Einzelpreis**0 Reifer (eintchlieBlich 5 Hetltr Pari# 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xiu fochova& Telefon 53077. HERAUSGEBER 1 SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Dienstag, 12. Marz 1935 Nr. 60 SHF-Putsch im Bund der Landwirte! Bezirk Mies zwingt den Kreis Westböhmen zu eigenmächtigem Vorgehen Zierhut im Spiel/ Terrorsruppen in Aktion/ Man will Präs diktieren In Tuschlau fand Sonntag der Kreispartei- tag des B. d. L. für Westböhmen statt. Seit Tagen sprach man in ganz Westböhmen davon, daß es auf diesem Parteitag eine Sensation geben werde. Es handelt sich bei dem Kreis Westböhmen um den Wahlkreis Zierhuts, das selbstverständlich am stärksten von der SHF zersetzte Organisationsgebiet des B. d. L. Außerdem haben Zierhuts Führerqualitäten dazu beigetragen, daß die Bauern die bisherige Führung satt bekamen. Die Sensation konnte also nur in der Richtung eines Borstoßes derSHF liegen. Ser t£ nun, daß die Führung des B. d. L. die Gefahr unterschätzte, sei es, daß sie nicht mehr gesonnen ist, Politik zu machen, sondern alle vier» gerade sein läßt, jedenfalls gelang es den Anhängern Henleins unter Führung des Direktors Anton Pfrogner aus Mies, dl« Tagung zu überrumpeln und geradezu unter Terror zu setzen. Pfrogner erschien mit einem starken Aufgebot der Landjugend ans dem Mieser Bezirk, die in geschlossener Formation in Tnschkan einzog und de» Saal so besetzte, datz die wichtigsten Positionen in ihrer Hand waren. Aufmarsch und Einzug der Leute Pfrogners wirkten wie ein S A- Auf- mar s ch. Im Stil der SA wurde die Aktion auch durchgeführt. Kaum hatte der Kreistag begonnen, so stellte Pfrog- ner folgende« Antrag: 1. Der D. d. L. und die SHF beginnen sofort die Zusammenarbeit, einstweilen als selbständige politische Organisationen, unter gemeinsamer Führung im Kreise Böhmerwald-Nord. Der B. d. L- Und die SHF werden ihre Organisationen mit gegenseitiger Unterstützung auf- und ausbauen, miteinander um die gemeinsamen Belange des Sudetendeutschtums kämpfen und miteinander wählen. Dieser Schritt soll nach langen vergeblichen Verhandlungen die erste Tat sein, um zu einer immer innigeren, auf gegenseitiges Vertrauen gegründeten Zusammenarbeit im Dienste der sudetendeutschen Volksgemeinschaft zu kommen. 2. Zu einem von beiden Parteileitungen noch zu bestimmenden Zeitpunkt nach den Wahlen hat die Verschmelzung der bei- denGruppen auf Grund eines gemeinsamen Programms und auf Grund eines Organisationsstatuts bei vollkommen autonomer Gliederung• des sudetendeutschen Landstands zu erfolgen. Gegen die Verhandlung des Antrags und die Umstellung der Tagesordnung wandte sich der Senator Lippert. Da setzte ein organisierter Lärm der Leute Pfrogners ein, die den ganzen Parteitag unter Terror setzten und die Beratung des Antrages erzwangen, der unter Lärmszenen mit Mehrheit angenommen Kurde. Es wurden dann dazu noch folgende Beschlüsse gefaßt: a) Die gemeinsame Kreisvertretung besteht aus den Mitgliedern der Kreisvertretung des B. d. L. und aus der Kreisleitung und den Bezirksleitern der SHF. b) Der gemeinsame Kreis vor» ' stand besteht aus acht Mitgliedern, von welchen je vier vom B. d. L. und der SHF entsandt werden, welche der gemeinsamen Kreisvertretung zu entnehmen find. Der Vorsitzende dej gemeinsamen Kreisvorstandes- und der gemeinsamen Kreisvertretung ist A n t o n P f r o g- n e r. Dem Vorsitzenden des gemeinsamen Kreisvorstandes unterstehen im Einvernehmen mit dem Kreisvertrauensmann des B.- d. L. und dem Kreisleitcr des SHF alle Oraanisations- und Pressestellen des Kreisgebietes. c) Analog sind auch in allen Bezirken gemeinsame paritätisch beschickte Bezirksleitungen ins Lüben zu rufen. 3. Im Zuge der gemeinsamen Aufbauarbeit im Dienste der Volksgemeinschaft und in der Erkenntnis der Notwendigkeit eines geschloffenen Bauerntums wird die SHF den derzeit bei der SHF organisierten Bauern die Rückgliederung in den B. d. L. bzw. in den Sudetendeutschen Landstand empfehlen. 4. Der Kreistag erwartet, daß dieser Antrag den Anstoß zur raschen Klärung des Verhältnisses zwischen dem B. d. L. undderSHF herbeiführt und die Reichsparteileitung veranlaßt, dafür zu sor„:n, daß in allen Gebieten der Partei die Zusammenarbeit ausgenommen wird. In dieser Zusammenarbeit sieht der Kreisparteitag die einzige Möglichkeit der Erhaltung der geschlossenen landwirtschaftlichen Organisationen und bie' Grundlage für eine erfolgreiche VolkS- tumsarbeit. Der Reichsleitung des B. d. L. wurde« die Anträge in ultimativer Form mitgeteilt in dem Sinne, datz sie die Einigung in einer bestimmten Frist zustandebringen muffe, widrigenfalls der Kreis Pilsen selbständig vorgehen werde. Das würde natürlich die Spaltung des B. d. L. bedeuten. Pfrogner erklärte, er sei kein Mandatsjäger, er sei aber gezwungen worden, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen. Er sagte wärt Athen.(Xsch. P.-B.) Das Griechische Pressebüro hat über den Verlauf der Offensive der Regierungstruppen in Mazedonien am Sonntag mehrere amtliche Mitteilungen, die erste um acht Uhr morgens und die letzte um 21.30 Uhr abends ausgegeven. Die erste Sonntag früh ausgegebene Mitteilung besagt: General K o n d y l i s hat mit seinem Generalstab und mit dem Stabe des dritten Armeekorps Saloniki um fünf Uhr früh verlasse«. Eine Stunde später starteten in Saloniki KriegSflugzeuge unter der Leitung des Chefs des Flugwesens R e p P a s. Die Truppen überschritten die Brücke von O r l i a k o(südlich von Serres), die bis auf Drahthindernisse vollkommen intakt war. Mit Hilfe eines Angriffes der Armee und der Flieger rückten die Kräfte vor, indem sie den Widerstand der Aufständischen brachen. Andere sich:»D e r Vorsitzende bin ich, denn ich habe sowohl das Vertrauen der Landjugendals auch derSHF." Er verglich die Partei mit einer Armee. Auch in der besten Armee gebe es Ueberläu- f t r, wenn d i e Führung nichts tauge und kein Vertrauen mehr habe. Auf diesen Angriff hin verließ der Senator Lippert die Tagung, nachdem er für das Vertrauen gedankt hatte, das er fünf Jahre genoffen habe. Lippert wurde später zurückgeholt.. Auch gegen Zierhut wandte sich P f r o g n e r. Zierhut habe nicht energffch genug den Zusammenschluß mit der'SHF vertreten. Z i e r h u t selbst versuchte zunächst zu beschwich- trgen, machte dann aber eine Schwenkung, erklärte sich mit der Opposition solidarisch und versprach, in ihrem Sinne zu verhandeln. ■ Sehr, radikal sprach der Dr. Ziegler aus Mies. Er polemisierte gegen die Koalitionspoli- t i k und warf der Führung des D. d. L. vor, datz auf n a t i onalem Gebiet nichts erreicht wurde. Man müffe eine große deutsche Partei schaffen, die sich nicht von Prag kommandieren laffe, sondern die selbst den Herren in Prag diktieren werde, welche Politik in der Republik gemacht unter der Führung des Brigadegenerals Foan» n i d e s stehende Abteilungen rückten gegen die Brücke von Gumariani vor. Ein dritter Teil ist im Bormarsch gegen die Brücke von N i g r i t o. Die Rebellen ergriffen die Flucht, ohne Widerstand zu leisten. Die Regierungstruppen besetzten das vier Kilometer östlich von der Brücke von Orliake liegende Städtchen Provatas. Laut einer weiteren um elf Uhr vormittags ausgegebenen amtlichen Mitteilung wurden Truppenbewegungen der Aufständischen von Rechorion, fünf Kilometer südöstlich von Serres, nach Norden zu beobachtet. Die Infanterie und die Artillerie der Aufständischen haben sich voi^ Otzolov, 15 Kilometer westlich von SerrrS, in der Richtung auf Serres zurückgezogen. Die Regirrnngsttuppen haben die Brücke von Gumariani überschritten, ohne auf Widerstand zu stoßen. Die Süd- Da die Anträge mit starker Mehrheit angenommen wurden, kann man wohl sagen, daß der Borstoß des nazistischen Flügels des B. d. L. geglückt ist. Die Situation Spinas wrrd von Tag zu Tag schwieriger. Die Packeleien mit dem Henlein-Nazismus rächen sich aufs schwerste am B. d. L., der zum Spielball in den Händen einer Partei wird, deren Geist aus dem terroristischen Vorgehen Pfrogners und aus den Reden des Dr. Ziegler offenbar wird. Die„Deutsche Landpost" sucht die Sache zu bagatellisieren. Sie schreibt: «Die„Prager Abendzeitung" bringt in großer Aufmachung eine Nachricht über die Kreisparteitagung des Bundes der Landwirte Böhmerwald-Nord vom Sonntag, dem 10. März, tn . Tuschkau. Zu diesem Berichte bemerken wir, daß uns noch keinerlei offizieller Bericht der Kreisleitung vorliegt. Nach den übrigen Nachrichten, die eingelaufen sind und die wir eingeholt haben, handelte es sich bei diesem Parteitag, der zur überwiegenden Mehrheit von Parteimitgliedern des Bezirks MicS besucht war, um die Durchsetzung des vom Bezifk Mies eingebrachten und durch den Direktor Pfrogner begründeten Antrag auf Zusammenarbeit und eventuelle Verschmelzung des B. d. L. mit der SHF. Mit dieser Mehrheit ist der Antrag angenommen worden, mit dessen Einzelheiten sich die Reichsparteileitung beschäftigen wird. Ueber den Verlauf dieses Kreisparteitags wird von uns noch berichten werden." Ob die Rebellion dadurch^harmloser wird, daß der Reichsleitung Montag abends noch kein Bericht zugegangen war, während die übrige Presse bereits ausführliche Berichte hatte, bleibe dahingestellt. Der objektive Beobachter wird sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Tage des B. d. L. gezählt sind, wenn er sich nichtraschund energischzuhandeln entschließt. Ibrigade Joannides ist bereits über Gumariani hinaus vorgerückt. Die am Sonntag um 21.30 Uhr ausgege- iene amtliche Mitteilung besagt:„In der vergangenen Rächt sind unsere Jnfanterieabteilungen auf daS linke Struma-Ufer übergetreten. Bis heute mittags haben wir unter dem Feuer der gegnerischen Artillerie die zerstörte Brück« von Orliako wiederhergestrllt. Unmittelbar darauf hat der Uebergang unserer Kavallerie-, Artillerie- und Jnfanterieabteilungen und damit die Offensive begonnen. Die Aufständischen Haven sich in befestigten, mit Stacheldraht umgebenen Stellungen verteidigt» aber dem Ansturm unserer Truppen nicht standhalten können. Wir haben sie aus allen ihren Stellungen geworfen. Ueber 200 Gefangene und fünf Geschütze sind in unsere Hand gefallen. Wir mußten den Uebergang über die Brücke zweimal unterbrechen. In S e r r e S haben wir heute abends noch nicht einrücken können, weil uns die Nacht etwa zehn Kilometer vor der Stadt, wo wir am Belitza-Damm bei Digue auf Widerstand stießen. Montag früh werden wir in die Stadt einrücken und«ufere Stteitkräfte gegen Drama und Kavalla vorrücken lassen. Die Flieger haben durch ihr heldenhaftes Borgehrn alle bisher bekannten Vorbilder übertroffen. Unsere Verluste sind gering: zwei Tote und vier Verletzte. Biele Aufftändifche wurden verwundet. Die Moral der Regierungstruppen ist vorzüglich. Das Vaterland kann Vertrauen zu seinen Kindern haben. Gez. Kondylis. Aus diesen amtlichen Berichten ist herauszulesen, datz die Regierungstruppen bei ihrem ersten Versuch, den S t r y m o n;(Struma) 1 zu überschreiten, eine Schlappe erlitten haben. Denn wenn sie früh die Brücke bei Orlia'o unbeschädigt vorsanden und überschreiten konnten, aber am Abend melden müssen, datz sie unter feindlichem Feuer dieselbe Brücke wieder hergestellt und(neuerlich) überschritten haben, so mutz dazwischen wohl ein Rückzug über die Struma liegen. Am Abend scheint aber die Armee des Generals Kondylis auf der ganzen Front gesiegt zu haben. Montag früh wird die Einnahme von