ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. HD AKTION und VERWALTUNG frag xn„ FOCHOVA 62. telefon 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS. FRAG. Einzelpreis 70 Henn (•IntchllaSlich 5 Haller Forte) 15. Jahrgang Freitag, 8. März 1935 Nr. 57 Der Festakt in Läna Vertreter der Regierung und der beiden Häuser beim Präsidenten Lana. Der Präsident der Republik feierte den 85. Geburtstag auf Schloß Lana. Das offizielle Programm war sehr kurz. Um 11 Uhr vormittags stellten sich beim Präsidenten der Vorsitzende des Abgeordenten- hauses Dr. Stankt, der Borsitzendr des Senates Dr. Soukup und der Lorsitzende der Regierung Jan Malypetr ein, die dem Präsidenten die Glückwünsche der Nationalversammlung und der tschechoslowakischen Regierung überbrachten. Vie Kundgebung der Regierung lautet: „Herr Präsident! ! Dle Regierung der Repicklik beschloß in ihrer gestrigen außerordentlichen Festsitzung, Ihnen ihre ergebenen und aufrichtigen Glückwünsche zu Ihrem 88. Geburtstag zum Ausdruck zu bringen. Wir gedenken Ihrer aufopfernden Arbeit, die Sie auf wissenschaftlichem und politischem Gebiete für unser Volk geleistet haben. Es wurde auf Ihrer Weltanschauung begründet, daß schließlich immer die Wahrheit siegt. Diese Ihre feste und kompromißlos« Ucberzeu- gung gab Ihnen Kraft für die Kämpfe um ein richtiges Verstehen und Bewerten unserer politischen Verhältnisse vor dem Kriege und nach Ausbruch des Weltkrieges Hai in Ihnen die Entschließung zu Taten geweckt, für die fester Entschluß, persönliche Tüch- tigkeit und das unentwegte Vertrauen notwendig waren, daß nicht bloß die Wahrhest, sondern auch die Gerechtigkeit selbst im blutigen Kampfe auf Leben und Tod, siegen wird. LlC. sind von der Anstren« Nicht zurückgeschreckt/ noch auch vor der Ge- fo.hr und auch nicht vor der schweren Verantwor- hing, als Sie die Armee des zukünftigen freien CMates schufen und als Sie Ihr«-Beziehungen-zu hervorragenden Persönlichkeiten fast der ganzen zivilisierten Welt, Beziehungen, die auf Ihrer reichen wissenschaftlichen Tätigkeit begründet waren, dazu auSnühen konnten, zu überzeugen, daß unser Volk den blutigen Kampf außerhalb der Grenzen Ich bin bemüht und werde bemüht sein, Ihren Wunsch soweit es in meinen Kräften steht» zu «füllen. Es freut mich insbesondere, daß Sie zu mir nach einer besonderen Entschließung unsere gesetzgebenden Körperschaften und die Regierung entsenden. Ich bin wie i..i m e r auch heute üb erzeugt, daß die Demokratie dieeinzigeRegierungsformist, die uns entspricht, sowohl als Volk, als au ch als Staa.', sowie auch unserer geogra- phifischen Situation. Ihr wißet selber, daß unsere Demokratie nicht ohne Fehler ist und daß wir in dielen Richtungen sie vertieftn und verbeffern müssen, und bei gutem Willen unser aller wird das gehen. Unsere Außenpolitik ist friedliebend und konstruktiv, unsere Innenpolitik muß demokratisch im besten Sinne des Wortes sein. Die Feiern des 85. Geburtstages des Prä-> sidenten fanden ihren Höhepuntt am Donnerstag in allen Städten der Republik und im befreundeten Ausland. Nicht bloß die Städte, sondern auch die Gemeinden und Dörfer legten ein Festgewand an und sowohl von den staatlichen als auch von den privaten Gebäuden wehen Fahnen. Die'Fenster sind mit kleinen Fähnchen, Photographien und-Losungsworten des Präsidenten geschmückt. Bon kleineren Gemeinden, in. denen keine Feiern stattfanden, besuchte die Bevölkerung in ganzen Zügen die Feiern in den Bezirksstädten, um des Präsidenten zu gedenken. In zahlreichen Städten fanden Festsitzungen der Stadt- und seines Vaterlandes für die Freiheit und Selbständigkeit deshalb aufnimmt, weil es em historisches und natürliches Recht, darauf besitzt. Ihr Glaube in dieses gute Recht, Ihr Mot und Ihr Vertrauen in den Erfolg selbst in den Zetten der schwersten Kriegsereignisse war«ine Stärkung für unser Volk dcchenn und verlieh ihm Ausdauer in der Selbstverleugnung und Geduld bei ruhiger Arbeit für die endgültige.Entscheidung. Wir verfolgten alle auf verschiedenen Wegen ein einziges stiel im Glauben auf die Freiheit unter den Völkern und innerhalb der Völker. Wir haben vertraut und vertrauen, daß Freiheit und Gerechtigkeit am besten gesichert sind in"der Demokratie, allerdings in einer gesunden Demokratie, die sich der Demagogie und Anarchie zu erwehren versteht und die Freiheit eines jeden insoweit schützt, als sie nicht die gemeinsamen Interessen des Ganzen bedroht. Wir leben in einer innerpolitisch und international und innerstaatlich erUsten Zeit, ebenso wie alle anderen Staaten. Wir haben bisher alle Schwierigkeiten überwündtn, und wir sind Wer- zeugt, daß wir sie auch in Zukunft überwinden Werden, ugd.baß wir eine sfuhige Entwicklung der Republik sowohl im Innern als auch nach außen sichern werden. Die gesamte Bevölkerung der Republik, die gesetzgebenden Körperschaften und die Regierung wünschen innig, daß Sie, Herr Präsident, noch lange Jahve gesund an der Spitze der Republik verbleiben Und durch Ihre reiche Lebenserfahrung und rechtschaffene Weisheit unsere Arbeit für das Wohl des Volkes und Staates leiten.* Finanzminister Dr. Trapl übergab sodann dem Präsidenten eine goldene Medaille, die das Finanzministerium auf Grund eines Beschlußes der Regierung in der Kremniher Münze zum heurigen Jubiläum des Präsidenten prägen ließ. Im Namen des Prager diplomaffschen Korps fand sich auf Schloß Lana der Doyen, der deutsche Gesandte Dr. K o ch, ein. Die Vertreter der tschechoslowakischen Armee, der Minister für Na- tionalverteidigung B r a d a k, die Generale S y- rovh, Krejki und Faucher waren die letzten Gratulanten des Bormittags. Am Nachmittag trafen noch Vertreter des Tschechoslowakischen Nationalrates und der Legionärgemeinde ein. Bezirksvertretungen statt, die den Präsidenten zu ihrem Ehrenbürger wählten. An den Feiern, di? unter Beteiligung der staatlichen und autonomen Behörden veranstaltet wurden, nahm die gesamte Bevölkerung ohne Unterschied der politischen und religiösen Zugehörigkeit und die Armee mit ihren Deputationen reil. Es wurden Festakademien'Veranstaltet. In allen Militärgarnisonen, außer in Prag, fanden Defilierungen der Militärformationen statt, bei denen ein Armeebefehl verlesen wurde und der Garnisonskommandant eine Rede über die Bedeutung des Tages hielt.. Die Städte waren abends festlich illuminiert und in zahlreichen Gemeinden wurden Lampionumzüge veran staltet» die größtenteils zum Masaryk-Denkmal führten, wo der Ortsbürgermeister, sein Vertreter, ein Repräsentant des Kulturkollegiums des betreffenden Ortes oder der veranstaltenden Vereine Ansprachen hielten. In zahlreichen Städten und Gemeinden wurden der Marktplatz oder Straßen nach Masaryk benannt und es wurden zahlreiche Fonds gegründet, die den Namen des Prä- sid-nten der Tschechoslowakischen Republik tragen. Es gab auch nicht die kleinste und entlegenste Dorfgemeinde, die am Donnerstag nicht mit Liebe nnd Dankbarkeit ihres ersten Präsidenten gedacht hätte. Zum Schloß in Lana erhob sich der einzig? innige Wunsch aller Bürger der Tschechoslowakischen Republik:„Bleiben Sie uns noch lange gesund und bewährt, unser teurer Herr Präsident!* 0er 7. März In Prag In dem verschneiten Prag wehen von fast allen Häusern Fahnen, oft umgeben von einer Menge kleinerer Fahnen. Di« Wagen der eleftrischen Straßenbahnen und die städtischen Autobusse sind mit Fähnchen geschmückt. Nm 8 Uhr morgens ertönten in Prag 21 in FLnf-Seknnden-Jntervallen vom Artillerie-Regiments 151 auf dem Laurenziberg gelöste Kanonenschüsse. Auch in den übrigen Sitzen der Landesmilitärkommandos wurden je 21 Ka- nonenschüffe abgefeuert. t***-Ilm 10 Uhr vormittags trat im Sitzungssaal« deS Altstädter Rathauses die Lentrakvertretuna der Hauptstadt Prag zu einer Festsitzrmg zusammen, der auch die Mitglieder der Ortsräte von Groß-Prag beiwohnten. Die Festsitzung eröffnete Prtmator Dr- Bara mit einer Ansprache, in der" er missübrte, daß Prag und seine Burg heute wiederum der Mittelpunkt freudiger Aufmerksamkeit, nicht bloß der Republik, sondern auch der ganzen Welt sind. Sodann ergriff der Festredner, Professor Zipek, der Kulturreferent der Hauptstadt Prag, das Wort. Primator Dr. B a x a teilte sodann mit. welch« Sttftunaen und Widmungen die Städtische B-rsiche- runpsaesell> eines Diftaturlandes und daher Produknonsprinzipien unterworfen, die sich nicht immer zu seinem künstlerischen Vorteil auswirken. In der Mj^Festztzitztz sMPine. 57 WMHGLM ZElTlJRKyii —■—■wii-MUMijiii. jnjBwra—tggAJi^jtfaBnaren—Bwi,»>u i^iihmhIW Die Urania-Festveranstaltung zur Feier des 85. Geburtstages des Staatspräsidenten wurde würdig eröffnet mit Beethovens„Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre", gesungen vom Chor der Prager deutschen Staatslehrerbildungsanstalt. Darm hielt Profeffor Dr. Oskar Kraus erne kurze Ansprache, die Masaryk als Philosophen zu würdigen versuchte. Das ist selbstverständlich in einer knappen Festansprache nur ungenügend möglich. Kraus lieh zumeist Masaryk selbst sprechen, und das war gut. Zu viel Gewicht gab er— aber das ist bei seiner Einstellung verständlich— dem philosophischen Theismus Masaryks. Man kann sich aber sehr Wohl Masaryks Mur.ranismus zu eigen machen, ohne Theist zu. sein.—r Professor Kraus erwähnte, dah Masaryk für den Sozialismus eintritt, aber gegen den Marxismus ist.„Der Marxismus sagt: das Materielle bestimmt das Geistige." Das sagt aber der Marxismus nicht, das ist einfach die übliche Gleichstellung von historischem Materialismus und naturwissenschaftlich-philosophischem Materialismus, und also eine verfehlte Polemik gegen den Marxismus.— Schön war der Warme, herzliche Ton des Vortrages, erfreuend das aufrichtige Bekenntnis zu Masaryk und seinen edlen politischen Zielen.— Viktor-S ordan sprach zwei Gedichte,„Heimat" von H. Morawek und „Alte Hauptstadt" von Hugo Salus, Wally Horner(Tetschen) sang Lieder von Vinzenz Reisner und August Stradal, das Manzer-Quartett aus Karlsbad spielte„Drei Sähe für Streichquartett' von Josef Mraczek. Deutsche Künstler aus Stadt und Land, deutsche Dichtung und Musik aus der Tschechoslowakei, gaben dem Abend Weihe. In einer Schlußansprache zählte Professor Frankl viele Namen prominenter Gäste auf und verlas eine Adresse an den Präsidenten. Die Staatshymne, gesungen vom Chor der Lehrerbildungsanstalt, beendete die Feier.—fb— Kundgebung der Prager deutschen freigewerkschaftlichen Angestellten zum Geburtstag des Staats. Präsidenten Masaryk. Zu Beginn der Versammlung am Mittwoch der Ortsgruppe des Wgemeinen An- gvstellten-Verbandes Reichenberg, welcher auch Vertreter der Allgemeinen Pensionsanstalt und der ZentralsozialveNsicherungSaNftalt sowie des Bank- beamten-Berbandes beiwohnten, hielt der Vorsitzende der Versammlung, Obmann Kollege S t r n a d, eine Ansprache zu Ehren des Staatspräsidenten. Der Wunsch auch der deutschen Angestellten ist, daß Masaryk noch lange dem Staate erhalten bleche- Sein Handeln und Wirken ist vollste Bestätigung des Anrechtes der gütererzeugenden Klaffe auf soziale Gerechtigkeit, sein politisches Votum gilt nur dem demokratischen Staatsgedanken, seine Werke sind geadelte vealistssche wissenschaftliche Arbeit. Sein Beispiel reicht wert über die Grenzen des Staates hinaus und sirchet Freund« unter allen freiheitsliebenden Menschen. An die Ansprache, die von den Versammelten stehend angehört und beifällig angenommen wurde, schloß sich der Vortrag des Abg. M a» c o u n über.Die Gewerkschaft im Wandel der Zeiten", welcher mit großem Interesse und Beifall ausgenommen wurde. Der erste Messe-Sonntag(10. Märzs wird mit dem traditionellen Umzug der Prager Reklamefiguren und Wägen eröffnet, der sich in den Vormittagsstunden von der Lüdowovä über den Wenzelsplatz und Graben«egen das Ausstellungsgelände zu bewegen wird. Brennendes Auto in den Straßen Prag-. Gestern vormittags fuhr der Geschäftsvertreter Herrmann Wümsmann mit seinem Personenauto P-18.845 durch die Nekazanka tn Prag-II. Als er nach kurzem Parken vor dem Hause Nr. 3 den Motor wieder anlassen wollte, fing das Auto plötzlich aus unbekannter Ursache Feuer und verbrannte, ehe die Feuerwehr eintraf. Verletzt wurde niemand. Kohlenoxydvergistung. Gestern vormittags wurden in ihrer Rotwichnung in der Liebener Kolonie in der Klicperaftraße der 24jährige Handlungsgehilfe Karl Matucha und der 21jährige Arbeiter Anton Pribyl, bewußtlos aufgefunden. Pribyl., der noch Lebenszeichen von sich gab. wurde im Krankenhaus auf der Bulovka wieder zum Bewußtsein gebracht und«ab an. daß die beiden gestern ihren Eisenofen zu stark geheizt hätten. Hiebei hätten sie die aus dem Ofen aufstrigenden Kohlenoxiddämpfe nicht bemerkt, ehe es zuspät war. Die Leiche Matuchas wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. verlcntssssi Die weggezauberten Schecks und das Pech des diebischen Zauberkünstlers. Prag. August Zick, ein 35jähriger Artist, ist ein vielgereister Dkann. Vor zwei Jahren, als er in Karlsbad gastierte, versetzte seine Fingerfertigkeit einen amerikanischen Kurgast in solches Entzücken, daß er sich den Artisten zu einer kleinen Privaworführung bei einem Gläschen Wein bestellte. Zick übertraf alle Erwartungen. Er ließ Karten verschwinden, zauberte dem Amerikaner allerlei Gegenstände aus der Nase und in die Taschen und trieb ähnliche Künste. Am nächsten Tag machte der Mann aus USR. aber die peinliche Entdeckung, daß der Zauberer auch ein Bündel internationaler Reiseschecks(Travellerschecks) hatte verschwinden lassen. Natürlich verschwand auch Zick und ward nicht mebr gesehen. Die Schecks bedeuteten ein Guthaben von 685 Dollar, nach damaligem Kurs einen Betrag von über 20.000 tlö. Nun suchte Zick einen geeigneten Helfer, der die Unterschrift des Scheckinhabers zweckentsprechend I nachahmen könne, um die- Scheckblankette. in bares» Geld umzusetzen. Er fand diesen Mitarbeiter un-. verhofft in Lieben au bei R eiche n. b e r g. wo er sich im Wirtshaus mit einem gewissen'Josef Suchänek bekannt machte, dessen gewandte Handschrift seine Aufmerksamkeit erregte. Und et hatte tatsächlich seinen Mann gesunden.-Suchanek ließ sich leicht genug zur„Mitarbeit" gewinnen, und nach einigen Versuchen machte er die Unterschrift des Amerikaners so geschickt nach, daß die beiden Komplizen ihre Aktion beginnen konnten. Tatsächlich gelang es, ihnen auch in den Wechselstuben, gegen Vorlage der gefälschten Schecks insgesamt 8800 Kä ausgezahlt zu erhalten. Dann aber wendete sich das Blatt. In der Karlsbader Zivno- bankfiliale prüfte der Kassier den vorgelegten Scheck so eingehend, daß die Kumpane es für besser hielten,' zu verduften.- Und in Prag ereilte wenigstens S u ch a n e k sein Geschick. Er wurde verhaftet, als er bei Cedok drei Schecks einlösen wollte, Zick brachte sich dagegen rechtzeitig, in Sicherheit und entkam über die Grenze, ehe die Grenzbehörden alarmiert werden konnten. Der verhaftete Suchänek legte ein volles Geständnis ab, kam vor Gericht und wurde abgestraft. August Zick dagegen trieb sich vorerst In Deutsch* land herum und wechselte schließlich nach P o len hinüber. Aber auch er entging seinem Schicksal nicht. In P o s e n kam er wegen einer ganz geringfügigen Sache mit der Polizei in Konflikt und bei Abnahme der Fingerabdrücke stellte sich heraus, daß man es mit einem durch internationalen Steckbrief gesuchten Gauner zu tun hatte. Er wurde auSgelie- fert und stand Mittwoch vor dem hiesigen Strafsenat H o m a n. Er leugnete mit großer Ausdauer und bezeichnet die Aussagen seines Komplizen,■ auf die sich die Anklage grüiwet, als unwahr und als niedri- gen Racheakt für ein• verweigertes Darlehen. Suchänek kann nun leider nicht, als Zeuge gehört werden, denn er ist nach verbüßter Strafe nach Mexiko ausgewandert. Da seine freiwillig gemachten Aussagen aber höchst'vertrauenswürdig erscheinen und der Angeklagte als bekannter internationaler Taschendieb wenig glaubwürdig ist, schenkte das Gericht seinen-Beteuerungen kein Gehör und sprach ihnschuldig. Da er wegen einer anderen Sache in Strafhaft ist, bekam er nur eine Ergänz u ngsstra f. e von zwei Monaten schweren Kerkers. rb. Gustav Fröhlich und Lida Daarovä in„Barcarole" vertrage Karel Lapeks Tiere Fritz Walter Nielsen, nachgestaltender Interpret. und Otto Pick, der einfühlende Uebersetzer Karel Capeks. verstanden es am Mittwoch in der Urania, den großen Schriftsteller-Philosophen einem zahlreichen Publikum nickt nur als Autor, sondern auch als Menschen nabezubrinaen. Wir kennen Karel Cavek als phantäsievollen Utopisten(auf der Bühne), als naturnahen Epiker unseres Alltags und-als geistvollen Polemiker«ege« Nockabmunasfreudme. die hierzulande mit KAgzen- trationÄaaerN spielen. Der Tierfreund Capek zeigt sich uns ganz intim: zärtlich und mit gütiger Ironie tritt er der Kreatur entgegen, ihrem Animalismus mit einer Hingebung nachspürend. der jeder Hochmut der Vernunft fremd ist. Jede dieser Geschickten ist eine kleine Kostbarkeit: zugleich aber werden diese in einem durchsichtig klaren, gewissermaßen viel geschriebenen Tieranalysen zu einem Spiegelbild menschlicher Schwächen und Vorzüge. Köstlich die Tierfabeln, voller Nachdenklichkeit. und von einer stilistiscken Präzision, die chlcckchin meisterhaft.ist. Frit Walter Nielsens Vorttag verdient höchstes Lob. Jede Pointe saß. der dissizile Tert war sprachlich mit Ernst nachkomvonicrt Otto Pick sprach einleitende Worte. Er verzichtete auf biographische Langatmigkeiten, sondern gab Stichworte persönlicher Natur, zu denen ihn die langjährige Freundschaft mit Karel und seinem Bruder Joseph(dem Maler-Dichter) autorisierte. Der Abend, an dessen Veginn eine Ehrung T. G. Masaryks stand(Nielsen las aus Cadeks Gesprächen mit dem Präsidenten) war— ohne Einschränkung— ein voller Erfolg. Pierre. Kunst und Wissen Heut«„Troubadour" mit Francesco Battaglia in der Titelpartie: die übrigen Hauptpartien werden von den Damen Reich- D ö r ich ä.'G. und Kindermann und-den Herren Hagen und Andersen gesungen. Preise nur wenig erhöht: 6 bis 64 Xc. Verdi-Zyklus VH. lD 2).. Spielplan deS Neuen Deutschen TheaterS. Heute.Freitag halb 8 Uhr: Der T r oubadour, Gastspiel' Fine Reich-,D ö r i ch— Francesco P a t t a g.l i a, VerdizykluS. D 2.-— Samstag halb 8: Eine Fran lügt. 61.— Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8: T e u- f« ls m ä d e l, Kulturverbandsfreünde' und freier Verkauf.--—Samstag halb 8: Mädchen für Alles, Erstaufführung. Spor!• Spiel• Körperpflege Tischtennis-Meisterschaft 1935 de» Prager Atus * Morgen Samstag wird im Heim auf der Hetzinsel um 15 Uhr die A t u S- M e i ft e rs ch af t für das Jahr 1935 in folgenden Disziplinen ausgetragen:'• Männer: Einzel und Doppel. Frauen: Einzel. ES werden alle unsere besten Spieler daran teilnehmen. Als Favorit für das Männer-Einzel gilt der Olympiademeister Genosse Möbius jun. Ja den übrigen Disziplinen gibt eS keine Favoriten und sind daher die härtesten Kämpf« zu erwarten. Anmeldungen noch vor Beginn der Spiele bis 15.15 Uhr möglich. Wir laden unsere Mitglieder herzlichst ein. - 4 Besuchet jeden Donnerstag von 7 bis halb 10 Uhr und Samstag von 3'bis 7 Uhr unser Training! TischteaniS-Sparte, Atus Prag. Ablehrnrng der Einheitsfront in der Schweiz Am 6. und 7. April findet in Zürich der ordentliche Verb and sckag des SatuS statt. Reben dem gewohnten Programm, wie Berichte, Rechnunglegung. Wahlen und Anträgen der Sektionen, Witt» der Verbandstag auch Wer die Einführung einer eigenen Unfallversicherung zu entscheiden haben. Ein EinheitSangebot der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit wird, wie bisher, im ablehnenden Sinne beantwortet werden. Kurse und Filme int Dienste der schweizerischen Arbeitrrsportler. Im ganzen Berbandsgebiete des SatuS finden gegenwärtig Einführungskurse in den neuen Turnstoff statt. Bald kommt wieder die Zeit des Rasensports und da müssen alle Sparten gut vorbereitet fein.— Der Film vom Luzerner Fest macht jetzt die Runde durch die Perrine. Ueberall, wo er gezeigt wurde, hat er ge- walnae Begersterüng guSgelost. Er ist. ein Weckmittel erster Gute. An einer solchen Werbeveranstaltung im Berner VölkshauS, in der auch-er Film der Prager Olympiade gezeigt wurde, wohnten über 800 Personen bei. Mit diesen Filmvorführungen werden überall die Frühlingswerbeakttonen eingeleitet. Ein internationales Arbeitersportsest findet am 18. und 16t Juni in Belgien statt. Die Vorbereitungen für nie beiden Festtage sind bei allen Komitees in vollem Gange. MS jetzt haben sich über 600 französische und gegen 5000 belgische Turner angemeldet. Aufbauarbeit tm belgischen Arbeitersport. Die erste Schach-Bereinigung im Arbeitersport wurde im Feber in Brüssel gegründet. Die Schachspieler von Gand, Lüttich, Antwerpen und Brüssel werden setzt untereinander in Verbindung treten.-— Die Ringkämpfer haben ihre Organisation wieder aufgebaut, welche jetzt gegen 600 Mitglieder zählt. Die belgisch« Landesmeisterschaft der Arbeiterfußballer. Seit dem letzten Bericht wurden die Spiele regelmäßig an den Sonntagen ausgetragen und in einigen Provinzen sind bereits die Entscheidungen über die ersten Plätze gefallen. Brabant: Nachdem Avenir durch Ettettbeck geschlagen wurde, hat die alte Mannschaft ihre Form wieder erreicht und führt daher mit drei Punkten vor Uccl«. Hai- naut: Parmoelz führt mit zwei Punkten vor Brüssel, welches von Bermiffert geschlagen wurde. Flandern: Wie im Vorjahr hat auch Heuer Mous- croun einen gWnzenden Vorsprung. Endrächt Gand, 1IDB Und Menin kämpfen um den zweften Platz. Sowjetrussische Bestleistungen im Schwimmen- In Leningrad erzielte der Schwimmer Borissow im Freistilschwimmen über 100 Meter die gute Zeit von 59.1 Sek., über 400 Meter benöttgte er 5:01 Min. und die 100 Meter Rücken legte er in 1:10.7 Min. zurück. Alle drei genannten Zeiten bedeuten neue sowjetruffische Bestleistungen. Die„Unpofttischen". Das Internationale Olympische Comftee, jene Organisation des bürgerftchen Sports, welche Olympiaden veranstaltet und mit den fafcistischen Staaten beinah« lieber auf gutem Fuße steht, will mit der Polittk nichts zu tun haben und darum hat di« IOC dem internationalen Studentenverband angedroht(I), ihn nur dann zu unterstützen, wenn«r sich jeder politischen EinstÄ- lung begibt. Wie gesagt, di« Bürgerlichen find konsequent— unpolitisch, wenn es ihnen nicht in den Kram paßtl Fest-Akademie am 6. April 1935, 8 Uhr abands, großer Radiosaal Gymnastik. Turnen. Gnu«, Orchester. Nachher Tann Rat und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter in reichem Maße in der „Freien Gemeinde“ Redaktion und Verwaltung. Prag XU., Fochova 62/V. Vcrelnsnadirlditen M -MM, FRAG Vorturner-Kurs! Wir setze» am Samstag, dem 9. März, von 5 bis 8 Uhr und Sonntag, den 10. März, von back 9 bis, 12 Uhr unseren Borturnerkurs fort. Wir lernen Uebunaen für das am 6. Avril 1935 stattfindende Schauturnen.— Gym nastik mit Klavierbegleitung. Für Vorturner P flichtv era n ft a ltu na. Auch all« übrigen Mitglieder laden wir zur Teilnahme ein..Frei Heil!" Literatur Andrej Hlinka Neber den Führer der slowakischen Volkspartei, den voriges Jahr 70 gewordenen streitbaren Priester Andrej, Hlinka, hat der Redakteur des„Närodni Osvobozeni" Vaclav C h ä b ein ebenso interessantes wi« in seiner Art und Darstellung sympathisches Buch geschrieben,*) in welchem man viel Neues ebenso über die slowakische Polittk wie über die um« strittene Persönlichkeit Hlinkas erfährt. Chäb geht von den politischen Verhältnissen der Slowcckei in der Vorkriegszeit aus und schildert wie der junge Hlinka aus diesem Milieu herausgewachsen ist und wie er darauf reagierte. In der politischen Vor« kriegStätigkeit Hlinkas lassen sich zwei Abschnitte unterscheiden: die Zett bis 1907, da er mit Entschiedenheit für die Rechte der Slowaken eintrat, wofür er' von seinem Bischof gemaßregelt und zu einer mehrjährigen Kerkerstrafe verurteilt wurde, und ab 1910, da er das Gefängnis verließ und eine gewisse Nachgiebigkett den Magyaren gegenüber an den Tag legte. Ebenso stellt seine Nachkriegspolitik ein Zickzack dar. 1918 beim Umsturz ein entschie- dener Tschechoslowake, geht er schon 1919 mit dem Magyaronen Jehlicska nach Polen und Paris, um gegen die Tschechen zu agitieren, wird wieder eingesperrt, macht abwechselnd RegierungS- und Op- pofitionspolitik, stützt jahrelang Bela Tuka, um dann wieder einmal seine Treue zur Republik zu betonen und ruft 1933 den bekannten Zwischenfall bei der Pribinafeier in Nitra hervor. Chäb erklärt dieses Schwanken Hlinkas richttg damit, daß Hlinka vor allem die Interessen der Kirche vertritt und daß der Katholizismus in der Slowakei, wie er es auch in der tschechischen Gelackte stets nestln hiät. ein überwiegend negatives Element sei. Angenehm berührt beim Verfasser, daß er der Persönlichkeit Hlinkas Verständnis entgegenbringt, aber krittsch ist und seinen Standpunft stets betont. Dabei ist das Buck volkstümlich geschrieben und enthält eine Reihe kluger Bemerkungen. In der Aufklärung über die slowakische Polittk wird es den demokratisch-fortschritt- lichen tschechischen Parteien gute Dienste leisten. IS. St., •) Vaclav Chäb: Andrej Hlinka, ssivot a polittk« (Leben und Polittk), Prag, Volnä myslenka, 1934. Thomas G. Masaryk:„Az AntiszemitizmuS" (Der Anttsemttismus). In ungarischer Sprache, zusammengestellt von Dr. Aladär Väradi. Herausgegeben im E. Prager Verlag Bratislava-Wien- Leipzig.— Als fünfter Band des Sammelwerkes „A magyar Masaryk"(Masaryk.ungarisch) erscheint die packend« Darstellung des Kampfes Masaryks gegen den Ritualmordaberglauben im Polnaer Hilsner- prozeß, Ende des 19. Jahrhunderts. Das Buch enthält außerdem alle Untersuchungen und Aerrßerun- gen Masaryks über die Geschichte der Juden, über den Antisemitismus und einige persönliche Erinnerungen an seinen Verkehr mit Juden. Verlanget überall Volkszünder Urania-Kino, Hlimonkha 4. Fernsprecher 61623. Ab ffretten: „Zer Wtleii in Der SOr" Der spannende Sensationsftlm. Starbesetzung. Ab Marz bis September müssen Sie Ihre Blumen ständig mit Siumen-ßnutieriinno begießen, dann blühen sie wunderschön 1 Paket Kd 5.60 durch dir Verwaltung »Frauenwelt«, Prag XIL, Fochova tt. 62 und bei alle» Kolporteuren erhältlich Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich K