IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochova«2. Telefon S3C77. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Hell« Porto) H- 15. Jahrgang Sonntag, 10. März 1935 Nr. 59 Frauentag 1935 So arbeitet eine rote Gemeinde! Der Triumph des roten Lausanne Wie sozialistische Gemeinden zu wirtschaften pflegen, beweist sehr instruktiv eine Bilanz, die kürzlich„das rote Lausanne" in der Schweiz gezogen hat. Die Sozialisten, die Anfang 1934 die Stadtverwaltung übernahmen, fanden im Voranschlag des bürgerlichen Gemeinderats ein D e f i z i t v o n 2.7 Millionen Schweizer Franken vor. Die Sozialisten arbeiteten so vorbUd- lich, datz sie im Verlauf des Jahres bei Erhöhung der Sozialausgaben das Defizit des Voranschlags auf 18 2.0 0 0 Franken herunterdrücke« konnten. Dabei hat die Stadt Lausanne für die Unterstützung der Arbeitslosen und für Projekte der Arbeitsbeschaffung 1,350.000 Franken ausgegeben, während das bürgerliche Regime bei noch stärkerer Arbeitslosigkeit für soziale Dinge noch nicht einmal die Hälfte dieser Summe, nämlich nur 637.000 Franken, übrig hatte. Diese Zahlen sprechen so deutlich, dast man sie nicht zu kommentieren braucht. Ribbentrop bleibt daheim? Paris. Die Berliner»nd Londoner Berichterstatter melden übereinstimmend, daß von Ribbentrop vorläufig seine Londoner Reise auf- gegeben habe. „Excelsior" sagt, daß die deutsche Regierung in Verlegenheit sei, wie sie die Anfrage der englischen Regierung betreffs der vertagten Einladung Sir John Simons beantworten solle, während ,hgs britische Außenamt phlegmatisch die„Gesundung des Kanzlers Hitler" und die Festsetzung des Berliner Datums für die Reise Sir John Simons abwarte. Das Blatt meint, es bleibe den Leitern der deutschen Politik nichts übrig, als sich davor zu beugen, daß das englische Unterhaus auf Grund des englischen Weißbuches die verlangte Erhöhung der Militärkredite bewilligen wird. Bulgarien gibt klein bei Demarche In Genf zurückgezogen Genf. Der bulgarische Delegierte beim Völkerbund Antonow erklärte nach der letzten Unterredung, die die türkischen«nd bulgarischen tzeüreter gehabt hatten, Pressevertretern gegenüber: Die bulgarische Demarche, die am 7. März Unternommen worden ist, wird keinerlei folgen zeitigen. Beide Länder— Bulgarien: und die Türkei— kamen darin überein, daß diese Demarche stillschweigend als in der Tat nicht borgenommen angesehen werden solle. Bukarest. In Anbetracht des bulgarischen Standpunktes erinnerte die rumänische Presse daran, daß die^Balkan-Entente (der beizutreten Bulgarien sich bekanntlich immer Aweigert hat) einzu schreiten veralt n d e, wenn sich die Notwendigkeit hiezu er-" habe. Das Blatt„Universul" schreibt:„Es ist Notwendig, daß die ganze Welt wisse, daß der Athener Pakt.sofort und auto- Utatisch in Geltung tritt, wenn sich bas erste Anzeichen irgendeines provokativen Ver- M.—i.s zeigen würde." Venlzelos nicht verwundet Die Nachricht, daß Benizelos verwundet tvyrden sei und auf dem Seewege nach Alexandria gebracht wurde, hat sich n i cht bestätigt. In 14 lagen Wird Hitler Wieder„gesund" sein? Berlin. Der deutsche Außenminister von Neurath hat den britischen Botschafter empfangen und ihn dahingehend informiert, daß Reichs- kanzler Hitler etwa 14 Tage in Bayern zur Erholung weilen werden Man hoffe, daß sich der Besuch' Simons vorEndeMärz werde verwirklichen lasten. Hitler verließ Freitag abends Berlin und begab sich im Sonderzug nach Bayreuth zum Begräbnis des verunglückten Gauleiters S ch e m m. Mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand nahm Hitler nur an der Totenfeier im geschlossenen Raum teil. Die Gedenkrede, die Hitler angeblich nicht selbst halten konnte, wurde von seinen! Stellvertreter Heß übernommen. ein unsauberer Diktator Madrid. Der Innenminister während der Diktatur Primo de Riveras, General Martinez, wird wegen betrügerischer Machinationen vor Gericht gestellt werden. Paris. Die Nachrichten über die Lage in Griechenland widersprechen einander, je nachdem, aus welcher Quelle sic stammen. Nachrichten von Regierungsseite zufolge haben sich die militärischen Operationen verlangsamt. Die Zeit arbeite jedoch gegen die Aufständischen, deren Borräte in der nächsten Woche zu Ende gehen sollen. Die amtlichen Berichte dementieren die Gerüchte über das Bombardement von Athen und Saloniki, über die Demission Tsaldaris u. ä. Die Aufständischen dementieren die Meldung über die Verwundung Benizelos. Nach einer Meldung des Havas-Sonder-Be- richterstatters haben Artillerie- und Fliegerabteilungen der Regierungstruppen mit der Beschießung der Positionen der Aufständischen in Mazedonien begonnen. Der Belgrader Korrespondent des Havas- büros verzeichnet die im der jugoslawischen Presse veröffentlichten Meldungen, denen zufolge die Aufständischen in Mazedonien bereits 27.000 Freiwillige zu konzentrieren vermochte««nd eine Offensive auf Saloniki vorbereiten, um die Verbindung dieser Stadt mit Athen zu unterbrechen. Der Aufständischen-General Ka- mens habe die allgemeine Mobilisierung angeordnet. * Der. Friedensstand deS griechischen Heeres beträgt insgesamt 78.300 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaftspersonen. Die Luftstreitkräfte verfügen insgesamt über etwa 20 Flugzeuge. Die Fliegerregimenter liegen in Athen, Larisa und und Saloniki, hinzu kommen noch, zwei Regimenter der Marineluftfahrt in Athen und Volos. Die griechische Regierung hat eine größere Anzahl von Flugzeugen in Frankreich bestellt, die mit Beschleunigung geliefert werden sollen. Cadorna Nr. 2 Der am Freitag abends ausgegebene amtliche Bericht, der vom Kriegsminister Kon-, dylis gezeichnet ist, lautete nicht gerade sehr günstig. Demnach dauere das g r o ß e U n- Die Frauen und Mädchen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft finden sich heute in großen Bezirksversammlungen zusammen, um den sozialdemokratischen Frauentag mitzuerleben. Aus den verschneiten Hütten der Gebirgsdörfer, aus den niedrigen Stuben der Landarbeiter, aus den engen Wohnungen der Industriezentren kommen sie. Ihre Kleidung und ihr Schuhwerk ist dürftig, ihre Wangen sind schmal und blaß und an den Kindern, die sie mit sich führen, zeigt sich sichtbarer als in jeder Statistik, daß die Hämmer der Eisenwerke ruhen, daß die hurtigen Spindeln an den Spinn- und Webmaschinen der Textilfabriken ihren eiligen Lauf verlernt haben, daß die Schlote der Keramfabriken nicht mehr durch ihre Feuerfahne den emsigen Betrieb an den Werkbänken anzeigen. Und trotzdem, oder gerade deshalb, weil sie wirtschaftlich in arger Bedrängnis sind, kommen die Arbeiterinnen, um der Oeffentlichkeit erneut ihre Forderungen darzutnn. Die sozialdemokratischen Frauen wissen, daß das Recht, sich frei versammeln zu dürfen, das Wetter immer noch an; ein Dauerregen habe eingesetzt, so daß die Ebene von Serres zum größten Teil unter Wasser stehe. Die Armee befinde sich in glänzender Verfassung; gleichzeitig wird aber hinzugefügt, daß Maßnahmen getroffen wurden,„um ihr eine Atempause und Ruhe zu sichern". Die Infanterie bemühe sich, trotz der Ungunst der Witterung die Ueberschreitung des überschwemmten Gebietes zu ermöglichen. Fliegerangriffe Am Freitag belegten 15 Regierungsflugzeuze die Kasernen und den Bahnhof von Serres mit Bomben. Samstag früh um halb 9 Uhr griff ein Geschwader von aus Saloniki kommenden Flugzeugen die Stadt D e m i r h i s s a r an, die sich in den. Händen der Aufständischen befindet, und belegte sie mit zahlreichen Bomben. Trotz heftiger Beschießung durch die aufständische Artillerie konnte diese den Rückzug unbeschadet antreten. Es soll in der Hauptsache jedoch nur Sachschaden angerichtet worden sein. Kohlenmangel der Rebellenflotte Allem Anschein nach leiden die Schiffe der Aufrührer empfindlich unter Kohlenmangel. Ein Athener Blatt meldet, der Rebellenkreuzer„A w e r o w" habe das türkische Frachtschiff„Kouia" mtt einer Kohlenladung für Mythilene beschlagnahmt. Die Großmächte als Vermittler? Meldungen aus London zufolge sollen di; britischen politischen Kreise davon überzeugt sein, daß die britische Regierung irgendeine Vermittlung der Mächte zwischen der griechischen Megierung und den Venizelisten willkommen heißen würde, wenn sich die Möglichkeit einer solchen Vermittlung ergeben Würde:-■ Werk der sozialdemokratischen Partei ist. Gerade am Frauentage wird ihnen bewußt, wie groß der Unterschied zwischen einem fascistisch regierten Staate ist, der seinen Bürgern jede politische Freiheit unmöglich macht, und einem demokrattsch verwalteten Lande, wie der Tschechoslowakei, wo es selbstverständliches Recht einer wahrhaft demokratischen Partei ist, ihre Anhänger zu Kundgebungen zusammenzurufen. Im nahen Nachbarstaate werden die überzeugten Sozialistinnen Wohl nur im stillen Kämmerlein ihres Herzens den Frauentag feiern, denn der häßlichste Auswuchs der Diktatur, das Spitzelwesen, verbietet ihnen, auch nur den leisesten Hauch ihrer Gesinnung erkennen zu lassen. In den Arbeiterbezirken Wiens und in den Industriestädten^ und den Dörfern des übrigen Oesterreich werden sich die Frauen verstohlen dis Hände drücken und die kühnsten von ihnen werden in Blihdemonsttationen oder durch irgend einen anderen klugen Einfall ihre Verbundenheit mit den proletarischen Frauen der ganzen Welt zum Ausdruck bringen. Wo einst Massendemonstrationen von der Kampfbegeisterung des weiblichen Proletariats Zeugnis ablegten, offenbart sich uns heute handgreifliches Beispiel von Unterdrückung. Gerade dies aber läßt die Arbeiterinnen unseres Staates aufmerksam werden. Plötzlich wird uns zu innerst bewußt, daß Demokratie und Freiheit für die arbeitenden Frauen keine Phrase, kein leerer Begriff sind, sondern unbedingte Lebensnotwendigkeit l Freiheit! Das ist fundamentalstes Recht der Arbeitenden, die Macht ihrer Zahl zur Geltung zu bringen. Was ist die Freihett des Koali- tkonsrechtes anderes als die Voraussetzung im Kampfe um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen. Und wer wollte leugnen, daß die Hebung des Lebensstandards just der Frau und Mutter der proletarischen Familie erst die Möglichkeit, auch an ihre eigene Person zu denken, schafft. Sinnfällig gibt die gegenwärtige wirtschaftliche Notlage den Beweis, daß die Verelendung derFrau allem vorangeht, weil sie in ihrer mütterlnhen Liebe sich mit dem Dürftigsten bescheidet, um bis zum Aeußer- sten die Not von der Familie, vor allem von den Kindern abzuhalten. Darum ist die Arbeiterftau, das arbeitende Mädchen, so stark interessiert an der Demokratie, weil sie der Arbeiterklasse erst die Möglichkeit bietet ihre wirtschafllichen Kämpfe zu führen. Nur dadurch, daß die drückendsten wirtschaftlichen Sorgen von den Arbeitern genommen werden, erschließt sich ihnen der Weg zu den großen Schätzen der Kultur. Die Arbeiter wollen nicht Menschen zweiten Grades sein l Die Frauen der Arbeiterklasse wollen nicht als unmündige, minderwertige Menschen behandelt werden, sie wollen die wirtschaftliche Unabhängigkeit und dadurch die kulturelle Loslösung von den überlieferten» veralteten Anschauungen längstvergangener Jahrhunderte erreichen. Abertausende proletarische Frauen sind die- sen Weg gegangen und haben damit der Arbeiterklasse einen großen Dienst erwiesen. Denn mit ihrer geistigen Hebung Hand in Hand geht eine fortschrittliche Erziehung der Jugend. Eine klassenbewußte Mutter nimmt größten Anteil an den Kräften, die am Werke sind, ihre Kinder zu bilden. Freie, selbstbewußte Menschen wünscht sie sich entwickeln zu sehen, sie nimmt Einfluß auf die Schule in Elternräten und Erziehungsorganisa- tionen und trachtet vor allem, sozialistische Erziehung in der Familie zu üben. So bereitet sie de« Nachwuchs der Arbeiterklasse. auf seine groß« Aufgabe vor. Die sozialdemokratischen Frauen und Mütter sehen mit Abscheu in jedem fascistisch regierten Lande die Machthaber sich zuerst auf die Erziehung der Kinder stürzen.'Sehen, daß Grundbedingung der fascisttschen Kindererziehung die Erziehung zur Gewalt, zum Morden ist und wissen, wie schweb es ist, in militärisch verseuchten Kinderseelen die Liebe zum Menschen, zur Völkerverständigung zu pflanzen. In der militaristischen Erziehung der Kinder erblicken die proletarischen Mütter am deutlichsten die Gefahr des Krieges, die von den fascisttschen Staaten ausgeht. Wie könnte es auch anders sein! Fascismus, das bedeutet Alleinherrschaft des Kapitalismus, bedeutet Jnteressenver- trctung der herrschenden Klaffe ohne Rücksicht aut Offensive angekündigt Artillerievorbereitung Im Gang— Alles weitere vom Wetter abhängig Athen. Die Offensive der Regierungstruppen hat Samstag eingesetzt. Die Regierungstruppen versuchen, die Aufrührer zu umzingeln, um ihnen im Norden des Landes den Fluchtweg nach Bulgarien abzuschneiden und ihnen im Süden den Zugang zu der Stadt Serres zu versperren. Wie die Korrespondenten der jugoflawischen Blätter aus Griechenland melden, ist es bereits zu den ersten Zusammen st äßen zwischen den Regicrungstruppen, die