IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xiufochova a. telh=on sm. Administration Telefon 53076. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 HeHet (einschließlich 5 Haller Porto) 15. Jahrgang Mittwoch, 20. Feber 1935 Nr. 43 Keine Uebereilung mit der Antwort an Berlin Paris. Außenminister Pierre Laval legte vor dem Pariser Ministerrale die diplomatische Situation dar, wie sie sich durch die deutsche Antwort auf die französisch-englischen Borschläge herausgetildet hatte. Er verwies darauf, das die französische und auch die englische Regierung in engen Beziehungenz« einander st ündrn und daß sie im Geiste einer vertrauensvollen Zusammenarbeit deu Austausch der Ansichten fortsetzrn. Es gebe keinen Grund dafür anzunrhmen, daß sich nunmehr die Lage in raschem Tempo entfalten werde; die aus der deutschen Note sich ergebenden Fragen erforderten eine aufmerksame Prüfung, die eine Uebereilung in der Antwort, welche Frankreich und England nach Berlin geben werden, ausschließe. Vie Geistesführer Spaniens protestieren gegen die Folterungen im Gefängnis zu Oviedo Der Pariser„Populaire" veröffentlicht den Wortlaut eines Appells, den vierzehn der bedeutendsten Intellektuellen Spaniens— Gelehrte, Schriftsteller, Dichter, Advokaten— die politisch den-Opfern des Terrors fernstehen, an den Präsidenten der Republik Spanien gerichtet haben, um ihn zu bitten, daß er den Grausamkeiten, über die die 564 Eingekerkerten berichteten, rin Ende mache. Auf dieses Memorandum der 564 beziehen sich die Intellektuellen in ihrem Protest, in dem sie eindeutig zum Ausdruck bringen» daß sie sich ihres Vaterlandes schämen «nd daß ihr menschliches Gewissen gegen die Schandtaten revoltiert, die in Oviedo an den wehrlosen Gefangenen verübt werden.»Hunderte unserer Mitbürger"— so schreiben die Vierzehn—»warten in Angst Stunde um Stunde, Minute nm Minute, daß man ihnen Hilfe bringe." Diese Hilfe müsse ihnen gewährt werden, im Namen der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit. DaS Dokument trägt folgende Unterschriften: Juan Madinaveitia, Universität-Professor; Ramon delBalle-Jnclan, Schriftsteller; Angel Ossorio n Gallardo, Advokat; j;«an R. I i m e n e z, Dichter; Felipe Sanchez Roman, Advokat, Professor an der Madrider Uni- dersität, Chef der national-republikanischen Partei; Teofilo Hernando, Professor an der Madrider Universität; Miguel de Una- m u n o, Schriftsteller; Azor in, Schriftsteller; Dr. Gonzalo R. L a f o r a, Psychiater; Pio B a- rosa, Schriftsteller; Dr. Pio del R i o- H o r-. t c g a, Direktor des Histologischen Institutes; Francisco Grandmontagne, Schriftsteller; Francisco B e r g a m i n» ehemaliger Minister. Tschangkalschek nach Tokio Tokio. Wie von feiten des Außenministeriums mitgrtrilt wird, wird Marschall Tschang- taischek in Tokio eintreffcn, um mit dem Ministerpräsidenten Okada, dem Außenminister Hirota«nd dem Kriegsminister Hayaschi Unterredungen über eine Verständigung zwischen Japan und China zu haben. Tschangkaifchek dürste zehn bis zwölf Tage in Tokio bleiben. Auf Grund dieser Verhandlungen soll entschieden werden, in welcher Form die Verhandlungen zwischen Nanking »nd Tokio geführt werden sollen. * Tokio. Der chinesische Sondergesandte Minister W a n g t e ch u n g h u i ist in der japanischen Hauptstadt eingetrofsen. Er wurde von Vertretern des Außenministeriums und den Angehörigen der chinesischen Gesandtschaft feierlich begrüßt. Weisung an die schwedischen Naas: »Mit den Kommunisten gegen Sozialdemokraten I" Stockholm. Bei der schon kurz gemeldeten Haussuchung am Sitz der Zentralorganisation der nationalsozialistischen Partei in Göteborg wurden klf Nationalsozialisten verhaftet und bedeutsames schriftliches Material beschlagnahmt, das davon zeugt, daß die Partei eine antistaatliche Tätigkeit verfolgte. Die Polizei hat auch Beweise darüber, daß die Führer der nationalsozialistischen Partei aus taktischen Gründen ihre Anhänger angewiesen dabey, mit den Kommunisten zn stimmen. Zweck dieses Manövers war» den Einfluß der Sozialdemokraten, die jetzt an der Macht lind, zu vermindern. Einigung Paris—London geht vor London. Minister für Auswärtige Angelegenheiten Sir John Simon und Lordgeheimsiegelbewahrer Eden haben Dienstag an einer Sitzung des interministeriellen Unterausschusses teilgenommen,-der sich mit der deutschen Antwort auf das französisch-britische Kommunique befaßte. Das britische Kabinett wird in seiner Mittwoch- Sitzung die Darlegungen Sir John Simons zur deutschen Antwort entgegennehmen und sich sodann zweifellos mit dem deutschen Vorschlag bezüglich direkter britisch-deutscher Verhandlungen beschäftigen. Der französische Botschafter i« Loudon hat bei seinen beiden letzten Besuchen in den letzten zwei Tagen bei Sir John Simon, wir das Reuter- Büro erfährt, deutlich zu verstehen gegeben, Frankreich hätte absolut keine Einwendungen dagegen, wenn Sir John Simon zu einem spä- trrenZeitpunkt einen Besuch in Berlin abstatten würde» soferne Großbritannien ein solches Vorgehen für wünschenswert halte,«nd zwar nach einem voraus gegangenen vollständigen Meinungsaustausch zwischen Frankreich«nd Großbritannien. Eines der Ergebnisse der Verhandlungen zwischen Paris«nd London wird vielleicht der Entschluß sein, in Berlin auf diplomatischem Wege festzustellen, ob die deutsche Regierung damit einverstanden wäre, daß sich die britischdeutsche Diskussion auf den ganzen im Londoner Brüssel. Der Führer der belgischen Sozialisten und Vorsitzende der Sozialistischen Arbeiter- Internationale Emil Vandervelde interpellierte am Dienstag in der belgischen Kammer die Regierung in Angelegenheit des Verbotes der für den 24. Feber einberufenen sozialistischen Manifestation. Vandervelde konstatierte, däß- seine Parten beabsichtigt hatte, von dem verfassungsmäßigen Recht, ruhige Manifestationen ohne Waffen zu veranstalten, Gebrauch zu machen» und betonte ausdrücklich, daß seit dem Bestände der belgischen sozialistischen Partei sich bei den von ihr veranstalteten Demonstrationen niemals Ausschreitungen ereignet haben. Kommunique abgrsteckten Bereich erstreckt. Man ist der Meinung, daß die brftischen und die französischen Staatsmänner darin einig sind, daß die Luftkonvention nicht separiert und ohne Berücksichtigung der übrigen Teile des französisch-britischen Kommnniquös vom 3. Feber d. I. abgeschlossen werden kann. Scheitern des Ostpaktes könnte zu einem neuen Weltkries führen London. Der Sowjctbotschafter in London, Majski, hielt in der britischen Völkerbundliga einen Vortrag, in dem er«. a. ausführte: Es gibt keine Sicherheit und keinen Frieden in Westeuropa ohne Sicherheit und Frieden für Osteuropa. Der Frieden in Europa läßt sich nur durch die gemeinsamen Bemühungen aller Mächte, der großen und der kleinen, sichern. Die Sotvjetunion ist der Meinung, daß die geeigneteste Form dieser Zusammenarbeit ein Regionalpakt mit der Zusicherung gegenseitiger bewaffneter Hilfe ist, wie etwa die proponierte Luftkonvention. Der Botschafter sprach sei« Bedauern darüber aus, daß sich Polen«nd Deutschland gegen einen Ostpakt stellen und äußerte ernstliche Befürchtung e n h in s i ch t l i ch des Berhal- tcnsDeutsch la nds überhaupt. Seine Ausführungen schloß der Sowjetbotschafter mit folgender eindringlichen Warnung: Ein Scheitern der Bemühungen nach Abschluß eines Ostpaktes könnte sogar zu einem neuen Weltkrieg führen. Ministerpräsident Theunis verteidigte den Beschluß der Regierung und verwies auf die heftigen Angriffe einiger Blätter sowie auf die Gefährlichkeit von Demonstrationen in der Hauptstadt.„Wir haben nicht befürchtet— erklärte Theunis—daß die Manifestation eine Aende- rung des Regimes bedeuten könnte, aber wir haben Ausschreitungen befürchtet, die durch die Ansammlung Von 156.000 Personen hätten herbeigeführt werden- können." Die Rede des Ministerpräsidenten wurde mehrfach durch Mißfalle n skundgebungen der Sozialisten unterbrochen. Nach der Interpellation Vanderveldes wurde d?r Regierung bei der Abstimmung nur mit 88 gegen 73 Stimmen das Vertrauen ausgesprochen. Bürgerschule— Arbeiterschule In der tschechischen Oeffentlichkeit und Presse wird gegenwärtig über eine Frage viel gesprochen, die auch das Interesse der deutschen Oeffentlichkeit» und insbesondere der deutschen Arbeiteröffentlichkeit Hervorrufen muß. In einer Reihe von Versammlungen haben sich tschechische Bezirke und Städte für die Verwirklichung des Gesetzes über dieSprengelbürger- schulen ausgesprochen. Nach Zeitungsnachrichten soll—vielleicht wird dies im Zusammenhang mit der Sanierung der Selbstverwaltungskörper geschehen— tatsächlich an einer solchen Vorlage gearbeitet werden. Dem Gesetz über die Sprengelbürgerschulen käme aber eine große Bedeutung zu. - Die liberale Aera in Oesterreich nach der Niederlage von 1866 hat zu einer Reihe freiheitlicher und kulturfördernder Gesetze geführt, von denen das allgemeine Bolksschulgesetz(1868) zu den bedeutendsten zählt. Seither haben wir eine weltliche Volksschule,"deren Besuch Pflicht der Kinder vom sechsten bis zum vierzehnten Lebensjahr ist und obwohl in den achtziger Jahren im Gefolge klerikaler Reaktion die allgemeine Schulpflicht durch verschiedene Schulerleichterungen etwas durchbrochen wurde, sind doch die Haupterrungenschaften des allgemeinen Volksschulgesetzes erhalten geblieben. Der Besuch der Volksschule durch die Generationen seither hat zu einer allgemeinen-Erhöhung des Kulturniveaus.der Bevölkerung geführt und damit vielfach jene demokratischen Errungenschaften möglich gemacht, deren wir seither teilhaftig geworden sind. Aber die Entwicklung steht nicht still. Die Anforderungen, welche der Kampf ums Dasein an die Menschen stellt, werden immer größer und gerade die Wirtschaftskrise zwingt die Heranwachsende Jugend zu einer gewissen Qualifikation ihrer Arbeitskraft zu gelangen, welche ihr helfen soll, den' Lebenskampf besser zu bestehen. Die Zeiten, da die Kenntnis des Lesens und Schreibens und einiger einfachen Rechenoperationen genügten, sind längst vorüber, die Anforderungen, die an die Menschen gestellt werden, werden immer größer, die Kenntnisse, welche das wirtschaftliche, soziale und Kulturleben verlangt, werden immer umfassender. Heute nyiß das Streben jedes einzelnen Menschen dahingehen, sich für das Leben wenigstens durch den Besuch nicht nur einer Volksschule, sondern auch einer Bürgerschule vorzubereiten. Wer den Unterschied beobachtet hat, welcher zwischen jungen Menschen besteht, die nur eine Volksschule absolviert haben und jenen, welche in der Lage waren, eine Bürgerschule zu besuchen, wird den großen Wert anerkennen, welchen die heutige Bürgerschule bei uns hat. Dadurch soll nicht im geringsten die Arbeit jener tausender Landvolksschullehrer herabgesetzt werden, die vor dem schwierigen^ Problem stehen, in drei-, zwei- oder einklassigen Schulen nebeneinander. Kinder zu unterrichten» die das sechste Lebensjahr vollendet haben und andererseits solcher, die knapp vor dem Austritt aus der Schule stehen. Aber heute genügt für die Kindeb vom 6. bis zum 14. Lebensjahr nicht mehr die Volksschule, wir brauchen die Bürgerschule und unser Ziel muß es sein, solche Zustände zu schaffen, daß der allergrößte Teil unserer Kinder die Bürgerschule, und womöglich die vierklaffige, besucht. Zu diesem Zweck brauchen wir das Gesetz über die Sprengelbürgerschulen. Sowie für jeden Ort eine Bezirksbehörde oder ein Bezirksgericht kompetent ist, so muß für die Kinder jedes Ortes der