Einzelpreis 70 HHIsr (•michliefilich 3 Heller Porto} IENTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung präg xu„ kxzhova«z. itiffow sxn. Administration thipon sxvt, HERAUSGEBER* SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR.«Ml STRAUSS. PRAG. 15. Jahrgang Sonntag, 3. März 1935 Nr. 53 ■■■■■■ Mißglückter Militärputsch in Athen Meuternde Kriegsschiffe von Bombenflugzeugen verfolgt Athen. Freitag abends unternähme« Anhänger von BenizeloS und P l a st i r a s den Bersnch eines bewaffnete« Aufstandes, der jedoch von der Regierung niedergeschlagen wer. den konnte. Bewaffnete Zivilisten, meist ehemalige Offiziere, befehle« das Arsenal, di« Mill« tär schule und bemächtigte« sich auch einiger' Kriegsschiffe im Hafen. Die Kadette«- schule und das Garderegiment der Evzonen wäre« zu de« Aufständischen Lbergegangen. 2« Laufe der Nacht konnten jedoch die Regierungstruppen den Aufstand unterdrücke«. Einige Kriegsschiffe der Aufständischen flüchteten aufs offene Meer, wo sie von Regierungs flugzeuge« verfolgt und bombardiert wurden. Sonst ist der Putsch liquidiert;«ach den vorliegen den Meldungen beschränkte er sich auf die Hauptstadt, während die Provinz Ruhe bewahrte. I« Griechenland wurde der Belagerungszustand verkündet und die Führer der Oppofitio« I« Schutzhaft genommen. Die Regierung kündet in einem Aufruf an, daß sie gegen die Agitator«« mit aller Strenge einschreite« werde. Der Aufstand nahm seinen Ausgang zuerst st» Salamis-Arsenal, tvo nach einem lnrzen Zusammenstoß mit der Wache dreißig superarbitrierte bewaffnete Offiziere der Land- ünd Marinetruppen an Bord der Kriegsschiffe gelangten. Hierauf traf der Minister für Krieg und Marine sofort Maßnahmen, um den Aufstand Energisch zu unterdrücken. An die Küste und auf di« Hügel gegenüber dem Arsenal wurden Truppen entsandt. Zwei Batterien standen bereit, das Feuer gegen die Aufständischen zu eröffnen. ' Gleichzeitig trat der Ministerrat zusammen, «r den Belagerungszustand über ganz Griechenland verhängte. In der gleichen Zeit wurden doch in Athen einige Verhaftungen vorgenommen. Nach dem Aufstand im Arsenal kam es zu tstrem Aufruhr vor der Militärschule E v« l p i- des. Dort gelang es 15 superarbitrierten Offi-I zieren, kn Begleitung von Mitgliedern der Repu-1 blikanischen Liga, in die Schule eknzudringen, aus der sie jedoch bald wieder verdrängt wurden. Der dritte und letzte Aufstandsversuch ereignete sich in der Athener Kaserne des Evzonen- Regiments. 15 Offiziere, Anhänger Plastiras', benützten die Abwesenheit der Regimentsoffiziere, um die Kaserne zu besetzen. Sie verbarrikadierten sich und versuchten, sich an die Spitze der Militärabteilungen zu stellen. Die Regierung forderte sie auf, die Waffen wegzulegen. Da sie sich weigerten, eröffneten die Militärabteilungen der Regierung das G-schühfeucr gegen die Kaserne. Hiebei wurde« drei Auf» ständische getötet und zehn verletzt. Regierungstruppen besetzten um 7 Uhr morgens neuerlich das Arsenal, doch gelang es fünf von Aufständischen besetzten Kriegsschiffen, daS freie Meer zu erreichen, wo sie jetzt von Flugzeugen verfolgt werden. Das gesamte Flugwesen und die Armee ist der Regierung treu geblieben. Der Kriegsminister erklärte de« Korrespondenten des Renter-BüroS, daß die Regierungstruppen einige Tote hatten. Die Zahl der Tote« bei de« Aufständische« beträgt ungefähr »eh«. Dramatische Verfolgung Die Regierung hat Flugzeuge gegen die Kriegsschiffe, die die Aufständischen unterstützt haben, gesandt. Der Kreuzer„A v e r• ff" wurde erheblich beschädigt. Auf der Insel Kreta wurde« entsprechende Maßnahmen getroffen, falls sich die Schiffe dorthin begebe« sollten. Die Regierung sandte ihnen ein Radiogramm nach, worin sie mitteilt, daß sie als Seeräubers chiffe angesehen werde». Italienische Kriegsschiffe in den Nachbargewässern haben bei der Regierung in Rom nachgefragt, welche Haltung sie einnehmen sollen. Die meuternde« griechischen Schiffe wurde« vo« Flugzeugen mitBomben belegt. Sie gingen bei der Insel Milos vor Anker. Es wurden darauf Berhandlungen wegen der Ueber- gabe der Schiffe mit den Meuternden aufgenom- men. Admiral Tipaldos hat sich als Bermittler angrboten. Die Aufständischen haben sich eine halbe Stund« Bedenkzeit ausgebete«. Venizdos auf Kreta Bisher ist nicht bekannt, welchen Standpunkt B e« i z e l o s, der auf Kreta weilt, einnimmt und welchen Antell er an dem Aufstand hat. Ministerpräsident Tsaldaris betraute den Gouverneur von Kreta damit, von Benizelos eine öffentliche Erklärung über seinen Standpunkt zu verlangen. Var ncudcutsdic Nibelungenlied Zeitlich zusammen sind folgende Tatsache« gefallen: Der Legationssekretär von Tchir- s ch k Y bei der Wiener deutschen Gesandtschaft verließ fluchtartig seinen Dienst und begab sich ins Ausland. Er sollte in Berlin vor der Gestapo erscheinen, die ihn der Konspiration mit monarchistischen Kreisen beschuldigte. Die österreichischen Minister befanden sich auf einer AuSlaNdreise in Paris und London. Bereit in Paris hat man. sie höflich aber bestimmt davon in Kenntnis gesetzt, daß die Habsburgerfrage keine Erörterung finden, könne, in London gar wurde ihr Pumpversuch abschlägig beschicken mit dem Bemerken, daß die, österreichische Unabhängigkeit ganz und gar nicht gesichert erscheine. Als dritte Tatsache erfolgte endlich die Selbstauslösung der österreichischen Naziverbände. Man weiß, daß Herr von Papen mit Herrn von Tschirschky als Sondergesandter nach Wien beordert wurde. Di« Ereignisse des 25. Juli 1834, haben diese Sonderbetrauung geraten erscheinen lasten. Man weiß aber auch, daß Herr von Bosse, und Edgar Jung, die engsten Mitarbeiter Papens, am 30. Juni 1934 zum ewigen Schweigen gebracht wurden. Nicht so sehr, wie man damals vermutete, wegen der aktiven Mitarbeit am Entwurf der Marburger Rede Papens. Herr von Papen und Herr von Tschirschky, das weiß man auch, sind nur mit knapper Not der Nacht der langen Mester ( entgangen. Schließlich weiß man ja auch, daß der 96. Juli 1934 in Wien sich eurer aktiven Förderung aus dem Reiche erfreute. Nun sagen wir es gleich: Zwischen dem 30. Juni, dem 25. Juli, der Sondergesandtschaft Popens, der Selbstauslösung der österreichischen Ha- kenkrenzler und noch ein paar anderen Kleinigkeiten besteht ei« ursächlicher Zusammenhang. Um seine privaten und persönlichen Dinge in Ordnung zu bringen, ist dieser Tage Herr von Tschirschky nach Wien zurückgekehrt. Er wurde von einem ausländischen Pressevertreter über den Grund seines Abschiedes befragt und Herr von Tschirschky sagte nur, daß er den Dienst verlassen habe und über das, was während seines Dienstes geschehen sei, d e r z e i t keine Mitteilungen mache. Das schließt also nicht aus, daß er zu gegebener Zeit darüber zu reden doch bereit sein wird. Aber eben derzeit... denn Herr von Tschirschky ist ein Konservativer von Geburt und fühlt sich als solcher selbstverständlich an Konventionen gebu nden, dis ihm ein derzeitiges Sprechen nicht geraten erscheinen lasten. Denn er kann ja nicht wissen, ob nicht über Nacht die deutschen Konservativen wieder eine Schwenkung um 180 Grad vornehmen und die neue Oesterreich-Politik der Hitlerei aktiv unterstützen. Vorläufig ist er, wie es scheint, bestrebt, mit Würde das Opfer zu tragen, das er als erster der von Berlin befohlenen Selbstauslösung der Austronazi bringen mußte. Er wird nicht allein bleiben. Auch im Reich werden noch einige auf der Strecke bleiben. Herr von Tschirschky hat seine oben angeführte, dem Wiener Vertreter eines englischen Blattes gegebene Erklärung, mit dem Bemerke» abgeschlossen, daß er nichts gegen Deutschland gerichtetes unternehmen werde. A propos: gegen Deutschland gerichtetes? Das ist es eben, was uns veranlaßt, daS neudeutsche Nibelungenlied zu drucken. Wenn es auch nicht mit hymnischem Schwünge vorgetragen werden kann und sich liest wie ein Kriminalfeuilleton, so wird es eben deswegen ein llassisches Beispiel geben von der unsachlichen und radauerfüllten Regiererei in dem Lande des klassischen Nibelungenverrats. Nichts gegen Deutschland gerichtetes. Es ist einmal etwas geschehen, viele Morde sind geschehen, die alle gegen Deutschland gerichtet waren. Und um dieses Geschehen wüßte Herr von Tschirschky, er wußte sogar so viel davon, daß man ihn doch noch für den gegebenen Mann hiett, mit anderen zusammen das einmal gescheiterte Unternehmen zu blühendem Erfolg zu sichren. 2m Zeitalter der Rationalisierung erfolgen aber manchmal über Nacht BetriebSumstellungen und manches alte wird dabei technisch unbrauchbar. So ist es auch Herrn von Tschirschky ergangen. Die Betriebsumstellung, die Berlin in Oesterreich vorge- nommen hat, erforderte auch den Austausch der Filialleiter. Aurtrofascistircher Blutrausch 17 Todesurteile wegen eines Sprengstoffschmuggels Salzburg. Freitag und Samstag fand vor dem Schwurgericht Salzburg ein Sprengstoffprozeß gegen 20 Angeklagte aus dem Pinzgau statt, die kurz vor dem 20. Juli v. 3. aus dem Funtensee-Haus, das auf bayrischem Bode« liegt, größere Menge« gefährlicher Sprengstoffe über die Grenze nach Oesterreich geschmuggelt habe«. 17 der Angeklagte« wurden wegen Verbrechens«ach 8 6 des Spreng- mittelgesehes zum Tode verurteilt. Einer erhielt 10 Jahre, ei« anderer ei» Jahr schwere» Kerkers»nd ei» Angeklagter wurde freigesprochen. Widmungen anläßlich des 85. Geburtstages des Präsidenten der Republik Steuer- and Abgabenbefreiung— Sammlung beim Ministerratspräsidiam , Die Regierung hat zur verfaffungsmäßigen Durchberatung den Gesetzentwurf über die Befreiung der Widmungen zur Feier des 85. Ge- Purtstages des Präsidenten der Republik von Steuern und Abgaben vorgelegt. Indem sich das Präsidium des Ministcrrates auf die aus den Kreisen hochherziger Spender ausgehende Anregung stützt, empfiehlt es, daß zwecks geeigneter Konzentrierung und Einheitlichkeit alle Geldspenden, eventuell mit Angabe der Bestimmung, dem Präsidium des Ministerrates auf die Konto-Nummer 190 bei der Landesbank in Prag unter dem Kennwort: WidmungzurFeier >d e s 85. Geburtstages des Präsidenten der Republik gesandt werden. Die eingegangenen Geschenke werden in der Tagespresse quittiert werden. Die ohne Angabe der Bestimmung eingegangenen Widmungen wird die Regierung mit Zustimmung des Präsidenten der Republik zur Verteilung bringen. heuer politischer Mord In Rußland Kulaken ermorden einen Kommunisten Moskau. Amtlich wird gemeldet, daß in der Rächt zum 1. März in der Nähe von Noworosisk der Kommunist Truchschumow ermordet wurde. Die eingelettete Untersuchung hat ergeben, daß Druchschumow von ehemaligen reichen R a u e rn getötet wurde. Die Beweggründe sollen rein politische sein. Der oberste Staatsanwalt hat telegraphisch angeordnet, daß die Untersuchung gegen die Verhafteten in zehn Tagen abgeschlossen werden soll, damit die Aburteflung sofort erfolgen kann. Im Feber 1935 wurden nach den bisherige« Mttteilungen 18 polittsche Morde festgestellt. Lloyd George ins Kabinett? Er soll der Regierung seine Arbeitsbeschaffungspläne erläutern London. Das innerpolitische Ereignis. des Tages ist die Einladung des Ministerpräsidenten Macdonald an L l o y d G e o r g e, der Regierung genaue Berechnungen über seine»New Deal*« Pläne zur Arbeitsbeschaffung und zur Verringerung der Arbeitslosigkeit in Großbritannien vorzulegen. In einem längeren Schreiben an Lloyd George gibt Macdonald die Versicherung ab, daß der Plan Lloyd Georges vom Kabinett einer sofortigen Prüfung unterzogen werden würde. Lloyd George teilte dem Ministerpräsidenten nach Erhall des Briefes telephonisch mtt, daß er dem Wunsche der Regierung mit Vergnügen nachkommen werde. Er wird wahrscheinlich während des Wochenendes oder zu Beginn der nächsten Woche auf den Wunsch der Regierung ausführlich eingehen. Die Vermutungen über eine Einbeziehung Lloyd Georges ins englische Kabinett haben dadurch neue Nahrung erhalten. Der besuch In Berlin vom 7.—10. März London. Dir Simon trifft in Berlin Donnerstag, den 7. März, mittels Flugzeuges ei» und verbleibt dort bis Sonntag. Von kompetenten Londoner Stelle« wird darauf aufmerksam gemacht, daß noch immer»i« Besuch deS britischen Außenministers in Moskau, Warschau und Prag nach dem Berliner Besuche in Erwägung gezogen wird. Reuter erklärt, daß der britische Außenminister nur wenige Tage nach seiner Rückkehr aus Berlin nach Moskau reisen wird. Inzwischen wird die französische Regierung über die Ergevniffe der Berliner Nnterredungrn auf diplomattschem Wege unterrichtet werden. Große Vorbereitungen Es heißt» daß die nationalsozialistische Regierung Sir Simon eine Gastfreundschaft i n ganz großem Stil erweisen wird. Dem englischen Gaste wird eine F lu ch t von Prunkräumen im Palais des Reichspräsidenten zur Verfügung gestellt werden. Hiller wird dem englischen Minister ei« großes Staatsbanken gebe«. Sekte 2 Sonntag, 3. März 1933 Nr. 53 der ihnen seine und der SA Unterstützung bei der Abwehr eines solchen Versuchs zusicherte. Auch die österreichische Legion wurde alarmiert. In einem Lokal in der Doretheenstraße in Berlin fand die entscheidende Besprechung statt. Habicht war das Wasser auf seine Mühle. Er und Reschny, ein Oesterreicher, setzten Hitler in Kenntnis von Röhms Auffassung. Unmittelbar darauf erfolgte die Bartholomäusnacht des 30. Juni, unter deren Opfern sich auch Geheimrat Heim und Freiherr von Guttenberg befanden. Als»oberster Gerichtsherr des deutschen Volkes" hätte er sich gefühlt, verkündete Hitler im Radio nach der Blutnacht, denn es seien Hochverräter gewesen, die Ermordeten, sie hätten mit monarchistischen Kreisen des Auslandes konspiriert und die Einheit des Reiches gefährdet. Schleicher war bekanntlich auch darunter und er hat nichts anderes getan, als die Generalskamarilla um Reichenau und Blomberg-Rundstedt, die mit der von Hitler geplanten Reichsaufteilung sympathisierten, auf ihre Offiziersehre und den auf die Verfaffung abgelegten Eid aufmerksam gemacht. Des Kriminalfeuilletons Fortsetzung: Es ist noch in frischer Erinnerung, daß nach dem 30. Juni das reichsdeutsche Liebeswerben um Oesterreich mit'gesteigerter Intensität fortgesetzt wurde. Schließlich kam man aber auch in Wien hinter ver schiedene Dinge. Man hat dann Rintelen beim Quirinal abberufen und ihm Zwangsaufenthalt im Wiener Hotel Imperial gegeben. Er wurde dort von zwei Kriminalbeamten bewacht— die seit den Ereignissen des 28. Juli in Deutschland als Emigranten leben. Und der 28. Juli kam also. Dollfuß wird abgeschoffen. Richt daß er allein gewesen wäre. Aber waS kümmern schon ein paar Pistolenschüsse, auch wenn sie fehlgehen. Bei jeder Hochzeit wird geschossen, das ist so Brauch. Und an jenem 28. Juli sollte doch Hochzeit gefeiert werden zwischen den feindlichen Brüdern. Und wenn sich ein Standesbeamter findet, der dem geplanten Bund die gesetzliche Sanktion verweigert, der sogar noch nach dem Ausland fahren will, um zu fragen, ob es statthaft sei... dann, na ja, dann.. Herr von Papen wurde dann nach Wien gesandt, und Herr von Tschirschky kam mit ihm. Wie weit sie gekommen sind? Bisher haben sie nur eine Betriebsumstellung zustande gebracht. Und wenn man weiß, was in Deutschland eine Betriebsumstellung bedeutet, dann kann man sich ungefähr denken, welchen Weg zu beschreiten man dort gesonnen ist. Da man die Leute doch zur Genüge kennt und auch ihren Weg weiß, kann man nicht mehr leicht irre gehen. Der Schluß dieses neudeutschen Nibelungenliedes: Siehe oben bei Vorgeschichte und Forset- zung dieses Kriminalfeuilletons. Feys Spießgeselle vor Gericht Rintelen beteuert seine Unschuld Wien. Dor dem Wiener MUitar- gericht begann Samstag früh der Hochverrat-Prozeß gegen den ehemaligen österreichischen Gesandten in Rom Dr.AntonRintelen,der auch Landeshauptmann von Steiermark«nd dreimal Minister war. Die aus Anlaß des Prozesses getroffenen Sicherheitsmaßnahmen sind sehr umfangreich. Gleich beim Eintritt in das Landesgerichtsgebäude wurde eine strenge Revision der Eintrittskarten vorgenommen. Im Vestibül stehen Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett, ebenso auf den Gängen. Auch im Saal, der bis zum letzten Platz besetzt ist, versehen Soldaten den Dienst. Es find zahlreiche Journalisten anwesend, insbesondere aus deur Auslande, welche größtenteils di« Plätze auf den Bänken der Geschworenen einnehmen. Am 9 Uhr 25 wurde der Angellagte Dr. Rintelen in Begleitung seines Verteidigers und der Gerichtspsychiater vorgeführt. Er hat die linke Hand in einem Verband, hinkt und stützt sich auf e^nen starken-Mock. ,Auch sonst, such an iHm dre Spuren der Hast und der schweren Nervosität sichtbar. Der Angellagte nimmt in dem bereitstehenden Lehnstuhl Platz. Generalmajor Adalbert Oberweger eröffnet die Verhandlung. Die Leitung des Prozesses übernimmt Oberlandesgerichtsrat Dr. Fryda. Rach Erledigung der Formalitäten ermahnt der Vorsitzende den Angellagten, die Freiheit des Wortes nicht zu mißbrauchen, die ihm gewährt weiden wird, und Ruhe zu bewahren. Oberstaatsanwalt Dr. Karl T u p p y verlas die umfangreich« Anllageschrist und verlangte die Bestrafung des Angellagten im Sinne des Gesetzes. Dr. Rintelen erklärt zu Beginn seine- Verhörs kategorisch, daß er o ä l l i g unschuldig sei, daß er niemals ohne Wissen Dr. Dollfnh' mit den Nationalsozialisten verhandelt habe und»atz ihn die Nationalsozialisten ohne sei« Zutun alS ihre« Verbündeten»nd als den Nachfolger Dr. Dollfuß bezeichnet hatte«. Po» de« Putschpläne«-ab« er n i ch t 8 gewußt. Der Angeklagte schildert die Anfänge und die Entwicklung seiner polittschen Tätigkeit bis zu seiner Entsendung nach Rom. Er verwahrt sich gegen die Borwürfe, daß er sich um die Gesandten-Agenda nicht gekümmert habe. Rintelen schildert ferner sein« Beziehungen zu den Journalisten; dabei kam er auf einen gttviffen Spitzy jun. zu sprechen, der als ein besonderer Vertrauensmann und Informationsorgan bezeichnet wurde. Daß Spitzy häufig nach Berlin flog, sei nichts Auffallendes gewesen, da er dort Verwandte hatte. Der Vorsitzende erinnert Rintelen daran, daß er(der Angeklagte) Rom am 21. Juli v. I. verlassen habe, und daß Spitzy am 24. Juli ebenfalls aus Rom abgereist sei, was doch auffällig sei. Der Angeklagte antwortet: „Es war doch Ferienzeit!" Wester kommt die reich-deutsche Wirtschafterin Äffe d e Sftrf’a Te r äst die Reihe. Det Angeklagte antwortet, daß die RieLermäier eine Verwandte von ihm auS Westfalen sei, wo er noch andere Verwandtschaft habe. Sie sei deshalb am 22. Juli abgereist, weil Ende Juli ihr Paß ablief. Der Vorsttzeude verweist danu auf di« zahlreiche« Reisen Rintelen» nach W i e« i» Jahre 1934»nd fragt,«b er bei diese« Gelegenheiten de« Bundeskanzler Dr. Tollfuß ausgesucht habe. Der Angeklagte antwortet, er habe einigemal versucht, zu Dr. Dollfuß zu gelangen, dieser sei aber immer beschäftigt gewesen. Auf die Frage, od er zu anderen in Rom lebenden österreichischen Nationalsozialisten Beziehungen unterhalten habe, antwortet Rintelen verneinend. Auch mit reichsdeutschen Nationalsozialisten! sei er nicht zusammengekommen. Der Vorsitzende hält ihm demgegenüber vor, daß er Beziehungen zu dem deutschen Film-Industriellen Dr. Pau l unterhalten habe. Der Angeklagte sagt, er habe mit ihm über irgendwelche Film« für Graz verhandelt. Der Vorsitzende erinnert daran, daß Dr. Paul ein intimer Miwrbeiter deS bekannten Führers des Dritten Reiches, H e ß, ist. Im weiteren Verhör richtete der Vorsitzende an Dr. Rintelen die Frage, ob er Briefe unter Decknamen, z. B. unter der Bezeichnung»Elaß" und .Zeloni" erhalten habe. Dr. Rintelen bestteitet, daß es sich um Briefe politischen Inhalts ge- handelt habe. Eine» breite» Raum im Verhöre nimmt dann dir Erörterung des BerhälwiffeS zwischen Dr. Rin- telen und dem Bundeskanzler Dr. Dollfuß ei«. Dr. Rintelen wiederholt bei dieser Gelegenheit, daß er imEi»vrr«ehmen«itDr.D»ll- f u ß mit den Nationalsozialisten»erhandelt habe. Er wollte immer einen AnSgleichmitden Nationalsozialisten«nd wiederholt habe er die Ansicht vertrete«, daß man die Opposition an der Verantwortung teilnehmen lasse» müsse. An der Kluft, die sich zwischen ihm und dem Bundeskanzler Dr. Dollfuß gebildet habe, habe er keine Schuld. Diese Kluft wurde durch Gerüchtemacher verschuldet und immer«ehr vertieft. Sodann wird Dr. Rintelen über sein Verhalten in der Zeit des Putsches vernommen. Auf die Frage, wie er sich nach dem telephonischen Anruf einer Dame verhalten habe, die ihm bekanntgab, daß die.Ravag" von den Putschisten besetzt wurde, schweigt Dr. Rintelen, ebenso auf die Frage, was er getan habe, als man ihm berichtete, daß die .Ravag" fälschlich die Uebernahme der Regierung durch Rintelen gemeldet habe. Schließlich erklärt er, er könne sich nicht mehr erinnern. Auch will Dr. Rintelen nicht wissen, daß ihn der Generaldirektor der »Ravag" Ezeja, telephonisch gebeten hab«, ihm gegen die Putschisten zu helfen und Polizei zu entsenden. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten dann vor, warum er nicht sofort zu Dr. Dollfuß gefahren sei. Der Angellagte wiederholt, er habe da» Möglichste getan. Die Rattonalsozialisten Habicht. Frauenfeld und Schattenfroh kennt der Angellagte, den Führer der Putschisten vom 26. Juli, Dr. Wächter, jedoch nicht. Sodann wird das Verhör des Angellagten wegen dessen Uebermüdung auf Montag vormittag vertagt. Wie könnte man 3000 Glasarbeiter« Arbeit verschaffen? Der Vorsitzende des tschechischen Glas- arbeiterverbandes Genosse V i k t o r i n hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, wornach Flaschen und Gläser für Getränke, Nahrungsmittel, Flüssigkeiten und verschiedene Präparate, die bereits einmal verwendet wurden, ein zweitesmal zu demselben Zweck im Handel schon nicht mehr verwendet werden dürfen. Ausgenommen wären nur Flaschen für Mich, 5 gewöhnliches Bier, Sodawässer und Limonaden. Der Entwurf verfolgt hygienische, in erster Linie aber soziale Gründe. Die Flaschenerzeugung ist von 1928 bis 1933 von 43.3 aus 28.3 Millionen Flaschen gesunken. Würde man den Handel mit alten Flaschen ausschalten, so könnten etwa jährlich 20 Millionen Flaschen mehr für das Inland erzeugt werden. Auf jede dieser Flaschen kämen 1.8 bis 2 weitere, die unter geringen Preisopfern, die aus dem JnlandSkonsum gedeckt werden müßten, zusätzlich ins Ausland exportiert werden könnten. Dadurch würden etwa 80 0 0 Glasarbeiter Beschäfti'guyg finden und auch jene Geschäftszweige, die das Rohmaterial für die Flaschenerzeugung liefern, eine Belebung Erfahren. Die Vorgeschichte: Um die Zeit vom 16. bis '18. Juni 1934 führten in Wien zwei Emissäre der Berliner Regierung, der ehemalige Abgeordnete der bayerischen Volkspartei Graf Quadt zu I s n y und der Regierungsrat Eisele vom bayerischen Staatsministerium Verhandlungen, die die Herbeiführung eines Friedensabkommens zwischen Wien und dem»Dritten Reich" zum Ziele haben sollten. Das war bekanntlich zu der Zeit, als von Bayern aus täglich neu« Liebesangebote in Form von Ekkrasitbomben erfolgten. Während nun Dollfuß und Schuschnigg es ablehnten, die Unterhändler zu empfangen, fanden sie bei Starhem- berg und Fey Aufnahme. Dabei macht der gräfliche Abgesandte im Berliner Auftrage das Angebot, die im Donauraume liegenden Teile Bayerns mst Oesterreich zu vereinigen. Deutschland sei bereit auf diese Gebiete zu verzichten. Diese Aktion könne gleichzeitig als eine Lösung der Anschlußfrage betrachtet werden. Berlin stelle aber die Forderung, daß Dollfuß zurücktrete und Rintelen oder einem anderen, weniger klerikal gebundenen Polittker Platz mache. Auf alle Fälle aber müsse ein Weg gefunden werden, Oesterreich aus der Einflußsphäre Italiens zu bringen. Dieses Angebot erfolgte unmittelbar nach Hitlers Begegnung mit Mussolini in Stra. Star- hemberg und Fey waren diesem Plane günstig gesinnt und sogar eine hohe kirchliche Stelle versuchte, auf die Festlegung der österreichischen Poli- til in diesem Sinne Einfluß zu nehmen. Als Dollfuß sich noch immer weigerte, griffen auch legiti- mistische Kreise ein, denen der gräfliche Unterhändler schon vorher zugesichert hatte, daß man bei einer solchen Neuordnung der Verhältnisse einer Restauratton der Habsburger, die sich auf dieses Gebiet beschränkte, in Berlin keine Schwierigkeiten bereiten würde. Dollfuß gab zwar nicht nach, er redete sich aus. Gleichzeitig erfolgte«ine Rückfrage beim Quirinal. Die Begegnung von Riccione wurde vereinbart. In Rom aber saß Rintelen... In dies« Zeit fällt nun die seinerzeitige Umbildung deS österreichischen Kabinetts, bei der dem Fey das SicherhettSministerium genommen wurde. Er kehrte zwar wieder, aber als Minister ohne Portefeuille. Denn auf Grund seiner Haltung versuchte er persönlich auf Dollfuß einen Druck auszuüben und drohte mtt einem Staatsstreich. Am 23. und 24. Juni fand in Wien dann eine Generalversammlung der Legittmisten statt, die eiligst einberufen wurde, und die einen stürmischen Verlauf nahm und mtt einer Spaltung endete. Der Führer von Riederösterreich und Wien im Reichsbund der Oesterreicher, Baron Klopp-Vogelsang und BaronKarg gründeten eine Sezession, den sogenannten Heimwehrflügel der Legitimisten. In dieser Versammlung wurde«in Telegramm Otto» aus Steenok- kerzeel verlesen: Baron Wiesner wird mit besoy» 'deren Vollmachten auSgestattet, die Berliner Vorschläge nicht anzunehmen, auch nicht auf die Gefahr eines Rückschlages oder einer Spaltung hin(denn unser Reich mutz größer sein... d. B.). Der Berliner Abgesandte mußte so unverrichteter Dinge nach Deutschland zurück. Aber da er noch in Wien wellte, waren die Vorgänge im Reich schon undicht geworden. Ein Sturm der Entrüstung löste sich aus. Der Führer de» bayerischen Heimat« und KönigbundeS, Freiherr von Guttenberg, Geheimrat Heim-RegenSburg u. a. ließen Hiller warnen und machten ihn auf die Folgen einer solchen Reichsausteilung aufmerksam. Gleich- zejttg suchten sie Verbindung mitRöhm, Roman von Fritz Rosenfeld »Da, schau, wie du aussiehst. So willst du Herumlaufen? Morgen ist Premiere in Dpsilon. Die Leute werden dich ausl--"'en". Durch die Tränen sah Tenia ihr Bild im Spiegel: ein entstelltes Gesicht, fleckig, Ringe unter den Auaen. Sie sah alt aus. Durch zwanzig Jahre ging der Blick, der das silberne Glas traf, in die Zukunst. Sie Holle eine Puderdose aus der Tasche, einen Lippenstift. Die Tränen versiegten, aber das Weinen war noch in ihr, es saß tief drinnen, im Herzen, ein zuckendes Wesen, das ihren Atem in kurze Stücke zerschnitt und vordrang bis in ihre Kehle.— Carlotta sprach leise mtt dem Arzk. »Wenn der Wagen schon da wäre—'* »Ich glaube, nun hat eS keine Elle mehr", sagte der Arzt. Totenstille. Nur die Karten Kilmeks und Sabrolles knatterten auf den Tisch und Marinka klappert ab und zu mit den Tassen und Tellern, die sie abtrocknet und in einem Glaskasten aufschichtet. vm. Olavs en stapfte mtt dem Kellner durch den Regen. Den Kopf gesenft, ging der Kellner neben ihm her, er sprach kein Wort. Wenn sie an einen Kreuzweg kamen, wies er mit der Hand: Dort. Die Station lag höher al» da» Dorf, der Bahndamm umschloß«S im Halbkreis und sperrte es von der Well ab. Ein Kirchturm stand in der Dunkel« hett da, schmal und viereckig neben daS plumpe, quadratische Kirchenschiff gesetzt. Das Bürgermeisteramt, ein ebenerdiges, flaches Gebäude, blickte mit einem beleuchteten Fenster in die Finsternis. Bauern saßen um einen Tisch, die Köpfe rot, die Augen blank vor Erregung. Olrwsen blieb stehen, der Kellner sagte: »Hat keinen Sinn. Sie wissen auch nichts". Durch einen wetten Hof, der von Ställen flankiert war, gingen sie zu einem Haus. Der Kellner llopste an, aber als die Tür sich öffnete, trat' er«inen Schritt zurück: alles übrige mußte Olavsen besorgen. Eine weißhaarige Frau stand, die Ker^e im zitternden Arm, vor Olavsen, Sie schrie emen Namen, versuchte die Tür zuzuschlagen, Olavsen steckte den Fuß dazwischen. „Keine Angst, Frau. Ich will mtt dem Dauer reden". Der Bauer kam. Richt, wie Olavsen sich einen Bauer vorgestellt hatte, schwer und plump und breit; er war ein junger Mann, trug einen Rock, wie man ihn in der Stadt trug, vielleicht war sein Gesicht schärfer geschnitten, sein Gang aufrechter. „Ich gebe den Wagen nicht her. Ich lasse meine Pferde nicht zusammenschießen", sagte er, ehe Olavsen ein Wort hervorgebracht hatte.„Meine Pferde bleiben heute im Stall, und ich stell mich mit der Flinte davor, wenn einer sie herausholen will". „Wir müssen einen Schwerkranken ins Spital transportieren", sagte Olavsen.„Es geht um ein Leben". »Was kann ich dafür, daß die Brücke in di« Luft flog? Was kann ich dafür, daß ihr nicht weiter könnt? Hier ist nichts zu holen, Herr". Die Tür schlug zu, der Lichtschein hinter dem Fenster vergitterte, Der Kellner sah Otavsen vorwurfsvoll an. Als ich sagte, die Bauern verschanzen sich und knallen uns die Tür vor der Rase zu, glaubte man eS nicht. Der Herr wird es schon richten. Der Herr, der aus der Stadt kommt, versteht es wohl besser. Der Herr ist tüchtiger, wett er einen teuereren Anzug trägt und schönere Worte macht. Aber der Herr irrt sich. Es ist dasselbe, ob"er an- klopft oder ob ich anklopfe. Sie gingen quer durch das Dorf. Dunkle Heine Häuser, die Menschen schliefen. Scheinwerfer tasteten den Himmel ab, Gewehre knatterten in der Nähe, eine Brücke war in die Lust geflogen, die kupfernen Drähte waren verstummt, das Licht zurückgefloffen aus den dünnen Adern, durch die es zu den Menschen strömte— aber das Dorf schlief. Aus der Gaststube des Wirtshauses lärmte ein Grammophon, aber er sandte seine Mustt ins Leere: vielleicht hockte der Wirt im Dunkeln, das Gewehr mtt gespanntem Hahn in der Hand, und verteidigte seine Bierfässer, seinen Weinkeller gegen den Schatten des Unbekannten, der über dem Dorf, über dem Landstrich, über den Herzen lag.- Gesetzt, in Dpsilon ist Revolutton: es geht n'cht um Dpstton allein, eS geht um das Land, um alle, es geht auch um diese hier in den stillen Häusern. Aber sie schlafen, sie schließen sich dagegen ab, sie werden ihm erst ins Antlitz blicken, bis es hier steht, auf dem Marktplatz, an ihrer Tür, mitten in ihrem Zimme. Drüben llopften sie an ein Tor. Eine Stimme fragte schrill:„Wer ist da?" „Wir wollen einen Wagen mieten", sagte Olavsen. „Ich habe keinen Wagen". „Der Arztz hat mich zu ihnen geschickt. Wir müssen einen Wagen auftreiben, ein Menschenleben steht auf dem Spiel". „Ich habe keinen Wagen". Stille, Stummheit, gegen die kein Wort mehr etwas vermochte. So ost Olavsen auch pochte, so viel Geld er auch bot, seine Worte fielen in emen Abgrund, aus dem kein Echo emporklang. Der Kellner blickte ihn an: Du hast mtt mißtraut. Ich habe eS dir bewiesen. Willst du noch weiter gehen?„Weiter," sagte Olavsen. Ein Dorf. Ein stiller Fleck, außerhalb der Welt. Er haßte die Stadt, er war auf der Flucht vor der Stadt. Er haßte die Rotationsmaschinen, deren Getöse ihn bis in den Schlaf verfolgte. Er haßte die Jagd durch dtt steinernen Sttaßen, nach den stemden Menschen, die kamen, in Hotels unterkrocheu, in einem Saal, auf einem Podium sprachen, spielten, sangen. Immer dieselben Fragen, ob einer ein Maler war oder ein Filmschauspieler oder ein Boxer, ein Gelehrter, der ein neues Serum erfunden oder ein Asttonom, der einen neuen Stern entdeckt. Immer das leere Gesicht des weißen Papiers in der Schreibmaschine, das sich mit Zeichen bedeckte, die stumm blieben; immer die feuchten Fahnen aus der Setzerei, die Druckerschwärze, die an den Händen haften blieb. Und alles, was er schrieb, die Kraft seiner Gedanken und die Seel« seiner Sehnsucht, alles schwamm in dem endlosen Strom von Papier irgendwohin in eine fremd« Ferne, aus der es nicht wiederkehrte. Fünfzehn Jahre Robot an Schreibmaschinen und RotationSmaschinen, und daS Ergebnis: ein Stoß Zeitungsausschnitte, ein paar Menschen, die seinen Namen kannten» ein wenig Geld, das für ein Zimmer, einen Anzug, ein paar Bücher reichte, und ein hoher Berg von Entwürfen, die beiseite geschoben wurden und in Vergessenheit sanken, von Plänen, die nie zu Ende gedacht, von Büchern, die nie geboren wurden. ES würde nicht mehr lange dauern, und diese Entwürfe, Pläne, Bücher verschwanden für immer: wenn seine Kraft von den Rotationsmaschinen aufgezehrt war, dann gab eS keine Flucht mehr, dann mußte er bei ihnen bleiben, sich an stt klammern, ftoh sein, wenn sie ihm für die Jahre des Alters noch Brot und Obdach spendeten. In der Stadt entrann man ihnen nicht. Wie ost hatte er eS versucht, sein Tage einzutv- len, eine Arbeit zu beginnen und neben dem Robot wachsen zu lassen. Ueber ein paar Notizen, ein paar Seiten kam er nicht hinaus; das Wort deS Redakteurs schob sich zwischen ihn und sein Werk, sandte ihn fort, heute auf die Spur eines Mörders, morgen zum Empfang eines Filmstars, übermorgen, in ein Operettentheater. (Fortsetzung folgt.) Nr. 53 Sonntag, 3. März 1935 Seite 3 fudetendcutscfieT Die politlsdic Wodic Die kommende Woche wird im Zeichen des 88. Geburtstages des Präsidenten stehen. Auch die Ar- beiterklaffe wird diese Gelegenheit dazu benützen, dem Präsidenten ihre große Verehrung auszudrük- ken und der Freude Ausdruck zu geben, daß er wieder genesen und seiner schweren und verantwortungsvollen Aufgabe wiedergegeben ist. Da die Vorbereitungen zu den Geburtstags« feicrlichkeiten vollständig abgeschlossen sind, wird auch'die kommende Woche für die politischen und parlamentarischen Arbesten nutzbar gemacht werden können. Roch immer ist die politische Situation nicht vollkommen geklärt, noch immer sind hinter den Kulissen Verhandlungen zwischen Landbund und SHF. im Gange, um«inen Ausweg aus der t.ragischen Situation des bürgerlichen Lagers zu suchen. Wir haben schon in der Vorwoche angedeutet, daß trotz dem energischen Anlauf, den der Landbund genommen hat, ein Rückschlag nicht ausgeschlossen sei, WaS wir voraussagten, ist eingetreten. Niemand wiro eS aber mehr zu bedauern haben, als die beiden Partner selbst, vor allem der Landbund, dem dieses unwürdige Paktieren teuer zu stehen kommen kann. Die Herrschaften werden doch nicht glauben, daß alles, WaS das bürgerliche Sudetendeutschtum im Zeichen des VolksgemeinschaftSrummelS in den letzten Tagen an Enttäuschungen über sich ergehen lassen mußte, spurlos vorübergehen und der Vergessenheit anheimfallen wird. Im tschechischen Lager gibt eS augenblicklich— weniger um der eigenen Angelegenheiten willen als wellen der Vorgänge im deutschbürgerlichen Lager — sehr lebhafte Auseinandersetzungen, seitdem eS auch dem blindesten tschechischen Nationalisten klar geworden ist, daß daS Henleinproblem längst nicht mehr ein bloßes Parteien- und Wahlptzoblem, sondern eineminenteSSchicksalproblem desStaates geworden ist! Von den Bedeckungsvorlagen zur Sanierung der Selbstverwaltungsvorlagen befindet sich ein Teil bereits im interministeriellen Verfahren. Darunter befindet fich leider wieder die ominöse Kunst- f« t t a b g a b e, die zwar schon herabgesetzt ist, aber immer noch rund 26 Millionen eintragen soll. Die Ansichten gehen aber noch west auseinander, da die sozialistischen Parteien höchsten» über eine Art Registrierabgabe diskutieren wollen, deren Ertrag zehn Millionen nicht überschreiten dürfte. Die Novellierung der Erwerbsteuer und d«S Gesetzes über die Stabilisierungsbilanzen wird derzest im Finanzministerium in die endgültige juristisch« Form gekleidet. Fm Prinzip fertig ist auch die Novelle über die Motorfahrzeuge;«ine in den nächsten Tagen zusammentretende Kommission wird die noch bestehenden Differenzen bereinigen. Was die Ar- beitSzeitvorlage betrifft, so sind die Bestimmungen über den Lohnausgleich noch,.nicht zu Ende verhandelt, was ebenfalls der kommenden Woche Vorbehalten ist. Parallel mit diesen Verhandlungen geht die Vorbereitung der I n v e st i t i o n e n, woran eine ministerielle Kommission, bestehend aus dem Ministerpräsidenten als Vorsitzenden und den Ministern für soziale Fürsorge, Finanzen, öffentlich« Arbeiten und Inneres sowie eine beamtete Kommission aus Vertretern derselben Ressorts arbeitet. Das Arbeitenministerium und daS Eisenbahnministerium haben bereits«inen großen Teil ihrer budgetären Investitionen kurzfristig ausgeschrieben, so daß mit der Vergabe schon im März und mit dem Arbeitsbeginn in den erstenApriltagen gerechnet werden kann, lieber die Beschaffung der Mittel für di« Investitionen, die außerhalb des Rahmens des Budgets fallen, wird noch verhandelt. Wenn aber ein deutsches Blatt in diesem Zusammenhang bereits mit hohen Milliardensummen operiert, die schon bewilligt seien, so ist daS journalistisch einfach nicht zu verantworten! Die vom Fürsorgeministerium bereitgestellten Kredite von 45 Millionen zur Deckung der auf notleidende Selbstverwaltungskörper entfallenden Quoten für JnvestitionSarbeiten sind bereits erschöpft. Im letzten Ministerrat wurden für diesen Zweck weitere 70 Millionen bewilligt, so daß jetzt mit neuen SubventionLbewilligungen vorgegangen Wecken kann. Bon den politischen Vorlagen werden demnächst die Parteienregistrierung, die Reform der Wahlordnung und der Wählerlisten in die Regierung kommen. Bisher ist wegen der Ungeklärtheit der Verhältnisse noch nichts geschehen. Auch die schwebenden wirtschaftlichen Fragen, wie Viehsyndikat und Entschuldungsaktion einerseits und die Arbeitsvermittlung und andere sozialpolitische Fragen andrerseits, harren der Stellungnahme der Regierung. ES ist ja für hie Kabinettsmitglicker einfach Physisch unmöglich, oiese überaus schwierigen Fragen alle gleichzeitig zu beraten und zu bewältigen. Von dem Fortgang all dieser Verhandlungen hängt natürlich auch der Zeitpunkt der Wahlen ab, hinsichtlich dessen di« Koalitionsparteien an dem Herbsttermin festhalten. Da aber in der Politik naturgemäß mit allen Möglichkeiten gerechnet werden mutz, haben die sozialistischen Parteien ihre Arbeit so eingerichtet, datz sie sich der grundsätzlichen Auseinandersetzung mit den bürgerlichen Parteien in jckem Augenblick zu unterziehen vermögen. Der ehemalige tschechische sozialdemokratisch: Senator Josef Ackermann, welcher lange Jahre Sekretär der tschechischen Textilarbeiterunion war, ist im 88. Lebensjahre gestorben. 800 Unterschriften für den verhafteten Dr. Schier Wie erinnerlich, wurde vor einigen Tagen, auf Grund einer Anzeige einer Frau aus Deutschland, der in R u p p e r s d o r f bei Reichenberg ansässige Arzt Dr. Schier wegen Vergehen gegen den berüchtigten 8 144 verhaftet. Nunmehr wurde eine Petition verfaßt und mit 800 Unterschriften versehen, um die Freilassung Dr. Schier's zu erreichen. In der Petition wird vor allem festgestellt, datz es nicht richtig sei, datz der verhaftete Arzt die Eingriffe aus gewinnsüchtiger Absicht vornahm, sondern einzig und allein aus Menschenfreundlichkeit und sozialen Gründen den um Hilfe bittenden Frauen Beistand leistete. Es wird besonders bewnt, datz Dr. Schier als Freund und Helfer der Armen galt und trotz seiner nicht gerade rosigen wirtschaftlichen Lage bei armen Patienten auf die Bezahlung der Behandlung verzichtete. Zum Schluß der Petition wird darauf verwiesen, datz man mit Rücksicht darauf, daß die Verhaftung Dr. Schiers auf Grund eines alten Paragraphen erfolgte, der im Widerspruch zum Bolksempfinden stehe, die weitestgehende Milde für den Angeklagten erwartet wird. DaS Verhalten der bürgerlichen Presse zu der Verhaftung wird von der Bevölkerung von Ruppersdorf einstimmig verurteilt. Gemeindevorsteher schädigt Arbeitslosenkinder bei der Weihnachtshilfsaktion Der Gemeindevorsteher von Kolmen bei Tetschen, Bendel, ein führendes Mitglied des Bundes der Landwirte und wie eS heißt auch eingeschriebenes Mitglied der SHF, hat Ernährungskarten, welche für Kinder von Arbeitslosen als Weihnachtsunterstützung bestimmt waren, für seinen Privathaushalt verwendet. Bendel, der vermögend ist, ließ die Listen von den Arbeitslosen unterschreiben und setzte dann erst die Ziffern ein, die höher waren als die Zahl der Karten, welche die Arbeitslosen tatsächlich erhielten. Mit den so erübrigten Karten ging dann Bendels Schwiegertochter nach Altstadt einkaufen. Die Waren füllten drei Körbe. In dem Prozeß, welchen der Herausgeber und Eigentümer der Wiener„Facke I", Karl K r a u s, gegen den verantwortlichen Redakteur deS»Sozialdemokrat", Genossen Dr. Strauß, beim Prager Straf-KreiSgericht« angestrengt hat (über die erste Haupwerhandlung haben wir im November 1934 berichtet), fand am Freitag die fortgesetzte Haupwerhandlung statt. ES gelangte eine Eingabe des Privatanklägers Karl Kraus zur Verlesung, in welcher er die Klage in einigen Punkten zurückzieht. Insbesondere hat Karl Kraus die Klage gegen die Behauptung zurückgezogen, daß er fich in der letzte»„Fackel" wild« und zugleich läppische Ausfälle gegen den Marxismus und dir Sozialdemokratie geleistet hat. Die Zurückziehung der Klage ist deswegen erfolgt weil die Verteidigung des Genossen Dr. Strauß durch Zitierung von etwa 160 Stellen aus der letzten„Fackel", die grobe und läppische Beschimpfungen undSchmähungen enthalten, den Wahrheitsbeweis schon erbracht hat und sich Kraus darum von der Aussichtslosig-* leit seiner Klage überzeugen mußte. An dieser Sachlage kann auch die Erklärung des Klägers nichts ändern, datz er nach wie vor zu seinen Angriffen stehe, die auch, wenn sie aus dem Zusammenhang« gerissen seien, seiner Ansicht nach ihre volle Wirksamkeit behalten haben. Die seiner Ansicht nach wirksamen, von uns aber, wie bereits erwähnt, wahrheitsgemäß al» wild und läppisch bezeichneten Angriffe eines einstmals großen Schriftstellers, sehen folgendermaßen aus: „Parvenü, Bestialität, Paralyse, der wt« Esel, verfallsreif und absurd schon neben der größeren Konstruktion der Kommunismus, Abschaum, Verrat, Lügner, dreisteste Lüge, Blutschuld. Palawatsch, Preßlumperei, TollhäuSler, Trotzbuben, Lügen, Demagogen, Parteityrann, BezirkSbonzen, Bonzenwirtschaft, FreiheitStrottel, Schwätzer, grundsätzliche Lügerei, böswillige Agitatoren, Lügengebäude, Radaupresse, Idiotie, Trottelei, Chuzpe, Orgien der Verlogenheit, Lüge, Pack, Tölpel, intellektuelle Ausbeuter" u. a. m. Der Verteidiger des Genossen Dr. Strauß stellte den Antrag, das Gericht möge Karl Kraus mit Rücksicht auf die teilweise Zurückziehung der Klage zum Ersätze eines Teiles der bisher aufgelaufenen Kosten verurteilen, da er ja den Prozeß in diesen Punkten schon jetzt verloren hat. Das Gericht behielt fich die Entscheidung über diesen Antrag vor. AuS den Ausführungen des Vertreters von Karl KrauS heben wir noch folgendes hervor: Alle meritorischeN Anträge, die sich mit dem Kern der Sache beschäftigen und durch die die Es heißt, daß Bendel inzwischen einen Betrag, dessen Höhe unbekannt ist, ersetzt hat. Im Gemeindeamt wurde eine gründliche Revision vorgenommen. Ob die Bezirksbehörde gegen den Vorsteher einschreiten wird, hat man noch nicht, gehört, aber auch sie, die die Unterstützung eines jeden Arbeitslosen genau kontrolliert, wird sich der Tatsache nicht verschließen können, daß ein Mann, der so mit öffentlichen Mitteln umgeht und Arbeitslose schädigt, nicht in ein Amt gehört. Uebrigens haben die Arbeitslosen von Kolmen früher schon auf Manipulationen aufmerksam gemacht, die B e n d e l bei einer Notstandsarbeit vorgenommen zu haben scheint. Der Gemeindevorsteher Bendel hat sich als besonders eifriger Förderer der Sudetendeutschen Volkshilfe hervorgetan. Ein fairer Verhandlungspartner! Wie Henlein den Landbund bekriegt Wie die„Deutsche L a n d p o st" mitteilt, hat die SHF, während sie noch mit dem B. d. L. verhandelt, bezw. in der Frist, die in Henleins Ultimatum an Spina dem B. d. L. gesteckt wurde, berests die Agitation gegen den Verhandlungspartner ausgenommen. Man hat das erste Blatt der„Rundschau" vom 24. Feber mit dem Aufruf an die Sudetendeutschen und einem Artikel gegen die Landbündler als Flugblatt abgezogen und verteilt es in Massenauflagen auf den Dörfern. Die„Deutsche Landpost" nennt diese Agitationsmethoden„merkwürdig". Ein merkwürdig zartes Wort im Verhältnis zu der Sache, die es treffen soll! Ob daraus zu schließen ist, datz der Landbundführung die Angst in den Knochen sitzt und sie zur Annahme des Ultimatums entschlossen ist? Wir haben jedenfalls den B. d. L. noch gekannt, als er über weit harmlosere Angriffe in kochende Wut geriet und vom politischen Gegner das nicht hingenommen hätte, was er sich jetzt von seinen Freunden gefallen läht. Es ist kaum die richtige Methode, mit Henlein fertig zu wecken. Aber es ist ja Sache des Bundes der Landwirte, darüber zu entscheiden, ob er eine Partei bleiben und ob er die geschichtliche Sendung erfüllen will, die er sich vor acht Tagen Wahrheit unserer Behauptungen über Kraus bewiesen wird, bezeichnet er als nicht zur Sache gehörig. Wie alle Kläger, denen die Untersuchung ihrer Taten im Prozesse nich erwünscht ist, ist Kraus bestrebt, den Prozeß auf das Gebiet einer bloß formalen Beleidigung einzuschränken und die Durchführung des Wahrheitsbeweises zu vermeiden. Den MariSmuS definiert Karl Kraus so: Der Apparat einer Partei und Leut«, welche vorgeben, dem Schutze der Ackeiter zu dienen, Wohlleben und fich zu Unrecht auf sozialistische Ideen und Ideal« berufen und sich berufen fühlen, die Arbeiter zu führen, allerdings leider ost ins Verdecken. Den Vergleich des Falles Kraus mit dem Falle Gerhart Hauptmann bezeichnet der Kläger als unzutreffend, denn Gerhart Hauptmann habe den Hitler-Gruß geleistet, während Karl Kraus eine Einladung, in Köln a. Rh. im Rundfunk zu sprechen, abgelehnt hat. Di« Sympathie für das reichsdeutsche Regime ist Kraus von uns nichr vorgeworfen worden. Kraus sei, so führt er Weiter aus, von Dollfuß nicht bestochen worden, er habe Dollfuß auch nM aus spekulativen Gründen und auch nicht aus Feigheit gefeiert. Der prenßische Henker sei eine grausamere Erscheinung, alS der österreichische. Ein« sonderbare Konstatierung im Mnndr der Dichter» der»Letzten Tage der Menschheit" und angesichts der Tatsache, daß es in dem kleinen Oesterreich in wenigen Monaten 23 Hinrichtungen gab. Kraus vertritt, nach seiner Behauptung» nicht nur die Interessen der unterdrückten Juden und der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, sondern aller Unteckrückten. Er hat es allerdings unterlassen aufzuzählen, wann und bei welcher Gelegenheit er sich derjenigen angenommen hat, die von dem jetzigen österreichischen Regime unterdrückt, rechtlos gemacht, eingekerkert, gequält und hingerichtet Wecken. Da» Gericht ist auf den Versuch des Herrn Karl Kraus, einer merstorischen Beurteilung seiner Handlungsweise auSzuweichen und den Prozeß auf eine reine formale Beleidigung abzustellen, selbstverständlich nicht eingegangen und hat sämtliche von der Verteidigung geführten Beweise durch die früheren und letzten Schriften von Karl Kraus zuzulassen und der Verteidigung aufgetragen, diese Schriften binnen sechs Monaten mit einer Uebersetzung in die tschechische Sprache dem Gerichte vorzulegen. Zu diesem Zwecke wurde die Haupwerhandlung auf unbestiuunt« Zeit vertagt. zuschrieb. Wir wollen ihm keine Lehren erteilen. Daß mit einer etwaigen Kapitulationdes B. d. L. vor denLakaien des Finanzkapitals nicht auch die Kapitulation des Dorfes selbst verbunden ist, sondern, daß dort der Kampf weitergeführt Wick, dafür wollen w i r sorgen! Kommunistischer Funktionär wegen Sittlichkeitsvergehen verhaftet Die Kommunistische Partei in Aussig mutzte erst vor kurzer Zeit ihr Schoßkind/Oskar G ü n- ter abschütteln, das sich etwas allzuweit von den geheiligten Theorien Moskaus entfernt hatte und zur SHF tendierte. Dann wurde der Stadtrat Berger abgehalftert, jener Mann, der besonders in den Sitzungen der Gemeindevertretung vor Radikalismus schäumte und die korrupte Moral der anderen in Grund und Boden verdonnerte. Bergers Ausschluß aus der KP§ erfolgte wegen angeblicher Parteischädigung. Man warf ihm auch vor, daß erPolizeispitzelsei, wofür allerdings ein Beweis nicht erbracht wurde. Schon damals wußte man, daß nicht lediglich politische Gründe für seine Entfernung matzgckend waren. Am Mittwoch dieser Woche wurde Berger von dar Polizei verhaftet, weil er Jungen in das kommunistische Parteisekretariat einlud und dort mißbrauchte. Es liegen gleichlautende Aussagen Jugendlicher vor, die die abscheulichen Vorkommnisse in allen Einzelheiten zu schildern vermögen. Schon seit längerer Zeit war es aufgefallen, daß sich Berger recht oft in Gasthäusern und Kinos in recht freundschaftlicher Weise mit jungen Burschen zeigte. Man brachte diese Tatsache zunächst damit in Veckindung, datz Berger die I u g e n d- erziehungsarbeit in der Partei übertragen war. Röhrsdorfer Turnverein eingestellt Die Bezirksbehörde in Deutsch-Gabel hat die Tätigkeit des Deutschen Turnvereins in Röhrsdorf bei Haida eingestellt. Das Vermögen des Vereines, die Fahnen und Geräte wurden beschlagnahmt. Mitglieder des Turnvereins haben, wie unlängst gemeldet wurde, Dekorationen und Staatsfahnen in einem Saal des tschechischen Turnvereins in Röhrsdorf zerrissen und zum Teil aus die Straße geworfen. Harr Borstendörfer war einmal auch österreichischer Legitimist Wie der Wiener Korrespondent der„P r a- gerPresse" erfährt, hat der in Prag verhaftete Korrespondent des»Völkischen Beobachters" und nationalsozialistischer Agent Borstendörfer vor einiger Zeit auch Verbindungen zu denösterreichischen Legitimisten unterhalten. Borstendörfer veröffentlichte in den Jahren 1926 und 1927 in der monarchistischen Wiener ,,S taatswehr" zahlreiche Aufsätze, die auch gegen die Tschecho- flowakei gerichtet waren. Die Korruption im Dritten Reich Der Angestellte der RSV Josef Stracke wurde wegen Unterschlagungen beim Winterhilfswerk von der Großen Strafkammer zu fünfzehn Monaten Zuchthaus verurteilt. * Der frühere Ortsgruppen- Amtsleiter der RSV, Ortsgruppe Bopser, wurde unter dem Verdacht schwerer Untreue verhaftet. Wege« Betrug- in zehn Fällen am Wlnterhilfswerk in Wiesbaden wurde der Geschüftsfüh» rer der NSV, Peter Knopp, zu zwei Zähren Gefängnis verurteilt. Der Mitangeklagte August Harbach erhielt vier Monate Gefängnis. Der Kaffenwalter der RSV Heinrich Mösinger wurde wegen Anterschla- gung von NSV-Gelder« und Veruntreuungen bei der Kreiskommunalkasse Kassel.Land zu vier Zahre« sechs Monate« Zuchthaus verurteilt. * 3« Grün i. D. ist der Ortsgruppenleiter der RSDAP, Richard Recht, Wege« zahlreicher Verfehlungen«*> gesetzt worden. Prozeß nm die Qualitäten der ücnltcr Hauptverhandlung im Stritte Karl.Kraus contra„Sozialdemokrat"— Kraus zieht die Klage teilweise zurück Seife 4 Sonntag, 3. März 1933 Nr. 33 Arbeitslosigkeit macht geisteskrank Das Amt für die Irrenanstalten der englischen Grafschaft Lancashire hat soeben einen Bericht veröffentlicht, aus dem hervorgeht, in wie" erschreckendem Matze die wirtschaftliche Depression geistig-seelische Verwirrung zur Folge hat. 3333 geisteskranke Personen können augenblicklich von den Instituten Lancashire wegen Raummangels nicht ausgenommen werden. Die durchschnittliche Anzahl von Personen, die einer geistigseelischen Behandlung bedürfen, wird seit 1930 jährlich um 160 überschritten. Heber die Ursachen dieses Anwachsens befragt, erklärte der Präsident des Amtes, daß fast ausschließlich die Aussichtslosigkeit, Arbeit zu erlangen, und die Unmöglichkeit, das Lcken eini- germahen menschenwürdig fortzusetzen, dafür verantwortlich gemacht werden müssen, datz sich bei so vielen Menschen geistige und seelische Leiden einstellen. Es werde, so erklärte er weiter, 3000 Personen in nächster Zukunft durch die Errichtung zweier neuer Anstalten Unterkunst und Behandlung ermöglicht werden. Der 85. Geburtstag Kultur-Spenden Anläßlich des 83. Geburtstages des Präsidenten der Republik widmete dieChrudimer Städtische Sparkasse der Stadt Chrudim 410.000 Xc für kulturelle, hygienische und soziale Zwecke. Die Stadt Pardubitz beschloß, den 85. Geburtstag des Präsidenten durch die Gründung eines Fonds für die Errichtung einer M a s a r y k- Schul e zu feiern. Als einer der ersten hat zu diesem Fonds die Städtische Sparkasse in Pardubitz beigetragen, und zwar durch eine Spende von einer Viertelmillion Kc. Eine Ausstellung der Masaryk-Literatur wurde Sa msta g. in derMelantrich-Buchhand- lurtg anläßlich des 85. Geburtstages des Präsidenten eröffnet. Die Ausstellung bietet eine Ueber- sicht nicht nur der gesamten literarischen Arbeiten des Präsidenten, darunter sehr seltene Exemplare, sondern auch eine Uebersicht der Schriften über den Präsidenten und Uebersetzungen seiner Arbeiten in fremde Sprachen. Die Ausstellung dauert bis zum 10. März. Eintritt frei. Ole Armee-Feiern Den 85. Geburtstag des obersten Befehlshabers der tschechoslowakischen Wehrmacht, des Präsidenten der Republik T. G. Masaryk, feiert die tschechoslowakische Armee folgendermaßen: Am 6. März werden in den militärischen Gemeinschastssälen Vorträge über das Wirken und LOen des Präsidenten der Republik, größtenteils begleitet von Filmen und Diaposstiven, vorgetragen werden. Am Vorabend finden Akademien und Konzerte der Militärkapellen statt. Am 7. März werden um 8 Uhr in den Sitzen der Landesmilitärkommandos je 21 Kanonenschüsse abgefeuert werden. Vormittags finden in allen Garnisonen, mit Ausnahme Prags, Paraden der Militärformationen statt, bei denen der Armeebefehl verlesen werden wird. Zu den unter Beteiligung der Vertreter der staatlichen und autonomen Behörden veranstalteten bürgerlichen Feiern werden Militärdeputationen entsendet tverden., In den Garnisonen werden am 7. März vormittags die Regimentsk^pellen Konzerte mit einem ausgewählten Programm veranstalten. An diesem Tage erfährt die Verköstigung der Mannschaft eine Aufbesserung. An allen militärischen Gebäuden werden von 12 Uhr des 6. März bis in die Frühstunden des 8. März die Staats-Flaggen gehißt werden.' Lum 85. Geburtstag des Präsidenten Masaryk hat die Postverwaltung neue Briefmarken mit dem DiÜmrsHes Präsidenten herausgebracht. Große britische Hotten* manöver bei den Azoren London. In der Zeit zwischen dem 7. und dem 15. März veranstaltet die britische Kriegs- fiottc im Mittel-Arlantik, und zwar zwischen den A z o r e n und Spanien, großangelegte Flottenmanöver, an denen auch zum erstenmale seit dem Welttriege 45 Schiffe der englischen Handelsmarine teilnehmen werden. Der Zweck der Manöver ist die Prüfung der Maßnahmen, die im Falle eines Krieges zur Sicherung des englischen Ueberseehandels ergriffen werden sollen. Alle Passagier- und Handelsdampfer, die sich während dieser Manöverzeit in der„Kriegs-Zone" befinden, sind drahtlos' aufgefordert worden, sich „ohne Beeinträchtigung ihres normalen Kurses" entweder an die„Blaue" oder an die„Rote" Partei Zu wenden,, und alle Beobachtungen über die Bewegungen der„feindlichen" Kriegsschiffe an die.„befreundeten" Kriegsschiffe weiterzugeben. Von Seiten der britischen Kriegsmarine nehmen neun Linienschiffe, ein großer Schlachtkreuzer,, drei Flugzeugmutterschiffe, dreizehn Kriegskreuzer, dreiundvierzig Zerstörer, neun Unterseeboote und einhundertsechzehn Flugzeuge an den Manövern teil. Thronverzicht Prajadhlpoks Bangkong. Wie die Regierung von Siam amtlich miüeilt, hat der König von Siam Pra- jä^hipok endgültig auf den Thron verzichtet. König Prajadhipok, der 1893 in Bangkong geboren wurde, bestieg den Thron im Feber 1926. Nach mehreren Verfassungsänderungen erließ er, da eine Revolution drohte, im Jahre 1932 eine Botschaft. in der er sich zur Annahme der konstitutionellen Monarchie bereiterklärte. Diese wurde dann im Juni 1932 in einer neuen Verfassung festgelegt. Tagcsncoiglfcncn Hingerichtet wegen Anstiftung zur Ermordung eines Säuglings Halle. Samstag wurde der 58 Jahre alte Karl Pohlert aus Erdeborn hingerichtet, der vom Schwurgericht Halle wegen Anstiftung zum Morde zum Tode verurtettt worden war. Pohlert hatte die 23jährige Ida Herrmann angestiftet, ihr vier Wochen altes unehe- liches Kind zu ersticken. Von dem Begnadigungsrecht ist kein Gebrauch gemacht worden. Pohlert, der schlecht beleumundet und dem Trünke ergeben war, lebte seit langem mit der Herrmann in„wilder Ehe". Die Todesstrafe der wegen des Mordes verurteilten Ida Herrmann ist im Gnadenwege auf lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt worden. Die Generalversammlung der tschechoslowakischen Krankenhausgesellschast fand Freitag, den 1. März, im Aerztehaus in Prag statt. Zum ersten Male traten gemeinsam Vertreter der tschechischen und deutschen Institute und Arbeiter im tschechoflowakischen Krankenhauswesen zusammen. Es wurde ein Ausschuß gebildet, der alle entsprechenden Faktoren der Republik repräsentteren wird. Zum Vorsitzenden wurde wieder Prof. Dr. I i r a s e k, zum ersten Stellvertreter Dr. R. B e b r und zum zweiten Stellvertreter Dozent Genosse Dr. Th. G r u s ch k a gewählt. In ihrer bisherigen Tätigkeit hat die Gesellschaft schöne Erfolge erzielt, insbesondere der Bauausschutz, der einen Entwurf der Krankenhausordnung den zuständigen Behörden vorlegte. Die Gesellschaft propagiert jetzt einen Antrag auf Reorganisierung des Krankenhauswesens im Sinne der Arbeiten 6es Direktors Dr. Albert und des Prof. Dr. Trapl. Es wurde auch mitgeteilt, daß der nächste internationale A r b e i t s k o n g r e ß der Krankenhäuser in Prag im Jahre 1936 stattfinden wird. 85 Tonnen Schinken... Paris.„Le Jour" meldet, daß infolge der Einfuhr-Schutzbestimmungen im Pariser Zollamt durch sechs Monate 85 Tonnen Schinken blockiert sind, die dem Verderbenausgesetzt sind. Die Blätter sagen, daß dieses Vorgehen'der Zollbehörden skandalös sei und verlangen, daß man augenblicklich in dieser Angelegenheü etwas unternehme. Die Kaufleute hätten schon lange erklärt, daß sie auf den regulären Verkauf dieser Schinken verzichten, jedoch verlangen, daß sie den Arbeitslosen zur Verfügung gestellt werden. Der schwarze Adler fliegt nach Abessinien London.„Daily Expreß" meldet, daß der Fliegeroberst Hubert Julian, ein N e g'e r aus Ven Vereinigten Staaten, und mit ihm noch 15 Negerpiloten in London eingetroffen sind. Oberst Hubert Julian, der in den Vereinigten Staaten der Schwarze Adler genannt wird, hat seine Dienste dem Kaiser von Abessinien angeboten, um, wie er sagte, das letzte schwarze Reich zu verteidigen. Bis aus Amerika seine Eindecker eiiitteffen werden, wird er mü seinen 15 Piloten nach Addis Abeba starten. Wahres soziales Hilfswerk. Die Deutsche Landeskommission für Kinderschutz und Jugend- fiirsorge in Böhmen hat mit ihren 101 Bezirkszweigvereinen 451 Mütterberatungsstellen geschaffen, in denen im vergangenen Jahre 39.614 Säuglinge und Kleinkinder behandelt wurden. 207 Beratungsärzte und 90 Fürsorgeschwestern sorgten für sachgemäße und einwandfreie Beratung. Die Jugendfürsorge wird von der Geburt jedes Kindes verständigt. Die junge Mutter wird eingeladen, die Mutterberatung zu besuchen. Viele kommen, wenn auch zögernd, halb neugierig, halb ängstlich. Alle bleiben und kommen wieder. Für jedes Kind liegt ein Erhebungsbogen auf. Hier wird bei dem ersten Besuch das Alter eingetragen/ das Matz, das Gewicht und der ärztliche und allgemeine Befund. Der Doktor, die Fürsorgeschwester und die vielen freiwilligen Helferinnen, die selbst Mütter sind, bemühen sich um die jungen Frauen. Ernährungsfragen werden erörtert, hygienische Maßnahmen und Verhaltungsmaßregeln besprochen. Ist das Kind krank, will eS nicht recht wachsen oder nicht gedeihen, so wird die junge Mutter zum Besuch der Krankenkasse, eines Privatarztes, oder falls sie arm und bedürftig ist, zur unentgelllichen Untersuchung veranlaßt. Nah- cungsmittelanweisungen, Geldspenden und die nötigsten Kleidungs- und Gebrauchsstücke werden von Fall zu Fall gewährt. Die Fürsorgeschwester, bei allen ein gern gesehener Gast, besucht regelmäßig die jungen Mütter und spendet Rat, Trost und Freude. Der Gedanke der Mütterberatung brettet sich immer weiter aus. Im vergangenen Jahre wurden wieder 5 0 neue Stellen gegründet. Der Besuch ist immer und stets unentgeltlich. Wenn innerhalb zwanzig Iah-" ren die Säuglingssterblichkeit um zehn Prozent gesunken ist, so hat die Mutterberatung ihren Teil daran. Entfallend« Ministerempfänge. Dienstag, den 5. März, empfängt Justizminister Dr. Derer nicht. Lantüvirtschaftsminister Dr. H o d Z a empfängt in dieser Woche keine Besuche. Mord und Selbstmord. Freitag wurde in Pis e k die 40jährige Besitzerin des Gasthauses beim Hl. Wenzel, Albina Ö t t o v ä, und ihr Geliebter, der Pferdefleischer M a k a n, mit dem sie in gemeinsamem Haushalt lebte, tot aufgefunden. Wie aus dem Tatbefund hervorgeht, ermordete Maran erst die Oüovä und erhängte sich dann. Der»Mord und Selbstmord hat in Pisck große Erregung hervorgerufen. Der Vorfall wird untersucht. Eine gefährliche Relle. Anläßlich des Besuches des englischen Thronfolgers in Oesterreich gab es für die Wiener Polizei einige angstvolle Stunden. Der kontinentalen politischen Gebräuche ungewohnt, hat sich der Prinz von Wales, dessen Eleganz bekanntlich für die bürgerliche Welt sprichwörtlich und richtunggebend ist, auf der Straße und beim Besuch verschiedener bekannter Wiener Lokale das Knopfloch mit einer roten Nelke geschmückt. In Oesterreich aber ist die rote Nelke seit Jahrzehnten das Abzeichen der Sozialisten, so daß zu befürchten stand, eifrig: Polizeibeamte könnten den hohen Gast als ganz gewöhnlichen Aufrührer gegen die derzettige staatliche Ordnung Oesterreichs anhalten.. Die Polizeidirektfon avisierte daher im Eiltempo sämtliche im Außendienst tätige nichtuniformierte Beamte, die röte Nelke des Prinzen nicht zu sehen. Bei den Studentenwahlen in Lemberg, die in sehr erregter Stimmung verliefen, versuchten Stoßtrupps nationaldemokratischer Studenten, auf ihre Gegner mit Messern und Revolvern loszuschlagen. Eine Bombe wurde geworfen und es fielen Revolve.rschüsse. Nach den bisherigen Meldungen sind zwei Personen verwundet worden, ehe die Polizei Ruhe schaffen konnte. Auto und Eisenbahn. Ein Güterzug raste in der Nacht an einem Uebergang kurz vor dem Bahnhofe Buer-Nord gegen einen Kraftwagen. Von den Insassen wurden ein SA-Standarte n- f ü h r e r und sein Adjutant getötet und ein Kaufmann aus Hervest schwer verletzt. Das Unglück ist durch'Nichtschließen der Eisenbahnschranken entstanden. Der Schrankenwärter wurde sofort vom Dienst enthoben. Tabakschmuggel en grob. Nach mehrtägiger Verhandlung verurteilte die erste große Strafkannner des Landgerichtes Münster 34 Tabakschmuggler, die über die holländische Grenze seit langem einen ge- vadszu riesenhaften Schleichhandel betrieben hatten, zu Gefängnisstrafen von zwei Monaten bis zu einem Jahr sechs Monaten und zu Geldstrafen zwischen 15.000 RM und 3,550.00 RM. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Insgesamt verhängte das Gericht 23J4 Jahr Gefängnis und 34,75 Millionen RM Geldstrafe. Außerdem wurden die Schmuggler noch zu einem Wertersatz von rund 375.000 RM verurteilt. Die Umrechnung der Geldstrafen in Gefängnis ergibt noch weitere 9*4 Jahre zusätzliche Gefängnisstrafen. Die Schmuggler hatten unter Führung des Hauptangeklagten Rösing, der an der holländischen Grenze wohnt, in lleineren Trupps umfangreiche Tabakmengen über die Grenze geschafft. Rösing unterhielt auch die Verbindung zu den Abnehmern der Schmuggelware und sorgte für die Beschaffung der Mittel und die Verteilung der Gewinne. Rekord im Kinder gebären. Auf einer Aerztekon- ferenz wurden im Film sechs Babies gezeigt, die eine Negerin an der Goldküste geboren hat. Diese Sechs- linge sind ohne ärztliche Hilfe zur Welt gekommen und dürften den Rekord im Wochenbett darstellen. Dr. E. E. Schurmann, der über den Fall berichtete, teille auf der Aerztekonferenz in New Orleans mit, daß sich die Kinder, acht Tage nach der Geburt, wo er sie untersuchen konnte, alle wohlauf befanden. Der Postdienst am 7. März. Am 85. Geburtstag des Präsidenten der Republik wird der Dienst im Postverkehr wie an Feiertage n, im Telegraphen- und Telephonverkehr wie an Werktagen versehen. IS Jahre Juchthaus Gegen das Ehepaar Höfeld Franffurt. Nach zweistündiger Beratung wurde heute im Höfeldprozetz das Urteil gefällt: Das Schwurgericht verurteilte die Angeklagten Ellern wegen gemeinsamen Mordversuches und den Angeklagten Wilhelm Höfeld auch wegen fortgesetzter schwerer Kindesmitzhairdlung zu je 15 Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Die Mitangeklagte Tochter Minna wurde freigesprochen. Die Staatsprüfnngen für Musik. Bei der kürzlich von uns veröffentlichten Ausschreibung der Staatsprüfungskommiffion für Privatmusiklehrer handelte es sich um die t s ch e ch i s ch e n Prüfungen. Die Ausschreibung für die deutschen Prüfungen wird in den nächsten Tagen veröffentlicht. Internationaler Vogelschutz. In den Tagen vom 19. bis 22. Feber wurde zwischen den Vertretern der Regierungen von Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland in Stockholm der Entwurf einer Konvention über internationalen Vogelschutz ausgearbeitet, durch. welchen die heute in Geltung stehende Konventton aus dem Jahre 1902 ersetzt werben soll, die nur den Schutz der für die Landwirtschaft nützlichen Vögel vorsieht. Die Revision der heute geltenden Konventton war schon fett'langem beantragt worden, es kam aber bisher zu keiner diesbezüglichen Konferenz, obzwar das Internationale Agrarinstitut in Rom auf Anregungen einiger Regierungen für das Jahr 1931 eine Konferenz einberufen hatte. Nach dem.be- reits ausgearbeiteten neuen Konventionsentwurfe soll der internattonale Vogelschutz auf sämtliche Arten von Wandervögeln ausgedehnt werben. Füh gewisse sellene Vogelarten ist der gesetzliche Schutz für das ganze Jahr vorgesehen, andere Arten sollen nur während der Bruizett geschützt, sein. Die neue Konvention sieht auch das Verbot verschiedener Methoden des Vogelfanges vor, die entweder auf den Maffenfang gerichtet oder zu grausam find. Auch wird für das Verbot des Verkaufes von Vögeln, die auf verbotene Art oder während der Schonzeit gefangen wurden, Sorge getragen. Der Konventionsentwurf wirb von den vier genannten Regierungen dem Internationalen Agrarinstitut in Rom unterbreitet werden, um als Ausgangspunkt und Grundlage für die Arbeiten künftiger Konferenzen dienen zu können. DaS Wetter. Der Zufluß warmer Lust von der Balkanhalbinfel, wo die Lüftdruckstörungen zerfallen, flaut bereits ab. Demgegenüber erfahren die Fröste über Nordeuropa, wo sich ein Hochdruckgebiet ausgebildet hat, eine allgemeine Verschärfung. Die Frostgrenze hat bereits die norddeutsche Küste erreicht. Ein Ausläufer dieser Kältewelle ist Samstag bei nördlichem Wind auch tn die böhmischer Länder eingedrungen, wo der Regen vielfach in'S ch n e e übergegangen ist. Im Karpathengebiet regnet es. In der Nähe der Wärmegrenze wird das Wetter noch unbeständig bleiben uiü> zu Schauern neigen. Dabei dürfte es sich auch im äußersten Osten des Staates abkühlen.— Wahrscheinliches Wetter heute: vorwiegend bedeckt, im westlichen und mittleren Test des Staates allmählich nachlaffende Nieder- schlagsneigung, aber noch zeitweise Schauer, ziemlich kühl, Wind aus nördlichen Richtungen.— Wetterausfichten für Montag: Roch immer vorwiegend bewölkt, kühl. Vom Rundfunk ■mpfeMenswertes aas den Programmen: Montag Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 16.55 Kinderstunde. 18.20 Deutsche Sendung: Prof. Kraus: Vorschau auf das Musikprogramm der tschechoflowakischen Sender. 18.30 Abg. Bacher: Wirt- schastsrelief. 18.55 Deutsche Presse. 19.15: Wir lernen russisch. 21.00 Orchesterkonzert de" Prager Sendeftation.— Sender S.: 14.20 Schallplatten. 15.05 Deutsche Sendung: Für die Frau. 18.10 Schrammelkonzert.— Brünn: 12.10 Arbeitsmarkt und soziale Information'«n. 17.20 Schallplatten: Smetana. 17.45 Deutsche Sendung: Dr. Stephinger: Aus der Praxis des Volks- bildungswesens. 18.00 Fritz Deutsch: Rezitationen. — Möhnsch-Ostrau: 18.20 Arbeiterfunk: Marie Stona liest aus ihrem neuen Rpman„Bor dem Sturz". Dienstag Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 11.05 Deuttcher Schulfunk. 12.10 Dvokak: Schallplatte». 12.85 Orchesterkonzett. 15.55 Orchesterkonzert. 16.45 Jugendstunde: Masaryk an die Jugend. 18.20 Deutsche Sendung: Ballgeflüster bei Jazz. 19.30 Uebettragung aus dem Rattonaltheater: Fibich: Sturm, Oper.— Sender S.: 15.00 Deutsche Sendung: Zum fröhlichen Faschingsende. 19.25 Schallplatten: Chopin.— Brünn: 17.45 Deutsche Seit- düng: Arbeiterfunk, Matthias Wellan: Die Arbettslosenfürsorge der Gemeinde Brünn.— Preßburg: 19.30 Ukrainische Volkslied r. 718,819 Randsaakhörer in der Tschechoslowakei . Zum 1. Feber 1935 wurden in der Tschechoslowakischen Republik 713.999 zahlende und 4320 von der Rundfunkgebühr beftette Rundfunkteil- nehmer gezähll, insgesamt 718.319 Hörer. Auf die einzelnen Postdirellionen entfallen: Prag 387.236 zahlende und 1917 nichtzahlende Konzessionäre, Pardubitz 70.897, Brünn 119.105, Troppau 54.615, Preßburg 55.245, Kaschatt 19.860. Karpathorutzland 7041 Hörer. Ur. 53 Sonnt«-. 3. März 1935 Seit, 5 Die Frau de« Gouverneurs auf einem Flug vermißt Kapstadt. Im Bezirke Nazabyka suchen zwölf Flugzeuge. 200 eingeborene Soldaten und 170 Eisenbahnangestellte die Spur der Frau des Gouverneurs von Nord-Rhodesia Aoung. Sie war mit einem'Begleiter in einem Sonder-Flugzeug vor ztvei Tagen aus Livingstone nach Lusaka aö- geslogen. Es werden Besorgnisse gehegt, daß beiden bei einer schlechten Landung ein Unglück zugestoßen ist. Frau Aoung war eine erfahrene Pilotin, sie lenkte jedoch ihr Flugzeug nicht-selbst, weil sie vor kurzem malariakrank war. Das Flugzeug lenkte der britische Amtsarzt Dr. Kerdy. Das vermißte Flugzeug wurde zuletzt über Choma nördlich von Livingstone gesichtet. Di,»Wasserprobe". Bekanntlich wird das Foltern in Deutschland nach«wissenschaftlichen" Methoden, nach übereinstimmenden Richtlinien, die von Ostpreußen bis Berlin, von Holstein bis Oberschlesien die gleichen find, vorgenommen. Mediziner assistieren dabei und. bestimmen genau, wie weit.man zu gehen habe. Das Neueste auf diesem Gebiet ist di« sogenannte Wafferprobe. Der Häftling wird in ein Bad mit heißem Wasser gesetzt. Ein Trichter wird ihm in den Mund gezwungen und soviel heißes Wasser in ihn hineinge- pumpt, daß die Magenwände zu zerreißen drohen. Auf diese Weise will man Aussagen erzwingen. In seinem Roman»Iimmi Higgins" schilderte Upton Sinclair eine solch grauenhafte Foltermethode von den Philippinen. And doch war sie dort noch»humaner", wenn dies Wort hier angebracht ist. Denn dort verwandte man kalteß Wasser. Zur Wiederkehr des„Reichswarl". Das kürzlich erfolgte Verbot des„Reichswart", dessen Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter Graf E. R e v e n t l o w ist. ist wieder aufgehoben worden, der„Reichswart" erscheint weiter. Die Berbotsgründe waren überhaupt nicht recht durchsichtig. Einmal hieß es. die Zeitung sei im allgemeinen..zu sozialistisch" und für das Regime untragbar, dann verlautete, Schacht Persönlich habe das Verbot durchgesetzt, weil Reventlow einen Artikel veröffentlichte, der sehr scharf gegen die kapitalistische Wirtschaft Stellung nahm, andere dagegen verwiesen darauf, daß Reventlow maßgebender Vertreter der heidnischen Bewegung sei und die deutsche Regierung im Hinblick auf Berständigungsversuche mit dem Vatikan sich zu einem Verbot der Zeitung ent- schlosien habe. Alle diese Erwägungen dürften eine Rolle gespielt haben, doch die entscheidenden Gründe des Verbotes sucht man wohl besser auf außenpolitischem Gebiet. Reventlow hat in seinem.MejchWM"^AMe^c^^ptzuz^ausoMro^ chen, daß- D e u-1 s ch l a w d 4 4.0 l i t- t-t i ist und sich unter allen Umstanden entschließen Wüßte, die alten freundschaftlichen Beziehungen zu Rußland wieder herzustellen. Auf diesem Gebiet ist Reventlow ein einflußreicher Gegenspieler Rosenbergs. Und weil Neurath und die Reichswehr, sowie bestimmte Kreise der Wirtschaft den kleinbürgerlichen und primitiven Anti- bolschewiSmus Rosenbergs nicht mitmachen, sondern im Gegenteil daS freundschaftliche Verhältnis zu Rußland erneuern tvollen, dürsten sich diese Kräfte vermutlich für Reventlow eingesetzt haben, der auch in anderen Fragen der Reichswehr nah« steht, wenn er auch in der Kirchenpolitik auf ein falsches Pferd gesetzt hat. Reventlow hat erklärt, der scharfe antikapitalistische Artikel, der in seiner Zeitung erschien, sei ohne sein Wissen abgedruckt worden, da er krank zu Bette gelegen fest Wahrscheinlich ist das ein Dreh, auf den man sich geeinigt hat, um die Aufhebung des Verbotes nicht als eine Niederlage einer bestimmten Machtgruppierung erscheinen zu lassen. (f. w.) Eine furchtbar, Bluttat hat sich Samstag Mittags in Gronau(Westfalen) abgespielt. In seiner Wohnung wurde der 50 Jahre alte Vorsteher der Gronauer Volksbank,' Z e t s ch i n g, seine Ehestau und sein 23jähriger Sohn durch Schüsse niedergestrcckt. Zetsching und sein Sohn waren sofort tot, die Ehestau ist schwer verletzt. Man glaubt, daß ein 19 Jahre alter junger Alaun namens L i n g e aus Gronau der Täter ist, da er kurz nach der Tat in seiner Wohnung Selbstmord verübte. Die schwerverletzte Frau ist noch nicht vernehmungsfähig. Lustmirder wird entmannt. Die groß« Strafkammer in Breslau erkannte am- Samstag gegen den setzt 34jährigen Paul S ch i e w e ck, einen zweifachen Frauenmörder, nachträglich auch auf Eniman- Mlng. Schieweck war am 17. November 1930 vom Breslauer Schwurgericht wegen Morde- in zwei Fällen zweimal zum Tod« und zum dauernden Verlust d«r bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden, Werl er im Jänner 1928 die Prostituiert« Kristen und >M Feber 1930 seine von ihpi geschieden« Ehefrau ermordet hatte. Bei beiden Bluttaten handelt es sich v«n typisch« Lustmord«. Im September war die Todesstrafe in eine lebenslängliche Zuchthausstrafe Umgewandelt worden. Warum macht Wasser naß? Die kleine unscheinbare Tatsache, daß Wasser eine Glasfläche oder einen Bpiegel naß macht, während eine andere Flüssigkeit, »um Beispiel Quecksilber, es nicht tut, wirst die Frage «ns. warum das so ist. Die letztbelannte Ansicht ist, daß zwischen dem Wasser und dem Glas zusammen- gesetzte nicht fest« chemische Verbindungen entstehen, di« durch das Vorhandensein von Sauerswst im BekSrnpfnrrg-er Krankheiten in der Sowjetunion Flngzeuge««d Fische al« Hilfsmittel im Kampf gegen Malaria In der Sowjet-Union werden Flugzeuge im Kampfe gegen die Malaria benutzt. Durch ein Flugzeug können täglich 5000 Morgen Land mit einer Anti-Malaria-Lösung bedeckt werden. Line andere neue Waffe im Kampfe gegen die Malaria ist ein aus Amerika eingeführter Fisch, der sich rasch vermehrt und fähig ist, mehrere hundert Larven der Anpheles- Fliege, die die Malaria verbreitet und in Teichen und Sümpfen wohnt, zu vertilgen. Der Kampf gegen Malaria per Flugzeug wird jetzt überall in den gefährdeten Gebieten eingeführt. Im Jahre 1934 ließ di« Sowjet-Union vier Millionen Morgen Land per Flugzeug mit der Anti- Malaria-Lösung bedecken. Diese Methode hat das Interesse der Medizinwelt hervorgerufen und die Hygiene-Kommission des Völkerbundes hat gerade jetzt eine Gruppe von Sachverständigen in die Sowjet- Union entsandt, um diese neue Methode zu studieren. Professor Reichmann, ein weltbekannter Wissenschaftler, der kürzlich die Sowjet-Union besucht hat und die Sowjet-Einrichtungen zur Untersuchung der im Orient vorkommenden Krankheiten studiert«, erklärte, daß die Sowjet-Union das erste Land der Welt im Kampfe gegen tropische Malaria sei. Die Sowjet-Union bekämpft auch den seit langer Zeit bekannten Aussatz mit neuen Methoden. Nachdem durch Professor Kedranowski die eigentliche Natur der.Krankheit festgestellt wurde, ist ein entsprechender Impfstoff hergestellt worden. Aussatz kranke werden jetzt mit diesem Impfstoff behandelt, der es im übrigen auch ermöglichen soll, di« Diagnose dieser Krankheit bereits in ihrem Anfangsstadium zu stellen. Di« sogenannten.asiatischen Krankheiten", die sich in den rückständigen Ländern seit vielen Jahrhunderten verbreiten, werden heute in der Sowjet- Union eingehend studiert. Experimente über die verschiedenen Arten der Malaria werden mit Vögeln gemacht und zuweilen auch mit Menschen, z. B. an Kranken mit fortschreitender Paralyse, die bis zu einem gewissen Grade durch die Einspritzung von Malariakeimen Erleichterung finden. Selbst die gewöhnliche Flieg«, die bereits seit langem als Ueberträger von Infektionen bekannt sst, wird in diesem großen Kampf gegen Krankheit uiü> Seuchen nicht vergessen. Die Maffenvermehrung der Ichneumon-Fliege, die ein Todfeind der gewöhnlichen Fliege ist, deren Larven sie verfilgt, ist eingeleitet worden. Nachdem festgestellt worden ist, daß die Actinomycosis, eine chronische Infektionskrankheit bei Menschen und Tieren, mit eiternden Geschwülsten besonders an den Kinnbacken, durch einen Pilz hervorgerufen wird, bekämpfen die Sowjetwiffenschaftler diese Krankheit mit besonderen Mitteln, di« die Pilze zersetzen. Methoden zur Ausheilung des„schwarzen" indischen Fiebers, das bis vor kurzer Zeit noch als unbedingt tödlich betrachtet wurde, sind heute bereits bekannt. Wasser veranlaßt werden. Wenn man allerdings dem Quecksilber«ine kleine Menge von Queckfilberoxyd, das ist eine Verbindung von Quecksilber mit Sauerstoff, zusetzt, so wird Glas auch von dieser Mischung naß. Die Luftbrücke über den Stille« Ozean (AP) Die Entfernung von San Franzisko nach Hawai beträgt 2100, von Hawai nach dem durch di« japanischen Südseemandat« eingekesselten Guam 3337 und von Guam nach den Philippinen 1500 Seemeilen. Daraus ist das Bestreben zu erküren, Luftwege zu finden, die eine möglichst nahe Heranführung der Luftstrritfräfte sichern, ohne daß sie sich allzuweit von der Operationsbasis entfernen müssen. In den Alaska vorgelagerten Aleuten-Jnseln ist nun jene Uebergangsstelle gefunden. Sie liegen den japanischen Kurilen so nahe, daß diese Entfernung mit modernen Kriegssiugzeugen ohne große Schwierigkeiten überbrückt werden kann. Japan zeigte sich durch die amerikanischen Pläne auf den Aleuten außerordentlich beunruhigt und ließ sogar wissen, daß e» seine Bauten auf den Kurilen und auf Hokkaido (Rordjapan) einstellen werde, wenn die Amerikaner .d.aß'Michtz-stuf den Aleütess und auf Alaska zu tuU bereit Wen? Vinn Amerikäddckmitinn-9000-Seemeilen an Japan herangrrückt, also um etwa 1350 Seemeilen näher al» Hawai. DaS Washingtoner Abkommen verbietet zwar den Amerikanern Befestigungen auf den Aleuten«nd den Japanern auf den Kurilen. Das hat aber beide Teile nicht davon abhalten können, ihr« Vorbereitungen zu treffen, um fertige Tatsachen zu schaffen. Eine Schwierigkeit besteht allerdings für Amerika. Es gibt nämlich, wie man weiß, zwischen USA und Alaska keine Landverbindung, da Kanada dazwischen liegt. Beide Gebiete sind um 1800 Kilometer durch kanadische» Territorium getrennt. Und der Seeweg an der Küste entlang ist natürlich mit einem Risiko verbunden. Daher wurde ja auch schon die Errichtung eines„kanadischen Korridors" eüvogen. Auf Alaska gibt es bereits 80 Flugplätze- Zwischen USA und USSR haben bereits Verhandlungen ztvecks Errichtung großer Luftverkehrslinien stattgefunden, wobei der Weg sowohl über di« Arktis als auch über die Aleuten genommen werden soll. Die USA wollen sich damit die aeronautsschen Grundlagen für strategische Pläne schaffen, denn diese Luftlinien können zu gegebener Zeit leicht aus den zivilen in militärische Hände übergehen. Durch die Einsetzung der Aleuten als luftftrategische Basis ist natürlich di« Bedeutung von Hawai keineswegs gesunken. Denn von dort müßten im Ernstfall alle Bewegungen unterstützt werden. Die Kriegslustbrücke aber ist zwischen den Kurilen und Aleuten gefunden. Valkswirtschaft und Sozialpolitik Leistungen unserer Gewerksä c ften Unser Holzarbeiterverband hat bisher insgesamt über 22.8 Millionrn K£ an Arbeitslosenunterstützung ausgezahlt, davon für 1934 allein über sieben Millionen XL. Wie der„Holzarbeiter"(Reichenberg) mitteilt, gab es in dem Verband 1933 i 1.787, 1934 aber 13.619 Untecstühungsfälle. Verrechnete Un terstützungStage gab es in dem erstgenannten Jahr 630.489, in dem letztgenannten 719.795. Die Leistungen des Verbandes erreichten den Betrag von 1,777.801.55, mit dem Staatsbeitrag wurden verrechnet an ausgezahlter Gesamftmterstüt- zung XL 7,143.926.38. Insgesamt wurden bis- 1 her über 22.8 Millionen XL ausgezahlt. Warenverkehr in den Donauhäfen DaS Statistische Staatsamt veröffentlichte vor ftirzrr Zeit Daten über das Hinterland- unserer DonauhLfen sübet dte-Gebiet«.aus denen die auf der. Donau von uns ausgeführten Waren eigentlich stammen oder wohin die auf der Donau zu uns beförderten Waren eigentlich bestimmt waren). Im Hinblick darauf, daß es sich um— vom wirtschaftlichen Standpunkt aus— recht heikle Daten handelt, wurden vorläufig nur jene aus den Jahren 1927, 1928 und 1929 veröffentlicht. Trotz dieser hrotzen Zeitdifferenz verlieren diese Daten nicht an Aktualität. Es zeigt sich in ihnen ein absolut neues vorher noch nicht festgestelltes Moment, d. s. die Alimentationsgebiete des Donauverkehrs. Die einzelnen Alimentationsgebiet« (im weitesten Begriff) machen sich in verschiedener Weise in der Donau-Aus- und. Einfuhr geltend. Der grundsätzliche Unterschied ist durch die Teilnahme der Tschechoslowakei und des Auslandes an der Aus« und Einfuhr über unsere Donauhäfen gegeben. Die Tsche- choflowakci belegte in den drei Berichtsjahren in der Ausfuhr 29 bis 30 Prozent der Gesamtmenge, das Ausland 64 bis 71 Prozent; in der Einfuhr ist die Teilnahme des Auslandes demgegenüber sehr gering und beträgt nur 4 bis 5 Prozent Waren, die auf der Donau in unsere Häfen befördert wurden, waren ausschließlich für die Tschechoflowakei bestimmt. Beachten wir jedoch den Wert der Ausfuhr, so ist die Beteiligung der Tschechoflowakei an der Donau-Ausfuhr verhältnismäßig höher als der mengenmäßige Anteil, der 72 bis 77 Prozent betrug; es bedeutet dies, daß aus der Tschechoflowakei über unsere Endlich ist G r e t a G a r b o wieder zu sehen! In dem MGM-Film„Menschen im Hotel"« Donauhäfen Waren von hohem Werte, und zwar hauptsächlich Jndustrieprod.ukte auSgeführt werden. Von den ausländischen Gebieten weist den größten' Anteil Polen auf(87 bis 98 Prozent der Menge der Gesamtausfuhr des Auslandes, jedoch nur 75 bi» 80 Prozent des Wertes). Die Beteiligung des Auslandes.. an der Ausfuhr ist erheblich einseitig, es Handeft sich hauptsächlich um Kohle, deren Ausfuhr auf der Donau- in den erwähnten drei Jahren überhaupt äußerst hoch war. DaS Ausland beteiligt sich aber stoch an der KokSausftlhr, aber hier im Wettbewerb mit der Tsche-, choslowake! in einem weitaus geringeren Anteil. 1- Vom inländischen Gebiet beteiligt« sich Böhmen am Export auf der Donau in den drei Jahren mit 14 bis 20 Prozent der gesamten aus dem Inland stammenden Ausfuhrmenge, aber nur mit 32 bis 38 Prozent des gesamten Ausfuhrwertes. Der Anteil des mährisch-schlesischen Landes beträgt 48 bis 54 Pro» zent der Menge, aber nur 32 bis 35 Prozent dem Werte nach, der Anteil der Slowakei 26 bis 32Pro- zentcheeMMMHMAv ,d?>y Werte nach. Die werlp>Ma H«MUrsse, ,^hkistqgvar^.-tz>iuplsächft4ß 4 industrielle, wurden aus Böhmeiiausgesllyrt, währest»" aus dem mährisch-schlesischen Land fast ausschließlich. Kohle und Koks, der größte Teil von Röhstähl und und Formeisen und ein geringer Teil von Textil« und Papierwaren stammen. Aus der Slowakei komme»: fast ausschließlich Mehl, Zucker und das gesamte Holz;t mit einem geringen Teil nimmt sie aber auch an. der: industriellen Produktion, besonders an Textilien, Eisen, Chemikalien und Zellstoffen, teil. In der Ein-, fuhr nimmt die Slowakei einen breiten Platz in der" Weizen-, Mais-, Petroleum- und Abfalleinfuhr ein. Die Unbeständigkeit der Einfuhrmengen, wie sie in den einzelnen Posten der gesamten Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte in. den einzelnen Jahren zum Ausdruck kommt, zeigt sich auch in den Schwankungen der Anteile der binnenländischen Gebiete im Verlaufe.' der drei Jahre. Die Slowakei zeigt hiebei eine größere, Beständigkeit. Eine interessante und allerdings natürliche, regionale Erscheinung ist der Umstand, daß bei, der Aus- und Einfuhr auf den tschechoslowakischen Donauhäfen sich nur die Westflowakei geltend macht, während der Anteil der Ostflowakei und Karpgtho- rußland» im ganzen geringfügig ist. Die Statistik des Hinterlandes zeigt, wo eigentlich unser Verkehrs; auf der Donau wurzelt, und erklärt und begründet in näherer Weise manche charakteristische Exporterschri- nung bei einem so unbeständigen und unruhigen Verkehr, wie es eben der Verkehr auf dem Wasser ist. Vom Prater Rundtnnh Dem vor einem Monate durch den Tod aus dem vollen Schaffen gerissenen schlesischen Heimatdichter Bruno H. Wittel(der den Rundfunkhörern von Vorlesungen eigener Werke in Erinnerung sein dürfte) sprach Erwin Heine«in tiefempfundenes Nachwort in der SamStaaienduna. Derselbe Abend brachte den sechsten Vortrag in der Reihe„300 Jahre Klaviergeschichte"; Prof. Langer spielte Werke von I. S. Bach. Eine würdig« Händelfeier bestritt das Prager deutsche Theaterorchester unter der Leitung des Reichenberger OpernchesS Guido A r n o l d i. Die einleitenden Worte Dr. Heinrich Swobodas umrissen die menschliche Erscheinung und das Schaffen des Meister», das Orchester Most an mit dem„Eon- cerw groffo", op. 8, und zwei Arien aus„Josua", für die Lotte M e d a k als Sblistin gewonnen worden war. Der zweit« Teil d«S Konzertes brachte Kom- positionen de» Dirigenten. Die Aufführung war«ine schöne Tat der SendungSleitung.— Straschnitz übertrug in der Arbeitersendung einen Vortrag Ruth Körners-über den„Fascismus in Indien". Man folgte einer sebr eingehenden Untersuchung der besonders komplizierten gesellschaftlichen und polittschen Verhältnisse und erreichte nach vielen fesselnden Schilderungen den überzeugten Schlußsatz, daß das Proletariat Indiens stark genug sei. um eine Union freier Republiken zu errichten. Für den proletarischen Hörer war die Darstellung wohl etwas zu wenig geordnet und daher schwer übersehbar.— Ein lieber Gast im Rundfunk ist stets Rudolf Bandler, Unter dem Titel„Tiere singen dich an" brachte er wieder mal eine Auslese heiterer Lieder von Tieren, meisterhaf vorgetragen, reizvoll begleitet von Lilly Bandler.,— Am Montag erzählte Alois P ü s ch e l, der Regisseur der„Kleinkölner Fastnachtsspiele" in Prosetitz. von dem Leben und Treiben des im Faschingsnarrentum schon weit ins Land hinein berühmt gewordenen Dörfchens an der Peripherie von Teplih-Schönau.— Eine sehr nette Stund« schenkte der Schulfunk am Dienstag; der erste Teil rief mit netten Kinderliedern zur Fröhlichkeit auf. Unter den Weisen war besonders beachtenswert das ftische. in seiner einfachen Natürlichkeit überaus gewinnende Lied von den„Winterfreuden", für das eine vierzehnjährige Gymnasiastin H. T o b i s ch auS Teplitz-Schönau Text und Musik geschrieben hat. Der zweite Teil des Schulfunks(der Zusammenhang ist nicht leicht zu finden!) war Karl Löwe gewidmet. Nach einem kurzen Lebensbilde wurden vier seiner unsterblichen Balladen gesungen.— Am Abend lud ein von Johannes U r z i d i l verfaßtes Hörspiel zu besinnlich-fröhlicher Einkehr in„Stifters Waldheimat". Zwischen wunderschön entworfenen, mit dichterischer Empfindsamkeit ins Wort gefaßten Land- schaftsbiwern gab es Heimatlieder und lustige G'san- geln. im Duett gesungen vvm Künstlerpaar L o n- g i u.— Man hört immer gespannt zu, wenn Archivrat Dr. M o u ch a„Von neuen Büchern" berichtet. Diesmal kamen„Dichtung im Daseinskampf" von Univ.-Prof. Dr. Cisarz und die«Geschichte der Kühn- schen Freibauern im Böhmerwald" von I. Blau zur Besprechung. In der Arbeitersendung widmete Paul Maller ein ehrendes Gedenken dem„besten Reprä- feutcmten des Sozialismus". Hjalmar Branting. Jn< den Sozialinformattonen sprach Genosse KrejLi zur Novellierung des Gemeindefinanzgesetzes, zu den gesteigerten sozialen Aufgaben der Gemeinden und Bezirke, die immer die Träger des sozialen Baues des Staates bleiben werden. Im Gefolge des Prinzen Karneval tauchte der donnerstägige„FaschingSsonntag im Egerland" auf, eine Hörfolge von Dr. Josef H a n i k a, G'sangeln und Juchzer mit Dudelsack und Klarinetten. Schließlich muß es eben auch so etwas geben, obwohl außerhalb des engsten Egerlandes kaum jemand besonderes Interesse aufgebracht haben dürft« für die Naturlaute der Boubn und Moidl.— Landesvertreter Bürgermeister Genoss« Pölzl zeigte in der Freitag-Arbeitersendung. wie weit die Selbstverwältungskörper entfernt sind von den in den Rikolsburger Beschlüssen feftgelegten Hilfeleistungen an die Jugendfürsorge. Immer fiefer sinken die Einnahmen der Kommissionen für Kinderschutz und Jugendfürsorge, immer dringender werden aber ihr« Fürsorgeaktionen nöttg. Genosse Pölzl forderte Aenderung der Steuergesetze, Zusammenarbeit aller Interessengruppen und Hinwirken aller polittschen Parteien auf Verhinderung der Zersplitterung. Da» Hilfswerk, der Jugendfürsorge ist nicht mehr Wegzudenken; es müssen Wege gesunde» werden, um ihm die notwendigen Mittel zu schaffen. Den aktuellen Bericht gab Redakteur Genosse Franz Krümmel. Sein« ernste Mahnung an die proletarischen Parteien gipfelte in der Frage;„Wer wird die in Vorbereitung befindlichen wirtschaftlichen Umgestaltungen im Staate durchführen?" Jen e, di e in den kommenden Wahlen von den Stimmenträgern dazu berufen werden! Seife 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 3. März 1935. Nr. 53 TRAGEN SIE GALOSCHEN! Sie schonen Ihr Schuhwerk. Sie verkühlen sich nicht. Sie verunreinigen nicht die Wohnung. PRAGER Die militärischen Feiern am 7. März Die Prager Garnison begeht den Geburtstag des obersten Befehlshabers folgendermaßen: Am 6. März wird auf dem ersten Burghof von 15 bis 16 Uhr die Militärmusitschule konzertieren, auf dem Wenzelsplatz(Rampe des Na- tionalmuseums) die Musik des 28. Infanterie- Regiments und auf dem Altstädter Ring di« Kapelle des 5. Infanterie-Regiments. Am 7, März um 8 Uhr feuert das Artillerie- Regiment 151 auf dem Laurenziberg 21 Ehren« schüfse aus Kanonen in Intervallen von fünf Se- kimden ab. Um 11 Uhr 5 Minuten findet für die Garnisonsmitglieder aus Prag-Mitte eine feierliche Akademie im großen Saale der Lueerna statt, in welcher der Kommandant der 1. Division und der Garnison, Brigade-General Bedrich Homola über das Leben des Präsidenten der Republik sprechen wird. Das weitere Programm umfaßt Rezitationen, Gesangsvorträge und Musikstücke. Das Programm der Akademie wird vom Rundfunk übernommen werden. Außerdem finden Akademien statt, auf dem Flugplatz Prag, in der Artillerie-Kaserne in Ruzyn, in Motol, im Biograf bes Artillerieregiments 151 in Pohorelee und im Kino des Divisions-Proviantmagazins. 1. Für die Mannschaften deutscher Nationalität werden Akademien in Bio Bajkal und für die Mannschaften ungarischer Nationalität im Bio Sokol abgehalten. Am 7. März wird von 15 bis 16 Uhr auf dem ersten Burghof die Kapelle des Infanterie- Regimentes Nr. 5, auf dem Wenzelsplatz(Rampe des Nationalmuseums) die Kapelle des Infanterie-Regiments 28 und auf dem Altstädter Ring die militärische Musikschule konzertieren. * Anläßlich des Geburtstages des Präsidenten veranstallen die Masaryk-Gesellschaft für Soziologie gemeinsam mit dem Sozialen Institut eine Festversammlung am Dienstag, dem 5. d. M.» um 20 Uhr abends im Ministerium für soziale Fürsorge Prag II., Palackeho näm. In der Versammlung spricht als erster Minister Dr. Benes. Die Versammlung ist nur für Geladene zugänglich. GrSbfter Unfug In den Abendstunden des Freitag erregte eine „Reklame", die wohl den Gipfelpunkt der Geschmacklosigkeit darstellte, berechtigt unangenehmes Aufsehen und vielfache Empörung der Passanten. Irgend eine mehr oder weniger abskure Bar hatte einen Arbeitslosen gemietet und diesem Manne ein weißesTotenhemdübergezogen.Ueber diesem Hemd trug der Mann einen.Original- Totenkop f", rechts und links hingen aus den Falten des Totenhemds Handskelette her-, aus. In dieser geschmacklosen Aufmachung Propaganda zu machen, ist an sich schon ein grober Unfug, gegen den die Polizei einschreiten sollte. Hungernde Arbeitslose aber dazu zu mißbrauchen, in derartiger Kostümierung Reklame zu laufen, ist ein Skandal, den man nicht scharf genug anprangern kann! i Die Freie Schule für Politische Wiffenschasten und die Vereinigung der Hörer und Absolventen der Schule für Politische Wissenschaften werden MittZEITUNG woch, den 6. ds. um 16 Uhr durch eine interne Feier des Geburtstages des Präsidenten der Republik gedenken. Bon der Stefonik-VolkSsternwarte in Prag. Im März ist die Sternwarte dem Publikum täglich außer Montag um 7 Uhr abends zugänglich, für Gruppenbesuche von Schulen um 6 Uhr und von Vereinen um 8 Uhr abends. Solche Besuche sind vorher im Büro der Sternwarte, Telephon Nr. 46805, anzumelden. Jeden Sonntag ist die Stern- Warte börmWgs von 10 bis 11 Ühr und nachmittags von 3 bis 4 Uhr geöffnet, wobei eine Besichtigung der Einrichtungen stattfindet. An llaren Abenden werden während des ganzen März beobachtet werden können die Venus, vom 0. bis 20. März der Mond und im letzten Drittel Stern- Nebel und Sternhaufen. Der Heranwachsenden Jugend reicht man morgens ein Gläschen natürliches„Franz-Josef"- Bitterwafler, das infolge seiner magen-, darm- und blutreinigenden Wirkung bei Mädchen und Knaben recht beachtenswerte Erfolge erzielt. Aerztl. empf. Kunst and Wissen Die Jüdin Unter den bedeutenden Schöpfungen aus der Blütezeit der»Großen Oper" ist Jacques Fromem- tal Halevis Oper»Die Jüdin" eines der schönsten und künstlerisch werwollsten Werke. Diese genau hundertjährige Meisteroper— der 100. Jahrestag der Pariser Uraufführung war am 23. Feber b. I. zu begehen— hat sich merkwürdiger Weise viel lebendiger erhallen und ist wirksamer geblieben als alle Opern des genialeren Meyerbeer. Bei der unparteiischen historischen Betrachtung der „Jüdin" zeigt es sich, daß sie den Meyerbeerschen Opernschöpfungen gegenüber manches voraus hat. Vor allem die größere Einheitlichkeit des Stiles, der in der„Jüdin" durch den tragischen, ernsten Grundzug der dem Operiümch immer richtig angepatzten Musik bestimmt wird. Zwar bringt auch Halkvy in seiner„Jüdin" die unvermeidlichen Publikumsnummern der„Grotzen Oper"— Tänze, pompöse Aufzüge, Trinkgelage usw.—, aber sie ergeben sich zwingender Weise aus der Handlung und sind so geartet, datz sie den Grundcharakter des Werkes und seinen tiefen Ernst nicht in dem Matze stören, wie dies bei Meyerbeer so ost der Fall ist. Die ernsten Nummern der„Jüdin" gehören zum Besten, was in der Epoche der„Grotzen Oper" hervorgebracht wurde; so. z. B. die in wundervolle Feierstimmung getauchte Musik der Passah-Szene, die große Arie Rechas, fast alle Gesangsszenen Eleazars, die große Arie des Kardinals Brogni u. a. Auch vom Standpunkte des Operngesanges aus ist die„Jüdin" Ha- levys eines der glücklichsten Werke, weil sie fast ohne Ausnahme gesanglich und schauspielerisch dankbare Rollen bietet; Eleazar, Recha und der Kardinal sind fcgar wirllich berühmt gewordene Glanzpartien der Opernliteratur. Die Reuaufführung der Oper„Die Jüdin" von Halevy am Prager Deutschen Theater entsprach, so wie wir sie gestern hörten, nicht ganz dem Stil der Grotzen Oper. Bor allem operngesanglich nicht, well die wirklich großen Stim- Sozialdemokratische Frauenorganisation, Prag Montag, den 4. März, abends 8 Uhr, im Hotel„Monopol" Frauen-Abend mit Vortrag des Gen. Dr. Robert Wiener: „Die politische Entscheidung der Fran" Das Bezirksfranenkomilee. men fehlten. Fr. Rose Paulys Rech« ist von dramatischester Leidenschaftlichkeit und persönlichkeitsstärkster Ausdruckskraft der Darstellung. Aber der in den Bann zwingenden schauspielerischen Leistung ist die gesangliche nicht ebenbürtig. Zwar bleibt die Sängerin ihrer Partie musikalisch-gesanglich nichts schuldig, aber im dramatischen Affell verletzt sie die Gesetze des Schöngesanges, forciert allzusehr, und der Gesangston wird scharf und unedel. Auch Fischers Eleazar ist unbefriedigend; auch hier die schauspielerische Leistung stärker als die gesangliche. Denn auch dieser Sänger ist kein Belcantist und ersetzt durch starkes Forcieren und dramatisch überhitzte Akzente, was ihm an Gesangston fehlt. Andersens Kardinal schließlich ist darstellerisch allzu konventionell; stimmlich bedauert man wie immer bei diesem Sänger, datz die wundervolle Mittellage seines Baffes der Höhe und Tiefe zu nicht die ent- fprechonde Ergänzung besitzt. Ganz fehl am Ort war der Tenor M e h b e r t, der Gastsänger des Reichsfürsten Leopold, ein Sänger von schöner äußerer Erscheinung, aber sehr wenig Md sehr mangelhafter Stimme. Recht schwach auch der Ruggiero des Herrn P o p o v i l, dessen Organ sich nicht festigen will. Sehr gut dagegen, vor allem im rein gesangstechnischen Sinne, die Prinzessin Eudora der Frau Rose Book. Fritz Zweig hatte die Oper neu einstudiert ünd dirigierte sie; mit straffer Zusammenhaltung der vokalen und ntstru- mentalen Ensembles, temperamenwoll und rhythmisch fest, dynamisch aber mitunter gar zu stark aufgetragen. Die Inszenierung Max Li« bls betonte den pompösen Charakter der Grotzen Oper und wahrte den historischen Stil des Werkes und seiner Handlung. Der Besuch des Opernabends war auffallend schwach. E. I. Das Teufelsmädel In der Kleinen Bühne hat man seit gestern, laut Spielplan sichtlich mit der Hoffnung auf einen Serienerfolg, einen„Schwank mit Musik" losgelassen, der deutlich zu beweisen scheint, datz zwischen dem ungarischen Rot-Weiß-Grün von heute und dem reichsdeutschen Braun Sympathien bestehen, wenn schon nicht in der lebens- und kulturgefährlichen See- lenvergistung, so doch jedenfalls im Talent zur aktiven Gehirnerweichung. Herr Ern st Andai. der Autor, haut uns folgende Fabel hin: ein junger Graukopf lernt nach zwanzig Jahren die eigene Tochter kennen, deren geschiedene Mutter, wie ihm jetzt erst bekannt wikd. im Wochenbett starb.' Der Vater ist ein abscheulicher Weiberfeind geworden, der sich von seiner liebenden Sekretärin erst erobern läßt, nachdem sie ihm eine Liebeskomödie mit seinem Freund vorgespielt hat, von welcher Komödie das Töchterchen(das Teufelsmädel) sich irrstieren läßt, bis es, natürlich, mit dem Freund sich vereint. Eine Stunde lang ist man wütend über all die Unglaublichkeiten, über die abgestandenen Situationen, über die dummen Kalauer, über alles Mögliche, nicht zuletzt über die„musikalischen" Unmöglichkeiten. mit den«» Herr Michael Eisern a n n die Darsteller zwingt, dort, wo der Schwank sich selber aufzufressen droht, zu singen; es gibt da fogar eine Art Ensemble von überwältigend unfreiwilliger Komik. Aber schließlich akklimatisiert man sich, entdeckt ein paar gut gebaute Szenen und sogar etliche Funken richtiger menschlicher Wärme. Das Verdienst daran aber dürften weniger die Autoren als die Darsteller haben, die unter Walter Taubs, in diesem Fall alleinseligmachender Regieflottheit. mit im- ; panierender Selbstüberwindung luftig zwischen Donau und Theiß hin und her segeln. Der Gast, Fräulein Maria Andergaft. ist zwar mehr ein süd- deutsch-guicklebendiger Racker als ein papriziertes Teufelsmädel, aber voll Charme und Natürlichkeit und mit ein paar wirklich zu Herzen gehcndenAugenblicken. Herr Padlesak, der Freund, distinguiert, nobel, sympathisch, also als Herzensbrecher durchaus glaubhaft; Herr Dörner macht dem konstruierten Wesen des Weiberfeindes in Pointen Lust, Lotte Stein überwindet das Beftemdliche ihres Berlinerisch in österreichisch-ungarischem Milieu durch die liebenswürdige Einfachheit ihrer Persönlichkeit, Dudek holt aus dem Zsupan-Baftard, den man ihm angehängt hat, das Möglichste heraus. Die Nebenfiguren sind mit den Damen Wünsche. Carpentier, Schneck Md Wolf, mit den Herren Taub, Schmerzenreich, Lewit undTrabauer ausgezeichnet besetzt. Das Publikum nahm die Pastete beifällig hin. Da die Magenverstimmung, die man anfangs befürchtet, völlig harmlos ist, soll es uns fteuen, wenn das „Teufelsmädel" in Schwung bleibt. L. G. Infolge verschiedener Erkrankungen erscheint „F a l st a f f" im Verdi-Zyklus statt am Mittwoch, dem 6. März, erst am Sonntag, dem 17. März, auf B 1. Wochenspielplan deS Reuen Deutschen TheaterS. .Sonntag halb 3. Giuditta, halb 8: Eine Frau lügt, Erstaufführung, A 2.— Montag 8: Arien- und Liederabend Joseph Schmidt, Abonnement aufgehoben.— Dienstag halb 8: Rigole tt o, A 2.— Mittwoch halb 8: I ü d i n, B 1. — Donnerstag halb 8: I e n u f a, Festvorstellung CI.— Freitag halb 8: Der Troubadour. Gastspiel Francesko Pattaglia, Berdizhklus, D 2.— Samstag halb 8: Eine Frau lügt, 5 1.- Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Sonntag, 2 Uhr: Nacht vor dem Ultimo, halb 6 Ilhr: Tasche Leoniiew mit seinem Bewegungschor. 8: Gastspiel Maria Andergaft: Teuf>elsmädel.— Montag 8: Teufels« mädel.— Dienstag 8: Teufelsmädel. Mittwoch 8: Teufelsmädel.— Donnerstag 8: Teufelsmädel.— Freitag 8:Teufels- mädel, Kulturverbandssteunde und steier Verkauf.— Samstag halb 8: Mädchen für Alles, Erstaufführung.,* Der Film Menschen im Hotel Der amerikanische Filmtrust läßt seine Erzeugnisse aus den Jahren des Boykotts jetzt in Prag Revue passieren. Und damit das Pensum gründlich nachgeholt werde, hält er uns auch jene Filme nicht vor, die hier zwar noch unbekannt, aber von der Entwicklung schon überholl sind. Dieser vor annähernd vier Jahren(von dem Regisseur Goulding) verfilmte Vicki Baum-Roman, bereitet noch Dialoge und Monologe so ermüdend vor uns aus, wie es in der Frühzeit des Tonfilms üblich war,— und daß er damals einen großen Fortschritt darstellte. weil er auf Schlagergesang und happy end verzichtete und Ansätze zur Realistik zeigte, das hat heute schon nur noch historische Bedeutung. Freilich steht diese Romanverfilmung noch immer Wer dem Durchschnitt des(leider) Gewohnten: weil die Handlung bei aller Unmöglichkeit im Einzelnen wenigstens in der Grundidee die Wirklichkeit berührt— und weil eine Reihe vorzüglicher Darsteller mitwirken. Der Querschnitt durch ein Groß- stadt-Hotel, vom Portter bis zum Jndustriemagna- ten, von der großen Tänzerin bis zum Hoteldieb ist ein echt filmisches Thema. Rur hätte man sich an die schlechten Erfindungen der Vicki Baum nicht halten dürfen, die den Hoteldieb zum romantischen Kavalier, die Tänzerin zur hysterisch-sentimentale» Tragödin und den Jndustriemagnaten erst zum betrügerischen Bankrotteur und dann zum Mörder aus Eifersucht macht. Das Aergerlichste ist, datz GretaGarbo, mit der Rolle dieser Tänzerin belastet, nur im müden Beginn und dann in einer kurzen Liebesszene etwas von ihrer großen Kunst zeigen kann, während sie im übrigen unwahrscheinliches Theater spielen muß. Aber Joan Crawford als glückshungrige Stenotypistin, Wallace Beery als plump-brutaler Industrie-Preuße und die beiden Barrymo- r e s in lebendig ausgefüllten Typen-Rollen kommen gut zur Geltung. Sie spielen sich bewunderswett durch die unzähligen Dialog-Szenen des Films und wirken jeder für sich nachhaltiger als der Gesamteindruck dieses zwiespältigen Werkes.—eis— VcrclnsnadirKhtcn Mittwoch, den 6. d., um 20 Uhr findet im Wintergarten des Hotel„M o n o- pol" eine Mitgliederversammlung statt. Es spricht Genosse Richard Schönfelder über„Die nächsten Aufgab en d e S AtusinPkag". Wir fordern alle Genossen und Genossinnen auf, diese erste Mitgliederversammlung im heurigen Jahr unbedingt zu besuchen. Deutsche Bolksstnggemeinde Prag: Dienstag, den 5. März, um 7 Uhr abends Probe deS Frauenchors, um 3/8 Uhr Probe des gemischten Chors. Seid alle pünktlich.gut Stelle. Mitteilungen der»Urania« Heute halb 11 Uhr: ,Hreuz und quer durch die Schweiz". Neuer Schweizer Hochalpenfilm.■ Dazu Vortrag: Dr. Willi Meyer, Mitglied des Schweizer Alpenklubs. „Sibirien, mein Heimatland". Lichtbildervortrag Valentine» Bulgakov. Montag 8 Uhr. Unvergeßliche Filme:„Aschermittwoch". Gary Cooper, Jannings. Regie: Mileftone. Montag Uhr. Professor Dr. Jng. A. Geffner wiederholt wegen des außerordentlichen Erfolges seinen Lichtbil« dervortrag über:„Die Großglockner-Hochalpen- straße" Dienstag halb 8 Uhr. Karel Capek-Abend. Einleitender Vortrag: Otto Pick. Rezitation Fritz Waller Nielsen. Mittwoch 8, Uhr. Kindersportwagen gut erhalten, billigst von Emigranten gesucht. Geballe, Prag-ZAMhllce, Trakow 212. 2887 VERLANGEN SIE in jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa. HEGNER ACie., Pilsen 445 sind die allerbesten! I Heino WM« ü I mit besonderer Triebkraft und höchster Halt-| ' barkeit, garantiert reines Malzmehl und feinsten], 1 rekt. als auch denat. Spiritus liefert( l i Rejciner Zucker-. Spiritus- und Preßhefe-Fabrik, vormals Brüder A.& H. May A.-G. 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