t Nr. 42 15. Jahrgang Dienstag, 19. Feber 1935 IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHER ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiu fochova«2. telefon sm. Administration Telefon 530/6. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Etazeforels 70 Htlta (einschließlich 5 Heller Porto} Japan interveniert in Rom wesen seiner wirtschaftlichen Interessen In Abessinien Tokio. Nach japanischer amtlicher Mitteilung hat der japanische Botschafter in Rom, Sugimura, eine längere Besprechung mit Staatssekretär Suvich gehabt, die den italienisch- abessinischen Konflikt betraf. Der Botschafter Japans hat in dieser Besprechung der italienischen Ne» gierung den japanischen Standpunkt zur Kenntnis gebracht und hat die Hoffnung auf eine friedlich» Lösung ausgedrückt. Sugimura wies weiter darauf hin, daß Japan in Abessinien starke wirtschaft» liche Interessen habe. 70.000 Fascisten melden sich freiwillig Rom. Am Montag wurden in Neapel 2000 Soldaten zur Abfahrt nach Somaliland ein- geschifst. Ministerpräsident Mussolini teilte im Grossen faseistischen Rat mit, dass mehr als 70.000 Schwarzhrmden um Einreihung in die Abteilungen ersucht haben, die nach Ostafrika abgegangen sind. , Prager Tagung , der Kleinen Wirtschaftsentente Prag. Montag um 11 Uhr vormittags würde in der Volkswirtschaftlichen Sektion des Aussen- lninisteriums die handelspolitischen Fragen gewidmete Konferenz des Wirtschaftsrates der Kleinen Entente eröffnet. Vor der Konferenz wurden die Vorsitzenden und Vorsitzendenstellvertreter der Delegationen vom Minister für auswärtige Angelegenheiten Dr. Benes empfangen. Die Konferenz wird, bis Ende der Woche dauern. Oie Dollar-Goldklausel nur für staatliche Schuldverschreibungen verpflichtend Washington. Das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten hat Montag die mit Spannung ^erwartete Entscheidung in der Frage der Goldklausel gefällt. Darnach bezieht sich die Goldklausel — entgegen dem Standpunkt Roosevelts—- auf Federal-Bons(ft aatliche Schuldverschreibungen), keineswegs aber auf Privetobligationen. Private Gesellschaften, welche Bons mit der Goldklausel ausgegeben haben, können ihre Verpflich- lungen gegenüber den Inhabern in Papierdollars erfüllen. Dagegen wird die Regierung der Bereinigten Staaten verpflichtet sein, bei Federal- Vons für jeden nominellen Dollar, sowohl vom Kapital, als auch von den Zinsen den Betrag von 1.69 Papierdollars zu bezahlen. Es besteht nicht der geringste Zweifel, daß die «egierung augenblicklich Massnahmen ergreifen lvird, um die Lage auch in Sachen der Federal- Vons zu beherrschen. . Ueberdies wird die zweite Entscheidung des Obersten Gerichtes, dass es nämlich in diesem Falle keine(E x e l u t i o n s-) Jurisdiktion babe, dahin ausgelegt, dass die Inhaber-solcher staatlicher Goldbons nicht imstande sein werden, bir Bezahlung ihrer Forderungen auf Goldgrundlage z« erzwingen. Rückgabe des rumänischen Goldschatzes durch die Sowjetregierung Bukarest. Soeben wurden die Verhandlungen zwischen Rumänien und der Sowjetunion über "le Rückgabe des Goldschatzes beendet, den die knmänische Regierung im Jahre 1917 zur Zeit beS Eindringens der österreichisch-ungarischen und "kutschen Truppen in Rumänien nach Russland gesandt hatte. Der rumänische Unterstaatssekretär wr Auswärtiges hat dem"Parlament mitgeteilt, "üh Sowjetrußländ Rumänien diesen in rund 1000 Kisten verpackten Schah, bestehend aus ® o I b, Schmuckstücken, seltenen Bildern und Wertvollen Handschriften, zur Verfügung gestellt hat.‘ Spionage im Reichswehrministerium: Die Schönredner Zwei Frauen geköpft Die Verführten hingerichtet/ Der Verführer nur lebenslänglich Berlin. Einer amtlichen Verlautbarung zufolge hat der Volksgerichtshof durch Urteil vom 16. Feber wegen Verrates militärischer Geheimnisse Frau BenHa von Berg-Falken- h a y n und Renate von Ratzmar, beide aus Berlin, zum Tode verurteilt. Außerdem wurden aus dem gleichen Grunde Jurek von Sosnowski und Irene von Jena zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Da der Führer und Reichskanzler die Begnadigung abgelehnt hatte, wurde das Urteil gegen Benita von Berg-Falkenhayn und Renata von Ratzmar Montag früh vollstreckt. Die Hinrichtungen wurden im Berliner Ge- fängnishof durch Handbeil vollzogen, und zwar durch den- professionalen Berufshenker, der die Exekution im traditionellen Anzug, nämlich im Frack mit weißen Handschuhen dnrchführte. Zuerst legte die erst 23jährige geschiedene Fra« Benita von Falkenhayn ihr Haupt auf den Richtblock. Dann wurde die Hinrichtung an Fra« RenateNatzmer vollzogen. Die Mitteilung von der Vollstreckung der Hinrichtungen ist im Laufe des Montagnachmittags an allen, Berliner Plakatsäulen, entsprechend den gesetzlichen Brstiiumungen, angeschlagen worden. * Das ganze Verfahren in dem Spionageprozeß ist st r e n g geheim durchgeführt worden. Im Auslande waren zwar Nachrichten über den Prozeß verbreitet» in Deutschland ist bis heute nicht eine Zeile über ihn erschienen. Der Volksgerichtshof» drr^ bei verschlossenen Türen tagte, hat das Urteil am Samstag gefällt. Der Hanptbrschuldigte, der polnische Staatsangehörige Sosnowski, wurde nur zu lebenslänglichen! Zuchthaus verurteilt. Er war es» der die mit ihm angeklagten drei Frauen für seine Zwecke verführte, zuerst Frau von Falkenhayn und später durch deren Vermittlung dann auch Fräulein von Jena und Renate von Natzmrr. Die Frauen waren als Beamtinnen im Reichswehrministerium tätig und hatten ihre Stellung dazu mißbraucht, um Sosnowski sehr wertvolles Material zu beschaffen. „Add verpflichtet“ Dank des Volkes an den Führeri Das vollzogene Urteil in dem Landesverrats- Prozeh gegen zwei Frauen hat in Berlin grosses Aufsehen erregt. Die frühen Abendblätter brachten noch keine weiteren Mitteilungen. Erst di« von Dienstag datierten Blätter bringen Einzelheiten über die vollzogenen Hinrichtungen) Das„Berliner Tageblatt" sagt dazu: „Die beiden Landesverräterinnen waren durch Geburt oder Verheiratung Trägerinnen altberühmter, in der preussischen und deutschen Geschichte glanzvoll bekannter Namen. Gerade weil es sich um Ange- hörige der Gesellschaftskreise handelte, die nach der bisherigen Tradition dtfT'engsten mit der Wehrmacht verbunden waren, konnte von einer Milderung der Strafe nicht di« Rede sein." Ebenso schreibt die Reichsausgabe der„Deutschen Allgemeinen Zeitung".«.„Das Volk werde dem Führer besonderen Dank(!) wissen, dass er jeden Gnadenbsweis abgelehnt und die Urteilsvollstreckung unverzüglich angeordnet hat. Ein Verbrechen wie Landesverrat kann nur durch Blut getilgt werden. Allen Feinden Deutschlands mag dieses Exempel zeigen, dass die Beschäftigung mit Landesverrat eine gefährliche Sache ist und die Staatsgewalt von der schärfsten Sühne nicht zurückschreckt. Saar-Zollgrenze bereits verlegt Saarbrücken. Das Saargebiet hört auf, Bestandteil des französischen Zollgebietes zu sein, und tritt in das deutsche Zollregime ein. Die französischen Zollbeamten hchben um Mitternacht auf Montage ihre Posten an der saarländischdeutschen Grenze verlassen und 500 reichsdeutsche Zollbeamte haben zur gleichen Zeit ihre Posten an der französisch-saarländischen Grenze bezogen. Der provisorische Vorsitzende der Saarländischen Regierungskommission Zoriöic protestierte bei der deutschen Delegation gegen den politischen Anstrich, der diesem Akt dadurch gegeben wurde, dass man dabei die deutschen Hymnen spielte. In den letzten zwei Tagen haben noch einige Hundert Flüchtlinge das Saargebiet verlassen. die hauptsächlich nach Süd-Frankreich in die Gegend von Toulouse gesandt werden. * Rom. Die Unterzeichnung der Abkommen über die Rückgliederung des Saargebietes an Deutschland hat Montag in Neapel in Gegenwart des Vorsitzenden des Dreier-Ausschusses Baron Aloisi stattgefunden. Es handelt sich vor allem um das Hauptabkommen zwischen Deutschland und Frankreich über die Uebertragung des Eigentums /des französischen Staates an den Saargruben und Eisenbahnen auf Deutschland und di- Entrichtung her Kaufsumme von 900 Millionen französischen Franken an Frankreich. Zur Bezahlung dieser Summe werden die fremden Zahlungsmittel, deren Umtausch gegen tsseichsmark heute' im Saarland beginnt, und vor allem die Kohlenliefe» rungen aus den Staatsgruben herangezogen. Gemeinsame Antwort an Deutschland in Vorbereitung Paris. Entgegen den verschiedenen Nachrichten über eine bevorstehende Reise des dent- schen Außenministers von Neurath nach London und über direkte Verhandlungen Englands mit Deutschland wird Montag abends an informierten Stellen in Paris behauptet, daß Großbritannien und Frankreich einheitlich Vorgehen werden und eben damit beschäftigt sind, auf diplomatischem Wege ihre Ansichten über die deutsche Antwort auszutauschen. Ende dieser Woche werden beide Regierungen eine gemeinsam.e Rote an Berlin richten. Dir französische Regierung wird zu dieser Angelegenheit im heutigen Ministrrrat Stellung nehmen, die britische Regierung wird dies Mittwoch tun. In unterrichteten Londoner Kreisen wird, wie DNB meldet, erklärt, das im gegenwärtigen Zeitpunkt weder rin Besuch britischer Minister in Berlin noch ein Besuch deutscher Minister in London in Aussicht stehe. Angesichts der entscheidenden Lage, in der sich augenblicklich das Problem der Rüstungen und der Sicherheit befindet, sei eine überstürzte Stellungnahme zu vermeiden. Auch Reuter meldet übereinstimmend, daß die französisch-britischen Beratungen über die deutsche Antwort auf das französisch-englische Kommuniqure, die durch Vermittlung der Botschafter der beiden Staaten stattfinden werden, unverzüglich beginnen sollen. Die Experten beendigen Montag das Studium der deutsche» Antwortnote. Das Ergebnis wird am Mittwoch vom englischen Kabinett geprüft werde». 6« Klcrihoiascismns Just in den Tagen, da sich zum erstenmal das Verbrechen jährt, das die Austrofascisten in den Febertagen begangen haben, ist der Wiener „autoritäre" Vizebürgermeister Dr. Ernst Karl Winter, nach Prag gekommen, um auch hier zu versuchen, für das schwarz-gelbe Regime Verständnis zu erwecken. Es ist dies nicht der erste Versuch Winters, das demokratisch denkende Ausland mit der klerikalen Diktatur zu versöhnen. Winter hat dies bereits in der S ch w e i z versucht und sich im Anschluss an seine Schweizer Propagandareise in Italien für den Fascismus begeistert. Winter hat aber in Oesterreich gleich nach der Feberkatastrophe versucht, die Arbeiterschaft mit ihren Unterdrückern zu versöhnen, wobei er sich in durchaus autoritärer Weise als der berufene Führer der österreichischen Arbeitet im christlichen Ständestaat bezeichnete. Bor allem in dem der Wiener Arbeiterschaft entwendeten„Arbeiter-Sonntag" versucht Winter immer wieder darzulegen, dass die klerikale Diktatur noch immer das kleinere Uebel gegenüber der Hit- lerdiktatur sei. Winter begnügte sich jedoch nicht mit dieser ebensowenig richtigen loie trostreichen Rechtfertigung des autoritären Regimes^ mit der seit Jahr und Tag jeder Rechtsbruch, jede Gewalttat, die am österreichischen Volke von den Klerikofasßisten verübt wird, vor der Welt beschönigt wird» Winter geht noch weiter und erklärt sogar frei und kühn im„Arbeiter-Sonntag" vom 1. Juli I98ck, dass die austromarxtstischen Emigranten eine„K a t a st r ophenpolitik" treiben. Demgegenüber setzt sich Winter für ein „Vergeffenkönnen auf der ganzen Linie", für eine Abolition und Tilgung aller Strafen, die wegen der Teilnahme an den Feberkämpfen verhängt worden sind, ein. Welcher Erfolg den Bemühungen Winters beschieden sein wird, zeigt die Tatsache, dass man eben jetzt darangeht, den Schubbundführern Eifler und Löw sowie den 22 Bezirksführern den Prozess zu machen. Es ist daher selbstverständlich, dass Winker nur ein paar Renegaten, die meist um eines persönlichen Vorteiles willen die Arbeiter mit ihren Unterdrückern versöhnen wollen, für eine Taktik gewinnen konnte, die darauf hinausläuft, der Arbeiterschaft im Ständestaat durch Preisgabe ihrer Ideale und Interessen, den ihr„gebührenden" Einfluss sichern zu wollen. Karl Ernst Winter meint, dass die„Ab- stinenzpolitik" die Ursache der Niederlage der österreichischen Sozialdemokratie gewesen sei. Winter denkt dabei offenbar weder an die staats- unh sozialpolitischen Leistungen der österreichischen Sozialdemokratie als führende Regierungspartei in der ersten Nachkriegszeit, noch an die positiven Leistungen der Sozialdemokratie in der Gemeinde Wien und anderen sozialdemokratisch verwalteten Gemeinden Oesterreichs. Wenn er von„Abstinenzpolitik" spricht, so denkt er an die Tatsache, dass die österreichische Sozialdemokratie seit weit mehr als einem Jahrzehnt im Staat unausgesetzt in Opposition gewesen ist. Der Austritt der österreichischen Sozialdemo- krten aus der Regierung ist seinerzeit hauptsächlich deshalb erfolgt, weil die bürgerlichen Par- teien, vor allem die Christlichsozialen, sich geweigert haben, auf dem Wege einer Vermögensabgabe' die Sanierung des Staatshaushaltes durchzuführen. Später hat dann Seipel seine Stabilisierungs- und Sanierungspolitik unter Preisgabe der industriellen und proletarischen Lebensintereffen mit internationaler kapitalistischer Hilfe durchgesetzt. Und in Len folgenden Jahren hat S e i p e l die Arbeiterschaft vmi der Einflussnahme auf die Regierungsgeschäfte bewusst ferngehalten. So hat sich der politische Katholizismus in Oe st erreich in einseitiger Weise zum Verteidigerder Interessen der besitzenden Klassen gemacht. Der jahrelange' erbitterte Kampf der Sozialdemokratie gegen den Abbau des Mieterschutzes ist ein Beweis dafür, wie sehr und ausschliesslich sich die Christ- lichsozialen zu Verfechtern der Besitzintereffen gemacht haben.„ Der Standpunkt der austromarxiftischen Emigration hat aber nach der Meinung Winters keine Spur von marxistischer Selbstkritik an sich. Winter hingegen als richtiger„Marxist" versucht darzutun, dass die„Mystik vom unfehlbaren SeileS Dienstag, 19. Feber 1935 Nr. 4Ü Proletariates in„15 Jahren von der Herrschaft im Staate zur Flucht ins Ausland" geführt hat. (Arbeiter-Sonntag vom 1. Juli 1934- Seite 2.) Die deutsche Sozialdemokratie, die weder die vermeintliche„Abstincnzpolitik" verfolgt, noch sich entschlossen hat, die Freiheitsrechte mit Waffengewalt zu verteidigen, ist aber gleichfalls von der „Herrschaft im Staate zur Flucht ins Ausland* getrieben worden. Die deutsche Sozialdemokratie ist, trotzdem sie keine„Abstinenz"politik betrieben hat, sogar um ein Jahr früher als die österr. Sozialdemokratie in die Illegalität und Emigration getrieben,worden. Ja man kann wohl ruhig sagen, daß die österreichische Sozialdemokratie trotz ihrer angeblichen«Abstinenzpolitik" nicht in die Illegalität und Emigration getrieben worden wäre, wenn nicht der Sturz der deutschen Sozialdemokratie vorher gegangen wäre. Erst Hitlers Machtantritt hat den österreichischen Klerikofasci- sten Mut gemacht. ES wäre wohl weder zur Einrichtung deS«autoritären Regimes" im März 1933 noch zum Bürgerkrieg des Feber 1934 gekommen, wenn nicht Hitler durch seinen Machtantritt dem österreichischen klerikalen Fascismus den Weg bereitet hätte. Alle historischen Erfahrungen zeigen, daß nicht die taktischen Methoden der sozialistischen Parteien, sondern die Klasseninteressen für die Haltung der bürgerlichen Parteien und den Aufstieg des FasciSmus letzten Endes ausschlaggebend sind. Der Fascismus bedeutet nichts anderes als den Krieg mit allen Mitteln gegen das eigene Volk im Interesse der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, deren Weiterbestand mit den Lebensinteressen immer breiterer Massen in immer stärkeren Widerspruch steht. Für die Richtigkeit dieser Auffassung hat ja gerade die österreichische Entwicklung einen neuerlichen und sehr kräftigen Beweis geliefert. Denn in Oesterreich hat sich der Fascismus nicht durch seine Demagogie wie in Deutschland, sondern ausschließlich durch den Mißbrauch derRe- giekungsgewalt und die Anwendung von Kanonen gegen das eigene Volk in den Alleinbesitz der Macht gesetzt. Winter aber, der sich als strenger Sittenrichter über die austromarxistische Emigration aufspielt und sich dabei sogar„marxistisch" zu gebärden sucht, tut so, als ob er sich über das Wesen und die Funktion des Fascismus noch immer nicht im Klaren wäre. Dem habsburgischen Konservativen Winter genügt es, wenn der Fascismus ein katholisch-österreichischer ist, um sich mit ihm abzufinden. Die österreichischen Kleriko- fascisten, die sich als Bekämpfer Hitlers auS- geben, ahmen in Wahrheit die barbarischen Methoden des Hakenkreuzfascismus restlos nach. Während aber Hitler wenigstens von sich sagen tabu, daß er im Moment der Machtergreifung annähernd die Hälfte des deutschen Volkes für sich gewinnen konnte, kann der österreichisch« Klerfto- fascismu» dies keineswegs von sich behauptend Wenn Hitlers Weg zur Macht Täuschung und Betrug und sein Regieren ein einziger schamloser Mißbrauch der Macht und Gewalt gewesen ist, so tvar die jesuftisch-militärische Usurpation der Macht durch den KlerikofascismuS in Oesterreich nicht minder schamlos. Wo aber ist in Oesterreich auch nur die Spur einer Legitimation für die Etablierung des„Ständestaates" durch das Volk? Winter, der heute weife Lehren erteilen will, ist es selbst gewesen, der nach dec Ausschaltung des Parlamentes in der Wiener„Arbeiter Zeitung" in einem offenen Brief dem österreichischen Bundespräsidenten M i k l a s die Möglichkeit, daß sich Wien zur Wehre setzen werde, offen angekündigt, ja geradezu propagiert hat. Jetzt aber, da die österreichische Arbeiterschaft— wenn auch unter den denkbar ungünstigsten Umständen— sich zur Wehr zu setzet» gezwungen gewesen ist, wenn sie nicht kampflos untergehen wollte, steht Winter plötzlich auf dem Standpunkt, daß nun„die Bundesregierung zum Retter des Staates und damit zum Herren der Lage" gemacht wurde und«sittlich berechtigt" sei, dem Staate eine neue Verfassung zu geben.(Wiener Politisch« Blätter, 2. Jahrgang, Nr. 1, Seite 20.) Die Sünde der Austromarxiften sei gewesen, meint Winter, daß sie die„U e b e r h e b l i ch- leit" hatten,„verfasiungsftemde Machffaktoren"'Streiks, Aufmärsche und sonstige Demonstrationen mit ins politische Kalkül zu ziehe»». (Arbeiter-Sonntag, 1. Juli 1934.) Im christlichen Ständestaat wird eS solche„Ueberheblich- leiten" nicht mehr geben. Denn in dem christlichen Ständeösterreich herrscht nur der Wille des Kapitals, des Adels und der Kirche. Zum Aufputz werden von den llerikalen Diftawren etliche Stände- und sonstige Räte ernannt. Für das Volk und dessen Bescheidenheit sorgen im christlichen Oesterreich Polizei, Gendarmerie und Bundesheer, sowie die Heimwehrhilfs- polizei. Weng Winter von Ueberheblichkeit redet, so wäre dieser Ausdruck wohl am Platze, wenn er dabei an sich und die klerikale Unterdrückungspolitik, in deren Dienst er sich gestellt hat, denken würde. Die austromarxisffsche Ueberheblichkeit, die sich besonders vor 1927 geltend gemacht haben soll, bestand darin, daß die österreichische Arbeiterschaft im Jahre 1918, als sie niemand hätte daran hindern können, ihre autoritäre Gewalt die proletarische Diftatur, aufzurichten, die Selbstbeherrschung hatte, dies nicht zu tun. Zum Unterschied von dieser «Ueberheblichkeit" gehen die llerikalen Diftatoren in aller Bescheidenheit an einen„grundsätzlichen Neuaufbau des Staates" heran, ohne hiezu vom österreichischen Volk irgendwie ermächtigt zu sein. Die nun oktroyierte„Stände-Berfassung" dient doch nur dem Zweck unter künstlicher Ausschaltung des Vollswillens und aller staatsbürgerlichen Menschen- und Freiheitsrechte dem Klerikalismus und dem Kapitalismus unter tatkräftiger Mitwirkung der Heimwehr die Macht in Oesterreich dauernd zu sichern. Ueber- haupt steht es einem österreichischen Klerikalen gut an von„Ueberheblichkeit" zu reden. Denn Oesterreich wird— von kurzen AuSnahmsperioden abgesehen— seit Jahrhunderten von klerikaler Unduldsamkeit regiert, die Oesterreich von Katastrophe zur Katastrophe führt. Dieser österreichischen klerikalen U u d u l d s a m k e i t ist es zum Beispiel nicht zuletzt zu verdanken, daß der Weltkrieg ausgebrochen ist. Denn wie immer auch die imperiali- stischen Gegensätze der kapftalistischen Staaten gewesen sein mögen, die zum Kriege gedrängt haben ausgelöst wurde das Unglück iedensallS von dem von den,K k e r i k a l>n beherffchtcn habsburgischen Oesterreich. Auch die Katastrophe des Feber 1934 hätte sich trotz aller Klassengegensätze vermeiden lassen, wenn in Oesterreich nicht klerikale Unduldsamkeit geherrscht hätte. Der herrschsüchtige Klerus wollte aber die Macht nicht mit dem freidenkenden Proletariat Oesterreichs teilen. Wie Seipel jeden dauernden und ernsthaften Ausgleich mit der Sozialdemokratie verschmäht hat, so hat sich auch D 0 l l f u ß als echter österreichischer Christlichso» zialer lieber auf den Zweifrontenkrieg festgelegt, als eine vernünftige Verständigung mit der Sozialdemokratie herbeizuführen. Dadurch wurde das Land in den Bürgerkrieg und in die A.rme Italiens getrieben. Und die Kleriko- fascisten, die Oesterreich unterjocht und zum Zankapfel Deutschlands ur»d Italiens gemacht haben, finb schuldtragend, wenn Oesterreich neuerdings zum AuSgangSpunft eines neuen Krieges werden sollte. Nur die mit dem Gedanken der Habsburgerrestauration» die den Krieg auslösen würde, spielenden Monarchisten Schuschnigg, Schmitz und Winter sind nebst den Heimwehrfascisten Feh ur»d Starhemberg schuldtragend, wenn es wegen Oesterreich zu einem neuen Krieg kommen sollte. Es ist daher ganz und gar falsch, wenn Winter meint- daß die Toten des 12. Feber auf beiden Seiten für Oesterreich gestorben sind. Die Toten des 12. Feber sind lediglich gestorben, weil klerikale Machtgier in Oesterreich allein herrschen wollte und die llerikalen Machthaber nicht davor zurückgeschreckt sind, mit Blut »md Eisen die kapitalistische und monarchistische Koalitionspläne auf weitere sechs Jahre zur Regulierung des Wirtschaftslebens Minister Dr. Benes traf Montag in K 0 l i n ein, wo er von Vertreter nder Stadt und der Behörden und von Vertretern der Legionäre herzlich begüßt wurde. Er hielt dann in der überfüllten Sokolturnhalle einen Vortrag. Minister Dr. Benes machte einleitend nachdrücklich darauf aufmerksam, daß wir in ein Jahr eintreten, das für uns sowohl international wie innetpolitisch schwerwiegend sein wird. Rach einem außenpolitischen Exkurs erklärte Dr. Benes, daß nicht die Armee allein zu unserer Verteidigung genügt, wir brauchen Ruhe im Staate und die Zusammenarbeit zwischen den politischen Parteien und den Nationalitäten. DaS autoritative Regime paßt für uns nicht, wir müssen der Demokratie treu bleiben. Die Diftatur und die verwandten Regime würden für uns einen Schritt nach rückwärts, sie würden nicht das Ende der Käin-fe, sondern ihren Beginn und einen langen Verlauf bedeuten. Den einzigen Ausweg aus den heutigen verworrenen Verhältnissen bietet eine ruhige, sachliche, gerechte und disziplinierte Demokratie. Der Karnpf der europäischen Regime erfordert von uns, daß wir wirtschaftlich und poliffsch auf ein Regime hinsteuern, in dem darnotwendige Maß von Autorität das nötige Maß von Freiheit wahrt. Die heurige« Wahlen werde« über all« diese Frag« entscheide«. Die RegierungSkoalition wird sie anständig und würdig durchführen und dir Pläne für dir Regulierung deS Wirtschaftsleben» auf«eitere sechS Jahre vorbereiten. Wes spielt Verstecken? Zwei Antworten an den„Venkov** Dem samstägigen Leitartikel des„Venkov" stellten Sonntag„P- rävo Lidu" und „Närodni Osvobozeni" die klaren Tatsachen entgegen, welche auch von der agrarischen Provinzpresse anerkannt werden. „Prävo Lidu" schreibt unter dem Titel „Nicht zurückweichen vor Henlein!": So ost Henlein positw von der Republik sprach, so oft hat er einen hakenfteuzlerischen Vorbehalt gemacht, so daß die einheitliche Ansicht über ihn dahin geht, daß er zumindest auf zwei Stühlen sitzt. Weit Restaurationspolitik gegen den Willen der überwiegenden Mehrheit dds österreichischen Volles zu verfechten. Der Klerikalismus, der heute wieder uneingeschränkt über Oesterreich herrscht, empfindet im Grunde das bloße Dasein einer von ihm unabhängigen fteiheitlichen Bewegung in seiner Herrschsucht schon als«Ueberheblichkeit''. Karl Ernst Winter, der Schönredner des KlerikofascismuS, versucht so zu tun, als ob die klerikale Machtgier etwas mit Oesterreichs Freiheit und Unabhängigkeit zu tun hätte. Oesterreich ist dank der llerikalen Machtpolitik heute nicht nur nicht frei, sondern lediglich eine Kolonie Italiens. In Wahrheit ist so die klerikale Ueberheblichkeit Oesterreichs Unglück, treibt sie Oesterreich von Katastrophe zu Katastrophe— solange, bis sich das österreichisch« Volk endgültig von den klerikalen Katastrophenpolitikern befreit haben wird. K. H. besser(als der Venkov. D. R.) beurteilt den Hen- leinismus die Provinzpresse der republikanischen Partei, die ein scharfes Vorgehen gegen die Heimai- front verlangt und darmif verweist, daß diese Bewegung ein sicheres und fideles Asyl für die aufgelösten Hakenkreuzler geworden ist. Auch die „Bräzda"(das Blatt der tschechisch-agrarischen Jugend), welche sich sorgältig mit dem Henleinismus beschäftigt, setzt aus, daß„eine merkwürdige Sorglosigkeit in den ffchechoflowakischen politischen Parteien" besteht. Wir wollen keine Alarmisten sein, schreibt di«„Bräzda", aber»vir halten es für un- sere Pflicht, die schläfrigen GcisKr zu wecken, damit es ihnen klar wird, daß man nicht schlafen darf, wenn der Gegner wacht. Das ist«in richtiges Memento. Kein Verfteckenspiell Nicht den Kopf in den Stand stecken! Handeln!" Verstecken sie den Henlein?» fragt„Närodni Osvobozeni" welches dem„Venkov" seine Uninformiertheit vorhält: „Das agrarische Blatt schreibt über Verstecken- spiel in einer Art, die die Frage notwendig macht, ob eS nicht selbst Henlein verstecken will. Es ist be- denllich und politisch sehr unrichtig, wenn man auS Henlein nur einen Sektor der allgemeinen Radikalisierung der Deuffchen macht und schließlich schreibt, daß die Ansicht unserer Gegner sich nicht wesentlich in der Beurteilung der Heimaffront, der deutschen Demokraten oder der Christlichsozialen unterscheiden wird. Drei deuffche Gruppen solcherart in eine Linie zu stellen, ist einfach ein schwerer politischer Irrt»«», ebenso wie hie Gleichstellung Henleins, der von Zeit zu Zeit eine loyale Rede hält, mit den deuffchen Sozialdemokraten, die zu den festesten Stützen der Demokraffe und der Republik unter unseren deutschen Mitbürgern gehören. Es ist dies ein neuer Beweis der Unklarheit auf ffchechischer Seite. Die politischen Kreise und die Regierung müssen sehe», daß dieses Versteckenspiel«in allzu bedenkliches Zn- rückweichen vor der vollkommenen Klärung wäre, die wir jetzt am meisten brauchen." Kommunistische FlugzetteT Der Bürgermeister von Roinava verhaftet Ro-jnava.(Tsch. P.