IE N T KALO R GAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii„ fochova a. telefon sxrr. Administration TELEFON sw«. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. EtatWs 70 HoHor (einschließlich S Heller Perle) 15. Jahrgang Sonntag, 17. Feber 1935 Nr. 41 kngland unbelehrbar Sir Simon fährt nach Berlin? London.(Reuter.) An diplomatisch« Nellen in London wird jedwede Information darüber, ob der britische Außenminister sich nach Berlin begeben werde, verweigert. Neber das weitere Borgrhm, welches der deutschen Antwort folgen wird, werden zwischen der französischen und der britischen Regierung Ber Handlungen gepflogen werden, und es ist offm- sichtlich, daß die Frage eventueller englisch-deutscher Verhandlungen sich gleichfalls unter de« zu disku tierend« Angelegenheiten befinden wird. Seitens des britischen Kriegsministeriums wird der im allgemein« freundschaftliche Ton der deutschen Antwort hervorgehoben, aber Enttäuschung darüber geäußert, daß Hitler nicht ausführlicher' und detallierter auf j«en Teil der französisch-britischen Erklärung geantwortet hat, welcher die Sicherheitsabkommen und die Rüstungsverein- barnngen behandelt. Es ist möglich, daß Frankreich«nd England gemeinsam um eine n«e Aufklärung Deutschlands ersuchen werden. Paris für neue Verhandlungen mit London Parks. Der ungünstige Eindruck» den die deutsche Antwort im ersten Moment hervorgerufen hat, hat sich im Laufe des Samstag noch verstärkt. Die Politiker aller Schattierung« sowie die Presie von der Rechten bis zur Linken, insbesondere die großen Informationsblätter, sprechen durchwegs von einem„deutschenMa- n ö v e r" und drängen ans neue französisch-englische Beratungen und ein gemeinsame- Vorgehen der beid« Groß- machte. Rach einer Havasmcldung ist es wahrscheinlich, daß am Montag kommender Woche die französisch-britischen Verhandlungen im Wege der diplomatischen Vertretungen neuerlich beginnen werden. In das aktive Stadium werden sie jedoch erst nach der dienstägigenSitzung des französischen und der am Mittwoch stattfindenden Sitzung des britischen Ministerrates treten. Allgemein ist man der Ansicht, daß die Vcrhandluügen zwischen Paris und London dazu führen werden, daß ein neues Kommuniquee nach Berlin gesandt werden wird. Es scheint, daß die britische Regierung erst nach diesem Schritt mit Berlin separate Beratungen anfnehmen wird, wenn sie überhaupt auf die deutsche Anregung eingrht. Was die Presse dazu sagt Das Pariser„Journal" bezeichnet die deutsche Note als„brutale s, aber in seiner Art geschicktes Manöver" und saht die deutschen Forderungen folgendermaßen zusammen: Vor allem Gleichberechtigung in der Rüstung aller Art, keine gegenseitige Hilfe mit den Sowjets, Vorbehalt der freien Abstimmung für das Volk in Oesterreich, keine Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund, solange es nicht vollkommen Genugtuung in den Rüstungsangelegenheitcn erhält. Der Londoner„D ailyTelegraph" weist besonders darauf hin, daß sich die deutsche Antwort nur mit dem Luftpaktplan eingehend belasse. Das geplante Luftabkommen müsse aber in den Rahmen eines allgemeinen europäischen Sicherheitssystems eingespannt werden. Auf den Vorschlag zweiseitiger deutsch-englischer Verhandlungen werde die englische Regierung kaum antworten können, bevor* sie mit der französischen Regierung Rücksprache genommen hat. Die britische Regierung sei entschlossen, während der weiteren Verhandlungen durchaus in enger Zusammenarbeit mit P a r i s zu handeln. Dagegen tritt der anscheinend unbelehrbare Berliner Berichterstatter der„Time s" für deutsch-englische Verhandlungen in Berlin ein, die nach sorgfältiger Vorbereitung als eine Art Fortsetzung der in London begonnenen Verhand- lungsreihe betrachtet werden könnten. Sie würden angeblich eine„ausgleichendeGeste" sein. Korn sehr verärgert R o m. Die italienischen politischen Kreise wurden noch vor Veröffentlichung der deutschen Rote durch dir Verzögerungstaktik sehr verärgert, für die sich die deutsche Regierung entschlossen zu haben scheint, und diese Gefühle der italienischen Kreise wurden auch durch die Bekanntgabe des Wortlautes der deutsch« Antwortnote nicht zerstreut. „Wir leben und kommen wieder!“ Demonstrationen am Jahrestage der Hinrichtung weisls Wien.(Tsch. P.-B.) Freitag abends, am Jahrestage der Hinrichtung des bekannten Floridsdorfer Schutzbund-Führers Zug. Georg Weist, kam es i« einigen Wiener Bezirken zu Demonstrationen. Parlament am 5. März Besinn der FrUhjahrssession Prag. Der Präsident der Republik hat mittels Handschreiben vom 16. Feber die Herbsttagung der Nationalversammlung mit dem 19. Feber für beendet erklärt und gleichzeitig die beiden Kammern für de« 5. März zur ordentlichen Frühjahrstagung nach Prag einberufen. „Vaterländische Front“ an Haupt und Gliedern naziverseucht Wie«. Etwa vor vier Tag« wurde in ihrer Wohnung in der Stiftgasse in Wien die Beamtin und rechte Hand des Generalsekretärs derBaterländischenFront Annemarie von G i o r g i, Tochter eines pensionierten Generals, wegen des Verdachtes der Spionage zu Gunsten der Nationalsozialisten verhaftet. Gleichzeitig wurde auch der Referent für das Auslandsdeutschtum im Bundeskanzleramt, Bodirskh, Sohn eines ehemaligen Abgeord- vrten, in Haft genommen. Bodirsky wurde SamS- tag ans freien Fuß gesetzt, doch wird die Nnter- sachung gegen ihn fortgesetzt. Die erwähnte Beamtin verbleibt weiter in Haft...... •• t i Der Verein„In g e n d y e r fbL.pL>". als dessen Obmann der Privatbeamt« Wipp«! fungiert, hat gemeinsam mit der inzwischen wegen nationalsozialistischer Umtriebe eingestellten„Rundpost" für den 16. März d. I. eine „deutsche Fastnacht" in den Wiener Konzertsälen angekündigt. Die Abhaltung dieses Abends wurde von der Polizei aus Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit verboten, da der begründete Verdacht bestand, daß es sich um«in getarntes nationalsozialistisches Unternehmen handelt. 0er Wirtschaftsrat der Kleinen Entente der am IN. d. M. in Prag zu seiner vierten Tagung zusammentritt, wird sich auf handelspolitischem Gebiete mit den ausgearbeiteten Plänen des Warenaustausches beschäftigen, und tvird die Ergebnisse der Arbeiten auf anderen Gebieten des Wirtschaftslebens prüfen. Skoda-Lieferungen nach Rumänien vor dem Abschluß? Bukarest. Generaldirektor Fiala von den Skodawerken ist Samstag zur Fortführung der Verhandlungen mit der rumänischen Regierung in D u k a r e st eingetroffen. Er hat sich sofort mit dem Staatssekretär Jrimescu in Verbindung gesetzt^ welcher rumänischerseits die Verhandlungen führt. Die Verhandlungen werden nunmehr so o p t i m i st i s ch beurteilt, daß der endgültige Abschluß für die kommende Woche in Aussicht gestellt wird. Roosevelts Sozialgesetzgebung Washington. Präsident Roosevelt beabsichtigt, dem Kongreß eine Brrlängerung des Wirtschaftssystems der RJRA zu empfehlen. Wahrscheinlich wird er eine Brrlängerung um ein Jahr Vorschlägen, wobei das be- Ereffende Gesetz um weitere zwei Jahre verlängert werden könnte, w«n dies als wünschens- U>crt angesehen würde. Der Präsidmt beschloß, die gesetzgebenden Körperschaften um eine permanente Tagung zu ersuchen, damit sie einige grundlegende Fragen, wie die A u f h e v n n g der Kinderarbeit, das Recht derArbei- l e r zu kollektiven Verhandlungen mit den Arbeitgebern und bie Beibrhaltungder Minimalloh n st u f e erledig« können. Im 21. Bezirk wurden drei Blitzdemo n st rationen veranstaltet, an denen einige hundert Personen trilnahme». Zwei dieser Demonstrationen fanden statt, ohne daß die Polizei einzugrrifrn brauchte, di« Redner hielten kurze Ansprachen, in denen sie Weisls gedachten. Sodann gingen die Teilnehmer der Demonstrationen' auseinander. Bei einer dritten ähnlichen Versammlung schritt die Polizei ein»nd verhaftete 45 Personen. Im 12. Bezirk wurden zwei Person« festgenommen, als sie Flugblätter mit der Photographie Weisls verstreuten. Im 10. Bezirk nahm die Polizei eine Gruppe von Kommunisten fest, als sie an zwei Häufe« die Sowjetfahne hißten und Flugblätter umherwarfen. Sechs Person« wurden dabei festgenommen. Im 7. Bezirk an der Ecke der Burggaffe und Kaiserstraße wurde rin großes Transparent mft der Aufschrift„W ir lebe««nd kommen wieder" befestigt. Auch hier wurden Flugzettel mit dem Bild Weisls verstreut, ebenso verschiedene sozialdemokratische«nd kommunistische Pro- pagandaschriftrn und Abzeichen. Keiner der Täter konnte ergriff« werden. Mit Rücksicht ans die Demonstration« in den Wiener Arbeiterbczirken wurde für Samstag eine erhöhte P o l iz e ib e r e i t sch a f t angeordnet. Wichtige Tagung der belgischen Bruderpartei Brüssel. Da die belgische Regierung die von den Sozialisten für den 24. Feber geplanten Manifestationen verboten hat, beschloß der Vollzugsausschuß der sozialistischen Partei, für Sonntag den Getzeralrat der Partei einzuberufen und beauftragte Vandervelde, die Regierung in dieser Angelegenheit zu interpellieren. Die dentsdien Parteien und der Staat Der Kampf, den die tschechoslowakische De-' mokratie auf zwei Fronten, nach innen gegen die umstürzlerischen Tendenzen und Diktaturgclüstc des Fascismus, nach außen gegen den kräftigen Appetit des deutschen Imperialismus auf mehr- „Raum" in Mitteleuropa zu führen hat, wird immer wieder gehemmt durch die mangelnde Einsicht der tschechischen Oeffentlichkeit in die sozialen, wirtschaftlichen und politisch-geistigen Probleme des Grenzlandes und der dreieinhalb Millionen Deutschen, die— ein integrierender Bestandteil der Gesamtbevölkerung der Republik— zum größten Teil.in. den Randgebieten wohnen. In der jüngsten Zeit schien es, als sollte sich ein gewisser Wandel im Denken der tschechischen Demokraten vollziehen. Man stieß öfter als früher und ost an bedeutsamsten Stellen auf ein größeres Verständnis für die Situation der demokratisch gesinnten deutschen Bevölkerung,• und ebensooft auf eine richtige Einschätzung der Henlein-Bewegung. Aber es fehlt auch bis in die jüngste Zeit nicht an Symptomen einer völlig falschen Beurteilung der Verhältnisse bei den Sudetendeutschen. Man kann die Irrtümer, die sich auf tschechischer Seite immer wieder ergeben, wenn man die Dinge ein wenig vereinfacht, in zwei Gruppen gliedern! in Irrtümer, die das Wesen der Sache betreffen, das Verhältnis der Deutschen zum Staat überhaupt, und in solche, die sich aus die Oberflächen-Erscheinungen, vor allem auf die Acnßerungen und Kundgebungen staatstreuer Gesinnung auf deutscher Seite beziehen. Grundsätzlich mißversteht man auf tschechischer Seite fast immer die ungeheure Differenziertheit im politischenBewußt- sein der.Deutschen. Die Tschechen als eine jüngere und weit weniger differenzierte Nation, begreifen nicht, daß quer durch das Sudetendeutschtum ein Ritz läuft. Sie wollen„die Deutschen" immer wieder als ein geschlossenes Ganzes betrachten und sehen in ihnen entweder durch die Bank loyale Bürger oder aber ebenso allgemein schlechte Staatsbürger und mehr minder verkappte Hochverräter. Wer das Minderhci- tenproblem der Republik solcherart verkennt, vermag selbstverständlich auch nicht zu beurteilen, Ivie man die staatserhaltenden Elemente im deutschen Lager allein zu stärken vermag. Faktisch ist jener Teil des Sudetendeutschtums, der in der demokratischen Tschechoslowakei, im Zusammenleben und in der Zusammenarbeit mit den fortschrittlichen Kräften der tschechischen Nation auch die bcstä Gewähr sieht, sein eigenes soziales und kulturelles Sein züsichern, v o n Haus aus staats- erhaltend. Die deutschen S o z ia l i st e n, die deutschen Arbeiter und was mit ihnen kämpft und fühlt, sind nicht aus einem politischtaktischen Opportunismus staatstreu, nicht also, weil ihre Partei zufällig in der Regierung sitzt, sondern weil die Preisgabe des demokratischen Staates an seine inneren und äußeren Feinde den ganzen Sinn ihres Kampfes, den Inhalt ihres Lebens zerstören würde. Aber dieser Teil des deutschen Volkes, der politisch um die Sozialdemokratie gruppiert ist und sein Schicksal in enger Verbundenheit mit dem tschechischen Volk und der tschechischen Demokratie gestalten will, muß auch, um sich für den Staat w i r k u n g s vo l l einsetzen zu können, den Willen zur Selbstbehauptung der tschechischen Demokratie sehen. Die Zwiespältigkeit der tschechischen Politik gegenüber Henlein, das mangelnde Verständnis der Bürokratie für die s o z i a I e n F r a g e n der buchstäblich hungernden Mässen der Arbeitslosen und Kurzarbeiter unter den deutschen Mitbürgern, die nahezu kampflose Räumung der ideologisch strittigen Gebiete vor dem deutschen Fascismus(im Run d f u n k, der Presse, dem Film, dem Buchhan'del, im öffentlichen Vereinsleben und auf vielen anderen Gebieten) muß in den überzeugten deutschen Demokraten, di seit Jahr und Tag die ganze Last des Kampfe für die Demokratie und die Tschechoslowakisck Republik im nazistisch verseuchten Grenzgebie: tragen, lähmend und irreführend wirken. Wenn der demokratische Staat oder die Kräfte, die ihn repräsentieren, die g r o ß« n t sch e ch is che n Seite 2 Sonntag, 17. Feber 1935 Tt. 11 Versteckspiel des„Venkov“ Unter dem Titel„Versteckspiel" beschäftigt sich das Hauptorgan der tschechischen Agrarpartei mit den Zuständen im sudetendeutschen Lager. Es sucht die Angriffe auf