Dienstag, 12. Feber 1935 Nr. 36 15. Jahrgang Einzelpreis 70 IltilM (•hMcNMHdi JIHkM4 XENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK BESCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag nu eochova a. telefon sm. Administration teleeon rwt. HERAUSGEBE*i SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Feberdemonstrationen Trott Polizeiterror und Massenverhaftungen in Wien Wien. Die kopflosen Massenverhaftungen, durch welche dir österreichische Polizei während der letzten zehn Tage Arbeiterkundgebungen aus Anlaß des Jahrestages des Dollfußblutbades verhindern wollte, haben sich schon Sonntag als vollkonzinen unzulänglich erwiesen. Obwohl die gesamte Polizei, das Wiener Bundesheer und die Schutzkorps seit Donnerstag strenge Alarmbereitschaft halten, kam es in den Arbeiterbezirkcn Wiens, vor allem in der Brigittenau, in Meidling und in Favoriten zu großen Kundgebungen, an welchen— wie der Bericht der Staatspolizei an das Bundeskanzleramt feststellt— insgesamt acht- bis zehntausend Menschen teilgenommen haben. Die Blitzdemonstrationen begannen schon in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Meidling, obwohl gerade dieser Bezirk unter besonders verschärfter Bewachung stand, da die Polizei scheinbar durch Bntzrl von den geplanten Demonstrationen erfahren hatte. Die Polizisten, die Meidling wie ein Heerlager besetzt hielten, hatten aber nicht damit gerechnet, daß gegen ein Uhr nachts plötzlich in einem Bezirksteil das Licht verlöschen werde. Im nächsten Augenblick schon herrschte volle Verwirrung unter den Wachmannschaften. Ihre hilflosen Sirenensignale schollen durch das Dunkel, aber sie wurden übertönt von den Sprechchören, die plötzlich in weitem Umkreis die Straßen bevölkerten und in immer stärker anschwellendem Chor, dem sich sehr rasch Stimmen aus den dunklen Häusern anschlossen, die Parolen des Febertages verkündeten:»Achtung, Achtung!— die Roten sind da!"»Schluß mit Schuschnigg» Schluß mit Fetz, das rote Wien wird wieder frei!"»Die Febertoten rächen die Roten". Es dauerte gegen vierzig Minuten, bis das Licht wieder aufflammte. Ueberfallsautos der Polizei, die inzwischen an Ort und Stelle erschienen waren, fanden weit und breit keinen Menschen auf der Straße. Hingegen waren die Straßen dick besät mit tausenden roten Flugzetteln, auf denen die Parolen der Sprechchöre und andere Agitationsparolen gedruckt waren. Die Polizei nahm die ganze Nacht über und auch den folgenden Sonntag in allen umliegenden Häuserblocks Massenverhaftungen und Hausdurchsuchungen vor, ohne das gewünschte Beweismaterial gegen irgendwelche»Rädelsführer" zu finden. I« Brigittenau hatten die Arbeiter, ohne das Licht ahzuschalten, förmlich vor den Augen der Polizei, überall gleichzeitig vlitzdemonstrattonen von Gruppen zu zwanzig bi» fünfzig Personen veranstaltet. Auch sie demonstrierten mit Sprechchörcn und Flugzetteln gegen das Fascistenregime. Da es im Bezirk etwa sechzig dis achtzig solcher Blitzdemonstrationen genau zur gleichen Zeit gab, war die Polizei ihnen gegenüber fast machtlos. Kaum stürzten sich die Polizisten auf eine Demonstrantengrnp,Hc, tauchte schon zweihundert Meter entfernt eine neue auf. Aus einigen Gruppen konnten einige Teilnehmer, insgesamt etwa 8 0 im ganzen Bezirk verhaftet werden. Die Nervosität der Polizei, die schon seit Tagen im Steigen begriffen ist, scheint nach diesen Demonstrationen nun ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Obwohl seit dem 20. Jänner in Wien allein bereits gegen 5000 Sozialisten verhaftet wurden, hat die Polizei Sonntag und Montag neuerlich mehr als 1200 Leute, die sie im Berdacht illegaler Betätigung hat, planlos und ohne den geringsten Beweib verhaftet, da sie offenbar eine Fortsetzung der Kundgebungen befürchtet. Vordem Kries um Abessinien? Italienische Rüstungen/ Ein Ultimatum droht 60„Hochverräter“ München. Wie daS Deutsche Nachrichten- Bureau meldet, fand vor dem Obersten Landgericht München seit 15 Tagen ein Hochverrats- drozeß gegen 60 Personen statt, die beschuldigt waren, mit Prager SPD-Emigranten in Ler- dindung gestanden und in Nürnberg, Fürth, Regensburg, Schwandorf usw. geschmuggelte Schriften verbreitet zu haben. 52 Personen wurden verurteilt und erhielten Strafen von fünfeinhalb Jahren Zuchthaus bis zu zweieinhalb Jahren Gefängnis. Demokratische Kundgebung in Paris Paris.(Havas) Dir sozialistisch-kommunistische Einheitsfront feierte Sonntag die Ereignisse vom 12. Feber des vergangenen JahreS auf der Plare de la Republique. Di« heutige Ma- vifestation soll eine Replik auf die Erinnerungsmanifestationen vom 6. Feber auf der Place de la Concorde sein. Die Plare de la Rtpublique war in den Morgenstunden fast menschenleer und wurde nur von Patrouillen der SicherheitSwachr »assicrt. IN den Rachmittagsstunden hatte der Platz ein vollkommen friedliches Aussehen. Die tinzrlnen Delegationen brachten Kränze auS roten Blumen, defilierten in Ruhe und grüßten mit erhobener geballter Faust. Die Stadt Paris Litte eine auS Mitgliedern der manifestierenden Parteien auSgewählte Mannschaft von Poliize- lvmmiffarcn zur Aufrechterhaltung deS Sicherheitsdienstes placiert. Die Stimmung bei der Manifestation war sehr erregt, doch ist es nirgends zu Ausschreitungen gekommen. Um 18 Uhr war der Manifestationsnmzug der Sozialisten and Kommunisten auf der Plare de la Rtpu- bliqne im Wesentlichen beendet. Bald darauf zoten die Sicherheitsmannschaften ab. Im Laufe her Manifestattonen hat sich kein einziger Zwischenfall ereignet. Womit einer sündigt, daran Wird er gestraft 1 Berlin.(Tsch. P.-B.) Der Berichterstatter hes Havasbureaus erfährt, daß sich der Reichs- lanzler Hitler nach Berchtesgaden begeben hat, um einen Erholungsurlaub anzutreten, den ihm die Aerzte sehr dringend nahegelegt haben, um den Kehlkopfkatarrh zu heilen, an hem er seit längerer Zeit leidet. Also nach„vierrrzzzehn Jaaah- krreenn...." doch ein wenig verbraucht? betonte Freundschaft zwischen Hitler und Streicher ■ Nürnberg. Wie das DNB meldet, hat Hitler am Montag, von München kommend, dem Nationalsozialistischen Parteigenossen und Führer tu Franken Julius Streicher aus Anlaß seines worgigen 50. Geburtstages in Nürnberg auf- Sesucht, um ihm persönlich seine Glückwünsche zu Überbringen. Professor Oncken zum Rücktritt gezwungen Berlin. Der berühmte deutsche Historiker Prof. Dr. Herrmann Oncken bat seine Voräsungen an der Berliner Universität eingestellt. Damit tritt ein Konflikt offen zutage, der* bor kurzem durch ein Vorspiel in der nationalsozialistischen Presse eingeleitet wurde. Der na- üonalsozialistische Historiker Professor Walter Nrank hatte nämlich in einem spaltenlangen «rtikel im„Völkischen Beobachter" die wissenschaftliche Betätigung Onckens angegriffen. Er bezeichnete ihn als Konjunkturpolitiker und bezwei- nlte auch seine Objektivität. Bon amtlicher deutscher Stelle wird aus den Konflikt nicht angespielt,! sondern erklärt, daß Oncken, der im Oktober? 3$ Jahr« alt wird, wegen Erreichung der «Itergrenze von seinem Lehramte zurück-! teilt.- t Es scheint, daß Mussolini nach den verhängnisvollen Zugeständnissen, die ihm Lgväl gemacht hat, kaltblütig seinen Plan weiterverfolgt, den italienischen Kolonialbesitz in Aethiopien auf Kosten Abessiniens zu erweitern. Zunächst einmal wird ein n e u er Z wich e n f a l l gemeldet, der in der Version der llgencia Stefan! natürlich als abes- in sicher„Ueberfall" erscheint. Dem amtlichen italienischen Bericht zufolge „hat der durch die ständige Zusammenziehung von bewaffneten abessinischen Truppen hervorgerufene Druck im Gebiete von Üalual und in der Umgebung einen neuenZwischenfall hervorgerufen". In der Frühe des 29. Jänner überfielen bewaffnete Abessinier den bewaffneten italienischen Posten Afdub, südlich von Ualual. Es entstand rin G e f e ch t, in dessen Verlauf 5 Italiener getötet und 6 verwundet wurden. Die Verluste der Abessinier stehen nicht fest, sollen aber größer sein. Die italienische Gesandtschaft in Abeba hat Anweisungen erhalten, wegen dieses neuen Zwischenfalles bei der Regierung von Abessinien formelle« Protest z« erheben." Die italienische Presse spricht eine scharfe Sprache, droht^nit einem Ultimatum und „gründlicher und endgültiger Bereinigung der Affäre. Amtlich wird zugegeben, daß zwei Divisionen durch Einberufung des Jahrganges 1911 auf Kriegsstärke gebracht und mobil gemacht wurden. Dagegen werden Truppen- und Sanitätssendungen,' die sich in Unter-Italien einschiffen sollen, als bloßer Austausch von Kolonialtruppen be zeichnet. General Graziani wurde mit dem Kommando der Truppen in Erythrea betraut. Der Eindruck, daß Italien den Krieg gegen Abessinien vorbereitet, ist aber nicht zu verwischen. Der brittsche Gesandte hat dem Kaiser von Abessinien geraten, auf die Genfer Vorschläge einzugehen.- Noch nicht, aber... Die mobilisierten zwei Divisionen umfassen nach amtlicher Auskunft etwa 25.000 Mann. Die Sammlung der beiden Divisionen soll in F l o- r e n z und in M e s s i n a erfolgen. Die Verschiffung dieser Truppen wird vorerst nicht vorgenommen werden, die zuständigen Hellen treffen jedoch alleBorvereitungen, um„im Falle einer weiteren Häufung der Zwischenfälle und der Verschärfung der Beziehungen" diese vollständig ausgerüsteten Truppen sofort in die Grenzgebiete von Italienisch-Ostafrika entsenden zu können, wo an den Hauptpuntten bereits seit längerer Zeit Material und Proviant für große Truppeiwerbände angesammelt worden sind. Bon italienischer Seite wird größter Wert auf die Feststellung gelegt, daß die getroftenen Maßnahme» ausschließlich vorbereitenden und Abwehrchurakter tragen und daß darüber hinaus weder über diplomatische Schritte; noch über eine militärische Aktion etwas Bestimmtes gesagt werden könne. Was die Möglichkeit! eines Ultimatums betrifft, so wird versi- j chrrt, daß zur Zeit keine derartige Absicht be-| stehe: es sei aber durchaus nicht ausgeschlossen, daß Italien im weiteren Verlaufe zu l-iesem Verfahren greifen werde. Hilgenreiner-Faiilhaber Die katholische Kirche hat eine fast zweitausendjährige Tradition hinter sich und man sagt, daß der Vatikan in Jahrhunderten denkt. Es wäre aber eine Uebertreibung, zu behaupten, daß die Politik des Katholizismus in Mitteleuropa von Konsequenz getragen und von Weiser Voraussicht gelenkt wird. Besonders der deutsche Katholizismus bietet dermalenein Bild beispielloser Zerrissenheitund Verwirrung. Im Dritten Reich steht er in Opposition. Polstisch hat er das Schicksal der Arbeiterbewegung geteilt. Seine bedeutendsten Führerpersönlichkeiten sind ermordet, wie Schäffer, Stütz! und C lau jener, oder sie leben im Exil, wie Wirth und Brüning. Der reichsdeutsche Katholizismus ringt um die letzten Reste seiner konfessionellen Organisationsfreiheit, gegen die „neuheidnischen" Tendenzen des Nationalsozialis» mus, gegen den braunen Totalitätsanspruch vuf dem Gebiete der Jugenderziehung. Der Münch- ner Kardinal Faulhaber, selbst schon das Objekt von Mordanschlägen, die zunächst mißlungen sind, erhebt in seinen Predigten die Sttmme der katholischen Opposition. Am Sonntag wieder hat er gegen dasVerbot vonEüernversammlungen, in denen Geistliche als Redner auftreten sollten und gegen die Beschlagnahme von kirchlichen Briefe«' wohl in der schärfsten Form Stellung genommen, die im heuttgen Deutschland noch denkbar ist. Faulhaber bedrohte die Machthaber deS dritten Reiches, in erster Linie Wohl den Katholiken Hitler, unverhüllt mit Exkommunikation. Der päpstliche Nunttus wohnte demonstrativ dieser Predigt bei, was anscheinend bedeuten soll, daß der Vatikan mit seiner ganzen Autorität hinter den Drohungen Faulhabers steht. Wenn auch in Bayern die katholische Opposition mehr. im monarchisttschen Fahrwasser segelt— nach der Faulhaber-Predigt gab es Hochrufe auf den Wittelsbacher Rupprecht—, so steht doch außer allem Zweifel, daß der deutsche Katholizismus seine Existenz nur behaupten kann, wenn die Zwangsjacke des braunen Totalstätsstaates abgeworfen und wieder ein Stück demokrcstischer Ge- sinnungsfreiheft hergestellt wird. In Deutschland muß also der Katholizismus aus Gründen der Selbsterhaltung gegen den To- talstcusanspruch M Nationalsozialismus an- kämpfen, im benachbarten Oesterreich strebt"er selbst mit vollen Segeln zum klerofascistischen Totalitätsstaat hin. In Deutschland rüst der Kle- rikalismus nach Gesinnungsfreiheft, die er in Oesterreich selbst vernichtet. In Deutschland bevölkern auch Katholiken die Konzentrationslager^ in Oesterreich die Sozialdemokraten und Natio- nalsozialisten.Jn letzter Zett sind wieder Tausende von österreichischen Arbeitern verhaftet und eingekerkert worden, nur»bei! sie das Verbrechen begingen, ihrer sozialisttschen Gesinnung treu zu bleiben. In Oesterreich gibt es keine Freiheit des religiösen Bekenntnisses mehr— die Konfessionslosen werden rücksichtslos um ihre Existenz gebracht—, keine Spur von Organisationsfreiheft oder Wahlfteiheft. In der Tschechoftowakei aber begeistert sich Herr Hilgenreiner für die S ä a r ab- st i m m u n g, er will den„status quo" beseitigen, er schwärmt für Gleichberechtigung. Dafür hat er den rauschenden Beifall aller geerntet, die aus unserer demokratischen Republik eine Filiale des Dritten Reiches machen wollen. Dadurch ermutigt, machen die deutschen Christlichsozialen der Heimatftont Bündnisangebote, woran sie nicht einmal hindert, daß Herr Henlein in Böhm^> Leipa mft hinreichender Offenheit für den Anschluß Oesterreichs an das nationalsozialistische Deutschland eingetreten ist. Dem Hexrn Hilgenreiner scheint auch nichts daranzuliegen, daß er mft einer solchen Schwenkung alle Brücken zur tschechischen Volkspartei abbrechen würde, die sich in der Front der demokratischen Parteien befindet. Zum Prager Katholikentag wollen deutsche. Seite r» Dienstag, 12. Feber 1935 Nr. 38 tschechische und slowakische Katholiken gemeinsam aufmarschieren. In der Politik aber bietet der Katholizismus in der Tschechoslowakei das Sbau- spiel wachsender Zerklüftung. Damit glaubt wohl Hilgenreiner dm Wählern ganz besonders impo- nierm zu können. Man kann dem Herrn Hilgenreiner nur gut Glück wünschen zu dem aufopfernden Bemühen, den Herm Henlein und seinm nationalistischen Anhang im Nationalismus zu übertrunrpfcn. Herr v. P a p e n hat mst einer solchen Taktik dem reichsdeutschen Katholizismus keine guten Dienste geleistet. Auch B r ü n i n g ist mit seinem Versuch, dem Zentrum eine Teilhaberschaft an der reaktionären Entwicklung Dmtschlands zu sichern, auf der ganzen Linie gescheitert. Geht einmal die Reisehinzurfascisti- schen Totalität, dann bleibt sie borden ch r i st l i ch s o z i a l e n Orga nisationen»icht stehen. Die deutschen Christlichsozialen müssen ja wissen, wie viel oder wie wenig sie noch zu verlieren haben. Kommt es zu einem fascistischen Angriffspakt Hilgenreiner-Hmlein, dann ist der Heimat- front zu einer Bundesgenossmschast nur zu gra- tulieren, die mst allen Makeln der unsozialen und wahrhaft nicht nationalrevolutionären Bur- gerblockpolstik behaftet ist. Besonders die ehenia- ligen Nationalsozialisten dürsten sich bei einer solchen Partnerschaft ungehmer wohl fiihlen. Die sozialdemokratischen Arbeiter brmnm jedenfalls darauf, die Herm Hilgmreiner und Zäjicek an der Spitze der braunm sudetendeutschm Batail- lione zu begrüßen und ihre Begeisterung für Saarabstimmungen mst den Taten des österreichischen Klerofascismus, aber auch mst dem Dcr- zweiflungskampf des reichsdeutschen Katholizismus zu messen. Monarchische Demonstration nach einer Predigt Faulhabers gegen die Neuheiden München. Kardinal Faulhaber hielt Sonntag eine Anftehen erregende Predigt, die sich bis zur Androhung der E x k o m m u- nikation erhob. Der Kardinal forderte alle Irenen Katholiken auf, ihre Kinder weiter in katholische Schulen zu schicken und sagte:. Wer immer ein Gesetz gegen die Freiheit der Kirche erläßt, verfällt der Exkommunikation. Welche Garantien gibt es, fragte der Kardinal, daß nicht die deutsche Einheitsschule, für die die bayrischen Rationalsozialisten so heftig kämpfen, auch den Weg zur deutschen EinheitSkirche bilden wird. Die heutige Spaltung in Deutschland bestehe nicht zwischen Katholiken und Protestanten, sondern zwischen dem Neuheidentum und unseren beiden Kirchen. Der Erzbischof protestierte anch formell gegen zwei Verletzungen de- Konkordates, die sich in den letzten 14 Tagen in Bayern ereignet haben, einerseits das Verbot von Elternversammlungen, in welchen Priester alS Redner auftreten sollten und dann die Beschlagnahme von kirchlichen Briefen, die an Eltem von Schulkindern gerichtet waren. Der Protest deS Kardinals Fanlhaber erfuhr noch eine Verstärkung dadurch, daß der päpstliche NuntiuS der Predigt beiwohnte. Eine zahlreiche Menschenmenge hatte sich vor der Kirche versammelt und brachte nicht nur den« kirchlichen Würdenträger Huldigungen dar» sondern auch dem früheren bayrischen K r o n» Prinzen R« p p re ch t, der ebenfalls der Predigt beigewohnt hatte. Man hörte Rufe: Hoch Rupprecht, hoch Bayern! AustrofarcistircheKöpenickade Hltlerpropaganda In der Zentrale der„vaterländischen** Düsend Wien.(Tsch. P.-B.) Der„Te l e g r ap h" hatte dieser Tage die. Nachrichf,gebracht^daß^N« österreichischen offiziellen.Jugendverband bereits fest bangerer Zeit ein. F u hrer. dLrH it her-, fügend sei. Nun veröffentlicht das Blatt den Namen dieses Nationalsozialisten, der Ludwig Figl heißt. Er soll nicht nur Vorstandsmitglied deS : genannten streng vaterländischen Jugrndver- bandes, sondern zugleich auch Organ isa- to.r der Hitlerjugend in Oesterreich sein, die dirett dem Kommando der reichsdcut- schen Hitlerjugendorganisation untersteht. Figl war, wie das Blatt weiter erfährt, außerdem in verschiedenen Touristenorganisationen tättg, die insgeheim nationalsozialistische Propaganda betreiben. UeberdieS sei Figl der Leiter eines geheimen Son» derkurse-s für nationalsozia listische Agitatoren im 8.Bezirk - WM M”.•.■ >--^Der„Telegraph" erklärt int^ZüfämMnWrg' mst diesen-EnHüllungen, der gäm zfO^sflkr"- reichische I u g e n d v e r tz a n d sei«ine g et a r n t e national soziali st i sch e Organisation und unter der Fahne dieser Regierungsorganisation marschieren ganze Abteilungen der Hitlerjugend und nehmen au den offiziellen Kundgebungen teil! * Die Staatspolizei hat auf Grund der Informationen des„Telegraph" eine Untersuchung gegen Figl, feine Freunde und gegen den österreichischen Jugendverband wegen Verdachtes geheimer Tätigkeit zugunsten der nattonalsozialistischtn Bewegung eingrleitet. Unterdessen ist F i g l aus Wien verschwunden. Vas Ende der Nationaldemokraten Die Bereinigung der Nationaldemokraten mit der Stkibrny-Liga wird nun Tatsache. Der Obmann der neuen Partei wird Dr. Kramak. die Obmann-Stellvertreter werden S t i i b r n y und H o d a l sein. Das Gebilde, das da entsteht, ist eine neue Partei, deren Jnslebentreten der endgültige Bruch mit der liberalen Vergangenheit der Nationaldemokratie ist. Die nationaldemokratische Partei ist hervorgegangen aus der Pattei der Jungtschechen, welche durch Jahrzehnte die tschechische Politik beherrscht hat. Im Weltkttege verwandelte sich die jungtschechische Partei in die sogenannte staatsrechtliche Demokratie, aus der dann 1919 die natio- naldemokratische Pattei entstanden ist. Unt.c dem Druck der sozialen Gärungen zur Zeit des Kriegsendes gab sich die nationaldemokratisch.- Partei ein Programm, das eine gewiffe soziale Färbung aufwieS. Bald aber erwiesen sich die wirtschaftlichen Interessen der tschechischen Großbourgeoisie stärker als das Parteiprogramm und immer mebr und mehr streifte die Pattei den demokratischen Mantel ab.§ie warf sich einem wüsten Nationalismus in die Arme, aber selbst dieser war ihr nur ein demagogisches Mittel, um die Klassenintereffen ihrer Anhänger zu vertreten. Ein Beispiel dieser Demagogie war der bekannte Ausspruch von Kramak: Die Deutschen in di- Regierung, wir in die Revolution, was seine Partei aber nicht hindette, von 1926 bis 1934 mit den Deutschen in der Regierung zu sitzen. Als dann die Großbourgeoisie immer mehr von fascistischen Gedankengängen erfüllt wurde, da neigte sich auch die nationaldemokratische Partei solchen Ideen zu. Gerade das aber beivirfte eine Massenfiucht der ehrlichen demokratischen Elemente aus ihrem Lager umd um diesen Berlust wettzumachen, nähette sich di« Partei immer mehr der Liga StkibrnvS. mit der sie zunächst ein llebereinkom- men für die nächsten Wahlen schloß und mit dec sie sich fetzt vereinigt. So ist das Ende einer Pattei. die einst du tschechische Politik beherrscht hat und nun unter den Einfluß Stribrnys gerät, nicht gerade ttihmlich und-der einstige„Führer" der Ration, Dr. Kra- mgk, wird seine politische Tätiakeit in einer Wei'-. abMießen, die seiner geschichtlichen Wirksamkei: nichts Achtenswertes hinzufügt. Vas nSchste Arbeits programm --Wie de»„B e n k o v" meldet, ist fm Prin- Hp'KeBmrzigMnderüpoche in der.Koalitionbereits vereinbatt. Gegenwärtig wird über die D e- failS verhandelt. Diese Woche wird in den in- terministericllen Kommissionen jedoch hauptsächlich den Finanzfragen gelvidmet sein, wobei der Finanzminister das entscheidende Wott haben wird. Als Forderungen der Agrarpattei zählt das Blatt die Novellierung der Erbschaftsüber- ttagSgebühren und der Wafferkraftsteuer auf. In der„Novä Doba" schätzt Genoss« Pick die Zahl der Arbeitslosen» die durch eine Arbeitsverkürzung neu eigestellt werden könnten, auf 60.000. Pick erklätt, es handle sich jetzt vor allem um die Frage der minimalen Löhne; das Risiko der Arbeitszeitverkürzung können die Arbeiterschaft unmöglich allein tragen. Die„Hospodäkskä Politika" berichtet, daß u. a. auch der Gedanke einer Ausgleichsabgabe geprüft werde. Damtt sollen die Unternehmer, aber auch die Angestellten in jenen Betrieben belastet werden, welche mehr als 40 Stunden arbeiten, obwohl die verkürzte ArbeitS- zeit möglich wäre. Es würde sich dabei weniger um den finanziellen Effekt als darum handeln» auf die betteffenden Unternehmer einen Druck in der Richttmg der Arbeitszeitverkürzung auszuüben. SHF und B.d. L Der Landjugendführer Hacker hat den „Saazer Anzeiger" zur Feststellung ermächtigt, daß die Berharrdlungen zwischen dem Bund der Landwitte und der Sudetendeutschen Heimatftönt in den letzten Tagen von Erfolg begleitet waren und daß man mit Recht erwarten kann, daß cs bei den Wahlen zu einem Einvernehmen zwischen Bund der Landwirte und Heimatfront kommen wird, weil auf beiden Seiten das Bestreben vorhanden sei, alles hintanzuhalten, was dieses Abkommen bedrohen würde. Die Verhandlungen» welche andauern, seien vom Bewußtsein diktiert» daß nur in einem gemeinsamen Vorgehen des Bundes der Landwitte und der Sudetendeutschen Heimatfront die Grundlage für die Vereinigung des sudetendeutschen Volkes vorhanden sei. Reglerungskommlssion In Kladno Kladno. Am Dienstag wird die amtliche Prüfung auf den Gruben des Reviers Kladno^- Schlau beginnen. Der ersten Revision wurde die Grube„M a Y r a u" unterzogen, die Eigentum der Prager Eisen ist. In der Revisionskommission ist das Ministerium für öffentliche Arbeite«« durch Dr. Cernh, Dr. Bednctt und Dr. Pttkop, das Bergamt Slanh durch Dr. Soukup vertteten. Der Betriebsrat entsendet in die Kommission drei Vertreter der Bergarbeiter. Durch die Revision wird insbesondere festgestellt, ob die beabsichtigte Reduktton der Belegschaft nicht den Bestimmungen des Berggesetzes widerspttcht. Ferner werden noch ander« Umstände ermittelt werden, die für die Beutteilung der Verhältnisse entscheidend sind. Die Prüfung wird einige Tage dauern. „Geologische Ausflüge** In die Prager Umgebung Ein reichsdeutscher Student verhaftet Die politische Polizei verhaftete SamSta- nachtS den.rcichSdeutschen Sttrdentnt Hans Fatz ian. In Fabians Wohnung auf der Kamp« wurde eine reiche Korrespondenz beschlagnahmt Seine Wohnung war mit Hakenkreuz««» und mit einem Hitlerbild geschmückt. Fabian beschäftigte sich mit Geologie und machte öfterS Stu d i e n a u s fl ü g e in die Prager Umgebung. Er ist als Staatsstipendist seit mehreren Jahren an der tschechischen Universität als ordentlicher Hörer inskribiert. Als Ausländer wirkte er als Funftionär im Verband der Aus« landsstudertten. Nationalgarde 37 in Käniggrätz. In König« grätz wurde Sonntag unter Teilnahme aller Turner-, Legionär- und OffizierSorganssationen ein« Nationalgarde gegründet. ^rSüurnsiliwi/^ Boman von Fritz Rosenfeld „Nein," hallte es durch das Atelier,„ich brauche die Herren heute nicht mehr". Und ein »Finger, an einem langen, weißen Gespensterarm, wies auf Gregor: «Denn Herrn dott brauche ich überhaupt nicht mehr. Zahlen Sie ihn aus. Hier ist kein Krankenhaus"./ Krankenhaus. Das Wott blieb in Gregors Ohr hasten. Eigentlich sollte er ins Krankenhaus, in ein weißeZ, kühles Bett. Aber er mußte noch ins Theater. Er hatte noch in einer.» Sketch als Kammerdiener eines Grafen ein paar Worte zu sprechen. Damit, daß er die Uniform ablegte und sich wieder frisiette, wie er als Gregor Kern fri- fiert ging, war sein Tagewerk noch nicht getan. Er legte, den adeligen Verschwörer ab, vor dem blinden Spiegel in der Garderobe der Konrparsen, doch er mußte sich in der Garderobe des Theaters noch den grauen Ba'mbart des biederen, treuen Dieners anfleben und die violette Livree mit den silbernen Tressen anziehen» Er bekam in der Kulisse einen Settkübel, trug ihn auf die Bühne. Dott geschah irgendetwas, siebenundzwanzig Abende wurde, das Stück schon gespielt, aber Gregor wußte nicht, worum es sich auf der Szene eigentlich handelte. Er sprach die paar Sätze und ging. Sein Keiner SchminKoffer lag vor ihm. Er mußte heute noch seinen Koffer packen. Die Truppe ging morgen auf eine Tournee. Sieben Anzüge mußte er mitnehmen. War der Frack gebügelt? Wahrscheinlich nicht. Das mußte er der Wirtin immer dreimal sagen. Und das Frack- henid? Dann brauchte er die weiße Hose, er gab einen Tennischampion in einer Posse. Frau Avory spielte seine Tante, er pun«pte sie immer an, aber sie wollte ihm kein Geld geben. Geld. Er mußte sich ja noch seine Gage holen. Der Regisseur brauchte ihn überhaupt nicht mehr? Ja, hat er denn gefragt, ob Gregor am nächsten Tag noch kommen wollte? Am Morgen ging sein Zug, er fuhr fort, er war ein vielbeschäftigter Schauspieler, und auf den Herrn Regisseur, den brüllenden weißen Teufel, nicht angewiesen. Das Schloß des Schminkkoffers schnappte zu. Der Hilfsregisseur kam, brachte ein paar Banknoten, ein Blatt Papier. Gregor unterschrieb. „Gehen wir?" fragten die Kollegen. Gehen wir". Er schlug den Kragen des fadenscheinigen grauen Mantels hoch, als er ins Freie trat. Es regnete. Manchmal kamen Schneeflocken, aber sie zergingen schnell. Es war Ende März. Der Frühling stand vor der Tür. Im Stadtpark gab es schon ein paar Knospen. Die Enten watschelten über die Wiese. Bunt und fett und schwerfällig. Ich muß mir noch eine Krawatte kaufen, zu dem grünen Anzug, dachte Gregor. Die alte ist ganz zerrissen. Die Kollegen lachten. Der«ine hatte einen Witz erzählt. Drüben ging ein Mädchen, es führte einen Hund an der Leine. Das Tier troff vor Nässe. Es beschnuppette einen Laternenpfahl. Das Mädchen zog, der Hund widersetzte sich. „Komm doch," schrie das Mädchen. Es ist spät, dachte Gregor. Ich komme zu spät ins Theater. Es gibt Krach mit Frau Avory. Ein Sttaßenbahnwagen donnerte vorüber. Die kann ich nicht brauchen, dachte Gregor. Aber dott— dort kommt mein Wagen. Er lief. Es stieg heiß in seiner Brust auf, zum Hals hinauf, Schweiß trat auf die Stirn, perlte unter dem Hut hervor, er holte das Taschentuch heraus und trocknete die Wangen. Er gab dem Schaffner Geld, erhielt ein paar Münzen, schob sie in die Tasche. Seine Hand fand einen Zettel." Elektra Film, stand darauf, ein Datum, die Adresse des Ate liers, die Höhe der Gage. Er zerknüllte den Zettel, steckte ihn in die Tasche des Mantels. Der Wagen kommt nicht vom Fleck. Es ist sieben Uhr. Ich muß noch quer durch die ganze Stadt fahren. Wenn ich um halb acht nicht im Theater bin... „Versammlungen in allen Städten, allen Dörfern. ExttaauSgaben jede Stunde, Rundfunkmeldungen in alle Welt: das Land ist ftei". Desider Schwartzkopf, Chargenspieler am Staatlichen Schauspielhaus, am Anfang einer Filmkarttere, sprach nicht Worte, er übertrug Gefühle, auf die eiskalte Linse der Kamera, auf die vibrierende Membrane des Mikrophons. Der Satz hallte durch das Atelier. Hatt, klar, männlich, kriegerisch. Er hallte in Gregors Ohr. Dott saß eine alte Frau, den Einkaufskorb an die Brust gedrückt. Versammlungen in allen Städten, allen Dörfern. Dott schmiegt sich ein Junge in die Ecke, blättert in einem Buch mit grellbunten Bildern. ExttaauSgaben jede Stunde. Ein Mädchen stand neben ihm, große, blaue, stumme Augen, die auf die regenfeuchte Straße blickten. Rundfunkmeldungen in alle Welt. Der Schaffner klimperte mit Münzen, holte einen Block aus der Ledettasche, schrieb Ziffern, rechnete. Das Land ist ftei. Ohne Pathos, rief der Regisseur. Gedämpfter. Eindringlicher. Im Nebenzimmer sitzen... Ich bin da, dachte Gregor, ich muß aussteigen. Sein Mantel stand offen, die Hitze war unerttäglich, der Wind warf ihm einen Fetzen Feuchtigkeit ins Gesicht, der Bühnenportier nickte ihm freundlich zu, ein großes Glas Bier in der»Hand. Gregor trat zu ihm, nahm ihm das Glas aus der Hand, trank einen tiefen Schluck. Eiskalt rann es durch die Kehle, unter der glühenden Brust rann es in den Magen, das Herz pochte wild. „Danke", rief er, sprang die Stufen hinauf, in seine Garderobe. „Fünf Minuten nach halb acht", sagte Frau Avory trocken.„Schnell. Ihr Austritt kommt gleich dran". Der Backenbatt llebte, ein fremdes Gesicht und doch sein Gesicht, das er kmnte, blickte ihm aus dem Spiegel entgegen. Die violett« Livree mit dem silbernen Rand lag auf dem Sessel- Das Silber wird schmelzen, dachte Gregor.& wird auf den Boden tropfen, wenn ich auf der Bühne stehe. Der Kübel mit der Settflasch« wird in meinen Händen zergehen wie ein Stück Eis in der Sonne, wird über die Bühne fließen und alle werden lachen. Er stand hinter der Kulisse. Der Inspizient gab ihm ein Zeichen. Seine Finger umklam« metten das kühle, schimmernde Blech. Seine Kni« zitterten, als er ins Rampenlicht schrftt. „Ist Ruhe in der Stadt?" fragte der Graf. „Alles ruhig. Der Aufstand ist niedergeworfen". Im Parkett saßen Gespenster. Kleider, in denen keine Menschen steckten, nur zwei glühende Augen. Sie saßen ganz starr und sahen ihn an. Sie sahen auf seine Hände. Der Kübel schmolz. Er brennt in seinen Händen. „Stellen Sie den Sekt dotthin, Jean", sagt« der Graf.„Sie können gehen". Gregor saß in der Kulisse, ein Stichwort kam, näher und näher, wuchs, Watt sich über ihn. Draußen lachte der Graf, die Komtesse setzt« sich ans Klavier, spielt« ein Lied aus einer Operette. Das Spiel ging Wetter. II. Das Zimmer, in dem Frau Diana Avory schlief, war mtt Varietsplakaten tapeziett» und auf diesen Plakaten stand ihr Lebenslauf verzeichnet. Das älteste, er war vergilbt, die Buchstabe" von der Sonne ausgesogen, sie hatte es vor drei Jahren, als es zu zettallen drohtt, einrahmen lassen, stammte aus der Zei.. in der ihr Vater mit einem Wanderzirkus durch die Balkanländer zog» (Fortsetzung folgt.? «r. 3» Sette 8 Dienstag, 12. Feber 1933 fudetendeutscfter Zeitspie&et sind. Die Bemühungen der Behörde hatten den Erfolg, daß nunmehr die Ueberstunden abgestellt werden und dafür mehr Arbeiter Beschäftigung fmden. Glasarbeiter-Entlassungen Die Firma Lukes in Dux hat am Samstag» dem 9. Feber, die gesamte Belegschaft gekündigt. Der Betrieb.Lukes war viele Jahre lahmgelegt Im Borjahr wurde mit einem Ofen begonnen» Es konnten aber fast nur Arbeiter Beschäftigung finden, welche die Legitimation der tschechischen Nationaldemokraten oder einen Fürbeter von den extremen deutschen Parteien hatten. Roch vor Wochen war in diesem Unternehmen Hochbetrieb und man hörte» daß ein zweiter Ofen in Betrieb gefetzt werden würde. So ist es für jeden Menschen in Dux unbegreiflich, warum so plötzlich die gesamte Belegschaft«nd zum Teil die Angestellten gekündigt wurden. Die Bezirksbehörde Dux hat die Initiative ergriffen nnd in den nächsten Tagen finden Verhandlungen statt, an der die Vertreter der Gewerkschastsorganisationen, da- Gewerbeinspektorat»nd das Ministerium für soziale Fürsorge teilnrhmrn werden. Auch in dem Glasbetrieb Engels-Dux sollen, wie Gerüchte kursieren, über 50 Arbeiter demnächst entlassen werden. Scholllch wirbt für die SHFI Die Henleinleute haben eine Zeitlang so getan, als ob sie mit den Machern der durch das Parteiengesetz an der Ausübung ihrer Tätigkeit verhinderten alten Naziparteien nichts zu tun haben wollten. Wir haben ihnen das nicht einen Augenblick geglaubt und sie als das bezeichnet, was sie sind: als getarnte Fascisten, deren Organisation den Zweck hat, den Nationalsozialisten und Nationalparteilern Unterstand zu gewähren. Darüber waren die„Demokraten" von der SHF sehr erbost, sie sprachen von„Denunziantentum" und ähnlichen bösen Dingen. Nun scheinen sie die Zeit für reif zu halten Um die Tarnkappe zu lüsten. In der Versammlung der SHF in Neu-Titsckiein am 8. Feber bestanden äusser den in beträchtlicher Zahl erschienenen sozialdemokratische Arbeitern so wie überall die Besucher fast durchwegs nur aus ehemaligen Anhängern der Nationalsozialisten und der Nationalpartei. Diese Tatsache wurde von unseren Genossen in der Diskussion festgestellt. Da Uieldete sich zur allgemeinen Ueberraschung— es . war dies sein erstes öffentliches Auftreten seit der Einstellung seiner Partei— der Abgeordnete »Schollich zum Wort. Seite Rede war eine einzige Bestätigung unserer Feststellungen. Schollich stellte rS al» selvstverstänbNch ' hin, daß die Rationalparteiler in die DHF übergetreten find, denn„wohin hätten fie denn gehen sollen?" Seine Ausführungen waren nichts anderes als eine Werberedr für die SHF, er schloß auch mit der Aufforderung an seine Anhänger, fich der Heimatfront anzu- schließen. Was werden die Henlein-Fascisten nun sagen? Ist der Herr Schollich vielleicht gar ein„Denunziant"?* Volkshilfe oder Henlelnhllfe? Der„Zukunst" wird aus Tachau berichtet: Samstag wurden Sammelgelder der„Volkshilfe" verteilt. Die Gelder wurden durch Spenden aus allen Volkskreisen zusammengetragen. Es haben nicht nur Henleinanhänger gegeben, sondern auch solcheLeute, die für die Heimatfront sonst gar kein Verständnis auibringen. Die Geber waren gewiss der Meinung, dass die den hochtrabenden Titel„Sudetendeutsche Volkshilfe" tragende Wohl- fahrtsvereinigung alle bedürftigen Volksgenossen bedenken wird. Am Donnerstag meldete sich bei uns Frau Katharina Müller, Tachau Nr. 879, und gab an, dass sie sich ebenfalls um eine Spende der „Volkshilfe" bewarb. Die Anmeldungen nahm Herr S ch w e i m e r, Kaufmann in der Bahnhofstrasse, entgegen. Dieser Herr erklärte ihr jedöch, sie möge zu ihrer Partei gehen und sich dort helfen lassen. Frau Katharina Müller gehört keiner Partei an.. Samstag meldete sich bei der„Bolkshilfe" Herr August Zohner um eine Spende. Dienst versahen dort Herr Heinrich K r a u s und Herr R e ith, Friseur. Heinrich Kraus sagte zu Zohner: „Sie sind ja rin Sozialdemokrat, Sie bekommen nichts!" August Zohner ist n i ch t Mitglied der sozialdemokratischen Partei. Möglich, dass er visier Wähler und trotz„Volkshilfe" von den verwerflichen Zielen der Heimatfront nicht zu überzeugen ist. Es ist nicht jedermanns Sache, sich um ein Linsengericht kaufen zu lassen und seine Klasse zu verraten. Frau Müller hat drei Kinder» der Mann ist, fett Jahren arbeitslos. August Zohner hat für sechs unmündige Kinder zu sorgen, lieber die Bedürftigkeit der beiden Bewerber bestehen wohl keine Zweifel. Trotzdem wurden sie abgewiesen, und zwar, wie aus den Aussagen hervorgeht, nur aus p o l i bis ch e n Gründen. Die Sudetendeutsche Bolkshilfe entpuppt sich eben immer mehr als eine Hilfsaktion, die das sudetendeutsche Volk zwar bezah- len, aber nur die Henleinleute geniessen sollen! Keine Ueberstunden mehr in der Tachauer Holzindustrie Erfolgreiche Bemühungen der freien Gewerkschaften lieber die Anregung des GewerbeinspekorateS Pilsen hat die Bezirksbehörde Tachau die Vertreter der Unternehmerorganisation und des Holzarbeiterverbandes zu einer Besprechung einberufen, welche den Zweck verfolgte, die Ueberstun- denarbeit durch N e u e i n st e l l u n g e n zu beseitigen. Der Bezirksbehörde lag ein Verzeichnis arbeitsloser Facharbeiter der Holzbranche vor, so daß der Einwand nicht mehr erhoben w'rden konnte, es müßten Ueberstunden gearbeitet werden, weil keine Facharbeiter vorhanden seien. So viel wir erfahren konnten, hatten diese Verhandlungen ein positives Ergebnis. In Zukunft sollen die Arbeiter bei der Bezirksarbeitsvermittlung angefordert werden. Die Arbeitsvermittlung weist jene Arbeitslosen zu, welche am längsten ohne Beschäftigung und auch sozial zu bevorzugen Vom Leichenbegängnis des Genossen Jokl Die Ingenieur-Kammer auf sonderbaren Wegen Herr Jng. Karpe bittet uns im Hin- blick auf unsere gleichnamige Mittellung vom 2. Feber um Aufnahme folgender Zeilen: Die Jngenieurkammer ist mit meinem Entwurf nicht zu belasten, da ich allein für ihn verantwortlich bin. Mein Entwurf bezweckt durchaus nicht die„Ankurbelung der Wirtschaft durch Senkung der Arbeiterlöhne", sondern besagt ausdrücklich, daß die freie Wirtschaft durch das von mir angeregte„Arbeitsloien-Fürsorge- w e r k" nicht berührt werden soll und nicht zum Lohndrücken usw. verwendet werden darf. In das Arbeitslosen-Fürsorgewerk wird nur eingereiht, wer sich dazu meldet. Nur in den Notstandsbezirken kann der Arbeitslose Verhalten werden, allenfalls auch zum halben Lohn zu arbeiten, falls nur aufdiese Weise eine Notstandsarbeft zustandekommen kann. Es soll also weder die„gesamte Arbeiterschaft" zum halben Lohn, noch jemand unter 100 KL wöchentlich arbeiten müssen. — Richtig ist, dass auch die Ingenieure, wie die Angehörigen aller sonstigen Berufe, falls sie sich in das Fürsorgewerk einreihen lassen, den gleichen Bedingungen unterworfen werden, wie alle anderen. Ich bin überzeugt, daß viele Akademiker Mittäter^ um sich endlich in ihrem Berufe ausbllden und etwas verdienen zu können.— Im übrigen darf ich mich auf meine Vergangenheit, aber auch auf meine jetzige öffentliche Betätigung berufen, um vor dem Verdacht geschützt zu sein, dass ich, für wen immer, Vorteile auf Kosten der Arbeiter herausholen wolle. Ich habe in dem Entwurf auch dem Staat, den Gemeinden und der Industrie Opfer zugemutet, wie in dem leider von Ihnen nur teilweise wiedergegebenen, ersten Leitsatz meines Gesetzentwurfes zu lesen ist. Hochachtungsvoll Jng. Karpe. Wir geben lotzalerweise dieser Darstellung Raum, freilich ohne dadurch unsere Kritik entkräftet zu sehen, soweit sie sich auf den Vorschlag bezog, Notstandsarbeiten zu halben Löhnen durchführen zu lassen. Aus der Kenntnis der einschlägigen Praxis heraus müssen wir erneut betonen, dass sich auf diesem Gebiete keine Ersparungen mehr erzielen lassen. Wenn zum ortsüblichen Taglohn von 16 bis 20 KL gearbeitet wird, wenn die Fünftagewoche eingehalten werden muss und noch die sozialen Beiträge. in Wegfall kommen, dann bliebe bei der empfohlenm Kürzung für die Not» standsarbeiter nur ein Bettel übrig. Mit den Tariflöhnen ist es nicht viel anders. Wo sie gelten, sind auch die Lebenshaltungskosten entsprechend teuer. Man kann also bei sonst gut gemeinten Vorschlägen den sozialen Gesichtspunft nicht übergehen und es wäre sowohl der Jngenieurkammer als auch Herrn Jng. Karpe zu empfehlen, bei ihren Anträgen an der unbestrittenen volkswirtschaftlichen Erkenntnis nicht vorbeizugehen, daß nicht eine Senkung, sondern eine Hebung des Lohnniveaus Voraus- setzung der Ueberwindung der K r i s e i st. Wie«, 12. Feber 1934 12 Minuten vor 12 Von Alexander Brunner. Es war am Abent des 11. Feber. Sonntag. Die zum Zerreißen gespannte Atmosphäre des Wartens auf das Unvermeidliche, die schon seit Monaten über dem roten Wien lag, hatte ihren Höhepunkt erreicht. Sonntag? In der Zentrale der sozialdemokratischen Partei, im Haus der„Arbeiterzeitung" in der Wienzeile, gab es schon seit langem keinen Sonntag mehr. Tag und Nacht, Werktag und Sonntag herrschte strengste Alarmbereitschaft, Schutzbundkmnpagnien hatten permanenten Wachdienst im Parteihaus» da man jeden Augenblick auf einen Ueberfall gefaßt sein mußte. Die Woche vorher schon hatte die Heimwehr unter freundlicher Duldung des Herrn Dollfuß ihren Putsch in Tirol unternommen, die gesetzmäßige Landesregierung auseinandergejagt, ein Terrorregime Eingesetzt. Ganz offen kündigte sie ihren Zeitungen den gleichen Putsch für die Woche nach dem 12. Feber in den anderen Bundesländern an. Man konnte sich an den Fingern abzählen, daß der lange erwartete—- wie viele von uns glauben viel -u lange hinausgeschobene— Entscheidungskampf Unmittelbar vor der Türe stand. Um acht Uhr abends kam ich ins ParteihauS. Die vergangene Nacht schon hatte ich nicht zuhause derbringen können, da ich Samstag dort von der Polizei gesucht worden war: wegen„Hochverrat, begangen durch die Presse" auf Grund meiner Berichte für„Het Volk" und den Prager„Sozialdemokrat". Im Nachrichtenbüro des Schutzbundes erfuhr ich: unsere Beobachter aus dem Heimwehrlager hatten eben gemeldet, daß dort alles für den Heimwehrputsch gegen Wien vorbereitet ist; der 15. Feber sollte dazu ausersehen sein. Ich ging in die Redaktion hinauf, meldete ein Gespräch mit Amsterdam an, berichtete den Genossen:„in der kommenden Woche gelt's los, der Heimwehrputsch ist beschlossen, die österreichischen Arbeiter werden nicht kampflos untergehen". Ich wußte nicht, dass es schon einige Stunden später lcsgehen würde. In Linz hatten die Heimwehren am nächsten Morgen das sozialdemokratische Parteihaus gestürmt, die Arbeiter hatten sich zur Wehr gesetzt, die ersten Schüsse waren gefallen, die ersten toten Arbeiter deckten den Boden— der Stein war bereits im Rollen.... Generalstreik— die Panzerautos rollen 1 2. F e b e r. Ich hatte die Nacht im Parteihaus verbracht. Die ganze Nacht über jagten einander die tollsten und widersprechendsten Nachrichten, keine ließ sich verifizieren. Kein Mensch wußte, was wirklich vorging, aber jeder wußte, daß die Entscheidung nicht mehr aufzuhalten war Um sechs Uhr früh war ich wieder in der Redaktion, um sieben Uhr stand ich am Umbruchstisch — um die Zeitung zu umbrechen. Wie erlogen die Behauptung der Dollfußregierung war, die Sozialdemokraten hätten den Aufftand vorbereitet, geht daraus hervor, daß trotz der unerträglichen Spannung der Zeitungsbetrieb am Morgen des 12. vollkommen normal ausgenommen wurde. Als vormittags die Parole: Generalstreik 1 verkündet wurde, standen die halbfertigen Kolumnen der Zeitungen, die am 12. noch umbrochen worden waren, auf den Setzertischen. Die Regierung hat später die gestohlenen Zeitungen der Sozialdemokratie gleichgeschaltet und herausgegeben. In der ersten Nummer der von der Regierung herausgegebenen Wochenzeitung der„Arbeiterzeitung", der„Bunten Woche" sind zwei Seiten enthalten, die ich am Vormittag des 12. Feber noch umbrochen habe. Das Blatt sollte Mittwoch erscheinen: so sehr hatte die Sozialdemokratie den Aufstand vorbereitet. Endlich, nach 10 Uhr kam dft Parole:„Generalstreik als Antwort auf den Arbeitermord in Linz, Arbeft einstellen, jeder in seinen Bezirk!" Ich hatte noch Auftrag, um drei Uhr nachmittags in einem bestimmten kleinen Kaffeehaus zu sein, um von dort aus den Verbindungsdienst aufzunehmen. Es gibt Erlebnisse, Äs sich nicht beschreiben lassen. Jene würgenden, atemberaubenden Stunden, zwischen elf Uhr vormittags und drei Uhr nachmittags am 12. Feber werde ich niemals schildern können. Es ist das Erlebnis des Menschen, der durch vollkommen ruhige und normale Straßen geht, der weiß, daß in wenigen Stunden der fürchterlichste Bürgerkrieg seinen Lauf nimmt und mit diesem Wissen weit und breit allein bleibt. Jede Minute wird in solchem unbefangenen Alltag, der noch nichts von der hereinbrechenden BlUt- nacht ahnt, zum Menschenalter. Ganz langsam, schleppend treten die ersten Veränderungen im Straßenbild ein, nur uns, den Eingeweihten bemerkbar. Polizeioffiziere reiten einzeln durch die Straßen, flüstern möglichst unauffällig ein paar Worte mit den Straßenpolizisten und reiten dann weiter. Dann verläßt der verständigte Polizist seinen Posten und begibt sich in seine Wachstttbe. In einer halben Stunde find alle Straßen und Plätze Wiens leer von Verkehrspolizisten. Kaum ein Passant nimmt Kenntnis davon. Aber ich weiß, was es bedeutet: Polizeialarm, Bewaffnung für den bevorstehenden Kampf gegen die Arbeiter. Dann plötzlich wie mtt einem Ruck bleibt überall die Straßenbahn stehen. Die Fahrgäste bleiben ruhig sitzen, die Straßenpaffanten nehmen es kaum zur Kenntnis. Kurzschluß, sagen die Leute, m ein paar Minuten wird er repariert sein. Ich weiß es besser. Auch die elektrischen Uhren an den Straßenkreuzungen bleiben natürlich stehen. Ich werfe einen kurzen Blick hinauf, es ist ja schließlich ein historisches Datum, fällt mir dabei ein. Die Zeiger der stehenden Uhr zeigen zwölf Minuten vor zwölf Uhr... Zwei Stunden später. In den Arbeiterbezirken, in den Bezirken der Fabriken und Werkstätten herrscht bereits fliegende Hast. Die- Generalstreikparole ist eingetroffen, tausende Arbeiter— leider nicht alle— verlassen die Fabrik, eilen zu den bekannten Schutzbundtreffpunkten, machen sich zum letzten Kampf bereit. Aber in den inneren, bürgerlichen Bezirken, weiß man noch immer nicht recht, was vorgeht. Um zwei Uhr nachmittags noch sitzen zahlreiche Unentwegte in den stillstehcnden Straßenbahnen und'warten darauf, daß der„Kurzschluß" endlich repariert wird. Schon nimmt zwar das Gerücht vom beginnenden Bürgerkrieg seinen Umlauf, aber von den meisten wird es nicht geglaubt. Man hat es ja im vergangenen Jahr so oft gehört, daß man dagegen, abgestumpft ist. Aber dann, kurz nach zwei beginnen sich die endlosen Kolonnen der Polizeipanzerautos, der Maschinengewehrwagen, der Kanonen, der militärischen Sturmautos, besetzt mtt stahlbehelmten Soldaten durch die Straßen der inneren Stadt zu ziehen, nehmen den Weg hinaus an die Peripherie, dorthin wo die herrlichen Gemeindebauten» die„Festungen des roten Wien" stehen. Jetzt erst senkt fich der lähmende Schreck allgemein Über di« Stadt: es beginnt.... Die Kanone» donner» Um drei Uhr in dem kleinen Kaffeehaus, das als Meldelokal ausersehen ist. Es ist an diesem naßkalten, verschneiten, trüben Tag draußen schon fast finster. Auf den Tischen brennen Kerzen. Sechs oder acht Genossen sitzen an verschiedenen Tischen. Wir dürfen einander nicht kennen, um nicht aufzufallen. Nur zwei an einem Tisch, heißt der Befehl. Dort wird die Meldung weitergegeben. Dann geht einer der beiden auf die Toilette, ein anderer von einem anderen Tisch folgt ihm unauffällig, draußen werden in ein paar hastigen Worten dw Nachrichten von Tisch zu Tisch weitergegeben. Wir hören, daß die ersten Kämpfe bereits begonnen haben. Wo immer die Polizei Gruppen von Arbeitern beisammen sieht, eröffnet sie das Feuer. Die ersten Polizei- und Militärstürme auf Gemeindehäuser sind durchwegs abgeschlagen. An drei Stellen haben Schutzbündler Polizeiwachstuben gestürmt und besetzt. Die Polizisten sind gefangen und in den Keller eingeschloffen. Aber viel fchlim- mer als die ersten Kampfberichte sehen die ersten Streiknachrichten aus. In einer ganzen Reihe von Betrieben wird gearbeitet und vor allem: die Eisenbahner streiken nicht. Wir müssen darüber nicht miteinander sprechen. Wir wissen ja alle warum es so kam. Vor einem halben Jahr noch hätte der Streik lückenlos funktioniert, vier Fünftel der Bundesbahner hätten sich geweigert, während des Generalstreiks auszufahren. Aber der zermürbende Terror der Regierung, das entnervende verantwortungsvolle Zuwarten der Partei seither hat viele entmutigt, hat ihnen den Glauben an den Sieg genommen, viele in die Indifferenz getrieben. Und als ob es gälle, unsere Depression darüber durch einen Regieeffekt zu krönen, flammt um vier Uhr im Kaffeeha das elektrische Licht auf... ^Schluß folgte Settel Dienstag, 12. Fever 1935 Mr M Nur einer von acht konnte sich rette« Der Neubau de- Ostrauer Krankenhauses. In Mährisch-Ostrau-Zäbteh n. O. wurde Sonn» tag der interne Pavillon de- staatlichen Krankenhauses in Ostrau in feierlicher Weise seiner Bestimmung übergeben, womit die erste Etappe des Ausbaues dieses Krankenhauses beendet ist, für welchen ein Gesamtkostenaufwcmd von 110 Millionen XL vorgesehen ist. Bisher wurden für den Bau 20 Millionen XL aufgewendet. Auto gegen Autobus Betrunkener Chauffeur verursacht tödliche« Unfall 3m Könnt erfroren Das Ende eines Obdachlosen. In einem Kanal, der in den Prager Botik- Dach mündet, wurde am Sonntag die Leiche eines 25jährigen Mannes aufgefunden. Der polizeiärztliche Befund stellte fest, daß der Mann, offen» bar ein Obdachloser, der in dem Kanal, zu übernachten pflegte, e r f r o r e n ist. Zu seinem Tod« dürfte aber nicht wenig auch der Umstand bei» getragen haben, daß der Mann sehr entkräftet war, also offenbar Hunger gelitten hat. In dem Toten wurde der 28jährige karpathorussische Arbeiter Basil S a l e n t k festgestellt. Lachen. Samstag abend gegen 20 Uhr sind auf der Grube L a u w e g bei Kohlscheid im Bergrevier Düren große Waffermassen eingebrochen. Bon den zur Zeit in der Grube beschäftigte« acht Bergleuten konnte sich nur der Bergarbeiter Simon retten, dem es im letzten Augenblick gelang, sich von den hereinbrechenden Wasiermaffen in Sicherheit zu bringen. Er sah daS Hereinbrechen der Wasiermaffen, rief seinen Arbeitsgenoffen eine Warnung zu und ergriff dann die Flucht. Er sah noch, wie zwei seiner Kameraden von den Wasiermaffen fortgespült wurden. Zwei Fahrjungen sahen ebenfalls die Wasier kommen und vermochten sich noch in Sicherheit zu bringen. Der Häuer Martinelli, der von den Was« sermaffen mitgeriffen wurde, blieb im S ch l a m m stecken. Als die beiden Fahrjungen feine Lage bemerkten, eilten sie ihm zu Hilfe und vermochten mit vereinten Kräften den Häuer aus seiner gefährlichen Lage zu befreien. Die Grube wurde bereits vor 80 Jahren durch einen Waffereinbruch heimgesucht. Gin Toter geborgen In den späten Wendstunden des Sonntags ist einer der sieben Toten geborgen worden. Der Tote lag noch in der Nähe seiner Arbeitsstätte, war also nicht, wie man zunächst von allen sieben Vermißten annahm, vom Wasser fortgeschwemmi worden. Die Aufräumungsarbeiten gehen nur sehr langsam von statten. Von drei Seiten wird fieberhaft gearbeitet, um an die Verunglückten heranzukommen. Auch von oben her hat man sich an die Arbeit gemacht. Es ist damit zu rechnen, daß die Arbeiten noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Grubenexplofion in England geh« Verwundete London. Bei einer Grubenexplosion in der Nähe von Barnsley wurden insgesamt zehn Personen verletzt, darunter der Generaldirektor und der Grubendirektor der Gesellschaft sowie ein Bergwerksinspektor und andere Beamte. Die Gruppe war damit beschäftigt, den Zugang zu einem Teil der Grube zu öffnen, der im November wegen eines Brandes luftdicht abgeschlossen worden war. Es bestand die Absicht, dort die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Verletzungen der Verunglückten sind durch eine gewaltige Stichflamme verursacht worden. Viele Bergleute eilten nach Dekanntwerden der Unglücksnachricht in ihren Sonntagskleidern zur Unglückgrube«Woolleh", um zu h e l f e n. Der Schrecken der Schulzeugnisse! Wie«. RennBürger-nndMit« lelschüler im Alter von 12 bis 15 Jahren, die in der Schule ein schlechtes Zeugnis erhielten und aus Furcht vor dm Eltern verschwanden, werde» vermißt. In B r u ck a. M. werd« ebenfalls drei Schüler vermißt, die a«S dm gleichen Ursachm verschwunden find. Soldatmselbstmord. Montag gegm halb 7 Uhr früh wurde vor der Station Sokolnice au' der Strecke Brünn—Prerau die Leiche des Sol» daten Miroslav P o u l i k aus Prace bei So» kolnice gefunden, der beim zweiten Kavallerie- Regiment in Olmütz diente. Es handelt sich nach den bisher ermittelten Umständen aller Wahr- scheinlichkeit nach um einen Selbstmord, dessen Ursachen jedoch, wie das Tsch. P. B. hinzu fügt, keineswegs im Militärdienst Pouliks zu suchen seien. Die 17jährige MüllerStochter Miladalässigkeit im Dienste verhaftet Bei dem Zusammenstöße waren die Lokomotive Der Fall Stavisky. Der Staatsanwaltschaft des Seine-Departements sind nunmehr vom Untersuchungsrichter fast sämtliche Unterlagen, die den Fall Stavisky betreffen, zur Aussetzung der Anklageschrift zugegangen. Es handelt sich einmal um die Bayonner Leihhaus-Angelegenheit, in die 30 Personen verwickelt sind, von denen 16 hinter Schloß und Riegel sitzen. Sie sind der Fälschung, der Hehlerei, des Betruges, des Diebstahles, des Ber- antwortungsmißbrauches und der Verwendung öffentlicher Gelder beschuldigt. In zweiter Linie behandeln die Unterlagen die Angelegenheit des städtischen Leihhauses von Orleans, in der sich außer dem Freunde Staviskys, H a y o t t e, u. a. auch der frühere General de F o u r t u zu verantworten haben wird. Eine Fra« znm Tode verurteilt. Vom Schwurgericht Nordhausen wurde am Samstag die Witwe BertaLangguth aus Gonna(Kreis Sangerhausen) zum Tode verurteilt. Die Lang« guth hatte am 25..Feber 1934 den 7 9 j ä h r i- gen Karl Hammer in Gonna, bei dem sie beschäftigt war, im Schlaf erschlagen. Die Angeklagte leugnete die Tat. Das Gericht sah sie jedoch des Mordes für überführt an und erkannte in llebereinstimmung mit dem Anträge des Staatsanwaltes auf die Todesstrafe. Diphtherie in Bayern. Nach den Zusammenstellungen des bayrischen Statistischen Landesamtes wurden in der Woche vom 20. bis 26. Jänner in Bayern 545 Diphtherie-Erkrankungen gemeldet. 22 Fälle davon sind tödlich verlaufen. Gegenüber der Vorwoche war ein Rückgang der Krankheitsfälle um nahezu 100 zu verzeichnen. Ringkämpfer Mussolini. Die Blätter melden aus Rom, daß auf der Anhöhe Monte Mario im Nordwestlichen Teil der Stadt Rom eine Bronzestatue eines Ringkämpfers zur Aufstellung gelangt, deren Gesicht eine Aehnlich- keit mit Mussolini aufweist. Es wird dies die größte B r.o n z e st a t u e der Welt, sinn. Sie ist 66 Meter hoch und wird die Stadt Rom sowie deren ganze Umgebung beherrschen. ReftorS-Demission in Belgrad. Infolge der jüngsten blutigenEreignisse an der Belgrader Universität haben der Rekwr Djaja und der Proreftor Jliä ihre Demission gegeben. Zum Rettor wurde der Historiker Dr. Wladimir Coro- dii, zum Prorektor der Historiker Dr. Jovanoviö gewählt. und einige Waggons in einen Trümmerhaufen verwandelt worden. Zwei Waggons verbrannten. Zugszusammenstoß in Frankreich Toulouse. Auf der Strecke-Toulouse—Car maux stieß aus dem Bahnhof in Matabiau ei'. Motorzug mit einem Lastwagen zusammen, sprang aus dem Geleise und stürzte um, wobei 1 8 Pas» sagiere verletzt wurden» darunter zwei Kinder ziemlich schwer. Tod zweier kleiner Brüder beim Rodeln. In Lehrte(Hannover) vergnügten sich zwei acht- bis zehnjährig« Knaben, zwei Brüder, mit Rodeln auf einem abschüssischen Abhange, dessen Ende an einem Sumpfe liegt. Ms der Schlitten auf das Eis des Sumpfes geriet und der jüngere der beiden Brüder ihn holen wollte, brach er ein. Der ältere Bruder wollte den versinkenden Knaben retten; auch er versank in der Tief« und beide Kinder fanden den Tod. Lertrannt. In der Ortschaft Dreistätten bei Pisting(Riederösterreich) wurde Freitag nachts der Landwirt Berger durch ein Geräusch auf dem Boden aufgestört. Er eilte mit einer Laterne auf den Boden, um sich von der Ursache des Geräusches zu überzeugen. Dabei fiel Berger in einen Haufen Heu, wobei die Laterne in Trümmer ging. Das Heu begann sofort lichterloh zu brennen. Ehe man den Brand löschen konnte, war Berger verbrannt. Wage», Auto und Autobus. In der Nähe von Posen stießen auf einer Chaussee in der Nähe der Ortschaft Jwno ein Bauernwagen, ein Personen- autotnobil und ein Autobus zusammen. Der Kutscher deS BauernwagenS wurde getötet, de: Leuker des Personenautomobils, ein' bekannter Posener Kaufmann, und acht Passagier« des Autobusses erlitten schwer« Verletzungen. Olympische Spiele in Tokio? Für den Fall der Veranstaltung der Olympischen Spiele in Tokio würden die japanische Regierung und die Stadt Tokio eine Subvention von einer Million Ven gewähren und die Tarife aller Verkehrsmittel, vor allem die Tarife auf den Schiften der japanischen Gesellschaften, herabsctzen, damit so der Haupteinwand gegen die Abhaltung der Olympischen Spiele in Tokio, die Enfternung Tolios von Europa, hinfällig würde. Berichtigung. In der Besprechung der Masarhk- Biographie„Bon der Pike auf"(Nr. 83 vom 10. Feber 1985) hat sich ein Druckfehler eingeschlichen. Der Autor heißt Johann Petrus (nicht PetaiS). Wahrscheinliches Wetter DienStag. Bon Westen .her- fortschreitende Erwärmung. In Böhmen vorwiegend bis wechselnd bewölft, nur noch vereinzelt Niederschläge, Temperaturen in den Niederungen nahe Null. Im mittleren Teil deS Staates stärkere Bewölkung, strichweise Schneeschauer, Frostmilderung. Im Osten wechselnd bewölkt, in den Tälern noch vielfach strenge Nachftröste, auf den Bergen bereits etwas wärmer. Wetteraussichten für Mittwoch: Unbeständig, auch im Osten des Staates Frostmilderung. Prag. Weibliche Betrüger großen Formates sind verhältnismäßig selten auf der Anklagebank anzu- treffen. Wenn aber, dann pflegt es sich meist um ganz ungeheuerliche Fälle zu handeln. Da war die Bedienerin Marie B i n a, die als Prinzessin Mathilde von Liechtenstein austrat und ihren„Freund", den Druckereidirektor Jovanoviä, um feine Existenz und obendrein um eine halbe Million brachte. In mehr als einer Beziehung ähnelt dieser am Montag verhandelte Prozeß gegen die 37jährige Maria B« p t e k dem vorgenannten. Auch hier ist das Opfer«in gutgläubiger älterer Mann, auch hier hat sich ein harmloser Kleinbürger zuerst durch sexuelle Raffiniertheit der Betrügerin verblenden und dann durch Vorgeschwindelle „vornehme Bekannftchaften" und„hohe Bekanntschaften" um Riesenbeträge prellen lassen. And auch hier— ist das Opfer bis heute nicht von der Schuld der vielfach eindeuttg überführten Gaunerin überzeugt! Diese Marie Bepkek ist unS nicht unbekannt. Bereits im Vorjahr erhielt sie vor dem hiesigen Gericht wegen schwerer Betrügereien an einem Hotelier, dem sie eine gute Bahnhofsrestauratton zu verschaffen versprach, sechs Monate schweren Kerkers. Schon damals wußte sie sich das bedingungslose Vertrauen ihres Opfers durch ihre angeblichen„hohen Beziehungen" zu verschaffen. Sie gab sich u. a. als „Freundin des Außenminister»" aus. täuschte zärtliche Telephongespräche mit diesem vor und trieb anderen Unfug, den der Hotelier unbegreiflicherweise ernst nahm. Der am Montag verhandelte Fall ist noch älteren Datums, als der bereits abgeurteilte. Er ist noch weit größer, weit abenteuerlicher und unglaublicher als jener. In diesem Fall handelt eS sich um einen reichen Schlossermei ft e r, der nicht um weniger als 400.000 KC erleichtert wurde. Der"euge ist ein hoher Fünfziger mit einem würdigem Bollbart, einem sehr jugendlichen Herzen und einem offenbar sehr kindlichen Gemüt. Er nahm sich seinerzeit det Marie D« pkek an. Diese ist die Tochter eineS seinerzeit ziemlich bekannten Journalisten und SchriststellerS. Angeblich konnte der Schloss« rmeister nicht ansehen, daß die Tochter eines solchen Mannes ihr Brot als Klavierspielerin verdiene. Er nahm sich ihrer also an, wie man so zu sagen pflegt und«S kam zwischen dem bärtigen Herrn und seinem Schützling bald zu einem intimen Verhältnis. AlS sie ihn hinlänglich gekirrt hatte, begann sie ihren Angriff auf sein Bankkonto, und zwar nut ungeahntem Erfolg. Sie begann ihm beizubringen, daß sie«ine wichtige Mittelsperson in einer griechischen Tataklieferung für 83 Millionen K5 sei und dafür 10 Prozent Provision, aff» 8,300.000 K mal eher zur Trübsal, weil sie komisch wirken sollen. Aber da in wenigen Tagen die ersten grotzen Amerika-Filme nach-jahrelanger Verbannung wieder hier erscheinen, sollen, erträgt man die letzte Attacke der Ersatz-Amerikaner mit Fassung. ,—eis— Sport• Spiel• Körperpflege Echt bürgerliche Organisationskunst! Frei-Quartiere werde«— verkauft!— Ein Berletzter wartet fast zwei Stunden auf Hilft! Ueber die Organisation der Fis- Wettkämpfe in der Hohen Tatra berichtet das»Prager Montagsblatt" und bemerkt gleich zu Anfang, datz sie bisher ein e i n z i g e r S k a n- dal fti. In dem Bericht wird u. a. ausgeführt: „Dem Svaz(der tschechische Skisporwerband; A. d. R.)wurden von den Bädern 496 Freiquartiere für Läufer und Journalisten zur Verfügung gestellt. Ter Svaz hat jedoch nureinen Bruchteil dieser Plätze wirklich frei verteilt und den grössten Teil der Plätze für 80 bis 95 KC an Journalisten und zu einem billigeren Preis an die Läufer verkauft. Bei der Unterbringung der Läufer machte sich eine starke Bevorzugung der Svazleute bemerkbar. Di« Svazläu- fer wurden in Strbske Pleso untergebracht, so datz sie es sehr bequem zum Trainieren haben, während man die Mannschaften von Finnland, Schweden usw. in Tatra-Lomnice und die Norweger in Alt-Schmecks untergebracht hat, in Orten, von denen aus sie nur unter schwierigen Umständen zum Training fahren konnten... Di« Organisation hat bisher Völlig versagt, Sonntag z. B. lag ein Verletzter 1% Stunden auf der S t r e ck e, ehe ihm Hilfe gebracht wurde, trotzdem in der Nähe des Zieles eine grosse Rettungswache etabliert war. In Tatra-Kreisen ist man sehr empört darüber. Es steht bereits fest, datz diese ganz« Art des Arrangements, an dem die Prager Leitung des Svaz die Schuld trägt, Gegenstand- heftiger Großer Ski-Preis der Tschechosiowakei Als Vorspiel zu den Fis-Wettkämpfen in der Hohen Tatra wurde am Samstag und Sonntag im Grossen Kohlbachtal bei Tatra-Weszterheim unter Teilnahme von neun Nationen der Grosse Abfahrtspreis der Tschechosiowakei ausgetragen Der Abfahrtslauf hatft eine Strecke von 5.5 Kilometer bei einer Höhendifferenz von 1000 Metern. Die Slalomstrecke war blotz 450 Meter lang und hatte eine Höhendifferenz von 250 Meter bei 28- bis 35prozentigem Gefälle. _ Sieger in der alpinen Kombination wurde Matt (Oesterreich) mit 98.12 Pkt. vor seinen Landsleuten Zingerle mit 96.435, Schroll mit 94.105 und Kraus(HDW) mit 93.48 Punkten.'— Matt erzielte im Abfahrtslauf eine Zeit von 6:59.6 Min. als Dritter(96.24 Punkte) und im Slalom als Erfftt 1:03 Min,-1-32.2 und 31.6 Sek.(100 Punkte). Bei den Frauen gewann Beinhauerova(Tschechosiowakei) mit 100 Punkten; sie erzielte im Abfahrtslauf ein« Zeit von 9:09.8 und im Slalom 2:01.2 Min.(1:02 und 59.2 Sek.) Die Weltmeisterschaften im Eiskunstläufen der Frauen wurden Samstag in Wien beendet. Die Norwegerin Sonja Henie errang wiederum den Titel; fand aber infolge ihrer Starlaunen wenig Sympathien bei den Zuschauern. Eishockey überall. Basel: Winnipeg Monarchs gegen Schweiz 4:0.— Paris: Stade Francais gegen Streatham London 2:2(Europacup).— B.-B udweis: Währing Wien gegen Stadion 2:1 und 3:1.— Gablonz: EB. gegen DEHG. Prag 2:1.— Karlsbad: DFK. Komotau geg. Städteteam 10:4.— Komotau: DFK. gegen Cechie Laiin 11:1.— Troppau: LTC. M.-Ostrau gegen EB. 5:3!— Pretzburg: Prager gegen Press- burger Gau 15:1. Fußball bei—8 Grad! Slavia gewinnt das Prager Turnier— DIE ohne Erfolg Es mutz schon eine besondere„Sportfreudigkeit" sein, wenn bei acht Grad unter Rull noch Zuschauer sich einfinden, um eine Doppelveranstaltung zu versolgen. Aber dieKlubkaffen sind diesmal gerade wegen dieser Kälte nicht ausgetaut; den» die Beträge, die am Sonntag einliefen, geben keine grosse„Wärme" ab— trotz des(wie oft schon?). Derbys Slavia—Sparta. Die ganze Veranstaltung war sinanziell eine Pleite. Das Turnier ist nun abgeschlossen und Sieger wurde die— Slavia. Das erste Spiel des letzftn Turniertages trugen DFC und SK. Kladno aus. Es endete nicht rühnsiich für die Deutschen; sie verloren nach einer etsolgreichen Halbzeit(2:1) das Match 2:4. Und dadurch kam der DFC auf den letzftn Platz üy Turnier. Wodurch? TaS alte Uebel: keinKampf- g«i st— gehts nicht mit der Technik und klappt es zudem nicht im Sturm, so wird die Flinte ins Kor» geworfen und das Tor des Gegners—- Ne Sonntag— von respektvoller Entfernung aus beschossen. Tas Gegenteil zeigte« die Kladnoer, sie kämpft« und kombinierten und gewannen. Was nützen da die Ausreden, der oder jener Spieler sei krank, obzwar jenes Material, das dftses Turnier absolvierte, zum grotzen Tesi sicherlich nicht das schlechteste, wohc aber das zaghafteste ist, das derzeit der DF§ besitzt. Jedenfalls, es war ein faires Spiel und der Sieg Kladnos verdient. Das„Derby" S l a v i a—S parta brachte die Zuschauer in„Stimmung". Slavia bot die bessere Gesämtleitstung, obzwar iHv Verteidiger Fiala erschreckend vftl holzt«. Doch auch Spartas Spieler, welche, besonders nach der Pause, ihre Ruhe verloren, zahlten die diverftn„Liebenswürdigkeiten" ebenso zurück. Datz ein solcherart geführtes„Spiel" schliesslich für den einen Partner ungünstig ausgehen muss, das spürte diesmal die Sparta, deren Sturm noch dazu schlecht schotz. Nach einer unentschiedenen Halbzeit(1:1) errang Slavia einen doch verdienten 3:1- Sieg. Ein Fußballspieler kämpft um seine Gage.?v der SpBg. Bodenbach kam vor Jahren von Gablonz der Spieler Ferstl. Der Bodenbacher Spielleitec hatft ihn für einen Monatsgehalt von 1500 Ke als Trainer engagiert. Um nicht mit dem Amaceur» Paragraphen in Konflikt zu kommen, wurde der Vertrag nicht den Fussball-Verbandsinstanzen vorgelegt. Aber auch der Bodenbacher Klubausschuh genehmigt« nicht das Abkommen. Ferstl verlieh nach zweimonatiger Tätigkeit den Verein, erhielt aber nicht fti» vom Spftlleiter vertraglich gesichertes Gehalt. Der DFB. gab dem Spieler Klagebewilligung und eia Rattenschwanz von Verhandlungen mit Versäumnis» urteilen, Berufungen usw. ist nun an der Tagesordnung. Ferstls Verteidiger hat es sogar schon mit einem Ausgleichsanbot versucht— vergebens. Merkwürdig bleibt nur, datz die Bodenbacher Leitung—• trotz Nichtgenehmigung des Vertrages-— die Tätigkeit Ferstls zwei Monate in Anspruch nahm. Der Kampf des Spielers um ftine Gage ist noch nicht zu Ende...— Ein lehrreiches Kapitel bürgerlicher Sportmoral'... Sonstige Fußballrrgebniffe. Prag: Viktoria Nusie gegen Nuselsky SK. 4:2(2:2), SK. Nusft gegen Cechie Karlin 4:1(1:1), Bohemians gegen Sparta Michle 2:1(1:0), Viktoria Zijkov gegen Meteor Vlll 5:2(1:0).— Karlsbad: Slavia gegen KFK. 6:4(3:3).— Komotau: DSK- Priesen gegen DFK. 4:3(2:1).— Saaz: DSP- gegen Bikwria Pilsen 2:2(2:1).— Teplitz- FFK. gegen SK. Rakonitz 12:0(5:0).— Nachod: SK. gegen Slavia Königgrätz 15:0.— Kolin: AFK. gegen Cechoflovan Koöir 5:5(3:1). Brünn: Zidenice gegen DSV. 5:1(4:0).— Butz a p e st: Ujpest gegen MAB. Szombathely 6:2, Fe- rencvaros gegen PFC 13:1, Hungaria gegen Budai 7:0.— Wien: ABC. gegen Vienna 3:2, Admir-r gegen Slovan 7:1, WAC. gegen Fav. SK. 2:2, Austria gegen Siemens 10:2, Hakoah gegen Hietzins 10:3, Sportsinb gegen Vorwärts 4:0. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Poft monatlich KL 16.—. vierteljährig Kd 48—, halbjährig Kd 96.—, ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif.billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft- und Telegraphendirektion mit Erlatz Nr. 13.800/V 11/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis" Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.