Republik eine Bürgerschule zur Verfügung stehen, es muß durch die Vermehrung der Bürgerschulen den Kindern die Möglichkeit geschaffen werden, eine Bürgerschule zu besuchen. Für die Angehörigen der arbeitendewKlas- sen hat das Problem des Besuches der"Bürgerschule noch einen besonderen Wert. Die Kinder der besitzenden Kläffe haben die Möglichkeit deS Mittelschulbesuches, welcher den Kindern der Besitzlosen nur in geringem Maße offen steht. Di« Bürgerschule muß die Mittelschule der werktäti gen Bevölkerung werden und wir können sagen, daß unsere Bürgerschul» in ihrem heutigen Zustande wohl dazu geeignet ist. Es ist allgemein bekannt, daß wir ausgezeichnet qualifizierte Bürgerschullehrer haben, die Der..Populaire“ fordert: „Haßkundgebungen gegen den Arbeiter mord er □cnuscnmss Paris. Der„Populair e", welcher brreits in der letzten Woche einen sehr scharfen Artikel Leon Blums gegen das Eintreffen des österreichischen Bundeskanzlers Schuschnigg in Paris gebracht hatte, veröffentlicht Dienstag einrq Appell des BollzugseuSschusses der Pariser Föderation der sozialistischen Partei an dir Pariser Arbeiterschaft,„jede Gelegenheit zuKundgebungendesHasfes gegenüber dem Fascismus während des Aufenthaltes eincsdcr MördcrderWicner Arbeiter, des Kanzlers Schuschnigg» zu benützen". Vandervelde interpelliert wesen der verbotenen sozialistischen Manifestation Seite 2 Mittwoch, 20. Fever 1835 Nr. 43 fachlich und pädagogisch gebildet sind und daß die Lehrerfolge der Bürgerschulen außerordentlich zufriedenstellend sind. Eine Vermehrung der Bürgerschulen ist kein Experiment, sondern ein Fortschritt auf bekanntem und Wohl erprobtem Wege. Wir wissen alle, daß die arbeitende Klasse in der gegenwärtigen Zeit vor ungeheuren Problemen steht, daß es sich vor allem darum handelt, unseren Menschen Arbeit und Brot zu beschaffen. Wie im alten Rom gilt auch heute noch der Grundsatz:„Primum vivere, defade philo- sophare”.^Erst leben, dann philosophieren). Nach wie vor werden alle unsere Anstrengungen dahin gerichtet sein, die arbeitslosen Menschen wieder in den Arbeitsprozeß einzugliedern und mit aller Kraft danach zu streben, die Lebenshaltung der breiten Massen zu erhöhen. Sind die Kinder der arbeitenden Klasse nicht anständig ge- uährt, dann werden auch die besten Pädagogen nicht imstande sein, das Lehrziel, das ihnen vorschwebt, zu erreichen. Aber trotz der sozialen Note der Zeit werden wir nicht daran vergessen, daß die moderne Arbeiterbewegung eine Kultur- betvegüng ist, daß sie mehr Licht in die Köpfe der Menschen bringen soll und daß die arbeitende Klaffe ihren Befreiungskampf kämpft, nicht nur um zu einem besseren Leben im materiellen Sinne zu gelangen, sondern auch um mehr Kulturgüter zu erobern. Deswegen dürfen wir auch in den jetzigen schweren Zeiten unsere Kulturforderungen nicht vergessen und ivir werden mit all der politischen Kraft, die uns zur Verfügung steht, danach streben, auch auf dem Gebiete der Erziehung unseres Nachwuchses so vorwärts zu kommen, wie es die Zeit gebietet. vemonrtration — Aufstand Klerikofasclstische Justiz Wien.(Tsch. P.-B.) Im Laufe der Untersuchung gegen die Teilnehmer der Demonstration vom 12. Fever auf dem Johann-Nepomnk-Ber- ger-Platz wurde« im ganzen 22 Personen, dar- nter drei Frauen verhaftet. Drei Personen wurde unter dem Verdachte des Verbrechens des A«f st a n d r S in die Untersuchungshaft des Landesgerichts eingrliefert, IS Personen befinden sich noch in Polizeihaft. Auch die polnischen Genossen gegen die„Einheitsfront 4* Warschau. Wie die Blätter melden, wurde von der sozialistischen Partei der Vorschlag der kommunistischen Partei betreffend die Bildung einer gemeinsamen sozialistisch-kommunistischen Arbeitrrfront definitiv a b gelehnt. Bundesgenossen unter sich Wie Polen die oberschlesischen Deutschen behandelt Berlin. Der Kattowitzer Vertreter der„Germania" berichtet seinem Blatte über eine große Kundgebung«deutscher Angestellter, die am Sonntag in C h o r z o w, der früheren Stadt Königshütte stattfand. In der Kundgebung erfuhr man, daß von den 3800 bisher entlassenen Angestellten etwa 3000 Deutsche waren. Man habe die Entlassung mit wirtschaftlichen Notwendigkeiten begründet, in Wirklichkeit seien aber in den meisten Fälle für die Entlassenen bald polnische Ange st eilte ausgenommen worden, die zum größten Teile aus anderen Landesgebieten kamen. In den letzten Jahren habe nicht ein einziger Besucher einer deutschen Minderheitenschule bei einer polnischen Jnduftriever- waltung mehr Beschäftigung gefunden. Man hörte weiter, daß von den Jndustrieverwaltungen auch danach geforscht werde, welchen Berufsverbänden ein Jndustriebeamter angehört, in welche Schulen er seine Kinder schickt, welche Zeitung er lieft oder ob er den deutschen Gottesdienst besucht. Lebenslänglich... Graz. Das Leobener Schwurgericht hatte sich Dienstag mit dem Sprengstoffanschlag zu befassen, bei dem das, staatliche Sägewerk in Neuburg an der Mürz am 14. Juli in Flammen aufging. Angeklagl war der 24jährige Zimmermann Markus Stieninger, früher SA- Mann, der am 13. Oktober vom Leobener Militärgericht wegen Beteiligung am Juliputsch zu zwei Jahren schweren Kerkers verurteilt worden war. Stieninger wurde des Verbrechens nach 8 4 des Sprengstoffgesetzes schuldig erkannt und zu lebenslänglichem schweren Kerker verurteilt. Von Nazis entführt Saarbrücken. Wie aus Dutweiler gemeldet wird, wurde die Frau des kommunistischen Stadtrates Hey von politischen Gegnern entführt. „Jeder Falke gibt jede Woche eine Schnitte Brot(20 Heller) für hungernde Kinder“ Zwei treue Kameraden In englischen Blättern war, mit allen Anzeichen des AbscheuS, mitgeteilt worden, daß sich Adolf Hitler nicht geschämt hat, den geistig anormalen Mordhetzer Streicher, Herausgeber des pornographisben Schmutzblattes.Der Stürmer", zu seinem 5 0. Geburtstage in Nürnberg aufzusuchen und zu beglückwünschen. Das»Deutsche Nachrichten-Büro", dem offensichtlich nicht ganz Wohl bei diesem Besuch des»Führers" bei einem notorischen Geisteskranken war, brachte über den Gratulationsabstecher nur ein« auffällig kurze Notiz. Jetzt werden weitere Einzelheiten über den Streicher-Besuch bekannt. Danach hat Hitler, mit Tränen in den Augen, Streicher die Hände geschüttelt und ihn, vor viele« Zeugen, einen seiner besten und treuesten »Freunde" genannt. Er bezeichnete es als«in besonderes Glück,»mutige Kampf* genossen" von der Qualität Julius Streichers an der Seite zu haben. Streicher dankte für diese Ehrung und erklärte, mit demselben Eifer wie bisher seinenWeg Seite an Seite mit Hitler fortsetzen zu wollen. Durch diese Demonstration hat sich Hitler mit einem offenbax Irrsinnigen in eindeutigster Weise solidarisch erklärt I Katwwitz,(AP.) Hier wurden acht Mitglieder der aufgelösten polnisch-nationalsozialistischen Partei , BlySkawica" verhaftet. Sie hatten einen U e b e r« fall auf die Kasse der Eisenbahnstation Gie- raltowice unternommen, um für die Organisatio« Geldmittel zu erhalten. Pilsen. In der Nacht aus Sonntag starb in der Männerslrafanstalt der 4b'ährige Arbeiter Janda aus Bicemilice in Mähren, wo er wegen seiner Teilnahme am Kobzinek-Putsch eine 18monatige Kerkerstrafe zu verbüßen hatte. Noch vor seiner Ueber« führung nach Pilsen mußte der rechte Fuß abgenommen werden. De): Verurteilte war lange krank und sollte in etwa vier W-chen, am 17. März, nach Verbüßung von zwei Drittel seiner Strafe bedingt entlassen werden. koosevelts größter Sieg 79 Milliarden Dollar standen auf dem Spiel Washington. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes betreffs der Goldklausel wird allgemein als der größte Sieg angesehen, welchen die neue Wirtschaftpolitik Roosevelts bisher errungen hat. Der Währungspolitik des Präsidenten Roosevelt, welche die Grundlage einer jeden seiner wirtschaftlichen und sozialen Aktionen ist, wurde durch diese gerichtliche Entschei. düng eine gesetzliche Unterlage und nachträgliche Rechtfertigung gegeben. Di« Führer der Demokratischen Partei erklären, daß die Regierung vielleicht nicht in allem vorschriftsmäßig vorgegangen sei, aber in allem richtig und gut gehandelt-ave. Wallstreet hat Montag eine« seiner größten Tage erlebt. Zahlreich« Aktien stiegen in sensationeller Weise. Allgemein fühlt man, daß die wirtschaftliche Gesundung eine neue Anregung erhalten hat. Washington. Die Regierung entschied, daß der Beschluß des Obersten Gerichtshofes über die Bruno Kalnln— drei Jahre Haft Riga. In einer Revisionsverhandlung gegen die sozialistischen ührer, die wegen„nnerlaub- len Waffenbesitzes" zu Hafta- und Gefängnisstrafen verurteilt worden waren, wurden die von der ersten Instanz verhängten Strafen aufgehoben. Der Angeklagte Bruno KalninS erhielt drei Jahre Haft ohne Ehrverlust. Der Angeklagte Ulpe wurde zu sechs Monaten Gefängnis und der Angeklagte Celms z« vier Monaten Gefängnis verurteilt. Capronl-Fabrik bei Budapest Budapest. Ein Wirtschaftsblatt berichtet, daß die italienische Flugzeugfabrik Caproniin der Nähe von Budapest ein Grundstück erworben hat, um dort eine moderne Fabrik zum Bau von Fleugzrugen zu errichten. Die italienische Firma beabsichtige»„Berkehrs"flugzeuge des neuesten Typs zu bauen, um von Ungarn aus die osteuropäischen und asiatischen Staaten mit ftalienischen „Handels" flugzeugen zu beliefern. Goldklausel keine legislativen Maß- nahmen erforderlich mache. Die Entscheidung des Gerichtes wurde mit fünf zu vier Stimmen getroffen und wird als einSiegderRegie- r u n g angesehen. Durch diese Entscheidung wurde zwar das Gesetz aufgehoben, wonach die staatlichen Bons nicht in Gold oder in dessen Aeguivalent ausgezahlt werden müssen, gleichzeitig verweigerte aber das Gericht den Bonsinhaberndas Recht, eine Entschädigung zu beanspruchen, indem es entschied, daß nur der Kongreß den Bonsinhabern irgendwelche Kompensationen bewilligen könne, wogegen sich allerdings die Regierung sträubt. Präsident Roosevelt gab ebenso wie Finanzminister Morgenthau seiner lebhaften Beftiedigung über die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes Ausdruck. Der Generalstaatsanwalt Cummings sagte, daß eine gegenteilige Entscheidung die privaten und öffentlichen Schulden um 69 Milliarden Dollar und die Föderalschulden um 10 Milliarden vergrößert hätte. Neutrale Zone in Ualual? Rom. Die italienisch- abessinischen Verhandlungen in der abessinischen Hauptstadt Addi- Abeba nehmen ihren Fortgang. Abessinien, heißt rS, habe sich grundsätzlich einverstanden erklärt, im Gebiet von Ualual«ine neutrale Zone zu schaffen. AlS Vorbedingung wird gefordert, daß de« Nomaden der Zutritt zu den Brunnen in der neutralen Zone-«gesichert werde. Italien habe diese Bedingung angenommen, die anderen gestellten Bedingungen jedoch für u«- annehmbar erklärt nnd die vorläufige Räumung des genannten Gebiete- durch die abessinischen Truppe» gefordert. 337.000 Arbeitslose In Oesterreich Wien. Mitte Feber wurden in Oesterreich insgesamt 337.333 unterstützte Arbeitslose gezählt. Im Vergleiche zur letzten Zählung vom 31. Jänner ergibt sich eine Zunahme um rund 3000 Personen. kamen von Fritz Rosenfeld »Wer hat die Brücke gesprengt?" fragt Herr von Ebel im Tonfall eines Untersuchungsrichters. Jakob Halling zuckte die Achseln. Der Heizer stolperte vorüber, eine Laterne In der Hand. «Wer hat die Brücke gesprengt?" wiederholte Herr von Ebel seine Frage. Der Heizer zuckte die Achseln. «Sie könnten auch freundlicher sein", brummt Herr von Ebel. Der Heizer schweigt, seine Laterne schwankte weiter, von einer hellen Kugel zerstäubten feuchten Lichts umschlossen. Gregor lehnte an dem Waggon, die Augen geschloffen. Schauer liefen über seinen Körper, er zog den Mantel enger um den Leib, er zitterte. «Wer hat die Brücke in die Luft gesprengt?" fragt Herr von Wel. «Die Offiziere", sagt Gregor.«Verschwörer. Es geht gegen den König." »Also Revolution?" Gregor nickte. Er stand im Atelier. Der Säbel Schwartzkopfs lag auf den Schienen. Nun kam sein Stichwort. Das Wort flattert weiter, die Schienen entlang, von Wagen zu Wagen. „Revolution?" „Dann brennt das Schloß?" „Dann zünden sie die Kirchen an?" „Dann werden wir an die Mauer gestellt?" „Wer macht denn Revolution?" „Revolution macht immer der Pöbel", sagte Herr von Ebel. „Das Schloß brennt." Das Gerücht flackerte auf, schlug hoch, fraß weiter. „Wer sagt, daß das Schloß brennt?" „Dort vorn—" „Die Kirchen stehen in Flammen." «Wer erzählt, daß die Kirchen in Flammen stehen?" „Dort hinten— der Mann hat es erzählt, alle sagen es, die Kirchen stehen in Flammen." »Wir werden an die Wand gestellt? Warum? Was haben wir getan?" «Revolution! Der Pöbel macht Revolution!" Ein Schrei— Frau Avory flüchtete ins Coupi zurück, warf die Tür zu, schrie den Zeichner an: «Haben Sie einen Revolver bef sich? ES ist Revolution. Dtan will uns an die Wand stellen. Der Pöbel—" Der Zeichner sah sie groß an, schwieg. «Feigling", brüllte Frau Avory.«Warum tragen sie keinen Revolver bei sich? Sie werden uns hinschlachten, alle, und wir können uns nicht einmal wehren." «Sie sind betrunken", sagte der Zeichner. Frau Avory verstummte. Ihre Augen quollen groß aus dem roten, fleischigen Gesicht. Betrunken. Eine Kreatur, die sie bezahlte, die von ihr lebte, die verhungern müßte, wenn sie das Engagement in Frau Avorys Truppe verlöre, beleidigte sie. Die Welt stand auf dem Kopf. Es war Revolution. MorviliuS packte den Heizer an der Schulter. „Wir werden an die Wand gestellt? Wer stellt uns an die Wand? Wer darf uns an die Wand stellen? Was haben wir getan?" Der Heizer lachte. »Drüben soll Revolution sein. Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es nur leeres Gerede." „Ich muß noch heute in Dpsilon sein", bettelte Morvilius.„Um Mitternacht geht der Stern auf — mein Stern—" „Ich kann ihnen nicht helfen, Herr", sagte der Heizer.„Wir können nicht weiterfahren. Wir müssen zurück." Wieder raste ein Motorrad vorüber. Sein Decklicht schimmerte wie ein Leuchtkäfer. „Kann man denn nicht telephonieren?" „Hier?" sagt der Heizer.»Wenn wir zur Station zurückfahren, können sie telephonieren." «Wann fahren wir zur Station zurück?" Der Heizer lief davon, seine Laterne verschwand im Dunkeln. „Das Flugzeug ist ausgeblieben", sagt Gregor vor sich hin.„Sie haben losgeschlagen, ohne das Signal." Osirvsen packt ihn bei den Schultern, rüttelt ihn, hebt seinen Kopf, sieht ihm in die Augen. „Sie sind krank. Sie haben Fieber. Sie phantasieren." „Lassen Sie mich in Frieden. Sonst verrate ich alles. Ich gehe zum König." Olavsen rief den Zeichner aus dem Wagen. „Wir müssen ihn ins Coups tragen. Er bricht uns hier zusammen. Ist denn kein Arzt da?" Sie nahmen Gregor unter den Schultern, schleppen ihn in den Wagen, betten ihn in seinem Abteil auf die Bank. Die asten Frauen, Georgia hatte die Hände gefaltet in einem stummen, stumpfen Vor-sich-hin« starren, Raymond» blickt durch das Fenster, ins Dunkel, ins Leere, kramten in ihren Koffern. Sie holen ein kleines Kiffen hervor, schöben es Gregor unter den Kopf. Olavsen brachte Kognak. Gregor stieß die Flasche zurück. „Sie wollen mich vergiften, damit ich sie nicht verrate." „Mich?" „Sie werden auf den König schießen— sie werden die schwarze Maske tragen—" Georgia richtete sich auf, ihre Hand suchte das Täschchen, umllammerte es, preßte es an den Körper. Raymonde drückte sich in den Winkel. Beide ließen keinen Blick von Olavsen. Da nahm Georgia sich Mut, ihre Hand fiel wie ein Beil nieder, schleudert die Kognakflasche aus Olavsens Hand. Olavsen verstand nichts mehr. „Sind Sie denn toll?" schrie er.„Hat der Kranke euch alle verrückt^gemacht?" „Wir werden nicht dulden, daß Sie ihn vergiften", sagt Georgia. Die ersten Worte, die sie seit der Abfahrt des Zuges sprach. Eine schwache, spitze, alte Stimme. Reymonde kam ihr zu Hilfe: »Wir werden es nicht dulden." Olavsen stieß die Kognakflasche mit dem Fuß unter die Bank, lief aus dem Coupe. Frische Lust um die Schläfen, er warf seine Kappe im Vorübergehen auf seinen Sitz^ frische Luft um die Stirn, sonst packte es auch ihn. Es hatte sich durch den ganzen Zug gefteffen. Die Girls kreischten, wenn eine Hand den Griff der Tür berührt. „Tun sie uns nichts— wir geben alles her, unser Geld, die Ringe— tun sie uns nichts—* Morvilius hatte seine Taschen ausgeleert, aus der Bank lag die Brieftasche, eine silberne Zigarettendose, ein alter Ring mit einem blinden Topas, eine Krawattennadel. In seiner dünnen schwarzen Binde hatte niemand eine Krawattennadel gesehen. Sie war in der Brieftasche verborgen, nun lag sie da, ein wenig verbogen, Erbstück seiner Väter, Morvflius hielt das Heft in der Hand und rechnete. Cabrolle klopft einen Treff-Zehner auf das Tischchen, Kilmek flucht. „Verdammte Geschichte", sagt er.«Da ist nichts mehr zu machen." „Sie haben recht", sagt Herr von Ebel, der ins Coups trat.„Da ist nichts mehr zu machen. Wenn der Pöbel enffesselt wird, werden wir wehrlos abgeschlachtet." „Abgeschlachtet?" Cabrolle sah Herr von Ebel an, schüttelt den Kopf. Kilmek blickte in sein Blatt. Wer ein Monokel im Aug trägt, dachte er, ist ein Narr. Er spielte Atout und hatte gewonnen. Zwei Laternen krochen über den Damm, wuchsen, Umrisse von Menschen dämmerten hinter ihnen auf, die Schaffner. (Fortsetzung folgt.), Nr. 43 Mittwoch, 20. Feber 1935 Sekte 3 fudetendeutsdier Zeitepicgef Hakenkreuz-Agitation im Reichenberger Stadttheater Im Reichenberger Stadttheater, das insbesondere seit Beginn der laufenden Spielzeit unter dem Boykott durch völkische Vereine zu leiden hat, hat sich eine Nazi-Zelle gebildet, die das Personal irrezuführen sucht. Ein Chorsänger, namens Ralph, konferierte kürzlich in einer SHF-Bersammlung und führte bei dieser Gelegenheit zwei andere Reicherberger Chorsänger mit den Worten ein:„Hier bürge ich Ihnen jetzt die zwei letzten arischen Schauspieler des Reichenberger Stadttheaters!" Natürlich ist diese Behauptung erlogen; nur ein Bruchteil der Mitgliedschaft dieses Theaters ist„nichtarisch". Aber es ist klar, wohin man in Reichenberg steuerte, wenn solches ungesühnt bliebe. Tatsächlich hat auch ein Teil des Personals in einer Mitgliederversammlung gegen die Haltung des SHF-Mannes Ralph protestiert und eine entsprechende Resolution verlangt. Da stiegen aber, wie der„Freigeist" berichtet, bei einzelnen Mitgliedern Bedenken auf, die in ihrer Art von großem öffentlichen Interesse sind. Insbesondere eine Aeußerung zur Ablehnung einer solchen Resolution gab den Ausschlag, die dahin ging, datz man sich nicht festlegen solle, da bald Wahlen sein werden und die SHF wohl den Bürgermeister(!!) stellen würde, daß man (also nach dem Muster des Tritten Reiches) mit Folgen rechnen müsse usw. Das männliche Chorpersonal ist durch die Agitation des Nazr Silvio C a r l i s beeinflußt. Dieser österreichische Sänger, der froh sein muß, in der demokratischen Republik sein Brot zu verdienen, hatte die Frechheit, den Fememord an Formis als„Kampf" zu verteidigen. Er macht aus seiner Nazigesinnung überhaupt kein Hehl. Damit hat er auch die Konsequenzen zu tragen: er möge so rasch wie möglich den Stäub der Tschechoslowakei von seinen Füßen schütteln und von hier verschwinden. Dem sonstigen Verhalten der Mehrheit des Personals wöge aber die zuständige Organisation, der Bühnenbund, seine Aufmerksamkeit zuwenden, damit nicht Schäden entstehen, die später nicht mehr zu reparieren sind. Die Unschuldslämmer Wer hat die Staatsflaggen heruntergerissen? Nach unseren eigenen Erhebungen stellt sich der Vorfall, der unserer gestrigen Notiz„Tur- ner gegen Sokoln?" zugrundeliegt, folgendermaßen dar: Der Schauplatz ist nicht Zwik- kau, sondern Röhrsdorf im Bezirk Deutsch- Gabel, wo der deutsche Turnverein im Saale des Ga st Hauses Kleinert seine regelmäßigen Turnstunden abhält. Am ö. Jänner fand m diesem Saal ein Ball der„Unie ZelezniMü" statt, wobei die DTJ die Dekoration des Saales übernommen Hanen. Rach Rücksprache mit dem Vorturner W e i k e r t des deutschen Turnvereines, der nichts einzuwenden hatte, beschlossen die DTJ, die Saaldekoration bis zu einer nächsten Veranstaltung an Ort und Stelle zu belassen. Inzwischen ging der Turnbetrieb des deutschen Turnvereine- Wester. Am 7. Feber wollten Funktionäre der DTJ nachsehen, ob noch alles in Ordnung sei. AIS aber Frauen von den DTJ in den Saal kamen, mußten sie feststellen, daß die ganzen Dekorationen hernntergerissen waren. Außer Guirlanden Warrn seinerzeit noch Ü 0 k l r i n r Staatsflaggen aus Papier angebracht worden. Diese Flaggen waren nun zum Teil unter dem Klavier, zum Teil im Ofen und an airdcren Stellen versteckt und sämtlich in zwei Teile zerrissen. Außerdem waren m i t Tintenstift Hakenkreuze darauf gemalt. Daß ein Masarykbild teschä- digt worden wäre, bestätigt unser Gewährsmann nicht. Dagegen ist rin Bild mit einer humoristischen tschechischen Aufschrift überhaupt verschwunden. Eine Menge dieser Staatsflaggen wurde von Kindern, die das Kinderturnen des deutschen Turnvereines besuchten, auf der Straße herumgrschlep.it. Bei den Erhebungen, die die Gendarmerie sofort einleitetr, behaupteten di« Funktionäre des deutschen Turnvereines in Röhrsdorf, von der Sache nichts zu wissen, erklärten sich aber sofort bereit, de« Schaden gutzn- machen. Tatsächlich bezahlte« sie auch 250.— Krone«. Dazu muß bemerkt werden, daß zu dem Saal niemand Zutritt hat außer den Mitgliedern des deutschen Turnvereines und dem Wirr, der ebenfalls Mitglied des Turnvereins ist. Die Mitglieder des Turnvereines schieben die Schuld einer auf den andern. Jedenfalls steht fest, daß außer dem genannten Vorturner W e i» kerb noch die Turner Michel und Peter rin- gestanden haben, mit dabei gewesen zu sein. Sic schieben die ganze Geschichte aufdieamKin- derturnen beteiligten Kinder. Die Dekorationen waren jedoch viel zu hoch angebracht, als datz Kinder sie hätten erreichen können. Nach Aussagen von Kindern wurden die Fahnen mit Hilfe einer Leiter entfernt. Die drei genannten Turner sind auch i n d e r SHF organisiertt deren Ortsgruppe dort 65 Mitglieder zählen soll. Die Funktionäre des Turnvereines find auch in der SHF als Funktionäre tätig. Verhaftungen sind auch nach der raschen Schadensgutmachung nur auf Verwendung des-Vorstehers und der Funktionäre der DTJ unterblieben. Immerhin ist die ganze Angelegenheit noch lange nicht abgeschlossen. Wer Ist Herr Enhuber? Vor einiger Zeit ging durch die Presse die Nachricht, daß die Sudetendeutsche Heimatftont mit dem überflüssigen Geld, das sie anscheinend hat, für die Agitation unter den Gewerbetreibenden eine eigene Kanzlei errichtet hat, mst deren Leitung Herr»Direktor" Emil Enhuber betraut wurde. Wer ist dieser Herr Enhuber? Er war während des Krieges Hauptmann in der k. und k. Armee und wurde nach dem Kriege, nachdem cs mit dem Soldatenhandwerk aus war, christlichsozialer Parteisekretär. Von dort wechselte er zu der Gewerbepartei über, wurde Sekretär des Deutschen Landesgewerbeverbandes für Böhmen, dann des Landesbäckerverbandes für Böhmen, ferner Sekretär der Fachgenossenschaft der Autobuskonzessionäre für den Kammcrsprengel Reichenberg. Zuletzt ist er durch seine Reden bei den Baka-Ver- sammlungen der Schuhmacher hervorgetreten, Reden, in denen sich kein Mensch ausgekannt hat. In einer dieser Versammlungen soll er gesagt haben, er sei bereit, sich„mit Tod und Teufel und auch mit den Kommunisten" zu verbinden, wenn nur den Schustern geholfen werden könnte. Er betätigte sich dann fiir ein Teplitzer bürgerliches Blatt, worin er in veNausulierter Weise den Lessing-Mord entschuldigte. Deswegen verhaftet, saß er monatelang in Strafuntersuchung. Dann hörte man eine zeitlang nichts von ihm. Nun taucht er plötzlich bei Henlein auf als der Leiter der„Beratungsstelle für Gewerbe und Handel der SHF" in Teplitz. In der„Rundschau" vom 17. Feber hat dieser Enhuber schon einen dreispaltigen Artikel an die deutschen Gewerbe- und Handeltreibenden veröffentlicht, worin er seine Rezepte zur Rettung des Gewerbes, mit Hen- lcinwasser verdünnt, bekannt gibt. Herr Enhuber bekommt auch einen anständigen Gehalt und außerdem ist im Jahresvoranschlag der SHF ein größerer Bettag eingesetzt.• lieber dies« Tinge zu schreiben, wird man noch Gelegenheit haben' Rechtsprechung erschienen. Aus dem weiteren Inhalt find besonders hervorzuheben: Kurzgefaßte Erläuterungen von Min.-Rat Dr. Novotny über das Umsatzsteuerpauschale bei Textilien sowie der diesbezügliche Erlaß der Finanzministeriums und der vorläufige Durchführungserlaß zum Wehrbeitrag. Ferner beinhaltet die^S Heft eine ganze Reche wichtiger Erlässe des Finanzministeriums und Justizministeriums sowie Erkenntnisse und Entscheidungen beider Obersten Gerichte. Bestellungen sind durch den Buchhandel oder direkt beim Verlag, Prag II., Panskä 12, aufzugeben. Als der intervenierende Gendarmerieossizier die Menge zum Auseinandergehen aufforderte, trat ein Bauer auS ihren Reihen hervor, der in der einen Hand einen Revolver und in der anderen einen Prügel ttug und forderte die Menge zum Sturm auf das Gefängnisgebäude auf. Die Gendarmerie ging mit der Waffe vor. ES blieben siebenTotc und sechs Verletzte auf dem Platze. Unter den Berletzten befind«» sich drei Gendarm ev ■ Gefängnissturm in Slavonisch-Brod Sieben Bauern dabei erschossen Seite 4 Mittwoch, 20. Feber 1935 Nr. 43 Siebzehn Tage von Unrat gelebt Das Schicksal dreier Sowjetflieger Tagcsnculgkcltcn Grippetod hundert französischer Soldaten , Pari s. Die Grippe-Epidemie hat weitere Todesopfer in den französischen Garnisonen gefordert. In Bourges ist ein S t a b s ar zt, der die Erkrankten behandelte, an den Folgen der Ansteckung gestorben. In Limoges wurden innerhalb einer Woche vier Todesopfer der Grippe in der dortigen Garnison verzeichnet. In Brives sind die Rekruten des 126. Inf.-Reg. wegen der Grippe-Epidemie für 14 Tage beurlaubt worden. Einer Information der Linkspresse zufolge starben in den französischen Kasernen seit dem 15. Jänner d. I. 104 Soldaten an Grippe. Bater und Sohn ertrunken M ä h r.- O st r a«. In Fryäovice im Bezirk Mistek ereignete sich am Sonntag ein Nnglücksfall, der zwei Menschenleben forderte. Am Ufer der Ondtejnira beschäftigten sich einige Kinder mit dem Abstoßen der angesammelten Eisschollen. Unter diesen Kindern war auch der zehnjährige Sohn deö Ortsfleischhauers D v o r s k h. Plötzlich kamen die Schollen in Bewegung und rissen den Knaben in den Eisstrom, wo er u n t e r g i n g. Auf die Hilferufe seiner Schwester sprang der in der Nähe wohnende Bater in das Wasser, um fein Kind zu retten. Er wurde aber gleichfalls von der Strömung erfaßt und bis zur nächsten Brücke getragen, wo er erst wieder Halt gewann. Rach einer Weile verschwand er aber unter dem Wasser; er war wohl von einer der Eisschollen betäubt worden. Es wurden sofort Nachforschungen nach beiden Ertrunkenen eingeleitet und der Flußlauf bis nach Rovä Bes bei Mähr.-Ostra« abgesucht, allerdings vergeblich.. 22jährige Kindesmörderin zum Tode verurteilt... Stuttgart. Das Schwurgericht hat die zweiundzwanzig Jahre alte Sophie Mina Knorr aus Münster, Oberamt Mergentheim, stiegen Mordes an ihrem sechsWochenalten unehelichen Kinde zum Tode verurteilt. Die Angeklagte hatte am 17. Oktober 1934 ihrem Kinde Kupfervitriollösung zu trinken gegeben. Dampfer-Katastrophe: Hundert Vermißte Schanghai. Der chinesische Küstendampfer „Fulung" ist in einem schweren Sturm nördlich von Futscha gesunken. Mehr als 100 Fahrgäste und Besatzungsmitglieder werden vermißt. Nur eine Person konnte gerettet werden. Filmgesellschaft von Lawine« Überrascht In Pontresina im Kanton Graubünden wurde eine Filmgesellschaft, die dort einen Bergfilm drehen wollte, von einer Lawine überrascht. Drei Personen wurden von der Lawine verschüttet. Nur eine von ihnen konnte nach chrer Bergung wieder zum Leben zurückgerufen werden. Bei den beiden anderen blieben alle Wiederbelebungsversuche ergebnislos. Es handelt sich um die Gattin des Regisseurs Kern und um den Führer der Gesellschaft, den bekannten Skifahrer und Filmschauspieler Beni aus Arosa. Erlogene Wirtschastssiege. Ein bezeichnendes Beispiel dafür, wie die gleichgeschaltete Presse im Dritten Reich ihre Leser.informiert", ist ein kürzlich in der— noch als das.seriöseste" reichs- deutsche Blatt gellenden—„Frankfurter Zeitung" erschienene Bericht über den Bau der neuen Universitöts-Sternarte in Istanbul. Die Einrich- Archangrlsk. Dienstag früh erhielt der Leiter der Kommission für die Rettung des seit dem 1. Feber verschollenen Flugzeuges unter der Führung G o l j u b e w s von der Bahnstation Jo- schima(40 Kilometer von Archangelsk)«inen Funkspruch folgenden Inhalts: „Ich, Goljubew, und zwei meiner Begleiter sind bereits 17 Tage unterwegs. Wir find am Ber- l> ungern. Im Sumpf mußten wir notlan- d r n und ließen das Flugzeug mit einem Begleiter als Wache zurück. Meine beiden Begleiter und ich haben nur von Unrat gelebt«nd find schwer krank. Ob der beim Flugzeug zurückgebliebene Begleiter noch lebt, ist ungewiß. Erst heute hat«ns ein Fischer bemerkt, der«nS mit einem Gespann nach dem Dorf Jdschima gebracht hat. Wir bitten um Entsendung zweier Flugzeuge mit Arzt und LcbenSmitteln." tung dieser Sternwarte, die unter Leitung emigrierter deutscher Gelehrter steht, soll, wie die ..Frankfurter Zeitung" meldet, von deutschen Firmen geliefert worden sein. Die Wahrheit aber (die uns von informierter Seite aus Istanbul mitgeteilt wird) ist die, daß sich zwar die Jenaer Zeiß-Werke sehr dringend um den lohnenden Auslands-Auftrag beworben haben, daß aber die emigrierten deutschen Professoren in Istanbul (gegen deren Anstellung durch die türkische Re- gierung der deutsche Gesandte in Ankara seiner- zeit protestiert hat!) den Auftrag zur Einrichtung der neuen Sternwarte ausschließlich englischen Firmen erteilt haben. Aus diesem einen nachprüfbaren Beispiel läßt sich ersehen, wie verlogen die Methoden der Wirtschaftsberichterstat- tung im Dritten Reich sind,— und was demnach auch von den anderen, weniger leicht zu kontrollierenden„Wirtschaftserfolgen" zu hallen ist, mit denen die Goebbels-Presse ihre Leser in Stimmung zu halten versucht. 8 144. Wegen Strafhandlungen gegen den 8 144(Fruchtabtreibung) wurde am Montag der praktische Arzt Dr. Schier aus Ruppersdorf bei Reichenberg, sowie dessen Mutter Martha Schier verhaftet. Im Zusammenhänge damit wurde auch eine Hebamme der Gerichtshaft eingeliefert, sowie die Brüder Konrad und Rudolf Birner, Mietsautobesitzer aus Görlitz in Preu- ßisch-Schlesien. Die Brüder Birner. sollen schwangere Frauen über die Staatsgrenze nach Ruppers- dorf zu Dr. Schier gebracht haben, damit dieser an den Frauen verbotene Eingriffe vornehme. Für solche Transporte sollen die Brüder Birner. die aus der Reichenberger Gegend stammen und sich vor einiger Zeit in Görlitz angesiedelt hatten, bis zu 500 Mark verlangt und erhalten haben. Soldatenselbstmord. Am 18. d. M. um die zehnte Vormittagsstunde erschoß sich im Mannschaftszimmer mit seinem Dienstgcwehr der Soldat des 28. Infanterie-Regimentes Josef K l i r. Der Genannte hatte in der Nacht Nachtdienst in der Kaserne„Rohäc z Dube". Um Mitternacht beklagte er sich darüber, daß ihm schlecht sei, so daß der Wachtkommandant ihn ablösen ließ. Vormittags sollte er sich zur ärztlichen Visite begeben. Etwa um 10 Uhr schoß er sich in den Mund. Klir war weder vorbestraft noch drohte ihm eine Strafe. Briefe oder irgendeine andere Mitteilung hinterließ er nicht. Die Ursache des Selbstmordes ist offenbar, wie aus der kommissionellen Untersuchung hepvorgeht, in privaten familiären Gründen zu suchen. Ein Schwindler. Ein gewisser Franz Appell aus Ruppersdorf bei Reichenberg hatte sich eine Stampiglie anfertigen lassen und ging mit einer gefälschten Zuschrift, versehen mit der Vereinsstampiglie der Naturfreunde und der gefälschten Unterschrift„Josef Wünsch" für eine Speisekarte Bereits eine Stunde nach dem Eintreffen dieses Telegramms starteten zwei Flugzeuge, um den Fliegern Hilfe zu bringen. Goljubew ist einer der besten Flieger der Union und hat seinerzeit Flüge in die Arktis unternommen. Golubjew wurde mit seinem Mechaniker»nd einem Reisenden bereits auf Motorschlltten nach Archangelsk gebracht. Sir mußten in das Krankenhaus geschafft werden. Im Laufe des Dienstag Nachmittag gelang es einem Flugzeug, auch den zweiten Fluggast des Guznezow zu entdecken, der das notgrlandete Flugzeug bewachte. Ihm wurden mittels Fallschirm warm« Kleider, Lebensmittel«nd Skier hrr- untergeworfen. Infolge des ungeeigneten" Geländes konnte jedoch keine Landung ausgeführt werden. IM Laufe des Mittwoch startet aus Archangelsk ein Flugzeug„N 2", um auch Guznezow nach Archangelsk zu bringen. Inserate sammeln. Jene, die diesem Schwindler zum Opfer gefallen sind, mögen genaue Unterlägen der Polizei Reichenberg bekanntgcben, da derselbe schon in Haft ist. Auf den elektrischen Stuhl. In Nash ville (Tenpessy) wurde ein Neger wegen, eines lleberfalles auf ein 14jähriges Weißes Mädchen zum Tode durch den elektrischen Stuhl verurteilt. Im Dezember vorigen Jahres hatte bereits eine Volksmenge versucht, das Gefängnis, in das der Neger nach seiner Verhaftung gebracht worden war, zu stürmen, um den Neger zu lynchen. Durch das Gewehrfeuer der nationalen Garde waren damals vier Personen getötet worden. Ein viertes Todesopfer. Bon den drei Gasvergifteten, die sich als Opfer des Gasunglückes im Katharinenhospital in Stuttgart befinden, ist am Dienstag frjjh Frau Streik gestorben. Auch muß der Zustand ihres zehnjährigen Sohnes als sehr ernst betrachtet werden. Mellon, der Steuerhinterzieher. Das gegen den früheren Sekretär des Schatzamtes und amerikanischen Botschafters in London, Andrew Mellon, unter der Anschuldigung der Steuerhinterziehung eingeleitete Verfahren wurde am Montag begonnen. Die Regierungsanwälte vertreten den Standpunkt, daß Mellon noch mehr als drei Millionen Dollar an Steuern ! s ch u l d i g ist. Die goldene Berdienstmedaille bringt den Tod. Dem 75jährigen Straßenwärter Ferdinand M a n n»in Stanz(Steiermark) sollte die ihm für 50jährige Tätigkeit vom Bundespräsidenten verliehene goldene Berdienstmedaille sowie ein Diplom dec Kammer für Arbeiter und Angestellte überreicht werden. Ferdinand Mann wurde von seiner Wohnung abgeholt und im festlichen Zuge unter Varantritt einer Musikkapelle in die Ortslirche geleitet. Wenige Schritte vor der Kirche wurde er infolge der Aufregung von Unwohlsein-«fallen und verschied kurz darauf." Der Präsident des steiermärkischen Landtages heftete dem Toten die Auszeichnung an die Brust. Einsturz eines Theaterdachs: neun Schwerverletzte. Im Theater„Alhambra" in Alhambra stürzte abends kurz nach Schluß der Vorstellung das Dach ein. Neun Personen wurden schwer verletzt. Die Ursache des Einsturzes ist jedenfalls darin zu suchen, daß das auf dem Dache angesammelte Wasser durch sein Gewicht das Dach eindrückte^, 'Rach einem Streit beide tot aufgefunden. In der Olaszliszkaer Kanzlei der in Ungarn befindlichen Domäne des Zipser Bistums ereignete sich Dienstag vormtttagS eine tödliche Tragödie. Der Domänenkurator Soltan Kwaßzinger und sein Cousin Ladislav Kwaßzinger wurden mit durchschossenem Kopf in ihrem Blute liegend tot aufgefunden. Dem Doppeldrama scheint ein heftiger Strett zwischen den beiden vorangegangen zu sein. Die Erhebungen sind'.m Zuge. Die FahrtermStziguuge« des Touri st enverrinrs„Die Naturfreunde", Die Naturfreunde haben folgende Bahnermäßigungen: a) ab 16 Kilometer und sechs Personen(Jugend von 10 bis 18 Jahren einbezogen) für Personenzüge oder Schnellzüge ab 31 Kilometer 33.33 Prozent, b) ab 100 Kilometer und drei Personen, Jugend einbezogen, 33 Prozent für Personen-, Eil- und Schnellzüge; c) ab 200 Kilometer und drei Personen, sonst wie vorher, 50 Prozent, jedoch gebunden an eine Anmeldung(turistickä piihlaska); d) als Einzelfahrer bei Geltung der Sonntagsrückfahrkarten(ermäßigte Rückfahrkarten 33 Prozent, die Hiüfahrt- strecke muß mit der Rückfahrtsttecke nicht identisch sein, auch die Entfernung ist nicht beschränkt. Die Gültigkeitsdauer fällt mit den Bestimmungen der Sonntagsrückfahrkarten zusammen. Bei Benützung von Eil- oder Schnellzügen ist der normale Zuschlag zu entrichten, e) als EinzÄsahrer auf den CSD- Autobussen bei Geltung der Sonntagsrückfahrkarten, ferner an den übrigen Tagen bei mindestens drei Personen.25 Prozent, f) Jugendliche oder Kinder(6-Gruppen) 50 Prozent bei jeder Kilometerzahl. Schnell- oder Eilzugsbenützung ab 200 Kilometer, g) als Einzelfahrer bei Ausübung der Winter-Touristik 33 Prozent ab 50 Kilometer. Gültigkeit der Karten" 16 Tage (Relationskarten). Fahrtenausweis ü Kö 12.— ist durch Wg. Strnad Ernst, Prag II, Fügnerovo näm. 4„Gec-Büro" anzusprechen. Streiks New?)ork. Der Streik der Liftführer wurde nach einer Konferenz mit dem Bürgermeister La Guardia, di« 18 Stunden dauert«, beendet. Der Bürgermeister hat bei den Bertteter» der Gewerkschaften und. des Grundeigentümerverbandes dahin«ingewirkt, daß diese sich zu weiteren Verhandlungen be- rett erklärten. Am Montag war bereits ein Teilst r e i k ausgebrochen, der etwa 200 Gebäude, besonders im Stadtviertel Manhattan, dem Konfekttonsviertel, betraf. Dieser Teilausstand gab bereits einen Vorgeschmack von den Auswirkungen, die ein Generalstreik haben würde. Tausende von Büroangeftell- ten mußten ihre Arbeitsräume in der Wollenkratzern über die Treppen erreichen. Ein Generalstreik der Fahrstuhlführer würde etwa 8000 Geschäftshäuser, darunter viele Wollenkratzer, in Mitleidenschaft ziehen. Vor den Gebäuden, die am Montag bestteikt wurden, hatten sich riesige Mengen von Neugierigen angesammelt. Die ganze New Iorkcr Polizei war aufgeboten, um Ruhestörungen zu verhindern.. • Havanna. Die Stud enten der hiesigen Universität haben für bestimmte Zeit" einen Streik proklamiert. Der Verband der ttntv/rf itätsprose s s o re n hat beschlossen, sich ihm aus Sympathie anzuschließen. Marseille. Gestern traten die Hörer der Zahnheillund« an der hiesigen medizinischen Fakullät zum Zeichen des Protestes gegen die Niederlassung von Ausländern als Zahnärzte in Frankreich in«men dreitägigen Streik. Vom Rundfunk ■mplehlanawerte* hi dH PropraauMMI Donnerstag: Prag, Sender L.: 10.08: Deutsche Nachrichten, 11: Schallplatten, 12.10: Ultr. Platten: Offenbach, 13.45: Unterhaltungsmusik. 16.55: Musikstunde der Jugend, 17.20: Klavierkompositionen, 17.55: Deutsche Sendung: Jugendstunde mtt Musik, 18.55: Deutsche Presse, 22.45: Konzert des Prager Salonorchesters. Sender S.: 15: Deutsche Sendung: Dr. Polak: Vollswirtschaftliche Bedeutung unserer Tex- tllindustrie, 15.20: Opern-Arien.— Brünn 13.85: Deutscher Arbeitsmarkt, 15.55: Orchesterkonzert, 17.50: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Well an: Die Arbeitslosenfürsorge der Gemeinde Brünn.— Mährisch-Ostrau 17.55: Deutsche Sendung: Margit Funk singt Arien und Lieder, 18.30: Tanznussik.— Preßburg 17.20: Slowakische Volkslieder. Der Goldmacher Ehe ich die Geschichte des polnischen Goldmachers Dunikowski erzähle, die gegenwärtig wieder einmal Paris in Aufregung hält, möchte ich allen Betrüg.en einen kleinen Typ geben. Wer stur ein paar T.ike in die Gerichtsspalten unserer Zeitungen wirft, der weiß, wie leicht es ist, die immer gleich dummbereite Mitwelt um ein paar Milliönchen»u betrügen. Bei solchen Summen gibt cs gute Rechtsanwälte und kleine Strafen. Wirklich schwierig ist es nur, das „Ersparte" nachher dann auch ausgeben zu können. Anders beim Goldmacher. Wenn dieser seine Vertrauensseligen um einige Millionen geneppt hat und die nachfolgende Strafe redlich abgesessen ist, dann ist das Gröbste vorbei. Ein Goldmacher von dieser Sorte braucht immer Gold als Katalysator, zur Anregung seiner Mischungen. ES i^ ihm so in der ersten Periode seine? Betruges leicht möglich, größere Meng-n granuliertes Gold, Goldkörner,.'.ufen und so den Großteil der Vorschüsse seiner Geldgeber„wertbeständig" anzulegen. Nach dem totsicheren großen Krach und dem ttur möglichen Intermezzo im Gefängnis, kann der Alchimist bald seelenruhig beginnen, seinen Goldvorrat zu verkaufen. Er braucht sich zu die- sem Zweck nickt etwa wie ein gewöhnlicher Betrüger mit zweifelhaften Hehlern einzulaffen, sondern-er kann seinen Weg gerade in die nächste Bank nehmen. Je offensichtlicher, desto besser. Um so schneller gerät er wieder in den Ruf, ein wirklicher Goldmacher zu sein. Um so schneller finden, sich neue Kreditgeber, um so lauter kann er nach seiner Rehabilitierung schreien. Es ist dieses Geschäft eine goldene Kette ohne Ende. Im Jahre 1931 ttat der polnische Ingenieur Dunikowski in Paris mit der Behauptung auf, daß ihm auf Grund langer Versuche die Herstellung von Gold aus wertlosen Mineralien gelungen sei. Wir wissen alle, daß außer dieser Behauptung etwas Beredsamkeit und gute Umgangsformen genügen, um beliebig viele Dumme als Geldgeber zu finden. Wie der Fall des deutschen Goldmachers Tausend zeigte, ist es ebenso leicht, damit die Magnaten der Schwerindustrie, wie biedere Herren von der Konfektion hereinzulegen. Deshalb bekam auch Dunikowski seine zwei Millionen Franken zusammen, um sich, wie er sagte, ein Laboratorium einzurichten. Es kam dann der Krach— siehe oben— und die Gerichtsverhandlung. Dunikowski brachte seinen Geldgebern weder Gold, noch wollte er vor Sachverständigen ein Experiment vorführen. Diese Sachverständigen stellte ihm dann allerdings doch das Gericht und Dunikowski wurde gezwungen, eine Vorstellung seiner Künste zu sseben. Es wurde eine richtige Zauberkünstlervorstellung. Mtt einem Apparat, der fünfzig Gramm Mineralien fassen konnte, sollte er sein Experiment vorführen. Dunikowski verlangte, dr.' es seinen größeren Apparat verwc..den dürfe, der 350 Gramm Mineral bei einem Versuch faßt und der einen Tagesverbrauch von einer Tonne hat. Da diesen das Gericht a3er erst aus dem Versatzam. hättet auslösen müssen, einigte man sich doch auf das kleine Experiment. Am 4. Feber 1932 erfolgte der Zauber mit Physik und Chemie und lektrotechnik, mit Strahlen und Säuren und dem uralten Element der Alchimisten, de... Queäsilber. Quarz und Feldspat wurden in Bronzetieaeln zerkleinert. Tann wurde 3ie Michunger'"" t und auf Kupferplatten ausge^reitet. Durch diese wurde nun ein Si.„»l von hunderttausend Volt geschickt. Darauf wurde die Mischung in Salzsäure gesteckt und noch Quecksilber dazugegcben. Als Tönung des Ganzen wurde das Gebräu mit radioaktiven ^-Strahlen, einer eigenen Strahlenkomposition Dmikowskis, durchleuchtet. Im ganzen wurden an diesem Tage vier solche Versuche unternommen. Der erste und der zweite gingen vollständig negativ aus.- Beim, dritten Versuche tauchte irgendwie eine Spur von Gold auf. Der nachfolgende Versuch, der bereits um Mitternacht stattfand, konnte nicht beendet werden» denn während dieses Experiments trat plötzlich an der Apparatur Kurzschluß ein. Dunikowfti hatte den bekannten Rechtsanwalt Legrand als Verteidiger. Deshalb kam er mit zwei Jahren Gefängnis davon. Nach seiner Entlassung aus dem" Gefängnis zog Dunikowski mit seiner Familie nach San Remo und'lebte dort ohne Vermögen und ohne Beschäfttgung. Und nun beginnt sich der Vorteil der alchimistischen Laufbahn zu bewähren. Dunikowski verkauft regelmäßig kleine Goldklumpen in einer Bank von San Remo. Er macht sich dadurch nicht verdächtig, sondern wird rehabilitiert. Erneut senkt sich über ihn die Glorie des Goldmachers. Es hat sich augenscheinlich auch schon ein tüchtiger Journalist gefunden, vor. del? Augen Dunikowski, zur Abwechselung diesmal, aus Kreideschlamm, Gold hergestellt k.t. Und nun eilt die geschäftige Fama. Dunikowfti will, Dunikowski soll, Dunikowfti wird-— Ob er Gold mache:, wird, ist weniger sicher. Aber die Dummen für"den Vorschuß wird er jedenfalls finden. KurtDofierer, 9fr. 43 Mittwoch, SO. Fever 1935 Sekte 5 Die Durchforsch«»»« der Bitltet Eishöhle In der vergangenen Woche wurde gelegentlich der Vereisungsarbeiten in der Bielaer Höhle in der Tatra die unterirdische Schlucht durchforscht, um Kenntnis über die Zugluft zu gewinnen, da die Vermutung nicht von der Hand zu weisen war, daß ein Teil der kalten Luft in die Schlucht strömt. Tatsächlich hat es sich auch erwiesen, daß die eiskalte Luft bei der Vereisung eine entscheidende Rolle spielt. Den Abstieg auf den Boden der Schlucht vvllführten die Mitglieder des Verbandes der Tatra- Lergführer unter Leitung von A. Lutonsky. Aus dem Boden der Schlucht stießen sie aus einen unterirdischen Bach, der höchstwahrscheinlich zum Zuflußsystem der Gewässer gehört, die die Wasserleitung der Tatra-Orte speisen. Die Schlucht wurde vermessen und es wurde konstatiert, daß sie auf die Luftströmung keinen Einfluß hat. Es wurde im Gegenteil konstatiert, daß die Anwesenheit von Wasser auf die Vereisung der Höhle von günstigem Einfluß ist und di« Bereisungsarbeiten, die im vergangenen Monat begonnen wurden, nur fördert.— Am Sonntag haben 62 Auslands- und Fnlandsjournalisten, die zu den Fis-Rennen in die Tatra gekommen find, die Bielaer Höhle besichtigt. Flucht ans amerikanischen Gefängnissen. 