Serres und das Borrücken auf Kavalla gemeldet. Demir Hassan soll von Regierungstruppen besetzt, D r a m a von den Rebellen ge-i vor thrazische Aufstand zusammengebrochen Die Führer der Insursenten auf bulsarischem Gebiet verhaftet— Die Häfen von Resierunsrtruppen besetzt Sofia. DNB) Der gesamte Generalstab der griechische« Aufständischen in Thrazien-Mazedonien mit General Kamenos an der Spitze hat sich heute Nachmittag um halb drei Ahr beim bulgarischen Grenzposten Magasa im Abschnitt Mastanlh de« bulgarischen Grenzbehörden ergeben. Zusammen mit General Kamenos ergaben sich zwei Obersten, vier Oberstleutnants, sechs Hauptleute, sechs Leutnants und der Gouverneur von Griechisch-Thrazien. Athen. Montag abend wurde gemeldet: General Gialistras hat D e- deaga t s ch und Komotini eingenommen und verfolgt die flüchtenden Aufständischen. Der Kreuzer„Helli" ist in Kaffandhra(südlichste Halbinsel von Chalkidike) eingetroffen«nd wartet die Befehle der griechische« Regierung ab. 0le icümpfe vom Sonntag: Sieg der Regieningstruppen bei Serres Sekte 2 Dienstag, 12. März 1935 irr. 60 Vie Arbeiterfrauen demonstrieren Gegen Barbarei, für Freiheit und Sozialismus! Machtvolle Frauentagskundgebungen In der Republik räumt sein. Der Rückzug der Aufständischen geht angeblich bereits auf Komotini und gegen Dedea« g a t s ch, den letzten Hafen, in dem sie sich einschiffen können, wenn bis dahin die Seewege noch von ihrer Flotte beherrscht sind. Diese hat einen erfindlichen Verlust erlitten. Im Hafen von Kavalla wurde Sonntag nachts der Kreuzer»Helli* von Schiffen der Regierung— anscheinend von schwach armierten Torpedobooten— überrascht und bombardiert. Er ergab sich der Regierungsflotte. Die Regierung hat auch einen alten Kreuzer wieder in Dienst gestellt, der angeblich dem»Aweroff" der. Aufständischen überlegen sein soll. Rach einer Meldung hat VeniZelos in Kreta die selbständige kretensische Republik ausgerufen. Amtlich wird das dementiert. Ebenso dementiert daS amtliche hellenische Preßbüro die Meuterei der Garnison von Larissa und den Rücktritt der Regierung TsaldariS. Eine große Rolle sollen in dem Aufstand die Machenschaften der Frau Ve n i z e l o S, einer reiche« Engländerin, spielen. Der General P l a st i- ras, der über Italien in aller Gemütlichkeit nach Kreta reisen wollte, mußte über Auftrag der italienischen Behörden nach Frankreich zurückkehren. Es scheint, daßes Mussolini unangenehm ist, so offen die Karten zu zeigen. Es besteht aber kaum ein Zweifel darüber, daß in erster Linie Mussolini, inzwetter englische Kreise, vor allem der Oelkönig Sir Henry Deterding und gewisse Rüstungsfirmen die Urheber des Aufstandes! find, dessen außenpolitische- Ziel ein Bündnis Griechenlands mit Ltalien gegen die Türkei und Jugoslawien ist. Es ist auffällig, daß die meisten, zum großen Teil falschen Nachrichten, die der Regierung ungünstig sind, über Sofia— das seit dem Sturz Georgiews mit Rom im Spiel ist— oder über LoNdon kommen. Die letzte Meldung dieser Art ist die von einem Angriff der Rebellen auf den linken Flügel der Regierungstruppen am oberen Strymon. Dort sollen 27.000 Aufständische den Fluß überschritten haben, während nach anderen Versionen insgesamt 27.000 bei Serres kämpfen. Die Hauptwaffe der Regierungstruppen sind die Flieger, deren 24 bis 30 eingesetzt worden sein DaS politische Geschehen der letzten zwei Jahre hat sich vor allem bei den Frauen ausge- wirkt. Sie, die politisch und wirtschaftlich noch soviel zu lernen haben, weil sie viel später als die Männer das Mitsprachrecht im öffentlichen Leben erobert haben, fielen den verlogenen Argumenten der politischen Charlataae, die in den vergangenen Jahren bei uns und in de« Nachbarstaaten aufgetaucht sind, viel leichter noch znm Opfer als die Männer, die sich trotz aller Erfahrungen von den Wrrbemethoden der Hitler und Goebbels, der Dollfuß und Starhemberg, nicht z« sichern vermochten«nd zu willenlosen Landsknechten herab- sanken. Die Agitation der Henlein uyd Konsorten hat sich hierzulande in erster Reihe an die Frauen gewandt mit abgedroschenen Phrasen zwar, aber dennoch zugkräftig wirken. Es ist deshalb sehr wichtig für uns einmal zu erproben, inwieweit unsere Arbeiterfrauen auf die Lockrufe der Fascisten hören, ob sie weiter mit«ns gehen oder ob in unsere Reihen Dresche geschlagen wurde. Die Gegner behaupten das alle Tage und man sollen. Sie haben in Kavalla, Serres und auf Kreta starke Zerstörung verursacht. Die Aufständischen dagegen stützen sich vorwiegend auf die Flotte, der es gelungen sein soll, erfolgreich gegen die Flugzeuge zu kämpfen und einen Flieger der Regierung abzuschießen. *• ♦ Selbstmord General Kamenos' Athen.(Reuter.) Den letzten, auS Mazedonien hier eingetrosfenen Meldungen zufolge hat der Kommandant der Aufständischenarmee General Kamenos Selbstmord verübt. hat dem 10. März, der unsere Verbundenheit mit den Arbeiterfrauen anfzeigen mußte» mit besonderem Interesse entgegengesehcn. Aber nicht nur die politische Unsicherheit unserer Zett läßt die Kare Ucbersicht der Fronten nicht mehr zu,«eit mehr bedrückt unsere Beweglichkeit die entsetzliche Rot unter der Arbeiterschaft, die schon bald sechs Jahre in ihren Ueberdimensio- nen zu verzeichnen ist. WaS nützt da der Wille und die Begeisterung für eine Idee, wenn man die Menschen nicht mehr auS ihren Wohnungen herausbringt, weil sie keinen Heller mehr besitzen, um die Bahnfahrt zu bezahlen, um sich die Schuhe für den Weg zu beschaffen, um die Schnitte Brot zu bezahlen, die sie während einer Kundgebung, die sie, wenn die Entfernung groß ist, essen müssen. Wie viele gibt es da, die gerne in unsere Veranstaltungen kämen, aber es aus Rot ganz einfach nicht mehr können, denn nicht überall vermag man allen, die der Hilfe bedürfen, durch die eigenen Fürsorgeorganisationen beizustehen. Umso ungeduldiger warteten wir auf den Erfolg des Frauentages, der nicht nur eine Kundgebung, sondern vor allem eine innere Kraftprobe war. Run, da der Frauentag hinter uns liegt und der weit die kühnsten Hoffnungen übersteigende Erfolg sichtbar ist, dürfen wir sagen; wir haben diese Kraftprobe glänzend bestanden! Roch liegen nicht aus allen Kreisen«nd allen Orten, in denen Sonntag eine Kundgebung der proletarischen Frauen stattfand, Berichte vor. Aber soweit wir bis jetzt eine Uebersicht haben, kann ohne Scheu und Ueberhebung festgestellt werden, daß die diesjährigen Kundgebungen am Internationalen Frauentag ein voller Erfolg waren. Ein Erfolg sowohl hinsichtlich deS Besuches, dem Inhalt und dem Charakter nach. AuS einigen Bezirken deS Kreises Teplitz, Bodenbach«. Karlsbad meldet man überfüllte Säle, so daß ein Teil der Besucher deS Frauentages keinen Einlaß fand «nd vor den Versammlungslokalen oder in Neben- räumen Aufenthalt nehmen mußte. Man meldet aus einigen Orten, daß die Frauen, um an der Kundgebung ihres Bezirkes teilzunehmen, stundenlange Märsche zurücklegten, obzwar die Stta- ßen kaum zu passieren waren. Daraus schon kann man auf das außerordentlich rege Interesse schließen, welches man in diesem Fahre dem Frauentag entgegenbrachte. Aber auch die Form deS Frauentages wurde wesentlich gehoben. Es wirkten Bläsrrchöre, Gesangvereine, Turner, Falken und Musikorchester an den Fesern mit^ Gehaltvdlle Dichtungen wurstest vorgetragen, Sprechchöre entfachten Begeisterung, Gesang und Musik schufen die Stimmung, die man sich an einem Frauentage wünscht. Aber daS wichtigste an dem äußeren Bilde des Frauentages war die starke Teilnahme der tschechischen Genossinnen an den Veranstaltungen, die ohne besonderen Ein- fluß durch die Parteistellen zu verzeichnen war. Daß die Kundgebungen gemeinsam von den tschechischen«nd deutschen Arbeiterfrauen durchgeführt wurden, ist wohl mtt der größte Erfolg dieses TageS. Aber so feierlich auch der Rahmen der Veranstaltungen gewesen sein mag, die Kundgebungen trugen dennoch Kampfcharakter. DaS waren keine Unterhaltungen» aus denen man zufrieden karte zu der Verschärfung der Lage auf dem Balkan Im Zusammenhang mtt dem griechischen Aufstand f anden an der bulgarisch-türkischen Grenze große Truppenansammlungen statt, die Bulgarien jetzt zum Anlaß eines Schrittes beim Böllerbund genommen hat. nachhause geht. Das waren Stunden der Erbauung, Stunden der Begeisterung, Stunde* der Vorbereitung für den vor uns liegenden schweren, aber sicher erfolgreichen Kampf. Nichts Gemeinsames hatte« diese Feiern mit den bürgerlichen Kundgebungen am sogenannten Muttertag. Keine Gefühlsduselei wurde betrieben, keine Tränen vergossen, sondern die Frauen, die da arbeiten «nd leiden, Frauen, die sich nach der Erlösung aus endloser Oual sehnen, wurden aufgerufen, bereit zu sein für die kommenden Kämpfe. Die Arbeiterfrauen haben diesen Aufruf verstanden, sie waren mit den Herzen und dem Verstände Teile dieser gewaltigen Kundgebungen vom Sonntag. Sie wissen, derFrauentag ist nicht nur Ehrentag, er ist vorallemKamPftag! Ueber die Kundgebungen selbst wird uns berichtet: Aussig. Der große Volkshaussaal vermochte die Besucher des Frauentages nicht zu fassen. Der Feier selbst wurde ein äußerst schöner Rahmen gegeben. Fanfarensignale, Rezitationen und Chöre eröffneten die Feier, dann sprach die Genossin Schicht die einleitenden Worte, worauf Abg. Gen. K i r p a l deutsch und tschechisch die Festansprache hielt. In Karbitz war die Frauentagversammlung gleich gut besuckt und von glänzender Stimmuno getragen. Hier sprachen Genosse I e n t s ch und Genossin Schumann. Teplitz. Die Frauenkundgebung fand in der Turnhalle statt. Der Besuch war überaus stark, der Verlauf der Feier erhebend. Genossin D o i s ch e r eröffnete die Kundgebung, worauf Abg. Genosse Kremser zu Worte kam. In Eichwald mußten viele Arbeiter und Arbeiterinnen auf die Teilnahme am Frauentage verzichten, weil der VolkS- haussaal die Besucher nicht zu fassen vermochte. Die Rede hielt auch hier Abg. Kremser. Auch in Wisterschan war der Besuch sehr gut und die Stimmung vorzüglich. Rednerin war hier Genossin Steffi Hirsch. Dux. Die Kundgebung fand im Stadtkino statt, der überfüllt war. Ein Musikorchester und die Kulturorganisationen der Arbeiterschaft wirkten zur Verschönerung der Veranstaltung mit. Die Rede hielt Genossin K i r p a l. Brüx meldet ebenfalls einen überfüllten Saal, ein erstklassiges Programm und begeisterte Zustimmung zu den Ausführungen der Redner; die Genossin Sturkanovä tschechisch und Genosse Seidel deutsch. Im Bezirk Komotau war es ebenso. Sowohl in Komota« als auch in Görkau in Kal- lich und Neudorf, überall überfüllte Säle und begeisterte Stimmung für die Parolen des Frauentages. In diesen Kundgebungen sprachen die Genossen Leinsmer, Diez und Kern, ferner die Genossinnen Firaut und Edelmann. Tetschrtt. Gwss äüfssMAchk'ünk!