Einzelpreis 70 IWtar (•InichlteMich S Halter Forte) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova«r. telefon 530/7. Administration Telefon 53076. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR< WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS. PRAG. 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK 15. Jahrgang Dienstag, 5. März 1935 Nr. 54 Der Ministerrat Hal beschlossen, Einheiten der Kriegsflotte, die regierungstreu geblieben sind, S« mobilisieren und gegen die aufständischen Kriegsschiffe auszuschicken. Dir Schiffe der Aufrührer sollen durch Flugzeuge mit schwersten Bomben belegt werden, falls keine bedingungslose Urbergabe erfolgt. Sieben Marinefahrzeugr, die don den Aufwieglern im Arsenal von Salamis zurückgelaffen wurden, werden in aller Eile ausgebessert. Sie scheinen also von den Aufrührern beschädigt worden zu sein. Die Kriegsschiffe der Aufständischen wurden den Regierungsflugzeugen mit B 0 m b e n belegt. Auf den Schiffen wurde angeblich großer Schaden angerichtet; unter der Besatzung sei eine Panik ausgrbrochen. Die Schiffe trennten sich voneinander, um den Fliegern den Angriff zu erschweren. Außer der schweren Beschädigung des Panzerkreuzers„Georgios Aweroff" in der Suda- Bucht melden die nach Athen zurückgekehrtcn Flugzeuge, daß in der Nähe von Ktzthrra rin Zer- ftörer und bei der Insel Anti-Kythera rin Tor- Vedoboot durch Flugbomben schwer beschädigt worden seien. Ferner wird berichtet, daß ein Torprdo- > Hacker hat sich nämlich mehr als einmal für den Ständegedanken ausgesprochen und noch vor ganz kurzer Zeit hielt einer seiner engsten Mitarbeiter, Dr. Hetz, in Karlsbad einen grossen Vortrag über den„Ständegedanken"... Der Einwand der»Rundschau" wirkt um so ' stärker, als die„Deutsche Landp 0 st", die das Stände st aatgeblödel der Spann und Heinrich vor acht Tagen noch als reinen FasciSmus bezeichnet hat, Sonntao bereits wieder dem Dr. Hetz das Wort gibt zu einem Artikel, in dem neben unverständlichen(und ihm selbst sicher ebenso dunklen) Redensarten über Volksgemeinschaft und allerlei Ständisches und Eigenstündiges auch schon— allerdings zunächst für die Person des Herrn Hetz— die Entschuldigung enthalten ist, die Henlein gefordert hat. Hetz schreibt nämlich: Mit sichtlichem Vergnügen haben uns sonst recht unfreundlich gegenüberstehende Zeitungen einige Ausführungen in unserem Blatte abgedruckt und haben allerleiFolgerungen daran geknüpft. Die gegnerische Presse ist nicht berechtigt, daraus zu folgern, der B. d. L. wolle damitdie SHF fascistischer. staatsfeindlicher Einstellung be- ,schuldigen, denn im ganzen Artikel ist die SHF nicht ein einzigeSmal genannt! Darauf haben wir ja aufmerksam gemacht. Nur ist uns nicht entgangen, was Herrn Hetz entgeht: daß Henlein sofort getroffen auf schrie und sich somit selbst als der Apostrophierte bekannte. Ein wenig hätte sichauchHetz getroffen fühlen sollen, denn eben der Hinweis auf Spann und Heinrich war doch auch ein Urteil über seine Phantasien von der„ständischen" Volksgemeinschaft. Die„Rundschau" macht sich aber auch über Spina persönlich lustig. Sie schreibt: Wenn. die SHF wirklich der Staatsfeind wäre, als den man sie wieder einmal plötzlich hinstellt, hätte dann ein doch sicher nicht der Staatsfeindlichkeitverd ächt i g t er Mann wie Minister Spina eineinhalb Jahre mit der SHF verhäng dein können? Hätte er eS mit seinem Gewissen vereinbaren können, noch vor'wenigen Tagen bei der Wahl des»grossen Staatsfeindes" Konrad Henlein in das Präsidium des Deutschvölkischen Arbeitsamtes mitzuwirken? Hätte daun am letzten Sonntag Vizepräsident Z i e r h u t erklären können, dass der B. d. L.„die SHF gleich nach ihrem Entstehen begrübt und gefördert hätte"? Leider kein unverdienter Vorwurf! Herr Spina hat es sich wirklich selbst zuzuschreiben, wenn ihm die Herren vom KB und der SHF jetzt die Daumen aufs Auge drücken. E r hat sie aufgepäppelt. Der Dank der Schüler Hitlers an den Schüler Hugenbergs ist stilecht wie die ganze Richtung. Deutlich soll in der»Rundschau" dem B. d. L. auch bewiesen werden, dass man seiner nicht bedarf. Henlein wendet sich direkt an dieTs ch e- ch e n, ja an E u r 0 p a. Er spricht über die Sendung der Sudetendeutschen und schreibt: Die Bedeutung der politischen Sendung des Sudetendeutschtums aber übertrifft in noch kaum geahntem Masse seine zahlenmässige Bedeutung. Denn es ist ein lebendiger Bestandteil sowohl der d eutsch en K u l tu r g e m e i n s ch a ft, als es auch ein lebendiger Teil der vom tschechischen Volke begründeten’ politischen Staatsgemeinschaft ist.. Kulturell mit dem Deutschtum, politisch mit d« m T f ch e ch e n- tume verknüpft, trägt das Sudetendeutschtum die eigenständige und schicksalsschwere Bestimmung in sich, ein schöpferisches und wertvolles Element des Friedens und der Solidarität im europäischen Raume zu sein. Ungefähr so haben wir das ja auch formuliert. Aber w i r folgern eben aus dem Bekenntnis zur deutschen Kulturgemeinschaft, dass die Sude- tcndeutschen sich gegen den ärgsten Feind der deutschen Kultur, gegen Hitlerdeutsch« boot von dem Kreuzer„Georgios Awcroff" geschleppt worden sei. Ein Torpedoboot habe angeb, sich ei» sinkendes Unterseeboot von Psara nach Kanea geschleppt. Sechs Bombardierungssiugzenge griffen am Montag neuerlich die in den Häfen von Kreta ankernden meuternden Kriegsschiffe an, doch hat nach einer Depesche des Berichterstatters des „Jntransigeant" das Luftbombardcment kerne Schäden verursacht. Bei dem Fliegerangriff am Sonntag soll auch das Haus von Benizelos auf Kreta von Bomben getroffen worden sein. Ueber der Stadt Kanea, dem Aufenthaltsort Venizelos, wurden Aufrufe abgeworfen. Die Instandsetzung der beschädigten KriegS» schisfe ist nunmehr beendigt, so daß sie bald gegen die Aufständischen in See gehen können. Die Regierung rechnet damit, daß die Re- Volte auf Kreta nicht von langer Dauer sein könne, da di« Aufständischen auf der Insel nur über geringe Nahrungsmittel verfügen und bereits Sonst», tag auf allen griechischen Handelsschiffen, welche in den Häfen von Kreta ankern, Nahrungsmittel beschlagnahmten | unverdaute Schulweisheiten als Schlagworte unter ''“* 1. Henlein kann also dem B. d. L. Vorhalten: Aber jetzt kommt das Erschütternde: der geschästsführende Parteivorsitzende G u st a v bracht, ohne dass jedoch jemand verletzt worden wäre. Massenverhaftunsen und Standgericht Zahlreiche Militärpersonen und auch oppositionelle Politiker wurden ohne Rücksicht auf ihre Immunität verhaftet. Einige oppositionelle Führer sind verschwunden. Der Senat, in welchem die Anhänger Benizelos die Mehrheit haben, wurde kur- j Aenderungen in der Heeres- leitung und im Kabinett Am Heer und in der Marine wurden erhebliche Umbesetzungen in den leitenden Kommandostellen vorgenommen. Der Armeekommandant General Eammenos wurde durch General Zeppos ersetzt. Der Marineminister hat die D e m i s s i 0 n eingereicht und wurde durch den Admiral Duz- Ma n i S ersetzt, der während der Balkankriege Generalstabschef der Marine war. Um sich die Un- Lwstützung der freisinnigen Partei zu sichern, hat die Regierung deren Führer General Meta x a als Minister ohne Portefeuille ins Kabinett berufen. Der Unterstaatssekretär für Flugwesen wurde gleichfalls zum Minister ernannt. Ausserdem hat die Regierung das angeblich schon vor zwei Monaten eingereichte Demissionsgesuch des Aussenministers M a x i m 0 s angenommen. Ministerpräsident Tsaldaris bat die Leitung des Aussenministeriums übernommen. Blättermeldungen zufolge wurde vor dem Hause, in dem der Kriegsminister> K 0 ndylis Wohnt, eine Dynamitpatrone zur Explosion ge- Die SHF im Endspurt Stärkster Druck gegen Spina aber auch in anderen Städten sollen, Henlein hat gut foppen, denn ddr B. d. L. hat ja „~ Bei der Beerdigung der wirklich die verblödende Ständ:-Jdeologie ganz Todesopfer der Athener Kämpfe forderte die er- überflüssiger Weise in seinen Reihen gezüchtet, be- regte Menge angeblich den Tod am Galgen ziehungsweise geduldet, dass ein paar Intellektuelle für die Meuterer.* j Die Regierung plant, angesehene Anhänger die Aungbauern ausstreuten. von Benizelos festznnchmcn und in Theben in einem besonderen Lager als Gei s e l n fest-. zusetzen, ji Wachsender Widerstand Auch in Mazedonien schwere Kämpfe Regierung ordnet Teilmobilisierung an Athen. Der Aufstand in Griechenland hat entgegen den beruhigenden Erklärungen der Regierung eine Verschärfung erfahren. Der alte Gegner der jetzigen griechischen Regierung Venizelos, der sich zur Zeit in Kreta aufhält, ist offen zu den Aufständischen übergegangen und hat bei einer großen Kundgebung eine aufrührerische Rede gehalten. Ganz Kreta, TeUe Thraziens und Südmazedonien mit den Städte« K a w a l d a und Drama sind in den Händen der Aufständischen. Der Herd der revolutionären Bewegung ist gegenwärtig O st Mazedonien, wo heftige Kämpfe im Gange sind. Die Garnisonen von S e r e s und K a- Wala sind zu den Aufständischen übergegangen. Kriegsminifter General Kondhlis ist am Montag Vormittag nach Mazedonien gestartet und hat am Nachmittag persönlich das Kommando übernommen. Die letzten Abendmeldunge« aus Athen besagen, daß eS dem General gelungen ist, gewisse Erfolge in Mazedonien zu erzielen, und daß der Widerstand der Aufständischen dort nachzulassen beginnt. Die Stadt S e r e s ist' neuerlich in Händen der Regierungskräfte. Die privaten Sonderberichterstatter stimmen in der Ansicht überein, daß da- Schicksal des Aufstandes nunmehr hauptsächlich von Saloniki abhängt. Die Städte Seres und Drama, die den Anfftändischen in die Hande fielen, wurden von Reglerungstruppen umzingelt, sie hoffe«, daß sie sich ihrer bald bemächtigen werden. Di« Regierung hat drei Jahrgänge Infanterie und zwei Jahrgänge Marine zu de« Waffe« gerufen. An der Ausrüstung der für Mazedonien bestimmten Truppen wird fieberhaft gearbeitet. Die letzten Meldungen via Paris über die Lage in Griechenland besagen, daß verschiedene politische Persönlichkeiten Verhandlungen über eine Versöhnung zwischen der Regierung und den Aufständischen eingeleitel habe«. Nähere Einzelhetten fehlen aber noch. Der Kampf zur See Heute läuft das Ultimatum ab, das Konrad Henlein an Minister Spina— wohl als Dank für liebevolle Förderung der SHF durch den Minister der Landbündler— gerichtet hat. Inzwischen hat die»Rundschau" alles aufgeboten, um den B. d. L. unter Druck zu setzen und ihm vor Augen zu stellen, welches Los ihm blüht, wenn er es wagen sollte, den Einigungsbestrebungen länger Widerstand zu leisten. Es ist ein nettes Bild: der Wolf fordert die Schafe auf, sich in einer Herde mit ihm zu vereinigen. Die Wahl fällt den Opfern in solchem Fall wirflich schwer, es sei denn, sie suchten Schutz bei Stärkeren. Diese für sich zu gewinnen, unterlässt der Wolf aber auch nichts. Dieselbe»Rundschau", die mit schwerem Geschütz gegen Spina und den B. d. L. auffährt, säuselt der hohen Bürokratie, der ja leider Wohl und Wehe der Demokratie hierzulande zum guten Teil ausgeliefert sind, die loyalsten Weisen in die Ohren, damit ja niemand an den Troppauer Prozess gegen Funktionäre der SHF, niemand an die Bombenhelden von Saaz, Teplitz, Schönlinde, niemand an die SHF-Kuriere in Nordmähren und an all das denke, was sich täg- lich in den Randgebieten abspielt und auf den unbefangenen Zuschauer oft wie ein Fiebertraum wirken muss, der ihm vorgaukelt, in Hitlerdeutsch- land zu wandern und doch tschechische Lame zu hören, tschechoslowakische Uniformen zu sehen. Am Leitartikel wird dem B. d. L. klar gemacht, dass die Beibehaltung einer ständischen Gliederung des Volkes noch keine Volksgemeinschaft bedeute, vielmehr den Klassenkampf durch den Kamps der Stände gegeneinander ablöse. Es ist interessant zu beobachten, wie die SHF mit dem .Ständegedanken" Fangball spielt. Während es im B. d. L. einige naive und unzulänglich geschulte junge Herren gibt, die sich in eine Stände-Adeologie verbohrt haben, die zu verstehen sie selbst sich vergebens bemühen, benützen die bei weitem gewiegteren Politiker aus dem KB das Kchlagwort bewusst zum Verdummen der Masse und zu demagogischen Spiegelfechtereien. Die »Rundschau" steht nicht an, den B. d. L. einfach zu frozzeln. Sie schreibt: Weil aber die SHF— gerade im Vertrauen auf die geistige Entwicklung, die in den letzten Jahren weite Kreise des Bauerntums, vor allem seine , jüngeren Schichten genommen hatten— glaubte, dass über das rein standesmässige Denken hinaus das Gemeinsamkeitsbewusstsein und das Verantwortungsbewusstsein für das ganze Volk durchgedrungen sei, machte sie ihren Vorschlag. Richt um der„Totalität einer Partei" willen— die SHF wollte sich ja auch selbst auflösen—, sondern um den wirflich richtigen Weg zur einheitlichen politischen Willensbildung des Sudetendeutschtums freizumachen. Denn das schöne Schlagwort vom»getrennt Marschieren und vereint Schlagen" bleibt solange leerer Bluff, als nicht die Einheit der Führung gesichert ist. Auch eine Armee kann nur dann, in verschiedenen Heersäulen auf- 1 marschieren, wenn der Oberbefehl ein heitlich ist und jede Heeressäule mit einer bestimmten Aufgabe in