Donnerstag, 14. Feber 1935 15. Jahrgang A BmMi 70 Rallov .(«inschlieBlich 5 Haller Porto) lENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xiufochova«. telefon wt. Administration telefon 53076. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILH&M NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS, PRAG. In den spanischen Gefängnissen wird gefoltert! 564 eingekerkerte Genossen und Kämpfer melden Folterungen im Gefängnis von Oviedo Der Pariser sozialistische„Populaire" veröffentlicht einen Bericht, gezeichnet von 564 im „Mustergefängnis" von Oviedo eingekerkerten Arbeitern, datiert vom 24. Jänner und durch Alva- rez deS Vayo am 31. Jänner dem Prokurator und dem Präsidenten der Republik Spanien übermittelt. Diesem grauenvollen Dokument entnehmen wir Folgendes: »Die traurigen und schrecklichen Erfahrungen"— so schreiben die 564 Genoffen—»die wir persönlich machten, erlauben uns die Feststellung, daß, von sehr seltenen Ausnahmen abgesehen, alle diejenigen, die in Asturien aus Anlaß und nach Abschluß der Oktober-Revolution,einge- kcrkcrt wurden, systematisch schlechter Behandlung unterworfen wurden, die man in der Mehrzahl der Fälle wahr* hafte und raffinierte Folterungen nennen muß. Diese Folterungen hatten den Zweck, hie Gefangenen zu beschimpfen, ihren Willen zu brechen und sie, sobald sie die Kontrolle über sich selbst verloren hatten, zur Unterzeichnung von Erklärungen zu zwingen, die im Voraus von den Behörden verfaßt waren und deren Inhalt die Unterzeichner nicht kannte». Bei alle« Verhören Ware« Schlage die Regel, Schläge, die von Beleidigungen«nd unbeschreiblichen Quälereien begleitet Ware«. In einer großen Zahl der Fälle verwandel- ien sich diese Gewalt-Prozeduren in wahre Fol- tennethoden." Das Dokument enthält die Beschreibung von hundert Folterungen. Dieser Beschreibung aber(die wir nicht reproduzieren können) ist eine General-Deklaration vor- angestellt, die wir im Wortlaut wiedergeben wollen.. Es heißt dort: „Abgesehen von den EknzelfAle«, di« wir im Folgenden beschreiben werden, müssen wir melden, daß die Behörde« allgemein folgende Folter- Methode« anwenden: Verwundungen und Ausbrennen der Geschlechtsorgane und anderer Körperteile mit rotglühendem Eisen; glühende Zangen gegen Hande und andere Glieder; Anwendung der Folterbank; Hammerschläge aus Hände und Knie; Ansprihen des nachten Körpers mit kochendem Waffer; Knien auf Kies; Schein-Erschiehungen; Nötigungen der Gefangenen, ihr eigenes Grab zu schaufeln«nd sich bis zu den Knien eingegraben zu sehen; Folterungen der Gefangenen in Anwesenheit ihrer Mütter, di« eigens hergeführt werden, um durch ihre Gegenwart die Leiden der Opfer «och zu vermehre«, während man die Mütter selber zwingt, dieses grausamste oller Schauspiele Über sich ergehen zu lassen. Auslieferung wehrloser Gefangener an die FamUien-Mitglieder von Revolutionsopfern, damit die Rache an den sogenannten Todbereiter« Volltogen werde« könne." Im Folgenden schildert das Dokument dann noch drei besondere Foltermethoden Die er st e:- Der Gefangene wird, mit den Händen auf dem Rücken, in Handfesseln, die ihm die Gelenk« zerschneiden, an einem Seil aufgehängt, das von der Decke herab über eine fixe Rolle läuft. Einmal aufgehängt, wird der Gemarterte so gepeitscht, daß sein Körper ständig hin und her pendelt. Manchmal hängt man an die Füße dieser Opfer noch einen Eimer, voll mit Waffer oder einen Sandsack, um die Ausrenkung der Glieder noch zu Perschärfen.»! Die zweite besondere Marter besteht in Folgendem: Man läßt die Gefangenen zwischen zwei Reihen Wächter durchmarschieren, die ihnen die Gewehrkolben auf die Füße fallen laffen, sie mit den Gewehren oder mit Knüppeln schlagen oder ihnen die Gewehrläufe in die'Körper bohren. Die dritte Tortur endlich: Man taucht den Gefangenen lange Zeit in eiskaltes Waffer und peitscht dann die entzündete Haut. In der Mehrzahl der Fälle läßt man die Opfer, ehe sie geschlagen werden, sich bis zum Gürtel, manchmal auch ganz, ausziehen. So hat man eine Frau, M a r u y a L a fu en t e, die Schwester eines jungen Mädchens aus Oviedo, das von den Banden in der Nähe der Stadt füsiliert wor den war, sich vor den Banden, die das Verhör vornahmen, vollständig auskleiden lassen." Wir beschließen hier die. Zitate aus dem furchtbaren Dokument und vermelden noch Folgendes: Die R e g i e r u n g L e r o ux tut alles, um zu verhindern, daß der Inhalt dieses Dokuments verbreitet werde. Umsomehr haben wir dafür zu sorgen, daß die zivilisierte Welt erfahre, was sich in den Gefängnissen des jesuitisch-fascistischen Spanien abspielt, daß die Welt ihre Meinung über die Henker von Oviedo kundtun kann. Die ganze Wett mühte Protest erheben gegen die Grausamkeit der klerikalen Reaktion in Spanien! Abessinien vertraut auf Lenk Englisch-französischer Druck auf Mussolini Durch die Bereitschaft Abessiniens» auch die neuen italienischen Provokationen zunächst hin» zunrbinen und den Böttrrbund anzurufen, scheint in dem afrikanischen Konflikt eine gewisse Beruhigung eingetreteu. Seiten- der englischen«nd der französischen Regierung wird, wie aus Londoner und Pariser Meldungen sowie aus den Pressekommentarrn hrrvorgrht, auf Jtu- l i e n in mti i flc nbc m 3 i n n c Einfluß geuommeu. Dir abcssinischr Regierung steht aas dem Standpunk, daß sie zu einer Entschädigung nicht verpflichtet ist, will aber einen Spruch des Bölkerbnndes akzeptieren. Für die Stellmignahme Deutschlands zu den Angeboten Englands«nd Frankreichs liefert Mussolinis Willkürpolitik in Afrika rin Material, das Berlin höchst gelegen kommt. Die deutschen Zeitungen machen auf die Unfähigkeit des Bölkerbnndes aufmerksam, einem schwachen Staat zu helfen«nd vergleichen geflissentlich— aber leider nicht mit Unrecht— dieLage der italienischen Satrapie Oe st erreich mit derAbessiniens. Mussolini»rwrist seinen Londoner und Pariser Freunden mit seiner afrikanischen Politik einen rechten Bärendienst. Aber darauf kommt es ihm nicht an. Parisi(Tsch. P.-B.) Der römische Korrespondent des«Matin" meldet, daß die abessinische Regierung die Verantwortung für den letzten Grenzzwischenfall ablehnt und das Arbitrageverfahren des Völkerbundes annehme, jedoch unt-r der Bedingung, daß die territoriale In, tegrität des abessinischen Gebietes gewahrt werden wird. Der Leiter der abessinischen Gesandtschaft in Rom, A f e v o r k, welcher Dienstag von seiner Regierung Weisungen erhalten hat, wird von Mussolini empfangen werden. Wie verlautet, lehnt Abessinien sowohl Reparationen als auch eine Entschädigung ab. London. Das Reuterbüro erfährt aus Addis Abeba: Wie ein amtliches abessinisches Kommuniquee über die kürzlichen Grenzzwischenfälle besagt, hat die abessinische Besatzung von Guerlogubi weder einen Ausfall unter- nommen, noch versucht, am 2. Feber die italieni- schen Militärstreitkräfte in Afdub zu umzingeln. So weit es sich um die Zwischenfälle in Guerlogubi am 29. Jänner handelt, wurde— nach abesskni- scher Darstellung— eine Patrouille von 25 Abessiniern, die nur mitGewehren bewaffnet war, von italienischem Militär überfallen, das mit Maschinengewehren ausgerüstet war. Die früheren Befehle des Herrschers wurden streng befolgt und keiner Patrouille ist es gestattet, sich mehr als drei Kilometer von dem Gebiete ihrer Garnison zu entfernen. Krieg im fruchtbaren Ualual möglich Aden.(Reuter.) Es besteht die Meinung, daß die einzige gefährliche Zone, in welcher ein bewaffneter militärischer Konflikt zwischen Italien und Abessinien ausbrechen könnte, das Gebiet von U alu a l ist, das an die Grenze zwischen Abeffinien und Italienisch Somaliland gelegen ist. Dieses Gebiet ist sehr reich an Waffer und Agrarpro- dukten, die die Verprovantierung der Truppen sicherstellen würden. Keine Kriegsgefahr droht in Eryträa, da dort Wassermangel herrscht und die Gegend gebirgig und unfruchtbar ist. Es wird er-, klärt, daß sich in Jtalienisch-Somaliland 4000 italienische Kolonialsoldaten und in Eryträa 30.000 befinden. Die in Eryträa befindlichen Abteilungen könnten im Falle eines Konfliktes nach SoMaliland verlegt werden und die Ordnung in Eryträa würde durch die städtische Polizei aufrechterhalten werden. Die Stärke der abessinischen Truppen wird auf 200.000 Mann geschätzt. Abessinien und Italien Chinas neuer Kurs Panatiathche Koalition gegen Rußland? Die japanische Eroberung der nordchinesischen Provinz Dschehol, die dem neuen Vorstoß gegen die Mongolei vorausging, hat nicht nur mit einer Entschuldigung der Besiegten geendet. Der chinesische Oberkommandierende und Staatsrats- präfident Tschang-Kai-Tschek hat dazu noch die Erklärung abgegeben, daß er nun aus ein besseres Verhältnis zwischen China und Japan hoffe, daß er die antijapanische Agitation in China unterdrücken werde und daß er im Geiste Sun-Uat-Sens(wie er sagte) mit Japan gemeinsam den„panasiatischen Idealen" nachstreben wolle.■•■ Es will scheinen, als hätte aus dieser Rede nicht nur die bekannte chinesische Höflichkeit geklungen, die angeblich auch dem Feinde gegenüber angewandt wird. Es ist eher zu vermuten, daß Tschang-Kai-Tschek nach dem Verlust, der Mandschurei und der, beiden nördlichen Provinzen Chinas den weiteren Kämpf gegen die Japaner, die nun schon vor den Toren der einstigen Hauptstadt Peking(Pciping)' stehen, für aussichtslos hält,—und daß auch Japan seinerseits auf weitere Kämpfe in China verzichten möchte, da es jetzt die Richtung seines Vormarsches nach Westen lenktt in die Mongolei und'däinit in die Machtsphäre der Sowjetunion. Wenn China nicht nur besiegt, sondern beftiedet ist, dann kann Japan alle seine kriegerischen Energien ungestört dem mächtigen russischen Gegner zuwenden, dessen Niederlage sicherlich eines der.panasiatischen Ideale" ist, von denen Tschang-Kai-Tschek spracht. Die enqlischen Berichterstatter, im Fernen Osten, die als besondere Kennerder dortigen politischen Problem« gelten, haben den Aeußerungen des chinesischen Präsidenten und Generalissimus die Deutung gegeben: er fürchte die Sowjets mehr ass die Japaner, deren Krie^zielc in China nun erreicht seien. Daß sie erreicht worden sind, ist die Schuld deS Böllerbundes, der nichts unternommen hat, um den japanischen Eroberungskrieg zu verhindern, und nichts getan hat, um das Völker- byndmitglie^ China zu schützen und zu stärken Daß aber nun die besiegte chinesische Regierung dem erfolgreichen Feinde die Hand bietet, um ihn bei seinen Absichten gegen die Sowjets zu unterstützen, das sei die Folge der Fehler, die von der Moskauer Politik ip China begangen wurden. Die. Versuche der Komintern^ das Tempo der chinesischen Revolution(die vorerst eine bürgerlichnationale war) durch Entfesselung von Aufständen, durch BUdung einer.Sowjet-China" und durch Partisanenkämpfe zu überstürzen, haben die herrschende nationalrevolutionäre Partei, die Kuo» Ming-Tang, in schärfsten Gegensatz zum Kommunismus gebracht und den Machthaber des neuen China, Tschang-Kai-Tschek, zum Feinde der Rüssen gemacht. Daß sich Tschang-Kai-Tschek jetzt auf den von Lenin verehrten Sün« Aat- Sen beruft, um Japan zum Kampfe gegen die Sowjet-Union zu ermuntern, zeigt deutlich die Wendung, die der chinesische Nationalismus^ der mit dem Boykott japanischer und europäischer Waren begann, unter der Wirkung der russischen Aufstandspolitik genommen hat. Da er den Sieg Japans nicht verhindern konnte, will er sich jetzt wenigstens an dem anderen Gegner rächen, der ihm den Kampf gegen Japan aufs äußerste erschwert hat. Gewiß wäre es boreilig, heute. schon von einem chinesisch-japanischen Angriffsbündnis gegen die Sowjetunion zu sprechen. Aber daß die Erklärung Tschang-Kai-Tscheks der erste Schritt in dieser Richtung ist, kann nicht bezweifelt werden. Die Unterlassungssünde des Völkerbundes und die f a l's ch e P o l i t i k der Kommunistenim Fernen Oster beginnen also sehr gefährliche Früchte zu tragen. Die Kette der kriegslüsternen Weltverschwörung, die heute von Berlin über Warschau nach Toki reicht, droht durch ein neues Glied bereichert zu werden. Der Feldzug gegen die Sowjetunion, der in den Hirnen der Hitler und Rosenberg zur fixen Idee geworden ist, der von Pilsudsli nicht mißbilligt,' von der japanischen Kriegspartei eifrig betrieben und von einem Klüngel englischer Kapitalisten um Lord Rothermere und Sir Henry De er- ding wohlwollend unterstützt wird(von einem Klüngel, der in seiner Presse anläßlich der Londoner Verhandlungen stürmisch die Aufrüstung Deutschlands gegen die'Sowjetunion forderte), hat Aussicht auf einen neuen Verbündeten. Seift Donnerstag, 14. FeBer 1935 5fr. 38 An die arbeitende und arbeitslose Jugend! Die Weltwirtschaftskrise, deren sichtbarstes Merkmal die Erwerbslosigkeit vieler Millionen Arbeiter, Angestellter und Akademiker ist, wirft sich besonders verheerend unter der jungen Generation aus. Es gibt nicht weniger als sechs bis sieben Millionen arbeitsloser Jugendlicher in den von der Krise erfaßten Ländern. Von diesen Jugendlichen hat der größte Teil die Segnungen eines geregelten Arbeitsverhältnisies überhaupt noch nicht erfahren, viele zehntausende Lehrlinge und Praktikanten verrichten ihr Tagewerk in der Gewißheit, daß nach der Erlangung der vollen Arbeitsfähigkeit für sie kein Platz im Erwerbsleben zu finden sein wird. Von dem traurigen Schicksal der Erwerbslosigkeit ist die männliche und die weibliche Jugend in gleichem Maße betroffen. Dieses traurige Los der Jugend besiern zu helfen, ist eine der wichtigsten Gegenwartsaufgaben der menschlichen Gesellschaft. Es ist der entschlossenen Forderung der Fugend selbst zu danken, daß die Fürsorge für die erwerbslose Jugend auf die Tagesordnung der Heuer im Mai stattfindenden Internationalen Arbeitskonferenz gesetzt wurde. So erfreulich diese Tatsache ist, so sehr muß die Jugend bemüht sein, eine Beschleunigung des bei der Internationalen Arbeitskonferenz üblichen Verfahrens zu erreichen. Eine solche beschleunigte Beschlußfassung der Internationalen Arbeitskonferenz, die konkrete Empfehlungen über die Fürsorgemaßnahmen in den Mitgliedsstaaten zum Inhalt hätte, könnte den Kampf um die Steigerung der Jugendschutz-Maßnahmen in den einzelnen Ländern erfolgreicher gestalten. Die unterzeichneten Verbände sind deshalb übereingekommen, sich an der von der Sozialistischen Jugendinternationale veranlaßten Unterschriftensammlung für eine Eingabe an die Internationale Ärbeitskonferenz zu beteiligen. Die Eingabe wird folgenden Wortlaut haben: „Die Unterzeichneten, arbeitslose and arbeitende Jugendliche unter 25 Jahre« aller Berufe Sozialistischer Jugendverband. und der verschiedensten politischen und religiösen Ueüerzeugnng, richten an die Internationale Arbeitskonferenz den dringende« Appell, auf ihrer Tagung 1935 Maßnahme« zu ergreifen, die 1. de« viele« Millionen junger Mensche«, die unter den Folgen der Wirtschaftskrise arbeits- und brotlos geworden sind. Arbeitsmöglichkeiten schaffen, die ihren Lebensunterhalt sichern und eine gründliche berufliche Ausbildung gewährleiste«: 2. de« Jugendliche«, die nicht sofort von der Last der Arbeitslosigkeit befreit werden könne«, durch Unterstützungsmaßnahme« und Einrich- tnngen zu helfen, die sie vor materieller Brr- eleudnng bewahren, die seelische Not der er- zwungenen Untätigkeit lindern»nd die berufliche und allgemeine Fortbildung ermögliche»." Wir fordern alle Jugendlichen unter 25 Fahren, männliche und weibliche, akademische und nichtakademische, beschäftigte und arbeitslose ohne Unterschied deS politischen und konfessionellen Bekenntnisses auf, ihre Unterschriften unter diese Eingabe zu setzen und durch die genaue Angabe des Alters, des Berufes und der eventuellen Dauer der Arbeitslosigkeit die Glaubwürdigkeit der Unterschrift nachzuweisen. Auf diese Weise wollen wir auch verläßliche Angaben über die Wirkung der Arbeitslosigkeit auf die Jugend unseres Landes erhalten, die dazu dienen sollen, unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Ium Zwecke der Unterschriftensammlung sollen in allen Orten gemeinsame Komitees gebildet werden, zu deren raschester Konstituierung wir die Vertrauensmänner der unterzeichneten Organisationen auffordern. Junge Freunde und Freundinnen! Die Aktion geht Euch alle an! Niemand schließe sich aus, jeder und jede arbeite mit! Alles für den Schutz der jungen Generation! Zentralgewerkschaftskommission des Deutschen Gewerkschaftsbundes Reichenberg. Daß mit einer Einigung zwischen Japan und China(die zusammen mehr als 600 Millionen Menschen umfassen) die„gelbe Gefahr" bedrohlich wächst, wird die hakenfteuzlerischen Rassentheoretiker wenig stören. Sie nehmen ihren Schwindel ohnehin nicht ernst, und am wenigsten dann, wenn es sich um Bundesgenossen handelt. Sie kennen nur ein Ziel: ihre Macht um jeden Preis festzuhalten und für den inneren Bankrott um jeden Preis ein Ventil nach außen zu schaffen, —■ wofür ihnen der Weltfriede als der billigste Preis erscheint. Die Freunde des Weltfriedens aber sollten aus den Vorgängen im Fernen Osten und den Machenschaften der Berliner Kriegstreiber die Lehre ziehen, daß man diegelbeunddie braune Gefahr nicht Immer unterschätzen darf. Der Polizeibericht Uber Ottakring Der angebliche Selbstmord der Demonstranten Wien, lieber den Zusammenstoß zwischen Polizei und Demonstranten in Wien-Ottakring wird polizeilich mitgeteilt:„Anläßlich des Jahrestages der Feberrevolte hatten die Kommunisten und Sozialdemokraten Dtmonstrattonen angekündigt. Abends versuchten etwa 15 jugendliche Sozialisten unter Vorantragung einer roten Fahne im XVI. Bezirk zu demonstrieren. Auf die entgegentretenden Wachebeamten wurden Schüsse abgegeben, wodurch zwei Wachebeamte verletzt wurden. Der eine erhielt zwei Bauchschüsse, einen Steckschuß in die linke Brustseite und einen Durchschuß des Unterarmes, der zweite, ein Bezirksinspektor, der gerade von seiner Waffe Gebrauch machen wollte, wurde er am rechten Oberarm verletzt und erhielt einen Durchschuß zweier Finger. Der Täter flüchtete in ein Haus, wo er, als er keinen Ausweg mehr sah, sich durch einen Kopfschuß entleibte. Bei der Schießerei wurde auch ein vorübergehender Passant leicht verletzt. Die Identität des Täters konnte Mittwoch festgestellt werden. Es handelt sich um den 23jähri- gen Hilfsarbeiter Josef Fistel aus dem XVl. Wiener Bezirk. eine illegale Druckerei auffgeflogen — neue werden entstehen Wien.(Tsch. P. B.) Zahlreiche Persönlichkeiten, deren Stellung.vermuten ließ, daß sie zum Ball der Stadt Wien geladen seien, wurden, wie die Blätter seinerzest gemeldet haben, gefälschte Eintrittskarten mit Drohungen gegen den Lumpenball zugesandt. Der Wiener Polizei gelang es. die Druckerei ausfindig zu machen, wo diese Ballkarten hergestellt wurden. Es ist die Druckerei M. Grober im v. Bezirk. Der Druckereibesitzer, sein Kompagnon, ein Geschäftsdiener und ein Schriftsetzer wurden verhaftet. Die Polizei konnte dabei feststellen, daß bei Grober vier illegale Zeitschriften gedruckt wurden, u. zw.„Die Revolution",„Der neue Aufstieg",„Der'Schutzbünd- ler" und„Tribunal". Man sand bei der Durchsuchung der Druckerei auch noch einen Aufruf „Dank und Gruß den spanischen Helden". Drücke Roman von Fritz Rosenfeld Sie trat noch manchmal auf, ein paar Mitglieder der Truppe, die gerade nicht beschäftigt waren, mischten sich unter das Publikum unb riefen ihren Namen. Dann kam sie auf die Bühne, enggeschnürt, grellgeschminkt, und sang Gassenhauer, die um die Jahrhundertwende bekannt gewesen waren. Aeltere Herren nickten ihr zu, blinzelten mit den Augen und klatschten sich die Hände wund, als sie abging. Wenn Not an Mann war, führte sie auch Troll, den dressierten Seehund vor; er konnte Bälle aufsangen und aus der Schnauze balancieren. Als Frau Diana Avory den Antrag erhiell, mit ihrer Truppe in Upsilon zu gastieren, sagte sie sogleich zu. Denn Upsilon war immerhin eine Hauptstadt, mochte sie auch nur in einem kleinen Lande liegen, und die Gage konnte sich sehen lassen; überdies wurde sie zur Hälfte bei eine.' Bank auf ihren Namen erlegt, im vorhinein, und dies war in den unsicheren Zeiten, in denen man lebte, ein bedeutender Vorteil. Der Seehund mußte zwar zu Hause bleiben, weil man ihn und seine Künste dem Publikum eines hauptstädtischen Varietes denn doch nicht zumuten durfte, aber die Girls kamen mit, alle sechs, sie mußten sogar einen neuen Schlager einstudieren; Gregor kam mit, der als Schauspieler in Reinen einaftigen Possen gut zu verwenden war, ein Karikaturenzeichner, dessen Sttft allabendlich genau dieselben Linien auf das Papier zauberte, Beethoven, Chaplin, Könige, Boxer und polizeilich gesuchte Hochstapler, und ein Taschenspieler, dessen Kartenkunststücke auch ein verwöhntes Publikum ver- blüffteru Den Kunstschützen wollte Frau Avory Schwere Kerkerstrafen sogen Schutzbündler und Suliputschlsten Wien. Vor dem Militärgericht in Linz hatten sich am DienStaa zwei Juli-Wffrührer, und zwar der 45iähriae Filialleiter Kurt D b e ck und der 29jährige Zimmermann Johann Benteler, beide aus Seekirchen, zu verantworten. Beide haben in Seekirchen die SS-Truppen alarmiert und an einem Feuergefecht mit der Exeku- tive teilgenommen. Speck, der bereits früher zu zwölf Jahren strengen Kerkers nach dem Spreng- stoffgesetz verurteilt worden war, erhielt nunmehr eine lebenslängliche Kerkerstrafe, während Beuteler zu 15 Jahren verurteilt wurde. Bor dem Schwurgericht in St. Pölten standen zwei ehemalige sozialdemoftatische Schutzbündler, Franz Stöger aus Kematen und Ludwig Eigner aus Rosenau, wegen Ausbewahrung von Handgranaten und anderen Waffen. Stöaer wurde zu sechs und Eianer zu fünf Jahren slbwerem Kerker verurteilt. Vor dem Wiener Schöffensenat hatte sich der Schutzbündler Johann Zimmer zu verantwor« nicht zu Hause lassen, weniger, weil sie mü seiner Darbietung besondere Erfolge zu erzielen hoffte, als weil er zu ihr, wie die Girls bereits erraten hatten, nicht nur in einem Anstellungsverhältnis stand. In einem guten Hotel in Dpsilon waren Zimmer reserviett, man fuhr zweiter Klasse, für die Stars des Ensembles, Carlotta und Marcel, das mondäne Tanzpaar, das auch Operettenschlager sang, und Frau Avory selbst hatte der Agent sogar Fahrkarten erster Klasse angeboten, aber sie lehnte ab, die Truppe sollte beisammen bleiben, es war nicht gut, in Menschen wie Marcel und Carlotta Hochmut zu züchten. Mit Carlotta und Marcel hatte Frau Avory ihrem Unternehmen eine besonders zugkräftige Nummer verpflichtet, und sie ahnte dunkel, daß sie vor allem diesen beiden das Engagement nach Upsilon zu verdanken hatte. Carlotta und Marcel waren bei einem internationalen Tanzturnier mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden, bereisten in der Saison die teuersten Badeorte der Riviera, traten in Deauville auf, in Marienbad, in Baden-Baden, ihr Bild stand in allen illustrierten Blättern, das Schlagerlied, das sie populär