^wirkungsvoll bis zum Schluß war der Frauentag für den Bezirk Bodenbach. Der Schützenhaussaal war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Die Einleitung durch Arbeitersänger und Fallen gewaltig. Den Vorsitz führte Genossin K ö g l e r, die Referate erstatteten Genossin Riedl deutsch und R o u ä- l o v a tschechisch. In Kraschwitz war die Versammlung im Arbeiterheim. Die Besucher fanden auch hier bei weitem nicht alle Platz im Saal und den Rebenräu- men. Der Rahmen der Veranstaltung war sehr feierlich. Die Aussprache hiell Genossin Riedl, Prag. Der Frauentag für dasEulau- t a l fand in der Volkshalle in Eula« statt, sie war 28 Roman von Fritz Rosenfeld Ein halbes Dutzend lag noch im Gestell im Keller, er brachte drei herauf, aber bald mußte er auch die andren holen— denn Livia hatte sich auf Hollings Schoß gesetzt und Clarissa um ein GlaS gebettelt. Als Xenia den Champagner witterte, brachte sie Marcel wieder auf die Beine und schleppte ihn herbei; Frau Avory kam, der Kunstschütze hinter ihr her, wie ein Kind am Schürzenzipfel der Mutter, der Zeichner machte einen langen Hals und verdrehte neugierig die Augen, man mutzte ihn einladen, Grit und Leonie wurden von Livia eingeladen, aus ihrem GlaS zu kosten und bekamen neue Gläser, Herr von Ebel meckerte und stolzierte um den Tisch, bis Halling ihm ein GlaS vor die Rase schob, MorviliuS zupfte an seiner Krawatte, fuhr mit dem Kamm durch die Haare und machte sich schön, als ginge er zu einem Ball; eine Weile saß er still, dann kam er, verneigte sich, fragte in seiner umständlichen, altväterlichen Art, ob es gestattet sei, und ob er nicht störe, und Halling sagte, es sei gestattet, und er störe keineswegs. Rur Cabrolle und Kilmek blieben abseits, Halling schickte ihnen ein Glas an ihren Tisch, sie tranken ihm zu, spielten weiter, fielen tiefer und tiefer in den bodenlosen Abgrund, dessen Wände mit bunten Blättern, Königen, Herzen, Damen, Zeichen und Zahlen tapeziert waren. Senta holte das Grammophon, und man begann zu tanzen; eS war ein andrer Rhythmus diesmal, ein stampfendes wirbelndes Chaos von Gliedern, Herr von Ebel führte Livia, Clarissa schmiegte sich an MorviliuS, Frau Avory schleppt«, ihren Ludwig, mit flatternder Masche und wehendem Haar, über die holprigen Bretter, Marcel versank mtt Xenia in den geheimen Traum eines Tangos, der Zeichner begnügte sich mit Grit, aber spähte aufmerksam zur Tür, ob nicht Carlotta endlich einträte. Halling sah den Arzt an, der still und regelmäßig in kleinen Zügen GlaS um Glas trank. Der Arzt ging zu Gregor hinüber, kam wieder, Halling ftagte mit den Blicken, die Blicke antworteten ihm. Wir werden den Wagen nicht mehr brauchen, und auch der Lärm stört jetzt nicht mehr. Die Musik, die Gregor hört, kann er nicht verdrängen, und die Sttlle, die um ihn sein wird, in Stunden, in Minuten» kann er nicht erfüllen. Marinka riß die Augen auf. Da bogen sie die Leiber und preßten sich aneinander und ihre Blicke wurden glasig und fern, da tappten sie und taumelten sie und das nannten sie Tanz; da tranken sie und da gröhlten sie und da riefen sie einander Worte zu, die in grellem Gelächter zerstoben, da wintten sie einander zu hinter dem Rük- ken des Mannes, den sie umschlangen und hinter dem Rücken der Frau, mtt der sie zu verwachsen schienen und das nannten sie Frohsein. Da fielen sie müde auf die Bänke und gossen Ströme von Wein durch die Kehlen und kämm wieder auf die Beine und wankten zu einem Tisch und rissen ein Mädchen hoch, und ehe es sah, wer.es faßte, wirbelte eS durch den Raum und sank irgendwo auf die Bank und goß Wein durch die Kehle, um wieder auf die Beine zu kommen, und daS nannten sie Leben. Ganz stumm sah Marinka zu, abermuch ihre Hände verstummten, sie ließen das Tuch sinke«, mit dem sie Gläser trocknete, sie ließen das Messer fahren, mit dem sie Brot schnitt. Sie brauchten kein Brot mehr, und nun fragten sie auch nicht mehr, ob ein Glas rein und llar war oder ob schon zehn oder fünfzehn vor ihnen daraus getrunken hatten; voll mußte es sein, so voll, daß der Wein überlief, auf ihr Kleid, aus die Schuhe, auf den Boden. So fließt dein Geld hin, dachte Halling; hast du noch genug, um sie alle bewirten zu können, eine ganze Nacht? Hast du ein schlechtes Gewissen das du in Wein ertränken willst, find sie deine Gläubiger, die du in Rausch versetzen muht, damit sie nicht sehen, wie du ihnen entfliehst? Das Geld mag zum Teufel gehen, dachte Halling, ich hab noch genug davon; und ein schlechtes Gewissen habe ich, denn ich habe gelogen: ich siirchte den Tod, ich habe Angst vor dem Sterben, ich hätte schon hundertmal Schluß gemacht, wenn ich nicht so jämmerlich feig wäre; dieses schlechte Gewissen will ich ertränken. Und sie sind meine Gläubiger, ich stürzte sie in den Rausch, denn sie kommen sonst zu mir, der Reihe nach, und wollen mir danken, für das Glas Wein, das ich ihnen angeboten, und für das Brot, das sie gegessen, und ich entfliehe ihnen, weil ich weiß, daß Dank immer Heuchelei und jede Verneigung eine Lüge ist. Marcel hat wieder Haltung; er ist wieder Maurice Chevalier, der umschwärmte Liebling, er muß das Ansehen zurückgewinnen, das er verloren hat; sie sollen ihn für einen guten Schauspieler halten, der eine Eifersuchtsszene so glaubhaft spielt, daß seine eignen Kollegen wähnen, sie wäre erlebt; und der einen Augenblick später, jeder Zoll ein Gentleman, mit überlegener Grazie in den sanft hinströmenden Traum eines Tangos versinkt. Xenia flüstert und fragt mit tausend Stimmen, die den gleichen Klang haben: Liebst du mich? Du mußt mich lieben, du mußt mich heißer lieben als Carlotta, sie ist ein Stück Stein, sie wollte nur neben dir auf der Bühne stehen, ich will dich, Marcel, ich will dich, ich vergehe nach dir... Nun ist Marcel froh, nun fiebert wieder eine Frau in seiner Hand, nun ist wieder eine da, die sich unterwirft, und alles, w«rS vor einer Stunde geschah, ist vergessen. Morvilius gibt sich mit einem Schauer, der von einem unendlich fernen Stern auf ihn niederstrahlt, mit geschlossenen Augen dem langsamen Schweben hin. Er fühlt den Weichen, warmen Körper Clarissas, und er denkt an den dürren Leib seiner Frau und an die mageren Freuden seiner Nächte. Wenn diese Nacht die letzte sein soll, und der Morgen unter Kanonendonner graut, dann soll es eine Nacht sein, in der er, auf den Raum weniger Stunden zusammengedrängt, die Lust der Leiber nacherlebt aus Babylon und Aegypten, eine Nacht, in der das alte Rom aufrauscht mtt dem Strom seiner Feste und Paris in den dunklen Himmel greift mit der hocherhobenen Faust seiner Flammenschriften; Zeiten und Länder, die Mysterien der Heiden und der Atem der Hafenbordelle, Kleopatra und die Filmsterne von Hollywood, Katharina und die Tingeltangeltänzerinnen aller Städte der Welt sollen in den schmalen Raum dieser Nacht stürzen und sich mit ihm vermählen in einem Rausch, der so unendlich sein wird, daß das Erwachen nichts Geringeres sein kann als der Tod. Die Augen Clarissas sind geschlossen, darum hat sie die braunen Augen einer griechischen Sklavin und die blauen einer Fee, ihre Stirn'ist fahl und faltig, aber hinter ihr wohnen die Gedanken aller Königinnen und aller Dirnen, ihre Schultern sind schmal, aber sie kann ein Weltreich tragen, ihre Finger zart, aber sie wird es mtt ihnen zerpflücken wie eine Blume, die ihr keine Freude mehr macht. Clarissa ahnt nicht, durch wieviele Gestallen sie in dieser Stunde hindurchgeht, durch wieviele Zeitalter sie wandelt, wieviele Kostüme sie trägt; sie weiß nur, daß sie unsäglich müde ist, daß Morvflius unsäglich schlecht tanzt und daß keine andere auS Mitleid mit dem allen, grauen Männlein halübetrunken über den Bretterboden stampfen würde, anstatt sich in den Winkel zu setzen und weiterzutrinken, solange der Wein fließt. Sie hat MorviliuS um eine Pause gebeten, er hat sie an einen Tisch geführt, aber kaum surrte eine neue Ptatre an, sprang er wieder auf und stand vor ihr und verneigte sich, wie sein Großvater sich auf einem Familienball vor den Mädchen mit den langen Zöpfen und den blau' seidenen, bauscyigen Kleidern verneigt haben mochte, und ehe sie wußte, was geschah, war sie wieder in dem rüttelnden, ziehenden, betäubenden Wirbel versunken. (Fortsetzung folgt.) 9t.«0 DienStag, IS. Mär, 1985 Tritt 3 „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ Die braune Korruption In den Krankenkassen In Berlin allein 15 Millionen Mark unterschlagen! Der Korruptionsskandal in den preußischen Krankenkassen, über den der»Neue Vorwärts" kürzlich berichtete, nimmt immer größeren Umfang an, so daß auch die bürgerliche Presse von ihm Notiz nehmen muß. Zunächst einmal ist eine Blase geplatzt, der Riesen-KorruptionS- skandal in Berlin. Es sind aber ähnliche A sfären in anderen preußischen Krankenkassen zu erwarten, denn die Regierung hat bereits an alle Kassenleitungen Auftrag gegeben, unverzüglich Rechnung zu legen und ein Drittel ihrer Reserven der Regierung zur Verfügung zu stellen. In Berlin hat kürzlich der Gauleiter Staatsrat Görlitzer einen Appell veranstaltet, in dem die Reinigung des Beamtenapparats angekündigt wurde. Dabei erklärte er ausdrücklich: »Wir haben eine saubereBerwaltung übernommen" und bedauerte, daß man soviel« der früheren Angestellten herauSgeworfen habe. An die Stell« ehrlicher und sachkundiger Leute ist eben ein DiebSpack getreten, besten Tätigkeit alle Vorstellungen von Korruption und Unterschlagung übersteigt, die man bisher hatte. Die Verwaltungskosten der Berliner Ortskrankenkasse sind von 10.78 Prozent im Jahre 1931 auf 22.8 Prozent im Jahre 1834 g e st i e g e n. Das war der E r f o l g d e r Na z i, die mit der Parole»Gemeinnutz geht vor Eigennutz" und mit dem Kampf gegen das»Barmat-Kutisker-System" der Republik jahrelang Dumme eingefangen haben. Nunmehr wurden 26nationalsoziali st ische Angestellte der Berliner Ortskrankenkasse, darunter„alte Kämpfer" verhaftet. Der Generaldirektor D i e w i tz wurde aus einem Sanatorium in die Haft überführt. Der Gesamtbetrag, derinBerlln unterschlage« wurde, beläuft sich auflSMillionen Mark(also rund 14 0 Mil» l i o n e n K r o n e n!). Es wurde in unzähligen Fällen einfach weniger Krankengeld ausgezahlt als verbucht wurde. Anter dem Druch deS braune« Terrors wagten die Bestohlenen keine Beschwerde. ES handelt sich bei dem Diebszug um ein nationalsozialistisches Anternehme«, das seinesgleichen nicht hat. Auf diesem Gebiet hat die Diktatur wirklich Neues und bisher Anerreichtes geschaffen. Wenn im Dritte« Reich in diesem Tempo Wetter gestohlen wird, steht es mit Hillers 1000 Zähren Übel a«S, denn dann wird ja schon in fünf Jahren von Deutschland nicht- mehr übrigsei«! I Die tschechischen Blätter vom Sonntag be- faffen sich ausführlich mst der Frage deS Arbeitsprogrammes deS Parlaments in den nächsten Wochen, sowie damit, welche Zeit dem Parlament zur Erledigung der aktuellen legislatorischen Arbeiten, noch übrig bleibt. Während die»Lidovt Noviny" die Ansicht vertreten, daß das Parla- so weit der Platz reichte besetzt, das Programm tadellos und der Beifall, der auf die Rede der Genossin Lorenz folgte,, sehr ausgiebig. Auch in Bensen war der Besuch sehr stark, Saal, Galerien und Rauchzimmer deS Hotels„Roß" überfüllt, Referat wurde von Genossen K ö g l e r erstattet. Böhmisch-Leipa meldet ebenfalls ein-« überfüllten Saal und begeisterte Zustimmung zu dem Referat der Genossin D e u t s ch. In Schönlind« war der Aufmarsch der Frauen trotz dem vorherrschenden Schneeunwetter sehr gut und Genosse Arnberg fand aufmerksame Beifallsfreudige Zuhörer. In Warnsdorf fand die Kundgebung der sozialdemokratischen Frauen im Bereinshause statt, sie war besser besucht, als je eine Veranstaltung. Hier feierte zu gleicher Zest die Frauenorganisation ihr 28jährige» Jubiläum. Ansprachen hielten die Genossinen Goth und Marie Neumann, Reichenberg. Die Beteiligung am Frauentag in Schluk- kenan war noch besser als im Vorjahre, und so manche Arbeiterin, die wir nach den erschütternden Tagen im März des Jahres 1833 und Feber 1834 sehr wenig bei uns sahen, kamen wieder, weil sie inzwischen erkannt haben, daß die Versprechungen der Faseisten nichts als Schwindel waren. Die Rednerin Genossin K l e m e n z hatte mit ihren Darlegungen einen großen Erfolg. sudetendeutsche Wählerschaft wird den Wert der Klarheit und Entschiedenheit der Politik unserer Partti zu schätzen wisse«. Die»Lidovö Noviny" befassen sich insbesondere mit dem Arbeitsprogramm der restlichen Legislaturperiode. Neben den Vorlagen über die Sanierung der Selbstverwaltungsfinanzen und die Erhöhung der Staatsgarantie für Exportkredite sowie den Schutz gegen Fliegerangriffe, die bereits eingebracht wurden, kommt in den nächsten Tagen ein umfangreiches 101 Paragraphen zählendes Elaborat über den Verkehr von Motorfahrzeugen, welches im Senat eingebracht werden wird. Damit hängt zusammen die Regelung der Steuer von Mineralölen. Dem Abgeordnetenhaus wieder werden Gesetzentwürfe vorgelegt werden, welche die Bedeckung für die Hilfe, die der Selbstverwaltung geleistet werden soll» enthalten. Davon sind schon fertig die Vorlage, welche eine Besteuerung der Essigsäure und des Backpulvers enthält, dagegen wird noch über die Weinsteuer, die Steuer auf Mineralwässer und Kunstfette verhandelt, ebenso wie die Novellierung der besonderen Erwerbsteuer und des Gesetzes über die Stabilisierungsbilanzen der Vereinbarung unter den Regierungsparteien bedürfen. Außer diesen Gesetzentwürfen ist von der größten Aktualität die Frage der Verkürzung der Arbeitswoche, welche durch eine Verordnung auf Grund des Ermächtigungsgesetzes geregelt werden soll. Grundsätzlich sind bereits alle Koalitionsparteien für die Vierzigstundenwoche, einige Einwendungen macht nur noch der Handelsminister Jng. Dostal. Bon anderen wirtschaftlichen Vorlagen wird von den Agrariern insbesondere auf die Einführung des Viehmonopols gedrängt sowie auf die Durchführung der Entschuldung der Landwirte. WaS die politischen Vorlagen anbetrifst, handelt es sich um die Frage der Registrierung der politischen Parteien und die Aenderung der Wahlordnung. wobei aber nur organisatorische und administrative Maßnahmen in Betracht kommen. Wieder einmal Umsturz auf Kuba| 9 e M 9• 11.(Reuter.) New Parker Blät-1 tenneldungen zufolge ist die verfass»«, von Kuba Samstag aufgehoben worden. Tie kubanische Regierung ließ erklären, daß der KriegSzu- ft a« d im ganzen Lande in Kraft getrett« ist. » Havanna. Sonntag«m Mitternacht' wurde ans Kuba der Generalstreik auSgr- rufen. Der Autobus- und Straßenbahnverkehr wird von Militärabteilungen aufrrcht erhalten.' Der Post- und Telegraphenvertthr ist lahmgelegt. ment"nurHs"zu deVÖsterfettem älsTbisH Streikend« Arbeiter, zu denen sich Kommunist« zweite Hälfte April arbeiten und dann aufgelöst gesellten, schossen auf Soldaten und verletzten werden wird— so daß die Wahlen im Mai oder einige. Die Straße« durchziehe« Militärabtei- spätestens am erster.Junisonntag stattfinden wür- ’den— st!t das»Prävo Lidu" fest, daß vorlau- »uuge«.| ftg eine Abmachung zwischen den Koalitionspar teien besteht, wonach die Wahlen im September stattfinden sollen. Noch in der Vorwoche habe der Ministerpräsident im vertraulichen Gespräch betont, daß er an dem Termin festhalte und daß er alles tun werde» damit dieser Termin auch eingehalten werde. Allerdings, so schreibt das»Prävo Lidu", haben auch einige Regierungsparttien schon mit der Wahlagitation begonnen und wenn diese Agitation stärker betrieben werden wird, wird e s nicht möglich sein, in der Koalition weiterzuarbeiten und den Septemberte tut in einzuhalten. Sollten die Wahlen an einem früheren Termin stattfinden, dann müßte eine neue Vereinbarung unter den Koalitionsparteien abgeschlossen werden. Wir glauben, daß es nicht viel Sinn hat, herumzuraten, wann die Wahlen eigentlich sei« werden, weil dies ganz von der Entwicklung der Polittschen Situation abhängt. Ans alle Fältelst— dessen müssen wir uns be wußt sei«— einfrühererWahlter- m i n alsim September durchaus i m B e rei ch d e r M i g l i ch kr i t u« d unsere Vertrauensmänner wer den gut daran tun, gerüstet,« sein. Die deutsche Sozialdemokratie geht mit dem klaren Programm der Demokratie und Arbeitsbeschaffung in den Wahlkampf und die Vas Arbeitsprogramm Die Frage des Wahftermlns der Regierung Der Kreis Trauten«» meldet überaus gelungene Frauentagsveranstaltungen in Arnau, Hohenelbe, Ober-Altstadt, Parschnitz und Riederaltstadt-Trautenau. Als Redner wirkten in den einzelnen Orten die Genossen Strobel, Baumgartner, Rindt, Dr. Mühl- berger und di« Genossin.Ullrich. Aus dem Brünner Organisationsgebiet melden die Organisationen Brüsau und Mödritz erfolgreiche Frauentagskundgebungen. Rednerinnen war«, hier die Genossinnen S t i a S n y und B r o n n e r. Der Kreis Karlsbad berichtet uns knapp vor Rcdaktionsschluß einen hundertprozentigen Erfolg der Frauentagsveranstaltungen in seinem Organisationsbereich und das gleiche wird uns von Schlesien gemeldet. Der internationale Frauentag ist ein Ehrentag im vollsten Sinne deSWorteS für die Sozialdemokratie gewesen. Aber was uns so freudig bei dieser Feststellung stimmt, ist nicht nur der große äußere Erfolg, der unS am 10. März wurde, sondern vor allem die Tatsache, daß dieser Tag ein Kamfiag er st er Ordnung, eine Heerschau derAr- beiterfrauen war, die uns zu großen Hoffnungen für die kommenden Auseinandersetzungen mit den Gegnern der Sozialdemokratie berechtigt. Gemeindewahlen In Karpathorufiland Uzhorod. Sonntag, den 10. März, fanden in 31 karpathoruffischen Gemeinden die Wahttn statt, von denen elf Gemeinden durch die Abgabe von Einheits-Kandidatenlisten abstimmten. Das Gesamtergebnis der 31 Gemeinden lautet: Republikanische Partei 378 Mandate, sozialdemokratische Partei 86, ksl. Nationalsozialisten 8, Kommunisten 82, Autonomer landwirtschaftlicher SojuS 56, russische Bereinigung 8, Ungarische Nationalpartei 25, Juden 2, Nationaldemokraten 4, Ungarische christlichsoziale Partei 2, Gewerbepartti 2 und andere kleinere Parteigruppen 8 Mandate. Klerikaler Landesvertreter verhaftet Samstag wurde in Prag das Mitglied der böhmischen Landesvertretung Dr. Rathausky, welcher die tschechische Bolkspartei vertritt und in dieser Partei eine führende Rolle spielt, verhaftet und ins Brünner Polizeigefängnis eingeliefert. Die Maßimhme geht auf die Aussage eines in die Schenker-Affäre verwickelten Beamten namens Graf zurück, welcher angab, daß Rathausky in seiner Eigenschaft als Obersektionsrat im Handelsministerium Bestechungen von ihm angenommen hat. Rathausky ist außer LandcSvertreter und Beamter des Handelsministeriums auch volkswirtschaftlicher Redakteur der»Lidovä Noviny", des Hauptorgans der Tschechisch-Klerikalen, und Borfitzender des Filmbeirats. Politische Tagungen der Agrarier und der Nationalsozialisten Brünn. Sonntag fand hier, in Anwesenheit des Jnnenministtrs Dr. Eernh und Abg. Beran, tun. Kreihkynkexenz der tschechischen Agrarpartei statt, auf welcher eine Resolution angenommen wurde, welcher wir entnehmen: Wir wurden zu einer wirklichen Insel der Demokratie in der Welt, da wir unter Führung Sve- hlas sämtlichen arbeitenden Schichten die Hand zur Mitbestimmung reichten, woher«wir alle Versuche, bei uns ausländische Strömungen, einzuführen, die unserem nationalen Geiste fremd sind, ablehnten, mögen sie von Norden, Süden tt>er Osten kommen. Wir bekennen unS auch weiterhin zur Zusammenarbeit sämtlicher Schichten, verlangen aber, daß diejenigen, die mtt uns in Hinkunft mitbesttmmen wollen, vom Geiste der gegenseitigen Achtung und Loyalität erfüllt sind. Wir sind überzeugt, daß die heurigen Wahttn die Pattei SvehlaS noch weiter statten werden, was bedeuten wird, daß wiederum eine ruhige Zeit demokratischer Zusammenarbeit zur Erneuerung d«S Wirtschaftsleben», zur Erlösung der Landwitte von langjährigen Leiden,-der Arbeiterschaft von der Arbeitslosigkeit und des Mittelstandes, vor allem der staatlichen, öffentlichen und privaten Angestellten von den Folgen einer anttdemokratischen Wirtschaftspolitik eintre- den wird. Di« Hegemonie deS Spekulationskapitals über das Produkttonskapital und über den arbeitenden Kttinlandwitt wird aufhören. Wir werden das Geld zu einem Diener deS Volkes und nicht zu seinem Herrn machen. Die Behörden, auch nicht die Rattonalbank und die Lbttgen staatlichen Hilfseinrichtungen, dütten nicht dem Willen statter Einzelpersonen, sondern auSschlißlich nur einer BolkSregierung unterliegen. Ueberall muß der demokratische Geist durchdttngen. Gebt den Fungen den Weg frei überall dott, wo fähige Kräfte zu sehen sind. Kümmert euch, daß vor allem unsere Frauen besser respekttett werden als bisher. In der Staatsverwaltung wird eS mehr Elastizität und mehr Rücksicht gegenüber dem Volke, aber auch mehr Strenge gegenüber den Feinden, sowohl des Staate», al» auch der Ratton geben. Ohne Ordnung wäre keine Demokratie. Wir begrüßen die Vereinigung des staatlichen BodenamttS mit dem LandwittschaftSministettum, wir verlangen aber, daß hier ein Amt geschaffen werde, das dem Schutz d«S kleinen und mittttren Landwittes dienen und vor allem das Problem der Befteiung der Landwitte von Schulden, dieser größten Sorge der nächsten Monate, lösen würde. Das StaatSinttreffe exfordett, daß das Steuersystem gleichfalls geregelt werde und daß die Irrtümer der letzten Steuerreform beseittgt werden, besonders was di« StabilisierungSbilanzen anbelangt, weiter daß di« UeberführungSgebühren, die heute auch von Schulden vorgeschrttben werden, gemildett werden, daß die Fleischsteuer geregelt wird, daß die Sanierung der Selbstverwaltung, der wir die Abgabe von Kunstfetten opfern wollen, die sonst der Landwirtschaft gehören würde, rasch zur Wirklichkeit werde. Solang« der Landwirtschaft die Rentabilität nicht wieder gegeben wird, solange wird e» keine Gesundung der gesamten Volkswittschaft geben. Darum ist eS notwendig, fiir das Biehmonopol ein« Grundlage zu schaffen und rasch die Fragen unserer gesamten Tierproduktion zu lösen. Wir verlangen daher die Verwirklichung deS Viehmonopols. Auch das Getreidemonopol mutz zugunsten der Landwitte verbessert werden. Die Preise auS dem Jahre 1934 bewachten wir für die Zukunft als Minimalpreise. Indem wir an der wirffchaftlichen Erneuerung arbeiten, dütten wir aber nicht den nationalen Geist in allem und überall vernachlässigen. Widmen wir eine grössere Aufmerksamkeit unseren Grenzgebieten, die stets von den Ereignissen im Auslande bedroht erscheinen. Tragen wir Sorge dafür, daß sie sukzessiv zu einem staatserhaltenden Elemente werden. Auch hier ist grosse wirtschaftliche und finanzielle Hilfe notwendig. In der heuttgen bewegten Zeit ist das Wichtig» ste eine starke Armee, dtt vom Geiste unserer ruhmreichen Vorfahren durchdrungen ist. Für diese werden wir keine Opfer scheuen und werden, wie in der Vergangenheit, auch heute den Staat bis zum letzten Bluttropfen verteidigen." Zum Schluß fordert die Resolutton den Ausbau der politischen, fachlichen und genossenschaftlichen Organisationen der Parteien. Der Kongreß wurde mit der Staatshymne geschlossen» an den Präsidenten der Republik wurde ein Begrüßungstelegramm gesandt. * Dr. Franke gegen Dr. EngllS Prag. Am Sonntag fand in Prag ein« Jahreskonferenz der nationalsozialistischen Partti statt. Das Hauptteferat über die aktuellen Fragen der Innen« und Außenpolittk erstattete Minister Dr. Emil Franke: Die Regierung habe bereits den Gesetzentwurf über dtt Erhöhung der Staatsgarantte der Exportkredite um eine Milliarde