-B.) Dieser Tage fahndete die hiesige Gendarmeriestation unter Mithilfe der Staatspolizei nach den Herstellern der kommunistischen Flugzettel in RoZnava. Es gelang ihnen bei der Kommunistin Dullesovä eine Schreibmaschine und bei dem lokalen kommunistischen Funktionär Fabiän eine Vervielfältigungsmaschine festzustellen. Im Zusammenhang mit dieser Aktion wurden auch der Bürgermeister von RoZvana Roth und der Bürgermeister-Stellvertreter Fäbry, beide Kommunisten, sowie weitere 13 Mitschuldige verhaftet. Der Kommunist Joses Bares ist geflohen. Man erwartet weitere Verhaftungen. 10 ^rWnaihltoj//^ Roman von Frftx Rosenfeld Doch auf der andren Seite stehen Soldaten mit dunklen Gesichtern, dort sind alle Scheinwerfer erloschen, sie stehen stramm und auf ihren Gewehren blitzen Bajonette. Sie marschieren, ein Bahnhof, sie steigen in den Zug. Der Zug fährt los, die Lokomotive brüllt, sie hat eine Menschenstimme. Die Stimme sitzt in seinem Ohr. Sie llingt fremd. ES ist nicht der Regisseur, nicht Frau Avory, auch nicht Carlotta. „Fieber", dachte die eine der schwarzen Frauen gegenüber.„Wenn ein Arzt im Zug wäre." Sie kommen von einem Totenbett. Sie fürchten das Fieber. Sie sind alt und einsam. Sie fürchten den Tod. „Man muß Hilfe holen", dachte die andre. Aber sie sind ratlos. In das nächste Coups gehen und anklopfen und fragen: Ist hier ein Arzt? Oder: Ist hier jemand, der einem Kranken helfen kann? Ich bin krank, dachte Gregor. Ich müßt« zu Frau Avory gehen und sie um ein Pulver bitten. Aber sie lachen mich aus, Tenia lacht, Tlarisia. Nu« Carlotta wird schweigen. Doch auch sie hält mich für einen Hypochonder. Lampenfieber. Die große Bühne in Npsilon, die fremden Menschen. Eine lleine Station ftiegt vorüber, der Zug hielt rasendes Tempo, Lichter tauchen auf. versinken. Ein Mann stand dort mit einer Fahne und winkte. Nun ist er irgendwo, west hinten, vergessen. Schlafen. Wenn wir in Zpsilon sind, gehe ich in eine Apotheke und kaufe Aspirin. Zwanzig weiße runde Tabletten. Die Augen Gregors fielen zu. Der Zug war lvieder da, die Soldaten standen in den Türen der Waggons und sahen in die Rächt hinaus. Da kam die Brücke. Eine schmale, eisern« Brücke über einen breiten, trägen Fluß. Und dann— Ein dumpfer Knall, die Fensterscheiben erzittern, die Gesichter werden bleich, starr sitzen die Menschen in den Coupä», Angst flackert in ihren Blicken. Ein Zusammenstoß? Ein Ueberfall? Nochmal ein Knall,«in Aufbrüllen von berstendem Effen, ein tausendfaches Splittern und Knattern, der plumpe Auffchlag niedersaiffenden Stahl» auf die Schienen, ein Flammenschein in der Dunkelheit, e»nen Herzschlag lang brennt eine Wolke in rötlichem Feuer.- Dann ein Ruck, die Räder knirschen und kreischen, die Koffer poltern auf den Boden, die Wagen knarren in allen Fugen— der Zug steht still. „Die Brücke!" schreit Gregor und fährt auf. Die alten Frauen starren ihn an. Bor seinen auf- geriffenen Augen tanzen Trümmer in der Luft, klatschen ir»S Wasser, daS turmhoch auffpritzt, ein kochender Springbrunnen. Die Fenster öffneten sich, die Coupttüren klappten, Dtenschen liefen hin und her, die Laternen der Schaffner schwankten durch die Dunkelheft und große feuchte Kugeln zerstäubten Lichtes gespensterten mft ihnen den Zug entlang. „Ein Zusammenstoß?" „Eine Explosion?" Zwei Dutzend fragende Gesichter, das fleischige, rote, faltige Diana Avorys, die großen, blauen, stummen Augen Carlottas, Marcel, die Zigarette im Mund, Morvilius, das Heft in der Hand, Olavsen, eine Reisemütze auf dem Kopf, die Blicke gespannt, der Kunstschütze, Schlaf in den Augen. Nur die beiden Kieler blieben an ihren Plätzen und die alten Frauen. Sie saßen stumm und arm in einer großen Einsamkeit, sie hatten eine ! Reist an da» Tor des Todes gemacht und kehrten nun heim, m»d der Tod begleitete sie. Gregor» den Mantel umgeworfen, die Blicke fiebernd» stand vorn, an der Loko»notive, neben Olavsen, neben Marcel. »Die Brücke", schreit er,„die Brücke ist gesprengt worden!" „Woher wiffen Sie das?" fragt der Heizer. Ein Anschlag auf den König war güplant—* „Hier gibt es doch gar keinen König." Ein Motorrad knattert auf der Landstraße vorüber. Ein Gendarm auf dem Führersitz, ein Gendarm auf dem Notsitz. Ein Bajonett blitzte im Licht der Laternen auf. Der Motor verstummte» irgendwo im Dunkeln saßen sie ab, Schüffe peitschen durch die Luft, Gregor sah Gestalten durch die Dän»merung fliehen, Uniformen, Säbel, Pferde. „Sie haben losgeschlagen", sagt er.„Sie haben doch losgeschlagen." Im Kreis stehen sie um ihn, der Heizer, der Lokomotwführer, Olavsen, Marcel. „Sie phantasieren ja, sie sind krank." „Sie haben loSgeschlagen. Die Brücke ist in die Luft geflogen", schreit Gregor. Seine Worte flatterten weiter» zu Frau Avory, zu den alten Frauen, zu Morvilius, zu Cabrollr. Morvilius hockte wieder auf seinem Platz und schrieb Ziffern in sein Heft. Nun war die Musik verstummt, die Girls haben die Tür ihre» Coupks verschlossen, da» Fenster verhängt, sie drängen sich aneinander, Ludovica und Grot heulen, Xenia fuhr sie an, aber auch ihr brannte die Angst in den Gliedern. Olavsen trat in da» Coupk, in dem Frau Avory sah, Carlotta, der Zeichner. „Gin Anschlag", sagte er.„Es heißt, eine Brücke ist in die Luft geflogen." Frau Avory griff nach ihrem Täschchen, preßt r» an die Brust. «Ein Anschlag? Ein Aufstand? Ich habe schießen gehört l" «Man weiß noch nichts", sagte Olavsen. «Die Schaffner sind die Strecke entla»»g gegangen. bis zur Brücke. Wenn sie zurückkommen, wird sich alles aufklären." „Wir können nicht weiterfahren?" „Wenn die Brücke wirklich in die Luft gesprengt wurde, wohl kaum", sagt Olavsen. „Was geschieht dann mit uns?" fragte Carlotta. Zum erstenmal fiel sein Blick auf dieses Gesicht. ES ist ruhig, aber irgendwo lauert hinter dieser Ruh« die Angst. „Wir köngen doch nicht auf offener Strebe stehen bleiben?" „Der Zug wird umgeleitet werden", sagt Olavsen.«Man wird schon eine Lösung finden." Die allen Frauen nebenan horchten mit scharfem Ohr. Aber sie verständigen sich ohne ein« Silbe. Sie haben sechzig Jahre im gleichen Hau» gewohnt, im gleichen Zimmer, sie hatten ihre eigne, wortlose Drache. Die ein« stand auf, holt ein kleines Köfferchen aus dem Gepäcknetz, öffnete es. Die Pässe lagen darin, ein Geldtäschchen, ein Armband, ein paar Ringe. Sie tellten, Georgia nahm die Päsie und das Armband, Raymonde das Geld, die Ringe, eine Halskette. Sie schloffen ihre Handtasche und hielten sie mit eisernen Fingern umklammert. Sa saßen sie da und warteten. Es mochte an sie herankommen, sie hatten sich gewappnet, so gut sie konnten. Solange sie atmeten, würde niemand ihre Habe in die Hand bekommen. Den Griff ihrer alten, dürren Finger löste nur der Tod. Herr von Ebel erwacht, flen»mt das Monokel ins Auge, fletterte aus dem Coupö. „Was ist denn los? Warum stehen wir denn auf offener Strecke?" »Die Brücke wurde gesprengt", sagte Jakob Halling, der neben ihm stand. Die andren liefen erregt umher, fuhren mft den Armen durch die Luft, schreien, Jakob Halling stand ruhig neben dem Waggon, es hatte so kommen»»»üffen, dachte er. diese Heimreise konnte nicht ohne Zwischenfall ablaufen.,(Fortsetzung folgt.) Nr. 42 Dien-tag, 19. Feier 1988 Seklr 3 fudetendeu tscficr Zeitspiele/ Die Verhältnisse Im Bezirk Friedland Den politischen Bezirk Friedland hat man als Agrarbezir! bezeichnet und häufig übersehen, wenn von den Elendsgebieten in Böhmen gesprochen wurde. Wer aber die Wirtschasts- und Ärbeitsverhältniffe dort kennt, wird sagen müssen, daß der Bezirk unter der Krise ebenso stark leidet wie die andere hochindustrielle Kreise. Ende Jänner 1938 waren im politischen Bezirk Friedland 6764 gänzlich Arbeitslose registriert. Ihre Zahl erhöht sich jedoch durch Arbeitslose, welche nicht in den Verzeichnissen enthalten sind und kein« Unterstützung von irgend einer Seite beziehen, ferner durch die Kurzarbeiter, so daß ungefähr 9000 Personen direkt durch die Krise betroffen wurden. Diese Zahl wurde nur im März 1933 Überboten. Zu derselben Zahl kommt man, wenn man die Anmeldungen bei der Bezirkskrankenversicherungsanstalt früher und jetzt vergleicht. Im Jahre 1930 waren 14.000 Personen versichert, heute ist ihre Zahl auf 8500 gesunken. Das ist ein Minus von 5500, zu welchem jedoch auch die sogenannten Grenzläpfer, die nicht in Friedland versichert waren, ferner die früher in Reichenberg, Gablonz usw. Gemeldeten und dieHeim- arbeiter aus der Textil-, Glas- und Porzellanindustrie hinzugerechnet werden müssen. Auch so erweist sich ein Arbeitslosenstand von ungefähr 8700. Von den 66 Industriebetrieben, welche der politische Bezirk Friedland im Jahre 1919 verzeichnete, arbeiten heute nur noch 34. Es wurden also 82 Betrieb« stillgelegt. Auch unter den kleingewerblichen Betrieben hat die Krise furchtbar gewütet. 121 Unternehmungen fielen ihr zum Opfer. Die öffentlichen Arbeiten, die in Form der produktiven Arbeitslosenfürsorge durchgeführt wurden, haben nur einen geringen Teil der Arbeitslosen erfasien können. Tausende blieben trotz dieser Maßnahmen ohne Arbeit. Die Notlage ist so groß, daß schnell« und ausgiebige Hilfe kommen muß. senjahren, das ist zweifellos eine unerhörte„Leistung". Vergleichsweise führen wir noch an, daß der Bezirk Komotau allein aus der E r n ä h- r u n g s a k t i o n für die letzten 5 Wochen vom 21. Jänner bis 24. Feber) 452.000 XL erhalten hat. Die Lebensmittelkarten sind nach der Meinung der Henleinfrontler„Bettelkarten". Immerhin haben die Arbeitslosen des Ko- motauer Bezirkes— dank dem Wirken der S o- zialdemokratie— in fünf Wochen viereinhalbmal so viel„Bettelkarten" bekommen, als von der SBH in fünf Jahren. Und dabei mutet man den Arbeitslosen, die von den getarnten Nazis beschenkt werden, auch noch zu, für lumpige 30 XL ihre Gesinnung zu verkaufen. Pater Fritscher zieht sich von der Politik zurück? Die Wiener„Reichspost", die über die Berhältniffe bei unseren Christlichsozialen sicher gut unterrichtet ist, berichtet, daß der Abgeordnete der Christlichsozialen für den Brünner Wahlkreis Pater Fritscher bei den nächsten Wahlen nicht mehr kandidieren wird. Listenführer der Christlichsozialen in Brünn wird der Dozent L o k s ch a sein, der bisher politisch nicht hervorgetreten ist. Ausschluß aus der DHF. Der Kameradschaftsbund, aus dem die SHF entstanden ist, hat seinerzeit eine Zeitschrift unter dem Titel„Die junge Front" herauSgegeben, welch« in Niedergrund bei Warnsdorf erschienen ist. Später wurde diese Zeitschrift von der SHF übernommen. Nach der Zusammenkunft der Jugendverbände Ende Jänner in Reichenberg ist eS aber in der Redaktion zu Konflikten gekommen emd die SHF hat einige Mitarbeiter dieser Zeitung, u. a. den früheren Mitarbeiter Eduard Kaiser, ausgeschlossen. Verhandlungen der SHF mit den Christlichsoziale«. Bor einiger Zeit haben Verhandlungen zwischen dem Parlamentssekretär der Christlichsozialen Dr. Prusa und Dr. Sebekowsky als dem Vertreter der SHF stattgefunden, welche Verhandlungen Dr. Prusa über Auftrag des Parteiobmannes des Christlichsozialen, Dr. Hilgenreiner, eingeleitet hat. Dr. Prusa war so unvorsichtig, dem Vertreter der SHF schriftlicheAb- machungen für den Wahlkamps vorzulegen. Dr. Sebekowsky hat nun, wie wir erfahren, dieses Schriftstück an sich genommen mit der Bemerkung, daß er es der Hauptleitung zur Beschlußfassung vorlegen werde. Die Absicht der SHF besteht darin, mit diesem Schriftstück Propaganda gegen die DhrMMoziafenzu^maLen., indem manze;gt^daß 'die Christlichsozialen mit der SHF züsammen- gchen wollten. Freitod eines Einundneunzigjährigen. Weil der Tod nicht kommen wollte, machte der im Trautenauer Verpftegungsheime untergebrachte einundneunzigjährige Stefan Pet- tirsch seinem Lehen in einem unbewachten Augenblick freiwillig ein Ende. Der körperliche Verfall des alten Mannes, der mit großen Beschwerden verbunden war, und der lleberdrutz am Leben überhaupt, erfüllte den Greis fest langer Zeit mit Selbstmordgedanken, die er am vergangenen Donnerstag in die Tat umsehte. Ei« menschliche- Skelett ist vorige Woche in der Waldung am Plissenberge bei T e i ch- statt gefunden worden. Von behördlicher Seite wird angenommen, daß es sich im vorliegenden Falle um die Ueberreste des aus der Reichen- berger Gegend stammenden Landwirtes Duschek handelt, der, als er aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, von einem russischen Kriegsgefangenen, der in seiner Abwesenheit inzwischen die Rechte des Gatten ausgeübt haben soll, auf einem Schmuggelgange ermordet wurde. Das über dem Funde schwebende Dunkel ist noch aufzuhellen. Die Grippe wütet heftiger als in andern Jahren in den einzelnen Gebieten der Republik, und wenn auch in ihrem Gefolge keine Todesfälle zu verzeichenen sind, so ist die Krankheit doch nicht immer ganz harmlos. Es werden besonders viele Erkrankungen an einer mit großen Schmerzen und sehr lästigen Begleiterscheinungen verbundenen Magen» und Darmgrippe gemeldet, die nur bei äußerster Vorsicht ohne Schaden für den Erkrankten in kurzer Zeit vorübergeht. Die Grippeherde scheinen vor allem in der Hauptstadt Prag, wo kein Haus ohne Kranke ist, dann Brünn, wo ebenfalls tausende Grippekranke sind, zu sein. Daneben wird eine ganze Reihe von Städten von der gleichen Krankheit arg heimgesucht, u. a. die Stadt Trauten««, wo nach vorliegenden Meldungen manche Schulen zurzeit fast mehr kranke als gesunde Kinder ausweisen. Aber auch aus Westböhmen Iverden ähnliche Berichte bekannt, die darauf schließen lassen, daß eine Grippewelle das Land erfaßt hat wie sie seit 1919 wohl kaum mehr zu verzeichnen war. Die Aerzte sind außerstande allen Anrufen um Hilfeleistung rechtzeitig nachzukommen, weil sich die Zahl der Kranken stündlich vermehrt. Aber schließlich ist genügend bekannt, daß bei Grippeerkrankungen sofortige Bettruhe die erste Maßnahme zur Verhinderung von Komplikationen dieser Krankheit ist Und verbunden mit einer Schwitzkur, den Patienten vor jeder weiteren Gefahr bis zum Eintreffen des Arzte- schützt. Das Brünner Deutsche Theater vor der Sperre? Die Schwierigkeiten, denen die Bereinigten deutschen Theater in Brünn««-gesetzt sind, habe» sich— wie schon berichtet— in der letzten Zeit derart verschärft, daß der Vorstand de- deutschen Theatervereins in seiner montägigen Sitzung beschloß, für den 3. März halb 10 Uhr vormittags in das Schauspielhaus eine außerordentliche Generalversammlung mit der ausschließlichen Tagesordnung:„Eventuelle Sperrung des deutsche« Theaters" einzuberufen. Wie schwierig die fmanzielle Situation«. a. auch durch dir Kündiguna des Vereins„Deutsches Haus" ist, geht daraus hervor, daß für den Gagentag am 20. Feber absolut keine Bedeckung vorhanden ist, da alle Bemühungen, Geldmittel zu beschaffen, bisher scheiterten. Es sei der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es gelingen wird, dieser Schwierigkeiten doch noch Herr zu werden und dadurch ein 350 Jahre altes Kulturinstitut vor dem Untergang zu bewahren. Memel, das nächste Ziel Berlin. Der„Völkische Beobachter" veröffentlicht einen neuen Artikel, in dem er in scharfer Weise Litauen in Angelegenheit des Memelgebietes angreist. Auch di«„Frankfurter Zeitung" hat gerade einen Tag nach dem lttauischen Staats, friertag, einen scharfen Angriff gegen Litauen veröffentlicht. Bombensichere Unterstände an kiel' englischen Küste London. Die englische Sonntagszeitung „Reynolds" meldet, daß zur Zeit an allen strategischen Punkten längs der englischen Küste bombensichere Unter st ände erbaut werden. Mehrere dieser Unterstände würden demnächst durch englische Bombenflugzeuge bombardiert werden, um ihren Wert und ihre Sicherheit zu prüfen. Falls diese Versuche befriedigend ausfallen sollten, würden weitere bombensichere Unterstände und Gebäude an militärisch wichtigen Punkten, wie z. B. an dem Truppenübungsplatz Aldershot, sowie in Colchster, Chatham, Catterick und 6n allen wichtigen Flugplätzen errichtet werden. Schließlich sei geplant, in der Nähe des unteren Themse-Laufes einen Riesen-Unterstand zu errichten, in dem ein gesamtes Flugzeuggeschwader Platz finden solle. Neue Spannung In Belgien Brüssel. Der Generalrat der sozialistischen Partei Belgiens hat in einer gemeinsam mit den Gewerkschaften abgehaltenen Sitzung beschlossen, am nächsten Dienstag die Regierung in der.Kammer wegen des Verbots der für den 24. Feber geplanten Massenkundgebungen in den Straßen Brüssels zu interpellieren. Die Interpellation wird von Vandervelde vorgebracht und begründet Norden. Ministerpräsident Theunis hat cs in einer Besprechung mit Vandervelde abgelehnt, das Verbot zurückzunehmen. Die innerpolitische Lage ist infolge dieses neuen Konfliktes zwischen Regierung und Opposition wieder ziemlich gespannt. Polens Budget mit 167 Millionen Zloty passiv Warschau.(Pat.) Die polnische Kammer hat das Budget für das Jahr 1935/36 angenommen. Die Einnahmen werden mit dem Betrage von 1965 Millionen Zloty, die Ausgaben mit 2132 MillionenZloty festgesetzt. Für das Budget stimmten der Regie- rungsblock, gegen die Vorlage der Nationalisten, die Sozialisten, die Kommunisten, die Volkspartei, die Ukrainer und die christlichen Demokraten. Dir jüdischen Abgeordneten enthielten sich der Stimme. Der Budgetberichterstatter Miedzinsli empfahl, daß das Defizir aus dem Ertrag einer Inlands-Anleihe gedeckt werde.(Das Defizit von 167 Millionen Zloty entspricht einem Betrag von zirka 760 Millionen XL.) eine optimistische Stimme über den künftigen Luftkrieg Haag. Bei der Verabschiedung des Haushaltsplanes deS Ministeriums für Landesverteidigung nahm Minister Dr. Deckers am Mittwoch jm Parlament noch einmal zu der Frage Stellung, ob Holland gegen Luftangriffe zu verteidigen sei. Ec wandte sich entschieden gegen die von mehreren Kammermitgliedern vertretene Auffassung, daß man gegen Luftangriffe auf die wehrlose Zivilbevölkerung machtlos sei und daß man höchstens Ztvangsmaßnahmen gegen die Bevölkerung des anderen Landes ergreifen könne In Fachkreisen sei man überzeugt, daß es niemals zu einem uneingeschränkten Luftkrieg kommen Iverde, u. zw. sowohl aus technischen Gründen, wie auch aus der Erwägung heraus, daß man die Sympathien der übrigen Welt nicht gerne verscherzen wolle. Der Londoner Luftpaktplan sei nicht etwa «IS ein Eingeständnis der Wehrlosigkeit gegenüber Luftangriffen, sondern als eine Vorbeugungsmaßnahme aufzufassen. Gajda trat Samstag eine vierzehntägige Gefängnisstrafe an, zu welcher er in Leitomischi wegen einer Vcrsammlungsrede verurteilt worden war. Streikbruch durch Henleinleute — an der Solidarität der Arbeiter gescheitert Der Karlsbader„Volkswille" schreibt: Durch den fast dreiwöchigen Streik der Schleiferinnen der Firma„Epiag" A. G. in Dallwitz kam dieser Betrieb ins Stocken. Die Firma suchte aus dieser Situation einen Ausweg, um mit Hilfe von Arbeitswilligen den Schleiferinnen den Lohnabbau aufzwingen zu können. Der Schleifereiaufseher Himmel, der bestimmt von der Lohndrückerei genau so wie die Arbeiterinnen betroffen ist» kundschaftete acht arbeitswillige Arbeiterinnen aus, die noch niemals in einer Porzellanfabrik beschäftigt waren und die alle Anhänger der Henleinbewegung sind. Der Hausmeister Rößler samt Gattin trug mit dazu bei, damit eine Besprechung der Arbeitswilligen bei dem Henleinfrontfunktio- n ä r Anton Dietz, Schuhmacher in Dallwitz, zustande kam, wo wohl darüber beraten worden sein dürfte, wie die Volksgemeinschaft im Dienste des Bank-Kapitals zu organisieren sei. Nach dieser vorhMj^na schlichen,sich, die Arbettswilli- gen, darunter sechs verheiratete Frauen,' ja man sagt sogar, daß einige davon Hausbesitzer sind, am Donnerstag dem 14. Feber, y 2 7 Uhr früh, in den Betrieb. Die Henleinfrauen konnter aber ihre unproduktive Arbeitswilligkeit der Firma nur kurze Zeit zur Verfügung stellen. Als im Betrieb bekannt wurde, daß Streikbrecherinnen in der Schleiferei arbeiten, legte die gesamte Arbeiterschaft spontan die Arbeit nieder und verlangte den sofor- Hitlerpropasanda Im Grenzgebiet Schluckenauer Kinder werden über die Grenze geführt Einer der gleichgeschalteten Lehrer jenseits der Grenze, der offenbar das Bestreben hat, sich im Dritten Reich verdient zu machen, organisierte in Verbindung mit einem reichsdeutschen Korbmacher namens Hille, welcher in Schluk- kenau ansässig ist, eine„Hilfsaktion für hungernde Kinder" in Schluckenau. Mit diesem Korbmacher Hille, gingen einige der bekannten Hakenkreuzler— jetzt Henleinleute— von Schluckenau, um ihm den Erfolg seiner Aktion zu sichern. Diese Kinderhilfe führte einmal 29, das anderemal 43 Kinder von Schluckenau über die Grenze nach Sohland i. S., wo man sie abfütterte und nachher in ein Kino brachte. Dabei vergaß man selbstverständlich nicht, den Kindern in der eindringlichsten Weise zu sagen, daß das alles, was sie soeben erhalten hätten, von Hitler käme, so daß die Kinder nach ihrer Heimkehr begeistert erzählten, sie hätten von Hitler eine Jause bekommen und wären auf seine Kosten noch in ein Kino gegangen. Daß hier nicht der Hunger der Kinder, sondern die Propaganda für das Hitlerreich entscheidend war für die Ausführung der Aktion, versteht man, ohne viel von den Goebbelsschen Propagandamethoden zu wissen. Wir fragen nur, wieso die Kinder ohne jede Bewilligung der Grenz- und Schulbehörden, über die Grenze geführt werden konnten und was^nan tun wird, um eine ähnliche Aktion zur Gleichschaltung der Bevölkerung im Grenzgebiet zu unterbinden, ilnd noch eine Fra^e an die SBH. Warum muß man in der Zeit des segensreichen Wirkens der SBH, hungernde Kinder wegen eine Jause, die bei uns sicher pro Kind für höchstens 2 XL zu haben wäre, nach Deutschland bringen? Ist drüben im Reiche etwa eine Zusatzorganisation der SVH? Wenn nicht, warum beteiligen sich dann Henleinleute an der Organisatton dieser offensichtlich politischen Fürsorgeaktton? Wohl nur deswegen, um' den reichsdeutschrn Sendern die ttgen Abzug der sogenannten BolksgemeinschastS- anhänger. Die Arbeitswilligen wurden daraufhin entlassen und schlichen beschämt aus der Fabrik. Durch das Eingreifen des Gewerbeinspektorates Karlsbad fand Samstag, den 16. Feber, im Betrieb eine Verhandlung statt. Nach zweistündiger und eingehender.Durchberatung der ganzen Angelegenheit einigten sich beide Teil« auf nachstehendes liebe reinkommen: 1. Die Schleiferinnen der Firma„Epiag" A. G., Dallwitz, sind bereit, 14 Tage mit den neuen Akkordsätzen unter Zusicherung des vorher bestandenen Äbteilungsdurchschnittsverdienstes zu arbeiten. Nach Ablauf dieser 14tägigen Probearbeit werden auf Grund der erzielten Arbeitsleistungen die Akkordsätze im Einvernehmen mit den Schleiferinnen derart neu erstellt, damit keine Kürzung der bisherigen alten Effektivverdienste eintritt. 2. Die Schleiferinnen nehmen Montag den 18'Febsr 1935, die Arbeit wieder auf. Die Zeit vom 31. Jänner bis. 18., Feber gilt nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses. Maßregelungen werden von keiner Seite vorgenommen. So ist durch die herrliche Solidarität, die von der Belegschaft der Firma„Epiag" während des Streikes der Schleiferinnen geübt wurde, der Anschlag auf die Existenz der Arbeiterinnen trotz aller Hilfsbereitschaft der Henleinleute zuschanden geworden. Vergessen aber soll der SHF diese Tat nicht sein! Möglichkeit zu verschaffen, über die katastrophale Not unter den deutschen Kindern im Grenzlande der ESR. berichten zu können! Turner gegen Sokoln? Zwischenfall in Zwickau „Bekernlk Cesktho Slova" veröffentlicht eine Nachricht aus Zwickau, die wir gestern nicht mehr auf ihre Richtigkeit prüfen konnten. Danach soll eine Gruppe von Mitgliedern des deutschen Turnvereins in einen Saal eingedrungen sein, in welchem ein B a l l der Sokoln abgehalten werden sollte. Während die Veranstalter fern waren, sollen die Eindringlinge die Dekoration des Saales vernichtet und ein Bild des Präsidenten heruntergeriffen haben. Dem Blatt zufolge hat die Gendarmerie gegen 29 Personen die Strafanzeige erstattet. SV»— Viel Geschrei und wenig Wolle Die Henleinfrontler machen mit ihrer Sudetendeutschen Volkshilfe ein Aufheben, als ob sie damit ein„soziales Wunderwerk" geschaffen hätten. Wenn man die bürgerlichen Zeitungen liest, möchte man fast glauben, daß der Schnorraktion der SBH geradezu das Verdienst zukomme» die notleidende sudetendeutsche Bevölkerung vor dem Hungertode^gerettet zu haben. In Wahrheit ist es mit dieser ganzen Aktton nicht weit her. Das Geschrei ist viel größer, als der wirkliche Tatbestand. Das„Deutsche BolkSblatt" veröffentlichte am SamStag einen Bericht über die Tätigkeit der SBH im politischen Bezirk Komotau. Daraus geht nun hervor, daß die Gesamtsumme der eingelaufenen Spenden XL 165.090.55 beträgt.(Geldspenden XL 121.450.10, Warenspenden XL 43.640.45.) Verteilt wurden aber nur XL 109.575.80 und es haben insgesamt 3646 Personen etwas bekommen. Pro bedürftigen Volksgenossen hat also die Volksgemeinschaft durchschnittlich 30(Dreißig) Kronen aufgewendet. 30 Kronen im Verlaufe von fünf bösen Kri Sette 4 TienStag, IS. Feier 1935 Vr. f? Sturm über Europa I« viele« Landern Todesopfer Aus aller Herren Länder laufen Meldungen über das furchtbare Orkan-Wüten am Sonntag ein. Wir können hier nur die wichtigsten gedrängt registrieren. Orka« und Ueberschrvenr- mungen in Polen Warschau. Ein orkanartiger Sturm, am Sonntag richtete große Verwüstungen an. In Warschau wurden 20 Straß en Passanten durch tierabfallende Dachziegel verletzt. JnLodz beträgt die Zahl der auf diese Weise verletzten Personen sechzig. Im Posener Gebiet, in der Stadt Szamotuly, stürzte infolge des Orkans ein W» h n- b a u S ein. Unter den Trümmern fanden drei Personen den Tod, fünf andere wurden schwer verletzt. In Warschau wurden infolge der heftigen Re- qengüffr, welche von einem orkanartigen Sturm be- glettet waren, die an der Weichsel gelegenen Straßen unter Wasser gesetzt. In Lodz wurden daS dortige A r b e i t e r» i e r t e l überschwemmt. Mit Hilfe des Militärs mußten 300 Personen evakuiert werden. Opfer in Deutschland Berlin. I» den frühen Morgenstunden deS Sonntag verursachte ein außergewöhnlicher starker Sturm zahlreiche schwere Schäden, In der Innenstadt stürzte ein Baugerüst ein. Am frühe» Nachmittag setzte der Sturm mit erneuter Heftigkeit ein. In Berlin- Schmargendorf wurde der Schornstein eines Privathauses«mgeriffen. Bei den Aufräumungsar- beiten stürzte ein zweiter Schornstein rin. Durch die fallenden Trümmer wurde ein Feuerwehrmann so schwer verletzt, daß er kurz darauf verstarb. In Breslau wurde eine Verkäuferin von einem herabfallenden Mauerstück e r sch l a g e n. Bei Halle wurde ein fünfjähriges Kind» daS auf einer Wiese am Stadtrand gebrochenes Astwerk sammelte, von einem»mstürzende« Baum begraben und auf der Stelle g e t ö t e t. An einer Wohnungskolonie in Mühlhansen richtete das Unwetter derartigen Schaden an, daß gegen 200 Menschen ihres Obdachs beraubt wurden. Zwei Personen mußten mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Schreckerrstag in Ungar« Budapest. In Budapest und Umgebung wütet« den ganzen Sonntag ein heftiger Wind, der stellenweise zu einem Orkan ausartrte. I« Budapest geht die Zahl der Leichwerletzten in die hunderte. Der Orka« riß Schilder und Dächer ab, durch deren herumfliegende Splitter zahlreiche Menschen zu Schaden kamen. Dem Orka« fiel auch ei« M e n scheute b e n zum Opfer. Ei» Beamter wurde von einem herabfallendenGesims auf der Straße erschlage». Zahlreiche Leute erlitten Bein- und Armbrüche. Der Verkehr war stellenweise auf kurze Zeit in einige» Vororten unterbunden. Ein HauS stürzte«in, wodurch ein« Fra», die mit ihrem sechsjährige» Kinde auf den Armen vor den herabfallenden Haus- trümmern flüchtete, schwer verletzt wurde. A«d in Holland Amsterdam. Der Orka«, der während der beiden letzten Tage in Holland wütete, hat zahlreiche Menschenleben gefordert. Zwei jung« Leute wurden vom Strom von der Hafenmole ins Meer geschleudert. Auf einem See bei Amsterdam kenterten zwei Ruderboote» wobei eine Person«ms Leben kam. Im Amsterdamer Hafen stürzte ein großer Kran auf zwei Schleppschiffe, die schwer beschädigt wurden. Eines von ihnen sank, ein Mitglied der Besatzung wurde getötet. In Bliffingen wurde ein junges Mädchen vom Sturm vor die Rader einer Straßenbahn geschleudert. Sie wurde getötet. Bei Herzogenbusch wurde ein Arzt mit seinem Kraftwagen von einem hohrn Deich in die Maas ge- schleudert. Er ertrank. Aus einer ganzen Reihe von Ortschaften werden Anglücksfälle gemeldet, bei denen weitere zahlreiche Personen verletzt wurden. Lebensgefahr für Riesengebirgs- Sportler Hirschberg. In der Nacht zum Sonntag steigerte sich der Sturm im Riesengebirge auf Stärke 12. Die massiven Kammbauden erbebten in ihren Grundfesten, so daß die Bewohner befürchten muß) ten, der Orkan würde die Bauden einfach wegreisten. Ein Aufstieg zum Kamm war auch am Sonntag vormittag fast unmöglich. Skiläufer, die ins Tal abfahren wollten, muhten schon nach kurzer Zeit in die schützenden Bauden wieder zurückkehren. Sie haben dabei teilweise unterwegs ihre Skier abgeschnallt und im Stich gelassen, nur um ihr nacktes Leben zu retten/ In den Gebirgsdörfern und im Tal haben die Sturmböen sehr graste Schäden angerichtet., Sonntag abneds flaute der Sturm auf Stärke sechs ab. Et»ga«g auf unseren Flüsse« Prag. Die Hydrographische Abteilung der Landesbehörde in Prag veröffentlicht am 18. Feber 1935 folgende Nachricht: Die bedeutende Erwärmung der letzten Tage war von einer raschen Schneeschmelze begleitet. Alle Flüsse Böhmens sind mähig gestiegen; da es nirgends stark regnete, verläuft die Situation vorläufig gefahrlos, Prag hatte heute früh einen Wafferstand von 110 Zentimeter mit mäßig steigender Tendenz. Vorhersage für die Elbe in Aussig für morgen früh: 298 Zentimeter, mäßiges Steigen; in Tetschen morgen vormittags 278 Zentimeter, mäßiges Steigen. Die erhöhten Wasserstände werden längere Zeit anhalten, da die Flüsse immer noch von den Schneeschichten, selbst der höheren Lagen, einen bedeutenden Zufluß erhalten. Heute Nacht setzte auf allen Flüssen Eisgang ein. Pilsen. Infolge der andauernden Regenfälle der letzten Tage verschwand im mittleren Böhmerwald TagcsncoigfcNcn Ein Pastor über Hitler Berlin. Der„Westdeutsche Beobachter", das amtliche Organ der Nationalsozialistischen Partei in Köln, meldet: Das Sondergericht verhandelte gegen einen Pastor ans Bornheim, der im August vorigen Jahres, also kurz vor der Wahl, in abfälliger Weise über den Reichskanzler und die Regierung sich geäußert hatte. Der Pastor hatte«. a. gesagt, er könne nie für den Führer stimmen, denn Hitler sei ein Mördrr. Die deutsche Regierung sei eine Räuberbande. Unter der heutigen Regierung sei das Heidentum größer als beim Kommunismus. Das Gericht verurteilte den Priester zu e i n e m Jahr Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre beanttagt. 200.000 Hausangestellte im Streik New Aork. 200.000 Fahrstuhlführer und Hausreinigungs-Angestellte, die in den öffentlichen Gebäuden angestellt sind, haben für gestern den Streik proklamiert, um eine Lohnerhöhung zu erwirken. Der Bürgermeister von New Jork hat wegen der großen Unannehmlichkeiten, die dieser Arbeitskampf für die Mieter und das Personal der Gebäude mit sich bringen würde, und weil man ernste Zwischenfälle befürchtet, erklärt, daß er die ihm nach der Stadt- verfaffung zustehenden kriegSgesetzähn- l ich«-Polizeigew a l-t>anwenden .werde»>•> Tel der Verhandlung vom Schlag getroffen Tragischer Tod eines Klattaner Richters Samstag vormittag fand in Klattau vor dem 80jährigen Bezirksrichter Alois Braun ein Verhandlung statt, in deren Verlaufe es zu einem heftigen Meinungsaustausch zwischen beklagten Partei und einem Rechtsanwalt kam, wobei sich der Beschuldigte in einer Weise benahm, die dessen sofortige disziplinarische Bestrafung notwendig machte. Der Richter Braun, der bereits längere Zeit krank war, sein Amt aber weiter ausübte, begab sich während der Verhandlung in einen anderen Raum des, Gerichtsgebäudes und rief von dort aus dem Gefängnis des Kreisgerichtes den Gefangenenaufseher herbei, der die disziplinarisch bestrafte Person ins Gefängnis abführen sollte. Bei dem Vorfall regte sich der Richter Braun dermaßen auf, daß er auf dein Gang bewußtlos zusammenstürzte und noch vor dem Eintreffen des Arztes starb. Hakenkreuzpropaganda . durch unbemannte Luftschiffe? Auffindung einer reichsdeutschrn Ballonhülle bei Pisek In der Nacht auf Sonntag fiel ungefähr ein Kilometer südöstlich der Gemeinde Valcice, pol. Bezirk P i s e k, die Hülle eines hakenkreuzgeschmückten reichsdeutschen Ballons ohne Gondel nieder, lieber dem Kreis für die Gondel, der bei der Hülle verblieben ist, befindet sich die Aufschrift„B i e l e f e l d". Die Auffindung wurde vom tschechoslowakischen Pressebüro im Rundfunk gemeldet. Gleich darauf wurde das Prager Radiojournal aus Darmstadt von dem dortigen Aero-Klub telephonisch angerufen, der bekanntgab, daß Samstag in Darmstadt ein Flugtag stattfand, bei dem 20 Freiballons ohne Besatzung abgelassen wurden. Einige der Ballons kehrten nach kurzer Zeit nach Darmstadt zurück, die übrigen wurden nach verschiedenen Stellen abgetrieben. Nachrichten fehlten nur noch von dem letzten, dem Ballon„Bielefeld". Von den abgelassenen 20 Ballons flog dieser Ballon am weitesten. 60 Stunden auf einer Eisscholle Archangelsk. Die Angestellten des V e- prevsker Leuchtturms wurden am 13. Feber auf einer Eisscholle aus das Meer di« Schneedecke. Die Gebirgsbäche find angeschwollen. Der Wafferspiegel der O t a w a ist um einen Meter gestiegen. Brüekeneinsturz Pardubitz. Unter dem Drucke des angesammelten Eises stürzte die provisorische Holzbrücke über die Chrudimka ein. Obwohl alle Pfeiler vernichtet wurden, hielt sich die durchgebrochene Konstruktion über Wasser. • Jgla«. Der Fluß I g l und seine Zuflüsse find über die Ufer getreten. Im Marktflecken L n k y nad Jihlavou, wo sich auf der alten Eisdecke die Eisschollen zwei Meter hoch anhäuften, überflutete das Wasser die ganze Umgebung. Das Wasser bedrohte die Brücke und einige ttefer gelegene Häuser. Eine Pionierabteilung kam in Lastautomobilen nach Luky. hinausgetrieben. Nach einem 60stündigen Aufenthalt auf der Eisscholle gelang es ihnen ,an das Ufer bei dem Leuchtturm Jnca an Land zu gehen. Alle befinden sich wohlauf. Ziehung der Klassenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Montag-Ziehung der 3. Klasse der 32. tschsl. Klaffenlotterie wurden nachfolgende Getvinste gezogen. 20.000 K« Lose Nr. 27516, 92669. 10.000 Kö Lose Nr. 81845, 92437, 41241, 71805, 5000 Kc Lose Nr. 61494, 12705, 15561, 5621, 26627, 37632, 7093, 86088, 103984, 32210, 41106, 91570. 2000 K« Lose Nr. 33586, 76261, 49772, 49301, 49610, 102974, 1392, 76579, 60598, 91961, 71385, 82390, 22322, 69866, 74906, 96069, 27282, 42164, 40212, 59859, 44623, 46397, 76676, 106885, 8684, 14510, 59907, 60319, 12073, 80530, 12631. Befohlene Romantik. Der Präfekt von Venedig hat angeordnet, daß der Canale Grande nicht mehr von Motorbooten befahren werden darf. Er verkündete die Renaissance der Gondoliere und bewies damit von neuem, daß ein fascistischeS Regime immer nur reaktionär, den Fortschritt hemmend, wirken kann. Die Romanttk des Canale Grande war immer ziemlich spießbürgerlich und theaterhast. Liebespärchen, Jungvermählte, ließen sich in den bedächtigen schwarzen Nachen über die Fluten treiben, sie seufzten, schmachteten und kamen, sich furchtbar interessant vor. Der Gondoliere benutzte die weltentrückte Stimmung, um so,Ich Pärchen zu einer in den Seitenkanälen gelegenen Glasfabrik zu rudern, dort ein Geschäft zu vermitteln und Prozente einzuheimsen. Auch jene, die in lampionbehangenen Booten ruderten und Santa Lucia sangen, benützten die deutsche Sehnsucht nach Romanttk zu unromantischem Geschäft. Denn wenn sie gesungen hatten, fuhren sie einkassieren... Die Technik hat die Romantik arg in die Enge getrieben. Notwendig, nützlich und forffchrittlich erwies sich das Vapo- retto, das dem Venezianer den Autobus ersetzte und ihn schnell vom Markusplatz bis zur Rialto- Brücke beförderte. Dies aber wirkte desillusionierend, es irrftierte den Fremden, der nach Venedig kam und es immer noch so vorfinden wollte, wie es ihm aus Großmutters Zeiten geschildert worden war. Allmählich sprach es sich in der Weft herum, daß auf dein Canale Grande»nichts mehr los sei", und daß man wo anders ebenso gut mit dem Motorboot fahren könne. Um den Fremdenverkehr zu heben, hat der Präfekt von Venedig daher jetzt gefordert: Mehr Romantik! Das Vaporetto wird also verschwinden, die Gondoliere werden wieder das Feld beherrschen, und die bedauernswerten venezianischen Angestelften und Arbeücr haben das Nachsehen: sie müssen nämlich von nun an zu Fuß— was in Venedig sehr unbequem ist— oder auf langem ermüdenden Gondelweg ihre Arbeitsstätte aufsuchen. Dies ist die Kehr- sefte der Romanttk! Uebcr den Ban der Wasserleitung der Stadt Trebitsch köurde bereits definitiv Beschluß gefaßt. Die eben in Trebitsch weilende Kommission des Ministeriums für öffentliches Gesundheitswesen ist mit der Ueberprüfung des ganzen Trebitscher Bauprojettes beschäftigt. Die Wasserleitung ist e l f Kilometer lang und entnimmt das Wasser dem reichen Ouell der tiefen Heraltitzer Wälder. Der Bauaufwand ist mit insgesamt 12 M illio- n e n XL veranschlagt, wofür die Deckung bereits vorgesehen ist. Der Bau wird 500 Arbeiter beschäftigen. Die Wasserleitung wird den Namen»Jubiläumswasserleitung der Stadt Tre- hitsch" führen. Söul. Nach einer amtlichen Mitteilung drangen über 200 Banditen an der Westküste von Korea in die Stadt T a n s e n ein, entwaffneten die dort sehr schwache Polizei und richteten ein furchtbares Blutbad an. Zahlreiche Koreaner und Japaner wurden getötet. Die Banditen plünderten Geschäfte, Schulen und Kran- Westböhmischer Arbeitersport In der Woche vom 9. bis 16. Feber fand auf der Arbeitersporthütte am Keilberg ein Skikurs des 6. Kreises des Atus statt, welcher mit einer Fugendschule der Metallarbeiter und der Turnerjugend verbunden war. 26 Teilnehmer hielten durch, trotzdem während der Woche ein Wetterumschlag von 26 Grad Kälte auf 6 Grad Wärme zu verzeichnen war. Die Hauptreferate hatten die Genossen Pretsch(Komotau) und Mykura(Fal-, kcnau).' Die Leitung d«S Skikurses, welcher zehn Halbtage umfaßte, hatten die Genossen B e i d l (Graslitz) und Hüller(Rothau) inne. Der Erfolg war gut. Am 12. Feber wurde eine Gedenkfeier an den österreichischen Heldenkampf veran- ftallet. Nunmehr haben bereits vier Bezirke des 6. Kreises ihren Verbandstag durchgeführt, und\ zwar der 1. Bezirk in Neudek, der 3. Bezirk in Graslitz, der 4. Bezirk in Pilsen und der 8. Bezirk in Neusattl. Im GraSIitzer Bezirk haben alle Vereine, in den übrigen zwei Drittel der Vereine,teilgenommen. Die Bigirksobmänner und die technischen Hauptletter find in allen Bezirken wiederge- wählt. Auf allen Tagungen wurden Referate über das 5. Kreisturnfest erstattet, welches zu P f i n g» st en 1935 in Eger stattfindet. Im 2. Bezirk haben in Eger und Asch zwei große Jugendversammlungen stattgefunden, an welchen neben den Turnern auch die SJ und Metallarbeiter teilgenommen haben. Das Referat erstattete BundeSerzieher Storch. Tod beim Schlittschuhlaufen. In der Wör- thersee-Buchtbei Pörtschach batte sich in der Nähe des Hotels»Woerzer" eine dünne Eisschicht gebildet, die zwei Kinder des Hilfsarbeiters Kaiser, den fünfjährigen- sogenannten»kleinen Schäfer" und den neun Jahre alten Michael zum Schlittschuhlaufen verleitete. Kaum 30 Meter vom Ufer entfernt, brachen die beiden Knaben auf dem Eise ein und versanken sofort in dem an dieser Stelle zirka 12 Meter tiefen See. Ein Arbeiter, der Zeuge des Unglücks war und mit Brettern und Stangen einen Rettungsversuch unternehmen wollte, brach gleichfalls ein, konnte aber im letzten Augenblick noch gerettet werden. Die beiden Knaben wurden schließlich tot geborgen. Ein tödlicher Theaterschntz. Sonntag abends ereignete sich bei einer Theatervorstellung in St. Marein(Steiermark) ein tragischer Zwischenfall. Es wurde das Stück„Andreas Hofer" gespielt, wobei der 26jährige Mitwirkende Josef Zach hinter den Kulissen zwei Schüsse abgeben sollte, wie es in dem Stück vorgeschrieben war. Der Schauspieler benützte dazu scharfe Patrone n,. wobei er gegen einen Balken zielte. Als die Schüsse fielen, ertönte hinter den Kulissen ein Schmerzensschrei und Zach stürzte tot zu Boden. Er war durch einen P r e I l- schuß getötet worden. Hauptmanns Verteidiger wird dem Gerichtspräsidenten ein von Hauptmann unterschriebenes Gesuch um Verschiebung der Ausführung des Todesurteils vorlegen» um über die Berufung gegen das Urteil verhandeln zu können. Es wird erwartet, daß das Gericht dem Ansuchen entsprechen und die Hinrichtung um sechs Monat» verschoben werden wird. Freitod auf den Schiene«. Sonntag früh wnrde quf der Eisenbahnstrecke Böhm.-Trübau—• Pardubitz Mischen Pardubitz und Pardubitz-Haltestelle die Leiche eines überfahrenen Mannes gefunden. Wie festgestellt wurde, handelt es sich nm den 78jährigen Kutscher E. Jelinek ans Pardubitz, der sich vom Zuge hatte überfahren lassen. Die Ursache des Selbstmordes bildeten F a m i- lienzerwürf nisse. Vom Rundfunk ImpfaManswarta* au* dan Programm»»: Mittwoch: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 11: Schallplatten, 12.10: Schallplatte»: Rossini. 13.45: Arbeitsmarft deutsch, 15.55: Konzert, 16.45: Jugendtheater, 17.30: Holländische Musik auf Schallplatten, 18.05: Wanderlieder(Melody bohs). 18.55: Deutsche Presse, 18.20: Aktuelle zehn Minuten, 18.80: Deutscher Arbeiterfunk: Prof. Dr. Markovits: Die Arbeitslosenfrage in Griechenland, 18.50; Sozialinformationen, 19.10: Schallplatte«: Smetana, 19.25: Populäres Orchesterkonzert, 20.45: Schubert-Lieder, 21.30: Brahms: Sonaten, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 14.20: Salonquartett, 15: Deutsche Sendung: Kinderstunde!„Abenteuer in Prag".— Brünn 12.10: Arbeitsmarft und soziale Informationen, 17.50: Deutsch« Sendung: Musik auf alten Instrumenten.— Mähr.»Ostrau 13.45: Schallplatte«: Wagner, 21.10: Schauspiel aus dem Atelier„Der Witwer".— Preßburg 20.40: Liederkonzert. kenhäuser und zündeten die Stadt an. Auf Veranlassung der japanischen Behörden sind Truppen eingesetzt worden, die die chinesischen Banditen aus Tansen vertreiben sollen. Nach den bisherigen Mitteilungen erreicht die Zahl der Toten und Verwundeten in der Stadt Tansen über 100. Miten Men eine Mlüe 6M on Hundert Tote und Verwundete Nr. 42 Dienstag, 19. Feber 1935 X«/ Serk 5 Leuchtgas. Offenbar infolge Gasrohrbruch e s verbreitete sich iin Laufe-er Sonntags- Nacht im Erdgeschoß zweier Häuser im Stuttgarter Borort Oftheim Leuchtgas, das erst Montag früh bemerkt wurde. Als die Polizei die Erdgeschoßwohnung des einen Hauses öffnete, fand man von der Familie den Vater und den zwölfjährigen So h n tot auf. Die Mutter und der zehnjährige Sohn waren bewußtlos. Im RebenhauS wurde im Erdgeschoß die Wohnungsinhaberin, eine Witwe, ebenfalls tot aufgefunden. Der Untermieter war bewußtlos. Die btei Ueberlebenden wurden sofort ins Krankenhaus eingeliefert. — Montag früh wurden in ihrer Wohnung im 12. Wiener Bezirk der Dachdeckermeifter Alois Vesely und seine Gefährtin die 36jährige Therese K d i t o b d mit Leuchtgas vergiftet aufgefunden. Der herbeigerufene Arzt konnte nur den Tod der beiden Personen feststellen. Es handelt sich um gemeinsamen Selbstmord wegen unheilbare r Krankheit Veselys. Am Rande eine» Hochdruckgebiete«, welches von Südwesteuropa herannaht, flaut der Wind nunmehr rasch ab und di« Bewölkung löst fich teilweise auf. Auch in der Tatra, wo Montag morgens noch ein heftiger Schneesturm herrschte, hat es sich aufgeheitert. Das Tauwetter, welches bis in«in« Höh« don etwa 1000 Metern über dem Meere reicht, wird voraussichtlich anhalten. In den Niederungen dürfte es sich nur stellenweise infolge nächtlicher Ausstrahlung starker abkühlen. Sehr tief ist nunmehr der Luftdruck über dem Atlantischen Ozean und dem Polarmeer, An den europäischen Küsten weht daher ein warmer Südwestwind.— Wahrscheinliches Wetter von heute: In den mittleren und östlichen Teilen der Republik halbheiter, ruhig und nachts«in w«nig kühler. Sonst wechselnd bis vorwiegend bewölkt, kein« oder nur unbedeutende Niederschläge, mild, Südwestwind. Auf den Bergen nur schwacher Frost.— Wetter« auSsichten für Mittwoch: Unbeständig, Südweflwind, untertags mild. serri und eine Gießerei, die ihre Werkstätten in dem betroffene« Gebäude hatten, sind gleichfalls zerstört worden. Die Feuerwehren mußten fich darauf be» schranken, das anliegende Wohngebäude und di« Kirche zu schützen. Die in den oberen Stockwerken untergebrachten Maschinen durchbrachen die Fußböden und stürzten i«S Erdgeschoß. Ein Feuerwehrmann wurde durch herabstürzend« Ziegel schwer verletzt. Infolge der ungeheuren Hitze sprangen in den anliegenden Häusern sämtliche Fensterscheiben. Im benachbarten Altersheim brach unter den Insassen eine Panik aus. Der Sachschaden wird auf Wer eine Million Reichsmark geschätzt. Die Brandursache ist noch nicht geklärt. Man vermutet Kurzschluß. Fliegertod. Sonntag gegen Abend stürzte in Algier der bekannt« Flieger Marcel Germain ab und war auf der Stelle tot. Seine ganze Familie widmete sich der Fliegerei und war in ganz Frankreich unter dem Namen»Die fliegende Familie" bekannt. iBestelltdm>alliMA4BucA Zum ersten Unemato graphischen Festival der Sowjetunion werden zahlreiche geladene Filmleute aus der ganzen Welt erwartet. Auch tschechoslowakische Vertreter werden anwesend sein. Eine Sonder-Jury wird ihr Urteil über die auf dem Feftinal vorgeführten Filme abgeben. S}ie Beurteilung erfolgt auf Grund nachstehender Gesichtspunkte: Wahrheitstreue des Stoffes, Uebereinstimmung mit der Wirklichkeit, dramatische Wirkungen des Drehbuches, Originalität der Regie, schauspielerische Qualitäten, Bühnenbilder, Regieleistungen, filmtechnische Eigenschaften, Montage, musikalischer Teil usw. Das Festival wird bis zum 3. März dauern. A«S Hollywood wird berichtet, daß di« National Broadkasting Corporation beabsichtige, binnen Jahresfrist in Hollywood ein Tonstudio zu erbauen, das das grüßte der Bereinigten Staaten sein soll. ES wird auch fürFernsrhen eingerichtet sein. Die Entwicklung der Ausfuhr Eisenverarbeitende Industrie steht am günstigsten Unfall oder Mord? Die Leiche im Gtrindruch Am Montag früh fand ein Arbeiter im großen Steinbruch, unweit der Gemeinde Sla- tinky bei Proßnitz, die Leiche eines Manner. Die Gendarmerie stellte fest, daß es sich um den Häusler Tomas Charvänek handelt, der am Samstag nachmittag einen kleineren Geldbetrag aus Brünn erhalten und daS Haus verlassen hatte. Seit dieser Zeit fehlte von ihm jede Nachricht. Der untersuchende Arzt stellte fest, daß der Tod durch die Zertrümmerung der Schdeldecke bei einem Sturz aus 20 m Höhe in den Steinbruch erfolgt war. Es konnte nicht genau sichergestellt werden, ob der Tod durch den Sturz herbeigeführt wurde oder durch Einschlagung der Schädeldecke mit einem stumpfen Gegenstand, und ob der Leichnam nicht erst nachher in den Steinbruch hinuntergeworfen wurde. Montag nachmittag wurde in Slafinky ein Einwohner verhaftet, der in begründetem Verdacht steht, der Gendarmerie absichtlich den Umstand verschwiegen zu haben, daß er mit Char- vanet am Sonntag mittag gesprochen hatte. Die Grippe Jgla«. Die in der Jglauer Garnison in den letzten Tagen ausgebrochene Grippe-Epidemie ist berests im Abflauen begriffen. Don dem ursprünglich marod gemeldeten Stande von 280 Soldaten, die an einem leichten Grippekatarrh erkrankt waren, werden nunmehr bloß noch 260 Fälle gemeldet. Die Kaserne des Jnf.-Reg. 31 und der Artillerieabteilung 256 wurde gesperrt. Nach Jglau wurden aus Brünn zwei Militärärzte berufen. Dank entsprechender Maßnahmen breitet sich die Ansteckung nicht aus und hat auch nicht auf die Zivilbevölkerung übergegriffen. DaS Physikat der Hauptstadt Prag macht alle Aerzte darauf aufmerksam, daß Grippeerkrankungen der amtlichen Anmeldepflicht unterliegen, und ersucht, entsprechende Berichte rechtzeitig auf den vorgeschriebenen Blanketfln dem Physikat zukommen zu lassen. 17 Verbrecher nach blutigem Kampf entkommen Granit»(Oklahoma). Mehr als 30 in dem hiesigen StaatSgefängniS eingeschossene Verbrecher unternahmen am Sonntag einen Ausbruchsversuch. Sie schossen dabei mit Revolvern, die auf unaufgeklärte Weise in ihren Besitz gekommen waren. Bei dem Feuergefecht am Haustor des Gefängnisses fand ein G e f ä n, g n i S w ä r- ter den'’ T'ö b; während tnehrere S t tfi f- linge ve r wu n de t wurden. Im August 1932 waren aus demselben Gefängnis 23 ^Sträflinge ausgebrochen. ES ist das einzige amerikanische Gefängnis für männliche Verbrecher, deffen Leitung in den Händen einer Frau liegt. wieder betraut, zum Lobe verurteilt... Moskau. Das Moskauer Gericht verurteilte den großen Betrüger Grünspan Gromow, der mehrfach vorbestraft und aus Moskau «usgewiesen. war, zwn Tode. Der ver- «rteilte Betrüger war in die Hauptstadt z u r ü ck- gekehrt und wirkte in verschiedenen Trusts Und st a a t l i ch e« A e m t e r n, wo er hervorragende und verantwortliche Funk tion en bekleidete. Er war auch mit verschiedenen Funktionen in der Provinz betraut worden. Knapp am absoluten Nullpunkt. Der holländische Professor Haas hat in seinem Leydener Laboratorium einen neuen Kältegrad erreicht, und zwar ist es ihm gelungen, eine Temperatur von«in neuntausendstel Grad Celsius über dem absoluten Nullpunkt von 273 Grad unter Rull herzustellen. Professor HaaS hat damit seinen eigenen Rekord vom Juli 1933 geschlagen. Brandkatastrophr. Am Sonntag früh wurde das vierstöckige Gebäude der Fabrik Büttner» Söhne in B ia la durch Großseuer vernichtet. Zwei kleine Textilfabriken eine Kartonagefabrik, ein« SchlosDunedin.(Neuseeland) Gestern trafen hier an Bord des Schiffes„Jacob Ruppert" Admiral Byrd und einige Mitglieder seiner Expedi- lion ein. Während seines Aufenthaltes in der H a i f i s ch-B a i hat Admiral Byrd dem amerikanischen Besitzstände in der Antarktis 200.000 kluadratmeilen neuen Gebietes einverleibt. Die Expedition verlief ohne Verluste an Menschenleben. Die„Jacob Ruppert" traf hier zwei Tage dor der vorher bestimmten Frist ein. Alle mit Byrd Angelommenen erfreuen sich guter Gesundheit, wenn sie auch die Spuren der bestandenen harten Prüfungen tragen. Der Rest der Expedition befindet sich an Bord des Schiffes„Bear af Oakland", mit welchem der Admiral neu« Forschungsreisen in östlicher Rich« Der Entwicklung des Außenhandels wirb von einem wachsenden Kreis der arbeitenden Bevölkerung Beachtung geschenkt, weil die Abhängigkeit der Produktionskonjunktur vom Außenhandel gerade in den Jahren der Weltwirtschaftskrise so augenfällig geworden ist. Eine Wirtschaft, wie die tschechoslowakische, mttz einer so stark entwickelten Fertigwarenindustrie, muß, wenn die Produktion einen hohen Stand erreichen und die vorhandenen-menschlichen Arbeitskräfte Beschäftigung finden sollen, außer einen, noch st arl e r jv e t- r e t u n g s b e dürft i'g e st Sti h n e'st- Marktabsatz vor allem auch Absatzmöglichkeiten nach dem Ausland haben. Das Jahr 1984 hatte für die tschechoflowakische Fertigwarenausfuhr gute Ansätze für eine Steigerung gebracht. Wie hat sich nun in dieser Beziehung das Jahr 1935 eingeführt? Die von uns bereits veröffentlichten vorläufigen Ergebnisse unseres Außenhandels für den Monat Jänner zeigen, daß die Entwicklung im ganzen auf der Linie des Vorjahres weitergegangen ist. Bei einem Vergleich mit dem Vorjahre mutz berücksichtigt werden, daß der Jänner 1934 der letzte Monat war, in dem der Außenhandel auf der Grundlage der damals noch nicht abgewerteten Krone berechnet wurde. Es müßte demnach im Jänner 1935 eine Steigerung von etwa 18 bis 20 Prozent dem Werte nach eingetreten sein, wenn der Außenhandel wertmäßig nicht unter den: des gleichen Monats des Vorjahres liegen soll. Nun zeigen Einfuhr und Ausfuhr zusammengenommen eine Erhöhung von knapp 16 Prozent. And zwar ist die Steigerung hei der Ausfuhr erheblich stärker als bei der Einfuhr. Während sie bei der letzteren nur 10.4 Prozent beträgt, ist die Ausfuhr um 20.7 gestiegen; die Fertigwarenausfuhr gar um 26.5 Prozent! Die folgende Tabelle läßt im einzelnen die Veränderung in der Ausfuhr der wichtigsten Waren- tung vom König Eduard VH.-Land unternehmen wird, um sich dann Valparaiso zuzuwenden. Auf eine Anfrage erklärte Byrd: Das Hauptziel der Expedition war, feftzustellen, ob eine Verbindung zwischen dem Marie B h r d-L and und dem Hauptteil des autark tische nF estlandes besteht. Meine Beobachtungen bestätigen das Bestehen dieser Verbindung.(Es handelt sich um das bereits erwähnte Gebiet in der Ausdehnung von 200.000 Quadratmeilen). Byrd fügte hinzu, daß zahlreiche äußerst genaue wissenschaftliche Beobachtungen angestellt wurden und das gewonnen wissenschaftliche Material in den kommenden drei Jahren genau geprüft und daraus die wissenschaftlichen Folgerungen abgeleitet werden sollen. gruppen erkennen. ES betrug die Ausfuhr dem Werte nach: Am günstigsten schneidet bei der AuSfuhr- steigerung von den Fertigwarenindustrien demnach die eisenverarbeitende Industrie ab. Das wird auch durch die mengenmäßige Entwicklung der Ausfuhr bestätigt. Es betrug die Ausfuhr der Menge nach der in der Statistik verzeichneten wichtigsten Warengruppen: 1935 1934 Jänner Jänner in Tausend KL Eisen und Eisenwaren.. 53.623 28.577 Baumwolle, Garn« und Waren daraus.,.. 88.484 86.191 Wolle, Wollengarne und Waren..... 34.491 88.598 33.467. , 30.604 Krchlen....... 32.818 35.985 Holz.. 30.736 15.210 Flachs, Hanf, Jute; Garne und Waren daraus.. 23.212 15.989 Maschinen und Apparate. 20.926 6.358 Unedle Metalle und ' Waren daraus.... 20.920 12.966 Leder und Lederwaren.. 20.591 21.726 Seide und Seidenwaren. 19.015 18.529 Obst, Gemüse, Pflanzen. 16.858 28.888 Getreide, Mah, HAsen- flüchte, Mehl, Reis.. 16.520 13.074 Konfektionswaren.... 14.923 9.857 Papier und Papierwaren. 18.213 11.008 Tierische Produkte.,. 13.104 13.271 Mineralien,,,., 9.814 8.002 Tonwaren ,,,,,, 9.301 8.962 Holzwaren 8.846 6.114 Zucker....... 7.048 3.812 Um in die erreichte AuSfuhrbefferung möglichst alle Teile unserer Fertigwarenindustrie einzubeziehen, bedarf es demnach auch weiterhin der Anstrengungen aller verantwortlichen Stellen; nicht zuletzt der Industriellen selber. Sie dürfen eine exportfördernde Handelspolitik nicht durchkreuzen, durch eine reaktionäre Lohnpolitik» die den Binnenabsatz zusammenschrumpfen läßt und damit die Einfuhrmöglichkeiten drosselt. Steigerung der Ausfuhr ohne Einfuhrerhöhung ist aber unter den gegebenen Verhältnissen auf lange Sicht so gut wie unmöglich. 1985 Jänner in Tonnen(Ne 1934 Jänner ttogewicht) Kohlen..,, ... 281.984 307.615 Holz«iii ... 122.122 78.880 Eisenerze.,, ... 12.474 5.697 Zucker.., ... 10.222 4 782 Eisenwaren,, ... 7.618 5.754 Papierzeug., ... 5.372 6.817 Malz..., ... 5.011 5.864 Eiserne Bleche n. Platte« 4.845 1.961 Stabeise«.., ... 8.222 1.807 Getreide«», ,,. 2.762 3.279 Mehl.... ... 2.660 6.089 Tafelglas.., ... 2.595 2.627 Papier.... ... 2.808 988 Hohlglas.,. ... 1.362 1.624 Eisendraht,. ... 1.320 2.058 Das Ergebnis der Admiral Byrd-Expedition MiBfcrbigerZahnbeloci laßt sich rasch und gründlich beseitigen, wenn man etwas Chlorodont-Zahnpaste auf die trok- kene Zahnbürste drückt und damit die Zähne nach allen Seiten, auch auf den Kauflächen, bürstet. So kommt der natürliche Elfenbeinglanz dor Zähne wieder zum Vorschein und ein herr- liebes Gefühl der Frische und Sauberkeit bleibt im Munde zurück. Tube Ki 4‘—. Inländ. Erzeugnis. Acrlchlssaal Der Fehltritt eines 63jährigen Postangestellten Drei Briefe entwendet.— Schwurgericht eröffnet mit Freispruch. Prag. Montag wurde beim hiesigen Kreisgericht die erste Schwurgerichtsperiode dieses Jahres eröffnet. Die Anklage betraf das Verbrechen des Mißbrauches der Amtsgewalt und auf der Anklagebank saß der 62jährige Postangestellte Anton P r ch a l aus N u s I e. Der Sachverhalt in derartigen Prozessen ist stets der gleich«. Der Angestellte hat sich an Postsendungen vergriffen, die ihm dienstlich anvertraut waren. Die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse d«S Angeklagten sind folgendermaßen beschaffen: Prchal ist definitiver Postangestllter, verheiratet und hat Kinder. Sein Gehalt betrug 1125 Kc, da aber alte Schulden da.waren, die er in Form von Gehaltsabzügen abtragen mußte, blieben dem Angeklagten an jedem Auszahlungstag nur 813 Kö, mit denen er mit seiner Familie nicht auskommen konnte, zumal er noch eine Schwester mit Kind zu unterstützen hat. Er arbeitete in der AbsternpelungSabteisting des Postamtes in der HeinrichSgaffe, wobei«r die Aufgabe hatte, die Briefe nach ihrem Umfang und nach der Lage der aufgeklebten Marke zu sortieren, damit die Abstempelungsmaschine ohne Störung arbeiten könne. Einem seiner Kollegen, einem gewissen Jaroflav Khlianek war schon durch längere Zeit aufgefallen, daß Prchal den ihm anvertrauten Briefschaften eine mehr als notwendige Aufmerksamkeit schenkte. Er befühlte sie, drückte sie in den Händen und es war klar, daß ihn der Inhalt der Briefumschläge sehr interessierte. Da bereit- mehrfach bei Prager Postämtern, gerade in den Sor- tierungsstellen, von Angestellten Briefe unterschlagen wurden, in denen sie Geld vermuteten, wurde Prchal beobachtet. Am 17. Mai v. I. sah Khlianek tatsächlich, wie der Angeklagte einen Bries längere Zeit befühlte und ihn schließlich auf die Erde fallen ließ. Dann hob, er ihn auf und ließ ihn dabei in der Tasche verschwinden. Khlianek machte von dem Vorfall dem Postsekretär R u j i k k a Meldung und während er noch mit diesem Vorgesetzten sprach, bemerkte er, daß Prchal, der sich unbeobachtet glaubte, einen zweiten Brief ieinsteckt«. Man führte.ihn in- sinen Neben«-'->7 raum, wo er zugab, drei Briefe in'der Tasche Kv-sö haben. Diese seien ihm auf die Erde gefallen und er habe sie einstweilen zu sich gesteckt. Bor dem Untersuchungsrichter bekannte sich Prchal aber völlig zu seiner Schuld und gestand, er habe die drei Briese, in denen er Geld vermutete, später öffnen und den Inhalt für sich verwenden wollen. Der Strafbarkeit seiner Handlung war er sich bewußt, doch hqbe er gehofft, auch wenn er ertappt werde, mit einer leichten Strafe davonzukommen. Er habe auS Not gehandelt, da er mit seinem Gehalt die Familie nicht ernähren konnte. Ein tatsächlicher Schaden war übrigens nicht entstanden, so daß lediglich die böse Absicht bestehen blieb. Auch bet der Haupwerhandlung blieb der Angeklagte bei seinem reumütigen Geständnis. Das Verfahren nahm daher einen schnellen Verlauf. Die Geschworenen verneinte« die Schuldfragr mit acht Stimmen, woraus der Vorsitzende(OGR. Krh- s t u f e k) den Freispruch verkündete. rb. Der Tod Dr. Armin Kleins Ter schuldtrageude Chauffeur verurteilt Prag. Am Montag fand vor dem Straffenat des ObergerschtsrateS Ho man deS Strafkreisge- richteS in Prag-Pankrac die Haupwerhandlung gegen Vaclav K u b a n e k statt, den Chauffeur jenes AutoS, welches am 27. August 1934 auf dem Rasin» Kai in Prag unseren Genossen Sanität-rat Dr. Armin Klein getötet hat Rach der Einvernahme des Beschuldigten und einer ganzen Reihe von Zeugen, insbesondere auch der vom gleichen.Auto mitbeschädigten Beamten der Landesbehörde, Jng. F a b e r a und Jng. Weingärtner, stellt« sich folgender Tatbestand heraus: Vaclav Kubanek ist ein junger Mann, von Beruf Maschinenschlosser und autogener Schweißer, jetzt arbeitslos, und hat das gegenständliche Auto einige wenig« Tage vor dem Unfall gekauft. Er har im ganzen etwa vierStundenAuto- fahren gelernt, besaß keinen Führerschein und auch kein Zertifikat für das betreffend« Auw. DaS Auto hatte noch die alte Rümmer deS Vorigen Besitzers. Nach einer vierstündigen Verhandlung wurde der Angeklagte auf Grund der Zeugenaussagen trotz dem für ihn günstigen Sachverständigengutachten deS Vergehen» gegen die Sicherheit der Lebens schuldig erkannt und zu einer Strafe von fünf Monaten strengen Arrestes, verschärft durch zwei Fasttage monatlich, sowie zum Ersatz der Kosten des Strafverfahren» und der Vertretung der Witwe des Genossen Dr. Klein verurteilt. Die Untersuchungshaft vom 28. August bis zum 15'. September 1934 wurde dem Angeklagten in die Strafe eingerechnet; es wurde ihm ein« Bewährung s- frist von drei Jahren bewilligt und ihm aufgetragen, den Schaden, den er angerichtet hat, nach Kräften gutzumachen. Der Angeklagte war durch Dr. Bodraska(Kanzlei Dr. Bondy) vertre- t«n. die Interessen unserer Genossin Klein wurden von Dr. Wehle(Kanzlei Dr. Schwelb) Wahrgenom- men. 'ritt n lÜtMJtaf, IS. Stier 1935. Nr. 42 I Dostai, den v Heinrich Herr P PRAGER ZEIIVNG (0:0, 1 Fährt da Fest-Akademie Der für Montag angesetzt gewesene Langlauf über 50 Kilometer wurde wegen schlechten Wetters auf heute, Dienstag, verlegt. DFC. Prag spielt« am Sonntag in Antwerpen gegen die Diables Rouges und MM» Bezirksorgauisation Prag der Deutschen sozialdemokratische« Arbeiterpartei. Sozialistische Jugend— Kreis Prag rohen, selbstgefälligen und brutalen J ib e c. Der Maudelh des Heaan Gruß wär eine gute Leistung. m. i. Wochenspielplan de» Reue« Deutsche« Theater». Dienstag,, halb 8 Uhr: Die Zeiten sind schwer, 3 2.— Mittwoch halb 8 Uhr: I e- nu f a, BI.— Donnerstag, halb 8: Othello. Verdi-Zyklus IV, El.— Freitag, halb 8: Sommernachtstraum, D2.— Samstag, halb 8: Die sch 2ne Helena, Abonnement aufgehoben. Spielplan der Kleinen Bühne. Dienstag. 8: Ehe in Dosen.— Mittwoch, 8: Ich habö getan. — Donnerstag, 8: Ehe in Dosen.— Freitag, 8: Ich Habs getan.— Samstag, 8: Ehe in Dosen. Natürliche Geburtenregelung. Professor Knaus berichtet am Sonntag, den 24. Feber, 10 Uhr vormittags, an seiner Klinik im Rahmen der ärztlichen Fortbildungskurse über seine grundlegenden Forschungsergebnisse auf diesem Gebiete. Nach Knaus ist die Schwängerung einer Frau in jedem Monat nur an wenigen Tagen möglich und die natürliche Geburtenregelung soll durch Enthaltsamkeit an diesen Tagen«ingeführt werden. Da dieses Problem von höchster Bedeutung für die Allgemeinheit ist, wird die deutsche Aerzteschaft auf breitester Basis Beobachtungstatsachen über die natürliche Geburtenregelung sammeln. Die Liga für Menschenrechte in der CSR. ist nach Prag I I., Zitnä 13, übersiedelt. Besuchstunden < Beratung, Asylangclegenheiten, etc.) zwischen 10.30 bis 12.30. Autors spricht, wenn fein Zeitbild vom Einbruch fascistischer Umnachtung in allen Zügen das Miterleben urü) Mitgefühl seines Schöpfers verrät, wenn er in der„VolWeind"-Figur de? bis ans Ende aufrechten Medizinprofessors, in der ängstlich warnenden Frau, im überläufenden Literaten, im umnebelten Sohn und im gewaltanbetenden.Naturwissenschaftler" wirklichkeitstreue Gestalten auf di« Bretter stellt, dann können die Mängel im Ausbau der Szenen und auch der pathetisch geratene, Schluß die Wirkung des Ganzen nicht zerstören. Wer so mit Mut, Verstand und Erfahrung die Probleme der Zeit aufs Theater bringt, der braucht kein Routinier und kein großer Dichter zu sein, um zu ergreifen. Die Leute vom BereinStheaier, die unter Hans Lichtwitz' Führung am Sonntag in der.Urania" dieses Zeitstück mit großer Hingabe und wirksamer Herausarbeitung der Einzelheiten spielten(wobei sich Herr Tor« in der Hauptrolle als erstaunlich sicherer Darsteller erwies), haben gezeigt, daß auch in einer so theaterreichen Stadt wie Prag die Dilettantenspielerei keine überflüssige Bemühung sein muß. Sie haben eS an einem sehenswerten Stück bewiesen, das man im hiesigen Deutsche« Theater vermutlich nie zu sehen bekommen hätte,— und der Beifall, der ihnen (und dem anwesenden Autor) zuteil wurde, war ehrlich und verdient.—eis. Prags StSdtemannschaft verliert in Pari». Das ist wenigstens eine Ueberraschung! nach Paris eine Kombination Slavia—Sparta, also ein Team, das das stärkste war, was zur Verfügung stand, und wird geschlagen, wenn auch knapp. Die bunt zusammengesetzte Pariser Elf brachte den Prager Stars ein« Niederlage von 1:0(0:0) bei und wenn festgestellt wird, daß bei Paris der Wiener Tormann Hiden der beste Mann war, so kann man verstehen, warum die Prager Stürmer wohl fünfmal die Pfosten, aber nicht ins Tor trafen. mußte sich nach einer bis zur 82. Minute andauernden Führung von 3:1 bei Schluß mit einem 3:3 zufriedrngeben. Nach der samstägigen Niederlage ein angenehmeres Ergebnis. Sonstige Futzballergebniffe. Prag: SK. Nüsse gegen Eechoslovan Kosir 4:1(2:1), Nuselsky SK. gegen Sparta Michle 6:5(3:1), CAFE, gegen Viktoria Nüsse 7>0, Slavia komb. gegen Bohemians 5:1(2:1).— Kladno: SK. gegen SK. Libeü 3:2(3:2).— Pilsen: Viktoria gegen DSV. Saaz 8:1(1:1).— Ra chod: SK. gegen Olypipw Königgrätz 6:1(5:1);— Teplitz: TFK. gegen. Warnsdorfer FK. 5:3.(8:1).—• Brünn: Zidenice gegen Zabovrefly SK. 13:2.— Proßn itz: SK. gegen Moravia Brünn 6:1(2:1).— Preß- bürg: CSK. g«gen BTC. 12:1, Ligettj gegen Oberufer 6:0.— Budepeft: Ujpest gegen TD FC. 5:1, Kispest gegen Soroksar 3:0.— W i e«: Rapid gegen Admira 3:2, Vienna gegen Wacker 1:0, Fav. SK. gegen FE. Wien 1:0, WAE. gegen Sportklub 3:2, FÄC. gegen Austria 2:1, Liberias gegen Hakoah 4:0.— Rom: Italien gegen Frankreich 2:1(2:1).— Antibes: Italien B gegen Südostfrankreich 2:1(1:1).— Amsterdam: 'Deutschland gegen Holland 3:2(2:0). Bei diesem Spiel kam es zu Demonstrationen gegen die Nazis. Der Wikdwestga«— leit noch! Der Saisonbeginn im Westgau des DFB. jiafym für die dortige bürgerliche FuWallbewegüng einen»erfreuliche«" Anfang. In C h o d-a u spielte„Sturm" Mit dem CSK. Eger. Das Match wurde beim Stande 1:0 für die Chodaucr abgebrochen, weil ihr Tormann sich für eine Unfairneß revanchierte.' Das war das Zeichen für die Zuschauer, den Platz zu»stürmest" und im Nu war eine große Keilerei im Gange, der di« Polizei mit Mühe Herr werden konnte. Der„Rurmi des Eise»", Th'u nberg(Finnland), wurde zum Profi erklärt, da er eine Trainerstell« nach Japan annahm. Abschluß der LischtermiS'Weltmristerschaften in London. In den Einzelbew«rben errangen bei den Männern Barna(Ustgarui und bei deck ^Frauen Kettnerobä^(Tschechoslowakei) den Weltmeistertitel. Im Männer-, Franen- sowie im gemischten Doppel siegten die Ungarn.• Die Weltmeisterschaft im Eiskunstläufen, welche in Budapest zum Austrag gelangte, gewann wiederum der Wiener Schäfer vor dem Engländer Grunn und dem Ungarn Pataky. Die EiSschnellauf-Weltmeifterschafte«, die in Oslo durchgeführt wurden, endeten mit dem Siege des Norwegers StakSrud vor seinen Landsleuten Ballangrud und Engnestagen. Die Oesterreicher Stiepl und Watzulek(Europameister) besetzten den siebenten und achten Platz.— Eine Ueberraschung bildete der.Start von Staksrud und Engnestagen, welche doch wegen ihrer Starts in Rußland vom norwegischen bürgerlichen Verband gemaßregelt wurden. Winnipeg Monarchs, di« kanadische Eishockeymannschaft, spielte in Paris gegen ei« Team der dort tätigen Kanadier. Das Match endete 5:5 3:4, 2:1). »er Film Fahrt iw hie Äugend Der Schundfilm-Macher Karl Boese, der sein« plumpen Scherze früher in Berlin angerichtet Hal, hat jetzt einen Film in Wien hergestellt, der sich von seinen früheren Machwerken nur dädurch unterscheidet, daß ihm außer Geists Witz und Geschmack auch noch jene Routine fehlt, mit der Boese ein anspruchs< loses Publikum früher gefesselt hat. Wie er hier eine schauderhaft dumme Geschichte von einem adlige« Gutsherrn, den seine Dienerschaft und eine auf dem Gute zu Gast weilende Girl-Truppe mit seinem Reffen verwechselt, aufdringlich in die Länge gezogen und mit krampfhaftem Klamauk überhäuft hat, das ist unbeschreiblich. Und ebenso unbeschreiblich ist es, was hier an Schauspielerei geleistet wird. Bei Liane H e i d ist das nicht verwunderlich, aber bei dem einst so komischen Hans Moser und dem früher sympathischen Tans T h i m i g ist es erschreckend. Daß Leo S l e z a k an Filmen dieser Art mitwirkt, wäre nur durch äußerste Rot zu entschuldigen, in der ist sich— hoffentlich— nicht befindet. Man wäre versucht, das Niveau dieses Films für das schlechthin tiefte zu erssären, das möglich ist, wenn nicht der gleichzeitig in Prag laufende reichsdeutsche Film„Alle Wege führen zur Liebe" mit dem Stumpfsinn seiner Handlung und der schmachtenden Fadheit seiner Häupt« darsteller Söhnker und Susa das Unmögliche als möglich erwiese.—ete—' Kunst und wissen Die Zeiten sind schwer! Der inner« Zusammenhang dieses Schauspiels von Edouard Bourdet, das Sonntag mit stärkstem Erfolg im Deutschen Theater erstaufgeführt wurde, mit den„schweren Zeiten", ist nur lose; sämtliche Konflikte, die da von einem ernsten und dabei überaus bühnentüchtigen Autor dargestellt wurden, sind auch jenseits der großen Krise denkbar; und der Versuch, nachzuweisen, daß die Zeiten besonders auch für Großindustrielle und Kriegsministeriumsliefe» ranten schwer find, ist nicht geglückt. Man hat auch am Ende den, übrigens vom Verfasser nicht ungewollten Eindruck, daß es den Herrschaften, die um ihre Millionen gekommen sind, auch weiterhin erheblich besser gehen wird als den Arbeitern, von deren Streik um ein paar Lohnfranken anfangs die Rede ist. Und die von der Hauptfigur vorgetragene Ansicht über die Schuld der Bourgeossie an ihrer Katastrophe, nämlich die Schuld, dem Geld zu wenig Auf- merksamkeit geschenkt zu haben, wird Wohl auch das Bürgertum selber wenig überzeugen. Dagegen überzeugt restlos die Schilderung des groß-bürgerlichen Milieus einerseits, kleinbürgerlich-halb-bohemehaften Milieus anderseits, die Riederknüppelung alles ge- müt- und gesinnungsbetonten Glücksstrebens durch das Geld, das die Macht hat, selbst ein zur Herzensehrlichkeit erzogenes junges, hübsches und gesundes Mädchen, aus Gründen der Erhaltung des Familienreichtums, zur Ehe mit einem Halbkretin zu bestim- nien. Die Tendenz wird klar, wenn man die not- ' wendige unglückliche, ja von grausamsten Erschütterungen heimgesuchte junge Ehe vorgeführt erhäÜ und wenn die in ihrem Kern anständigen Menschen durch Liebe einen Ausweg aus der Katastrophe zu finden bemüht sind. Bis knapp zum Ende des dritten der vier Akte Wirkt alles echt und stark und als ein hochbeacht- licheS Dheater-Erlehois, dgs um so erfreulicher berührte, als es einem den unsäglichen Kitsch vom Abend vorher vLrdauen half. Aber der Augenblick, da sich das junge liebe Ding vom Glanz eines Diamanten und einer Perlenkette so weit verblenden läßt, um in die Ehe mit dem Halbidioten einzuwilligen, wirkt nicht nur vom Leben her, sondern auch im Stück unglaubhaft und macht den letzten Akt, trotz der. Fortdauer, ja Steigerung des Theatergeschehens, zu einer seelischen und gedanklichen Verlegenheit, aus der der Autor auch nicht ohne sichtliche Müh« zu einem unklaren Ende gelangt. Trotz dieser kritischen Einwände: ein hochinteressanter Abend, dank der Seriosität des Autors, dank der ausgezeichnete« Leistung des Regisseurs Julius Gell«er. der im Verein mit dem Bühnenbildner Leopold Kotulan immtr schon im Voraus die Atmosphäre absolut durchsichtig macht, rhythmisch und dynamisch, vom Sprachlichen und von der Bewegung her, das Romanhafte, das Konversationsmäßige und das Dramatische vorbildlich gliedert. Und schließlich dank einem Ensemble, das«ur gut« Leistungen aufweist. An erster Stelle Fritz V a l k, als brutaler, skrupelloser Großindustrieller von prachtvoller Intensität, in Haltung, Mimik und Sprache jeden Augenblick interessant; dann Schmerzenreich, überzeugend jung, herzlich, draufgängerisch, und doch gefühlsbetont, Wilhelm Tauchen fast erschreckend echt als hoffnungslos degenerierter, halbblöder Millionenerb«, Siedler erfrischend unbekümmert, Friedrich Richter durchaus sympathisch, wenn auch etwas zu reserviert. Liesl Macheiner als Gast gewinnt durch Natürlichkeit und Charme sofort und mit Recht sichtliche Publikumsneigung, ebenso'die gastierende Maja S e r i n g in liebenswürdiger, großmütterlicher Gestalt. Mit ihnen vereinigen sich die Damen Warnholtz, Meller, Stein und S ch n e ck zu musterhafter Vertretung der weiblichen Aufgaben im Stück, das im sehr gut besuchten Hause größte Aufmerksamkeit und reichen Beifall fand; L. G. Gegenwartsstück im Vereinstheater Der Dreiakter»S O S" des tschechischen Autors Karel Holtz(der, bemerkenswert genug, General a. D. und Pazifist zugleich ist) ist ein Gegenstück, zu Bruckners„Raffen" und Friedrich Wolfs „Professor Mannheim", eine dramatische Schilderung des Einbruchs der Hakenkreuzler(die hier „Eiserne Wölfe" heißen— und, im Gegensatz zu den Hitlerleuten, erst auf Grund eines Wahlsieges zur Macht kommen) in das Leben derer, die' ihnen im Wege waren, eine von den Tatsachen bestätigte Tragödie der Geistesfreiheit und der Friedensliebe, ein Stück vom Anbruch der Barbarei(und der feigen Heuchelei)— und eine eindringliche Warnung vor ihr. Wenn aus jedem Wort, da? da auf der Bühn« fällt, der ehrliche Zorn und das ehrliche Wollen des Sonntag, den 24. Fever, 20 Uhr Neiner Saal„Unitaria" Karlova— Annenskä. Feierstunde zum Gedenke« an die Wiener Feberkämpfe Beweist durch Euer Kommen, daß die Kämpfe des österreichischen Proletariats unvergessen find! Einladungen bei den Jugendfunktionären und im Parteiheim. em 6. April 1935, 8 Uhr «btndsi großer Radios»»I Gymnastik, Turnen, Gesang;, Orchester. Nachher Tanz. . Historische Kammermusik bot bei seiner zweiten! diesjährigen Veranstaltung der Prager Deutsch«‘ Kammermusikverein seiner zahlreichen 1 Hörgemeinde. Ganz erlesene und seltene Kompost-' tionen waren hierbei zu hören: Zwei Konzerte für' zwei Cembali und Orchester von I o h. S e b. B a ch, j eine Sonate für zwei Cembali von Wilh. Friede-' mann Bach, eine Allemande für zwei Cembali' von Francois Couperin, eine Symphonie sacra( »Mein Qtts ist bereit" für Sopran und Orchester von Heinrich Schütz und eine Kantate»Schaffe; in mir" für Sopran und Orchester von Buxte hude, also durchwegs Werke aus der Zeit des gro-' ßen Thamaskantors Bach und seiner Vorläufer.': Die Bedeutung diese? Konzertes ist lim so höher zu' werten, als gerade in unseren Tagen nicht nur eine starke Bewegung zugunsten des alten Cembalo als Vorgängers des Klavieres eingesetzt hat zu dem' Zweck, das Instrument wieder zu Ansehen und praktischer Bedeutung zu bringen, sondern auch eine’ verwandte Bewegung im modernen Klavierbau, so- 1 genannte Volksklaviere zu schaffen, die eine Abkehr von den großformatigen Flügeln bedeuten und durch. Verringerung des Formates und Gewichtes das J Klavier als Hausmusikinstrument wieder in seine' Recht« einsetzen sollen. Bei der künstlerischen Durchführung des sonntägigen Konzertes waren di« besten; zur Verfügung stehenden Kräfte in Anspruch ge- 1 nommen worden: Der heimische Pianist und Cem-' balolehrer der Prager Deutschen Musikakademie .Länger, die berühmte ausländische. ' Cemvaisstm Lr Sta delmann,«in« vor allem I durch Größe und Umfang der Stimme überzeugende Sopranistin Elsa Bart Her-Lang und ein gut zusammengespieltes Kammerorchester unter der Leitung des Kapellmeisters Fritz Rieger vom Brayer Deutschen Theater. E. I. Gordon Daviet:»Richard do« Bordeaux." (Uraufführung im'Nationaltheater.) Eine Invasion von Königsdramen, auf den führenden tschechischen Bühnen! Aber dieser Autor hat es gewagt, hauptsächlich in den ersten Szenen, eine Frage anzuschneiden, die durch die politischen Ereignisse noch heut« leb«ndig ist— die Frage d«s Friedens Mischen England und Frankreich.' Er hat die Stellung der Jugend zu Krieg und Leben mit leicht ironischem Ton Und freimüttg in.Gegensatz gebracht zu dem hohlen Pathos des nationalistisch-imperialistischen Feudalismus, des mit ewiger. Unruhe erfüllten, um seine Stellung bangenden. Militarismus und der geschmeidigen Anpassung der Kirche an die wechselnden Ereignisse. Richard von' Bordeaux, der. Sohn des schwarzen Prinzen, hat schon jung seine Tapferkeit bewiesen, hat die Macht seiner persönlichen sympathischen Einstellung zum Volke(das sich doch schließlich dem zuwendet, der mit glatter Zunge sich ihm nähert) erprobt, trägt mit seinen Freunden und seiner jungen, doch reiferen Frau, der böhmischen Prinzessin, der Tochter Karls IV., Agnes, den Traum des Friedens, der keiner Gefallenen und Krüppel braucht, wenn englische Offensive in Calais stillhält. Der zweite Teil ist die persönliche Tragödie des nach dem Tode seiner Frau haltlosen Königs, der, zu fast diktatorischer Macht gelangt, mit kindlich grausamer Verfolgung.den Tod seiner Freunde an seinen Feinden.rächt,.sein Tun den nie ruhenden Intrigen seiner Umgebung anpaßt, und Verbannung und Ende doch mit reifer Würde und menschenverachtender Ironie entgegennimmt. Diese leichte Ironie, di« in den'ersten* Bildern vorherrschende, fast modern« Konversation, welcher di« sonst übliche gotisch« Starrheit und historisches Pathos fast gänzlich fehlen, sind di« Vorzüge des Stückes. Die Regie Jiki Frejkas hat sich bemüht, durch einfache, an das Gotische. nur.entfernt gemahnende Szenenbilder, die durch hie. Aüsstgtttsng Feuersteins und WachsmannS unterstützt wurden, dem Stücke zum Erfolg zu verhelfen. Nur die Kostümfrage wurde nicht glücklich gelöst.' Herr' K o h o u t spielte den Richard mit jugendlicher Anmut,' den Leichtsinn . mit Eifer verbindend, im zweiten Teile mit Ver- : bissenheit des Rächers, mit Schlauheit des haltlosen i Menschen und doch mit Reife im dramatischen Aus- ssang, Frau Scheinpflugovä gab ihrer böhmischen Königstochter di« jugendliche und zugleich mütterliche Note. Anmutig und jung war der lachend« Robert de Vere des Herrn P e s e k. Den Regentschaftsrat verkörperte Herr Vhdra im unbeugsamen herrischen Glaucester,- in beleidigter Admialswürde deS Arundel Herr B e v e r k a,' den glatten Erzbischof von Canterburry Herr Vojta, den sympathischen Herzog von Lancaster Herr Sporl• Spiel• Kürperpflege i Die Fis-Wettkämpfe, Sie sind nun fast beendet. Offiziell Äber erst heute, Dienstag. Zur Freude aller, di« sie mit- rnachten. Sie waren nämlich nicht als lobenswert zu bezeichnen. Einmal war die sportliche Organi- satton nicht vom besten und das andermal waren es die Witterungsverhältnisse. War die Beförderungskalamität am Samstag arg, so war sie am SonNtag am schlechtesten. Wettkämpfer und auch Zuschauer— di« wenigen, die dazu das nöttge Kleingeld hatten-r- mußten unter diesen Uebelstän- den sehr leiden. Am Samstag mußten ausländische Wettkämpfer erst beim Fis-Vorstand telephonisch intervenieren, sonst wären sie am Abend noch am Bahnhof in Tatra-Weszterheim gestanden. So ausgezeichnet klappte«s beim Veranstalter der Fis- Wettkämpfel So kam es auch, daß von zirka 150' Gemeldeten an diesem Tage beinahe zwei Drittel nicht antraten! Die geselligen Veranstaltungen waren dafür besser organisiert! Am Sonntag machte«in.starker Sturm einen Strich durch die Rechnung. Das Hauptspringen konnte beinahe nicht abgehalten werden und die erzielten kurzen Weiten sind auf die Verringerung des Anlaufs zurückzuführen. Man mußt« zu dieser Maßnahme schreiten, um das Springen überhaupt durchführen zu können. Die Norweger sprangen am besten, stilrein und ohne• Sturz; die anderen bewiesen keine solche Sicherheit. Die Schanze scheint aber auch nicht die angesagten 80-Meter-Sprünge zuzulassen, denn am Samstag sprang ein Norweger zwar 71 Meter, beendete ihn jedoch mit einem Sturz. Da auch die meisten der übrigen Springer nicht sturzfrei über die Schanze kamen, so ergibt sich, baß di« Berechnungen bei ihrem Bau nicht stimmen und daher die Springer nach d«m ersten Versuch möglichst wenig riskierten, um nicht in Gefahr zu kommen. Großartig war ebenfalls der Jnformattons- dienst. Zeiten und Berechnungstabellen stimmten meistens nicht und«S traten dann Fälle ein, die zu Beschwerden der DeteWsten Anlaß gaben, da di« privaten Berechnungen besser stimmten. Auch in dieser Hinsicht hat der Veranstalter, der Svaz, keine glückliche Hand mit seinen Mitarbeitern gehabt. Die erhofften Jnschauermassen,.besonder» zu 8em sminttiMen Sprmtzen. find anSgeblreben und. tzKstn Nickst alles(rügt, wird für den.Svaz neben dem wenig erfreulichen sportlichen Erfolg seiner, schon Wochen vorher in der Tatra anwesenden Wettkämpfer auch noch ein finanzieller Mißerfolg hinzukommen. Das samstägige Springen und damit die Kombination gewann der Norweger Hagen mit 427.60 Punkten(57 und 53.5 Meter) vor den Finnen Va- lonen mit 422.75(62.5 und 63) r durch seine bessere Placierung im Langlauf. Von den Tschechoslowa- ken errang der HDW-Mann Lahr den sechsten Platz mit 363.55(60.5 und 61.5) und der erst« Ämz- Sportler Kadavy erscheint an 14. Stelle mit 335 (44.5 und 54). Das Hauptspringen am Sonntag gewannen die Norweger, allen voran Birger Ruud, welcher 231.7 Punkte erzielte und 58 und 55.5 Meter sprang. An 12. Stelle kam der HDW-Springer Steinmüllcr mit 212(49.5 und 55.5); der erst« Sbaz-Springer errang den 16. Platz: Bartoü mit 207.0(48.5 und 51.5 Meter). Mb März bi» September müssen Sie Ihre Blumen ständig mit Slnmen-Sonlietiiuno begießen, dann blühen ste wunderschön 1 Paket K<5 5.60 durch di« VerwaltAR» »Frauenwelt", Prag XU„ Fochova tt. 62 und bei allen Kolporteuren erhältlich BezugSbrdingungen:Bei Zustellung in» Han» oder bei Bezug durch die Post monatlich AS 16.—, vierteljährig Kö 48.—, halbjährig Kd 96.—. ganzjährig Kö 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post« und Tele- "grapherchirektion mü Erlaß Nr. 13.800/VH/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck-. Verlags« und ZeifitngS-A.°G„ Prag.