2m Staate Texas sind sechs Sträflinge, darunter ein Mörder, aus dem Staatsgefängnis don Hartem entkommen. Sie stahlen einen Kraftwagen und fuhren davon. Polizeiautos haben die Verfolgung ausgenommen,— Die Leiterin des durch einen Mastenausbruch bekannt gewordenen Gefängnisses in Granite(Oklahoma), Frau George Waters, ist ihres Postens enthoben und durch einen männlichen Gouverneur erseht worden. Von den aus ihrem Gefängnis entwichenen Sträflingen befinden sich nochlöinF reihe it. Feuersbrunst in einer argentinischen Stadt. In der argentinischen Stadt Rosario de Santa Fe entstand am Montag hier infolge der E x p l o s i o n einer Getreidetrocknungsanlage eine gewaltige Feuersbrunst. Das gesamte Personal der Berufsfeuerwehr und die Brandwehr der Eisenbahn bekämpfen das Feuer seit Stunden. Es besteht große Gefahr des UebergreifenS auf den Getreidespeicher und die Hafenanlagen. Bisher sind dreiTote und 31 teilweise Schwerverletzte geborgen worden. Verschiedene Arbeiter sind noch dnter den Trümmern begraben. Zwei Fischer im Sturm umgekammen. Der Motorkutter.Dorothea" aus Fedderwardersiel ist vn Sturm vor Wangeroog gesunken. Zwei Fischer sind ertrunken. Der Kutter, der sich beim Muschel- isang befand, war infolge des Sturmes abgetrieben worden. Als die Motorkappe. und andere Teile bes Boot»s Kei Wangeroog ungsschKyemmt^wur-yi, »ersuchte das Fedderwaröersüker Rettungsboot vergeblich, die beiden Fischer zu retten. SokrateS-Prozeß? Gegen die Direktion des College in der Stadt Mena in Ärkanfas läuft «ine Untersuchung wegen des Verdachtes, daß die AnstaltSzöglinge von ihren Lehrern zur.Anarchie", zu freier Liebe, zum Atheismus und.anderen Verbrechen" angeleitet wurden. Montag würben die Schüler des College über die Unterrichtsweise der Anstalt einvernommen. Die amerikanischen Blätter behaupten, die Anstalt sei eine »Brutstätte des Bolschewismus" gewesen und vertrete die Ansicht, eine Befferung der Weltwirtschaftslage könne nur durch die Revolution herbei- üeführt werden. Lokomotive schleppt drei Leiche««it. Auf der polnischen Bahnstrecke Buck-Krokowo wurden während eines heftigen Gewitters auf einem Bahnübergang drei Personen von einem Personenzug überfahren und «tötet. Der Lokomotivführer hatte wegen des heftigen Unwetters das Unglück nicht bemerkt. Die Leichen »«r Verunglückten, zweier junger Bäuerinnen und Eines Landwirtes, wurden mehrere Kilometer weit fortgeschleppt. Erst bei der Einfahrt des Zuges in sine Bahnstation wurden die furchtbar verstümmelten Leichen der Opfer der Katastrophe bemerkt. Sven Hedin kehrt hei«. Dr. Sven tzedin hat wn Montag seiner in Stockholm wohnenden Schwester ous Nanking telegraphisch mitgeteilt, daß er sich bei oysgezeichneter Gesundheit befindet. Am 21. Feber hält Dr. Hedin einen Vortrag vor der chinesischen Regierung. Nach kurzen Besuchen in Hankau und Schanghai tritt Dr. Hedin von Nanking aus die Rückreise über Peking und Moskau nach Stockholm an. Kurs für Aerzte im Dienste der Sozialvrrfiche- Die deutschen Verbände der Krankenversiche- Ningsanstalten veranstalten im Monate März 1985 Einen Ivtägigen Kurs für Aerzte tschechoslowakischer Staatsangehörigkeit im Dienste- der Sozialversicherung, als deffen Teilnehmer insbesondere in Betracht ^onynen: Jüngere Amts- und Bertragsärzte sowie Anwärter für solch« Stellen. Die Abhaltung des Kurses wurde, da er im Sinne der von der Zentralsozial» ^ersicherungSanstalt herauSgegebenen Richtlinien als sozial-ärztlicher Kurs aufgebaut ist, von der genannten Aufsichtsbehörde zur Kenntnis genommen, so daß Absolventen bei künftigen Anstellungen vor anderen Bewerbern bei sonst gleichen Vorbedingungen Berücksichtigung finden. Der Kurs findet im Sanatorium RiartinStal bei Zwickau i. B. statt. Beginn 17. März. Nähere Einzelheiten über Kursbeitrag, Unterbringung und Verpflegung sowie Kursprogramm werden den ongemeldeten Kursteilnehmern brieflich bekanntgegeben. Da die Zahl der Teilnehmer mit 56 begrenzt ist, empfiehlt sich umgehende«nmeldung an: Vereini- «ung deutscher Krankenversicherungsanstalten, Prag I., Älskä-2. Politische Entwicklung und Arbeitersport GEDENKET In der Hauptversammlung des Zentral- leider anders zu bewerten. Die Rote bef aflail Anlässen der Arbeitertürsorgei uni In der ver- einer nisvolle Begegnung der-feindlichen Brüder abzuwenden. Ladislav versteckte sich auf Zureden seiner Mutter vor dem Wütenden und begab sich zu dem dritten Bruder Karl, der in der Sandgrube arbeitete. Da er aber begründete Furcht vor dem, Angeklagten hegtet der ihn: mehrfach den Tod angedroht hatte, ersuchte er gegen 11 Uhr um polizeilichen Schutz. Inzwischen war aber Georg seinem Bruder Ladislav nachgegangen und traf ihn mit dem dritten Bruder Karl und einer Gruppe Arbeiter in der 15 Meter tiefen Sandgrube stehend an. Er richtete den Revolver auf die Menschengruppe und schrie: „F o r t v o n ihm! I ch s ch i e ß el" Während die Uebrigen entsetzt auseinanderstoben, verbarg sich Ladislav und zwei Arbeiter hinter einer Maschine. Nun folgte eine regelrechte Beschießung deS Bruders durch den Angeklagten, der diesem sofort eine Kugel zuschickte, sobald er auch nur die kleinste Blöße bot. Schließlich glückte dem Belagerten aber doch der Rückzug und er eilte aufs Polizetkommissariat, von wo aus er noch telephonisch die Mutter warnte, denn Georg hatte sich verschworen, Mutter und Bruder umzubringen. Nun eilten die Wachleute Strasser und Swokovskh an den Tatort, um den Gewalttäter festzunehmen. Dieser aber hatte sich im Trockenraum verschanzt und als die Polizisten ihn auftorderten, sich zu ergeben, eröffnete er statt aller Antwort das Feuer auf sie. Cs kam zu einem schweren Fruergefecht mit der Polizei, die Verstärkungen heranziehen mußte. Erst nach längerer Schießerei gelang es, Georg Berka zu umstellen. Er versuchte durchzubrechen, wobei er gegen den Inspektor Hoffmann schoß und ihn wohl auch getroffen hätte, wenn nicht ein anderer Polizist ihm im gleichen Moment die-Hand durchschossen hätte. All der auch sonst mehrfach Angeschossene keinen Ausweg mehr sah, schoß er sich selb st eine Kugel in die Brust. Aber der Selbstmordversuch mißglückte. Der Angeklagte, der eine ganze Schachtel Patronen verschossen hat, erhielt selbst sieben Schüsse in Brust, Rücken, Hüften und beide Arme. Er erholte sich indessen über Erwarten schnell. Nun steht er wegen mehrfachen versuchten Mordes vor dem Schwurgericht. DaS Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen erklärt den Angeklagten für einen d e g e- nierten Menschen getrübter Vernunft, aber Zurechnungsfähig im Sinne des Strafgesetzes. Bei der Verhandlung beteuerte der Angeklagte, er habe keinerlei Tötungsabsicht gehabt und weder seinen Bruder, noch die Wachleute erschießen wollen. Er habe absichtlich nur in die Luft geschossen. Die als Zeugen geladenen Brüder entschlugen sich der Aussage. Die Wachleute schilderten den Sachverhalt im Änne der Anklage. Die Verhandlung wurde in den späten Nachmittagsstunden vertagt. rb. Blutiger Bruderhatz um ei« Millionenerbe Mit dem Revolver gegen de« Bruder— Wilde« Feuergefecht mit der Polizei— Eine Wildmestgeschichte vor dem Schwurgericht Sport-Internationale hat durch ihre jahrelange Spaltungstaktik dem Arbeitersport in Europa schwere Wunden geschlagen. Durch den Eintritt Rußlands in den V ö l k e r b u n d ist zu hoffen, daß hier nach uick> nach eine Aenderung emtritt. Leider haben sich die Russen bei ihren letzten Spielen in der Tschechoslowakei zuerst an die Bürgerlichen gewendet, weshalb der Sporwerkehr mit unseren Organisationen nicht möglich-war. Man hat mit allen Mftteln versucht, in di« Reihen der Arbeitersportler einen Spalt zu treiben, was allerdings nicht gelungen ist. Auch di« Berichterstattung über die Ruffenspiele'in der kom- munfftischen und in der russischen Presse war gehässig und entsprach nicht der Wahrheit. In der „Pravda" fanden wir sogar Besprechungen und Angriffe, die ins Reich der Märchen gehören. Die Berhandlungrn»er DASJ mit der Drill«« Sportinternationale werden wesentlich davon abhängig sein, daß sich die Taktik der Kommunisten in Mitteleuropa und die Haltuna ihrer Presse entsprechend ändert. Wir in der Tschechoflwvakei haben erlebt, daß das Resultat der kommunistischen Spaltungsarbeit«inen völligen Niederbruch der kommunistischen Sportorganisationen zur Folge hatte. Bon den abgv- spretigten vielen Tausenden ist der größt« Teil den Indifferenten oder den Bürgerlichen zugelaufen. Wie sich die staa tS p olitisch en Berhält- niffe auf den Arbeitersport auswirken, ist insbe- sottdere in der Tschechoslowakei interessant. Wohl hatten sich im Zentralrate seit über zehn Jahren die deutschen und tschechischen Arbeitersportorganisationen zusammengefunden. Di« öffentliche Auswirkung dieser Zusammenarbeit wurde aber erst dann stärker, als in der Staatsverwaltung die deutschen und tschechischen Sozialdemokraten mitzureden batten. Da leisteten di« Arbeitersportorganisationen äußerst wichtige internationale Arbeit in prakttscher Form. Bei den großen Veranstaltungen, bei den Wehrtagen und in allen amtlichen Korporationen waren die tschechischen und deuffchen Arbeitersportler stark aftiv vertreten. Dieses Wirken der Arbeitersportler im internationalen Sinne hatte für den Staat, aber auch für die Außenpolitik sicher eine große Bedeutung. Wenn wir erkannt haben, daß die polittsche Machwcrteilung für den Arbeitersport von Bedeu- rates der deutschen und tschechischen Arbeitersportorganisationen in-der Tschechoslowakei gab Genosse Heinrich Müller einen interessanten Ueberblick über die Auswirkungen der politischen Ereignisse auf die Sportbewegung und über den Stand des internationalen Arbeitersports, dem wir nachstehendes entnehmen: Wohl noch nie ist unsere Behauptung, daß die Entwicklung des sportlichen Lebens im allgemeinen und des Arbeitersports im besonderen von den politischen Machtverhältnissen in den einzelnen Staaten abhängig ist,, so erwiesen worden wie jetzt. Wenn wir den internattonalen Arbeitersport und seine Entwicklung in den verschiedenen Staaten betrachten, so finden wir diese Behauptung ganz besonders bekräftigt. Wir können den Stand des Arbettersports, je nach der politischen Entwicklung, in verschiedene Gruppen«inteilen. Da haben wir vor allem die fascistisch regierten Staate« Deutschland, Oesterreich, Lettland und Italien, diesen Staaten wurde der Arbeitersport von Reaktion sofort beseitigt und es ist dort keine legale Arbeitersportbewegung möglich. Die Arbeitersportorganisationen wurden in diesen Ländern als die gefährlichsten Gegner deS FasciSmus erkannt, ihr« musterhaften kulturellen Einrichtungen konfisziert und die Organisationen aufgelöst. In den halbfaseiftifchen Staaten Polen, Ungarn, Jugoflawien, Rumänien usw. sehen wir, daß dort der Arbeitersport organisatorisch zwar geduldet wird, die Organisationen aber unter dem starken Druck der Staatsgewalt zu leiden haben. Ihre Bewegungsfreiheit ist durch die sogenannte Staatsaufsicht über alle Aftionen sehr erschwert. Unsere Genossen arbeiten dort muttg unter den schwierigsten Voraussetzungen. Prag."Der' zweite Fall dergegerftvärttgeN Schwurgerichtsperiode, der das Gettcht volle drei Tage beschäftigen wird, beinhaltet den bluttgen Abschluß des düsteren Romanes einer reichen Familie. Auf der Anklagebank sitzt der 25jährige Georg B e ö k a aus Lieben unter Anklage des mehrfachen Mordversuche s. Niemand würde diesen schwächlichen und nervösen jungen Menschen den brutalen und ungebändigten Wildling ansehen, als der«r sich in diesem Familiendrama erweist. Den Vorsitz der Verhandlung führt OGR. Dr. S h k o r a, die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. T r j i ck y. Zwei Millionen und acht Erben. Der Angeklagte enfftammt einer sehr mögenden Familie. Sein Vater, Eigentümer großen Ziegelei und anderer Liegenschaften, hinterließ bei seinem Tod« über zwei Millionen Ki. In dieses Vermögen mußten sich seine Kinder und Geschwister— insgesamt acht' Erben, teilen. Von diesem Zeitpunkt an gab es in der- Familie Beöka Streifigkeit über Streitigkeit. Die Erben konnten sich nicht über die Erbteile und schon gar nicht über deren gemeinsame Anlage in den ererbten Betrieben einigen. Einer der ärgsten Unruhestifter war offenbar der Angeklagte Georg Beäka, der übrigen- bereits wegen Raufhändel und Gewalt- tättgkeiten vorbestraft ist. Er ist bekannt all äußerst reizbarer, streitsüchtiger und eigensinniger Mensch und ift offenkundig ein Sonderling. Obwohl er über beträchtliche Mittel verfügen koimte und als gelernter Mechaniker sich eine Existenz hätte schaffen können, trieb er sich doch langeZeit als Vagabund imLande umher, und kehrte schmutzig und zerlumpt zu seiner Familie zurück, um alsbald mit seinen Brüdern Karl und Ladislav in schwerstem Gegensatz zu geraten. Er benahm sich so gewalttättg, daß feine Brüder ihn einmal verhaften ließen, als er in völliger Betrunkenheit einen Motor demolierte und sie gefährlich bedrohte. Damals kam er aber mit heiler Haut davon, weil später seine Brüder die Anzeige zurücknahmen und für ihn um Nachsicht baten. Aber das war nur ein Auffchub. Er benahm sich tPtterhin so, daß sein Bruder Ladislav, der mit ihm in einem Raum schlief, in ständiger Furcht davor war, daß ihn sein Bruder im Schlaf umbringel In dieser Atmosphäre genügte schließlich ein kleiner Anlaß, um eine katastrophale Entladung herbeizuführen. Am 8. Mai v. I., um 9 Uhr früh, geriet der Angeklagte mit seinem Bruder Ladislav in Stteit darüber, ob er zum Schmieren einer Maschine frisches oder gebrauchtes Oel verwenden solle. Der Angeklagte Georg ging mit einer großen Zange auf seinen Bruder lös, der sich seiner uit einen Ham- mer erwehrte. Die Rauferei endete, damit, daß der stärkere Ladislav seinen Bruder Lber- wälttgte und aus dem Haus drängte, worauf er die Türe absperren ließ. Das brachte Georg in solche Raserei, daß sich ihm die Mutter in»en Weg warf mit dem Anffchreir „Ehe du ihn««bringst, erschlage lieber mich!" Tatsächlich gelang es ihr, vorläufig^eine verhäng« tung ist, so erstehen uns neben den allgemeinen organffatorischen auch besondere politische Aufgaben. Wenn wir dem Arboitersport, der Arbeiterkultur dienen wollen, haben wir alle Kräfte für den Sieg der sozialdemokratisch« n P ar t« i zu mobilisieren. Wenn wir uns entwickeln wollen, haben wir auch mitzuhelfen, die politischen Fundamente in Staat, Land, Bezirk und Gemeinde stark und wuchtig zu gestalten.- Dies« Ausgabe muß jeder Arbeitersportler mit erfüllen Helsen! MMK M Sozialpolitik Bauarbeiter wehren eine« Lohnabbau ab * In den Bezirken Hof, Stadt Liebau und Bärn Der vom Lohnschiedsgericht im Vorjahre für die genannten Bezirke festgesetzte Lohn- und Arbeitsvertrag lief mit 31. Dezember 1934 ab. Um auch im Jahre 1935 zu geregelten Löhnen und zu einem ordentlichen Arbeitsverhältnis zu kommen', wurden Verhandlungen mit den Unternehmern ans gebahnt. Die Bauarbeiter forderten eine Lohnerhöhung, während die Unternehmer eine Lohnher- absrtzung von 10 bis 20 Prozent forderten. Am 3. Jänner 1935 kam nun in Bärn eine Vereinbarung zustande, wonach die Gültigkeit der Lohn- und Ärbeitsverhältnisse, wie sie durch das Lohnschiedsgericht für 1934 festgesetzt waren, mit der Aenderung verlängert werden, daß die Niedrigsten Vertragslöhne um zehn Heller pro Stunde erhöht werden. Die Bauarbeiterschaft muh nun darauf achten, daß die Unternehmer die neue Vereinbarung einhalten. Wo dies nicht geschehen sollte, ist die Leitung der Organisation sofort zu benachrichtigen. Voraussetzungen. Ein ganz anderes Bild ergibt sich, wenn wir d«n Arbeitersport in den demokratische« Staate« bettachien. In Belgien, der Schweiz, Finnland, Holland und den nordischen Staaten sehen wir eine durch di« demokrattschen Staatseinrichtungen fundierte reale Entwicklung der Arbeitersportovganisa- tionen und die Tatsache, daß die Arbeitersportorga- nisattonen in diesen Staaten ein großer öffentlicher Wirtschasts- und Kulturfaktor geworden sind. In der Tschechoslowakei hat das insbesondere die letzt« Arbeiter-Olympiade in Prag bewiesen. In Norwegen und Dänemark bestehen ebenfalls leistungsfähige Arbeitersportorganisattonen. Diese sind der Sozialistischen Arbeiter-Sport- Jnterncttionale organffatorisch zwar noch nicht angeschlossen, denn die starke Agitation der Kommunisten verhindert eine klare Entschei- dnng, doch sticht die SAAJ Mit diesen Ländern in guter Verbsflhmia-.-.-L.-mc■ Eigenartig ift dir Lage in Schweden, wo, trotzdem di«,Sozialisten in der Staatsverwaltung große Macht besitzen, die Gründung von Ar- beitersportorganisattonrn noch nicht erfolgt ist. Die sozialistische Partei hat dort die Direktiven zur notwendigen Schaffung der Arbeitersportorganisa» tion leider noch nicht gegeben, doch auch in Schweden muß eine starke Arbeitersportorganisation erstehen. Interessant find die Verhältnisse in Frankreich. Dort hat vor kurzem«ine Fusion der kommunistischen und sozialdemokrafischen Arbeitersportorganisattonen stattgefunden. Die neue Organisation steht außerhalb der beiden Arbeiter- Sporttnternationalen. Wir sehen hier, wie di« Einheitsfront der polittschen Parteien in Frankreich auf die Gestaltung des Arbeitersports einwirft. Wir können sehr interessiert sein, wie sich dieser Versuch auswirken wird: ob fich der Arbeitersport unter dem Titel der Einheitsorganisatton besser entwickelt oder ob ein Fehlschlag unseren ftanzöfischen Genossen eine große Lehr« gibt. Auch im Saargebket hatten fich die kommunistischen und sozialdemokrafischen Arbeitersportler zusammengeschloffen. Durch die Rückkehr deS SaargebieteS zu Hitlerdeuffchland ist der Arbeitersport dort erledigt. Leider hat bei der Abstimmung di« Einheitsfront, rein politisch genommen, die gestellten Erwartungen nicht erfüllt. In England, dem klassischen Lande des Sports, finden tvir eigenarttger Wesse eine ziemlich schwache Arbeitersportbewegung. Das große Fest in Dorchester dürste jedoch Anlaß zu einer besseren Organisierung der Arbeitersportstr gegeben haben. England müßte eigentlich die größte Ar» beitersportorganisatton Europas stellen können und die englssche Arbeiterpartei wird sich mit diesem be- deufiamen Problem noch befassen müssen. FnPalästina ist die Arbeitersportorgani- safion sehr gut entwickelt, da dort auch di« Klassenunterschiede ständig wachsen und die Arbeiter ihre Interessenvertretungen auf alle Gebiete erstrecken müssen. Ter Arbeitersport in Palästina ist stark,, leistungsfähig und internattonal bekannt. Beachtenswert sind auch die Verhältnisse in Amerika. Dort bestehen Arbeitersporwerbände mehrerer Nafionen(Deufiche. Tschechen, Finnen, Amerikaner usw.). Ueber Vorschlag der SASJ find in den letzten Jahren Konzentrationsbestrebungen zu verzeichnen, die auch bereits einig« Erfolge aufweisen. Durch di« Reise der Genossen Dr. D« u 1 s ch in Amerika dürft««in weiterer Forffchritt vorbereftet worden sein. Wir hoffen, daß im Land« der.unbegrenzten Möglichststen" der Arbeitersport ball» ein wichtiges Wort mitzureden hat. Der Sport i» Rußland nimmt im öffentlichen Leben, gestützt von der gewaltigen Staatsmacht und vor allem getragen von der Roten Armee, eine wichtigePosition ein.Der Sowjetstaat hat die Wichtigkeit des Sports für die Volksgesundheit und insbesondere für den russischen Militarismus voll erkannt. Die politische , Wirksamkeit des russischen Sports nach außen ist Seite 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 20. Fever 1935. Nr. 43 PBAGER ZEITBMG Das Beispiel! Die kleinen Dinge des Alltags sind oft«in Spiegelbild der großen Welt und ihrer Lebensbedingungen. Man muß nur verstehen können, die richtigen Nutzanwendungen aus ihnen zu ziehen. Nahe dem Graben stand dieser Tage ein reichs-. deutscher Emigrant— keiner von den ganz wenigen, die im glücklichen Besitz gewisser Barmittel find, sondern einer von den vielen, die sich im Exil buchstäblich durchhungern, ein Arbeiter, und unterhielt sich mit einem Gesinnungs- und Leidensgenossen in deutscher Sprache. Ein Tscheche, der vorüberkommt, Proletarier, Opfer der kapitalistischen Unordnung wie jener Flüchtling, aber nationalistisch vergiftet, hörtS und fängt sinnlos zu schimpfen an. Einige Neugierige sammeln fich, die schweigend der Auseinandersetzung zuhören. Denn der Angegriffene setzt sich natürlich mit guten Argumenten zur Wehr. Plötzlich fährt in scharfem Tempo ein prächtiges Auto vorüber, Luxustyp, ein Prager Wagen, in dem, behaglich zurückgelehnt, drei Leute in angeregter Unterhaltung sitzen.— Hoch auf schäumt der Schmutz und überschüttet die beiden erregt disputierenden Proletarier, den Tschechen, wie den aus Hitlerdeutschland Emigrierten. mit einem Sturzbach von Spritzern. Ein tschechischer Arbeiter, das Abzeichen unserer tschechischen Bruderpartei an der Rockklappe, fand sogleich die Pointe:„Das fit die beste Antwort, die Euch gegeben werden konnte I Dort der Kapitalist, der im Luxuswagen vorüberfährt, hier die beiden Arbeiter, die fich aus„nationalen Gründen" in den Haaren liegen. Und das Ende ist so, wie Ihr jetzt aussehtl" Man kann, wie gesagt, aus den kleinen Dingen des Alltags oft die überzeugendsten Schlüffe ziehnl mernachtstrrrum, D2.— Samstag, halb 8: Die schöne Helena, Abonnement aufgehoben. Spielplan der Kleine« Bühne. Mittwoch, 8 Uhr: Ich Habs getan.— Donnerstag, 8 Uhr: Ehe in Dosen.— Freitag, 8 Uhr: I ch Habs getan.— Samstag, 8 Uhr; Ehern Dose n. Zum 250. Geburtstage des Komponisten Händel. Am 23. Feber 1685 wurde Georg Friedrich Händel, einer der genialsten deutschen Tonkünstler geboren. Er ging später nach England, wo er im Jahre 1753 starb und in der Westminsterabtei zur Seite der großen Sühne Englands bestattet wurde. Die deutsche Minderheitsbücherei i« Prag im Jahre 1834 Der Buchbestand der deutschen Minderheitsbücherei betrug mit 31. Dezember 1834 15.804 Bände, gegen das Jähr 1933 um 1421 Bände, d. i. 10.22 Prozeut mehr. An ständigen Lesern waren Ende des Jahres 1745 eingeschrieben. Davon 503, d. i. 63.2 Prozent, Männer und 624, d L 36.8 Prozent, Frauen. Unter den männlichen Lesern waren 670 Beamte, 51 Arbeiter und Diener, 287 Studenten und 95 selbständig Erwerbstätige. Unter den Frauen 288 im Erwerb stehende. Im Jahre 1934 benützten die Bücherei an den 279 Leihtagen 23.626 Leser, welche im ganzen 52.455 Bücher entlehnten, darunter 50.240 belletristische Bücher. Die Ausleihziffer ist gegenüber dem Vorjcchre um 10.457 gestiegen. Am meisten verlangt waren folgend« Bücher: Lion Feucht- wlmgerk„Jud Süß"?„Der jüdische Krieg";'Geschwister Oppenheim". Fallada:„Kleiner Mann, was nun",„Wer einmal aus dem Blechtopf frißt". Jakob Wassermann:„Der Fall Mauritius",„Etzel Andergast",„Josef Kerkhovens 3. Existenz". Paul d« Ktuif:„Mikrobenjäger". Schalom Asch:„Die Mutter". Axel Munthe:„Das Buch von San Michele". Albert Einstein:„Mein Weltbild". Thomas Mann:„Die Geschichten Jakobs". Adrienne Thomas:„Die Kathrin wird Soldat". Joseph Roth:„Hiob und der„Radetzkymarsch", ferner die Reisebeschreibungen von Richard Katz und die Werke von John Galsworthh, Lothar und Kisch. Einen Motor-Sonderz«g nach Johannisbad und auf die Sokolbaude im Riesengebirge expediert die tschechoslowakische Staatseisenbahndirek- tion in Prag zum Preise von 75 Kö. In diesem Beträge sind eingerechnet: Eisenbahnkarte, Autobusfahrt. Nachtlager. Frühstück. Der Zug fährt am Samstag, dem 23. Feber. Anmeldungen im Ausflugszugsreferat beim Wilsonbahnhof. Telephon 383—35. Kunst und Wissen Arbeitervorstrllung„Ich hab's getan", Schauspiel von Marfin Gläser, über das die Kritik einstimmig als über eiw großes Theatererlebnis berichtete, am Sonntag, den 24. Feber, um halb 3 Uhr nachmittags, im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich von'8 bis 2 und 4 bis 6 Uhr bei Opttker Deutsch, Koruna. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Mittwoch, halb 8 Uhr: I e n u f a, BI.— Donnerstag, halb 8 Uhr: O t h e l l o, Verdi- Zyklus IV, El.— Freitag, halb 8 Uhr: Som- Sport• Spiel»Körperpflege Holländischer Arbeitersport Am vergangenen Sonntag konriten die Fußballer nur teilweise ihre angesetzten Spiele austragen. Im Kreis Amsterdam siegte der Spitzenführer Voorwaarts über Ontwaakt 9:0, Sport Vereent schlug den Tabellenletzten ABC 5:0, mit demselben Ergebnis blieb Eendracht Wer Zaandam erfolgreich und Arbeiderspers gewannen zwar gegen Hou Stand mit 4:2, kommen aber doch nicht vom vorletzten Platz weg.— Im LimtburgerMreis steht weiter Brunffum unangefochten an der Spitze, Voorwaarts gewann sein Spiel gegen Steeds Hooger mit 5:3 und bleibt nur zwei Punkte zurück; Heerlen verlor gegen Geleen 1:3.— Im Kreis Süd-Holland gelangte in der ersten? Abteilung nur ein Spiel zum Austrag: DRZ verlor gegen Fortuna 0:3.— Im Utrechter Kreis gewannen die beiden Spitzenführer, und zwar schlütz Volharmng mit 5:0 Utrecht und Hilversum gewann gegen Soestdijk 5:2, Zeist dagegen verlor gegen Den Older 2:6 und hat jetzt sechs Punkte weniger als der Zweite(Hilversum), Buffum schlug Amersfoort 6:2.— Kreis Noord (Groningen): Affen gewann gegen Stadskanaal 5:4. — Im Kreis Hoorn besiegte die junge Mannschaft Schagen den Letztplacierten(A. Paulowna2) ,6:0. — Kreis Twenthe: Goor gegen Reede 5:0. Im Handball wurden ebenfalls die meisten Spiele nicht ausgetragen. Es siegte im Utrechter Kreis bei den Männern Utrecht gegen Amersfoort 5:0 und Hilverfinn 1 verlor gegen Utrecht 2 4:7; Frauen: Utrecht 2 gegen Hilversum 2 1:1. Korbball: Im Amsterdcnner Kreis gewann Het Oosten gegen Kameraadschap 5:3 und im Kreis Süd-Holland siegte Vrijheid gegen Hou Stand 3:1. Bo« der DT Die Deutsche Turnerschaft, Henleins Turnder- band, hielt in Schwaderbach dieser Tage ihre„Verbands-Schneeläufe" ab. Es ist interessant und wissenswert, was sich da so neben den.Schneeläufen" alles abspielte.„Der Sonntag wurde mit einer" — so melden jene Bläfier, welche der DT, und damit auch der SHF dienen—„eindrucksvollen Morgenfeier eingeleitet. In drei achtungsgebietenden Säulen nahm die Turnerschaft Aufstellung in Frontrichtung zur Jahnschanze, von der aus der mannschaftliche Führer(!) Willi Brandner(!) zu seinen Turnern und Turnerinnen von.Zuchtund Würde sprach und ihnen Dank für das, beispielgebende Durchhalten sagte." und nachdem diese„Feier" abgeschlossen war, gings marsch, marsch—■ in die Kirche, wo der Elhogener Kaplan Dr. Peter als Bezirksdietwart einen Gottesdienst mit Fest- predigt für Angehörige des römisch-katho- Die Bedeutung des Baikal-Sees Das Gebiet äm Baikal-See wird vom strategischen Standpunkt immer wichtiger. Im Rahmen des Dezentralisierungsprogramms der Sowjetregierung wurde vor einiger Zeit Irkutsk zur Hauptstadt der Burjätisch-Mongolischen Sowjetrepublik (BMSSR) gemacht. Das vor 300 Jahren gegründete und über 100.000 Einwohner zählende Irkutsk spielte schon im Bürgerkrieg eine große Rolle. Hier wurde auch Admiral Kolfichak erschossen. Während in Wladiwostok Koreaner die- Uniform der Roten Armee tragen, überwiegen hier die Mongolen. Der in den Baikalsee mündende Selenga ist das'Bindeglied zwischen der Aeußeren Mongolei und der USSR. Von Werchne-Udinsk an der Transsibirischen Bahn wurde eine Autostraße nach Ulan-Bator (Urga), der Hauptstadt der Aeußeren Mongolei, gelegt. Außerdem verkehrt von Jrkufik und Werchne- Udinsk eine Fluglinie nach Urga. Bis zur Fertigstellung der neuen Eisenbahnlinie um den Nordteil des Baikalsees'und von dort östlich zum Amur ist die Verteidigung des schmalen Landstreifens zwischen der SWküste des Baikalsees und der mongolischen Grenze eine Lebensfrage. Die Japaner bezeichnen den Baistrlsee als die natürliche Grenzscheide zwischen Europäisch- und Asiafisch-Rußland. Alles, was östlich liegt, gehört ihrer Meinung nach zu Afien, alles, was westlich liegt, wird Europa zugebilligt. Die Japaner rechnen auch damit, daß ein militärischer Zusammenstoß östlich des Baikalsees erfolgen müffe, da der Ferne Osten wegen der Verbindungsschwierigkeiten nicht zu halten sei. Darum beobachten die Sowjets auch mit argwöhnischen Augen die Versuche, vöfi Mandschukuo aus in die innere und neuerdmgs sogar tn>bte äußere Mongolei vorzudringen und im Westen von Hailungkiang, mit Hailar als Hauptstadt, eine selbständige mongolische Provinz zu schaffen.| Irschen Glaubensbekenntnisses abhielt, während für die Protestanten in der Neuen Schule der Gottesdienst stattfand. Und dann— später—„erbrachten die Wettkämpfer vor den Dietwarten den geforderten(!) Nachweis ihres völkischen Wissens". Wir registrieren das und stellen nur fest, daß dies Beginnen und dieselben Worte schon irgendwo in ebensolcher Form auch heute noch prattiziert werden. Abschluß der Fis-Wettkämpfe in der Hohen Tatra. Am Dienstag wurde der Langlauf Wer 50 Kilometer durchgeführt. Als Sieger ging der Schwede Eklund in 4:14:23 vor Karppinnen(Finnland) in 4:26:42 hervor. Als bester Mitteleuropäer placierte sich am fünften Platz der Schweizer Ogi in 4:35:32. An 12. Stelle kam Koldovsky (Svaz) in 4:50:35.— 59 starteten, 48 kamen ins Ziel. Ans der Partei Generalversammlung der Prager Bezirks- organisation. Montag, den 18. Feber, fand im Gewerkschaftshause in Prag eine zahlreich besuchte Generalversammlung der Prager Bezirksoraanisation statt. Zunächst gedachte der Vorsitzende Genosse Dr. Strauß der Opfer der Wiener und der spanischen Revolution sowie der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder der Bezirksorganisation. Hierauf erstattete Genosse Schönfelder ein ausführliches Referat über die Tätigkeit der Organisafion im letzten Jahre. Er gab einen Ueberblick Wer die polifische und organisatorische Arbeit der Bezirksorganisation, besprach das Vordringen in den einzelnen Berufen, referierte über die einzelnen Kulturorganisafionen und sfizzierte dann die Aufgaben der Partei im nächsten Jahre, insbesondere im Hinblick auf den kommenden Wahlkampf. Nach ihm sprach Genosse Mittenhuber, der den Kaffabericht erstattete und Genossin F r a n z e l namens der Kontrolle. An die Ausführungen der Berichterstatter' schloß sich eine längere Debatte, in der zahlreiche Redner sowohl über die politischen Aufgaben der Partei als auch über die organisatori- schen Aufgaben der Prager Organisafion sprachen. Nach abgeführter Debatte wurde sowohl dem Kassier als auch der abtretenden Bezirksvertretung die Entlastung erteilt. Bei den zum Schluffe vorgenommenen Wahlen wurde Genosse Richard Schönfeld er abermals zum Bezirksvertrauensmann gewählt. Der Film Abel Gance hat seinen neuen Großfilm„Napoleon" beendet, der im Verleih der Firma Merkur-Film erscheint. Die Widmung brütet in deuficher llebersetzung:„Ich bin überzeugt, daß mein Film Napoleon zur Freundschaft zwischen der Tschechoftowakei und Frankreich beitragen wird.— Abel Gance." Der Ruffenfilm„Tschapajeff", der Montag nachts im Bio Fänix" vor geladenen Gästen gezeigt wurde, schildert, dem vor einigen Jahren auch deutsch erschienenen Roman von Furmanow folgend, eine Episode aus dem Bürgerkrieg. Der ehemalige Volks!«.fiffär. längst verstorben, ist im Film eine der Hauptpersonen. Unter seiner verständnisvollen. belehrenden, anseuernden Einwirkung wird der Pnrfisanenführer Tschapajeff ein umssch- figer, nicht nur als Soldat, sondern auch politisch zielklarer Führer.— Die Handlung war, da ruffisch 'gesprochen wurde, nicht ganz zu verstehen, den Dialogen vermochte man..Icht zu wlgen. So blieb fast nur die Freude des Schauens. Unvetgeßlich bleiben die gewaltigen Kampftzenen, die die Roten im Ringen gegen gewaltige Uebermacht der Weißen und den Untergang des Helden Tschapajeff zeigen, vor allem der Parade-Vormarsch ausgewählter weißer Truppen. dieser höhnische, herausfordernde, verächtliche Vormarsch gegen die kleine Truppe Tschapajeffs. Aber es gab auch ein paar idyllische Details, die von größter Wirkung waren. Und der Tschapajeff Bob- v e k s gehört sicher zu den ganz großen Filmschöpfun- gen. K- Die russische RevolutionsgesLichte. von den in Gorkis„Mutter" geschilderten Arbeiterkämpfen über den Aufstand der Mafiosen des„Potemkim" zur März- und Oktober-Revolution und dem Bürgerkrieg, bietet dem russischen Film immer wieder' Stoff für ganz große künstlerische Schöpfungen. Und man braucht nur einen dieser Filme, man braucht nur den Bezirksorganifatiorr Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Sozialistische Jugend— Kreis Prag Sonntag, den 24. Fever» 20 Uhr kleiner Saal„Unitaria" Karlova— Annenskä. Feierstunde zum Gedenken an die Wiener Feberkampfe Beweist durch Euer Kommen» daß die Kämpfe des österreichischen Proletariats unvergessen sind! Einladungen bei den Jugendfunktionären und im Parteiheim. „Tschapajeff" gesehen zu haben, um zu verstehen, warum die„große nafionale Erhebung" des Haken- kreuzfascismus nicht ein wirkliches Kunstwerk inspiriert hat: Vernichtung der Freiheit und der Kultur kann nicht kunstzeugend wirken.—fb— Vcrclnsnadiriditcn BolkSfinggemeinde. Frauen- und Männerchor. Alle Sangesge- nosfinnen und Genosse« werden ersucht, amDienstag, dem 26. Feber, ausnahmsweise um.%8 Uhr abends zur ersten Probe deS gemischten Chores zu erscheinen. Allgemeiner Angestelltenverband, OttSgruppe Prag II, Närodni 4, Amtsstunden jeden Mittwoch von 6 bis 8 Uhr. Mittwoch, den 20. Feber, um 7 Uhr Besprechung der Baufachangestellten. Mittwoch, den 20. Feber, um 8 Uhr. Versammlung der Jungangestellten im Parteiheim, Närodni 4. Nächsten Mittwoch Ausschußsitzung. Nächste Mitgliederversammlung am 6. März mit Abgeordneten Macoun als Referenten im Gewerkschaftshaus am Perstyn. MM» Fest-Akademie am 6. April 1935, 8 Uhr abends, großer Radiesaal Gymnastik, Turnen, Gesang, Orchester• Nachher T»n> Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Es lebe der Selige." Lustspiel H. HaaS- Tsch.— Alfa:„Dtr rott Pimpernell." E.— Avion- „Der Sohn des King Kong." A.—- Bernnck:„Die hohe Schule." Rudolf Forster. D.— Fenixr„Coda l e a d e." A.— Flora:„Moskauer Nächte." Fr- — Hollywood:„Es lebe der Selige." Tsch.—• Hvkzda:„Ein Sohn Indiens." A.— Kinemo» B.-Th.: Journale. Groteske, Report. Ab 542—7.— Koruna:„Teilnehmer antwortet nicht.-." Detektivfilm. D.— Kawa:„W olkenstürmer." A. Lucerna:„Wolke«stürmer." A.— Olymp«! „Die hohe Schule." Rudolf Forster. D.— Prob«! „Das Meer ruft." Heinr. George. D.— Radio:„Dir hohe Schule." Rudolf Forster. D.— Skaut:„Der Dämon." E.— Svttozor:„E^ lebe der Selige."— Alma:„Grandhotel Nevada." Tsch.— Bastatt „Grandhotel Nevada." Tsch.— Carlton:„Der Herr ohne Wohnung." D.— Favorit:„Die hohe Schule-* Rudolf Forster. D.— Illusion:„Grandhotel Nevada." Tsch.— Lido:.Die hohe Schule." D.— Louvre:„Grandhotel Nevada." Tsch.— Mafitka- „Grandhotel Nevada. Tsch.— Roxy:„Grandhotel Nevada." Tsch.— Sport-Smichov:„Nocturna.* D.— Baldek:„Grandhotel Nevada." Tsch. Wenn Sie für die Düngung Ihrer Blumen den guten Blumen-Zauberdung verwenden, werde» Sie zauberhaft * schöne Blumen haben 1 Paket mit Postzusendung Ri 5*60 durch Verwaltung„Frauenwelt", Prag XII.» Fochova 62. Bei alle» Kolporteuren erhält!. Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab 1935 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutsch«» sozialdemokratischen Arbeiterpartei Verwaltung Prag XU.» Fochova tt. 62, züm Preise von 16 KC monatlich, und sende diese« Bettag nach Erhall des Erlagscheines ein. Name: Genaue Adresse:' Letzte Post:», Unterschrift: Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Hau? oder bei Bezug durch die Post monatlich fiö 16.—. vierteljährig KC 48.—, halbjährig KC 96.—. ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. 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