eingebracht, und verhandtt über dtt Kürzung der Arbeitszeit, um mehr Leuten Beschäftigung zu verschaffen, Arbeitsmöglichkeiten gebe es bei uns genug. Durch den vorgelegttn Regierungsentwurf über die Sanierung der Selbstverwaltung könne eine fühlbare Abnahme der Arbeitslosigkeit erreicht werden, falls Mittel für die produktive Fürsorge beschafft werden. Diese Mittel können und müssen beschafft werden, da man sich drei Jahre durch den Ausgttich des Staatsbudgets einschränken mußte. Ministtr Dr- Franke wies trotz der pessimisttschen Ansicht des Gouverneurs der Nationalbank, Dr. Englis, nach, daß bei uns die Möglichkeit bestehe, für fünf Milliarden KL Arbeit zu beschaffen. «Unser Weg ist die Demokratie“ Dr. BeneS in Zlin Vor mehr als 10.000 Menschen sprach Außenminister Dr. Benes Samstag, den 8. März über das Thema»Demottatie, Kommunismus, Fascismus und Ständetum". Nach Begrüßung durch Bürgermeister Doktor § i p e r a sprach Dr. Benes einleitend über dtt Kämpfe im politischen Leben der europäischen Staaten. Der Krieg war eine politische und soziale Revolution. Sie ist noch nicht abgeschlossen. Die Ideologie der internationalen Zusammenarbett steht mit jener des Kommunismus, des Fascismus und des Nationalfascismus im Kampf. Unser Weg ist die Demokratie. Wir verwerfen nicht den Nationalismus, gehen jedoch nicht den Weg des aggressiven Nationalismus. Wir sind aber bereit, unseren Staat und dtt tschechoslowakische, demokratische Republik mit eiserner Fau st zu verte i d i g en. Wir erstteben einen Ausgleich zwischen Bürger und Staat, zwischen der Freiheit des einzelnen und seiner Verantwortung gegenüber dem Staat. Das ist das Problem unserer Demokratie.. ,, In der Praxis ist die Frage makelloser und mutiger Führer, deren es in der Demokratie immer mehr als in der Diktatur gibt, sowie dtt Frage der sittlichen und'politischen Erziehung des BolstiS für die Demokratie von entscheidenker Bedeutung. Demonstration In Uihorod Uzhorod.(Tsch. P.-B.) Montag vormittags demonstrierten vor dem hiesigen MagistratSrat zirka 300 Personen der auf LebensmitttlzuttiluNg wartendrn Volksmenge. Die Polizei, die bemüht war» die Menge zu zerstreuen, stieß auf Widerstand und entschloß sich, vom Gummiknüttel Gebrauch zu machen. Ein Wachmann wurde leicht verletzt. Hierauf wurde die Menge zerstreut, fünf Personen wurden hiebei angehalten. f «eiter Dienst-«, 12. Md» 1935 St. 60 Wieder Katastrophen auf Eisschollen Grmch, über die-Heiserkeit des Führers nachzudenken. Moskau. Am Kaspischen Meere wurde« ungefähr 200 Fischer auf einer Eisscholle weit von der Küste abgetrieben. Ungefähr 70 von ihnen ist es inzwischen wieder gelungen, an die Küste zurückzugelangen, und zwar so, daß sie von Scholle zu Scholle sprangen. Flugzeuge haben bereits einige Gruppen der noch auf den Schollen im freien Meere treibenden Fischer aufgefunden und warfen ihnen Lebensmitt el und warmeKleider ab. Die Zeitungen melden, daß es einem Flugzeuge sogar gelungen sei, aufeiner Eisscholle zulanden, einige Fischer aufzunehmen und mit seiner Last wieder zu starten. Dir Nachforschungen werden ständig fortgesetzt. Es ist dies itjt heurigen Winter bereits dir dritte Katastrophe dieser Art. Nach einer anderen Meldung«urde im Kaspischen Meer eine treibende Eisscholle gesichtet, auf der man 59 Menschen und 17 Pferde zählte. Wie aus Astrachan berichtet wird, ist es Fliegern gelungen, 16 Fischer zu retten. Als die Flieger diese Fischer in Sicherheit gebracht hatten, versuchten sie, weitere- Fischer zu bergen. Die Eisscholle war aber inzwischen so TagcsnculgKcItcii Personenzug und Auto Awei Todesopfer bei Rikolsburg Brünn. Die Staatsbahndirektion Brünn meldet: Montag nach Mitternacht um 0.21 Uhr wurde im Kilometer 98,6 zwischen den Stationen Feldsberg—Nikolsburg in Mähren von dem Personenzuge Nr. 414 auf einer ungeschützten Bahnübersetzung das Personenautomobil des Tierarztes I. Z w e t g aus Pohrlitz erfaßt. Der rückwärtige Teil des Wagens wurden zertrümmert. In dem Wägen befanden sich drei Personen, und zwar Zweig, der den Wagen lenkte, im Fond sein Angestellter Emil Seiner und. ein Schmiedemeister auS Urspih bei Pohrlitz, dessen Name bisher noch nicht festgestellt werden konnte.-Zweig erlitt mehrfache Brüche beider Beine und wurde in das Feldsberger Krankenhaus geschafft. B^ide Personen, die im rückwärtigen Teil gesessen hatten, sind ihren Verletzungen kurz nach dem Unfall erlegen. An Ort und Stelle wurde eine Untersuchungskom- mission entsandt. A«to-«fo»me»ftoß bet Budwei» Böhm.-Budweis. Montag nachmittags ereignete sich auf der Staatsstraße Prag— Böhmisch- Budtveis bei bet Gemeinde Neplachov ein Automobilunglück. In einer scharfen Kurve gerieten auf dem vereisten Boden ein Personen- a u t o,J Marke Tatra, und ein L a st a u t o ins Schleudern und stießen zusammen. Der Personenwagen wurde zum größten Teil zertrümmert; aus seinen Trümmern wurden mit Hilfe der Insassen des Lastkraftwagens drei Personen verletzt hervorgezogen, die, nachdem ihnen von dem Distriktsarzt Dr. Bayer die erste Hilfe geleistet worden war, in das Budweiser Masaryk-Krankenhaus eingeliefert wurden. Es sind dies Karl D ö m i. ne g o, von Beruf Beamter, zuständig nach Oester- reich, Wohnort Salzburg und dessen Frau Trude Pi t n e r- D o m i n e g o aus Prag II., Rü- zovä ul. 17. Nach dem Urteil der Aerzte handelt es sich bei ihnen um schwere Verletzungen, um bisher nicht genau festgestellte Knochenürüche und um eine starke Gehirnerschütterung. Die Verletzungen sind' l ebensgefährlich. Der dritte Reisende ist Eduard Bitner, Direktor i. R. aus. Prag, der Vater der Trude Bitner- Dominego. Er kam zum Glück ohne ernstere Verletzung davon. Er gab dem die Untersuchung führenden Gendarmen an, daß er das junge Ehepaar auf der Hochzeitsreise begleitet haben. Von den Insassen des Lastkraftwagens, der eine große Zahl von Bierfässern geladen hatte, wurde niemand verletzt. Rur die Karosserie des Wagens wurde beschÄngt. Der Vorfall wird untersucht. 35 Hinrichtungen H s i n k i n g. 35 chinesische A« f st ä«- dische, die im Feber in der Provinz Dschehol Ueberfälle auf mandschurische und japanische Truppen auSgrführt hatten, find in Alanping zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Bier erfrorene Zuschauer bei ei«»» Futzball-Wettspiel London. Die Kältewelle, die gegenwärtig auch England heimsucht, hat während des Wochenendes Todesopfer gefordert. Bei Fußballkämpfen erfroren vier Zuschauer.- -i- . In vielen Teilen Englands ist Schnee gefallen.' Auf dem Kanal herrschten am Sonntag s ch w e r e S t ü r m e, die die Schiffahrt schwer behinderten. Im Hafen von Dover stießen zwei Kanaldampfer zusammen und wurden leicht beschädigt.- Drei Todesopfer einer Lawine Salzburg. Am Samstag war der Bewirtschafter der Kürsinger-Hütte am Großvenediger, Pius E n s m a n n, mit dem Trä- schnell fortgetrieben worden, daß sie erst«ach vieler Mühe wieder aufgefunden werden konnte. Eine Rettung weiterer Fischer war bisher nicht möglich. Wie aus Astrachan zu vorstehenden Bericht ergänzend gemeldet wird, soll die Zahl auf einer Eisscholle' abgetriebenen Fischer 234 betragen. Auch 41 Pferde befinden-sich auf der Eisscholle. Nach einer Mitteilung der sowjetrussischen Flieger wurde eine Gruppe Fischer mit insgesamt 73 Mann, die gleichfalls abgetrieben worden waren, auf der Insel Burunschu angetrieben. Bis jetzt konnten etwa 100 Fischer gerettet werden. Man vermutet jedoch, daß wett mehr als 234 Fischer auf Eisschollen abgetrieben wurden. Auf Veranlassung der Sowjetregierung find acht Flugzeuge eingesetzt worden, die den Versuch unternehmen sollen, die Fischer zu retten. Heute sind bereits vier Fluzeuge aufgestiegen, die aber nur Lebensmittel und warme Kleider an die auf den Eisschollen treibenden Fischer abwerfen konnten. Bei einem Sturm hat sich ein Stück von der großen Eisscholle losgelöst- und zwei Fischer und ein Pferd abgetrieben. Man versucht, auch diese zu retten. ger Z w i ck n a g e l und dem Jäger Nindel im Aufstieg auf die in den nächsten Tagen zu eröffnende Kürsinger-Hütte der Salzburger Sektion des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins begriffen. In der Nähe der sogenannten türkischen Zeltstadt im Bereiche der Gemeinde Neukirchen am Großvenediger wurden alle drei von einer mächtigen Schneelawine verschüttet und getötet. Innsbruck. Der S ch n e l l z u g D 39 fuhr zwischen den- Stationen Langen und Wald am Arlberg an einer unübersichtlichen Stelle in eine niedergegangene L a Win e, Der in voller Fahrt befindliche Zug durchbrach die 20 Meter, breite und drei Meter hohe Schneemasse mit der Lokomotive und den anschließenden, zwei Wagen, ehe er zum Stillstand kam. Durch den Zusammenprall wurden drei R e i s e n d e, d r e i Bedienstete des Speisewagens, der Lokomotivführer und der Z u g s f ü h t e r leicht verletzt. Der Zug selbst erlitt keine wesentlichen Beschädigungen und konnte seine Fahrt bald wieder fortsetzen. Der heisere Diktator. Die Leute, die sich nach einem Diktator heiser schreien, sollten einmal innehalten und an den Führer jenseits der Grenzen denken, der sich heiser geschrien hat. Der Mann, der zur Macht kant,.weil.er große Versprechungen hinauszurufen verstand und weil sich Leute fanden, die ihn für ihre Zwecke benützen zu können hofften, hatte nichts Eiligeres zu tun gehabt, als das Volk zum Verstummen zu bringen. Er nannte das die„veredelte Demokratie'', selbst dann noch, als er eines Tages feine alten Freunde und Mitstteiter jählings stumm gemacht hatte. Wer yun ist der Tag gekommen, an den; er selbst versttmntt ist. Der Dittator, dessen Wille über Leben und Tod seiner Untertanen, über Recht und Gesetz des Staates, über das Schicksal des ganzen Volkes entscheidet, ist nicht in der Lage, laut seinen Willen zu äußern. Wenn das wirklich die Folge eurer Erkrairtung ist,— von welchen Zufällen hängt dann die zielsichere imö stabile Führung des Staates ab, die nach Meinung der Diktaturlüsternen nur durch den Absolutismus eines Einzelnen gewährleistet istl Wenn es aber die Folge einer ratlosen Unentschlosscn- heit»st,— welche Schlüsse lassen sich'dann.aus die Zielsicherhett und Stabilität der Diktatur ziehen? Solange es galt, die Gegner des Führers zu vertreiben, zu foltern rmd zu vernichten, war die Zielsicherheit der Diktatur allerdings erstaunlich. Und solange es anging, mtt Drohungen, Versprechungen und Jlluminattonen Polttik zu machen, war die Stabilität des Kurses bis zum Stumpffinn vollendet. Aber dann? Man erinnere sich, daß in den zwei Jahren deutscher Diktatur das Wirtschaftsministerium dreimal und das Landwirtschaftsministerium zweimal seinen Leiter gewechselt hat, daß im Auswärttgen Amt mtt der Zeit drei Leute ausschlaggebend geworden sind, die sich untereinander nicht einigen können, daß ein Minister als Verräter erschossen und ein Vizekanzler auf einen auswärttgen Gesandten- Posten versetzt worden ist, daß die SA und die Staatspolizei ihre Letter gewechselt haben— und daß der Hinweis auf den allein entscheidenden Willen des Führers das einzige blieb, was sich nicht geändert hat. Aber nun, da die deutsche Wirtschaftspolitik vor der Entscheidungsfrage Jn- flatton oder Abbau, die deutsche Außenpolittk vor der Frage Krieg oder Frieden und die deutsche Jnnenpolttik vor den Fragen Milttärherrschast oder Finanzdiktatur, Kirchenstreit und-Cliquen- kampf steht, ist aus der Entscheidung des Führers plötzlich das Schweigen des heiseren Diktators geworden. Das Volk hört ihn nicht mehr, aber auch das Flüstern seiner Hintermänner hört es nicht/ die dem Führer in wilden» Durcheinander die Sttchworte soufflieren, die er nicht zusam- rnenreimen kann. Wahrhaftig, die Leute, die sich nach dem Führer heiser schreien,, hätten- allen, ES wirb wärmer. Sach der vergangenen sehr kalten Woche, in welcher an einigen Tagen die Temperatur in»-Westen des Staates um fünf bis sieben Gräd unter dem Normalwett der kälte- • sten Jahreszeit um Mitte Jänner tag, tritt nun- , mehr eine langsame Erwärmung bereits ein. Un- tter dem Einflüsse eines ausgedehnten Druckhochs über dem Ostteile des Binnenlandes herrscht in ' unseren Gegenden vorwiegend heiteresWet- t e r. Die Temperatur stieg jedoch Montag nachmittags über plus fünf Grad Celsius zunächst nur im Karpathengebiete, wo keine zusammenhängende Schneedecke mehr liegt. Sehr kaltes und ungünstiges Wetter hat der Südwesten des Erdteiles. In Südsrankreich schneit es stellenweise bei einer Temperatur von Null Grad Celsius, während aus Nordskandinavien gleichzeitig-durchschnittlich plus 8 Grad Celsius gemeldet Werdern Für heute, Dienstag, ist vorausgesagt: Vorwiegend heiter, erhebliche Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht, Untertags weitere langsame Erwärmung. Meffebeginn. Sonntag ist mit einem Schlage Prag wieder zur lebhaften Messestadt geworden. Der Verkehr verdichtete sich gegen das Messegelände zu iuuner mehr und namentlich der Messepalast war voll besucht. Gegen Mittag durchzog die Stadt ein Reklamezüg. Der Ge samtein- drttck d es Me ssebegin ns war gün- st i g, einesteils sieht man, daß die Industrie alle Ansttengungen macht, ins Geschäft zu kommen, anderenteils scheinen auch die eingetroffenen Käufer kauflustiger als andere Jahre zu sein. Das größteAktivum der Frühjahrsmesse ist der A u s l a. n d s b e s u ch, der sich gegen den Herbst verdoppelte. Der Nachfragedienst hat bereits Einkäuferaus 32 Staate n in Vermerk. Besonders statt ist der Käuferzustrom aus- England, Frankreich, Holland, Bulgarien, der Schweiz, Polen, und selbstverständlich aus den Nachbarstaaten. Die überseeischen Käufer kamen in größerer Zahl aus Südafrika, Argentinien, Australien, Aegypten, Indien, Palästina und den Bereinigten Staaten. Eingetrofien sind auch bereits einige Warenhauseinkäufer. Auch der Jnlandsbesuch liegt über dem Vorjahr. Kongreß der Baugewerbe in Prag. Am Sonntag, dem 17. März, beginnt um 9 Uhr vormittags im großen Saal des Slovansky Ostrov in Präg ein Manifestationskongreß der Baugewerbe. Der Zweck des Kongresses- ist vor allem, die Hebung der Baubewegung sin Jahre 1935, die baldige Berwittlichung der gesetzlichen Sicherung der Forderungen der Baugewerbe usw. zu erreichen. Gynäkologen-Kongreß in der Tschechoslowakei. Am'28. und 29. September wird in F r a n-' zensbad der erste Reichskongreß der Gynäkologen aus der Tschechoslowakischen Republik stattfinden, an dem Gynäkologen a llerNationa- l i t ä t e n der Tschechoslowakei teilnehmen werden. Landgesundheitswrrbewoche 1935. Auch 1935 wird wieder im Einvernehmen mit den landwirtschaftlichen Körperschaften in der Zeit vom 7. bis 12. April eine planmäßige Landgesundheitswerbewoche veranstaltet werden. Da heute infolge der Notzeit besonders die Jügend gefährdet ist, wurde der Landgesundheitswerbewoche das Stichwort„Fürdie Gesundheit derDorf- linder" unter besonderer Berücksichtigung der richtige»» Ernährung des Dorfkindes zu Grunde gelegt. In allen Landgemeinden sollen Vorträge und Werbeveranstaltungen durchgeführt werden. Protest des Erzbischofs. Die Presse in M e- x i k o gibt einen Brief des Erzbischof Diaz an den mexikanischen Präsidenten Cardenas wieder» tvorin der Erzbischof seine kürzliche Festnahnie einen Anschlag nennt und das Innenministerium einer Verfassungsverletzung beschuldigt. Brandstiftung. Smrntag nachts ist der M o- ser-Hofbei St: Margareten, ein in Oesterreich bekanntes kärntnerisches Mustergut, in Flammen aufgegangen. Von dem Gebäudekomplex konnte lediglich das Wohnhaus gerettet werden. Der Schaden beträgt 250.000 Schilling. Es liegt zweifellos Brandstiftung vor. Betrogener Betrüger. Der bulgarische Finanzbeamte Radenkoff, der vor einer Woche nach Unterschlagung von vier Milli onen Leva(etwa 1,200.000 XL) Staatsgeldern flüchtig wurde, wurde in Philip- popel f e st g e n o m m c n. Seine Vernehmung bestätigte den Verdacht, daß er die Unterschlagungen im Auftrage der verbotenen kommunistischen Partei verübt hat, die sich auf diese Weise in de>» Besitz vm» Geldmitteln für ihre staatsfeindliche Tätigkeit setzen wollte. Radenkoff, der sich acht Tage in einer kleinen Hütte in Philippopel verborgen gehalten hatte, war bei seiner Verhaf- tui»g halb verhungert und erfroren, da ihn seine kommunistischen Freunde nach Aushändigung des Geldes imStichge- lassen hatten. Amokläufer. Ein Senegalschütze der Garnison in B e y r u t hat in einem Anfall von Tobsucht fünf seiner; Stubenkameraden getötet. Hierauf ergttff er die Flucht, wobei er vier weitere Personen auf der Straße tötete und zwei verletzte. Er ließ sich dann, ohne Widerstand zu leisten, zwölf Kilometer wett von Beyrut entfernt, festnehmen. Heilung von Gallensteinleide» und da» Bitarnirr A Auf Grund einer Notiz unseres Blattes, die sich mtt den Wirkungen des Vttamü» A beschäftigte, fragten einige Leser, des„ Sozialdemokrat" aus Bautsch an, ob Nahrungsmittel, ivelche dieses Vitamin A enthalten, Gallensteinleiden heilen könnten. Wir haben uns, um Aufklärung darüber zu erhalten, an einen bekannten Prager Arzt gewandt, der sich besonders mit Fragen der Ernährung beschäftigt und bringen nun unseren Lesern die Antwort zur Kenntnis: Die Anfrage, ob Nahrungsmittel, welche das Vitamin A enthalten» das Gallensteinleiden hei« .len können, kann leider nicht beantwortet werden, da hier nichts anderes darüber bekannt ist, als was in der betreffenden Zeitungsnottz enthalten war. Ob es sich dabei wirklich um eine ernste medizinische Entdeckung oder bloß um eine„amerikanische" Sensation handelt, konnte vorläufig nicht kontrolliert werden. Was die Anfrage betrifft, d. h. welche Nah- rungsmtttel das Vitamin A enthalten, so ist die Beantwortung eine leichte. Es ist vor allem in allen tierischen Fetten, mit Ausnahme von Specks enthalten, also in guter Butter, in Lebertran, im Eigelb. Es fehlt in den pflanzlichen Fetten. Die künstlichen Fette enthalten nur dann Vitamii» A, wenn sie Butter, Rahm, Hammeltalg oder Rindsfette enthalten, sonst sind sie ohne Vitamin A. In guter Milch und namentlich im Rahm ist dieses Vitamin reichlich enthalten, gerade so in allen sogenannten inneren Organen.' Von pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten prattisch genommen fast alle Obstsorten, Gemüse und Salate genügend Vitamin A. Ganz allgemein kann man sagen, daß die Bitamin-A-Mcnge desto größer ist, je dunkler das Obst oder Gemüse gefärbt ist» Es scheint, daß das Vitamin A irgendwie chemisch mit den bttreffenden Farbstoffen verwandt ist. Wenn man eine gemischte Kost, in der genügend Milch, Butter, Eier, Kattoffeln mit Zusech von Obst m»d Gemüse ist, zu sich nimmt, versorgt man den Organismus mit einer genügenden Menge von allen Vitaminen, also auch vom Vita-, min A. Ob das Vitamin A irgendwie auf das Gallensteinleiden wirkt, ist nicht bekannt. Es ist jedenfalls mettwürdig, daß viele von den Nahrungsmitteln, die an diesem Vitamin reich sind, gerade bei Gallensteinkranken schlecht vertragen werden« wie z. B. Rahm, Eigelb und andere Fette. Bon einem Stier getötet. Die Prager Polizeikorrespondenz meldet: Sonntaa in den Morgenstunden führte der Flesscher Miroflav Pesta aus Kunratice einen Stier in den. Prager Schlacht-- Hof. Der Stier fiel al»S-unbekannten Grund den Mann plötzlich an, hob ihn auf die Hörner und drückte ihn gegen ein eisernes Geländer, welches unter dem Anprall einstürzte. Pesta wurde bewußtlos ins Kremlenhaus auf der Bulovlck geschafft, wo ein Bruch der Wirbelsäule und andere schwere Verletzungen festgestellt wurden. Er starb nach kurzer Zett. Furchtbare Tat eines Geistesverwirtten. In dem Dorfe Dolna Sirsica in der Nähe der mazedonischen Stadt Gorna Dzumaja warf der Müller Padeski in Sinnesverwirrung in das eigene Haus eine Bombe, deren Explosion großen Sachschaden anrichtete und P ä d e s k i sowie seine Frau schwer verwundete. Obwohl Padeski eine Handweggerissen wurde, lief er noch in die Mühle, die er in B r a n d steckte, worauf er sich in die brennende Mühle stürzte und sich dort erhängte. 21 Menschen ertrunken. In der Stadt Lunju (China) passierte ein Autobus eine Brücke in dem Augenblick, da sich eine Prozession auf ihr befartd, und fuhr gegen das Geländer. Dadurch entstand in der Menschenmenge, eine. Panik. WO Personen stürzten ins Wasser, von denen 21 e"r Ir a n- k e n. Vom Rundfunk Sie Mer teutfte MeiluMm bringt in dieser Woche: Mittwoch:(13.45 bis 13.55): Deitt- scher Arbeitsmarkt.—(18.25 bis 18.45): Grete Schneider: Frauenwelt in der Demokratie. —(18.45 bis 18.50): Soziale Information. Freitag:(18.40 bis 18.50): Aktuelle zehn Minuten.(Dr. Emll Franzel.) Sonntag:(14.40 bis 14.55): Grete Hartwig: Bret Harte als Gesellschastskrttiker. Empfehlenswertes ans den Programme«: Mittwoch: Prag, Sender L.: 6.15: Gymnastik, 10.05: Deutsche Nachrichten, 12.10: Operettenmusik, 13.45; Deutscher Arbeitsmarkt, 16.45: Theater für die Jugend, 17.30: Kreisler spielt auf HMB-Platten, 18.15: Deutsche Sendung: Horner: Wirtschaftliches Relief. 18.25: Deutscher Arbeiterfunk: Grete Schneider: Frauenrecht in der Demokratie, 18.50: Deutsche Presse, 20.05: Einleitung zum Konzert: Tschechische Philharmonie, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 14.20: Konzett des MuZikquar- tetts, 15: Deutsche Sendung: Kirchner: Abenteuer am Meeresgrund.— Brünn 12.10: Arbeitsmarkt und soziale Informationen, 17.50: Deutsche Sendung: Dr. Steinermayer: Die hervorragendsten Wette der englischen Literatur.— Mährisch-Ostrau 15.55: Orchestettonzert. Preßburg 17.05: Streichquartettkonzert: Rr. 60 Dienstag, 12. Mir, 1935 . Fünf Kinder ertrunken. In D ö m i tz(Meck» lenburg Schwerin) brachen auf der dünnen Eis« decke des alten Festungsgrabens am Sonntag nach« mittags sechs Kinder ein, von denen fünf ertranken.. Spielhöllen in Berlin. Dem Spielerdezernat des Polizeipräsidiums in Berlin ist es gelungen, in den verschiedensten Stadtgegenden von Berlin insgesamt acht Spielhöllen auszuheben und über hundert Personen, zum großen Teil gewerbsmäßige Spieler, die zum Teil schon vorbestraft sind, feftzunehmen. Die Festgenommenen sind sämtlich des Glücksspiels überführt und sehen ihrer Bestrafung entgegen. In den Spielhöllen, die sich in Schanklokalen und Wohnungen befanden, wurde vor allem»Meine Tante, deine Tante", Poker und das Würfelspiel„fetten eieben" gespielt. Die Spielveranstalter spielten in verschiedenen Fällen mtt gezinkten Karten und mit gefüll- ten Würfeln, um ihren Opfern das Geld sicherer abnehmen zu können. Wenn den Mitspielern das letzte Geld abgenommen war, ging man oft so weit, von ihnen als Spieleinsatz ihren Winterüberzieher entgegenzunehmen, so daß die Gerupften häufig„mantellos" ihren Heimweg antreten mußten. Unter den Mitspielern befanden sich vielfach Erwerbslose, die auf diese Weise um ihre gesamte Arbeitslosenunterstützung gebrach t wurden. Di« Freimaurerei in Oesterreich. Die«Wiener Neuesten Nachrichten" berichten, daß das österreichische Freimaurertum, obwohl die Logen an sich unangetastet güblieben seien, durch Massen» austritt sehr geschwächt worden sei. Von den arischen Logenbrüdern sei fast nichts zurückgeblieben, und die Freimaurerei in Oesterreich sei jetzt eine rein jüdische Angelegenheit geworden. Die.Meichspost" wirft die Frage auf, ob die Fortdauer dieser Geheimbündelei sich mit dem Geiste der neuen österreichischen Ver« sastung vertrage. Der berühmte schwedisch« Forscher Sven Hedi« kehrt« am Montag früh al» letzter Mitglied seiner Expedition, di« im Auftrage der chinesischen Regie- öung nach Chinesisch-Turkestan unternommen worden war, nach Peiping zurück. Der Zweck dieser Expedition war die Erforschung der alten Karawanenstraßen, die China mit dem Abendland verbanden und die in früheren Jahrhunderten für den Austausch von Kultur- und Wirtschaftsgütern zeitweilig eine bedeutende Rolle gespielt haben. Durch die Veränderungen in der Weltwirtschaft und im Verkehrswesen, durch Einbrüche kriegerischer Step» penvölker gerieten diese Straßen immer mehr und mehr in Vergessenheit. Die Expedition Sven HedinS war bei ihren Arbeiten durch die ungeklärten politischen Verhältntffe und durch-die kriegerischen Lreig» uiste in Chinesisch-Turkestan stark behindert. Die Mitglieder der Expedition wurden zweimal von den örtlichen Machthabern gefangen gehalten und auf ihrem Marsch wiederholt beschaffen. Trotzdem hat Sven Hedin seine Forschungsreise glücklich zu Ende geführt. „Jeder Falke gibt jede Woche eine Schnitte Brot(20 Heller) für hungernde Kinder“ Die Insel Kreta Die Insel Kreta, die Heimat des 71jährigen RevolutionSsührerS VenizeloS und das Zentrum des griechischen Aufstandes, steht momentan im Mittelpunkt des allgemeinen JntereffeS. Wechselvoll wie di« Geschicke von VenizeloS, den man kurz den Kreter nennt, waren auch die Schicksale dieser Insel. Mit« telmeerfahrer erlebten, daß an einer bestimmten Stelle bei klarem, Hellem Himmel plötzlich das Meer zu tosen anfängt. Kurz danach erblicken sie dann die hohen Felsenriffe der kretensischrn Küste. Mit 260 Kilometern Länge liegt, Kreta wie ein schmaler Schlußstrich unter den Hunderten von kleinen Inseln -wischen Griechenland und Kleinasien. Es ist die bei weitem größte griechische Insel und hat 400.000 Einwohner. In der Antike, als man das Vermögen nach der Zahl der Oelwnnen schätzte, war Kreta einer der reichsten Länder. Auch heute stoch liefert eS Griechenland das meiste Oel. Nacheinander gehörte die Insel den Römern, den Byzantinern, Sarazenen, Ben-tianern, Türken. Sie kam nicht zusammen mit den Jonischen Inseln, sondern erst 60 Jahre später an Griechenland. Erst im November ISIS schlug Kreta offiziell der Tag der Freiheit. Sonst wäre wohl Griechenland im Weltkrieg sofort auf die Seite der Entente getreten. Fischer gibt er auf Kreta nicht. Das Meer ist so wild an den Küsten, daß dort keine Fische existieren Die Rationalisierung in der Tschechoslowakei Aus dem Bericht der Gewerbelnspektoren Es ist erfreulich, daß das Ministerium für Soziale Fürsorge im Bericht der Gewerbeinspektoren die verschiedenen Rationalisierungsmaßnahmen festhält, da dieser eigentlich die einzige Quelle für die so notwendigen Beobachtungen darstellt. Die allgemeinen Wirkungen der Rationalisierung werden einleitend sehr knapp, aber gerade deshalb ausdrucksvoll gezeichnet: die tschechoslowakische Industrie habe sich in ihrem schweren Exi« sienzkampf bemüht, die Produktion so wirtschaftlich wie möglich zu gestalten,„wenn auch damit eine weitere Verringerung des Bedarfes an menschlichen Arbeitskräften und damit eine Vermehrung der unglücklichen Arbeitslosenmassen herbeigeführt wurde." Die technischen Vervollkommnungen wurden nahezu in allen Industriezweigen durchgeführt. So baute ein großes Schotterwerk im Krem» sierer JnspektionSbezirk eine 412 Meter lange Drahtseilbahn, welche den bisher mittelst Fuhrwerk besorgten Transport der Steineübernahm. Der Betrieb erzielte damit eine erhebliche Ersparnis, dagegen konnten die bisher beschäftigten Lohnkutscher nicht mehr beschäftigt werden. Eine Zementfabrik im Olmüher Bezirk erhöhte durch eine Modernisierung ihrer Ofenanlagen die Produktion von 5000 auf 7500 Waggons jährlich, dabei verloren 30 Arbeiter ihte Beschäftigung. Ein großes Ziegelwerk im Kremsierer Bezirk ersetzte die Handarbeit von 24 Mann durch eine maschinelle Baggereinrichtung beim Ausstechen des Lehms. In der Glasindustrie werden trotz der schon weit vorgeschrittenen Rationalisierung und der dadurch bewirkten MaffenarbeitSlofigkeit immer neue vervollkommnete Maschinen eingestellt. So wurde in den Glasschleifereien des Jungbunzlauer Jnspektionsbezirkes bereits im Jahre 1925 eine neue maschinelle Einrichtung in Form von Sandtrommeln eingeführt, in denen die indischen GlaSringe geschliffen wurden. Jede dieser Maschinen brachte 15 Heimarbeiter um ihre Beschäftigung. Nunmehr hat man eine neue Maschine konstruiert, welche die sogenannten Lampenglasringe nicht nur schleift, sondern auch gleichzeitig schweißt. Die Maschine bearbeitet 3000 Dutzend Ringe in acht Stunden, was einer Tagesarbeit von 30 Heimarbeitern entspricht. Eine Glas» Hütte ersetzte das bisher mit der Hand erfolgte Pressen von Glasperlen durch ein« maschinelle Einrichtung°«nd steigerte-damitdieProduktionsleistung von 20 auf 100 Kilogramm'täglich.' Es wurden vier solcher Maschinen aufgestellt, die von insgesamt vier Mann bedient werden, 16 Arbeiter wurden arbeitslos. Das Schleifen der Cha- tons wird immer mehr vervollkommnet, die Nachfrage nach billigeren Qualitäten erfordert auch kein so sorgfältiges Sortieren. Die Folge ist ein Rückgang der beschäftigten Sorfierinnen bis um 70 Prozent. Auch im Feuer polierte Glasperlen werden in besonderen maschinellen Einrichtungen geschliffen, die mit Sandsteinscheiben versehen find. Die Leistung ist zwölfmal größer als die eines Handschleifers. Da in dem in Betracht kommenden Gebiet 150 solcher Einrichtungen aufgestellt wurden, die von je zwei Mann bedient werden, leisten 300 Menschen so viel wie vorher 1300 Heimarbeiter. Die fast zur Gänze staatliche Munitionsfabrrk in Bratislava hat«ine automatische Füllung der zur Munitionserzeugung dienenden Maschinen eingeführt. Damit wurde eine erhebliche Beschleunigung der Produktion herbeigeführt, allerdings ist auch gleichzeitig die Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen um zwei Drittel gesunken, nachdem gegenwärtig eine Arbeiterin drei Maschinen bedient, während früher bei jeder Maschine eine Arbeiterin beschäftigt war. Die in Betracht kommenden 24 Arbeiterinnen seien aber in anderen Abteilungen beschäftigt worden. können. Die Bevölkerung sind vorwiegend Bauern, die in größter Bedürfnislosigkeit leben. Diese Armut kontrastiert aufs höchste mit dem LuxuS, der hier vor viertausend Jahren herrschte. Damals war Kreta ein Staat mit einer großenFlotte, mit Palästen undTem- peln, di« alle in der griechischen Sage ihre Rolle spielen. Bei dem alten KnoffoS, in der Nähe des später von den Venezianern befestigten Hafens von Herakleion findet man den sagenumwobenen Palast deS Kreterkönigs MinoS Dazu verdrängt bei den Eßbestecken, ikeben dem billigen Aluminium, immer mehr die Verchro- zming aller halbedlen Metallegierungen. Auch diii Elektroindustrie hat etwas für die leihende Welt getan. Das gut entwickelte Gebiet der Kleinstmotoren hat eine Klingenschwinge konstruiert, mit der fich Männer mit"arkem Bartwuchs ohne Seife rasteren können. Mein die noch etwas plumpe Unförmigkeit der Apparatur und der hohe Preis, dürften noch etwas störend wirken. Eine wirklich umwälzende Neuerung bringt die Elektroindustrie mit Gasentladungslampen, die abweichend von der uns allen bekannten Form der farbigen Reklameröhren, nur die Größe und das Aussehen einer gewöhnlichen 40 Watt-Birne haben. Diese Lampen strahlen mit relativ sehr hoherLeuchtkraft in- tenstv farbiges, grünes, blaues oder rotes Licht. Sie dürften sich durch ihre niedrigen Betriebskosten bald ein großes Wirkungsfeld erobern. Nach diesen farbigen Lichteffekten ist es schwer, wieder zu Mustern der alltäglichen Gebrauchsgegen- ftände zurückz» kehren. Es ist aber die Textilindustrie, di« uns das leicht macht. Vorbildlich in Farbgebung und Stil find ihre Erzeugnisse. Mt solchen herrlichen Laschentuchmustern macht sogar das Schneuzen Vergnügen. Weniger vergnüglich für die Sehleute ist die Gruppe der Glasindustrie. Einer der größten Aussteller. der im letzten Jahre seine Kollektionen den Sehleuten noch leicht zugänglich machte, schreibt diesmal an seine verschlossene Türe: Zutritt nur für Interessenten. Diese Aufschrift ist an diesem Orte ebenso unpassend, wie etwa an einem gewissen anderen Oertchen. Es wäre ungerecht, zum Schluß nicht auch zu erwähnen, daß den Sehleuten für ihr Eintrittsgeld auf der Mustermesse nicht auch etwas freiwillig geboten wird. Es ist die Photogruppe, bei der an einem Stand ohne- weitere Nachzahlung Chaplinfilme vorgeführt werden. Diese selten« Gelegenheit wird von den Sehleuten auch weidlich ausgenützt und«in« begeisterte Menschenmenge umlagert ständig diesen Stand. so Jahre Deutscher Handwerkerverein z« Praß Die Bestandfeier wurde am 10. d. M. im großen Saale des eigenen Hauses in der Smeöka abgehalten. Bei Anwesenheit von zahlreichen Gästen und Vertretern der Gewerbevereine Böhmens und Mährens. Der Festredner widmete auch dem Geburtstag des Staatspräsidenten Masaryk ein kurzes Gedenken, was stehend angehört wurde und hielt einen Rückblick über die Entwicklung und Arbeit des Vereins. Der Kulturverband, das Deutsche Haus, die bürgerlichen Etadwertreter und der kaufmännische Verein hielten Ansprachen, wobei der Sprecher des letzteren ein« Leine Wahlrede für die deutschdemokratische Partei einschob. Von der Prager Handelskammer wurde dem Verein ein Diplom durch Kommerzienrat Orlik übergeben. Der Allgemein« Angestelltenverband, Gruppe Prag, welcher durch den ehemaligen Werkmeister Verb and urü> durch die Mitarbeit eigener Mitglieder in Beziehungen zum ' Handwerkerverein steht, brachte durch seinen Sprecher die Wünsche für die weitere kulturelle und wirtschaftliche Tätigkeit dar. Er wies in seiner kurzen Rede auf die Wechselbeziehungen- des Handwerkers zum Fabrikhandwerker, dem Werkmeister und Angestellten hin. Gewerbegenossenschaften und Gewerkschaften werden die Mechanisierung der Arbeit nicht aufhalten, haben aber die Pflicht, dafür zu kämpfen, daß der Arbeitsertrag dem Schaffenden erhalten bleibe, daß er ein menschenwürdiges Dasein führen kann und nicht im Alter betteln gehen braucht.— Der Prager Handwerkerverein ist der Sammelpunkt des Kleinbürgertums Prag, in den früheren Jahren vorwiegend des deutschen Handwerkers und Gewerbetreibenden; zufolge der geänderten Zeiten und Wirtschaftsformen ist auch der industrielle Handwerker. der Werkmeister und Angestellte stärker vertreten.— Das Vereinshaus beherbergt die deutsche kaufmännische Fortbildungsschule und Gastgewerbeschule. ein Gesellenheim, eine Vorschußkasse, eine Gastwirtschaft, Studentenbuden und selbstredend die Vereinskanzleien nebst Unterstützungsverein. Der große und kleine Saal dient den deutschen Versammlungen und Unterhaltungen sowie für Tanznachmittage der kleinen deutschen Angestellten von Prag. Durch Jahre war a^ch der Prager Volksbildungsverein„Urania" samt Kino dort untergebracht und hat sicher in der Nachkriegszeit nicht wenig zur Erhaltung des Bestandes und der Frequenz des Handwerkerheimes beigetragen.—- An die Ansprachen schlossen Chorlieder und Einzelvorträge sowie Musikvorträge an. wobei der Bolksgesangverein und die Deutsche Akademie für Musik zur Geltung kamen. Einige wenig bekannte Volkslieder fanden lebhaften Beifall. 9 Sonderzüge für Skifahrer Sonntag ist von Prag ein Sonderzug nach SiränLice mit 700 Skifahrern abgelaffen worden. Außerdem wurden von Prag-Weinberg« in der Zeit von 7.30 bis 0.46 acht Sonderzüge mit insgesamt 7000 Skifahrern nach Mnichovice abgefertigt. Sonderzug ins Riesengebirgr. Die Staatsbahndirektion Prag veranstaltet in den Tagen vom 16. bis 24. März einen Sonderausflugszug• nach dem Riesengebirge mit Aufenthalt in der Sokolbaude zum Preise von 425 KL, in Johannisbad zum Preise von 375 KL. Anmeldungen mit Angabe von 50 KL nimmt das Ausflugszug-Referat im Basar neben dem Wil- sonbahnhof, Telephon 38335, sowie auch das Reisebüro„Fenix" entgegen. Drei Selbstmörder. Die 30jährige Handschuhmacherin Marie 58.' aus Zizkov bohrte fich gestern früh in selbstmörderischer Absicht ein Messer in die linke Brust. Nachdem sie auf der Klinik Jiräsek untersucht worden war, wurde sie in die Anstalt für Geisteskranke überführt.—- Gestern vormittag hat sich in seiner Wohnung in Stkesovic aus unbekannter Ursache der 48jährige Jng. chem. Viktor I. am Fensterkreuz erhängt. Die Leiche wurde ms Institut für ge- richikichc Medizin überführt.—- Gestern nachmittags fand man im Waschraum des Wilsonbahnhofs die 20jährige Zdenka Klimes aus Zizkov mit durchschnittenen Pulsadern bewußtlos auf. Sie wurde ins Allgemein« Krankenhaus gebracht. Das Motiv der Tat ist unbekannt..■ Selbst Aerzte empfehlen Diana-Voll milch- M a l z. Kunst und Wissen Mädchen für alles Hans Adler, der Autor dieses Lustspiels, mit dem die Kleine Bühne nun ihr nicht sehr beglückendes Durchschnittsniveau hält, hat sich die Sache durch eine ebenso konstruierte wie gedankenlose Handlung sehr leicht gemacht: eine Journalistensgattin entläßt ihr Mädchen, das dann„durch Zufall" den obersten Chef dieses Journalisten kennenlernt und heiratet: und die ehemalige Arbeitgeberin muß jetzt ihr Mädchen für alles als hochgestellte und hochmögende Vorgesetzte empfangen. Das Stück lebt hauptsächlich von der Situationskomik, ohne auch nur den bescheidensten Versuch zu sozialer Beleuchtung zu machen. Dennoch wurde, wie man hört und liest, die Erstaufführung in der Kleinen Bühne unter, viel Amüsement sehr beifällig ausgenommen. Der Besucher der ersten W jeder ü o l u'n g kann nur sehr mäßige Stimmung und Wirkung feststellen, weshalb wieder einmal zu sagen ist. daß das Ensemble(das gilt übrigens auch von Oper und Operette) sich vor dem Abaleiten bei Reprisen bewahren müsse. Unter HansBurg«rs nicht sehr eindrucksvoller Regie bat DoloresMon- c a s i in der Titelrolle alle erforderliche Wandlungsfähigkeit und«in paar recht erfreuliche Augenblicke, sekundiert von Hans G ö tz' trockenhumoriger Drastik: Schmer zenreich stellt einen lustigen schüchternen Liebhaber, Volker einen überzeugend modern gefärbten. eingebildeten Kranken. Dem Fräulein Valerie Schneck, die sich nicht sehr ums Cha- rakterifieren bekümmert, muß einmal gesagt werden, daß ihre Sprech- und Atemtechnik völlig unzulänglich ist: laut hörbares Atmen bei jedem Satz pflegt im allgemeinen schon in der Tbeaierschule ab- gestellt zu werden! Und Frau TrvdeWesselv. die wir schon sehr volkstümlich sahen, verrät in diesem Falle nur die mißlungen« Absicht, so zu wirken. l. a. Donnerstag: Theatergemeinde der Jugend„Der fliegend« Holländer". Senta— Reich-Dörich a. G.. Holländer— Scheid!. Erik— Fischer. Daland— Andersen. Wochenspielplan deS Neue« Deutsche» Theaters. Dienstag halb 8 Uhr: Die Jüdin, AI.— Mittwoch 71/2: Polenblut, neuinszeniert, B 2. — Donnerstag 6)4: Verfliegende Holländer, Theatergemeinde der Jugend. Wonne genannte Periode gelten, nach der v i e r K l u b SI wichtige Ausschußsitzung im Parteiheim. Uhr dem ab- und nur zwei aufsteigen sollen, so daß der jetzige Stand von zwölf Vereinen wieder hergestellt wird. Man muß staunen über den Schacher, der da getrieben wird und„Können" auf dem grünen Tisch dekretiert. Auf das nach einem Jahr eintretende Theater kann man sehr neugierig sein! Ferner wurde der Protest SK. Pilsens im Fall Tep- litz endgültig abgewiesen. Hiebei kam es zu einem politisch-nationalen Zusammenstoß, wodurch das Märchen vom bürgerlichen „unpolitischen" Sport wieder ad absurdum ge- firhrt wurde! Di« Ausländerbestimmun- g e n wurden ebenfalls neu geregelt. In der Meisterschaft dürfen höchstens zwei Ausländer Mitwirken, jene aber, die bis 31. Dezember 1032(früher 1031) gemeldet waren, werden als solche nicht gewertet. Zum Schlrrß kündigte der Vorsihend« Prof. Pelikan an, daß eine Aktion bei den staatlichen Behörden zwecks der drückenden Steuerlasten usw.«ingeleitet werden soll. Als Vorsitzender wurde Prof. Pelikan wiedergewählt; zum ersten Stellvertreter Heller(DFV). ment aufgehoben.— Freitag 7)4: Eine Frau I ü g t. D 1.— Samstag 7>/£: E i n Maskenball, VerdizhÜus Vlll, C 2. Wochenspielplan der Kleine« Bühne. Dienstag 8:MädchenfüralleS.— Mittwoch 8: Mädchenfü r a 11« s.-—. Donnerstag 8: Mädchen für alleS.—r Freitag 8: Mädchen f ü r a l l e s. Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag 7)4: Gentlemen. Erstaufführung. Schmelings„Revanche" In Hamburg wurde am Sonntag der Boxkampf zwischen Hamas(Amerika) und S ch m e« l i n g ausgetragen. Trotz der barmmunäßigen Reklame war aber die Sportarena zur Ueberraschung der Veranstalter nicht ausverkauft. Der Grund lag darin, daß Hamas' Börse in guter Valuten— sicher ist sicher!— im Ausland deponiert und darum di« Eintrittspreise entsprechend.aufgewertet" werden mußten. Nun, dem Nazi-Max ist es gelungen, den Amerikaner zu schlagen. In der neunten Runde wurde der Kampf von dem Ringrichter'zugunsten Schmelings abgebrochen. Die Zu- fchauer brüllten darob„Siegheil" und sangen dann das„Deutschland, über alles"; nur das Zuhälterlied fehlte, aber es hätte so richtig zu diesem„Sport* gepaßt. Mut floß und zerschlagene Nase usw. gab es; diese unumstößlichen„Beigaben" wurden von dem Rundfunkreporter mit Behagen verzapft und Max als ein„echt deutscher Mann" gefeiert, der „eisern" und„berechnend" sein ,Li«l" verfolge..» Das richtige Idealbild also derjenigen, di« die„Kultur" des Dritten Reiches verkünden! In Amerika wird dieser„Sieg" jedoch anders gewertet werden; als es di« Zeitungen des Dritten Reiches wissen machen wollen. Schmeling war einmal Weltmeister.., Sonstige Fußballerqebniffe. Saaz: DSV. gegen Karlsbader FK. 0:0.— Bodenbach: SK. Pilsen gegen SpBg. 2:1(1:1).— Gablonz: BSK. gegen DSV- Reichenberg 7:0(4:0).— Fila k 0 v 0: FTC. gegen CSK. Preßburg 1:0(0:0)! — Budapest: Ferencvaros gegen Bocskai 1:0, Ujpest gegen Atilla 4:2, Hungaria gegen 8. Bezirk 2:1.— Wien: Rapid gegen WÄC 11:2, Austria gegen Hakocch 5:2, Admira gegen Wacker 5:0, Liberias gegen Sportklub 2:2. Der Franen-Schwimmländerkampf Tschrchoflo" wakei—Dänemark, welcher in Kopenhagen ausgetragen wurde, endete mit dem Siege Dänemarks von 51:41 Punkten. Die Tschechoslowakinnen Schramek und Würfel erzielten neue Rekord«, und zwar erstere über 400 Meter Freistil in 6:04 Min. und letztere über 100 Meter Brust in 1:80.6 Min. Beide besetzten in diesen Disziplinen den zweitest Platz. Die LsAF tagte am Sonntag in Prag. In diesem bürgerlichen Fußball-Staatsverband sind derzeit 100.701 Spieler registriert, und zwar verteilen sich diese auf: EsSS mit 70.263, DFB mit 24.802 und MLSZ mit 5636. In der obigen Gesamtzahl sind enthalten 13.640 Zöglinge, 86.838 unbezahlte und nur 313 bezahlte Spieler! Wie man daraus ersehen kann, blüht der Pseudo-Amateurismus bei uns lustig weiter. Die Staatsliga für 1035/36 soll auf 14 Klubs erhöht werden, um Viktoria Zizkov und SK. Nachod dem Versprechen gemäß unterbringen zu können. Diese Regelung soll aber nur für die Ans der Partei Jugendbewegung S. I. Weinberge. Mittwoch um halt 7 Uhk Freie Bereinig««- sozialistischer Akademiker Am Di e n s t a g, dem 12. März, nm lV.3(f im großen Saale des„Närodni düm" auf BinohradskL näm. in Prag XII manifestieren wir mit der„Hochschulfront" gegen Krieg und Faseismus, für kulturelle und soziale Rechte der Studenten Die Ordner haben zu dieser Kundgebung 18.30 Uhr vor der Museumsrampe stellt zu sein! Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht! Am Mittwoch wichtige Aus 0 schußsitzung im Cafä Merkur in Prag l- ReEuLni 20. Sämtliche Ausschuhmitglieder sind verpflichtet, pünktlich um 20 Uhr zu erscheinen! Sport• Spiel• Körperpflege Profifuhball im Morast Von den am Sonntag ausgetragenen Profi- Meisterschaftsspielen wäre nur festzustellen, daß die Platzmannschaften bis auf Bohemians obenauf blieben. und von einem Fußball„spiel" verschwindend wenig zu sehen war. Man frage nicht, wie die Plätze ausfahen: wahllos verstreute Wafferpfühen und ein manchmal bis zum Fußknöchel reichender Morast. Eine Verlegung dieser Runde ließ die Verbandsleitung nicht zu und so mußte gespielt werden, so daß einzelne Spieler, Wer und Wer von Schmutz bedeckt, 00 Minuten Herumlaufen mußten. Gefährdung der Gesundheit? Ein unbekannter Begriff im bürgerlichen Geschäftssport I In Prag fanden zwei Spiele statt- Sparta hatte auf dem schweren Boden leichte Arbeit mit den Proßnihern, welche mit 6:0‘(3:Ö) geschlagen wurden. Es wurde mit wenigen Ausnahmen fair gekämpft. Im Dannerstadion dagegen ging es schon lebhafter zu: Bohemians, die sich in Wstiegs- gefahr befinden, machten es der S l a v i a nicht leicht, zu gewinnen. Die Folge war, daß dieses Spiel mit Fouls reichlich gespickt war. Und der Schiedsrichter Krist(welcher eigentümlicherweise bisher alle Slavia-Spiele leitet) verwarnte und gab Freistöße; nur zwei Wrschöwitzer wurden ausgeschlossen. die Slavia-Leute(Daukik) gingen straffrei aus. Bohemians hielt nur eine Halbzeit stand und als nach der Pause der zweite Mann ausgeschlossen War, kam die„große" Zeit für Slavia, die dann mit 4:1(6:1) siegte. DFC Müßt« tlach Kladno und wurde prompt geschlaaen. Mit 4:2(3:1) endete der Kampf für den SK. Kladno. Die Sieger kämpften diesmal mit Elan sowie taktisch richtig und ist ihr Erfolg als verdient zu bezeichnen. Anderer Meinung kann man vom DFC sein. Diesmal war die Stürmerreihe mit der beste Teil und da versagt das Schlußtrio zur Gänze! Daß kranke Spieler aufgestellt werden müssen, um eine Elf zu komplettieren, ist ebenfalls unverständlich. Der Schiedsrichter war objektiv, obwohl er das Foulkpiel ost negierte. Es gab 45 Fouls, davon entfielen 22 auf den DFC und 23 auf Kladno! In Pilsen gewann Viktoria gegen den Te plitz er FK. mit 2:0(2:0). Nach der Paul« hatten die Teplitzer mehr vom Spiel, doch ihr Angriff erwies sich auf dem morastigen Boden wenig durch- schlaaskräftig. Nur mit 1:0(1:0) gewann Zidente« auf eigenem Platz gegen EechieKarlin. Beide Angriffe waren in schwacher Verfassung. -POPUIAR 1935 schöner bequemer schneller sparsamer zuunyeränderten Preisen! Besichtigen Sie diß;;LTniusrrte'Popular Iniunseren'Verkaufsstellen Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tnS HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 06— ganzjährig KL 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuflripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele- grapbendireftion mft Erlaß Nr. 18.800/VH/1030 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-. Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.