den< Schlacht plan eingestellt wurde. Wenn aber. dieser einheitliche Oberbefehl fehlt, dann 1 wird eben jede Heersäule zwar für sich allein mar-< schieren, aber, auch allein geschlagen werden. Die, . brüske Ablehnung des SHF-Angebotes durch den B. d. L. mutz aber die traurige Meinung bestärken, dass dieses Gefühl des unbedingten Zusammcnge- hörens noch nicht an den entscheidenden Stellen durchgedrungen ist. ~ Wahrscheinlich hat eben die Erwägung, dass zerhand aufgelüst. Ein Staich t wird als Ziel der Vereinigung die alleinige Führer- die verhafteten Aufständischen aburteilen. Gegen schäft des Kommandanten K 0 n- das Urteil in eine Berufung unzulässig. Rach rad Henlein sichtbar wurde, die grüne Heereiner Meldung des Pariser„M a t i n" j säule bisher abgehalten, sich in die von der SHF soll sich die Zahl der Toten allein in Athen auf«2, befehligte Armee bedingungslos einzureihcn. Aber belaufe«; 1 WN Tote zu beklagen fein. Veite S Dienstag, 8. März 1938 Nr. 84 land wenden müssen. Henlein versteht aber unter Bekenntnis zur deutschen Kultur das B e- kenntniszu den hundertfachen Mördern, Brandstiftern, Folterknechten, Femebrüdern, Strichjungen und G r o ß d i e b e n, die heute das deutsche Bolk im Reiche unter ihrer Diktatur halten., Politisch mit denTschechen— das haben wir immer verstanden als Kampf für die tschechoflowalische Demokratie, für die Unabhängigkeit der Republik, für die B e r w i r k l i» chung der Ideen Masaryks. Henlein versteht darunter leider die Eingliederung der Tschechoslowakei in daS Mitteleuropa Hitlers. Stellt Henlein den Tschechen vor Augen, welche Mission er in Europa hat, so redet ihnen Sebekovsky gut zu, es doch mit dem Ordnungselement der SHF zu versuchen: Was ist den Führern des tschechischen Volke- lieber: auf deutscher Seite Partner zu besitzen, die das Vertrauen genießen, die e i n e organisierte Anhän g e r s ch a f t hinter fich haben, für diese wirklich ehrlich und ver- kindlich Vereinbarungen treffen und auch für die Einhaltung dieser Vereinbarungen bürgen können— oder ein unorganisiertes Sudetendeutschtum vor sich zu haben, das von Menschen vertreten wird, die nicht das Vertrauen der Masse haben, die nicht für die Masse garantieren können und die daher auch nicht imstande find, durch ihre Person die Maffe zu leiten und politische Entgleisungen zu verhindern? Die Bertragsfähigkeit der SHF ist fragwürdig genug, solange Henlein bei jedem Fehltritt eines seiner Mannen erklärt, daß er davon nichts wisse und nicht alles verantworten könne. Bei Adolf war das ebenso wie bei Konrad. Wie vertragsfähig Adolf ist, hat die Welt ja seither erlebt. Aber es ist Sache des tschechischen Volkes, der tschechischen Politik, ob sie ihren Staat auf der Gefolgschaft demokratischer Deutscher oder auf der Partnerschaft der SHF aufbauen wollen» mit der fie ganz nach dem Exem- pek Borstenhöfer-Maixner in einem vergrößerten Dritten Reich landen müßten! Während die SHF noch um ihre eigene Existenz kämpft und zugleich den gewaltigen Happen B. d. L. verschlingen will» sorgt sie sich darum, daß ihr ja keineKonkurrenz erstehe. In einem Artikel„Sudetendeutsche Dolch- stoßpolitik" wendet sie sich"gegen die Pläne der S imm und F a h r n e r, eine neue„nationale Arbeiterpartei" zu gründen. Neue Parteien zu gründen, Volksgemeinschaften aufzuziehen, mit Ständestaat, Demokratie, Diktatur Schindluder zu treiben, das ist nämlich samt und sonders ein Privileg der SHF, da läßt sie keinen andern ran. Herr Spina mag sich angesichts der Gelüste, die Henlein in der„Rundschau" offenbart,'wirklich nicht wohl fühlen. Soll er seine Heersäule unter Konrads Kommando stellen, soll er den Totalitätsanspruch dieses kleinen UeberhitlerS anerkennen, der mit Ideen, Prinzipien, Parteien, Staaten nur so jongliert? Oder soll er den Kampf ausnehmen, in dem Henlein dank dem B. d. L. so gut« Waffen besitzt?! Eine schwere Entscheidung. Erfreulich bleibt, daß es nicht von Spina und dem B. d. L. allein abhängt, ob Henlein mit seinen Aspirationen hier auf die Dauer Staat und Epoche machen wird. Wie man im tschechischen Lager über das traurige Komödienspiel im deutschen denkt, das beweist übrigens am besten ein Artikel F e r» 22 prüfte naihUpi/^ Roman von Fritz Rosenfeld Mit der Rotationsmaschine konnte man nicht Freundschaft schließen; man konnte sich ihr nur hingeben, ihr ausliefern, sich von ihr mit Haut und Haaren auffrefsen lassen. Nach fünfzehn Jahren konnte man aber auch nicht neben ihnen leben; nur fern von dem wimmelnden Bienenkorb der Rdaktionen gab es den Frieden, in dem seine ungeschriebenen Bücher sich zu entfalten vermochten. Er mußte vor dem Leben selber fliehen, um es faffen und formen zu können. Sah eine Welt ohne das Gebrüll der Bürohäuser, das Getöse der Straßen, den Wettlauf der Hungrigen aber so aus, wie dieses Dorf, in Schlaf versunken, apathisch und gelähmt? Gab es Stille nur in der Leere, Frieden nur in der weitgedehnten Oede, um die der Bahndamm in einem Halbkreis lief, als hätten die Lokomotiven Angst, einen ewigen Schlaf zu stören? An drei Häusern wurde er abgewiesen; die vierte Tür gab den Blick auf einen alten Bauern frei, der mit dem Gewehr in der Hand, mißtrauisch jede Bewegung Olavsens beobachtend, verhandelte. „Zweihundert," bot Olavsen. Der Bauer schüttelte stumm den Kopf. „Dreihundert". Der Bauer schwieg. „Fünfhundert!", rief Olavsen. Neber dem Kopf des Bauern hing die Figur des Gekreuzigten, ein Licht brannte vor ihr in einem kleinen, Voten Glas. „Fünfhundert," wiederholte er.„In zwei ldinand Peroutkas in den„Lidovö No- vmy". Der geistvolle tschechische Publizist schreibt — und er trifft damit den Nagel auf den Kops—; „Spina verhandelt mit Henlein, Spina verhandelt nicht mehr mit Henlein— es steht gar nicht mehr dafür, darüber za schreiten, ab er gerade heute verhandelt oder nicht verhandelt, und Betrachtungen daran z» knüpfen, denn morgen kann es wieder anders sein. Wahrscheinlich weiß weder Spina noch Henlein, wie es morgen sein wird: Alle Wendungen, di« wir sehen, find Kapitel in dem Roman der sndetendeutsche» Politik» welcher den Titel„Wer wen" habe« könnte. Wie daS nächste Kapitel anSfrhe« wird, weih man nicht im vorhinein, sondern man entscheidet fich je nach der Situation und je nachdem, ans welches neue Manöver einer der beiden Autoren verfallen wird." dreh ungen und T r a t s ch zu breite«. Rina telens Weg ins Sanatorium ist— sollte selbst ein kleiner Umweg über das Gericht noch nötig sein— geebnet. Für seine„Gedächtnisschwäche"" und für die Haltung eines ausgesprochenen Trottels, die dieser Putschist und weiland geriebenste chriftlichsoziale Korruptionist Oesterreichs jetzt annimmt, ist Rintelew sicher besser bezahlt w o r d e n als für ihren Dienst sämtliche Soldaten, Polizisten und Heimwehrler. die im Kampf mit den'Nazis standen und als die Witwen und Waisen der gefallenen Opfer dec Exekutive. Schade, daß die Berichte über den Prozeß infolge der Zensur und der Angs? der Berichterstatter so spärlich und trocken sind. Es handelt sich bei diesem Kriminalfakle wirklich um die beste Komödie des Jahrhunderts. 0er flemülliehste Kriminalfall des Jahrhunderts? Rintelen vor Gericht Wien(Tsch. P.-B.) Der zweite Tag des Rintelen-Prozeffcs wurde bei geringerer Beteiligung eröffnet. Bei Beginn der Verhandlung verlas der Verhandlungsleiter einige Briefe. Der Vorsitzende teilte mit, daß er für Mittwoch den Chefredakteur der„Reichspost", StaatS- Dr. Rintelen rat Dr. Funder und den Generaldirekwr der „Ravag" Ezeija geladen hat. Hierauf setzte der Vorsitzende das Verhör deS Angeklagten fort und stellte an ihn eine Reihe von Fragen, betreffend seinen Aufenthalt in Wien am Tage des nationalsozialistischen Putsches, am 25. Juli 1934, und hauptsächlich bezüglich seiner im Gebäude des Kriegsministeriums erfolgte Verhaftung. Angeklagter Dr. Rintelen teilt mit, daß er im Hotel„Imperial" geweilt habe, als ihm der damalige Unterrichtsminister Dr. Schuschnigg telephonisch anrief und ihn ersuchte, ins Krte'gSministerium zu kommen. Hieräüf' sei Dr. F u n d e r mit noch einem Herrn zu ihm in» Hotel gekommen und habe ihn aufgefordert, mit ihnen inS Kriegsministerium zu gehen. Als er ins Kriegsministerium gekommen sei, habe ihn Funder in einen Nebenraum geführt und ihn aufgefordert, zu warten, bis ihn Minister Dr. Schuschnigg rufen werde. Nach einiger Zeit habe sich bei der Tür des Nebenraumes eine Militärwach« postiert. Rintelen erkannte, daß er verhaftet werden sollte. Der Angeklagte erklärt, er begreife nicht, weshalb bei der Bethaftung nicht der reguläre Weg gewählt wurde. Es lagen gegen ihn nur Mutmaffungen vor, und er beharre darauf, daß bisher keine Beweis« vorliegen. Der Vorsitzende stellt sodann an den Angeklagten einige Fragen bezüglich seines Selbst mordversuches. Der Angeklagte führt aus, daß in den Raum ein Hauptmann gekommen sei und gesagt habe:„Ich glaub«, Herr Minister, daß zwei Kriminalbeamte hier sind."—„In größter Aufregung griff ich dann nach dem Revolver." Der Angeklagte betonte, daß er keine selbst- mordabsichten gehabt und die Tat wirklich nur in größter Aufregung verübt habe. Der geheimnisvolle Unbekannte Vorsitzender: Wenn Sie ein so gutes Gedächtnis haben, müßen Sie doch wiffen, daß Sie damals zu Protokoll gegeben haben, daß Sie ein Mann im Hotel besucht habe, dessen Name Sie nicht nennen wollen, und der Sie ersuchte, die Angelegenheit im Bundeskanzleramt in Ordnung zu bringen. Später sagten Sie, Sie wüßten nicht, ob dieser Mann ein Nationalsozialist gewesen sei, doch hätten Sie den Eindruck gehabt, daß er dieser Partei nahestand. Der Angeklagte kann fich nicht erinnern, diese Angelegenheit sei ihm ganz mis dem Gedächtnis entscwmrnden, und auch wenn er es gesagt hätte, so sehe er darin nichts Verdächtige» oder Strafwürdiges. Sodann stellt auch der Staatsanwalt dem An» geklagten ein« Reibe von Fragen und der Verteidiger schildert hierauf in knappen Umrißen die Vergangenheit des Angeklagten, der stets ein Mann d e r A u t o r i t ä t ll) gewesen sei und daher nicht als ein Putschist angesehen werden könne. In dieser Richtung stellt der Verteidiger ein« Reih« von Beweisanträgen. Hierauf begann daS Zeugenverhör. Generaldirektor der SiemenS-Halske-A.-G. Dr. KrauS traf den Angeklagten am Vorabend desPutsches im„Griechenbeisel" in einer größeren Gesellschaft. Politische Gespräche wurden bei dieser Gelegenheit nicht geführt. Bon Putschplänen wurde keine Erwähnung gemacht. Polizeiinspektor Jellinek schildert den bekannten Angriff der Putschisten auf das Bundeskanzleramt und erklärt,»daß die Putschisten„Hoch Rintelen" und„Hoch H i t l er" gerufen haben. Der Student Viktor Li p p e,«in Mitschüler de» vielgenannte« jungen Spitzh, erzählt über EpitzN. daß -dieser zuerst.heim Heimatschutzverband war und.dann beim Bundesheer. Ob Spitzh Nachrichten von Berlin nach Rom oder umgekehrt vermittelt hab«, könne der Zeuge nicht wißen. ♦ Verschiedenen Berichten zufolge hat Rintelen bereits die allgemein erwarteten Zeichen von körperliche,! Schwäche und nervöser Unruhe von sich gegeben, die zum Abbruch des Prozeßes führen werden, d«ffen einziger Zweck ja nur war, die Komödie vom 25. Juli 1834 fortzusetzen und über die Geschehnisse dieses TageS, vqx allem über die Zusammenhänge, in denen der Herr Feymitden Putschisten und diese überhaupt mit ihren Opfern standen, einen dichte» Schleier von Lügen, Ber- Ball der Arbeitermörder Aasschnitt aus dem Oesterreich der Kanonenchristen Samstag war der Ball des Wiener Heimatschutzes. Das sind die Fünsschillingmanderln des Herrn Fey, bekannt aus den Tagen des Arbeitermordes in Wien. Die„N. Freue Preße", das Hoforgan der Schuschnigg und Konsorten, widmet der Veranstaltung mehr als eine halbe Seite ihrer Sonntagausgabe. Schildert mit Wonne, wie wunderbar alle Räume geschmückt waren, in denen der Ball fiattfand. Daß alle die Sieger des 12. Feber versammelt waren mit ihren Frauen und ihren Schmarotzern. Schildert, daß die ersten Künstler der Oper und des Burgtheaters mit einem erstklassigen Ballett anwesend waren und für Unterhaltung de! Herrschaften sorgten. Jede Pflanze und Blume, die der Dekoration der Festsäle diente, wird genannt, jeder Würdenträger, der dort herumstand, wird namentlich angeführt- von Schuschnigg bi» zur Prinzessin Maria Therese Liechtenstein fehlt keines der erlauchtesten Häupter der Stadt Wien. Da sagt ccher auch der Bericht, daß die Erzherzogi nJleana ein weißes Satinensemble in neuen westen Linien trug und die Frau Minister Baronin Mal- v i n e F e y ein tief dunkelblaues langschleppendes Abendkleid mit zärtlichblau schattierten Straußenumhang und die Frau Landeshauptmann Baar-Baarenfelsin dunkelblattgrünem Velourskleid mit Nerzverbrämung am De kollert, daß die Frau Oberst F r a n z, die Führerin des Wiener Heimatschutzes, in schwarzem Satin mit Samtmaschendekor und hoher Zopfkrone versehen war usw. Alles war da! Blumen, Balletts, Opernsänger, Burgschauspieler, die hohen und allerhöchsten Herrschaften in Uniformen, Seide und ttefen Dekolletes,'wo aber'waren di« Wiener Heimat- schützler, für die doch der Ball veranstaltet wurde? Wo waren die.Melden" des 12. und 13. Feber 1934. Die Söldlinge des Herrn Fey, die mit Kanonen und Handgranaten Arbeiter zu Hunderten niederrnachten und ihre Wohnstätten verwüsteten, die in ArbeiteMut badeten» weil sie fünf Schilling pro Tag und den Segen des Herr» Jnnitzek bekamen. Wo waren sie? Zwei Spalten füllt die „Freie Presse" mit den Schilderungen über die Besucher des Balles, kein Wort aber von den Arbeitermördern von Wien, unter deren Namen das Fest arrangiert wurde. Schämt man fich jetzt ihrer? Stunden sind Sie wieder zurück. ES ist leicht verdiente» Geld." „Und wenn ich nicht zurückkomme? Weni^ mich eine Kugel trifft? Wenn sie mich in den Graben werfen und mit meinem Wagen davonfahren? Bürgen Sie für meine Sicherheit? Bürgen Sie dafür, daß meine Pfeerdee wieder heil im Stall stehen?"„Sechshundert". „Bei diesem Wetter! Der Weg geht durch den Wald. Die Räder bleiben stecken, der Boden ist aufgeweicht. Es kann dreimal solang« dauern." .„Siebenhundert. Schlagen Sie ein." Der Bauer stand wie eine Steinfigur. Der Kellner drückte den Türgriff nieder. Aber Olavsen ging nicht. Er sah in den Blicken des Bauern die Bereitschaft, zu fahren; er wollte nur den Preis hinaustreiben, vielleicht lagen Schulden auf seinem Hof und es war gut, daß die Brücke nach Dpsilon in die Lust geflogen war. „Achthundert, mehr habe ich nicht", sagte Olavsen. Und mit scharfer Stimme, Blick in Blick: „Mehr ist nicht zu holen." Der Bauer schüttelte den Kopf. Olavsen holde den Zettel hervor. Zwei Namen standen darauf, zwei Häuser, an die er noch nicht gepocht hatte. „Gehen wir", sagte er zu dem Kellner. Kot spritzte auf, bis an die Knöchel versank man im Schlamm. Ein Hund setzte über die Straße, blieb stehen, äugte zu Olavsen, knurrte, lief weiter. '„Nein", rief eine dicke Frau, ein Kind auf dem Arm, durch das Fenster, als er nach dem Wagen fragte.„Der Mann ist unterwegs. Wenn er zurückkommt, lasse ich ihn nicht wieder vor die Türe". „Nein", rief eine dunkle Sttmme, herrisch, schneidend.„Nicht für hunderttausend. Der Teufel geht um". Olavsen überlegte. Sollte er weiterverhandeln, in der Stiche mit der Figur des Gekreuzigten, oder zur Station zurückgehen? Der Kellner sah ihn an, lange, wartete auf die Entscheidung. Dann sagte er: »kaufen. Den Wagen kaufen". Sie gingen zurück, ein Motorrad surrte vorüber, Polizisten, das Decklicht schwand und erlofch. „Wieviel kostet der Wagen, wenn wir ihn kaufen?" „Dreitausnd. Es sind gute Pferde. Der Wagen ist neu." Dreitausend. Also doch zur Station zurück. „Ich werde es mir überlegen. Ich muß das Geld zusammentreiben. Es ist viel. Dreitausend." „Der Wagen ist keine fünfhundert wert", sagte der Kellner auf dem Rückweg,„und die Pferde höchstens fünfzehnhundert. Zweitausend wäre genug." Olavsen schwieg. Er hatte kaum tausend in der Tasche. Halling würde etwas beisteuern, die alten Frauen. Wenn die dreitausend nicht zusammen kamen? Könnte man den armen Teufel in dem Wartesaal dieser gottvergeffenen Station verrecken lassen? Wieder ratterte eine Patrouille heran. Der Motor verstummte, ein Polizist sprang ab. Er gab Olavsen ein Zeichen, kam näher, verlangte seine Ausweispapiere. Mtt einer Taschenlampe leuchtete er in den Paß, klappte ihn zu, gab ihn zurück. Olavsen fragte: die Fragen, die sie' alle stellten, seit Stunden: Wer? Warum? Und drüben, in Vpsilon? Der Polizist schwieg. Er drehte die Lampe ab, steckte sie in die Tasche. Ms er ein paar Schritte gegangen war, daS blanke Leder seiner Stiefel schimmerte in der Dunkelheit, sagte er: „Gehen Sie zur Station zurück. Die Kugeln verirren sich zuweilen im Finstern. Es wäre uns unangenehm, wenn einem Fremden in unserem Lande etwas zustieße." Der Kellner lachte, als das Motorrad verschwunden war. «Das ist der Wachtmeister aus dem Dorf dort drüben. Er macht sich gerne wichttg. Niemand mag ihn in der ganzen Gegend. Die Leute sagen, er fährt sie so an, weil er Angst vor den Bauern hat. Seine Scheune ist abgebrannt im vorigen Herbst. Bis heute hat man den Täter nicht gefunden." Die Station stand da, wuchttg, dunkel. Bor ihr eine Reihe kleiner Häuser mtt blinden Fenstern, der verlassene Zug. Das Grammophon spielte, laut, heiser. Aber es war eine andere Platte, ein Negersong, schwermütig, langsam hinströmend und dann aufflammend in einem Furioso, das ein einziger verzweifelter Schrei, ein letzter, hoffnungsloser Hilferuf in die Nacht war. „Wir müssen den Wagen kaufen", sagte Olavsen zu dem Kellner, als er das Stationsgebäude betrat. IX. Kilmek, Reisender der Firma Epstein und Co.» Texttlien, mit einer Musterkollektton von Kopftüchern, Schürzen, Kinderkleidern, von buntgewürfelten Stoffen, seideglänzenden Tischdecke» nach dem Südosten unterwegs, ewiger Gast dec Stationen, Wanderer durch die Züge, die keine Heimat haben, ein Stück der Schienen, die um die Erde laufen, Kilmek, der nicht schlafen konnte» wenn er nicht das Rattern der Räder hörte, Kilmek, der sich nicht wohl fühlte, wenn die Luft stei vom Dampfatem der Eisenbahnen war, Kilmek spielte und Kilmek gewann. Cabrolles Kopf war hochrot, er hatte die Weste abgelegt, blaugraune Hosenträger schimmerten über einem fahlen, grguen Hemd. Je mehr Geld Eabrolle verlor, um so fanatische! starrte er in die Karten. Es war, als wollte ec sie hypnotisieren, als könnten sie sich unter dem Zwang seiner Blicke verwandeln, der wertlose Pick-Bube in das Pick-As, das er brauchte, die Karo-Dame, die zwischen seinen Karten steckte» in den Treff-König, der ihm fehlte. 9tr. 54 Dienstag, 5. März 1933 Lew» fudciendeutsdier Zeifepic^d Jugend in ereitschafft! kn Wahlkampf wird sie völlig hinter der Partei stehen SamStag in den Abendstunden trat* in Prag die Kreiskonferenz der Sozialistischen Jugend zusammen. Mrch einem Referat des Genoffen Banka über die Aufgaben der jungen sozialistischen Generation und der Aussprache wurde folgende Resolution einmütig beschloffen, welche die Haltung der gesamten Sozialistischen Jugend im heurigen Wahlkampf zum AuÄvruck bringt: Die Parteien dieses Staates rüste» zu einem schweren Wasfengange. Es stehe» Wahle» in die gesetzgebenden Körperschaften bevor, di« für das künftige Geschick des Staates und seiner Bürger von entscheidender Bedentung sind. Der Aufmarsch der Parteien wird sich in zwei Lagern vollziehen: hier die Kräfte des soziale» Fortschrittes und der Demokratie, dort die volksfeindlichen fasristischen Mächte! Siegt das erste Lager» dann besteht begründete Hoffnung, daß weiter an der sozialen Reugestaltung der Gesellschaft gearbeitet und versucht wird, das Kriseugesprnst gänzlich zu bannen und für die arbeitenden Volksschichten die Grundlage» einer gesicherten Existenz wieder zu schaffe». Siegen aber die fasristischen Mächte, dann wird das Volk nichts als eine Gewaltherrschaft von Machthabern zu erwarte« haben, die seine Lebenshaltung noch mehr senke« werden,«m dadurch den Bestand des fluchbeladene« Kapitalismus auch weiterhin z« sichern. Weil bei den bevorstehenden Wahlen eine Entscheid«»- von solch weitreichender Bedeutung auf dem Spiele steht, geht es bei der Auseinandersetzung mehr denn je um daS kü»ftig« Geschick der jungen Generation, die sich nun eindeutig erklären muß, ob sie in Freiheit selbst an der Sicherung und Verbesserung ihrer Zukunft mitgestatte» oder sich jugrndfeindlichen Macht habern ausliefern wist, dir für ihre Räte und ihr Sehnen nach einer befferen Welt nicht nur kein Verständnis habe», sondern Glauben und Vertrauen der Fugend dazu mißbrauchen, nm ihr ein Dasein in Unfreiheit, Bedrückung und Rechtlosigkeit zu beschere«. Aus»st dem geht hervor, daß die Jugend der Auseinandersetzung der Parteien nicht in unbekümmerter Gleichgültigkeit-»sehen darf, sonder« aktiv an einer Entscheidung Mitwirken«nß, die die Voraussetzung für eine sorgenfreie, menschenwürdige Gestaltung ihres Lebens schafft. Das er» kennend, erklärt die sozialistische Jugend, daß sie der kommende Wahlkampf in unerschütterlicher Verbundenheit und Treue anderSeite der deutsche« sozialdemokratischen Arbeiterpartei finden wird, die gemeinsam mit der tschechischen vruderpartei den Kampf für die Interessen de- arbeitenden Volkes führt. Sie macht den Kampf der Partei z« ihrem Kampf und wird ihren Stolz darein setzen, an ihm mit den beste« Kräften des Geistes und der Glut leidenschzrftlichen W0l. lens teilznnchmen. Die Sozialistisch» Jugend ist für einen schwere» Kampf gerüstet! Unerschrocken und zuversichtlich tritt sie in das Ringen um die Herzen und Hirne der Jungwähler ein, davon überzeugt, daß es höchstem Einsatz aller gelingen wird, den Sieg an die Fahnen der sozialstischrn Bewegung zu heften. Hiezu nicht nur alles, sondern noch mehr zu tun, als in ihren Kräften-« l i e g e n s ch e i n t, ist von Stund ab höchste- Gebot der Sozialistischen Jugend. Da- gelobt si e g a nz a»S ei gen e m A n t r i e d und wird eS restlos halten! Geld aus Deutschland Troppauer SHF-Funktionäre vor Gericht Vor einigen Tagen wurden vier Mitglieder der Troppauer SHF-Organisation wegen staatsfeindlicher Verbindung mit reichsdeutschen Stellen verurteilt. Samstag standen zwei weitere Henlein-Leute wegen derselben Delikte vor dem Troppauer Gericht. Es sind dies der Gausekretär der SHF. Otto Gebauer und der Kaufmann O S w a l d W eißhuh n. Gebauer wurde vor einigen fahren in Deutschland wegen Teilnahme" an einem politischen Mord zu einer Zuchthausstrafe verurteilt, später jedoch freigelaffen. Gebauer wurde zuerst durch einen Brief belastet. welchen man bei dem unlängst verurteilten SHF-Mann E st l e r gefunden hatte und auS welchem hervorging, daß er der reichsdeutschen Propaganda« und Spitzelzentrale als besonders verläßlich empfohlen wurde. Die beiden Angeklagten haben u. a. einem gewissen Schramm, der wegen staatsfeindlicher Tätigkeit verfolgt wurde, zur Flucht nach Deutschland Verholfen. Nach den Aussagen Gebauers in der Dor-! Untersuchung hatte er W Stelle eines SHJ-GtzU» fekretärS rwf Empfehlung detz- hitireichetw bökann-- 1 ten„Landesführers" der SHF, Skomorov- s k i, erhalten, welcher ihm später den Auftrag gab, eine» verläßliche» Mau» zum Transport von Geldern für die SHF aus Deutschland zu ermittel». Bei der Gerichtsverhandlung blieb Gebauer bei seinen früheren Aussagen, während Weitzhuhn leugnete. Das Gericht vertagte Samstag die Brrhand- lnng auf unbestimmte Zeit, um neue Zeugen zu laden. SHV lehnt Zusammenarbeit mit Gemeinde ab gibt aber gute Ratschläge Das Gemeindeamt Wisterschan richtete an die Ortsleitung der SBH das Ersuchen, man möge ihr die Einsichtnahme in die BerteilnngZlisten der SBH für Wisterschan gestatten, nm die Unterstützungsaktion der Gemeinde, welche in den nächsten Wochen durchgeführt werden soll, zu erleichternd bzw. um Ungerechtigkeiten auszuschalten. Daraufhin schrieb die Ortsleitung der SBH in Wisterschan dem Gemeindeamt, dast sie leine Verpflichtung habe einer andern Stelle als der Be- zirksbehörde, den politischen Parteien, welche zur SBH gehören, sowie der Bnndesleitung Einblick in die Listen der SVH zu gestatten und infolgedessen der Gemeinde keine Einsicht in die Listen gewähre. Dann sagen di« Leute weiter:»Unserer Meinung nach wäre eS Pflicht gewesen, das alle deutschen Parteien und Körperschaften der Gemeinde, ohne Unterschied, von allem Anfänge an sich bei der Sudetendeutschen Bolkshilfe beteiligt hätten, so dast es möglich gewesen wäre, alle Arbeitslosen zu erfassen und eine zweite Aktion nicht notwendig geworden wäre. Usw." Also der langen Rede kurzer Sinn soll sein, dast sich die Gemeinde eigener Arbeitslosenaktionen zu entschlagen habe und statt dessen dafür sorgen müstte, dast die SBH ein Monopol auf ArbeitS- losenfücsorge bzw. für Sammlungen unter diesem Decknamen bekomme. Höher geht wohl die Frechheit der Burschen schon nicht mehr! Der tschechlsche*fasc!stische Nazi-Anwalt Wie die„Wahrheit" meldet, hat der der Heimatfront nahestehende„A« f§ r» ch", der von Otto SttasseS auf Grund der Bezeichnung der Schwarzen Front als„politischer Ringvcrein" und„Gangstcrbande" wegen Beleidigung verklagt wvrden ist,, als Advokaten den ständigen Anwalt von Gajda und der tschechischen Fascisten- gemeinde, Dr. Branjovsky, bestellt. Ungarische Komödie Gömbös demissioniert und wird wieder betraut Budapest. Die Mitglieder der Regierung versammelten sich Montag um 10 Uhr 30 unter dem Vorsitze des Ministerpräsidenten von Gömbös zu einem Ministerrate. DaS Kabinett beschloß auf Anttag drS Ministerpräsidenten dir Demission der Regierung. Den Beschluß drS MinisterrateS brachte Ministerpräsident GömböS unverzüglich dem Reichsverweser zur Kenntnis, der die Demission annahm und mit der Bildung des neuen Kabinetts den bisherigen Ministerpräsidenten von Gömbös betraute. Der designierte Ministerpräsident nahm sofort die Beratungen zur Bildung der neuen Regierung auf. Die Regierung wurde, wie amtlich gemeldet wird, zur Demission von der Absicht bewogen, der im Verlaufe der jüngsten Monate künstlich angefochten politische« Unruhe und der infolgedessen entstandenen politischen Unsicherheit, dir sich sowohl in den außen- wie auch in den innerpolitischen Interessen drS Landes nachteilig geltend machten, rin Ende zu setzen. Gleichzeitig sollte Gelegenheit geboten werden, daß die zu bildende neue Regierung im Besitze deS Vertrauens deS Staatsoberhauptes die zum Besten deS Landes so notwendige einheitliche und zirlbewußte politische Linienführung besitze, und dies sowohl in den außenpolitischen Verhandlungen wir bei der Lösung der auf die innere Polittk bezüglichen An- gelcgcnheiten. Inneres und Handel neu besetzt Die neue Regierung wird wie folgt zusammengesetzt sein: Ministerpräsident und Honvedminister: GömböS, Aeußerrs: K a n y a, Finanzen: Fabinyi, Ackerbau: D a r a n y i, Justiz: Lazar, Inneres: Nikolaus von Kozma(neu), KultuS- und Unterricht: H o m a n, Handel: Geza Bornemisza(ncn>. Nikolaus von Kozma war bisher Direktor des I Ungarischen TelegraphenkorrespondenzbüroS. Geza von Bornemisza war der Generaldirektor der ElektrizititSgesellschaft„Hungaria". Die Regierung wird DirnStag Vormittag den Eid oblegen und anschließend ihren ersten Ministerrat halten Am Vorabend des Berliner Besuches: England erhöht Heereibudset unter ausdrücklichem Hinweis auf die deutschen Rüstunsen Neutrale Zone perfekt L» ndon. Die italienische Regierung hat der britischen Regierung mitgeteilt, daß zwischen Italien und Abessinien ein Abkommen über dir Schaffung einer neutralen Zone im Gebiet« von Ualual abgeschlossen wurde, um Grenzzusammrnstößrn vorzubeugen. London. Der Sonderberichterstatter des »Daily Expreß" meldet aus Addis Abeba, dast er vom Kaiser von Abessinien empfangen wurde. Der Kaiser habe ihn u. a. erklärt, Abessinien wünsche nur, das Gebiet, das ihm gehöre, zu behalten und das Gebiet zurückzügewinnen, auf das es ver- tragsgemäst und auf Grund früherer Vereinbarungen mit Italien Anspruch habe. Abessinien verhänge die Untersuchung durch eine unvoreingenommene Stelle. Die Entscheidung werde rückhaltlos durchgeführt werden, selbst wenn sie wider Erwarten zugunsten der italienischen Forderungen auS- fiele. Plastlras nach Griechenland unterwegs Cannes. General P lastir a s, der als einer der Inspiratoren der gegenwärtigen Revolution in Griechenland erachtet wurde, ist in der Nacht auf Montag über Italien nach Griechenland ab- gereist.| London. Das am Montag im Parlament eingrbrachte Heeresbndget beziffert sich mit 43.5 Millionen Pfund Sterling. Das bedeutet eine Erhöhung um 3,950.000 Pfund gegenüber dem vorigen Jahre. Der durch das Budget festgesetzte Effrttivpräsenzstand des Heeres bettägt 152.200 Mann, gegenüber 149.500 Mann im Vorjahr«. Gleichzeitig mit dem Hceresbudget wurde ein Weißbuch veröffentlicht, das eine Uebersicht der Regierungspolitik hinsichtlich der Reichsverteidigung und die Begründung für die Erhöhung der Budgetausaben für diese Verteidiung enthält. Die britische Regierung beabsichtige, ohne zu ermüden, die Politik des Friedens mit allen praktischen Mitteln fortzusetzen, sie könne jedoch ihre Augen nicht vor der Tatsache verschließen, daß es notwendig sei, eine der nationale nSi- cherheit angemessene Verteidigung zu schaffen. Das Weißbuch befaßt sich sodann mit der Wiederaufrüstung Deutschlands und fühtt aus: Die brittsche Regierung nimmt mit Freuden die Friedenserklärungen der führenden Persönlichkeiten der deutschen Regierung entgegen, sie kann jedoch nicht außeracht lassen, daß nicht nur die Kräfte, sondern auch der G e i st, in welchem die deutsche Bevölkerung ihre Jugend erzieht, das allgemeine Gefühl der Unsicherheit bestätigen. » Die politischen Kreise messen dieser Regierungserklärung großeBedeutung bei. Man ist der Ansicht, daß die Warnung an Deutschland, welche dieses Dokument enthält, am Vorabend des Besuches des Außenministers Sir John Simon in Berlin gehört werden wird, und daß die deutsche Regierung das von England in Angriff genommene Werk der internationalen Versöhnung nicht als eine Schwächung des englischen Widerstandes gegen ein neues unkontrolliertes Rüsten Deutschlands ansehen! werde.• | Die Masaryk-Feiern Bereits Sonntag feierte eine Reihe von Städten und Gemeinden den 85. Geburtstag des , Präsidenten, so Tabor, Olmütz, Starkenbach, | Aupa, Pribram. Mähr.-Lstra» und Pisek. In , Aussig beschloß die Städtijche Sparlasia. für den > Ferienaufenthalt der Schulkinder 58.000 Kronen zu widmen. Veranstaltungen einzelner Korporationen werden aus einer Unzahl von Orte» gemeldet. 2m Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses sand die Feier„Masaryktag des tschechoslowakk- fchen Auslandes" statt. loelch« den außerhalb der Grenzen der Republik siedelnden Tschechoslowaken galt. ES sprachen u. a. der Kammerpräsident Doktor Stanek, der Vorsitzende d«S Auslandsinstituts Dr. Auerhan, Dr. Pluhak, der Senatsvorfitzeude Dr. Soukup, Frau Dr. Alice Mafaryk, Erzbischof Dr. Kaspar, für die tschechoslowakische Kirche Patriarch Dr. Prochäzka, für die„Bolnä mys- lcnka" Dr. Milde. Die Ehrudimer Sparkasse widmete für soziale und kulturelle Zwecke 410.000 Kronen. Die»Soziale Revue", daS Amtsblatt des Ministeriums für soziale Fürsorge, erschien anläßlich des Geburtstages des Präsidenten als Sondernummer« Von den im Ausland bisher veranstalteten ' Festlundgcbungen gebührt der Feier der Lyoner philosophischen Fakultät eine besondere Bedeutung, i Nach der Einleitung durch den Rektor Liron» ‘ b e 11 e ergriff als Festredner der Professor, der Pariser Sorbonne, Louis Eifenmann, das Wort, der Masaryk als Philosophen und Staatsmann pries. Rach ihm sprach H e r r i o t. Gleichschaltung im tschechischen Fasdstenlager Die Jugendverbände der tschechischen Rationaldemokratie, der Srkibrny-Liga und der Rationalen Front des Prof. Mares hielten Sonntag in Prag eine gemeinsame Tagung ab, die äußerlich alle Formen des Nationalsozialismus auswres. Die Verbände beschlossen ihre Verschmelzung zu einer neuen, einheitlichen Organisation. Zugleich noniinierten sie ztvei Kandidaten für die kommenden Parlamentswahlen. Genosse Schlvßmkel in de« Senat berufe«. Der Innenminister hat an Stelle des verstorbenen Genossen Jo kl dessen Ersatzmann, Genossen Hieronymus Schloß nikel aus Sternberg, in den Senat berufen.— An Stelle des tschechisch nationalsozialistischen Abg. Sla« ! v i c e k, der aus der Partei ausgeschlossen wurde und auf sein Mandat freiwillig resigniert hat, I wurde als Ersatzmann Jaroslav M o t h ö l a, Redakteur in Prag, ins Parlament berufen. Die Erwerbsteuernovelle. Amt sich wird mitgeteilt: In der Tagespresse sind Meldungen, enthaltend die Formulierung des Gesetzentwurfes betreffend die allgemeine und besondere Erwerbsteuer aufgetaucht. Der Inhalt dieser Meldungen entspricht nicht den Tatsachen, u. a. auch deshalb, weil der in denselben angeführte Gesetzentwurf noch nicht ausgearbeitet wurde. BrrtragSzölle mit Polen verlängert. Die Regierung hat den beiden Kammern zur verfassungsmäßigen Genehmigung das RachtragSprotokoll vom 8. Feber 1935 zum tschechoslolvakisch-polnischen Handelsabkommen vom 10. Feber 1934 borgelegt. Die im letzterem vorgesehenen Vertragstarife für Oelsamen, Schwefelsäure, stickstoffartigen Kalk und Superphosphate, soweit es sich um den tschechoslowakischen Zolltarif handelt, und für entfärbt« Kohl«, Schwefelkohlenstoff-, Gelatine- und Zelluloiderzeugniffe, soweit sie den polnischen Zolltarif betreffen, werden mit Ausnahme der Zollerleichterung auf Steckrübe, und. ähnliche Oelsamen, für die Zeit vom 10. Feber 1035 bis 80. Juni 1035 erneuert. Vie„zweite Revolution** rührt. sich wlederl Berlin.(Tsch. P. B.) I» dem Führer- organ der nationalsozialistischen Jugend»Wille und Macht" wird eine Aktion der nationalsozialistischen Jugend gegen den deutschen Großgrundbesitz angekündigt. Es wird angeführt, daß in Deutschland rund 9300 Privatcigentümer einen Grundbesitz von rund 8,150.000 Hektar besitzen, also mehr alS rin Sechstel deS gesamten deutsche« Bodenraumes. Es wird in dem Artikel dann gegen den Adel polemisiert und gesagt, diese Schicht von Bodenbesitzen» könne nicht mehr alS volkserhaltender Faktor gewertet werden. Der Boden der 9300 Großgrundbesitzer müsse srriwrrdrn für rassisch gefunde Bauemsöhne ohne Land. Dir jungen Herren spielen mit dem Feuer. Roch zwei solche Artikel und Hitler wird sich von Göring zu einem weiteren»30. Juni" bestimmen lassen! Kein Hindenburg! London.(Reuter.) Zur Abdankung deS siamesischen Königs, wird noch gemeldet, daß in einem ausführlichen Dokument,, in dem die Abdankung des siamesischen Königs mitgeteilt wird, König Pradschadhipok ausdrücklich erklärt: „Ich begebe mich meiner bisherigen Macht zugunsten deS ganzen siamesischen BolreS. Ich lehne es jedoch absolut ab, mich meiner Machtbefugnisse zugunsten irgend einer besonderen politischen Partei zu begeben, die dann diese Macht in autokratischer Weise ausnützen würde. Ich wünsche, daß niemand in Siam irgend eine Bewegung oder Unruhe zugunsten meiner Pers« Hervorrufe." Sette« dienstag, 5. März 1935 Nr. 54 Gi» Bierzehnjahriger ermordet drei Mensche«... L i n z. In der oberösterreichischen Einschicht Weinzierl bei Leonfelden überfiel der 14jäh- rige Hirte Johann Uebermaffer seinen Arbeitsgeber, den Bauer Josef Preming, dessen Fran Katharina und beider Tochter Marie und ermordete sie alle mit einer Hacke. Sodann raubte er 700 Schilling, zündete das Haus an und flüchtete. Der dreifache Raubmörder wurde kurz dar- anf in Leonfelden verhaftet. Ein Pfarrer und seine Schwester ermordet Henne.(Rheinprovinz.) In Geistingen an der Sieg wurden in ihrer Wohnung der im Ruhestand lebende 58jährige Pfarrer Stanislaus Friederichs und seine 64jährige Schwester, die ihrem Bruder den Haushalt führte, ermordet aufgefunden.— Der Pfarrer. lag mit schweren Schädelverletzungen im oberen Stockwerk, während seine Schwester mit zerschnittener Kehle im unteren Stockwerk gefunden wurde. Wahrscheinlich liegt Raubmord vor. Von den Tätern fehlt jede Spur. Vermutlich ist die Tat bereits Freitag vormittags verübt worden. TagcsncDlgiKitcn Todessprung eines Arbeitslosen aus dem Flugzeug Toronto. Hier spielte sich über dem Flugplätze eine Tragödie ab, welche an die Tragödie der Schwestern Dubois in England und an jene eines Liebespaares in der Schweiz in der letzten Woche erinnert. Ein junger Mann namens Grant sprang aus einer Höhe von 1500 Metern aus einem Flugzeug über dem Flugplatz von Toronto, bei einem Uebungsfluge. Während des Sprunges winkte er lächelnd seinem Lehrer einen Abschiedsgruß. Man hält dafür, daß er den Selbstmord begangen hat, da er arbeitslos wurde. 50.000 Einwanderer nach Thrazien Istanbul. Die türkische Regierung hat beschlossen, nach Thrazien, zur Bevölkerung dieses fast menschenleeren Landes, 50.000 Einwanderer zu befördern. Flüssiges Kupfer Chicago. Zwei hiesigen Forschern ist es nach achtjähriger Arbeit gelungen, eine Methode zur Verflüssigung von Kupfer zu finden. Diese Entdeckung ist deshalb sehr wichtig, weil das flüssige Kupfer für A n st r e i ch- und Malerfarben verwendet werden kann, die allen ungünstigen Einflüssen trotzen. Würde... Wir hatten vor einiger Zeit das Projekt eines Kabarett-Managers, die Mutter des zum Tade verurteilten Mörders Hauptmann gemeinsam mit der Jury, die deck' Verbrecher zum Tode verurteilt hatte, im Kabarett auftreten zu lassen, verdientermaßen„gewürdigt" und die Hoffnung ausgesprochen, daß dieser üble Plast einer Konjunkturhyäne nicht Tatsache wird. Vergebliche Hoffnung! Wie amerikanischen Blättern zu entnehmen ist, gehen die Jury und Hauptmanns Mutter bereits in nächster Zett„auf große Tournee". Es sind Engagements mit zahlreichen großen Kabaretts irr allen Teilen des Landes zuriesigenGa- gensätzen abgeschlossen worden. Die ersten Vorstellungen sind bereits jetzt aus- verkauft. Der Vorsitzende der Jury erklärte in einer Pressebesprechung, daß die Richter„ihre gerichtliche Würde voll wahren, nur wenig plaudern und sich vor allem dem Publi- kum bekannt machen würden—" Von Würde scheint dieser ideale Richter immerhin eine seltsame Vorstellung zu haben! Die Tschechoslowakische Krankenhausgesellschaft. Am 1. März fand im Haus der tschechoslowakischen Aerzte in Prag die diesjährige Hauptversammlung der Gesellschaft der tschechoslowati- schen Krankenhäuser in Prag unter dem Vorsitz des Universitäts-Professors Dr. Iiras e k-Prag statt. Die Haupwersammlung erhielt eine besondere Bedeutung dadurch, daß auch die deutschen Vertreter des Krankenhauswesens erstmalig erschienen waren, in deren Sitzung vorher Dozent Dr. G r u s ch k a-Aussig und Obervertvalter Lederer--Eger über die Vorarbeiten, welche durch die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit eingeleitet wurden, Bericht erstatteten. Mit besonderem Beifall konnte festgestellt werden, daß sich bereits 28 deutsche Anstalten und 55 Einzelpersonen als Mitglieder der Tschechoflowaki- schen Krankenhausgesellschaft angemeldet haben. Bei den Neuwahlen wurden insgesamt neun Deutsche als Mitglieder und Ersatzmänner des Ausschusses gewählt. Der neue Gesandte Mexikos in Prag, der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister Pedro Cerisola, wurde Montag im Schlosse zu Lästy vom Präsidenten der Republik zur Anttittsaudienz empfangen. Die Audienz fand im Arbeitszimmer des Präsidenten statt; es waren anwesend Kanzler Dr. S-a mal und für den Außenminister Gesandter Jan M a s a r y k. Der mexikanische Gesandte wurde vom Chef des diplomatischen Protokolls Gesandten Strimpl eingeführt. Minister Dr. Spina empfängt in dieser Woche keine Besuche. Entgleist ist am Montag um 6 Uhr 09 auf einer vereisten Ueberfahrt im Kilometer 1.6 der Strecke Friedland in Böhmen—Hermsdorf die Lokomotive des Personenzuges 6652. Die Züge Nr. 6661 und 6662 wurden abgesagt. Der Verkehr wurde um 11 Uhr 18 mit dem verspäteten Zug Nr. 6651 wieder ausgenommen. Der Volksfeind Tuberkulose fordert in der Tschechoslowakischen Republik alljährlich rstnd 28.000 Todesopfer, seine Bekämpfung ist eine unerläßliche Forderung. Es haben sich daher freiwillige Organisationen gebildet, die für das Deutschtum des tschechoflowakischen Staates in dem Gesamtverband der Deutschen Hilfsvereine für Lungenkranke zusammengeschloffen sind, dem alle einschlägigen Vereine in Böhmen, Mähren und Schlesien angehören. Aber nicht nur die Tuberkulose fordert viele Opfer, sondern daneben noch eine große Reihe von Volkskrankheiten, für deren Bekämpfung sich gleichfalls ansehnliche Organisationen gebildet haben, wie z. B. die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, der Deutsche Landesverein für Böhmen zur Erforschung und Bekämpfung der Krebs- krankheit und der bösartigen Geschwülste und viele andere, die der Förderung der Volksgesundheft dienen. Alle diese Organisationen sind zusammen, geschloffen in der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit in der Tschechoflowakischen Republik, die auch dieses 'Jahr, wie alljährlich, an die Deutschen dieses Staates mit einer öffentlichen Sammlung heran tritt, die vom Ministerium des Innern für die Zeit vom 1. bis 81. März bewilligt wurde. Es ergeht hiemit an alle deutschen Volksgenoffen, die trotz der Wirtschaftskrise und den Nöten dieser Zeit in der Lage sind, ihr Scherflein zu spenden, die Bitte, die Sammlung nach Möglichkeit zu fördern. 16 Todesopfer einer Kesselexplosion. In einem chemischen Werk in der japanischen Provinz Ja- magutschi hat sich eine Kesselexplosion ereignet, bei der 21 Arbeiter unter den Trümmern verschüttet wurden. Nach den bisherigen Mitteilungen wurden 16 Arbeiter tot geborgen, während die übrigen s ch w e r verletzt ins Krankenhaus gebracht wurden. Großer Betrug. Bei einem der größten Spitzenverbände Oesterreichs, dem Verband der Edelmetalle und der Uhrenbranche in Wien, sind große Unterschlagungen aufgedeckt worden, die von dem im Jahre 1933. verstorbenen Sekretär Gruber durch viele Jahre in raffinierter Weise durchgeführt worden sind. Auch einige andere Beamte sind in die Affäre verwickelt und zwei Mitschuldige bereits verhaftet worden. Die Schadensumme wird auf 160.000 Schilling geschätzt. J Sturm-Opfer auf hoher See. Der kanadische Dampfer„Mont Clare", der im Hafen von Halifax(Neuschottland) eingelaufen ist, hatte bei dem stürmischen Wetter im Atlantischen Otzean mehrere schwere Verluste erlitten. Ein Seemann wurde von einer Welle über Bord gespült und ertrank, ein ariderer wurde gegen eine Wand geschleudert, erlitt einen Schädelbruch und starb. Zwei Seeleute mußten nach ihrer Ankunft im schwerverletzten Zustand ins Krankenhaus gebracht werden; einem von ihnen mußte sofort ein Bein amputiert werden.— Im Hafen Gdynia wurde ein Schleppdampfer beim Verholen von einem Hafenbecken in das andere von einer mächtigen Sturzwelle erfaßt. Der Dampfer ging unter, die fünfköpfige Besatzung ertrank. Al Azhar, die größte mohammedanische Hochschule, ist in tiefer Unruhe. König Fuad von Aegypten hat seinerzeit einen Günstling, Zawa- hiri, als Rektor eingesetzt, und dieser regiert über die 10.000 Studenten und die Hunderte Ulemas in diktatorischer Manier. Immer' neue Verordnungen folgen aufeinander und der regelmäßige Studienbettieb wird durch zahlreiche Strafmaßnahmen unterbrochen. Einmütig fordert die Hochschule die Absetzung Zawahiris und die Wiederberufung des Rettors Mustapha el Ma- raghi. Die ans Ruder gekommene liberale Regierung Nessims ist damit einverstanden, kann aber gegen den Widerstand des Königs nichts ausrichten. Um der Entscheidung auszuweichen, hat ftdj. Fuad krank gemeldet und erllärt, geschäftsunfähig zu sein. So krank aber ist er offenbar nicht, um die Regierung niederzulegen. Erdboden in Irkutsk. Die sowjetruffische Stadt Irkutsk wurde von einem starken Erdbeben heimgesucht. Der erste Stoß war so heftig, daß alle Fensterscheiben in Trümmer gingen Die Arbeiten in den Gruben bei Tscheremchowo mußten unterbrochen werden. Die deutschen 20-Mark-Banknoten mit dem Datum vom 11. Oktober 1924 und dem Frauenbildnis auf der Vorderseite werden aus dem Verkehr gezogen und hören am 31. März 1935 auf, in Deutschland gesetzliches Zahlungsmittel zu sein. GelegenheitS-OrtS- und Tagesstempel am 7. März. Im Rahmen der Feiern des Präsidenten der Republik werden am 7. März bei folgenden Postämtern besondere Stempel für Briefpostsendungen verwendet.(Die Stempel der einzelnen angeführten Postämter sind von einander verschieden.) Postamt Prag 10-Burg, Postamt Oberhaids Postamt Prag 30-Postministerium, Postamt Prag 1, 28-Senat und 29-Abgeordnetenhaus, sämtliche Postämter 1. und 2. Klasse 1. Stufe, sämtliche Postämter des Prager Direktionsbezirkes. Andauern des FrosteS. Das europäische Binnenland nordöstlich der Linie Aachen—• Innsbruck — Uzhorod hatte Maytag den ganzen Tag über Frost. Besonders kalt ist es auf den Bergen Böhmens, wo auch nachmittags Temperaturen von minus 10 bis 16 Grad verzeichnet wurden. Der kalte Wind, welcher aus dem Hochdruckgebiet über Skandinavien stammt, wird nun allmählich trockener. Der Schneefall hat bereits im ganzen Staatsgebiet aufgehört und die Wolkendecke bricht stellenweise auf. In der Nacht auf Montag dürfte sich der Frost noch verstärken, besonders in den böhmischen-Län- dern, wo zum Unterschied von einem großen Teil der Slowakei eine zusammenhängende Schneedecke liegt.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Wechselnd bewölkt, strichweise aufklärend, Fchst, vielfach stärkere nächtliche Abkühlung, Nordost-Wind.—- Wetteraussichten für Mittwoch: Teilweise httter, beträchtliche Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, auf den Bergen allmähliche Frostmiwe- rung. Vom Rundfunk Neportage au« der interurbaner» Telephouzeut rale Die interurbane Telephonzentrale im Verein mit dem Radiojournal veranstaltet am 6. März von 16.30 bis 17.30 eine Reportäge zur Feier des Geburtstages des Präsidenten der Republik. Mit Benützung der interurbanen Telephonleitung werden Kundgebungen der breitesten Oeffentlichkeit und von Postangestellten, und zwar im Gebirgsdialekt aus Reichenberg, in Egerländer Mundart aus Karlsbad, im südböhmischen Bauerndialekt aus B.-Budweis, im Choden-Dialekt aus Pilsen, in ruthenischem Vercho- wina- ostslowakischem. Donau-ungarischem, slowa- kischem Dialekt aus Göding, im hanakischen Dialekt aus Proßnitz, walachisch aus Roznava und schlesisch aus Mährisch-Ostrau gesendet werden. Angeschloffen werden Lieder der einzelnen Gebiete, insbesondere ein slowakisches, die hanakische Hymne„Me sme me", KarlsbaJl) ec Fanfaren und Dudelsackintermezzos. Glückwünsche von Kindern sowie Kundgebungen von Altersgenoffen des Präsidenten, insbesondere des Schulleiters Kepra sowie auch Kundgebungen der Vorstände von 14 Postämtern, die mit einem Glückwunsch geschloffen werden, den Oberdirek- tor S kok an verdolmetschen wird. Masaryk-Feieru im Ausland Der Niederländische Arbeiter-Rundfunk VARA wird zur Feier des 85. Geburtstages des Präsidenten Masaryks am 6. März von 16.50 bis 17.50 Uhr mitteleuropäischer Zeit folgendes Programm auf Welle Hilversum 1875 senden: 1: Smetana: Ouvertüre aus„Libusa". 2. D v o k ä k:„Slawische Tänze", op. 46. Nr- 1. 3. Smetana:„Moldau". 4. Dvoiäk:„Humoreske". 5. Smetana: Arie aus der„Verkauften Braut". 6. Mr. I. H. von Peursem: Vortrag: T. G. Masaryk, sein Leben und Werk. 7. Die Tschechoslowakische Nationalhymne. Der Vorsitzende der nattonalen Föderation der Radiosendung Nicolei wird am 7. März um 20 lkhe über den Präsidenten Masaryk im Marseiller Rundfunk sprechen. Nach ihm wird der tschecho- flowakische Konsul in Marseille Dr. Vaclav V ä v rä eine Ansprache halten. Empfehlenswertes ans de» Programme«: Mittwoch: Prag, Sender L.: 9: Außerordentlicher Schulfunk für die deutschen Schulen zu Ehren des Präsidenten Masaryk, 10.05: Deutsche Nachrichten, 12.35: Konzert des Salonorchesters, 13.45: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.80: Lieder vom Friml, 18.15: Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Neue Literatur über den Präsidenten der Republik, 18.30: Arbeitersendung: Ernst Pank: Lebensbild des tapferen Koloman Wallifch, 18.45: Sozialinfooma« tioncn, 19: Uebertragung aus dem Smetanasaal: Festabend zu Ebren des Präsidenten Masaryk. Sender S: 14.20: Konzert des Salonquartetts. 15: Deutsche Sendung: Kinderstunde. 18:15: Kinder, wir wollen turnen!— Brün» 11: Schallplatten: Dvorak, 17.30: Deutsche Sendung; 21.40: Mährische Volkslieder.— Mährisch-Ostra» 15.55: Orchesterkonzert.. Naturkatastrophen- überall Lawinen, Hochwasser, Sturm Hunderte Obdachlose in Spanien Madrid. Die Schneeschmelze hat in Spanien große Ueberschwemmungen verursacht. Allein in Villafranra betragen die Verluste über drei Millionen Peseten. Zahlreiche Häuser sind eingestürzt. Die Eisenbahnstrecke La Coruna—Madrid ist unterbrochen, da das Waffer die Eisenbahndämme zerstört hat. Der Schnellzug Coruna—Madrid ist auf der Strecke geblieben. Bei Zamora sind drei Hirten von den Waffermassen abgeschnitten und befinden sich in allergrößter Gefahr. Viele hundert Familien sind obdachlos. Aeberschmemmuugeu auch in Italien und Frankreich Rom. In ganz Süd- und Mittelitalien ist wegen der anhaltenden Regengüsse Hochwasser eingetreten. Besonders schwer bettoffen sind die beiden Provinzen Campagne und Latium; der Volturno, der Tiber und ihre Nebenflüsse bilden vielfach große Seen. Die Bahnlinien von Neapel nach Salerno und von Rom nach Tivoli sind unterbrochen. Einige Gemeinden und einzelne Bauernhöfe stehen bis zu zwei Metern unter Waffer. Außerdem ist durch zahlreiche Erdrutsche größerer Schaden angerichtet worden. An der Tibermündung bei Fiumicino ist ein Eisenbetondamm vollkommen zerstört worden. Durch die Trümmer ist die Flußmündung unbefahrbar geworden. Toulouse. Langandauernde Regengüsse haben im Gebiete von Toulouse große Ueberschwemmungen verursacht. Stellenweise ist der Straßenverkehr unterbrochen. Einige abgelegene B a u ernst e d l u n g e n sind von der Umwelt abge- schnitten. Lawinen-Opfer in drei Ländern Padua. Bei einem Lawinenunglück am Matterhorn gab es fünfTote. Im Cer- vino-Tal ging plötzlich eine riesige Lawine nieder. Sie verschüttete fünf Studenttn, die tot sind. Drei ieitere Studenten und zwei Studentinnen konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Den zur Bergung der Verunglückten herbeigerufenen Bergführern, Carabinieri und Soldaten gelang es, eine Leiche freizulegen. * Die neuen Lawinenstürze in den französischen Alpen haben mehrere Opfer gefordert. In Valloire (Savoyen) wurde ein Haus von den niedergehenden Schneemassen begraben. Zwei Personen wurden mit schweren Verletzungen, eine dritte tot geborgen. In Valmeiner, das in der gleichen Gegend liegt, sind von einer Lawine zwei Häuser verschüttet worden.— Bei der Besteigung des Monte Guglielmo in der Nähe des Jseo-Sees bei Bres- c!e(Italien) wurde eine Skigesellschaft von acht Teilnehmern von einer Lawine überrascht. Drei Skifahrer wurden von den Schneemaffen über «inen Kilometer weit bis in den TalgiLnd hinabgerissen und begraben. Einer der Verschütteten konnte als Leiche geborgen werden; nach den anderen wird noch gesucht., s* Linz. Wie aus Ebensee gemeldet wird, veranstalteten heute acht.junge Skifahrer auf einem von der Forstverwaltung nicht freigegebenen Gelände in der Umgebung von Ebensee eine B r a- bourabfahrt. Dabei wurde ein Skibrett losgetreten, das zu einer gewalttgen Lawine anwuchs, die zwei weitere Lawinen zur Folge hatte und zwei junge Skifahrer in die Tiefe riß. Einer von ihnen wurde bald lebend geborgen, der zweite jedoch, der 34jährige Maschinist der Salinenwerke in Ebensee, F. S ch e u b e l, konnte erst nach langem Suchen aus der über 200 Meter langen und 30 Meter breiten Lawine geborgen werden. Die mehrere Stunden läng angestellten Wieder- belebunsssversuche blieben ergebnislos. Scheubel hinterläßt eine Frau und ein fünfjähriges Kind. Wien. Sonntag in. den frühen Morgenstunden wütete in derMariazeller Gegend einorkan- artiger Schnee sturm, der zür Folge hatte, daß der Personenzug Mariazell—Wien nächst Puchenstuben in den Schneemaffen stecken blieb, wobei zwei Waggons entgleisten. Zum Glück war der Zug nur schwach besetzt und die Passagiere kamen ohne Verletzungen davon. Der Hilfsmannschaft ist es nach vierstündiger Arbeit gelungen, den Zug schließlich von den Schneemassen zu befteien. Schneesturm bei Iglau Jglau. Am Samstag und Sonntag herrschte im Gebiet von Jglau ein heftiger Schneesturm, der auf allen Sttatzen meterhohe Verwehungen schuf. Infolgedessen war am Sonntag früh die Automobilverbindung auf allen Strecken, die nach Jglau führen, vollkommen unmöglich. Erst in den Mittagstunden wurden auf den Staatsstraßen durch Schneepflüge die Verbindungen wiederhergestellt. Die Bezirks» straßen sind bis auf unbestimmte Zeit vollkommen verweht. Auf der Staatsstraße nach Prag, Brünn und Znaim ist die Fahrt sehr erschwert und di: Passanten sind dauernd von Schneewehen bedroht. Der Sturm war am Samstag so heftig, daß er gegen 17 Uhr bei Velky Beranov auf der Staatsstraße ein kleines Personenauto umwarf. Doch kamen die Insassen unversehrt davon. * Wirbelsturm. Die Reine Stadt Forney in Texas wurde von einem schweren Wirbelsturm heimgesucht. Sieben große Gebäude, darunter die Bahnstation und zwei Baumwoll-Lagerhäuser, stürzten ein. 100 Wohnhäuser trugen schwere Beschädigungen davon. Der Gesamtschaden beträgt über eine halbe Million Dollar. Ein Landwirt wurde getötet und viele verletzt. Die Verbindungen sind größtenteils unterbrochen. «r. M Dienstag, 5. März 1935 Sette 5 Der Fall Oncken Der Fall Oncken wirst Licht in den deutschen Kerker, in dem die Wissenschaft verkümmert. Der Berliner Historiker Professor Dr. Hermann Oncken ist gemaßregelt worden, weil er noch ein Restchen wissenschaftlicher Freiheit zu bewahren versucht hat. Ein Disziplinarverfahren gegen ihn ist im Gange. Seine Vorlesungen an der Berliner Universität sind eingestellt. Oncken ist kein Revolutionär. Er ist, wie ihn ein Artikel im»Neuen Vorwärts" charakterisiert, ganz und gar ein Gelehrter bürgerlicher Herkunft und Denkweise. Und als Monarchist und Bismarckschwärmer ist er davor gefeit, auf marxistische Abwege zu geraten. Aber trotzdem: er hatte sich bei denen, die ihn jetzt davonjag-n, schon mißliebig und verdächtig gemacht durch s-in Buch über Ferdinand Lassalle, den er so schätzte, wie er ihn in bürgerlicher Denkart verstand. Als die Zeit gekommen war, ging der berüchtigte Heidelberger Dozent ArnoldRuge als erster zum Angriff gegen Oncken über, den er als politischen Salontiroler, feilen Judenknecht, infamen Deserteur der Monarchie, Arschkriecher der Republik beschimpfte— eben in jener Tonart, in der die Leuchten der braunen„Wissen- schaft" gelehrte Disputationen zu führen pflegen. Und ähnlich fein in den Ausdrücken schmähte Rüge den toten Lassalle, den er, um Oncken zu treffen, als geilen Asiaten, als Wechselfälscher und kapitalistischen Schieber bezeichnete. Oncken würdigte diesen Pöbelton keiner Erwiderung. Im Gegenteil, er machte sich weiter mißliebig durch ein Kolleg über die»Geschicht- der Revolutionen im 18. und 19. Jahrhundert", in dem er. auch zur Judenfrage Stellung nahm und, die völkische Rassentheorie entschieden ablehnend, das Hervortreten der Juden im politischen und kulturellen Leben auf der Seite der demokratischen und sozialistischen Parteien ganz richtig aus dem sozialen Druck erklärte, dem die Juden jahrhundertelang unterworfen waren. Oncken war als Forscher von international'.r Geltung und als»echter Arier" nicht ohne weiteres angreifbar. Aber Rache war ihm geschworen^ seit er im Jahre 1925 in einem Kolleg über Boulanger versteckte Anspielungen auf Hitler gewagt haben sollte. Boulanger allerdings bietet hinreichenden Anreiz zu Parallelen mit dem »Führer". Und daß ein französischer Journalist nach dem Hitler-Ludendorff-Prozeß das Wort geprägt hat:«Hitler ist«in Boulanger ohne Generalsuniform mit dem großen Maul", das hat man in den betroffenen Kreisen vielleicht auch, den wahren Urheber dieses Bonmots vergessend, gern auf Oncken» Konto gebucht. j.......■ J Nun hat lÖitFekk'W^BtW^tK^O l i v e r Cromwell geschrieben, jenen problematischen englischen Reitergeneral, der die Revolution der Puritaner gegen den Katholizismus führte und 1649 den englischen König Karl I. hinrichren ließ. Das Buch selbst, das unter dem Titel»Cromwell; vier Essays über die Führung einer Station" im Berliner Verlag Grote erschienen ist, kennen wir nicht. Das Interesse dafür wird aber rege durch den»Fall Oncken", für den eS der unmittelbare Anlaß geworden ist. Und aus einer ausführlichen Besprechung des Buches, die in der Literaturbeilage der»Frankfurter Zeitung" erschienen ist, b e v o r das Buch ein»Fall" geworden war, und die unS jetzt zufällig in die Hände kommt, erfährt man, daß Oncken mancherlei über Cromwell gesagt hat, was sich leicht als verblümte Anspielung auf das braune Regime deuten laßt ■— zumal die Ohren im Drstten Reiche für Andeutungen sehr hellhörig geworden sind und auch den leisesten, verstecktesten oppositionellen Klang sogar aus bibelfesten Kirchenpredigten herauS- hören. Vielleicht ist sogar diese sehr lobende und zustimmende Besprechung in der»Frankfurter Zeitung" für Oncken verhängnisvoll geworden, denn solches Lob ist da drüben heute heikel^ und wer weiß: vielleicht ist es auch dem Verfasser dieser Besprechung heute nicht ganz wohl in seiner Haut, um seinetwillen angesichts des»Falles", zu dem das zwischen den Zeilen zu lesende Buch geworden ist. Zwischen den Zeilen— ja, wer schaut nicht auf heutige Persönlichkeiten, wenn er den Wahlspruch Cromwells liest:«Der kommt am weitesten, der nicht weiß, wohin er geht"? Weit kommt er, aber wohin führt er die Nation? Und wer macht sich nicht seine eigenen Gedanken, wenn es die Besprechung als ein Verdienst OnckenS hervorhebt, daß er«die Charakterstudie erweitert zu Ausblik- ken auf die Problematik, die in staatsmännischer Führung verborgen sein kann"? Ergänzt d-r Leser nicht ohne weitere»: Kann— aber im aktuellen Vergleichsfalle schon nicht mehr verborgen ist? Und gilt es nur für Cromwell,, wenn gesagt wird:„Es ist fast immer die Berufung auf Gott da"" Oder:»In der Verteidigung seiner Staatsführung hat er das Parlament mißhandelt und heimgeschickt und die eigenen Anhänger bekämpft." Wer? Cromwell? Hitler?— Hitler l Die Angreifer Onckens haben jedenfalls das Buch auch zwischen den Zeilen gelesen. Und eS hat sie sicher nicht gefreut, wenn Oncken feststellt, daß ein früher Tod Cromwell verhindert habe, daS zu festigen, was er gegründet hatte. Von»frühem Tod" hören Diktatoren, abergläubisch und von heimlichem Aengsten getrieben, wie sie zu sein pflegen, nicht gerne reden. LBesidrein stellt die Besprechung, immer zum Lobe Onckens, noch ausdrücklich fest:„Es war ihm nicht gelungen, aus der revolutionären Form'die von ihm geweckten und geführten Energien in einer vollendeten neuen Staatsform zu fassen, die in ihrer eigen?* Gesetzlichkeit die Garantien der Zukunft in sich trägt. So blieb seine Wirksamkeit, wie Oncken sagt, eine Episode— eine Episode freilich von überwältigendem Inhalt." Aber in Onckens Buche steht es noch deutlicher:„Ein Jahr nach seinem Tode war alles, was er verkörpert und geschaffen hatte, wieder zerbrochen. Als im Jahre 1661 die Leiche des Königsmörders aus dem Grabe gezerrt und das verweste Haupt auf dem Schindanger aufgepflanzt wurde, erschien dies alles wie ein böser Traum." Ein Jahr nach seinem Tode... aus dem Grabe gezerrt... auf dem Schindanger aukqe- pflanzt— fürwahr: ein„böser Traum"! Und von so bösen Träumen darf im Dritten Reiche nicht gesprochen werden, auch nicht, wenn das Thema nur»Cromwell" heißt. Als die braunen Herren erfuhren, was Oncken geschrieben hat, mag es sich wie ein schwerer Alpdruck auf ihre Brust gelegt haben. Um sich von ihm zu befreien, greifen sie zu ihrer Macht. Sie jagen Oncken weg und schicken ihn in die Wüste, in der sich nach und nach und immer vollzähliger alle versammeln, die das Dritte Reich von sich stößt, weil sie ohne geistige Freiheit nicht leben können. Solche Männer müssen gehen. Aber ihre Worte sind gesprochen. Und Worte haben eine unheimliche, fortwirkende Kraft. Sie keimen in den Gehirnen, sie wachsen und breiten sich aus. Ein Birkensamcn klein und leicht wie ein Hauch, fällt in einen Spalt, wächst und drängt und sprengt die Steinplatten einer Gruft. DaS Leben triumphiert Und nachher erscheint»alles wie ein böser Traum". Manfred. Kreiskonferenz der Jugend „»kecker Falke gibt jede Woche eine Schnitte Brot(20 Heller) für hungernde Kinder 4* Samstag und Sonntag hielt die sozialistische Jugend in Prag ihre vierte Krieskonferenz ab, zu der außer den Delegierten des Kreises Prag die Vertreter aller befreundeten Organisationen erschienen waren. Im Mittelpunkt des Interesses standen die Ausführungen des Jugendgenossen Willi Wan« k a. Er brachte uns zu Bewußtsein, unter wieviel härteren Bedingungen die Arbeiterbewegung sich in der Krise und im Niedergang des Kapitalismus entwickelt, mit wieviel mehr Gewalt und Anstrengung sie den Kapitalisten, deren Profite in deH allgemeinen Krise kleiner werden, Verbesserungen für die Arbeiter«bringen muß. Die Krise, die mit jedem Jahr neue Scharen von Arbeitslosen schaffi, droht das Selbstbewußtsein der Arbeiter zu schwächen. Gerade diese schweren Kampfbedingungen müssen un» veranlassen, mit grösster Bereitschaft und Treue in der Bewegung zu wirken und die Arbeiter tross aller gegenwirkenden Kräfte des Kapitalismus an die Idee des Sozialismus zu binden. Bei der Agitation für die Wahlen, die eine Agitation für die Sozialdemokratie als die Vertreterin der Arbeiterinteressen sein wird, werden die Jugendlichen beweisen, dass sie treu und tatbereit an der Seite ihrer Partei stehe«. In die Debatte griff unter anderen der Vertreter der tschechischen Jugend ein, der betonte, daß die nationalen Streitfragen nur geschickte Schachzüge der Bourgeoisie sind, die die Arbeiter auseinanderbringen will» während die Herren Rosche und H o d a l im Jndustriellenklub einträchtig beisammen sitzen und über ihre Profite beraten. Die tschechische Jugend bemüht sich, den deutschen Arbeiter, aus denen Krise und Willkür der Unternehmer besonders grausam lasten, vollstes Verständnis entgegenzubringen. Die Krise selbst für immer beseitigen können aber nur die vereinigten deutschen und tschechischen Arbeiter. Das Referat des Genossen Wanka, sowie die darauffolgende Debatte, gaben dadurch, daß sie Klarheit schufen über Lage und Aufgaben per sozialistischen Jugendbewegung, den großen Rahmen für die Besprechungen des darauffolgenden Sonntag, die sich mit vergangener und künftiger Arbeit des Prager Kreises befaßten. Die Freie Schule für politische Wissenschaften feiert gemeinsam mit der Bereinigung ihrer Hörer und Absolventen den 85. Geburtstag des Präsidenten der Republik in einer Schulfeierlichkeit, welche am Mittwsch, den I.. umislltzr im Karoli- num. Prag I.. stattfinden wird. Die Festreden Werden der Direktor der Schule Dozent Dr. Joachim und die Mitglieder des Lehrkörpers Dozent Dr. C h a- lupnh, Dr. Hoch, Dr. Wohrhzek un& für die m W AlWWlM M MW MUMM Prüfung durch eine Untersuchungskommisiion Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß die Rüstungsindustrie, deren Tätigkeit von rein kommerziellen Gesichtspunkten geleitet wird und nicht nur für die Verteidigung des eigenen Landes produziert, sondern vielfach auch für den mögliche» — oder wie im Kriege für den tatsächlichen— Gegner, eine Gefahr für den Frieden darstellt. Lmwer ohne eigene Kriegsindustrie werden mit Waffen beliefert und dadurch in den Stand gefitzt, aufzurüsten, was nach den Gesetzen unserer Ordnung wieder zu einer Bedrohung anderer Staaten— ost gerade der, die die Waffen lieferten— führt» die sich dadurch veranlaßt sehen, ihrerseits aufzurüsten. Das Rüstungsfieber mit der Wolle von Korruptionsaffären, Spionage und Gegenspionage, die es im Gefolge hat, ist eine der größten Hem.misse für eine Beruhigung der Weltsituation. Aus allen Kämpfen ist bisher nur dir Rüstungsindustrie mit einem Gewinn wie die Jahresberichte zeigen, einem recht beträchtlichen, hervorgegangen. Darum richtete sich die Forderung vor allem der Arbeiterbewegung der einzelnen Staaten immer auf eine Verstaatlichung der Kriegsmittel erzeugenden Industrie, um die Fndustriegruppe, die durch ihre große finanzielle Macht und die Art ihrer Produktion einen ost verderblichen Einfluß auf nationale und internationale Politik ausübte, wirksam kontrollieren zu können. So enthält auch Artikel 8 Absatz 5 der Völkerbundsatzung die Einladung, mst Rücksicht„auf die schweren Bedenken, die die private Fabrikation von Munition und Kriegsmaterial erweckt, die notwendigen Maßnahmen zu treffen". Wie so viele gutgemeinte Bestimmungen der Völkerbundsatzung ist auch diese nie verwirllicht worden. In England, das nicht nur eine sehr bedeutende Kriegsindustrie, sondern auch eine große pazifisttsche Bewegung hat, war es vor allem die Arbeiterpartei» die seit Jahren die Verstaatlichung der Rüstungsindustrie forderte. Der Einfluß der Schwerindustrie war allerdings bisher zu stark gewesen, um eine so tiefgreifende Maßnahme verwirklichen zu können. Nun hat die Regierung MacDonald, die in den letzten Monaten eine ganze Reihe von Nach wahlen gegen die Labour Party verloren hat, weil ihre Außenpolitik ebenso unentschieden wie schwach war, im Unterhaus die Bildung einer Untersuchungskommission über den Waffenhandel angekündigt. Die Kommission besteht aus sieben Mitgliedern, darunter einem Vertreter der Konsumgenossenschaften; Vorsitzender ist ein Richter. Eine der Fragen, die die Kommission zu beantworten hat, ist die, ob die Privaterzeugung von Waffen durch ein Staatsmonopol ersetzt weiden soll. Zu diesem Zwecke wird die Kommission Zeugen verhören, schriftliche Informationen verlangen und Dokumente einsehen dürfen. Die Arbeit soll sofort beginnen und die Ergebnisse publiziert werden. Dec Regierung MacDonaldisteS nicht um die Verstaatlichung der Rüstungsindustrie, sondern eher um einen Wahlschlager zu tun, denn es ist kaum anzunehmen, daß man noch vor den Wahlen, die im Herbst dieses Jahres stattfinden sollen, eine Entscheidung tresten kann. Es ist auch kaum zu erwarten, daß die Regierung MacDonald, die von Industrie und Finanz abhängig ist, einen so wichtigen Industriezweig nationalisiert. Trotzdem hat die Einsetzung dieser Kommission große Bedeutung. Wenn die Labour Party in England die Macht übernimmt, und daS wird nach der Lage der Dinge früher oder später so sein, wird sie nicht nur das Material der Kommission vorfinden, daS ja ohne Zweifel die stärksten Argumente für eine Verstaatlichung der Rüstungsindustrie enthalten wird, sie kann auch über den Widerstand der Kreise, deren Einkommen aus den Vorbereitungen für das nächste Bluwad herrührt, um so leichter hinweggehen, als schon eine bürgerliche Regierung die Frage aufgerollt hat. bei den kommenden Wahlen wird der Wähler sehr gut zwischen einer Geste und der Bereitschaft zur Tat zu unterscheiden wissen. Eine Regelung in England wird auch die internatio na len Auswirkungen der Rationalisiennrg der Rüstungsindustrie zur Sprache bringen müssen. Wenn in Zukunft nicht mehr private Unternehmer, sondern die Regierung für die Tätigkeit der Rüstungsindustrie verantwortlich ist, ist ein großer Schritt zur Sicherung des Weltfriedens getan. —Y- Das vergangene Arbeitsjahr hat bewiesen, daß die Prager Jugend nicht diskutierend beiseite gestanden ist, sondern durch Beranstal» tmig eines grosses Sommerlagers, durch selbständige Ausgestaltung von Feiern und durch lebhafte Gruppenarbeit mitten in die Gestaltung der sozialistischen Jugendbewegung gestellt hat. Betont wurde immer wieder das gute und kameradschaftliche Verhältnis zu den befreundeten Organisationen, vor allem zur tschechischen sozialdemokratischen Jugend. Daß dies keine leeren Beteuerungen sind, sondern daß die Freundschaft auf einer enger Zusammenarbeit begründet ist, bewiesen die Berichte der Gruppenvertreter über die gemeinsame erfolgreiche Arbeit der beiden Jugendorganisationen. Zur Bekräftigung der freundschaftlichen Zusammenarbeit wurde folgende Resolution mit Beifall ausgenommen: In einer Situation, in der die nationalen Leidenschaften der Völleraufgepeitscht und durch gewissenlose Hetzer geschürt, benutzt werden zur Verhüllung der wirklichen sozialen Gegensätze der Klaffen ist es doppelt notwendig, die enge Verbundenheit mit unseren tschechischen Genoffen zu bekunden. Die Krei-konferenz der Soz. Jugend von Prag erneuert dieses Bekenntnis. Sie hat in enger Zusammenarbeit mit den Genossen der Prager tschechischen sozialdemokratischen Jugend ein gutes Kameradschafisverhältnis angestrebt und erreicht. Als weiteren Schritt auf diesem Wege fordert sitz die M- S. D. auf, einen Bertteter in ihre Kreis- lcitung zu entsenden und schickt ihrerseits einen Bertteter in die Gauleitung der M. S. D. Prag, Nach den Neuwahlen in die Prager Kreisleitung schloß unser neugewählter Vertrauens« mann die Arbeitskonferenz mit einem Blick in das neue Arbeitsfeld. Er zeigte uns den Weg, wie die sozialistische Jugend daS werden wird, was sie sein muß, die Führerin der arbeitenden fortschrittlichen Jugend. Trotz aller Hindernisse, die auf diesem Wege liegen, ist die sozialistische Jugend optimistisch. Nicht weil sie die Augen schließt vor allen Schwierigkeiten» sondern im Gegenteil, weil sie trotz aller Hindernisse und eben weil sie diese ohne Illusionen zu sehen sich bemüht, ihr Ziel verfechten wird. Bereinigung der Hörer, deren Vorsitzender O. Gräf halten.*r GeschiftSruhe in den Sparkasse« Groß-Prags am 7. März. Die Böhmische Sparkasfi. die Prag«. städtisch« Sparkasse und die Weinberger Sparkasse halten ihre Amtsräume am Donnerstag, dem 7. Dtärz" sowohl in der Hauptanjtalt als auch in allen Exposituren geschloffen. Prisibenten-GeturtSta«. Der Altstädter Ring bleibt Mittwoch, den 6. März von 7 bis halb 8 Uhr abends für jeden Verkehr gesperrt, da anläßlich' des 85. Geburtstages der Präsidenten Masaryk vom Turm des Altstädter Rathauses die Festfanfaren ertönen sollen. DaS Publikum wird ersucht, die Fei«-. lichkeiten an diesem Vorabend und am Festabend selbst• nicht durch unnötige oder aufschiebbare Arbeiten auf nicht durch unnötige" oder auflchiebbare Arbeiten auf öffentlichen Plätzen zu stören. Die Gesellschaft fttr die Unterstützung arbeitsloser Intelligenz ist in ihre definitiven Räumlichkeit ten, Prag 11., Bodiökovä 36, übersiedelt. ES wurden folgende Abteilungen errichtet: Sozialberatung, Arbeitsvermittlung, Jugendfürsorge für die arbeitslose. Intelligenz, öffentliche Zusammenarbeit, landwirtschaftliche Kolonisierung und Berattmg für geistig« Arbeiter. Amtsftunden täglich von 9 bis 14 Uhr. Tel, 392.00. Morphium. Sonntag vormittags wurde in seiner Wohnung in Prag Vlll, Ra Lydrovce, d« 87jährige Hilfsarbeiter Bohumil Sisel bewußtlos in seinem Bett gefunden. Reben ihm auf der Ottomane lag eine Schachtel mit acht Ieeien Morphiumsmpullen und zwei Injektionsspritzen. Sisel wurde durch die Rettungsstation ins Krankenhaus auf d« Bulovka überführt, wo eine schw«e Morphiumvergiftung festgestellt wurde. Wie aus hinterlassenen Briefen hervorgeht, handelt eS sich um einen Selbstmordversuch. Den Grund hat Sisel nicht angegeben. Leuchtgas. Sonntag nachmittags wurde die Polizei in Smichov aufmerksam gemacht, bah die Witwe Mari« Dyskovä im Hause Rr. 12 der Zijkagaffe seit Tagen ihre Wohnung nicht verlassen habe. Man ließ die Tür öffnen und fand Frau ByAovä tot am Boden der Küche liegen; die ganze Wohnung war mit Leuchtgas angefüllt, das aus d« offenen Leftung drang. Die Leiche wurde den Angehörigen zur Beerdigung überlassen. da die ärztliche Unt«suchung den Selbstmord einwandfrei festgestellt hatte. Das Motw der Tat ist unbekannt. AusflugSzüge. In Prag veranstaltet die Staatsbahn vom 9. bis 18. März SkiauSflugSzüge in die Hohe Tatra und nach Telgart für 635 Kc; ferner vom 16. bis 24. März besondere AuSflugszüge inS Riefengebirge zur Sokol» baude für 425 K6 und nach Freiheit- J o h a n- nisbad für 375 KC. In den achttägigen Aufenthalt ist außerdem das Fahrgeld, Autobus, Seilbahn. ein Skikurs und gute Verpflegung eingerechnet.' Anmeldungen mit einer Anzahlung ühernimmt das Referat für Ausflugszüge im Basar neben dem Wilsonbahnhoi von 8 bis 17 Uhr. Telephon 888-85, Seite S „Sozialdemokrat" Dienstag, 8. März 1935. Rr. 51 Sine phantastische Sache Aus der Partei Joan Grawford in„Menschen im Hotel" hatten in Teplitz beide Punkte gelassen. TFK gewann nach einer Gorlosen Halbzeit mit 3:0. Der Schiedsrichter mußte nach Schluß unter Polizei» schütz gestellt werden! Sozialistische Juqend, Kreis Prag- Mittwoch, den 6. März. 8 Uhr abends Gruppenabende: S. I. Zentrum: Arbeiterelend im Dritten Reich.— S. I. Hollrschowitz: Friedrich Engels.— S. I. Weinberge beteiligt sich an der Atusversammlung. Kein Wintersport ohne Diana Boll« milch-Malz. Er kräftigt und schützt bot Erkältung. 1 natürlich prompt erhielt. Nicht. genug daran: nach einiger Zeit rückte sie damit heraus, daß der arme„lieberfallene" seither kränklich sei und nur durch eine Kur an der R i- vier« wiederhergestellt werden könne. Und die Frau Professor, der an dieser Wiederherstellung des persönlich immer noch unbekannten Freundes offenbar sehr viel gelegen war, übergab ihrer Vertrauten bedenkenlos ein Sparbuch über 21.800 Kd, das natürlich restlos abgehoben und unter die vier Komplizen aufgeteilt wurde. Der Fleischer M a l h sicherte sich durch Rückgabe seines Anteiles von 7000 KL die bedingte Verurteilung, bei den übrigen Angeklagten wurden, ohne deren Zutun weitere 10.000 KL zustandegcbracht, der Rest blieb verloren. Es bedurfte übrigens erst des Diebstahles dreier Armbänder durch die„Vertraute" und der Entdeckung, daß alle vier Kumpane in der Küche der Frau Professor zu schlafen und zu lieben pflegten, ehe dieser die Augen aufgingen. Der Strafsenat P e r n t verurteilte Anna Santa zu sieben Monaten und ihre Helfershelfer zu je sechs Monaten schweren und verschärften Kerkers. Die Strafen sind u n b e d i n g t, bis auf Malls, dem, wie erwähnt, seine freiwillige Scha- densgutmachung zustatten kam. Mit ihnen war noch ein gewisser, aus Jugoflawien stammender ehemaliger Beamter Franz K e b ä t angeklagt, der jetzt Berufsbetrüger ist und als Zellengenosse des Angeklagten S k l e n a r von dieser Sache erfahren hatte. Er versuchte nach seiner Freilassung der betrogenen alten Frau gegen Entlohnung seine Dienste anzubieten, um ihr angeblich zu ihrem Geld zu verhelfen, wurde aber bei dieser offenkundig betrügerischen Aktion verhaftet. Dieser Kebät wurde zu fünf Monaten schweren Kerkers verurteilt und gleichzeitig seine Ausweisung ausgesprochen. trantyeitcn. Pro pekte S und Auskünfte durch die Brr- walnmg. Telefon 32. 2888 Prag. Eine 64jährige Professorswitwe, die eine Parkwohnüng innehat, versiel einem sonderbaren Wahn. Die alte und vermögende Dame bildete sich nämlich ein, daß ein junger, fescher Mann, der zuweilen ahnungslos in den Anlagen promenierte, in sie verliebt sei und daß ihn nur jugendliche Schüchternheit daran hindere, ihr seine glühenden Gefühle zu offenbaren. Sie vertraute das süße Geheimnis ihrer Hausgehilfin Anna S a ft I a an und diese beschloß, im Einverständnis mit ihrer Schwester Franziska die alte, verblendete Frau an dieser schwachen Seite zu packen und ordentlich zu rupfen. Die Schwestern zogen noch ihre Freunde, den. Handlungsgehilfen Wenzel S k l e n ä rund den Fleischer Johann Mall) ins Komplott und nun ging es los. Anna Saftka erzählte ihrer Dienstgebemn, der vermeintliche schüchterne Liebhaber sei Bankbeamter und riet ihr gleichzeitig, seine Schüchternheit durch Zusendung von Leckerbissen zu überwinden., Die alte Dame ließ sich sagen und gab ihrer Vertrauten, die die Liebesbotin spielen sollte, reichlich Geld, um Wein, Geflügel, Kaviarundandere Leckerbissen anzuschaffen und dem jungen Mann züzuftecken. Das Kleeblatt der Verschworenen lebte herrlich und in Freuden und in kurzer Zeit betrugen die Kosten dieser Liebesgaben bereits mehr als 3000 Kd, ohne daß die Frau Professor Argwohn geschöpft hätte. Sie erhielt auch die artigsten und liebevoststen Dankbriefe von dem gar nicht existierenden Liebhaber, die von der Kumpanei gemeinsam verfaßt wurden. Dann aber ging eS in größerem Stil weiter. Die»Mebesbotin" Anna erzählte ihrer Dienstgeberin und Vertrauten eines Tages mit Entsetzen, daß der„Bankbeamte" überfallen und beraubt worden sei und erbat in seinem Namen ein Darlehen von 800 Kd, die sie Der langjährige Geschäfsführer deS DFB. Adolf Wend fit am Samstag in Koyrotau gestorben. Wend war der eigentliche Gründer und Aufbauer des DFV(1911) und für dessen Politik der ausschlaggende Faktor. Bei der letzten Tagung verzichtete er auf seine Stelle als Geschäftsführer, gehörte aber dem Vorstand als stellvertretender Vorsitzender an. Saisonbeginn in den Divisionen. In der mit« telböhmischen Division wurden drei Matchs abgesagt. In Prag schlug Meteor VIII mit 8:1 (2:1) den Nuselsky SK.; SK. Lifsa gewann daheim gegen Sparta Kladno 3:1(1:0) und Cechoslovan Kosir verlor in Raudnitz gegen den SK. 1:4(0:1). .— Böhmen-Land: SK. Petkin Pilsen gegen SK. Rakonitz 2:2(0:1), Jungbunzlauer SK. gegen. SK. Horowitz 0:1(0:0), SK. Pardubitz gegen CSK. B.-Budweis 2:2(0:1), SK. Kopisty gegen SK. Nachod 3:2(2:1)1. Olympia Pilsen gegen SK. Rokitzan 0:0. Der Saazer DSD. wurde am Samstag in Proßnitz vom Firmenieam Rolny(drittklassig!), mit 2:4(1:2) geschlagen, gewann aber am Sonn« tag in Brünn gegen Mor. Slavia 3:1(0:0). Sonstige Fuhballergebniffe. Karlsbad: KFK. gegen Turner SK. 8:2(4:1).— Komotau: DFK. gegen DFK. Nestomitz 14:1(10:1).—» Brüx: DSK. gegen Hvezda Turn 3:2(2:0).— Bodenbach: SpVg. gegen Sportbrüder Schrek» kenstein 4:1(3:1).— Gablonz: BSK. gegen SK. Röchlitz 11:1(8:0).— Brün n: DSV. gegen SK. Hussowitz 3:3(2:2).— Budapest: Ferenc» varos gegen Szeged 6:1, Ujpest gegen Phöbus 2:0, Hungaria gegen Bocskai 2:0.— In Wien fanden keine Spiele infolge schlechter Witterung statt.—- Düsseldorf: Ostholland gegen Westdeutschland 1:1(1:0). Eishockey. Winnipeg Monarchs, die ihre erste Niederlage in London von den Webley Lions mit 0:2 erhielten, schlugen nun die Wembley CanadianS mit 7:1!—> Im Europacup gewannen in Paris Francais Volants gegen Richmond Hawks London mit 6:1.— Schweizer Meister wurde HC. Davos, der mit 6:1 gegen SC. Zürich gewann. .Reue Frauen'Schwimmrekorde. Drei neue tschechoslowakische Rekorde wurden Samstag und Sonntag in Preßburg aufgestellt. Die Schwim» merin Freund(SPK) erzielte im Freistilschwimmen über 200 Meter in 2:81.6, 300 Meter in 4:36 und 400 Meter in 6:18 Min. neue Bestleistungen. Sascha Leontjew und sein BewegungS-Ehor gastierten Sonntag in einer Sonderveranftaltung in der Kleinen Bühne. Während der Bewegungs-Chor durchaus überzeugende künstlerische Leistungen auf- wies, hinterließen die Solotänze Leontjews einen zwiespältigen Eindruck. Manches davon, so die Grotesken(vor allem ,,D er Scheinheilige") wird man gern bejahen, auch wenn man dem künstlerischen Phänomen des tanzenden Mannes mit Reserve begegnet. Auch„A m n e st i e" erwies sich als ein Thema, das von männlicher Ausdruckskunst gelöst werden kann. Die Negerlieder dagegen wirkten eher peinlich, nicht nur durch das starke Grimassieren Leontjews, sondern auch durch die Problematik der männlichen Figur im Solotanz überhaupt.— Der Bewegungs-Chor brachte einige packende Tanzdichtungen. Je einfacher das Motiv, desto stärker war die Wirkung. Der Ausdruck reiner Gefühle(„A n g st") in der Bewegung ist künstlerisch besser gelungen als die Wiedergabe komplizierter Vorgänge, die erst der Erläuterung durch das Wort bedürfen. Sehr hübsch war die„S chnee- ballschlacht", mitreißend im Schluß-Chor, der an das Finale von Machatys Ekstase-Film erinnert..Straße ohne Arbeit". Besonders nachzurühmen ist dem Chor Leontjews, daß er wirkliche Kollektivleistungen er-! strebt, daß jedes Mitglied der Truppe nur als Teil des Ganzen wirkt, keines Star-Allüren zeigt ob« „aus der Reihe tanzt", so daß der Chorleiter auf einem einzigen, wenn auch vielstimmigem Instrument spielt. fr. Arbeitcrvorstellung„Die Zeiten sind schwer!", ein Schauspiel von Bourdet, das mit größtem Erfolg erstaufgeführt wurde und ein Theatererlebnis bedeutet, am Sonntag, dem 17. März, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karten ab Dienstag täglich ,vyn 8 bis 2 und von 4 bis 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. Bei den Arbeitervorstellungen ist eine N e u- einführung getroffen worden, die vielen Besuchern sicher sehr erwünscht sein wird. Kinder, die im Hause nicht anwesend sein dürfen»bet können, werden im Ballettsaal unter Aufsicht einer Kindergärtnerin bis zum Schluß det Vorstellung betreut werden. Wochenspielplan deS Reuen Deutschen Theaters. Heute Dienstag halb 8 Uhr: Rigol.etto, A2.— Mittwoch halb 8 Uhr: Jüdin, BI. — Donnerstag halb 8: I e n u f a, Festvorstellung C 1.— Freitag halb 8: Der Troubadour, Gastspiel Francesko Pattaalia, Verdizhklus, D 2.— Samstag halb 8: Eine Frau lügt, C 1.— Wochenspielplan d« Kleinen Bühne. Heute Dienstag 8 Uhr abends: Teufelsmäd eck, Mittwoch 8: Teufelsmädel.— Donnerstag 8: Teufelsmädel.,— Freitag^Teufelsmädel, Kulturverbandsfreunde und freier Ber- kauf.— Samstag halb 8: Mädchen für Alles, Erstaufführung.' Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarben.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft« und Tele» graphendirektton mit Erlaß Nr. 13.800/V1I/1930 bewilligt.— Druckerei:.'Orbis". Druck«. Vulaas- und Zeitungs-A.-G., Prag. ein der mit seinen dressierten Tieren, seiner geistlosen Äkro«^ battk und seiner stumpffinnigen Liebesaffäre um kein Haar besser ist als die vorangegangenen 99 Kriminal- und Abenteuer-Filme des alten Schund«' fabcikanten. der im Lauf« der Jahre in seinem Genre sozusagen zum Klassiker und konseguenterweise zum .Filmfachschaftsführer" im Dritten Reich geworden ist. Jede einzelne Szene seiner Filme genügt, um den.Geist" zu demonstrieren, auf den sich die .Kunst" des Hitler-Regimes mit Recht beruft. Aber den Leuten, die hier bei uns zu Ehren dieses Gei» stes ein.Jubiläum" veranstalten, wünscht man, daß sie gezwungen würden; sämtliche hundert Fabrikate Harry Piels an einem Tage zu sehen, damit ihnen die Lust zum Feiern vergeht.—eis—> 3istaau i. V. Leitender Arzt Dr. A. Gaube. Phtss-d>ätet. Heilanstalt für alle imieren und Gloffwechsel- krankhriten, rheumatisch« Erkrankunaen, Iechia«, Nerven- Mittwoch, den 6. d., um 20 Uhr findet im Winter» garten des Hotel.M o n o» pol" eine Mitgliederversammlung statt. Es spricht Genosse Richard Schön selber über.Die nächstes Aufgaben deS AtuSinPrag". Wir fordern alle Genossen und Genossinnen auf, diese erste Mitgliederversammlung im heurigen Jahr unbedingt zu besuchen. Äorl»Spiel»Körperpflege Unschöner Kampf auf dem DFC-Platz Häßliche Szenen und Polizei S. K. Proßnitz gewinnt 1:0(0:0). Das am Sonntagvormittag auf dem DFC- Platze ausgetragene Meisterschaftsspiel zwischen SK. Proßnitz und D F C war nicht nur ein Kamps Um die Punkte, sondern es entwickelte sich aus diesem immer mehr eine„Schlacht", wie man sie sich nicht häßlicher vorstellen kann. Zu alldem noch ein Publikum, das die Schande dieses„Spiels" vollendete. Gewiß, das Wetter und das aufgeweichte Ter rain stellten an die 22 Akteure große Anforderun gen; daß aber di« primitivste Form des Fair play hintangesetzt wurde, um zu Erfolgen zu gelangen, war wohl das traurigste, und auch schon deshalb, weil der Schiedsrichter(Kratochvil, M.-Ostrau) diesem Treiben mit kalter Ruhe zusah, daß es sogar dem anwesenden Polizeikommissär zu bunt wurilel Wer das Spiel des DFC gegen Zidenice gesehen hatte, war erstaunt, wie diese Elf nach einer Woche so jämmerlich versagen konnte, noch dazu aus eigenem Platz mit den ihm sonst zusagenden Bodenverhältnissen. Der Angriff kämpfte niemals, war fast nie da. Di« Halfreihe ohne Ulanov versagte vollkommen und in der Verteidigung wurde reichlich mit.unsauberen Mitteln gearbeitet. Di« Proßnitzer waren so ziemlich das ganze.Spiel" überlegen und besitzen«in ziemlich ausgeglichenes und hartes Team. Die Ex-Saazer Strobl(als Mittelläufer ausgezeichnet) und Hanke(der aber Dreßler kampfunfähig machte) sind dieser Elf eine große Verstärkung. Nur ein Spieler fiel bei Proßnitz aus dem Rahmen: der linke Half, der zweiter nichts kann als Fouls. Das Spiel selbst war gleich von Anfang an sehr scharf und je weiter dje Zeit fortschritt, desto häßlicher wurde es. Das Aergfte bot jedoch di« zweite Hälfte nach dem Tor der Gäste. Mittlöhner ohne Ball verletzte Melka, der weggetragen wird; Drozd ohne Ball springt Mittlöhner an; Hanke verletzt Dreßler, der abttitt usw. Mährer, Smolensky und der erwähnte Proßnjtzer Läufer sind die Autoren weiterer Fouls. Der Schiedsricher sieht das alles, aber niemand wird ausgeschlossen. Der Poli- zeikommiffär erscheint auf dem Feld und dann— dann ist endlich Schluß eines Spieles, das mit Fußball wenig, sehr wenig zu tun hatte. Die übrigen Liga-Spiele » In Prag wurde nachmittags auf dem Spartaplatze«ine Doppelveranstaltung durchgeführt. Viktoria Pilsen erzielte gegen Cechie Karlin nur einen 1:0-Sieg und Sparta schlug überraschend hoch, doch verdient, Zidenice mit 6:1 (2:1). Die Brünner konnten nur eine Halbzeit standhalten und war bei ihnen di« Verteidigung ohne Neder der größte Versager. Slavia mußt« in Pilsen einen Punkt lassen, denn der SK. Pilsen konnte das Spiel mit 2:2 (2:1) beenden. 1 In Kolin verlor doch SK. Kladno gegen< AFK., und zwar 0:1(0:0)1 Die Bohemi ans i Verelnsnadirlditen Stadler, den Damen Bertram und Gerland, bis zu Demel, Tretsch, Hey und Sttegler) ausgezeichnetes Theater. And dennoch kein Erfolg. Also müssen wir auf unser jüngstes Rezept zurückgreifen: man besuche in dieser Woche eine der Aufführungen von Standardwerken der älteren Opernliteratur oder Janakeks Meisteroper„Jenufa"; oder man gehe in Dreiteufelsnamen zum.Teufelsmädel". L. G. Gerielitssaal Ein Richter auf Abwegen Als rückfälliger Betrüger vor Gericht. Prag. Die Karriere des 33jährigen gewesenen Bezirksrichters Jaroslav T o b i ä s e k, der zuletzt in Brandeis a. d. Elbe tätig war, führte vom Rich- terttsch direkt auf die Anklagebank, und zwar vollzog sich der Absturz dieses Richters auf schlechthin unbegreifliche Art. Er sollte(wie es heißt, auf Grund eines Disziplinarverfahrens) seinen bisherigen Wirkungsort verlassen und einen Bezirksrichterposten in M e l n i k antteten. Er erklärte jedoch, er werde diesen Posten unter keinen Umständen antreten und machte diese Verheißung auch"wahr, und zwar unter ganz unfaßbaren Begleitumständen- Er fuhr nämlich statt nach Melnik nach Prag, wo er eine ganze Reihe von Advokatenkanzleien besuchte und unter Borlage seines Ernennungsdekrets von den Rechtsanwälten Darlehen verlangte, mit der Begründung, daß er seine Mutter habe besuchen wollen, diese aber nicht angetroffen habe und dringend Geld brauche. Er bekam denn auch anstandslos Beträge zwischen 100 und 800 Kd. Zusammen ergaben diese Darlehen eine sehr ansehnliche Summe. Die Advokaten warteten freilich vergeblich auf Rückzahlung der geliehenen Beträge und schließlich kam es zu Strafanzeigen, wobei sich herausstellte, daß der Bezirksrichter auch noch andere Personen, u. a. den Kellner eines Nachtlokals, um größere Beträge geprellt hatte, als er wegen dieser Dinge seinerzeit vor Gericht kam. wurde er mit vier Monaten Kerker bestraft. wobei ihm das Gericht Bewährungsftist ge- währte. Das Urteil war verhältnismäßig milde ausgefallen, weil die alte Mutter des Angeklagten ihr ganzes kleines Vermögen geopfert hatte, um die Geschädigten schadlos zu halten. Aber die Existenz des jungen Richters war natürlich vernichtet. Er wurde im Disziplinarwege entlassen und seine Mutter starb aus Kummer über den mißratenen Sohn. -» Doch dsts ist nur die Vorgeschichte der Montag bor dem Straffenat Pernt begonnenen Verhandlung, bei welcher abermals der Bezirksrichter a. D. Tobiä- 4ek auf der Anklagebank saß. Es scheint, daß er ganz in die Kriminalität abgeglitten ist. Die neuerliche Anklage beschuldigt ihn einer weiteren Reihe schwerer Betrügereien. Diesmal handelt es sich haupffächlich um Betrügereien an Firmen, bei denen der Angellagte allerlei Waren auf Raten «inkaufte— wieder unter Berufung auf sein Richteramt— und sie nach Anzahlung einer geringfügigen Summe sofort weiterverkauste, obwohl sich die Firmen. wie üblich, das Eigentum bis zur vollen Bezahlung des Kaufpreises vorbehallen hatten- Die weiteren Raten blieb« natürlich schuldig. Es handelt sich um n e u n derartige Fälle und der Gesamtschaden beläuft sich auf 7000 Kd. Der Angeklagte verteidigte sich damit, er habe gehofft, daß« rehabilitiert werden und seinen Gehalt nachgezahlt erhalten werde. Auch habe« geglaubt, er werde nach dem Tode seiner Mufter eine große Erbschaft machen, obwohl er wissen mußte, daß die Verstorbene zur Gutmachur^ seiner ersten Fehltritte chr ganzes Vermögen geopfert batte. Die Verhandlung wurde ewecks Prüfung des Geisteszustandes des Angeklagten vertagt, rb. Artisten In den Kinos„Koruna" und„Praha" wird „Jubiläum" besonderer Art gefeiert: es läuft hundertste Film HarryPiels, der Kunst und wissen Eine Frau lügt Nach Herrn A n d a i Herr Fodor. Ein biß- chen viel magyarisch auf einmal— wenn man nämlich berücksichtigt, daß auch die Schauspiel-Aufführung im großen Haus— von der Darstellung und Regie abgesehen— keineswegs erquicklich war. Wir find durchaus nicht gegen Kriminalstücke im allgemeinen, denn das Theater muß Abwechflung bieten. Aber dieser neueste Fodor macht das Theater zur unmoralischen Anstalt. Gerade in unserer Zett ist«leichte Konversation" über eine Mordtat schwer erträglich. Eine Frau bringt ihren ersten Gatten um, weil der, ein entlassener Offizier, Spieler geworden und vor Erpressungen nicht zurückscheuend, die zweite Ehe der Erzellenzgattin stört. Der zweite Gatte,«in Minister!, zeigt nicht die geringste Abscheu gegen die Tat seiner Frau, ja im Gegenteil, «r nimmt den Mord auf sich, weil er schließlich aus Liede zu ihm geschah. Unb die Geschichte wird so gemanaget, daß man mit dem„ttöstlichen" Gefühl aus dem Theater scheiden möge, die ungarische ».Gentleman"-Polizei und«Justiz werden schon dafür sorgen, daß den hohen Herrschaften nicht viel geschieht. Also etwa die Moral: einen Menschen töten, um einer guten Sache wellen, ist gar nichts so Arges; wenn ein schlechter Kerl eine Ehe,«in« Liebesgemeinschaft gefährdet, dann kann man ihn zwar nicht ohne strafrechtliches Risiko, womöglich aber mit der Hoffnung auf den Beifall der Gesellschaft umbringen; versteht sich: der„guten" Gesellschaft; beim außerhalb dieser guten Gesellschaft hat natüru h Mord Mord zu bleiben... Dazu kommt, baß man dem Ablauf des„Falls" höchstens mit jenem wurschtigen Interesse zu folgen vermag, das man für die B^rzweiflungslektüre eines durchschnittlichen Detektivromans aufzubringen pflegt(man ist auf jeder Seite bereit, mit dem Lesen aufzuhören, ahne sich jemals wieder für das Schicksal der Personen zu interessieren). Mit einem Wort: wieder «ine Fehlwahl des dramatischen Büros. Daß Herr M a r l i ein ausgezeichneter Regisseur ist, wäre ebenso auf andere Weise neuerdings nachzuweisen gewesen, wie di« schauspielerische Sicherheit, hie Vornehmheit und die llebergangskünste der Frau Meller. Man bedauert, daß solche Qualitäten also vertan werden, wünscht« den eleganten, beherrschten Herrn Siedler und. seinen Pracht- und ausdrucksvollen Sprechbariton zu anderen Zwecken verwendet, ebenso die Unaufdringlichkeit von Jordans Charafterisierungsvermögen, die Noblesse des Herrn Richter, die stark, wirkende Verhaltenheit der Warnholtz, die mit Szenenapplaus bedachte Chargierungskunst Völkers, das überzeugende Talent Fräulein Schnecks. Bis in die kleinste Episode(von Tauchen, Schmerzenreich,