ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK BtSCHSNT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiu fochova«. Telefon sxn. Administration telefon$307«, HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURs WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Forte) 15. Jahrgang Donnerstag, 28. Feber 1935 Nr. 50 Dr. Benes für konsequente Planwirtschaft SchieBerei bei Millstadt Ein Junger Bursche und ein Gendarm tot Klagenfurt. Bei Millstadt kam es Mittwoch z« einer Schießerei, der zwei Menschenleben znm Opfer fielen. Der Gendarm Z e n i traf auf seinem Dienstgang zwei junge Burschen. Als er sie auffordcrte, sich z« legitimieren, gaben sie gegen ihn einige Schüsse ab. Auch der Gendarm machte von der Waffe Gebrauch. Nach der Schießerei wurden der Gendarm und einer der jungen Leute tot aufgefunden. Der zweite Bursche ist verschwunden. Einzelheiten über diesen Zusammenstoß sind bisher noch nicht bekannt. Abessinien will den Frieden Glaubwürdige Versicherungen an die Adresse Roms Rom.(Tsch. P. B.) Der hiesige abessinische Geschäftsträger hat heute nachmittag auf Grund eines gestern eingegangenen Schreibens des Kaisers von Abessinien vor der internattonalen Presse «ine Erklärung verlesen, in der es u. a. heißt: Als Brrtreter meines kaiserlichen Herrn schwöre ich bei meiner Ehre«nd bei der Ehr« meiner Ration, daß die Regie- «nng von Abessinien niemals dar«'N Fäd a ch t hat und niemals daran denkt, die beiden benachbarten italienischen Kolonien 2 n- «ali und Eritrea mil den Waffen a« z u g r e i f e n. Diese Erklärung ist bereits dem König von Italien und dem Chef der italienischen Regierung Mussolini mündlich und schriftlich gegeben worden. Trotzdem fährt die italienische Regierung fort, Truppen zu mobilisieren und sie zusammen mit zahlreichem Kriegsmaterial in die beiden italienischen Kolonien zu entsenden. Gestern hat die italienische Regierung durch eine Mittri- iung an die Presse neu« Transporte von Truppen und Kriegsmaterial angekündigt. Diese ernsten militärischen Maßnahmen werden von der italienischen Regierung jedesmal als Berteidigungsmaß- nahme bezeichnet. Italien kann sich dies« Transporte von Truppen«nd Kriegsmaterial ruhig sparen, da Abessinienweder die Absicht nochdcnWillen hat, die Kolonien a n- zugreifen. Ich kann noch weitergrhe««nd erklären: Die Absichten Abessiniens gegenüber Italien find so friedlich, daß, wenn Italien auch den letzten Mann«nd die letzte Kanone aus Eritrea«nd Somali znrückzirhen wollte, Abessinien auch nicht einen Stein dieser beiden italienischen Kolonien antasten würde. Wir haben mit Italien einen Freundschafts-, Schlichtungs-«nd Schiedsvertrag. Diesem Vertrag will Abessinien treu blei- ben. Dieser Vertrag bietet Abessinien«nd Italien Mittel und Wege und alle nach dem schweren Zwischenfall im Dezember vorigen Jahres entstandenen Fragen für beide Teile friedlich und ehrenvoll z« lösen. . Rom. Im Verlaufe der Truppentransporte lind Mittwoch der italienische Personendampfer »Leonardo di Vinci" aus Messina und der Dampfer»Arabia" aus Neapel in See gegangen. Der Kelchsbischof wieder obenauf? Ernpkang durch Hitler Berlin.(Tsch. P. B.) Der Empfang des meichsbischofs Müller durch Hüler wird in evangelischen Kreisen als ein Vorgang von großer Bedeutung angesehen. Es ist noch nicht lange her, daß ein bei Hüler angekündigter Empfang des Reichsbischofs abgesagt wurde, well der Reichskanzler angeblich durch politische Beratungen verhindert" sei.' Während die Gegner Müllers in diesem ausgefallenen Empfang damals schon ein Zeichen dafür sahen, daß Müller in Ungnade gefallen sei, bemühtet der Empfang des Reichsbischofs durch Hiller alle solche Erwartungen. Umgekehrt erwartet. man, daß die Politll der Einigung der evangelischen Kirche unter der Leitung Müllers wieder Neuen Boden gewonnen hat. Die groBen Aufgaben der Koalition nach den Wahlen P r a g. Außenminister Dr. B e n e 8 sprach Mittwoch im Jndustriellenklub in deutscher Sprache über das Thema„Wohin führt die R a ch k r i e g s e n t w i ck l« n g d e r W i r t s ch a f t." Dr. Benes legte dar, wie Krieg«nd Revolution dazu führte, daß der Staat die Basis des wirtschaftlichen Liberalismus verließ und selbst wirtschaftliche Funktionen z« übernehmen begann. Diese Entwicklung geht trotz der kurzen Konjunkturperiode, die im Jahre 1928 endete, weiter. Der Weg vom ökonomischen Liberalismus zur Sozialpolitik führt weiter: zur PlanmäßigenWirt- s ch a f t, in der die Funktion des Unternehmers, die wirtschaftliche Funktion überhaupt, erst eine soziale Funktion wird und man von der Sozialgesetzgebung z« einer dirWirtschaft selb st regelnden Gesetzgebung übergeht. In vielen Staaten, in Deutschland, Italien, Sowjetrußland, wird heute autoritär in die Wirtschaft ringegriffen. Das ist vielfach nur eine Folge des autoritären Politischen Regimes. Aber auch in demokratischen Staaten, Belgien, England, den Bereinigten Staaten, Frankreich«nd der Tschechoslowakei gibt es dentliche Ansätze zn einer Planwirtschaft. Die Tschechoslowakei steht vor außerordentlich schwierigen Wirtschaftsproblemen. Dir Industrialisierung agrarischer und halbagrarischer Staaten, die die wichtigsten Abnehmer tschechoslowakischer Jndnstrieprodnkte waren, verursachte einen katastrophalen Erportschwund^ Es ist Unwahrscheinlich, daß der Export je wieder seinen! alten Umfang annimmt, obwohl jede mögliche Exportförderung erfolgen muß. Darum ist der innere Markt, der heimische Konsument doppelt wichtig. Der Konsum eines inländischen Konsumenten beträgt aber nur die Hälfte eines westeuropäischen, ern Drittel eines amerikanischen Konsumenten. Größerer Absatz im Inland und erhöhtes Lohnniveau können die Industrie in stärkerem Maße beschäftigen. Doch das genügt nicht. WaS wir brauchen, ist wirtschaftliche Planung, Organisation von Konsum und Absatz, bewußte und bereitwillige Zusammenarbeit aller an der Wirtschaft beteiligten Faktoren. Paris. sTsch. P.-B.) Zu den Londoner Unterredungen der österreichischen Minister erfährt der Londoner Korrespondent des„Petit Parisien", daß die Gespräche sich nicht nur um politische, sondern auch um finanzielle Angelegenheiten bewegten. Es wurde* zunächst über den Donaupakt verhandelt, aber die britischen Minister, welche ihre diesbezügliche Verantwortlichkeit möglichst beschränken wollen, versuchten es, das Gespräch auf allgemeinem Boden zu halten. Einer der Punkte, auf denen die östererichi- schen Minister am meisten verharrten und den die britische Regierung zur Kenntnis nahm, ist der, daß Oesterreich wolle, seine Integrität möge in dem gleichen Maße garantiert werden, wie die Unabhängigkeit der anderen Staaten, welche den Pakt unterschreiben. Mit anderen Worten, der mitteleuropäische Pakt müsse auf der Grundlage völliger Gegenseitigkeit begriffen werden. Bezüglich der finanziellen Fragen erhielten die österreichischen Minister nach den Informationen des Londoner Berichterstatters des„Echo de Paris" bloß die Zusicherung, daß die Herabsetzung des Zins- Jn der Landwirtschaft finden wir bereits Anfänge einer Einfuhr- und Preisregelung. Eine gründliche Analyse der Produktionsmöglichkeiten«nd der zugänglichen Märkte «nd die notwendigen planmäßigen Regelungen müssen auch auf anderen Gebieten erfolgen, nicht nur, um Arbeit zu schaffen, sondern auch um Klarheit darüber zu gewinnen, welche Industrien lebensfähig sind und welcher Teil der Arbeiterschaft in den Produttionsprozeß wieder eingegliedert werden kann. Wirtschaftsplanung, sagte Dr. Benes, muß großzügig sein, Palliativmittel genügen nicht. Es ist kein Zufall, daß Rußland einen Fünfjahresplan wählte, und auch wir müssen mit Entschiedenheit und Klarheit unseren Weg auf weitere Entfernung sehen. Der Bolkswirtschaft, der Technik, der Statistik ist hier eine große Aufgabe gestellt und es werden die Einrichtungen und Institute geschaffen werden müssen, die der Wissenschaft die Möglichkeit der Erfüllung ihrer richtunggebenden Funktion geben. Man m« ß e i n^e n F ü n sj a h r e s- plan für die Organisierung unserer landwirtschaftlichen Pvckd nktian»nd Distribution e e st e k k.eltß^ d tv' d^'V Einfuhr jener Rohstoffe ermöglicht, die wir für unsere Exportindu- st r i e n brauchen. Regulierte Wirtschaftsführung hat allerdings die Tendenz zur Autarkie in sich; Autarkie würde aber politisch, sozial und wirtschaftlich unser Verderben bedeuten. Darum müssen wir so vorgehen, daß wir ehestens wieder zum internattonalen Austausch zurückkehrrn können. Die kommenden Wahlen sollen nicht so sehr darüber entschieden, wer regieren wird, als was wir tun wollen. Die Koalition wird nach den Wahlen großzügig und konsequent die notwendige Aktion beginnen. Zu einer regulierten Wirtschaftsführung wird man ein Dy st em Zeit— eine mindestens fünfjährige Periode— wissenschaftliche Methoden, einen Finanzplan benötigen. Wenn die gegenwärtigen diplomatischen Verhandlungen über die Sichrrheitspakte z» Ende geführt sind und der Friede gesichert ist, können wir mit Ruhe an den Wirtschaftsplan gehen, der die wirtschaftlichen Berhältniffe regeln, aber die F r«i- heil unversehrt lassen wird. f u ß e s der österreichischen Anleihe des Völkerbundes von 6 auf 4^ Prozent, aber keineswegs die Zusage einer neuen Anleihe in Erwägung gezogen werden würde. Die Londoner Finanzkreise sollen sich jeder neuen Anleihe an Oesterreich gegenüber ablehnend verhalten, da sie dir Stellung der gegenwärtigen österreichischen Regierung nicht für fest genug erachten. Sie befürchten auch die Möglichkeit des Anschlusses und erachten die Anleihe von englischem Geld in Oesterreich unter diesen Umständen als ein Wagnis. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg soll in London auch datauf gedrungen haben, daß Oesterreich das Prinzip der m i l i t ä r i s ch e n Gleichberechtigung zuteil werde, welches ihm nicht vorenthalten werden könne, wenn es Deutschland zugestanden werde. Nach weiteren Informationen des Londoner Korrespondenten des„Echo de Paris" soll die österreichische Regierung jedwede Zusammenarbeit mit den österreichischen Nationalsozialisten abgelehnt und eher eine„Annäherung" an die Sozialdemokraten und andere oppositionelle Gruppen zugestanden haben« Friedrich Ebert Zu»einem 10. Todesteg Heute vor zehn Jahren durcheilte die Welt die Trauerkunde, daß der erste Präsident der Deutschen Republik, F r i e d r i ch E b e r t, gestorben war. Am 9. November 1918 hatte er aus den Händen des letzten kaiserlichen Reichskanzlers, des Prinzen Max von Baden, das Kanzleramt übernommen, am Tage darauf war er von einer wildbewegten Versammlung der Arbeiter- und Soldatenräte zum Volksbeauftragten gewählt worden. Drei Monate später wählte ihn die Nationalversammlung zum Präsidenten der Deutschen Republik. Als sich die Verhältnisse befestigt hatten, verlangte Ebert von der Regierung, daß alsbald entsprechend den Vorschriften der Verfassung die erste Wahl des Präsidenten durch das Volk vorgenommen würde. Aber der Reichstag beschloß mit ungeheurer.Mehrheit, Ebert zum Bleiben aufzufordern, und verlängerte seine Amtsperiode bis zum Juni 1925. Am 28. Feber desselben Jahres starb er, und man kann ohne Uebertreibung sagen» daß damals das deutsche Volk, von einer kleinen Minderheit unbelehrbarer Fanatiker abgesehen, die Verdienste des Toten dankbar anerkannte und an seinem Grabe aufrichtig trauerte. Sechs Jahre lang hatte Ebert an der Spitze der Deutschen Republik gestanden. Davon waren fünf von einem tragischen Existenzkampf des deutschen Volkes erfüllt, dessen Größe die Welt Serge ssenzu haben scheint. In jene Zeit- fallt die erzwungene Unterzeichnung des Friedens von Versailles, die militärische Okkupation Westdeutschlands, der blutige Kampf um den Osten mit den Polen, das Londoner Finanzultimatum, der Ruhreinmarsch. Innenpolitisch ist sie gekennzeichnet durch den Spartakusaufstand von 1919, den Kapp-Putsch von 1920, den mitteldeutschen Aufstand von 1921, den Münchener Hitlerputsch von 1923. Wirtschaftlich bedeutet diese Häufung außen- und innenpolitischer Komplikationen soviel wie chronische Gefährdung der Bolksernäh- rung, Lahmlegung der Produktion, Arbeitslosigkeit und Entwertung der staatlichen Zahlungsmittel bis zum Nullpunkt. Alle Höllengeister der Vernichtung waren in diesen furchtbaren fünf Nachkriegsjahren auf das