die Henleinfront dadurch abzuschwächen, daß es darlegt, die anderen deutschen Parteien seien ebenso vom nationalen Radikalismus erfüllt wie die Henleinfront, wobei besonders aus die Christlichsogialen hingewiesen wird. Dabei kann es sich daS Blatt nicht versagen, auch den deutschen Sozialdemokraten eins auszuwischen, indem es schreibt, daß einzelne derartige Erscheinungen, wie sie an der Sudetendeutschen Heimatfront und an den Christlichsozialen allgemein feftgeftellt werden, auch im Lager unserer Partei zu sehen seien,„deren Redner im Glauben, sie seien nicht kontrolliert, sich auf len Mund nicht achtgeben". Eine solche Feststellung gehört in das Gebiet der Pauschalverdächtigungen, von denen sich ein Blatt, wie das Zentralorgan der republikanischen Partei fernhalten sollte. Wenn das Blatt wirklich der Wahrheit dienen und die wahre Lage im sudetendeutschen Parteilager feststellen wollt«, müßte es eines tun: es müßte di« Namen jener sozialdemokratischen Redner nennen, die es verdächtigt. Solange das Blatt dies nicht tut, können seine Ausführungen nicht ernst genommen werden. Parteien, diesem Teil der Deutschen im Kampfe für die demokratische Republik verständnisvoll zur Seite stehen, wenn sie ihre sozialen Sorgen zu den ihren, den Kampf gegen den wachsenden Terror der SHF zu ihrem Kampf machen, wenn sie beweisen werden, daß sie die Randgebiete wirklich gegen die Invasion des Hitlergeistes verteidigen wollen, wo immer sie dieser Invasion begegnen, dann wird der loyale Teil des deutschen Volkes auch die Kraft finden, weitere Teile der deutschen Nation dem Staate zuzuführen, dann wird die Demokratie im deutschen Lager wachsen. Heber das, Anwachsen der braunen Gefahr — und das ist der zweite groß« Irrtum im tschechischen Volk,— lassen sich beträchtliche Faktoren der tschechischen Politik durch formale Loyalitätserklärungen gern hinwegtäuschen. Henlein wird mit der Zeit alle Loyalitätserklärungen geben, die man von ihm verlangt. Auch Hilgenreiner gibt sie gern. Das hindert tätet doch nicht» daß Henlein die hakenkreuzlettschen Kreise des deutschen Bürgertums und Kleinbürgertums in seiner SHF vereinigt und daß der letzte Krafteinsatz dieser Front n u r der Aufrichtung einer deutschen Vorherrschaft über Mitteleuropa, der Vernichtung der tschechischen Unabhängigkeit dienen wird. Das hindert nicht, daß Hilgenreiner, um sich neben Henlein zu behaupten, sich beeilt, dessen Politik zu machen, ja ihn zu übertrumpfen. Das hat leider nicht gehindert, daß im B. d. L. Männer und Mächte grotzgezogen wurden, die den deutschen Bauer keineswegs dem Staate und der tschechischen Nation näher bringen, sondern ihn im Gegenteil aus seiner Grundhaltung reißen und ihn mit den SHJ-Bestrebungen gleichschatten wollen. Nur wenn dieentsch«idend«nFak- torendes tschechischen Volkes das Bild der sudetendeutschen Politik endlich klar sehen werden, kann die Demokratie und damit die wichtigste staatserhaltende Kraft über FasciSmuö und Hitler-Imperialismus siegen. vle Bestie im Menschen Wie die spanischen Revolutionäre gemartert und gemordet wurden Der ehemalige bürgerlich-republikanische Minister Spaniens Gordön O r d a S hat auf Grund einer eingehenden Untersuchung einen Bericht über die furchtbaren Vorgänge bei der Niederwerfung des Aufstandes in Asturien verfaßt, den er, da der Ministerpräsident Ler- roux die Erörterung ablehnte, dem Staatspräsidenten Alcala Zamorra übermittelte. Wir entnehmen diesem auf die Aussagen namenüich angeführter Zeugen gestützten Berichtes einige Stellen: Die Gefängniswärter spazieren mü der Reitpeitsche in der Hand umher; täglich werden die Gefangenen auf die empörendste Weise geschlagen. Die Gefangenen sind in zwei Klaffen eingeteilt: solche, die in den Zellen gehalten werden, und die andern, di« in Gemeinschaftshast find. Die Ersteren werden zu dreißig in winzigen Zellen mit 20 Quadratmeter Fläche eingeschlossen. Es ist ihnen daher««möglich, sich z« bewegen, sie schlafen ttrrnusweise und liege« auf den Beinen der andere». Arbeiter, die in verschiedenen Dörfern der Provinz Leon gefangen genommen wurden, wurden in das Polizeikommissariat in der Hauptstadt gebracht, das sich im selben Gebäude wie die Provinzialverwaltung befindet. Dort wurden sie fürchterlich mißhandelt. So wurden z. B. behandelt Alipio V l e z, Emilio O r i ch e t a, Julei P a t a n, die acht Stunde«««unterbrochen vor vier Gruppen der Zivilgarde, die sich gegenseitig nblösten, wenn sie ermüdet waren, geschlagen wurden. Dann zwang man sie, eine Erklärung, die sie nicht abgegeben hatten, zu unterzeichnen» in der der stühere sozialistische Abgeordnete Alstedo N i st a l als Führer des Aufstandes in der Provinz bezeichnet wurde, den sie nicht«inmal kannten, und mit dem sie niemals in Beziehungen gestanden waren. Sobald sie die Erklärung unterzeichnet hatten, wurden sie unter einen Tisch befördert, an dem die Wächter kartenspielend Platz nahmen, die Füße auf den Körper der Gefangenen gestemmt. Im Polizeikommissariat von Leon wurde der Radioapparat angestellt, um das Schreien der Gefolterten zu übertönen. Die Monarchisten und Fascisten, die in den Bureaus waren, stellten sich an die Fenster, um dem Schauspiel genießerisch zuzusehen. Francisco Dapena. Der fatalistische Bürgermeister von Barruelo de Santullan(Palen- cia).' Er wurde von einige« Zivilgardisten bewacht, mitStöcken gegen d r n K o p f geschlagen. Dann ließ man ihn, in einer Zelle eingeschloffen, ohne jeglich« ärzüiche Hilfe liegen. Zwei, drei Stunden lang hörte man ihn noch klagen. Er versuchte aufzustehen, fiel aber unter schrecklichen Schreien wieder zu Boden. Seine Jugend und seine starke Konstitution bewirkten, daß sein Todeskämpf lange dauerte. AIS dann«ach seinem Tod seine Tochter erschien, um ihm Essen z« bringen, sagte man ihr: ,,D« kannst nach Hause«ehe«, dein Bater hat kein« Lust mehr zu essen." Ein Bruder des Verstorbenen, Bernardo, wurde an der Leiche im Friedhof verhaftet, gekesselt und ins Gefängnis abgeführt. Domingo Pellitero. Arbeiter in Llombera (Leon), der keiner polittschen Organisation angehörte und kein Gewerkschaftsmandat innehatte. Bei einer Hausdurchsuchung' wurden bei ihm die Bilder von Galan und Gareia Hermandez(die beiden Offiziere, die im Dezember 1930 hingerichtet wurden und als Helden von der Republik gefeiert wurden) gefunden, ferner ein kleines kommunistisches Buch, das nicht verboten war, und -in Küchenmeffer. Pellitero war während der Hausdurchsuchung nicht zu Haufe, begab sich aber, als er davon erfuhr, in die Kaserne der Zivil- qarde von Pola de Gordon. Er wurde fürchterlich verprügelt und hinausgeworfen. Mühselig kehrte er nach Hause zurück, als ihm unterwegs -in Zivilgardist begegnete, der ihn unter Fußtritten wieder in die Kaserne zurückbefördern wollte. Er blieb aber ohnmächtig auf der Straße liegen. Mitleidige Menschen trugen ihn nach Huerga de Vor dem bayrischen Obersten Landesgericht in München wird augenblicklich ein Monstrepro- zeß gegen„SPD-Hochverräter" aus Franken und der Oberpfalz durchgeführt. Etwa 180 Personen wurden vor etwa einem Dreivierteljahr in Hast genommen und jetzt erst wird ihnen der Prozeß gemacht. Wie viele Personen eigentlich angeklagt sind, wird gar nicht bekanntgegeben. Am 8. Feber hat dieses Gerjcht, wie seinerzeit gemeldet, gegen 36 Personen die Urteile verkündet. 16 Angeklagte wurden zu insgesamt 49 Jahren 8 Monaten Zuchthaus verurteilt, 20 An- geklagte zu 20 Jahren 8 Monaten Gefängnis. Die Verurteilten werden beschuldigt, mit dem Vorstand der SPD in Prag in Verbindung gestanden und den Versuch unternommen zu haben, einen geheimen Funktionärapparat der SPD für ganz Nordbayern aufzuziehen..Der Prozeß soll das bayrische Oberste Landesgericht noch Wochen beschäftigen. Wie wir erfahren, sollen die Verhandlungen unter Ausschluß der Oeffentlich- k e i t durchgeführt werden. Nur bei Verkündung der Urteile wird die Oeffentlichkeit hergestellt. Ist diese Mitteilung wahr, so beweist das, daß die ganzeAnklage auf schwachen Füßensteht. Die Strafen beweisen, wie sehr den Herrschern. im Dritte« Reiche vor der«! illegalen SPD bangt. Wäre der Marxismus„erledigt", wie die Herren sonst immer wieder versichern, so würden sie durch ihre sogenannte Justiz nicht wegen eines„hochverräterischen Versuches, in Verbindung mit der Prager marxxi- stischcn Emigration einen geheimen Funktionär- apparat der aufgelösten und verbotenen SPD aufzuziehen", solche Zuchthausstrafen verhängen lassen. Die Bolksverdcrber im Dritten Reich können versichert sein, daß diese Prozeßführung und diese skandalösen Urteile der Sozialdemokratie keinen Abbruch tun. Die illegale Arbett für die SPD treffen die Schergen des Dritten Reiches damit nicht. Sie erzeugen mit derartigen Schreckensurteilen auch nicht mehr die beabfich- Gordon, wo er bald darauf unter fürchterliche« Qualen staüb. Juan Suarez und Eusebio Fernandez. Juan ?uarez war der Vorsitzende des Gemeinde«»-» Schusses von La Vid(Leon). Dufebio Fernandez war Arbetter im gleichen Ott und Vater zweier kranker Kinder. Suarez wurde verhaftet, weil er sich weigette, in einem seiner Häuser ein Auto unterzubringen. Fernandez wurde angeklagt, Hindernisse auf der Straße erttchtet zu haben, um den Durchmarsch der Truppen nach Asturien zu verhindern. In der Kaserne der Zwilgarde von Pola de Gordon wurden beide furchtbar geschlagen, dann in eine Ecke eines Stalles befördert, wo Suarez sofott swrb. Fernandez starb einige Stunden später, ohne ärztliche Hilfe erhalten zu haben. Gordon OrdaS schließt seinen Bericht mit einem ergreifenden Appell an den Präsidenten der Republik. Er fordert die Bestrafung derer, die diese abscheulichen Verbrechen begangen haben. „Wenn die.Republik, um bestehen zu können, sich auf Verbrechen stützen muß, ist es besser, sie geht unter, als daß sie sich derart beflecke." tigte Abschreckung. Umgekehrt: Sie steigern nur die Sehnsucht in allen Volksschichten nach der baldigen Wiederkehr der Sozialdemokratie als politischer Machtfaktor. Unter den bereits Berntteilten befindtt sich auch Genosse Franz A s ch e r l, der Vertrauensmann unserer Lokalorganisation in Fichtenbach bei Taus. Er wurde beschuldigt, di« illegale Tätigkeit der reichsdeutschen Sozialdemokraten unterstützt z« habe«, und erhielt dafür zwei Jahre sechs Monate Gefängnis. Er wurde seinerzeit beim Beerenpflücken auf bayerischem Boden knapp an der Grenze verhaftet. Genosse Ascherl, dem die Rachejustiz des Dtttten Reiches so übel mitspielt, ist verheiratet und Familienvater. Die japanische Gefahr Washington. Der Berichterstatter für die Frage der Errichtung neuer Militärflugplätze in den Bereinigten Staaten, Dockweller, erklätte vor der Militärkommisswn des Repräsentantenhauses, daß von den 100.000 in Kalifornien lebenden Japanern 25.000 Mann jederzeit zu de« Waffen greifen könne«. Dockiveller fügte hinzu, daß der. Antrag auf Errichtung' eines Militärflugplatzes auf Alaska als herausfordernde Geste gegenüber Japan erklärt wurde. In diesem Moment unterbrach ihn der Vorsitzende der Konimission und machte ihn aufmerksam, daß alle Ausdrücke zu vermeiden seien, die als aggressiv angesehen werden könnten. Dockweller fuhr dann fort: „Im Hafen von Los Angeles ankert eine Flotte von 150 japanischen Fischdampfern, die langer Seefahrten fähig sind. Es scheint wenigstens, daß es Fischdampfer find." In diesem Augenblick unterbrach der Vorsitzende die Sitzung und erklärte, daß es notwendig sei, die weiteren Ausführungen des Berichterstatters hinter verschlossenen Türen anzuhören. Monsterprozess gegen SPD-„Hochverräter“ 49 Jahre 3 Monate Zuchthaus, 20 Jahre 8 Monate Gefängnis Roman von Frttx Rosenfeld Wenn er nicht wüßte, daß nach dem Austrstt CgÄottas die Gänge hinter der Bichne von Schimpfworten widerhallten und vom Trommeln der Faust Marcels, die gegen die Tür Carlottas hämmert, wenn er nicht wüßte, daß das Band, mit dem die beiden verknüst waren, ewiger Krieg ist, er müßte sie für eine glückliche junge Frau halten, die an ihr Kind dachte, an ihren Gatten, ihr Heim. Frau Avory wähnte, ihre Tüchtigkeit hielte die Truppe zusammen, ihre Umsicht, ihre Organi- sationSgabe, ihre Beziehungen zu allen Agenturen der Welt. Carlotta hielt sie zusammen, Car- lotta liebte der Zeichner und der Revolvervirtuose mit der schwarzen wehenden Binde der verkommenen Genies, Carlotta liebte Gregor, der längst ein Engagement an einem guten Theater hätte finden, der längst auf der Bühne, im Film hätte Karriere machen können. Der Bleistift bohrte sich in das Blatt, der Zeichner machte dicke Striche kreuz und quer durch das Bild. Alles sinnlos, dachte er. Wir alle lieben sie, nur Tissot, dem sie gehört, liebt sie nicht. Gregor hatte den Mantel wie eine Decke über sich gebreitet, er hatte ein halbes Abteil für sich, gegenüber saßen zwei alte Damen, sie trugen Trauerfleider und sahen stumm vor sich hin, sie hatten seit dem Abgang des Zuges keine Silbe ge-. sprachen. Gregor blickte sie aus stummen, glühenden Augen an, die Hitze saß in seinem Körper, aus der Heizung stieg Glut auf, Wolken von Hitze breiteten sich unter ihm aus und hoben ihn in die Höhe wie einen Ballon. Dort unten sind Schienen, dachte er, schmale silberne Streifen. Aber er sah nicht die Schienen vor sich, sondern den Säbel, den Schwartzkqpf auf den