Einzelpreis 70 Heller («iMchliaSlich S Hellet Perfol ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG Iiu FOCHOVA 42. TELEFON JJ077. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, PRAG. IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 15. Jahrgang Samstag, 9. März 1935 Nr. 58 Frauentag— Kampftag! Dieser Tag gehört unseren Frauen! Nicht Jenen sorglosen„Damen der Gesellschaft", denen die Zukunft nichts, doch der Tanz auf dem Vulkan alles bedeutet. Sondern jenen Frauen, die durch die Schule des Lebens und des Leidens gegangen sind. Jenen Frauen, die die Not hellhörig und das Leid sehend gemacht hat, die erkannt ha- [ ben, daß die Zukunft denen gehören wird, die [ kühn genug sind, sie sich zu erkämpfen. Frauen, die mit den roten Sturmfahnen des Sozialismus marschieren! Das ist kein Tag müder Schwatzereien, I sondern ein Tag tatbereiten Bekenntnisses! Ihr demonstriert für das Recht! Für das | Recht der Unterdrückten auf ein menschen- I würdiges Leben. Für das Recht als das Grund- I element jeder Demokratie! Für das Recht der Millionen gegen die Unrechtspläne der weni- I gen, die es wagen, mit dem Feuer des Volks- I Zornes zu spielen! Für die Freiheit! Frauen, sie ist euer höchstes Gut! Der Fascismus droht euch, ihr Frauen [ des Volkes, mit den Ketten der Sklaverei. Nicht [freie Weggenossinnen der Männer sollt ihr | mehr sein, sondern entsendete Werkzeuge eines m^autoritären" Regimes, Gebärmaschinen für die > mörderischen Zwecke wahnsinniger Caesgren. Und dagegen gilt es sich zu wehren mit aller Kraft! Gegen die Barbarei! Gegen die Scheiterhaufen der braunen Bücherverbrenner, die den Geist hassen, weil er ! frei, stolz und selbstbewußt macht! Knecht- t selig sollt ihr sein, so will es Hitler, so will ■' es die ganze Reaktion. Für den Sozialismus! Er endet die Not! Er zerschlägt das Un- | recht! Er entmachtet die Barbarei! Gegen den Wahnsinn des kapitalistischen Chaos die Ver- L nun ft des sozialistischen Auf baust Reich- ■ tum für Alle, nicht Ueberfluß für Wenige und Millionen das graue Elend des Nichts! I. Frauen, rührt eu chl Trommelt zum Sturm! Tausende Eurer 1 Schwestern stehen noch abseits, tausende leben ‘>— noch unberührt von den Wehen kommender f, Entscheidungen— jenseits der Barrikade! F 1 Rüttelt die Stumpfen auf! |., Erfüllt die Aengstlichen mit Mutt Zeigt den Zaudernden das Ziel! Das Ziel, unverrückbar, mit flammenden I Lettern eingebrannt in die hoffenden Seelen a11 jener, die im Dunkel leben, ist der Sozia- , lismus! Es gibt nur einen Weg zu diesem Ziel— geht ihn, Hand in Hand mit der Sozialdemokratie! So wird, der Frauentag zum Kampftag. Zum Gelöbnis und Versprechen zugleich! Morgen marschieren wir! Anhänger Otto Strassers zu Kerkers traten verurteilt Berlin. Nach dreitägiger Verhandlung fällte heute der Volksgerichtshof das Urteil gegen acht Anhänger der»Schwarzen Front", die im Dienste Otto Strassers aus der Tschechoslowakei verbotene Schriften nach Deutschland einführten und hier zur Versendung brachten. Die Angeklagten Müller, stromer, Sepp und Kahlert erhielten je drei Jahre Zuchthaus, der Angeklagte Cieslack 2 Jahre 8 Monate Zutchhaus. Die Verurteilung erfolote wegen Vorbereitung zum Hochverrat. In der Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende/ es stehe fest, daß Otto Strasser als Führer der»Schwarzen Front" das 8iel verfolge, die„rechtmäßige" Regierung Adolf Hitler mit Gewalt zu stürzen und an ihre Stelle eine Regierung zu sehen, die die Verwirklichung der von Strasser verfolgten Ziele bringen soll. Die Angeklagten haben durchaus nicht, wie sie behaupten, die von ihnen verteilten Schriften nur flüchtig durchgelesen, sondern der Senat sei überzeugt, daß sie sich der vollen Tragweite ihres Tuns hewutzt waren. Kriegsschauplatz Griechenland Die Aufständischen Im Vormarsch? Belgrad. Dir jugoslawische Preffr meldet, daß sich die Lage der Regierungsstreitkräfte nicht nur in Mazedonien, sondern auch auf den Inseln des Argäischen Meeres allmählich verschlechtert. Seit Donnerstag nachmittags sei in Mazedonien eine große Schlacht im Gange, wobei aber nicht dir Rrgierungstrupprn, sondern die Aufständischen di»' Ang reifer zu sein scheinen. Die Schlacht scheine sich auch zugunsten der Aufständischen z« entwickeln. Der Kanonendonner, der ursprünglich an der griechisch-bulgarischen Grenze deutlich hatte vernommen werden können, habe sich im Laufe des Freitag immer weiter nach Süden verloren. Mehrere Flugzeuge der Aufständischen hätten die staatlichen Gebäude in Saloniki bombardiert. In Belgrad sei man der Meinung, daß das ernsteste Hindernis für die griechischen Regierungstruppen der M'nitionsmang:! sei. Dieser Umstand«nd nicht das Wetter seien an der passiven Haltung gegenüber den Aufständischen schuld. Da alle großen Munitionslager Griechenlands im Norden und Rordosten des Staates errichtet worden waren, befänden sie sich jetzt im Besitze der Aufständische». Paris. Berichten von Sonderkorrespondenten in Griechenland zufolge besetzten die aufständischen Matrosen im Laufe des Donnerstag einige Inseln im Argäischen Meere: Mytilenr, Chios und Samos. Die Regierung scheint iWßrr den Luftschiffen nicht über hinreichend starke Mittel zu verfügen, um sich der aufständischen Flotte in ihren Maßnahmen zu erwehren. Freitag wird die Offensive» und zwar hauptsächlich eine artilleristische, in Mazedonien ihren Anfang nehmen. Die Regierung verspricht sich von ihr eine vollständige Unterdrückung der Aufständischen. Der Berichterstatter des Pariser„Journal" meldet, daß dir Aufständischen ihre Situation in Sl tXXt s und Kapa l l a konsolidierten,^ die^ Stadt Drama und einen Teil des Epirus besetzten. Daß dir Aufständischen derzeit im Angriff sind, bestätigt auch indirekt eine Verlautbarung des Kriegsministers. General Kondylis gab bekannt, daß General I a l i st r a s, der gegen die Aufständischen in Thrazien kämpft,„d e m D r u ck e der Aufrührer unweit Alexandropols Widerstand entgegensetzt". Alexandria.(Reuter.) Die ersten Nachrichten über die Ereignisse in Kreta brachte der Kapitän der hier eingetroffenen Jacht«Jmperia", die der britischen Luftfahrtsgesellschaft»Imperial Airways" gehört. Die„Jmperia" war bei Kreta stationiert und durfte mit besonderer Erlaubnis die kretischen Gewässer verlassen. Nach diesen Berichten sollen zwei Regierungsflugzeug:; während des Fliegerangriffes in der letzten Woche auf die Kriegsschiffe der Aufständischen in der Suda-Bucht von dem Kreuzer„Awerow" getroffen. und in Flammen gehüllt abgestürzt sein. In einer Unterredung mit dem Reutervertreter erklärte der Kapitän der„Jmperia", die gesamte Bevölkerung von Kreta fühle sich sicher und sei bereit, Venizelos bis zum Ende zu unterstützen. Wenn die Aufständischen, so meinte der Kapitän der„Jmperia", in Mazedonien besiegt würden, beabsichtige Venizelos, Kreta als selbständigen Staat zu erklären und sich in dieser Angelegenheit an den Völkerbund zu wenden. Venizelos verwundet? Athen. Wie der griechischen Regierung durch B o l o mitgeteilt tyurde. ist dort ein südslawischer Torpedoboot eingelaufen, das einen aufsehenerregenden Funkspruch für den Äufständischen-Führer. Venizelos aufgefangen haben will. Danach soll Venizelos ernsthaft verwundet worden sein und gegenwärtig von einem Torpedoboot der Aufrührer nach Alexandrien gebracht werden. Order der Besiegten: Banknoten verbrennen I Athen. Der griechische Minister der Finanzen Pesmazoglu hat angeordnet, dass in allen Städten, die von den Aufrührern bedroht sind, die Banknoten zu verbrennen seien. Wie telegraphisch berichtet wird, haben die Leiter der Banken auf Chios und Syra diesen Befehl des Finanzministers bereits befolgt. Der Wert der verbrannten Banknoten beläuft sich auf etwa 180 Millionen Drachmen. Bulgarisch-türkische Spannung Militäransammlungen an der Grenze Genf. Der bulgarische Völkerbundsdelegierte Antonow stattete heute dem Generalsekretär des Völkerbundes Avenol einen Besuch ab, wobei er auf den Umstand hinwies, datz die Türkei namhafte Truppenmassen in Ost-Thrazien konzentriere. Die bulgarische Regierung habe bereits einige Male bei der türkischen Regierung angefragt, welchen Zweck diese Truppenkonzentrationen, unweit der bulgarischen Grenze verfolgen, doch habe sie bisher nur die Antwork erhalten, datz es sich um Defensivmatznahmen gegen einen eventuellen Angriff auf die Dardanellen handelt. In letzter Zeit werden nach Mitteilung der bulgarischen Regierung die militärischen Vorbereitungen auf türkischem Gebiete, in der Nähe der bulgarischen Grenze immer eifriger betrieben und man spricht sogar von einer kriegerischen Offensive gegen Bulgarien. Die bulgarische Regierung betrachtet ihr informatives Einschreiten im Völkerbundsekretariat vorläufig als einen freundschaftlichen Wink und gedenkt erst dann, wenn die erwartete Beruhigung nicht eintreten sollte, von den übrigen Matznah- men Gebrauch zu machen, die sich für Bulgarien aus der Mitgliedschaft im Völkerbund ergeben- Sofia. Der türkische Gesandte in Sofia teilte dem bulgarischen Außenminister Batolow mit, daß die Verschiebungen der türfischen Truppen im Sinne des neuen türfischen Militärbudgets vorgenommen werden, daö eine Reorganisation der Garnisonen in der europäische» Türkei Porsche. In Sofioter offiziellen Kreisen wird darauf verwiesen, daß das dem Völkerbund überreichte bulgarische Memorandum über die türkischen militärischen Maßnahmen nur„rein informative n" Charakter habe. Die Erfiärung des türkischen Bölkerbundsdelsgierten, daß di« Türkei keine Angriffsabsichten gegenüber Bulgarien habe, wurde in Sofia mit Befriedigung anf- genommen. Die offiziellen Kreise verweisen neuerlich auf den reine« Berteidignngscharakter der bulgarischen militärischen Maßnahmen an der griechischen Grenze, wohin noch einige Truppenabteilungen entsendet wurden, um die dortige Bevölkerung zu beruhigen, die durch die Ereignisse- in Griechenland bedeutend beunruhigt ist, deren Schauplatz nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt ist. Am Sonntag treffen in den bulgarischen Kasernen die Abteilungen der l e tz t e n Aufgebote rin, die aus Ersparungsgründen vor einiger Zeit auf Urlaub geschickt wurden. Es verlautet weiter» daß in den nächsten Tagen etwa 6000 Reserveoffiziere einberufen werden solle». Vie Türkei bedauert Athen. Der türkische Ministerpräsident Ismet' Jnönü sprach dem griechischen Gesandten iy Ankara sein Bedauern über die Vorgänge in Greichenland aus und hob hervor, datz die Türkei stets ein treuer F r e u n d Griechenlands bleibe. Er hoffe, datz die leitenden griechischen Staatsmänner die Schwierigkeiten überwinden würde«. Vor hundert Jahren Der Vorläufer des Fascismus Die folgende Darstellung hat uns die unseren Lesern wohlbekannte Genossin Opa Olberg eingesendet, die wegen ihrer mutig betätigten sozialistischen Gesinnung zuerst aus Rom, das durch Heirat ihre Heimat geworden war, vom italienischen Fascismus vertrieben wurde und die jetzt Buenos Aires, di« Hauptstadt Argentiniens, zu ihrem dauernden Aufenthalt erwählt hat, da sie der katholische Austro-Fascismus neuerlich zur Landflucht gezwungen hat. Bor genau hundert Jahren, am 7. März 1835 übertrug die Deputiertenkammer von Buenos Aires dem General Rosas dre unbeschränkte öffentliche Gewalt für eine dem Urteil des Generals nötig erscheinende Zeitdauer. Um „sein Gewissen zu beruhigen" verlangte Rosas eine Befragung des Volkes und das Ergebnis der Volksabstimmung waren 9316 Stimmen für Rosas Diktatur und 4— sage und schreibe vier—- gegen sie. So begann seine Diktatur als„unverfälschter Ausdruck des Volkswillens". Im Gegensatz zu den heutigen Diktatoren war Rosas weder ein politischer Renegat noch ein Emporkömmling, noch ein Deklassierter. Er entstammte einer Beamten- und Offiziersfamilie des nordspanischen Adels, Seinen herrischen Charakter, die Härte und Arbeitszähigkeit erbte er von der Mutter, auf deren Güter er aufwüchs und wo er eigentlich nur Verkehr mit Untergebenen, mit Sklaven und später mit Taglöhnern hatte. Dazu der beständige Kleinkrieg mit den Indianern, der auch nicht dazu angetan war, ihm den Gedanken der Gleichberechtigung der Menschen nahe zu legen. So war er denn reaktionär und despotisch von Kindesbeinen an und wenn er als Diktator mit Knüppel und Galgen regiert hat, so hat er nur gehalten, was er immer versprach. Dieser Mann, der nicht nur ein Grotzgrund- besiher war, sondern auch als Geschäftsmann und Gründer von Aktiengesellschaften ein ungeheueres Vermögen erwarb, unterschied sich in so vielen und so wesentlichen Zügen von den Diktatoren unserer Zeit, doch hat er seine Gewaltherrschaft mit genau denselben Mitteln befestigt und erhalten, wie sie heute sind. Wer die innere Zwangsläufigkeit der Diktatur erfassen will, der vertiefe sich in Argentiniens Geschichte wghrend der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Zunächst hämmerte Rosas es in alle Köpfe» datz das ganze Unglück Argentiniens von einer Partei, von den Unitariern(die zentralistisch gesinnt waren) kam. Wen man ins Gefängnis werfen» töten oder seiner Güter berauben wollte, den bezeichnete man als Unitarier. Nach einem, später von europäischen Diktatoren übernommenen Grundsatz,„den Freunden möglichst viel zu nützen und den Feinden möglichst viel zu schaden", organisierte Rosas ein System des Terrors, das nur die Wahl liefe zwischen Unterwerfung und Vernichtung. Jeder mutzte ein Parteiabzeichen tragen. Frauen, die sich ohne es auf der Stratze zeigten, wurden mißhandelt und man klebte es ihnen mit Pech auf die Stirne. Für die Männer war ausserdem der Schnurrbart vorgeschrieben. Wer keinen hatte, mußte, einen künstlichen tragen. Der Frack» der damals in Europa Mode war, galt für ein Kennzeichen der Feinde des Diktators. So lesen wir in den Polizeiberichten:„M. L. ist Frackmensch und ärgster Unitarier",„P. D. hat sich den Schnurrbart rasiert",„Zacarias Puyel wurde verhaftet, weil er verdächtig.ist, ein Feind der heiligen Sache der Föderation zu sein, da man ihn nachts in der Nähe des Polizeikommissariats gesehen hat und er den Backenbart in Form eines „U" trägt, der ihm auf trocknem Wege auf der Polizeiwache vom wachehabenden Sergeanten abgenommen wurde". Zu diesen Polizeiberichten machte Rosas eigenhändige Randbemerkungen.»M. O. ist zu verhaften, weil er mit der wüsten Unitarierin M. B. gesprochen hat". »T. A. ist zu verhaften wegen des Verbrechens, im Dienste von M. O. zu stehen, ohne dessen Unterhaltung mit der wüsten Unitarierin M. B. denunziert zu haben".»Der Verwalte! des Gutes der wüsten Unifarier Ramos soll ins Gefängnis gebracht werden, wo man ihm zwei Stunden zur geistlichen Tröstung geben und ihn dann erschie- tzen soll". Seite 2 Samstag, 9. Mär; 1935 Str. 88 Das Werkzeug des Terrors war— ähnlich her SA. und SS.— die berüchtigte Mazorca. Das Wert bedeutet Maiskolben. Bildlich wurde es als dicker Knüppel wiedergegeben. Im Volksmund sprach man es„mas horca" aus, was «mehr Galgen" heißt. Die Mazorca war die persönliche Leibgarde Rosas. Sie bestand aus schweren Jungens, notorischen Delinquenten und aus den Arbeitern der Schlachthäuser des Fleischtrusts. Sie mißhandelten und töteten die Mißliebigen, verbrannten und plünderten ihre Häuser. Das Rizinusöl war damals noch nicht erfunden, wohl aber Klistiere von Terpentin und Knoblauch. Interessant ist die Tendenz zur Schabloni- fierung, zur stereotypen Formel. Alles mußte rot sein, von der Krawatte bis zum Häuserschmuck. Der Nachtwächter kündet die Stunden unter dem Rufe„Es lebe der erhabene Wiederhersteller der Gesetze! Tod den wüsten Unitariern l" Mit denselben Worten mutzte jeder Brief anfangen. Offiziell durfte nie von den Unitariern gesprochen oder geschrieben werden, ohne die Worte„wüst, dreckig und ekelhaft" für sie zu gebrauchen. In jedem Hause mußte ein Bild des Diktators hängen. Durch all diese Mittekchen wurde den Menschen täglich und stündlich ihre Unfreiheit zum Bewußtsein gebracht. Unerhört erfinderisch war Rosas in der Organisation eindrucksvolle rj Demonstrationen. Däzu wurden besonders die Toten verwendet. Aber das Zentrum des Kultus war die Person des Diftators selbst. Bilder von Rosas wurde auf dem Altar der Kirchen aufgestellt, vor ihnen wurde Gottesdienst abgehalten, man führte sie auf riesigen Karren durch die Stadt, begleitet von einer brüllenden Menge mit Trommeln und Musik, unter dem Krachen von Bomben und Raketen. Wehe dem, der den Hut auf dem Kopf behielt! Die Feier war so religiös aufgemacht, daß die Frauen aus dem Volke niederknieten. Uebevhaupt war RosaS ein besonderer Schützling Gottes und seiner Vertreter auf Erden. Der Bischof von Cuyo beglückwünschte später den Diktator zur blutigen Vernichtung der„dreckigen Horde der Unitarier, Feinde Gottes und der Menschheit", worauf ihm Rosas mtt der Bemerkung dankte, seine Gratulation sei„eines Prälaten des Evangeliums würdig". Daß Rosas die Z e i t u n g e n, die in einer zensurlosen Pause zwischen seinen beiden Diktaturen ihn zu kriti- fieren gewagt hatten, auf offener Sttatze feierlich verbrennen ließ, sei nur nebenbei bemertt. Schlimmer noch als die Gewalt war das Spitzelwesen, das vor allem von Negern besorgt wurde, di« als Hausangestellte in den Familien lebten. Während Rosas all dies tat, um sich trotz der nie aufhörenden Verschwörungen und Aufstände seiner Gegner im Sattel zu halten, ließ er die Interessen seiner Stande-genofsen, als deren Sachwalter er die Regierung inne hatte, nicht aus dem Auge, in der Aufteilung der Staatsländereien, in der Versklavung der ländlichen Arbeitskräfte, indem er alle staatlichen Befugnisse auf dem flachen Lande tatsächlich in tzie Hände der Großgrundbesitzer legte. Rosas hat 23 Jahre über die Provinz Buenos Aires und einen Teil des heutigen Argentiniens geherrscht. Die sehr zahlreiche poli- tische Emigration hat in diesen Jahren ihre Oppo- sition nie aufgegeben, hat wiederhoü Aufstände und Einfälle organisiert und auch fremde Hilfe, namentlich die Frankreichs und Brasiliens, angerufen. Sie hat dabei erfahren, daß dem„liberalen Ausland" die Bekämpfung der argentini- schen Diktatur'sehr wenig am Herzen lag, so daß Frankreich, unter englischem Druck, die Aufstän- dischen im entscheidenden Augenblick im Jahre 1840 schnöde im Stich lietz. Erst 13 Jahre später wurde Rosas inCaseros von einem seiner eignen Generale, Urquiza geschlagen. Rosas hatte alles für seine Flucht vorbereitet, die mit Hilfe eines englischen Kriegsschiffs bewerfftelligt wurde. Er hat dann auf einem kleinen Laichgut bei Southampton noch 24 Jahre gelebt, viel unter der Einsanrkeit und Untätigkeit leidend und ist in seinem 84sten Jahre an einer Lungenentzündung gestorben. Rosas war ein Mann, in dem Herrschsucht und Jchkultus alle andern Leidenschaften verzehrt hatten. Während der Diktattir war alles Willkür und Gewalt. Als die Nachricht von Rosas Sturz nüch Buenos Aires kam, plünderte die Menge die Läden: so stand es um Bürgersinn und Zucht. Zur Förderung von Landwirtschaft und Handel liehen die innern Unruhen den Dik- Hitler unter Druck Berlin. Aero-Pretz erfährt nachträglich aus zuverläßlicher Quelle folgenden sensationellen Vorgang: Kürzlich kam in alle Berliner Zeitungen die amtliche Nachricht, daß General von Blomberg aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten sei. Der Dank des Führers sei ihm sicher. In dieser schweren Stunde fei der an zweithöchster Stelle im Reiche stehende Mann, Göring, eingesprungen und habe das Reichswehrministerium übernommen. Darauf stellten von Fritsch, Neurath, Schwerin-Krosigk mit Unterstützung von Schacht ein Ultimatum an Hitler, in dem sie die sofortige Zurücknahme dieser Ernennung forderten, widrigenfalls sie alle zurücktteten würden. Hitler fiel darauf um und erließ einen Gegenbefehl. Polizei besetzte nunmehr sämtliche Berliner Druckereien, verhinderte die Veröffentlichung der Nachricht und beschlagnahmte die vorhandenen Platten. Die Arbeiter wurden besonders untersucht, um zu verhindern, daß die Meldung irgendwie an die Oeffentlichkeit gelangen könne. Ein neuer Angriff von Göring ist also abgeschlagen worden. Diese Nachricht fügt sich unmittelbar in die früheren Berichte ein, wonach die konservativen Kreise aus außenpolittschen und militärischen Erwägungen gegen Göring sind, obgleich er im Kampfe gegen die Lösung der zwei- -und Immer mehr Soldaten Washington. Nachdem der Senat einer Erhöhung deS stehenden Heere- von 118.760 Mann auf 165.000 Mann zugestimmt hatte, hat er nunmehr den HeereShau-halt um 20 Millionen Dollar erhöht. Der HeereShau-halt beträgt hiermit rund 400 Millionen Dollar» ein bisher in Friedenszeiten selten erreichter Betrag. Tokio.(Reuter.) Das japanische Ober- Han- nahm de« Voranschlag für das Budgetjahr 1935/36 an. Die Militärausgabe« machen fast die Hälfte der Gesamtausgaben auS, nämlich 1.021,470.00 Neu von der Summe der Gesamtausgaben im Betrag« von 2.190,644.938 Yen. tatur nicht kommen: er brauchte all seine Energie und seine großen Fähigkeiten, um sich an der Macht zu hallen. Heute ist Rosas modern und man ehrt ihn — mit Recht— als Vorläufer des FaseiSmus und spricht davon, seine Asche nach Buenos Aires zu bringen. Er selbst hat seine geschichtliche Mission in einem im Museum von Lujan aufbewahrten Brief aus dem Jahre 1871 so klar ausgesprochen, daß niemand ihm den Eintritt in das Walhall des Kapitals verwehren kann:„Wenn sogar in niederen Voll von Tag zu Tag die Achtung vor Ordnung und Gesetz und die Flucht vor den ewigen Strafen verschwindet, dann können einzig außerordentliche Vollmachten dazu zwingen, die Gebote Gottes und der Gesetze zu erfüllen und dem Kapital und seinen Besitzern Respekt verschaffe n". Darum ging es gestern, darum geht es heute: dem Kapital und seinen Befitzern Respekt zu»erschaffe«... ten Revolution mtt ihnen zusammenging, und wonach sie nicht nur die Unterstellung des Reichs- luftfahrtministeriumS unter das Reichswehrministerium und weiter sogar den Sturz GöringS betreiben. Daraus war klar, daß sie weder eine Ernennung GöringS zum Vizekanzler noch zum Reichswehrminister zulassen würden. Der ungewisse Faktor war dabei jedoch von Anfang an H i t- l e r, der eine schwankende Haltung einnimmt und, gerade nach dem Aderlaß des 30. Juni, sich nun nicht auch noch von den letzten führenden Nationalsozialisten trennen will. Der Widerstand aber war hier, wie sich gezeigt hat, so stark, daß Httler zum Nachgeben gezwungen war. Geblieben ist davon aber eine Verstimmung Hitlers gegen Fritsch, die sich bei den letzten Verhandlungen zeigte. Und als Konzession auf der anderen Seite hat Hitler in der außenpolitischen Frage dem Flügel Göring-Rosenberg nachgegeben. So erfahren die Meinungsverschiedenheiten in der Nehrung nachträglich durch diesen in letzter Minute gescheiterten Coup eine besondere Beleuchtung. Die Absage der Simon-Reise wird somit geradezu zu einem innerpolitischen Kompensationsgeschäft. Sie diente der Beschwichtigung der außenpolttischen Intransigenten, deren Machtwünsche man kurz zuvor nicht befriedigt hatte. Ministerrat Gesetzentwurf Uber den Aufenthalt der Ausländer Prag.(Amtlich.) In der Freitag nachmittags stattgefundenen Sitzung des Ministerrates wurde der vom Innenministerium vorgelegte Regierungsentwurf über den Aufenthalt der Ausländer genehmigt, durch den die Bewilligung des Aufenthaltes und die Evidenz der Ausländer geregelt werden. Weiters wurde der vom Unifizierungsministerium vorgelegte Regirrungsgesetzentwurf über die Aufenthalt s- Meldung genehmigt, durch den einheitlich für das ganze Staatsgebiet«ine neue Regelung der Pflicht der Anmeldung des AufenthalleS ring« führt wird. Genehmigt wurden die RegierungSverordu nungSentwürfe: über die'Ergänzung der Regie« rungSverordnung vom 22. Dezember 1934 Nr. 272, Slg. d. G. u. V., über die Ermäßigung desPachtzinseS für das Erntejahr 1934 in dem von der Mißernte besonders schwer betroffenen Bezirken, und zwar durch E r w e i Irrung d e s A n s p r u ch e s auf Ermäßigung auch für diejenigen Fälle, in denen das Pachtverhältnis zwar mit dem Erntejähr 1934 endete, aber unter den bisherigen oder unter veränderten Bedingungen verlängert oder erneuert wurde; über die Zuweisung des Restes des Ertrages der staatlichen Losanleihe im Betrage von etwa 3,900.000 KL zum Bau von Wohngebäuden für staatliche und andere öffenklich« Angestellte, und zwar besonders im Zusammenhang mit den notwendigen Verschiebungen bei der Unterbringung einiger öffentlicher humanitärer Anstaüen in Prag. Ferner wurde Bericht über den Fortgang der Arbeiten des polittschen und wirtschaftlichen Ministerkomites betreffend die ftir die Nationalversammlung vorbereiteten dringenden Entwürfe erstattet und schließlich die Tagesordnung der administrativen, wirtschaftlichen und personalen Angelegenheiten erledigt. Slowaken kandidieren auch in Böhme»? Dir das Organ der Slowakischklerikalm.Slotxik" berichtet, wird die Partei in Südböhmen kandidieren und wahrscheinlich auch in Pilsen und Mähren. In demselben Artikel, in dem dies Hlinka in seinem Blatt mitteilt, beklagt er sich über den Führer der Tchechischklerikalen Sramek, dem er die brüderliche Hand entgegengehalten habe. Sramek habe über in diese Hand nicht eingeschlagen, den:, ihm sind zehn Mikura-Anhänger lieber, als eine halbe Million Wähler der Slo- waki^en Volkspartei. Tschechische Agrarier für die Selöstverwal- tung Schlesiens. Das Organ der tschechischen Agrarier im Ostrauer Gau hat sich dieser Tage für die Erneuerung der Selbständigkeit des Landes Schlesien eingesetzt. Senator Novak schreibt in dem Blatt, daß die Beseitigung der schlesische« Selbswerwaltung vor acht Jahren ein Irrtum gewesen sei. Schlesien habe bei der Verwaltungsreform schwer daraufgezahlt und man müsse daher den Ruf erheben nach einem selbständigen Schlesien. In einem weiteren Artikel sagt ein Dr. Kli- mes, daß noch niemals Versprechungen weniger gehalten wurden, als sie bei der Vereinigung Schlesien» mtt Mähren gegeben wurden. Schlesien' hat daher das Recht auf Erneuerung des alte« Zustandes. Unangenehm für den slowakischen Abgeordnete«! und ehemalige» Minister Dr. T i s o gestaltete sich ei« EhrenbeleidigUngSprozeß, in ton der Kaplan Dr» S t r a k a, ein Anhänger Miöuras. der den slowaki- schen Flügel der tschechischen Volkspartei führt, in erster Instanz wegen Verleumdung verurteilt worden war, weil er von Tiso behauptet hatte, daß er im Jänner 1919 als Kaplan an der Volksschule in Nitta, das damals von tschechischen Truppen besetzt war, einen flowakischen Jungen solange hab« knien lassen, bis er die Zehn Gebote magyarisch aufsagen konnte. In zweiter Instanz wurde nämlich Dr. Sttaka mit der Begründung freigesprochen, daß ihm der Wahrscheinlichkerts- beweis gelungen sei. Göring sollte Reichswehrminister werdet! 26 yMMenEitzh Roman von Fritz Rosenfeld „Wenn uns klar ist, daß wir unS di« Angst selbst suggeriert haben oder uns gegen die Suggestion nicht zur Wehr setzten, daß also nicht ein Zehntel dessen zu fürchten ist, was wir fürchten, dann können wir es doch auch den andren klar machen." „NiemalS", sagte der Arzt.„Sie werden niemals einem Menschen, der vor Angst zlltert, mtt Worten beweisen, daß seine Angst unbegründet ist. Angst ist ein Erkrankungszustand. Ich könnte allen, die da nebenan fitzen und vor Angst vergehen, Beruhigungspulver geben. Sie würden einschlafen. Und fie würden all das, was sie jetzt mtt offenen Augen zu sehen wähnen, im Traum erleben. ES wäre noch viel furchtbarer, für sie und für unS. Man heüt Krankheiten nicht, indem man die Symptome beseitigt. Der Angst ist nur ein Symptom. Die Wurzel der Krankhett sitzt ttefer. Und an die Wurzel gelangen wir heute nacht nicht, lieber Freund." Schweigen. Der Heizer, der aufmerksam zugehört hatte, sagte nach einer Weile: „Wenn ich sie richttg verstanden habe, Herr Doktor, dann haben die dort drinnen alle ein schlechtes Gewissen. Dann haben sie alle irgend- einmal etwas begangen, das sie vor sich selbst nicht verantworten können. Und jetzt fürchten sie, daß man fie zur Verantwortung zieht." Der Arzt kratzte sich den Kopf. „Es gibt viele Namen dafür. Da- schlechte Gewissen ist der weiteste und daher der richtigste. Sie haben alle etwas getan, dessen sie sich schämen, vor sich, vor ihren Nebenmenschen, vor der Welt. Es lastet wie eine Schuld auf ihnen, aber solange ihr Leben weiterrollt, ein Tag wie der andre, stellen sie diese Schuld zu den zahllosen Forderungen, die wir wohl im Prinzip anzuerkennen bereit sind, die wir aber niemals zu begleichen be- absichtigen. In Stunden wie diesen heißt es Bilanz ziehen; und da melden sich die Schuldposten und treten in einer langen Reihe an, blankgeputzt und eitel, wie Gardekürassiere; jeder wähnt allein auf der Welt zu sein. Wenn ein Unternehmen vor dem Zusammenbruch steht» melden sich die Gläubiger. ES hat lluge Leute gegeben, die setzten den Gläubigern Wein vor, und stt betranken sich und sahen nicht, wie die Schutt»- ner durch eine Hintertür« mit ihren letzten Schätzen das Haus verließen. Es hat wieder andre, nicht minder Auge Leute gegeben, die betranken sich selbst, als die Gläubiger kamen, und verstanden nicht mehr, was diese sprachen: das waren die Schuldner, di« keine restlichen Schätz« mehr zu verschleppen hatten." Der Stationsvorstand blätterte in seinem Journal, aus seiner Pfeife stieg eine Solle fahlgrauen Rauchs auf und zerflattcrte im Lichtkegel der Kerze. „Was Sie da sagen, ist mir zu hoch. Herr Dottor", nahm der Stationsvorstand das Wort. »Ich und meinesgleichen— wir spüren gern zwei feste» eiserne Schienen unter den Rädern und sehen den Weg klar vor uns. And auch was hinter uns liegt, wissen wir genau. Aber sagen sie mir eins, Herr Dottor, aufrichtig, wir sind ja alte Freunde: Haben Sie keine Angst?" Der Dottor lächelte, zündete umständlich die erloschene Zigarre wieder an. „Angst? Wovor denn? Wenn man so viele Menschen sterben gesehen hat, wie ich, fürchtet man den Tod nicht mehr." „Ihr Haus könnte zerstört, ihr Besitz gestohlen werden." „Dann werde ich in einem andren Hause wohnen; die paar Bücher, die ich liebe, stiehlt mir niemand." „Sie sind allein auf der Welt", sagte der Stationsvorstand.„Denken Si« an uns: Wir haben eine Frau, wir haben Kinder, wir haben nicht nur unser eignes Leben zu verteidigen, und es ist nichts damit getan, daß wir sagen: Wir fürchten den Tod nicht. Die Philosophen stellen sich das Leben viel einfacher vor als es ist." „Ich habe keine Frau und keine Kinder und keinen Menschen, für den ich sorgen müßte", sagte Halling,„und doch würde ich mich bis zum letzten Atemzug wehren, wenn jemand mich töten wollte. DaS Leben ist nicht eine Leihgabe, die man irgend» einmal erbat und die man zurückgibt, wenn man die Lust verloren hat, fie weiter zu betreuen. Ich habe eS wegwerfen wollen, mehr als einmal, und ich habe es nkcht getan, nicht etwa, weil ich Angst vor dem Sterben hatte, sondern well ich eS als Feighett betrachtete, davonzulaufen wie ein Schulbub, den der Lehrer verprügell hat". „Sie haben kein« Familie, Herr Dokwr", sagte der Heizer,„da können sie nicht mitteden. Und sie haben keine Kameraden. Ich weiß nicht, ob sie mich recht verstehen: Aber wenn sie einmal im Monat in der Stadt mit ihren Kollegen zusammentreffen, und in einem Gasthaus oder in einem Ho, tel oder irgendwo über neue Krankhetten reden und neue Medizinen, so bedeutet das lange nicht soviel für sie, wie für unS ein Sonntagsausflug mit Kameraden aus dem Heizhaus oder am Abend, im Sommer, eine Schwimmstunde oder eine Stunde im Wirtshausgarten, in der wir debattieren und uns zanken mtt ost mit heißen Köpfen nach Hause gehen. Dann sind wir doppelt so müd, aber das macht nichts, denn wir find auch doppell so jung, und das. was die dort drüben plagt, das schlechte Gewissen, sehen sie, Herr Doktor, das plagt uns dann gar nicht". „Mein alter Lehrer, er liegt jetzt dreißig Jahre unter der Erde, hat immer gesagt: Das Leben ist ein schlechtes Kabarett. Nach der dritten, vierten Nummer will man Weggehen, dann überlegt man eS sich, weil man hofft, daß in der zweiten Hälfte des Programms die besseren Ding« kommen, und dann kommen sie nicht, aber ma«| bleibt bis zum Schluß, well man schon so lang« 1 geblieben ist..." „Jetzt werden sie melancholisch, lieber Dok- 1 tor", sagte Halling.„Schade, daß die dort drübe« 1 auch nur ein schlechtes Kabarettprogramm zusam- I menstellen könnten, sonst fände man vielleicht bet I ihnen die paar Tropfen Trost, die man braucht. 1 Aber Marinka hat einen guten Branntwein. Und 1 vielleicht gibt's eine Flasche Thampagner im Kel« 1 ler des Wirts. Ich hab auch in schlechten Kaba- i retts schon ganz gute Weine getrunken, liebel 1 Dottor..." Die Zigarre deS ArzteS war wieder erstor- I ben, er warf sie durchs Fenster, vor die Räder des- toten, dunklen ZugS. Dann ging er mit Halling 1 zu den andren hinüber. Der Stationsvorstand beugte sich über di« I Karte des Eisenbahnnetzes. „Wenn die Sttecke stei wird, können wir bis j hierher zurück fahren und dann über diese Linie 1 nach Upsilon. Den nächsten Schnellzug werden sie j ja noch rechtzeitig aufhalten. Bis die Brücke repa-| riert ist, werde ich wohl nur Lokalzüge zu sehen be« 1 kommen. Es wird still werden, und Marinka hat j wieder Zeit zu träumen." „Marinka", sagte der Heizer, aber dann war es, als bereute er, daß er den Namen nachgespro- i chen, als hätte er etwas verraten und sich einer j Gefahr ausgesetzt.„Bei uns wird es leider nie l still", sagte er schnell.„UnS fliegen die Funke« immer um die Ohren". Der Stationsvorstand blickte noch immer auf< den Plan, seine Augen hatten sich m dem Gewirr I der dicken und dünnen roten und schwarzen Linie« verloren. Bahnen, Städte, Grenzen, Staaten, eine Well. Auf einem der Punkte, auf einem der klein-' sten, stand er und gab Signale und begrüßte die j Züge, die vorüberdonnerten und sprach mit Fremden und sorgte für sie. (Fortsetzung folgt.) Nr. 5L Samstag, 9. März 193K Seife 3 Jn JiüTze D ft e tu n 0. Im Memclländer Prozess beantragte der Staatsanwalt am Freitag nach einem Plädoyer des Generalstaatsanwaltes folgende gegen die Hauptangeklagten ans der sogenannten Jesuttisgruppe P r i st, Wannagat, Boll, Gottschal* und Lepa die Todesstrafe durch Erschießen; gegen dir übrigen Angeklagten Zuchthaus von acht Jahren bis lebenslänglich. Brüssel. Die Polizei in den(ehemals deutschen) Kantonen Eupen und M a l m ö d y stellte fest, daß einige mit den Hitlerleuten sympathisierende Gruppen mit nationalsozialistischen Organisationen in Deutschland in Verbindung ^standen, und nahm daher eine gründliche Säuberungsaktion vor. Es wurden an 100 Personen verhaftet und viele Dokumente beschlagnahmt, u. a. auch ein Mitgliederverzeichnis der illegalen Organisation. Budapest. Der Minister des Innern erließ eine Verordnung, durch welche für die Abhaltung der Neuwahlen in Ungarn die Zeit vom 29. März 1935 bis 7. April 1935 bestimmt wird. Was jede gute Köchin braucht Vor allem ein gutes Fett, welches die Speisen leicht verdaulich macht, sodaß auch dem schwachen Magen alles bekommt. Wozu gibt es denn Ceres? Es macht die Speisen gehaltvoll, wohlschmeckend und jede Mahlzeit leicht verdaulich. Nur echt mit dem Namenszug fudetendeutscficr Die Korruption Im Dritten Reich Der Pg. Franz Otto Georgie war bei der Arbeitsfront in Zwicka« als Ortsgrnppenwatter«nd Finanzwart in der Abteilung„Holz" angestellt. Von Zwickau wurde er nach Chemnitz versetzt, nachdem durchgefickert war, daß seine Kasse nicht stimmte. Er hatte anher 5009 Mark noch 900 Mark Beiträge einer Detrlebsgemeinschast unterschlagen. In Chemnitz setzte er sein« Unterschlagungen fort. Erst die Tatsache, daß er mtt einer Jüdin intimen Verkehr pflegte, brach ihm das Genick. * In R o r d e n wurde der Ortsgruppenamtswalter der RS-Volksgemein- schaft„Kraft durch Freude", Schmidt, verhaftet. Er hat die einkas- fierten Organisationsgelder monatelang mtt.mehreren jungen Mädchen bei Dienstreisen anf den Inseln Borkum, Zuist, Norderney«nd Battrum durchgebracht. * Der SA-Mann Steine! in Ludwigshafen unterschlug 5000 Mark Gelder der Arbeitsfront. Sudetendeutsche Packeleien SHF sucht Rückendeckung bei der Stoupal-Gruppe der tschechischen Agrarier— und verhandelt weiter mit dem Landbund Wer sind Ins. Künzl und Dr. Preibsch? Prag. Unsere seinerzeitige Meldung, daß Henlein bzw. sein Genrralstab jetzt schon weniger Wert auf das Wohlwollen Spinas als auf das der tschechischen Agrarier legen und versuchen, sich an den reaktionären Flügel der tschechischen Agrarpartei als Bundesgenossen einer künftigen Rrchtsregierung anzubiedern, wird nun durch eine Meldung des Olmützer tschechischklerikalen„R a s i n r c" bestätigt, daß die Henlein- leute nun nicht mehr mit Spina, sondern direkt mit dem Führer des mährischen Flügels der tschechischen Agrarier, dem Landesausschußbeisitzer S t o u p a l, Berhandlungen anfgenommen haben. Die Rückendeikung durch Dpjna scheint de»'Herrschaften also nicht mehr genügend sicher zu fein. Trotzdem hält es Henleins Generalstäb für gut, an chdie Berhandlungen mit dem Bund der Landwirte weiterznführen»«nd im Bund der Landwirte finden sich für solche Berhandlungrst auch immer noch Unterhändler. Die letzten Verhandlungen haben unseres Wissens nach a m Mittwoch stattgefunden. Interessant ist aber dir Tatsache, daß sich jetzt als Wortführer des B. d. L. nicht mehr Herr Z i e r h u t an den Berhandlungen mit Brand, Srbekowsfi«sw. beteiligt, sondern daß neben den zwei bekannten wrstbähmischen „H" vom. Bund der Landwirte jetzt bi s d e r «ndekannte Provinzgrößen verhandeln. So nennt«ns ein absolut verläßlicher Gewährsmann, der die mährischen Verhältnisse aus eigener Anschauung gut kennt, als nenrste Unterhändler auf Seite des B. d. L. einen Jng. Künzl «nd einen Dr. Preibsch, beide aus Brünn «nd beide Angestellte des deutschen landwirtschaftlichen Grnossenschaftsverbandes in Mähren. Auch diese neuen Berhandlungen mit den Abgesandten Henleins haben, obwohl die BdL.-Leute gewiß vom besten Willen erfüllt waren, allen Wünschen der SHF zu willfahren, zu keinem Er- gebnis geführt. Die SHF-Leute, die infolge der Rückendeckung durch Stoupal keinen so große«' Respekt vor der Auflösung mehr zu haben scheinen, sitzen nämlich wieder auf dem hohen Roß und haben den bekannten Antrag anf Selbstmord des Bundes dcr Land- wirte— d. h. Einheitsliste nur unter der Bedingung, daß sich der BdL mit der SHF »^fusioniert"— in einer nur wenig abge- anderten Form wiederholt; höchstens über den Zeitpunkt der„Fusionierung", durch die der BdL zu einer bloßen Settion der SHF herabsinkeq würde, wollen sie aus wahltaktischen Gründen mit sich reden lassen. Ansonsten drohen sie, den Bund der Landwirte allein in die Wahlen gehen zu lassen«nd vernichtend z« schlage«. .Diese Information wird indirekt durch die Meldung der samstägigen„Prager Presse" bestätigt, daß der BdL den bereits für de« 30. und 31. März rinberufenen Reichsparteitag wieder verschoben hat,«nd zwar offenbar bis nach den Wahlen. Das deutet darauf hin, daß keiner der heutigen Führer mehr abschätzen kann, wie der Parteitag enden würde, wenn die Gruppe der beiden„H"«nd jene Delegierten, die ihre Partei doch nicht so ohne weitere- liquidieren lassen wol- einander in die Haare gerieten. Als» verschiebt man die Geschichte bis nach den Wahlen... Dagegen ist für den 20. März dir R e i ch s- Parteileitung des BdL nach Prag einberufen» die offenbar endlich einmal das Berhältnis zur SHF und vielleicht auch die Legitimation gewisser Unterhändler klarstellen soll. Man muß sich dabei nur fragen, wer Künzl«nd Preibsch deckt, so daß Lente, die bisher in der politischen Organisation des Bundes der Landwirte unbekannte Größen waren, rS sich heransnehmen können, die eigene Partei z« torpedieren. Man geht wohl nicht in der Annahme fehl, daß die beiden Herren über politische Berbin» düngen z« dem eingangs erwähnten Stoupal verfügen und in'dessen Auftrag handeln, um die eigene Partei vorfertigeTatsachez« stellen. Spina ist demnach nicht mehr Herr seiner Entschlüsse, sondern der Gefangene einiger von Größenwahn befallener agrarischer Ingenieur«nd Genossenschaftsbeamten. Interessant ist, daß dabei das Verhältnis der beiden mährischen SHF-Pro- tektoren zu den beiden westböhmischen„H" trotz der grmeiiksamen Ziele nicht einmal besonders gut sein soll, da keiner dem andern den Ruhm gönnt, den BdL in die SHF überführt zu haben. Wenn also die derzeit noch offizielle Führung deS BdL, der ja vor der Verbindung mit der SHF nun auch schon zu grausen scheint, durch die Grup- pen, die die eigene Partei an Henlein verraten wollen, dennoch überstimmt und gezwungen werden sollte, mit der SHF gemeinsame Sach« zu machen, um die gemeinsame Kandidatenliste und damit für dieses eine Mal noch ein paar Mandate zu retten, so würde der groteske Fall eintrrten, daß diese neue«Sudetendeutsche Volksgemeinschaft" in Wirklichkeit nicht deutschen Politikern, sondern dem Tschechen Stoupal zuzuschreiben wäre, der damit gewiß etwas andere Ziele als die Einigung der sudetendeutsche» Bevölkerung in einem politischen Lager verfolgt... Mord-«nd Selbstmordversuch In WeiSfirch- litz. Zwischen den geschiedenen Eheleuten Franz und Marie N o h a in Weiskirchlitz kam es Freitag vormittags zu einem Konflikt, in dessen Verlaufe Noha auf die Frau zwei Schüsse abfeuerte und dann die Schußwaffe gegen sich selbst richtete. Als die Bewohner des Hauses die Tür des Zimmers, in dem die Frau wohnt, öffnete, fanden sie die beiden in ihrem Blute liegend vor. Die Frau hatte einen Durchschuß am rechten Oberarm und einen Steckschuß im Rücken, bei dem Manne wurde ein Kopfschutz festgestellt. Franz Noha ringt im Teplitzer Krankenhause mit dem Tode. So schaut die Volksgemeinschaft aus! Hinauswurf von Arbeitern aus der Sudetendeutschen Heimatfront Aus Tachau schreibt man der„Zukunft", daß in der dortigen Ortsgruppe der SHF ein schwerer Konflikt ausgebrochen sei, dessen Ursachen überaus lehrreich sind. Die in der SHF vereinigten Arbeiter kamen durch die in den Versammlungen dieser Partei gepflogenen Reden auf die Idee, daß es eigentlich bei dem Geiste, der in ter SHF herrsche, eine Selbstverständlichkeit sei, wenn sie der Ausbeutung durch ihre Volksgenossen- Unternehmer ein Ziel setzen und mehr Lohn und künftigere Arbeitsbedingungen fordern. Sie wollten vor allem, daß die gesetzliche Arbeftszeit eingehalten und ein den andern Gebieten der Republik angepaßter Lohn gezahlt werde. Dagegen konnten sich die Leiter der SHF nicht stellen und mußten den Arbeitern, die zugleich auch ihre Partei- und Volksgenossen sind, sogar noch das Zugeständnis machen, daß sie für die Arbeiter intervenieren würden, damit ihren Forderungen Beachtung geschenkt werde. Aber gar bald kamen die Arbefter darauf, daß man sie belog, denn die Herren Führer von der SHF taten alles in diesem Kampfe zwischen Arbeiter und Unternehmer, nur verteidigten sie nicht das Recht der Arbeiter. Darum gab eS in einer Henleinversammlung einen mächtigen Krawall und in der Folge zu einer Opposition in der Ortsgruppe der SHF in Tachau. Diese Opposition» die von einem jungen Mann namens Scharnagl geftihrt wurde, erhob gegen die Besitzenden in der Henleinfront schwere Anklagen, der Riß zwischen Hungernden und Satten wurde offenbar und damit auch der durch nichts überbrückbare politische Gegensatz. Die Situation wurde für di« SHF von Tag zu Tag unheimlicher und so entschloß man sich zu einer Radikalkur, d. h. Man ließ durch eine Art Schnellgericht der SHF die Mitglieder SHF Scharnagl, Hörl und Hederer wegen Unbotmäßigkeit aus der„Volksgemeinschaft" der SHF ausschließen, aber der Kampf tobte trotzdem weiter. Samstag, den 2. März, stellten einige Oppositionelle der SHF einen der bekannten Macher dieser Partei auf dem Marktplatz zur Rede, sagten ihm allerlei Liebenswürdigkeiten und zum Schluß warfen sie ihm einige Mitgliedsbücher der SHF an dm Kopf, daß die Mütter der Büchlein nur so auf dem Platze herumflogen.— Das war nun der Anfang, wie aber wird erst das Ende der„Volksgemeinschaft" zwischen Arbefter und Unternehmer sein? ein Vater erschießt sein einjähriges Kind und dann sich selbst Eine furchtbare Bluttat hat sich in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag dieser Woche in Riegersdorf bei Bodenbach abgespielt. 1 Jn der sogenannten Kreisel-Mühle war der 25jährige Rudolf Walter als Brotkutscher beschäftigt. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder, von denen das jüngere, ein Knicke, erst «in Jahr alt geworden war. Jn der Nacht vom 8. zum 7. März nun,-zwischen 1 und 2 Uhr, feuerte der Mann aus einem alten Trommelrevolver aus unmittelbarer Nähe einen Schutz gegen die Stirn deS einjährigen Kindes ab. Dann richtete er die Waffe gegen seine Schläfe und tötete sich durch einen zweiten Schutz. Das unglückliche Kind wurde mit seiner schweren Verletzung dem Tetschener Krankenhaus zugeführt, wo eS Donnerstag nachmittags starb. Was den jungen Mann zu seiner schrecklichen Tat veranlatzt hat, ist völlig unverständlich. Es heißt, daß er ein lockeres Leben führte und deS öfteren in geldliche Schwierigkeften geraten war. Veniieios (AP.) Die griechischen Ereignisse haben den 71jährigen Eleutherios Venizelos abermals an die Oberfläche des politischen Lebens getragen, aus dem er schon fast in den Hintergrund getreten zu sein schien. Venizelos hat ein wechselvolles Leben hinter sich. Die sturmbewegte Insel Kreta ist seine Heimat, ohne die auch sein eigenes unruhevolles Wesen nicht zu verstehen ist. Dreihundert Jahre lang führte das Jnselvoll der Hirten und Jäger auf Kreta einen heftigen Kampf gegen die türkische Fremdherrschaft, der vom Festland auS unterstützt wurde, aber auf den Inseln zäher und hartnäckiger war. Die Vorfahren von Venizelos kamen um 1770, als sie nach einer mißglückten Rebellwn flüchten mußten, vom Peloponnes nach Kreta. Die Tradition blieb erhalten. Ein Jahrhundert später mutzte der Vater von Venizelos wegen Teilnahme an einer Verschwörung nach der Insel Syra flüchten. Der damals dreijährig« Junge lernte bereits die Leiden eines politischen Flüchtlings kennen. Dies weckte in ihm früh den Haß gegen die Fremdherrschaft. Bewußt hatte ihm der Vater den Vornamen Eleutherios nach dem Schutzheiligen der F r«ih e i t gegeben. Als Achtjähriger konnte er nach Kreta zurückkehren. Der Vierzehnjährige studierte bereits die Beschlüsse des Berliner Kongresses, die für Kreta- eine Art Nattonal- versammlnng vorsahen. Die Feindschaft gegen die Fremden übertrug er später auch auf den König Georg l., der kein Grieche, sondern ein Dänenprinz war und den er als Fremdling empfand. Das war die Wurzel seiner späteren republikanischen Einstellung. Er ließ sich dann als Advokat auf Kreta nieder und flüchtete, in den Aufstand von 1887 gegen die Türkej verwickelt, diesmal nach Athen. Der Sultan hatte damals seine Zusage vom Berliner Kongreß gebrochen und dadurch große Empörung auf Kreta hervorgerufen. Ein Jahr später kehrte Venizelos bereits zurück und eröffnete erneut den Kampf gegen die Türken, dehnte ihn aber auch auf seine gemäßigten Landsleute aus. Er wurde Deputterter in dem kleinen Parlament von Canea. Seine Tättgkeit war abwechselnd in Büros, Klubs, Redakttonen und Versammlungen an der Küste und dann wieder bei bewaffneten Streifzügen in das Innere. Damit wechselten Verhandlungen mit den intervenierenden Großmächten. Jn dieser Atmosphäre der Verschwörungen und der Unruhe wurde er groß. Sie paßte zu der Natur des Meeres und des steilen Gebirges, in dem er jeden Pfad kannte. Er berichtet von seiner Jugend selbst, daß alle Monate eine Rebellion war, nach der er in die Berge flüchten mußte, daß sie immer bewaffnet waren und ihren eigenen Krieg mit den Türken führten, daß er, in den Bergen englisch lernte, um Verhandlungen führen zu können. 1898 kam es dann zu dem griechisch-türkischen Krieg, in dem Griechenland auf den Schlachtfeldern Thessaliens geschlagen wurde. Das würde schon damals der Dynastie den Kragen gekostet haben, wenn nicht der Zar den Türken Einhalt geboten hätte. Als gleichzeiüg ein neuer Aufftand auf Kreta ausbrach, schritten die Großmächte abermals ein. Sie wollten eine Autonomie unter türkischer Souveränität. Die Konser» vattven der Insel waren damit einverstanden. Venizelos und seine Unionisten lehnten diese Autonomie ab i'nd kämpften in den Bergen mit einem selbst- gekvll>eten Verteidigungskorps. Die Mehrheit in der Kammer nahm aber die Autonomie an. Venizelos unterlag. Dann wurde die Insel griechisch.— Venizelos übersiedelte 1910 nach Athen, wurde Abgeordneter und bereits 1911 Ministerpräsident. Er letzte ein neues Wehrgesetz durch und brachte Sen Balkanbund zustande, der 1912 die Türkei besiegte. Bei Ausbruch des Weltkrieges schlug er dem König Konstantin vor, auf die Seite der Entente zu 'reten und der Türkei Kleinasien wegzunehmen. Der König lehnte ab und, entließ Venizelos 1915, als er erfuhr, daß dieser hinter seinem Rücken mit der Entente verhandelte. Da aber ohne die Liberalen keine Regierung zu bilhen war, mußte er ihn bald wieder zum Premierminister machen. Als er nun den Vertrag mit der Entente abschloß, wurde er zum zweitenmal entlassen. Als die Entente 1918 Saloniki besetzt«, bildete Venizelos dort eine Gegenregierung,. die den Mittelmächten den Krieg erklärte, 1917 zog er in Athen ein und zwang Konstantin zur Absetzung. Der Landgewinn im Weltkrieg genügte ihm nicht. 1919 ließ er Smyrna besetzen. Das führte zu dem Krieg mit der Türkei, in dem Griechenland unterlag. König Alexander starb, Konstanttn kehrte zurück und Venizelos demissionierte. Bei der Konferenz von Lausanne führte er di« griechische Delegatton. Bis 1923 lebte er in Frankreich. 192s bildete er sein viertes Kabinett. Er wurde jedoch bald darauf von Papanastasiu gestürzt. 1928 kam er zum fünftenmal zur Regierung. Die letzten Wahlen machten dann seiner Macht ein Ende, ohne- daß er angesichts der Stimmung eines Teiles der Offiziere und der Zusammensetzung des Senats die Hoffnung auf Wiederkehr aufgab. Das Attentat auf ihn zeigte die Schärfe des inneren Kampfes. 1934 trat er durch die Oppo- sition gegen den Ballanpakt hervor. Nün steht ex wieder im Vordergrund. et SamStag, 9. März 1935 Ade. 88 Graf Bethlen Ungarns früherer Ministerpräsident, ist aus der Regierungspartei ausgetreten mit der Begründung, daß die plötzliche Auflösung des Parlamente- dir Voraussetzung für eine Zusammenarbeit mit dem Ministerpräsidenten G ö m b ö s zunichte gemacht hab«. Man nimmt an, das; Graf Bethlen mit etwa 80 bi- 40 gleichgesinnten Abgeordneten«ine"eigene Partei gründen wird, die gegenüber dem- FasciSmuS G ö m b ö S', der sich auf die Gentry(den kleinen Landadel) und die Mittelschichten stützen will, daS konservative Ungarn und die Vorrechte der Magnaten verteidigen soll. ES geht vor allem um die Fragen der Bodenreform, deS geheimen Wahlrechte- und der Erhaltung des privilegierten Oberhauses(Magnatentafel). Aos der ArbeNer-Tom- und Sportbewegung Arbeiter-Skispringen über 50 Meter! Arbeiterwintersportler haben am vergangenen Sonntag erstmalig die 5 0-Meter« grenze übersprungen. Auf der Joachims, rhaler Sprungschanze im Rauschererbthal, am Fuße des Keilberges, wurde auf städtischem Grund mit Unterstützung des städtischen Amtes für tzeibeS« Übungen eine vorzügliche Schanze errichtet, welche bereits derzeit Sprünge über 50 Meter zuläßt, obwohl die Schanze noch nicht fertiggebaut ist. Die bürgerlichen Wintersportler haben vor 14 Lagen«in Springen durchgeführt. Der weiteste, gestandene Sprung betrug 46 Meter;«in einziger Springer hat mit einem 54-Metersprung aufgewartet, det Springer stützte jedoch und schied aus der Konkurrenz aus. Bei starkem Gegenwind sprangen Sonntag drei Arb eit er spart le r Wer die 50- Metergrenz«. Der Sieger des Springens, Genosse Held auS Abertham, zeigte drei gestandene Sprünge von 54.5, 45 und 53 Meter. Urban(Neudek) muhte nach zwei Sprüngen von 50 und 51 Meter ausschekden. Hüller(Rothau) sprang 51 Meter und wurde Zweiter. In der Jugendklasse siegte Eska(Bärringen) mit drei gestandenen Sprüngen von 33, 35 und 45 Meter. ES gab am Vormittag auch interessante Langläufe. Den 18-Kilo- meterlauf gewann der Sieger von Eisenstein, Genosse Fink(Merkelsgrün) mit 1: 34:24 vor Z e n» ker(Abertham), welcher 1:85:36 lief. Beachtlich waren die Jugendläufe. Die Bestzeit über 10 Kilometer erreichte H e g e n(Neuhammer) mit 1:01:12 in der Klaffe 16 bis 18 Jahre. In der Klaffe der 14- bis 16jährigen siegte Kraus(Bärringen) mit 1:06:00. Nach den Wettkämpfen fand im BolkShauS JoachimSthal eine Besprechung statt, an welcher die Mitglieder deS KreiS-WinterfportauSschuffeS des 6. KreifeS und Vertreter deS Vereines JoachimSthal teilnahmen. Für den Bund nahm Genoss- M y k u r a an der Sitzung teil. ES wurden die Möglichkeiten zur Abhaltung des BundeSwintersportfesteS beraten. Westböhmischer Arbeiterfußball Obwohl die schneesicheren Gebiete WestböhmenS noch herrliche Skifahrten ermöglichen, hat in den Bezirken an der Eger bereits der Fußballbetrieb stärker eingesetzt. Drei Nachtragsserienspiele von der Herbsts-rie brachten einige Verschiebungen in der Laoelle. DaS abgebrochen« 0:0»Spi«l Unterreichenau gegen C h o d a u wurde nachgespielt und endete endgültig 0:0. Die spielstarken Reichenauer schlugen aber Thodau in dem folgenden Freundschaftsspiel 6:1. DaS Spiel Drahowitz gegen Altrohlau endete 1:3, durch dirsen Sieg w'rd ASB Altrohlau ein gefährlicher Anwärter in der Spitzenführung. AtuS Karlsbad spielte mit seinem Tabellennachbar Fischern 1:1,beide bleiben mit je acht Punkten Vorletzte in der Tabelle. Morgen, Sonntag, findet der letzte Gang der Herbstserie statt, 14 erstklassige Vereine werden antreten. Die neue Frühjahrsserie beginnt bereits am 24. März, an welcher abermals gegen 8 0 Maunschaften daran teilnehmen. *- Die Herbstserie nach 13 Spielen ASB Meierhöfen. 18 11 1 1 28 71:24 ASB Altrohlau. 18 8 4 1 22 54:80 Sportbr. Eibenberg 13 9 .1 8 19 54:80 ASK Eger.. 13 7 2 4 16 81:20 FJK Falkenau. 14 9 0 5 14 54:86 Atu» Unterreichenau 18 6 2 5 14 42:82 ASB Grarlitz. 13 5 8 5 13 83:87 AtuS Chodau.. 13 5 2 6 12 81:29 AruS Fleißen.. 18 5 2 S 12 84:44 ASB Aeudek.. 18 4 2 7 10 39:48 AtuS Theuffau. • 18 4 2 7 10 24:51 AtuS Karlsbad. 18 2 2 9 8 28:42 Atu» Drahowitz. 18 8 2 8 8 24:44 AmS Fischern.. 13 2 8 8 8 25:46 ZlruS Franzensbad • 18 2 2 9 6 33:60 TagcsncuIgKcKcn Hat Httler Kehlkopf- tuberkulöse? F1ebertemperat«ren nnd höchste Reizbarkeit Nachrichten aus Deutschland besagen, daß es mit der„Heiserkeit" Adolf Hitlers eine weit ernstere Betvandtnis hat. als die amtlichen Stellen zu berichten wissen... Dem„Führer", der früher drei, vier Stunden lang zu reden, beziehungsweise zu brüllen pflegte, ohne auch nur Spuren von Ermüdung zu zeigen, bereitet heut« schon ein Zehnminutrngespräch sichtliche Schwierigkeiten. Zeitweise ist er so heiser, daß er kaum einen Ton hervorbringeir kann. Ebenso häufig wie das Auftreten der Stimmbandstörungen sind Fiebererscheinungen, aus denen auch die erhöhte Reizbarkeit des Kanzlers resultiert, den in letzter Zeit die nichtigsten Dinge zu den wildesten ZorneSausbrüchen veranlassen. Immer bestimm» rcr taucht in Deutschland selbst die Nachricht auf, kotz Hitler an einer schon ziemlich weit fortgeschrittenen Kehlkopftuberkulose llibo- riere. Den deutschen Zeitungen ist es natürlich strengsten» verboten,„beunruhigende" Meldungen über den Gesundheitszustand deS „Führers" zu bringen—. Ein Erzbischof verhaftet? Mexiko. Der mexikanische Erzbischof Pascuan Diazist auf geheimnisvolle Weise in der Gemeinde Guatitilan in der Nähe von Mexiko-Eity verschwunden. ES kursieren Gerüchte, datz er von der Staatspolizei verhaftet und im Flugzeug nach den Bereinigten Staaten transportiert worden sei. Der mexikanisch« Innenminister erklärt aber, datz er keine Anordnung zur Verhaftung des Erzbischofs gegeben habe. Revolver-Anschlag eines Kommunisten auf einen sozialdemokratischen Redakteur Amsterdam. Ein im Haag wohnender polnischer Kommunist bat um einen Besuch tri dem Chefredakteur de» sozialistischen Blatte» ,^H e t B»l k", A n k e r s m i t. Al- der Kommunist da- Büro de- Chefredakteur- betrat, zog er einen Revolver hervor und wollte auf diesen schießen. Ankersmit entwand dem Angreifer den Revolver, bevor er noch schießen konnte. Der Angreifer wurde verhaftet und erklärt«, er habe durch sei« Attentat gegen die kommunistenfeindliche Haltung de- Blatte- ,^>et Volk" protestieren wollen. 445 Stundenkilometer! Dayton Beach. Sir Malcolm Cambell hat jetzt nach mehrfachen versuchen mit seinem Rennwagen„Blauer Bogel" einen neuen W e lt r e k ord aufgestellt. Er erzielte auf einer Strecke von einer englischen Meile (1.6 Kilometer) die phantastische Geschwindigkeit von 445.593 Stundenkilometer. Gespannte Lage in Havanna Havanna, Die Ange stellten der staatlichen BerkehrSverwaltung sind in den Streik getreten und haben infolge dessen den gesamten Post« und Telegraphenverkehr lahmgelegt. Man nimmt an, datz«S sich bei diesem Streik um einen Teil eine- allgemeinen Umsturzplanes handelt. Di« ausständigen Lerkehrsbeamten haben sich mit anderen Streikenden vereinigt, so datz die Gefahr eines Generalstreiks droht. Man glaubt, datz noch im Laufe des Freitag der Belagerungszustand über das Land verhängt werden wird. Die Polizei al- Erzieher. Die Tage der Mafarykfeiern sollten von den Verantwortlichen Stellen auch dazu genutzt werden, über einige Mängel unserer Demokratie— von denen der Präsident in Läny ausdrücklich gesprochen hat — und über die mögliche Abhilfe nachzudenken. Zu den schwersten gehört ohne Zweifel daS Uebergewicht der Bürokratie in allen Derwal- tungszweigen und auf allen LebenSgebieten, insbesondere weil die Bürokratie selbst zum größeren Teil gerade von den Ideen MasarykS unberührt ist. Wie engstirnig und verkehr man vorgeht, zeigt sich täglich nicht nur in den Amtsstuben, sondern auch auf der Straße. Kürzlich hat der„Sozialdemokrat" darauf verwiesen, daß auf der Prager Matthäi-Kirchweih, ohne daß die Polizei den geringsten Anstoß nahm, die.Einrichtung eine- lebendigen Menschen" aü sensationelle Schaustellung angekündigt werden konnte(mit Bild natürlich!). Man sage nicht, daß so etwas ein harmloser Reißer sei! Kinder, die zu Tausenden da waren, nehmen solche Scherze sehr ernst. Wenige Tage später mußte gerügt werden, daß ein Prager Nachtlokal als R e k l a- m e f i g u r einen Mann mit Totenkopf, Totenhemd und Knochenhänden auf der Straße herumspazieren ließ. Auch das scheint die Polizei so wenig gestört zu haben wie etwa die alljährlich wiederkehrenden geschmack- losen Plakate für denBall derMe- d i z i n e r(„Die Gräber öffnen sich,"„DaS Fieber steigt"), in denen die Mitglieder der Zunft diese kompromittieren und sich selbst als herzlose und rüde Gesellen apostrophieren. Von der Barbarei der Kinoplakate ganz abgesehen, wäre auch die künstlerische Unzulänglichkeft vieler öffentlicher Plakatierungen in Stadt und Land ein Objekt, daS Volkserziehern zum Stu- dium empfohlen werden kann. Im„Pr. Tag- blatt" wurde kürzlich mft Recht auSgeführt, daß die Zensur der Jugend jeden Film verbiete, in dem ein Frauenbein zu sehen ist, daß sie aber die gräßlichsten und wirklich unmoralischen, kul- turwidrigen Filme, in denen edle Tiere abge- schlachtet, Neger und Malaien, Menschen wie wir oder besser als die Weißen, die derlei vollbringen, geopfert werden, nicht nur jugendftei er» klärt, sondern womöglich zum Besuch empfiehlt. Die Unfähigkeit der mft der Zensur jeder Art betrauten Behörden zeigt sich einem auf Schritt und Tritt. Hier Ordnung zu schaffen wäre eine Aufgabe, die sich der demokratische Staat je eher je lieber stellen sollte! ,^pej rup!" in Frankreich verboten. Der tschechische Film„Hes rup!" mit Boskovec und Werich ' in den Hauptrollen, der zurzeit in England Erfolge erntet, di« in jenem Land der„splendid isolation" überraschend sind, wurde in Frankreich I von der Zensur wegen seiner sozialistischen Tendenz verboten. Schutzimpfung gegen Diphtherie. Zum ersten Male wurde bereits 1933 die Diphtherie-Schutzimpfung bei Kindern von Angestellten der EiseN- ! werke W i t k o w i tz mit dem Schutzimpfstoff „Anatoxin" nach Ramon durchgeführt, welche- das staatliche Gesundheitsinstitut in Prag zur Verfügung gestellt hatte. Di« Kinder wurden im ganzen dreimal in Intervallen von je drei Wochen geimpft. Der Erfolg war damals der allerbeste. Die geeimpften Kinder wurden im Mai desselben Jahres in das Gewerkschaftsferienheim entsandt, wo während de- sechswöchigen Aufenthalte» kein einzige- Kind an Diphtherie erkrankte, wiewohl in der Umgebung Diphtherie sehr zahlreich auftrat. — Bereits damals wurde nach den guten Erfahrungen erwogen» die Kinder aller Angestellten deS Werke» einer generellen Impfung zu unterziehen. Als dann im Oktober 1934 die Diphtherie epidemisch auftrat, wurde nun unverzüglich zur Maffenimpfung der Kinder vom 1. bis 12. Lebensjahre geschritten. Auf Grund einer Kundmachung | der Zentraldirektion de» Eisenwerkes Witkowitz vom 28. und 25. Oktober 1934 wurden von den Angestellten im ganzen 2892 Kinder angemeldet und bereit» am 29. Oktober 1984 wurde mit der Impfung begonnen.— Geimpft wurde abermals nach der Ramonschen Methode mit Anatoxin, und zwar im Werksspital in Witkowitz. Im Einvernehmen mit den Revierärzten wurde, da auS der weiteren Umgebung zahlreiche Anmeldungen Vorlagen, der Beschluß gefaßt, auch in jenen Gemeinden zu impfen, in denen Werksangestellten- kinder in größerer Zahl wohnen. Aerzte ves WerkSfpitalS begaben sich mit Hilfskräften zur Impfung nach den verschiedensten Ortschaften. Beim Rodeln von einem Aut» getötet. Donnerstag nachmittags rodelte der z e h n jä h r i g e Knabe W e i ß bei der Restauration„Weiße» Rötzl" inMarienbad auf der Staatsstraße und geriet vor da» Personenautomobil des Geschäftsreisenden Pohl. Da Pohl auf der vereisten Straße seinen Wagen nicht mehr rechtzeittg anhalten konnte, wurde der Knabe überfahren. Er erlitt schwere Kopfverletzungen, denen er sofort nach seiner Ueberführung in» Krankenhaus erlag. In der Katastrophen-Gr»be. Aus GraS- ford in Nord-Wales wird berichtet: Am Donnerstag stiegen zum ersten Male etwa 20 Bergleute in die M ar tin-Grub e ein, in der am 22. September vorigen Jahres 261Bergleute den Tod gefunden haben. Auf dem Schachtboden in 720 Meter Tiefe angekmnmen, drangen sie in die beiden Hauptstollen ein und gingen zu Erkundungszwecken in westlicher Richtung 150 Meter, und in östlicher Richtung 70 Meter. ES wurden keine Einstürze und keine Wassereinbrüche festgestellt^ Nach fünf Stunden kehrten sie wieder ans Tageslicht zurück. Da die Grube seit mehr als fünf Monaten luftdicht abgeschlossen war, muß noch eine Reihe von Tagen därauf gewartet werden, daß die Ventilation wieder in Gang kommt. Gegenwärtig ist der Aufenthalt in den Gruben nur bei ständiger Benutzung von Sauer- stoffmaSken möglich. Man nimmt an, datz es noch einige Zeit dauern wird, bis man an die Bergung der Leichen gehen kann. Der nächste Tote, ein Mittglied der Rettungsmannschaft, befindet sich noch 200 Meter jenseits des vordersten jetzt erreichten Punktes. Die Stelle, wo am 22. Dezember die Rettungsabteilung von einer Feuergarbc überrascht wurde, ist noch einen Kilometer vom Schachtboden entfernt. Massenvrrgiftung. Einer Nachricht au» Sa« marang in Java zufolge, erlitten in dem Dorfe Keboemen zahlreiche Einwohner Vergiftungen durch verdorbene Lebensmittel. 80 Personen sind der Vergiftung bereits erlegen. Eine große Menge der verdorbenen Lebensmittel wurde beschlagnahmt und nach Batavia zur Untersuchung gesandt. Hartnäckiger Märzfrost. Gestern fiel nur iw den Randgebieten Böhmens und in der Westsiowa« kei noch etwa» Schnee, sonst hefterte sich der Himmel zeitweise auf. Außer am SLdrande der Slowakei und Karpathorußlands, wo nachmittags plu» 1 bis plus 3 Grad verzeichnet wurden, herrscht noch überall Frost; in den Niederungen Böhmen» wurden um 14 Uhr—2 bi»—5 Grad, in Mähren-Schlesien und in der Westflowakei 1 bi» —3 Grad abgelesen. Der Fichtelberg meldet« —13, die Schneekoppe—18 und Starh Smoko- vec—7 Grad. Für heute ist Andauer des winterlichen Wetters, Nordostwind und Frost vorausgesagt, im Nordosten des Staate» vielfach Hefter, sonst wechselnd bis vorwiegend bewölkt und strichweise Schneefall. Eine rnsfische PokarflugNni« ist st, Vorbereitung und soll 1937 eröffnet werden. Der Hauptanlatz dafür ist die Gefährdung der Eisenbahn nach Wladiwostok durch das Heranrücken der Militärmacht Japan» an die Südgrrnz« Ostsibi« rien». Der Zentralpunkt der Fluglinie Archangelsk—Chabarowsk wird an der Tiksy-Bai liegen. Zweigstrecken werden nach der BehringstraßeundKapTscheljuskin gehen. Der Feter-Plan der Gokdgewinnun, der«,n>. jetunion w»rde mit 108 Prozent erfüllt, wa» gegenüber dem gleichen Monat de» Vorjahre« eine Erhöhung um 33.5 Prozent bedeutet. Den ersten Plcch betreffend die Erfüllung deS Förde« rungSplane» nehmen die Trust» an der Lena in Weftfibirien, im Ural, am Amur und in Altai ein. Eine schwere Explosion ereignete sich Freitag früh in der Mitteldeuffchen Teerproduktion- und Dachpappefabrik Grifte in K a s s e I, wobei die ganze JabrikSanlage im Nu einem einzigen Flammenmeer glüh. Den vereinten Bemühungen zahlreicher Brandwehrkorp» gelang e», ein Uebergreifen d«S Feuer» auf andere Objekte zu verhindern. Menschenleben'fielen dem Feuer'nicht zum Opfer. Auch ein Rekord. Auf der Strecke Newcastle— King» Groß wurde ein neuer Schnelligkeitsrekord auf einer sechs Jahre alten Lokomotive aufgestellt, und zwar mit einer Leistung von 108 Meilen in der Stunde. Vom Rnndinnh Sine Aktion gegen Rundfunkstörungen DaS Postministerium entwarf ein Gesetz zum Schutze gegen Rundfunkstöruntzen, die durch elektrische Maschinen verursacht werden. Der Gesetzentwurf wurde den Rundfunkkörperschaften zweck» Stellungnahme vorgelegt und wurde von ihnen begrüßt, wiewohl er nicht voll befriedigt, da sein Zustandekommen ein Ergebnis von Kompromißverhandlungen mft Gegnern des Rundfunkempfangschutzes ist. Um das Gesetz zu verwirklichen, bereiten die interessierten Körperschaften umfangreiche Aktionen im ganzen Staate vor. Bei einer kürzlich gemeinsam abgehaltenen Beratung wurde beschlossen, im großen Bortragssaale der Prager Städtischen Bücherei eine Versammlung zu veranstalten, um die unbedingte Rotwendigkeft de» RundfunsschutzgesetzeS hervorzuheben. Die Hauptreferenten werden voraussichtlich Dozent Dr. I. Safränek und FUDr. Kamil Sulc, Advokat aus Brünn, sein. In den Aktionsausschuß wurde auch ein Vertreter des deutschen Radio gewählt. Ei» Platz wurde der Rundfunkgesellschäft Vorbehalten. WeiterS wurde beschlossen, eine Deputatton in» NationalverteidiguNgSminifterium, Handels-, Ge- sundheitS«, Schul-, Eisenbahn», Ackerbauministerium, Ministerium für öffenlliche Arbeiten und Ministerium de» Innern zu entsenden. Aehnlich Wie in Prag, werden in allen größeren Städten der Republik dje Radioklubs gemeinsam mit den Kulturkörperschaften solche Versammlungen abhalten. Empfehlenswerte« ans den Programme«: Sonntag Prag: Sender L.: 7.80 Konzert aus Karlsbad. 9.15 Sonaten von Händel. 9.55 Zum 125. G«< burStag Chopin». 11.00 Matinee de» Prager Sende- orchesterS. 14.15 Sozialinformationen. 15.00 lieber« tragung aus dem Nationaltheater: Dvokak: Der Bauer, ein Schelm. 17-30 Tanzmusik auf Schallplatten. 17.50 Deutsche Sendung: Orchestw« tonzert aus Brünn. 18.50 Deutsche Presse. 20.45 Prager DlaSquintett. 22.25 Deutsche Sender St.: 14.80 Deutsche Sendung: Landwirt» schaft-funk. 14.45 Arbeitersendung: Bnwo Schwab: Die neue Gemeindefinanz-Novelle. 15.00 Hallie Stunde Unterhaltungsmusik.— Brünn: 9.1® Klavierkonzert. 17.15 Erziehung zum Sport: Da» Skifahren. 17.80 Tanzmusik. 17.50 Deutsch« Sendung: Versiegelt, komische Oper. 20.85 SSSR flng^ 21.25 Rokoko in der Musik.— Mähr.-Oftrau: 9.1® Tschechische Märsche. 17.80 Opernarien, l» 00 Leichte Musik.— Pretzburg: 19.55 Jazzorchester. Sk. 58 SamSta«, 9. März 1935 Leite 5 Entdeckung eines Hochgebirges Washington. Der bekannte Forschungsreisende Bradford Mashburn überflog Donnerstag kreuzweise den letzten noch nicht karthographisch aufgenommenen Teil des zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika gehörenden Festlandes auf der Halbinsel U u k o n und entdeckte ein ausgedehntes Gebirge, dessen einzelne Berge mehr als 3000 Meter hoch und von mächtigen Gletschern bedeckt sind. Der Forscher startete in der Stadt Carcroß am Aukon. Das Gebiet wird jetzt in die Karten ausgenommen werden. Der verderbliche Handkuh. Der Gesandte des Deutschen Reiches beim Freistaat Irland in Dublin. Georg v. Dehn, war daheim wohlge- liiten und hochgeschätzt. Er sollte als Gesandter nach Bukarest geschickt werden, was ein Avancement dargestellt hätte. Da geschah eS, daß er bei der Abschiedsfeier in Dublin dem p ä P st l i ch e n Nuntius Monsignore Robinson die Hand küßte, wobei der Gesandte das Knie seicht, aber vorschriftsmäßig beugte. Man hatte in Berlin nichts davon erfahren, wäre nicht in der Dubliner Dresse eine Photographie dieser Ehrenbezeugung erschienen. So aber gelangte der Kotau zur Kenntnis des außenpolitischen Amtes der Nazipartei. Nun ist es nichts mehr mit Bukarest für Herrn v. Dehn. Englische Kriegsdienstverweigerer rehabilitiert. Di« Arbeitermehrheit des Londoner Graf- schaftsrates hat bereits im vergangenen Herbst einen„consensious objector", d. h. Kriegsdienstverweigerer aus GewissenSbedcnken, wieder in den Gemeindedienst eingestellt und jetzt zwei weiteren die ihnen im Krieg aberkannten Stellungen im Schulwesen wiederverliehen. Sie wurden mit dem hochstzulässigen Jahresgehalt von 400 Pfund angestellt. Zu den„c. o." gehörte übrigens auch der damalige Sekretär der Unab- hängigen Arbeiterpartei, James Ramfay M a c- donald. Er wurde mst sechs Monaten Gefängnis bestraft. Die Militarisierung der japanischen Schul- lügend. In ganz. Japan werden im April des JahreS 15.000 Sch u l e n für etwa 2% Mill« krönen Jugendliche eingerichtet werden. Die Einrichtung dieser Schulen soll der körperlichen Ertüchtigung der japanischen Jugend dienen mit dem Zweck, auch in Japan eine vormilitärische Ausbildung einzuführen. Kampf gegen Streikbrecher. In Malmö (Schweden) ereigneten fich zwischen streikenden Arbeitern und den an Stelle der Streikenden aufgenommenen Arbeitern heftige Zusammenstöße, bei welchen mehrfach Schüsse gewechselt wurden. Die Polizei zerstreute die Demonstranten. Eine Person wurde verletzt. Bei Kanalbauten in der Nähe der japanischen Stadt Gifu, Aichi, ereignete sich ein E r d r u t s ch, bei dem 18Arbeiter verschüttet wurden. Die Verschütteten konnten nur als L e i ch e n geborgen werden. Wenn Sie für die Düngung Ihrer Blumen den guten Blumen-Zauberdung verwenden, werden Sie zauberhaft schöne Blumen haben 1 Picket mit Postzusendung KC 5*60 durch Verwaltung»Frauenwelt', Prag XI!, Fochova 62. Del Kolporteure» erhiiltl. Gegen den Justizmißbrauch des Schutzbund-Prozesses Nachstehend veröffentlichten wir einen Aufruf, der von Hunderten hervorragenden Persönlichkeiten des parlamentarischen und politischen Lebens, der Wissenschaft, Kunst und Journalistik aus Belgien, Bulgarien, Dänemark, Frankreich. Holland, Italien, Jugosiawirn, Litauen, Palästina, Polen, Rußland, der Schweiz, der Tsche« choflowakei, der Ukraine, Ungarns und der Bereinigten Staaten von Nordamerika unterfertigt ist: Die Unterzeichneten erheben öffentlichen Protest gegen einen Justizmord an mehr als 20 Arbeitern und zwei Offizieren, den die österreichische Regierung vorbereitet. Die Wiener Regierung schickt sich an, den Major Eifler, den Hauptmann Löw und mehr als zwanzig Arbeiter, die Gruppenführer des Wiener Schutzbundes gewesen sind, des Hochverrates anklagen zu lassen. Major Eifler, Hauptmann Löw und die große Mehrzahl der Gruppenführer wurden schon vor dem Wiener Aufstande im Feber.1984 verhaftet. Sie wurden in demselben Augenblick verhaftet, in dem die Heimwehr die bewaffnete Erhebung gegen die demokratische Verfassung Oesterreichs begann; sie wurden verhaftet, damit sie nicht in der Lage seien, die verfassungstreuen Republikaner Oesterreichs zum Schutze der republikanischen Verfassung aufzubieten. Sie hatten, da sie bei Ausbruch des Aufstandes der Wiener Arbeiter schon verhaftet waren, an den Kämpfen keinen Anteil. Sie werden jetzt angeklagt, weil sie diese Kämpfe vorbereitet hätten. In der Tat, sie haben Waffenlager zum Schutze der Verfassung angelegt und werden deshalb jetzt von denjenigen, die Waffenlager zum gewaltsamen Umsturz der Verfassung angelegt haben, vor Gericht gestellt. Man kann nicht zynischer die Justiz zum bloßen Werkzeug des Bedürfnisses nach Rache an unterlegenen Gegnern mißbrauchen. Die Achtung der zivilisierten Welt vor diesen Männern ist um so größer, da die österreichische Regierung ihnen Straflosigkeit angebotcn hat, wenn sie in den Dienst des Fascismus träten. Daß sie die Zumutung, ihre Gesinnung zu verraten, abgelehnt haben, bezahlen sie nun damit, daß sie vor Gericht gestellt werden. Ausländische Regierungen haben die sascisti» sche Regierung Oesterreichs vor wenigen Wochen erst durch Uebrrnahme der Staatsgarantien für eine österreichische Anleihe und durch die internationale Garantie der Unabhängigkeit Oesterreich? unterstützt. Um so mehr Recht hat das zivilisierte Ausland, gegen den geplanten Justizmord zu protestieren, der das Rechtsbewußtsein aller Kulturmenschen beleidigt. Vie Schulreaktion In Oesterreich Die Pressekorrespondenz des„Deutschen Lehrerbundes in der Tschechoslowakei" beschäftigt sich in einem längeren Artikel mit den Schul- verhältttissen in Oesterreich seit dem Siege des FasciSmus. In dem Aufsatz wird gesagt, daß die Klerikalen einen reaktionären Angriff nach dem anderen auf das Schulwesen und die Lehrerschaft Oesterreichs unternehmen. Die Schulreform, die von den Sozialdemokraten eingeführt wurde und in der ganzen Kulturwelt Bewunderung und Anerkennung fand, wird bald restlos liquidiert sein. Der„Deutsche Lehretbund in der CSR." bedauert das ungemein und erklärt, dqß die österreichische Lehrerschaft erst jetzt richtig erfaßt hat, was die Demokratie für sie bedeutete. Diese Erkenntnis ist sicher sehr wertvoll. Wenn die klerikalen Fascisten noch lange in Oesterreich an der Macht bleiben, werden die Lehrer dort sehr bald wieder den Pfarrer rasieren und die Glocken läuten müssen. Uns dünkt jedoch, daß unsere deutschen Lxhrer nicht nur am schwarzen, sondern auch am braunen Fascismus manches äuSzusetzen hätten. Davon aber, daß unsere völkischen Lehrer auch gegen die Schulreaktion im Dritten Reich protestieren würden/' hat man bisher recht wenig gehört. Lehrreiche Auflageaziffern deutscher Zeitschriften. Einer Zusammenstellung der Auflagen- ziftern deutscher Zeitschriften, die die weit öfter bekänutgegebenen Ziffern der Zeitungen in interessanter Weise ergänzt, entnehmen wir: Die gtöß- ten Auflageziffern weisen solche Zeitschriften auf, die nur formell gleichgeschaltet sind, wie Velhagen und Klasings Monatshefte mit 47.000 und Westermanns Monatshefte, deren Auflage im letzten Jahr sogar um 2000 zunahm, mit 32.000. Aehnlich steht es mit solchen, die im Rufe einer, wenn auch behutsamen, oppositionellen Einstellung stehen, wie die„Deutsche Zukunft"(24.000). Die änderen Zeitschriften folgen dann erst in sehr weitem Abstande. Der Zeitschrift„Die Tat", die früher einen sehr eigenwilligen Kurs verfolgte und für Planwirtschaft eintrat— wobei übrigens teilweise dwergierende Tendenzen dort Unterschlupf suchten—, ist die Gleichschaltung übelbekommen. Ihre Leserzahl sank von 13.500 in einem Jahre auf 7000. Die keineswegs nationalsozialistischen Süddeutschen Monatshefte konnten ihre Auflage von 3000 auf 5300 steigern. Die katholische Zeitschrift„Hochland" erhielt seinen Stamm von etwas über 7000 Lesern. Die«Reue Rundschau" sank von 5000 auf 4200, die„Literatur" von 3500 auf 2900. In all diesen Zahlen liegt auch ein gewisser Sinn. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Ergebnislose Wirtschafts verhandlungen mit Deutschland Die seit Wochen in Berlin zwischen der Tsche- choflowakei und Deutschland geführten Wirt- schaftsverhandlungen werden in den nächsten Tagen abgeschlossen werden, ohne daß ein positives Ergebnis zustande gekommen ist. Es wurde in drei Kommissionen- eine für die industriellen, eine für die landwirtschaftlichen und eine für die Fragen des Zahlungsverkehrs, gearbeitet, ohne daß es gelungen ist, die gegensätzlichen Interessen beim Warenaustausch auszugleichen. Von deutscher Seite wurde ein Entgegenkommen auf die von der Tschechoslowakei vorgetragenen Exportwünsche abgelehnt. Außerdem wurden für die Bezahlung des gewünschten zusätzlichen tschechoflowakischen Exports von Deutschland Vorschläge gemacht, die zu erheblichen finanziellen Schwierigkeiten geführt hätten, von denen zuerst die tschechoslowakisch» Exportindustrie betroffen worden wäre. Auch über die eingefrorenen Warenkredite, die Tschechoslowakei hat einige hundert Millionen KL von Deutschland zu fordern, konnte ebenfalls keine Einigung erzielt werden. So droht dem tschechoflowakischen Export durch die starre handelspolitische Bindung Deutschlands eine weitere Einschränkung. Formell soll zwar an den vereinbarten Jahreskontingenten nichts geändert werden; da aber die vorgesehenen Mengen seit Inkrafttreten des neuen Vertrages zum Teil schon wesentlich überschritten sind- so ist die Einschränkung der Ausfuhr unumgänglich. Auf der anderen Seite aber wird die Einfuhr deutscher Waren in der nächsten Zeit in verstärttem Maße erfolgen, da nur so die Aussicht besteht, daß die mehr als 320 Millionen KL, die jetzt die Clearingspitze zugunsten der Tschechoslowakei beträgt, von Deutschland bezahlt werden. Im ganzen betrachtet, erbringen die tschechoslowakisch-deutschen Wirtschaftsverhandlungen erneut den Beweis, daß die Handelspolitik der nationalsozialistischen Reichsregierung die Wiederaufrichtung des Weltaußenhandels und der Weltwirtschaft ernstlich hemmt. WWk M»stW eines MW» MUtts 3n der Toilette eine« Kaffeehauses Prag. Anton K«j n y, ein ehemaliger Flei- schergehilf«, hat Wit seinen 36 Jahren bereits 14 Vorstrafen absolviert, vom Taschendiebstahl und Wucher angefangen bis zur schweren Körperver« »etzung. Unter seinen Vorstrafen befinden sich solch« bis zu zwei Jahren schweren Kerkers. Er gilt als lemeingefqhrlicher, gewalttätiger Berufsverbrecher, der kein« Bedenken trägt, in unangenehmen Situationen ohne weiteres den Revolver zu ziehen. Durch Anordnung der Prager Polizeidirektion ist er seit September 1938 dauernd auS dem Prager Rayon auSgewiesen. Die Polizei bekam indessen im Mai v. I. die Meldung, daß sich K e j n y verbotenerweise in Prag äufhalte, um vermutlich wieder irgendein„Ding zu drehen". Die Detektiv« I e k l und Havelka machten fich auf die Suche nach dem unerwünschten Heimkehrer. In einem Kafteehaus auf dem Wen- zelSplatz betraten sie tatsächlich ihren Mann, der dort mit einem Bekannten namens MatouSek eine Zusammenkunft hatte. Dieser MatouSek ist ein Gelegenheitsdieb,«in armer Tropf, der sich regelmäßig von routinierten Kollegen zur Teilnahme an Unternehmungen bereden läßt, bei denen er meist draufzahlt. Während der Detektiv Havelka fich dieses verhältnismäßig harmlosen Burschen bemächtigte, «rauchte sein Kollege Jekl den nach der Photographie erkannten Kejny, ihm auf die Toilette zu folgen, wo a ihn ins Gebet nahm. Kejny versuchte sich zu ver- stugnen und legte dem Polizisten als Dokument«inen ioftenbar gestohlenen) Heimatschein auf den Namen Franz K ö h l i g vor. Der Detektiv las das Dokument, ohne aber den wegen seiner Gefährlichkeit berüchtigten Verbrecher auS dem Auge zu lassen. Und diese Vorsicht war keineswegs überflüssig gewesen. Eben noch zur rechten Zeit bemerkte der Polizeiinspektor, daß der Angehaltene plötzlich in die rechte Rocktasche fuhr und einen Browning herausriß. Der Detektiv packte den Arm seines Gegners und suchte ihm die Waffe zu entreißen, wobei es zu einem hartnäckigen Ringen kam. Kejny wehrte sich wie rasend. Der Detekftv alarmierte schließlich durch Fußtritte gegen di« Türe der Toilette seinen Kollegen Havelka, der mit dem harmlosen Komplizen kkejnys beschäftigt war. Havelka eilte zu Hilf«, aber es dauerte noch eine ganze Weile, ehe der Verbrecher überwältigt war. Freitag stand der berüchtigte Anton Kejny vor dem Strafsenat Pazdersky unter Anklage der öffentlichen Gewalttätigkeit, der Uebertretung des Waffenpatentes und der verbotenen Rückkehr. Mit Rücksicht auf die notorische Gefährlichkeit und die zahlreichen schweren Vorstrafen des Angeklagten verhängte der Gerichtshof ein strenge- Urteil: drei Jahre schweren und verschärften Kerkers. rb. Fade«, die zerreiße« Bon Pera Inter. Das Rendezvous war für acht Uhr abend- berabredet, die Stunde, in der die Maschinen schweigen und die Herzen reden. Sie hatten vereinbart, sich an der Haltestelle des Autobus Kus- netzkajastraße zu treffen.— Es hingen schwere Schneeflocken vor dem Mond, der Wind wehte, es schneite. Die Flocken wirbelten durch die Straßen, besäten sie mit Diamanten, die Lust glitzerte. Dimitrij Ssnurenkow war ein blutjunger Student deS zootechnischen Instituts. Daß eS in diesem Institut auch eine Textilabteilung gibt— wer möchte es glauben? Aber eS war so. Und sie blühte und gedieh. Dimitrij Ssnurenkow ging zum Rendezvous. Trotzig bot er das Gesicht dem Schneesturm dar, wie es einem jungen Mann geziemt, der seinem Stern vertraut. Ja, er verließ sich auf diesen Stern, er wußte, eS war ihm bestimmt, nach allen Prüfungen des LebenS und des Instituts im Hastn der Sowjettextilindustrie einzulaufen. Er sich sich im Traum schon al# Direktor einer Fabrik. Nickel und Messing de/ Maschinen glänzten. Zentimeter, Meter, Kilometer von Geweben häuften sich. Genug, um die ganze Union zu bekleiden! Und die ganze Union wuvde bekleidet. Und der Name Ssnurenkow wurde im Kreise der roten Direktoren mit Liebe und Achtung genannt. vorläufig aber wartete er auf seine Geliebte. Ihr soziales Gesicht war unklar— das beunruhigte Dimitrij— aber ihr Mädchengesicht war einfach entzückend— und das beunruhigte Dimitrij auch. In seinen Träumen sah er die Geliebte an seiner Seite, sie wohnten zusammen Neben der Fabrik. Jede Maschine stand ihr nahe wie ein eigenes Kind. In schweren Stunden, wenn das Werk durch Feuersbrunst oder Ueberschwem- mung bedroht war— Dimitrij sah auch solche Möglichkeiten voraus—, wird sich seine Geliebte wie eine Kämpferin, wie das Weib eines I Kämpfers bewähren. Sie wird die kostbaren Messingtafeln, auf denen die Muster der künftigen Flanelle und Batiste prangen, retten. Sie wird durch die Rauchwolken huschen, ihre Haare, dicht wie ägyptische Baumwolle, werden von der Feuersbrunst gerötet sein. DaS Schneegestöber wogt zum KuSnetzkiplatz, die Flocken werden immer dichter— nehmen die Gestalt eines kurzen, weißverbrämten Pelzes an — die hohe Pelzmütze ist tief über die Ohren gezogen— Die Lider sind schwer von Schnee... „Guten Tag", sagte die Geliebte mit silberheller Stimme.„Was für einen Platz haben Sie sich da ausgesucht! ES zieht ja abscheulich. Gehen wir inS Kino." Dimitrij Ssnurenkow spürte die trostlose Leere in seinen Taschen und sagt:«Rein, eS geht nicht." Die Freundin beim Arm nehmend, sie mit seiner Schulter vor dem Schneegestöber schützend, führte er sie zur Kusnetzkibrücke. Er hätte ihr gern gesagt, wie er sich die Zukunst an ihrer Seite vorstellt, wie wundervoll ihre schneebedeckten Wimpern sind, wie seine Liebe zu ihr mit jedem Tag wächst, ebenso wie die Produktionskräfte des Landes. In den Theatern sind die Stühle aus rotem Samt. In den Kinos bekommt man nur den kalten Glanz stemden Lebens zu sehen. Aber hier auf der Kunetzkaja durchweht einen der Schneesturm, erwärmen die freundlichen Lichter der Auslagen das Herz, so wie die Sonne, die die Nebel durchbricht, das Herz der Lappländer ersteut. Bor I einer Auslage, hinter deren Spiegelscheiben zartes* rosa- und pfirsichfarbenes Gewebe rieselt, blieb Dimitrij Ssnurenkow mit seiner Freundin stehen. „Sehen Sie nur", sagte er,„wie der Kam- boljtrust arbeitet. Ich möchte eine Frau sein, um solche Stoffe tragen zu können." „Unsinn", erwiderte die Freundin.„DaS ist doch Barchent, billiger Schund. Wer trägt denn so etwas! Natürlich, wer nie ausländische Stoffe gesehen hat... l" „Schund?" stagte Dimitrij Ssnurenkow. „Wieso Schund?" „Eben darum. Bei uns gibt es nichts ordentliches. Alles zerfällt." „Erlauben Siel", rief Dimitrij. Aber sie erlaubte nicht. „Nein, erlauben sie schon", rief sie, den Schneesturm übertönend,„reden Sie nicht, wenn Sje nichts wissen. Tragen Sie Seidenhemden? Kaufen Sie russischen Crepe de Chine? Das ist nur elendes Zeug. Sehen Sie sich das an." Und schlau wie ein berechnendes Weibchen drehte sie sich mit dem Rücken gegen den Schneesturm und öffnete den Pelz an der Brust. Dimitrij Ssnurenkow beugte sich über sie, verspürte den angenehmen Hauch des erwärmten Pelzes und sah die perlmutterweiße Brust im Pelznest. „Sehen Sie da", sagte sie und legte ihre weißen molligen Finger auf die Brust.„Was ist das, glauben Sie?" „Das?" erwiderte Dimitrij Ssnurenkow. „Ich weiß«S nicht. Ich habe Sie lieb." „Aber ich weiß es. ES ist russische Seide." Und wieder legte sie die Hand auf ihre Brust. Und Dimitrij sah daS orangeseidene Hemd, das zerrissen war, so wie minderwertige Seide zerreißt: ein länglicher zerfaserter Riß. „Das ist russischer Crepe de Chine", rief sie triumphierend.„Wollen Sie den etwa vertei-1 digen? Bei uns ist ja nichts Ordentliches zu haben. Aber im Ausland..." „Wie können Sie das vergleichen?", rief er ganz verzweifelt.„Was heißt das: bei uns ist nichts Ordentliches zu haben. Wir haben alles. Aber die Rohstoffe... Können Sie das nicht begreifen?", „Unsinn", sagte sie.„Nächstes Jahr fahre ich nach Paris und bleibe dort für immer. In der Nähe ist Nizza. Im Last darf man tanzen, in den Geschäften gibt es Ausverkäufe, da kann man um ein paar Groschen Seide kaufen." „Paris?" wollte Dimitrij stagen, aber es kam kein Wort über seine Lippen. Und die Fabrik mit den neuen Gebäuden? Und die Ueberschwem- mung? Und die Feuersbrunst? Und die Muster? Die vom Feuer geröteten Haare? Die Kilometer Gewebe? Der ganze Traum?— Alles das war nicht mehr. „ES ist schon spät", sagte er.„Ich werde Sie nach Hause begleiten." Vor ihrem Hause war ein großer Schneehaufen. Der Kutscher wärmte sich, indem er die Arme widereinanderschlug, das Pferd schauerte vor Frost. Die Freundin versenkte Kinn und Nase in ihren Pelz. Ihre Lider waren schwer von Schnee, aber sie waren nicht mehr so unerträglich schwer wie vorher. „Wann sehen wir uns wieder?" fragte sie, ihm die Hand reichend. „Leben Sie Wohl", sagte Dimitrij Ssnurenkow.„Die Fäden, die uns banden, sind zerrissen. Das Gewebe der Liebe ist schön. Aber der Rohstoff taugt nichts." Und er ging, die Brust dem Winde darbietend, wie es einem Menschen zukommt, einem Mann. Deutsch von Recha Katz, Seite- ,Sozialdemokrat* SamStas, 9. März 1935. 9t. 58 PRACBR ZEITBMG Eine kleine Szene Am Alltag eines Volkes kann man am be- sten seinen Charakter studieren. Daß das Volk der Republik demokratisch, menschlich und human empfindet wie sein Lehrmeister und Vorbild T. G Masaryk, bewies ein Vorfall, der- sich am Mittwoch abend in einem vielbesuchten Automaten am Wen- zelsplatz abspielte. Ein elegant gekleideter Mann, dem man ansah, daß er nicht zu sparen pflegte, machte einem Kellner eine überaus häßliche Szene, weil er ihm irrtümlicherweise den Rest einer Gurke (Wert 10 bis 16 Heller) fortgeräumt hatte. Er beschimpfte den Mann in der hemmungslosesten Weise, verlangte„Schadenersatz", schrie nach dem Geschäftsführer und war taktlos genug, dem völlig ratlosen Kellner mit dem„Verlust der Stellung" zu drohen. Spontan nahmen die Anwesenden gegen den asozialen Krakeeler Stellung; ein Mann trat auf den noblen Herrn zu, warf ihm zlvanzig Heller hin und sagte wörtlich:„Ein Mensch, der so wenig soziale Gesinnung hat und so unmenschlich denkt wie Sie, verdient'hinausgeprügelt zu werden. Lesen Sie einmal bei Masaryk nach, was soziales Verständnis ist. Sie Menschenschinders" Die Umstehenden riefen bravo, während der„elegante Herr" sprachlos dastand, hörbar nach Luft schnappte und sich dann. schleunigst verzog, ohne auch nur den Versuch einer Widerrede zu machen. Es vervollständigt das Bild in der, logischsten Weise, daß der asoziale Bürger das Abzeichen einer nationalisrisch- fascistischen Vereinigung an der Rockklappe trug. Daß die Republik kein Boden für seinesgleichen ist weder in politischer, noch in menschlicher Beziehung— dafür dürfte die Haltung des Automatenpublikums ein erfreuliches Symptom sein—l Sparkasse in Deswitz ausgeraubt 30.000 Kö Beute An der Nacht auf Freitag drangen Einbrecher Ist die Sparkasse für Handel und Gewerbe in Defwitz ein.'Das Gebäude, in welch'em das Institut untergebracht ist, grenzt an eine unbebaute Parzelle an. Die Täter durchbrachen die Seitenwand des Hauses und gelangten so in die Räume 'der Sparkasse, wo sie die feuersichere Kasse anbohrten. Banknoten kür ungefähr 30.000 KL wurden ihre Beüte^, während Bargeld für 25.000 KL ihrer Aufmerksamkeit entging. Die Wertpapiere ließen die Einbrecher liegen. Nach den Fingerabdrücken, welche gefunden wurden, nimmt die Polizei an, daß es sich um die Tat bekannter Kassenknacker handelt. Sofort vor genommene Hausdurchsuchungen hatten zwar einige Verhaftungen zur Folge, doch wurde das geraubte Geld bisher noch nicht gefunden. Die Kunstgalerle wird bis 1938 erbaut werden. Nach einem Beschluß des Stadtrates soll das Gebäude der Kunstgalerie, welches«inen Aufwand von 10 Millionen KL erfordern wird, bis zum Jahre 1938 fertiggestellt werden, damit es am 20. Jahrestag det Gründuna der Republik eröffnet werden kann. Der Platz für die Galerie wird erst bestimmt werden. Außerdem wurden 200.000 KL für verschiedene humanitäre und soziale Zwecke gewidmet. Unter anderen erhalt-n das tschechische Kinderspital 30.000 KL. das JedliLka-Krüppclheim, der dermatologische Pavillon auf der Bulovla. das Krebsbekämpfungsinstitut in Brünn und das Eeske srdce für Kinderfürsorge je 20 agg KL. die Aktion Demokratie fürs Kind 15.000 KL, das Klarsche und das Deylsch- Blindeninstitut, die Anstalt für Taubstumme und die Masa- ryk-Liga aegen Tuberkulose je 5000 KL. Ein Pferd auf der Polizeiwachtstnbe. Gestern vormittags sah ein Polizist in Holleschowih bei seinem Rundgana in der Nähe der Schlachtballen ein ein- saryes Pferd stehen, um das sich niemand kiimmerte. Er führte es auf den Hof der Polizeiwachstube. Noch am selben Vormittag meldete sich der Kohlenhändler Josef Mastes aus Chodov bei Prag, der ängab. das Pferd sei ihm in der Nacht ans dem Stall gestohlen worden. Da er sich als Eigentümer legitimieren konnte, wurde es ihm ausgefolat. Der Dieb hatte offenbar die Absicht aebabt, das Pferd am freitägigen Pferdemarkt.in Holleschöwitz zu verkaufen, hatte es sich dann aber überlegt und das Tier auf der Straße stehen lassen. Die feinen Ohren des Wachmannes. Gestern nachts hörte ein Wachmann, der im Aiikover Teil der Jtal'kä Dienst tat. ein sehr leises, aber verdächtiges Geräusch und überraschte, näherkommend, den 32iäh- rigen. Josef Nesedlv aus Zi.skov. der sich an einer Tabaksbude zu schaffen machte. Auf die Frage, was er da tue. gab er ein diskretes Bedürfnis an; doch waren keine Spuren davon im Schnee zu sehen. Hingegen fand der Polizist eine Klammer am Boden und einige Sperrbaken in Ncjedlys Takche. Auch'trug die Bude schon Spuren von Neiedlys Tätmk-it:.der mst den' Einvrtt^WerkzeMn mWW'ete Schaden beträgt etwa A.0 KL. Entwendet, wurde nichts. Rejedly wurde verhaftet. Sich nicht verkühlen, heißt Diana- B o l l m i ch- Malz essen. Gcrlchtssaal „Spvrtbegeisterung" vor dem Strafgericht Prag. Der Zufall wollte«S, daß vor dem Strafsenat MareLek an einem Tage zwei Fälle zur Verhandlung kamen, die als Blüten kleinbürgerlicher Spovtbegeisterung gelten können. Da stand zunächst ein Bürschlein angstschlotternd vor den Richtern, angeklagt der Vereitelung einer Amtshandlung und der Anitsehrenbeleidigung. Am 9. September v. I. fand in H o st i v a k der.aussehenerregende" Wettkampf des heimischen Fußballklubs SK. Hostivak gegen den^K. Chodov statt. Das einheimisch« Sportpublikum verfolgte die Anstrengungen seiner Mannschaft mit glühender Teilnahme und als der Schiedsrichter es wagte, eine für den heimischen Klub ungünstige Entscheidung zu fällen, überschüttete ihn ein in der Nähe stehender Gönner des SK. Hostivak mit wüsten Beschimpfungen, so. daß der diensthabende Polizist«inschritt. Ehe dieser aber den Schimpfer feststellen konnte, mischte sich der 25jährige Schuhmachergehilfe Josef Tichy in di« Amtshandlung und erklärte dem Polizisten, daß ihn das einen Dreck, angehe, denn.beim Fußball könne jeder dreinreden, wie er will". Die Folge war, daß sich der Schutzmann den Störer der Amtshandlung hernahm, wogegen es dem ursprüng- lrchen Täter, der den Anlaß zu der ganzen Affäre gegeben hatte,, gelang, zu entkommen. Als der Vorsitzende den^ Wachmann fragte, ob er den ersten Ur- heber festgestellt habe,'erklärte der Polizist, das sei nicht möglich gewesen, denn die Zuschauer seien auf das Spielfeld«ingebrochen und er habe mit großer Mühe den Platz ausräumen müssen. Der Angeklagte kam glimpflich davon. Er «gißte zwar schuldig erkannt werden, wurde aber bloß zu sechs Wochen Kerker, bedingt auf drei Jahre, verurteilt. Der zweite Fall betraf keinen fanatischen Zuschauer, sondern«inen ruhmgekrönten Spieler, dem vi« Glorie zu Kopf gestiegen war. Der 23jährige Anton Skuhravec ist Tormann des SK. Bono- k.'asy und hatte sich bei einem Spiel vom 2. Sep- tember v. I. so bravourös gehalten, daß ihn das begeistert« Publikum auf den Schaltern davontrug, und zwar geradewegs ins— Wirtshaus. Dort feierten die begeisterten Klubfreunde den erfolgreichen Tormann so lange, bis nach Konsumierung ein Streit ausbrach und der Wirt in Befürchtung einer bösen. Rauferei die ganze Gesellschaft mitsamt denk gefeierten Tormann vor die Türe setzte. Dieser war aber nach den genossenen Ehren und Bieren in ein solches Stadium gesteigerten Selbstgefühls geraten, daß er ein« solch« Behandlung nicht hinnehmen wollte..Paß auf, Maulaffe, ich.schieße zchn Goals!" hörte man ihn draußen brüllen und gleich darauf zerbrachen die Fe.,ster- s ch e i b eu und ein Hagel von Gla^spttttern ging über die sieben Leute nieder, aoch in der Gaststube saßen.' Die Wirtin«urve von einigen Splittern am Rücken getroffen und die übrigen waren ernster Gefährdung ausgesetzt gewesen. Der sieges- und auch sonst trunkene Tormann hatte di« Fenster mit Steinen böstibardiert. Das Gericht verurteilte den Exzedenten zu vier Monaten Kerker, aber bedingt. rb», Vorfrage Masaryk aus der Nähe gesehen - Zwei tschechische Vorträge Offizielle Feiern erhöhen die Gefahr, daß Masaryk und sein Lebenswerk der WirkliWeit entrückt, zu einem Schema wird. Das praktische Genie des Präsidenten manifestiert sich aber am klarsten und verständlichsten in der Wirklichkeit, die er, Ivie selten jemand, beeinflußt und aus der er seine Kräfte bezogen hat. Darum boten Vorträge des Schrifstetlers KarelCapek und des ftüheren P r i v a t s e k r«- tärs Masaryks, Dr. Eisai,.die notwendige Ergänzung zu den anderen Geburtstagsfeiern. Am 5.' März erzählte K. Eapek die Entstehungsgeschichte der'.Gespräche mft Masaryk". Sie entstanden aus kurzen, planlosen Aufzeichnungen' der Gespräche, die Capek bei den verschiedensten Gelegenheiten mit dem Präsidenten führte. Richt nur Masaryks Lebensart, sein Destken und seine Sprache! find von einer Einfachheit, die an die Klassik^ er-| innert..Das ist ein schöner Mensch" ist das höchste Lob, das Masaryk spendet. Dann lasCapek Teile des dritten,- noch unveröffentlichten Bandes der .Gespräche" vor, der der aktuellste und interessanteste zu werden verspricht. Hier findet man des Präsidenten Ansichten über die Demokratie, die Schwierigkeiten des neuen eigenstaatlichen Lebens und die Probleme der modernen Gesellschaft. Im Klub„P k i t o m n o st" hört man am Vorabend des Geburtstags Erinnerungen Dr. Eisai', der Masaryks Prioatsekretär in den Bereinigten Staaten und einige Zeit lang auch in Präg war. Dr. Clsai erwähnte die Furcht, die er hatte, durch nähere Berührung mit Prof. Masaryk das Bild zu zerstören, das er sich von ihm gemacht Halts. Aber bei Mrsaryk gilt nicht, was bei den meisten großen Menschen gift: daß sie in der Nähe klein und kleinlich wirken. Die Perspektive ist hier umgekehrt. Masaryk ist ein unsentimentaler, ein unpathetischer Mensch, jedem Superlativ feind. Mer darum sst sein Gefühl nicht weniger stark. Masaryk ist jeder geistiger Hochmut fremd. Er diskutiert, er läßt sich überzeugen. Nie läßt er seine Mitarbeiter die Ueberlegenheit fühlen, die ihm Mer und Erfahrung verleiht. Einfach ist auch der Ausdruck seiner Gedanken. Masaryk liebt nicht Aphorismen und oberflächliche Geistreicheleien. Doch hinter seinen Sätzen steht jahrzehntelange Forschung und.das Wissen des Gelehrten. Aus Anlaß der Arbeit.anleihe sagte er: .Wenn die Menschen arbeiten sollen, darf das Geld nicht träge sein". Ein Satz, der dem ungebildeten Mann, dem Kinde verständlich ist; unp doch das Ergebnis einer ganzen GeldHeorie. Aus dieser«in- fachest Art, zu formulieren,' erklärt sich auch die große Liebe, mit der das einfache Volk an Masa- rhk hängt. Der Präsident ist mit der ganzen Weltliteratur wohl vertraut: sie gibt ihm die Möglichkeit, Denken und Fühlen anderer Völker zu verstehen. Dazu hilft ihm auch das Kino, das er seit jeher gerne besucht. Wenn er jetzt auch nicht mehr so oft ins Kino gehen kann, wie in England und Amerika, so benützt er doch jede Gelegenheit, es zu tun. In dieser Art fügte Dr. Cisar dem Bild des Präsidenten, wie wir es kennen, einige neue Striche hinzu. Die einfache, große Menschlichkeit, die An- Ivendung philosophischer Erkenntnis in jede Phase des Lebens, l'.e Lauterkeit und klassische Harmonie dez Geistes und tiefe Menschlichkeit des Fühlens kann die große Liebe, ja Ergriffenheit erklären, mit der die Freunde Masaryks seines Geburtstages gedachten. Fy. Magde Evands und Ramon Rovarra in„Der Sohn Indiens". Honst und Wissen Makaryk-Feier der Prager Deutschen Mufik- akademie. Es war nur logisch, daß die Prager Deutsch« Musikakademie ihre Masaryk-Feier als musikalischen Festabend in Szene gesetzt hatte. Um aber diesem Musik-Festabend eine besondere Rote und Bedeutung zu geben, hatte man sein Vortragspro- gramm der heimischen deutsch-tschechi- s ch en Kunst gewidmet, um damit die Gemeinsamkeit der künstlerischen Ziele der deutschen und tschechischen studierenden Jugend und die internationale Art ihrer Musikpflege zum Ausdruck zu bringen. Das Programm enthielt: Klavierstücke und Lieder von dem Prager deutschen Tonsetzer Theodor Veidl, Klavierstücke und Lieder von dem führenden sudetendeutschen ReUtöner Fidelio F. Fink«, Gedichte von dem sudetendeutschen Dichter Rainer Maria Rilke, eine Violinkomposition von dem tschechischen Tonsetzer Jaroslav RidkH und Leos JanäLeks. des hervorragenden tschechisch-mährischen Tondichters Concertino für Klavier und sechs Soloinstrumente. Künstle tische Aussührende des Programms waren— durchwegs mit Begeisterung und besten Kräften, ihrer Aufgabe dienens— die Damen Sauf le und Scharf (Gesang) und Grauer(Klavier) sowie die Herren Birk(Rezitation)'. Berg Klavier), Buch- n« r, Weber und Bürgert lViolinel, M a tz k e (Viola), Langer(Klarinette)," Wohlrab (Horn) und Hulik(Fagott). Die beziehungsreiche Festrede hielt unter dem Titel.T. G. Masaryk und das deutsche humanistische Ideal" Johannes' U r- zidil. E. I. Pianisten-Konzerte. Die Prager Konzertsäle zeichnen sich wieder einmal wie so ost durch Einstittg- keit der Konzertgattungen aus. Seit Wochen werden sie von Pianisten beherrscht; zu den guten, bekannten sind auch neue gekommen. Unter den letzteren hat vor allem der junge Kurt Appelbaum interessiert und— Erfolg gehabt. Er kommt aus der Vielster» schule Artur Schnabel s,. womit schon seine eigene Kunst gekennzeichnet ist. Sie imponiert durch die Virtuosität im technischen Sinn, durch'die differenzierte Kultur des Anschlags und durch die außerordentliche Plastik der Phrasierung und Gestaltung. Dazu kommt als persönliches Moment der Kunst, daß sie auch kraftvoll männlich sein kann und elementar im Gesamtausdruck. Auch das musterhafte Programm mit Soyaten von Franz Schubert., Beethoven und Mozart empfahl den echten Künstler.— Wenin befriedigt hat oagegen die englische Pianistin Eleanor Spencer, die hier schon gespielt hat und es für notwendig hielt, uns abermals mit ihrer Kunst zu beglücken. Dies« ist aber! seit der letzten Begegnung nicht besser geworden, weder technisch noch geistig. Da wir gerade in Prag Ueberfluß an ausgezeichneten eigenen Piani- stinnen und Pianisten haben, wär« es Pflicht der Konzertunternehmer, fremde Pianisten auf diesen Umstand aufmerksam zu machen und ihnen.—- wenn sie nicht wirklich hervorragende Extraklasse'sind,— von Konzerten in Präg abzuraten.— In einem Sonderkonzert russischer Musik spielte der Prager tschechisch« Pianist Ruda Firkusnh als Erstaufführung für.Prag das Dritte Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow, ein Werk, das halb im Salonftil, halb im elementaren Stil russischer Steppenmusik geschrieben und. mit technischen Schwierigkeiten gespickt ist. Firkusnh inter- pretterte es mit souveräner Virtuosität, großzügig in der Gestaltung und mit unerhörter rhythmischer Straffheit und Lebendigkeit. E. I. Wochenspirlplan des Reuen Deutschen Theaters. Samstag 7>/z:Eine Frau lügt, CI.— Sonntag 2?4: Ein Sommernachtstraum. 7i/j: Giuditta. B 2.— Montag 7*/?: Ich Habs getan.— Dienstag 7J4: Die Jüdin. A 1.— Mittwoch 7.1/i: Polenblut, neuinszeniert, B 2. — Donnerstag 6$4: Der fliegende Hol- länger, Theatergemeinde der Jugend, Abonne- Du darfst an Dir und ihr nicht spare». Ein Versager kann Euch fürs Leben unglücklich mach«. Nur das Feinste und Berläßlchste ist für Euch gut genug. Deshalb fordere ausdrücklich 2822 ment aufgehoben.— Freitag 7)4: EineFrau l ü g t, D 1.— Samstag 7>H: Ein Maskenball. Verdizyllus VIII. C 2. Wochenspiclplan der Kleinen Bühne. Samstag 7Vi: Mädchen für alles, Erstausführung. — Sonntag 3: I ch h a b s getan, 8:Mäd- chen für alles.— Montag 8: Ei n e Frau lügt. Bankbeamte und steter Verkauf.— Dienstag 8:MädchenfüralleS.— Mittwoch 8: Mädchen für alles.— Donnerstag 8: M ä dchenfLr alles.— Freitag 8: Mädchen für all.eS. Kulturverbandsfreunde und steier Verkauf.— Samstag 7)4: Gentlemen, Erstaufführung. Ans der Partei Bezirksorganisation Prag. Donnerstag, den 14. März, um 8 Uhr abends im Parteiheim, Rärodni 4. wichtige Sitzung der Bezirksver- tretung. Vcrclnsnadirkhtcn Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 10. März. Treffpunkt 8 Uhr 15 in Branik, Bahnstation. Fahrt nach Davle, Wanderungins Sazawatal. Führer: Lauer, Mitteilungen aus dem Publikum. Der GripperekouvaleSzent fühlt allgemeine Schwäche und Ermüdung. Die Muskeln find schlaff, die Nerven abgespannt. Massieren Sie über ärztliche Vorschrift mit Alpa-Franzbranntwein. Dies erhöht den Blutkreislauf, stärkt die Muskeln, belebt die Nerven und hebt die Tatstaft. Zerstäuben Sie Alpa in Wohn- und Gesellschaftsräumen! Hiedurch gründliche Luftdesinfektton. Fragen Sie Ihren Arzt! filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:.Lieb mich heute nacht." A. — Alfa:„Menschen im Hotel".— Avion:„Rana". Anna Sten. A.— Bcranek:„Es lebe der Selige". Haas. Tsch.— FLnst:„Im Zeichen des Kreuzes". Regie C. B. de Mille. A.— Flora:„Es lebe der Selige." Tsch.— Gaumont:„Kubanisches Liebeslied". D.— Hvkzda:„Kubanisches Liebeslied".—- Kinema, B.-Th.r Journale, Groteske, Reportage. lh2—7 Uhr.— Kowa:„Back Street i— Seitengasse." A.— Lucerna:„Back Street— Seitengasse." A.— Metro:„D i e ganze Welt l a ch t". R.— Radio:„Die beiden Seehunde". D. — Skant:„Der Schatten in der Tür." D.—l Baikal:„Sei uns im. Krähwinkel". Jan Werich. Tsch-— Belvedere:„Es lebe der Selige". Hugo Haas. Tsch.— Beseda:„Grandhotel Nevada". Tsch. Favorit:„Tie beiden Seehunde". D.— Lido H,r ,^Die beiden Seehunde", D.— Louvre:„Es lebe der Selige". Hugo Haas. Tsch.— MaeeSka;„D«r Schatten in der Tür". D.— Sport-Smichov:„Auf Rosen gebettet"'.' OPTIK u. FOTO DEUTSCH PNkopy Drehbänke, Fräsmaschinen, Horizontal-Bohr- und Fräswerke, Radialbohrmaschinen, Shaplng- und Hobelmaschinen sowie Universalspannfutter für höchste Leistung in modernster Ausführung erzeugt: Werkzeusmaschlnenfabrlk Arao Pia wert Warnsdorf, CSR.“«« Anglo-Ehieitar Versicherungs-Aktiengesellschaft in Wien Direktion für die C. S. R. in P»ag General-Agentschaft Reichenberg empfiehlt sich zum Abschluß von Feuer- Unfall-, Haftplicht-, Einbruch-, Auto-,Transport*, Pferde- und Viehversicherungen zu • kulanten Preisen. rsrr Bargarantiemittel in der CSR. 56 Millionen. Büros: Prag, Närodnf tf. 17. Reiehenberg, Schützeng. Nr. 21 Brünn, Theatergasse Nr. 6. DezugSbed'.« Zungen: Bei Zustellung ins HanS oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 96—. ganzjährig KL 192..— Fnierate werden laut Tarif billig» berechnet. Bei öfteren Einschaltungen. Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken— Die Zeitunassrankatur wurde mm der graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/V1I/19S0 bewilligt.— Druckerei;.Orbis". Druck-. V«lagS- und Zeitungs-A.-G., Prag.