unglückliche deutsche Volk losgelaffen, und sein unvermeidliches Schicksal schien ihm auf die Stirne geschrieben. Es hieß Zerfall und Untergang. Dann aber, Ende 1923, ändert sich mit einem Schlage das Bild. Rach dem Abschluß des Ruhrfriedens befestigen sich die Verhältnisse im Innern; mit heroischen Anstrengungen gelingt die Stabilisierung der Mark. Die deutschen Reparationen werden 1924. durch den Dawesplan geregelt, die Wirtschaft funktioniert wieder, ausländisches Kapital strömt ins Land. Die Linie wird sichtbar, die später über Locarno in den Völkerbund und Mir vorzeitigen Räumung des besetzten Gebietes führt. Jetzt erst ist Deutschland wirklich eine Republik. Das Reichsbanner marschiert durch Städte und Dörfer mit wehenden schwarz-rot-goldnen Fahnen. Kunst und Kirche, Wissenschaft und Presse» sind frei. Jeder liest, was ihm gefällt, besucht die Versammlungen, die ihn interessieren, pricht auf Markt und Gasse mit selbswerständ- licher Freiheit seine Meinung aus. Die Löhne, durch das staatlich anerkannte Tarifsystem geschützt, erreichen Höhen, wie kaum in einem„Siegerlande", die Sozialleistungen desgleichen. Noch ist Deutschland kein glückliches Land, gibt es kapitalistische Ausbeutung und. proletarische Not über- genug— aber soll man sich nicht zutrauen, auch mit diesen Problemen fertig zu machen, nachdem man.schon so viele andere gelöst hat? Für die Zeit von Ende 1923 bis zu Eberts Tode gilt das Fauftwort: Vernunft fängt wieder an zu sprechen. Und Hoffnung wieder an zu blühn. Was damals geschaffen wurde, war von jedem Standpunkt aus betrachtet, eine staatsmännische Leistung ersten Ranges. An ihr hatte Ebert einen Hauptanteil. Mit einem politisch weniger ersab- renen, weniger mutigen und'ähen Mann an der Spitze wäre Deutschland schon damals ohne weiteres in den Orkus hineingesegelt. Ebert aber saß in seinem bescheidenen Arbeitsnünmer in der Wil- helmstraße, empfing dort seine Besucher und formt« Mißglückter Pumpversuch Schuschniggs in London? Bettes Donnerstag. 28. Feber 1935 Nr. 80 Gegen die Hetze der Genossenschaftsgegner! Gesamtstaatliche Erklärung der organisierten Verbraucher Im Namen einer Million Genossenschaftsfamilien In imzLhligen Gesprächen mit Männern aller Parteien und Berufe den Willen, der der deutschen Politik ihre Richtung gab. In die Oeffentlichkeit trat er selten. Aber er sehnte sich aus dieser Enge heraus, er wollte nach Ablauf seiner Amtszeit wieder als freier Staatsbürger und Sozialdemokrat zu neuen politischen Kämpfen antreten. Eine kurze Krankheit mit tödlichem Ausgang bereitete e»ll diesen Plänen ein sähes End«. DaS deutsche Volk verdankt Friedrich Ebert viel. Viel verdankt ihm auch die deutsche Arbeiterklasse, der er entsprossen ist und die allen Grund hat, auf ihn stolz 311 sein. Heute durchschreiten die sozialistischen Arbeiter in Deutschland eine Zone der Verwirrung. Sie sind durch die Wucht der Ereignisse wie betäubt und suchen einen neuen Standpunkt, von dem aus sie das Erlebte beurteilen können. So viel aber bleibt gewiß: DieArbei- terbewegung Deutsch! an d s wird nur dann eine Zukunft haben, Wenn sie— bet aller Selbstkritik i m Einzelnen— den Mut finden wird, sich zu ihrer Ber- a n g e n h e i t zu bekennen. Sie ist nicht rei von Fehlern,- aber noch reicher an großen Leistungen. Je tiefer das Deutschland von heute in Knechtschaft und Schande versinkt, desto Heller erscheint das Bild jenerBergangenheit und in ihm die Gestalt Friedrich Eberts. Sein Grab auf dem Bergfriedhof von Heidelberg liegt heute verlassen. Aber die Zeit wird kommen, in der ein befreites Volk eS mit Kränzen unvergänglicher Dankbarkeit schmücken wird. Abgeordneter Slavltek aus der nationalsozialistischen Partei ausgeschlossen Prag. Mittwoch früh beschloß der Vorstand der tschechischen nationalsozialistischen Partei einstimmig den Ausschluß deS Abgeordneten Jan Slavikek aus der Partei. Slavikek hat daraufhin in einer Zuschrift an den Präsidenten des Abgeordnetenhauses sein Mandat zurückgelegt. Slavikek, der in der Partei seit langem die Interessen der Gewerbetreibenden betreute, soll sich, wie Abgeordneter Netolickh referierte, in einer Sitzung des Zentralverbandes der nationalsozialistischen Gewerbe- und Kaufmannsverbände»inganzunberechtigter Weise für die Unterstützung des politischen Gegners und gegen di« eigene Partei" ausgesprochen haben. Das»A Zet" schreibt dazu in einem Kommentar, daß auf die führenden Stellen der Ge- Werbepolitik.funge, energische Leute gehören..Die Führung könne nicht einem Mann anvcrtraui werden, der zwar seine Verdienste habe, der aber schon zu wenig leistungsfähig und energisch sei. Slavikek habe das nicht eingesehen, sondern habe an seinem Mandat geklebt und deshalb gehe er jetzt dorthin,»wo politische Greise noch Mandate erhalten." Mit dem letzten Hinweis ist offenbar die tschechische Gewerbepartei gemeint, der sich Glavikek genähert haben soll, als er erfuhr, daß er von seiner eigenen Partei nicht mehr ins Parlament kandidiert werden wird. Slavikek gehörte zu den prominenten Männern der nationalsozialistischen Partei. Er war eine Zeitlang auch ihr Vertreter im Parlamentspräsidium und Vorsitzender des Abgeordnetenklubs. Am Mittwoch fand in Prag die Generalversammlung der Jnteressenzentrale der Genossenschaftsverbände (Üstredni svaz ksl. druzstev. Verband deutscher Wirtsckaftsgenoffenschaften, Unie ksl. druZstcv, Legiojednota, Moravsko-slezskä jednota) unter Beteiligung des RegierungSkommisiärS des Ministeriums für soziale Fürsorge statt. In dieser Generalversammlung gab der Vorsitzende Emil L u st i g einen ausführlichen Bericht über die gegenwärtige Rechtslage der Konsumgenoffenschaftsbewegung sowie über die Schritte, die im Interesse der Genossenschaften unternommen wurden» um ihrer ungerechtfertigten Verfolgung auf.einer festen gesetzlichen Grundlage zu begegnen. Er gab bekannt, daß sich die vorgeschlagene Regierungsverordnung, welche diese Verhältnisse regeln soll, ien interministeriellen Verfahren befindet und daß'mit dem Finanzministerium über die Novellierung des Gesetzes betreffend di« besonder« Erwerb st euer eingehend verhandelt wird. Aus diesen Verhandlungen ging hervor, daß die Regierung von den Genossenschaften materielle Di« Generalversammlung der Juterrffrnzen- trale der GenaffenschaftSverbänd«, die am 27. Feber 1935 stattfand, hat mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, daß daS Justizminifterinm der Regierung eine Novelle über die Regelung einiger Ber- hältniffe der Gmoffenfchasten vorgelegt hat. Dadurch wird einem Verlange« entsprochen, daS die am 16. Dezember v. I. stattgefundene gesamtstaatliche Kundgebung der Konsumgenosienschaften stellte, und zwar, daß die Regierung auf dem Wege der Gesetzgebung die Gen offen schäften schützen möge gegen die Attionen der Händlrrorganisatione«, namentlich«egen provokative, zum Zwecke der Schä- dignng der Genaffenschasten vorgenommenen Ein- känfe durch gedungen« Leute. Diese Forderung ist allen Gruppen der Grnoffeuschaften, namentlich der in der(scntrokooperntive organisierte« landwirtschaftlichen Genossenschaften qemrin. Wir erwart«« daher, daß die Regierung der Tschechoslowakische« Republik diese Novelle genehmigt und eine Rrgie- rnngSverordnung herauSgibt, die sämtliche, bisher strittigen Fragen in einer solchen Weis« regelt, daß sich die Genossenschaften ungestört ihrer gemeinnützige« und auf dem Grundsätze der Selbsthilfe beruhenden Tätigkeit zum Vorteile von Millionen ihrer Mitglieder und deren Familienangehörigr» widmen könne«. Indem wir einzig und allein diesen Zweck der- folgen, weisen wir entschieden die Erklärung deS Zentralrates der Kanfmannschaft zurück, welche behauptet, daß eS uns nur um die Erweiterung von bisherigen Vorrechte« der Genossenschaften»nm Nachteile deS Einzelhandel- gehe. Die Genossenschaften besitze« keinerlei Vorrechte, inSbe- Opfer fordert, di« die Genossenschaften in einer angemessenen Höhe unter der Bedingung zu bringen gewillt sind, daß die Mängel der Gesetzgebung geregelt werden, die eine ungerechtfertigte Schikanierung der Genossenschaften ermöglichen. Dies« offene und der Staatsverwaltung gegenüber loyale Handlungsweise wurde von den Oppositionsparteien zu einer heftigen, auf die politischen Wahlen abgestimmte Kampagne benützt. Diese'Parteien haben ein Interesse daran, unter dem Vorwande des Kampfes gegen die Genossenschaften unter die Bevölkerung Haß und Unruhe zu tragen. Die Genoffenschaftsbewegung aller Verbände ist stark genug, um die Angriffe abzuwehren und hat der gesamten konsumierenden Bevölkerung kundgetan, daß sie sich in ihren Bestrebungen, die Interessen der Verbraucher zu wahren, nicht beeinträchtigen lassen wird. In Anbetracht dieser Umstände hat die Generalversammlung der Jnteressenzentrale der Ge- ncffenschaftsverbände folgende Entschließung gefaßt: sondere keine Steurrbessünsti-nn-rn gegenüber dem Einzelhandel, obzwar sie diese schon mit Rücksicht auf ihre uneigennützigen Zwecke verdienen würden, dir koin Unvoreingenommener mit de« Prositintrr- essen deS Privathandels vergleichen kann. Die geforderte Novelle bedeutet keineswegs eine Schädigung der StaatSsinanzen, wie die Erklärung deS ZentralrateS der Kaufmannschaft der Oeffentlichkeit einreden möchte. Sie wird im Gegenteile dem Staate eine Erleichterung in der Verwaltung bringen,«aS mit den allgemein gutgebeißenen Vestrrbungen zur Rattonalisieeung der öffentliche« Verwaltung im Einklang steht. Die Genossenschaften erfüllen sämtliche, ihnen von Gesetzes wegen vorgeschrieberten Pflichten, namentlich di« ordentlich« und rechtzeitige Zahlung der Stenern und Abgaben und werden auch in Hinkunft dem Staate gebe«, was ihm gebührt. Tie Genossenschaften können daher mit Ruhe die Angriffe aller jener abwehrr«, dir sich zu unrecht al- dir Hauptstütze« drS Staate- bezeichne« und dabei Unruhe und Mißtrauen verbreiten, Abschreibungen von MiUiardenrückstinden an Stenern und Abgaben fordern, nicht- znr Erneuerung des Wirtschaftsleben- beitragen» jede Maßnahme, dir auf dir Hebung de- Lebensstandard--inzielt, ablehnen und im Gegenteil laut Erleichterungen, Subventionen «nd Schutz für ihren Stand und dessen Organifa» ttonen fordern. Auf zwei Stühlen kann man nicht sitzen Unter diesem Titel befaßt sich das»Ceskk Slovo" an leitender Stelle mit gewissen Strömungen in der Agrarpartei. Am Sonntag hat nämlich in der Generalversammlung der mährischen landwirtschaftlichen Gesellschaft«in Agrarier namens Dr. Kyjovskh gesprochen und als d«rS Programm der Agrarpartei die Beherrschung des Staates durch seine Partei hingestellt. Er sagte: Die Agrarpartei geht in di« kommenden Wahlen mit dem Programm, die große nationale Mehrheit samt Industrie und Städten an sich zu reißen urck so die Regierung des Staates- ganz in ihre Hände zu nehmen. Mit Recht hält das»Ceskk Slovo" dem von Dr. Kyjovskh ausgesprochenen Standpunft gegenüber, was die verantwortlichen Führer der Partei Ministerpräsident M a l y p e t r, die Minister Dr. Eernh und H o d z a und der Generalsekretär Beran gesagt haben. So hat sich Malypetr am 80. Jänner folgendermaßen geäußert: DaS allgemeine und gemeinsame nationale Interesse ist um so sicherer gewahrt, je größer di« einzelnen Interessen sich miteinander zur Zusammenarbeit auf dem Weg« eines friedlichen«nd gerechten Ausgleiches der Bedürfnisse der einzelne» Schichten und Gruppen verbinden. Darum ist in unserer demokratischen Verfassung, an der wir bis in alle Konsequenzen festhalten, der Zustand einer solchen ruhigen Zusammenarbeit, sei eS in der Gesetzgebung, sei es in der Regierung, der einzig gesunde... Als größte Partei sind wir unS der Größe unserer Verantwortung bewußt, melden uns zu ihr und rufen auch all« übrigen dazu auf. Wenn auch die Ausführungen des Dr. Kyjovskh nicht die Meinung der führenden Männer der tschechischen Agrarpartei darstellen, so sind sie doch ein Zeichen dafür, welche Strömungen in dieser Partei vorhanden sind. Freilich hat der»Ven- kov" die Ausführungen des Dr. Kyjovskh nicht gebracht. Mörzkassenscheine werden bar eingelöst Am 1. März 1938 werden die auf Grund des Finanzgesetzes für daS Fahr 1933 ausgege- henen ü^pryzentigen Staatskassenscheine fällig. Dies« Kassenscheine können vom heutigen Tage angefangen, behufs Boreinlösung bei der Rechnungsabteilung der Direttion der Staatsschuld in Prag HI., Malostranskk näm. Nr, 2, vorgelegt werden. Der Gegenwert wird bei der Staatszentralkaffe in Prag zum 1. März 1935 zur Auszahlung angewiesen werden. Die außerhalb Prag- wohnenden Parteien können da- Inkasso bei den zuständigen Steuerämtem beanspruchen. Die Bareinlösung dieser Kassenscheine, von denen für 168 Millionen XL im Umlauf waren, ist dadurch möglich geworden, daß beim Umtausch der zum 1. Feber fälligen BonS die neuen Kassenscheine, obwohl sie nur 4,5 Prozent tragen, stark überzeichnet wurden. Der Ueberschuß wird nun zur Barablösung der jetzt fälligen DonS verwendet.. in der Verteidigung der Arbeit der Genossenschaften für die breitesten Schichten der Bevölkerung (Antwort an die Kaufmannschaft) Drücke naüil/fli//^ Roman von Frftx Rosenfeld »Er lief über die Straße, er war herrenlos. Ein Auto kam vorüber und erfaßte ihn. Die Räder gingen über ihn hinweg. Ex lebte noch, aber das Unabänderliche war bereits beschlossen. Sr zappelte mit den Beinen in der Lust, er schrie, man sah keine Verletzung an seinem Körper, aber das Rückgrat mochte gebrochen, daS Herz zermalmt worden sein. Ein paar Minuten kämpfte er verzwei- felt, dann sank er am Straßenrand nieder, seine Flanken zitterten noch, und dann lag er stumm sind sttll. Seit diesem Tag wissen wir, was Todeskampf Ist: ein von vornherein vergebliches Ringen mtt einem Gegner, der schon gewonnen hat, ehe er auf den Plan tritt. Wir haben ihm gestern ins Auge gesehen, als der Sarg in die Grube sank. Er steht heute neben uns." Die Worte marterten Carlotta, dieses stumpfe, schicksalsberette Sich-Unterwerfen. Dieser fahle Ton, das ewige.wir"— es war, als gäbe es kein ich mehr für die beiden Frauen, als seien sie aneinandergefesselt, zwei Sträflinge, die beide sterben müssen, wenn der eine einen falschen Schritt macht und in den Abgrund gleitet. Sollte Carlotta sie trösten? Es wären leere Worte gewesen, dürftig und ärmlich und vollkommen ohnmächtig gegen die Stimmung der Todesergebenheit, die die beiden Frauen erfaßt hatte. Aber sie durfte sich nicht mitreißen lassen in die Schattenwirbel,, sie zogen die Gedanken unaufhaltsam hinab und lähmten den Schlag ihres Herzens. Ihre Hand lag auf der Stirn Gregors, es war ihr, als verschlösse sie die Pforte, durch die «ckleS Leben aus ihm strömen müßte, ginge sie fort. Raymonde sprach, von den kleinen Dingen ihres Alltags, auch hier brach eine Pforte auf und Leben entströmte, das bisher durch eine enge, verschlossene Welt gekreist hatte. Da sitzt du nun neben einem Schwerkranken und zwei geschwätzigen alten Frauen, die nur vom Tode reden, sagte sich Carlotta. Marcel hat sich einen günstigeren Platz gewählt. Er tanzte drüben mit Xenia, man hörte sie beide laut lachen, Clariffa kreischt auf, wenn er einen Witz erzählt. Raymonde sprach weiter, von einem HauS, einem Garten, der alten Frau, die nichts auf der Wett hatte als ihren Sohn, und der war ein Lump, der sie bestahl. Dennoch war sie glücklich. »Sie hatte«in Kind," sagte Georgia.»Eine Frau, die kein Kind hat, hat gar nicht gelebt." Carlotta hörte nur mtt halbem Ohr. Wenn alte Frauen mitteilsam werden, wachen alle Romane auf, die sie gelesen und als Ersatz für ungelebtes Leben in ihrem Herzen aufgespeichert haben. Ein Kind? Sie wollte sehen, wie Marcel mit Xenia tanzte. Ob sie gut zusammenpaßten? Was Xenia nicht zu klein, war sie schmiegsam genug, das Girl mit den wilden, ungezähmten Gesten, das sich nur nach unsächlich mühevoller Probenarbeit in den Rhythmus der tnazenden Truppe einspannen ließ? War sie eifersüchtig? Auf einen Mann, den sie haßte? Sie haßte die beiden alten Frauen in diesem Augenblick, sie haßte Gregor, der dalag, mit glühenden Pulsen, mit fliegendem Atem. Sie nahm langsam ihre Hand von seiner Sttrn, sie tonnte nicht länger auf verlorenem Posten gegen den Tod kämpfen, die alten Frauen sollen es tun, sie kannten ihn enger, sie waren ihm näher. Mit einem Blick bat sie'Georgia, ihre Stelle einrunehmen. Frau Avory drillte in einem Winkel Livia, Grit und Clariffa, sie sahen immer zu Marcel hinüber, der mit Xenia in der Mttte des Wartesaals einen Tango tanzte. Das Grammophon spiette den Schlager, den Frau Avory einstudierte, Marcel pfiff die Melodie, nach der er tanzte. In einem andren Winkel bearbeitete Ludovica einen kleinen Gong. Frau Avory schrie, aber weder Marcel noch Ludovica lttßen sich von ihren schrillen Rufen stören. Carlotta hielt sich die Ohren zu, sie wollte nicht hören, sie wollte nur sehen. Ganz eng schmiegte sich Xenia an Marcel, sie tanzten nicht schlecht, wenn er sie in die Schule nahm, er würde sie sicherlich zu einer brauchbaren Partnerin ausbilden. Er sah, daß Carlotta ihn beobachtete, aber fein Gesicht, starr hingegeben an den Rhythmus, verriet ihn nicht. Sie soll sehen, daß ich sie nicht brauche. Daß sie ersetzbar ist. Jederzett. Olavsen stand hinter Carlotta, das Licht der Kerzen spiette in ihrem Haar, ein helles Gold schimmerte auf zwischen matteren, braunen Strähnen. Sie spürte seinen Atem im Nacken, wendete sich um. Sein Blick war ein stummer Vorwurf: sie hatte ihren Platz verlassen, sie duldete den Lärm, der den letzten Rest ihrer Nervenkraft aufzehren mußte. »Wann kommt der Wagen?" fragte Carlotta. »Der Kellner ist noch nicht zurück. Der Heizer versucht jetzt, den Radioapparat zu reparieren. Wenn wir wissen, was wirklich vorgefallen ist, werden die Wahnsinnigen dort wieder Vernunft annehmen.". »Marcel," schrie Carlotta.»Hör doch auf. Ludovica! Gregor hat hohes Fieber. Wenn ihr krank dalägt— was würdet ihr sagen..." „Schlafen, schlafen würde ich," rief Marcel, »und mich um nichts kümmern. Am wenigsten um Dinge, die mich nichts angehen." Er wollte sie reizen. Der Zwischenfall gestern abend— die Rosen, die er in die Kulisse geschleudert, die Szene nachher, und die Nacht, die folgte/ Ich will nicht mebr, sagte eine Stimme in ihr, ia, muß von ihm loskommen, er unterjocht mich, und wenn er mich eines Tages wegwirft. Cs darf nickt soweit kommen. Er soll bei Xenia bleiben. Sie paffen gut zueinander. Sie sind beide gemein. Sie wird ihm zurückzahlen, was er mir angetan hat. Carlotta ging ans Büfett. Marinka hatte einen großen Eimer vor sich und wusch Geschirr ab, ihre Aermel waren aufgekrempelt, ihr Haar feucht vom Wafferdunst. Halling sah ihr zu, eine dicke Zigarre im Mund. Auch die paßten zueinander, dachte Carlotta. Der fette Alte mit der gespickten Briefasche, und daS kleine Mädel, das nichts weiß von der Welt. Er wird sie kaufen, und sie wird wähnen, daS Glück sei zu ihr gekommen. Wer weiß, vielleicht war das immer noch beffer als neben Marcel leben. Der Alte schien gutmütig, er würde ni$ zu streng mit ihr sein. Nicht jeden Abend denselben Streit beginnen um Kleinigkeiten, um nichts. Nein, eS ging so nicht weiter. Sie mußte Schluß machen. Heute oder morgen. Besser heute. Sie trank ein Glas Branntwein. Marcel hat ihr oft Branntwein gegeben, bevor sie auftraten« Trink, du wirst beffer tanzen, sagte er. Sie wußte, daß Artisten nicht trinken sollen, daß der Branntwein die Nerven aushöhtt, daß sie früher fertig« erledigt, verbraucht ist, um Jahre früher, wenn sie ttinkt. Vielleicht wollte er das. Dann wurde er immer stärker. Xenia würde trinken. Xenia mackt in ihrer grenzenlosen Dummheit alles, was er von ihr fordert. Aber eines Tage- wird auch in ihr der Widerstand erwachen. Und sie wird sich nicht damit begnügen, davonzulaufen. Sie wird sich rächen wollen. Dann wird ihm alles heimgezahlt, alles. Sie haßte Marcel, aber auch der Hatz ist eine Form der Liebe, hatte sie irgendwo gelesen. Sir mußte auch dies« Liebe töten. Sie mußte gleich- gültig werden gegen ihn, gleichgültig gegen sein- Worte, gegen seinen Griff, gegen seine Liebkosung gen, gegen seine Flüche. Dann gelang eS ihk vielleicht, ihn abzuschütteln. (Fortsetzung folgt.)' *r. 8S Seife 3 Donnerstag, 28. Feier 1933 fadetendcufetficr Zeitepie^ef SHF-Führer zahlt SdiundlShnel Der„Volksgenosse Unternehmer“ ohne Maske— Sozialdemokratische Massenversammlungen in Grulich Vor einiger Zeit fand in Grulich eine SHF- Versammlnng statt, in welcher der Henleinredner W o I l n e r durch fortgesese Provokationen die Empörung der Arbeiter weckte und die Auflösung erzwang. Unsere Genossen, die dadurch gehindert waren, sich mit den Henleinleuien auZeinander- zusetzen, hatten für Sonntag, den 24. Feber, eine öffentliche Versammlung einberufen und dazu unter Zusicherung voller Redefreiheit die SHF eingeladen. Die tapferen Heimatfrontler schienen aber leine Sehnsucht nach einer Auseinandersetzung mit geistigen Waffen zu haben und blieben deshalb der Versammlung fern. Dafür waren die sozialdemokratisch« Arbeiter in grosser Zahl erschienen, auch einige Kommunisten hatten sich eingefunden. Als der Genosse Jäckel die Versammlung eröffnete» füllten über 809 Personen den Saal. Der als Referent erschienen« Genosse Ernst Paul aus Prag hielt, oft von Zustimmung unterbrochen, eine wirkungsvolle Abrechnung mit den Henleinfascisten. In schonungsloser Weise enthüllte er den Schwindel von der Volksgemeinschaft. Trostes Aufsehen riefen die Feststellungen unseres Redners hervor, daß der Führer der SHF in Grulich, der Fatri- kant Josef Hühner, die ärgsten Schundlöhne zahlt. Um etwaigen AbleugnungSversuchen von vornherein zu begegnen, erbrachte Genosse Paul den Nachweis» dass von 32 in dem Unternehmen des Herrn Hübner Beschäftigten in der Kranken- stcherung zwei in der zweiten Lohnklasse(Taglohn 8 bis 10 Kd) und 18 in dre dritten Lohntlaffe(Taglohn 10 diS 14 Xi) angemeldet sind! Die soziale Gesinnung dieses SHF-Untecnehmer» geht weiter auch aus der Tatsache hervor, dast die bei ihm beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen ab 30. August 1934» also in der Zeit der ärgsten Krise, in eine niedrigere Lohnklaffe gemeldet wurden, woraus auf eine empfindliche Lohnkürzung geschlossen werden kann. Der Volksgenosse Fabrikant nützt also die allgemeine Notlage der Arbeiterschaft zu vermehrter Ausbeutung aus. DaS ist das wahre Gesicht der Volksgemeinschaft, Man kann nun freilich verstehen, dast die Heinleinfascisten Auseinandersetzungen scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Maske„Volksgemeinschaft“ Je mehr der deutsche Bürger von der Volksgemeinschaft redet und, je mehr die bürgerlichen Zeitungen darüber schreiben, destomehr klaffen die Gegensätze zwischen den einzelnen Schichten innerhalb der deutschen Bevölkerung. Ja man kann auf Grund von allerlei Wahrnehmungen behaupten, dast das viele Gerede über die deutsche Volksgemeinschaft nur dem schlechten Gewissen des deutschen Bürgers über den Verfall eines Teiles seiner Volksgenossen, an dem er nicht ganz unschuldig ist, entspringt. AIS Unternehmer hat er sich bis jetzt erfolgreich einer finanziellen Leistung für die Arbeitslosen zur Wehr gesetzt, hat alles getan, um die Wirksamkeit der staatlichen Arbeitsvermttt» lungsämter zu hemmen, stellt mit Vorlieb« weibliche Arbeitskräfte ein und lästt möglichst viel lleberstunden schinden, um die BctciebSregie zu verringern. Darüber hinaus ist der deutsche Unternehmer ebenso tüchtig bei der Rationalisierung seines Betriebes wie sein tschechischer Kollege, hat der Produktion genau die gleiche raffinierte Methode der Arbeitsteilung zugrunde gelegt wie es der amerikanische oder japanische Fabrikant getan hat. So wie der Unternehmer hat auch der politisch gleich orientierte Kleinbürger allen Versuchen, der Arbeitslosigkeit mit radikalen Mitteln zu steuern, bisher den grössten Widerstand entgegengesetzt. Dafür aber haben sich alle diese lieben deutschen Bürger ein Mittel gegen die Rot de» deutschen Arbeiter» zurechtgelegt: die deutsche Volksgemeinschaft. WaS immer man in der letzten Zest tut, es geschieht im Interesse dieser Gemeinschaft aller Deutschen. Der Kampf gegen die Marxisten, nur im Interesse der Volksgemeinschaft, beileibe nicht zur Rettung der Kapitalisten und Var Störschutzgesetz Entwurf des Postministeriums fertig Da» Postministerium hat dm Entwurf eines Gesetzes gegen Störungen des Rundfunkempfange» fertiggestellt. Die Vorlage, welche in nm« Paragraphen Vorschriften über die Beseitigung von Störquellm, Bestimmungen über die Kontrolle der Entstörung und Strafdrohungen für dm Fall der Nichteinhaltung enthält, wurde dem interministeriellen Verfahr« übergeben und soll «och in dieser Session der Nationalversammlung erledigt werd«. Wir werdm aus diese Gesetzesdorlage, welche für die Radiohörer von grösster Wichtigkeit ist,«och ausführlicher zurückkommen. ihrer Vorrechte in der Gesellschaft, di« Erhöhung der Lebensmittelpreise im Interesse der Volksgemeinschaft mft den Bauern, die Einführung neuer Abgaben in der Gemeinde für die Volksgemeinschaft, und nicht wie so viele sagen, für die Entlastung der Besitzenden zugunsten der Arbeitslosen; und schliesslich hat das Bürgertum die Finanzierung der Lenleinbelvegung mft der »Bolkshilfe" im Interesse der Volksgemeinschaft vorgenommen. Aber nicht nur das! Man musste nur im Fasching die Ankündigungen für ihre diversen Veranstaltungen, wie MaSkenredout«, Eisfeste, Bälle, Faschingsjaulen etc. lesen, um zu erfahren, dass sich der deutsche Bürger bei all diesen Veranstaltungen auch nur im Interesse der Volksgemeinschaft langweilt, tanzt und trinkt. Vielleicht um ein paar Arbeitslose al» Kellner und einige ihrer Frauen als Garderobierinnen zu beschäftigen, vielleicht auch um ihnen etwa» Freude zu verschaffen, indem man sie vor den Balllokalen Spalier stehen lässt, wenn die Herrschaften vor dem Portal de» Ballhauses den Wagen verlassen oder in prunkvollen Masken das Eis betreten. Immer alles nur für die Volksgemeinschaft! So sagt man, aber so empfindet man auf der andern Seite nicht. Da weiss man» dass alles Gerede von der Volksgemeinschaft nur Selbstbeschönigung niederer Gesinnung ist. Dort bei den Arbeitslosen weiss man schon, dass die Volksgemeinschaft von Tag zu Täg lockerer wird, dass sich die Kluft immer mehr vertieft und bald nicht mehr zu überbrücken sein wird. Wahre Volksgemeinschaft kennt keine Almosen, sondern nur das Recht auf Brot und Erfüllung aller Bedürfnisse, sie feiert keine Feste für die Armen, sondern nur mit ihnen, sie wird, kurz gesagt, nicht durch das Wort, sondern durch die Tat. Was wir jetzt an der Volksgemeinschaft al» Wirklichkeit empfinden und feststellen, ist einzig und allein ihr Missbrauch im Interesse der herrschenden Klasse, um sich selbst noch auS der Not breiter Schichten eine Waffe zu schaffen, mit der sie die Parasiten unserer Zeit schützen und auS der sie politisch Kapital zu schla gen versuchen. SHF droht mit irredenta Wir haben bereit» über die landbündlerische Versammlung in Tuschkau berichtet, in der Herr Zierhut einen seiner sattsam bekannten Eiertänze ztpischen B.d.L. und SHF. aufführte, und von dem Äegenredner der SHF., der in schärfster Weise gegen Zierhut loszog, obwohl doch gerade dieser allgemein als der eifrigste Protektor der SHF^belstnnt ist.„ 2« Ergänzung dieses Berichtes erfahren wir noch, daß der SHF-Redner, ein biederer Versicherungsagent aus Pils«, für den Fall, als gegen die SHF behördliche Maßnahm« ergriffe» werd« sollt«, ganz offen mit Irredenta drohte. Wenn man die Leipziger Sendeberichte gegen die Tschechoslowakei und die gegen den tschechoslowakischen Staat in reichsdeutschen und deutschamerikanischen Blättern eingestellten Nachrichten, die alle durch die Bank die SHF- Tendenz unterstützen, mit dieser Tatsache in Zusammenhang bringt, kann sich die Tschechoslowakei wohl darauf gefasst machen, dass die Affäre Formt» keine Einzelerscheinung bleibt uiH zumindest der Versuch unternommen wird, die nationalsozialistischen Gangstermethoden aus Oesterreich in kurzer Zeit auch auf die Tschechoslotvakei zu übertragen. Weit geiracht hat e» zweifellos der frühere Sekretär der kommunistischen Partei Eugen N e l» hiebei, der Von feinem derzeitigen Domizil Oberaltstadt bei TrautenaU im»Prager Tagblatt", da» er früher nicht oft genug herunterreissen konnte, einen offenen Brief veröffentlicht, weil er als Vater von zwei Kindern, trotz aller Bemühungen keine Milchkarten bekommen könne. Wir vermögen momentan nicht zu sagen, ob der Klageruf deS Herrn Nelhiebel berechtigt ist oder nicht, aber eines nässen wir, dass nämlich dem Nelhiebel nicht unbekannt ist, dass da»»Prager Tagblatt" die letzte Stelle ist, an die sich ein Prolet mit einer Beschwerde wegen mangelhafter Durchführung der staatlichen Milchaftion wendet. Wenn er es trotzdem tut, dann hat er entweder die Absicht, zu beweisen, dass er Hilfe nur von bürgerlicher Seite zu erwarten hat oder um darzutun, dass er nicht» mehr mit Kommunisten und Sozialdemokraten zu tun haben will, kurzum, um sich bei gewissen Stellen beliebt zu machen. Das eine wie da» andere lässt den Radikalismus de» Herrn Nelhiebel, der früher bei jeder Gelegenheit, besonder» im Kampf« gegen die Sozialdemokraten zu beobachten war, in einem sehr eigenartigen Lichte erscheinen. Ban eines Krematoriums in Köni»inhof a. E. Die Stadtvertretung in Königinhof hat vor einigen Tagen den B.schluss oefasst, ein Krema- torium zu errichten. Mit dem Bau soll bereit» im Jahre 1988 begonnen werden. Damft wird auch vorläufig der Streit zwischen den zwei deutschen Gemeinden Trautenau-Iungbuch entschieden, die sich um die Bewilligung— Trautenau, offenbar nur zum Schein— für die Erbauung eines Krematoriums bewarben. Denn ein zweite» Krematorium in einem so engen Raum wäre zur Heit eine Fehlanlage von Kapital, das nur unter günstigen Aussichten aufzubringe« wäre. Kein Empfang Henleins durch Malypetr Prag. Da» Tschechoslowakische Preßbüro meldet, daß die Nachricht« einiger Blätter über eine Einladung Konmd.Henleins zum Vorsitz«- den der Regierung Malypetr nicht auf Wahrheit beruhen. Dazu wollen wir lediglich feststellen, daß wir nicht von einer Einladung Malypetr» an Henlein, sondern davon gesprochen hab«, daß umgekehrt.Henlein einen Empfang durch dm Ministerpräsidenten anstrede. Wir konstatier« mft Genugtuung, daß der Ministerpräsident— im Gegensatz zu einer Reihe anderer, auch außer« parlammtarischer Faktoren im tschechisch« Lager — sich von jeder persönlich« Berührung mit der SHF streng fernhilt. Nach einem ziemlich erfolgversprechend« Anlauf im Klinkmputzen bei verschiedenen tschechischen Politik«« und auch in Staatsämte« dürste gerade dieser Rückschlag vom Gmeralstai der SHF doppelt unangenehm empfunden werd«. Keine Amnestierung Jungs Die ,L i d. Noviny" dementieren die von interessierter Seite auSgestreuten Gerüchte, dass die seinerzeitigen Nazi-Abgeordneten Jung, Schubert und Köhler, gegen die ein Schutzgesetzverfahren schwebt, auf Grund der Amnestie anlässlich der Präsidentenwahl demnächst amnestiert werden sollen. Das Prager KreiSge- richt habe das gesamte Material bereits überprüft und der Prozess gegen die drei ehemaligen Abgeordneten soll bereit» in den nächsten Wochen beginnen Unti Hanleins Generalstab?. Das Blatt macht ferner darauf aufmerksam, dass gegen die Mitglieder des seinerzeitigen K a- meradschaftSbundes» aus dem bekanntlich der Generalstab Henlein» hervorging, noch immer ein Gchutzgesetzverfahren schwebt. Die Herren Brand, Gebekowsky, Kundt u. a. hätten schon vor einiger Zeit auf Grund der Amnestie bei der Präsidentenwahl Abolitionsgesuche überreicht, über die aber noch nicht entschieden sei.. Im Zusammenhang mit den Verhandlungen mit dem Bund der Landwirte bemühe sich Henlein neuerdings um Beschleunigung der Amnestierung sein« engsten Mitarbeiter. „Loyalltlt** der Henleinpresse Die von Henlein gleichgeschalteten Blätter, die immer und immer wieder, wenn irgendeine Gefahr droht, bekunden loyal dem Staate gegenüber zü stehen, die immer und immer wieder über den Notstand im deutschen Gebiete der Republik schreiben und Abhilfe fordern, die seit Wochen über jede Zehnkronennote, welche die SVH einem armen Teufel al» Preis für seine Seele gibt, lange Artikel schreiben, sie finden die sonst an ihnen gewohnte Sprache nicht, wenn vor irgendeiner Staatsstelle der Forderung nach Kriftnhilfe Rechnung getragen wird, sie bagatellisieren dann eine solche Meldung und wenden alle technischen Künste an, um jeder derartigen Meldung die politische Wirkung zu nehmen. Zu. diesen hier erwähnten Zeitungen gehört vor allem die»Reichenberger Zeitung", die mehr noch als nur von Henlein gleichgeschaltet ist. Aber auch sie will al» staatstreu gelten. Besonder» dann, wenn e» dem Her« Kostka in den Kram passt. Aber sonst macht sie in Henleinmethode. So schreibt da» Blatt über die»wahrscheinliche" Aussprache England-Deutschland gross aufgemacht an erster Stelle de» Blatte» am letzten GamStag einen zwei Spalten langen Artikel, ohne dabei auch nur einen konkreten Satz zu verwend«. Ueber die Winter- und Frühjahrsetappe der Arbeitslosenhilfe de» Fürsorgeministe» riums aber schreibt die gleiche Zeitung genau Lb Zeilen. Dabei handelt e» sich um einen Betrag von mehr als 32 Millionen Kö, der für die Fünfwochenetappe bewilligt wurde, also einen recht ansehnlichen Betrag. E» handelt sich weiter um die Kohlen« und Zuckeraktion für die Arbeitslosen, also auch hier um Millionenbeträge und eine gewaltige Hilfe für die Arbeitslosen. Dafür hat nun die»Reichenberger Zeitung" 38 Zeilen Raum an letzter Stelle der zweiten Seite und die Hoffnung, dass es hier pon den wenigsten Lese« entdeckt wird. Denn der Leser der»Reichenberger" soll wohl von dem Notstand in der Tschechoslowakei, nicht aber von der Kris«, Hilfe unterrichtet werden. Er muss in den Glauben dedsetzt werden, dass es bei uns wohl Elend, aber keine staatliche Hilfe gibt. Die soll der Leser nur von Deutschland und der BVH kennen lemen. Im übrigen aber bleibt die gleiche Presse dem Staat gegenüber weiter loyal. Besuch In Moskau noch nicht bestimmt L o n d o n. Im Unterhaus erwiderte Sir John Simon am Mittwoch nachmittags auf eine Anfrage, er könne noch keine weitere Auskunft darüber geb«, ob er auch MoSka« besuch«»erde. Besteiro fordert Gnade für die verurteilten Revolutionäre Madrid.(Tsch. P.-B.) Der ehemalig, Vorsitzende der Cortes, Besteiro, besuchte de« Ministerpräsident« Lerroux und forderte für alle wegen Teilnahme an de« Aufstande zu« Tode verurteilte» Person« Gnade. Der Bericht de» Oberst« Gerichtshöfe-, betreff«- die»ier Todesurteile, beantragt Begnadigung für zwei der Verurteilt«, darunter auch für d« Abgeo rdneten Menende z. Sine Delegation der J«malist«dereini- gung ersuchte d« Ministerpräsidenten Lerroux- daS Erscheinung-Verbot gegen„Heraldo" und „El Soeialifta" aufzuheben. Lerroux antwortete, da- der Fall des Blatte» ,^e«Ido" im Ministerrate in Verhandlung komme« wird, während die Entscheidung über das Blatt„El Soeialifta" erst nach Aufhebung des Belagerungszustandes»erd» gefällt werden könn«. Tschirschky In Wien Wien. Der Legationsrat der deutsch« Gesandtschaft Tschirschky, der bekanntlich kürzlich Wie» verlass« und sich ins Ausland begeb« hat, kehrte Dienstag wieder nach Wi« zurück. Pressevertreter« gegenüber erklärte Tschirschky, dass er au» dem diplomatisch« Dienst anSgetreten fei. Jede weitere Jnformati« verweigerte Tschirschky. Er sagte bloß, er gehe ins Ausland. Blättermeldung« zufolge wurde der reichsdeutsche Gesandte Papen im Z«samm«hang hiemit zur Berichterstattung nach Berlin berufen. Ausländsanleihe Segen Benzinmonopol? Sir Deterding in Berlin Berlin. Sir Henry Deterding weilt wieder in Berlin. E» verlautet, dass er sich um ein deutsches Benzinmonopol bewirbt. Allerding» wollen die offiziell« nationassozialistischm Kreise von einem Benzinmonopol für ein« ausländische Gesellschaft nichts wissen. Deterding bietet dem Vernehmen nach eine grosse Anleihe sogar in der Höhe von 800 Millionen Mark an, die er für da» Benzinmonopol zur Verfügung stellen will, doch ist man demgegenüber sehr skeptisch, da sowohl Deterding, wie die Royal Dutsch zwar über sehr bedeutende Guthaben verfügen, die aber eingefroren sind, so dass es schwer fein dstpfte, auf dieser Grundlage noch eine neue Anleihe ms Auge fassen'zu können. Arbeitslose demonstrieren Land«.»New» Chronicle" meldet aus St. John» auf Neufundland, dass Tausende von Arbeitslosen, Männer und Frauen, sich Dien»tag vor dem Wohlfahrtsamt angesammelt und stürmisch Lebensmittel, Brennstoff und Kleider verlangt hätten. Ein starke» Polizeiaufgebot hielt die erregte Menge mit Mühe zurück.»New» Chro» ntcle" zufolge gewährt die Regierungskommission den Arbeitslosen ein« Unterstützung von dreieinhalb Pence pro Tag. Die Kindersterblichkeit soll infolge der Lebensmittelnot und Kälte ungewöhnlich hoch sein. Neufundland, da» 1983 in eine schwere Finanzkrise geraten war, wird von einer Kommission der britischen Regierung verwaltet. Deshalb verlangt»News Chronicle" unverzügliche» Einschreiten der Londoner Regierung, die nach Ansicht desr Blatte» die moralische Pflicht hat, den notleidend« Neufundländern zu helfen. Japans panasiatische Bestrebungen Schanghai.(Tsch. P. B.) Der fapanische Gesandte Dohihara ist am Dienstag nach Kanton zu Besprechungen mft den dortigen politischen und militärischen Führern abgereist, vor seiner Abresse erklärte er, dass er in China mancherlei Sinnesänderung festgestellt habe. Alle chinesischen Staatsmänner wünschten die Wiederbelebung de» allasiatischen Geiste» gemäss dem Testament Su- n y a t s e n s(der sich da» aber wesentlich ander- gedacht Hail D. Red.-. Brüssel. Die belgische Regierung beschloss, da- Parlament um Verlängerung der Sondervollmachten zu ersuchen, welche ihr auf wirsschastlichem und finanziellem Gebiete für drei Monate bewilligt worden waren. Die Regierung verpflichtet sich, daß sie keine weiteren Kürzungen der Gehälter der Staatsangestellt« fordern wird, da deren Gehälter bereit» bis zur Grenze der höchsten Opferbertitfchaft gekürzt wo« den seien. Lüttich.(Tsch. P.».) Zwischen Anhängern der jungen sozialistischen Garde und Mitglieder» der nationalen Legion kam e» hier zu ernsten Zusammenstössen, wobei zwei Mitglieder der notig» oalen Legion ziemlich ernst verletzt wurden. Seite 4 Donnerstag, 28. Feber 1935 Nr. 50 29 MWer eines Met MMches Moskau. Zn der Graphitabteilung der Moskauer Bleistift» fabrlk„Krassin- brach infolge der Explosion am Hochdruckkom- pressor ein Grotzfeuer aus, das alle drei Stockwerke der Abteilung erfaßte. Zur Bekämpfung des Brandes wurden sämtlich«^ Abteilungen der Moskauer Feuerwehr eingesetzt. Die genaue Zahl der Opfer steht noch nicht fest. Indessen hat man durch Befragen der Familienangehörige» der in dem Werk beschäftigten festgestellt, daß 29 von ihnen in den Flammen umgekommen find. Die Zahl der Verletzte« ist ebenfalls s e h r groß. Zur Llnterftützung der Hinterbliebenen ist sofort ein Sonderausschuß eingesetzt worden. Tagesnenlghcltcn Ein 63jähriger vergeht sich an anvertrautem Kind Mittwoch tagte das Prager Schwurgericht unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Es ist ein abscheulicher Fall. Durch Vermittlung einer Humanitären Korporation wurde die noch nicht 14- jährige Christine W., ein deutsches Kind aus dem Randgebiet, dem 63jährigen Häusler und Schuhmacher Wendelin Benedikt in Riede r-Biezany über die Ferien anvertraut. Das unterernährte, blutarme und schwache Kind, Tochter eines armen Abbrändlers, der durch das Feuer an den Bettelstab gebracht wurde, sollte in dieser Familie nicht nur tschechisch lernen, sondern sich auch erholen und den schwachen Körper kräftigen. Doppelt tragisch, daß die menschenfreundliche Absicht zum Bösen ausschlug und dem Kinde zum Unheil wurde. Die Kleine wurde bei ihren Pflegeeltern gut ausgenommen und die gutmütige Frau des Angeklagten räumte dem Kinde sogar ihr Bett ein und schlief im Vorraum, so daß ibr 63jähriger Mann mit dem Pflegekind in einem Raum allein war. Der Alte begann alsbald das Kind zu belästigen und ihm nachzustellen. Christine wagte, teils aus Furcht, teils aus Scham, nichts zu verraten. Erst in einem Brief an die Mutter einer Freundin beklagte sich das Kind über die schändlichen Nachstellungen des Wüstlings und so kam der empörende Sachverhalt zutage und der Greis vor das Schwurgericht. Was bei der Verhandlung vor sich ging, entzieht sich natürlich der Berichterstattung. Die Verhandlung endete damit, daß die Geschworenen die Hauptfrage auf Notzucht nur mit sieben Stimmen bejahten, so daß die erforderliche Achtstimmenmehrheit nicht erreicht wurde. Dagegen bejahten sie einstimmig die Frage auf das Verbrechen derSchän- d u n g. Der Gerichtshof unter Vorsitz des OGR. Kaplan verurteilte den Angeklagten zu a ch t Monaten schweren Kerkers. Nach neun Jahren gefaßt. Ujhorod. Im Juli 1926 wurde die Kasse der Ujhoroder Fabrik für gebogene Möbel ausge- raubt und hiebei nahezu 130.000 XL entwendet. Erst jetzt gelang es der Uzhoroder Polizei, den Angestellten der Uzhoroder Elektrizitätsgesellschaft Karl K l i m k o der Teilnahme an diesem Raube zu überführen. Klimko gab an, daß der Haupttäter Michal H r e n o war, welcher gleichfalls bei der Elektrizitätsgesellschast angestellt ist. Dieser wurde im Vorjahre wegen großer Diebstähle zum Schaden der Elektrizitätsgesellschaft verhaftet und befindet sich beim Kreisgericht in UAhorod in Untersuchungshaft. Der dritte Teilnehmer an dem Raube war Felix N a v a r a, Maschinist der Elektrizitätsgesellschaft, welcher auf Anstisten Hrenos die Kassa erbrochen hatte. Hreno gab von dem gestohlenen Gelde Klimko 20.000 Kö, Ravara 5000 Kc und bewahrt« für sich etwa 100.000 XL an einem unbekannten Orte. Seine beiden Helfershelfer haben bereit? ein Geständnis abgelegt und wurden in die Hast des Weisgerichtes eingeliefert. Ein Arzt als Kokain-Schieber Ujhorod. Die Uzhoroder Polizei hielt am Dienstag den Kinderarzt Dr. Ignatz Schwimmer an, welcher in einer Apotheke eine größere Ä^enge von Kokain anbot. Schwimmer gab an, daß er das Kokain im Werte von 14.000 XL von dem Geschäftsmanne Teitelbaum in Mu- kacevo, der Geschäfte mit Kokain vermittelte, gekauft hat. In der Wohnung Dr. Schwimmers wurde ein halbes Kilogramm Kokain beschlagnahmt. Dr. Schwimmer und Teitelbaum wurden wegen Uebertretung des Gefällsgesetzes in die Gerichtshaft nach ilzhorod gebracht. Schon Frühjahrssaat in Schlesien Infolge der plötzlichen Erwärmung begannen in Schlesien berests in der vergangenen Woche die Frühjahrsanbauarbciten. Gesät wurden Weizen, Gerste und Mohn. Gleichzeitig wurde mit den Borbereitungsarbeiten für die Behackung begonnen. 9V0V km in einem Flug ' Jakutsk. Der Pilot G a l i s ch e w hctt aus seinem Flug in die Bucht von Tiksi Jakutsk erreicht und damst ohne Aufenthalt eine Strecke von 9000 Kilometer zurückgelegt. Schwere Grippe in Ungarn Budapest. Die Grippe-Epidemie nimmt nicht nur in Budapest, sondern namentlich auf dem Lande zu. In einigen Fabriken und Werkstätten find bis zu 8 0 Prozent der Arbeiterschaft erkrankt. In Oedenb-urg mußten alle Schulen gesperrt werden. Mit 25 Mann gesunken New Nork. Die Nachforschungen nach dem Dampfer„Blairgowre" sind eingestellt worden. Das Schiff dürfte mit seiner 25köpfigenBesatzUNg untergegangen sein.' Lebenslänglich für einen 16jährigen Saeramento(Kalifornien), Dqs hiesige Schwurgericht verurteilte einen 16jäh. Knaben zu lebenslänglicher Hast. Der Knabe Ivar des zweifachen Mordes angeklagt. Er hatte seine Heiden Schwestern im Alter von sechs und sieben> Jahren in«ine Eiskammer eiwgL.sp.errt, wo sie erstickten. Dreht deutsche Filme! Seit einigen Tagen läuft in London der Prager Film Rup!", jenes Werk der Voskovec und Werich und des Regisseurs Mac FriL, das die bisher beste'Lei- stung des tschechischen Films darstellt und deshalb wie kein anderes geeignet ist, für die heimische Filniproduktion im Ausland zu werben. Das angesehenste englische Sönntägsblaft„Öb- server" hat nun auch in einer ausführlichen Ve- sprechung die Vorzüge dieses Films anerkannt und dabei besonders den„d e m o k r a t i s ch-e n Ei f e r" gewürdigt, der aus ihm spricht. Aber einen Mangel bedauert der englische Kritiker: die tschechischen Dialoge, die im Ausland fast niemand verstehen könne. Er bestätigt das Recht der hier schon ost erhobenen Forderung:, dreht deutsche Filme amBarrandov,- stellt d ü li t s ch e Fassung e n eurer besten Werke her! Mft jenen gleichgeschalteten Schündfilmen, die bisher das einzige Deutsch der Barrandov-Leute waren, hat man nicht einmal im Dritten Reiche Achtung und Erfolg errungen. Mit deutschen Filmen von der Art des„Hej Rup!" aber könnte man mehr erreichen, vor allem auch eine Steigerung unserer Filmausfuhr. Die Döraus- setzungen sind die denkbar günstigsten: nicht nur, daß ein großer Teil des Jnlandspublikums deutsch versteht und daß die besten heimischen Filmkünstler,(Voskovec, Werich, Haas und Bu- rian) die derftsche Sprache hinreichend beherrschen,— der österreichische, schweizerische, Ungarische und polnische Markt stände solchen. Filmen offen, und auch in England, Frankreich irnd Amerika würden sie eher verstanden, als tschechische Dialoge. Der Bande Adolf Heinrichs auf der Spur. Durch di« Festnahme des angeblich lettischen Staatsangehörigen Birkenstem in A u s s i g (Böhmen), der.mit seinem richtigen Namen Adolf Heinrich heißt und der bis zum Jänner 1933 in Berlin einen umfangreichen Handel mit ,unzüchtigen Bildern und Schriften getrieben hatte, ist es jetzt der Berliner Kriminalpolizei gelungen, einer g.r.o ß« n weitverzweigten Band e auf die Spur zu kommen, die im Auftrage Heinrichs' u n zü ch t i g e B i l d e r Par d u b i tz. In der Rächt auf Mittwoch, etwa gegen Mitternacht, wurde in dem Hofe Trl- cice bei Rrkanp nad Labem ein Doppelmord und ein Selbstmordversuch verübt.. Auf dem Teliicer Gute, welches Josef Mol» gepachtet hat, arbeitete der 28jährige Thomas Kovaez aus der Slowakei als Kutscher. Er lebte mit seiner Lebensgefährtin und einem einjährigen Kinde auf dem Esiite in einer Deputatwohnnng. Kovaez, der als roher Mensch bekannt war, mißhandelte seine Lebensgefährtin und soll ihr einigemal mit der Ermordung gedroht haben. Diese unmenschliche Behandlung veranlaßte sie, in einem an die Eltern gerichteten Briese, von ihren unerstrulichen Lebensverhältniffen Mitteilung zu machen. Ihre Eltern schrieben ihr, sie möge mit ihrem Kinde sofort in ihre slowakisch« Heimat jurückkehren. Dieser Brief geriet Kovaez in die Hände und erregt« ihn so, daß er beschloß, einen Doppelmord zn ver- und Schriften in ganz Deutschland vertrieb. Heinrich, der nach dem politischen Umschwung nach Estland geflüchtet war, hatte dort eine neue Zentralstelle errichtet, von wo aus er fast alle europäischen Staaten, darunter. D e u t schlau d H o ll a n d, die Schweiz und die Tschechoslowakei mit seinen Erzeugnissen überschwemmte. Dabei hatte er die Abnehmer noch vielfach dadurch betrogen, daß er ihnen an Stelle der geforderten Bilder u. Schriften wertloses Zeitungspapi er übersandte. Leichenfund am Jeschken. Im Jeschkenwakde wurden zwei Leichen aufgefunden, in denen zwei Riemeser festgestellt wurden, und zwar der 43jährige August Gustav Böhm und die 27jäh- rige Hanel, geborene Leiner. Beide waren seit Anfang Jänner d. I. vermißt tpordew Die Gendarmerie stellte fest, daß Böhm die. Frau durch einen Schuß in die linke, Schläfe getötet und dann auf doppelte Weise Selbstmord verübt hatte. Nachdem er seinen Kopf in eine Schlinge gesteckt hatte, brachte er sich in die rechte Schläfe eine Schußverletzung bei. Die Ursache der Tat ist noch unbekannt, doch dürste sie auf unglückliche Liebe zurückzuführen sein. Böhm hatte zu der verheirateten Frau Hanel ein Verhältnis unterhalten und sie bereits einmal entführt. Bergarbeiter-Tod. In einem Kohlenbergwerk in der Nähe von Uniontown inPennsylva- n i a erfolgte nach der Entgleisung einer Grubenbahn ein Erdrutsch, durch den vier B e r g- leute getötet und mehrere verletzt wurden. Ein toter Wachposten. Ein vor der Bank vonEnglandin London Wache stehender Posten wurde Mittwoch früh mit einem Kopfschuß tot aufgefunden. Die Amtsstellen lehnen jede Auskunft ab.(Nach einem mehr als hundertjährigen Brauch wird die Bank von England jede Nacht von einer Abteilung Soldaten bewacht.) Das schlechte Borbild. In Magdeburg erschoß ein f ü n f z e h n j ä h r i g e r Junge, aktiver Funktion ä r der Hitlerjugend, einen sechsjährigen Knaben. Aus persönlichen Motiven? Keineswegs! Bei seiner polizeilichen Einvernahme, bei der er keinerlei Spuren von Reue zeigte, sagte der hoffnungsvolle Jüngling ruhig, daß er„nur habe sehen wollen, wie weit und wie gut sein D i e n st r e v o l v e r schieß«.? Bei dieser„Diensthandlung" sei ihm dann der„bedauerliche Fehlschuß" passiert..Wie !die Alten sungen, so— morden auch die Jungen! Christlicher Sozialismus. Aus Wien wird berichtet, daß im Heeresministerium und in den Kasernen die Zivilmieter gekündigt und delogiert werden. Bisher wurden rund 1000 derartige Wohnparteien wohnungslos, die in Wohnungsbaracken, welche die Stadtgemeinde bauen will, untevgebracht werden sollen. In Deutschland kein« Gerichtsferien mehr. Dis deutsche Reichsregierung hat ein Gesetz beschlossen, durch das dieGerichtsferienbe- fertigt werden. Die bei den preußischen Gerichten während des letzten Jahres gemachten Erfahrungen hätten gezeigt, daß sich auch ohne Ge- cichtsferien der Rechtspflegebetrieb reibungslos und gleichmäßig durchführen lasse. Lttidbergh-Banknoten tauchen auf? Havas meldet mrs Boston, daß die Polizei einen Reisenden suche, der kürzlich ein Flugbillet mit zwei aus der Lösegeldsumme Lindberghs stammenden Zehn- Dollarnoten bezahlt hat. Damit würde der kürzliche Prozeß in einem neuen Licht erscheinen. Der gekränkt« Ballettmeister. Am Dienstag kam es in der Warschauer Oper zu einem Zwischenfall, große Erregung hervorrief. Der Chef des Balletts der P aris er Oper Sergej Lifar, der soeben an der Warschauer Oper gastierte, gewährte vor einigen Tagen polnischen Journalisten em Interview, in welchem er sich mft Reserve über den künstlerischen Wert, des Balletts der polnischen Oper aussprach. Bei der dienstägigen Probe trat der Ballettmeister der Warschauer Oper Cieplinfli an Lifar heran und fragte ihn, ob er auf seiner Erklä- rung beharre. Als dieser bejahend antwortete, versetzte Cieplinfli Lifar einige Oh r- feigen. Sergej Lifar weigerte sich hierauf, bei der Abendvorstellung aufzutreten und ersuchte um Einschreiten des französischen Botschafters und des polnischen Außenministers. Cieplinfli wurde am Mittwoch seines Amtes enthoben. üben. In der Rächt auf Mittwoch erschollen aus seiner Wohnung Schußdctonationen und zugleich Hilferufe. Als die das Gut bewohnenden Personen sich vor seiner Wohnung ansammelten, fanden sie die Türe abgesperrt. Als sie die Tür erbrachen und. in die Wohnung eiudrangen, fanden sie Kovaez neben seinen Opfern bewußtlos liegen. Kovaez hatte seine Lebensgefährtin und sein Kind durch einige Schüsse getötet und das blutige Werk mit dem Beile vollendet. Dann trachte er sich einen Schnitt au derKrhle bei und feuerte einen Schuß aus dem Revolver gegen seine Sttrn ab. Diese Beklebungen waren aber nicht tödlich. Kovaez wurde ins Kolinrr Krankenhaus gebracht. Er wird dort zum Bewußtsein. gebracht und sofort verhört werden. Dir Bluttat wird von der Gen- darmericstation in Rekanh und von der Gendarmerie-Fahndungsstatiml in Chrudim untersucht. Frauentag ist Kampftag! Am Frauentag demonstrieren wir gegen Barbarei, für Recht, Freiheit und Sozialismus 150 Kilogramm Opium beschlagnahmt. Auf der Straße Marseille-Paris wurde ein Auto-, mobil beschlagnahmt, in welchem 150 Kilogramm Opium transportiert wurden. In dem Wagen wurde auch ein Verzeichnis der Rauschgifthändler in Paris gefunden, die auf Grund desselben wahrscheinlich in Haft genommen werden. 500 Schafe verbrannt. Ein riesiges Großfeuer, dem 500 Schafe und zahlreiches Kleinvieh zum Opfer fielen, brach am Dienstag spät' abends in Neetzka bei Neubrandenburg aus. Außer den beiden Schafställen brannten auch daneben liegende Gebäude' bis auf einen kleinen Schuppen nieder. Da das Feuer in zwei Schaf-' ställen fast gleichzeitig auskam, liegt mit größter Wahrscheinlichkeit Brand st iftung vor. Rene Sowjetmarken. Anläßlich der Aufnahme des Verkehres auf der Moskauer Untergrundbahn wird in der Sowjetunion eine neue Markenserie von 5, 10, 15 und 20 Kopeken mit der Darstellung einzelner Momente des Baues der Untergrundbahn herausgegeben. Zum ersten Jahrestage der Rettung der Tscheljuskin-Mannschaft wurde in der Sowjetunion eine Serie von Briefmarken im Werte von 1, 3, 5, 10, 15, 20, 25, 30, 40 und 50 Kopeken mit den Bildnissen der an der Rettung der Tscheljuskin-Mannschaft beteiligten Fliegerhelden, des Kapitäns des„Tscheljuskin", Woronin, des Professors Schmidt usw. herausgegeben. Die Marken wurden für den Luftpostverkehr hergestellt. Die nächste Olympiade in Italien? Wie Reuter aus Oslo meldet, wird die Veranstaltung der Weltolympiade-Spiele im Jahre 1040 mit größter Wahrscheinlichkeit Italien anvertraut werden, wiewohl Japan u>td Finnland die größten Anstrengungen unternehmen, um die Veranstaltung der Olympiade in ihren Ländern zu erreichen. Die definitive Entscheidung über den Ort der nächsten Olympiade wird Freitag erwartet. Die Grippe in Jglan hat in den letzten drei Tagen unter der Bevölkerung so rasch zugenommen,. daß fast keine Familie von ihr verschont wurde. Die Krankheft befällt mehr die erwachsene Juftend und die Erwachsenen als die niedrigeren SHMlstssen, in denen die Kinder erst jüngst unter einer Masern- und Scharlach-Epidemie zu leiden gehabt hatten.' Die staatlichen Musikprüfungen für Privatlehrer werden in P r a g in der Frühjahrsperiode 1935 ausnahmsweise bereits in den ersten Mai-Tagen stattfinden. Anmeldungen mit den erforderlichen Belegen nimmt die Direktion der Prüfungs-Kommission für private Musiflehrer in Prag II, na Slovanech 320 bis zum 10, April entgegen. Morgan verkauft Sammlungen Das Büro des New Uorker Finanzmannes I. P. M o r g a n teilt mit, daß die berühmte Sammlung von etwa 900 ElfenbeinminiatHxen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, die sich im Besitze des Multimillionärs befinden, im Laufe des Jahres versteigert werden soll. In kurzer Zeit waren bereits sehr berühmte alte Meister aus dem Besitze des Millionärs zum Verkauf angebote» worden. Gerüchtweise verlautet, daß Morgan nach England zu übersiedeln gedenke und deshalb so viel wie möglich von seinem Besitz flüssig zu machen suche. Vom Rundfunk ■mpfehlenswerte* aus den Programmen! Freitag Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 10.15 Leichte Musik. 12.10 ssalzer auf Schallplatten. 15.55 Konzert des OndriLek-QuartettS. 16.45 Tschechischer Sprachkurs für deutsche Hörer. 18.20 Deutsche Sendung: Red. Schimetschek: Sportvorschau. 18.25 Bürgermeister und Landesvertreter Pölzel: Jugendfürsorge und Finanz läge der Gemeinden und Bezirke. 18.45 Artz e i t e r se n d u n g: Aktuelle 10 Minuten. 20.00 Konzert des Gesangvereines tschechischer Lehrer. 20.45 Novak: Gondellieder. 21.15 Orches'erkonzert. — Sender S: 14.20 Schallplatten. 15.00 Deutsche Sendung: Fuchs:Nun schlägts dreizehn. 19.80 Chansons.— Brünn: 13.40 Orchesterkonzert. 18.00 Skifunk. 18.20 Deutsche Sendung: Mario Lucasis Rache, Hörspiel. 19.30 Revue tschechischer Operetten.—- Mähr.-Ostrau: 18.00 Deutsche Sendung: Reise nach Maliorca.— Preßburg: 19.00 Unterhaltungsmusik» Einen Kurzwellen- Senderkurs veranstaltete die Zentrale der tschechoflowaksschen Amateursender Besprechung aller Interessenten Donnerstag, den 28. Feber, um 19 Uhr in Prag I., Konviktskö 5. Anschrift: Oeslroslovenüti amateri vysilaci, Praha I., postovni schränka 69. FWerWe MM eines Mers bei WM Frau und Kind erschaffen und erschlagen— Selbstmordversuch Nr. SO DonnerStag, 28. Feier 1935 Seite 5 Vorfrühlings-Katastrophen Unglück zur See und in den Bergen Der Bericht der Gewerbeinspektoren Der vom Genossen Dl. Czech eingeführten Tradition folgend, gibt das Ministerium für soziale Fürsorge einen äußerst instruktiven Bericht über die Tätigkeit der Gewerbeinspektoren im Jahre 1938 heraus. Die einzelnen Kapitel, mit denen wir uns noch ausführlicher beschäftigen werden, schildern die wirtschaftliche Lage und ihre Auswirkungen auf die Arbeiterschaft, die Erfahrungen, die bei der Durchführung der sozialpolitischen Schuhgesetze gemacht wurden, die vorbeugenden Maßnahmen für die Sicherheit bei der Arbeit, den Schutz der arbeitenden Jugend, den gegenwärtigen Stand der sozialpolitischen Gesetzgebung und'die in Vorbereitung befindlichen gesetzlichen Maßnahmen auf sozialpolitischem Gebiet. Das größte Interesse wird auch diesmal die Schilderung der erzielten technischen Fortschritte und der Rationalisierungserfolge sowie ihre Wirkungen auf die sozial« Lage der Arbeiterschaft finden. Einleitend stellt der Bericht fest, daß die Arbeitslosigkeit im Jahre 1988 ihren Höhepunkt erreichte, nachdem im Feber dieses Jahres 920.182 Arbeitslose gezählt wurden, was gegen das Jahr zuvor eine Steigerung um 60 Prozent bedeutete. Unter diesen Umständen wuchsen auch die Anforderungen an die Staatskafle, welche erheblich« Mittel für die Arbeitslosenfürsorge aüfwenden mußte. Die staatliche Finanzverwaltung und ein Teil der Oeffentlichkeit riefen daher, wie der Bericht auSführt, nach einer weitgehenden Einschränkung der Fürsorgemaßnahmen. »Wenn auch das Ministerium für soziale Fürsorge in langwierigen Verhandlungen die geforderten radikalen Lenderungen der bisher geltenden Bestimmungen über das Genter System verhindern konnte, so 'bedeutet die neue, bis Ende des Jahres 1985 begrenzte Fassung des Gesetzes eine fühlbare Herabsetzung der Arbeitslosenunterstützungen." Leider stellt d« Bericht nicht fest, daß mehr noch als die Herabsetzung der Unterstützungen die bürokratische Art der Kontrolle und die zahlreichen überflüssigen Schikanen, welche sowohl die Arbeitslosen wie die Gewerkschaften treffen, Anlaß zu ständigen Klagen geben. Hier würde sich der Minister zweifellos ein Verdienst erwerben, wenn er der Durchführung des Gesetzes sein« Aufmerksamkeit zuwenden und die hohe Mimsterial- bürokrati« belehren würde, daß die Gewerkschaften auch als Träger des Genter Systems immer noch freie Gewerkschaften bleiben wollen und sollen. Ran erweist auch der Demokratie keinen guten Dienst, wenn man die nützliche und notwendige Kontrolle mit überflüssigen, kostspieligen und zeitraubenden Schikanen verwechselt. Jedenfalls muß heute schon darauf gedrungen werden, daß die Bestimmungen, bel. der vorübergehenden Regelungen des Gesetze? über das Genter System nicht mehr verlängert werden und der Ursprüngliche Wortlaut des Gesetzes nach Ablauf der gesetzten FM wieder, hergej^Lt Mrd.:.4äE...:r>fe& Der Bericht beklagt es, daß wir immer--noch- keine gesetzliche Regelung der Arbeitsvermittlung haben, welche die Migatorische Meldung aller frei» werdenden Stellen an die staatlichen Arbeitsvermitt» kmgsanstalten vorschreibt. Mit Recht wird festgestellt, daß ein« durchdachte, gut organisierte und einheitlich geführte Regelung der Arbeitsmarktes eine der Voraussetzungen der Gesundung de- Wirtschaftslebens ist. Es ist fast unbegreiflich, warum diese Maßnahme, die doch wahrlich keinerlei Belastung nach irgendeiner Seite darstellt, immer noch nicht durchgeführt wurde. Ein gewisser Fortschritt wurde mit Hilfe der Regierungsverordnung vom 20. April 1934 über die Einstellung von Betrieben und gegen di« Maffenent- lassung von Arbeitern erzielt- Da diese Verordnung demnächst abläust, ist jetzt schon Sorge dafür zu tragen, daß ihre Wirksamkeit verlängert werde. Die andauernde Wirtschaftskrise drückte schwer auf die Lohnverhältnisse der Arbeiter. Besonders litt auch der vertragfiche Schuh der Arbeiterschaft und London. Einer Lloyds-Meldung zufolge hat der britische Dampfer„B l a i r g i w r i e" (8259 Registertonnen). der sich im Atlantischen Ozean ungefähr Halbwegs zwischen Irland und Neufundland befindet„SOS"-Rufe auSgesandt und berichtet, daß er st e u e r l o 8 bei schwerem Sturm dahintreibe und sein Laderaum bereits zur Hälfte voll Wasser sei. Mehrere' Schiffe, darunter der Norddeutsche Lloyd- Dampfer„Europa", änderten sofort ihren Kurs, um Hilfe zu leisten. Um 5 Uhr früh waren drei Dampfer an der bezeichneten Stell« eingetroffen. Die„Europa" meldete durch Funkspruch, sie habe die„Blairgowrie" bisher nicht sichten können und werde bis Tagesanbruch an Ort und Stelle verbleiben, um sie zu suchen. Auch der amerikanische Dampfer„American Banker" und der niederländische Dämpfer„BlocmerSdyk" melden, daß sie vergeblich Ausschau halten. Sie berichten ferner, daß der Wind Orkanstärke besitze und die See berghoch sei. * Mailand. Bei Venedig ist ein mit Petroleumfässern beladenes Motorfahrzeug infolge deS schlechten Wetters gesunken, wobei drei Personen den Tod fanden. Die drei Männer der Besatzung hatten sich an die um« herschwiminenden Oelfäffer geflammert, zwei von ihnen verloren jedoch infolge der eisigen Kälte bald die Kräfte und versanken. DaS Unglück die Zahl der Bettiebe, in welchen die Lohn- und Arbeitsbedingungen durch Verträge gesichert find, ist zurückgegangen. Häufig-erschlugen sich an der Lohn« ftage die Verhandlungen über den Abschluß abgelaufener Kollektivverträge, da«S die Gewerkschaft«» vielfach vorzogen, einen vertragslosen Zustand eintreten zu lassen als ihre Zustimmung zu den ost weitgehenden Forderungen der Unternehmer nach einem Lohnabbau zuzustimmen. Wie schwer die Krise auf der Arbeiterschaft lastet und ihre Widerstandskraft lähmt, erweist die Feststellung deS Berichtes, wonach die Gewerbeinspektoren nur in 172 Verhandlungen der nach-em Gesetz über die BetriebSauSschüffe errichteten Kommissionen teilnahmen(gegen 216 im Jahre 1932), obwohl zweifellos die Zahl der Entlassungen von mehr als drei Jahre im Betrieb« beschäftigten Arbeitern oder von Mitgliedern der BetriebSauSschüffe erheblich an« gestiegen ist. Diese Erscheinung wird damit begründet, daß sich die Bettoffenen zurückgehalten und keine Klage eingebracht hätten,„weil sie befürchteten, ihr gute! Verhältnis zu den BettiebSverwaltungen zu jffijigt Hoffnung«auf Die-pffinMnyx in der Zeit-besserer Beschäftigung...z»,>vettirre«Lfli.i Ein trauriges Bild liefert die Betri«Sstatistik: im Jahre 1983 wurden 227 Betriebe neu errichtet und 233 erweitert, dagegen 264 gänzlich und 610 vorübergehend eingestellt. Leider fehlen die Angaben über die Zahl der in den in Betracht kommenden Bettieben beschäfttgten Arbeiter; sie würden zweifellos ergeben, daß die verlorenen Arbeitsmöglichkeiten die Zahl der gewonnenen um ein Mehrfaches übersteigen. Die Gewissenlosigkeit mancher Unternehmer illustriett das Kapitel über den Zustand einzelner Arbeitsstätten. So beschäftigte ein Unternehmer im zweiten Prager Jnsptttionsbezirk 13 Arbeiter und Arbeiterinnen bei der Herstellung von Christbaumschmuck in zwei kleinen Bodenkammern von 2.1 Meter Höh«, wÄbei auch verschiedene explosible Stoffe verwendet wurden» Im JnspeftionSbezirk Kremsier lieh eine Glasfabrik ein Magazinsgebäude erbauen, dessen Stabilität so gering war, daß die Benutzung behördlich verboten werden mußte. Auch UbteiJJundgerudi wirkt abstoßend; mißfarbige Zähne entstellen das schönste Antlitz. Beide Schönheitsfehler werden oft schon durch einmaliges Putzen«lit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont- Zahnpaste beseitigt. Chlorodont gibt den Zähnen schimmernden Elfenbeinglanz, ohne den Zahn» schmelz zu beschädigen.Tube XL 4-. Inl. Erzeugnis. au» anderen Bezirken wurde über unzureichende und unhhgienische Betriebsräume geklagt; die Unternehmer werden Verhalten, Abhilfe zu schaffen. Bewilligungen zur Ueberzeirarbeit wurden 1938 in 678 Fällen für 769 Betriebe erteilt. An dieser Ueber- zeitarbeit waren 15.888 Männer und 14.853 Frauen beteiligt; die Gesamtzahl der bewilligten Ueberstuu- den betrug 1,199.135 Stunden oder 149.892 Arbeitstage. Ayr meisten Ueberzeit wurde mit 277.704 Stunden in der Textilindustrie gearbeitet, es folgt mit 276.861 Ueberftunden die Lebens- und Bekleidungsindustrie- Als vierte Gruppe erscheint mit 101.218 Ueberstunden merkwürdigerweise da» Geld- ' und Versicherungswesen, während auf di« beiden Gruppen der Metall- und Maschinenindustrie 118.949 Ueberstunden entfallen. Die Bestrebungen nach Ein- schränkung der Ueberzeitarbeit haben sich weitgehend durchgesetzt, leider muß aber festgestellt werden, daß eine ungleich größere Zahl von unbewilligten Ueberstunden geleistet wird, die naturgemäß in der Statistik nicht erscheinen. I. B. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Abwehr eines Lohnabbaues Die Bauarbeiter in den Bezirke« Freu» denthal, Benifch und Würbenthal wehre« den von den Bauunternehmern angestrebten Lvhnabba« ab. Schon im Borjckhve bemühten sich die Unternehmer in diesen Bezirken um einen ausgiebige« Lohnabbau. Die Bauarbeiter waren aber imstande, sich erfolgreich zu wehren. Diese Niederlage vom Vorjahr wollten die Unternehmer bei den Ber- tragSverhandlungen für das Jahr 1935 wettmachen. Sie forderten daher gleich zwei Lohnreduzierungen, und zwar eine allgemeine für alle dxei Bezirke und eine besondere noch für die beiden Bezirke Benisch und Würbenthal. Die Bauarbeiter bekämpften energisch die Lohnabbaugelüste der Unternehmer. Die Verhandlungen scheiterten und der Stritt kam vor das Lohnschiedsgericht in Brünn, wo am 30. Jänner 1935 unter dem Vor- Me des Obergevchtz-rates' O tolar Tsävniöek ent--, ifchieden wurde.-— Das Lohnschiedsgericht erkannte zu Recht, daß für die drei Bezirke Freudenthal, Benisch und Würbenthal auch im Jahre 1935 dieselben einheitlichen Vertragslöhne zu zahlen sind, wie sie inr vorjährigen, also dem bisherigen Lohnvertrage festgesetzt waren. Damit ist der Lohnabbau auch für das Jahr 1935 restlos abgewehrt worden. Die Lohnschieds- gerichtserkenntniffe sind zwingend und müssen von den Unternehmern eingehalten werden. Schlechtere Vereinbarungen durch Reverse u, dgl. haben keine Gülttgkeit. Hat ein Bauarbeiter dem Unternehmer einen Revers unterschrieben, daß er mit weniger Lohn zufrieden ist, so kann dieser Arbeiter, wenn er entlassen wird oder selber die Arbeit stthen läßt, vom Unternehmer die Nachzahlung auf den BerttagSlohn fordern und, wenn nötig, bei Gericht klagen. Ein solcher Unternehmer wird und mutz zur Nachzahlung verurteilt werden. Die Kullurwelt rette Lar» von Ossietzky! (28. Feber 1933— 28. Feber 1935) von Ltrrt Hiller, Prag. Zum Thema des Märtyrers ist in neuerer Seit nicht genug gedacht, nicht genug geschrieben Ivorden. Ich habe ein starkes Mißtrauen gegen die Glorifizierung von Märtyrern; sie ist oft die widere, die sichtbare Seite einer heimlichen Genug- iuung Minderer über das Mißgeschick des Her« dorragenden. Hinzukommt, daß für die Güte einer Sache keineswegs die Qual spricht, die um ihret- Ivillen ihr Verfechter auf sich genommen hat; man kann für eine objektiv schlechte Sache leiden, und eine objektiv gute wird nicht durch den Umstand schlechter, daß einer für sie nicht gelitten hat. Die Süchtigkeit der metaphysischen und moralischen Inhalte des Christentums wird nicht etwa durch Aesu Kreuzestod bewiesen und der Inhalt des Buddhismus nicht etwa dadurch widerlegt, daß Eautama ohne Kreuz, ohne Giftbecher, ohne Ver- solgungen und Kerker friedvoll-natürlich gestorben ist. Ich glaube, daß Oscar Wilde ein großer Künstler war; aber er war es nicht deshalb, weil er, empörenderweise, ohne echte Schuld mehrere Jahre im Zuchthaus schmachtete; und Stefan George ist bestimmt nicht deshalb gering, weil ihm dies Schicksal erspart blieb. Wollen wir uns ein Utteil iiber Bedeutung und Format eines Königs, der ermordet wurde, eines Staatsmanns, der ermordet wurde, eines Revolutionärs, der ermordet wurde, bilden, so müssen wir Eines ganz außer Bettacht ioffen: das Faktum Mord. Idealisierung des Mannes nur wegen der Tragik seines LebenSaus- KangS wäre lachhaft sentimental und ekelhaft unsachlich. Ob ein Künstler, ein Denker, ein Poli tiker groß, ob er gering ist, daS entscheidet sich nach seinen Werken, seinem Weltbild, seinem Sttl, seinen Lehrmeinungen, seinen Tendenzen, seinem Wollen und Können, sein« Taten— immer nach der Leistung, nie nach dem Schicksal. So wenig der Erfolg ein Maßstab des Wertes ist, so wenig ist es der Mißerfolg, selbst nicht der monumentale» ttagische, tödliche., Daher beweist auch daS Konzentrationslager weder gegen noch für den Rang eines seiner Insassen das Mindeste. Sollte, beispielsweise, meine biS Msirz 1933 veröffentlichte Prosa schlecht sein, so würde sie ttast deS Umstandes, daß ich um ihretwillen bald darauf von Funktionären meines Staats ins Gesicht geschlagen, auSgepeitscht und mit Geschlechtskranken auf den gleichen Latrinenballen gezwungen worden bin, um keinen Grad besser. Dieser Umstand hat nämlich keine rückwirkende Kraft; wahrscheinlich übrigen- auch keine VorwärtswirkendeI(Wenn eine Vorwärtswirkende: dann fragt sich grundsätzlich noch sehr, ob eine verbessernde oder eine verschlechternde.) Dies alles schick ich nicht ohne Absicht voraus, wenn ich hiermit die Kulturwelt auffordere, Verwahrung dagegen einzulegen, daß ein hervorragender Europäer, Carl von Ossietzky, Herausgeber der alten„Weltbühne", unabhängiger Politikdenker, polemischer Essayist großen Schwungs, auf Geheiß der lleinen Tyrannen Deutschlands immer noch, immer noch gefangen gehalten wird, nachdem er jetzt genau zwei Jahre ununterbrochen in dieser grauenvoll zermürbenden Haft einzig und allein deshalb vegetiert, weil er, seiner unserer vorzüglichsten Schriftsteller, in guter Form für gute Dinge eingetreten ist. Für Freiheit, Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Frieden; für Demokratie in einem hcchgestuften Sinn; für eine deutsche Republik, die den Moralischen Ansprüchen fortgeschrittener Deutscher und Europäer entsprechen würde. Er schrieb gegen die nationalsozialistischen Schlagetote und gegen die demokratischen Schwachmatici; wenn es sein mußte, sogar gegen unfähige Führer des Proletariats. Eine Parteidoftrin band ihn nicht. Er war kein Spatz der linken Publizisttk, wie sie in Berlin zu Hunderten herumhüpften; ein Adler, schwebte er über den Patteien, mit gewaltiger Flügelspanntoette und scharf geschnäbelt; der oft hinunterstieß. Wenn wir ihn alle so sahen, wenn man erst recht heute im Rückblick ihn so sieht, so heroisiert man ihn damit nicht ins Unfehlbare. Man darf über Ossietzky stresten. Man kann bezweifeln, ob die Linie seines kämpferischen Bemühens immer die richtige war; man kann sich zu seinen polito- philosophischen Grundlagen kritisch stellen; das hängt davon ab, wo'man selber steht. Man kann sogar über seine Eignung zum Dirigenten eines Publizistenorchesters verschiedener Meinung sein. Worüber sich unter Urteilsfähigen nicht stteiten läßt, ist: der Glanz seiner litterarischen Begabung und der blitzende, unbrechbare, kraftvolle Mut, mit dem er öffentlich aussprach, was ihn, und nicht ihn nur, innerlich bewegte. Dieser Glanz und dieser Mut waren in Deutschland seit langem fast ohne Beispiel. Dieser Glanz und dieser Mut sind es, die Ossietzkys Inhaftierung und ihre das übliche Maß weit übersteigende Dauer als einen Mangel an Ritterlichkeit. erscheinen lassen, wie er sogar unter Diktatoren nicht selbswerständlich ist. die Nationalsozialisten im Reichstag gesttmmt hatten. Seit dem 28. Feber 1933 sitzt er in „Schutz" hast; daß er sich einer sttafbaren Handlung schuldig gemacht habe, behauptet nicht einmal die Geheime Staatspolizei. Er robottet zur Zeit in einem der Konzentrationslager bei Papenburg, im trostlosen Moor zwischen Oldenburg und der holländischen Grenze. Oberster Inspekteur dieser Lager ist der fleine gelbliche Herr Eicke, ein vielfacher Mörder. Aus einer Reihe dokumentarischer Veröffentlichungen weiß man, wie es in ihnen zugeht; was die Gefangenen, zumal die intellektuellen Gefangenen, dort zu erdulden haben. Wofür leiden sie? Für Ideen, um deren Verwirklichung die Kulturweü kämpft. Also sollte die Kulturwelt, der Völkerbund eingeschlossen, sich um ihre Rettung bemühen. DaS Prinzip der „Nichteinmischung", moralisch unhaltbar, ist durch das Böllerrecht selbst— seit 1919— aufgehoben. Schon vor einem halben Jahrhundert mischte Europa sich ein, als am Kongo Neger unmenschlich ausgepreßt, als sie von Weißen systematisch gequält, geschunden, gemordet wurden; ein König, ein europäischer König, mußte nachgeben. Di« politischen Gefangenen Hiüer-DeutschlandS sind nichts Besseres, aber doch wohl ebensoviel' wert wie afrikanische Neger. Carl v. Ossietzky, wäre er zufällig, statt als Deutscher, als Franzose,. Engländer, Holländer, Skandinave, Balte. Tscheche, Grieche, Türke, Schweizer, Lateinamerikaner zur Welt gekommen, säße heutt vielleicht, statt als Staatssklave im Moor, im Chefapparte- ment eines Ministeriums, und er verträte womöglich sein Land in der Dölkerbundsversammlung. Ein der Hölle Entronnener, appelliere ich an jene Kulturwelt, deren Repräsentant er ist. Wenn sie will, stehen ihr Druckmittel zur Verfügung. Sie wende sie anl Sie rette einen ihrer Besten vor Am Morgen nach dem Reichstagsbrand, 28. Feber 1933, wurde Ossietzky verhaftet. Er hatte sich gerade einer Freiheit von zehn Wochen erfreut; denn erst knapp vor Weihnachten 1932 war er aus dem Gefängnis(wohin den Verant wortlichen Redakteur ein unhaltbares Urteil des Reichsgerichts gebracht hatte) auf Grund eines AmnestiegesetzeS entlassen worden, fi'ir d-rs sogaridem sicheren Untergang! ««kteS „ToKialdemokrnt" Donnerstag, 28. Feber 1838. 9t. BO PRAGER ZEITBMfi Mattonis Gießhübler mit heißer Milch... Deutsche Emigranten ehren den Präsidenten Masaryk. Am 5. März um 19.30 Uhr, im großen Saale der Gewerkschaften, Persthn 11, spricht Herr M. V a n i I, Generalsekretär der Liga für Menschenrechte, zu den Emigranten über T. G. Masaryk. Eintritt frei gegen Vorweisung des Evidenzbogens. Photoausstellung. Am 9. März eröffnet der Klub Deutscher Amateurphotographen Prag(1896) eine Jahresschau der Arbeiten der Vereine des Südgaus im DLV. Eine ganz besondere Attraktion wird di« der Gauausstellung angegliedert« Sonderausstellung des weltberühmten belgischen Lichtbildners und Meisters Leonard Misonne darstellen, der mit 75 prachtvollen Bromöldrucken zum ersten Male in Prag zu sehen sein wird. ticrichtssaal Wieder ein Winkelbankier vor dem Strafgericht Bankhaus Chlädek u. Co.: 104.000 KC unterschlagen. Unsaubere Darlehensgeschäfte. Prag. Wir haben schon verschiedene.Bankhaus- knhaber" vor Gericht gesehen und jeder einzelne dieser Fälle zeigt, wie unzulänglich sich unser veraltete» Strafgesetz bei Delikten erweist, die sich in der Sphäre des Wirtschaftslebens abspielen. Der Ver- untreuungs- und Betrugsparagraph reichen bei weitem nicht hin. um all« in dem komplizierten Wirtschaftsleben des Spätkapitalismus wurzelnden strafwürdigen Handlungen wirksam zu erfassen und wenn es schon gelingt, hie und da diese primitiven Paragraphen in Anwendung zu bringen, so pflegen die Strafen— gemessen nach dem reinen Rechtsgesühl— ir. keinem Verhältnis zu der Verwerflichkeit der Tat zu stehen. Mittwoch standen vor dem Straftenat Trost drei Angeklagte: der 31jährige Bankhausbesitzer Josef Chlädek aus Weinberge, sein Prokurist, der 84jährige Alois S l a b h aus M i ch l e. beide wegen des Verbrechens der Veruntreuung und der Ilebertretung des Betruges und als dritter wegen entfernterer Teilnehmung, der 39jährige Bankhausbesitzer Stanislav K a r t a, der direkt an den Machinationen der beiden anderen Angeklagten nicht beteiligt ist, aber verschiedene Wertpapiere, vor allem Baulose, von dem Erstangeflagten kaufte, von denen er nach Meinung der Anklage wiffen mußte, daß sie dieser auf unehrliche Art in ihren Besitz gesetzt hatte. .Die Masi« des Materials, das die Anklage enthalt. macht es unmöglich, auf Einzelheiten einzugehen und wir muffen uns damit begnügen, die charakterissischen Grundzüge dieser Manipulationen aufzuzeigen. Der Hauptangellagte Josef Chlädek arbeitete mit der Bankgeschäftskonzession einer Frau Anna Pokorny, welche Konzession er für ein Entgelt von 1500KL vierteljährig zur Grundlage seines Unternehmens machte. Das we-r im Jahre 1932. Chlädek verlegte sich hauptsächlich auf Darlehensgeschäfte und lieb geldbedürstigen kleinen Leuten gegen«Sicherstellung" durch Lebe nsversicherungs«olizzen oder Lose kleinere Beträge. Wer kennt nicht die verlockenden Inserate, die armen Teufeln Darlehen in Aussicht stellen—«schnell, kulant, auch ohne Bürgen" u. dgl. Und wie dringend ist gerade bei solchen Anpreisungen größte Vorsicht geboten! Chlädek widmete sich also dem menschenfreund- lichen Beruf, seinen Mitmenschen Geld zu lechen— wie gesagt, gegen»Sicherstellung" durch gut" Polizzen oder sichere Papiere. Wenn aber dann die Schuldner den Kredit, natürlich mit saftigen Zinsen, zurück- aezahlt hatten, mutzten sie die unliebsame Entdeckung machen, daß die zur Sicherstelluna erlegten Wertpapiere verschwunden waren. Als chpisch mag einer der dielen Fälle gelten: Chlädek lieh auf eine fast schon fällige Lebensversicherungspolizze, die auf 10.000 XL lautete, ganze— 750 XL! Als der arme Klient nach Rückzahlung des Darlehens seine Polizze zurückhaben wollte, batte der Herr Bankier verschiedene Ausflüchte. Wie festgestellt, hat er diese Polizze für 8000 XL verschachert. Nach diesem Bei spiel mache man sich ein Bild von den übrigen ganz ähnlich eingefädelten Manipulationen dieses Bankiers, bei denen ihm sein Prokurist, der heut« neben ihm auf der Anklagebank sitzt, redlich geholten hat. Der dritte Angeklagte, der selbst ein Bankgeschäft betreibt, ist beschuldigt. Baulose im Werte von 10.000 XL, die auf solche Art in den Besitz Chlädeks gelangt waren, gekauft zu haben, und zwar mit Wiffen um die uwsauberen Manipulationen. Die Verhandlung dauerte bis in die späten Nachmittagsstunden. Auditorium und Korridor waren angefüllt von erregten und empörten Zeugen. Was die Angeklagten betrifft, so bestreitet der dritte An- geflagte Karta energisch, um die Machinationen gewußt zu haben. Bemerkenswert aber war die Verteidigung Chlädeks, der ruhig erklärte, dies« Praxis werdein allen Bankgeschäften angewendet.(Die übliche Maskierung einer Lumperei durch kommerzielle Redewendungen.) Natürlich hätten nach Meinung des Herrn Chlädek seine genialen Transaktionen alles wieder in Ordnung gebracht, wenn— ja wenn nicht die böse Preffe durch ihre.Kampagne" gegen die Winkelbanken eine .Panikstimmung" unter seinen Klientey erzeugt hätte.die zu einem„R u n" führte und dadurch dieses prächtige. Unternehmen zum Scheitern bracht«.-Immerhin mußte auch dieser famose Bankier zugestehen, daß er mit seinem keinen Unternehmen sich in gewagte Operationen eingelaffen habe. Nach äußerst lebhafter Verhandlung erfolgte in den späten Nachmittagsstunden das Urteil, durch ein altbewährtes, natürliches Heflmittel bei H u st e n und Heiserkeit. Früh und abends 1—2 Gläser; % heiße Milch,% Gießhübler. Aerztlich empfohlen. 2904 tigung binnen drei Tagen zu veröffentlichen, sowie die Kosten des Verfahrens in erster und zweiter Instanz zu ersetzen, wobei das Kreisgericht in Eger noch hervorgehoben hat, daß für die Kosten auch der Herausgeber der„Rundschau", Konrad Henlein, haftet. In der Urteilsbegründung des Kreisgerichtes in Eger heißt es:„Die Abweisung des Antrages auf Veröffentlichung der P^esseberichtigung. durch das Erstgericht wird damit begründet, daß dieselbe durch den Advokaten der Antragsteller Dr. Schwelb und nicht durch die Antragsteller selbst unterschrieben sei. Hiebei übersieht das Erstgericht, daß die Preffeberich- tigung gemäß 8 11, Abs. 4. Ges. Nr. 126/33 Sly. am Schluss« überhaupt keine Unterschrift des ihre Veröffentlichung Verlangenden, sondern bloß der, Anführung seines Namens bedarf und daß die Namen der beiden RrdM'eüre, als deren Vertreter tt." Schwelb' dir Beröfftstklichung verlangte, ebenso wie die Namen der in Betracht kommenden periodischen Druckschriften ausdrücklich angegeben sind. Da der Inhalt der Berichtigung nicht angefochten wurde und auch der Vorschrift entsprach, mußte in Statt- gebung der Beschwerde wie oben erkannt werden." 2871 Prager Messe 10. b i s 17. m ä r z üritaufcquMt' dec CSU. 33*1. Fahrpreisermäßigung. Auskünfte: Messeamt, Prag VII., Messepalast welches der Bankier Chlädek und sein tüchtiger Prokurist Alois S l a b h im Sinne der Anllage schuldig erkannt, der dritte Angeklagte K a r t a aber freigesprochen wurde. Chlädek erhielt dreizehn Monate, der Prokurist Slabh eineinhalb Jahre schweren und verschärften Kerkers. rb. Die„Rundscha«", die„Bohemia" ««d die sozialdemokratische Preffe Konrad Henleins„Rundschau" hat am 6. Jänner 1935 einen Artikel„Was geht mit der„Bo- hemia" vor" veröffentlicht, in dem sie die Behauptung aufstellte, daß die deuffche sozialdemokratische Preffe angeblich bei der Rota-A.-G. der„Bohemia"- Druckerei gedruckt werden soll und daß diese Transaktion mit einem politischen Geschäfte im Zusammenhang steht, welches mit der„Bohemia" gemacht werden soll. Sämtliche in Betracht kommenden deutschen sozialdemokratischen Zeitungen sandten hierauf durch Dr. Schwelb dem verantwortlichen Redakteur der „Rundschau" eine Berichtigung, wonach die Behauptungen der„Rundschau" durchaus unwahr sind und auch die weitere Behauptung unwahr ist, daß zwischen dem„Orbis"-Verlage und den sozialdemokratischen Blättern im Zusammenhänge mit der „Bohemia" ein politisches Geschäft gemacht wird. Da die„Rundschau" die Berichtigung nicht veröffentlicht hat, wurde sie von uns geklagt. Das hie- für in erster Instanz zuständige Bezirksgericht In Eger hat am 11. Feber 1935 unsere Klage mit der merkwürdigen Begründung abgewiesen, daß die Berichtigung den formellen Vorschriften nicht entspreche, denn, nach Ansicht des Bezirksgerichtes in Eger müsse eine Berichtigung von dem Einsender persönlich unterschrieben sein, wohingegen die Fertigung durch den Advokaten nicht genügt. Gegen diesen Beschluß haben die sozialdemokratischen Zeitungen Berschwerde an das Kreisgericht in Eger überreicht. Mit der eben herabgelangten Enffcheidung des Kreisgerichtes in Eger wurde der Beschwerde der sozialdemokratischen Zeitungen vollinhaltlich stattgegeben und der verantwortliche Redakteur der.Rundschau". Jng. Wilhelm Rümmler, verurteilt, die Berich- Oer Film Hugo Haas und Adina Mandlovä in„Es lebe der Leichnam!" Volkshauskino Aussig. Das Auffiger Volkshaus hat nunmehr ein T o n k i n o erhalten, das unter sozialistischer Führung steht. Der ausgestellte Spielplan'für die ersten drei Monate läßt erkennen, daß die Leitung bemüht ist, auf ein anständiges Niveau zu sehen und die keineswegs leichte Aufgabe, aus der vorliegenden Filmproduktion die wertvollsten Filme auszuwahlen, mit großem Geschick erfüllt hat. Eine vorbildliche Einführung ist das Abonnement für vier Vorstellungen, das für die Teilnehmer eine erhebliche Preisermäßigung mit sich bringt. Kunst und wissen Spielplan des Neue« Deutschen Theaters. Heute Donnerstag halb 8 Uhr abends: Hoffmanns Erzählungen, C 2.— Freitag 8 Uhr: Land des Lächelns, DI.— Samstag halb 8:Die Jüdin, neuinszeniert, D 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute Donnerstag 8 Uhr abends: Ich Habs getan. — Freitag 8: Ehe in Dosen, KulturverbandS- freunde und fteier Verkauf.— Samstag halb 82 Ein Teufelsmädel, Erstaufführung. Sport• Spiel• Körperpflege Vor Beginn der Leichtathletik-Saison Tie Beranstaltungr» der Prager DTJ-Sportler Die Leichtathleten des Prager DTJ- Kreifes haben schon ihre Terminliste. Es sind zwar nicht alle Veranstaltungen verzeichnet» doch die hauptsächlichsten stehen schon fest und daraus ergidt sich, daß die DTJ-Leichtathleten auch in diesem Jahre mit Ernst an die Verbreiterung und Vertiefung, ihrer. Sportbewegung arbeiten und sie zu neuen Erfolgen führe« werden. 10. März: Oüerfeldeinlauf um die Meisterschaft des 1. Kreises in Tlustovoush. 17. März: X. Frühjahrslauf durch den Baumgarten in Prag. 7. April: II..Holleschowitzer Rundlauf". 2 8. April: Habrman-Memorial in Böhm.- Brod. 5. Mai: KreiSmeisterschast im Straßenlauf in Jarov. 12. Ma»: Straßen-Gehen und-Laufen der DTJ Tlustovoush. 2. Jun»: Einzelwettkämpfe um die Kreismeisterschaften für die männliche und wechlich« Jugend.(Austragungsort noch nicht bestinnnt.) 3 0. Juni: Kreismeisterschaften im Einzel- wettkampf für Männer und Frauen.(Austragungsort unbestimmt.) 2 5. August: Kreismeisterschaften im Fünfkampf für Männer und Drei-Kampf für Frauen. (Ort unbestimmt.) 1. Sepie.bei: Mannschastswettkämpfe UM das.Feldek-Memorial" in Prag. 15.© e ptember: Städtewettkampf Prag—- Pilsen in Prag. 21. u.n.d 2 2. September: Zehnkampf- Kreismeisterschaften in Prag. 2 8. und 2 9. September: BerbandS- meffterschasten in Pilsen. Außerdem werden die Städtewettkämpft Brünn—P rag in Brünn und P r a g—K ö- niggrätzin Prag vorbereitet, deren Termine erst später bekanntgegeben werden. VcrclnsnadiriditcH SPD-Flüchtlinge Prag. Dienstag, den d. März, 19.30 Uhr Zusammenkunft im großen Saal des Ge- werffchastshauses(Odborovy düm) Prag ll, na Perstyn 11, aus Anlaß des 85jährigen Geburtstages des Herrn Präsidenten der Tschechoslowakische« Republik Thomas G. M a s a r h k, mit Vortrag des Generalsekretärs der Liga für Menschenrechte in der CSR. Michael Vanek. Als Ausweis gilt der Evidenzbogen, lieber das Stattfinden der nächste« Versammlung erfolgt rechtzeitig an dieser Stelle eine Mitteilung. Sozialdemokratische Fraaeaorgaaisatto«, Prag Montag, den 4. März, abends 8 Uhr, in» Hotel„Monopol" Frairen-Abend mit Bortrag des Gen. Dr. Robert Wiener. Das Bezirksfranenkomilee, Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—, vierteljährig Kd 48—, halbjährig XL 96.—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen. Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSsrankatur wurde von der Bost- und Telegraphendirektion mft Erlaß Nr. 13.800/VH/1930 bewilligt.— Drucke re»:.Orbis" Druck- Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag.