Nr. 44 Donnerstag, 21. Feber 1935 15. Jahrgang BnUpnliTQlMlR (einschtieBlich 5 Heller Ma| 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und vhwauuhg wag xiufochova a. hwon sw. AMMmuTKMiaNNSm. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAU*. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURS DR. EMU STRAUSS. FRAG. London-Paris einig? Keine Sonderverhandlung Uber den Luftpakt Paris.(Tsch. P.-B.) In Paris wurden die Beratungen deS britischen interministeriellen Unterausschusses, der, wie verlautet, der Meinung ist, daß die interessierten Regierungen den einzelnen Punkten der Londoner Erklärung vom 3. Feber nicht eine ungleiche Aufmerksamkeit widmen sollten, günstig ausgenommen. Die Ansicht des britischen Unterausschusses, der Rücksicht nimmt auf eine gegenseitige Abhängigkeit der verschiedene« Teile der Londoner Uebereinkunft, entspricht den Ansichten der französischen Regierung. Es hat den Anschein, daß nur noch die^»0* der franko-britischen Antwort auf die deutsche Rote verbleibe,«zw., obdieAntwortin einer gemeinsamen Rote erteilt werden solle oder ob nach einer eventuellen Zusammenkunft der deutschen und englischen Staatsmänner, wie sie in London gewünscht wird, die Annahme der deutschen Rote bloß bestätigt werden solle. Man nimmt an, daß eine Entscheidung in dieser Angelegenheit nicht sofort gefällt werden wird, und man wird, allem Anschein nach, die Zusammenkunft des Außenministers Sir John Simon mit Pierre Laval in Paris abwarten, wo Simon am 28. Feber eintrifft, nm einen unpolitischen Bortrag in der französischen Hauptstadt z« halte«. Trotz Galgen und Kerker— Der Kampf seht weiter Madrid. In Spanien ereignete sich Mittwoch der erste Arbeiterstreik seit den Ereignissen der Revolution. Gestreift wurde im asturischen Kohlen-Becken, welches bekanntlich den Schauplatz des Abwehrkampfes der Arbeiter bildete, und zwar brach der Streik gerade in jener Bergarbeiterortschaft aus, in welche der stärkste revolutionäre Widerstand geleistet worden war. Der Zivilgouver- neur verbot den Streik und die Grubendirektion drohte allen, die sich dem Streike anschlirßen würden, mit Entlassung. Trotzdem beteiligte sich die große Mehrheit der Arbeiterschaft an dem Streike. Abbau der Altersrenten in Oesterreich Wien. Der Ministerrat hat das bereits anqe- kündigte Bundesgesetz über vorläufige Maßnahmen zur Sicherung der Rentenfälligkeit der Angestelltenversicherung in den Monaten Märbis Mai erlassen. Auf Grund des heute in Kraft tretenden Gesetzes sind die in den Monaten März, -April und Mai 1938 fällig werdenden Beträge der JnvaliditätS-, Alters- und Hinterbliebenenrenten und die Pensionsverficherung zu kürzen, kund zwar beträgt die Kürzung der Jnvaliditäts- und Altersrente von 126 Schilling isioNatlich und darüber, und^ bei Witwenrenten von SO Schilling und darüber 20 Prozent. »Unter begeisterten Ovationen" Italienische Pioniere nach Ostafrika Reapel. In Anwesenheit des Prinzen von Piemont und unter den begeisterten Ovationen unübersehbarer Menschenmengen ging am Mittwoch daS 750 Mann«nd 40 Offiziere zählende Italienische Geniebataillon an Bord, um nach Afrika transportiert zu werden. Die Abreise von 400 fachgemäß ausgebildeten Industriearbeitern noch Afrika wurde auf Donnerstag verschoben. Harteiner Neger für Abessinien begeistert Wie aus New Nork gemeldet wird, hat dir Meldung von dem italienisch-abessinischen Konflikt in dem Stadtteil H a r l e m, wo hunderttausende von Negern wohnen, große Aufregung hervorgerufen. Ein Boykott gegen italienische Gaststätten, Speiseverkäufer Und Straßeichändler wird organisiert, eg- Oberst Herbert Julian, der als bester Negerslieger der Welt gilt, hat angekündigt, er werde in Begleitung von zehn anderen Negerfliegern mit -Wei schnellen Kampfflugzeugen nach Aden fahren und die Maschinen von dort aus auf dem Luftwege nach Abessinien bringen. Neue Zusammenstöße in Slavonisch-Brod? Agram. Rach Meldungen aus Slavonisch- Brod soll e» Mittwoch nachmittag in der Nähe de» OrtrS neuerlich zu blutigen Zusammenstößen Zwischen Gendarmen und aufrührerischen Bauern gekommen sein. Hiebei sollen 5, nach anderen Meldungen 11 Bauern getötet worden sei«. Eine amtliche Meldung über die blutigen Ereignisse steht noch aus; sie soll erst nach Beendigung der i« Zuge befindlichen Untersuchung veröffentlicht werden. Pfarrer Praskit verhaftet Agram. Der römisch-katholische Pfarrer PraZkiä, der der Urheber des Blutvergießens in Slavonisch-Brod sein soll, bei dem bekanntlich 7 Personen getötet wurden, wurde wieder verhaftet. Praskiä wurde seitens der vorgesetzten Kirchenbehörde seines AmteS enthoben. Er war bereits in der Borwoche wegen Aufreizung der Bauern zur Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung verhaftet worden, war jedoch nach dem Verhöre wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die gesamte Pariser Presse gibt ihrer Freude darüber Ausdruck, daß die französische und die englische Regierung kundgegrben haben, daß ihre Programmerklärung vom 3. Feber d. I. ein untrennbares Ganzes ist.„Petit Pari- fien" schreibt, daß die Verhandlungen nunmehr auf diplomatischen Boden gelangen, doch ist die Absicht, die gemeinsame englisch-französische Front z» spalten, nicht gelungen.„L Oeuvre" glaubt, daß dirette Unterredungen zwischen Deutschland «nd England erst in einigen Wochen nach voller Klärung des Standpunktes Englands, Frankreichs «nd seiner Freunde stattflndrn werden, Paris. Die vor einigen Tagen begonneneI Aktion der sozialistischen und kommunistischen Partei, gegen den österreichischen Bundeskanzler,„den Mörder der österreichischen Brüder", anläßlich seines Pariser Besuches Kundgebungen zu veranstalten, dauert an. So hat der sozialistische Aktionsausschuß beschlossen, Protestabordnungen sämt- lichcrBetriebc zur österreichischen Gesandtschaft zu schicken. Zur Ankunst des österreichischen Bundeskanzler am Donnerstag abends sollen sich die Pariser Arbeiter am Ostbahnhof zu einer Protestkundgebung versammeln. Washington.(Reuter.) Präsident Roosevelt empfiehlt in einer Botschaft an den Kongreß, daß die Wirksamkeit des Ausschusses für die nationale Erneuerung(NRA) um weitere zwei Jahre verlängert werde. Roosevelt umreißt bei dieser Gelegenheit in der Botschaft die von dem Ausschuß für die nationale Erneuerung bereits geleistete Arbeit und dessen Ziele für die Zukunft. Die Tätig- keft der NRA habe bei dem ametikanischen Volke einen günstigen Widerhall und dessen volle Unter- stützung gefunden. Der Plan der Neuregelung der industriellen Relationen werde bereits verwirklicht. lHie Ziele und die Haupkgrundsätze der NRA feien durchwegs gesund. Auf sie zu verzichten, sei nicht möglich, denn ihre Aufgabe würde die Rückkehr zu einem Chaos in der Industrie«nd in den Arbeitsbedingungen bedeuten., Es sei angezeigt, zu empfehlen, daß die einzelnen Industriezweige freiwillig die industriellen Lohn- ordnungen(Code), welche die RJRA ausgeärbei- tet hab«, annehmen. WenN sich aber dieser oder jener Industriezweig nicht freiwillig unterordnen wolle, müsse die Regierung die unbestreitbare Befugnis haben, bestimmte Minimalregeln einer anständigen Konkurrenz, insbesondere angemessene Es war zu erwarten, daß England in seinem offensichtlichen Entgegenkommen an Deutschland nicht so weit gehen würde, sofort mit Frankreich zu brechen und mit Berlin allein zu verhandeln. Es gehört zur Taktik Englands, daß es Fair play zu wahren scheint und den Franzosen das Zugeständnis macht, daß die Note ein Ganzes sei und die Antwort umfassend sein müsse. Die Gegenforderung Englands wird nun sein, daß Frankreich eben auf die deutschen Ansichten zum guten Teil eingehe. Und Laval wird das voraussichtlich tun und sich ebenso wie nach Rom und nach London einbilden können, e r hab« den Sieg ' über dt« englische These bavongetragen.- Ebenso schreibt der Aktionsausschuß derartige Versammlungen und Telegramme gegen die Verurteilung von zwei spanischen Sozialisten zum Todc vor. Unterwegs Wien. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg und Minister des Aeußern Berger-Walde n e g g haben sich Mittwoch nachmittags nach Paris begeben. In ihrer Begleitung befindet sich Legationsrat Hornbostel. Vor ihrer Abreise fand ein Ministerrat statt. Standardvorschriften in den Arbeitsbeziehungen anzuordnen. Das Recht der Angestellten, sich stei zu kollektiven Verhandlungen zu organisieren, müsse in vollem Umfange grwahtt und geschützt werden. Die Hauptgrundsätze der A n t i tr u stg c s e tz e müßten m angemessener Weise in di^Tat umgesetzt werden. Monopole und Preisfestsetzungen durch private Faktoren auf dem Gebiete der Industrie dürften nichtgeduldet werden. Im Falle einiger natürlicher Reichtümer, wie bei Kohle und Petroleum brauche das Volk der Ve».» einigten Staaten von Nordamerika die Kontrolle der Regierung über diese natürlichen Quellen, um ihre Verschwendung unmöglich zu machen und die Förderung zu kontrollieren. Der Oeffentlichkeit werde da der notwendige Schutz zuteil werden. Dem verderblichen Rückgang der Preise und der Einkommen.müsse Einhalt getan werden.. Die Art, die Anordnungen über die Code und jede die industrielle Praxis betreffende Regelung in die Tat umzuiehen, beruht nicht darin, daß wir bestrebt sein werden, die Leute ins Gefängnis zu werfen. Wir brauchen andere wirksamere Mittel, nm den Praktiken eines individuellen Vorgehens, die den eben ausgestellten Grundsätzen widersprechen, unverzüglich ein Ende zu machen. Ohne Diskussion keine Demokratie! Schikanen, aber keine Reslerunsskunst Der Staatsanwalt durch dessen Hände die Prager Zettungen gehen, hat Dienstag nachts neuerlich von seiner Gewalt über das gedruckte Wort Gebrauch gemacht und wegen der Veröffentlichung des Berichtes über die Verhandlungen am Verbandstage der deutschen Selbstverwaltungskörper, einige Blätter konfisziert. So wie einige Tage zuvor, wird diese Konfiskation mit einem Beschluß des Ministerrates begründet, nach wel^ chem über das Gesetz der Schuldenregelung der Selbstverwaltung, insolange nicht geschrieben werden darf, als das Gesetz nicht fix und fertig auf dem Tisch des Parlamentes liegt. Wir verstehen zwar nicht, warum dieser Beschluß gefaßt wurde, welche Wünsche oder Hoffnungen mit ihm verbunden sind, aber selbst dann, wenn dieser Beschluß zu hundert Prozent durch Gründe der Zweckmäßigkeit gerechtfertigt wäre, müßten wir immer noch gegen die Art der Konfiskation, bezw. des Verbotes der Berichterstattung über eine Rede« die sich mit dem Gesetz beschäftigte, protestieren. Der Beschluß ist aber an und für sich nicht n o t w endig und ohne jeden Sinn. Es handelt sich hier doch um ein Gesetz, das schon seit vielen Jahren von fast allen Parteien in diesem Staat« gefordert und umstritten wird. Ein Gesetz, das für die Entwicklung des Staates und für die ganz« Wirtschaft von großer Tragweite ist, ein Gesetz, über welches schon hundertemale in deutschen und tschechischen Zeitungen geschrieben wurde. Für niemand mehr sind die Grundzüge des Gesetzes Geheimnis, von niemandem aber auch wird in der Beröffenüichung der einzelnen Bestimmungen des Gesetzes, eine wirtschaftliche oder politische Gefahr erblickt. Im Gegenteil, je früher über die Schuldenregelung gesprochen und geschrieben werden kann, umso eher tritt in einer, an der Gesundung der Selbstverwaltung interessierten Wirtschaft, Ruhe und Festtgung ein. Die Verheimlichung bestimmter Beratungen Mer ein Gesetz führen zu überflüssigen Deutungen und sehr leicht zur Gerüchtemacherei, die in einem, von der Wirtschaftskrise durchrüttelten Staate, durchaus nicht zuträglich ist. Sie setzt vor allem aber den Gedanken der Demokratie herab, den zu heben bei einem starken Volke gerade jetzt von großer Bedeutung wäre. Alle Vernunft spricht also gegen den Stand- punkt der Regierung, gegen die Konfiskationen des Staatsanwaltes. Aber schließlich muß nicht jeder unsere gesunde Ansicht über die Diskussion der Schuldenregelung teilen. Aber auch dann haben die andern Unrecht! Sie haben Unrecht, weil man vor allem auch den Standpunk tder Regierung zu dem Verbot der Berichterstattung geheim hält.