den Struma-Flui- überschritten haben, und den Aufständischen gekommen. Die Aufständischen sollen rund 50 Tote und Verletzte als Verluste aufweisen. Eine Erklärung des Ministerpräsidenten Tfaldarsis Journalisten gegenüber besagt allerdings daß nach der am Struma-Fluß eröffneten Artillerievorbereitung der Generalangriff„w a h r- scheinlich" Sonntag früh beginnen werde, wenn die Wetterbesserung anhalte und die Aufständischen nicht einsehcn sollten, daß ein weiterer Widerstand vollkommen vergeblich sei. Seite 8 Sonntag, 10. März 1935 Nr. 59 Kreisturnfest 1935 baS eigene Volk, nm wieviel mehr ohne Rücksicht auf„feindliche" Völker! Deshalb ist vornehmste Aufgabe des sozialdemokratischen Frauentages: leidenschaftlicher Kampf für die Demokratie, ununterbrochener Kampf gegen die wirtschaftlichen Ausbeuter, deren System es zuläßt, daß tausende Menschen Hungers sterben und Millionenschätze kostbarer Naturgüter aus Profitinteresse der Vernichtung preisgegeben werden l Der Frauentag 1935 ist aber nicht nur Anklage gegen das bestehende System, nicht nur Ge- .löbnis: in den Reihen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei für die Demokratie zu kämpfen, er ist ein Appell an alle kampfbereiten Frauen und Mädchen! In wenigen Monaten, wird.das Volk wieder .seine Vertreter in die gesetzgebenden Körperschaften Wählen. Das läßt bereits jetzt die politischen Wogen hochgehen. So ist der Frauentag gleichsam Auftakt zu unserer Wahlarbeit» die uns in den nächsten Monaten voll in Anspruch nehmen wird. Wie ein Fels im Meer steht die Sozialdemokratie gegen die Flut ihrer Gegner! Roch nie ist der Kampf der Gegner mit solch niederträchtigen und gemeinen Mitteln geführt worden! Noch nie haben Lüge, Verleumdung, Gemeinheit eine so große Rolle bei der Bekämpfung der Sozialdemokraten gespielt. Die sozialdemokratischen Frauen und Mädchen wissen, daß es ungeheuere Anstren.gungen kosten wird, im-jammendenWahlkampf all dieser Gegner Herr zst werden. Es wird.-tzller Ueberzeugungstreue und aller Opferbereitschaft bedürfen, in das große Heer der Indifferenten einzudringen und daraus neue Kräfte für den Sozialismus zu schöpfen. Also ist der Frauentag zugleich Sammel- ruf, Auftakt zu den schweren bevorstehenden Kämpfen, denn es geht hier nicht nur um den Einfluß, den die Arbeiterklasse auf die Geschicke dieses Staates nehmen wird, sondern es geht darum, daß nicht die Gewalt, die Vernichtung, die Entwürdigung h§r Menschen Macht erringe, sondern daß die Vernunft siege, damit Freihei t, F r i e de und wirtschaftlicher Wohlstand dem ganzen Volke gegeben werden.. :fudcteiideuiscftcr Zdfspie^el Verstärkte Hitler-Propaganda in den Grenzgebieten anbefohlen! Neue Aktion zur Fasdsieruns der sudetendeutschen Arbeiter Die täglich erscheinende amtliche Korrespondenz der Arbeitsfront und NSBO richtete— wie das„Pariser Tageblatt" verzeichnet—• dieser Tage auf seiner Titelseite einen Appell an das grenzlanddeutsche Arbeiter- tum, welches man als Bollwerk des deutschen Volkes gegen art» und raffefremde Einflüffe, denen Widerstand geleistet werden müsse, bezeichnet. Die Arbeiter in den Grenzgebieten werden aufgefor- dert, in politischer Hinsicht auf ihre deutschen Arbeitskollegen in den Nachbarstaaten einzuwirken. ,,^uf politischem Gebiet"-7-,. so heißt es in dem Appell—„besteht die Aufgabe darin, der deutsch- stämmischen Arbeiterschaft jenseits der Grenzen lebendigen Nationalsozialismus zu demonstrieren, d h., ihr die wiedergefundene Volksgemeinschaft der deutschen Arbeiterschaft vorzuleben und ihr den Irrsinn der marxistischen Weltproletariatideologie zum Bewußtsein zu bringen.. Zum Schluß wird bemerkt, welche Bedeutung die Einrichtung„Kraft durch Freude" für die deutsche Propaganda jenseits der Grenzen habe. Alle im Dienste'der NS-Gemeinschaft„Kraft durch Freude Stehenden hätten im Grenzland erhöhte Verpflichtungen." Daß es sich hier um die Einleitung einer systematischen Kampagne handelt und daß die Arbeitsfront in ihrer groß-deutschen Propaganda nicht beim bloßen Worte stehen bleibt, zeigt die Tatsache, daß durch Vermittlung ihrer Organisation„Kraft durch Freude" 52 Mädchen, welche die Preffe teils als Ausländsdeutsche, teils, wie z. B. der„Angriff", als Sudetendeutsche bezeichnet, die Reichsbauptstadt aufsuchten und auch vom Reichspropagandaminister Goebbels empfangen wurden. Selbswerständlich weiß Herr Henlein von all diesen Dingen nichts, rein gar nichts— denn er ist ja über Deutschland nicht informiert... Eine Fabrik stirbt Genosse Wenzel Iaksch, der Abgeordnete unserer Partei für den Böhmerwaldwahlkreis, hat sich der wichtigen Aufgabe unterzogen, für die „Zukunft" unter obigen Titel eine alle Details umfassende Schilderung über das Werden, die Bedeutung und das Ende der Glasfabrik in H 0 l e i-, schen zu schreiben. Ein erschütterndes Drama wird uns in diesem Artikel vorgeführt. 1908 wird die Glasfabrik in dem bis dahin unbekannten Böhmerwaldort Holeischen gegründet. Im Monat erzeugt sie am Beginn der Produktion 25.000 bis 30.000 Quadratmeter Spiegelglas. Gegen tausend Arbeiter werden bei dieser Erzeugung beschäftigt, bei 2—4 Kd Lohn täglich. Nach dem Kriege wird der Betrieb mächtig auSgebaut. Das Holeischner Spiegelglas hat alle Erdteile als Absatz erobert. Die Produktion wird enorm gesteigert, die Erzeugnisse verbessert und erweitert. Jährlich werden 6000—7000 Kisten mit je 40—80 Quadratmeter Glas aller Sorten verschickt. Spiegelglas, Marmoritglas in 25 Qualitäten, 30 Sorten farbiges Spiegelglas mit. und ohne Fassung»- Die Holeischner--Produkte’ftftb wÄWekannt geworden. Unsummen werden"in den Betrieb investiert. 1929 und 1930 wird der Betrieb rationali- ssert und dabei werden an die 17,000.000 Kd investiert. Die Arbeiterzahl sinkt von 900 auf 600, die Produktion steigt um 40 Prozent. Man erzeugt von Monat zu Monat in der Fabrik neue Wunderwerke. Das Glas wird immer besser und schöner, die Erzeugungsmethoden werden immer raffinierter. Der Profft der Aktionäre wird fabelhaft. , Die belgischen Aktionäre schleppten nach dem Kriege an die 70 Millionen Kd, die hier von den Arbeitern verdient wurden, über die Grenze. Noch im Jahre 1934 wird den Herren Direktoren an außerordentlicher Remuneration das nette Sümmchen von 170.000 Kd ausbezahlt. Aber allmählich macht sich die Konkurrenz durch den Weinmannbetrieb in Schwaz bei Bilin be- Merkbar. Holeischen unterliegt in diesem Konkurrenzkämpfe. Das internationale Glaskartell bringt den Betrieb zum Stillstand. Die Aktionäre gehen ihren Millionen über die Grmze nach, die Arbeiter stehen vor dem Nichts. Eine Abfertigung, erkämpft von unfern Abgeordneten und den zuständigen Gewerkschaften, schützt die Menschen für kurze Zeit vor dem Hunger. Aber was dann? Grauenhaft ist die Zukunft der vraven Holeischner Arbeiter und ihrer Familien. Schrecklich das Schicksal der seit Bestehen der Fabrik aufgsblüh- ten und durch die Arbeit der Sozialdemokraten modern ausgebauten Gemeinde. Fünf Gemeindehäuser wurden nach dem Kriege gebaut, ein W 0 h l f a hr t s- Haus errichtet, ein für die kleine Gemeinde geradezu vornehmes Rathaus gebaut, Wasserleitung, Friedhof, Brücken und Spielplätze werden geschaffen, eine Bibliothe kiqjt fünfzehnhundert Bänden zeugt von den Kulturbestrebungen»,' m MM Ge-z meinde, die gut ausgebaute Fürsorge der Gemeinde für das Alter, die Jugend und die Arbeitslosen von den sozialen Taten der letzten Jahre. Holeischen hatte eine Steuerbafis von 60.000 Kd— in den nächsten Jahren wird diese Steuergrnndlage nurmehr noch 15.000 Kd betragen. Die Gemeinde steht vor dem Ruin, die Arbeiter vor dem Verhungern, nur die Aktionäre werden mit dem in den vergangenen Jahren angehäuften Profit, jenseits der Grenze ihr Schlaraffenleben weiter führen. Sie hcchen ihr Schäfchen im Trok- kenen. Was ist die Lehre dieses fürchterlichen Schicksals einer ganzen Gemeinde? Genosse Jaksch sagt das am Schluß seines zwei Seiten umfassenden Artikels in klarer und wirkungsvoller Weiser' „Das arbeitende Volk muß soviel Vernunft aufbringen, um eine neue Ordnung zu schaffen und sein wirtschaftliches Schicksal selbst zu bestimmen. Der Boden ist da, die Gebäude und Maschinen sind da, die Arbeitskraft ist da. Warum hungern die Menschen? Weil sie es nicht verstehen, die Welt vernünftiger einznrichten. Darum ihr Bauern, Handwerker, Geschäftsleute, läßt euch nicht gegen den sogenannte« „Marxismus" Hetzen. Seid froh, daß es sozialistische Arbeiter gibt, die einen neuen Weg zeigen und mit euch gemeinsam die Krise des Kapitalismus durch Aufbau einer Planwirtschaft überwinden wollen! Aufstieg zum Sozialismus oder Untergang niit dem Kapitalismus, das ist die Frage, die durch das traurige Beispiel von Holeischen wieder an alle schaffenden Menschen gestellt ist." Dr. Schier enthaftet Der Ruppersdorfer Arzt Dr. Schier, der wegen Vergehens gegen den 8 1^4 des Strafgesetzes vor ungefähr zwei Wochen mit seiner Mutter und zwei Hebammen verhaftet wurde, da ihn eine aus Deutschland bei ihm Hilfe suchende Frau angezeigt hatte, weil ihr die Kosten zu hoch schienen, fand in der ganzen Bevölkerung von Ruppersdorf und Umgebung begeisterte.Helfer für eine Aktion zu seiner Freilassung. Wir berichteten vor einigen Tagen, daß man in Ruppersdorf allein gegen 800 Unterschriften für die Pe- fition verzeichnete, mit der man um seine Enthaftung ansuchte. Mitte dieser Woche brachten seine Anhänger aus den umliegenden Ortschaften von Ruppersdorf neuerdings 800 Unterschriften von Personen auf, die Dr. Schier als Menschenfreund und selbstlosen Arzt bezeichneten und dessen Verhaftung ein schweres Unrecht bedeute. Dieser Petitionssturm führte zu einer Beschleunigung der gegen den Arzt und seine Mithelfer geführten Untersuchung und Freitag wurden Doktor Schier, seine Mutter und die beiden verhafteten Hebammen freigelassen. Obzwar das Verfahren gegen Dr. Schier, weiterläuft, ist doch durckseine'EnthastnTkg'ettip chrVste'Mtspännung bei der Bevölkerung eingetreten,,die sich feit der Verhaftung des Arztes in großer Erregung befand, weil die Verhaftung(auf Grund eines veralteten Gesetzes) gegen das Volksempfinden gerichtet war und besonders weil Dr. Schier, wie allgemein bekannt war, die Eingriffe nicht aus Gewinnsucht, sondern nur aus sozialen Gründe« vornahm. Die nächste Sitzung des Senates finde! Mittwoch, den 13. März, um 4 Uhr nachmittags statt. Auf der Tagesordnung steht ein Zusatzprotokoll zum französischen Handelsvertrag und eine Immunität. naih Roman von Fritz Rosenfeld Auf einem der vielen lausend Punkte, auf einem der kleinsten. Die Fremden vergaßen den Namen des Dorfes, vergaßen sein Antlitz, wie er die Gesichter der Menschen vergaß, die an ihm vorüberzogm, eine endlose graue Schlange, den und sorgte für sie. Auf einem der vielen tausend Punkte, auf einem der kleinsten. Die Fremden vergäßen den Namen des Dorfes, vergaßen sein Antlitz, wie er die Gesichter der Menschen vergaß, die an ihm vorüberzogen, eine endlose graue Schlange. Der Heizer schwieg, und das Schweigen sang so hell im Ohr, daß der Stationsvorstand sich jäh umwandte und den Heizer ansah. Aber er sprach nicht. Er starrte stumm in die Augen deS Heizers und quälte sein Gehirn mit einer Frage ab, die er nicht zu beantworten vermochte: Warum habe ich eigentlich keine Angst mehr? » Olavsen zählte die dreitausend auf den dunklen» zerkerbten Tisch. Der Bauer prüfte eine Note nach der andren, hielt sie gegen die Kerze, fallete sie und tat sie in eine flache Ledertasche. Dann stand er auf und ging in den Stall. Sechs Pferde standen in dem Stall, eng aneinandergSpfercht, mager. Sie bllckten der flackernden Kerze nach, die an ihren Augen vorüberhuschte. Der Bauer sprach zu den Pferden; Olavsen verstand diese Sprache nicht. Aus dem Schuppen holte der Bauer einen Wagen, ein kümmerliches Gebilde aus Rädern und Stangen, und warf etwas Stroh auf die feuchten, rissigen Bretter. Dann spannte er die Pferde ein» und nun hatte er alles getan und gegeben, wofür er bezahll worden war. „Bringen sie den Wagen zum Bahnhof", sagte Olavsen. „Sie haben den Wagen und die Pferde gekauft, Herr, nicht den Kutscher", sagte der Bauer. „Soll ich ihnen dafür nochmals Geld geben?" „Ich bin kein Erpresser, Herr. Hier ist der Wagen. Setzen sie sich auf den Kutschbock und fahren sie los. Die Pferde sind gut» sie gehen nicht durch. Oder nehmen sie sie da vorn, am Zaum, und gehen sie neben dem Wagen her. Sie beißen nicht. Eine Peitsche schenke ich ihnen noch, als Drausgabe. Aber schlagen sie nicht fest zu. Der Schimmel gehorcht auf's Wort, und der Braune legt los, wenn er es nur leise knallen hört. Gute Nacht, Herr." Olavsen kam sich wie ein Schuler vor, der in der Nacht vor der Prüfung träumt, daß alles schief gehen wird. Da stand er mit zwei Pferden und einem rasselnden alten Bauernwagen, einem grobgezimmerten Karren, mitten in der Nacht in einem fremden Dorf, und sollte den Kutscher spielen. Er hätte sich nicht gewundert, wenn aus den Mauern der Häuser und aus den Bäumen des Waldes tausend Reporter herausgetreten wären, um ihn über seine Gefühle und Simmungen zu befragen und seine Pläne für die allernächste Zeit. Es handelt sich ja nicht einmal um Stunden, dachte er. nur um Minuten; in fünf Minuten kann eines de» Pferde ausgeschlagen haben oder die Absicht äußern, durchzugehen, oder auf eine andere Weis« zeigen, daß es die Versprechungen seines früheren Besitzers nicht für verbindlich erachtete; und zum Bahnhof ist ein weiter Weg, ich finde ihn selber kaum, nun soll ich die beiden gutmütigen Ungeheuer führen? Auf den Kutschbock llettern war zu gefahrvoll, der Blick reichte so weit, daß man leicht übersehen konitte, was sich in der Nähe zutrug; es war besser, bei den Pferden zu bleiben. Olavsen schaut«, sie groß an, streichelte sie ein wenig, das ein« wieherte, das andere wandte den Kopf ab. Ich stoße auf geteilte Sympathien, dachte er. Immerhin, die Hälfte ist besser als nichts. Er rede ihnen gut zu, obgleich er sich sagen mußte, daß sie seine Worte so wenig verstanden, wie er die Anrede eines Südseehäuptlings verstanden hätte, der aus Grund einer Wette oder aus einer anderen zwingenden Notwendigkeit sich mit ihm nachts auf den Straßen eines Dorfes in ein Gespräch eingelassen hätte. Aber eS gelang ihm doch, die Pferde in Trab zu bringen, der Wägen knarrte schauerlich und es wurde Olavsen immer rätselhafter, wie man mtt diesem Gefährt einen Fiebernden ins Spital schaffen könnte. Dreitausend, dachte er. Dafür bekam man ja ein kleines, funkelnagelneues Auto. Oder ein Motorrad mit Beiwagen. Der Beiwagen war wichtig. Es freute Olavsen, daß die Pferde, ohne Widerstand zu leisten, an seiner Seite dahinschritten. Er freute sich über vieles; er kam sich nicht als Held vor, Unsinn, sagte er sich, du tust deine Menschenpflicht, das ist alles, aber er freute sich darüber, daß der geschniegelte Kerl mit den auswattierten Schultern und dem kleinen Schnurrbärtchen, so jämmerlich zusammengesackt war, und daß er in den blanken, blauen, stummen Augen Carlottas den Widerschein eines Lichtes gesehen, für einen Herzschlag, für den Bruchteil einer Sekunde—, jenes Lichtes, das in den Augen der Menschen aufflammte, wenn sie eine Last, die ihren Leib gekrümmt, ihr Herz erdrückt, ihre Seele erstickt hatte, abwarfen und sich wieder frei aufrich- ten und Lust in die Lungen schöpfen und die Arme ausstreckten, als wollten sie die Welt umfangen. „Olav Olavsen", sagte er zu sich, ganz laut, die Pferde mochten es hören und die Dauern, die hinter den geschloffenen Fenstern ihrer dunklen Zimmer hockten und lauerten, den Schießprügel in den Fäusten,„Olav Olavsen, du läufst vor dem Leben davon, und du läufst dem Leben in die offenen Arme. Du willst die Einsamkeit finden» in der deine Werke wachsen können, und da sind zwei Augen, blank und blau und stumm, und schon vergiß du alle Einsamkeiten und bist tgub für beji Klageschrei deiner ungeborenen Bücher. Olav Olavsen, du wirst leichtsinnig in deinen alte« Tagen." Und dann war es still und dann sagte eine andre Stimme, aber diese durften weder die Pferd« hören» die neben ihm daherschritten, noch die Bauern hinter den verhängten Fenstern ihrer Häuser: Olav Olavsen, gönn dir das Glück, wenn eS zu dir kommt, und jag es nicht wieder fort. Nima» es und breite es wie einen großen Mantel um dich, und hülle dich ein in seinen weiten, goldene» Glanz. Gönn es dir, Olav Olavsen.— Die Bauern, die im Haus des Bürgermeisters um den Tisch saßen, hinter Bierkrügen, und mit roten Köpfen brüllten, horchten auf, als siebas Knattern des Karrens vernahmen, und eiltet«' ans Fenster. Sie steckten die erhitzten Schädel zusammen und berieten. Sie kannten den Wagen, sie kannten die Pferde, den Mann aber kannten sie nicht. Sie teilten sich in drei Gruppen: zwei gingen Olavsen nach, sie schlichen wie Schatten auf lautlosen Sohlen hinter ihm her, zwei gingen zu dem Bauern, dem der Wagen gehört hatte, und zwei zum Gendarmeriekommando, um zu melden» daß ein verdächtiger Geselle mit Pferd und Wagen nächtlicherweile durch die Dorfstraß« geistre. Hinter einer lleinen, silbernen Wolle schimmerte eine Spitze der Mondsichel, zart und schmal und gebrechlich; der Schimmel blieb stehen und wieherte, Olavsen streichelte ihn, da ging er weiter. XI. Es hatte damit begonnen, daß Halling fük den Arzt und sich eine Flasche Champagner bestellte; der Kellner hatte die Augen aufgerissen» Ivar in den Keller hinunter geklettert und hatte aus staubigen Strohhüllen einige Flaschen geschält, deren Etikette, gelbfleckig und ausgefranzt, eine unbekannte Weinhandlung nannte. (Fortsetzung folgt.) Nr. SS Sonntag, 10. März 1935 Seile 3 Wort und Tat Zum Internationalen Frauentag sammeln sich in vielen Städten die arbeitenden Frauen und Mädchen, um durch ihre geschloffene Masse zu zeigen, daß sie eintretcn für Freiheit, Recht und Sozialismus. Sie bekennen stolz, daß ihr Sinnen und Trachten über den engen Kreis der Familie und des eigenen Lebens hinausgeht und sich an eine große Idee, an den gemeinsamen Kampf für ein befferes Dasein aller hingibt. Gar mancher Frau wird in solch festlicher Gemeinschaft das Herz höher schlagen und sie wird sich vornehmen, nun noch fester und treuer zu allem zu stehen, was die heilige Sache fördern kann und nicht mehr lau und mutlos werden, wenn der Alltag wieder in seine Rechte tritt. Zu dem Ringen um ein freie- und besseres Dasein, das in der Krisenzeit besonders schwer ist, gehört auch das Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit in wirtschaftlicher Beziehung. Die arbeitenden Menschen in Stadt und Land haben sich in ihren Konsumgenossenschaften ein festes Bollwerk geschaffen, um ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen zu vertreten und sie so zu ordnen, wie es ihnen selbst dient. Die Auswirkungen der planlosen, nur auf den Profit gestellten kapitalistischen Wirtschaft zeigen sich in verheerender Weise. Die Frauen haben die Last der Arbeitslosigkeit, der Sorgen um den Lebensunterhalt, um die Existenz und Entwicklung ihrer Kistder schwer zu tragen. Sie wirtschaften mit den kargen Kronen und müssen alle Kunst aufbieten, um nur von einem Tag zum anderen das Leben zu fristen. Von der Frau wird verlangt, daß sie in det Familie gut wirtschafte. Ist es da nicht selbstverständlich, daß sie auch ihr Teil mit beiträgt, um eine gute und planvolle Wirtschaft de- Volkes mit aufzubauen? Ist nicht sie es, die ihr eigenes Streben am besten durch die genossenschaftliche S e l b st h i l f e o r g a n i s a t i o n der Verbraucher, durch die Konsumgenossenschaften, gefördert sieht? Unser« Worte und unsere Taten müsse» mit- rinander in Einklang stehen, vollen wir unser Ziel erreichen. Die Wirtschaft deS Kapitals und des Profites, die tausendfaches Elend über die arbeitend«! Menschen verhängt, wird nicht mit Worten allein hinweggefegt. Wir müssen durch die Tat beweisen, daS es uns ernst damit ist. Unser Wille muß sich in jeder kleinen Handlung des Tages sinnvoll für unser Ziel «insetzen, denn die Schaffung einer neuen Wirtschaftsordnung ist das Werk vieler tausender Men- ERNTE DIE FRUCHTE DEINER SAAT! HILF AUCH WEITERHIN AM AUSBAU DER GENOSSENSCHAFTLICHEN EIGENPRODUKTION DURCH STETEN BEZUG DER&&CPRODUKTE scheu und währt eine lange Zeit. Je bewußter die Frauen die Dinge sehe», wie sie sind, und je ent« schlossen«: sie mitarbeiten, desto schneller kommen wir zu unserem Ziele. Die Konsumgenoffenschaftsbewegung erstrebt für die arbeitenden Menschen die Unabhängigkeit von Handel und Erzeugung. Jede Verteilungsstelle ist ein Bollwerk gegen Uebervorteilung beim täglichen Einkauf. Jede Eigenproduktionsstätte der Konsumgenossenschaft oder unseres Gec-Verbandes ist ein Bollwerk gegen Uebervorteilung bei der Erzeugung. Ihre Förderung bedeutet ein Eindringen in die Welt des Profites und Kapitals und einen Ausbau der planvollen Wirtschaft, die keinen Profit kennt. Alle Mitglieder in der Konsumgenossenschaft sind gleichberech- tigt und genießen gemeinsam alle Vorteile, die ihnen ihr Zusammenschluß bringt. Jede Familie gehört dazu. Jede Einkaufskrone gehört in die Genossenschaft! In jeden Haushalt gehören unsere eigenerzeugten Güter l Dank der Aufbauarbeit, welche von den Gründern der Bewegung bisher geleitet worden ist, bedeutet das Einkäufen in der Konsumgenossenschaft kein Opfer, sondern bringt den Mitgliedern sogleich alle Vorteile. Es gibt keine zweite wirtschaftliche Gemeinschaft, die gleich den" Konsumgenossenschaften jeder Familie sogleich die Teilnahme und den Mitbesitz an allen Einrichtungen und Errungenschaften eröffnet. In den Konsumgenossenschaften wird die Solidarität des«inen für den anderen praktisch geübt. Sie sinddieSchulenfürunsereArbeiter- frauen und lehren sie, wirtschaftlich zu denken und zu handeln. In unseren Konsumgenossenschaften lernen die Frauen wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen und daran mitzuarbeiten, daß sowohl für den Tag, als auch für die weitere Zukunft für den Haushalt und die Familie Vorteile geschaffen werden, Jede Krone, die beim Einkauf den Mitgliedern erspart wird, bedeutet ein größeres Stück Brot, und jede Kron«, die als Rückvergütung zu den Mitgliedern zurückfließt, ist eine Erleichterung für die Familie. Unser fester Zusammenschluß in den Konsumgenoffen- schasten steigert die Kraft des Einzelnen und macht uns zu einer Gemeinschaft, die ihre Ziele erreicht. Die Frauen müssen ihrer Konsumgenoffenschaft d i e Treue halten, denn nur die Tat entscheidet, ob wir siegen oder unterliegen. Der internationale Frauentag soll uns mit dahin führen, daß wir im täglichen Leben ständig daran denken, daß Selbsthilfe durch die Konsumgenossenschaften uns di« wirtschaftliche Grundlage für eine gerechte, soziale Planwirtschaft baut, bei deren Schaffung keine Frau fehlen darf. Emmy Riedl. Rintelen in der Klemme Fataler Verkehr mit einem Emissär Habichts Wien. Im Prozeß Rintelen wurden Samstag verschiedene Informationen verlesen, die über die Persönlichkeit Dr. Rudolf Weydenhammer S, deffen Name einige Male in diesem Prozesse genannt wurde,«inge- gangen sind. Die Verhandlung beginnt jetzt für Rintelen unangenehmer zu werden, weil sich Zeugen finden, die behaupten, daß Weydenhammer, der offenbar die finanzielle« Verbindungen mit dem Dritten Reich besorgte und nach dem Sieg der Wirtschaftsdiktator Oesterreichs werden sollte, wiederholt unter falschem Namen bei Rintelen in Rom war und daß er auch in de« Putschtagrn in Wien geweilt hat, wo ihn gerade am krftischen 25. Juli ein Zeuge auf dem Gang des Hotels, in dem Rintelen wohntt, gesehen und sogar gesprochen haben will. Rintelen sucht sich aus der Affäre zu ziehen, indem er die Bekanntschaft mit Weydenhammer einfach ableugnet und sich»nicht erinnern" kann, ihn unter dem falschen Namen zu kennen. Weydenhammer war diesen Informationen zufolge Direktor der Deutschen Bank in München. Er fuhr im vergangenen Jahre zu wiederholten Malen nach Oesterreich. Das letztemal_ kam er v or dem Julivutsch und logierte sich im Hotel..Ko- b e n z I" ein. Weiters wurde festaestellt, daß Wey- denhammer auf österreichischem Boden mit Dr. Wächter und Fridolin Glaß zusammentraf, also Mit zwei Führern des Putsches. Weydenhammer war von Habicht und anderen nationalsozialistischen Führern der Emigration zum Wirtschaftsdiktator in Oesterreich für den Fall des Sieges auserwählt. Weydenhammer soll öfters nach Rom zu Doktor Rintelen gefahren sein. Rach dem mißlungenen Putsch verschwand Wevdenham- merausWien, ohne in das Hotel zurückzukehren, und ließ sich kein Gepäck später nach Karlsbad senden. Rach Wien fuhr er regelmäßig unter falschem Paß. der auf den Namen Rudolf William lautete. Rintelen erklärt, daß er ihn nicht kenne. Der Vorsitzende fragt, ob er den Namen kenne. Der Angeklagte verneint abermals; ob er ,William" kenne, kann er sich nicht erinnern. Dann wurde als Zeuge der Industrielle R e i t- k i n a e r aus Jenbach in Tirol vernommen. Der Zeuge erklärt, er kenne Rintelen und auch Weyden- hammer aus früherer Zeit. Am Tage des Putsches zwischen 1 und 2 Ubr nachmittags HÄbe er Weyden- bammer auf dem Gang des Hotels.Imperial" begegnet und mit ihm einige Worte gewechselt. Wevden- hammer batte es«i l i g und verließ sofort das Hotel. Der Vorsitzende fragt den Zeugen, ob er nicht irre. Der Zeuge erwidett.«in Irrtum sei ausgeschlossen. Er habe die Begegnung unverzüglich dem Minister Stockinaer mitaeteilt. Im weiteren Verlauf der Verhandlung legte der Gerichtsvorsitzende ein Schreiben des ehemaligen Legationsdieners RintelenS R y p o l d vor, der mitteilt, daß er in Rom sieben Monate bei Rintelen gedient habe und zu dieser Zett Zeuge gewesen sei, wie Weydenhammer unter dem falschen Namen»Williams" fünf- oder sechsmal nach Rom kam und jedesmal mit Rintelen zusammentraf, nachtmahlte und dann mit ihm hinter verschlossenen Türen und ohne Zeugen bis lange in die Nacht konferierte. Das Gericht beschloß, diesen in Italien weilenden Zeugen zu der Montagsverhandlung telegraphisch vorzuladen. Jllegale Arbeit— lebenslängliches Zuchthaus! Düsseldorf. Akach zehntägiger Verhandlung wurde Freitag im Hochverratsprozeß gegen 71 Angeklagte das Urteil gefällt. Unter Freisprechung von elf Angeklagten wurde ein Angeklagter zu lebenslänglichem Zuchthaus, je ein weiterr Angeklagter zu 15, bzw. 10 Jahren Zuchthaus und 13 weitere Angeklagte zu Zuchthausstrafen von 9 bis 4 Jahren verurteilt. Die restlichen Verurteilten erhielten Strafen von 4 Jahren Zuchthaus bis zu 5 Monaten Gefängnis. Die Hauptbeschuldigten waren als Funktio- näre vom Ausland aus mft dem illegalen Aufbau der K P K. in Westdeutschland beauftragt worden. I Pachte,-die zwar mit 1934 enden, aber ver- I l ä n g e r t werden, von der Pachtherabsetzung auszuschließen. Diese Absicht des Gesetzgebers wird nun durch die Ergänzung klar und deutlich zum Ausdruck gebracht und damit auch eventuell bereits anhängige Stritte zugunsten des Pächters entschieden. Unsachliche Kritik der„Bohemia". In der Festsitzung der böhmischen Landesvertretung anläßlich des 85. Geburtstages des Präsidenten Masaryk stellte Genosse Dr. Strauß den Antrag, die Landesvertretung möge die Anträge des Landesausschusses, durch eine Zweimillionen- Spende für Lupuskranke und Krebskranke den Präsidenten zu ehren, ohne Debatte annehmen. Diesen Antrag begründete Genosse Dr. Strauß, der für die gesamte Lckstdesvertretung sprach, in deutscher und tschechischer Sprache, woran nun die„Bohemia" in ihrer Ausgabe von Samstag, den 9. März» Kritik übt. Sie behauptet, daß das Vorgehen des Genossen Dr. Strauß ein gefährliches Präjudiz für die Zukunft sein könne.— Dazu ist nun zu bemerken, daß es im Frühjahr 1929, als die Landesvertretung ihre erste Session abhielt» zu Meinungsverschiedenheiten kam, in welcher Sprache jene Deutschen, welche in den Sitzungen der Landesvertretung als Referenten auftreten, zu sprechen hätten. Damals wurde nach langwierigen Verhandlungen vereinbart— und diesem Modus haben alle tschechischen und deutschen Parteien zugestimmt— daß deutsche Landesausschußbeisitzer, bzw. Landesvertreter, welche referieren, eS in beiden Sprachen zu tun hätten. Diese Vorgangsweise wird nun auch seit "sechs Jahren stet« eingehalten.. Bei der Geburtstagsfeier des Präsidenten hielt nun der tschechische Landesvertreter Dr. Kubista die Festrede und deswegen wurde vereinbart, daß ein deutscher Landesvertreter, wozu Genosse Dr. Strauß bestimmt wurde, den obigen Antrag stelle und es war selbstverständlich, daß Genosse Dr. Strauß, wenn er als Sprecher der gesamten Landesvertretung auftrat, sich an jene Vereinbarungen hielt, die auch für die dnltschen Referenten des Landesausschusses gelten.kks lag kein Grund vor, gerade anläßlich des Geburtstages des Präsidenten davon abzugehen. Die„Bohemia" sei nur darauf verwiesen, daß sowohl im Abgeordnetenhaus als auch im Senat die Referenten nur in tschechischer Sprache sprechen, während die Vereinbarung, die in der Landesvertretung seinerzeit abgeschlossen wurde, es deutschen Landesvertretungsmitgliedern ermöglicht, nicht nur in tschechischer, sondern auch in deutscher Sprache zu sprechen, wenn sie als Repräsentanten der gesamten Landesvertretung austreten. Die„Bohemia" hätte sich, da ihr der Sachverhalt nicht bekannt war, bei den ihr politisch nahestehenden Landesvertretern informieren können. 36.972 Zentner Korn ffir Arbeitslose Verteilung unter Kontrolle der Oeffentllchkelt Die Ernährungsaktion für die Arbeitslosen besteht bekannllich einerseits in Zuteflung der Ernährungskarten, andererseits in der Aushilfe mit Brot, Kartoffeln, Kohle, Zucker, Milch für die Kinder, Bekleidung und Betreuung der arbeitslosen Jugend. An Brotzuweisungen für Arbeitslose hat für die Zeit Dezember—Jänner das Ministerium für soziale Fürsorge 50.000 Zentner Korn bewilligt. Nun hat die Regierung einer weiteren Zuweisung zugestimmt, welche gerade in den einzelnen Bezirken durchgeführt wird. Insgesamt werden in dem. jetzigen Zeitabschnitt 58.972 Zentner tadellosen Korns zum Backen von Brot für Arbeitslose verteilt. Davon entfallen auf Böhmen 31.347, auf Mähren-Schlesien 16.035, auf die Slowakei 10.565 und auf Karpathorußland 1025 Zentner Korn. Das Korn wird den Bezirken nach den alten Richtlinien zu- Oberster Gerichtshof verhängt Todesstrafe an Stelle lebenslänglichen Kerkers Brünn. Im Oktober vergangenen Jahres hat das Schwurgericht in Trenöin den 31jährigen Josef Miklustin aus Pruzina zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, weil er im April des vorigen Jahres seinen Vater, seinen Bruder, dessen Frau, seine Mutter und seine Tante erschossen hatte. Der Staatsanwalt hatte gegen diesen Urteilsspruch die Berufung eingebracht. Am Samstag hat das Oberste Gericht in Brünn das Urteil des Trenöaner Geschworenengerichtes aufgehoben und Miflustin zum Tode durch den Strang verurteilt. geteilt, das heißt so, daß den Bezirken mtt der Zuteilung von Korn gleichzeitig eine bestimmte Anzahl von Brotanweisungen vorgeschrieben wird, die an die Arbeitslosen zu verteilen sind. Bei der Verteilung sind entscheidend die Sozialkommissionen der Bezirke und Gemeinden, nicht also nur die Bezirksämter allein, damit die Verteilung unter der Kontrolle einer breiten Oeffentlichkeit vor sich gehe und Brot wirklich diejenigen erhalten, die es brauchen. Der ledige Arbeitslose bekommt pro Woche eine Anweisung auf ein Laib Brot, der verheiratete Arbeitslose auf zwei Laib. Das zugeteilte Korn ist von tadelloser Qualität und das Ministerium für soziale Fürsorge hat den Bezirksämtern ausgetragen, die strengste Aufsicht beim Backen des Brotes auszuüben, damit nicht irgendwelche Spekulanten sich an den Arbeitslosen bereichern. Die neue Pachtzlnsverordnunf Die vom letzten Ministerrat beschlossene Ergänzung der Regierungsverordnung 272/34 über die E r m ä ß igungdes Pachtzinses in den von der Mißernte schwer betroffenen Bezirken setzt fest, daß die Ermäßigung auch für jene Pächter gilt, deren Pachwerhältnis zwar mtt dem Erntejahr 1934 endete, aber verlängert oder erneuert wurde, und zwar gleichgültig, ob unter den bisherigen oder neuen Bedingungen. Im 8 7 der erwähnten Verordnung ist bestimmt, daß in dem Falle, daß das Pachtverhältnis mit dem Erntejahr 1934 endet, kein Anspruch auf Ermäßigung der Pacht besteht. Dabei war allerdings nicht beabsichtigt, auch jene Seite 4 Sonntag, 10. März 1835 Nr. 58 Aber Meine Helfer In der Küthe bat Jede Hausfrau, wenn sie Dr. Oetknr's Präparat« verwendet; insbesondere Dr.Oetkor's Backpulver ermöglicht In kurzer Zelt eine gesunde und nahrhafte Mehlspeise herzustellen. Der Teig Ist damit sofort backfertig und kann gleich Ins Rohr gegeben werden. Nadi verhültnlsmlßlg kurzem Radien erhält man eine lockere, bekömmliche und nahrhafte Mehlspeise. Man adite aber beim Einkauf auf das Warenzeichen„Ein heller Kopf** und weise jede andere Marke zuriids. Die poliflsdic Wodie Der 85. Geburtstag des Präsidenten Hat in der abgelaufenen Woche im ganzen Staatsgebiet bis ins kleinste Dorf die Bevölkerung zu Kundgebungen ver- anlaßt, deren außergewöhnlich herzlicher Charakter wohl am besten davon Zeugnis ablegt, welcher Beliebtheit sich der Präsident in allen Schichten der Bevölkerung erfreut. Die offizielle Adresse der Nationalversammlung, der Glückivunsche der Regierung und die Antwort des Präsidenten waren über den bei solchen Anlässen üblichen Rahmen hinaus«in demonstratives Bekenntnis zur Demokratie, das sicher innenpolitisch seine Wirkung nicht verfehlen wird. Infolge dieser Feierlichkeiten konnte das Parlament noch nicht konkret an die Erledigung seines ihm zugewiesenen Arbeitspensums schreiten, sondern vertagte sich nach zwei kurzen Sitzungen, von denen die eine lediglich der Masaryk-Huldigung gewidmet war, auf kommenden Dienstag. Trotzdem auch die Regierungsmitglieder durch die Masarhk-Feiern in ihrer normalen Tätigkeit einigermaßen eingeengt waren, haben die politischen und wirtschaftlichen Ministerkomitees eine ganze Reihe von Beratungen abgehalten, die sich mit der finanziellen Grundlage der Sanierung der Selbstverwaltung befaßten, und sie sind auch«in gutes Stück vorwärts gekommen. Die Beratungen gehen sofort Montag weiter, um dem Parlament möglichst bald neues Arbeitsmaterial liefern zu können. Vorläufig ist das Parlament fa noch mit den Exportkredite»und mit derSanierungs Exportkrediten und mit der Sanierungsvorlage selbst versorgt, die dazu beitragen soll, einen erheblichen Teil der unleugbar großen Finanzschwierigkeiten der Selbstverwaltung abzubürden, deren Gebarung aus den bekannten Ursachen, zu denen in erster Reihe das unselige Gemeindefinanzgesetz des Bürgerblocks zählte, direkt auf den toten Punkt gekommen ist. Von den kleineren Bedeckungsvorlagen, di« insgesamt etwa 22 bis 25 Millionen Kö«inbringen sollen, ohne daß eine Mehrbelastung der Konsumenten eintritt, sind die Essigsteuer und die Steuer von Backpulvern so ziemlich ferfig; über die Mineral-, bezw. Sodawassersteuer und die Weinsteuer etc. wird noch verhandelt. Die Kunstfettabgabe ist nach wie vor umstritten, da die sozialistischen Parteien alles daransetzen, um die Konsumenten auch hier vor einer Verteuerung zu schützen, die bei einem größeren Ausmaß der Abgabe unvermeidlich wäre. Die zweite Gruppe der Bedeckungsvorlagen für die Selbstverwaltungssanierung, die Novellen zur Erwerb st euer und zu den Stabilisierungsbilanzen, find ebenfalls im Stadium der interministeriellen Vorbereitung. Was die Investitionen betrifft, für die außerhalb Les normalen Budget» vorläufig nur etwa eine halbe Milliarde aus den Restbestände» der Arbeitsanleihe zur Verfügung steht, während für den weiteren Aufwand erst alle Möglichkeiten der finanziellen Beschaffung überprüft tverden müssen, so hat die aus Beamten bestehend« Jnvestitionskommisiion in der letzten Woche in mehreren Sitzungen eine ganze Reihe dringender Projekte im Detail erörtert. Hiezu gehört u. a. auch die Frage der Bahnübergänge, wo an den Hauptstrecken alle Kreuzungen im Niveau durchgehends durch lieber- oder Unter« führungsn erseht werden sollen. DieMergtüngen über die 40-Stunden-Woche weise» immer noch gewisse strittige Punkte auf, die vor allem den Lohnausgleich betreffe». Die Aussichten, daß die Verhandlungen in der nächsten Woche zum Abschluß kouimen, stehen derzeit uicht ungünstig. Mit Beginn des kommenden Monats werden im gesamten Bereich der öffentlichen Arbeiten die im Budget vorgesehenen zur Ausführung reifen Projekte begonnen werden, wobei mit einem Schlag tausende Arbeitslose Beschäftigung finden werden. Die Novelle zum Aietobusgeseh ist nach äußerst schwierigen Verhandlungen so ziemlich fertig und soll bald dem Senat überreicht werden. Die interessierten Kreise harren begreiflicherweise mit großer Spannung auf nähere Details. In der Innenpolitik sind die Verhältnisse im deutschen Lager wie bisher ungeklärt. Die Verhandlungen zwischen der SHF und den Land- bündlern gehen, ob er nun zugegeben wird oder nicht, insgeheim weiter. Die Rolle des BdL, bei dem jede abgebrauchte Unterhändlergarnitur sofort durch neue Leute ersetzt wird, die unentwegt ins SHF-Horn blasen, ist wirklich nicht sehr imponierend und man versteht es, daß breite Schichten der Landbundanhänger, die den Selbstmord nicht mitmachen wollen, von ernster Sorge erfüllt sind. Auf der anderen Seite wächst die Begehrlichkeit der Henleinleute mit jedem Tag, da sie aus der Stellungnahme gewisser Gruppen, wie der des Herrn S t o U p a l, doch wieder neue Hoffnung hegen, daß man sie doch letzten Ende» tolerieren wird. Alle KoalittonSparteien mit Ausnahme, der Agrarier haben zu diesem leidigen Problem bereits eindeutig Stellung genommen; wer namentlich die tschechische Presse daraufhin verfolgt, kann nicht zweifeln, in welcher Richtung diese Stellungnahme erfolgt ist. Eine baldige Klärung auch innerhalb der Regierung wird wohl nicht mehr lange hin- auSzuschieben sein. Durch ihr derzeitiges Verhalten gegenüber dem Landbund kann die SHF diese Klärung wohl nur beschleunigen. Dann wird auch der Weg frei werden für die politischen Vorlagen(Registrierung, Wahlrechtsnovelle und Wählerlisten), mit denen das Parlament vor Ablauf der Funktionsperiode noch vor ernste und verantwortungsvolle Aufgaben gestellt werden wird. Glückwunsch der Arbeiter Belgiens an Masaryk und die Tschechoslowakei Die belgische Arbeiterschaft und Masaryk Der„People", das Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Belgiens, schreibt aus Anlaß des 88. Geburtstages Masarhks Folgendes: „M asarhk ist ein Symbol, ja weit mehr als ein Symbol der Unabhängigkeit, der Beständigkeit und der Einigkeit der Tschechoslowakischen Republik. Welch erstaunliche Persönlichkeit dieser Sohn eines armen Dorfbewohners! Ohne rauschendes Aufsehen irgendwelcher Art, ohne militärische oder auch nur diplomatische sensationelle Taten, einzig und allein durch die Weisheit, durch die politische nnd moralische Unantastbarkeit, durch die Ausdauer und den Mut, die er in den entscheidenden Augenblicken der europäischen Geschichte an den Tag legte, hat stch dieser bescheidene Gelehrte aus geringer Herkunft so hoch erhoben, dah er eine, ja vielleicht die berühmteste und Verehrteste Persönlichkeit der zivilisierten Welt geworden ist. And hierin symbolisiert er die vornehme Bestimmung der tschechischen nnd stowaki- schen Nation, die selber, erst erniedrigt, ja sogar verachtet, lediglich sich begeisternd an ihren geschichtlichen Erinnerungen und an ihrem Glauben an die eigene Begabung und die eigene Zukunft, es zuwege gebracht hat, sich in wenigen Jahren einen der festesten, geachtet st enundfort- schrlttlichsten Staate« Europas-« schmieden. Mehr als irgend ein anderer ist es M a s a r h k, dem die Tschechoslowakei ebenso ihre Unabhängigkeit wie ihre Position in der Welt verdankt. Seine erleuchtete Weiöhett hat bis zum heutigen Tage über dem Schicksal des jungen Staates gewacht. Darüber hinaus hat er aus ihm einen AngelpunktdeS europäischen Politischen Systems gemacht, einen Frie- denögaranten erster Ordnung, einen mächtigen Damm ge- gen die neue Barbaren, die unseren Kontinent umbrandet. In Berlin, in Wien, in Warschau, in Budapest— wen findet da der alte Masaryk sich gegenüber? Die Hitler, die Schuschniggs, die PNsudskis, die Horthhs! Staaten, gepeinigt von tödlichen inneren Krisen, in voller wirt- schaftticher und sittlicher Auflösung, Quellen der europäischen Unsicherheit nnd Unbeständigkeit. Dagegen ist die Tschechoslowakei, treu geblieben dem demokratischen und sozialen Ideal, das an ihrer Wiege stand, in die» see StMde eine Züser der Demokratie, des sozialen und geistigen Fortschrittes, des inneren und äußeren Friedens mitten in einem bewegte» und stürmischen Meer. Mehr als alles andere zengt von dem glänzenden Erfolg des Werkes MasarykS die Tatsache, daß er an seinem 85. Geburtstage der aufrichtigen und bewegten Verehrung nicht nur seiner tschechischen und slowakischen Brüder teilhaftig wird, sondern auch aller seiner andere« Mitbürger, der deutschen, der ungarischen, der rnthenischen und der polnischen, die alle im Staate MasarykS ein Vaterland gefunden haben, in dem sie sich immer mehr zuhause fühlen nnd daS ihnen— mit Ausnahmen einer hirnlosen und unbedeutende» Minderheit— jede Neigung nimmt, über die Grenzen zu schielen. Und so geschieht eS von ganzem Herze«, wenn heute auch die Sozialisten Belgiens ihre Glückwünsche darbringen dem berühmte« Staatsmann und Europäer, der Masaryk auch für sie ist! Vom Rundfunk Die Zahl der Sender auf der ganze« Welt. Rach den letzten Angaben sind derzeit auf der ganzen Welt 8 6.7 00 Funksender in Betrieb. Davon sind rund 28.000 Schiffs- und Flugzeugsender und 7900 Landstationen. Unter diesen befinden sich 1448Rund- funksender.— Dies bedeutet, daß die Rundfunksender nur einen geringen Teil des heu- tigen Sendewesens bilden. Von den Sendern, die nicht für den Rundfunk bestimmt sind, dienen 20.900 für den Funkverkehr auf See, 2100 für den Luftverkehr und 3800 für den Verkehr auf dem Festlande. Weiters werden 6831 Funkpeiler für Schiffe und Flugzeuge und 484 Funkbaken gezählt.— Man erhält einen Begriff von der Bedeutung des neuzeitlichen drahtlosen Verkehrs, wenn man sich vor Augen hält, daß u. a. der schwe, dische Handelssender in Grimmiton jährlich nicht weniger als 3.8 Millionen Worte überträgt. Neuer reichsdeutscher Sender an der Grenze. Die deutsche Reichspost errichtet einen Zwischensender in Reichenbach in der Oberlausitz. Der Sender wird eine Tagesleistung 5 kW und eine Abendleistung von 2 kW haben und dürfte deshalb in Nord, böhmen ausgezeichnet zu empfangen sein. Der Sender Reichenbach ist bereits im Bau. Wellcnlängenändrrungen englischer Rund- fnnksender. Am 17. Feber haben folgende sechs englische Rundfunksender ihre Wellenlänge geändert(In Klammern die bisherigen Wellenlängen).: North National 296,2 m, 1013 kHz(261.1 — 1149), Midland Regional 391.1 m, 767 kHz (296.2— 1013), Scottisch Regional 373.1 m, 1804 kHz(891.1— 767), West Regional 307,1 m, 977 kHz(373.1— 804), Belfast 267.4 m, 1122 kHz(307.1— 977), Newcastle 209.9 m, 1429 kHz(267.4— 1122). Die anderen englischen Rundfunksender behalten ihre jetzige Wellenlänge. Gleichzeitig mit diesen Aenderüngen ist der Sender Midland Regional von Daventry nach Droitwich verlegt worden. Empfehlenswertes ans de« Programme«: M-ntag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsch« Nachrichten. 12.10 Ouvertüren auf Schallplatten. 12.35 MittagS- konzert. 13.35 Arbeitsmarkt. 16.55 Kinderstunde. 17.35 Donizetti: Arie aus.La Favorita". 17.40 Duos für Violine und Klavier. 18.15 Deutsche Sendung: Arch. Dr. Wenzel: Richtlinien zum Bäderbau. 18.35 Fachlehrer Thöner: Der Rundfunk als Mittel der öffentlichen Bildungspflege. 18.50 Deutsche Presse. 21.25 Orchesterkonzert.— Sender St-: 14.40 Lieder russischer Komponisten. 15.05 Deutsche Sendung: Dr. Wodak: Ueder Nasen- und Ohrenkorrekturen. 15.20 Schallplatte»: Dvokak. 15.35 Deutsche Presse-— Brünn: 12.10 Arbeitsmarkt. 17.45 Deutsche Sendung: O, diese Filmstars, heiteres Hörspiel.— Mähr.'Ostrau: 18.15 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Ewald Schild: Großkraftwerk Wiese beginnt zu arbeiten.— Kascha»: 15.55 Orchesterkonzert. Dienstag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 11.05 Deutscher Schulfunk. 12.10 Unterhaltungsmusik. 16.45 Jugendstunde. 18.15 Deutsche Sendung: Edwin Janetschek: Zur 80. Wiederkehr des Geburtstages von Rückauf. 19.10 Jazz» orchrsterkonzert. 21.05 Liederkonzert. 21.25 Konzert des Ondrikek-QuartettS. 22.15 Tanzmusik.— Sender St.: 15.00 Deutsche Sendung. 15.15 Lieder.— Brünn: 10.15 Salonquartett. 17.05 Vlasta Bnrian auf Schallplatte». 17-50 Deutsche Arbeiters« n- tung: Sozialinformattonen: Mitzi Kahav: Jnter- nationaler Frauentag.— Preßburg: 20.25 Populäres Konzert, Tagcsnculgkcltcn Mandelblüte im Schnee Rom. Die neue und für Italien um diese Jahreszeit ungewöhnliche Kältewelle hat nach den Regengüssen der letzten Zeit weit nach Süditalien hinein ganz unerwartet noch einmal Schneefall gebracht. Der Vesuv und die Höhen um den Golf von Neapel liegen imSchnee, während in den Niederungen die Mandel,bäume i n B l ü t e stehen. In der Nacht kam es m Neapel selbst zu leichten Schneefällen. Auf den Gebirgszügen Mittel- und Süd-Italiens ist überall ausgiebig Neuschnee gefallen. Von Süd-Italien werden besonders aus den Provinzen Bari und Tarent Schneefälle gemeldet. Der heftige Frost in Jugoflawien. dauert an. Samstag vormittags wurden in Ban« jaluka 23, in Baranja 20 Grad unter Null abgelesen. Tiefer Schnee im Gesenke Olmütz. Auch Samstag schneite es im Ge« senke und bei hefttgem Wind bildeten sich große Schneewehen, so daß die Mehrzahl der Bergstraßen unfahrbar geworden ist. Auf den Berghängen liegt der Schnee bis zwei Meter hoch. Wegen starker Schneewehen ist Samstag auf der Strecke Namsau—Spornhau im Kilometer 18.05 der Zug Nr. 1053 stecken geblieben. Der Zug wurde vollkommen verweht und kann nur in mehreren Teilen in die Kachbarstatione« gebracht wetten. Ein Pfarrer von seiner Haushälterin ermordet Paris. Einem ungewöhnlichen Verbrechen ist der Ortsgeistliche von M a i c y bei Melon zum Opfer gefallen. Er wurde am Freitag früh mit durchschnittener Kehle tot in seinem Bett aufgefunden. Als Täterin konnte seine langjährige Haushälterin ermittelt werden, die sich nach vollbrachter Tat im Treppenhaus erhängt hat. Ueber die Beweggründe werden allerlei Vermutungen geäußert. Man behauptet, dah die Täterin schon lange Zeit infolge schwerer Schicksalsschläge an Schwermut gelttten hat. Der Erzbischof auf der Polizeiwachstube Mexiko. Erzbischof Diaz ist am Donnerstag verhaftet und dann gegen Bezcchlung einer Geldstrafe Freitag mittags mit seinen Begleitern wieder freigelaffen worden Der Erzbischof war deshalb von der Polizei angehalten worden, weil er mit einer Gruppe von Gläubigen an einem unerlaubten Ort einen Gottesdienst abgehalten hatte» wobei er das Priester-Ornat am Leibe trug. Der Erzbischof war genöttgt, die ganze Nacht über auf der Polizeiwachstube zu verbringen. Der Erzbischof und seine Begleiter wurden dem Unterstaatssekretär des Innenministeriums vorgeführt, der die Geistlichen verwarnte. „Der Stteste Pflug der Wett" Hannover. Museumsdirektor Dr. Jacob übergab am Freitag Abend den ältesten Pflug dec Welt, der aus der Zeit 3400 v. Ehr. stammt, also ü b e r 5 0 0 0 I a h r e alt ist, der Oeffentlichkeit. Er wurde vor einigen Jahren im Kreise Aurich beim Torfstechen gefunden und durch den Lehrer Kettler in Georgsfeld geborgen. Er war vollständig in dem„schwarzen Torf" dem älteren Bleich- Moos-Torf, eingebettet, der an dieser Stelle 90 Zentimeter mächtig ist. Wegen der Einzigartigkeit des Fundes und wegen seiner großen Bedeutung für die deutsche Vorgeschichte wurde er dem Lan- deSmuseum in Hannover überwiesen, wo er jetzt nach jahrelanger fachmännischer Behandlung in einem großen Schaukasten ausgestellt wird. Musik aus Moskau nach Buenos AireS Moskau. Dieser Tage wurde hier der Versuch der Uebertragung von Musik aus Moskau nach Buenos Aires durchgeführt. Trotz einer Entfernung von 1 0.0 00Kilometer war die Sen-, düng sehrgutzu hören. «r. SS Sonntag, 10. März 1935 Sette 5 Dersichernngspokizze« für Staatsoberhäupter. Der König von Siam hat kürzlich auf seinen Thron verzichtet. Als Seine Majestät den Hermelin von den Schultern nahm, bestürmten ihn die Minister, doch auf seinem Posten auszuhar- , ren. Aber der König lächelte nur verbindlich und sagte:»Kein, meine Herren, auch Könige müssen f'’ Opfer bringen—I* Schwere Opfer sogar. Der kluge Mann baut vor und so hatte der Siamesenkönig sich bereits vor einer Reihe von Jahren bei . mehreren englischen und französischen Versicherungsgesellschaften gegen Thronverlust vcrsichert... Nun müssen die Genas führ- ten dem gerissenen Spekulanten jährlich 40.000 Dollar auszahlen. Ohne Zweifel ein originelles Geschäft—-: Majestäten, die mit ihrer Krone an die Börse gehen, königliche Schieber, die die Versicherungsgesellschaften übers Ohr hauen, wett geschickter, weil nicht straftechtlich belangbar, als es jene phantasielosen Teufel tun, die ihre hochversicherten Häuser selbst in Brand stecken... Aber vielleicht steht der findige Siamese nicht allein. Vielleicht haben sich die Diktatoren zum Beispiel längst gegen Machtverlust versichern lassen! Ob sich Herr Mussolini demnächst selbst stürzt, um in den Genuß seiner Versicherungs- rente zu kommen—?! Ob wohl die Gesellschaften leichtsinnig genug waren, dem»Führer" und seinem Brandmeister auf ihre Diktatureinlage hin einen Fonds für die Zukunft sicherzustellen?! Und der arme Schuschnigg schließlich—I Wer weiß, wie lange er schön vergeblich bei Versiche- rungsgesellschasten anklopft. Gefecht mit Schmuggler«. Aus Mulden wird gemeldet: In-er Nacht vom 7.-auf den 8. März versuchte eine Gruppe von Schmugglern in Ningkow(Newzhang) zu landen; sie wurden aber von der Zollwache überrascht. Es kam zu einem Feuergefecht, bei dem vierZollbeamtege- tötet und fünf verletzt wurden. Ein Schmugglerboot kenterte, das nach Mitteilung der Polizei 15 Tote und Berwun» b'c te an Bord hatte. Zwei Boote der Zollpolizei gingen in See und konnten neun Schmuggler gefangen nehmen. Ei« tüchtiger Prophet. Aus L i v o r n e wird Gemeldet: Der durch seine Voraussagen seismischer Erschütterungen bekannte italienische Meteorolog und Astronom Raffaele B e n e n d i teilte jetzt mit, daß es ihm gelungen sei, hinter der Bahn des Neptun vier große»Planetarmassen" zu entdck- ken, von denen er die beiden ersten zu Ehren des italienischen Königs und des Ministerpräsidenten Mussolini Rex und Dux benannte. Auf der Eisenbahnstrecke Lötzen—Johannisburg(Ostpreußen) ereignete sich am Samstag ein schweres Unglück. Auf dem unbeschra nb ten Bahnübergang bei Upalten fuhr ein PersonenzUg in eine den Uebergang passierende Lastkraftwagen-Kolonne der Reichs» w s h r. Hierbei wurde der letzte Wagen der Kolonne vom Zuge erfaßt und vollständig zertrümmert. Ein Soldat wurde getötet, vier jchtver und sechs leicht verletzt. In einem Benzinlager in Alcanena '(Portugal) ereignete sich Freitag abends eine gewaltige Explosion. Ein Mann wurde auf der Stelle getötet, acht wettere liegen im Sterben. Betrug an Blinden. Das K l a r's ch e BI i n- den-Jnstitut in Prag IIL am Klärov, macht Gönner und Wohltäter zu wiederholten Malen aufmerksam, daß es keine Sammler beschäftigt» die berechtigt wären, was immer zu Gunsten dieses Institutes zu verkaufen oder Beiträge einzuheben. Da dem Jnstttut aus verschiedenen Orten der Republik gemeldet worden ist, daß b e t r ü g e rische Sammler abermals in der Provinz ihr Unwesen treiben, ersucht das Institut, jeden solchen Sammler der nächsten Gen darmerie-Station zur Anzeige zu bringen. Geschenke mögen der Anstalt direkt zugcsendet werden. In einem Flughafen von Mazatlan im mexikanischen Staate Sinalca brach ein Brand aus, der den ganzen Flughafen zerstörte. Drei Flugzeuge sind mit verbrannt. Schwammerl« und WahlauSsichtm. Die schwedische Hauptstadt Stockholm steht vor der Neuwahl des Stadtparlaments, Plötzlich durcheilen Beauftragte die Stadt, um von den Wahlplakaten der Konservativen einen Streifen unten abzureihen, auf dem— glücklicherweise als letzter— Kandidat der Baron Leuhusen stand. Inzwischen war nämlich pblizeilich festgestellt worden, daß in den umfangreichen Kellern des Ritterschaftshauses, dessen Leiter der Herr Baron war,«ine gewalttge Champignonzucht betrieben wurde, deren Erttäge einer gleichfalls von diesem Baron geleiteten Gesellschaft, d. h. ihm selbst, zufloffen. Außerdem ergab sich, daß ein Wohlfahrtsfonds des Adels, den Baron Leuhusen verwaltete, schon gar nicht mehr intakt war. Deshalb nahm sich die Polizei des Herrn Adelsdirektors an und ebenso schnell entfernten die Konservativen ihn von ihrer Kandidatenliste. Mehr als 7l)00 Glückwunschtelegramme trafen anläßlich des 85. Geburtstages des Staatspräsidenten ein, hievon mehr als vier Fünftel auf den g e s ch mü ckten Tele- grammblanketten. Hieraus ist ersichtlich, daß sich das Publikum bereits an diese wirksame Art des Glückwunsches gewöhnt. Glückwunschtelegramme bis zu 20 Worten kosten bloß 2 K£, und über Wunsch des Absenders wird das Telegramm dem Adressaten bei einer Zuzahlung von 3 KL auf einem mit einem Bilde geschmückten Blankett und in einem geschmackvollen Kuvert eingehändigt. Der Absender schreibt einfach vor die Adresse:„— XLT LX■—". (Vom Ministerium für Post« und Telegraphenwesen). Unternehmer, Gewerbetreibende, Handelsund Gewerbekammern und viele andere reaktionäre Körperschaften haben im trauten Verein mit der kommunistischen Presse geradezu ein T r o m- melfeuer gegen die von der Regierung geplanten und von der Sozialdemokratie befürwortete Verkürzung der Arbeitszeit eröffnet. Der Arbeitgeberausschuß des Jndustriellenverbandes, der offenbar für tausend Kronen täglich von Herr«, Prof. Hodäc, einem der Protektoren des gelben„Närodni sdruzeni" beraten wird, hat sich sogar zu der Drohung verstiegen, daß die Unternehmer bei Einführung der 40-Stundenwoche weniger Arbeiter beschäftigen würden als heute. Mit welchen Methoden nun die Unternehmer gegen die Verkürzung der Arbeitszeit Stim- i Mung machen wollen, erweist am Lösten ein Schreiben der Zentrale der Kupferwerke Böhmen, welche ein großes Werk in Pömmerle bei Aussig und ein zweites in Kamenice bei Prag besitzen, das zwar vorsichtshalber an die vertragschließenden Orga- nisationen der Metallarbeiter geschickt wurde, wobei aber gleichzeitig angekündigt wurde, daß man seinen Inhalt der Arbeiterschaft direkt zur Kenntnis bringen werde. In diesem Schreiben heißt es nach der einleitenden Bemerkung, daß die zwangsweise Einführung der 40-Stundenwoche für die Arbeiterschaft eine bedeutende Schmälerung ihrer Wochenverdienste bringe. VH. Deutscher Juristentag. Der VH. Deutsche Juristentag findet zu Pfingsten dieses Jahres, 7, vis 10. Juni in G a b l o n z a. R, statt. Das wissenschaftliche Programm der Tagung wurde wie folgt endgültig festgesetzt: 1. Welche Maßnahmen sind aus dem Gebiete d«S öffentlichen und des Privatrechtes notwendig, um' den Grundsatz des Schutzes erworbener Rechte dauernd in Geltung zu bringen? Gutachter: Univ.-Prof. Dr. Rudolf Sch r a n i l-Prag und Univ.-Prof. Dr. Ernst S w o b o d a-Prag. Referenten: Univ.-Prof. Dr. Ulrich S ch e u n e r- Jena und Rechtsanwalt Dr. Ewald Stet n-Prag. 2. Inwiefern empfiehlt sich eine Reform des bäuerlichen Erbrechtes? Gutachter: Univ.-Prof. Dr. Franz G s ch n i tz e r-Innsbruck; Referent: Rechtsanwalt Dr. Georg Saffer t-Karlsbad. 8. Die strafrechtliche Behandlung des Täters auS UeberzeuguNg. Gutachter: Prof. Dr. Theodor Rittle r-JnnS- bruck; Referenten: StaatSrat Generalprokurator Dr. Robert Winterstei n-Wien und Univ.- Prof. Dr. Edgar F o l t i n-Prag. 4. Reform der Obersten Verwaltungsgerichtsbarkeit, insbesondere durch Sicherung des Vollzuges der Erkenntnisse. Gutachter: Senatspräsident i. R. des österreichischen Verwaltungsgerichtshofes Dr. Egbert Männliche r«Wien; Referent: Privatdozent Dr. Franz Adle r-Prag. 5. Reform des Gefällsstrafrechtes, Gutachter: Ministerialrat im österreichischen Bundesministerium der Finanzen Dr. Osk. Manuel« Wien; Referent: Finanzrat Dr. Ernst Bauer- Prag. 6. Neue Formen der Kreditsicherung(das Schuldbuch). Gutachter: Univ.-Prof. Dr. Friedrich Kl au s i n g-Frankfurt a. M.; Referent: Dr. Armin Spitaler, Sekretärstellvertreter der HandelÄammer in Reichenberg. Auskünfte erteilt das Generalsekretariat, Prag I., Abgeordnetenhaus. Wahrscheinliches Wetter von heute: Andauern des winterlichen Wetters, bei allmählich abflauendem Nordost- bis Ostwind. Wechselnde, im allgemeinen abnehmende Bewölkung, namentlich in den westlichen Ländern stellenweise strenger Nachtfrost.— Wetteraussichtenfür Montag: Vielfach heiter, starke Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht. Ziemlich ruhig. „Es ist uns immerhin gelungen, für einzelne Abteilungen, wenigstens zeitweise, eine 5« und 6schichtige Beschäftigung zu verschaffen, was zum größten Teil durch Hereinnahme von Aufträgen erreicht wurde, die infolge niedriger Preis« für uns absolut verlustbringend sind, so z. B. die Kupferronden für die Türkei, Bierkantmessingrohre für Aegypten, Kupfer« und Eisen» walzdraht-Aufträge u. a. Nichtsdestoweniger be- müven wir uns weiter, Exportgeschäfte zu machen, damit unsere Arbeiterschaft in ihrer Arbeitszeit nicht unter ein erträgliches Maß verkürzt wird. . Diese künstliche Erhöhung deS Arbeitspensums hat auch ihre Vorteile für die Professio- nisten-Abteilungen, welchen wir dadurch eine Stägige, in letzter Zett sogar Ltägige Arbeitswoche verschaffen konnten. Tollten wir durch daS Gesetz zur 40-Tttm- denwoche gezwungen werden, so würden wir vor allem auf die Exportgeschäfte verzichten und die Hereinnahme von Aufträgen so regulieren müssen, daß wir die Arbeitszeit mit der gesetzlichen Vorschrift von 40 Stunden pro Woche in Einklang bringen würden. Eine Neuaufnahme von Arbeitslosen bei Einführung der 40-Stundenw»ch« ist bei einem Betrieb wie dem«usrigrn» ausgeschlossen, da die Voraussetzungen in unserem Maschinenpark hiezu nicht gegeben sind. Die Kupferwerke Böhmen können eine größere Leistung auf den gegebenen Maschinen nu in einer verlängerten ArbeitSzett bewältigen, nicht aber- etwa durch Auffüllung . neuer Maschinen. Bei der Eigenart der Erzeugung, deren Oekonomie auch durch möglichst langdauernde Ausnützung der in Hitze befindlichen Oefen bedingt ist, müssten wir bei ZwangSeinfüh» rung der 40-Stundenwoche dir Erzeugung ausschliesslich auf Inlandsbedarf. reduzieren und jeden direkten Export und jede Förderung des indirekte» Exportes durch Nachlässe unterlassen. TS ist' für unS klar, daß di« Anpassung der Arbeitseinteilung an di« 40-Stundenwoche für unsere Arbeiter eine schwere Einbuße bedeuten wird und glauben wir, daß man die Organisationen der Arbeiterschaft dazu bringen kann, daß sie das Schicksal der mit- Arbettsmöglichkett versorgte» organisierten Arbeiter nicht durch eine Maßnahme gefährden, welche nichts anderes ist als»in Wahlmanöver mit der vagen Aussicht auf Gewinnung von neuen Anhänger« aus ArbeitS- losenkreife«." In diesem Schreiben, welches das Diktatvermerk Präs. By. trägt, wird also unverhüllt erklärt, daß man bei Einführung der 40-Stundenwoche auf den Export verzichten und trotz der Verkürzung der Arbeitszeit keine neuen Arbeiter aufnehmen, mit anderen Worten, die Regie r u n g s m a ß n a h m e n sabotieren werde. Oh sich die Herrschaften, eine solche Drohung beispielsweise im Dritten Reich erlauben würden, darf wohl bezweifelt werden. Sachlich sind die Einwendungen, welche hier gegen die Verkürzung der Arbeitszeit vorgebracht werden, derart fadenscheinig, daß man sich schon wundern muß, wenn sie ein technisch und organisatorisch vorgebildeter Mann, wie es der gegen- toärtige Präsident der Kupferwerke Böhmen, Herr Jng. Herbert Bondy, zweifellos ist, brieflich niederlegt. Herr Bondy hat bisher sein Gewissen nie beschwert gefühlt, wenn er die Arbeiter stark verkürzt arbeiten ließ, ohne ihnen dabei auch nur die geringste Erleichterung zu schaffen. Herr Bondy hat auch keine Gewissensbisse gefühlt, als er im Dezember 1933, gerade vor Weihnachten, durch die Drohung mit der Betriebseinstellung einen Lohn- und Verdienstabbau erzwang, durch welchen eine Berdienstkür- zung von ra. 35 Prozent herbeigeführt wurde. Run aber erwacht plötzlich in ihm das soziale Gewissen, wenn man eine gesetzliche Beschränkung der Arbeitszeit herbeiführen will und er ruft die Arbeiter gegen die bösen GewerkschastSorgani« sationen zu Hilfe, die nach seiner, der Herr« Bondy, Auffassung, mit der Verkürzung der Arbeitszeit nur ein Wahlmanöver mit der vage« Aussicht auf Gewinnung von neuen Anhänger:» aus Arbeitslosenkreisen bezwecken. Zu dieser Impertinenz berechtigt den Herrn Bondy gar nichts und eS ist Sache der Regierung, welche die Arbeitszeitverkürzung wiederholt als» ein Mittel zur Linderung der Arbeitslosigkeit erklärt hat und dies auch durch ihre Vertreter im Inter« nationalen Arbeitsamt offiziell feftstellen ließ, wie sic auf die sehr noblen„Argumente" dieses noch etwas jungen WirtschastSführerS reagiere« will. Aber man darf den-Herrn Bondy vielleicht daran erinnern, daß er bei verschiedenen Besprechungen der Meinung Ausdruck gab, daß kein Ausweg aus der Wirtschaftskrise gefunden werden kann, solange nicht eine erhebliche Verkürzung der Arbeitszeit eintritt» wobei er sogar von 24 Stunden sprach. Und nun erschreckt ihn, sobald es um seinen eigenen Betrieb geht: schon die Aussicht auf eine Arbeitszeitverkürzung auf 40 Stunden derart, daß er das ganz ungewöhnliche Mittel der'Aufhetzung der Arbeiter gegen ihre eigenen Organisationen in Anwendung bringen muß, um die drohende Gefahr abzuwenden. Die Logik mancher Herren ist eben sehmerkwürdig und ihre Begriffe von Ricklesse und Fairneß nicht minder. Eine Provokation Unternehmer wollen die 40-Stundenwoche sabotieren Da» Windmiihlen- Flugzeug Eine Umwälzung im Flugwesen hat vor kurzem begonnen. Diesmal keine überraschende Neuerung, sondern ein seit Jahren erwarteter technischer Fortschritt, den die Fachleute ebenso kommen sahen wie vor vierzig bis dreißig Jahren die allmÄliche Entwicklung des Flugzeuges von seinen Anfängen bis zur Lebensfähigkeit— von Lilienthal bis Bstttot. Heute erwartet man die technische Geburt desjenigen Flugzeuges, das ganz steil abfliegen und landen kann, also keiner großen Start« und Landungsfläche bedarf. Die Geburt scheint bereits vollzogen zu sein, das Windmühlenflugzeug, auch Autogiro oder Tragschrauber genannt, scheint seine erste lebensfähige Gestalt gewonnen zu haben. Bei der internationalen Verknüpfung des Erfinder« und Rüstungswesens ist es nicht erstaunlich, daß die Nachrichten aus mehreren Ländern fast gleichzettig kommen. Vor etwa einem Jahre meldeten englische Zeitungen, das Luftministerium habe zehn Windmühlenflugzeuge in Auftrag gegeben. Sie sollten probeweise bei den Uebungen der Luftflotte mit- derwendet werden und seien als Aufklärungsapparate besonders geeignet, weil sie die Geschwin- digkett auf 24 Kilometer je Stunde herabsetzen können, während die Höchstgeschwindigkeit mit 184 Kilometer je Stunde vergleichsweise gering sei.— Die neuen Flugzeuge besitzen langarmige Pr-> peller, die nicht vorne in lotrechter Mene, sondern über dem Apparat wagrecht kreisen. Die Vorteile der sehr kurzen Start« und Landungsfläche und der BerlangssamungSfähigkttt sind nach seitherigen Meldungen sehr gesteigert worden. Im August teilte die militärische Fachpresse mit, England habe einige mit Schwimmvorrichtungen versehene Autogiros bestellt; infolge ihrer Fähigkeit deS langsamen Landens seien sie imstande, auf den Landedocks(eingebauten Wasserbecken) der Flugzeugmutterschiffe an- und von dott abzufahren. Im Jänner dieses Jahres brachten dann reichsdeutsche Blätter die ersten Meldungen über die Einführung der Erfindung in das deutsche Flugwesen. Eine Bremer Firma Labe das Patent eines spanischen Fliegers erworben; die Meldungen über die Leistungen deS neuen Typs sind bei aller Reserve den Nachrichten gegenüber, die der deutsche Propagandadienst ausnahmsweise durchläßt, beachtens- wert. Danach zeigt daS neue Flugzeug eine erstaunliche Manövrierfähigkett, es könne knapp über dem Landungsplatz in der Luft stehen bleiben und man machte z. B. den Versuch, Werkzeuge in einer Seilschlinge unter das Flugzeug zu hängen und sie, während es in der Lust schwebte, abzunehmen und wieder einzuhängen. Ebenfalls im Jänner wurde aus der Schweiz gemeldet, man mache dott Versuche mit einem Windmühlcnflugzcug, nicht bloß wegen der San» dungSmöglichkeit im alpinen Terrain, sondern man erachte eS bereits für geeigntt zum Bombenabwurf.— Aus Italien wurde im Feber gemeldet, eS wurden Versuche mit Tragschraubern gemacht, welche keine besonderen Flugzeug-Mutterschiffe mehr benötigen, sondern auf gewöhnlichen Schiffen landen und starten können, wenn nur eine Landungsfläche von zehn Mttern Durchmesser vor- berettet sei. Auch bei unS hat man das Autogiro schon gesehen. Bata hat einige Apparate angekauft und läßt sie zu Reklamezwecken über den Städten krttsen. Für Zwecke der Post sind sie in Lödon bereits in Gebrauch genommen. Und zwar spieü sich der Flugverkehr mit dem Zentralflugzeugplatz von Croydon bei London bereits so ab, daß die Post mittelst Autogiro herangebracht und auf dem flachen Dach des Hauptpostgebäudes in Mount Pleasant, einem Bezirk Londons, abgeladen wird. Die Zeitumstände bttngen eS mit sich, daß Literatur und Praxis ihr Hauptinteresse den mist« tättschen Leistungsmöglichkeiten der Erfindung zuwenden. Da ist eS von besonderer Bedeutung, daß das neue Flugzeug auf jedem kleinen, nicht besonders eingeebneten, freien Platze landen und von dort aufsteigen kann. DaS ist für Jagd- (Schlacht-) und Bombenflugzeuge gleich wichtig, sittlich erst für den Zeitpunkt, wo das Windmühlenflugzeug, hinsichtlich Gttchwindigkeit, Reichweite und Tragfähigkeit konkurrenzfähig sein wird. Eine englische Meldung bttagt, daß bereits Autogiros für zwei Mann konstruiert wurden; man vergleiche damtt das größte Flugzeug»Maxim Gorki", von dem Rußland eine Tragkraft für 75 Passagiere meldet. Tragfähigkeit für Bomben, Aktionsradius usw. wurden von dem neuen Typ noch gar nicht bekanntgegeben. Aber es kann bald die Zeit kommen, wo man auch für große Kampf-1 flugzeuge keine besonderen Flugzeug-Mutterschiffe I mehr braucht, und die Japaner werden ihre be-t mannten Torpedos, in deren Jnnerm ein todge- weihter Matrose die Richtung auf daS todgeweiht« Schiff zu gibt, gegen jedes feindliche Schiff richten müssen, das der Beherbergung von Flugzeugen verdächtig ist.— Neue Nahrung bekommt auch der kühnste Plan der Lust-Strategie: der Gedanke, Truppen aus Flugzeugen hinterderfeind- l 1 ch e n Front zu landen. Die Schwiettgkeit des Landen- im feindlichen Gebiet war bis nun das Haupthindernis de» Planes, daher die großzügigen Bettuch« der vereinigten Staaten, Gruppen von Soldaten und Maschinengewehre mittelst Fallschirmen zu landen! Also im Rücken de» Feindes, ohne gleichwertige Ausrüstung und ohne Möglichkett des Wiederaufstiegs. Hier kann das Autogiro Epoche machen, bis es in hinreichender Größe und Zahl vorhanden ist. Werden die Flugzeuge der bishettgen Bau» weisen, zu höchster technischer Leistung entwickelt — etwa daS deutsche Passagierflugzeug»He 70", daS den»Blitzverkehr" Stuttgart—Brasilien und zurück in dreieinhalb Tagen durchfühtte, und daS leicht in ein Kampfflugzeug verwandest werden kann— werden all diese deutschen, französischen, russischen höchstwettigen Maschinen in Kürze zum »alten Humanismus" gehören? Diese Frage macht offenbar den Herren der ÄufrüstungSindustrie wenig Sorge; einstweilen werden noch dieser Apparate genug hergestellt, und werden sie von den neuen technisch eingeholt, dann un so besser. Die geduldigen Völker werden schon alle» bezahlen; am geduldigsten in den autoritär regierten Maaten— denn da müssen sie es nicht einmal erfahren. E. B. Seite 6 Sonntag. 10. März 1935 Nr. 59 «mm neuen Mantel oder ein Complal denn kommen Sie iu Bitsch I•.. »*» wenn Sie ein neue« Kleid brauchen... Jeden Nachmittag(euher Sonntag) führen reisende Mannequins in einem intimen Kaum, ungestört durch den Verkauf, die neuesten Modelle vor. Joderseil switchen vier fünf können Sie kommen, selbstverständlich i>l der Eintritt Ir'et und selbstverslandlich gibt es k e i n e n. IC• u I z w• n gl täusch PRAG, PfilKOFY 27 Eingang nur innen ins Heute, Im l Steck Zwei Geschichten . von Spielautomaten Von Arthur Fuld. Gegen die feine Mechanik der Geldspiel- automaten in den Gaststätten Prags sollen hier keine schweren Steine von Muckertum und Zelotismus geschleudert werden. Wer überflüssiges Geld hat, mags los werden in voller demokratischer Freiheit. Daß aber auch zahllose, keineswegs überflüssige Kronenstücke auf dem Altar der„Geschicklichkeit und des Glückes" geopfert werden, möchte ich denen, die es angeht, mit zwei kleinen, aber leider wahren Geschichten beweisen. I. In einem Kaffeehause im zwölften Bezirk bereinigen sich alle Tage so zwei Dutzend Hausfrauen, um ihre WirtschastSsorgen beim Bridge abzureagieren. „Geht Sie gar nicht- anl", werden diese zwei Dutzend Hausftauen entrüstet ausrufen. Bestimmt nichts, meine Damen. Ob Sie jeden Tag 80 XL verlieren oder 500 gewinnen, ist höch- ftens Ihrer Wirtschaftskasse nicht alles eins, mir schon. Ich will mich nicht davon sprechen, sondern von dem, was ich nebenbei sah. Meine Damen, man fiehtS Ihnen ja doch an, daß Sie von Ihren Gatten um einige Händevoll weniger Wirt- schastskasse bekommen, als, sagen wir, Frau Banderbilt. Und man siehtS Ihnen auch an, daß Ihre Gatten keine Oelmagnaten, sondern nur kleine und noch kleinere Kaufleute, Beamte oder Vertreter sind l Und aus diesem Gesichtswinkel betrachtet, spielen Sie, meine Damen,— zu hoch! Nicht wahr. Sie beginnen Ihre Partie mit ungefähr 10 bis 20 Kronen„Kapital". Daß Sie gerne mit 40 oder noch mehr Kronen aufhören , wollen, brauchen Sie nicht erst beschwören. Nun, wie eS manchmal so kommt, sind Sie bereits am Ende der ersten halben Stunde, wie man in Ihren Kreisen sagt,„pleite". Was machen Sie dann? Sie wissen es ja und zum Nutz und Frommen derer, die es noch nicht wissen, will ich es jetzt verraten. Sie borgen sich rasch von Ihren Partnerinnen ein paar Kronenstücke und versuchen Mr Glück bei dem metallenen„Monte Carlo" nächst der Eingangstüre deS Kaffees. Hierzulande heißt es„Triax" und auch anders. Manchmal gelingt's ja und Sie kehren freudestrahlend an den Bridgetisch zurück, um dann in der nächsten Viertelstunde auch Ihrerseits einer bedrängten Partnerin mit ein paar Kronenstücken auszuhelfen. Wenn aber weder die Karten, noch der „Triax" wollen, dann spielen Sie eben zu Lasten Ihres Wirtschaftskontos weiter. Wie beteuert, ich bin kein„Meckerer", aber — wenn der„Triax" nicht in gar so verlockender Näh« stünde, dann würden Sie, meine Damen, ihren Rubber„standesgemäß" zu 80 Hellern und nicht zu 5 Kronen spielen und Ihr Wirtschaftsbuch und mein soziales Gewissen wären— beruhigt. Denn immerhin, 8 Kronen sind ungefähr drei Liter Milch und in ein paar hundert Meter Entfernung von dem Geldspielautomaten zerbrechen sich sozial denkende Männer den Kopf, woher sie Milch für hungernde Arbeitslosenkinder nehmen sollen. II. „Jugend hat keine Tugend". Braucht sie auch nicht, nur ein bißchen weniger Gelegenheit» leichtsinnig zu werden. Sitzen da eines schönen wochentags drei junge Herren von zusammen höchstens funfundfünfzig Jahren beim„Schwarzen". Wir sind eben im achten Krisenwinter und draußen ist's kalt. Da plötzlich bekommt einer von den Dreien den Einfall, der arbeitslosenmäßig mageren Geldbörse beim Geldspielautomaten zu etwas mehr Rundung zu verhelfen. Der blonde Achtzehnjährige ist nicht der Antonius von Padua, aber der verfluchte Geldspielautomat um so mehr die„Versuchung". Die anderen zwei konnten in die im Handumdrehen gegründete Interessengemeinschaft nur je eine Krone einzahlen. Drei Würfe, drei Nieten. Ja, die Frau Fortuna, so alt sie ist, läßt sich auch von einem blonden Achtzehnjährigen nicht erobern, wenn sie nicht will. Doch vielleicht gelingt der vierte Wurf. Um den zu ermöglichen, belehnt der Kellner eine silberne oder vielleicht nur versilberte Uhr rasch mit fünf Kronen. Um es kurz zu machen: Auch die 5 Kronen und drei weitere geliehene sind bald den Weg der früher verspielten gegangen. Und der Junge wird seine Uhr wieder wollen und der Ober sein Geld. Das ist doch nur in Ordnung. Nicht, in Ordnung aber wäre, wenn der Junge, dem man die Stellenlosigkeit auf hundert Schritte ansieht, wegen des Geldes auf irgendeinen dummen Gedanken käme. Und wenn eine solche„Alltagstragödie", doch, wenn auch vielleicht erst in Pankraz, ein nicht sehr versöhnliches Ende fände, darüber lassen Sie, sehr verehrter Herr Geldspielautomatenunternehmer, sich bestimmt kein graues Haar wachsen. Vom Prager RnndiunK Selten sind di« Ereignisse, die all die hastenden und drängenden Strömungen des Lebens zum Stehen bringen— für Augenblicke des Besinnens und der Einkehr. Ein solches Ereignis war der 85. Geburtstag des Staatspräsidenten Thomas G. M a s a- r h k. Wo immer noch der Wille geneigt ist, über Alltägliches und Vergängliches hinweg einen nicht nur im Augenblick erkennbaren Sinn des Lebens im sittlichen Gebrauch der Kräfte zu suchen... dort beugten sich Völker und Staaten vor der ehrfurchtgebietenden Gestalt dieses wahrhaft großen Menschen, der als wissenschaftlicher Forscher von Weltruf, als treuer Führer seines Volkes, als weiser Lenker eines Staatswesens, als unerschrockener Kämpfer für Wahrheft, vor allem aber als Heros eines ethischen Bekennermutes einmalig ist in einem weiten Raume der Geschichte aller Völker.— Es ist nur selbstverständlich, daß auch der Rundfunk die schönste Aufgabe seines Wochenprogrammes darin sah, der würdigen Feier zu dienen. In einer Reihe von Vorträgen(Prof. Rauchberg:„Autorität und Freiheit", Dr. Moucha:„Literatur über den Präsidenten",„Lebens- und Staatsphilosophie deS Präsidenten") wurde das gewaltige Lebensiverk Masaryks lebendig gestaltet und in der zuletzt genannten Zusammenstellung öffnete sich der kostbare Schatz der aus Reden und Schriften festgehaltenen Gedanken, sprach also der Mensch, der Gelehrte und der Politiker Masaryk selbst zu den Hörern. Für die deutsche Sendung bedeutet« wohl den Höhepunkt die Ueber- tragung aus dem VolksbWu'ngshäuse Urania am 7. März. Di« vom Chore der deutschen LehrerbildungS- anstalt gesungene Hymne„Die Himmel rühmen" leitete die Feier ein, die einen Kranz musikalischer Borträge schlang um daS von Univ.-Prof. Dr. Oskar KrauS gefügte Bild des Philosophen Masaryk. Die solistischen, Mitwirkenden, Konzertsängerin Wally Horner und das Manzer-Quartett entledigten sich ihrer Aufgabe mit vornehmen künstlerischem Geschmack. Die an den Herrn Präsidenten und die Republik gerichteten Wünsche verdolmetschte Direftor Dr. Oskar Frankl. Die wiederum vom Chor der Lehrerbildungsanstalt(Leitung Prof. KrauS) gesungene Staatshymne schloß die ungemein eindrucksvolle Festfeier ab.— Neben diesen besonders bedeutsamen Sendungen wahrte der Rundfunk sein übliches Programm. Dem Gablonzer Stadttheater verdankten die um einen heiteren Ausklang der Fasching besorgten Hörer„Eine Stunde ohne Krise", ein von dem Oberspielleiter Ernst Seidl zusannnengestelltes und von den Mitgliedern des Gablonzer Stadttheaters durchgeführtes Funkpotpourri mit Orchester, Jazz, Chor und Soli. Vom.Land des Lächelns" bis zum „Feldherrnhügel" gabs da ein buntes Durcheinander, in dem sich Chopins Polonaise in Cis-Moll wohl selbst sehr selffam vorgekommen sein mag.— Dest Sonntag brachte ein poettsch sehr fein empfundenes „Scherz- und Traumspiel" von Josef Mühlber- g e r, den„G o Id e n e n K l a n in neuer Form eine Wiederkehr der Sagengestalt des Rübezahl. Am Rosenmontag vermittelte Prof. Simon eine Schau über das nordböhmisch« Faschingstteiben in alter Zeit, eine sehr lehrreiche und gern entgegengenommene Deutung so manchen heute nicht mehr verständlichen Brauches. Dem endgülttg scheidenden Prinzen Karneval gab der Rundfunk das letzte Geleite mit einem„Ballgeflüster bei Jazz". Langers Orchester und die Solisten Mela Marschner-Preis, Doff Brandmeier und Maximilian Wolf unterstanden der Conference des wihigen Viktor Heinz Fuchs. Am Wochenende skizzierte Genosse Josef Hofbauer die polittsche Augenblickslage, in der sich der Aufruhr in Griechenland, die vorläufig friedliche Lösung im Stteiffalle Italien-Abessinien, die Auflösung des ungarischen Reichstages und die Wirkung des englischen Weißbuches als besonders bedeutsame Ereignisse abheben. Die von Hofbauer ausgesprochene Hoffnung auf ftiedliche Entwicklung aller europolittschen Fragen steht mit besonderer Bedeutung am Ende der unserem Präsidenten gewidmeten Festwoche, denn nur die Demokratte im Sinne Masaryks kann die Gewähr geben für einen gerechten und vor der Geschichte auch moralisch gerechtfertigten Ausgleich aller Gegensätze. Mögen alle schönen Worte und Gedanken der Fest- akte ihre Erfüllung in diesem Sinne erfahren! Ernst T h ö n e r. Drei Eifeubahnmarder. Drei mehr als blind« Passagiere des Zuges Prag—Kolin wurden gestern verhaftet. Es handelt sich um den 28jährigen Antoni» Stiburek, den 44jährigen Josef Jirka und den 28jährigen Frantisek Studenh, sämtlich aus Hloubö- tin und überdies Nachbarn. Die Diebstähle wurden verübt, indem Stiburek sich im Zug versteckte und an vorher vereinbarten Stellen, an denen dann Jirka zu warten pflegte, Ballen mit Ware abwarf. Meist wurden Pakete mit Leder, Häuten usw. erbeutet; einmal gelang es jedoch auch, einen Radioapparat(!) unversehrt zu landen, der sogar verkauft werden konnte. Studenh ist an der ganzen Sache weniger beteiligt und sozusagen der»Verführte". Der Schaden beträgt 12.000 Kö. Richt weniger als sechs Hehler sind der Polizei gemeldet. Anfall im Laboratorium. Gestern nachmittags arbeitete der Ingenieur und Dr. chem. Josef Tos- kät im Laboratorium der tschechischen Technik in Dej- witz. Als er eine Säure kochte, platzte plötzlich das Gefäß und Dr. DoZkar erlitt durch die herausspritzende Flüssigkeit Verbrennungen zweiten und dritten Grades im Gesicht. Er wurde auf di« Klinik Prof. Sanckerger gebrächt. Bei Magenbeschwerde«, Sodbrennen, vermindertem Hungergefühl, Darmverstopfung, Druck gegen die Leber, Beklemmungen bewirkt ein GlaS natürliches„Franz-Josef"-Bitterwasser prompte Belebung der darniederliegenden Verdauung und Entgiftung des Darmkanals. Aerztlich empfohlen. vcncimsssi Merkwürdige Dienstverhältnisse Die„unsittliche" Buchhalterin (Prager Arbeitsgericht.)' Prag. Vor dem hiesigen Arbeitsgericht fand Samstag unter Vorsitz deS GR. D o l e j S eine sonderbar anmutende Verhandlung statt.' In einer Weinberger Baumeisterkanzlei war eine gewisse Marie F. als Buchhalterin mit einem Monatsgehalt von 800 Kd monatlich angestellt. Von ihrer Oualifikatton ist weiter nichts bekannt. Vor Gericht betonte sie u. a. daß sie die B r a u t des Firmenteilhabers Jng. C ch p gewesen sei. Der angebliche Brautstand schützte sie allerdings nicht davor, daß sie eines schönen Tages fristlos entlassen wurde, wobei der Dienstgeber als Kündigungs- grund Vernachlässigung ihrer Dienstobliegenheiten und ärgerniserregendes Benehmen in den Geschäftsräumen geltend machte. Die Entlassene klagte auf Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist und Bezahlung der entfallenden Zeit. Die eingeklagte Summe betrug an 4000 KL Nach dem Verlauf der Verhandlung zu schließen, hat es mit diesem Dienstverhältnis fern besonderes Bewandtnis. Die geklagte Partei wendete nebenbei ein, es handle sich in diesem Fall keineswegs um einen regulären Brautstand, sondern, juristisch iitabhöngigvon seinem körperlichen Gedeihen. Prächtig entwickeln sich Kinder jeden Alters* wenn Aufbau u. Wachstum durch die wohlschmeckende vitaminreiche Lebertran-Kraftnahrung Maltosellol auf natürliche Weise gefördert werden. MALTOSELLOL (Sprich: Malto-sellol) In Apotheken zu haben. ausgedrückt, um eine„Conjunctio earne- l i s", in schlichtem Deutsch gesagt: ein Verhältnis. In der Hauptsache aber wurde von der geklagten Firma eingewendet, daß die Klägerin ihre Dienstobliegenheiten auf- gröbste Art vernachlässigt habe, öfters bettunken ins Büro gekommen sei und sich einmal vor geschätzten Klienten höchst unanstän- stig benommen habe. Sie sei an einem Tage, wo vier Klienten der Kanzlei im Büro anwesend waren, im Kombinee durch das Büro getanzt, habe blaue Flecke an allerlei diskreten Körpertelle« der allgemeinen Bewunderung preisgegeben, kurz— ärgsten Anstoß erregt. Demnach sei die fristlose Entlassung zu Recht erfolgt. Bemerkenswert, daß sämtliche Angestellten der Firma diese Aussage bestättgten und eine sechzehnjährige Praktikantin vor Scham so außer sich geriet, daß sie davonlief. Immerhin bequemte sich die geklagte Firma zu einem Vergleich und verpflichtete sich der sonderbaren Buchhalterin 300 Ki als Ab- fertigung auszuzahlen. Jedenfalls illustriert dieser Fall die übrigens sattsam bekannte Taffache, daß in einer Zeit furchtbarster Arbeiisnot für weibliche Arbeitnehmer nicht nur die spottbillig verkaufte Arbeitskraft als Quali- fikatton gilt, sondern auch noch andere„Verdienste", in die Waagschale fallen, die freilich dem Herrn Arbeitgeber unter Umständen einige Unannehmlichkeiten bereiten. rb. Einladung zur Generalversammlung des Bezirksvereines Arbeiterfürsorge Prag am 29. März 1935,«m 8 Uhr abends im Verein deutscher Arbeiter, Emetika- gasse 27. Tagesordnung: 1. Protokollverlesung. 2. Berichte. 3. Wahlen. 4. Freie Anttäge. Einberufer: Maria Deutsch, Hilde Franzei, Vorsitzende. Kassierin. Aus der Partei Deutsche Hausgehilfinnen, Achtung! Zusammenkunft Sonntag um 4 Uh* im Parteiheim, Prag II, Rärodni tr. 4, 3. Stock. Bezirksorganisatton Prag. Donnerstag, den 14.^lärz, um 8 Uhr abends im Parteiheim, Rärodni 4. wichtige Sitzung der Bezirks» er- tretung. Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Mittwoch, den 18. März, 8 Uhr abends: Gruppenabentze: S. I. Zentrum: Lebende Zeitung: S. I. Holleschowitz: Geschichte der Arbeiterbewegung in der Tsche- choslowakischen Republik. S. I. Weinberge: Zwei Jahre Hitlerdiftatur. Freitag, den 18. März, betelligen wir uns alle am Internationalen Frauentag. Mitteilungen der»Urania« Heute halb 11 Uhr:„An der schöne« blau« Adria". Der schönste Reisefilm durch die italienischen und jugoflawischen Seebäder. Für Jugendliche geeignet.> Unvergeßliche Filme:„Liebesparade". Regie: Lubitsch. In den Haupttollen: Chevalier und Janette Mac Donald. Der schönste Film aus der ersten Zeit des Tonfilms. Montag%9 Uhr. Viktor Wittner:„Vernünftiges Bettagen". Lustige Plauderei. Mittwoch 8 Uhr. Univ-Prof. Dr. Gustav Becking:„Die deutsche Musik des Mittelalters und die Kultur des Westens" (mit musikalischen Beispielen). Donnerstag 8 Uhr. Masaryk Bottshochschnle Erperimentalvortrag über GedächtniSauSbll- dung Dr. B. Fürst. Einleitung zu einem neuen Kurs. Neuartige Experimente unter Mitwirkung früherer Hörer. Donnerstag 8 Uhr. „Führung zu Dürers„Rosenkranzfest". Sonntag, 17. d. M. 11 Ubr. Treffpunkt: Marienvlatz. Das Martyrium einer Matter Ei« unmenschlicher Trunkenbold Prag. Der 43jährige Maschinenschlosser Josef Z i z k a aus Altbunzlau ist in seiner Heimat bekannt als hemmungsloser Trunkenbold, der durch seine Trunksucht bereits auf eine kaum mehr menschlich zu nennende Stufe der Verkommenheit herabgesunken ist. Josef ZiZka war Samstag vor dem Senat N o s e k angeklagt der gefährlichen Drohung und der schweren Körperverletzung, begangen— an der eigenen Mutter. Der Angeklagte, der verheiratet ist und dessen alte Mutter gleichfalls in dem Haushalt des Ehepaares lebte, Josef ZiZka, arbeitete seit langen Jahren nicht mehr, dafür ttank er um so mehr. Da ihn' sein vernachlässigter Beruf schon lange vor Einbruch der Krise keinen Erwerb mehr abwarf, erpreßte er von seiner alten Mutter in der rabiatesten Weise Geldzuwendungen. Denn diese besaß noch ein kleines Kapital. In welcher Art der Trunkenbold seiner Mutter Geld erpreßte, davon zeugt die durch Zeugenaussagen festgestellte Taffache, daß er ihr bereits im Jahre 1931 anläßlich einer solchen Auseinandersetzung einen F a u st h i e b ins Gesicht versetzte, in dessen Folge ihr das untere Augenlid und die Tränensäcke entzündeten und sie sich einer langen Behandlung unter ziehen mußte. Die Mutter verzieh dem mißratenen Sohn. Sie verzieh ihm auch alle weiteren Mißhandlungen und Quälereien der folgenden Jahre und gab ihm von ihren Effparnissen ab, soweit es nur irgendwie anging. Bis sie eines Tages doch gezwungen war, die Hilfe der Gendarmerie in Anspruch zu nehmen. Sie erstattete auch diesmal keine Anzeige gegen ihren Sohn. Sie bat nur um Schutz vor dem eigenen Kind. Die Gendarmen gingen aber pflichtgemäß dem Fall nach und die Folge war die samstägige Strafverhandlung. Mutterliebe kennt kein Ende. Die alte Mutter entschlug sich alsHaupt- zeugin bei der Verhandlung der Aussage. Dafür aber sagten die Nachbarn aus und bestätigten nicht nur die schwere Mißhandlung der Greisin durch den eigenen Sohn, sondern auch dessen unmenschliche Drohung, er werde seiner Mutter„dieGedärme aus dem Leib trete n." Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu vier Monaten schweren und verschärften Kerkers, und zwar unbedingt. rb. ZEITUNG Nr. SS Sonntag, 10. März 1938 Seite 7 Aspirin-Tabletten mit dem Bayer-Kreuz genügen, um Erkältungs-Kranknei- ten und Schmerzen Io* zu werden. In besonder* hartnäckigen Fällen die gleiche Menge 2—3 mal am läge Aspirin 3 /< Ige Jacke gerader Schoß aus neuen Wollstoffen Flottes Komplet Kunst und Wissen Der Troubadour Daß das Publikum der Sensation und dem Bluff diel mehr unterliegt al« der noblen Kunst, bewies die vorgestern im Rahmen des P e r d i- Z h k l u s bewirkte»Troubadour"-Aufführung in schulmäßiger Weise. Francesco Bnttaglia, der mit viel Reklamegeschrei angekündigte Stargast des Abends und ersre Tenor der Mailänder Scala, wurde nur deswegen stürmisch beklatscht, weil er eine Bombenstimme besitzt. Last seine Riesenstimme aber nur durch die brutale Naturkraft wirkt, das; sie auch naturalistisch im offenen Brustregister hinaufforciert wird, in der Höhe daher auffallend roh und hart klingt, daß sie des edleren Schliffes, der eigentlichen Kultur eines' modulationssähigen Tones und kantablen Legatos enträt, schien das Publikum nicht einmal zu ahnen. In den Beifall für Battaglia mischte sich übrigens auch Zischen; ob aus Gründen künstlerischen Protestes einer kunswerständigen Minderheit oder politischer Auflehnung gegen den Fascistengrutz des Sängers, bleibe dahingestellt. Battaglia war übrigens auch als, Darsteller uninteressant; mehr Poseur als innerlich erglühender Manrico. Was vornehme und edle Gesangskunst ist. geigte uns der zweite Gast des Abends, die Leonore Frau Fine Reich-Döricks, eine auch in der Darstellung durchaus auf den edlen Ton gestimmte Künstlerin. Es wird wenige Sängerinnen ihres Fachs-geben, die in der Lage sind, hochdramatisch« Partien mit dem gleichen Erfolge zu singen wie dramatische Koloraturpartien. Die Leonore Frau Rrich-Dörichs offenbarte uns neuerdings die austergewöhnliche Gesangskultur dieser Künstlerin, die ihr großes, blendendes Organ so vollkommen beherrscht, daß fie es zu beglückenden Pianotönen bändigt, die diese sieghafte Stimme zu wundervoll blühender Kan- tilene formt und die technischen Passagen der Troubadour-Leonore mit selbstverständliche: Klarheit und Sicherheit meistert. Der spontane Beifall ans offener Szene nach der Bravour-Arie des ersten Aktes möge der Sängerin gezeigt haben, daß auch edle und vornehme Kunst noch Geltung haben. Die übrigen Rollen der Oper waren mit den erprobten heimischen Kräften beseht; der Luna mit Herrn Hagen.. der sich ober in der hohen Stimmlage nicht gang frei zu fühlen schien, die Acuzona mit Frau Kindermann, der Ferrando mit Herrn Andersen. Als musikalischer Leiter des Opernabends stand Hans Georg Schick am Pulte, der eine im allgemeinen recht an- ständige Wiedergabe der Oper erzielte. Aber in den Gegensätzen der Rhvthmik und Dynamik wird er maßhalten lernen muffen. E. I. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Sonntag 2J4: Ein Sommernachtstraunt, 71/2: Giuditta. B 2.— Montag 7>/i: Ich Habs getan.— Dienstag 7V5: Die'tübin, A 1.— Mittwoch 7*4: Polenblut, neuinszeniert. B 2. — Donnerstag 6z4:Derflieqende H olländer. Theatergemeinde der Nirgend, Abonnement aufgehoben.— Freitag 7j4: EineFrau l ü g t. D 1.— Samstag 7«4: Ein Maskenball. Verdizyklus VIII. C 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Sonntag 3 Uhr: Ich Habs getan, 8: Mädchen für alles.— Montag 8: E i n e Frau lügt. Bankbeamte und.freier Verkauf.— Dienstag 8:MädchenfüralleS.— Mittwoch 8: Mädchenfüralles.— Donnerstag 8: Mädchen für alles.— Freitag 8: Mädchen füralles, Kulturverbandsfreunde und' freier Verkauf.— Samstag 7J4: Gentlemen. Erstaufführung. Der Film Lieb* mich heut Nacht Das ist eine der hübschesten Operettenparodien, die es gibt— oder richtiger: gegeben hat, denn der amerikanische Regisseur Ruben Mamoulian, der sie vor etwa drei Jahren schuf und mit ihr berühmt wurde, gehört heute schon in Hollywood zu den Leuten mit historischen Verdiensten, und den Singkitsch, den er in seinem ersten Film verulkt hat, gibt eS heute— außer in Berlin, Wien und Prag— kaum noch irgendwo in der Filnüvelt. Aber sein heiteres Werk(das in Deutschland seinerzeit.Das Schloß >m Mond" hieß) ist jung geblieben, weil es daS Werk eines witzigen Könners ist. Man könnte sagen, daß es ohne Reni Clairs , Million" nicht denkbar wäre— oder daß es, verglichen mit dem Ruffenfilm»Die ganze Welt sticht", weniger aus Fröhlichkeit als aus Berechnung entstanden-ist. Aber beides ist kein Tadel. Denn Mamoulion hat Reni Clair nicht nur nachgeahmt, sondern in seinem Stil weitergedacht und weitergeschaffen. Und mit der Berechnung steht eS so, daß ihr Ergebnis ein artistischer Genuß ist. Wie h.er das Kitsch-Märchen von dem Schneider, der seinen Schuldner sucht, und eine Prinzessin findet, zu einer toll-graziösen Verspottung der Operettenzufälle, des feinen Milieus und des seligen happy endS wird und wie dabei doch zugleich eine ganz« Reihe höchst wirksamer Singsthlager untergebracht werden,— wie selbst die Photographie in den Dienst ter Parodie gestellt ist und die wilde Jagd nach dem hüpfenden Hirsch zu einer phantastischen Farce macht, das ist mehr«in Kunststück als ein Kunstwerk, aber ein Kunststück, das überzeugend und hinreißend gelungen ist. Es ist ein Film für Genießer. Von der Symphonie d«S erwachenden Paris bis zur Bereinigung der Liebenden im Dampf der Lokomotive, von den Sprech- und Sing-Trios der drei fürstlichen Tanten bis zu der Entrüstungs-Kantate„Der Kerl ist nur ein Schneider" erlebt man ein Mosaik aus witzigen I Ciniällell jmb JRaaietiinften.. Ulnd wer den eng» fischen, teilweise in Berte^