gemacht hatte, dröhnte aus den Lautsprechern aller Radiohandlungen und war in allen Schallplattengeschäften zu kaufen, die Presse lobte die unvergleichliche Elegance des Tanzpaars, seinen Rhythmus, seine Verve, Carlotta mußte die Rezensionen sorgfältig ordnen und in ein Buch einkleben, in dem Mar- cell blätterte, wenn er sich langweilte. Der Rhythmus, der die beiden jungen Menschen zu einem elfenhaft über das Tanzparkett schwebenden, schwerelosen Wesen verband, war aber nur lebendig, wenn der erste Takt der Musik ertönte; sobald die Geigen, das Klavier, das Saxophon verstummten, gab eS schrillere Musik, harte Worte, Zank und manchmal auch eine Prügelei. Marcel tyrannisierte Carlotta, er hatte ten. Er bat am 13. Feber 1934 einer Schubbundabteilung angehört, die beim Simmeringer-Ostbahnhof gegen die Exekutive kämpfte. Japan wünscht Auflassung der rassischen Befestigungen Tokio. Das Blatt„Nischi-Nischi" teilt mit, daß die japanische Regierung bei der Unterzeichnung des Vertrages über die Ostchinabahn am kommenden Monat die Sowjetregierung um die Entwaffnung der Sowjetfestun« gen östlich vom Bajkal-See ersuchen werde, wogegen die japanischen Truppen in Mandschukuo auf ein Minimum herabgesetzt werden würden. Der Sprecher des Außenministeriums erklärte, daß Minister Hirota die Absicht habe, sie Besttmmungen des im Jahre 1905 in Portsmouth abgeschlossenen ruffssch-japanischen Friedensvertrages, nach dem längs der russisch-japanischen Grenze auf Sachalin und längs der russisch- ioreansschen Grenze eine neutrale Zone geschaffen wurde, auf die sowjetrussisch-mandschu« rische Grenze zu applizieren. sich seine Partnerin unterworfen, sie sollte nichr mehr sein, als ein Kostüm, das er trug, um den Effekt zu erhöhen, als ein glitzerndes Ding, das er auf der Bühne gebrauchte, um das Publikum zu blenden. Einen Monat waren sie bei der Truppe der Frau Avory, viermal wollte Carlotta weglaufen, fast täglich kamen sie, jeder zu einer anderen Stunde, jeder auf einem anderen Weg, ins Theater und wichen einander aus, bis sie hinter den Kulissen das gleiche Weiche Lächeln auffetzten, sich dem gleichen Rhythmus ausliefern mußten. Nach ihrer Nummer wurde die Garderobe Carlottas zum Schauplatz wilder Auseinandersetzungen, GlaS splitterte, einmal ging der große Spiegel in Trümmer und Marcel weigerte sich, ihn zu bezahlen. Carlotta bat, sich in der Garderobe der Girls umkleiden zu dürfen, es war das erste Mal in der langen Praxis Diana Avorys, daß ein Star auf das Vorrecht eines eigenen Garderoberaumes freiwillig verzichten und in das lärmhafte Maffenquartier des Girlproletariats hinabsteigen wollte. Marcel nahm Frau Avory damals beiseite und sagte, er hatte sie ftst am Arm gepackt, sein Griff schmerzte:„Wenn Sie darauf eingehen, komme ich morgen nicht". Damit war der Fall erledigt. Heute abend hatte Carlotta einen Blumenstrauß bekommen, ein Dutzend dunkelrote Rosen. Marcel riß sie auS ihrer Hand, schleuderte ihn zwischen die Kulissen, die alte Garderobierin hob ihn auf und tug ihn nachhause. WaS mochte auf diese Szene in der Garderobe Carlottas gefolgt sein? Frau Avory wagte nicht» daran zu denken. Mitternacht war lange vorüber, sie mußte am Morgen noch ihren Koffer packen, sie nahm jedenfalls ihr Kostüm mit, vielleicht fänden sich in Upsilon kunswerständige Menschen, die den krächzenden Saxophonen, den schluchzenden Banjos, den kläffenden, knarrenden, kreischenden Ge- räuschorgien dieser Jazz-Zeit einen alten Gaffen- Jugoslawlens Rückkehr zum Partelensystem Belgrad.(Tsch. P.-B.) Die feit der Auf» lösung der Skupschtinu zwischen den führenden regierungstreuen«nd oppositionellen Politiker« gepflogenen Unterhandlungen haben bereits eine gewisse Klärung der in«erpolitische« Lage angebahnt. Ministerpräsident I e v t i c, der in dem Wahlkampf als Träger der Kandidatenliste der Regierung ein tritt, wird diese Kans didaten zum Teil aus den Reihen der landwitt- schastlichen Genossenschaften, zum Teil aus den Reihe« der ehemalige« politischen Parteien entnehmen. Diese Haltung der neuen Regierung hat innerhalb der bisherigen Regierungspartei, der jugoslawischen Rationalpartei, sichtlicheEnt- täuschung hervorgerufen«nd in polttische« Kreisen verlautet, daß die ftüheren Ministerpräsidenten MarinkoviL und UzunoviL eine eigene oppositionelle Wahlliste aufzustellen beabfichttgen, falls sich die Regierung gänzlich über die jugoslawische Rationalpartei hinwegsehrn sollte. Als dritte Wahlliste kommt in Betracht die Liste der vor zwei Jahren gegründeten jugoslawischen Volkspartri, deren Führer der bisherige Abgeordnete«nd gewesene Borstand des Kabinetts deS ehemaligen Ministerpräsidenten General Zivkoviö, H o d j e r a, ist. Zwischen den Parteien der alten parlamrn- tanschen Opposition ist noch keine Einigung erzielt worden. Durch das Angebot der serbischen Bauernpartei(Jora Jovanoviö)»nd der Demokratischen Pattei(Davidoviä) an den Führer der Kroatischen Bauernpattei, Dr. Marek» sich an die Spitze dieser drei Parteien zu stellen, find dir übttgen drei oppositionellen Parteien, die Radikalen(Aca Stojanoviö), Slowenische BoUSpartei (Dr. KoroseL) und Bosnische Mohammedaner (Dr. Sapho) vor die Alternative gestellt, entweder mit der Gruppe Dr. Macrks gemeinsam i« de« Wahlkampf einzutrtten oder ein Wahlkompromiß mit der Regierung JevtiL anzustreben. Erst wm« die Beratungen darüber abgeschlossen sein werden, was vermutlich in einigen Tagen der Fall sei« dürfte, wird eine bessere Ueberstcht über die einzelnen Wahlaussichten möglich sein. Die Neuwahlen In die Skupschtlna mündlich und öffentlich Belgrad. Die Wahlen in die Skupschtina finden am 5. Mai statt. Es sind 368 statt, wie bisher 305 Abgeordnete zu wählen. Das Wahlrecht besitzen alle jugoslawischen Staatsbürger, die das 21. Lebensjahr erreicht haben, außer den aktiven Milftärpersonen und jenen, die durch ein gerichtliches Urteil des Wahlrechtes verlustig gingen. Die Wahl findet mündlich und öffentlich statt, und zwar auf Grund von Kandidatenlisten, die für den ganzen Staat aufge- stellt werden. Die Kandidatenlisten sind dem KassationSgettchtshof bis spätestens 21. April zur Legalisierung vorzulegen. 38 Millionen Dollar für amerikanische Seerüstungen Washington. Die Regierung der Bereinigten Staaten hat daS Marine-Bauprogramm genehmigt, das einen Aufwand von 38,098.000 Dollar vorsieht. Hauer vorzögen, der nur bescheidener Klavierbegleitung bedarf. Das Haus war in Aufruhr, als Frau Avory abreiste. Sechs Mädchen, alle in den gleichen Mänteln, die gleiche Reisetasche in der Hand, dc« gleichen winzigen Hut schief auf dem Ohr, stürzten aus der Tür, polterten die Treppe hinab, riefen zurück, drängten wieder empor, zankten mit dem Stubenmädchen, liefen in die Wohnung, rissen einen Schrank auf, wühlten in Kleidern, kramten im Badezimmer unter halbfeuchten Mänteln, hörten ihren Namen rufen, von irgendwoher, zwei, drei Stockwerke tiefer, schrien zurück«Ich komme gleich!", kramten weiter, Türen öffneten sich, Nachbarinnen tuschelten, blickten mit aufgerissenen Augen auf Frau Avorys heißen, roten Kopf, aber Frau Avory liebte den Trubel, man sollte im ganzen Haus wissen, daß sie wieder auf eine Tourne ging, daß es noch Länder gab, in denen sie berühmt war, Städte in der Ferne, die sie riefen. Die Mädchen, die Koffer waren in zwei Auwdroschken untergebracht, aus dem Fenster winkte die Köchin, für sie kamen nun gute Tage, obgleich sie während der Abwesenheit Diana Avorys und ihrer Mädchen nur den halben Lohn bezog. Auf dem Bahnhof erneuette sich das ChaoS. Nun kam Carlotta dazu, in einem braunkarierten Mantel mit Lederbesatz, Marcel, in einer breiten Reisemütze, er mußte, sah er auS dem Coupefenster, unbedingt an Maurice Chevalier erinnern, dann der Kunstschütze, mit einer fliegenden schwarzen Krawatte über einem Hellen, fleckigen Ueberzieher, und Gregor, den Kragen aufgestellt, den Hut tief in die Stirn gezogen, eine Hand vor der Brust, als wollte er das warme Leben schützen, das in ihm strömte und in Fieberschauern zu verttnnen schien. (Fottsetzung folgt.) Nr. 38 Donnerstag, 14. Fever 1935 Seite 3 tfudctendeutsdm Zeifepiegei Sudetendeutsche Bürserpolltik Henlein, B. d. L. und Christlichsoziale Seitdem der christlichsoziale Abgeordnete Zajikek den Ruf nach dem Zusammenschluß von Hilgenreiner, Henlein, Hacker erhoben, den Führer der Landbundjugend Hacker demnach zur offenen Rebellion gegen seine.Partei aufgefordert hat, hat ein täglicher Kleinkrieg zwischen dem Bund der Landwirte und den Christlichsozialen eingesetzt. Hacker hat, wie wir mitgeteilt.Haben, dem Abgeordneten Zajikek und der„Deutschen Presse" gegenüber mit Entschiedenheit betont, daß er seiner Partei treu bleiben werde und hat es dabei nicht unterlassen, scharfe Worte gegen die Christlichsozialen anzuwenden. Die„Deutsche Presse" hat daraufhin zurückgeschossen und behauptet, daß Hacker zu der Erklärung gegen die Christlichsozia« ten genötigt wurde und daß diese Erklärung gar nicht von ihm verfaßt, sondern ihm nur zur Unterschrift vorgelegt worden sei. Die„Landpost" ist über diese Behauptung empört und wirft der- „Deutschen Presse" vor, diese sorge redlich dafür, „die Verhältnisse im deutschen Lager zu einer Posse werden zu lassen, und die Deutschen ohne Parteiunterschied können sich redlich bei ihr für die Disqualifizierung und Lächcrlichmachung deutscher Politik bedanken." Zur Sache selbst erklärt die „Landpost", daß auf Hacker nicht der geringste Zwang ausqeübt wurde. Zum Schluß nennt die „Landpost" die„Deutsche Presse" eine„Brunnenvergifterin ärgster Art". Die„Deutsche Presse" setzt ungeachtet dieser Angriffe die Kommentierung des Verhältnisses zwischen dem Bund der Landwirte und der Sudetendeutschen Heimatfront fort und verweist insbesondere auf jene Stellen in dem Kommuniquee der SHF, worin es heißt, daß„die Möglichkeit einer Zu- sammenfrffung und Zusammenarbeit aller volks- bewußte-l politischen Faktoren vor und nach den Wahlen erörtert" wurde. Daraus glaubt die „Deutsche Presse" schließen zu können, daß es nach den Wahlen möglicherweise zu einem Zusammenschluß der Parlamentarier des Bundes der Landwirte und der SHF kommen könne, wgs auch der »Teplih-Schönauer Anzeiger" in einem Leitartikel für möglich hält. Ein solcher Zusammenschluß tvürhe, wie die„Deutsche Presse" bemerkt, bedeuten,„daß die Heimatfront nach den Wahlen die Politik des Bundes der Landwirte zu machen gedenkt"!•---■;. ’S Inzwischen werden die Verhandlungen zwischen d-m Bund der Landwirte und der SHF fortgesetzt, wobei bemerkenswert ist, daß sich Minister Spina an diesen Verhandlungen nicht mehr beteiligt und als Unterhändler des Bundes der Landwirte der Henlein freundliche Abgeordnete Zierhut Und S-nator Gtöhr erscheinen. Die SHF läßt sich freilich dadurch nicht abhalten, ihren Einbruch in das Gebiet des Bundes der Landwirte weiter durchzuführen. So meldet der Karlsbader„Volkswille", daß auch im Weseritzer Bezirke selbst in Orten, die als Hochburgen des Bundes der Landwirte qelten, die SHF Ortsgruppen errichtet. Die dortigen Organisationen haben bereits die Reichs- parte^eitung des Bundes der Landwirte aufgefordert, dem Sturm der SHF auf die Dörfer des rein bäuerlichen besiedelten Weseritzer Bezirkes aufq« halten." Unter dem Titel„HHH oder CSR" beschäftigt sich im„Ceskt Slovo" Karel Ilse mit der SHF und schreibt: „Wir woUcn und müssen wissen, wer in der Heimatfront für oder gegen den Staat ist. Und deshalb müssen wir verlangen, daß die Scheidung der Geister durchgeführt werde. Der Haß, mit dem die Leute von der Heimatfront gegen die staatsfreundliche Sozialdemokratie vorgehen, ist entschieden verdächtig, genau wie die Unlust zu einer klaren Kundgebung für die Republik... Fürchtet sich dir SHF, daß alle diejenigen ihr Weglaufen könnten welche zu ihr als dem gleichwertigen Ersah für die aufgelöste Hakenkreuzpartei gestoßen sind? Wi- aber wollen und können nicht zulassen, daß mtt-r einer Firma, welche nur mit Wasserfarben aut die tschechoslowakische Staatsfarbe übermalt sind und das so nachlässig, daß darunter das Hakenkreuz erscheint, die Anerkennung der Staatstreue Leute bekämen, welche diese bald zu Jntri- gven gegen den Staat mißbrauchen würden. Die Heimatfront hatte genug Zeit, um durch die Praris die Richtigkeit der allgemeinen Parolen von Böh- misch-Leipa zu erweisen. Will sie diese Anerkennung erhalten, muh sie das durch eine offene, klare Und wahrhaft verpflichtende Sprache tun. Selbst unter der Voraussetzung, daß die antistaatlichen Radikalen von ihr abschwenken." Bergarbeiterschicksal Obrrleutensdorf.(Tich. P. B.) In einem aufgelassenen Tagbau hatte der arbeitslose Bergmann Friedrich Kotan mit seinem Bruder einen wilden Schacht gegraben, der bereits 7 Meter tief war. Als Kotan Mittwoch in den Schacht einfahren wollte, riß das Seil und er stürzte in die Tief«. Er erlitt schwere Verletzungen und eine Gehirnerschütterung. Nach seiner Bergung wurde Kotan ins Brüxer Krankenhaus gebracht. Verhaftung eines prominenten SHF*Mannes in Trautenau Bor einigen Tagen schon wurden in Trau- tenau einige Hakenkreuzler— jetzt SHF-Leute — von der Gendarmerie geschnappt, darunter dir bekannten Nationalsozialisten— jetzt Henlein- anbeter— Winkler und Werner, die auS ihrer hakenkreuzlerischen Gesinnung kein Hehl machten und sich in den Dienst der illegalen Arbeit stellten. Freitag wurde nun auch der frühere Chauffeur Vinzenz Kamitz, ein„Führer" der Henlein- bcwegung in Trautenau, verhaftet. Kamitz galt etwas bei den Henleinlcuten. In der Sandner- versammlung, die vor einiger Zeit in Trauten«« stattfand, war Kamitz Kommandeur der Sackl- schutzabteilung und bei der SBH war er einer der tonangebenden Männer. Er soll an j unter jenen Leuten gewesen sein, denen der Vertreter des Be- zirkshauptmaimes von Trauten««, Herr Dr. Leitzer, mit dem Trautenauer Bürgermeister und einem Stadtrat, den offiziellen Dank für ihre Tätigkeit im Interesse der Bevölkerung der Stadt Trautenau zum Ausdruck brachten. Für diese Arbeit, die vom BezirkShauptmann volle Anerkennung fand, scheint der Staatsanwalt gar kein Verständnis zu haben, denn er liess Kamitz gleich nach Jikin überführen. Trotz alledem bleibt die Henleinftont nach aussrnhin weiter staatstreu und die SBH«npolftisch. Verpfändung von Gemeindeeigentum Die unverantwortliche Kommunalpolitik der Kommunisten in P r e d l i tz bei Aussig, die von den Bürgerlichen unterstützt wurde, trägt jetzt merkwürdige Früchte. Nachdem der nach der Auflösung der Gemeindevertretung eingesetzte Regierungskommissär eine Anzahl, die Einwohnerschaft schwer belastende Abgaben vorgeschrieben hat, erließ er eine Kundmachung, nach der bestimmte Liegenschaften der Gemeinde zu gunsten einer Restforderung von Xc 31.750.— zweier Nussiger Ingenieure und Baumeister verpfändet wurden. Weiter erteilte der Regierungskommissär seine Einwilligung dazu, daß auf diese Liegenschaften für die beiden Gläubiger das Pfandrecht für ihre Forderung samt sieben Prozent Zinsen einverleibt werde. ES ist nur ein schwacher Trost, daß die Wähler oder Steuerträger in der Gemeinde berechtigt sind, gegen diesen Entschluß die Beschwerde an die Bezirksbehörde in Aussig einzubringen.— Es ist bedauerlich, daß unter der Maßnahme, die eine Folge verfehlter Kommunalpolitik ist, auch die Kreise leiden müssen, die mit der Kommunalpolitik der letzten Jahre in Predlitz nicht einverstanden waren. Explosion auf.Johann II" Bruch.(Tsch. P. B.) In der Zentralwerkstätte des„Johann II" Schachtes in Maria- Ratschitz ereignete sich infolge eines Defektes im Azetylen-Entwickler, der in einem Nebenraum untergebracht war, eine Explosion, durch welche der Apparat zersprengt und infolge des Luftdrucks das Dach des Hauses abgehoben und die Fensterscheiben zertrümmert wurden. Menschen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden. Die Detonation war im ganzen Orte zu hören und löste zunächst die Befürchtung aus, daß ein größeres Unglück geschehen sei. Dir Nummer 4 der Zeitschrift„D i e F r e i e Gemeinde" erscheint mit Rücksicht auf die Neichstagung des Verbandes deutscher Srlbstvrr- waltungskörprr am 19. Feber in Prag, nicht am 16. dS., sondern a m 22. Feber, damit der Bericht über die Reform deSGesetzrs über die Finanzwirtschaft in den autonomen Körperschaften, zu dem der Lerbandstag Stellung nehmen wird, noch untergebracht werden kann. Wir bitten unsere Par. tei- und Gemeindefunktionärr von dieser Verschiebung des Erscheinungstermins unserer kommunal- politischen Zeitschrift Kenntnis zu nehmen. Ein offenes Wort aus Moskau an die deutschen und japanischen Kriegshetzer Moskau. In außerordentlich scharfer und offener Weise kritisierte Bolkskommissär Jak omle w die deutschen und japanischen Kriegsvorbereitungrn gegen die Sowjetunion. Er verglich anlässlich eines Berichtes Aber die Kollektivwirtschaften die'Lage der Bauern in Japan und Deutschland und erklärte wörtlich: „Ihr wißt aus dem Berichte Molorows, daß derjapanische und der d e u t s ch e Imperialismus den Krieg gegen die Sowjetunion vorbereitet. Japan ist ein Land, wo sich fast die Hälfte des Bodens in den Händen von Gutsbesitzern befindet und wo die Banken jährlich Hunderttausenden von Bauern den Boden wegen ihrer Schulden konfiszieren, ein Land, in welchem die Bauern in den letzten Jahren jährlich 30.000 bis 40.000 Mädchen an die Stadt in Freudenhäuser verkaufen und wo infolge der Krise der Preis für ein Mädchen bis auf 150 Den gesunken ist, die dem hungrigen Vater ausbezahlt werden. Gegen die Sowjetunion rüstet der FascismuS eines Landes wie Deutschland, wo nur elf Prozent aller landwirtschaftlichen Güter mehr als die Hälfte des Bodens in ihrem eigenen Besitz Rücktritt eines Schweizer Bundesrates Bern. Nach einer amtlich bisher nicht bestätigten Meldung hat Bundesrat Schultheß, de» Leiter des Volkswirtschaftlichen Departements, am Mittwoch abend dem Bundesrat seinen Rücktritt erklärt, Bundesrat Schultheß, der seit über 20 Jahren im Amt ist, hatte bekanntlich bereits vor einigen Monaten für das Frühjahr seinen Rücktritt angekündigt. Heute deutsche Antwort? Paris. Spätestens am Donnerstag wird in Paris und in London die deutsche Antwort auf die französisch-britische Programmerklärung erwartet. Außenminister Laval trat Dienstag nach seiner Erkrankung wiederum sein Amt an. Er hatte mit dem belgischen, dem italienischen und dem japanischen Botschafter sowie mit dem rnmä- nischen Gesandten wichtige Nnterrednngcn. Mittwoch konferierte er mit dem Sowjetbotschaster. Die Unterredungen betrafen einerseits die Frage des Luftabkommens, andererseits den O st- Pakt. Pie spanischen Kriegsgerichte arbeiten Oviedo. Oberst Ricardo Jimenez de la Ve- raza, der während des revolutionären Aufstandes die Waffenfabrik in Oviedo geleitet hat, wurde vom Kriegsgericht zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Es war gegen ihn die Anklage erhoben worden, daß er die Lhwrdnungcn des Kriegsminihaben, und wo ein Gesetz fordert, daß sich der Hof nur auf den ältesten Sohn vererbe, und so die jüngeren Söhne und Töchter zu Landarbeitern macht. Mit diesem Programm der Rückkehr zu mittelalterlichen Gebräuchen und des Verkauf Os vo»Bauern Mädchen anöffentlicheHäuser rüsten der Fascis- mus Japans und Deutschlands gegen die russischen Arbeiter und Bauern, für welche Rußland durch das Verdienst des Sowjetsystems der Kollektivwirtschaften eine wirkliche Heimat geworden ist. Millionen Menschen hinter der von Woroschilow geführten Sowjet-Armee zeigen, welche unüberwindlichen und unbesiegbaren Kräfte unserem Baterlande innewohnen, falls ein Feind es versuchen sollte, uns unser Vaterland zu entreißen." steriums nicht befolgt habe, daß während der Zeit der Unruhen in den Militärmagazinen Militärgewehre mit entfernten Schlagbolzen bereit zu halten seien. Kapitän Hernandez Segura wurde wegen grober Fahrlässigkeit bei der Organisierung der Verteidigung von Fabriksobjekten zu zwei Jahren Gefännis verurteilt. AiAfirMjl Wien.(Tsch. P. B.) Das Militärgericht in Wien fällte Mittwoch nach zweistündiger Verhandlung, die über Antrag der Verteidigung teilweise für geheim erklärt worden war, das Urteil gegen Jng. Fritz Hamburger. Der Angeklagte wurde des Verbrechens des Hochverrates schuldig erkannt und im Sinne der Anklage zu I e b e n s- länglichem schwerem Kerker verurteilt. Belgrad.(Tsch. P. B.) Auf Grund eines UkaS des Regentschaftsrates wurde der Armeekommandant des vierten Armeebereiches(Agram) Armeegeneral Ljubomik Mariä, zum Generalstabschef ernannt. Der neue jugoslawisch« Generalstabschef MariL wurde im Jahr« 1878 im Dorfe Galovic unweit Uzice geboren, 1899 nach Absolvierung der niederen serbischen Militärakademie zum Artillerie- Leutnant ernannt und nach Absolvierung des hohen GeneralstabSkurseS 1909 dem Genrralstabe zugeteilt. Die Jahre 1911 und 1912 verbrachte General MariL zur Fortbildung in der französischen Armee und verblieb seither mit geringen Abkommandierungen ständig im Generalstab. Seit dem Jahre 1980 war General Mariä ArmeekommandaM in Agram. Genosse Dr. Czech 65 Jahre Heute vollendet der Vorsitzende der deutschen Sozialdemokratie und Minister für öffentliche Arbeiten Genosse Dr. Ludwig Czech sein 65. Lebensjahr. Der Bedeutung des Genosse» Dr. Czech für die sudeteudeutsche Arbeiterbewegung und die deutsche Politik in der Tschechoslowakei würde es entsprechen, bei diesem Anlatz eine ausführliche Würdigung der Persönlichkeit und des Wirkens des nun Fünfundsechzigjähri- gen zu geben. Genosse Dr. Czech freilich wünsckft nicht einmal, daß wir an das heutige Datum er- innern— aber das können wir beim besten Willen nicht tun. Es ist uns und der gesamten Partei ein Bedürfnis, dem Genossen Dr. Czech zu sagen, wie sehr wir ihn lieben und verehren und wie sehr wir seinen politischen Verstand, seine ungeheuere Arbeitskraft und sein tiefes Empfinden für die sozial bedrückten Menschen schätzen. Unter den schwierigsten Verhältnissen hat Czech nach Seligers Tode die Führung der Partei übernommen und sie durch alle Fährnisse und Klippen, durch all die schweren Stürme der letzten anderthalb Jahrzehnte geführt. Die feste Linie seiner Politik, die energische Vertretung der Ar- beiterinteressen, die' Zusammenarbeit mit der tschechischen Sozialdemokratie, die unbeirrbare Rechtschaffenheft, sein Idealismus, seine Gründlichkeit, sein Fleiß haben ihm die grötzte Achtung weit über die Grenzen unserer Partei einge- brachk Und so Hais e ist 6 P e r s o n d a 8 A n^ sehen und das Gewicht uns e r er Partei g e in ehrt. Von unserem Genossen Czech gilt voll das Dichterwort, daß der Mensch mit seinen höheren Zwecken wächst. Hat Czech schon im alten Oesterreich eine bedeutsame Stellung in der Partei eingenommen, so ist seine politische Bedeutung fest 1918 von Jahr zu Jahr gewachsen, seine Führepeigenschaften konnte er insbesondere seit 1920 voll entfalten. Seine politische Bedeutung beruht darin, daß unter seiner Führung die deutsche Sozialdemokratie der Tsche- choslowakei— während die sozialdemokratischen Parteien Deutschlands und OesteMcichs zur Illegalität verurteilt sind— die Front dieser demokratischen Insel in Miüelcuropa stärkt und hält und datz er der erste deutsche sozialdemokratische Minister dieser Landes geworden ist und in diesem Ainte mehr als ein halbes Jahrzehnt fruchtbarste Arbeit geleistet hat, die ihm das deutsche Prolc- tariat der Tschechoslowakei— und wohl auck die tschechische Arbeiterschaft— niemals vergessen werden. Czech hat die politische Taktik geschaffen, mft der wir deutschen Sozialdemokraten hier vorgehen nmssen, wenn wir das Gut, das uns anvertraut ist, wahren wollen. Vor allein um der deutschen Arbeiterklasse dieses Landes willen haben wir den Wunsch, der Vorsitzende unserer Partei inöge in unverminderter Arbeitskraft wefter am Steuer des Schiffes stehen, das noch eine schwierige Fahrt vor sich hat. Die feste Hand unseres Steuermannes, des Genossen Dr. Czech, ist uns eine Gewähr dafür, daß wir durch all die Stürme und Wetter hindurchgelangen und unser Ziel er- reichen werden, dem der Idealismus und das Sehnen giü, das in gleicher Weise in Gen. Dr. Czech wie in allen unseren Vertrauensmännern lebt und wefter leben wird. Die Neueinstellungen im Finanzdienst. Im letzten Ministerrat wurde bekanntlich beschlossen^ Neuaufnahmen in den Finanzdienst vorzunehmen. Nach Meldungen tschechischer Blätter sollen etwa 2000 Bewerber neu ausgenommen werden, davon 740 für den Dienst-in der Grenzfinanzwache; 75 Prozent dieser letzteren Stellen werden längerdienenden Unteroffizieren Vorbehalten sein. Ein Drittel sämtlicher Stellen soll über Beschluß des Ministerrates slowakischen Bewerbern Vorbehalten bleiben. Die Ausschreibung der freien Stellen soll bis 15. März durch die Landesfinanzdirekttonen erfolgen. Slowaken in die Zentralämter. Mit Zustimmung der Regierung wurden dem Dienst im Justizministerium zwei slowakische Bea zirksrichter zugeteilt. Seite 4 Donnerstag, 14. Feber 1938 m,. ns . tl jc Tagcsneulgkciten Fett-Keffel explodiert Sech» Arbeiter verletzt M ä h r i s ch- O st r a u. In der Fettver- arbeitnngsabteilung des Mährischen Verbandes für den Handel mit Vieh und Fleisch in Mährisch- Ostrau explodierte heute nachmittag eine Pfanne, in der Fett ausgekocht wurde. Das Fett spritzte in dem ganzen Raume herum, in dem sich sechs Arbeiter befanden. Alle wurden von dem kochenden Fett bespritzt und erlitten ernste Verbrennungen. Der Arbeiter LadiSlav Glos, wurde überdies von dem oberen Teile der explodierenden Pfanne getroffen und lebensgefährlich verletzt. Die Explosion der Pfanne war so heftig, daß einerseits durch das Gewicht des oberen Pfannenteilrs, der über zwei Meterzentner schwer ist, und andererseits durch den Ueberdruik des Dampfes das Dach des ebenerdigen Gebäudes um 10 Zentimeter gehoben wurde. Durch die Explosion wurden auch zwei Türen gesprengt. An Ort und Stelle fand sich eine amtliche Kommission der Polizeidirektion und des Gewrrbeinspektorates ein, die gewisse Mängel der Pfanne feststelltc, welche noch näher untersucht werden. Mexikos Kampf geyen den Klerikalismus Mexiko City. Der Präsident der Republik erließ ein Dekret, durch das alle Postämter in ganz Mexiko ermächtigt werden, alle Postsendun- g.e n z u b e s ch l a g n a h m e n, die verdächtig sind, Propagandamaterial zu enthalten, das geeignet ist, Kirchenstreitigkeiten hervorzurufen. In der Begründung zu diesem Dekret heißt es, daß die Regierung mit allen Mitteln bemüht ist, den Fanatismus und die religiösen Vorurteile zu bekämpfen, denn ihre Absicht sei, die geistige Befreiung zu einem Abschluß zu bringen. Schlacht bei Montez La Paz. Der Oberbefehlshaber der bolivianischen Armee, General Enrico Penaranda, meldet, daß der heftige Angriff der paraguayanischen Truppen auf die bolivianische Front im Gran Chaco vor der Stadt Montez auf der ganzen Linie zurückgeschlagen wurde. Die paraguayanischen Truppen erlitten einen Verlüst von 500Toten und 800 Verwundeten, die Verluste der Bolivianer sind demgegenüber klein. Die gesamte neunte paraguayanische Division hat den Rückzug angetreten. Zwei griechische Bauern von Wölfen zerriffen Athen. Aus Mazedonien, Thrazien und Thessalien werden große Schneefä.lle gemeldet. Viele Gebirgsdörfer sind durch den meterhohen Schnee abgeschlossen worden. Umherstreifende Wolfsrudeln haben in mehreren Fällen Menschen angegriffen. Bei Zirnowo wurden zwei Bauern von Wölfen zerrissen. * Lawinentod in den Alpen Bozen.(Tsch. P. B.) Der 60jährige Dr. Hermann Winmsch aus Kirschaborn in Deutschland und seine Frau wurden bei St. Christina im' Grödnertal von einer Lawine verschüttet. Von den Begleitern konnte die Frau unverletzt geborgen werden. Dr. Windssch, der erst eine Stunde später gefunden werden konnte, war bereits tot. ... als er morde« wollte... Aus der mittelalterlichen Geschichte Deutschlands berichten die Chroniken von einem erschütternden Fall von Reue und Selbsterkenntnis, die sich bei einem Meineidigen einstellten, als er sinnfällig und furchtbar an seinen Eidbruch erinnert wurde. Einer der Gegenkönige gegen Heinrich IV. war es, dem in der Schlacht die rechte Hand abgehauen wurde. Er soll sie mit der heilen linken aufgehoben, die blutende Freund und Feind gezeigt und gerufen hohen, die sei dieselbe Hand, mit der er seinem König Treue geschworen habe; nun ereile, ihn, weil er die Treue gebrochen habe, die verdiente Strase. So wie ihm werde es allen Eidbrechern ergehen. Bei der Geradheit und Ursprünglichkeit mittelalterlichen Denkens, die so oft durch spontane und laute Reuekundgebungen charakterisiert wurde, ist solche Einkehr wohl glaubhaft. Bei modernen Christen wird man sie kaum antreffen. Die heucheln auch noch, wenn der Fluch ihrer Tateu sich nur zu deutlich erweist, und keiner von ihnen hat an der Bahre Döllfuß' ausgesprochen, daß der für die Febermorde Verantwortliche Staatsmann vor allem deshalb sterben mußte, well er mll der Härte gegen die Denwkratcn den braunen Mord hoch- gezüchtet, well er durch die Duldung des Schinders und Henkers Fey den Putschisten des 25. Juli den Weg in das Palais am Ballhausplatz gebahnt hatte. Verstünden sie die Zeichen der Zell, auch dieses würde ihnen zu denken geben: bei der Demonstration in Ottakring wurden einem P o- lizei-JwsPektor, alser— laut Polizei- bericht—.gerade von seiner Waffe Riesenlustschiff»Mae»«" im Sturm gescheitert 81 von 83 Mann gerettet San Francisco. Das amerikanische Riesenluftschiff„Macon" ist auf einer Fahrt nach der kalifornischen Küste verunglückt. DaS Luftschiff sandte SOS-Rufe aus und ging dann auf der Höhe von Point Sur auf die See nieder. Laut amtlicher' Feststellung betrug die gesamte Besatzung des Luftschiffes 83 Mann. 81 wurden von den Kreuzern„Richmond" und „Concord" und Cincinnati" an Bord genommen. Bon den Geretteten ist niemand ernstlicher verletzt worden. Unter ihnen befand sich auch der Kommandant der„Macon", W i l e y. Dieser Offizier hat bereits eine Katastrophe eines lenkbaren Luftschiffes» nämlich der„Acron", überlebt» die im Jahre 1933 vernichtet wurde.„Acron" und„Macon" waren Schwesterschiffe. Die rasche Bergung der Mannschaft wurde durch den Umstand erleichtert» daß sich eine größere Anzahl amerikanischer Kriegsschiffe in der Nähe befand. Das Luftschiff„Macon" war 253Meterla«g» sein Aktionsradius betrug 9500 Kilometer. 3m Sturm auseinandergebrochen Washington. Der Kommandant des Luftschiffes„Macon" weidet in seinem Bericht an das Marinekommando, daß sich das Luftschiff infolge einer Störung, welche aus bisher unbekannter Ursache im rückwärtigen Teil eintrat, plötzlich senkte und der rückwärtige Teilsich vollkommen loslöste. Der Kommandant Wiley versuchte, in der Nähe der Kriegsflotte, die in der Umgebung von Point Sur kreuzte, niederzuqehen, doch verwehrte dichter Regen die Sicht auf die Meeresoberfläche. Als das Luftschiff endlich auf die See niederging, hatte die Besatzung noch hinreichend Zeit, in den Gummi- Rettungsbooten des Luftschiffes Platz zu nehmen. Darauf ging das Luftschiff unter. In Sachverständigenkreisen neigt man der Ansicht zu, daß derschwereSturm das Riesenluftschiff zum Scheitern brachte. Man hofft, daß eine eingehende Untersuchung genaue Aufklä- rung bringen wird. Nach einem Funkspruch des-Kapitäns der „Macon", Wiley, erfolgte der Absturz, nachdem das Hinterschiff auseinandergebrochen war. Nach einem anderen Bericht ist die„Macon" aus etwa 600 Meter Höhe 13 Meilen südöstlich von Point Sur aufs Meer gestürzt und anscheinend auf eine Felsenklippe aufgeschlagen. Gebrauch machen", also töten wollte, der rechte Arm und zwei Finger durchschossen. Wir wissen nicht-, wer drei ser> Polizei-Offizier ist, ob er zu denen gehört, die am 15. Juli 1927, die in den Febertagen 1934 gemordet haben, ob er einer derer ist, die besudelt sind mll dem Blut von Frauen und Kindern. Aber er gehörte zu der Zunft, deren Un- taten immer wieder Schrecken in Wien verbreiten, und daß ihm die Kugel locker im Lauf saß, bestätigt ja die Meldung, daß er gerade habe losdrücken wollen. Vielleicht auf ein Kind wie so viele seiner Kollegen es getan haben? Vielleicht ist durch den Schuß des Revolutionärs, der Arm und Hand eines fascisfischen Söldners für immer zeichnete, ein unschuldiges Leben gerettet worden? Gerade Menschen, deren Weltbild rellgiös be- stimmt ist, solllen darüber nachdenken. Aber man könnte wetten, daß gerade sie es n i ch t tun, sondern höchstens bedauern werden, daß der Scherge nicht mehr zum Schuß kam, wie jener Polizist, der am 15, Juli 1927 einen fiinfjährigen Knaben von den Schultern des Vaters abschoß und dann konstatierte:„Ist eh net schad um eahm!" Der Präsident der Republik war, wie die „Pr. Presse" meldet, Mittwoch, den 13. d., zum erstenmal seit seiner Wiedergenesung in Prag. Ab nächster Woche will Präsident Masaryk angeblich jede Woche einen Tag in Prag verbringen und wie früher seine Amtsgeschäfte in der Hauptstadt erledigen. Schwarze Denunzianten. Die christlichsyziale Presse will sich in der Emigrantenhetze, von den übrigen deutsch-vürgerlichen Blättern den Rang nicht ablaufen lassen und erzählt Schauergeschichten, was es alles in Südmähren gibt und was die Emigranten dort treiben. Haben die katholischen Herrschaften wirklich keine änderest Sorgen,als gegen die Emigranten zu hetzen und sie zu denunzieren? Sehen sie darin eine Acußerüng besonders frommen Christentums? Der Saarland-Sozialismus lebt! Mit welchem Mut die S o z i a l i st e n an der Saar den Kampf fortsetzen, beweist eine Meldung aus Saarbrücken, die in der französischen Presse zu finden ist, danach kam es in einem Saarbrückener Lokal zwischen A n t i f a s c i st e n, die o f f e n ihre Abzeichen trugen und Nazis zu schweren Schlägereien, bei denen mehrere Personen verletzt wurden. Die Nazis wurden regelrecht aus dem Lokal geprügelt und mußten sich fluch- artig zurückziehen. Der Zwischenfall hat in Saarbrücken großes Aussehen erregt und manchem wieder den Kampfesmut zurückgegeben. Wieviel opferbereite Gesinnungstreue dazugehört, wenige , Wochen vor Hitlers offizieller Machtergreifung -den braunen Provokateuren derart entschlossen entgegenzutreten, braucht nicht näher dargelegt ' zu werden l Einer der beiden Vermißten» der Bord- f« n k e r, ist in dem Augenblick» als das Luftschiff auf die See nirderging» an/ einer Höhe von etwa 40 Metern über Bord gesprungen» während der zweite Vermißte sich noch an Bord befand, als das Luftschiff die Meeresoberfläche erreichte. Der Kommandant der längs der kalifornischen Küste kreuzenden Kriegsflottille telegraphierte» daß das Luftschiff in einer Tiefe von 80 Metern auf dem Meeresboden ruht. Der durch die Katastrophe verursachte Materialschaden wird auf 4.5 Millionen Dollar geschätzt. Schlechtes Material für den Ban des„Macon"'? Washington. Der Marineausschuß des Repräsentantenhauses hat einstimmig eine öffentliche Untersuchung der„Macon"-Katastrophe beschlossen» die sofort nach Beendigung der vom Marineamt eingeleiteten Untersuchung durchgeführt werden soll. Großes Aufsehen erregte in diesem Zusammenhang eine Meldung aus Hartford (Connecticut), wonach Karl Arnstein, der Chefingenieur der Goodyear Zeppelin Co. am Dienstag kurz vor dem„Macon"-Unglück gelegentlich einet Gerichtsverhandlung erllärt hat, daß die beim Bau der„Macon" verwendeten amerikanischen Rohstoffe nicht die von den deutschen Konstrukteuren im Jahre 1928 festgesetzte Güte gehabt hätten. Ueber die Rettungsarbeften auf der Grube „Lauweg". Die Waffergefahr auf der Grube „Lauweg" ist jetzt beendet. Die Bergungsarbeiten sind wegen der örtlichen Verhältnisse und wegen vorhandenen Gebirgsstörungen ungewöhnlich schwierig und gefährlich. Die mll den Bergungsarbeiten beschäftigten Bergleute müssen sich in halbstündigem Wechsel ablösen. Am Mittwoch abends wurden zweiweitereLeichen gefunden, so daß nunmehr von den sieben vermißten Bergarbeitern vier geborgen wurden. Bergarbeiter-Tod. Auf der Zeche„Sachsen" bei H a m m ereignete sich ein Gebirgsschlag, durch den die Stöße des Abbaues in Flöz 16 eingedrückt wurden. Hiebei wurde der Hauer Franz Paule von einem Kohlenstück am Kopf getroffen, so daß er mit einer tödlichen Schädelverletzung liegen blieb. Ein anderer Bergarbeiter erlitt einen rechten Unterschenkelbruch und muhte sofort dem Krankenhaus zugeführt werden. Die anderen Bergleute blieben unverletzt. Auflösung des Danziger Landtags. Die nationalsozialistische Fraktion des Danziger Volkstages hat beschlossen, einen Antrag auf Auflösung des Danziger Volkstages einzubringen. Die Abstimmung über den Antrag erfolgt am Donnerstag, dem 21. Feber. An der Annahme des Antrages besteht kein Zweifel, da die NSDAP im Danziger Volkstag über die absolute Mehrheit verfügt. Als Termin für die Neuwahl ist der 7. Aprll in Aussicht genommen. Bulgarische Kriegsverluste. Das Sofioter Blatt„Utro" bringt in diesem Zusammenhang eine Statistik der für Bulgarien unnütz geopferten Menschenleben. Seit den Befreiungskriegen im Jahre 1877/78 bis zum Weltkrieg hat das bulgarische Volk für die Verwirklichung nationaler Ideale rund 4 0 0.0 00 Menschenleben hingegeben, wSvon rund 130.000 auf Tote und der Rest auf größtenteils auch mit dem Tode abgegangene Verwundete entfällt. Das Blatt fügt hinzu, daß für jeden sechsten bis siebenten Bulgaren, der zu befreien war, ein bulgarischer Soldat gefallen ist upd auf je drei nichtbefreite Bulgaren ein Verwundeter entfalle. Eine schwere Bluttat ereignete sich am Mittwoch vormittags in L ü b b e n. Vermutlich in geistiger Umnachtung versuchte der 50 Jahre alte Otto Bresse seinen 31 Jahre alten Sohn und dessen Schwägerin, die dem jungen Ehemann wegen Erkrankung seiner Frau die Wirtschaft führte, mit einem Beil zu erschlagen. Das Fräulein wurde am Kopf und Brust-schwer verletzt und in bewußtlosem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Seinem Sohn brachte er schwere Verletzungen am Arm bei, so daß auch er Aufnahme im Krankenhaus finden mußte. Nach der Tat begab sich Bresse in sein Zimmer und verletzte sich dort mit einem Messer am Hals so schwer, daß er nach kurzer Zeit starb. Im» Konflikt Italien mit Abessinien Unter doppelter Mordanklage. Auf Antrag der Staatsamoaltschaft hat der Untersuchungsrichter beim Landgericht in Breslau gegen Herbert H o e l l wegen Verdachtes des Mordes und zugleich Slltlichkeitsverbrechens an den Geschwistern Otto und Erika Fehse die gerichtliche Voruntersuchung eröffnet. Zugleich ist wegen den bisher in Polizeihast befindlichen Hoell Haftbefehl vom Untersuchungsrichter erlassen worden. Der Mord an den Kindern wurde am 6. Juni 1926, einem Sonntage, begangen und hat in der Breslauer Bevölkerung großen Schrecken ausgelöst. Bei Hoell wurden in seiner Dachkammer umfangreiche stenographische Aufzeichnungen gefunden, in denen mehrmals der Vorname Erika vorkam. Ein Kinderverderbtr. Die Pilsener Polizei verhaftete den 50jährigen Arbeiter Anton V a si a aus Pilsen wegen unerlaubter Beziehung gen zu minderjährigen Mädchen. Vasia wurde in die Gerichtshaft eingeliefert. Die Cousine ermordet. Dienstag abends stattete die Hausgehilfin Anna Kinzl, aus K a p l i tz in Böhmen gebürtig, ihrem Onkel, dem pensionierten Bergmann Kainbacher in St. Lorenz (Steiermark) einen Besuch ab. Beim Weggang wurde sie von dem 22jährigen Rudolf Kain- b a ch e r, ihrem Vetter, angefallen und durch einen Herzschuß niedergestreckt und getötet. Der Mörder brachte sich dann Schnittwunden an der Kehle bei und wurde in hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus geschafft. Die Veranlassung zu dieser Tat konnte bisher nichts festgestellt werden. Petroleum aus Kohle.„Daily Herald" berichtet, daß in Billingham am Tees-Fluß eine Fabrik für Gewinnung von Petroleum aus britischer Kohle fertiggestellt worden sei, die Mitte des Souimers den Betrieb aufnehmen und imstande sein soll, 135 M i I- lionen Liter im Jahre zu erzeugen. In einer Feuerwerkstätte in M a r d o ute bei Cherbourg, wo zwanzig Arbeiter beschäftigt waren, entstand eine Explosion, wobei ein Arbeiter getötet wurde; die übrigen konnten sich retten. Flohr in Moskau. Der tschechoflowakische Schachmeister Flohr spielte Dienstag im Pressehause in Moskau auf 50 Brettern simultan. Die Vorführung dauerte 12 Stunden und 50 Minuten. Gegen Flohr spielten die besten Moskauer Amateur-Schachspieler. Flohr gewann 12 Parsten, 20 verlor er und 18 remisierte er. Mißlungenes Experiment. Aus Rio de Janeiro wird gemeldet: Rach mehrfachen Fehlschlägen gab der ftanzösische Gelehrte Georges C l a u d e. endgültig seine Experimente auf, a u S dem Ozean Wärmeenergie zu' gewinnen» Es erwies sich technisch als unmöglich, eine hinreichend stefe Immersion der Saugrohre ins tropisch« Meer durchzuführen. Wahrscheinliches Wester Donnerstag. Vorwiegend bewöllt, unbeständig, zeitweise Niederschläge. In den Niederungen der böhmischen Länder und der Westslowakei Tauwetter, auf den Bergen leichter Frost, frischer Westwind. Im Osten forstchreitende Froftmilderung.— Wetteraussichten für Freitag: Fortdauer der sehr unbeständigen Witterung», Später Abkühlung von Nordwesten her nicht ausgeschlossen. Vom Rundfunk iMHaMuiwartai au*«an Programmen> Freitag: Prag, Sender£.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 11: Schallplatten, 13.45: Leichte Musik, 16.45: tschech. Sprachkurs für deussche Hörer, 17: Konzert des Prager Quart.tt', 18.20: Deussche Sendung: Bericht von den Fis-Wettkämpfen, 18.45: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten. 18.55: Deutsche Presse, 10.10: Jugoslawische Lieder, 21.05: Konzert für Violoncello und Klavier, 21.30: Orchesterkonzert, 22.15: Schneeberichte. 2SK35: Russische Nachrichten. Sender S.: 14.35: Konzert des Kammer-Duos, 15: Deussche Sendung: für die Frau. — Brünn 13.50: Orchestermusik, 15.55: Orchesterkonzert, 18: Nachrichten für Skifahrer, 18.20: Deussche Sendung: Dr. Moucha: Die öffentlich« nicht schulmäßig« BildungSpfleg« in den europäischen Staaten, 19.30: Kobold in der.Flasche, Hörspiel.—• Mährisch-Ostrau 18: Deutsch« Sendung: Presser liest aus seinen Werken: Palästina von heute.— Preßbnrg 19.10: Unterhaltungsmusik.• 9tr. 38 DonnerSta-, 14. Fever 1935 Sette 5 Jarrrös«nd Deutschland Bon Hermann Wendel Daß die überragende Gestalt eines Jean Iaures von Jahr zu Jahr mit Zunahme des zeitlichen Abstandes wächst, beweist auch die Tatsache eines Buches, wie es Maurice Lair soeben unter dem Titel»Jaurös et I'Allemaqne"(Jau- räs und Deutschland) im Verlag der Librairie Acadtmique Perrin, Paris, herauSgibt: obwohl der Gegenwart genug Fragen auf den Nägeln brennen, sieht sie sich immer wieder zur Auseinandersetzung mit den Ideen, der Politik, der Haltung des großen Sozialistenführers gezwungen. Das Wert Lairs kehrt sich gegen I a u r e s, aber eine Schmähschrift ist es nicht. Mit Achtung, ja, mit einer Art Ehrfurcht naht es dem Tribunen, da es ihn als großen und guten Franzosen faßt, der von heißer Liebe zu seiner Heimat erfüllt gewesen sei und zugleich als.reinen Lateiner, offenen Geist und für die Menschheit eingenommenes Herz". Die Tragik I a u r i S’ wird darin gefunden, daß er, namentlich unter dem Einfluß einer Klique— der Pfeil fliegt gegen Lucien Herr— aus der lateinischen Klarheit in die germanischen Nebel getappt und einem wahren.Deutschland-Kult" verfallen sei, daß er derart der deutschen Sozialdemokratie blindlings vertraut und eine verfehlte Außenpolitik betrieben habe. Aber bereitwillig räumt Lair ein, daß dieser Irrtum dem glühenden Idealismus einer großen und lauteren Seele entsprang. Obwohl Lair sicher I a u r i§ und bis zu einem gewißen Grade auch Deutschland gut kennt, lahmt seine Beweisführung nicht nur auf einem Bein. Manches Falsche steckt darin und, was fast schlimmer ist, vieles Halbwahre. Ein so reicher und empfänglicher Geist wie I a u r i S sperrte sich gegen die Kultur des Nachbarvolkes nicht in dem Maße ab wie viele seiner Landsleute; weder die deutsche Musik noch die deutsche Malerei, noch die deutsche Literatur blieb ihm ein Buch mit sieben Siegeln, und vor Goethe neigte er sich als vor einer geistigen Großmacht. Aber daß er deshalb das andere, das Kommiß- und Kasernen- Deutschland geschätzt hätte, ist das Gegenteil der Wahrheit. Vielmehr kannte er den Unterschied zwischen Weimar und Potsdam nur zu genau und machte nie ein Hehl daraus, daß ihm das Deutschland Wilhelms H. und der Junker, des Halbabsolutismus und der Arbeiter-Entrechtung als ein barbarisches Ueberbleibsel in Europa erschien. Auch wird seine auswärtige Politik ohne jede.deutsche Hypnose" verständlich. Stand sie überhaupt unter einer Hypnose, so unter der, den Frieden um jeden Preis zu erhalten; war er nicht ein Seher, wenn er unter de» Gefahren, die«in europäischer Krieg nach sich ziehe, aufzählte.Krisen der Gegenrevolution, einer toll- wütigen Reaktion, eines wilden Nationalismus, einer erstickenden Diktatur Und eines ungeheuren Militarismus"? Und seine Friedenspolitik betrieb er nicht als Liebhaber Deutschlands, sondern- im Interesse seines Landes und Europas, der Arbeiterklasse und der Menschheit, alsSozialist nach dem demokratischen Grundsatz, daß jeder zunächst vor der eigenen Tür kehren solle. Selbst wenn er dabei zeitweise Wilhelm ll. und der Berliner Regierung kriegerische Absichten kaum zutraute, befand er sich in sehr guter Gesellschaft und griff nicht einmal ganz daneben. Vollends begM sich L a i r aufs Glatteis, wo er I a u r i S vorwirft, daß er das offizielle Deutschland und die deutsche Sozialdemokratie nie Über einen Kamm geschoren habe. Zweifellos sieht die Sozialdemokratie, wie sie vor 1914 war, heute in historischer Rückschau minder imposant aus als damals, und der vielleicht zutreffende Satz des Buches nennt sie.une administration plus qu'un darti",.mehr eine Verwaltungsmaschine als eine Partei". Aber hatte ihr der B e g r i f f D e m o- kratie wirklich einen.Beigeschmack von Anarchie", und zwar deshalb, weil»unterschiedslos allen germanischen Gehirnen Regierung des Volks durch das Volk eine unverständliche Formel" bedeutete? Setzte sie sich nicht bei jeder Gelegenheit, zuletzt während der VerfaffungSkrise 1908 und später während deS Weltkrieges, für die vollkommen« Demokratisierung und Parla- wentarisierung Deutschlands ein? Darüber hinaus beschuldigt Lair die Sozialdemokratie, zum mindesten durch zweideuttge Haltung, die I a u r ö S getäuscht habe, Schrittmacher einer militaristischen, kolonialchauvinistschen und imperialistischen Polittk gewesen zu sein; sie habe sich dem rückständigsten Junker näher gefühlt als dem sympathischesten Franzosen, in der unseligen Marokko-Affäre die Regierung vorangetrieben und sich mtt der Idee eines Erpansions- und Eroberungskrieges befreundet, falls er nur den Arbeitern höhere Löhne einbrächte. Solche Bezichtigungen erledigen sich durch ihre Absurdität von selbst. So wenig wie eine andere Partei der Internationale, so wenig wie der französische Sozialismus leugnete die Sozialdemokratie die Pflicht, das Land gegen einen Angriff zu verteidigen; auch verlangte sie beim friedlichen Wettbewerb auf dem Weltmarkt für Deutschland di« gleichen Rechte wie für andere Völker, aber jede Form kolonialer und imperialistischer Unterdrückung lehnte sie ebenso schroff ab wie RüstungS- wahn und Kriegshetze; ein paar Außenseiter, die auf diesem Felde zu Zugeständnissen an die bürgerliche Welt bereit waren, erfuhren, die S ch i p- P el, Calb er, Maurenbrecher, Hildebrand, unsanfte Abschüttelung. Demokratisierung deS öffentlichen Lebens, Ersatz des stehen- den Heeres durch eine Miliz, allgemeine Ab» Keine Einheitsfront in England Spaltung bei den Konservativen Der Führer der kleinen Gruppe der englischen„Unabhängigen" Maxton erklärte in einer Versammlung der Kommunisten, daß seine Ijerhandlungen mit der Labour-Party über eine Einheitsfront gegen die„nattonale" Regierung gescheitert seien. Auf die Frage, ob eine Fusion der Unabhängigen mit den Kommunisten bevorstehe, erwiderte Maxton, daß ein solcher Schritt noch nicht beraten worden sei. Inzwischen ist es bei den englischen Konservativen zur offenen Spaltung gekommen. Der rechte Flügel der Partei hat— unter Führung Winston Churchills und Lord Balfours — eine Erklärung gegen die von Baldwin vorgeschlagene indische Verfassungsreform veröffentlicht. Und Winston Churchills Sohn Ran- dolph hat bei der gesttigen Nachwahl in Wavertree gegen den offiziellen konservativen Kandidaten Platt als„unabhängiger Konservativer" kandidiert. Die Regierung bemüht sich, die immer schärfer werdenden Gegensätze durch eine besonders pomphafte Ausgestaltung des Regierungsjubiläums König Georgs V. im Mai dieses Jahres zu überstrahlen. Sckuscknlss als Vogel Strauß Der in denWiener Mittwochfrüh- Blättern veröffentlichte Bericht über die machtvoUen Arbeiterdemonstratio- n e n am 12. Feber ist von geradezu grotesker Lächerlichkeit. So heißt es in dem offiziösen Kommuniquee, das alle Blätter auf höhere Anweisung ohnejeden Kommentar veröffentlichen, wörtlich, daß in Ottakring, wo bekanntlich ein Demonsttant und ein Polizist erschossen wurden, insgesamt 15(in Worten fünfzehn!) Personen unter Borantragung einer fSestelttdas Ma IliscA-jSucft roten Fahne demonstriert hätten! In Wahrheit hatten sich in Ottakring viele hundert Personen zu einem Zug zusammengeschloffen. Ueber die vielen anderen Kundgebungen in fast allen Wiener Bezirken heißt es in dem Kommuniquee der Regierung in einem Satz:»Im übrigen haben sich in Wien aus Anlaß des Jahrestages der Februarrevolte, b e-m e r k e n swerfteZ to i j ch e n ♦ f äI l e nicht ereignet." An dieser amtlichen Verlautbarung kann man die Furcht der augenblicklichen Machthaber vor dem Kampswillen der sozialistischen Arbeiter ermessen! erst töten, dann beten... Wien.(Tsch. P. B.) Am 12. Feber wurde eine von Professor Dr. SostariL gestiftete und in der Dr. Lueger-Jubiläumskirche auf dem Zentralfriedhof in Wien aufgestellte„Versah- n u n g s k e r z e" zum Seelenheil aller im Feber und im Juli des Jahres 1934 Gefallenen angezündet. Am 13. Feber vormittags zelebrierte Kardinalerzbischof Dr. Jnnitzer in der rüftung und internattonale Schiedsgerichtsbarkeit — für diese Ziele ttat die Sozialdemokratie unentwegt ein, um dem Frieden zu dienen. Dafür wurden die.vaterlandslosen Gesellen" mü Schmähungen sonder Zahl überhäuft. Die gleichen Sozialdemokraten, die Lair als allzu eifrige Patrioten hinstellt, galten den herrschenden Schichten Deutschlands als hundsmiserable Patrioten; was Bülow 1906 sagte, sagten sie jederzett alle:»Die Sozialdemokratie oder vielmehr die deutsche Sozialdemokratie treibt keine nationale auswärtige Polittk, sondern sie ordnet die auswärtigen Interessen des Landes ihrem Parteiinteresse unter." Aber im Grunde ziehen Bülow und L a i r an ein und demselben Strick; stets liebten es die Reaftionäre, die Sozialisten des eigenen Lkrndes als unpatriottsch, die der anderen Länder als stramme Nationalisten auszuschreien. Ein übler Trick Lairs ist es auch, immer wieder zu betonen, die Opposition der- Sozialdemokratie habe sich auf Worte beschränkt, und trotz ihrer ablehnenden Haltung seien die Wehrvorlagen stets angenommen worden. Die Waffe des Parlamentariers ist nun einmal das Wort, und wie in aller Welt hätte die sozialdemokratische Minderheft hindern sollen, daß sich die Reichstagsmehrheit rüstungsbegeistert aursprach? Aber bleibt es ein Versuch am untauglichen Objekt, das Wollen der deutschen Sozialdemokratie zu verdächtigen, und Iaurös als.dupe", als von ihr Betrogenen zu bedauern, so steht eS anders mit ihrem Können. Auf dem Internationalen Kongreß zu Amsterdam hielt I a u r ö s den Deutschen zwar ihre politische Ohnmacht vor, aber später dachte er minder unbedingt und verstieg sich sogar im Mai 1914 zu der Prophezeiung:»Vier Millionen Sozialisten erhöben sich wie ein Mann in Deutschland, um den Kaiser zu richten, falls er den , Krieg entfesseln wollte.„Wie diegesamteJn- ! t e r n a t i o n a I e sich in Illusionen über die eigene Macht wiegte, so überschätzte sich auch die : deutsche Sozialdemokratie erheblich; Bebel 1906 Botivkirche ein Requiem, das nicht nur dem Gedenken an die Gefallenen der Exekutiv«, sondern aller Opfer der Feberunruhen gewidmet ist. „New Deal* In Jugoslawien Beograd.(A. P.) Die neue Regierung Iefr t i L hat eine sehr freundliche Presse. Das gilt vor allem für ihre wirtschaftlichen Maßnahmen. Dir Blätter heben hervor, daß das neue System eine wohltätige psychologische Wirkung gebracht habe. Es vergehe kaum ein Tag, an dem nicht irgendeine ministerielle Entscheidung bekannt würde, die der Wirtschaft entgegenkomme. Dabei handle es sich um Entschlüsse, die ebenso von Verständnis für die lebenswichtigen Bedürfnisse der schäftenden Stände zeugten wie von Verständnis für die wirklichen Interessen des Staates. Es mache den Eindruck, als ob täglich ein Tropfen Vertrauen in den dem Erstarren nahen' Organismus der Wirtschaft geträufelt würde. Es sind fast vier Jahre her, daß in einem der krittschesten Augenblick.« die mit der Stabilisierung des Dinars verknüpfte Devisenfreigabe die Grundlage für die Bankenkrise schuf. In den folgenden Jahren wurden Vertrauen und Kredit zerstört. Die neue Regierung will diesen Erscheinungen zu Leibe rücken. Die Kurse der Staatspapiere zeigen, wie die Oeffentlichkeit darauf reagiert. Man verspricht sich viel von den angekündigten neuen öffentlichen Arbeiten, besonders auf dem Gebiete des Straßenbaus. Er ist in diesem an Naturschönheften reichen und an Verkehrsmitteln armen Land außerordentlich bedeutungsvoll, und durch den Fremdenverkehr bringt er neud Mittel herein. Die hierfür notwendigen großen Mittel können nur durch Heranziehung des Staatskredits beschafft werden. Aehnliche Gesundungsmaßnah- men sind natürlich auch in der Privatwirtschaft nötigl Auch hier find bereits Maßnahmen getroffen worden, um die brachliegende Wirtschaft anzukurbeln. Warum der Exkronprinz Hitler besuchte lieber den Besuch deS Exkronprinzen bei Hitler in der vorigen Woche wollten Auslandsberichterstatter erfahren haben, der Grund dazu sei gewesen, eine Ausnahme von der Devisenausfuhrsperre zugunsten Wilhelms II. zu erbitten, der angeblich in Doorn ohne Geld sitze. Nun veröffentlicht der»DailyHerald" einen Amsterdamer Bericht, der sich ausdrücklich auf Informationen aus Doorn beruft. Danach waren die Söhne Wilhelms bei ihm als er am 27. Jänner seinen allerhöchsten Geburtstag feierte. Auf der Rückfahrt wurde daK Auto des Exkron- prMeLFN-^)ex deutschen Grenze ziemlich genau untersucht--und-sieh« da in den großen Koffern fand man tausende Exemplare des Weißbuches überden 30. Juni, sowie andere verbotene Wahrheften über das Dritte Reich. Seine Hoheit war ebenso verblüfft wie die Zöllner. Die Bücher und Broschüren mußten ohne sein Wissen in das vermeintlich kontrollsichere Auto chinein^ezaubert Ivorden sein. Zwar wurde Auftrag gegeben, die Sache geheimzuhalten, aber die Kunde von ihr nahm trotzdem ihren Lauf durch Hitleristan und erheiterte die Leute nicht wenig. So mußte man die Angelegenheit auch dem Ober» osaf melden, bevor er sie andersher erfahre. Deshalb, so sagt der Berichterstatter, war der Exkronprinz zu Hitler beschieden worden, der schließlich geruhte, die Sache als erledigt zu betrachten. in Mannheim:»Keine Pattei in Deutschland ist mächtiger als die Sozialdemokratie. Sie beherrscht nach innen wie nach außen unser öffentliche- Leben". Daß es sich dabei um eine tragische Selbsttäuschung handelte, offenbarte der Ausbruch des Weltkriegs. Ein größerer Skeptiker als Jauräs, Marcel S e m b a t, hatte in seinem bekannten Buch gegen die Behauptung, die deutschen Sozialisten würden sich einem Angriff W i l- Helms auf Frankreich widersetzen, eingewendet: «Aber wenn die deutschen Sozialisten ebenso wie wir selbst mehr guten Willen als Macht haben? Wenn sie den Angrift nicht hindern können? Oder wenn das, was uns ganz klar«in Angriff dünst, ihnen als A b w e h r erscheint? Die chauvinistische Presse ist verteufelt raffiniert, wen« es gilt, auf beiden Seiten der Grenze das Spiel zu verwirren. Wenn sie wähnen, überfallen zu sein, was dann?" Haargenau so kam cs, nur daß als Angreifer in erster Reihe nicht Frankreich erschien, forderndaszaristischeRutzland, das seit je und je als grimmer Unterdrücker jeder freiheitlichen Regung, jeder demokratischen Entwicklung den Haß aller Sozialisten auf sich konzentrierte, jener.russische Erbfeind", von dem selbst während des Sozialistengesetzes Grillenberger gesagt hatte, wenn er einbrächc, würde die Sozialdemokratie selbstverständlich die Mittel zu einem solchen Krieg bewilligen. Ueber diese»russische Hypnose" verliert Lair wohlweislich kaum ein Wörtchen, und doch erklärt sie für den August 1914 vieles, wenn nicht alles. Sicher läßt sich auch bei Würdigung der»russischen Hypnose" über die Haltung der deutschen Sozialdemokratie in Für und Wider streiten, aber ebenso sicher wurde diese Haltung nicht, wie Lair behauptet, durch die innerliche Zusttmmung zu einem auch der Arbeiterklasse Gewinn versprechenden Krieg bednqft. Daß in all dem wie in demAuseinanderbrechen der Internationale im Grunde mehrSchicksal al s S ch uld steckte, hätte niemand bereitwilliger zugegeben als ein so stng und gerecht abwägender Beutteiler menschlicher Dinge wie Jean Iaur« s. Volkswirtschaft and Sozialpolitik Deutschland bringt unsere Textil arbeiter ums Brot Es verhindert den tschechoflowastschen Garnrxport. Nachdem es erst kürzlich unter Schwierigkeiten gelungen ist, die Hindernisse der Kammgarn-' ausfuhr der Neudeker Werke nach Deutschlayd teilweise zu überwinden, droht unserem gesamten Garnexport nach dem Deut- schenReich eineneue, ernste Gefahr, Deutschland hat sich bei der Bewilligung der Garnausfuhr eine neue Praxis zurechtgelegt, die, wenn sie konsequent durchgeführt werden sollte, unseren Garnexport nach dem Deutschen Reich fast unmöglich machen würde. Die mit der Ueberwachung und Kontrolle der Einfuhr betrauten Stellen in Berlin erstärten vor einigen Tagen, daß für die nächsten Monate direkte Garnimporte in Deutschland nicht mehr vorgenommen werden können, weil der Clearingverkehr verswpft ist. Die einzige, Möglichkeit zu Garnexporten liegt in der Kompensation von Maschinenexporten gegen Garnexpotte« Firmen, die also Garne nach Deutschland ausführen wollen, müssen eine hiesige Firma suchen, die aus Deutschland Maschinen bezieht. Mit anderen Motten heißt das, daß die Tschechoslowakei, um Garne nach Deutschland auszuführen, ihre Maschineneinfuhr aus Deutschland erheblich steigern, also Maschinen kaufen müßte, für die wahrscheinlich bei uns gar kein Bedarf besteht. Eine wettere Erschwerung der Garnausfuhr liegt darin, daß der Wert der zusätzlich eingeführten Maschinen um 30 Prozent den Wett der auszuführenden Garne übersteigen muß. Für die Spinnereien und ihre Arbeiter ist diese Neuregelung geradezu eine Katastrophe. Hoffentlich gelingt es im Wege von Verhandlungen, diese Gefahr, die uns durch das Vorgehen der deutschen Außenhandelsstellen droht, noch rechtzeitig abzuwenden. Getreidemonopol in Rumänien? Bukarest. Die rumänische Regierung trägt sich mit der Absicht, den Getreidehandel zu monopolisieren. Wie das Blatt„A r g u s" meldet, würde eine besondere Organisation die gesamte Ernte zu dem festen Preis von 30.000 Lei Pro Waggon aufiaufen. Von ihrer ursprünglichen Absicht, den Verkauf von Petroleum, Zucker und Kaffee zu monopolisieren, habe die Regierung Abstand genommen. Die unterirdische Goldstadt dcm Stande vom Jänner 1935. Danach beläuft sich die Zahl der Prager Wähler auf 563.272, wovon 308.880 Frauen und 254.392 Männe: sind.(Das sind also Personen, die das 21. Le- LerKjahr erreicht haben.) Ueber 24 Jahre alt». * Wähler gibt es 534.245, davon 291.616 Frauen und 242.629 Männer.. Wähler, die das 26 Lebensjahr erreicht haben, gibt es 503.982, davon 274.837 Frauen und 229.145 Männer. Auf die einzelnen Stadtteile verteilen sich die mehr als 21 Jahre zählenden Wähler wie folgt: Prag I(Altstadt) und Prag V(Josefstadt): 18.974, Prag II(Neustadt) und VI(Vyse- hrad): 43.711, Prag III(Kleinseite) und Prag IV(Hradschin): 15.335, Prag VI,I(Ho- lcöovice): 39.255, Prag VIII(Liben): 38.331, Prag IX(VysoLany): 18.565, Prag X(Karlin): 14.245, Prag XI(Zizkov): 64.747, Prag XII(Weinberge): 60.956, Prag XIII (Vrsovice): 51.671, Prag XIV(Nusle): 55.633, Prag XV(Branik): 14.641, Prag XVI(Smichov): 46.638, Prag XVII(Kosire): 15.759, Prag XVIII(Brevnov): 21.492, Prag XIX(Dejvic-Bubenek): 43.319. Gerlchtssaal Ehemaliger Polizeikommandant auf der Anklagebank Prager Polizeipräsid«t als Kronz«ge Prag. Der Angeklagte in diesem sonderbaren Prozeß, der Dienstag vor dem Strafsenat Waldmann verhandelt wurde, war seinerzeit Kommandant der uniformierten Prager Polizeimannschaft, der Hauptzeuge war kein geringerer als der Prager Polizeipräsident D o l e j s in eigener Person und eine weitere Hauptfigur der Sache ist der Polizei- mspektor D r a st a. Es wär em Prozeß wegen des Verbrechens der fälschlichen Bezichtigung. Der Angeklagte Josef Z a j i c e k, der es im Krieg zum Rang eines Obersten, der russischen Legionen gebracht hat und nach seiner Heimkehr das Amt eines Prager Polizeikommandanten innehatte, gründete nach seiner Pensionierung eine Detektivkanzlei, zu deren Klientinnen auch" eine gewisse Frau P. gehörte, die gern gutes Material für,einen Scheidungsprozeß gegen ihren Gatten gehabt hätte • und mit dessen Beobachtung die Detektivkanzlei des Herrn ZajiLek betraute. Aber die Sache wollte nicht recht Vorwärtsgehen und die darob erbitterte scheidungssüchtige Dame ließ Aeußerungen fallen, daß ihr Herr Gemahl sich trefflich darauf verstehe, unbequeme Leute sich durch einen klingend« Händedruck geneigt zu machen. Mit anderen Worten, daß er ein Meister auf dem Gebiet der Bestechung und Korruption sei. Kurz vorher hatte die Prager Polizei einen Gehilfen des Herrn ZajiLek vor Gericht gebracht, der beschuldigt wurde, sich fälschlich den Charakter eines Polizeibeamten angemaßt zu haben. Freilich wurde der Beschuldigte vom Gericht freige- sprochen. Aber die Verdächtigungen der Frau P. wirkten nach und so kam Herr ZajiLek zu der Meinung, daß der Polizeiinspektor Drästa, der in jener Sache zu tun gehabt hatte, den Korruptionskünsten des beobachteten Herrn P. erlegen sei und die Gerichtsverhandlung gegen den Gehilfen des Detektivs nur den Zweck hatte, die gegen Herrn P. gerichteten Nachforschungen zu durchkreuzen. In diesem Sinn äußerte sich der ehemalige Polizeikommandant gelegentlich eines Privatbesuches bei dem Polizeipräsidenten Dolejs diesem gegenüber. Polizeipräsident Dolejs nahm diese privaten Mitteilungen aber keineswegs auf die leichte Achsel, sondern zog die Konsequenzen. Zunächst wurde der Inspektor D r ä st a in scharfe Disziplinaruntersu- chung genommen, die die U n s ch u l d des beschuldigten Polizeiorgans ergab. Die weitere Folge des fatalen Privatgespräches mit dem PolizeipräsiVen- BezugSbedingungen: Bei Zustellung ins Haris oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—. vietteljährig XL 48.—, halbjährig XC 96.—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. Ill.öooc.'11/1930 bewilligt— Druckerei:„Orbis". Druck-. Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag. Kunst und Wissen Herr Kleiber, keineswegs willkommen! Gestern dirigierte im Prager Deuk- schenTheater als Gast Herr Erich Kleiber, eingeladen von Herrn Direktor Dr. Eger. Herr Kleiber war bis vor wenigen Wochen, einer der offiziell st en Staat sm usici Hitlerdeutschlands, preußischer„Ge- neralmusikdireüor"(als welchen, ihn die Prager Theaterkanzlei auch noch annoncierte). Vor ganz kurzer Zeit, hat Kleiber noch nationalsozialistische Festvorstellungen in Anwesenheit Hitlers und Görings dirigiert. Im Zusammenhang mit dem Fall Furtwängler kam es zu Differenzen auch mit Kleiber, der dann, wie es heißt,„auf eigenen Wunsch" seine Stellung an der Berliner Staatsoper aufgab und um der„Freiheit der Kunst" willen Deutsche land verließ. Uns ist bekannt, daß H. Kleiber lange vor dem nationalsozialistischen Umsturz im Reich sich den Hakenkreuzlern anschlotz und größten Wert darauf legte, daß seine Zugehörigkeit zur nationalsozialistischen Partei allgemein bekannt wurde. Und jetzt» nach dem im Künstlerisch en wurzelnden Konflikt, hat er mit keinem Wort erklärt, daß er aufgehört habe, Nationalsozialist zu sein oder daß er gar die furchbaren Methoden Hitler- deutschlands verurteile. Unseres Erachtens war daher die Einladung des eingefleischten Nationalsozialisten, der eben noch einer der Hauptrepräsentanten der braunen Kunst war, ein Fehltritt des Prager Deutschen Theaters. Daß Herr Kleiber, der fünfundzwanzig Jahre lang an diesem Theater nicht dirigiert hat, jetzt Wert darauf legt, so rasch wie möglich mit ihm in Verbindung zu kommen, ist immerhin zu verstehen, wenn wir auch eine andere Vorstellung von geschmackvoller Reserve haben; aber für das Prager deutsche Theater lag nicht der geringste Anlaß vor, den Nazi-Dirigenten sofort gewissermaßen mit offenen Armen aufzunehmen. Aus diesem Grunde haben wir das Gastspiel Kleibers weder angezeigt noch besucht und wir stellen all dies erst heute, nach dem Gastspiel fest, weil wir vermeiden mußten, daß man uns vielleicht die Schuld für einen etwa nicht befriedigenden Besuch dieser Vorstellung hotte geben können. Um so offener aber wollen wir jetzt aussprechen, daß wir. mit der Haltung, die das Prager Deutsche Theater im Falle Per Film Wolkenstürmer Möglicherweise ist.dieser erste amerikanische G r o ß fi lm,' der die endlich geöffnete Ein- ftchrschranke passiert hat, ein Propagandafilm für die amerikanische Kriegs-Marine, deren Zukunft nicht auf dem Wasser, sondern in der Lust liegt(wohin die bombenbehängten Aeroplane vom Startplatz an Bord des Mutterschifies steigen). Aber wenn es ein Propagandafilm ist,— wie anders ist er gemacht, als man es von den Europäern gewöhnt ist! Da sind nicht alle Matrosen Kavaliere, da ist nicht jedes Manöver ein Festtag, da werden die Mühseligkeiten und GeSport• Spiel» Körperpflege Beginn der Fis-Wettkämpfe Die Fis-Wettkämpfe in der Hohen Tatra wurden am Mittwoch mit dem Stafettenlauf über 4 X10 Kilometer in Tatta-Lomnitz eröffnet Es liefe« zwölf Staffeln aus elf Staaten. Als Sieger kam die finnische Manns'ast durchs Ziel, die eine Zeit von 2:42:30 Std. benötigte. 2. Norwegen 2:43:17, 3. Schweden 2:46:53, 4. Deutschland 2:50:34, 5. Tschechoslowakei(Svaz) 2:54:29, 6. Tschechoslowakei(HDW) 2:57:47, 7. Polen 8:00:26, 8, Oesterreich 3:01:06, 9. Jugoslawien 3:10:40, 10, Rumänien 3:15:00, 11. Litauen 3:16:49, 1?« Ungarn 3:23:14. Italien hat feine Meldung im letzt« Moment zurückgezogen und begründet es damit, daß während der Fis-Tage gerade die italienischen Winterspott- Meisterschaften ausgtttage« werden. Das scheiist wohl ülcht der richtige Grund der Absage zu seich Die Wettkämpfe dauern bis 18. Feber und jeder Tage weist nur einen, höchsten aber zwei Wettkämpf« aus. Dafür find die geselligen Veranstaltungen e« mass«. Und wenn wir feststellen, daß die kchrger- liche Sportbewegung sehr großzügig ist in der Repräsentanz, das Geld fast keine Rolle spielt, so ist zu verstehen, warum solche„internattonale" Veranstaltungen in die Länge gezogen werden/ Vergnügungssucht und Zurschaustellung von Sportmatadoren— nichts weiter sind bürgerliche Veranstaltungen dieser Art. Aber auch sehr unpassend«r der herrschend« schweren Krisenzeit Ans der Partei Bezirksorganisatton Prag. Am Donnerstag, de« 14. Feber, 8 Uhr abends, im Patteiheim. Wichtige Tagesordnung. R. W. Tatra-Fahtt. Zu der Fahrt in die Taira werden noch zwei bis drei Genossen angenommen. Abfahrt Freitag, den 22..- Sonntag, den 3. März. Kosten zirka 380 XL. Anmeldungen sofort nossen Schönfelder. SPD.-Emigrant« Prag: Freitag, Feber, Persammlung im Patteiheim Literatur Dr. Evzen Stern: Kam spSje SSSRT(Wohin treibt SSSR?) Prag 1935(Verlag„Svaz närod« niho osvobozeni). Das Büchlein des Generalsekretärs der Zentralsozialversicherungsanstalt Genossen Dr. Stern will nichts mehr sein als eine systematische Ordnung der Eindrücke, welche«in kurzer Aufenthalt in der Sowjetunion vermittelt. In vier Kapiteln versucht der Autor einen allgemeinen Ueber- blick über das sowjetrussische Leben, über Wirtschaft, soziale Verhältnisse, Kultur, politische Zustände z« geben, wobei das, was Stern gesehen und was ma« ihm gezeigt hat, vorherrscht. Dadurch kommt dec kritische Standpunkt, den man gewinnt, w«n ma« die Literatur über die Sowjetunion heranzieht, I etwas zu kurz, aber es scheint in der Absicht des I Autors nur gewesen zu sein, den Eindruck, den Ster«