- In allen andern Fällen, in denen eine Staatskörperschaft aus Zweckmäßigkeitsgründen eine Erörterung durch die Presse nicht wünscht, teilt man dies rechtzeitig den Zeitungen mit. Die Zeitungen sind so in der Lage, sich dementsprechend einzurichten. Bei der Berichterstattung über da» Schuldenregelungsgesetz aber sowohl daS erstemal nach der Rede des Innenministers Cerny, als auch nach dem Verbandstäge der deutschen Selbst- verwaltungskörper, hat man den Redaktionen der Zettungcn keine Weisung gegeben. Obzwar man aus vorher erschienenen Berichten wußte, daß. die Rede des Innenministers in der Presse diskutiert werden würde, unternahm aber nichts, um diese Diskussion rechtzeitig zu stoppen. Man wußte auch jetzt bei allen entscheidenden Staatsstellen, daß der Verband der deutschen Selbstverwältungskörper zusammentritt, ja es sollen sogar an solche Stellen Einladungen für die Teilnahme an der Tagung ergangen sein und trotzdem hielt man es für überflüssig, dem Berbandsvorstand oder zum mindesten der Presse das Ersuchen, von einer Berichterstattung über die Verhandlungen Abstand zu nehmen, zu übermitteln» Ja noch mehr! Es scheint, daß nur der Prager Staatsanwalt von dem Beschluß des Mini- sterrätes über das Diskussionsverbot zu dem Entschuldungsgesetz eine Ahnung hatte. Bei den Konfiskationen in der Vorwoche und jener der Miü- wochzeitungen wurden nur jene Blätter konfisziert, welche in Prag erscheinen. DieProvinzzei-i Schuschniggs Empfang gebührend vorbereitet Protestkundgebungen am Pariser Ostbahnhof angekündigt NRA-Vollmacht für weitere zwei Jahre Abbruch der Planwirtschaft wäre Sturz Ins Chaos! Sette t Donnerstag, 21. Fever 183?» Nr. 44 t u n g e n konnten ausführliche Berichte über den Berbandstag bringen, ohne daß sie beanstandet wurden. Dazu kommt noch, daß auch der Prager Staatsanwalt Dienstag Abend noch nicht, wußte, wie er sich zu Verhalten habe. Auf einen telephonischen Anruf zur Bekanntgabe seiner Haltung zur Berichterstattung über den Berbandstag, wurde einer Redaktion die Antwort zu teil, ihm sei nicht bekannt, daß über die Tagung nicht geschrieben werden dürfe. Die Redaktionen wußten also abends um 11 Uhr noch nicht, in welcher Form und ob überhaupt berichtet werden dürfe. Und da- gegcn wenden wir unS hauptsächlich, daß man die Man schreibt uns: Seit der Bluttat von Z ä h o k i bemühen sich die Behörden um erhöhte Agilität. Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Presse nicht eine oder mehrere Verhaftungen aus polittschen Gründen meldet. Seit dem Verbrechen an Jng. F o r m i s befinden sich unter den Verhafteten eine auffallend große Menge von Emigranten oder P s e u d o-E Migranten. Erstaunlich bei diesen Verhaftungen bleibt die Tatsache, daß die Behörden oft selbst nicht wissen, ob sie es mit einem Nazi-Emissär, der in der Maske des Emigranten auftritt, zu tun haben, oder ob der Verhaftete eine illegale kommunistische Tättgkeit entfaltet hat, also beides ungesetzliche, aber diamettal entgegengesetzte Handlungen. Wieso diese Unsicherheit der Behörden? In erster Linie wohl durch Mangel an Personal, das die deutsche Sprache genügend beherrscht, um aus Aussagen oder belastendem schriftlichen Material, das bei den Verhafteten vorgefunden wird, die Wahrheit herauszulesen. Eine Kenntnis der deutschen Sprache, die mit dem Lexikon in der Hand gestützt werden muß, genügt nicht zur Untersuchungstätigkeit einer Spionagezentrale. So befremdend es auch klingt, so ist es dennoch Tatsache, daß beispielsweise in der Nachrichtenabteilung der Prager Polizei(Spionage- zenttale), die über die gesamte Spionagetätig- keit zu wachen hat, kein einziger Beamter die deutsche Sprache wirklich vollendet beherrscht! Ein Zustand, der in einem Staate, der ständig gerade von deutschen Spitzeln und Spionen unsicher gemacht wird, unhaltbar ist. Die Folgen dieser Sprachunkenntnis hat man in eklatantester Form schon vor Jahren anläßlich des B o l k s s P o rtproze s' s e s wahrnehmen können, in dem viele, angeblich belastende Schriftstücke vorgelegt wurden, die nur durch eine verstümmelte Uebersetzung zu illegalen Schriften wurden und von der Verteidigung durch Hinweis auf diese Uebersetzungsfehler leicht widerlegt werden konnten, während tatsächliches Belastungsmaterial unberücksichtigt blieb, weil die mit der Untersuchung betrauten Polizeibeamten kaum die Zeilen,' geschweige denn zwischen den Zeilen, also den Sinn der Sätze lesen könnten. Für dieses unhaltbare Uebel kann aber der Letter der Prager Nachrichtenabteilung, Oberrat JUDr. Benda keineswegs verantwortlich gemacht werden. Hier liegt ein Verschulden des Systems vor, das in dieser Polizeiabtei» Zeitungen, die doch berufen erscheinen an der Gesetzwerdung mitzuarbeiten, die doch in einer Demokratie eine, die ganze Entwicklung des Staates mitbestimmende Funktion haben, nicht als Mitarbeiter, sondern als feindliches Element betrachtet. In diesen Tagen jedoch fehlt es an entscheidender Stelle des Staates an dem Verständnis für die Presse und damit auch für die Zusammenarbeit aller für die Demokratie wirkenden Kräfte. Deswegen protestieren wir gegen die hier aufgezeigte Konfiskattonspraxis und fordern Beseitigung dieser einer Demokratie unwürdigen Schikanen gegenüber der Presse! lung keinen Beamten duldet, der deutscher Muttersprache ist. In der P r o v i n z wiederum haben die Nattonalisierungsbestrebungen dazu geführt, daß alle Verantwortlichen Posten durchwegs mit Tschechen besetzt wurden und so müssen sich nunmehr tschechische Beamte der Aufgabe unterziehen, gegen deutsche Einwohner und deutsche Spitzel schwierige Untersuchungen zu führen, wobei sie sich oft gar nicht verständigen können. Daß unter solchen Umständen nur allzuoft daneben gegriffen wird oder daß Tatsachen, die schon die Spatzen am Dach pfeifen, erst post festum zu Ohren der Behörden gelangen, ist selbswerständlich. Weiter macht es die schlechte Organisatton des Nachrichtendienstes, der nicht über genügend Telephone, Mowrfahrzeuge, Sender usw. verfügt, unlauteren Elementen leicht, sich unerkannt und unerfaßt auf dem Boden dieses Staates zu bewegen. Geldmangel darf hier nicht ins Gewicht fallen, denn die gute Organisierung einer Spionageabwehr ist eben wichttg. Eine Geldftage ist auch die Wahl der geeigneten Personen für die Dienste der Spionageabwehr. Das Gehalt, das beispielsweise ein D e t e k t i v der Prager Nachrichtenabteilung bezieht, übersteigt nach vieljähriger Dienstzeit kaum tausend XL und auch Beamte mit juristischem Doktordiplom haben selten ein höheres Einkommen, als fünfzehnhundert XL. Wenn auch in keinem Staat die politische Polizei derart reich mit Geld dotiert ist, wie es uns phantasiebegabte Kriminalschriftsteller und Filmleute einzureden versuchen, hat jeder Staat unter seinen politischen Agenten Leute, die genügend gut bezahlt sind, um sich in allen Kreisen bewegen zu können. Bei uns muß es sich ein Detektiv lange überlegen, ob er eventuell die einfache Zeche in einem Kaffeehaus riskieren darf, da seine Einkünfte nur spärlich find und ihm die Spesen selbst bei erfolgreicher Arbeit niemand ersetzt. Es ist richtig, daß bevorzugte Detekttve der Prager Polizei, das heißt solche, die den Vorgesetzten besonders fähig erscheinen, einen Spesenbeittag erhalten. Der Spesenbeittag beträgt pro Jahr 200 XL —«ine Ziffer, die alles sagt. Ja sogar fteie Fahrt auf der Sttaßenbahn genießen nicht alle Detektive und bis vor einem Jahr mußte sich sogar jeder Detekttv für sein eigenes Geld eine' Schußwaffe anschaffen, wollte er einem Verbrecher nicht mit unbewaffnettr Hand entgegentre- ten! Zu einer klaglosen lleberwachung der ein- und ausreisenden Ausländer ist ferner notwendig, daß die Vorschriften über die Meldepflicht derart verschärft werden, daß jeder wirkliche Emigrant seiner Meldepflicht unter allen Umständen nachzukommen genötigt ist, um Schwierigkeiten und Bestrafung auszuweichen. Um festzustellen, wer trotz Rechtsbelehrung illegale Tätigkeit entfaltet, oder gar Spionage betteibt, bedarf es einer Reihe von Agenten, deren Sprachkenntniffe genügend weit gehen und die mit solchen Geldmitteln versehen sind, daß sie«ich frei bewegen können. Eine Reorganisatton des technischen Apparates ist selbstverständlich. Die für diese Zwecke aufgewendeten Geldmittel werden sicherlich nicht zu bereuen sein. Gründliche Untersuchungen in Kladno Für die Unternehmer äußerst unangenehm Die amtliche Untersuchungskommiffion in Kladno hat bis jetzt Erhebungen auf der Grube M a y r a u der Prager Eisen durchgeführt. Bei der Zusammenstellung des abschließenden Berichtes forderten die Arbeitervertteter in der Kommission eine Ergänzung der Unter-' s u ch u n g in der Richtung, daß auch der Stand und die Aenderungen innerhalb der Belegschaft (Abgänge durch Sterbefälle,. Provisionierung etc.), das Durchschnittseinkommen der einzelnen Kategorien,, die Lohnabzüge und die Höhe der sozialen Leistungen pro Kopf der Belegschaft überprüft und eine detaillierte Uebersicht über den Absatz und die Preise der Kohle gegeben werde; namentlich sollten auch die Steiger über die Personalverhältnisse, die Ueberzeitarbeit usw. einvernommen werden. Die Vertteter der Gewerke protestierten gegen einzelne dieser Anttäge mit dem Hinweis darauf, daß dadurch angeblich das Geschäftsgeheimnis verletzt werde. Die Kommission ließ jedoch die Mehrzahl dieser Anträge zu und schritt sofort an ihre Durchführung. Noch am Samstag vernahmen Vertreter des Ministeriums das Grubenauffichtspersonal. Dienstag fuhr die Kommission neuerdings in die Grube ein, um fest- zuftellen, ob nicht durch Sperrung gewisser Grubenteile, ohne sie durch neue zu ersetzen, die gesetzlichen Vorschriften Wer den ununterbrochenen Bettieb umgangen werden. Aus all dem ist zu ersehen, daß die Kommission gründliche Arbeitet leistet. Als nächster Schacht kommt die Grube„M a x" an die Reihe. Der Landesausschutz für Böhmen beschloß in seiner Sitzung vom 20. Feber 1838, daß am Tag« des 88. Geburtstages des Präsidenten der Republik, T. G. Masaryk, eine Festsitzung der Landesverttetung abgehalten werde. Gleichzeittg empfahl der Landesausschuß, daß die Landesver- trettmg zur, Ehrung des Geburtstages des Prä- sidenten der Republik die Gründung einerseits einer Stiftung für die Heilung von Lupuskranken, andererseits einer Sttstung fiir die Heilung der Krebsttankheiten beschließen und beiden Stiftungen je eine Million XL widmen möge. Außer den laufenden Angelegenheiten erledigte der Landesausschuß 280 Gemeindevoranschläge, bewilligte 230 Gemeinden die Einhebung verschiedener Abgaben und Gebühren und stimmte weiters dem Beschlüsse der Zentralverttetung der Hauptstadt Prag über den Abschluß einer Anleihe in der Höhe von 7 Millionen XL für Zwecke der Gemeindegas- vle geschlossene Saargrenze Saarbrücken.(A. P.) Die Zollunion zwia schen Frantteich und dem Saargebiet hat aufge« härt» die Saargrenze ist geschlossen. Bis zur letzten Minute herrschte ein geradezu ungeheuer reger Güterverkehr, denn die Saarländer nutzten alle Möglichketten aus, um sich die Waren zu verschaffen, die man nun nicht mehr so billig wird haben können. Die Nachftage erstreckte sich fast aus alle Gegenstände, nicht nur auf Getteide, Mehl« Oel, Fett, Weine, Liköre, Salz, Gewürze, Kaffee, Seife etc., sondern sogar auf— Automobile. Da die Leiter der Deutschen Front angekündigt hatten, daß nach der Rückgliederung bei allen Kaufleuten und Industriellen ein Inventar der ausländischen Waren ausgenommen werden soll, wurde ein großer Teil der eingeführten Produkte bei Privatleuten deponiett. An den GrenzWer« gängen bei Saargemünd und Forbach kam es förmlich zu Verkehrsstockungen, zumal gleichzeittg aus dem Saargebiet Möbelwagen mtt dem Mobiliar des Personals der Domanialgruben und der Wrigen zurückkehrenden Franzosen kamen. Der Eisenbahnverkehr war ebenso intensiv. Die Waren wurden natürlich nur gegen bar geliefert. Außerdem haben die Saarländer in großen Mengen französis cheFrancsbei den lothringischen Sparkassen in Sicherheit gebracht. Teils ließen sie rechtzeitig ihre Konten bei den saarländischen Banken auf französische Banken überweisen, teils brachten sie selbst ihr Gold herüber. Hitler noch immer krank? Paris.„Le Matin" meldet ans Berlin, daß Reichskanzler Adolf Hitler noch immer an einer Halsttankhett leide und daß sein Befinden nicht zuftiedenstrllend sei. anstatt in Prag, insbesondere zur teilweisen Deckung der mtt dem Kaufe der Libener Gasanstalt von der Imperial Continental Gas Association in London fiir 14 Millionen XL verbundenen Aufwendungen zu. Diesen Kauf genehmigte gleichzeittg der Landesausschuß. Die Privatangestellten und die Berkürzung der Arbeitszeit. Der parlamentarische Ausschuß für Privatangestellten-Fragen hielt am Mittwocy, dem 20. Feber, unter dem Vorsitz des Abg. Kl e i n eine Sitzung ab. Das Referat Wer die Regelung der Arbeitszeit hielt der Abgeordnete Petr. Die Debatte über die künftige legislattve Regelung klang in der Forderung aus, daß die kürzere Arbeitszeit durch das. Gesetz geregelt werde und dies auch für die Privatangestellten, deren Arbeitsver-• hältniffe es erfordern, daß sie in dem neuen Gesetz in geeignet,e,x Meise geschützt werden. Es handelt sich um die Gefahr der Einführung neuer Ma-' schinen, die«ine Verringerung der'ArbeitSstunden ersetzen würden, so daß die Absicht der Regierung, durch die Kürzung der Arbeitszeit Beschäftigungslose in den Arbeitsprozeß einzustliedern, nicht verwirklicht werden würde. Eine Arbeit-« inspektion für alle Zweige der Privatange- stellten-Arbeit sei von dringender Notwendigkeit. Abg. Klein referierte über die Regierungsverordnung betreffend das Offenhatten der Läden in der Slowakei und in Karpathorußland und verwies auf die Notwendigkeit einer Erweiterung dieser Vorschriften auch für die übrigen Gebiete des Staates hin. Die Frage der Sonntagsruhe erfordere ebenfalls eine Regelung. Dee Ausschuß wandte auch der Praxis der Betriebs- auSschüffe sein Augenmerk zu. Spradisdiwlcrlgkcllcn und Ihre folgen Emigranten-Ucberwadiung: Ja!— Aber wie? nadi Uufo# Roman von FrHz Rosenfeld „Die Brücke ist gesprengt", sagten sie.„Wir tonnen nicht weiter. Vorn aÄritet schon die Gendarmerie. Sie suchen die Täter. Sie haben schon eine Spur. Wir müssen zur Station zurück. Vielleicht kann man den Zug umletten." Signalpfeifen, Türen klappten zu, Lichter schwankten vorüber, ein Schuß kracht, die Lokomotive schickte einen langgezogenen, weinerlichen Pfiff in die Nacht, die Räder knirschen, der alte, rollende-Rhythmus rauscht wieder auf. Es war totenstill im Zug. Carlotta blickte auf den Vorhang, der das Fenster verdeckte, sie starrte ihn an, als läge hinter chm das Märchenland und die Feenhand wäre nahe, die ihn beiseite schob. Marcel hat eine neue Zigratte angezündet. Der Zeichner verstaut seinen Block im Koffer. Frau Avory rechnet in Gedanken: der Ausfall der ersten Vorstellung in Dpsilon—. Cabrolle und Kilrnek begannen eine neue Partie. Die Bierflasche war leer, Cabrolle holt eine neue hervor. Olavsen, die Pfeife im Mund» betrachtet nachdenklich seine Stiefelspitzen. Er sieht doch wie ein Detekttv aus, dachte Morvilius, wenn er für einen Herzschlag von seinem Heft aufblickte. Die Girls hielten einander an den Händen, das Grammophon stand offen, aber der Teller blickt blind mtt dunkelviolettem Samt. Jakob Halling war der einzige im Zug, der lachte. Er lachte still in sich hinein: Es konnte nicht anders sein auf dieser Heimfahtt, das Schicksal saß ihm im Nacken und spielte ihm wieder einen Streich. Gregor schlief, die beiden Frauen betrachteten sein wachsbleiches Gesicht, über das dunkelrote Ficberflecken liefen. Die Schaffner standen im Seitengang und flusterten. Der Heizer schaufelle Kohle unter die Kessel, der Lokomotivführer ftartte durch das stählerne Auge der Maschine geradeaus. Bor ihm liefen die Schienen zurück, immer größer wurde die Strecke, die zwischen dem Zug und der Brücke lag. Aus dem letzten Wagen tönten einsam« Hupensignale, wie der Schrei verwunderter Tiere schnitten sie sich ins Dunkel ein. Langsamer fahren, kam das Signal. Die Station war da. Langsamer, immer langsamer. Der Lokomotivführer beugte sich aus der Maschine. Der Riesenschatten eines Hauses, gegen den dunklen Himmel gestellt, man mußte scharfe Augen haben, um die Umrisse der Station zu erkennen. Der Bahnsteig war finster. Nur im ersten Stock- werk, im Zimmerndes Stationsvorstands, brannte hinter dem offenen Fenster eine Kerze. Der Stationsvorstand lief dem Zug entgegen, die Haare hingen ihm naß ins Gesicht, seine Augen suchten die Fensterreihe ab, es war, als fürchtete er, daß ein Gewehrlauf sich gegen ihn richten, eine Handgranate auf ihn losschnellen könnt«. De^Heizer sprang ab, berichtete mit kurzen, hastigen Worten. Als der Zug hielt, flogen die Türen auf, Gestalten stürzten hinaus, Gepäckstücke im Arm, flatternde Mäntel bezeichneten ihren Weg. „Die Telephonleitungen sind stromlos", sagte der Stationsvorstand,„wir haben kein Licht, wir wissen gar nichts. Drei Patrouillen kamen durch, sie wurden zur Brücke geschickt, sie suchen di« Landstraße ab, ich bekomme keine Verbindung, nicht einmal mit dem Dorf. Wir sind abgeschnitten, niemand weiß, was eigentlich vorgeht." „Drüben soll Revolution sein, in Apsilon", sagte Olavsen.„Ich glaub nicht dran." „Revolution?" Der Stationsvorstand ttß die Augen auf. Das Wort war weit wie der Ozean, sein Umfang größer als die Wett, man sprach es nur mit Scheu aus, niemand konnte es fassen, es entglitt und zerrann zu einem unbegreiflich dunklen Klang.„Revolution?" „Können wir in den Wartesaal gehen?" fragte Frau Avory.„Und gibt es vielleicht ein GlaS Tee?" „Selbstverständlich", erwidette der Stattons« Vorstand. Dann erinnerte er sich:„Aber es ist dunkel— ich mutz Kerzen auftreiben— ich werde inS Dorf hinunter schicken—" Er lief geschäftig den Bahnsteig entlang. Olavsen ritte ihm nach. „Wenn Sie jemanden ins Dorf schicken— lassen Sie den Arzt verständigen. Ein Kranker ist im Coupe. Ich werde dafür sorgen, daß er in den Wartesaal gebracht wird. Gibt es hier ein Büfett?" „Gewiß, gewiß, drWen, im Warteraum erster Klaffe. Marinka ist noch bestimmt dort und der Kellner dürfte auch noch nicht ftrtgegangen sein." „Also knüpfen wir mtt Marinka Verhandlungen über die Lieferung einer Taffe Tee an," sagte Olavsen.„Kommen Sie, Frau Avory." Frau Avory mißtraute Olavsen sett dem Vorfall mtt der Kognakflasche. Sie teilte die Feindseligkeit der Schwestern gegen den Journalisten, der sich als Retter in der Rot aufspielen und den andren befehlen wollte. Sie hatte immer eine Abneigung gegen Journalisten gehabt, im allgemeinen behandelte die Presse ihr Unternehmen zwar fteundlich, aber es gab Rezensenten, die ab und zu eine versteckte boshafte Bemerkung einfließen zu lassen und unerwünschte Vergleich« mit der Konkurrenz anzustellen pflegten. Man mußte sich mit ihnen jedoch gut stellen, man konnte nie wissen, wann man sie brauchte. „Sie kennen meine Truppe gewiß, Herr Olavsen" flüsterte Frau Avory.„Sie haben sie sicher gesehen. Ich habe die besten Künstter—' „Ja, es scheint ein wanderndes Narrenhaus zu sein", erwiderte Olavsen unfreundlich.„Dort ist das Büfett. Nun suchen wir Marinka." Der Wartesaal erster Klasse glich der Gaststube eines kleinen BorftadtwirtShauseS. Drei Tische, ungedeckt, ein paar Sessel, eine Bank, die an den Wänden entlang lief, ein paar verblaßte Bilder an den Mauern, Aufnahmen der Landschaften, durch die die Strecke führte, schüchterne Versuche moderner Fremdenverkehrswerbung an einem Pttrtz, an dem sie völlig sinnlos waren. Eine Tür führte auf den Perron, die andre auf die Straße. In einem Winkel war das Büfett, das durch ein Glasfcnster mit einer Küche in Verbindung zu stehen schien. Ein paar Tafeln Schokolade, drei Orangen, zwei Bananen, einige Flaschen Selterwasser, Zuckerstaiigen, auf denen schon Gerenatio- nen von Fliegen gesessen hatten, an der Wand in einem primitiven Drahtgestell Ansichtskarten, auf denen der StaW lag. „Wo steckt denn Marinka?", rief Olavsen, als wäre er hier zu Hause, ein alter Stammgast. „Marinka, wir brauchen Tee!" Marinka tauchte auf, ein Mädchen von achtzehn Jahren, sttohblond, mtt großen, ganz Hellen Augen, einer Stupsnase, einer geflickten Bluse und einer buntscheckigen Schürze, die aus hundert verschiedenen Stoffresten zusammengesetzt schien. „Tee", sagte Olavsen.„Eine große Tasse heißen Tee". „Tee", wiederholte Marinka und nickte. „Und Rum, recht viel Rum". „Rum", wiederholte Marinka und nickte. „Und Zucker, recht viel Zucker". „Zucker", wiederholte Marinka und nickte» nicht mehr so ernst, wie am Anfang. „Und dann bringen sie ein paar Kiffen, eine Decke. Wir haben einen Kranken im Zug". „Kiffen, Decke, ein Kranker", wiederhotte Marinka und nickte, mit einem scheuen Lächeln» daS nicht aus den Mundwinkeln hervorzukriechea und sich über die Wangen zu verbreiten wagte. „Gleich, alles kommt". „Na also", sagte Olavsen.„Jeüt holen tv^ den Patienten". (Forttetzung folgt.) Dkr. 44 Donnerstag, 21. Feier 1935 Seite 3 fade^endeufe(fier Zeitspielen .d.L. lehnt Verschmelzung Neue Konflikte Im bürgerlichen Lager mit der SHF ab beiter denkt und dabei die Unvernunft des Bürgertums ins Kallül zieht, geradezu grauenhaft anmutet. Die Frauen stehen zur Partei Prag.(Tsch. P.-B.) Die Pressestelle der SHF teilt parteiamtlich mit: „Nach längerer Unterbrechung wurden gestern, am 19. Feber, die Besprechungen zwischen der Sudetendeutschen Heimatfront und dem Bund der Landwirte wieder ausgenommen. Nachdem die früheren Unterhandlungen ergebnislos geblieben waren, der Wille der Wählerschaft jedoch eindeutig die Zusammenarbeit und Einigung fordert, trat die SHF mit völlig neuen Vorschlägen in die Verhandlungen ein. Auch diese neuen Vorschläge der SHF entsprangen der Ueberzeugung, daß nicht Wahl- oder Mandatsabkommen den Weg zur Volksgemeinschaft freimachen, sondern daß ausschließlich eine dauernde Zusammenfassung aller aufbauwilligen Kräfte zur echten politischen Einheit des Sudetendeutschtums führen kann. Die SHF konnte feststellen, daß grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten in der Zielsetzung der angestrebten Zusammenfassung nicht im Wege stehen. Die SHF schlägt vor, aus dem Landstande und der SHF als Kerngruppen unter Verzicht auf selbständige Parteigliederungen eine neue einheitliche Organisation zu schaffen, die allen aufbauwilligen Kräften des EudetendeutschtumS offen stehen soll. Die SHF hat mit diesem Vorschläge neuerdings unter Beweis gestellt, daß ihr eine wahre politische Einigung des Sudetendeutschtums höher steht als di« Erhaltung ihrer Parteipositionen. Das Tschechoftowakische Preßbüro wurde ermächtigt, zu vorstehender Nachricht folgendes zu erklären: Die Reichsparteileitung des Bundes der Landwirte hat den Vorschlag der SHF auf Verschmelzung der beiden Parteien selbstverständlich mit Entschiedenheit abgelehnt. * Die Verhandlungen im deutschbürgerlichen Lager sind mit der ebenso kurzen wie energischen Abfuhr, die der B. d. L. der SHF hat zuteil werden lasten, offensichtlich in ein neues Sta dium getreten. Der Antrag der Verschmelzung ist ein Manöver der Henleinfront, das sie nicht zum erstenmal und Wohl auch nicht zum letztenmal wird angewandt haben, um ihr Prinzip der Totalität hurchzudrücken oder aber die Andern für das Scheitern der„nationalen Einheit" verantwortlich zu machen. Es ist z u verstehen, daß d e r B. d. L. s i ch d e m D i k- tat zum Selb st mord nicht gebeugt hat. Er würde in der neuen Bewegung bald die Rolle spielen wie einst Hugenberg und die Deutschnationalen in der Harzburger Front. Die zahlenmäßig stärkere, rücksichtslosere,.von dem fascistischen Totalitätsstreben durchtränkte Gruppe würde in wenigen Monaten die Reste der alten Landvolksbewegung zerrieben haben. Die Ablehnung des demagogischen Angebots kann dem B. d. L. freilich insofern schaden, als Henlein jetzt gegen ihn mit dem Argument auftreten wird, der B. d. L. sei gegen die nationale Einheit, während die SHF sie in selbstloser Weise habe opfern wollen. Daß die SHF nichts opfert, sondern nur gewinnt, wenn sie sich als nazistische Bewegung durch Spina tarnen kann, wenn sie den Landbund verschluckt und sich zum Partner der tschechischen Agrarier macht, das wird Henlein den Wählern ja nicht erzählen. Gegen die neue Einheitsdemagogie wird sich der B. d. L. nun zu wehren haben. Er hat aber andererseits nur durch die strikte Ablehnung des Manövers stch und die selbständige Bauernbewegung sichern können. Der Ausgang de? Kampfes, der nun zwischen Spina und Henlein entbrennen muß, wird wesentlich von der Energie des B. d. L. abhängen. Wenn er sich entschließen wollte, endgültig mit Henlein zu brechen und die Z i« r h u t und Hacker zur Raison zu bringen, würde er jedenfalls Lester fahren, als wenn er in wenigen Tagen von neuem Herrn Hacker als Friedensboten zu Henlein schickt. Zu Ende ist das großeRin- gen um die Mandate und um die Totalität im deutschbürgerlichen Lager sicher noch nicht. Aus dem Bezirk Graslitz wird über eine erfolgreiche Werbung unter den Krauen berichtet. Im Jahre 1934 wurden dort drei neue Frauen- sektionc» ins Leben gerufen. Am vergangenen Sonntag fand nun wieder eine stark besuchte Frauenversammlung in P e ch b a ch statt. Nach einem Referate der Genossin Schaffer traten 43 Frauen und Mädchen der Partei bei. Es wurde beschloffen, eine eigene Frauensrktion zu bilden. Mit diesem neuerlichen Erfolge wurde im Bezirke Graslitz das erste Tausend sozialdemokratisch orgauisierter Frauen über- schritten. Sie traben In die Veite? Nach einem Berichte in der„Reichenberger Zeitung" vom letzten Mittwoch, fand Montag abends jn Trautenau eine Versammlung der Konflikt Vetklen-Lcicbsrüt verschärft Budapest.(Tsch. P.-B.) Die Propaganda- und Organisationshanptgruppe der Partei der nationalen Einheit befaßte sich Mittwoch in einer Konferenz mit den in Szentes«egen die Partei und die Person des Grafen B e t h l e n gerichteten Angriffen des Abgeordneten Eckhardt. Sie wies diese Anfeindungen in energischem Tone zurück. Daö Komitee beschloß, diese Angriffe am Donnerstag auf der Konferenz der Parteileitung zur Sprache zu bringen«nd die Regierung zur Vornahmeder notwendigen strafrechtlichen Schritte aufznfordern, fahs es sich erweisen würde, daß die Szentefer Angriffe gegen daS Strafrecht verstoßen. Der gewesene Ministerpräsident Brthlen weift in einer Presse-Erklärung die Angriffe ebenfalls schärfstens zurück und betont, daß er es als unter seiner Würde stehend halte, auf persönliche Angriffe näher einzugehen. Die Theater-Subventionen nur gegen monatliche Vorlage des Spielplanes Der Landesausschuß für Böhmen hat Mitt, woch u. a. auch die Subventionen für die Theater beschloffen. DaS heißt, es erfolgte nur die grundsätzliche Entscheidung über die Aufteilung der für die Theater vorhandenen Mütel; die Uebertveisung der Beträge selbst hängt von der Erfüllung der Bedingungen ab, die mit diesem Beschlüsse festgelegt wurden. Nach diesen Bedingungen kann eine Subvention nur ausbezahlt werden, wenn 1. das in Frage kommende Theater das Ansuchen um die Bewilligung einer Subvention zeitgerecht eingebracht hat, 2. wenn die Verrechnung über die Subvention für das Jahr 1934 dem Lande borgelegt wurde und 3. wenn das Repertoire jeden Monat zur Ueberprüfung vorgelegt wird. Theater, welche diese Bedingungen einhalten, bekommen, insmveit sie mit eurer Subvention bedacht wurden, die Hälft« der Subvention am 15. April und den Restbetrag am 15. Öttd&er ausbezahlt. Nach dem grundsätzlichen Entscheid erhält: Deutsches Landestheater in Prag 450.000 Kö, Stadt« theater Aussig 45.000 XL, Stadttheater T« p l i tz 45.000 XL, Stadttheater Reichen- berg 45.000 XL, Brüx 45.000 XL und Ege e aÖjOOO Kd. Ä■ Gespenst Arbeitslosigkeit... Jeder achte Einwohner— jeder sechste Erwachsene und jeder dritte Arbeiter brotlos Jn Trautenau zählt man 15.000 Einwohner und unter diesen 1600 Arbeitslose. DaS ist die feststehende Zahl; in Wirklichkeit werden es weit mehr sein. Es ist also bei Zugrundelegung dieser Ziffer schon jeder achte Mensch, der in Trautenau lebt, ohne Arbeit. Wenn man aber die Kinder und Greise aus dieser Zahl herauS- nimmt, dann kommt man zu ungefähr 10.000 arbeitsfähigen Einwohnern der Stadt und damit zu dem Ergebnis, daß nur jeder fünfte arbeitsfähige Mensch sich sein Brot durch seine Hände Arbeit erwirbt und wenn man aus dieser Ziffer nun auch noch die Angehörigen der freien Berufe, der selbständig Erwerbenden und der Festbesoldeten ausscheidet, bleiben nur noch zirka 5000 Menschen übrig, von denen also nahezu zwei- tausend oder jeder dritte arbeitslos ist. Eine Tatsache, die wenn man an die Zukunft unserer Ar- Versöhnungsjustiz In Oesterreich Wien. Das Wiener Ehepaar Matthias und Barbara Haberle und Karl Kompers waren Mittwoch vor einem Schöffengericht wegen Vorschubleistung zur Flucht politisch verfolgter Schutzbündler und anderer Sozialdemokraten nach der Tschechoslowakei angeklagt. Der Gerichtshof verurteilte Kompers zu zehn Monaten, Haberle zu zwei Monaten und seine Frau zu einem Monat strengen Arrest. Voikssdstimmuns über die Schweizer Wehrvorlasen Bern.(Tsch. P.-B.) DaS Bundesparlament hatte im September 1934 einen Gesetzentwurf verabschiedet, durch welchen die militärische Ausbildungszeit bei der Infanterie, den technischen Waffen, der Artillerie und der Kavallerie verlängert wird. Die kommunistische Partei beantragt, daß über diesen Gesetzentwurf eine Volksabstimmung durchgeführt werde und sie hat nunmehr die hierzu erforderliche Anzahl von Unterschriften beschafft. Am 23. und 24. Feber wird daher in der Schweiz ein Referendum über diese Frage stattfinden. SHF statt, die in der Hauptsache von Handelsund Gewerbetreibenden besucht war, weil diese zum Besuch der Versammlung besonders eingeladen wurden, denn die müssen tüchtig bearbeitet werden, wenn bei den kommenden Wahlen nicht ihre Stimmen für die SHF verloren gehen sollen« An Stelle des Herrn Enhuber redete der Kreisgeschäftsführer Haar über die Parole: Jeder für jeden! Nämlich jeder Arbeiter für jeden Fabrikanten. Aber das sagt man nicht, sondern denkt es nur und rechnet, wie es immer beim Bürgertum war, mit der Dummheit der Masse. Nachdem außer Enhuber noch, einige Parteigrößen gesprochen hatten, wurde die Versammlung mit dem Liede„Wir traben in die Weite" geschlossen.— Kein Wunder, wenn die Henleinleute immer meinen, sie seien schon im Dritten Reich, wenn sie nach jeder Versammlung diesen erhebenden Gesang„Wir traben in die Weite" anstimmeul Außenminister Dr. Benes empfing den Obmann der Deutschen Studentenfürsorge und deutschen Referenten der Aktton zugunsten der arbeitslosen Intelligenz Prof. Dr. A. Tschermak-Seysen- e£ o und Direktor Hawlikek. Hunger! Der Maschinenschlosser Josef K. stürzte in Brünn auf dem Lazänskyplatz bewußtlos zusammen. Er wurde in die Landeskrank-n- anstalt gebracht. Dort gab er an, daß er schon seit längerer Zeit arbeitslos ist und seit eini- genTagen nichts gegessen hat. Berlin.(DNB.) Nachdem bereits gegen eine Anzahl von Anhängern der Schwarzen Front Hochverratsanklage erhoben worden ist, hatte sich der erste Senat des Volksgerichtshofes mit dem ersten dieser Fälle zu befassen. Es handelt sich dabei um einen 22jährigen Angeklagten, der Ende Feber und Anfang März 1934 dreimal in Prag am damaligen Sitze der Schwarzen Front gewesen ist und von dort rund 70 Briefe mit Propagandamaterial nach Deutsch- land gebracht und hier zur Post befördert hat. Er wurde vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. * Moskau.(Tsch. P.-B.) Der Rat der Volkskommissare der Sowjetunion hat beschlossen, einen besonderen Staatsapparat zur Kontrolle der Preise einzurichten. * Madrid. Der Militärauditor von Asturien genehmigte das kürzlich gegen den sozialistischen Abgeordneten Pena gefällte Todesurteil. ♦ Valladolid, 20. Feber. Der Militärauditor genehmigte das über zwei Revolutionäre verhängte Todesurteil. * Pciping.(Havas.) Bei einem Zusammenstoß chinesischer Miliz mit der kürzlich organisier» ten Polizei in Luansieng wurden drei Personen getötet und zahlreiche andere verwundet. Es wurde der Ausnahmezustand über die Stadt verhängt. Vorn Rundfunk empfehlenswertes ras den Programmen! Freitag: Prag, Sender L: 10.06: Deutsche Nachrichten, 11.05: Schulfunk, 13.85: Arbeitsmarkt, 15.55: Konzert, 16.45: Tschechisch für deutsche Hörer, 17: Ondricek-Ouartett, 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Winter: Bon den Deutschen in Karpathorußland, 18.25: Kunst und Kitsch, Dialog zwischen Dr. Utitz und Nowak, 18.45: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten. 19.55: Volkslieder, 21: Händel: Göttinger Te De um, 22.20: Schneeberichte. Sender S: 14.20: Unterhaltungsmusik, 15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 18: Schallplatten ans Troubadour.— Bater des Streiks In der Stadt Mesenj(Archangelsker Distrikt) lebte in Verbannung zusammen mit P. A. Moiffeenko der Student A. S. Popov, seither bekannt als Schriftsteller Serafimowitsch. Nach Moiffeenkos Erzählungen schrieb er di« zum ersten Male im Jahr« 1918 erschienene Novelle über den Streik. Dies geschah im Jahre 1884. Bier Fahre sind seitdem schon vergangen. Ich arbeitete in Orechovo- Zuevo in Morosovs Fabrik Nun... dort bestanden Regeln. Streng waren sie. Strafen erstickten uns. Gingst du an Direktors Fenster mit bedecktem Kopfe vorbei—Strafe; sprachst du in der Kaserne mit lauterStimme—Strafe; schlenderst du durch die Straßen mit Gesang und Harmonika— Strafe; deine Frau gebar Zwillinge— Strafe. Also, es war zum Nichtmehraushalten— leg dich hin und stirb. Bei der Abrechnung sowie beim Empfang und der Ausgabe wurdest du immer verkürzt! Und der Arbeitstag war... 16 und 17 Stunden täglich. Wurdest du aber trank— wie einen Hund jagte man dich hinaus. Wurdest du älter, ein wenig schwächer:.. so wurdest du einfach aut die Straße hinausgeworfen. Die Arbeiter wurden schlimmer als Tiere, ärger als Hunde behandelt. TNs Herz klemmt sich bei der Erinnerung zusammen. Unwissendes Volk arbeitete in der Fabrik, fast alleAnalphabeten.Und in allenBlockS in der ganzen Fabrik wimmelte es von Spitzeln und Polizisten.! Auch die Fälle waren nicht selten, wo unsereins seinen eigenen Kameraden verriet. AuS Kummer über diese ununterbrochene Arbeft, dieses Hundeleben tranken wir viel, wir vertranken alles. Also ... mit solchen Menschen zu arbeiten war schon viel zu schwer, beinahe unmöglich. Und wir waren nur zwei Polittsche—> ich und der selige Wolkov. Jede mögliche Lift benützten wir. Hätten wir in der Kaserne oder in der Fabrik eine offene Propaganda geführt, so wären wir gleich geschnappt worden. Also, als mehrere Kameraden sich auf dem LokuS der Fabrik sich versammelten, um zu rauchen — Gestank, Rauch, Dunkel, der Atem stockte— nahmen ich und Wolkov je eine Zeitung, gleichgültig welche, selbst eine der„Schwarzen Hundert" oder eine vom vorigen Jahre, manchmal hielten wir sie gar mit dem Kopf nach unten; ohnehin sah es niemand, und wir taten als ob wir lasen, in Wirtlichkeit aber erfanden wir aus eigenem Kopfe: Wie lange werdet ihr noch dieses Zuchthausleben ertragen? Der Besitzer hat sich doch an unserem Blute besoffen, bald wird er platzen; wir sind doch keine Schafe, die, also..., nur zum Schlachten gut sind und so ging es weiter und weiter, die Ohren klangen von Reden. Und die anderen halten den Atem an, hären und wundern sich:„Wie schön heute in den Zeitungen geschrieben wird, wie läßt es nur die Zensur durch! Was für Zeiten kommen jetzt! Und wie kannst du, Anisymitsch, in diesem Dunkel die Buchstaben sehen, Katzenaugen hast du." Was ist dort aber zu sehen, wenn du die Zeitung umgekehrt hielst... also du spickst die Men- I schen wie eine Wurst, bis der Meister hinkommt und alle hinauswirft. Auf diese Weise Erhitzten wir sie. Achttausend Mann Ivarfen wie einer die Arbeft hin. Bei den Färbern, die etwas hartnäckig waren, schlug man die Fenster aus, einige von ihnen hat man auch ein wenig angerempelt. Die Meister liefen auseinander, die Fabrik blieb stehen. Gleich griffen die Behörden ein, der Gouverneur kam. Soldaten wurden aufgetrieben, Kosaken— und das Spiel ging los. Die Arbeiter empörten sich, wie eine Seele. Wir werden die Fabrik zertrümmern— und es wird ein Endel Ich und Wolkov waren bemüht, kein Pogrom zuzulassen, den Streik aber möglichst lang durchzuhalten. Es toar aber schwer zu sprechen. Nur einige Leute kamen zusammen, und schon liefen die Soldaten, Kosaken, und die Kolben und Nagaikas wüteten. Endlich stürmten die Kosaken, etwa hundert Menschen teilten sie von der Menge ab, schlösse^ sie in die Kantine ein, an den Türen stellten sie Soldaten mit entsicherten Gewehren auf. Ich sehe, wir müssen diese Kameraden herausholen, sonst wird diese Verhaftung die Arbeiter schlecht beeinflussen, sie werden den Mut verlieren. Da liefen auf mich unsere Fabrikskinder zu — sie dienten mir als Adjutanten und flüsterten mir zu:„Onkelchen, an dieser Seite ist keine Wache." Wir liesen ringsherum, wirflich keine Wache, nur die Tür ist geschlossen. Die Tür war aber schwer, eine aus Eiche. Ich versuchte mit den Schultern— aber nein! Die Kinder schriey wieder einmal:„Onkelchen, hier ist eine Bank, mü der! Bank." Dort stand eine lange Bank, auf der gegessen wurde. Zusammen mit den Kindern hoben wir die Bank auf, schwangen sie auf den Händen und dann mit einem Ruck— die Tür zersprang. Die Kinder schrien auf„Hurra" und die Verhafteten entkamen. Ich sehe dann die Arbeiter und Soldaten dahin laufen, und die Soldaten fangen an, nach den ALeitern zu stechen. Mir schwindelte eS vor den Augen— Blut wird vergossen! Ich warf mich vor die Soldaten und schrie wie mit einer fremden Stimme:„Wie? Eure Eigenen!.» stechen!... Eure... stechen!" Ein Soldat schwang sein Bajonett gleich an meine Brust.• Ich hatte eine Pelzjacke an. Ich konnte nach dem Bajonett greifen und riß ihm das Gewehr fort. Dann schlug ich es auf das Eis, so daß der Kolben absprang. Ich stieß den Soldaten bei Seite und schrie wieder:„Eure Brüder wollt ihr stecheäl?..." Mein Geheul stteß die Soldaten zurück, auch die Arbeiter traten zurück, so daß ich zwischen ihnen einen Durchgang schuf. Ich ging also hin und her und wiederholte:„Rühren Sie, Brüder, einander nicht an. Wir sind doch Brüder desselben BluteS l" Abends, als ich in der Kaserne mich auszuziehen begann, merkte ich, daß mein Hemd auf der Brust starr war wie eine Kruste, Eh, eh... das war doch sein Bajonett! Die Wunde verkrustete genau wie auf dem Hemde das geronnene Blut, und daß er mich stach, hatte ich gar nicht gefühlt. Heb ertragen von I. Ul es. «ettrL DonnerSta«, 2t. Feier 1935 Nr. Dampfer mtt 25V Menschen gesunken Shaughat. Rach Meldungen der chinesischen Presse hat sich de! Futschau ein großes schweres Schifssunglück ereignet. Nachdem erst anfangs der Woche der chinesische Kiistendampfer„Fulung" auf der Höhe von Lienkong mit rund 10V Personen untergegangen ist, kenterte am Dienstag noch ein kleinerer Küstendarufer, da er überladen war. Sämtliche Fahrgäste und die Besatzung, insgesamt rund 25VPerso«e«, kamen in den Fluten«m. Anter den Fahrgästen befand fich auch eine Abteilung Soldaten. Roch ein Dampfer gesunken Belgrad. Wie aus Susak gemeldet wird, ist der auf der Fahrt von Triest nach Venedig befindliche jugoslawische Dampfer„Vila", der 5500 Tonnen zählt und der Ozeania-Gesellschaft gehört, unweit Venedig mit dem italienischen Schiff ,,R o d i" zusammen gestoßen. Die „Vila", die 3600 Tonnen Phosphat und 300 Tonnen Getreide an Bord hatte, sank binnen zehn Minuten. Der italienische Dampfer rettete 32 Mann der jugoslawischen Besatzung mit dem Kapitän KalafatiL. Vier Mann der Besatzung der„Vila" sollen noch vermißt werden. Die Ursache des Zusammenstoßes war starker Rebel. Tagcsncnigkcttcn Hauptmanns Hinrichtung verschoben Seine Verteidiger liegen einander in den Haaren Trento». Zwischen den Verteidigern Hauptmanns haben sich äußerst scharfe Meinungsverschiedenheiten ergeben. Sie machen einander zum Vorwurfe, daß sie ihren Klienten schädigen, daß sie unmoralisch vorgehen ufw. Aber trotz dieses gegenseitigen Konfliktes hat die Verteidigung Hauptmanns bereits das erste Resultat erzielt. Bekanntlich wurde Bruno Richard Hauptmann verurteilt, auf dem elektrischen Stuhl in der am 18. März beginnenden Woche zu sterben. Auf Grund eines von dem bisherigen Verteidiger Hauptmanns, Lloyd Fisher, und den neuen Verteidigern Hauptmanns, Engbert Rosencrans und Frederik Pope, eingebrachten Gesuches wurde die Verschiebung der Hinrichtung bis zur Entscheidung der Berufung verschoben. Es wurde bereits gx- meldet, daß der Richter Thomas Trenchard dem Ansuchen Hauptmanns stattgab, daß im Hinblick auf deffen Armut der Staat New Jersey alle Kosten tragen solle, welche mit der Abschrift der Gerichtsprotokolle zwecks der Einbringung der Berufung verbunden sind. An ddm bisherigen Vorgehen der Verteidigung hat der Hauptverteidiger Hauptmanns, Eng- bert R e l l e y, wegen seines Konfliktes mit Lloyd Fisher nicht teilgenommen. Er erklärte: „Entweder wird Fisher die Verteidigung niederlegen oder werde ich es tun." Fisher beantwortete die Vorwürfe Relleys dahin, daß dieser die Einbringung der Berufung unaufhörlich hinausschiebe, wiewohl er wisse, daß jede Verzögerung Hauptmanns Lüben bedroht.. Die Frau Hauptmanns, welche ihn in der staatlichen Strafanstalt besuchte, bemüht sich, den Konflikt zwischen den Verteidigern zu beseitigen. Bon Wölfen aufgefreffen Sofia. In der Nähe der westbulgarischen Stadt.K ü st e n d i l überfiel ein Rudel Wölfe zwei außerhalb der Stadt wohnende Schul- k i n d e r, die sich auf dem Heimweg befanden. Das eine Kind wurde von den Bestien zerrissen und buchstäblich aufgefreffen, das andere Kind, das sich auf einem Baum geflüchtet hatte, .wurde einige Stunden später von des Weges kommenden Bauern erfroren im Geäst aufgefunden. Bulgarien erlebte dieser Tage den größten und empfindlichsten Temperaturrückgang des ganzen heurigen Winters. Das ganze Land liegt unter einer Schneedecke. Die Donau bei Lom, wo minus 32 Grad Celsius abgelesen wurden, ist zugefroren. In Westbulgarien in der Umgebung von Tarn gab es minus 30 Grad Celsius. Auch ganz Südbulgarien wurde von einer Frostwelle heimgesucht, wobei minus 20 bis minus 30 Grad abgelesen wurden. Der Eisenbahnverkehr auf den Nebenstrecken, ist merklich behindert und stockt. Auch der Autoousverkehr müßte an vielen Stellen eingestellt werden. Rudel von Wölfen wagen sich sogar bis in die Dörfer vor. So würgte unweit der Stadt Kotele ei« Rudel von sechs Wölfen fast 200 Stück Haussiere ab» wobei den Dorfbewohnern ein Schaden von mehr als 100.000 Lewas verursacht wurde. Unweit von Warna stürzte sich ein Wolfsrudel auf zwei R e i t e r, die bloß in wahnsinnigem Gallop den Raubtieren entkommen konnten. Im ganzen Lande wütet die G r i p p e e p i d e m i e, doch tritt diese Krankheit in einer leichteren Form auf. Meldungen aus Saloniki, zufolge dauert der strenge Winter auch in Griechisch-Mazedonien weiterhin unvermindert an. Unweit der Stadt Drama zerrissen Wolfsrudel drei Dorfmusikanten. An einer anderen Stelle der Umgebung der Stadt rettete sich ein dorsiger Dauer vor dem sicheren Tode bloß dadurch, daß er vor den ihn verfolgenden Wölfen auf einen Baum emporkletterte, wo er sich in den Zweigen festhielt und volle fünf Stunden dem Froste Preisgeben war, ehe ihm Hilfe zuteil werden konnte. * Zn Böhmen Frühlingswetter Abgesehen von einem größeren Teil der Slowakei, wo sich über den Niederungen eine kühle Nebelschichte behauptet, dauert im Binnenland heiteres warnies Wetter an. In Südböhmen erreichte die Temperatur gestern nachinittags stellenweise 15 Grad Celsiu s und mehr. In Prag wurden plus 13.6 Grad Celsius verzeichnet, das ist die höchste Febertemperatur seit dem Jahre 1925. Die sehr tiefen Druckstörungen über Nordwest- und Nordeuropa machen sich bei uns vorläufig nur durch einen heftigen Sturm auf den Bergen Nordböhmens geltend. Auf der Schnee- k o p p e hat der Südwestwind Orkangeschwindigkeit erreicht. Der Zufluß warmer Luft dürfte zunächst noch anhalten. Dabei wird das Wetter von Westen her allmählich unsicheren Charakter annehmen. Reichenberger Hochstapler geflüchtet Reichenbrrg. Vor wenigen Tagen ist der 24 Jahre alte Börsenmakler Fritz Ullrich aus Reichenberg unter Zurücklassung vieler Schulden nach Deutschland geflohen. Wie nachträglich bekannt wird, verstand es Ullrich, der eine Villa besaß, sehr gut» leichtgläubige Menschen hineinzulegen, so daß nun mehrere Strafanzeigen gegen ihn erstattet wurden. U. a. versprach er einem-Reichenberger Ingenieur, ertragreiche Aktien zu besorgen. Dafür erhielt er den Betrag von 10.500 XL, mit denen er die Flucht ergriff. Di« Nachforschungen haben ergeben, daß Ullrich nach Hamburg fuhr» wohin er sich seine Pcrsonaldokumente nachsenden ließ, die er zur Auswanderung nach Amerika braucht. Obwohl sofort ein Steckbrief erlassen wurde, traf aus Hamburg di« Meldung ein, daß Ullrich am 8. d. M. nach Buenos Aires abgefahren ist. Da der nächste Anlaufhafen an der spanischen Küste liegt, dürste von dort seine Verhaftung und Auslieferung verlangt werden. Selbstmord bei einer Verhaftung Kladno. Mittwoch wurde in einer hiesigen Gastwirtschaft ein unbekannter, etwa 25- bis 30- jähriger Mann zwecks Identifizierung angehalten. Als er auf das Polizeikowmiffariat vorgeführt werden sollte, erschoß er fich auf dem Kladnoer Marktplatz durch einen Pistolenschuß. Bei dem Erschossenen, deffen Identität bisher nicht festgestellt wurde, wurden fünf Nachschlüssel gefunden. Grippe in der Zglauer Garnison Jglau. Bon der Jglauer Garnison sind während der neuntägigen Grippe-Epidemie 574 Soldaten betroffen worden. Die Mehrzahl der Kranken ist bereits genesen und hat den Dienst wieder angetreten. Es handelte sich um eine leichte katharrhalische Grippe, die im ganzen einen günstigen Verlauf nahm. Nur ein einziger Fall endete mit einer Lungenentzündung und verlief tödlich. Spanische Grippe Saragossa. Im Laufe der letzten Woche sind in Saragossa über 100 Personen an Grippe g e st o r b e n. Die Serie Moskau. In der Nähe von Tiflis stieß ein Personenzug mtt einem Güterzug zusammen. Drei Personen wurden dabei London. Wie Reuter aus Bombay meldet, sind in Wadnagar im Bezirk Mehsana(Staat Baroda, Vorderindien) fossile Ueberreste einer Menschenrasse von nur 40 Zentimeter Größe entdeckt worden. Die Fossilien, stammen von einem Pygmäen-Menschen von 40 Zentimeter Größe, einer Pygmäen-Kuh von 45 Zentimeter und einem Rohrstock von 25 Zentimeter. Diese aufsehenerregenden Funde werden wahrscheinlich nicht ohne Einfluß auf die herrschenden Theorien bon der Wiegendes Menschengeschlechts sein./ getötet und 12, darunter neun, schwer verletzt. Die Feststellungen ergaben, daß das Unglück durch die Nachlässigkeit eines Stationsvorstehers verschuldet worden ist, der nach beiden Seiten das Freifahrt-Signal gegeben hatte. • Don Packeis eingeschlossen Moskau. Der sowjetruffische Dampfer „S m o l e n s k" hat funkentelegraphisch mitgeteilt, daß er im Och^tflischen Meer s e i t sechs Tagen von Packeis eingeschloffen sei. Er stehe mit dem Eisbrecher„Krassin" in Verbindung, der aber vor Ablauf von sechs Tagen die„Smolensk" nicht erreichen könne. Die Besatzung beträgt 8 0 M a n n. An Bord sind zahlreiche Passagiere. Man ist über das Schicksal des Dampfers besorgt. Die Opfer des Speicherbrandes Rosario de Santa Fe. Die durch die Explosion eines Getreidespeichers entstandene Feuersbrunst wurde gestern gelöscht. Die Zahl der Verletzten ist über 60 angestiegrn. Neun von ihnen sind so schwer verletz t, daß man stündlich mit ihrem Ableben rechnet. ,Die Zahl der Toten hat sich auf sieb en erhöht. Einige Arbeiter werden noch vermißt. Masaryk erster Ehrenbürger Ostraus. Der Mähr.-Ostrauer Stadtrat beschloß in der Festsitzung der Stadtvertretung, die am 7. März aus Anlaß des 85. Geburtstages des Präsidenten der Republik abgehalten werden wird, vorzuschlagen, daß Präsident T. G. Masaryk zum ersten Ehrenbürger der Stadt ernannt werde. Smetanas Pflegerin gestorben. In N e st.o- m i tz bei Aussig starb Dienstag im Alter von 75 Jahren Anna Bimova, geborene Capkovä, die den Komponisten Bedrich Smetana in den letzten Jahren seines Lebens pflegte. Sie hat den Biographen Smetanas, die zu ihr nach Nestomitz kamen, ost über diese Zeitperiode erzählt. Die Einäscherung fand Mittwoch im Krematorium in Schreckenstein statt. Veterinär-Abkomme«. Unter der Patronanz des Völkerbundes wurden drei Beterinärabkom- men ausgearbeitet, die internationale Maßnahmen gegen die Verbreitung von ansteckenden Krankheiten des Rindviehs betreffen und die weiter die Durchfuhr von Vieh sowie die Aus- und I Einfuhr von animalischen Produkten betreffen. Diese Abkommen wurden heute in Genf unterzeichnet. Für die T s ch e ch o s l o w a k e i unterzeichnete sie der Gesandte Künzl-Jezersky-Bern mit dem Vorbehalte, daß die Durchfuhr von Rindvieh durch' tschechoslowakisches Staatsterritorium bloß nach vorhergehender Bewilligung der zustän- ksigen' tschechoslowakischen'siekstrztlichen Mfkästßtn vorgenommen werden dürfe., Arbcitslosen-Kurs in Trebttsch. In Tre- bitsch wurde am 19. d. M. über Initiative des städtischen Kulturausschuffes ein Kurs für Arbeits- lose, insbesondere für die arbeitslose Jugend, ins Leben gerufen. An der Eröffn-ungsstunde nahmen 80 Hörer aus den Reihen der Arbeitslosen teil. Der Kurs, deffen Vorträge einen allgemein bildenden, fachlichen und erzieherischen Charakter haben, wird stets einen Monat dauern. Das Reich des Henkers. In dem Mordprozeß gegen den 23jährigen Willy Gehrke aus Steinau an der Oder, der in dir Nacht zum 30. Dezember des vergangenen Jahres die 49 Jahre alte Schankwirtin Anna Kabus in deren Lokal im Nordosten Berlins ermordet und beraubt hatte, wurde vom Berliner Schwurgericht der Angeklagte zum Tode verurteilt. Gefährlicher Räuber verhaftet. Dienstag wurde von der Gendarmerie in Kravare(Bezirk Hultschin) eine gewisser Melnik Michal, der sich auch die Namen Ja« Polak, Orlov Pavel oder Josef S t a n a beüegte, verhaftet. Der Genannte wird von de« Sicherheitsorganen wegen eines Raubmordversuches gesucht, den er in Deutschland an Franz Bednat aus Sedlecko, Bezirk Tabor, verüht«. Er versetzte ihm mit einem Stein Schläge gegen den Kopf und raubte ihm 600 XL. Melnik, der auch im Verdachte steht, 80.000 XL geraubt zu haben, ist 39 Jahre all, 159 Zensimeter groß, von schwächerer Statur und hat kastanienbraune Haare. Am linken Unterarm hat er ein Herz mit der Jahreszahl 1915 und dem Monogramm A. K. eintätowiert, was zu der Vermutung berechtigt, daß alle angegebenen Namen falsch sind. Er ist ist sehr bereist und beherrscht mehrere Sprachen. Wer zur Feststellung der Identität des Verhafteten beitragen oder den Aufenthalt des Beraubten Franz Bednak, der als Zeuge verhört werden soll, angeben kann, wird ersucht, dies der Gendarmerie-Fahndungsstation bekanntzugeben. Die Sachverständigen sind der Ansicht, damit eine neues Forschungsgebiet für die ausgestorbene Raffe der Pygmäen gefunden zu haben, die kleiner sind als die Pygmäen Mittelaftikas,(die 100 bis 125 Zentimeter groß sind). Die Entdeckung des kleinsten Pygmäen-Menschen stimmt auch überein mit der Anspielung H o m e r s auf Pygmäen von 35 Zentimeter Größe, denen die nach der Reutenneldung soeben gemachten Funde an Größe entsprechen würden. Rüstung auch für die Stratosphäre? London. Wie verlautet, beschäftigt sich das Luftfahrtministerium mit der Frage von Flüge« in die Strato- sphare, die, wenn die technische« Schwierigkette« überwunden sei« werden, für die Zivil- wie für die Milttär- luftfahrt große Vorteile bieten würden. Ein Flugzeug in der Stratosphäre würde von der Erde aus weder gesehen noch gehört werden könne« und nur für Stratosphärenkampfflugzeuge erreichbar sein. Der weiße Tod. Die Liste bei den kürzlichen Lawinenstürzen und Schneestürmen ums Leben Gekommenen ist noch nicht als vollständig anzusehen. Seit dem 10. Feber wurde der Wiener Student Ernst Sieben schein vermißt, der mit einigen Bekannten einen Ausflug auf den Wiener Schneeberg unternommen hat. Er hatte sich von seiner Gruppe getrennt und wird seitdem vermißt. Jetzt wurde sein Leichnam ge- funden, da infolge des letzten Mrmischen Wetters. die Schneedecke, die den Verunglückten bedeckte, fortgeweht wurde.— Bei Zum d o r f, in der Schweiz, Realp und Hostental ging am Mittwoch eine Lawine nieder, die den 25 Jahre alten Josef G w e r d e r verschüttet«, als er fich mtt zwei Jagdhunden auf einem Kontrollgang zur Beobachtung des Wildes befand. Rettungsmannschaften fanden nach längeren Bemühungen unter den Schneemaffen die Leiche Gwerders. Ein tragisches Unglück ereignete sich im Riesengebirge. In der Nähe der Riesenbaude veranstalteten 30 Studenten ein Wettfahren. Bei dec Heimfahrt nahmen sie den Weg über den Lahr- busch, wobei sie hintereinander fuhren. Einer der Fahrer kam auf dem glatten Eis zum Sturze und der hinter ihm fahrende 19 Jahre alte Student Ernst Katzak, der Sohn des Bezirksarztes in Eger, fuhr bei dem Versuche, seinem auf dem Boden liegenden Vordermann auszuweichen, über die Böschung hinaus und stieß mtt voller Wucht an einen Baum. Er erlitt einen schweren Schädelbruch und eine Gehirnerschütterung, denen er unmittelbar darauf im Spital erlag. Raubmord in Riederösterreich. In O6tr« Stinkenbrunn im Bezirk Langenlois in Niederösterreich wurde Mittwoch nachts ein Raubmord verübt. Ein unbekannter Mann überfiel die 64jährigr Gastwirtin Katharina Hitzker in ihrer Gaststube, brachte ihr zunächst mit einer Weinflasche schwere Kopfwunden bei und zertrümmerte ihr hierauf mit einer Hacke den Schädel. Sodann raffte der Mörder Bargeld und Schmuckstücke im Werte von 700 Schilling zusammen und ergrift die Flucht. Sanitätsauto als Todeswagen. Mittwoch ereignete sich in Wien ein schwerer AutomlBil- unfall. Ein Sanitätsauto der Rettungsgesell- schaft, bei welchem die Achse brach, kam ins Schleudern und fuhr heftig gegen ein Haus.an. Das Automobil wurde zertrümmert. In den Trümmern wurde der 45jährige Sanitätsgehilfe Karl H e g e r tot aufgefunden. Die übrigen drei im Auto befindlichen Personen, nämlich ein Arzt, der Chauffeur und der zwette Sanitätsgehilfe,. kamen mtt schweren bzw. leichteren Verletzungen davon. 40 Millionen Meterzentner Zitronen vernichtet. Während der letzten Fröste wurden in der Umgebung von Murcia(Spanien) über 40 Millionen Meterzentner Zitronen vernichtet. Die Zitronenbäume werden erst in zwei Jahren Früchte tragen. Der Schaden wird auf zwei Millionen Peseten geschätzt. Erdbeben in Japan. Amtlich wird mitge- teilt, daß in der Provinz Chiba(T o k i o) in der Nähe von Kudsukugachema ein starkes Erdbeben erfolgte. Zahlreiche Häuser wurden zerstört. Nachrichten über die Zahl der Toten und Verletzten fehlen noch. Eine Esperanto'Abteilung in der Bücherei des Nationalmuseums wurde durch die Schenkung einer großartigen Esperantobücherei des tschechoslowakischen Gesandten in Südamerika, Eduard Kühnel, unter Vermittlung des Direksionsrates Borovfly, ins Leben gerufen. Die Ausstellung„Kde domov muj?" war die Veranlassung, daß der bekannte Fachschrist- steller und begeisterte Propagator des EsperantiS- mus, Josef Vavrovsky, der Bücherei’des Nationalmuseums einige hundert Broschüren, Bücher, Zettschriften und Flugblätter in Esperanto sowie photographische Erinnerungsbilder an di« weitverzweigte Esperansistenbewegung, soweit hiebei tschechische Esperantisten mitwirkten, spendete. Der Ob- mannstellvertreter des Vereines der Esperantisten, Fr. Stanek, versprach, gemeinsam mit I. Vavrovsky die Esperanto-Abteilung weiter zu ergänzen, um nach ausländischem Muster auch bei uns einen Mit- telpuntt für Druckschriften in Esperanto zu schaffen. Ei« Halimilliarden° Erbschaft. Di« Zeitung«« melden aus Lublaä(Jugoflavien), daß dort dec Architeft Frantz nach seinen Verwandten i« Montevideo in Uruguay 30 Millionen Peseten, d. i. eine halbe'Milliarde Dinar, geerbt hat.. Architekt Frantz wird im Flugzeug nach Montevideo reisen, um das Erbe anzutreteo,. Mensche« von 40 em Größe Nr. 44 Donnerstag, 21. Fever 1935 Naturfreundebewegung 9Uh»« und Volkskunde Die Arbeitsgemeinschaft für Natur« und Volts» künde im Touristenverein„Die Naturfreunde" hält ihre diesjährige Tagung in Brünn ab. Der Zeitpunkt dieser Tagung wird noch rechtzeitig verlautbart. Die Dauer der Tagung ist auf drei Tage anberaumt. Die Brünner Genossen, in deren Händen die Durchführung der Tagung liegt, haben bereits ein umfangreiches Programm ausgestellt, daS außer dem organisatorischen Teil Vorträge namhafter Naturkundler, Besichtigung der Brünner Museen, botanischen Gärten sowie die Veranstaltung einer naturkundlichen Ausstellung umfaßt. Anschließend an die Tagung sind Wanderungen(Macocha, Riikatal, Polauer Berge usw.) vorgesehen. Die Brünner setzen es sich zur Ehr«, die Teilnehmer an der Tagung voll und ganz zu befriedigen. An alle Naturkundler ergeht die Aufforderung, sich an der Tagung zu beteiligen und an den Vorarbeiten rege mitzuarbeiten. Genaues Programnr geht allen Naturkundler» in der nächsten Zeit zu. Am schon jetzt eine Uebersicht über die zu erwartende Beteiligung erlangen zu können, tvollen alle, welche die Absicht haben, an der Tagung teilzunehmen, dies der Leitung der Arbeitsgemeinschaft bekanntgeben, und zwar: Alle Genossen aus Mähren, Schlesien und der Slowakei melden sich bei Genossen Franz Olbert, Brünn, Oktoberplatz 20; bi« Genossen aus Böhmen bei Genossen Alfons Luprich, Aussig, Arltstraße 3. Akademiker als Banknoten-Fälscher Belgrad. Dienstag begann in Petrograd der Prozeß gegen die Fälscher von 1 0 0 0-D inar- Banknoten. Unter den Angeklagten befinden sich ein K a u f m a n n, ein D o k t o r der Rechtswissenschaften, ein S t u d e n t der Theo- ltzgie, ein S t u d e n t der Rechtswissenschaften sowie ein B ü r g e rm e ist e r aus einer benachbarten Gemeinde. Leidensweg der Emigration. Anfang August 1933 erfuhr der gewesene Sekretär eines Bezirkes der Sozialistischen Arbeiterjugend im ver- hitlerten Deutschland, daß er wegen Hochverrats verhaftet werden sollte. Er flüchtete nach Saarbrücken und wurde mit vielen Schicksalsgenossen in der Nlanenkaserne untergebracht, die im Völkerbundstaat leer stand, nun* aber gewiß bald ihrer ursprünglichen Bestiinmung wieder zurückgegeben sein wird. Arbeit war im Saargebiet nicht zu finden, also weiter nach Paris. Die Empfehlung der Emigrantenhilfe Ebnete dem Paßlosen den Weg. Aber auch Frankreich verbietet die Anstellung von Ausländern. Also weiter nach Spanien. Dort war man liberal. Zuerst in Barcelona, dann.. in.Madrid konnte unser Flüchtling einige Monate-^» seinem Beruf, ar-, besten. Aber die Niederlage der spanischen Ar- beiterklasse im Kampf um die demokratische Verfassung führte zur Verhaftung der meisten proletarischen Ausländer, besonders der erst kürzlich Eingewanderten.„Wir geben Ihnen eine Fahrkarte nach Frankreich, morgen können Sie fahren." Es wurden vierzehn Tage daraus, bei anständiger Behandlung übrigens. Dann gings fort. Als er dem ftanzösischen Grenzkommiffär sagen mußte, daß er nur vier Peseten besitze, war hie Antwort:„Zurück!" In Spanien hatte unser Genosse unterschreiben müssen, daß er durch Rückkehr sich strafbar mache und zwei Jahre Gefängnis riskiere... Nachts über die winterlichen Hoch- väffe der Pyrenäen. Sozialisten in Südfrankreich helfen ihm, die Schweiz zu erreichen. Von Genf schickt man ihn mit etwas Geld, das unterwegs draufging, an einen tschechischen Genossen, der früher dort gelebt hat. Bis an den Bauch im Schnee stapfend, erreicht der Flüchtling nacktS unsere Grenze ftoh, dem nun auch fascistischen Sesterreich entronnen zu sein. Arbeit in seinem Perus kann er auch hier nicht finden... Russische Flieger in Rot. Der russische Flie- Ser I g n a t o w ist nach dem Guljubew- Flugzeug entsandt worden, das 40 Kilometer von Archangelft im Sumpf notgelandet 'fk-Ignatow soll dem dort noch befindlichen Passagier Kuznezew an Bord nehmen. Er teilte, mit, haß er zwar bis zu dem Standort des Flug- -eugez gelangt sei, aber trotz aller Versuche wegen hes starken Schneesturmes nicht habe landen kön- Uen. Es sei ihm nur möglich gewesen, Lebensmit- kkk für Kuznezew abzuwerfen, ohne daß er aber habe feststellen können, ob sie ihr Ziel erreicht hätten. Die von Archangelsk entsandte Ski-Ret- tungsmannschaft in Stärke von 60 Mann ist noch bicht am Standort des Flugzeuges eingetroffen. Ser starke Schneesturm hat auch hier bisher jeden «Kttungsversuch unmöglich gemacht. Inzwischen ist ein zweites Skikommando entsandt worden, um °as vermißte Kommando und den Insassen des Flugzeuges zu bergen. Der Zustand Goljubews und seiner Leute, die im Krankenhaus liegen, hat Nch gebessert. Ein Jahr nach dem Tode Prince's. Mittwoch es ein Jahr, daß auf der Strecke unweit von Sijon die Leiche des Obergerichtsrates Prince gefunden wurde. Das Rätsel seines Todes ist bisher noch nicht geklärt. Trotz der Lber- Einstimmenden Gutachten der ärztlichen und tech- uischen Sachverständigen, welche sich insgesamt bahin ausjprachen, daß Prince ermordet kuurde, halten die Anhänger der Anschauung, daß durch Se.bstmord endete, an ihrer Ansicht frst.- Weder das Gericht, noch die Polizei, noch die parlamentarische• Untersuchungskommission find msher zu einem wesentlichen Ergebnis gelangt. Sie. Untersuchungskommission beschloß in den letz» len Tagen, die Gutachten der Gerichtsärzte und Arbeitslosigkeit der Jugendliche« Arbeitsvermittlung und Förderung { { zur Beratung zu übertveisen. Dazu legt das Internationale Arbcftsamt soeben einen umfangreichen Bericht vor, in dem alle Seiten dieser ernsten Frage eingehend beleuchtet werden. Mit der Gasmaske an der Schreibmaschine Altersgruppe 18 bi» 25 Jahre bis 24 Jahre 16 bis 25 Jahre 14 bis 24 Jahre 15 bis 25 Jahre bis 25 Jahre 18 bis 24 Jahre 16 bis 25 Jahre bis 24 Jahre 14 bis 24 Jahre bis 24 Jahre 15 bis 24 Jahre dienstlager. 5. der Beschaffung regelmäßiger Arbeitsgelegenheiten. 6. Statistik. Aus der Fülle der vorliegenden Unterlagen können in diesem Aufsatze nur einzelne Vorschläge angedeutet werden: Erhöhung der Schulpflicht auf 15 Jahre mft der Bestimmung, arbeitslosen Jugendlichen die Möglichkeit weiteren Schulbesuches zu gewähren; Erhöhung des ZulaffungsalterS zur Arbeit auf 15 Jahre; Ausbau des allgemeinen und deS Fachfortbildungsschulwesens; Ausbau der Freizeitgestaltung durch Einrichtung von besonderen Heimen oder Lesesälen, durch Borträge, Konzerte, Führungen durch Museen, Sportveranstaltungen usw. sowie Unterstützung entsprechender Bestrebungen der Arbeitnehmerverbände, der konfessionellen Vereine, der Bildungsvereine und sonstigen Einrichtungen; Errichtung von Arbeitsdienstlagern für die Bedürfnisse eines freiwilligen Arbeitsdienstes; die Entschädigung der im Arbeitsdienst beschäftigten Personen mit freier Ver- Das englische Rote Kreuz hat in Zusammenarbett mit dem Kriegsministerium fassende Schulung der Zivilbevölkerung für einen Luftkrieg unternommen. Selbst die Stenotypistinnen sollen daran gewöhnt werden, auch mit der Gasmaske zu arbeiten. pflegung, Bekleidung und gegebenenfalls Unterkunft und einer Barentschädigung. Auch die Möglichkeit einer Pflicht zur" Mleistung des Ars beitsdiensteS für jugendliche Personen, die Arbeitslosen- oder Krisenunterstützung beziehen, soll in Erwägung gezogen werden. Da die öffentlichen Arbeitsnachweise bei der Arbeitsvermittlung für Jugendliche eine besondere Rolle spielen, wird diä Errichtung besonderer Abteilungen zur Vermitts lung von"Jungarbeitern in den Ländern angeregt, in denen sie noch nicht vorhanden sind. Diese Abteilungen sollen mft Berufsberatungsstellen auf das engste zusammenarbeiten. Schließlich wird eine Verbesserung der. Arbeitslosenstattstik gefordert, aus der künftig der Umfang der Arbeitslosigkeit von Personen unter 25 Jahren in allen Ländern einwandftei zu erkennen ist. Die Gliederung der Statistik soll so erfolgen, daß die Verteilung der Arbeitslosen nach Geschlecht, After und Beruf ersichtlich wird. Die in Aussicht genommene internationale Regelung soll von der Internationalen. Arbeitskonferenz in Form einer Empfehlung vorgenommen werden. Das Internationale Arbeitsamt geht davon aus, daß die Mehrzahl der ia Aussicht genommenen Maßnahmen nicht einzelstaatliche Vereinbarungen bedingen, wie dies bei eurem internationalen Uebereinkommen erforderlich wäre. Es handelt sich hier mehr um die internationale Festlegung der wirksamsten Maßnahmen, durch die der Kampf gegen die Arbefts- losigkeit der Jugendlichen in allen Ländern geförz dert werden soll. eine um- Rapide Zunahme der französischen Minorität in Kanada (AP.) In Kanada ist«in eigenartiger Prozeß im Gange. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts hofften die Engländer, daß durch den ständigen Zustrom aus England das englische Element die Oberhand über das französische gewinnen würde. Heute bricht sich die Erkenntnis Bahn, daß, wenn sich di« Dinge.so weiter.entwickeln, das.französische Element", eiyos^Tages die^dseherrschast-Hatzm-Wird.-Dw'Äi- FruchtbÄrkrit" der FränzAsen," die"km sensationekleL"'*■ Gegensatz zum französischen Mutterland steht," scheint''• über die englische Einwanderung siegen zu wollen. 1765 zählte England in der Provinz Quebec 60.000! und in den Küstenprovinzen 15.000 Franzosen, i- Heute sind diese 75.000 Franzosen, also in einem Zeitraum von 170 Jahren, ohne weiteren Zustrom aus dem Mutterland auf 4 Millionen angewachsen, von denen 2.3 Millionen auf die Provinz Quebec,■ 0.7 Millionen auf die Seeprovinzen und 1 Million aus die USA entfallen, wo sie aber französische Ka> nadier blieben. In Kanada sind es also 8 Millionen’ von insgesamt 10 Millionen Einwohnern. Dazu ist jetzt der englische Zustrom, der von 1850 bis zirka 1920 ungeheuere Ausmaße hatte, von zirka 50.000 jährlich auf 10.000. gesunken. Die Engländer sehen diese Entwicklung mit einem gewissen Schrecken. Der Zeitschrift„Nineteenth Century" zufolge braucht diese. Entwicklung nur ein halbes Jahrhundert weiterzu- gehen, damit das Resultat: 10 Millionen französische und 6.5 Millionen englische in Zentrallanada und in den übrigen Provinzen herauökäme. Dir Bibliothek der Zukunft. Den Inhalt eines großen Quartbandes zu der Größe einer Streichholz-■■ schachtel zusammenzudrängen, ist der Traum aller geplagten Bibliothekare. Das Donnersberg(Bavaria) Meteorologische Observatorium scheint dies« Frage bereits gelöst zu haben. Aus Raumersparnis-. gründen werden die unzähligen Tabellen mft Daten mit der Maschine geschrieben und dann auf einen- winzigen, nicht entzündlichen Film gebracht. Dis"j kleinen Bilder werden entweder erleuchtet oder auf’? eine Leinwand projiziert. Ein ganzes»Buch" ist in einer kleinen Büchse von der Größe einer Streich« holzschachtel untergebracht. Wie lange wird eS dauern und man liegt im Bett— und läßt sich sein«'. Lektüre an die Zimmerdecke projizieren. Sachverständigen einem Revisionsgut- a ch ten anderer Sachverständiger unterziehen zu lassen. Bor dem Kriegsgericht. Wie verlautet, werden Kontreadmiral Bailey, der Kommandant des Schlachtkreuzergeschwaders, und die Kapitäne Tower und S a w b r i d g e, die Kommandanten der Kriegsschiffe„Hood" und„Renown", wegen des Zusammenstoßes dieser beiden Schiffe an der spanischen Küste am 23. Jänner d. I. demnächst in Portsmouth vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Weniger Verbrechen, so posaunt der N a z i- rundfunk, gibt es im Dritten Reich dank der NS-Erziehung und auch darum, weil die Verbrecher wissen, daß sie jetzt mit harter Strafe zu rechnen hätten, da es mit der Humanftät der De- mokratte vorbei sei. Der ganze Funkbericht ist auf einen Rückgang der Zahl der Strafverhandlungen gestützt. Das kann sogar wahr sein— denn Staatsaktionen von der Reichtstazs- anzündung und dem Massendiebstahl des Vermögens von Organisationen und Einzelpersonen bis zur viehischen Mißhandlung^ Wehrloser werden nicht vor die Gerichte gebracht. Stimmrecht für Reger in Missisfippi. In diesen Tagen sollen die Neger im Staate Mississippi zum ersten Male ihr Stimmrecht ausüben dürfen. Es handelt sich freilich nicht um Wahlen, sondern um ein Referendum über die weitere Fortsetzung der Einschränkung der Baumwüllanbaufläche. Dennoch kommt dieser Neuerung Bedeutung zu. Denn Mississippi ist einer der rückständigen Staaten der Union, in dem für die wirtschaftliche Besserstellung und Erziehung des Negers bisher verhältnismäßig wenig geschehen ist. Gleichzeittg ist es ein Staat mit überwiegender Negerbevölkerung, denn bei der letzten Bollszählung von 1930 standen 996.000 Weißen 1,009.000 Neger gegenüber, die zum größten Teil Baumwollpflanzer auf gepachteten kleinen Grundstücken sind. Das Stimmrecht besaß bisher nur, wer nachweist, daß er die Verfassung lesen und richtig verstehen kann. Bis jetzt hat ein Neger diese Prüfung in den seltensten Fällen bestanden. Das ist jetzt anders, und Beamte bemühen sich seft Wochen, den Negern das. Geheimnis der Stimmurne zu erllären. Es ist aber zweifelhaft, ob viele Neger es wagen werden, der ungewohnten Aufforderung zur Stimmabgabe nachzukommen. Ein neuer Konflitt in Südamerika. Nach dem Konflikt zwischen Chile und Peru um Tacna- Arica, zwischen Peru und Kolumbien um Leticia und dem Krieg zwischen Bolivien und Paraguay um den Gran Chaco droht jetzt ein neuer Kon« likt zwischen Kolumbien und Venezuela, und zwar um die Petroleumvorkommen im Gebiet der Flüsse Julia und Catatnmbo. Die venezolanische Presse spricht von einem Lettcia Venezuelas. In dem strittigen Gebiet befinden sich 29 Prozent der Petroleumvorkommen der ganzen Well mft einer Jahresproduktion von 300 Millionen Faß. Bon Seiten der in Kolumbien interessietten Guls Standard Oil wird Sttmmung dafür gemacht, nach dem Muster Panamas eine eigene Republik Zulia zu schaffen, bestehend aus dem venezolanischen Bezirk Zulia und den kolumbischen Bezirken Catatumbo, Nord-Santander und Goa- jira, wofür die regionalistischen Gegensätze zu den Zenttalgewalten und das Nationalgefühl der Indianer auSgewertet werden. Venezuela hat sein Heer um 14.000 Mann gesteigert, Kolumbien erhöhte sein Budget von 8.8 auf 14.8 Millionen Dollar. Vier Goya-Bilder aufgefunden. Wie festgestellt wurde, sind vier im Kloster des an dem Flusse Hurrva gelegenen Städtchens Muel aufgefundene Bilder, die die vier Evangelien darstellen, Werke des berühmten spanischen Malers Goya. DaS Reisehandbuch der StaatSbahnen ist vollkommen vergriffen. Bestellungen weiterer Exemplare können daher nicht erledigt werden.(Mitteilung des Eisenbahnministeriums.) Jetzt müssen Sie unbedingt Ihre Blumen mit BlumeB-Zauberduiig begießen, wenn sie schön blühen sollen 1 Paket K<5 5 60 durch die Verwaltung „Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tr. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich Land Dänemark., Deutsches Reich. Finnland... Großbritannien» Italien... Niederlande„. Norwegen.*. Schweden... Schweiz,.. Tschechoslow. Republik Ungarn.... Verein. Staaten», Diese Zahlen sind erschreckend hoch. Sie sind international zwar nicht vergleichbar, da die Altersllassen der erfaßten Jugendlichen sowie die Erhebungsverfahren in den einzelnen Ländern verschieden sind. Immerhin kann allgemein festgestellt werden» daß das Verhältnis der Jugendlichen bis zu 25 Jahren in der Größenordnung von etwa einem Viertel der Zahl aller Arbeitslosen liegt. Wenn daher gegenwärtig die Zahl aller Arbeitslosen der Well auf etwa 25 Millionen geschätzt wird, so beträgt die Zahl der Jugendlichenbis zu 25 Jahren etwa6bis7Millionen. Diese Zahl zeigt die Größe und den Ernst des ganzen Problems eindeutig an. Die Untersuchung des Internationalen Arbeitsamtes erstreckt sich auf fünf Fragenbereiche: 1. Statistik der Arbeitslosigkeit der Jugendlichen; 2. Dauer der Schulpflicht und Mindestalter für die Zulassung zur Arbeit; 8. allgemeiner und beruflicher Unterricht und sozialer Beistand für arbeitslose Jugendlich«; 4. wertschaffende Beschäftigung der arbeitslosen Jugendlichen; 5. Ar- beftsvermittlung und Förderung der regelmäßigen Beschäftigungsmöglichkeiten. Es verden dabei in jedem Abschnftt die in den einzelnen Staaten zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit der Jugendlichen getroffenen Maßnahmen im einzelnen dargestellt und in einer Schlußbettachtung das Wesentlich?!. dieser Regelungen noch einmal zusammengezogen. In einem zweiten Teil. des Berichtes wird der vorgeschlagene Entwurf für eine- internattonale Regelung gegeben. Das Internationale Arbeitsamt erörtett dabei secks Fragenbereiche: 1. Dauer der Schulpflicht, Alter für die Zulassung zur Arbeit sowie allgemeine und Berufsausbildung. 2. Freizeitgestaltung und soziale Hilfsmaßnahmen zugunsten der arbeitslosen Jugendlichen. 3. Vorkehrungen der Berufsverbände und Privatorganisationcn. 4. Besondere ArbcitS» Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeft der Jugendlichen, der in allen Ländern als ein wich- ttges und besonderes Problem innerhalb aller Bemühungen zur Verminderung der Arbeitslosigkeit erkannt ist, soll nunmehr auch auf internationalem Boden einheitlich zusammengefaßt werden. Es war die Sozialistische Arbeiterjugend-Internationale, welche die Aufmerksamkeit des Verwaltungsrats des Internationalen Arbeitsamtes auf die Dringlichkeit dieser Frage richtete, Dieser beschloß, der Internationalen Ar- -LeDkoMreiA ÜW K§gMgnL. Wie dringend der besondere Kampf gegen die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen ist, geht aus einer dem Bericht beigegebenen Zusammenstellung über die Höhe der Arbeitslosigkeit der Jugendlichen aus 12 Staaten hervor. Danach war die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen im vom Hundett .jdxr Arbeftslcqigkeit Mrrhaupt wi« folgt:"-^^ ’Wr• 4WSta Zeitpunkt Zusammen Männer Frauen Mai 1933 28.1 27.9 29.3 'Juni 1933 26.1 23.4 36.7 ^Juni1934 . 18,8 16.1 29.9 Oktober 1933 83.3 — ••— 1931 30.2 25.4 44.2 1932 41.5 32.7 57.6 Oktober 1933 27.8 — — 1933 27.0 — »— November 1933 33.7 — .— Juli 1934 15.0 14.0 17.0 Juli 1932 24.6 —. .— Feber 1933 22.8 — — 1930 42.0 ——.■■ •—. April 1930 27.6 24.8 42.4 Tüte 6■ „Sozialdemokrat" Donnerstag, 21. Feber 1935. Nr. 44 PRAGBB ZtlTIJMfi Die Milchpreise in Prag Das heutige Amtsblatt veröffentlicht die durch Verordnung festgesetzten Milchpreise in Prag. Im Kleinhandel ist Milch in Kannen, niit einem"Fettgehalt von 3.6 Prozent, zum Preise von 1.50 Kc pro Liter zu verlaufen. Zu einem niedrigeren Preis darf die Milch in den Verkaufsstellen von Verbrauchergenossenschaften verlaust Werden, die nur ihren Mitgliedern verkaufen. Andere Händler, die bisher molkereimäßig behandelte Milch zu einem niedrigeren Preis als 1.50 Kc verkauft haben, dürfen dies auch weiterhin tun, soweit nicht festgestellt wurde, daß sie in der Zeit vom 1. Jänner 1934 wegen Milchverfälschung bestraft wurden. Der Verkauf zu einem niedrigeren Preis ist der Preiskommission zu melden, die nach der Regierungs-Verordnung ,76/1934 errichtet wurde. Zu einem höheren Preis als 1.50 KL, höchstens aber zu 1.60 KL, darf Milch in den Regie- Läden der Molkereien verkauft werden, soweit diese Verkaufsstellen vorwiegend Milch und Milchprodukte verkaufen. Bis zum 15. April 1935 darf dies ohne besondere Bewilligung geschehen. Nach diesem Stichtag ist zum Verkauf zu eine» höheren Preis die Bewilligung der erwähnten Kommission notwendig. Der Zuschlag für Milch mit einem Fettgehalt von 3.6 Prozent, die in der Molkerei in Literflaschen gefüllt wurde, betrügt 30 Heller, für Milch in Halb- und Viertelliterslaschen 40 Heller, und zwar in allen Fällen pro Liter. Der Preis für Schmetten mit einem Fettgehalt von 12 Prozent beträgt bei 1 Liter 7.50 KL, i/ 2 Liter 3.90 Kc,% Liter 2 KL. Der Preis für Schmetten mit einem Fettgehalt von 35 Prozent beträgt bei 1 Liter 16 KL, Liter 8.50 KL. 34 Liter 4.50 KL. Gleichzeitig wird in Prag der Verkauf von nicht molkereimäßig behandelter Milch verboten. Todesfall. Im Allgemeinen Krankenhause starb gestern nach langer und sehr schmerzlicher Krankheit unsere langjährige Genossin Joseftne Net 0- ! itzkh. Genossin Netolitzky konnte freilich am Parteileben nicht mehr teilnehmen, seit die Krankheit sie erfaßt hatte, aber fie ist immer eine treue Anhängerin unserer Bewegung geblieben. Wir bitten deshalb, Genossinnen und Genossen, denen die T«l- nahme an der Beisetzung der Wien Genossin möglich ist, ihr das letzte Geleite zu geben. Di« Bestattung erfolgt am SamStag, dem 28. Feber UM halb drei Kit nachmittags vom Tnmrrhanse wffi: Pkvsrk Nr. 70, bei Lieben. Von der Endstation der Linie 12 der Straßenbahn aus erreichbar. Kunst and Wissen Bellini-Festkonzert Wir hoffen, daß das montägige Bellini-Festkonzert im Prager Deutschen Theater nur «in festlicher Auftakt zu einer richtigen Bellini-Feier anläßlich des in diesem Jahre zu begehenden 100. Todestages des großen italienischen Operisten und Vorläufers Verdis war. Denn einen Opernkomponisten ehrt man nicht durch die konzertmäßige Aufführung von Bruchstücken aus seinen Opernschöpfungen, sondern durch die Gesamtaufführung dieses oder jenes seiner bedeutendsten Opernwerke. Nach diesem grundsätzlichen Einwand sei aber mit rückhaltloser Anerkennung festgestellt, daß das Festkonzert programmlich und der künstlerischen Durchführung nach fich wirklich festlich repräsentierte. Bei der Aufstellung seines Programmes war man von dem Bestreben ausgegangen, einen möglichst umfassenden Ausschnitt durch da? gesamte Opernschaffen Bellinis zu geben. Es enthielt daher Ouvertüren, Arien, Duette, Terzett« und größere Ensembles mit und ohne Chor aus des Meisters bekanntesten und bedeutendsten Opern; aus dem»Piraten^, aus der Oper»Romeo und Julia", auS den „Puritanern", aus der„Norma" und aus der „Nachtwandlerin". Alle vokalen Nummern wurden in italienischer Drache gesungen. waS der künstlerischen Intelligenz unseres OpernensembleS sehr zur Ehre gereichte. Musikalischer Leiter des Konzertes war der italienische Meisterdirigent Bernardino Molinari, der nicht zum erstenmal am Bult des Prager Deuffchen Theaters stand,«in Bollblutmusiker, der rhythmisch genau so fasziniert wie er durch dynamisch« Abftufungskunst entzückt, ein Mustker, der ebenso leidenschaftlich fühlt wie er vom Feuer der Begeisterung erfüllt ist. Sein« Stabführungskunst im technischen Sinne ist außerordentlich, da er das Orchester nicht nur souverän beherrscht, sondern jede einzelne Ovchesterstimme sozusagen führt und lenkt. Das Theater- Orchester gab übrigens unter Molinaris Stabführung sein bestes Können her und spielte mit diszipliniertester Bravour, so daß es sich mit dem Gastdirigenten in den Haupterfolg des Abends teilen durfte. Vokale Mitwirkende waren neben dem klanglich schön abgestimmten Opernchor die Sängerinnen Vera Man finger, Rose Book, Elis. Wank« und Herta R a y n, unter denen namentlich die beiden zuerst genannten Sopranistinnen durch schönen Ton und erlesene Stimmkultur hervortraten, und die Sänger Andersen, Hagen, Göllnitz, Fischer und P 0 p» v i k. Das Konzert war ausnahmsweise, trotzdem eS außer Abonnement stattfand. sehr gut besucht und erfreute fich eines teil- wefle sogar begeisterten Beifalles.E. I. Arbeitervorstcllung„Ich hab's getan", Schauspiel von Martin Gläser, über das die Kritik einstimmig als über ein großes Theatererlebnis berichtete, am Sonntag, den 24. Feber, um halb 3 Uhr nachmittags, im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich von 8 bis 2 und 4 bis 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. Spielplan des Neuen Deuffchen Theaters. Donnerstag, halb 8 Uhr: Othello, Verdi- Zyklus IV, CI.— Freitag, halb 8 Uhr: S 0 m- mernachtstraum, D2.— Samstag, halb 8: Die schöne Helena, Abonnement aufgehoben. Spielpla« der Kleinen Bühne. Donnerstag, 8 Uhr: Ehe in Dosen.— Freitag, 8 Uhr: I ch Habs getan.— Samstag, 8 Uhr: Ehern Dosen. Prof. Samoilowiffch— Lehrer für Zarwissenschaft. Der berühmte ruffffche Arktisforscher Professor Samoilowiffch ist zum Leiter der neuen Fakultät für Polarwisienschast«rnannt worden, die jetzt an der Leningrader Universität eingerichtet wurde. Der Fakultät steht sogar ein Polarschiff zur Verfügung, auf dem die Studenten praktischen Unterricht in allen Arbeiten einer Polarexpediffon erhalten sollen. Sport• Spiel• Körperpflege Die Anfänge des Eishockeys Kein Sport hat Wohl im Laufe der letzten Jahre einen so großen Auffchwung genommen wie das Eishockey. Es kommt von Kanada und ist im Begriff,, die ganze Welt zu eroibern oder wenigsten« jene Lander, deren Klima seine Ausübung möglich macht. Das Eishockey ist aber keineswegs, wie man glauben könnte, ein neuer Sport. Sein Ursprung geht bis auf das, 15. Jahrhundert zurück. Seine erste Heimat scheint Friesland gewesen zu sein. Von dort wurde es nach Holland«ingeführt und man kann auf den Bildern der alten holländischen Meister junge Leute, wahrnehmen, die sich mit einem Spiel amüsieren, das dem modernen Hockey sehr ähnlich, scheint. Die Engländer übernahmen bald diesen verführerischen Sport und tauften ihn zuerst .Bandy", Zu dieser Zeit bediente man sich dabei noch eines Kautschukballes, statt der jetzt gebräuchlichen Kautschuffcheibe,„Puk" genannt. In seinen Anfängen war das Eishockey weniger «in Mannschaftsspiel als«in Spiel für Einzelpersonen. Erst die Engländer übertrugen auf diesen Sport die Regel des Rasen- oder Landhockeys und gaben ihm damit seine heutige Form. Im Jahre Aus dem tschechische« Kulturleben Von Rudolf Jllovh. Die links orientierte junge Dichtergeneration bekennt fich jetzt nach Ueberwindung des ein Jahrzehnt dauernden, jede Tendenz schroff.ablehnenden Poetismus, welcher die leider zu kurz« Epoche der proletarffchen Poesie abgelöst hatte, zu zwei Kunstrichtungen, welche wieder das Soziale im künstlerischen Schaffen unterstreichen: Surrealismus und sozialistischer Realismus. Führer der Surrealisten ist der Dichter Bttezflav N e z v a l, welcher diese aus Frankreich importierte Lehre sogar beim sowjetruffi- schen Schriststellerkongreß zu propagieren ttachtete. Der Kongreß selbst bedeutete aber eher eine Stärkung der sozialistischen Realisten. Karel HavliCek Borovskh sagt in seiner.Taufe des Zaren Vladimir":„Es geht zu auf dieser Erde jede Weile kunterbunt, heute giltst du als Heiliger, morgen bist du ein Schweinehund". Dieses häufig gebrauchte Zitat paßt jetzt gut auf den im Jahre 1924 jung verstorbenen Hauptrepräsentanten der proletarischen Poesie Iiri Wolker. Lange war er der Mgott aller jungen Dichter. Ueber sein Leben und Schaffen erschienen zahlreiche Abhandlungen, Monographien, Schriften wie„Walker als Pfadfinder", „Walkers Vorfahren" usw. Der Wolkerkultus nahm mitunter lächerliche Formen an. Da erschienen plötzlich Artikel wie„Genug mit Walker l" und man begann sein Werk scharf zu zergliedern. Nun traten einige kommunistische Kritiker auf, welche Walker vorwarfen, das Proletariat und der Klassenkampf wären seinem ganzen Wesen fremd gewesen und in se.ncm Werk wäre statt Kommunismus und Sozialismus nichts als reine Menschenliebe zu finden. Auch sei,re Poesie wäre nicht originell, sondern Nach- 1860 trat es in Kanada auf. Seitdem ist seine Beliebtheit immer Wetter angewachsen. Zu Anfang wurde das Eishockey in Kanada mit Mannschaften von neun Spielern bestritten. Jedes Match dauerte zwei Stunden.' Später wurde die Zahl der Spieler auf sechs zurückgeschraubt. Die Dauer des Spiels wurde auf 65 Minuten begrenzt, die aus drei Abschnitten zu 15 Minuten und zwei Pausen zu zehn Minuten bestanden. Anfangs war das Eishockey ein aristokratisches Spiel, hat sich aber dann in Kanada allmählich demokrattfiert und zählt heute zu den volkstümlichsten Sportarten dieses Landes. Es gibt dort mehr als 500 gedeckte Spielplätze, von den zahlreichen natürlichen Anlagen gar nickst zu reden. In Europa herrschte bis 1908 das Bandy vor und wurde dann endgültig durch das kanadische Hockey ersetzt. Arbeiter-Tischtennis in Danzig. Die Dan ziger Arbeiter-Tischtennisspieler trugen am 17. Feber den Rückkampf mit der Dan-" ziger polnischen Studentenverbindung„Bratnia Pomoc" aus. Vor Weihnachten vergangenen Jahres fand die erste Begegnung statt und die Studenten gewannen recht hoch. Seither hat sich aber di« Spielstarke der Tischtennisspieler im Danziger Arbeiter-Turn- und Sportverband sehr verbessert. Der Rückkampf, welcher vor sehr gutem Besuch vonstatten ging, brachte in den Einzel- und Doppelspielen spannende Kämpfe und bis zum letzten Doppel stand es 4:4. Dieses bracht« auch die Entscheidung. In einem hart umkämpften Dreisatz gewannen schließlich die Studenten und damit den gesamten Kampf mit 5:4. — Am selben Tage trugen die Arbeiter-Tischtennisspieler auch ein Freundschaftstreffen mit Bar Kochba(Danzig) aus. Bar Kochba war. bevor er zum Arbeitersport übertrat, der stärkste Tischtennisverein im Baltenland. Das Match ging gleichfalls vor zahlreichen Zuschauern vor sich und endete unentschieden 3:3,‘ nachdem wegen Zeitmangels die Dovpelspiele ansfallen mußten.— Die Tischtennis- Svielerinnen der Freien Tur- ncrschaft Danzig befinden sich derzeit in großer Form, so daß fie jedes Frauenteam glatt besiegen. Sie spielten vor obigem Kampf mit einer Kombinatten aus den Vereinen Wasserfreun.de, Bar Kochba mid Freie Sporffreunde und gewannen ficher 6:3. Vcrdnsnadirlditcn Lolksstnggemeinde. Frauen- und Männerchor. Alle SangeSge» noffinnen und Genossen werden ersucht, am Dienstag, dem 26. Feber, ausnahmslveise um%8 Uhr abends zur er st en Probe deS gemischten Chores zu erscheinen. Oer Film Rma Der dritte amerikanische Großfilm, der jetzt in Prag gestartet ist, hat«inen höheren literarischen Ehrgeiz als seine beiden Vorgänger,— aber gerade deshalb enttäuscht er die großen Erwartungen, die man hegen durfte.' Denn es ist ihm nicht gelungen, den Abstand zwischen. Hollywood und Zola zu überwinden, und es. ist. nicht«ine echte filmische Interpretation deS großen Romans vom zweiten französischen Kaiserreich geworden, sondern nur ein Star-Film mit romanhaftem Hintergrund. Der Star freilich ist sehenswert: Annck Sten, vor Fähren berühmt geworden mit den ersten russischen Lustspielfilmen, dann ins Fegefeuer der Berliner Ufa geraten,— und heute eine Schauspielerin, die in jeder Einzelheit durch virtuose Kunst interessiert, in vielen Augenblicken durch un- zerstörte Echtheit ergreifend und immer durch ihre Erscheinung fesselnd ist. Diese Anna Sten mit ihrer Bezirksorgarrisatiorr Prag der Deuffchen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Sozialistische Jugend— Kreis Prag Sonntag, den 24. Feber, 20 Uhr kleiner Saal„Unitaria" Karlova— Annrnskä. Feierstunde zum Gedenke« an die Wiener Feberkampfe Beweist durch Euer Kommen, daß die Kämpft des österreichischen Proletariats unvergessen sind! Einladungen bei den Jugendfunktionären und im Parteiheim. Mischung aus Schlichtheit und Rouffne, aus Anmut, Verstellung und Sinnlichkeit, könnte eine Nana sein, wenn der Film ihr die Möglichkeit dazu gäbe. Aber was die Regisseurin Dorothy Arznei hier geschaffen hat, hat mit Zolas Roman nur den Personenbestand und di« Umrisse der Handlung gemein. Das Enffcheidende fehlt: die Symbolisierung der Halbweltdame Nana und ihres Schicksals zum Abbild des Pariser Lebens unter dem dritten Napoleon. Ihr Aufstieg zum Ruhm, ihre Verführungen durch heuchelnd-begehrliche Lebemänner, ihr« Herrschaft in einer auf Sumpfloden sprießende« Scheinwelt und ihr Scheitern am echten Erlebnis (gerade als das Ende dieser Welt mit dem Kriege von 187<^ hereinbricht),— das ist hier im Filin nur eine beinahe banale Privat-Affäre in historischem Kostüm geblieben. Es spielt sich in diesem Hollywood-Werk alles zwischen Kulissen und Scheinwerfern ab, es herrscht die Atmosphäre des Theaters und nicht die der realen Vergangenheit, der alles erklärenden sozialen Umwelt,— und es wird mehr geredet als gestaltet. So bleibt nur die mittlere Tragödie eines armen Mädchens, das entdeckt, berühmt, geliebt, verführt, betrogen und(vom Bruder deS Geliebten) gekauft wird, bis es sich schließlich erschießt, weil der Geliebte ihm nicht mehr glauben kann. Eine Tragödie, die der Hauptdarstellerin Gelegenheit bietet, ihre Kunst und ihren Wert zu zeigen, während die anderen Darsteller ihr nur die Kommentare und Stichworte liefern. eiS—• Anna Sten als„Nana". ahmung Erbenscher Balladen. Diese Kr.uker tun Wol'rr gcwiß unrecht. Seine sozialen Ballrden, wie z. B.„Die Ballade von den Augen des Heizers". „Ballade vom ungeborenen Kinde",„Bem Roent- gen" u. a. m. sind und bleflen klassische Gedichte nicht nur der tschechischen, sondern auch der sozialen Weltpoesie. Der Kampf um Volker dauert noch an. Die letzten Auseinandersetzungen zwischen Rechts- und Linksliteraten, durch die beiden bekannten Manifeste hervorgerufen, fanden Widerhall in Polemiken über das Verhältnis älterer tschechischer Schriftsteller zu Demokratie, Sozialismus und Na- ffonalismus. In seinem viel beachteten Vortrag über die Tendenz in der Kunst machte Univ.-Prof. Oto» kar Fischer darauf aufmerffam, daß diejenigen, welche Gegner der Tendenz in der Kunst find, darunter soziale Tendenz meinen, während fie nationalistische Tendenz zulassen wollen. Jede untendenziöse Kunst ist, wie die marxistische Ideologie enthüllt hat, eigentlich tendenziös, da sie Dienerin der bestehenden Gesellschaftsklasse ist. Heute kam die Zeit, wo sich ein jeder zu seiner Tendenz bekennen mutz. Im ersten Heft des neuen Jahrganges der vom Melantrichverlag herausgegebenen„Lisch pro umeni a kritiku" erschienen einige Abhandlungen über na- tionale Fragen. An leitender Stelle befaßt sich Univ.-Prof. F. T. S al d a mit dem Thema„Tsche- chentum und Europa". Er erklärt, daß die nationali- sffsche Welle in der Welt jetzt ihren Höhepunkt erreicht, welcher bald überschritten sein und dem früheren Unwersalismus Platz machen wird. Sogar mächtige Nationalstaaten wie Italien und Deutsch- land werden früher oder später ihren Egozentrismus bändigen müssen. Die Einigung Europas wird ein Zivilisationsprozeß sein, der nach den Grundsätzen des Rechtes und der Gerechtigkeit erfolgen wird. Der russische Kollektivismus und d«r westliche Indivi dualismus werden nicht ewig feindlich gegenüberstehen. Für di« Verschmelzung beider wird das ffche« chische Volk wichtige kulturelle Vorarbeit leisten kön- n'en. Der.katholische Schriftsteller Jaroslav D u r h ch(Autor des auch in deutscher Uebersetzung erschienenen Wallensteinromans) behauptet in diesem Heft, das ffchechische Volk besitze die Fähigkeit, sich in di« Lebensweise der Deutschen einzudenken und einzufühlen, ja eS ost in seinen rein deuffchen Eigenschaften zu überbieten.„Ein Tscheche kann jedoch nur ein Mann mit freiheitlichem Geiste sein. Diese Freiheit muß verteidigt werden, mögen uns auch eine Viertelmilliarde Feinde angreifen." Die ffchechische Sprache ist schwer. Auch Journalisten, bekannte Schriftsteller und Gelehrte schreiben oft ein unkorrektes Tschechffch. Die Recht« schreibung ist zwar festgesetzt durch die amtlichen „Pravidla", aber in der Grammatik und Stilistik sind manche Unklarheiten und Abweisungen, über welche viele stolpern und über die nicht eimnal Sprachforscher einig sind. Bor mehr als zwei Jahren fanden heftige Debattenabende über die Reinheit der tschechischen Sprache statt. Es erschien ein Werk über ffchechische sprachliche Kultur und die Herausgabe eines offiziellen Wörterbuches der ffchechische« Sprache wurde angekündigt. Dieses von der Na« demie der Wissenschaften schon sehr lange vorbereitete Werk dürfte in einigen Wochen zu erscheinen beginnen und wird, wie man hofft, endlich Klarheit bringen. Ein ähnliches, nicht offizielles Wörterbuch erscheint seit vorigem Jahr im Berlage von F. Borovtz. Nunmehr ist auch die erste Nummer der im Melcintrichverlage herausgegebenen neuen Zeitschrift„Slovo a slovesnost", Organ des»Prager linguistischen Cercles, erschienen. Die bisherige sehr geachtete Zeitschrift„Nase ieC ist ftrenz puristisch, während das neue Blatt die Sprache als etwas'Lebendes und Wandelbares ansehen will. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich AL 16.—, vierteljährig KC 48—, halbjährig KC 96.—. ganzjährig KC 192.—.—«wserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen PreiSnachlast— Nückstcllung^n Manuskriptrn erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSftankatur wurde von der Post- und T-I-. graphendlrektton mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis. Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag.