten und wenn in dem kleinsten GebirgS- dorfe die rote Fahne flatterte. Sie war so armselig, wenn vor dem Arbeiterheim jahraus, jahrein die Menschen sich anstellten, an den Auszahlungstagen, um die paar Schillinge„Stützen".' Und sie war so unsagbar schön, wenn man erst die staubige Talstratze hinter sich hatte und mit dem Nagelschuh über die Blöcke aufwärtsstieg, wo der Almrausch blühte und der Enzian. Die ungeheuere Lawine des Zeitgeschehens hat uns die Heimat verschüttet. Wo die Freiheit lebte, wenn sie auch kümmerlich lebte wie alles Leben in den Bergen, kümmerlich und doch hart und stark, da liegt das Geröll der Reaktion. Was das Proletariat erbaut, eS ist in Trümmer» oder es haben sich darin eingenistet die, die seit Jahr-. hunderten gewohnt sind zu ernten, waS die anderen säten und betreuten. Eine kleineHeimat haben wir verloren. Eine grosse Heimat werden wir gewinnen: Schon haben sie die Heimat „verloren" in Deutschland, und vordem in Jta-' lien, in Oesterreich und nach uns in Spanien. AuS den„verlorenen" Heimatländern formt sich ein e i n z i g e s grosses Heimatland: Proletarier aller Länder l Herbert Kohlich. Seite 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 10. Fever 1838. Nr. 3» PRAGER ZE1TBMG Menschen im Alltag Wer erinnert sich nicht mit einem gewissen Unbehagen der Prager Strasse, während des letzten, nach sagen wir: Hochschulrummels. Der Tage, da man sozusagen nur von Hatz erfüllte Menschen durch die Strassen ziehen sah, da nichts als alte Feindschaft die Mässe beherrschte. Fast verzweifelte man in diesen Stunden an der Vernunft und an der Menschlichkeit und konnte sich an den Gedanken, dätz diese Leidenschaftlichkeit des Streites der Menschen Untereinander nur künstlich erzeugt werde und bald wieder der normalen friedlichen Stimmung Platz machen müsse, kaum gewöhnen. Aber der Mensch scheint trotz all dem kriegerischen unversöhnlichen Geist, der periodisch an ihm festzustellen ist, von Natur aus gut geartet zu sein und ist lieber Kind als Krieger und Schreier. Das bewies besser als alles andere eine Szene, die man Donnerstag am unteren Wenzelsplatz beobachten konnte. Wieder sieht man einen grossen Menschenauflauf, der von Minute zu Minute zunimmt. Man merkt grosse Unruhe unter der Ansammlung. Sucht nach der Ursache. Sie ist bald gefunden. Zwei K i n d e r b,a l Ions, die sich in den Zweigen des Baumes am Gehsteig verfangen haben, ein roter und ein grüner, einer Hand entflohen, machen dort vergebliche Versuche, sich frei in den Aether zu erheben. Jeden Augenblick befürchtet man diese weitere Flucht der- farbigen Ballons und als wäre von ihnen das Schicksal abhängig, gestikulieren die Menschen um den Baum errtgt über ape Möglichkeiten, die sich in den nächsten fünf Minuten mit den Gallons ergeben können. Werden sie sich halten? Fliegen sie davon? Das sind die Fragen auf allen Lippen und fast sind die Kinder weniger beteiligt an dem Spiel als die Erwachsenen. Aber bald kommt die Erlösung aus all dieser Spannung. Ein Frachtenwagen mit zwei Mann Besatzung, der sofort hält, als die Ursache der Versammlung gesichtet wird. Und nun wird der Kutscher zum Mittelpunkt des Geschehens. Auf seinen Kisten stehend, weit gestreckt, versucht er mit seiner Peitsche den Faden, an dem die Ballons hängen, in den Bereich seiner Hände zu bringen. Immer wieder hascht er nach ihm, immer wieder rutscht er im letzten Augenblick davon, wenn er nach ihm greift. Die Spannung führt zu einer Totenstille auf dem sonst so lärmvollen Flecken vor dem' Bakahäus, bis der Mann endlich den Faden erwischt und aus der Verästelung lösen kann. Freudig, atmen die Menschen auf und fast hätte man dem Sieger eine Ovation bereitet. Der setzt seinen„Braunen" gemächlich wieder in Bewegung. Dann gehen auch die Menschen ruhig und heiter weiter.. Ki Ausflugszüge. Die StaatZbahndirektion in Prag veranstaltet folgende Ausflugszüge: Vom 16. bis 24. Feber nach Spindlermühle, für 350 XL, vom 26. Febir bis 1. März nach Mailand zur Premiere der „Verkauften Braut" an der ScalA 975 Pom g. bis 11. März nach Karpathorusslastd für 485 Xe, jii den internationalen F i s- Konkurrenzen vom 14. bis 18. d. M. für 315 XL. Die Staatsbahndirektion macht die Reisenden nach Freiheit und Johannisbad aufmerksam, dass sie die Fahrkarten für die Strassenautobus der CSD. aus Freiheit nach Johannisbad bereits in Prag bei der Personenkasse Nr. 13 am Wilsonbahnhof kaufen können. Bei Stuhlverhaltung, Unterleibsblutüber- Kllung, Hüftennervenweh, Kreuzschmerzen- Kongestionen, Atemnot, Herzklopfen, Migräne, Ohrensausen, Schwindel, Gemütsverstimmung bewirkt das natürliche„Franz-Josef"-Bitterwasser ausgiebige Darmentleerung, Entgasung- des Körpers, freien Kopf und ruhigen Schlaf. Aerztlich empfohlen. sorlrSöe Individualpsychologisches Kolleg Geburtstagsfeier für Alfred Adler. In der„Urania" sprach anlässlich des fünfundsechzigsten Geburtstages des Begründers der Jndi-< didualpsychologie Dr. Paul F i s ch l über Alfred Adler. Nach einem kmzen, stichworthaft, gehaltenen biographischen Abriss versuchte er, seinen, Hörern die Grundzüge der individualpsychologischen Lebensbetrachtung zu entwickeln, was nicht ohne ziemlich heftige polemische Vorstösse gegen die Freüdsche Analysen-Theorie abging. Fischl legte Wett darauf, Adler von Freund vom ersten Tage seiner Wirksamkeit an, scharf zu distanzieren. Seiner Meinung nach war Adler niemals bedingungsloser Freu- dianer, sondern stets kritischer Betrachter der Psycho- analyse. Bis zum Bruch im Jahre 1911, als Adler mit seiner Vortragsreihe:„Zur Kritik der Freudschen Sexüaltheorie" seine, individualpsychologische Schule begründete, habe er stets eine eigene, in wesentlichsten Dingen von Freud abweichende Haltung eingenommen. Selbstverständlich sind diese Feststellungen subjektiv, es liehe sich manches dagegen einwenden. - Die Jndividualpsychologie, führte Fischl aus, betont das Einheitliche der seelischen Erscheinung, während die Freüdsche Theorie nicht mehr den Menschen selbst sieht, sondern seine Triebe; die für Astier typische Einheit der Betrachtung zerfällt bei Freud in verschiedene Teile. Die individualpsychologische Einstellung ist nicht besitz-, sondern gebrauchspsychologisch. Sie betont das menschliche Gemeinschaftsgefühl(das für Adler einen„hygienischen Begriff" darstellt), sie stärkt den Mut zum Leben. Die Souveränität des Sexuellen, wie sie sich bei Freud manifestiert, lehn: die Jndividualpshcho- logie ab. Am Schluss wies der Redner„auf das grosse soziale Format" Adlers hin,. eine Feststellung, der man, ohne sich sonst mit allem zu identifizieren, was Fischl sagte, durchaus zustimmen kann. Pierre. Kunst und Wissen August Strindberg:„Ovojeni"(„Rausch"). (StavovskL divadlo.) Das Drama wurde in einer Zeit geschrieben, als die zweite unglückliche Ehe Strindbergs mit einer.Schauspielerin in Brüche ging; die zum Verbrechen treibende Kraft wird m der dämonischen Frau"verkörpert, die die sanfte und hausmütterliche Frau vollständig in den Schatten drängt. Die Hölle entfesselter menschlicher Leidenschaften soll ihren harmonischen Ausklang in der Kapelle St. Germain, die ungesühnte Schuld ihre Erlösung im Gottesglauben finden? Der erlösende Ausklang im Schosse der alleinseligmachenden Kirche ist eine billige Lösung. Die Motivierung für das Aufführen des Stückes mit dieser Lösung würde gezwungen klingen; soll auch da dem Zuge der Zelt, Rechnung getragen werden? Die Spannung der er-1 sten vier Bilder lieh nach in der zweiten Hälfte des Stückes, wenn auch das Gespräch der beiden gesellschaftlich geächteten, durch die ganze Hölle mensch-s sicher Leidenschaften getriebenen Menschen der stärkste Eindruck des Stückes war. Seine Wirkung verdarb eben das happh-end des letzten Aktes mit der Verbannung des bösen Engels. Die beiden Hauptrollen hatten Herr Stepänek als Maurice, der die wechselnden seelischen Stimmungen zur Geltung brachte und hauptsächlich in den ersten Bildern wirkte, und Frau Kronbauerovä als Henriette inne, deren Schlangengestalt, verführerische Kunst, Besessenheit und moralische Haltlosigkeit sie darzustellen wusste. Den Engel unter uns, den Freund Adolf, spielte Herr R o g o z, die lichte Frauengestalt der Jeanne Frau Eva Vrchlickä, die verstehende Frau Catharine Frau Smolikova, den Abbee in bewährter Manier Herr Deyl. m i. Spielplan des Deutschen Theaters. Sonntag VI3: Der Kreidekreis, Arbeitervorstellung, halb 8: Das Land des Lächelns, CI.— Montag halb 7: E i n Sommernachtstraum. Theatergemeinde der Jugend.—-Dienstag halb 8: Ein Sommernachtstraum, A 1.— Mittwoch halb 8: Der fliegende Holländer, B 2.— Donnerstag halb 8: Ein Sommernachtstraum, C 2.— Freitag halb 8: Aida, D 1, Gastspiel Kerstin Thor borg Verdizhklus lll.— Samstag halb 8: Ehe in D o s e n, A 1, Gastspiel Maria A n d e r g a st, Erstaufführung. Spielplan der Kleinen Bühne. Sonntag 3 Uhr: Schule für Steuerzahler, 8: Ich Habs getan.— Montag 8: Ich Habs ge- tan, Bankbeamte und freier Verkauf.— Dienstag 8 Uhr!'I ch"Habs g et ä n.— Mittwoch" 8 Uhr": Fch Habs getan.— Donnerstag 8: Ich Habs getan.— Freitag 8: Ich Habs getan, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Ich Habs getan. Rceia Prag des Sozialistischen Jugendverbandes Vierte Kreiskonferenz SamStag, den 2. und Sonntag, den 3. Mürz, im Parteiheim, Rärodni Nr. 4. Beginn SamStag, S Uhr nachmittags. Tagesordnung: 1. Eröffnung»nd Begrüßung. 2. Grundlagen«nd Richtung unserer Arbeit. Referent Genosse Willy W a n k a. 3. Berichte. 4. Wahlen. 5. Freie Anträge. 6. Ausblick. Sport• Spiel• Körperpflege Rege Tätigkeit der DTI-Frauen Zehn Jahre selbständige Verwaltung. Heuer sind«s gerade zehn Jahre, wo die DTJ- Frauenbewegung in der allgemeinen Administrative den Frauen übergeben wurde. Diese? Jubiläum wird durch verschiedene Veranstaltungen und Versammlungen gefeiert werden. Fm Jänner erschien die erste Nummer des Handbuches für die Erziehung der Vortnrnerinnen der DTJC, welches Vierteljahr- lich erscheinen wird. Die Vorturnerinnen finden darin neben dem Material für die Turnabende für alle Gruppen auch bildende Artikel. In diesem Jahre werden Frauen der DTJ die finnischen Genossinneii in ihrer Verbandsschule besuchen und auf der Rückreise sich bei den holländischen, vielleicht auch bei den belgischen Genossinnen in Antwerpen aufhalten. Di« Frauen-Verbandssitzung der DDF hat sowohl das Tätigkeitsprogramm für das Jahr 1935, als auch die Abhaltung einer Konferenz der Bezirks- und Kreisturnwartinnen am 27. und 28 April in. Prag angenommen. In dieser Konferenz soll des zehnjährigen Jubiläums der Selbständigkeit der Frauenabteilungen gedacht werden und wird bei dieser Gelegenheit vom 1 Kreis(Prag)«ine Akademie der Frauenabteilungen veranstaltet werden. Anderseits wird das Jubiläum offiziell in allen Kreisen entweder durch Abhaltung von Frauenkonferenzen oder anderen Veranstaltungen gefeiert werden. Alle Konferenzen werden vom Frauen-Verbandsausschuss beschickt. Wie jedes Jahr, wird auch heuer eine V et» bandsschule für Frauen veranstaltet werden. Am 28. und 29. September findet in Prag der rhythmisch-gymnastische Verbandskurs für Fortgeschrittene statt. Für die Wahlen, die in diesem Jahr« stattfinden, werden die Frauen für einen Erfolg der Sozialdemokratie nicht nur in den> Turnhallen, sondern auch in der breiten Oeffentlichkeit agitieren. Neben den obligatorischen Gruppen- und Be- zirksgerätewettkämpfen werden in allen Ver-inen obligate Gerätewettkämpfe aller Abteilungen, d. s. der Schülerinnen in zwei Stufen, der Junqturnerinnen und Frauen ebenfalls in zwei Stufen, durchgeführt. Bei den Jungturnerinnen find neben Geräte- und Freiübungen auch Fragen in organisatorischer Hinsicht eingereiht. Die Fragen müssen in Form eines drei Minuten dauernden Vortrages beantwortet werden. Am 10. öder 17. März finden in«Prag die Verbaudsprüfungen statt. »er Film Hans Albers ist zwar mit einer Jüdin verheiratet und soll auch sonst nicht mi! allem übereinstimmen, was im Dritten Reich geschieht, scheint aber als Ideal der hitler- deutschen Frau unentbehrlich zu sein. Ms Peer Gynt stellt er einen„germanischen." Typus dar, für den die Juden den treffenden Ausdruck„Gewittergoi" haben. Hs lebe der Tote! 'M? M kM rMüLvmig der tschechischen Film.' Poffen-Serie, die der Regisseur Mac F r i c und der Schauspieler Hugo H a a 8 mit dem„Hundeleben" und dem.„Bubi" erfolgreich begonnen haben. Dass die Scherze, die sie hier mit einem bösen Erbonkel, einem lebenden Leichnam, einer auf dem „Sterbebette" geheirateten Dame und einem Spuk im Schloss trcchen, sehr originell sind, soll nicht be- chanptet werden. Aber erneut ist festzustellen, Hatz diese Haas- und Frik-Grotesken in ihrer Beschränkung aufs Komödiantisch« und Szenisch-Einfache zu ' den stilsichersten, gekonntesten und unterhaltsamsten Produkten gehören, die der tschechische Film bisher hervorgebracht hat(wobei wir von dem Sonderfall „Hej rup" absehen). "Wie auch früher, beherrscht Hugo Haas mit [ Laune und witziger Gelassenheit die Szene. Den Erbonkel spielt Karel Ha sler. Die angetraute Tarne Adina Mandlovä.—eis—» Lus der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Mittwoch, den 13. Feber, 8 Uhr abends. Gruppenabende: S. I. Zentrum: Geschichte der Arbeiterbewegung in der Tschechoslowaki- schen. Republik— S. I. Holle- schowiv: Sozialistische Lebensgestaltung.— S. I. Weinberge: Gemeinsamer Abend mit den tschechischen Genossen. Rezitationen, Sprechchore, anschliessend Tanz.-Lokal: Restauration des Gewerkschaft sh auses. Mitteilungen ans dem Publikum. Wunderkräfte im Wasser. Gutes Trinkwaffer wurde schon seit jeher als das gesündeste Getränk anerkannt. Wenn wir gewöhnliches Wasser trinken, liefern wir dem Körper zwar die nötige Menge Flüssigkeit, aber diese Flüssigkeit vermisst jene Heileigenschaften, welche in den verschiedenen Qualitätswässern enthalten sind. Mineralwässer gibt es eine ganze Anzahl, aber jedes eignet sich meist nur für die spezielle Heilung eines erkrankten Organes. Eines der wenigen Mineralwässer, das durch seinen Gehalt alle Eigenschaften des weiten therapeutischen Wirkungsfeldes in sich vereint, ist der weltberühmte „Mattoni's Gießhübler", welcher im Kurorte Giess- hübl Sauerbrunn bei Karlsbad entspringt. Er enthält in natürlicher Bindung besonders grosse Mengen freier und gebundener Kohlensäure, doppeltkohlensauren Kalk,, Natron, Magnesium und Kieselsäure. Giehhübler ist daher nicht nur ein wohlschmeckendes, bekömmliches Mineralwasser, sondern findet auch bei Krankheiten^er Verdauungsorgane, Katarrhen des Rachens und der Bronchien(mit heisser Milch) und ganz besonders bei Blasen- und Nierenleiden erfolgreiche Anwendung. Verlangen Sie nicht einfach „ein Mineralwasser"! Nicht. jedes Wasser verdient diesen Name«. Vielfach werden auch künstlich mit Kohlensäure versetzte Wässer, die nicht jeder Organismus verträgt, als„natürlich" bezeichnet. Verlangen Sie daher ausdrücklich eine Qualitätsmarke. verlangen Sie„Mattoni's Gießhübler". 2858 Vcrelnsnadirlditen Volksfingegemcinde. Ausschusssitzung Diensta» den 12. Feber, uM halb 8 Uhr abends im kleinen Zimmer, des Probelokals. Frauenchor Dienstag, den 12.. Feber, um dreiviertel 7 Uhr abends SmeLka im Hause der Beseda, linke Stiege, 4. Stock.—: Die Vereinsleitung beabsichtigt im Monat April bei der grossen Veranstaltung der Partei mit dem g emischien C h o r vor die Oeffentlichkeit zu treten. Genossen und Genossinnen, werbet für die Volkssingegemeindel — Männerchor: Dienstag, den 12. Feber, um 8 Uhr abends letzte Probe zur Jahresversammlung der Partei, an welcher sich die Bolkssingegemeind« vollzählig beteiligen muss. Erscheinen zu dieser Probt Pflicht! Der„Angestellten-Ball" deS Mlg. Angestell« ten-Verbandes, Ortsgruppe Prag, findet am Samstag. dem 2. März, im Heinesaal statt. Masken und Kostümierte willkommen. Eintritt 10 XL inklusive Steuer. Vorverkauf bei der Ortsgruppe, ferner im Verein deutscher Arbeiter, SmeLky 27, und Konsumgenossenschaft, Fügnerobo näm. 4 und Vinaiska 21. 2869 Bezirksorganisatton Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Montag, den 18. Feber 1935, um 8 Uhr abends im große« Saal« des GewerkschaftShauseS Prag I« PerSthn 11, Jahresversammlung Tagesordnung: Protokoll, organisa« torisches«nd politisches Referat deS ver.. trauensmannrS.— Berichte deS Kassier-, der' ' Kontrolle.— Neuwahlen.— Allgemeines»nd Anträge. Zutritt hab.»« nur Parteimitglieder gegen BorweiS d«S gültigen Mitgliedsbuches. Zahl 16/35—465 Eb. WllWkl WM Bei der Stadtgemeinde Aussig als Bauherr gelangen die Lieferungen und Arbeiten zur Herstellung, einer neuen Unterfahrt in Km 517.088 der StaatS- bahnstrecke Prag—Bodenbach zur offertmässigeit Vergabe. Die Offertbehelfe können, solange der Vorrat reicht, in der Zeit vom 12. Feber bis 23. Feber 1935 beim Siadtbauamt Aussig, Zimmer 21, gegen Ersatz ver Kosten behoben werden. Die Bewerbung soll auf daS ganze DauloS erfolgen, somit sowohl Ausführung der Erd- und Betonarbeiten, als auch die Lieferungen und Aufstellung der eisernen Konstruktionen durch einen Generalunternehmer umfassen. Die ordnungsgemäss ausgefüllten und gesteM- peltesi Anbote sind mit allen Beilagen in einem geschloffenen Kuvert mit der Aufschrift„Anbot für die Herstellung einer neuen Unterfahrt in Km 517.088" bis spätestens.23. Feber 1935, 12 Uhr mittags, beim Bürgermeisteramt Auffig, Zimmer Nr. 1. einzubringen. Ms"Vadium sind 5% der Anbotssumme beim Rentamt der Stadt Aussig, vor Abgabe des Offertes zu erlegen. Auf unvollständige, verspätete, oder den Konkurrenzbedingungen nicht entsprechende Anbote wird keine Rücksicht genommen. Die Stadtgemeinde Auffig behält sich das Recht der geteilten Vergabe nach freiem Ermeffen, wi« auch der Ablehnung aller Anbote vor. Die Anbotsteller werden von der Annahme, bzw. Ablehnung ihrer Anbote schriftlich verständigt werden. Für die Offertstellung wird keine Entschädigung geleistet. 2879 Stadtrat Auffig, am 7. Feber 1935. Der Bürgermeister: Leop. Pölzl. VERLANGEN SIE in jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER ft Cie., PILSEN Selchwaren der Fa. HEGNER& Cie., Pilsen «5 sind die allerbesten! Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Hans oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16—, vierteljährig XL 48—, halbjährig XL 96—, ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren"Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskriptes erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungssrankatur wurde vor der Post- und Tele- graphendircksion mit Erlass Nr. 13.800/Vl 1/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck«. Verlags- und 3eitungs-A.-G.. Prag