Mittwoch, 6. März 1935 15. Jahrgang ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ElaztMs 70 IlBfftr (einschließlich 5 Heller Porto} ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg x».. fochova«r. telefon sm. Administration telefon 5XS76. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Deutschland brüskiert England Simons Berliner Besuch verschoben— Wesen angeblicher Erkrankung Hitlers— Der wahre Grund: ein politischer Konflikt ZnBerli« wird amtlich verlautbart: Anläßlich seines Besuches in Saarbrücken hat sich der Führer eine leichte Erkältung, verbunden mit einer starken Heiserkeit, zu gezogen. Auf ürztliche Anordnung sind daher zur Schonung der Stimme die für die nächste Zeit anberaumte» Besprechungen abgesagt worden. Anter diese« Amständen hat die Reichsregierung durch den Reichsaußenmlnister dem englischen Botschafter die Bitte übermittelt, daß der festgelegte Besuch der englischen Minister verschoben werden möge. „Prozeß" Rintelen Es wird immer Idyllischer Wien.(Tsch. P. B.) Im Rintelen-Prozeß Kurden Dienstag einige Schreiben vorgelegt, aus denen hervorgeht, daß der Journalist Spitzy mit dem Sohne des ehemaligen Wiener Polizeipräsidenten Brandl, welcher wegen seiner Beziehungen zu den Nationalsozialisten pensioniert worden ist, befreundet war. I« einem anderen Schreiben, welches der Staatsanwal t(!) mit dem Bemerken vorlegte, daß er nichts verschweigen wolle, was zugunsten des Angeklagten spricht, wird erklärt, daß Rintelen regierungstreu war und nur den Bor- Kil Oesterreichs im Auge hatte. Hierauf wurde das Verhör der Zeugen fortgesetzt. Der ehemalige Minister Dr. Kerber, derzeit Sektionschef im Ministerium für soziale Verwaltung erklärt, er habe nicht beobachtet, daß zwischen Rintelen und Dr. Dollfuß irgend eine Spannung bestanden habe. Demgegenüber erklärt der weitere Zeuge» Generalsekretär des Bundeskanzleramtes Peter, er müsse wahrheitsgemäß sagen, daß Dr. Dollfuß Dr. Rintelen nicht getraut habe. Der Hauslude der Austronazls Rintelens Nagelstock Wien. Im Rintelen-Prozeß wurde Dienstag als nächster Zeuge Dr. Nagelstock, früherer Chefredakteur des»Reuen Wiener Journals" verkommen. Ihm wird vom Vorsitzenden vorgehalten, er hab« Mit Rintelen telephonische Gesvräche geführt und dabei Namen nur mit Anfangsbuchstaben angegeben. Dabei war auch von einem General die Rede,»der am ganzen Körper zitterte". Der Vorsitzende verlangt eine Aufklärung. Der Zeuge kann sich nicht Erinnern. Auf weitere Fragen erklärte der Zeuge, das Verhältnis zwischen Dr. Rintelen und Dr. Dollfuß sei seines Wissens gut gewesen. Schließlich bestätigt Dr. Nagelstock, daß Dr. Rintelen an eitler Beratung teilgenommen habe, bei der auch die bekannten Nationalsozialisten Habicht und P r o l s ch anwesend waren. ein neuer Schlag gegen das Deutschtum Süd-Urols Durch Dekret des Präfekten von Bozen Ma- stromattei wurde die A u f l ö s u n g der k a t h o- lischen Gesellenvereine von Bozen, Meran, Kalter», Bruneck und Sterzing verfügt. In der Begründung wird«. a. angeführt, daß die Vereine»deutscheBopträge" abgehalten und deutsche Theaterstücke trotz generellem Verbot aufgeführt hätten, wobei nicht nur deren Mitglieder, sondern auch Nichtmitglieder anwesend gewesen seien. Die Betätigung dieser Vereine solcherart sei gegen die staallichen Interessen gerichtet. '■ Die Arbeitsstelle für Süd-Tirol(Innsbruck) schreibt hierzu:»Dieser schwere Schlag hegen das Deutschtum in Süd-Tirol kommt in einem Augenblicke, wo er am wenigsten zu erwarten war. Am 2. Feber 1835 hat Mussolini Mit Oesterreich ein Kulturabkommen geschloffen, bei welchem Anlaß schöne Worte über die Achtung der beiden Kulturen gesprochen wurden... Und neun Tage nach dem Abschlüsse dieses Kulturabkommens, nämlich am 11. Feber, erlaßt der Bozner Präfekt Mastromattei das hstierte Dekret." Man ist allerdings versucht, den Unbelehrbaren Innsbrucker Herren die Datsche von Freundeshand zu gönnen... Antlkorruptlonssesetz in Rumänien Bukarest. Durch«ine Vorlage, welche die Regierung dem rumänischen Parlament demnächst suleiten wird, werden die Bestimmungen der Verantwortlichkeit öffentlicher Funktionäre verschärft, bieben die disziplinäre Verantwortung tritt für die Schädigung öffentlicher Interessen nunmehr wich die straf- und zivilrechtliche ve ra n tw o r t u n g, gleichgültig, ob die begangene Schädigung bewußt oder nur. durch Fahrlässigkeit entstanden ist. Ein Unterschied wird in dieser Hinsicht nur im Strafausmaß gemacht. Das Gesetz bezieht sich auf öffentliche Funllionäre iedes Ranges, also auch auf Minister. Diese Meldung hat einen hochpolitischen Hintergrund. Zuerst haben sich die Berliner Regierungsstellen außerordentlich um den Besuch deS englischen Außenministers bemüht. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß die plötzliche Ausladung nur mit einer„Berkühlung" Hitlers zusammenhängt. Der Reichskanzler hat Montag noch eine Auto- mobilausstrllung besucht und mit seinem Vertrauensmann in Abrüstungsfragen, v. Ribbentrop, konferiert. Daher ist man geneigt, die Verschiebung der Aussprache auf dir Ratlosig- k e i t der deutschen Rrgierungskreise zurückzuführen und auf die schwere Verlegenheit, welche ihnen daS soeben veröffentlichte englische Weißbuch bereitet hat. I« diesem amtlichen Dokument wird die Aufrüstung Deutschlands „ungehemmt und unkontrolliert" genannt«nd wenn sie so weitergeh«, werde die bestehende Furcht der Nachbar« Deutschlands verstärkt und könnte ein« Situation erzeugen, die den Frieden gefährdet. Ferner weist die englische Regierung in ihrem Weißbuch auf die Tatsache hin, daß nicht allein die Wehrmacht Deutschlands, sondern der Gei st, in dem die Bevölkerung, besonders die Jugend, erzogen wird, das allgemeine Gefühl der Unsicherheit verstärke. Gegen diese Konstatierung von Tatsachen durch die englische Regierung hat zuerst der „Völkische Beobachter" und nach ihm die ganze gleichgeschaltete Presse Stellung genommen. Dadurch ist das offizielle Deutschland plötzlich in einen Streit mit dm maßgebenden englischen Stellen verwickelt, auf drrm Verständnis und Lermittlungsbereitschast die Hitlerregiemng bis zuletzt so große Hoffnungen gesetzt hat. Es bleibt fraglich, ob unter solchen Umständm der Berliner Besuch Simons noch zu einem späteren Zeiwunkt zustandekommt und was aus der anschließmd geplanten Fahrt der mglischm Staatsmänner nach Warschau und Moskau wird. Gerüchte um Hitler Wenn auch die amtliche Behauptung Wer die„Berkühlung" Hitlers anläßlich seines Saarbrückener Besuches, auf Unglauben des Auslandes Das Ende der Einheitspartei Vor neuen Gruppierunsen In Ungarn? DaS Tschechoslowakische Pretzbüro gibt zu den überraschenden innerpolitischen Vorgängm in Ungarn folgenden Situationsbericht:. Trotz aller Verkleisterung der Gegensätze innerhalb der-Einheitspartei, die fast eineinhalb Jahrzehnte hindurch eine Stütze aller Nachkriegsregierungen war, ist es nun doch zur Auflösung des Abgeordnetenhauses gekommen, das noch eine Lebensdauer von mehr als einem Jahre vor sich gehabt hätte. Dienstag mittags noch votierte di- Partei dem Ministerpräsidenten Gömbös und seinem neuen Kabinett einhellig das Vertrauen. Aber I Gömbös scheint qn der Aufrichtigkeit dieses Ver-I stößt, so gibt sie doch den schon längere Zett durchsickernden.Gerüchten Wer seinen schlechten Gesundheitszustand neue Nahrung. Der Passus der Rede des Gauleiters B ü r k e l, die er anläßlich des Saarbesuches Hitlers hielt:„Gott erhalt eunserenFührer", wird als Ausdruck bestimmter Befürchtungen gedeutet. In den letzten Monaten hat sich Hitler bekanntlich sehr oft von den Regierungsgeschäften ferngehalten und in die Einsamkeit seines Berchtesgadener Landhauses zurückgezogen. Im gegebenen Falle hat die Version die größte Wahrscheinlichkeit für sich, daß Hitler wieder durch einen seiner chronischen Nervenanfälle heimgesucht ist und sich daher in dieser Verfassung den Verhandlungen mtt Simon nicht gewachsen fühlt. Englands Luftaufrüstuns Erhöhter Aufwand für die Luftflotte London.(Reuter.) Das Budget der britischen Luftflotte für das Jahr 1835, das Dienstag vormittags veröffentlicht wurde, beläuft sich auf 23,851.100 Pfund Sterling, d. i. um 3,685.500 Pfund mehr als im Vorjahr. In dem den Voranschlag begleitenden Memorandum verweist Luftfahrtminister Lord Londonderry darauf, daß die britische Regierung bei Veröffentlichung der Budgets für das Jahr 1834 aufmerksam machte, daß man sich im Interesse der nationalen Sicherheit und der Sicherheit des Reiches nicht auf die Dauer mit der britischen Inferiorität auf dem Gebiete des Flugwesens begnügen könne. Deshalb faßte die britische Regierung im Sommer vorigen Jahres mit Rücksicht auf die r a s ch e E n t w i ck- l u n g d e s F l u g w e s e n s im Ausland und die ungenügenden konkreten Ergebnisse der Abrüstungskonferenz nur ungern den Beschluß, zu der lange aufgeschobenen Vermehrung der Flugzeuge zu schreiten. Das im Juli vorigen Jahres im Parlamente mitgeteilte Programm sieht bis Ende des Jahres 1838 den Bau von 41neuen Eskadrillen vor. Nack Durchführung dieses Programms wird Großbritannien annähernd 1330 reguläre Flugzeuge, und außerdem 130 Flugzeuge in nicht regulären Eskadrillen hWen. trauens gezweifelt zu haben, denn einige Stunden später löste er ohne ein Wort der Be- g r ü n düng das Haus auf. Einer ihm nahestehende^ Persönlichkeit gab er auf die Frage, welcher denn eigentlich der Grund zur Auflösung gewesen sei, die lakonische Antwort:„Die Parteider nationalen Einheit war nicht die Partei Gömbös, sondern d i e P a rt e i B e t h l e n s." Nach der letzten Sitzung des Abgeordnetenhauses führte der Präsident der nattonalen Einheitspartei, S z t r a t n a n s k i, mit dem Präsidenten der Klein-Landwirtepartei, Dr. Eck- Ha r d t, und dem Führer der christlich-nationalen Wirtschaftspartei, Dr. Wolff,' eine Aussprach; herbei, die eine Kooperation dieser Parteien oder gar die Schaffung einer neuen Partei anzubahnen scheint.| Gömbös auf dem Weg zur Allcinhcrrs und das Ziel, nie aus den Augen verlieren." Die unverläßlichen Unterführer— die Beth« len-Anhänger— wurden tatsächlich ausgeschifft und alle Mellen— Armee, staatliche Bürokratie, Komitate, Gemeinden— werden mit den Vertrauensleuten des Herrn Gömbös besetzt. Innenminister wurde der Direktor deS Ungarischen Telegraphen-Korrespondenzbüros, Wirtschaftsminister wurde der Herr Dr. Borne- m i ß z a— beide„verdiente" Konterrevolutionäre des Herrn Gömbös—, letzterer aber eine uWekannte Größe, Führer der sogenannten„Reformgenerationsbewegung", dessen„Verdienst" es ist, daß er vor einigen Tagen eine rein faseistische Rede hielt, und das dümmste Zeug zusammenschwefelte. Der Mann hat gewiß keine Ahnung von Wirtschaft oder ähnlichen Dingen. Die oberste Führung deS FaseismuS wäre also glücklich zustande gebracht. Es werden auch die gesetzmäßigen Vorbereitungen zur baldigen Fertigstellung deS faseistischen Neubaues vorbereitet. Die Ständeorganisationen sind schon auf dem Wege der Verwirklichung. Die Unabsetzbarkett der Richter wurde abgeschafft. Aerzte und Ingenieure wurden in Kammern vereinigt, deren Leitung die Regierung bestimmt. Die Gewerkschaften will man vorläufig nichtauflösen, sondern nach bewährter Art der ungarischen Konterrevolutwn kastrieren, sie ihres Einflusses auf die Arbeiter berauben. Es werden Arbeiterkammern errichtet, und nur diese sollen das Recht haben, Arbeitsvermittlungen zu führen, Kollektivverträge abzuschließen, eventuell Unterstützungen an die Arbeiter zu zahlen. Die Kammern werden als st a a t• licheJnstitutionen geplant. Den Gewerkschaften raubt man alle Rechte und Arbeitsgebiete, nun sollen sie es versuchen, als untätige Rumpf« organisattonen weiter zu bestehen. Das Merkwürdige dabei ist das Doppelspiel des Ministerpräsidenten. Als Führer der Regierungspartei packelt er mtt Herrn Eckhardt» dem Führer der Opposition seiner Partei Er versprach, auf die schweren Anklagen des Herrn Eckhardt gegen Bethlen am 10. März in Szcntes höchstpersönlich zu antworten. Aber politische Kinder wurden auch diesmal enttäuscht. Gömbös hat Wer- *) Der Artikel ist vor dem Bekanntwerden der Parlamentsauflösung geschrieben, die im Wrigen die Darstellung des Verfassers nur noch bekräftigt. Verschärfter Machtkampf Gömbös löst das Parlament auf Neuwahlen ohne Wahlreform in Ungarn D« dapest.(MTZ) Durch ein Dienstag im Abgeordnetenhaus verlesene-Handschreiben des Landesverwesers wurde das Abgeordnetenhaus aufgelöst und die Einberufung des neuen*Abgeordnetenhauses auf de» 27. April festgesetzt. Seite 2 Mittwoch, 6. März 1935 Nr. 55 Eröffnung der Friihjahrssession Sanierungsplan für die Selbstverwaltung und zahlreiche andere Vorlagen vorgelegt Prag. Beide Häuser der Nationalversammlung Haven DienStag nachmittags die Früh- jahrsession eröffnet, mit welcher die sechsjährige Funktionsdauer drS Abgeordnetenhauses ihren Ablauf finden wird. Eine erhebliche Anzahl von Vorlagen, die die Regierung vorgelegt hat, darunter vor allem der TanirnmgSplan für die Selbstverwaltung, zeugen eindringlich von dem festen Willen der Regierung, sich durch keine Borwahlnervositit irritieren zu lassen, sondern an der Erfüllung ihres Programmes zähe und zielbewusst weiterzuarbekten. lieber die Sanierungsvorlage, deren Grundzüge ja schon zumeist bekannt sind, sprechen wir an anderer Stelle. Bon den sonstigen Regierungsentwürfen sind vor allem die Vorlagen Aber dieAbwehrvonFliegerangriffen und über die Enteignung für Zwecke der Verteidigung hervorzuheben. Zur Verteidigung des Staates Di« Fliegerabwehr ist einerseits eine aktive, indem die Besitzer von Unternehmungen, die für die Verteidigung de» Staates wichtig stnd, verhalten werden können. Mittel mr Berteidigung dieses Unternehmens gegen Angriffe aus der Luft vorzubereiten und instandzuhalten. andererseits eine passive. Hier wird die Pflicht der Bauherren und Hausbesitzer statuiert, nach den Weisungen des Bauamte» geeignete Deckungen gegen Fliegerangriffe einzurichten: durch amtliche Aufforderung können Personen verhalten werden, für sich und eventuell auch für andere Personen Gasmasken und andere Schutzvorrichtungen anzuschaffen: endlich können die Gemeinden verpflichtet werden, auf eigene Kosten für öffentliche Fliegerdeckungen aufzukommen und einen Alarm-.-Sanität»- und Samariterdienst bei Fliegerangrissen«inzurichtcn. Die Leitung des Abwehrdienftes ist im Innenministerium konzentriert. Die Zusammenarbeit mit den Militär- und sonstigen Behörden sowie die Möglichkeit, auch private Korporationen und Einzelpersonen zur pflichtgemäss e n Mitarbeit beranzuziehen. wird genau geregelt. Welche Schutzmassnahmen durchzuführen find und wann fie für bestimmte Kategorien von Gemeinden Wirksamkeit erlangen, bestimmt da» Innenministerium im Einvernehmen mit dem Verteidigung»- und den anderen beteiligten Ministerien. Auch die Errichtung eine» Beirat«» für den Schutz gegen Fliegerangriffe beim Innenministerium sowie lokaler Beiräte ist vorgesehen. In Ergänzung der gewerberechtlichen Bestimmungen wird die Erzeugung und der Handel mit Gasmaskeni als konzessionierter Gewerbe erklärt. * Die im Senat eingebrachte Vorlage über die En t e ig n u n g fü r Z we cke derVerteidi- gungdes Staates wird einheitlich für das ganze Staatsgebiet geregelt. Im Frieden ist eine Enteignung nur für Befestigung»--' oder andere militärische Bauten zulässig, ferner für dringend notwendige Bauten von für die Verteidigung wichtigen Unternehmungen und in Sonderfällen, die die Regierung bestimmt. In vollem Umfange wird das Gesetz nur bei einer Mobilisierung, bei der ausserordentlichen Einberufung von Reserven und im Krieg angewendet werden können. Für enteignete Liegenschaften gebührt ein Ersatz in der Höhe des gemeinen Wertes, der binnen sechs Wochen zu bezahlen ist. Bei Einschränkung deS Eigentumsrechtes etc. wird Schadenersatz geleistet. Der Ersatz kann auch durch Abtretung eines anderen geeigneten Grundstückes erfolgen. Für das SnteignungSverfahrrn ist die Bezirks« behörde zuständig. In dringenden Fällen kann die benötigte Liegenschaft noch vor Beginn des Ent- «ignungSverfilhrenS benützt werden: die Berechtigung hiezu erlischt in sechs Monaten, fall» bis dahin nicht der Antrag auf Enteignung gestellt wurde. Exportkredite erhöht Die Vorlage über die Neuregelung der Exportkredite verfügt, dass die Gesamtsumme der Garantien, wie bereits gemeldet bis auf weiteres um ein« Milliarde KL erhöht wird. Der Mottvenbericht stellt fest,, dass nach, dem Stand vom 15. Feber d. I. noch eine Garantie von 360 Millionen nach dem früheren Gesetz erübrigt, so dass also insgesamt 1860 Millionen zur Verfügung stehen werden. Die Erhöhung ist einerseits mit Rückficht auf di« Anbahnung normaler Beziehungen zu Russland, andercrseit» mit Rücksicht darauf nötig, dass der Umfang des Aussenhandels sich beträchtlich v e r» gr ö ss e r t hat. Der Export ist im Vorjahr um eine Milliarde gestiegen. Das Gesetz hat nicht so sehr Kredite im Auge, die drr Lieferant selbst gewährt. sondern Kredite, die eine dte Ernte ein, er, der weder Boden besaß noch jemals ein Saatkorn ausgeworfen hatte. Der nur aus Koffern bedruckte Tücher hervorsuchte und sie vor den stechenden, bösen Augen kleiner Dorfkrämer ausbreitete, der wieder nach Hause fuhr, ein paar Zahlen in seinem Buch, und nicht daran denken durfte, dass es Menschen gab, die ein Zuhause hatten, eine Frau, Kinder, einen Stuhl an einem Ofen, ein Zimmer, in dem sie sich vor der Wett verbergen, einen Fleck Erde» auf dem sie zu sich selbst fliehen konnten. Er gewann mehr Geld, als er in einem Fahr mühevoller Wanderung durch tausend Dörfer verdiente; er verlor, Cabrolle jubelte auf, die Hoffnung, alles zurückzugewinnen, verstrickte ihn immer ttefer in das Spiel, und wieder floss der Strom der Münzen und Banknoten zu Kilmek. Morvüius zitterte. Der Zeichner wusste nichts mehr bon der Brücke und dem Zug, von Frau Avory und der Premiere in Upsilon, er wußte nur noch von Karten,«S ergriff ihn und verschlang ihn und er vermochte sich nicht mehr daraus zu retten. Olavsen sah auf das Geld, das neben Kilmek lag, und rechnete. Kilmek hatte viertausend gewonnen; würde er fünfhundert opfern für den Wagen, für den Kranken? Man konnte ihn nicht fragen, seine Ohren waren taub, er lebte nur durch die Augen, die Wer das Blatt spielten und Wer den Tisch und hin und wieder zu Cab- rolle, der mit schwerer Hand, nach langem Nachdenken, zögernd und unentschlossen die Karten auf den Tisch schleuderte. DaS Geld für den neuen Stall war dahin; das Geld für die Schafe, die er verkauft hatte, war dahin. Das Geld für den Mantel, den seine Tochter brauchte, war hinWergefloffen, zu KL» mek. Er mußte es zurückholen, schneller, ehe—. Wenn er nur wüßte, was die nächste Stunde bringt. Ob es überhaupt noch einen Sinn hat, das Geld zurückzugewinnen? Brennt dsts Haus nieder, von einer Fliegerbombe gettoffen, ist es ganz gleichgülttg, ob das Geld in meiner Tasche steckt oder in der Tasche Kilmeks. Stellen sie uns an die Wand, werden sie es rauben, und es kommt nicht mehr darauf an, wer e» früher besaß. Fuhr der Zug aber weiter, wurde er umgeleitet, dann hatte Cabrolle Zeit genug, das Geld zurückzugewinnen; eine Nacht» einen Tag im Eisenbahnwagen, das genügte, um ein Vermögen heimzuholen. Marinka— manchmal sah Kilmek zu ihr hinWer, sie war jung und drall, und es mußte gut sein, von ihr geliebt zu werden. Die Mädchen in den Hotels, in denen er abstieg, waren verbraucht, sie ekelten ihn an mit ihren sicheren, wissenden Griffen und der Geste um Geld, die immer das Ende war. In den ftemden Städten, die Liebe zwischen zwei Zügen, Frauen, die man irgendwo kennen lernte, in einem Automatenbüfett, in einem Tanzcafe, vor der Auslage eines Modegeschäfts, die erst zimperlich taten und sich zierten und dann in einem billigen, kahlen Hotelbett über einen herfielen wie ausgehungerte Raubtiere und nach der Brieftasche spähten und bettelten und nicht genug bekamen, genug Geld und genug Liebe und genug Worte, die sie lob- tcn— wie jammervoll war dies alle», wenn man es zwanzig Jahre durchlitt, wenn man alt dabei wurde, zwischen zwei Zügen. Marinka— man müßte sie heiraten, man müsste sie in eine blitzblanke kleine Wohnung stellen, und wenn man nach Hause kam, aus den Dörfern, von den Krämern, aus den stickigen Zimmern der alten Kaufmannsfrauen, die einen mtt den Augen auffraßen, die an den Kleidern den Geruch deS Lebens witterten, das ihnen versagt war— dann sollte sie einen erwarten und umarmen und die Speisen kochen, die man liebte, dann hatte man ein zu Hause. Aber war eS dazu nicht schon zu spä^? Wie lange mochte es noch dauern, und die Gewehre knatterten vor der Station, und es traf Cabrolle und ttaf die Blonde drWen, die sie Carlotta nannten, und traf Marinka und ttaf alle, der Reihe nach. In 'einer Falle saßen sie, und die Angst kroch durch ihr Blut, und sie wagten nicht, zu fliehen, well sie dem Tod in die Arme laufen konnttn, wenn sie das Haus verließen. „Dreitausend", sagte Olavsen zu dem Arzt. „Der Kerl ist verrückt. Ein Erpresser". „Ich werde versuchen, das Geld aufzutreiben", erwiderte Olavsen.„Ich habe achthundert". „Fünfhundert geben wir", sagte Georgia, i Oie Regelung der Selbstverwaltungsfinanzen Die Regierung hat nunmehr den Anttag Wer die Finanzmaßnahmen im Bereiche der territorialen Selbstverwaltung vorgelegt. Der vorgelegte Entwurf«bestrebt sich, der Selbstverwaltung alles zu gewähren, was die Verhältnisse der gegenwärtigen Zeit zu ihrem Vorteil erreichbarmachen. Es handelt sich um die Befestigung und Stärkung der Einnahmsquellen der unttren Selbstverwaltungsverbände und um die Erhöhung ihrer Selbstgenügsamkeit. Im Hinblick auf die gegebene Lage, namentlich mtt Rücksicht auf die enorme Ueberlastung dieser Verbände durch die Schuldenlast, führt als ersttr und verlässigster Weg zut finanziell-wirtschaftlichen Gesundung unstrettig eine geeignete Regelung ihrer Schulden» und zwar, eine solche, die auf eine Ermäßigung der Zinsen- und Tilgungslast zielte... Der vorgelegte Anttag dentt neben einer Regelung des Schuldendienstes auch an eine Vervollkommnung der Prüfungs- und Revisionstätigkeit der Aufsichtsbehörden als einer Selbstverständlichkeit." Mit diesen Feststellungen beschreibt der Motiven- bericht das Ziel, das durch die Vorlage erreicht werden soll. Im einzelnen handelt es sich um folgende Maßnahmen: 1. Regelung und Erhöhung der Zuschläge, Voranschlagsverfahren. Die früher nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässige Erhöhung der Zuschläge auf 350 Prozent bei Gemeinden und auf 150 Prozent bei Bezirken wird jetzt nur an die Bedingung gebunden sein, daß Gemeindezuschläge in Sätzen über 300 Prozent nur dann bewilligt werden dürfen, wenn die Gemeinde im Hinblick auf die Ortsverhältnisse geeignete und zweckmäßige Abgaben und Gebühren einhebt, wobei die Entscheidung über die Eignung, Zweckmäßigkeit und Höhe dem LandesauSschusse obliegt. Die Zuschläge zur HauSzinssteuer werden bei Bezirken mit 55 Prozent und bei Gemeinden mit 125 Prozent begrenzt, und zwar ohne Rücksicht darauf, ob die Gemeinde Abgaben und Gebühren einhebt. Nur Gemeinden und Bezirken, die schon im Jahre 1927 dies« Zuschläge in einem höheren Satze eingehoben haben, werden in Zukunft diese höheren Zuschlagssätze einheben können. Neu ist die Möglichkeit der Einhebung weiterer Gemeinde- und Bezirkszuschläge bis zu 50 Prozent, und zwar zur Bedeckung des Schuldendienstes von Darlehen» die zur Vermehrung oder zur Erhöhung des Vermögenswertes, für Unternehmungen oder für gemeinnützige Einrichtungen abgeschlossen worden sind, soweit der Schuldendienst nicht anderweittg gedeckt ist, aber nur dann, wenn dies die Bezirks»(Gemeindevertretung). mtt Dreiviertel- Mehrhett aller Mitglieder beschließt oder'die Aufsichtsbehörde dies anordnet, falls ihre Aufforderung an die Gemeinde(Bezirk) zur Einführung dieses weiteren Zuschlages ergebnislos bleibt. Nach dieser Regelung würde die Gesamtbedeckung aus allen Höchst- Zuschlägen(Länder 160 Prozent, Bezirke 200 Prozent, Gemeinden 400 Prozent) im äußerste» Falle 760 Prozent betragen können, bei der besonderen Erwerbsteuer würden somit fast 70 Prozent des steuerpflichtigen Reingewinnes erfaßt» also immer noch um 10 Prozent weniger, als nach dem 1. Gemeindefinanzgesctz Nr. 329/1921 möglich war. Die weiteren Vorschriften enthalten Bestimmungen Wer das Voranschlagsgenehmigungsverfahren, über den LandeSbeittag und Wer die Möglichkeit von Darlehensaufnahmen, die im allgemeinen günstiger als die bisherigen Borschrif- Fünf Scheine zählte fie auf die Bank. Halling griff in die Tasche. Warf ein Bündel zerknitterte Noten auf den Tisch.„Da habe» sie. Nehmen sie. Wenn es ihn retten kann—> Wir brauchen es wohl alle nicht mehr".— „Dreitausend", sagte Marcel zu Carlotta. „Dreitausend kostet es, von hier wegzukommen. Verstehst du nicht?" Carlotta zog den Ring vom Finger, nahm ihre Halskette ab, legte fie in Marcels Hand. „Das ist zu wenig", sagte er. „Sprich mit der Alten, vielleicht gibt sie die Geld". „llnsinn. Sie wird mir doch nicht Geld geben, damit ich davonlaufen kann. Wer soll den« morgen in Upsilon auftreten? Sie darf nicht wissen, daß wtt uns aus dem Staub machen wollen". „Ich will es auch gar nicht. Du willst eS." .Ich will es, und du gehst mtt mir." „Nimm doch Lenia mtt, sie geht gern mit dir". „Ich will dich. Hörst du: Ich will dich. Ich nehme dich mit, wett du mir gehörst. Weil du nicht hierbleiben kannst, wenn ich es dir nicht erlaube. Weil du immer dott sein mußt, wo ich bin."' Ganz leise sprach er, und doch schnitt seine Stimme tief ins Herz. Sie drang inS>Blut und fraß sich durch den ganzen Körper. In den Schläfen, in den Knien, in allen Adern empfand Carlotta das Echo dieser Stimme. „Du wirst den Alten drüben aufs Korn nehmen, wirst freundlich mit ihm sein, erzähl ihm meinetwegen, daß du mich satt hast und von mir fort willst, und mit ihm gehen, wenn er den Wagen bezahlt, der dich in die Stadt bringt. Aber du mußt allein fahren, das bist du deinem Ruf schuldig. Er soll nachkommen. Dreitausend mehr oder dreitausend weniger— das spielt bei ihm keine Rolle. (Fortsetzung folgt.)' Nr. 55 Mittwoch, k. März 1935 Seit« S fudetcndeutsdm Zcitspiegci 1 für die deutsche und tschechische Stadtbücherei. geschundenen Landarbeiter, die heute genau so tvie vor 30 Jahren von früh bis in die späte Nacht roboten müssen, um das karge Stückchen Brot zu verdienen, Hinreitzen lätzt, dann mutz doch Wohl gesagt sein, seht euch dieses sudetendeutsche Profil genau an, es wird bei den kommenden Wahlen als Freund der Landbevölkerung schlechtweg auftreten und von der Dorfgemeinschaft reden, obzwar hinter diesem Profil eine von Hohn und Verachtung für die Landarbeiter erfüllte Seele existiert. auf eigene fünfgliedrige Senate bei den Obergerichten übergeben, die aus- schlietzlich aus Berufsrichtern zusammengesetzt sind und vom Präsidenten der Republik ernannt werden. Das Verfahren bleibt vor diesen StaatSgerich- ten im wesentlichen unverändert, nur die Rechtsmittel gegen das Urteil wurden erweitert. Ueber eine Berufung oder Nichtigkeitsbeschwerde entscheidet das Oberste Gericht. Die neuen Staatsgerichte find im allgemeinen nicht für Soldaten zuständig, es sei denn, datz der Prokurator in Fällen, an denen sowohl Zivil- wie Militärpersonen beteiligt sind, aus Gründen der Zweckmässigkeit ausdrücklich verlangt, datz das Staatsgericht auch die beteiligten Militärpersonen verfolge. Im Laufe des Dienstag bestätigten alle aus Griechenland eintreffenden Depeschen den g r o- Heu Umfang der Aufstandsbewegung. Ein bedeutender Teil der Armee scheint sich auf die Seite Venizelos geschlagen zu haben. Die Regierung ergriff umfassend« Abwehrmaßnahmen. Pariser Blätter bezeichnen den Aufstand in Griechenland als einen KampfanfGnadennd Ungnade zwischen zwei Politischen Fronte« und keineswegs bloß als ein« militärische Meuterei. Der Hauptsitz der Aufstandsbewegung ist weiterhin die Insel Kreta. Die Anhänger Venizelos beherrschen ferner Thrazien und einen Teil von Mazedonien. Regierungstruppen haben daS Montag verlorene Serres zurückgewonnen. Athen und Altgriechenland befinden sich in den Händen der Regierung. Ein Aufstandszentrum ist die wichtige Hafenstadt Saloniki. Kriegsminister Kondylis leitet den Angriff, wobei wiederum Bombenflugzeuge und ausserdem Tanks gegen die Rebellen eingesetzt wurden. Kondylis verlangt in einem vetrügerelen del einer leplltzer iRleclcsparsenossenschakt Direktor Rybka verhaftet Teplitz. Der Direktor der Zweckspargenossen« schäft„Emag" in Teplitz, Rybka, ist verhaftet worden. Die Genossenschaft hat sich mit sehr zweifelhaften DarlehenSangelegenheiten beschäftigt. Sie hatte in einer Hauptversammlung den in Teplitz ansässigen Rechtsanwalt Dr. F r ö m l, der sich erst kurze Zeit in Teplitz niedergelassen hatte, zu ihrem RechtSbeistand gewählt und ihn in den Aufsichtsrat ausgenommen, zu dessen Obmann er Die Faulenzer I Es ist außerordentlich interessant in dieser Zeit, da auch die deutschen Bauernführer um die Gunst der landwirtschaftlichen Arbeiter buhlen, so nebenher einmal zu vernehmen, wie einer dieser Männer von Halm und Ahr, aus innerster Seele heraus über die Dienstboten am Lande urteilt. Das geschieht in der SonntagauSgabe der„Bo- hemia", in der Rubrik»Sudetendeutsche Profile" durch den Bauernführer und Zentraldirektor Franz Hilmer aus Brünn. Dieser Hilmer leitet seine Selbstbeweihräucherung mit folgenden Worten ein:»Ich war das älteste von vielen Kin« dcrn und habe während meiner Bolksschulzeit voxund nach derS.chule— weviaüens in den letzten Schuljahren"— ist e h r g e a'r bei- tet, alsheutedas Arbeitspensum eines Dienstboten am Lande umfasst." Wir haben menschliches Verständnis für allerlei Aufschneidereien, die sich in dieser Rubrik die sudetendeutschen Grössen leisten, aber wenn sich einer, um sich besonders herauszustellen zu einer solchen groben Verunglimpfung der armen gewählt wurde. Durch die gegen die„Emag" erstatteten Strafanzeigen sah sich Dr. Fröml veranlaßt, in seiner Eigenschaft sich als Obmann des Aufsichtsrates der„Emag" über die Geschäftsgebarung der Genossenschaft zu informieren. Bei der Ueberprüfung der Bücher kam er zu der Erkenntnis, dass die„Emag" alles andere als ein solides Unternehmen war. Wie mitgeteilt wird, gehen di« Unterschlagungen, die bei der„Emag" verübt wurden, in die Hunderttausende. Die genaue Summe ist noch nicht festgestellt, denn die Erhebungen werden noch fortgesetzt. Dr. Fröml beantragte bei der Kriminalpolizei in Teplitz die sofortige Verhaftung des Hauptbuchhalters der„Emag", P a n z- n e r, der der Schwiegersohn des verhafteten Di« rekwrs Rybka ist. Nach den bisherigen Feststellungen scheint die Zweckspargenoffenschaft „Emag" hauptsächlich für die Taschen der beiden Genannten gearbeitet zu haben. Dr. Fröml konnte feststellen, datz auch Scheckfälschungen begangen wurden. Ein Verwandter des Präsidenten Schicht verhaftet. In L o o s ch bei Dux wurde der Jng. Friedrich Schicht, wegen staatsfeindlicher Tätigkeit verhaftet. Die Firma Schicht lässt im Rundfunk und in der Presse mitteilen, datz eS sich bei dem Verhafteten nicht um einen Sohn von Georg Schicht, sondern um einen Verwandten des früheren Präsidenten handelt und datz der Verhaftete seit Jahren keine Funktionen in der Schicht AG. ausgeübt hat. Jng. Friedrich Schicht lebte mit Frau und Eltern in Loosch bei seinem Schwager, dem Industriellen Kurt E n d i s ch, der— nebenbei bemerkt— Vorsitzender der Ortsgruppe derSHFist. Schicht ist Mitinhaber der Firma Racke L Co., in Wistritz, die sich im Ausgleich befindet. Der Kampf Internationale Revue, Prag Heft 3, März 1935, hat folgenden Inhalt: Emil F r a n z e l: England«nd Europa. G. D. H. Cole(London): Die gegenwärtig» Lage des WelttapitalismnS. Gregor B i e n st» ck: Der Kampf«m den Pacifie. Josef Hofbauer: Staat im Staate? Bemerkungen. Weltpolitik. Weltwirtschaft. Internationaler S» z i a l i s m« S. AnS der Sowjetunion. Bächerfcha«. Preis des Heftes K2 5.—, Jahresbezugspreis Kö 50.—. Redaktion und Verwaltung; Prag II, Lützowova 37. Der Staatsgerichtshof wird aufgehoben Es ist noch erinnerlich, datz das Urteil E- ist noch erinnerlich, datz das Urteil des Staatsgerichtshofes gegen die Schimitzer Kaser« venstürmer seinerzeit in breitesten Kreisen der Be» dülkerung großes Befremden hervorgerufen hat. Wohl nicht ganz unabhängig davon soll nun, wie «ine im Senat aufgelegt« Regierungsvorlage bestimmt, der Staatsgerichtshof in seiner heutigen Die Masaryk-Feiern Aus allen Teilen des Staates laufen Meldungen über Feiern aus Anlatz des 88. Geburtstages des Präsidenten ein. In der Masaryk-Gesell« schäft für Soziologie hielt Minister Dr. Benes am Dienstag abends eine Festrede, in der er Ma« saryk als das Ideal des Staatsmannes pries und seine Bedeutung als Soziologe würdigte. Gleichfalls Dienstag abends fand eine Festversammlung der Arbeiterakademie statt, bei der Genosse Toma- sek die Festrede hielt. Die Arbeiterakademie hat 80.000 K Gleichfalls ist vorzusorgen, datz Sendungen der Seine Befugnis wird, um gewisse, bisher den. Parteien zur Vovbeugung eines eventuellen recht- Schvmrgerichten Vorbehalten« Delikte erweitert,'lichen Schadens angenommen werde«. 1 Aufruf von den regierungsfeindlichen Formationen um Saloniki und Mazedonien Unterwerfung binnen 24 Stunden. Nach den letzten Meldungen verhindern Regengüsse und Nebel die Operationen im mazedonischen Kampfgebiet. Einer unbestätigten Nachricht zufolge beabsichtigt Venizelos von Kreta aus mit seinen Militär- und Fxeiwilligenabteilungen einen Vorstoß nach Athen und Südgriechenland zu unternehmen. Die Regierung versucht die aufständische Flotte weiterhin mtt Bombenflugzeugen niederzuhalten. Im griechischen Bürgerkrieg scheint es sich um einen MachtkampfzwererCliquen zu handeln. Prinzipielle Gegensätze sind nur auf dem Gebiete der Autzenpolttk sichtbar. Die Richtung Venizelos ist gegen die Teilnahme Griechenlands am Balkanbund. Die Regierung Tsaldaris war für die Zusammenarbeit mit Jugoslawien und der Türkei. In diesem Zusammenhang ist die Behauptung deS bulgarischen Außenministers Batalow interessant, wonach die Türkei an der südbulgarischen Grenze Truppen konzentriert und Kriegsmaterial anhäust. Offensive der Regierungstruppen angekündigt Athen. Amtlich wird mitgeteilt, daß Dienstag abends nach Ablauf des ersten Ultima- tumS 21 Militärflugzeuge die unter dem Kommando des Generals Kamenos stehenden aufständischen Abteilungen bombardierten. Falls sich die Aufrührer nicht ergeben, dann werden die Regie- rungStruppen spätestens Mittwoch früh mtt schwerer Arttllerie gegen sie vorgehen. Das Athener amtliche Preßbüro dementtert die im Ausland verbreiteten Nachrichten, daß ein großer Tett Griechenlands in den Händen der Aufrührer fei. Das Abgeordnetenhaus erlebte gestern eine lleberraschung, als sich Abgeordneter Hanreich, Hinsicht anzuordnen. Bezirke und Gemeinden,! zuerst Landbündler, dann von Gnaden der Natio- welche in einer gestellten Frist die Weisungen des Landes(Bezirks«) ausschuffes nicht durchführen, sind insolange, als sie der Weisung nicht entspre chen, von staatlichen Ueberweisungen und Landes beiträgen ausgeschlossen. Der Motivenbericht be gründet diesen Eingriff in die autonomen Rechte damtt, datz sonst die Aufficht eine akademische Be deutung haben würde, weil»in der Praxis die Be zirke und Gemeinden oft in ihrer mangelhaften Wirtschaft fortfahren und in eine noch drückendere finanzielle Situation fallen könnten". Es bleibt aber die Frage offen, ob die Aufsichtsbehörden in personeller Hinsicht überhaupt in der Lage sein werden, die vom Gesetz geforderte Prüfung(Re- vffion) durchzuführen. Die Nachrichten, die über die bisherige Revisionstätigkeit einlaufen, geben daher zu berechttgten Befürchtungen der Gemein den Anlatz, datz Revisionen zu einem einschneiden den Eingriff in die autonomen Rechte der Gemein den und Bezirke werden. 3. Regelung gewisser Schul den der territorialen Selb st Ver waltungsverbände. Schon der Titel des Artikels III besagt, datz nicht alle, son dern nur ein Teil der Schulden der Selbstverwal tungsverbände geregelt wird. Grundsätzlich geht es um die Regelung jener Schulden, die die Bezirke .'(Gemeinden) abgeschlossen haben, um aus eige nem Antriebe öffentliche Aufgaben weiterer Be- detung zu verfolgen, oder die ihnen im Hinblick auf di- genaue Besorgung der öffentlichen Verwal tung auferlegten Pflichten zu erfüllen, ohne datz sie einen Anspruch auf Ersatz seitens der höheren Verbände oder seüens dritter Personen haben !(Bau von Schulen, sozialen oder kulturellen An stalten, Bau von Strassen, Brücken und Kommu- - Nikationen überhaupt, von Heilanstalten usw.). Es können daher allerdings Darlehen nicht in Er wägung kommen, die zu Zwecken abgeschlossen werden, die einen finanziellen Vorteil des Bezir« kes oder der Gemeinde oder ihrer Steuerträger be deuten(z. B. die Vermehrung oder Erhöhung des Wertes des Gemeinde- und Bezirksvermögens), weiter Darlehen für Unternehmungen sind ent- ie behrlich« Einrichtungen, die nur für den betreffen- t den Verband der territorialen Selbstverwaltung f und für seine Bevölkerung Bedeutung haben(z. B. ein Repräsentationshaus, Sportstadion, Bad ' usw.), und endlich Darlehen für Unternehmungen und Einrichtungen, die nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen unter der unbedingten Voraussetzung des finanziellen Gleichgewichtes oder schliesslich auch eines finanziellen Gewinnes zu verwalten find. Geregelt können nur die vor dem 1. Jänner 1938 abgeschlossenen Darlehen werden, und zwar auch mit inzwischen aufgelaufenen Annuitäten rückständen, die in ein Darlehen umgewandelt werden. Für diase Schuldenregelung sind 202 Mill. KL bestimmt, u. zw. für Böhmen 120 Mill. Kronen, Mähren-Schlesien 44 Mill. Kronen, Slo wakei 34 Mill. Kronen und Karpathoruhland 4 f Mill. Kronen. Zu diesem Zwecke werden 38 Pro zent von den Ueberweisungen an die Länder zur Gewährung von Landesbciträgen abgezweigt(bei läufig 50 Mill. KL) den Rest überweist der Staat aus dem Ertrage der Einkommensteuer(Einkom mensteuerzuschlägen). Aus den Mitteln wird für jedes Land ein Hilfsfonds als selbständige juri stische Person errichtet, der das Verfahren der Schuldenregelung durchzuführen haben wird; ob eine besttmmte Schuld geregelt werden soll, wer de« die Landesausschüsse zu enffcheiden haben, an ihren Beschlutz werden die Hilfsfonds gebunden sein. Die Schuldenregelung kann darin beruhen, dass der Hilfsfonds entweder die Verzinsung und Tilgung der Schuld übernimmt, oder die Schuld Übernimmt oder die Schuld begleicht. Die Beglei chung kann in bar oder 50prozentigen Teilschuld berschreibungen erfolgen, auch die Verzinsung der Übernommenen Schulden darf höchstens 8 Prozent, die Tilgungsfrist in allen Fällen höchstens 40 Jahre betragen. Das sind die Grundzüge der neuen Novelle, deren Einzelheiten im Zuge der parlamentarischen Verhandlungen vielleicht noch manche Aenderung erfahren werden. Schon jetzt kann aber, vorbehalt lich der Stellungnahme im Einzelnen, gesagt wer den, datz die Vorlage gewitz keine Gesamtlösung des kommunalen Finanzproblemes bringt, datz sie aber doch eine Hilfe in äutzerster Not bedeutet, deren Wert nicht unterschätzt werden darf. wohlweislich herum. Wehflagend rief Hanreich zu den tschechischen Bänken hinüber, warum man gerade die deutsch« Rechte deva- stiert habe, womit er, der„Demokrat", sich offenbar den Herren Gajda und Stribrnh für ein tschechisch- deutsches Fascistenregime empfehlend in Erinnerung bringen wollte. Nach einem persönlichen Ausfall gegen Minister©tarne! beschuldigte Hanreich die llerikalen Parteien, für die Restauration der Habsburger zu arbeiten. Wie ernst diese republikanische Aufwallung gemeint war, ging daraus hervor, datz der ungarische Grossgrundbesitzer Abgeordneter Szen- t i v a n y, gewitz kein geschworener Feind der Habsburger, dem Herrn Hanreich nach Beendigung seiner Rede ostentativgratulierte. Man sah die beiden„Erwachenden" auch anschlie- tzend in den Wandelgängen in freundschaftliche Gespräche vertieft. Die Abgeordneten des Bundes der Landwirte verfolgten die Kandidatenrede ihres schon wieder abtrünnigen Kollegen mit betretenem Schweigen. Sollte damit der Wettlauf um die besten Plätze auf den SHF-Listen eingeleitet sein? Jedenfalls wäre es von politischem Interesse, zu erfahren, wer dem Herrn Hanreich seine Rede ausgeschrieben hat und ob sie mit Zustimmung des Klubs des Bundes der Landwirte gehalten wurde. Hanreich für Hitler und Henlein Die Kandidatenrede eines Mandatsanwärters der SHF.— Ein ungarischer Großgrundbesitzer beglückwünscht ihn vor dem Hause. ten sind und den inzwischen gewonnenen Ersah-, rungen Rechnung tragen. 2. Revision der Wirtschafts-' gebarung der Gemeinden und Bezirke. Im II. Artikel sind die besonderen Bestimmungen über die Aufficht, über die Wirt- schastsgebarung der Bezirke und Gemeinden enthalten. Darnach wird der Landes(Bezirks») aus« schütz als Aufsichtsbehörde berechtigt sein, nach Anhörung des Bezirkes(der Gemeinde) die Massnahmen zur Beseitigung der Mängel vom Gesichtspunkte der zweckmässigen Wirtschaftsführung, namentlich auch zum Zwecke der Verbesserung des Betriebes einer Unternehmung in ökonomischer. nalpartei gewählter Vertreter deS„Sudetendeutschen Landbundes", zuletzt wieder Hospitant des landbündlerischen Klubs, als neugebackener Gefolgsmann Henleins vorstellte. Er läs ziemlich unsicher eine ausgeschriebene Rede herunter, die in ihrem ganzen Gedankengang ein Abllatsch der Leipaer Ausführungen seines Führers war. Die-' ser wandelbare deutsche Recke konnte es sich nicht versagen, unter Berufung auf das Zeugnis des natwnaldemokratischen Generaldirektors der Ziv- nobank, Dr. P r e i ss» die Aufbauarbeit und den Friedenswillen deS braunen Regimes in Deutschland zu rühmen. Rach diesem glühenden Bekenntnis znr Weltschande der Konzentrationslager und der täglichen Hinrichtungen»erlangte er für dre Tschechoslowakei mehr— Demokratie. Die Henleinjugend will sich angeblich nicht fasci- stisch regieren lassen, sie ist, wie der Redner versicherte, staatstteu bis in die Knochen. Als Henleins Hanreich wieder die abgespielte Walze von den angeblichen„Denunziationen" der deutschen Sozialdemokraten andrehte, wurde er von unseren Genossen energisch zur Rede gestellt, drückte sich aber natürlich um di« verlangten Beweise Sette 4 Mittwoch, 6. März 1933 Nr. 55 Vie Turnerinnen und der Frauentag Aus Kreisen unserer Turngenossinnen geht uns folgender Appell zu: Die Parteiruftl Wenn bei uns von »der Partei" die Rede ist, so wissen wir alle» daß es nur die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei sein kann. Zu ihr gehören wir. Wir arbeiten miteinander. So wie die Partei den Atus hochzuschätzen weiß, wie sie den Atus immer unterstützt, so sind auch wir gern bereit, uns selbstverständlich und freudig in die Partei einzugliedern. Eine solche Gelegenheit bietet der Frau-n- tag uns Turnerinnen. Seit Jahren im ganzen Reichsgebiet durchgeführt und allgemein beliebt, ist er für die proletarische Frauenbewegung fast^o wichtig wie der 1. Mai für die Gesamtbewegung. Und wir, die Turnerinnen des Atus, sollten als körperlich aktiv« Truppe nicht mitten in die Bewegung gehören? Niemals haben wir— wie die deutsche Turnerschaft— behauptet, wir seien unpolitisch. Nein, wir sind politisch, und unser Platz ist bei den Roten! Die jungen Mädchen, welche zunächst nur des Turnens wegen zu uns kommen, müssen dies verstehen lernen; wir politisch Geschulten müssen sie den sozialistischen Gedankengängen näherbringen. Und da ist der Frauentag eine lute Möglichkeit, unsere weiblichen Mitglieder mit d-m geistigen Inhalte unserer Bewegung vertraut zu machen. Wenn auch gewiß in den Uebungsstun- den und Versammlungen des Atus sozialistischer Geist lebendig ist, gelingt es doch bei einer großen, künstlerischen Veranstaltung viel besser, die Herzen der Menschen zu öffnen und empfänglich zu machen. In der letzten Turnstunde vor dem Frauentag nehme man also die Gelegenheit wahr und gebe eine kleine Aufklärung über den Wert der Partei für den Atus und über unsere Pflicht, die Partei zu unterstützen, indem wir den Frauentag restlos besuchen. Keine Turnerin fehle bei diesem unseren Ehrentage! Natürlich in Uniform. Wer eine Atnsbluse besitzt, soll sie unbedingt anziehen, denn dazu ist sie anaeschafft worden. Schließlich kann man sich für den einen Tag auch mal ein Turnerhcmd ausborgen. Zeigen wir, daß wir stolz sind, dem Atus anzugehören; sind wir aber auch stolz darauf, uns zur Sozialdemokratie zu b-kennen. Und io muß es in allen Vereinen heißen: Am 10. März gehen wir alle in Uniform zum internationale n Frau-ntag! F. M. Kommunalen treiben MIBbrauch mit Arbeitslosendeputationen Den Beginn der parlamentarischen Arbeiten suchten die Kommunisten zu einer»A k t i o n“ auszunützen. Sie trommelten etliche„Arbcits- losendeputationen" zusammen, die im Parlament bei den sozialistischen Klubs zugunsten einer»einheitlichen Aktion" vorsprachen. Die Klubs sollten u. a auch einen Antrag Zäpotocky unterstützen, in dem die Herabsetzung der Lebensmittelpreise für Arbeitslose und die unentgeltliche Vcr- teilung von Zucker und Brot an Arbeitslose und deren Familien verlangt werden sollte. Die Aufklärung, die diese Deputationen über die realen Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit den Kommunisten erhielten, war ryiiürlich nicht nach ihrem Geschmack und so gingen die Deputationen wieder unbefriedigt ab. Damit war auch der Zweck der Auftraggeber erreicht, die nun glauben werden, weiß Gotr was für ein Material gegen die„Sozialfascisten" gewonnen zu haben. Am allerwenigsten hat oer kommunistische Parlamentsklub, von dem dir »Aktion" offenbar ausging, diese ernst genommen. Während im Nebenhaus ihre Deputationen die Klubs abhausierten, war ein erheblicher Teil der kommunistischen Fraktion samt dem Herrn Klubsekretär in den Parlamentscouloirs versammelt und erzählte sich dort unter heiterem Lachen anscheinend ein paar gute Witze... Die Herren i r r e n, wenn sie glauben, mit solchen Mätzchen Wahlpropaganda machen zu können. Die wirklichen Arbeitslosen draußen wissen schon sehr gut zu unterscheiden, wer sich w i r k I i ch um sie kümmert und wernurmit dem Maul für sie eintrittl Da die Deputasionen im Klubgebäude einen ziemlichen Rummel verursachten, wurden sie schließlich von Parlamentsangestellten aus dem Gebäude verwiesen. Die Zugänge zum Parlamentsgebäude selbst waren stark bewacht, ebenso das Gebäude im weiteren Umkreis von Polizei, abgesperrt. Senat Im Senat hielt der Vorsitzende Dr. Soukup dem verstorbenen Genossen Jo kl einen tiefempfundenen Nachruf. Er schilderte Jokls Werdegang, die bewegten Zeiten nach dem Umsturz, als Jokl an der schlesischen Landesregierung teilnahm, bis schließlich der tschechische Nationalrat unter Führung des tschechischen Genossen und jetzigen Senators Dr. Witt Schlesien besetzte, und schließlich die einträchtliche Zusammenarbeit der früheren Gegner auf dem Boden des heutigen Senats, und hob Jokls hohe persönliche Eigenschaften als edler, fleißiger und guter Mensch hervor. Am Schluffe der Sitzung leistete Genosse Schlotznikel als Mandatsnachfolger Jokls die Angelobung. Nach verschiedenen Zuweisungen wurde lediglich eine Immunität verhandelt. Brezno nach Hronom. Eine Gruppe von sechs Skifahrern wurde Dienstag in den frühen Morgenstunden auf dem D u m b i r von einer niedergegangenen Lawine verschüttet. An die Unglücksstätte begaben sich sofort Schutzkvrps und viele Bewohner aus den umliegenden Gemeinden, um nach den Verunglückten zu suchen. Zwei der ein bis acht Jahren Gefängnis verurteilt. Bon der Verhängung der Todesstrafe hat das Gericht, wie in der Urteilsbegründung hervorgehoben wird, abgesehen, weil die so schwer beschuldigten Angeklagten sich im Dienst der Roten, Armee ausgezeichnet haben und für ihre Verdienste durch Ordensverleihung geehrt worden waren. Stuttgart. Bor dem Landgericht begann Montag der Prozeß wegen des Eisenbahnunglük- kes bei S ch l e i s w e il e r, bei dem im Dezember vorigen Jahres zehn Personen ums Leben kamen und 32 mehr oder' weniger schwer verletzt wurden. Die beiden Angeklagten, Reichsbahnobersekretär Georg Dürrwächter aus Sulzbach und Reichsbahnassistent Karl Stotz aus Mprrhardt, wurden wegen fahrlässiger Eisenbahntransportgefährdung in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung in zehn Fällen und fahrlässiger Körperverletzung in 32 Fällen zu je e i n e m I a h r Gefängnis verurteilt. In der Urteilsbegründung wird erklärt, daß bei beiden Angeklagten grobe Verstöße gegen die Dienstvorschriften vorliegen. Wien. Der Automobilunkernehmer Gustav Stangl fuhr nachts mit seinem Kraftwagen auf der Wiener Reichsstraße durch ein entgegenkommendes Auto geblendet, in eine Gruppe von elf Personen. Vier Personen wurden schwer verletzt, eine Person liegt mit tödlichen Verletzungenhoffnungslos im Spital. Beritrteilte Eisenbahnbeamte Moskau. Das Gericht in T a m b o w hat in dem Prozeß wegen des Eisenbahnunglücks vom 4 Feber, das a ch t T o t e und zwanzig Verletzte forderte, das, Urteil gesprochen. Acht Eisenbahnbeamte. wurden zu je z e h n I ah r e n, fünf z u Merkwürdige„Festvorstellnug". Vor kurzem haben sich die deutschen Theater der Republik an den Präsidenten Masaryk um Hilfe gewandt, wobei sie auf ihre kulturelle Mission hinwiesen. Die Festvorstellungen, die zum 85. Geburtstag Masaryks stattfinden, wären eine gute Gelegenheit, die kulturelle Mission der deutschen Bühnen unter Beweis zu stellest. Welchen Eindruck wird es aber auf den Präsidenten machen, wenn z. B. das Deutsche Theater in Pilsen kein anderes Stück auszuwählen weiß, als den berüchtigten»T o w a r y s ch" von Jacques De- val.„Towarysch" ist ein k ü n st l e r is ch w e r t- loserReißer, dessen Testdenz konter- revolutinär- zaristisch und anti- s o w j e t i st i s ch ist. Ob es eine besondere Ehre für den Präsidenten sein soll, wenn er mst einem Stück gefeiert wird, in dem ein von Edelmut und Pomade triefender Großfürst als Symbol zaristischer Herrlichkeit auftritt, muß angesichts des geistigen KMpfeS, Lett Masaryk filk^die Emanzipation des russischen Volkes vom Zarismus ge- siihrt hat, stark bezweifelt werden. Und ob Prä- sident Masaryk es als taktvoll empfindet, wenn zur Feier seines 85. Geburtstages auf offener Bühne die befreundete Sowjetregierung beleidigt und ein Volkskommissär als Frauenschänder, Mörder, ja geradezu als ein Folterknecht Göring- schen Formats hingestellt wird, ist auch die Frage. Jedenfalls zeigt die Auswahl eines Stiickes, das vielleicht einem SHF-Publikum gefallen mag, aber sonst in jeder Hinsicht ein Schmarren ist, als Sujet einer Festvorstellung für Masaryk, daß ge- wisse deutsche Kreise von der Ideenwelt Masaryks weit entfernt und obendrein unfähig find, der Sache der deutschen Kultur Freunde zu werben und zu dienen. Der ehemalig« Abgeordnete Karel Vrätnh gestorben. In Pilsen ist der älteste lebende Vor-! kämpfer der tschechischen Sozialdemokratie des dortigen Gebietes gestorben: Karel Vrätnh. Vrätnh gehört zu den Begründern der tschechischen Sozialdemokratie und war einer der ersten sozialdemokratischen Abgeordneten im alten Oesterreich. 1897 wurde er als Vertreter des Pilsener Wahlkreises in den Wiener Reichsrat gewählt und befleidete dieses Amt bis 1901. Später war er im Pilsener Arbeiterheim tätig und seit einigen Jahren lebte er im Ruhestande. Fünf Streckenarbeiter gelötet. Bei M o r- m a n r fuhr ein Schnellzug in eine Gruppe von Streckenarbeitern, die wegen des herrschenden Sturmes das Herannahen des Zuges nicht bemerkt hatten. Fünf Arbeiter wurden hiebei getötet. v Ein Gattenmörder. Der Einwohner Risch aus Traßdorf bei Arnstadt wurde am Dienstag wegen Mordes an seiner 33jährigen Ehefrau ms Gefängnis in Rudolfstadt cingeliefert. Er hatte am Freitag abends auf der Heimfahrt von Arnstadt nach Traßdorf seine neben ihm im Kraftwagen sitzende Frau, die eingeschlafen war, aus demWagenge stoß e n, um sich ihrer zu entledigen. In der Nacht war er zu seiner Geliebten nach Arnstadt gefahren. Der Mörder hatte zunächst einen Unfall vorgetäuscht und jede Schuld bestritten. Schließlich wurde er aber, da man ihm besonders das Ergebnis der Leichenöffnung vorlegte, zu einem vollen Geständnis gezwungen. Fra» mit vier Kindern verbrannt. In dem bosnischen Orte Savkoviö ereignete sich am Montag ein schweres Brandunglück. Im Hause des Bauern Radojciä krach aus unbekannter»r- sache ein Feuer aus, das sich sehr rasch ausbreitete. Während es dem Landwirte gelang, sich mit zwei Kindern zu retten, fand seine Frau mit den übrigen vier Kindern in den Flammen den Tod. Verunglückten wurden bereits tot aus den Schneemassen gÄorgen. Es handelt sich— laut„Pr. A."—um zwei Beamte der Böhmischen Unionbank in Prag, den 35jährigen Josef R i t- t e r und den 43jährigen Otakar Stein. Jener hinterläßt eine greise Mutter und einen Bruder. Ritter war verheiratet und Vater eines Kindes. Flug mit eigener Muskelkraft Sin interessantes Experiment mit einem neuartige» Flugapparat, der nur 4 Kilogramm wiegt, vollsührte der 22jährige amerikanische Fallschirmspringer Clem Sohn in Dayton(Florida). Er ließ sich aus 4000 Meter Höhe aus dem Flugzeug fallen und flog mit seinem Apparat in vogelähnlichen Schwingbewegun- gen. Er vollführte Wendungen und Loopings in der Luft und öffnete dann, als er auf 1500 Meter gesunken war, den Fallschirm, um sich zur Erde gleiten zu lassen. Unser Funkbild zeigt den Fallschirmspringer Sohn mit seinem eigenartigen Apparat. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sich diese neue Konstruktion noch weiter entwickeln läßt. Empfehlenswertes aus den Programme«: Donnerstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Nachrichten, 12.10: Prager Rundfunkorchester spielt, 15.55: Schallplatten: Slowakische Volkslieder, 17i55: Deutsche Sendung: Uebertragung aus der„Urania": Festprogramm zum 85. Geburtstag des Präsidenten Masaryk, 19.10: Blasorchesterkonzert, 22.15: Konzert des Prager Salonorchesters. Sender S: 14.30: Tamburistenkonzert, 15: Deutsche Sendung: Lebensund Staatsphilosophie des Präsidenten der Republik.— Brünn 17.50: Deutsche Arbeiter- s e n d u n g: I. Polach: Die Bedeutung des Präsidenten Masaryk, sozialpolitische Reportage, 18.25: Tanzmusik.— Mährisch-Ostrau 17.55: Deutsche Sendung: Hilde Raave singt Opernarien.— Preßburg 17.20: Klavierkompositionen. Die Fra« Gouverneur glimpflich davongekommen. Wie aus Livingstone(Nord-Rhodesien) gemeldet wird, haben die Frau des Gouverneurs Noung und Dr. Kerby, die bereits längere Zeit vermißt wurden, in einer Depesche mitgeteilt, daß ihr Flugzeug in einer verlassenen Gegend in Nord-Rhodesien zertrümmert wurde, daß sie selbst jedoch ohne Verletzungen davongekommen seien und sich in Sicherheit befänden. Blutiger Wahn. In einem Wahnsinnsanfall versuchte ein 32 Jahre alter Reisender in D i j o n seine Frau und seine drei Kinder zu erschießen. Er traf jedoch nur seine fünfjährige Tochter, die tödlich verletzt wurde, während seine Frau und die beiden anderen Kinder sich durch ein Fenster ins Freie retten konnten. Als die Polizei erschien, schoß der Reisende auf die Beamten und verwundete einen von ihnen tödlich und einen zweiten leicht. Darauf richtete er die. Waffe gegen.sich selbst und beging'Selbstmord.' Grausames Schicksal. Durch Lawinen- st 2 r z e wurde in einem Dorfe in der Umgebung Oviedos ein Gebäude zerstört. Hiebei kamen sechs Kinder mit ihrer Mutter ums Leben. Richt mehr Persien. Im Post- und Telegraphenverkehr mit Persien ist spätestens vom 21. März 1935 angefangen(Iranisches Neujahr) einzig die richtige Bezeichnung Iran und iranisch anstelle von Persien und persisch anzuwenden. Wahrscheinliches Wetter von hente: Heiter bis halbheiter, in Böhmen nachts starker, im Osten der' Republik mäßiger Frost. In den Niederungen morgens strichweise nebelig und Rauhreif. In den Bergen weitere Erwärmung, Wind abflauend und gegen Osten drchend.— Wetteraussichten für Donnerstag: Auch in den Niederungen allmähliche Erwärmung, Andauern des ruhigen Wetters. Vom Rundfunk M Mm Deutfdje MM«« in dieser Woche bringt folgende Vorträge: Mittwoch(18.35 bis 18.55): Lebensbild des tapferen Koloman Wallisch(Ernst Pau l-Prag); M i t t w i ch(18.55 bis 19.00): Soz. Information: Traube Tomitza: Die staatliche« Altersunterstützungen. Mittw ich(19.45 bis 13.55): Arbeitsmarkt. Freitag(18.45 bis 18.55): AktueNe zehn Minuten(I o s e f H o f b a u e r-Prag); Sonntag(14.45 bis 15 Uhr): Die neu« Gemeindefinanznovelle(Bruno Schwa b-Weg- städtl). Drei Autorauber mit dem gestohlenen Wagen verbrannt Wien. Auf der Straße zwischen Laxenburg und Guntramsdorf ereignete sichDienstag früh ein schreckliches Automobilunglück, dem drei Menschenleben— es handelt sich um drei Autoräuber— zum Opfer fielen. Ein junger Mann fand in den frühen Morgenstunden die Trümmer eines verbrannte» Automobils und ein« verkohlte Leiche und etwas weiter zweiverbrannte Menschengerippe. Er rief die Gendarmerie, und es zeigte sich, daß«s sich um drei Automobilräuber handelt, die um 3 Uhr früh in der Bellariastraße in Wien dem Jng. Aug. Braun, der sich in ein Gasthaus begab und sein Auto vor dem Haus stehen ließ, gestohlen hatten. Mit dem gestohlenen Auto fuhren die Diebe in den 10. Bezirk und von dort weit«r gegen Laxenburg. Zwischen Laxenburg und Guntramsdorf verlor der Führer des Autos die Herrschaft über den Wagen und das Auto fuhr mit voller Wucht gegen einen Baum. Der Wagen wurde zertrümmert, der Ben- zintan k explodierte und das Auto verbrannte samt seinen drei Insassen. Die Gendarmerie konnte nurmehr die Nummer des Autos und seinen Besitzer, nicht aber die Identität der verbrannten Männer feststellen. Tagcsncuigkcttcn Aus dem Lande des Schafotts Halbersta dt. Der 30jährige Gustav Bäcker aus Bielefeld» der am 28. Oktober 1934 vom Schwurgericht in Halberstadt wegen Mordes und Raubes in zwei Fällen zweimal zum Tod« und zum dauernden Berlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt war und dessen Revision gegen das Urteil vom Reichsgericht verworfen wurde, ist am Dienstag morgens im Hofe des Ge- richtsgefängnisses in Halberstadt enthauptet worden. Bücker hatte am 29. Juni 1934 am Scharfenstein den Bankdirettor S ch u r i k aus Osnabrück und am 1. Juli 1934 unterhalb des Brocken den auf einer Harztour befindlichen Dr. Jng. Krauß aus Danzig durch je einen aus unmittelbarer Nähe abgegebenen Schuß in den Hinterkopf ermordet und dann beraubt. Bon dem Begnadigungsrecht ist kein Gebrauch gemacht worden, da der Brrurteilte ein gemeingefährlicher Schädling gewesen sei und der Schutz der öffentlichen Sicherheit die Bollstrrckung des Todesurteils geboten habe. März-Frost Prag. Der Zufluß kalter Luft aus Nord- und Nordosteuropa in den letzten Tagen hat, wie die Staatsanstalt für Meteorologie mitteilt, nunmehr besonders in Böhmen und Schlesien ungewöhnlich tiefe Temperaturen gebracht. In diesen Gebieten konnte sich der Frost nach eingetretener Ausheite- rung und Windstille infolge Vorhandenseins einer geschloffenen Schneedecke durch Ausstrahlung noch bedeutend verstärken. In der Nacht auf Dienstag sank die Temperatur in Tabor und Linc auf minus 16 Grad, in Milowitz auf minus 17, in Reich e n b e r g auf minus 18 G r a d, in Policka und Spindler Mühle auf minus 23 Grad und in Easlau auf 24 Grad. Breslau meldet ein Minimum von minus 21 Grad. In Prag wurden am Karlov minus 14.3 und im Klementinum minus 12 Gras verzeichnet- Es ist di«S feit dem Jahr« 1889 die tiefste im März beobachtete Temperatur, wenn man von dem extrem kalten Winter 1929 absieht, wo— allerdings nur in den ersten drei Tagen des Monates— noch tiefere Werte verzeichnet wurden, nämlich am 3. März minus 22.6 Grad am Karlov und minus 21 Grad im Klementinum. In den östlichen Landern des Staates ist der Frost geringer, weil dort nur strichweise etwas Schnee liegt; in der Slowakei wurden minus 10 Grad nur ganz vereinzelt erreicht. Wenngleich über Nordeuropa bereits eine langsame Erwärmung eintritt, so sind für die nächsten Tagen in den abgeschlossenen Lagen Böhmens noch strengere Strahlungsfröste zu erwarten. öeA MSm In Nkl Mm» Ata non»Ine»MM Zwei Tote geborgt« 9t. 55 Mittwoch, 6. März 1835 Sette» Ehrenkarten Es klopfte. Herr Direktor Steinburg ließ die Sekretärin los und diktierte weiter.. und verbleiben mit ausgezeichneter Hochachtung...". s Dann rief er„Herein!". Der Diener brachte auf einem silbernen Tablett die Nachmittagspost. Das große elegante Kuvert— Diplomatenformat— fesselte sofort . die Aufmerksamkeit des Direktors. Ein Schnitt ■ mit dem ziselierten Papiermesser, dann las er pu i■ tereffiert. „Was ist es denn?", fragte die Sekretärin und zog ihre verwischten Lippen nach. „Eine Ehrenkarte.. Der neue portugiesische Gesandte gibt Morgen einen Hausball." „Darf ich mitkommen?" Sie sah ihn bit- r lend an. Er strich über ihr duftiges Haar.„Nein, Liebling, das geht nicht. Eine ganz offizielle Angelegenheit. Wird sicher sehr steif und langweilig fein— aber vielleicht läßt sich geschäftlich etwas . entrieren. Diese Ausländer sind unternehmungslustig. Unsere Sockenhalter haben Weltruf. Portugal hat Kolonien. Eine Ausdehnung unseres Absatzes kann uns nur erwünscht sein... Nicht böse sein, kleine Mimi, morgen muß meine Frau . im Glanze ihres Familienschmuckes dabei sein, um den Herren zu zeigen, daß noch Wohlhabenheit unter der mitteleuropäischen Kaufmannschaft herrscht...1" Er steckte die Karte sorgfältig ein. „Wo waren wir stehen geblieben—?" „Inno—cen—cio da Sil—va. Portugiesischer Gesandter...!" Der Selchermeister Johann h Gottfried Weber klatschte seiner Frau auf die rückwärtige Rundung und fragte triumphierend: |„Na, Alte, was sagst' jetzt?!" „Jessasmarandjosefl", sie schlug die Hände zusammen. „Das hat mit de Heiligen gar nix zu tun! Das is eigenes Verdienst.. „Wieso der grad auf uns verfallt— da i Silber... Mir kennen ihn doch gar net?" „Des is ganz einfach: Der Gesandte wird t halt amol an Aufschnitt gessen haben oder ein t Paar Wiener Würschtel— na, und die wer'n k ihm so gschmeckt haben, daß er fragen hat laflen, l von wem die san—! De Portugaler verstengan 1 was vom Essen, mei Liaberl... Ob i eahm als k Revanche für die Ehrenkarte a Stucker! unter- k spickts G'selchts mitbring?" „Na, des schickt sich net!", wehrte Frau f Weber ab. Und sinnend:„Wo liegt denn das l eigentlich, Portugal?" „Hörst, bist du ungebildet! Daß du mi » morgen net so blöd fragst und mi blamierst! Wo I wirds denn liegen?... I waß net... Is ja S, Wurscht! Die Hauptfach is, das neuche Kleid ziagst k an und die Wei Wllwr-M" 1:<- „Alle zwa?" „Freili— zu was hab i dirs denn kauft? » Und. die Ring net vergessen... und die Platin« | armbanduhr... und die drei goldenen Reifen." „Aber das bring i ja net alles auffi—!" „Dann hältst du's in der Hemd... Was p manst Alte— portugiesischer Hoflieferant... !. War net schlecht, was?" »Schön wär des! Aber was machen wir, k wanns a Republik san?" „Dan schreiben wir drauf: Königlich-repu- i blikanischer Hoflieferant!" „Slepicka— morgen muß mein Frack tadel- « los.aufgebügelt sein! Die Lackschuhe haben zu k glänzen wie venezianisches Kristall!" „Jawohl, Herr Kammersänger." „Und laß mich nicht an meine Orden ver- f gessen!" „Nein, Herr Kammersänger." .La—le—li—Io!— Jnnorencio!— Ma— f rne—mi—mal Da Silva!", übte der Sänger Tonleitern. Dann meinte er:»Die lieben Kol- s legen behaupten doch, ich wäre bloß eine Lokal- Größe. Ist eS nicht so, Slepicka?" „Mein Gott, Garderobenklatsch, Reid... . nichts weiter!", suchte sich der treue Garderobier herauszuwinden. k.»Eben deshalb! Du kannst den lieben Kollegen so unter der Hand erzählen, daß mir der f, Portugiesische Gesandte eine Ehrenkarte zu seinem ■ Hausball schickte! Demnach scheint mein Name schon bis an die äußerste Südostspitze Europas t k gedrungen zu sein... Wohlan! Ich habe gehört, daß die Oper in Lissabon Niveau hat. Ein Gastspiel dorthin—." Die Klingel schrillte eindringlich und gab das Zeichen zum Austritt. Die Billa des neuen Gesandten lag in einer stillen Seitengasse des Wiener Cottage. Jetzt zogen Privatwagen und Taxi in schimmernder Reihe vorüber. Da Maskenzwang herrschte, so fielen vor allem der kostbare Schmuck und die eleganten Toiletten der zahlreichen Gäste ins Auge. Die Stimmung war vorzüglich, der Ton mutete durchaus nicht gezwungen, sondern vornehm heiter an, ja es flackerte zuweilen eine Ausgelassenheit auf, wie man sie eben nur in südlicheren Ländern antrifft. "„The five big bad boys"— ebenfalls maskiert — spielten unermüdlich, die Bewirtung genügte den verwöhntesten Ansprüchen, die Elegante der Räume vervollkommnete dieses Fest. Gespannt warteten alle auf die Demaskierung, um dem Gesandten vorgestellt zu werden. Schlag zwölf verlosch das Licht. Die Masken fielen. Sie waren bereits fünf Minuten gefallen und es blieb noch immer dunkel. Die Gäste fanden den Scherz köstlich. Aus dem Gedränge klang TolKsfflrtsdiaM and Sozialpolitik Die Bodenreform Die Auflösung des Staatlichen Bodenamtes steht bevor. Nach fünfzehn Jahren endet damit die Tätigkeit einer Behörde, deren Aufgabe war, die 1819 von den gesetzgebenden Körperschaften beschlossene Bodenreform durchzuführen. Bon den im gesamten Staatsgebiet vorhandenen 14 Millionen Hektar Boden wurden über vierMillionenHektaroder29Pro» z e n t beschlagnahmt.- Rach einer Zusammenstellung im Statistischen Jahrbuch für 1934 entfielen davon bis Ende des Jahres 1932 auf: in Hektar in Proz, Böhmen.... 1,898.628 30.7 Mähren-Schlesien. 787.946 29.4 Slowakei.... 1,396.138 28.8 Karpathorußland 288.908 18.9' Bon den vier Millionen Hektar beschlagnahmten Bodens waren über 2.7 Millionen Hektar nichtlandwirtschaftlicher Boden, also Wälder, Hutweiden, Bauparzellen oder ertragsloser Boden, fast 2.3 Millionen Hektar waren Aeckcr, Wiesen, Gärten, Wein- und Hopfengärten. Interessant ist eine Uebersicht über die Größenklassen des beschlagnahmten Bodens. Es wurden beschlagnahmt: Hekt a r Zahl d. Fälle in Hektar in Prozenten bis 250 203 41.745 1.0 über 280 bis 500 - 694 247.593 6.1 über 800 bis 1.000 a 411 284.466 7.1 über 1.000 bis 5.000 a 455 988.635 24.6 über 8.000 bis 10.000 a 72 490.015 12.2 über 10.000 bis 50.000 73 1,358.609 33.8 über 50.000 bis 100.000 2 140.665 8.5 über 100.000 1 3 469.889 11.7 Ein Vergleich der Größenklassen des beschlagnahmten Bodens unter den Ländern unseres Staates ergibt dieses Bild: Bis250Hektar wurden beschlagnahmt in: Bonüber250bis1800Hektar wurden beschlagnahmt in: in Fällen Hektar Böhmen... . 71 12.646 Mähren* Schlesien . 29 . 4.386 Slowakei... . 119 24.069 Karpathorußland. . 16 2.428 in Fällen Hektar Böhmen... . 331 155.964 Mähren- Schlesien . 122 62.975 Slowakei... . 611 287.899 Karpathorußland. .«7 31.329 onüber!000b i s 5 0.0 0 0 Hektar wurden beschla. znahmt in: in Fällen Hektar Böhmen... . 217 1,206.291 Mähren- Schlesien . 132 594.644 Slowakei... . 250 1,101.08tz Karpathorußland. . 20 71.881 Ueber 8 0.0 00 Hektar wurden beschlagnahmt in: in Fällen Böhmen.... 2 Mähren- Schlesien. 1 Slowakei.... 1 Karpathorußland.. 1 Hektar 233.727 128.991 83.879 133.270 Nahezu 86 Prozent des gesamten in Karpathorußland beschlagnahmten Bodens umfassen diese 133.270 Hektar! Das Staatliche Bodenamt hat bisher 1.8 Millionen Hektar beschlagnahmten Bodens an neue Eigentümer übergeben. Und zwar 86.000 Hektar an langjährige Kleinpächter. 1,166.000 Hektar wurden im ordentlichen Zuteilungsverfahren vergeben. Davon waren 46 Prozent Kleinzuteilung, 41 Prozent größere Objekte und 13 Prozent Restgüter. Verstaatlicht wurden-477,000 Hektar, wovon 440.000 Hektar Wald, der Rest landwirtschaftlicher Boden ist. 1.6 Millionen Hektar sind den bisherigen Eigentümern belassen worden. Der Rest wird im Zuteilungsverfahren vergeben oder verkauft werden. Die- nach der endgültigen Liquidierung des BodenamteS noch verbleibenden Aufgaben werden vom Ländwirtschastsministerium übernommen. Dänische Genossenschaft«» 14 Prozent billiger als freier Handel Der letzte Jahresbericht der dänischen Genossenschaften enthält einen Vergleich zwischen den Preisen der Konsumgenossenschaften und den Einzelhandelspreisen, die vom dänischen statistischen Amt veröffentlicht worden sind. Dieser Vergleich beruht auf Erhebungen der dänischen Genossenschaften sowie des dänischen statistischen Amtes für .133*fiüuSodiürid ftir 36 Städte»'da^uuicr„Kg? penhagen. Er erstreckt sich'auf folgende 17 Produkte: Gerste, Kartoffeln, Mehl, Reis, Sago, Zulker(feiner und Stückzucker), Kaffee, getrocknete Aepfel, Pflaumen, Aprikosen. Erbsen, Pflanzenfett, Margarine, Stockfisch, Salz, Soda, schwarze Seife. Wenn die Rückvergütung der Konsumvereine nicht in Betracht gezogen wird, so waren für 1934 die genossenschaftlichen Preise im Durchschnitt um beziehungsvolles Prusten, Kichern, Lachen. Nach zehn Minuten wurden in der Dunkelheit die ersten Rufe nach Licht laut. Man fand es komisch, daß der Gastgeber sich nicht meldete. Nach einer Viertelstunde vermutete man Kurzschluß und wartete geduldig noch weiter« 18 Minuten, bis jemand auf den Einfall kam. ein Streichholz anzuzünden. Es verglomm bald. Hat denn niemand ein Feuerzeug?, fragte einer. Doch, natürlich, antwortete des Direktors Stimm« und nach erwartungsvoller Pause:„Ich kann es nicht finden ... Ich muß es verloren haben."„Ich auch!", meldete sich ein Dritter.„Meine Tabetierel", rief ein Vierter.„Was ist damit?", fragte der düstere Chor..Gestohlen!".Nein!".Ja!" Und plötzlich kresschten eine Menge Damen und Herren: „Um Gotteswillen l Mein Armband! Meine Uhr! Meine Brieftasche! Mein Ring! Licht! Skandal! Diebe! Wo ist der Hausherr? Das find keine Witze, das kann man in Afrika machen, aber nicht in Wien! Licht zum Teufel! Ilse! Heinrich! Adalbert! Egon! Paul! Erika, wo bist du?— Innocenzis?" ,Lierl", gab ein helles dünnes Stimmchen zurück.„Junocenciol", rief einer. „Nicht hier!", erwiderle ihm ein anderer- Gelächter, Flüche, Dunkelheft, Verwünschungen, Damen fielen in Ohnmacht, das Durcheinander war grenzenlos. Holt die Polizei! Wo sind die Türen?„Gestohlen!"„Wer macht denn jetzt noch Scherze? Sucht lieber die Klinken!" Man stieß sich an Möbelstücken wund, warf Teller auf den Boden, zerbrach Gläser, zerschnitt sich die Schuhe,'begoß die kockbaren Toiletten, aber endlich fand man die Klinken. An versperrten Türen... Haut die Fenster ein!.,. Unmöglich — der Skandal!... So stemmten sich alle gegen die Tür, sie gab nach, die vorderen kamen zu Fall, die Nachdrängenden stürzten über sie. Durch hohe Gangfenster schien mit mildem Schein der Mond. Die Villa schien ausgestorben..Hurra, ein Telephon!" jauchzte jemand.„Gerettet!", schrieen einige Optimisten.„Nein, kaputt!", sagte der von vorhin.„Die Drähte sind durchschnitten". „Adolf— meinen Mantel!", schrie gellend eine Frauenstimme. Alles raste zur Garderobe— sie war vollkommen leer.„Banditen! Gauner! Gesindel! Polizei! Wo bleibt denn die Polizei! Verständigt doch die Chauffeure!" Wie eine rachdurstige Horde Dschingiskhans trommelten nun alle gegen das Tor, zertrümmerten die Fenster, riefen um Hilfe— bis endlich ein Ueberfallsauto zur Stelle war... „Tolle Burschen!", sagte der Polizeikommissär nach erfolgtem Lokalaugenschein.„Sie haben Pech gehabt, meine Herrschaften, daß Sie gerade big Bill in die Hände fielen! Dessen Spezialität es ist, sich mit seiner internationalen Bande m leerstehende, einsame Villen einzumieten und reiche Leute auszuplündern..." Er wollte sagen: eitle, reiche Leute— unterdrückte es aber. „Diese Billa hat selbswerständlich einen rückwärtigen Ausgang, ich fürchte, Bills Vorsprung ist ziemlich groß... Jetzt muß ich die Herrschaften bitten, mir aufs Kommissariat zu folgen, um einen genauen Tatbestand aufzunehmen und die Liste der abhanden gekommen en Sachen zusammenzustellen. Bitte alles einsteigen.. Frierend und unter Protestrufen. nahmen alle in ihren Wagen Platz und fuhren unter sicherem Schutz auf das nächgelegene Kommissariat. Als der Sänger am nächsten Abend in seine Garderobe kam, stand dort ein Rosenstrauß auf seinem Tisch mit einer Visitenkarte: Dem berühmten Kammersänger in Ehrfurcht! Die portugiesische Gesandtschaft! Der Sänger zerriß die Karte. Er wußte, die Kollegen hatten sich einen Scherz erlgubt. Aber er schwieg. „Siehst du, das kommt davon, wenn man seine Freundin mit der eigenen Frau betrügt!", sagte Mimi zu Herrn Direktor Steinburg, als er übernächttg ins Büro kam. Der räusperte sich und fragte:„Wo sind wir stehen geblieben...?" „Alle zwei Kollier habens mir gestohlen und die Plattnuhr!... Und zwei goldene Reifen!", schimpfte erbost Frau Weber. »Jetzt hör schon auf, mit deinem Lamen- tieren! Mir habens a die Brieftaschen und die goldene Uhr zogen und r red net soviel! Daß du dir ka Bildung angwöhnen kannst!" „Jessasmarandjosef! Die. ganze Brieftaschen?" Johann Gottfried Weber nickte.„Und die goldene Uhr? Die was i dir zur silbernen Hochzeit gschenkt hab?" Er nickte wieder. Frau Weber weinte. Plötzlich meinte sie entrüstet: Mnd so aner Bagasch' hast du a unterspickts Gselchts bringen wollen!"—hlr—. Venizelos an der Spitze der Aufrührer Der 71jährige frühere Ministerpräsident von Griechenland, Venizelos, steht an der Spitze des griechischen Aufstandes, der zu einer schweren Machtprobe der griechischen Regierung geworden ist. 7.1 v. H. niedriger als die Preise, die das statt» stische Amt für den Einzelhandel veröffentlicht. Wird die genossenschaftliche Rückvergütung mft eingerechnet, so waren die genossenschaftlichen Preise im Durchschnftt um 14.4 v. H. niedriger. Frauenarbeit in Rußland Die Frauenarbeit in der Union der Soziafi-: stischen Sowjetrepubliken hat in den letzten fünf Jahren sehr zugenommen. Nach den vom Zentralrat der Gewerkschaften veröffentlichten Stattstiken hat sich die Zahl folgt entwickelt: der beschäftigten Frauen wie Zeitpunkt Zahl der beschäftigten Krauen Hmidertsav der Kraue» im Verhältnis zur Gesamtzahl der Beschäftigte» 1. Oft. 1928 2,394.500 24,6 1. Ott. 1930 3,697.600 25,1 1. Juli 1932 6,907.000 30,6 1. Juli 1933 7,066.900 37,7 Es waren demnach im Jufi 1933 mehr als ein Drittel aller Arbeitnehmer Frauen. Nach Angaben des russischen Zentralstattstt- schen Amtes war die v. H.-Zahl der beschäftigten Frauen«n den 1928 v. H. 1933 V.S. Produktionsmittelindustrien 11,3 24,0 Verbrauchsgüterindustrien 50,0, 57,2 /Mach- drr^ Mtttszvsmnmenfetzüng ergeben> die Erhebungen, oäß die'grosse Mehrzahl der&e2* fÄ schäftigten Frauen weniger als 30 Jahre alt ist. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen hat ein Alter unter 23 Jahren. Gin erschütterndes Liebermann-Dokument »„Ich leie nur»och a«S Haß.. In der»Reuen Zürcher Zeitung" schildert«in« junge Schweizerin ihren eineinhalbstündigen Besuch bei dem kranken, verzweifelten Mar Liebermann der letzten Wochen. Es ist wohl der einzige Besuch, den Liebermann im Ausklang seines Lebens empfangen hat. Der Bericht der Schweizerin ist von hohem dokumentarischem Wert, zeigt er doch mit aller Deutlichkeit, daß diesen alt«n Mann die Hitlers barbarei in den Tod getrieben hat. »Ich mag nicht mehr leben..." sagt Liebermann zu seinem Besuch,„ich habe eS so s a t t, so satt... AuS der Akademie haben sie mich h i n- auS geworfen, deren Präsident ich dreizehn Fahre lang war— nure n einziger von diesen...». hat den Mut gehabt, dagegen zu. pro- testieren—: Kokoschka..." Die Besucherin versucht einen Einwand:»Abe« Herr Professor, stehen Sie nicht über allen diesen Dingen?" Liebermann antwortet:»Mein liebes Kind, glauben Sie doch nicht, daß irgendeiner von uns über den Dingen steht—, wir sind alle abhängig vom Urteil unserer Mitmenschen.,. Es ist eine,schwer« Zeit— mich jammerts, wenn ich an dit Jugend von heute denke.-." Pause des Schweigens. Und dann sagt der alte Künstler, mit einem Gesicht, aus dem unsägliche Bitterkeit spttcht; ..Wissen Sie, rchlebenurnochausHaß. Jeden Tag, wenn ich die Treppe dieses Hauses hinaufgehe, das noch meinem Vater gehörte, steigt der Haß in mir hoch. Ich möchte mit Bismarck antworten: Meine Nächte verbringe ich nur noch mit Haß.... ich schaue nie mehr aus den Fenstern dieses Zimmers:— ich will die,... Welt um mich herum nicht sehen...." Und auf einen weiteren Einwand: „Ja, ich kriege Briefe von überall,' es ist schöh aber sehen Sie, ich bin mein ganzes Leben Deutscher gewesen, nur Deutscher. Seit siebzehn Jährest habe ich Berlin überhaupt nicht mehr verlassen—•, ich hätte anderswo leben sollen— ich tonnte es nicht. Mein ganzes Leben glaubte ich Deutscher zu sein— und jetzt— was bleibt mir jetzt übrig!" So starb der deutsche Künstler Ma^ Liebermann—. tzeite 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 6. März 1935. Nr. 55 PRÄGE» Prager Geschäfte schließen am Donnerstag«m , S Ahr nachmittags. Der Einheitsverband der Pri- i yatangestellten gewann die größten Prager Geschäfte für den Vorschlag, die Geschäfte am Geburrs- tage des Präsidenten mn 5 Uhr nachmittags zu schließen. Auf eine Umfrage des Prager Gremiums haben sich diese Geschäfte zustimmend geäußert. Gerichtssaal Eine Tochter verhaut den Vater Die wuchtige Hand der Fra» Bankdisponentin Prag. Eine Anklage wegen schwererKör- perverletzung... Schwer im gewöhnlichen Sinne war die in Frage stehende Verletzung allerdings nicht. Im Gegenteil, sie bestand nur in einigen blauen Flecken im Gesicht. Aber sie wurde einen? Vater von der Hand der eigenen Tochter zugefügt und nach dem Strafgesetz wird auch die leichteste Verletzung der eigenen Eltern als schwere Körperbeschädigung betrachtet, mithin als Delikt, das vor dem Krrisgericht zu verhandeln ist. OGR. Knaute als Einzelrichter hatte über diesen ziemlich häßlichen Fall zu entscheiden. Ein Fleischermeister aus K o s i r lebte aus Gründen die hier nicht zu erörtern sind, sowohl mit seiner Frau, als auch mit seiner, an einen Bankdisponenten verheirateten Tochter nicht eben im besten Einvernehmen. Es kam soweit, daß die feindlichen Ehegatten ihr« bis dahin gemeinsame Wohnung in zwei streng geschiedene Territorien schieden. Der Fleischermeister hauste in der Küche und seine Gartin im Schlafzimmer und jeder der beiden Ehepartner sperrte sich erbittert gegen den andern ab. Die verheiratete Tochter, die auf Seite ihrer Mutter stand, wurde von ihrem Vater gleichfalls nicht mit freundlichen Augen betrachtet und wenn sie zuweilen zu Besuch kam, galten diese Besuche stets und ausschließlich nur ihrer Mutter. Ein schwerer Stein des Anstoßes ergab sich daraus, daß der Eingang in die Wohnung über die Küche führt«, die der feindliche Gemahl bzw. Vater innehatte. Als eines Tages die^Frau Bankdisponentin ihrer Mama einen Besuch abstatten wollt«, fand sie die Küche verschlossen. Sie ersuchte das Persona? um Aufschließung. Das Personal war in Verlegenheit, denn mit dem Chef war nicht zu spaßen und sein wenig liebevolles Verhältnis zu Frau und Tochter war bekannt. Tatsächlich geriet der Chef auch in heftigstem Zorn..Was hast du meinem Personal anzuschaffen, du.. Kurz gesagt— es kam zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen Vater und Tochter und schließlich zu Handgreiflichkeiten, bei denen der Fleischermeister den Kürzeren zog. Verschiedene Kratzer und blaue Flecke legten Zeugnis von seiner Niederlage ab. In hitziger Aufwallung erstattete der Vater Strafanzeige und so kam es zu dieser Verhandlung. Seither ist der„mißhandelte" Vater freilich zu besserer Einsicht gekommen. Er entschlüg sich als Hauptzeuge det Auslage und die angeklagte Töchter wurde freigesprochen. Der Richter entließ die Angeklagte und den Zeugen mit eindringlichen Ermahnungen. Hoffen wir, daß sie etwas fruchten! rb. Kunst und Wissen Betthoven-Ouatttttabend. Im vollbesetzten Saal -es.Mozarteum" wurde vorgestern abends Kammermusik in Reinkultur geboten. Und zwar in einem ausschließlich dem Genius Beethoven gewidmeten Konzert. Des Meisters Quartette in f-moll und C-dur sowie das wundervoll erfüllte und so persönlich geistige Cis-moll-Quartett wurden gespielt. Künstlerische Mittler der Werke waren die Künstler des Wiener Kolisch- Ouartettes. Diese Kammermusikvereinigung, die erst vor wenigen Jahren bei ihrem ersten Prager Auftreten berechtigtes Aufsehen erregte, ist seither ständiger und immer wieder gleich begeistert aufgenommener Gast in den Prager Konzertsälen geworden. Sie truitde auch vorgestern wieder gebührend gefeiert. Glühende Musikbegeisterung. mitfortreißendeS Temperament und faszinierender Rhythmus zeichnen das Spiel dieser Kammermusikkünstler aus, deren Zusammenspiel von idealer Einheitlichkeit, deren Vortrag von überzeugendster Lebendigkeit ist und deren Musikalität ihresgleichen sucht. Wenn diese Künstler ihr Programm frei aus dem Gedächtnis spielen, erscheint dies nicht als unerhörte Sensation einer kaum glaublichen reproduktiven Ensemblekunst, sondern als natürliche Folge ihrer unerhörten musikalischen Intelligenz und Genialität, E. I. Joseph Schmidt, das Rundfunk-Tenorphänomen, lehrtedurch kein Konzert im Deutschen Theater eindringlich, daß das Radio über das ihm innewohnende Wundep hinaus auch noch dir Zauberkraft besitzt, dort Caruso-Töne vorzutäuschen, wo es sich in Wirklichkeit etwa um eine Piccaver-Miniatur-Stimme handelt, noch dazu um eine, von der die grauen Schleier erst in der obersten Quint fallen. Diese Höhe allerdings hat, wenn auch keineswegs mitreißende Leuchtkraft, so doch edelsten, bestrickenden Glanz. Das.Geheimnis" Schmidts liegt, abgesehen von der Fortwirkung der Rundfunkbeliebtheit, im leichten Ansatz, in der totsicheren Intonation, in der Kunst der Bindung, in vorzüglicher Atemtechnik. Die Ceftihlsskala, über die der kleine Sänger verfügt, ist dagegen fa r: armselig, und befriedigt, ebenso wie sein Programm, gerade diejenigen, deren Geschmack leichtesten italienischen Singsang vorzieht. Bewundernswert, wie der Sänger seinen Stimmäpparat beherrscht und sich trotz einer Indisposition, die die nctürliche Heiserkeit seines Organs noch verschärft, nicht nur durch Verdi, Smetana und Puccini durchsingt, sondern am Schluß noch mit der. Massenet'schen„Weither"-Arie so brilliert, daß trotz reichlicher Zugaben die Schmidt-Enthusiasten erst vor dem eisernen Vorhang kapitulieren. L. G. ZEITUNG Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute Mittwoch halb 8 Uhr: Jüdin, B 1, — Donnerstag halb 8: I e n u f a, Festvorstellung <£ 1.— Freitag halb 8: Der Troubadour,. Gastspiel Francesko Patta-gl-ia, Verdizyklus, D 2,— Samstag halb 8; Eine Frau lügt, C 1.— Wochenspielplan der.Kleine» Bühne. Heute Mittwoch 8: Teuselsmädel.— Donnerstag 8: Teufelsmädel.— Freitag 8:Teufels- mäde l, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag halb 8: Mädchen für Alles, Erstaufführung. Lawrence Tibvett und Lupe Velez in dem amerikanischen Film„Kubanisches Liebeslied". Großes Debakel des Razi-FilmS. Wie der Berliner Korrespondent des Londoner«Dailtz Telegraph" seinem Blatte meldet, hat der grotzange- kündigte Nazi-Film„Der Triumph des Willens", mit dessen Herstellung Hitler sein« Freundin Leni Riefenstahl und den einstigen Avantgardefilm- Regiffeur Walter Ruttmann beauftragt hatte, ein unrühmliches Ende gefunden. Die Arbeiten zu diesem Film wurden beim Nürnberger Parteitag im September begonnen und haben sich unttr Mit- wittung Hundetter von SD» Und SA-Männer»— monatelang hingezogen. Jetzt hat Hitler verfügt, daß alle Szenen bis auf die Nürnberger Parteitags-Aufnahmen vernichtet werden sollen.— Er hat offenbar eingesehen, daß es hoffnungslos ist, ein« Nazi-Kmrst zu erzeugen, die über Reden, Paraden und Feuerwerk hinausreicht. Die Moskauer Film'Prttse. Die Jury der Moskauer Film-Festspi«le, bestehend aus dem Leiter der Hauptverwaltung der Sowjetfilmindustrie Schumjatzki, dem stellvertretenden Präsidenten der französischen Filmkammer Andre Debry, dem Vorsitzenden der Gesellschaft für kulturelle Verbindung mit dem Ausland Arosejew und den Sowjetregisseuren Eisenstein, Pudowkin und Dowschenko, erkannt« nach Durchsicht der nach der internationalen Ausstellung in Venedig im Jahre 1934 herausgebrachten Filme der Leningrader Filmfabrik für di« Herstellung der künstlerisch außergewöhnlich hochstehenden Filme„Tschapajew" sowie der Filme „Maxims Jugend" und„Bauern" den ersten Preis zu. Die genannten Filme verbinden den realistischen Stil der. Sowjetkinematographie mtt ideologischer Tiefe, Lebenswahrhaftigkeit und Einfachheit. Sie weisen eine hohe Regiekunst und ein vorzügliches Spiel der Schauspieler auf. Den zweiten Preis erhielt der französische Film„L e tz- ter Milliard ä r" und den dritten Preis Walt Disney für künstlerische Multiplikationsfilme. Die Jury hob die Kunst der Schauspieler des tsche- choslowakischen Films„H«j r u p" von V o s k o- veeund Werich hettwr. Sport• Spiel• Körperpflege England, die Sportnation ohne Arbeitersport WaS find die Ursachen? England gilt mit Recht als das„Mutterland deS Sports". Irgendeinen Sport betreibt dort jeder Mensch. Sportliche Wertungen durchziehen das gesamte gesellschaftliche Leben Englands. Will man von efiren Menschen sagen, er ist liebenswürdig unb edel,ffo sagt man„he is a spottsman"(er ist ein Sportsmann). Man sagt das auch dann, wenn der Betreffende gar keinen Spott betreibt. Auch auf die Politik und im Wittschaftsleben wendet man den sportlichen Begriff„fair play" an, was eüva anständiges, gerechtes und sauberes Verhalten bedeutet. England ist das Mutterland des Sports, weil es das Mutterland des Kapitalismus ist. Der Kapitalismus hat einerseits oas Bedürfnis nach freieren Formen der Arbeit, nach frischer Lust und ausgleichendem Spiel geschaffen, andererseits hat er die allgemeinen sozialen und politischen Voraussetzungen für den Sport entwickelt(Normalarbeitstag, So- zialpolittk usw.). Infolge der industttellen Entwicklung wurden die Arbeitsverhältniffe mechanisiert und die Menschen in großen Städten zusammengeballt. In England vollzog sich all dies besonders schnell, intensiv und bedrückend. Noch heute bieten di« großen Industriegebiete einen freudlosen Eindruck, man ist entsetzt über die Häßlichkeit der Bauten, insbesondere der Arbeiterwohnungen in den typischen Proletattervierteln, di« schon so oft das Thema von Schttft- stellern und Sozialpolitikern waren.- Um so intensiver mußte sich daß Bedürfnis nach Licht und Lust zu seinem Recht verhelfen. Hinzu kommt das Klima des Inselstaates, das ebenfalls ein bedeutender Faktor für die Entwicklung des englischen Sports war und ist. Das feuchte Klima wittt sehr ungünstig auf die menschlichen Organe, hemmt den Bluttreislauf, wirkt ermüdend und zwingt di« Menschen(bewußt oder unbewußt) zu Leibesübungen. Nach England übersiedelte Festlandbewohner haben sich auf der Insel genöttgt. gesehen, Sport zu betreiben, um leistungsfähig und gesund zu bleiben. Das Merkwürdigste ist nun, daß die Spottnation England so gut wie keinen Arbeiterspott kennt, obwohl dieses Mutterland des Spotts zugleich das Mutterland des Kapitalismus ist. in dem es doch— den Marxismus oberflächlich angewandt L—. einen.sehr gesteigerten Klaffenkampf und dementsprechend auch ein sehr intensives politisches, witt- schastliches und kulturelles Eigenleben der Arbeiterschaft geben müßte. Das ist nun ganz und gar nicht 'der Fäll, und mancher sieht sich hier vor ein Rätsel 'gestellt. Allerdings sind einige sehr schnell mit die- sem Problem ferttg, indem sie„grobe Versäumnisse" oder gar^Verrätereien von Führern" wittern. Oft genug wurde die englische Arbeiterbewegung in ihrem Wesen verkannt und darum so primitw zu ihr Stellung genommen. Wir müffen das ander? sehen. England trat als erstes kapitalistisches Land in die Geschichte. Es hatte ungeahnte Aufstiegsmöglichkeiten und konnte die ganze Welt für sich erobern. Ein mächttgeS Weltreich entstand. Die Insel England arbeitete für die großen und weiten Besitzungen und spezialisierte sich mehr und mehr auf die industriell« Tätigkeit. So wurde England die Werkstatt der Welt. Obwohl es zuweilen kritische Zeiten und bedeutende reboluttonäre Kämpfe in England gab, war die englische Arbeiterschast im allgemeinen von einem statten Glauben an den Kapitalisnms erfüllt. Ihnen gegenüber schien er nicht zu versagen, im Gegenteil, ihr« Lebenshaltung stieg. Ihr« Freiheiten wurden größer usw. So entwickelt« sich allmählich eine nur auf den Tag beschränkte sozial« Tätigkeit. Vom sozialistischen Endziel war keine Red«. Man hat diese Haltung„reformistisch" genannt, aber nicht einmal das war fi«, denn der Reformismus ist prinzipiell sozialistisch, der englische Trades-llnionismuS war es bisher nicht. Durch die industrielle Sonderstellung England? ging die englische Arbeitettchaft also ganz besonder« Wege. Am 7. Oktober 1898 schrieb Engels an Marx: „Das englische Proletattat verbürgert mehr und mehr, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin zu bringen wollen scheint,«ine bürgerlich« Aristokraue und«in bürgerliches Proletariat rieben bei Böiiigeoiste zu besitzest. Bei einer Nation, die hie ganze Welt explöitiert(ausbeutet), ist das allerdings gerechffertigt." Da die Arbeiterklaffe nicht immer und unter allen Umständen sozialistisch und revolutionär ist, sondern sich solange wie möglich auf dem Boden der alten Gesellschaft zu behaupten sucht, haben die englischen Arbeiter kein antikapitalistisches— sozialiftt- sches— Programm gehabt, darum auch auf keinem Gebiet ein Eigenleben gegenüber den bürgerlichen Schichten entwickelt. Auf einer bestimmten Höhe der Entwicklung kann auch England, deffen Position durch das Aufkommen anderer Machte außerordentlich bedroht ist, den alten Zustand nicht mehr aufrechterhalten. Notwendigerweise müffen die Arbeiter sozialisttsch werden. Wir stehen mitten in diesem Prozeß. Heute hat die englische Arbeiterpattei, die auch erst sehr spät, und zwar im Jahre 1900 entstand, bereits ein sozialistisches Programm. Im Jahre 1890‘ konnte Friedrich Engels schon schreiben: „Die Bewegung der Arbeiterklasse in England geht unter der Oberfläche sott, ergreift immer weitere Schichten und gerade unter der bisher stagnierenden untersten Masse und der Tag ist nicht mehr fern, wo dies« Mass« plötzlich sich selbst findet, wo es ihr aufleuchtet, daß sie diese kolossale sich bewegende Maffe ist." Wenn auch mit anderen Ausdrücken als auf dem Kontinent, eignen sich die englischen Arbeiter die Sache des Sozialismus doch mehr und mehr an. Das Interesse für die Wette von Marx und Engels wächst gegenwättig zusehends. Eine neu« Phase englischer Arbeiterbewegurig kündet sich an. In dieser Phase wird auch der englische Arbeitettpott entstehen, der, wie jede gesellschaftliche Erscheinung, nur als Folge bestimmter objektiver Verhältnisse möglich ist. Das Holmenkoll' Springe» fand am Sonntag bei Oslo statt. Vor 60.000 Zuschauern(!) siegt« der Norweger Beck mit 49.5 und 50 Mtter vor dem Schweden Eriffon mit 49 und 50 Meter. In wenigen Stunden wurden über 500 Sprünge absolvrert. Der Wasa'Lauf, der längste Skiwettlauf der Welt, wurde am Sonntag bei Stockholm durchge- fühtt und endete mit ttnem toten Rennen zwischen den Schweden Heggblad und Blomstedt in der Zeit von 6:08:55 Std. Die Strecke, welche sonst 94 Kilometer betrug, war dieses Jahr nur 89 Kilometer lang. 42 Läufer statteten bei 30 Grad Kält«! Lus der Partei Sozialistisch« Jugend, Kreis Prag. Mittwoch, den 6. März. 8 Uhr abends Gruppenabende: S. I. Zentrum: Arbeiterelend im Dritten Reich.-— S. I. Holleschowitz: Friedrich Engels.— S. I. Weinberge beteiligt sich an der Atusversammlung. Verelnsnadirlditcn Mittwoch, den 6. d., um 20 Uhr findet im Winter-« garten des Hotel„Mono«? pol" ein« Mitgliederversammlung statt. Es spricht Genosse Richard Schönfelder über„Die nächsten Aufgaben des A t u s i n P r a g". Wir fordern alle Genossen und Genossinnen auf, diese ettte Mitgliederversammlung im heuttgen Jahr unbedingt zu besuchen. Uleramr Die Büchergilde Gutenberg befindet sich im Aufstieg. Eine starke Mitgliederzunahme im Jähre 1934 hat das literattsche Programm dieser Buchgemeinschaft für das Jahr 1935 äußerst günstig beeinflußt. Im neuen Heft der Büchergildenzeitschrist wird die Herausgabe von Wetten erster Autoren angekündigt; KarelCapek, der tschechische Meistererzähler, erscheint in der Gilde mit„Hordubal", einem der besten volkstümlichen Bauernromane der letzten Jahr«.— Der Weltreisende Wolf Harten kündigt einen spannenden Roman„Feuer im Osten" an. der in Japan spielt und sich mit der ungeheure» Umwälzung in diesem Lande auseinandersetzt.—- Nowikow D r i b o j, der bekannte russische Schriftsteller, der nordische Erzähler Albert Biksten, ArnoldZweig und die Schweizer H a.n sMühlestein und Jakob Bührer usw. werden im Zusammenhang mit ihre» Neuschöpfungen genannt.— Die Büchergilde Gütenberg schafft das wahre und vottstümliche Buch. Sie ist die Gemeinschaft, die für den arbeitenden Menschen durch das gute Buch zum besten Freunde wird. Dr. Walter A. Berendsoh«:„Weltkriegserin- nernngen".(Verlag: Buchdruckerei Neumann& Co., Prag X., Zizkova 10 b.) Berendsohn war Professor an der Hamburger Universität. Er war Großmeister, der Freimaurerloge" zur aufgehenden Sonne". Er ist Kriegsgegner. Und deshalb ist er nicht mehr Professor in Hamburg, sondern Emigrant in. Kopenhagen In der kleinen Schttft, die jetzt in Prag erschienen ist, erzählt er weniger eigene Kriegserinnerungen; er versucht eine Zusammenfassung der Weltkriegsettnnerungen anderer und Schlußfolgerungen für die Weltfriedensbewegung. Die Hauptaufgabe der Friedensbewegung sieht er in der Be- kämpfung der. internationalen Vettnüpfung des Rüstungskapitals. Hier ist seiner Meinung nach der schwächste Punkt— die erkennbarste Unmoralität des Geschäftemachens mit dem Kriege— des sonst so festen Walles der Kriegsanhänger. Berendsohns Schttft ist nur sechzehn Seiten stark, aber sie ruft Vergessene, leichtfertig Vergessenes ins Gedächtnis zurück, sie rüttelt auf, sie reiht schlicht und eindringlich einig« der wirksamsten gegen den Ktteg sprechenden Tatsachen aneinander, und deshalb verdient sie, gelesen zu werden. Aber es ist leider so: lesen wetdtn sie jene, die bereits Kriegsgegner und Anti- fasttften find(der Kriegsgegner muß Antisäscist sein, weil der Fascismus zum Kriege drängt!), aber zu denen, die kriegsbegeistett sind, dttngt sie nicht. —fb— s Hanns Leo Reich:„Schauspieler auf der Landstraße".(Saturn-Verlag, Wien.) Das deutet schon der Titel an, daß es sich dem Vettaffer nicht darum handelt, die romanttschen verlogenen Schauspielergeschichten noch um etliche zu vermehren. Die kleine» Geschichten und Skizzen und die schönen Gedichtes die in dem Büchlein Hanns Leo Reichs vereinigt sind» erzählen von Stellensuche, von Arbeitslosigkeit, vo». den meist recht unromantischen Abenteuern auf Provinzreisen, von vielen enttäuschten Träumen dec Schauspieler. Ein Hauch der Wehmut, einer lächelnden Wehmut steigt aus diesem Büchlein auf... Entgötterung der Kunst? Ach nein, nicht der Kunst! Aber Zetttörung vieler Legenden und Aussprechen der Taffache, daß die meisteu Schauspieler nichts, anderes sind als arme Proletarier, die genau so froh sein müffen, ihr Können gegen niedrige Ga-, gen verkaufen zu können, wie der Arbeiter, wenn er seine Arbeitskraft für niedrige Löhne vettaufen kann!—fb— i, Filme in Prager Lichtspielhäusern Atta:„Eine von Millionen". Tsch.— Alfa: „Menschen im Hotel". Greta Garbo. E.—- Avion:„Nana". Anna Sten. E.— Berantt:„Stürmische Jugend". Fr.— Fttlix:„Cav