Tisch warf, ein Verschwörer wider den König. Ein endloser Säbel find die Schienen, nichtweiter. Ein großer Scheinwerfer leuchtet sie an— ein Dreitausender, ein gewaltiges Auge aus Glas, in das man nicht blicken kann, es blendet, Schmerz frißt sich ins Auge, in der Stirn hämmett das Blut und große, rote, grüne Kreise beginnen zu tanzen. Tanzen— auf der Bühne werden sie tanzen, in bunten Kostümen, und dann werden Demonstranten draußen zu brüllen anfangen und in den Saal stürmen. Dann kommt ein Stichwott — Herr, sie verpatzen mir ja die ganze Aufnahme, ihr Sttchwort, wo bleibt ihre Replik, tun sie doch den Mund auf, wofür werden sie denn eigentlich bezahlt? Sie haben zum letzten Male bei mir gearbeitet, ich brauche sie überhaupt nicht mehr, gehen sie nachhause, sie sind krank. Die Kollegen grinsen. Ihre Gesichter werden ganz lang, sie tragen keine Uniformen mehr, sie tragen Trauerfleider, sie tun, als weinten sie um ihn, um seine verpfuschtes Dasein, seine verspielte, versäumte Karriere. Dann ttttt Carlotta auf und tanzt, aber Marcel steht in der Kulisse, und Gregor wagt nicht, sie anzublicken. Er hat eine Zigarette im ! Mund und ein Monokel im Aug, er trägt die Uniform eines Rittmeisters. Jetzt kommen sie daran. Herr Durberg, schreit der Regisseur, und eine Welle von Hitze strahlt von ihm aus, er ist kein Mensch, er ist ein glühender Ofen, alle Scheinwerfer sammeln ihre Strahlen in seinen Augen, sein Blick blendet, man sinkt um» wenn man ihn ansieht. Der Karikaturenzeichner tzntt auf, im Licht der Scheinwerfer schmilzt sein Stift, eine lange dünne Schlange fließt über das Papier» Zabn- creme, eine ausgequetschte Tube Zahncreme hält er in der Hand. Die Schminke, mtt der Gregor sein Antlitz in das feurige, ernste Gesicht eines lei- denschastflammenden Verschwörers verwandeln will, ist ebenfalls Zahncreme, aus einem Flugzeug tropjt sie nieder auf die Erde, der Kollege daneben flucht, seine Hände sind fettig, er läuft zum Waschtisch. Ein Strahl kalten Wassers schießt nieder— auf Gregors Schläfen aber dann ist es nur Regen, ein weicher, milder Schneeregen des Frühjahrs, die Erde ttinkt ihn gierig. Eine Hand schiebt den Regenvorhang beiseite, Frau Avorys Gesicht dämmert auf, fleischig, rosig, faltig, ihre Stimme schnattert:„Wieder zu spät und wieder zu spät und immer zu spät".. Gregor will sprechen, aber seine Kehle brennt, er kann nicht ein einzige- Wort über die Lippen bringen: er spttcht nach innen, zu sich selbst: „Und morgen komme ich wieder zu spät. Ich komme ja nicht ihretwegen, und nicht wegen der dummen Dienerrolle, die ich spiele, wegen deS Sektkübels, den ich über die Bühne tragen, ich komme Car- lottas wegen, ich will sie tanzen sehen, jeden Abend. Frau Avorny hört die Worte nicht, aber sie fällt um, als hätte eine Kugel sie getroffen. Und als Gregor sich umblickt, steht der Kunftschiche hinter ihr, sein Revolver dampft. Er hat sie erschossen? Er hat doch ein Verhältnis mit ihr gehabt? Hat sie auch ihn gequält? Hat er sie nicht geliebt? Warum hat er nicht auf Marcel geschossen? Er packt den Kunstschützcn am Rock.„Was kostet das? Erschießen sie Marcel. Ich gebe ihnen Geld. Hundert. Dreihundert. Meine ganze Gage. Vierhun- .dettfünfundsiebzig. Und die dreißig, di« ich heute beim Film bekam. Es ist nicht genug? Dann scheren sie sich zum Teufel. Ich bttnge Marcel um. Ich erwürge ihn. Mit meinen eignen Händen. Gregor wandte den Kopf um, der Mantel glitt zu Boden. Die Bilder überhasteten sich, sie stürzten ineinander. Ein Mann kam, es war der Hilfsregiffeur, er nahm eine große Schere und zerschnitt den Säbel Schwartzkopf's, zerschnitt die sllbernen Schienen. Sie zerfielen in winzige Stücke, in Münzen, die im Licht glühten. Geld! Geld müßte er haben, viel Geld, einen Berg glühendet Münzen. Dann könnte er vor Carlotta hintreten und ihr sage», wie in den Romanen, auf der Filmleinwand, auf der Bühne: Ich lieb« dich. Dann würde sie Marcel verlassen und mit ihm gehen. Frau Avorys Truppe fiel auseinander, aber was machte daS? Er gab ihr einen Scheck, sä ging zur Bank, die Girls gingen mit, jedes trug einen großen Korb, die Körbe wurden mit Münzen gefüllt, sie mußten sich Autodroschken nehmen, um nach Haufe zu fahren, sie konnten die glühende silberne Last nicht tragen. Aber es konnte auch sein, daß Carlotta nein sagte. Dann heiratet er äenia oder Livia. Dann war es ganz gleichgültig, wen er heiratete. Sie mußte sehen: es gibt Mädchen, die froh darüber sind, seine Frau zu werden. Und auch dann flog Vieser Wanderzirkus, dieses fahrende Bordell auf. Eine Faust hieb auf den Tisch, und wie kleine Figuren, die auf einem Tisch standen, auf einer dunflen, schimmernden Holzplatte, sprangen sie in die Lust: Frau Avory, Diarcel, der Zeichner, der Kunstschütze, die Girls, und am Schluß Carlotta. Sie sanken wieder nieder, sie weinten, sie waren alle krank, in ihrer Brust saß Schmerz, aber er hörte nur Carlotta weinen, er ging zu ihr, winzig klein war sie, mtt einer Hand konnte er sie fassen und hochheben, und ihr Weinen klang silbern wie der Ruf eines Sterns in der Nacht. Die andren aber lagen da, wie der König, der abdanken mußte, er braucht nun keine Zahncreme mehr. Wo blieb das Flugzeug? Gregor hob den Kopf, ein Motor surtte in seinen Schläfen, aber er sah kein Flugzeug, wenn es ausbleibt, ist alles abgeblasen, aber eS durste nicht ausbleiben. Er sah durchs Fenster, es dämmette, Wolle» zogen über den Himmel, Regen peitschte die Scheiben. Das Flugzeug wird beleuchttt sein— rot und blau— mit riesigen dunklen Flügeln wird eS über die Stadt hinbraufen, di« Offiziere stehen an den Fenstern und sehen hinauf und jubeln— morgen schlagen wir los. (Fortsetzung folgt.) Rr. 41 Sonntag, 17. Feber 1935 Seit« 8 Vie poiiiisdic Woche Die zurückliegende Woche war von Vorbereitungen für die Einberufung des Parlamentes ausgefüllt, das zu seiner letzten Seffion am Samstag für den 8. Marz einberufen wurde. Eingeleitet wird die Parlamentssession durch einen feierlichen Grub der Nationalversammlung an den Präsidenten aus Anlass seines 85. Geburtstages. Unmittelbar nach den Ge- burtstagSfeierlichKiten wird das Parlament in Vollbetrieb gesetzt werden. Als erste Vorlage wird ihm das Gesetz über die Sanierung der Finanzen derSelbst- verwaltungskörper vorgelegt werden, dessen Fundament nun feststeht, an dessen Ausfeilung in gewiffen grundsätzlichen Details jedoch noch gearbeitet wird. Dann werden sofort die Beratungen über die finanzielle Bedeckung des Sanie- rungswerles einsetzen. Sie ist angesichts der heutigen schwierigen Finanzlage nicht leicht zu finden und ist, wie nicht anders zu erwarten war innerhalb der einzelnen Koalitionsgruppen hart»m- lämpst. Nun liegen aber auch hier bereits merito- rische Entscheidungen in der hauptsächlichsten Richtung vor, so dass auch die Bedeckungsvorlage sehr bald verhandlungsreif sein wird. Dann aber wird es an dem Werk selbst sichtbar werden, welche harte Arbeit die Koalition und namentlich auch unsere Par- t e i geleistet hat, wie sie das Letzte und Beste für die deutsche Selbswerwaltung und insbesondere zur Ermöglichung der Fortführung der sozialen Arbeit durch die Selbstverwaltungsorgane unternommen hat. Wir wissen, dass es kein vollendetes Werk ist und dah— eine ausreichende finanzielle Furchierung vorausgesetzt— weitaus Besseres und GrötzereS geleistet werden könnte, aber aus den groben Röten der Zeit wurde von den sozialistischen Parteien eben das Menschenmöglichste herausgeholt. Dies gilt auch von den anderen Vorlagen, insbesondere von dem Kampf um die Vierzigstundenwoche, der in den letzten Wochen in die Koali- tions- und ministeriellen Beratungen verlegt wurde. Auch hier spielt sich um die Forderungen der Arbeiter- klaffe buchstäblich ein erbittertes Ringen ab, denn die Arbeitgeberorganisationen werden nicht müde, unter Hinweis auf deg angeblichen Ruin der Industrie alle Gegenkräfte"gegen die Vorlage zu mobilisieren. An der Vorlage ist nach wie vor hauptsächlich der Kreis der einzubeziehenden Betriebe und Arbeiter sowie die Lohnfrage strittig, auberdem auch die Bestimmung über die Befristung für die Verständigung der beiden Dertragsteile, da die Arbeitgeber die Sache auch hier auf die lange Bank zu schiebe» suchen. Das Vorgehen der Industrie, in deren vordersten Reihen die„deutschen Volksgenossen" desHerrn Henlein stehen, istunfabbar, wenn man bedenkt, dah sie ihre Betrieb« seit Jahren schon auf gekürzte Schichten und auf einen Bruchteil der gesetzlich festgelegten Arbeitszeit eingestellt haben. Trotzdem können sie sich nicht von dem Phantom freimachen, dah man einmal noch zu einem zehn- oder elfftündigen Arbeitstag kommen könntet Gerade die Führer der deutschen Industrie kehren ihren Herrenstandpunkt ganz besonders hervor: sie wollen keine Karte aus der Hand geben, auch wenn sie schon jahrelang nicht mehr ausgespielt werden konnte! Dah die sozialistischen Parteien und insbesondere die Sozialdemokraten in dem hin- und her« wogenden Kampf nicht locker lassen, muh wohl nicht erst hervorgehoben werden. In der Koalition herrscht die Überzeugung vor, dah esimLaufederkom» mendenWochezu einer Lösung kommen wird, die die Verständigung auch über dieses Problem anbahnen wird. Ein Grohteil der Koalition ist entschlosien, dieser schwierige PrMem so rasch wie möglich zu lösen. Etwaige Hoffnungen unserer P. T. Herren Gegner, di« auf diesen Punkt eingestellt sein sollten, werden sicherlich zuschanden werden. Es ist nur schade, dah man unserer Arbeiterschaft nicht optisch vor Augen sichren kann, mit welcher Leidenschaft und Zähigkeit ihre Sache vertreten wird und wer ihr einziger Sachwalter ist. Der Fall Henlein wäre dann für die Arbeiterklasse nur ein interesianteS Schauspiel zur Aufdeckung des Intrigenspiels, das sich jetzt vor den Augen der ganzen poli- tisthen Oeffentlichkeit auftut, aber nichts mehr. Auch die anderen Fragen wirtschaftlicher Natur bilde» den Gegenstand von Verhandlungen, wenn es auch hier noch zu keinen weiteren Entscheidungen ge- louunen ist, da die oben geschilderten Fragen momentan alle Zeit und alle Kräfte in Anspruch nahmen. Hiezu gehört unter anderem das Viehsyndikat, das augenblicklich den Gegenstand lebhafter Erörterungen in der Presse bildet. Und in den Jnteressen- fteisen, in denen sich zwei Lager gebildet haben, noch hart umstritten ist. Sobald in den ministeriellen Beratungen die Bahn für die weiteren wirtschaftlichen Arbeiten ftei gemacht sein wird, wird auch das Viehsyndikat an di« Reihe kommen. In sozialistischen Kreisen steht man dieser Vorlage recht skeptisch gegenüber. Einerseits wird eine Belastung der Konsumenten befürchtet, andererseits verweist man darauf, dab die vorgeschlagene Lösung der Landwirtschaft nicht die erhoffte Befferung bringen wird und im Gegenteil eine DeSorganisierung auf dem Gebiet« derDiehwirtschaft Hervorrufen könnte. I» der Politik spitzen sich die Gegensätze zwischen Koalition und Opposition immer mehr zu, war vor allem auf die illoyalen Methoden der ganz im Leichen des Wahlkampfes stehenden tschechischen, vor allem aber auch der deutschen Oppositionsparteien zurückzuführen ist. Unsere Partei lässt die Herrschaften im deutschen Lager in ihrer Agitation ruhig heisslaufen und ist überzeugt, dass sie sich durch lleberspitzung des Kampfes die Hörner schon noch tüchtig abstossen werden. Dank dem Fanatismus unserer Gegner wiffen ja unsere Arbeiter nur allzu gut, worum es i» diesem Augenblick geht! Jifdctendcutedicr Xcifepiegcf Minister Dr.Czech und der Strassenbeirat oder: ein mifiglückter Wahlschlager der Schriftleiterpresse In der Schriftleiterpresse und auch im christlichsozialen Zentralorgan macht derzeit eine Notiz die Runde, die offenbar auf ein und dieselbe trübe Quelle irgend einer„gleichgeschalteten" P-ressekorrespondenz zurückgeht. Da wird mit Behagen aus den.HospodätskL R o z- HI e d y", dem allerneuesten Jnformationsorgan der treuteutschen Presse, in grosser Aufmachung eine Darstellung über den sogenannten.Konflikt" des Genossen Dr. Czech mit dem Stra- henbeirat zitiert, wornach Dr. Czech„zurückgewichen" sei und„die deutschen Gebiete wieder leer ausgehen." ..Ein herrlicher Wahlschlager! werden die Herren Schriftleiter erfreut ausgerufen hcchen; aber leider ist es damit gaitz und gar Essig! Die im tschechischen Gebiet liegende Strasse in Südböhmen sein Verbindungsstück in der Richtung Linz), um die es sich bei dem angeblichen Konflikt handelte, wird nämlich einen Gesamtaufwand von sage und schreibe 1,8(ein ganzes, acht Zehntel!) Millionen KL erfordern, während das dem Stratzenrat vorgelegte Arbeitsprogramm für die Rekonstruktion staatlicher Strassen einen Gesamtbetrag von 110(einhundertzehn!) Millionen vorsieht. Trotzdem wird von den Herren Schriftleitern die Sache seelenruhig so dargestellt, als ob die Eingliederung dieser einen Strasse in das Arbeitsprogramm die Preisgabe sozusagen der gesamten Stratzenbautätigkeit im sudetendeutschen Gebiet notwendig zur Folge haben müsste. Ein weiterer Kommentar dazu wäre überflüssig, wenn die Sache nicht noch schöner käme: Die besagte Strasse ist nämlich nicht erst im Augenblicke des angeblichen„Zurückweichens", sondern bereits mehrere Wochen vor der Sitzung des Straßenbeiratrs vom Arbeitenminister ins Arbeitsprogramm ausgenommen worden! Der ganze„Streit" ging lediglich darum, ob der Aufwand hiefür zu Lasten des Strahenfonds oder der übrigen finanziellen Mittel des Arbeitenministeriums gehen soll! Die Herren Schriftleiter haben also gründlich daneben gehauen! Damit dürfte die Sorge um den deutschen Arbeitsplatz wieder für einige Zett aus den Spalten der deutschbürgerlichen Presse geschwunden sein, denn was hat diese ganze Geschichte für einen richttgen Schriftleiter schon für einen Reiz, wenn man damit nicht gleichzei- tig einen ordentlichen Angriff gegen die deutschen Sozialdemokraten und ihren Minister verbinden kann. Nach dieser missglückten Extratour werden die Herren ja doch wieder diese Sorge dem Dr. Czech überlassen— wissen sie doch im Innersten ihrer Seele, dass sie bei ibm— soweit es in seinen Kräften liegt— wirklich am besten aufgehoben ist! So wird also der Kampf im deutschen Lager geführt und mit diesen Herrschaften soll man dann auch noch»Volksgemeinschaft" machen... *• ♦ Dass auch die„R e i ch e nberger Zeitung" diesem Giftpfeil gegen Dr. Czech bereitwilligst ihre Spalten geöffnet hat, wäre an sich nicht einmal sehr verwunderlich. Die Reichenberger Tante hat sich aber noch ein ExtraWckl geleistet, indem sie eine besondere Träne darüber vergoss, dah jetzt wohl auch die Ieschienst r a h e begraben und vergessen sei. So viel sollten die Herren aber immerhin schon wissen, dass die Jeschkenstrahe von vornherein nicht als Staatsstrasse geplant ist und daher nicht nur mit dem Kapttel„Rekonstruktion von Staatsstrassen", um das es sich bei der plötzlich so berühmt gewordenen südböhmischen Strasse handelt, nichts zu tun hat, sondern überhaupt nicht in die Kompetenz des Stressende i- ratcs fällt! Aus der ganzen Geschichte war eben für die Herren Schriftteiter bei bestem Willen nichts als eine ordentliche Blamage zu holen. Was sie natürlich nicht hindern wird, bei der nächsten Gelegenheit neuerdings gründlich rein- zufliegenl Schule und Völkerversöhnuns Die geistige Vorbereitung des Krieges ist eines der wesentlichsten Merkmale des Fascis- mus. Praktisch erprobt er diese Prinzipien vorderhand durch terroristisches Niederknüppeln aller Widerstände am eigenen Volte. Am stärksten wirkt er damit auf die Jugend, Weil sie am hoffnungslosesten und weil sie radikalen Ideologien am zugänglichsten ist. Die Begriffe von Volkstum, Vaterland, nationale Ehre, Heldentum und christliche Kultur missbraucht er und macht es zahllosen Menschen unmöglich, die Lüge herauszuhören, zu welcher der Fascismus alle diese Begriffe entwürdigt hat. Es ist sehr undankbar, gegen den Strom zu schwimmen und an Stelle der Mythen und Legenden das klare Licht der Vernunft zu setzen. Der wollende und handelnde Mensch muss daher schon von jungauf für die höchsten Aufgaben der Menschheit gewonnen werden, damit er zum sozialen und nationalen Verstehen erzogen wird, diesem eigentlichen, letzten und schönsten Ziel der, Erziehung. Darum veranstaltet die R. D. S. L. unter der Devise„SchuleundVölkerver- st ä n d i g u n g" in der Zeit vom 14. bis 18. April d. I. in Teplitz-Schönau ihre vierte Pädagogische Woche. Das-Programm lautet: lautet: Sonntag, de» 14. April, abends 8 Uhr: Feierliche Eröffnung mit Begrüssungsabend. Montag, den 15. April, vormtttagS S Uhr: Minister Dr. Ludwig Czech: Wie kayn der sudetendeutsche Lehrer für die Völkerverständigung wirken?— Abends 8 Uhr im grossen Theatersaal: Minister Dr. Eduard Benes: Die kulturellen Aufgaben der Deutschen und Tschechen. Dienstag, den 16. April, vormittags 8 Uhr: Wie wirke ich für die Völkerverständigung in der Volksschule?— Nachmittags halb 8 Uhr: Professor Dr. Alfred Kleinberg: Wi« be ■nBnUMBOMB treibe ich in Geschichte und Muttersprache Bölkerversöhnung? Mittwoch, den 17. April, vormittags S Uhr: Dozent Dr, B. Ptthoda:-Der Gedanke der Völkerversöhnung in den neuen Lehrplänen für Volks», Bürger- und Mittelschulen. DomrerStag, den 18. Bprtt, vormittags 8 Uhr: Universitätsprofeflor Dr. Emanuel R ä d l: Wie soll die Demokratie nattonal« Konflikte lösen? Die Verhandlungssprache ist Deutsch und Tschechisch. Sämtliche Borträge und Veranstaltungen sinden im städtischen Kurhaus statt, nur der Vortrag deS Herrn Ministers Dr. Eduard Benes wird im grossen Theatersaale veranstaltet,, weil dieser Vortrag auch für Nichtlehrer zugänglich ist. Die Teilnehmergebühr für die ganze Veranstaltung beträgt K€ 25.—. Der Besuch eines Einzelvortrages kostet K£ 5.—. Auswärtige Teilnehmer erhalten sehr gute Unterkunft und Verpflegung zum Betrage von K5 160— für die ganze Dauer der Veranstaltung. Junglehrer zahlen Kd 120.—. Das Eisenbahnministerium hat den Teilnehmern die 50prozentige Fahrpreisermässigung bewilligt. Damit diese aber besorgt werden kann, ist rechtzeitige Anmeldung notwendig. Auskünfte und Anmeldungen bei Professor Dr. Ludwig Kohler, Teplitz-Schöna«, Duxrr Straße 16. Antimarxistischer Wettlauf zwischen den Christlichsozialen und der DHF. Die Partei deS Herrn Hilgenreiner sucht nicht nur die Sudetendeutsche- Heimatftont im radikalen Nationalismus zu überfteffen, sondern sich auch der Oeffentlichkeit als die verlässlichste Kampftruppe gegen den Marxismus vorzustellen. Sie widmet der Absicht, wonach in Genf ein„Internationales antimarxistisches Jnstttut" geschaffen werden soll, einen Leitartikel und zählt alle Aufgaben auf, die ein solches Institut zu leisten hätte. Das Ganze ist überschrieben„Geistige Abwehr des Marxismus". Da wird wohl das Institut von unseren 3000 Mann iasclsflsdicr Miliz nadi Somaliland Rom. Zwei Bataillone fascistischer Miliz in Stärke von etwa 3000 Mann find am Samstag nachmittag von Rom nach Meffina verladen worden, wo fie«ach Italienisch.Ostafrika eingeschifft werden solle«. Dor der Abreise hat Mussolini in Deglettnng des Generalstabschefs der faseistischen Miliz- General Teruzzi, di« Parade der beiden Bataillone abgenommen und eine kurze Ansprache an sie gerichtet. Gleichzettig besichtigte der ttalienische Kronprinz in Neapel ein weiteres Bataillon fascistischer Miliz. Christlichsozialen nicht viel Unterstützung erfahren. Erfolgreiche BetriebSausschußwahl. Samstag nachmittags wurden in dem Metallwarenbetrieb, Glockengiesserei der Firma Herold in Ko- motau, die Betriebsausschuhwahlen durchgeführt. Es erhielten: Die Liste 1 desJMB(Internationaler Metallarbeiter-Verband) 3 7 Stimmen und zwei Mandate und die Liste der Christlichsozialen 3 IStimmen und zwei Mandate. Dazu sei bemerkt, dass in diesem Betrieb sett dem Jahre 1825 überhaupt keine Wahlen stattgefunden haben. Die Arbeiter hatten bisher keine ordentliche Berftetung, weil Vertrauensmänner bürgerlicher Gewerkschaften tätig waren. Gründliche Arbeit der Untersuchungskommission In Kladno Kladno. Die amtliche Untersuchungskommission in Kladno ist seit mehreren Tagen eifrig am Werke. Da es sich nicht nur um die Befahrung der Gruben, sondern um die Aufrollung und Ueberprüfung der ganzen wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Seite des Problems handelt und die Verhältnisse im ganzen Gebiete überprüft werden müssen, werden die damit verbundenen Arbeiten sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Einreihung In die Ersatzreserve Um Einreihung in die Ersatzreserve kann in erster Reihe derjenige bitten, der Familienerhalter ist, d. i. der einzige Sohn eintr Witwe oder eines arbeitsunfähigen VaterS; der einzige Enkelsohn, falls der Vater gestorben ist; der einzige Bruder vaterloser Geschwister; der einzige uneheliche Sohn einer unverheirateten Mutter. Als einziger Sohn, Enkelsohn oder Bruder gilt nach dem Gesetze auch derjenige Wehr- pflichttge, dessen sämtliche Brüder entweder Militärdienst leisten oder jünger als 17 Jahre, bzw. wegen einer Geistes- oder körperlichen Krankheit arbeitsunfähig sind. Es wird allerdings nur berücksichtigungswürdigen Gesuchen Folge gegeben werden können, die durch Besch- oder soziale Verhältnisse begründet sind. Das gestempelte Gesuch hat derWehr- pflichtigeselbstbeiderAssentkom- Mission einzureichen, sobald ihm be- kanntgegeben wird, dass er assenttert ist. Wenn der Wehrpflichtige das Gesuch nicht bei sich hat, muh er die Gesuchsvorlage mündlich bei der Asientkommission au melden und das Gesuch innerhalb von 15 Tagen dem Bezirksamt seines eigenen Wohnorts einsenden. Was für Beilagen zum Gesuche notwendig sind, erfährt jeher beim Bczirksamte oder beim Gemeindevorsteher (Notar). Später kann er das Gesuch nur dann ein- reichen, wenn die Umstände, die dar Ansuchen begründen würden, erst nach der Assentierung eingetreten sind. In diesem Falle ist das Gesuch spätestens innerhalb von 15 Tagen nach dem Eintritte des angegebenen Umstandes(Todesfall u. dgl.), und zwar beim Bezirksamte d«S eigenen Wohnortes einzureichen. Wer in ein Spital geschickt und dann als assenttert erklärt wurde, muss sein Gesuch innerhalb 15 Tagen einreichen, sobald er die schriftliche Verständigung erhalten hat, dass er assentiert ist. Die Heuer zur Assentierung gehenden Stellungspflichtigen haben diese Weisungen genau einzuhalten. Böhmische Landrövertretung 5. März. Der Landespräsident von Böhmen beruft die XXVI. Tagung der Landesvertretung für Böhmen für Dienstag, den 5. März, 3 Uhr nachmittags, ein; weitere Sitzungen nach Bedarf an dm folgenden Tagen immer um neun Uhr vormittags. Ein Sitzungstag wird für eine Festsitzung aus Anlass des 85. Geburtstages des Präsidenten der Republik Vorbehalten. Für das Spreu gelbürgrrschulgeset, und die Einjährigen Lehrknrse. Der Verband der tsche- choslowakischen Städte veranstaltet im Einvernehmen mit dem Reichsverbande der tschechischen Bürgerschullehrerschaft in der Zeit vom 17. bis 24. Feber Versammlungen, auf denen Vertreter der Gemeinden, der Schulausschüsse, Elternvereini- gungm und Lehrer für die endgültige, gesetzliche Behandlung der Frage der Sprcngelbürgerschulen und der 4. Klasse an Bürgerschulen manifestieren werden. Solche Versammlungen finden statt in Prag, Kolin, Tabor, Pardubitz, Königgrätz, Jung- bunzlau, Laun, Pilsen, Pisek, Brünn, Jglau, Ol- mütz, Ungarisch-Hradisch und Mährisch-Ostrau. Vorsitzender der Versammlungen ist der jeweilige Bürgermeister jener Städte, Referent ein Mitglied des Reichsverbande- der Bürgerschullehrerschaft. Der Druckfehlerteufel hat in der Freitagnummer in dem Artikel„Was tut den Kleinbauern not?" in den ersten fettgedruckten Zeilen aus a u h f u t t e r" fälschlich Rohfutter gemacht; auch soll an derselben Stelle von„Futtergetreide" und nicht allgemein von„Futtermitteln" die Rede ein. Sette 4 Sonntag, IV. Feber 1935, Nr. 41 Hauptmann beschwört seine Unschuld Und seine Mutter bittet um Gnade Flemington. Durch Vermittlung eines seiner Advokaten hat Hauptmann einen Aufrufan die Bevölkerung zur Vornahme von Sammlungen erlassen, die eine Fortsetzung seiner Verteidigung ermöglichen würden. Zu Beginn des Aufrufes erklärt Hauptmann:„So wahr ein Gott über mir ist, schwöre ich, daß ich an der Entführung und Ermordung des Kindes Lindberghs vollkommen unschuldig bin." Die Mutter Hauptmanns hat an den Gouverneur bon New Jersey ein Telegramm gerichtet, in dem sie unter Hinweis darauf, daß sie im Kriege ihren Mann und zwei Söhne verloren habe, um M i l d e r u n g des harten Urteils bittet. Der Gouverneur erklärte, er werde der Mutter Hauptmanns antworten, daß er die Tagesnculglfcttcn Gefährdung des Brünner Deutschen Theaters Vom Verein„Deutsches Haus" gekündigt! Der Brünner deutsche Theaterverein erhielt Lieser Tage vom Verein„Deutsches Haus" ein Schreiben, in dem ihm mitgeteilt wird, daß sich der Verein„Deutsches Haus" gezwungen sehe, dem Theater die Benützung des Saales im Deutschen Haus mit 15. März aufzukündigen. Der Verein„Deutsches Haus" sei aber bereit, den Saal unter gewissen Voraussetzungen auch weiterhin dem Theater zur Verfügung zu stellen. Durch diese Kündigung könnte das Brünner Deutsche Theater unter Umständen noch vor Beendigung der heurigen Spielzeit obdachlos werden! Die„Maeon" war schlecht konstruiert? Sa« Francisco. Vor der zwecks Untersuchung der Ursachen der„Maeon"-Kata- strophe eingesetzten Kommission erklärte Leutnant B ol st e r, Offizier in der Konstrnktions-und Reparatur-Abteilung, es sei bekannt gewesen» daß die Konstruktion der„Macon" etwas schwach war und daß daher Verbesserungen angeordnet worden waren» die bereits aitch in Angriff genommen» aber vor dem letzten Flug nicht mehr beendet wurden. Diese Erklärung rief in der Kommission eine große Ueberraschung hervor. Grauenhafte Bluttat einer Mutter Budapest. In dem Budapester Vorort Raezheve hat eine geschiedene Fra« aus Erbitterung darüber, daß das Gericht bei'ftr Scheidung ihre jüngere Tochter dem Mann« zuge- sprochen hatte, ihren beide» Töchtern im Alter von 8 und 13 Jahren und sich selbst mtt einem Rasiermesser die Kehle durchschnitten. Die beiden Mädchen starben; die Fra« wurde in bedenklichem Zustand« inS Spital überführt. Eine Mord-Revue? Soeben melden die Nachrichtenagenturen, daß Mister Bürger, einer der bekanntesten amerikanischen Kabarett- und Konzertagenten der M u t t e r des zum Tode verurteilten Kindermörders Hauptmann eine Summe von 25.000 Dollar, also etwas mehr als einer halben Mil- lion Kronen, für eine mehrwöchige Tournee durch die Vereinigten Staaten angeboten hat. Damit nicht genug, hat der konjunkturfrohe Manager eine weitere„smarte" Idee—: Mitglied e r der Jury, die das Todesurteil fällte, sollen gegen Höchstgage verpflichtet werden, gemeinsam mit der Mutter des Verurtefl- ten vor einem sensationsgierigen Publikum aufzutreten. Da man in Amerika in solchen Dingen leider viel zu«großzügig" ist, besteht immerhin, die Gefahr, daß dieser abscheuliche Plan zu einer abscheulichen Tatsache wird. Angelegenheit nur erwägen könne, wenn sie ihm als Mitglied des Begnadigungsgerichtes zugehe, nachdem das Berufungsgericht entschieden habe. Die Mutter will, falls sie das Geld für die Reife austreibe, nach Amerika reisen, um dort um Begnadigung ihres Sohnes zu bitten. Sie wolle, trotzdem sie bereits über 70 Jahre alt sei, doch alles in ihren Kräften Stehende tun, um den Sohn vom elektrischen Stuhl zu retten. An Präsident Roosevelt sandte sie eine Bsttschrift um Begnadigung ihres Sohnes. Hauptmann wurde am Samstag unter starker Bewachung von Flemington in die Hauptstadt des Staates New Jersey, T r e n t o n, in das Staatsgefängnis überstellt und in die Sonderzelle für zum Tode Verurteilte eingeliefert. Jägerndorf wird größer. Der Innenminister hat mtt Erlaß vom 12. Feber 1935 Nr. 79.202 auf Grund des Gesetzes vom 14. April 1920 Nr. 266 Slg. d. G. u. V. für die durch den Zusammenschluß von Krotendorf, Weitzkirch und Jägerndorf, gehörend zu der Ortsgemeinde Jägerndorf im polttischen Bezirk Jägerndorf die amtliche Bezeichnung Krnov deutsch Jägerndorf besttmmt. Ein Schwindler gefaßt. In der letzten Zeit wurden verschiedene Parteisekretariate der deutschen und der tschechischen sozialdemokratischen Partei, der tschechischen nationalsozialistischen Partei sowie auch noch anderer Parteien und Institutionen von einem elegant gekleideten Herren aufgesucht, der sich als Redasteur Jaroslav Machat aus Wien vorstellte und eine mit ferner Photographie versehene internationale Fourrralistenlegiümatton vorwies. Auf Grund dieses Dokumentes bekam der Mann fast überall größere Unterstützungen. Schließlich kam man aber darauf, daß ein gewisser Machat in B.-Leipa bei der tschechischen nationalsozialistischen Partei als Sekretär angestellt sei. Man zog nun Erkundigungen ein» wieso ein angestellter Sekretär in der Welt herumfahren kann, um di« Leute anzupumpen. Und da stellte sich nun heraus, daß dem Leipaer Sekretär im vorigen Jahre in einem Prager Hotel seine Legitimation samt dem Parteibuch gestohlen worden war. Zufällig kam nun der falsche Machat eines Tages ahnungslos zu dem richtigen Machat. Der erkannte den Betrüger sofort und verständigte die Gendarmerie. Nach stundenlangem Verhör gestand der Betrüger, daß er dem Sekretär Machat die Legitimation gestohlen, die eigene Photographie eingeklebt und mit einer falschen Stampiglie abgestempelt habe. Es handelt sich um den D rn- zenzPieksch aus dem Bezirk Deutschbrod, der seinerzeit große Schwindeleien als falscher Stabskapitän verübt hatte. Er hat in Dutzenden von Fällen Beträge herauSgeschwindelt; so verkaufte er unter anderxm auch ihm zum Vertriebe übergebene Bücher um einen Spottpreis und behielt das Geld für sich. Der Gauner sitzt. nun im Kreisgerichte in B.-Leipa. Eisenbahnunglück in Frankreich. Zwei Güterzüge stteßen in der vergangenen Nacht auf dem Bahnhof Saint Pierre Le Montier infolge falscher Weichenstellung zusammen. Im gleichen Augenblick raste der Schnellzug Clermont— Paris an der Unglücksstelle vorbei und zertrümmerte mehrere aus den Schienen gesprungene Güterwagen. Der D-Zug blieb unbeschädigt. Der Zugsführer eines der Güterzüge wurde getötet. Vier Personen, trugen lebensgefährliche Verletzungen davon. Die Flieger Codos und Rossi starteten gestern früh mit dem Flugzeug„Joseph le Brix" von I st r e s(Frankreich) zu einem Flug nach Südamerika. Sie wollen eine direkte Postverbindung mit Rio de Janeiro versuchen. Falls es ihnen gelingt, werden sie den Flug fortsetzen, denn sie beabsichtigen, ihren eigenen Weitstreckenrekord zu schlagen. Die Nachforschungen nach dem vermißten russischen Flieger Golubew blieben bisher ichne Erfolg. Der Flieger startete am 1. Feber in dem Dorfe Leschukonskoje mtt einem Mechaniker und zwei Passagieren an Bord. Das Flugzeug hatte Kurs auf Archangelsk, ist aber dort nicht einge» troffen. Das vermißte Flugzeug wird von einer Reihe von anderen Flugzeugen, Ski- und Jagdexpeditionen gesucht. Die Nachforschungen gestalten sich in der menschenleeren Gegend sehr schwierig. Es scheint, daß Golubew vom Sturme nach Norden abgetrieben wurde und durch einen Mo- tordefekt zur Notlandung gezwungen wurde. Der richtige Weg. Das jugoflawische Verkehrsministerium teilt mit, daß ab 1. März die Fahrpreise um 28 Prozent herabgesetzt und den Touristen große Begünstigungen gewährt werden. In dem bei Messina abgestürzten britischen Militär-Wasserflugzeug befanden sich nicht, wie ursprünglich gemeldet wurde, acht, sondern, wie nunmehr festgestellt wurde, insgesamt neun Personen, die alle bei dem Unglück ums Leben kamen. Ihre Leichen wurden bereits aufgefunden. Strenge Prüfungen russischer Eisenbahner. Das Verkehrskommissariat der Sowjetunion hat an sämüiche polttischen Abteilungen der russischen Eisenbahn Anweisungen zur Bekämpfung der Eisenbahnunglücke erlassen. Die polttischen Abteilungen werden angewiesen, besondere Prüfungen bei den diensttuenden Beamten abzuhalten, um festzustellen, inwieweit sie geeignet seien, im Dienst der Eisenbahnverwaltung zu verbleiben. Beamte, die diese Prüfungen nicht bestehen, sollen sofort entlassen werden. Rußlands Frühjahrs-Anbauplan. Der Rat der Volkskommissäre und der Zentralvollzugsausschuß der kommunistischen Partei der Sowjetunion hat den Frühjahrsanbauplan 1935 angenommen. Im ganzen werden 93,797.200 Hektar mit Getreide und 63,371.800 Hektar mit Jndustriepflan- zen angebaut werden. Milzbrandfälle in Wien. In sdnem Wiener Zirkus ist eine schwere Milzbrandseuche ausgebrochen. In kurzer Zeit verendeten mehrere Pferde und Löwen. Sieben Personen— die Krankheit überträgt sich vom Tier auf die Menschen— wurden mit schweren Krankheitserscheinungen in das Settchenkrankenhaus eingeliefert. Ein gräßliches Unglück ereignete sich in Turnau (Steiermark)., Die 84jährige Wirttp Emilie Ritter saß mtt ihren Angehörigen im Zimmer beim ! Ofen, als plötzlich ihre Kleider zu brennen begannen. Obwbhl ihr Sohn sofort herbeieilte, mm der Mutter zu helfen, erlitt diese so schwere Brandverletzungen, daß sie vor den Augen ihrer Verwandten verschied. Auch der Sohn erlitt Brandverletzungen. Tod m den Welle«. Am Freitag kenterte auf der Ostsee vor Bodenwinkel an der Danziger Nehrung etwa 300 Meter vom Sttande entfernt ein mtt vier Fischern besetztes Boot. Drei von ihnen fanden den Tod in den Wellen. Der vttrte wurde mit dem gekentertem Boot, an das er sich geklammert hatte, eine Stunde nach dem Unglück an Land getrieben. Weygand Generalresident von Marokko? Nach Berichten einiger Blätter soll der ehemalige Oberinspektor der'fränKsischen Annee General Weygand, der vor einem Monat in den Ruhestand trat und sich gegenwärttg auf einer Privatreise in Marokko aufhält, zum Generalresidenten von Marokko ernannt werden. Der Zeppelinkapitän Hans Kurz Flemming ist am Freitag abends, nachdem er sich im Krankenhaus in Weingatten einer Bauchoperation hatte unterziehen müssen,im Alter von48 Jahren gestorben. Staatliche Schul' und Forschungsgüter— selbständige Unternehmen. Durch Regierungsverordnung vom 17. Mai 1934, Nr. 97 Slg. d. G. u. V., kam es zum Zusammenschluß der Schul- und For- schungsgüter in ein einziges Unternehmen„Staatliche Güter landwirtschaftlicher Schulen und landwirtschaftlicher Forschungsinstitute", die früher zu dem Unternehmen der staatlichen Forste und Güter gehötten. Zur formalen Zusammenlegung auf Grund der zitierten Regierungsverordnung kam es am 1. Jänner 1935 und der Minister für Landwirtschaft bestimmt« zum Vorsitzenden den Vorstand der I. Sektton des Landwirtschaftsministettums, Jng. Dr. E. Reich. Die Radi«merze«sung der Welf. An der ersten Fundstätte des Radiums, in' Joachimsthal, wurden von 1896 bis jetzt nur 45 Gramm Radium gewonnen, während die Weltproduktton bis jetzt 700 Gramm erreicht hat. 1933 wurden 25 Gramm erzeugt, davon drei in Joachimsthal. Die Hälfte der gesamten Radiummenge dürfte sich in USA be-' finden, doch jetzt sind viele Bettiebe stillgelegt, und Amerihr spielt nicht mehr die herrschende Rolle. Ge- geMvättig befindet sich die Produktion fast ausschließlich in der Hand der Belgier. Die Katanga- gesellschast entdeckte 1913 erstmalig im Kongo Ra- Rach acht Jahren. JnByskovice u Bystrice pod Hosthnem wurde von der Gendarmerie der 43jährige Häusler Ant. Pospisil verhaftet und dem Kveisgerichte in Bysttfice p. H. eingeliefert. Gegen Pospisil ist ein Strafverfahren anhängig, da er unter dem Verdachte steht, am 23. April 1927 sein hoch versichertes Hä Usch e n a n g e z ü n d e fizu haben. Bei diesem Brande wurde seinerzeit auch das Gebäude seines Bruders Franz vernichtet, der sein Nachbar ist und einen großen Schaden erlitt, weil er niedrig versichert war. Außerdem steht der Verhaftete im Verdacht, im Jahre 1932 einen Einbruchsdiebstahl in seine Wohnung fingiert zu haben, bei welchem seiner Behauptung nach, verschiedene Gegenstände im Werte von 3000 Kronen entwendet wurden. Bier Arbeiter verschüttet. Unwett der ttalie- nischen Gemeinde Marano erfolgte ein Erdrutsch, wobei vier Arbeiter verschüttet wurden. Einer konnte geborgen werden, war aber bereits tot. Brrsla«. Nachdem bereits in den letzten Tagen in ganz Schlesien Sturmböen in Windstärke 10 und 11 aufgetreten sind, ist am Samstag durch das Vordringen von Warmluftmasscn nach starken Neuschneefällen in den Kammlagen der Gebirge schwerer Weststurm eingetreten. Die Schneekoppe hat Windstärke 11. Gleichzeitig herrscht bis in die Kammlage Tauwetter. Infolge des Tauwetters besteht Hochwassergefahr. Innsbruck. Infolge des Witterungsumschlages der letzten Tage sind die bekannten Wintersportplätze ZuerS, Lech, Zug und Warth am Arlberg von jedem Verkehr und von der Außenwelt abgeschnitten. Auch für Skiläufer ist der Weg ins Tal wegen der großen Lawinen gefahr nicht möglich. Die Flexenpaßstratze ist unpassierbar. Moskau. Infolge der im Kaukasus eingetretenen warmen Witterung— es wurden Temperaturen von über 20 Grad Celsius Wärme festgestellt— sind die Schneemassen auf den Bergen geschmolzen und das Wasser flutet in die Täler. Die Flüsse Kura und Araks sind bereits aus den Ufern getreten und haben zahlreiche Dörfer in der Nähe von Eriwan überschwemmt. Die Regierung hat Truppen und Zivilbevölkerung zur Befestigung der Dämme mobttisiert, von denen bereits einige durch Fluten weggespült wurden. Insgesamt sind für die Be- festigungsarbetten 3000 Mann bereitgestellt worden. Nach den bisherigen Mitteilungen wurden 500 Menschen obdachlos. Das Ansteigen des Wassers ist noch immer sehr stark. Andreas Hofer der Sandwirt aus dem Passeiettal, Führer d«S Tiroler Bauernaufstandes gegen die Laherisch- fianzösische Herrschaft in Tirol im Jahre 1809, wurde vor 125 Jahren, am20Feb«r 18101» Mantua standrechtlich erschossen. Dreimal waren unter seiner Führung die Tiroler gegen die Fremdherrschaft aufgestarwen. Zuletzt noch, nachdem der Kaiser Franz bereits seinen Frieden mtt Napoleon geschloffen hatte. Andreas Hofer wurde nach dem Fehlschlag des letzten Aufstandes und nachdem er durch Verrat in Feindeshand. gefallen war, vor das Standgericht gestellt. Der „gute Kaiser" Franz, für den die Tiroler sich erhoben hatten, unternahm nichts zur Rettung des tapferen Bauern, der mit seinen Leuten ein halbes Jahr lang großen Armeen getrotzt hatte. Kaiser Franz war ein ebenso würdiger Vorläufer der heute in Oesterreich herrschenden Söldlinge Mussolinis wie Andreas Hofer in seinem Kampf fürlftras Recht und die FreLheit seines Volkes und in seinem tapferen Sterben ein Vorläufer der Walli sch und Weissei gewesen ist, die sich gegen die Versklavung Oesterreichs durch den FascismuS mit der Waffe gewehrt haben und von den eidbrüchigen Söldnern des italienischen Großherrn aufs Schaffott geschickt wurden. dium. Während aber früher reiche Erze erschlossen wurden, so daß zur Herstellung von 1 Gramm nur 10.000 Kilogramm Erz aufgearbeittt werden mutzten, benötigt man heute 30.000 bis 40.000 Kilogramm. Trotz modernsten Attwitsverfahrens ist für ein Gramm'eine Herstellungszeit von acht bis neun Monaten nötig. Das belgische Werk kann 60 Gramm jährlich herstellen, doch wird die Kapazität aus Absatzgründen bei weitem nicht auSgenutzt. DaS unfreundliche windige Wetter dürste unter der Einwirkung einer tiefen Störung über dem Norwegischen Meer auch heute noch anhallen. Hinter dzeser Störung wird später von Nordweften her etwas kältere Luft Vordringen, wobei es sich, auf den Bergen Böhmens wieder ein wenig abkühlen dürste.—Wahrscheinliches Wetter von heute: Unbeständig, sehr windig, vorwiegend, bedeckt, zeitweise Niederschlag; auch im Osten der Republik Erwärmung. Auf den Bergen heftiger Sturm und Temperatur zunächst nahe Null, später wieder etwa- sinkend.— Wetteraussichten für Montag: Bon Nordwesten her allmähliche Abkühlung. Vom Rundfunk iMpfehlMiwartu aus den Programmen; Montag Prag: Sender L.: 10.05 Deufiche Nachrichten. 12.10 Berliner harmonisches Orchester. 12.35 Kon- zett des Salonorchesters.' 13.35 ArbeitSmattt. 13.45 Chansons. 16.50 Kinderfunk. 17.20 Schallplatte»: Verdi. 18.20 DeutscheSendung: Josef Reiß: Der Sprung über den Abgrund. 18.35 Seidel: Vorschau auf das Musikprogramm der tschechoslowakischen Sender. 18.55 Deufiche Presse. 21.00 Hebet* tragung aus dem Deutschen Theater: Konzett aus Komposittonen von Bellini. 22.30 Deutsche Nachrich- ten.— Sender St.: 14.20 Blasmusik. ,14.40 Tanz- lleder tschechischer Autoren. 15.00 Deutsche Sendung. Vermischte Anzeigen. 15.35 Deufiche Presse. 19.15 Slowakische Vollslieder. 19.40 Mandolinenkonzert.— Brünn: 13.35 Schallplatte»: Beethoven. 17.45 Deutsche Sendung: Kinderstunde. 18.00 Dozent Dr. Steinermayer: Di« Parodie.— Möhr.-Oftra«: 18.20 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Heinr. Nitichmann: Die Arbeiterorganisation als Kulturfaktor.— Prrß- bnrg: 15.55 Nachmittagskonzert. DienStag Prag: Sender>L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 11.05 Deutscher Schulfunk. 12.10 Chansons auf Schallplatten, 13.45 Unterhaltungsmusik. 16.45 Jugendstunde. 17.25 Neuigkeiten auf Schallplatte». 18.20 Deuts ch e Sendung: Dr. Weil: WittschaftlicheS Relief;.Brahms und Prag", Vortrag von Dr. Geittnger. 19.10 BunteS Programm. 20.05 Klavierkonzert.— Sender St.: 14.20 Schallplatten. 14.35 Klavierkonzert. 15.00 Deutsche Sendu n a: Dr: Eugenie Schwarzwald: Vom Umgang mtt Büchern. 15.15 Alt« Abschiedslieder zur Laute.— Brünn: 10.15 Orchesterkonzert. 17 45 Deufiche Sendung: Arbeitersendung: Soziale Jnformattonen. 17.50 Sttaßny: Die staatliche Heimstättenaktton für die arbeitslose Jugend in Mähren-Schlesien.'— Möhr.-Oftra«: 15.55 Or- chesterkonzert. Die Arlerel In seinem phatastisch-humoristischen Roman „Ein Kankee an König Arturs Hof" macht sich der bekannte amerikanische Schriftsteller Mark Twain über die Gralsuche und den Gralsdienst der sagenhaften Palladine des keltisch-britischen König Artus weidlich lustig. Da zogen die jungen Herren gerüstet mit ihren eisernen Oefen, auf dem Kopf einen erzenen Topf so ganz ohne geographische Kenntnisse und Marschroute, so nur einfach nach Hörensagen und Umfrage aus, um die Burg zu suchen, in der die Abendmahlschüsfel Jesus und die blutige Lanze, mit der der Kriegsknecht Lon- ginuS die Seite des Gekreuzigten geöffnet haben soll, verwahrt und von einem herrlichen, religiösen Ritterorden, den„Templeisen" bedient sein sollte. Manche, wie Parsival, zog mystischer Drang ins Unbekannte, viele wie Gawein aber einfach nur selbstherrliche Abenteuerlust; und wenn sie dann nach Jahren von ihren schwerbewaffneten Landstreichereien zurückkamen, dann renommierten sie zwar heftig mit ihren zeugenlosen Heldentaten, taten sonst wber sehr geheimnisvoll und man' durfte sie beileibe„nicht befragen, noch Wissens Sorge tragen", ob sie die Gralsburg gefunden, wo sie sei und wo die Herren sich eigentlich herumgetrieben hatten. Denn dann wurden die Helden leicht böse, zogen ihre großen Meffer blank und zerschlugen dem unbequemen Frager das Maul, oder sie taten beleidigt und fuhren hoppatatschig sofort wieder ab, wie Lohengrin mit dem nächsten— Schwan. Diese unwissenden und Planlosen, völlig nichtsnutzigen berittenen Tippelfahrten der halbmythischen ArtuSritterschaft nennt Mark Twains Danke« kurz und respektlos: Die Gralerei. Und diese dunkle Gralerei sagenhafter, beschäftigungsloser Reserveleutnants des 6. Jahrhunderts ist jetzt neu aufgelegt worden, sie ist in unserem zwanzigsten Jahrhundert mit mystischer Verbrämung und blutiger Waffe, mit Ordensrit- ltrgrößenwahnsinn und offenbarer Abenteuerge- walttatSfreude samt allen Attributen unwissender Selbstberaucherung wieder da und grausam lebendig. Die gegenwärtige Gralerei heißt— Arierri und der Nationalsozialismus hat sie erfunden. Arier im Zigeunerlager. Die hochmögenden templeisen" des Hakenkreuzes, die öffentlich und wortwörtlich verkündeten„waS recht und richtig ist bestimmen wir", haben nämlich dem reichsdeutschen Volk, insbesondere dem nördlichen, reichsdeutschen Volk, den kategorischen Staatsimperativ auferlegt:„Ihr seid arisch, ihr sollt arisch sein" und Dr. Lothar F. 8 o t z, der es besser wissen könnte, setzt daher in ^einer wissenschaftlichen Tabelle des Neuesten Kosmos-Bandes„Erlebte Vorgeschichte", treu gehorsam die Formel:„Nordische-JndSsM- aianen oder Arier." Wenn noch vor wenigen Jahren ein deutscher Student an einer deutschen Universität bei einem sprachwissenschaftlichen Exa- Aen derartigen Stuß geredet hätte, so wäre er bombensicher durchgefallen. Aber der Sprachwissenschaft, an deren diesbezüglichen sicheren Ergebnissen sich inzwischen gar nichts geändert hat, der Sprachwissenschaft, der einzigen Wissenschaft, die über„Arier" und„arisch" «in sachlich und fachlich begründetes Wort zu sagen hätte, hat es in den Fängen des Hakenkreuzes bie Rede verschlagen. So ein armer, ehrlicher, zum bekennen wissenschaftlicher Wahrheit verdammter Eprachgelehrter müßte ja erklären, daß in Deutschland als Arier allerhöchstenS überhaupt Nur die— Zigeuner bezeichnet werden können, weil der Kern ihres eigentümlichen Idioms nn Altindischen ruht, daß aber die Germanen im allgemeinen, die Deutschen im besonderen ebenso wenig Arier sind, wie Hebräer, Mongolen oder Neger... Was find denn eigentlich Arier? Die Bezeichnung„Arier" und„arisch" hat niimlich nur eine einzige wissenschaftlich dermrkerte, sinnvolle und anerkannte Bedeutung. Diese ist die der Zusammenfassung jener indoger- wanischrn Sprachgenossenschaften, die die Wurzel -ari", welche«Herr, der Beste, der Edle" bedeu- wt, in ihrem Sprachschatz erhalten haben und da- ber sich selbst wohl auch mit diesem Wort(vergleiche: altindisch„aryas", Jranier, Irland) nannten. Arier sind also die ostasiatischen I n- b i e r, die mittelasiatischen Zendvölker, Meder, Balte r, Perser, eben die Jranier, viel- Gloffen In der Nummer 38 des.Prager Tagblatt" findet sich nachstehendes Inserat: Zukunftsreiche Fabrik einzige in der TSR., stark beteiligt an der Kriegsindustrie, wird aus Familiengründen »erkauft. Ernste Anträge lmt. Chiffre:.Sofort Kc 400.000.-/4187" an die Piras A. G., Prag ll., Bredovskä 1. Der Text sollt« eingerahmt und einem histori» scheu Museum überwiesen werden. Denn ungeniert gibt er die Meinung wieder, daß Beteiligung an der Kriegsindustrie eine gewsnnreiche und vor allem eine Zukunftsreiche Sache ist. Pom Standpunkt des künftigen Kapitalisten aus vielleicht die zukunftsreichste. Aber di« Herren an den gepanzerten Kassenschränken sollen nicht vergessen, daß auf die Zeit leicht noch jene Kelten» Sprach- und Blutsverwandte der Franzosen, die einst der Insel Irland den Namen gaben, in weiterem Sinn die Griechen, die das Höchstausmaß von Güte „ariston" nannten(vgl. das griechische Fremdwort: Aristokratie) und dann noch etwa das verachtete, fahrende Voll der Zigeuner wegen ihrer Sprachverwandtschaft mit dem Altindischen. Die Tochtersprachen des Lateinischen, dann die flämischen und germanischen Sprachgenoffenschaften aber dürfen sich am allerwenigsten„arisch" heißen, denn gerade ihnen ist ja die Wurzel„ari" nicht eigen. Das heißt: Zarathustra war Arier, aber Nietzsche nicht!„Arier" und„arisch" bedeutet für den Deutschen also nicht mehr als einen aus dem Osten zugereisten Fachausdruck der Sprach Wissenschaft, der jetzt plötzlich wieder für völlig ungeklärte Rassen frage herhalten soll, nur damit sich eitle Gewaltnaturen mit einem Namen ftemden Stammes verzieren können, dem die Bedeutung der Herrschaft und des Adels inne- wohnt.— Den eitlen, kleinen Buben, der sich beim Soldatenspiel sofort selbst zum General ernennt, trifft man auf jeder Spielwiese!— Durch Wirtshanslogik zum Ariertum Weil aber die Sprachenftage mit der Rassenfrage nicht identisch ist, bedeutet die Selbsternennung der Deutschen des Dritten Reiches zu Ariern nicht etwa eine nietzscheanische Umwertung alter Werte oder die Erfüllung eines alten Wortes mit neuem Sinn, und es handelt sich auch nicht um einen bloßen Streit ums Wort, sondern um etwas Wichtigeres, weil widerlich Widersinniges. Wenn irgendwo in einem Dorfwirtshaus an der Grenze ein tschechischer Klarinettist einen zigeunerischen Zymbalisten trifft, und wenn die beiden einander als Musiker, als Fachgenossen begrüßen, so ist das ganz in der Ordnung. Die Wissenschaft tut nichts anderes, wenn sie die einheitliche Sprach genossenschast aller indogermanischen Sprachen feststellt. Wenn aber nur der Zigeuner aus der Fach- genossenschaft allein eine Blutsverwandtschaft, eine„Bruderschaft" zu konstruieren anhebt, dann weiß der unbefangene Beobachter, daß solch rührende Verwirrung der Gefühle nicht ohne einigen Alkoholgenuß zustande gekommen sein kann.— Die unbefangene, nüchterne Wissenschaft macht die leidige Verwechslung von Sprachgenossenschaft und Rassenverwandschst längst nicht mehr mit. Wenn aber gar der Zymbalzigeuner nach gewalttätig aufgepapptem Bruderkuß seinen neuer- ~ Der Mann kauert in der Stube pnd starrt vor sich hin: Immer wieder dettkt er zurück an die Tage der Ernte, die so sehr enttäuscht haben. Da war er draußen und sein Blick umsaßte die dürftigen Zwergäcker, das Hügelland, die arme ge« liebte Heimat. In der Tenne lagen damals magere Korn- bündel, die in monotonem Takt von den Dreschflegeln bearbeitet wurden. Mager, entsetzlich mager war die Frucht, um die so viel gearbeitet, so viel gebetet worden war. Tag um Tag und wochenlang war die Sonne über die steinigen, schütteren Felder aufgestiegen und hatte gebrannt und gesengt und gebrannt und gesengt... Kein Segen war niedergefallen vom Himmel, zu dem soviele tausend inbrünstige Gebete aufgestiegen waren. Der Mann war verbittert in seine Keuche gegangen. Liebelos loaren sein Blick und sein Wort. Scheu waren ihm die Kinder ausgewichen, und sein Weib— sein Weib wartete auf das Wun, der, das doch endlich geschehen mußte. Denn sie wußte nur, daß das Wenige, das diesmal geerntet wurde, keinesfalls zureicht, daß aber doch die vier Kinder, der wortkarge Mann und sie selber auch in diesem harten Winter leben müssen. Wie? Das weiß sie nicht. Sie versinkt in taumelnde Gedanken, die zum Wunderglauben führen, zu gläubigem Erwarten. Allein trägt sie ihre dunklen Sehnsüchte und ihre lichten Träume. Der Mann würde mit bitterem Lachen zerstören, was sie wie einen Altar in sich ausgebaut hat. Der Winter ist weit vorgerückt und die Not ist gestiegen und die Frau hofft und glaubt noch immer und der Mann ist verbitterter geworden... deS Scheffelns die Zeit der Abrechnung folgen wird, die wohl nicht mehr so zahm präsentiert werden dürfte, wie unmittelbar nach dem Weltkrieg«. Diese Einsicht wird wohl einer der„Familiengründe" sein, di« den derzeitigen Fabrikbesitzer veranlassen, seine „Goldgrube" zu verkaufen. DaS Staatlich« Gesundheits-Institut zu Prag hat, wie die bürgerliche Presse meldet, eine„Arbeit von internationaler Bedeutung" geleistet, und zwar durch die Feststellung des Ernährungs-Minimums für Arbeiter. Als Versuchskaninchen diente eine vierköpsige slowakische Arbeiterfamilie. Als Mini- malrbtion wurden pro Tag Nahrungsmittel im ungefähren Wert von 20 KC berechnet. Diesem Ergebnis fügt der Berichterstatter in edler Einfalt hinzu:„Diese wichtige Angabe wird wohl einmal die Grundlage für Bestimmung von Minimallöhnen bilden." Hoffentlich bekommt der Schmock, der diese Weisheit von sich gegeben hat, als erster den Segen solcher Hungerlöhne zu spüren! nannten Verwandten anzustänkern beginnen sollte:„Was, d u willst ein guter Klarinettist sein? Da bin ich schon der bessere Klarinettist, auch wenn ich gar nicht Klarinette spielen kann!" dann erkennt der unbeteiligte Beobachter auf— totale Besoffenheit. Bom Ursprung der Germanen. Des totalen Hakenkreuzstaates abenteuerlichen Schiebungen vom heimischen, außer arischen Sprach gebiet zur nebelhaften Ferne einer arischen Rassenechtheit scheinen uns aber doch nicht mehr völlig unkontrolliert hingenommen und kritiklos bewundert zu werden. Da hat jetzt kein Freimaurer, kein Jude, kein Roter, sondern der deutsche Sprach- und Kulturhistoriker Hermann G ü n t e r t im Carl Winter-Verlag(Heidelberg) ein muttges Buch über den„Ursprung der Germanen" erscheinen lassen, das mit Hilfe eines reichen Materials der vergleichenden Sprach- und Kulturwissenschaft gegen die jetzt beliebten Propagandamythen der Arierei Stellung nimmt. Güntert zeigt nicht nur die Gültigkeit der oben dargelegten, durchaus nicht neuen Taffachen der Sprachwissenschaft auf, sondern er geht auch an die. Rassenfrage selbst heran. Er bekennt, daß er auf Grund seiner Untersuchungen an die Hypothese von der Urheimat der Jndogermanen an der Ostsee nicht mehr glauben kann und gibt mit höflichen Worten zu, daß natürlich auch die Germanen, wie ja fast alle Zivilisationsvölker der Gegenwart eine— Promenadenmischung vorgeschichtlicher Völkerwanderungen sind. Und zwar dürften die Germanen eine Mischung darstellen aus jenem von den Cro-Magnon-Höhlenmenschen abstammenden bäuerlichen Westvolk n i ch t indogermanischer Art, das uns die Hünengräber und den Namen des verschollenen Göttergeschlechtes der„Banen" hinterlassen hat und einem osttsch-asiattschen, schweifenden Reitervolk indogermanischen Blutes, das Licht- und Feuergötter verehrte. Mag in Günterts Arbeit, besonders in ihrem letzten Teil auch manche überspitzte Detailtüftelei stecken, eins ist durch diese tapfere Publikation von neuem dargetan: Durch verstandesmäßige Forschung kann man die Deutschen dem Ariertum nicht näher bringen, sondern nur mit Zuhilfenahme selbstsüchtiger Triebhaftigkeit und unklarer Mystifikation. Und so bleibt, wie nun schon, wie einst der irrenden Ritterschaft die mythische Gralsburg, der nicht minder irrenden modernen deutschen Ritterschaft von der traurigen Gewalt die erträumte Hochburg des arischen Blutadels im„fermen Land, unnahbar ihren Schritten..." I. M. Solche Keuchen stehen.zu Hunderten..ftitl-NL. der Grenze. ES gibt' Äele tausend'solcher Familien. Tausende Väter sind wortkarg und verbittert, tausende Mütter warten auf das Wunder. Die Heimaterde hat nicht gegeben, was ihre Kinder erwarteten. Solches Versagen der Erde bedeutet Mühsal, Hunger, kaum noch zu ertragendes Entsagen. Tausende und aubertausende Grenzlandkinder haben keine Kindheit! Sie sehen, wie Vater und Mutter in Düsternis dahinleben, sie hören bittere Worte, sehen, wie die Eltern den Tag ohne Freude verbringen. Und so sind auch ihre Tage. Neben dey armen Häuslern die vielen Arbeitslosen. Im Herbst haben sie die heimatlichen Wälder durchstreift, Beeren, Pilze, Brennholz gesucht. Jetzt haben sie nichts zu tun. haben keine Hoffnung, ihr Leben ist grau geworden, es ist— abgeschlossen. Männer im Zenit des Lebens gehen vornübergebeugt. Ungepflegt sind ihre Körper, verwildert, abgestumpft der ehedem so empfängliche Geist Alles Denken kreist um den rebellierenden Magen. Die Frauen sind verblüht, verwelkt. O, geht das rasch im Grenzland neben dem großen Walde! Ein kurzes kleines Mädchenglück und dann ein langes armes, verwunschenes Leben. Alle Jugendillusionen sind längst begraben. Liebe, von der so schön in den Büchern erzählt wird, ist ein leeres Wort geworden an der Grenze, wo immer, immer die Not der Menschen treuer Gefährte ist. Aus dem großen Walde, durch den die Grenze läuft, kommt leise, aber immer wieder eindringlich lockend das nattonäle, das fascisttsche Schlagwort. Es lockt und lockt und ruft zum Verrat... Aber di« Männer im Grenzland, die hart und Mussolini spendete 50 Zentner Bronze für ein Denkmal deS Philipp Corridoni, eines fafcistischen Borkämpfers, das in irgendeiner italienischen Kleinstadt errichtet werden soll. Vermutlich wäre die Stiftung von einem enffprechenden Quantum Brot vielen armen Teufeln lieber gewesen. Wer die Diktatoren lieben das Erz. Sie hoffen, damit der Geschichte de«. Mund zu stopfen. •• Die alte Hansastadt Bremen ist so sehr vom Uniformfimmel der Dritten Reiches erfaßt, daß das dortige Garten- und Friedhofsamt sogar die Grabsteine normalisiert. Es dürft» nur Grabsteine auS einheimischem Weser-Sandstein verwendet werden. Fremde Gesteine sind verboten. Zur Aufstellung werden nur solche Steine zugelaffen, die von dem Prüfungsausschuß für Grabsteine genehmigt worden sind. Ob für Volksgenossen, die auf der Flucht erschossen, vom Fallbeil geköpft wurden, oder die im Konzentrationslager durch„Selbstmord" geender haben, besondere Grabsteine zu verwenden sind, wird in der Verordnung leider nicht gesagt ausdauernd zu sein gelernt haben, sind keine Verräter. Sie stehen treu zu ihrer Heimat und zur Demokratie, und sie stehen zu dem Staate, dessen Teil ihre arme Heimat ist. Sie bieten der lockenden Lüge Trotz. Wer sie können auch nicht glauben, daß der Staat sie vergessen hat. Es ist nicht viel, was sie brauchen. Aber leben wollen sie! Schon droht, die Gefahr, daß ein treuer, biederer Menschenschlag von der Not völlig zerbrochen wird. Der Winter ist streng im Grenzland. In hunderten Familien mangelt es am Nötigsten. Arme Kinder klagen... I. Egerer, Neuberg bei Asch. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Zuviel Weizen und Hafer Sorgfältige Berechnungen der im tschechoslowakischen Staatsgebiet lagernden Getreidevorräte haben ergeben, daß am 1. Jänner 1935 ein Gesamtbestand an Weizen von. 82.500 Waggons vorhanden war. Diese Menge reicht nicht nur aus, um bis August den stark gesunkenen Bedarf vollständig zu decken, es ergibt sich vielmehr noch em Ueberschuß von etwa 20.000 Waggons. Angesichts dieser Feststellung besteht für die verantwortlichen Stellen die Verpflichtung, rechtzeitig Vorsorge zu treffen, daß diese Ueberschußmengen der Nahrungsversorgung unserer ärmeren Bevölkerungsschichten Angeführt und nicht etwa denaturiert, d. h. vernichtet werden. Die Roggenvorräte betragen 36.188 Waggons. Ihr Absatz dürfte kaum Schwierigkeiten machen. Ob aber die 12.700 Waggons Gerste abgesetzt werden können, ist unsicher. Bestimmt, unverkäuflich erscheinen die Hafervorräte von 15.000 Waggons. Weder der Inlands-, noch die Auslandsmärkte verfügen über die Aufnahme- fähigkeit für eine solche Menge. Es muß damit gerechnet werden, daß die Getreidemonopolgesellschast erhebliche Mengen an Weizen, Hafer und voraussichtlich auch Gerste mit ir: die neue Ernte hinüberbringt. Das sollte ein Hinweis sein, daß die Bewirtschaftung des Getreides nach der Seite der Produktion hin einer Ergänzung bedarf. Vom Prater Rundfunk Am vorvergangenen Samstag sprach Dr. Oskar- T u tz einen Bericht„Aus dem sudetendeutschen Kulturleben". Zur Einleitung wurde der erst kürzlich von dem Dichter-Terzett erarbeitete Satz wiederholt, daß Prag als kulturelles Zenttum der Deutschen abzulehnen sei, well es zu wenig nqtionalbewutzt und zu sehr kosmopolitisch und liberal sei. Auf diese gewichtige grundsätzliche Eröffnung folgte nicht mehr als«in - Streifzug durch di« Spielpläne des Theaters von Prag unb einigen Bühnen, der deutschen.Prminz. Dabei gqch es eimge'ÄebeitafchuriKnÄih erwadie,-„Straßenmusik" als Operette entdeckt zu boxen. Maria Heller beendete ihre Vortragsreihe über das Cembalo und seine Wiedererweckung mit den Meistern Dach.— In der anschließenden Dichterstunde stellte sich Robert Lindenbaum mit eigenen Werken vor; in ihnen lebt ein tiefes, schönes Empfinden, das'— nomen est nomenl— irgendwo am Brunnen vor dem Tore sein Daheim hat, durch Innigkeit und Wahrheit für sich gewinnt. Der. Sonntag brachte eine Uebertragung des Orchesterkonzertes mit Gesang aus Brünn. Das Orchester des Radiojournals und namhafte Solisten bestritten unter der Leitung des Kapellmeisters Otto Ackermann das wertvoll:.Programm' mit Mraczeks.Heroischer Ouvertüre", seiner. Suite„Aus meinem Leben" und Janäkeks„Kjnderreimen". Am Montag hörte man einen bilderreichen Reisebericht„Rund um Afrika" von Dr. Schaus» beiger. Er zeigte vor allem die erstaunliche Entwicklung der Verkehrsverhältnisse, die seit dem Beginn dä Jahrhunderts den„dunklen" Erdteil säst völlig erschlossen und in allen seinen wundervollen landschaftlichen Reizen auf-ganz bequeme Art zugänglich gemacht haben.— Rach diesem Fluge durch märchenhafte Schönheit kam die Pädagogik zu Worte, vertreten durch Prof. Otto Richter, der über„Das Erziehungsverhältnis in der Schule" sprach und seine Ausführungen auf den Grundsatz stützte, daß Erziehung darin bestehe, den Menschen aus dem Zustande der Unzulänglichkeit in den der Zulänglichkeit, überzuführen, worunter der Vortragende die Dingbeherrschung und die Selbstbeherrschung versteht. Aus diesem Wege, eben dem Erziehungswege, müssen die Stofftoelten der Umgebung erobert werden und der Mensch die Enffaltmig seines Vollebens erreichen. Der Erzieher ist der leitende Begleiter auf diesem Wege; seine Erfahrung, sein Wissen um die Unerbittlichkeit der Dinge geben ihm die unerläßliche Autorität. Genosse Dr. Emll Franz«! zeigte in der Arbeitersendung„Wien in der Kriegs- und Revo- lutionsgefchichte" als Barriere gegen Feinde von Osten und Westen, nunmehr als Schlüsselstellung für die von Norden und Süden andrängenden Machtbestrebungen, Die grauenvollen Febertage vom Jahre 1934 waren keine" innerösterreichische Auseinandersetzung: die Wiener Arbeiter fielen als Opfer des von Süden vordringenden Eroberungswillens.(Der Referent gibt diese kurz« Inhaltsangabe nur mit Vorbehalt Wiede?, weil der Empfang unter heftigen Störungen litt.) Zum Wochenende gab Genosse Leopold Gold- s ch m i d t den Uebefiblick über die aktuellen Geschehnisse und hob aus dem Bielerin des politischen Tagesgeschehens mit sicherem Griff das Wesentliche: die Blitzdemonftrationen in Wien, das Memorandum der" 564 Arbeiter als grauenhaftes Dokument spanischer Barbarei; die wirtschaftliche Erschütterung in Deutschland, Faulhabers drohender Bannfluch gegen die Führung der autoritären Macht, den Gefahrenherd Jtalieu-Weffinien, Sowjetrußlands scharfe, nach Westen gerichtete Kritik... und schließlich die bedeutendsten Erscheinungen im innerpolitischen Leben: die bedeuffame Rede des Außenministers Dr. BeneS und die Ankündigung enffcheidender Maßnahme» zur tatkräftigen Bekämpfung der Wirtschaftskrise Ernst Lbö«er, Am Grenzstrich klagt ei« Lied..- Seite 6 ^Sozialdemokrat^ Sonntag, 17. Feber 1935. Nr. 41 PRAGER ZElTCMfi Die erste Prager Schwurgerichtsperiode des Jahres 1935 wird am Montag, dem 18. Feber mit einer Verhandlung wegen des V e r b r echens der mißbrauchten Amtsgewalt eröffnet, wobei ein Postangestellter wegen Unterschlagung von Postsendungen vor den Geschworenen erscheinen wird. Diese Schwurgerichtsperiode ist außerordentlich kurz. Ihr Programm umfaßt vorläufig nicht mehr als sieben Fälle. rb. Bei Dickleibigkeit regt der kurmäßige Gebrauch des natürlichen„Franz-Joses"-Bitterwassers die Darmtätigkeit kräftig an, beschleunigt sicher den Stoffwechsel und macht den Körper schlank. ticrlchtssaal Vater sticht den Sohn nieder Dreizehn Monate schweren Kerkers. Prag. Vor dem Senat N o v ot n H wurde Samstag eine Anklage gegen drei Angeklagte verhandelt, die in zwei verschiedenartige Teile zerfällt. Auf der Anklagebank saßen der 80jährige Gelegenheitsarbeiter Josef K o st n e r aus dem Dorf H a l o u n Y, sein 20jähriger Sohn Jaroslav Kastner und ein gewiffer Karl V o st ä r e k, in dessen Häuschen die beiden vorgenannten Angeklagten wohnen. Der erste Teil der Anklage beschuldigt alle drei des gemeinsamen Felddiebstahls. Sie.sind beschuldigt, von den Feldern eines Grund- besitzers 128 Garben Weizen und 4 Garben Gerste gestohlen zu haben, im Gesam.wert von 1420 UL. Alle drei Angeklagten sind mehrfach vorbestraft, der stlte Josef Kostner sogar nicht weniger als dreizehn- nml. Zum Teil waren sie geständig und außerdem durch Auffindung des gestohlenen Getreides überführt. Der Schuldspruch konnte daher nicht zweifelhaft sein. Der zweite Teil der Anklage aber betrifft einen ganz anders gearteten Fall, bei welchem nur der alte Kostner unter Anklage stand. Dieser war nämlich auch noch des Verbrechens der schweren Körperverletzung, begangen anseiuemeigenenSohn, angeklaqt und dieser— eben noch sein Mitangeklagter, verwandelte sich für diesen Teil der Anklage zum Kronzeugen. Vater und Sohn lebten, wie erwähnt, als Mieter bei dem dritten Angeklagten, mit besten Schwester Anna der Sohn Jaroslav ein Verhältnis unterhielt, das oft durch Streitigkeiten und Gewalttätigkeiten getrübt wurde. Am 8. November kam es wieder zu einem solchen Auftritt, der derart ausartete. daß Anna Vostärek vor ihrem tobenden Lebensgefährten zu Nachbarsleuten.floh. Als sich der Vater iw den Streit mischte, kam es zwischen ihm und seinem Sohn zu einem wilden Streit, der damit endete, daß der Vater das Messer zogundseinenSohn durchzwei Stiche zwischen die Rippen niederstreckte. Es waren sehr schwere Verletzungen, von denen Jaroslav erst nach langem Krankenlager hergestellt war. Der Gerichtshof erkannte alle drei Angeklagte des Diebstahls schuldig und den alten Josef Kostner außerdem noch des Verbrechens der schweren Körperverletzung. Dieser wurde zu dreizehn Monaten schweren und verschärften Kerkers verurteilt, sein Sohn Jaroslav und Karl Vostärek zu je drei Monaten Kerkers. rb. Kunst und Wissen Ehe in Dosen Die gestrige Erstausführung dieses„Lustspiels" tm Deutschen Theater wirft für den Kritiker in aller Schärfe das Problem auf, vor das er sich öfters denn je gestellt sieht: wie in solchen Fällen di« Aeberzeugung aussprechen, mit der er der Kunst zu dienen bestrebt unb verpflichtet ist, und wie dennoch nicht, durch die in solchen Fällen nottuende kategorischeste Ablehnung, für die Schwierigkeiten eines Kunstbetriebs mitverantwortlich gemacht zu werden? Wenn man den Inhalt dreier von den vier Dosen Süß-Sauerkohl zu sich genommen hat, an dem Leo Lenz und Ralph Arth ui: Roberts schuld sind, so steht das Urteil fest, daß es sich hier nicht nur um eine besonders blutarme Handlung handelt, sondern um eine ganz außerordentliche Häufung von Geschmacklosigkeiten, Trivialitäten und Banalitäten, um allerbilligste Scherze, von denen man glaubt, daß sie seit der allgemeinen Verbreitung der Kenntnis des Lesens und Schreibens nicht einmal mehr in Jahrmarktbuden als Kunstersatz hingenommen werden könnten. Da werden„Späße" mit Esten und Trinken gemacht, für die uns ein salonfähiger Ausdruck fehlt. Innerhalb zweier Stunden gerade eine einzige Szene, die halbwegs menschlich anspricht! Und dazu hat man eine Schauspielerin, die im Vorjahr zum gleichgeschalteten'Film qusrückte, ins Haus gebeten; ein großer Teil des Publikums scheint ibr bis gestern treu geblieben zu sein; wir aber müffen feststellen, daß diese Schauspielerin in diesem Stück keine andere Gelegenheit findet, als ihren natürlichen Liebreiz einzusetzen, daß sie das ohne jede nennenswerte Charakterisierungskunst und mit auffallenden Mängeln der Sprechtechnik besorgt. Gelacht wird über Herrn G ö tz, der sich zuerst durch Karikieren seiner Rolle hilft, bis sie ihm die Möglichkeit bietet, ein wenig wirkliche Wärme und auch etwas Humor zu entfalten., Die übrigen„Aufgaben" sind auf die Dameik Carpentier, Wünsche und Küter und auf die Herren Volker, Stadler, Demel und Stiegler aufgeteilt. Regie führt Herr Liebl. Wie darf man solches niederschreiben und dennoch dem Theater nicht schaden wollen, auf daß es weiter für jene Abende bestehe, an denen nach dem' zuwidersten Kitsch die Kunst in ihre Rechte tritt? Nun denn, was die kommende Woche anlangt: wer Geld hat, höre sich Mvntag Bellini- Musik unter Maestro Molinari an; oder: ehme teil einem Kassasturm bei der Reprise des ausgezeichnet aufgeführten Janacek-Meisterwerks„I e- nufa" am Mittwoch; oder besorge sich einen Platz am Donnerstag zu Verdis unsteMichem„Othello"; ja gehe am Freitag zum„Sommer- nachtstraum", denn das Original ist von Shakespeare; und schließlich ist noch der Samstag da, für die göttlich-heitere„Schöne Helena" Offenbachs. Aber daß einer zu den Wiederholungen der „Ehe in Dosen" in der Kleinen Bühne geh«, dafür wollen wir im Namen der Kunst nicht die geringste Verantwortung tragen! L. G. Dcrdi-Zhklus. Der dritte Abend des am Prager Deutschen Theater in Szene gesetzten Zyklus Verdischer Opern brachte vorgestern in willkürlicher Werkfolge des Meisters drittletzte Opernschöpfung, die unverzüglich in ihrem Glanz und in ihrer stilvollen Schönheit strahlende„A i d a". Zwei Sängergäste hatte man für diesen Opernabend berufen; teils aus Not, teils aus Gründen besonderer Festlichkeit. Der Festgast war die Altistin Kerstin Thorborgals Amneris, die diese Partie schon wiederholt hier gesungen hat. Aber wieder begeisterte man sich an der wundervollen Schönheit ihrer samtenen, hochkultivierten Stimme, an der vollendeten Kunst ihrer Wortbehandlung und an der so persönlich stark wirkenden Hoheit ihrer Darstellung. Der Notgast war Fr. Irene I e s s n e r als Aida, eine Künstlerin mit bedeutendem fchau- spielerischen Ausdrucksvermögen, eine Sängerin, deren Stimme sich sehr erfolgreich durchsetzt, die auch in der Höhe noch schönen Glanz hat, der aber Frifche und Schmelz fehlt. Ein stimmlich imponierender Oberpriester war Julius Guttmann, ein in der Darstellung und im Ton bedeutender Amonasro Theodor Scheid!. Auch die kleinen Rollen der Priesterin und des Boten waren mit Frau Medak und Herrn Göllnitz.sehr gut besetzt. Fischer als Radames hatte einen besonders guten Abend, trotzdem ihn der Husten quälte. Ueberhaupt hatte die von Kapellmeister Fritz Zweig sauber und temperamenwoll geleitete Aufführung beachtliches künstlerisches Niveau. Nur der Besuch der Vorstellung ließ Ivieder viel zu wünschen übrig. E. I. Arbeitrrvorftellung„Ich hab'S getan", Schauspiel von Martin Gläser, über das die Kritik einstimmig als über«in großes Theatererlebnis berichtete, am Sonntag, den 24. Feber, um halb 3 Uhr nachmittags, im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich von 8 bis 2 und 4 bis 8 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute Sonntag, halb 3 Uhr: F r cm denver- k e h r; halb 8:DieZeitensindschwer, D2. — Montag, 8: Bellini-Konzert unter Leitung Molinaris.— Dienstag, halb 8: Die Zeitensindschwer, A2.— Mittwoch, hach 8: Ienufa, B 1.— Donnerstag,hach 8: Othello, Verdi-Zyklus IV, CI.— Freitag, hach 8: Sommernachtstraum, D 2.— Samstag, hach 8: Di« schöne Helena, Abonnement aufgehoben. Spielplan der Kleinen Bühne. Sonntag, 11: Tanzmatinee Lott« Goslar; 3: Schneider Wippl contra Napoleon; 8: Ehe in D o f e n.— Montag, 8:EheinDosen, Bankbeamte und freier Verkauf.— Dienstag, 8: Ehe in Dosen.— Mittwoch, 8: Ich Habs getan. •— Donnerstag, 8: Ehein Dofen.— Freitag, 8: Ich Habs getan.— Samstag, 8: Ehe in Dosen. Sport• Spiel• Körperpflege Der Nazi-Sport Das Doppelspiel der bürgerlichen Presse Schaut man von Zeit zu Zeit die Sportnachrichten in der bürgerlichen Preffe— bei der deutschen mehr als bei der tschechischen— durch, so staunt man, wie geschickt das Propagandamaterial, das auf noch geschickteren Wegen zu uns aus Hitler- Deutschland herüberkommt, übernommen und abgedruckt wird. Einen großen Anteil daran hat auch das Tsch. P.-B., welches kurzweg alles übernimmt und an di« Sportredaktionen weitergibt. Es gibt bei uns Redaktionen, die mit großer Vorliebe alle Lügenmärchen über den hervorragenden Sport im Dritten Reiche ihren Lesern vorsetzen. Es sind dies Redaktionen, denen das' Hakenkreuz näher steht als die Demokratie. Einfach deshalb, weil sie sich als Besitzende die Gleichheit so vorstellen. Es gibt zu denken, wenn u. a. fortschrittliche Blätter, doch, vclkstümlich gesagt, den Hitlerleuten auf den Leim gehen und alles abdrncken,. das nur als Sportbluff angesehen werden kann. Im heutigen Deutschland sieht es so aus, daß über die Ereignisse im tschecho- flowakischen Sport überhaupt nicht gefchrieben werden kann. Eine Ausnahme bilden nur jene Fälle, wenn tschechoslowakische Sportler in' Deutschland starten und als gute Kaffamagneten benützt werden können. Die Hakenkreuzpropaganda hat den jesuitischen Grundsatz vertausendfacht:„Der Zweck heiligt die Mittel!" Di« eine Hand hebt eine Granate auf, um sie dem anderen unter die Füße zu werfen; di« andere Hand aber proklamiert mit einer pathetischen Gest« den Sportfrieden unter den Nationen. Die Nazi, die den deutschen Arbeitersportlern ihre Sportplätze, ihre redlich und ehrlich zusammen- gesparten Geldmntel, Turnhallen, Geräte usw. raubten, wollen auch bei uns tonangebend mit ihrer Lügenpropaganda wirken. Wer sich bei uns in dieses Doppelspiel einläßt, ist entweder blind und taub oder er prüft seine Schauspielkunst aus. Aber nur so lange, bis einmal«ine furchtbare Enttäuschung eintreten wird. DFC Prag, welcher am Samstag in Arnheim gegen die ostholländische Auswahlmannschaft spielte, wurde mit 0:3 geschlagen. Bom Sportmäcen zum Ankläger. Der Funktionär des CSK. Preßburg, Sedlacek, hat, weil der Klub den Spieler Daukik an die Prager Slavia zu billig abgab, seinen Austritt vollzogen, das Diplom der Ehrenmitgliedschaft zurückgestellt und außerdem den Klub auf Rückzahlung einer Anleihe von 27.000 K<5, die er seinerzeit gewährte, gerichtlich geklagt. Die„ Schokoladen° Affäre." Wie die„Ranni novinh" erfahren haben, hat der Rechtsvertreter des Slavia-Spielers Zenisek, Dr. A. Dusek, gegen Mitglieder der CsAF. die Strafanzeige wegen Terror und Nötigung erstattet. Durch diese neue Klage gelangt die Affäre Zenisek—CsAF. in ein weiteres, für die Geklagten unangenehmes Stadium. I« Rürschan dürfen Schüler nicht Eishockey spielen. Mehrere ernste Unfälle, welche Schüler beim Eishockeyspiel auf einem Nürschaner Eislaufplatz erlitten, haben die Direktionen der dortigen Volks- sowie Bürgerschule veranlaßt, den Schülern das Eishockehspiel zu verbieten. Eine verkrachte Sportreportage von den Fis- Kämpfen servierte das Radiojournal Samstag mittags seinen Hörern. Man sollte«ine Ueber- tragung von dem Sprunglaufbcwerb zu hören bekommen. Wer es war eine Belastungsprobe für die Ohren, all di« Reden, Geräusche, Getute, mit Schallplattenmusik vermischt, und das Durcheinanderreden der Herren Ansager, die sich ja nicht hören, wohl aber zum großen Teil an der Sache vorbeiredeten, mit anzuhören. Alle? in allem, das Radiojournal kann„stolz" auf diese ihre technische Leistung sein. Mit anderen Worten: Schade um die Zeit und das Geld..« Ber Film Anna Sten spielt di« Hauptrolle in dem Großfilm der United Artists„Nana, der nach dem gleichnamigen Roman von Emile Zola hergestellt wurde. Teilnehmer antwortet nicht Ein Berliner Kriminal-Reißen des Regisseurs Rudolf Kätscher, der sich nicht durch seine Handlung, sondern durch seine Besetzung vom lieblichen unterscheidet. Im Rahmen einer(ziemlich unblutigen) Kassenknacker-Geschichte, die ihre Spannungen und Ueberraschungen' aus haarsträubend unwahrscheinlichen Voraussetzungen bezieht, tritt hier eine stattliche Reihe von Darstellern auf, die früher würdigere Aufgaben gewöhnt waren— und ihnen großenteils wohl auch heute noch gewachsen wären. Da ist also zunächst Gustav D i e ß l, der seit Jahren der eindrucksvollste und sicherste unter den jüngeren deutschen Filmdarstellern ist(und seit ebensoviel Jahren zugunsten fritsch-fröhlicher Kitschhelden in Nebenrollen gedrängt wird). Des weiteren Oscar Sima, der einst ein Helfer Piscators war und jetzt seine immer noch zwingende Energie für zäh lauernde Detektive aufwenden muß. Und in der Verbrecher-Hauptrolle sehen wir den dekadenten Jntriganten-Spieler Gustaf Gründgens agieren(der sein Fach jetzt als Görings Staatstheaterchef weiterspielt). Ein verfchwenderischer Mißbrauch von Talen« ten, der sich am schreiendsten in den Nebenrollen dieses nebensächlichen FilmS offenbart. Denn dort bemerken wir einen so genialen Schauspieler wie Vladimir Sokol off und die mit den„Mädchen in Uniform" bekannt gewordene Dorothea W ie ck.< —eis— «■■■■■■■■■■■■■■ Derlanget überall Dollmünder! ■■■■■■■■■■■■■■■ Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Montag» den 18. Feber 1938, nm 8 Uhr abends im großen Saale des Gewerkschaftshauses Prag I.» Pertzthu 11, Jahresversammlung Tagesordnung: Protokoll, organisatorisches und politisches Referat deS Ber- trauenSmannes.— Berichte des KaffierS, der Kontrolle.— Neuwahlen.— Allgemeines nnd A« trSge. Zutritt haben nur Parteimitglieder gegen LarweiS d«S gültigen Mitgliedsbuches. Lus der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag» Heute. 3 Uhr nachmittags im Gewerkschaftshause: Feberfeier der Kampfge,.:eins^-st. Mittwoch, den 20. Feber. 8 Uhr abends, Gruppenabende: S. I. Zentrum: Gemeinsamer Wend mit den tschechischen Genossen.— S. I. Holleschowitz: Geschichte der Arbeiterbewegung.in der Tschechoslowakischen Republik.— S. I. Weinberge: Heimabend. Verclnsnadiriditen Der„Angestellten-Ball" des Allg. Angestell- ten-Berbandes, Ortsgruppe Prag, findet am Samstag, dem 2. März, im Heinesaal statt. Masken und Kostümierte willkommen. Eintrilt 10 KL inklusive Steuer. Vorverkauf bei der Ortsgruppe, ferner im Verein deutscher Arbeiter, Smecky 27, und Konsumgenossenschaft, Fügnerovo näm. 4 und Vinakska 21. 286» Mitteilungen der»Urania« Geheimrat Nernst in der Urania! Der berühmte Gelehrte spricht Dienstag, 8 Uhr, über»Physik«n» Weltall". Heute, Sonntag, halb 11 Uhr:„TaS letzte Paradies". Bilder von SchomburgkS großer Afrika- expedition. Kulturfilmpreise. Unvergeßliche Filme:„Der Patriot". Der ausgezeichnete Lubitich-Film mit JanningS und Florence Vidor. Montag*49 Uhr. „Erziehung zum Glück". Dr. Eugenie Schwarzwald(Wien). Wie verschafft man sich jene Sicherheit, Ruhe, Heiterkeit, die wir im Alltag Glück nennen. Mittwoch, 8 Uhr. „Lustiger Kindernachmittag". Das Märchen von Burg Sonnenschein. Der Märchenonkel berichtet Neues. Mittwoch, 3 Uhr. Masaryk-Bolkshochschr»le „Technik der Beeinflussung". Dr. B. Fürst» Einzelkarten. Montag, 8 Uhr. Max Liebermann-Gedenkstunde. Dr. Willy Meyer(Bozen). Der bekannte Kunstkritiker schildert an Hand von 80 Lichtbildern ein Bild vom Schaffen dieses Künstlers. Montag, 8 Uhr. „Die Frau im Berus". Ausspracheabend: Leitung: Dr. Goder-Herrmanri. Sollen Frauen in di« Berufsarbeit gehen? Die Arbeit der verheirateten Frau. Hat die Frau im Beruf der Wirtschaft geschadet. Donnerstag, 8 Uhr. Hirne in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Es lebe der Selige." Lustspiel H. Haas- Tsch.— Alfa:„Der rot« Pimperyell" E.— Avion: „Der Sohn des King Kong." A.— Brränek:„Tie hohe Schule." Rudolf Forster. D.— Finix:„C a- v a l c a d A.— Flora:„Moskauer Nächte." F*' — Hollywood:„Es lebe der Selige." Tsch. Hvezda:„Ein Sohn Indiens." A.— KincuM« B.-Th.: Journale. Groteske, Report. Ab J42—7. Koruna:„Teilnehmer antwortet nicht..." Detektivfilm. D.— Kotva:„W olkenstürmer."& Lucerna:„W o l k e n stü r m e r." A.— Olympia „Die hohe Schule." Rudolf Forster. D.— Praha: „Tas Meer ruft." Heinr. George. D.— Radia:„T>e hohe Schule." Rudolf Forster. D.■*- Staut:„Del Dämon." E.— Svitozor:„Es lebe der Selige."■" Alma:„Grandhotel Nevada." Tsch.— Bajkalt „Grandhotel Nevada." Tsch.— Carlton:„Der Helt ohne Wöhnung." D.—Favorit:„Die hohe Schule- Rudolf Forster. D.■— Illusion:„Grandhotel Nevada." Tsch.— Lido:„Die hohe Schule." D.■** Louvre:„Grandhotel Nevada." Tsch-— Maresk«: „Grandhotel Nevada. Tsch.— Roxy:„Grandhotek Nevada." Tsch.— Sport-Smichvv:„Norturuo- D.— Baldrk:„Grandhotel Nevada." Tsch. VERLANGEN SIE in jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER A Cie.. PILSEN Selchwaren der Fa. HEGNER A Cie., Pilsen 445 sind die allerbesten! Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HmiS oder bei Bezug durch die Post monatlich Ki 16.—, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kö VS.—. ganzjährig Kd 192.—.— Interne»«erden laut Tarik billigst berechnet. Bei öfteren Einschalümgen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur nwrde vw» der Pech-«p Tele« graphendircktiou mit Erlaß Nr. 13.800/VH/1V30 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS". Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag.