1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION und Verwaltung frag xn., fochova a. TELEFON 53077. HERAUSGEBER« SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG, Einzelpreis 70 Heltar (einschließlich S Heller Fortei 15. Jahrgang Donnerstag, 14. März 1935 Nr. 62 keickspsrteileituns des b. d. L sistiert die Beschlüsse von Tuschkau Scharfes Vorgehen gegen die Schuldigen Prag. In unserer gestrigen De» trachtung über die Vorgänge im Bunde der Landwirte habe« wir die Frage gestellt, ob der Bund der Landwirte die Kraft haben wird, den notwendigen Reinigungsprozeß durchzuführen. Es scheint, daß wenigstens der Anfang dazu gemacht wird. Wie Parteioffiziell mttgetellt wird, hat die Reichspartelleitung des B. d. L. am Mittwoch die Mehrhettsanträge des Kreistages in Tnschkau vom IS. März dieses Jahres ans satzungsmaßigen Gründe» nicht zur Kenntnis genommen und diese Anträge aufgehoben. Die Reichspartelleitung sieht keine Veranlassung, eine andere Haltung zu beziehen als wie die Aufrechterhaltung der Selbständigkeit des Bundes der Landwirte. Auf die Vorschläge des Bundes der Landwirte vom IS. Feber dieses Jahres ist bis heute von der sudetendeutschen Heimatfront nicht geantwortet worden. Für den 20. März ist die Reichsparteivertretnng einberufen worden. Die Beschlüsse von Tuschkau gipfelten bekanntlich darin, daß der B. d. L. und die SHF die Zusammenarbeit sofort zu beginnen haben, daß eine gemeinsame Kandidatenliste für die Wahlen ausgestellt wird und nach den Wahlen die Verschmelzung der beiden Parteien zu erfolgen hat. Außerdem wurden detaillierte organisatorische Bestimmungen über die gemeinsame Kreisvertretung Und den gemeinsamen Krcisvorstand festgesetzt. Alle diese Beschlüsse sind nun von der Reichsparteileitung als nicht zu Recht bestehend erklärt lvorden. AusschluOverfahren gegen Ing. Künzl und Pfrogner Wie wir weiters aus gut informierter Quelle erfahren, wird gegen die Hintermänner des Tusch- kauer Potsches energisch eingeschritten werden. Sowohl Ing" K ü N z l, dessen Rolle wir bereits vor einigen Tagen beleuchteten, als auch der eigentliche Organisator des Putsches, der Lagerhausdirektor Pfrogner aus Mies, sollen aus der Partei ausgeschlossen werden. Ebenso soll das Ausschlußverfahren gegen den Landbündler Nitsch aus Müglitz, der zu den schlimmsten SHF-Zellrn im Bund der Landwirte gehört, und wahrscheinlich auch gegen den von uns ebenfalls schon früher genannten Dr. P reib sch aus Brünn ringeleitet werde«. Hanreich bei Henlein in Asch Einer der Hauptagitatoren für das Aufgehen des Bundes der Landwirte in der SHF, Abgeordneter Dr. Hanreich, der nach seiner verunglückten Extratour mit dem„Sudetendeutschen Landbund" erst vor kurzem wieder in de« Bund der Landwirte ausgenommen worden ist, hat Freitag, d e n 8. M ä r z, i n A s ch mit Konrad Henlein verhandelt. Hanreichs Absicht ist es, unter allen Umständen die südmährischen Organisationen des Bundes der Landwirte in das Lager der SHF überzuführen, der Führer des bäuerlichen Flügels der Heimatfront zu werden und sich so auf alle Fälle ein Mandat z« sichern. Stoupal führt in Präs direkte Verhandlungen mit Henlein Auch der tschechische Agrarier und mährische Landesausschußbeisitzer Stoupal verhandelt eifrig, und zwar direkt mit Konrad Henlein. Mittwoch» den 13. März, haben bereits solche Verhandlungen zwischen den beiden in Prag stattgefunden, die am Donnerstag, den 14. März, fortgesetzt werden. Die Berhandlungen spielen sich teils im Luxusrestaurant S r a m o t a, teils in der Pressestelle der SHF in der Panfkä 14, ab. Stoupa versucht Henlein dazu zu bringen, mit dem Bund der Landwirte ein Wahlbündnis abzuschließen, ohne auf die Verschmelzung der beiden Parteien zu bestehen. Es hat sich also die groteske Situation herausgebildet, daß Stoupal das Bündnis des Bundes der Landwirte mit der SHF auch gegen den Willen Spinas zustande bringen will. Will die Sudetendeutsche Heimat front also wirklich unter Führung des tschechischen Agrariers Stoupal die sudetendeutsche Volksgemeinschaft zustand evringen? Hochverratsprozeß gegen sechs Genossen in Linz| Linz. Vor dem hiesigen Schwurgericht begann Mittwoch der Hochverratsprozeß gegen den ehemaligen Vorsitzenden der sozialdemokratischen Partei und den ehemaligen Bürgermeister von Steyr Franz Sichlrader und fünf weitere Funktionäre der sozialdemokratischen Partei und des overösterreichischen Republikanischen Schutzbundes wegen ihrer Teilnahme «n den Ereignissen vom 12. Feber 1934 in Linz >md in Steyr statt. Der Prozeß wird etwa drei Tage dauern. Es werden 27 Zeugen eiuver- bommcn werden. Macdonald geht endlich ab? Verhaftungswelle in der Sowjetunion Die Auslandsdelegation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands(in Paris) hat aus der Sowjetunion die vom 28. Feber datierte Mitteilung erhalten, daß in ganz Sowjetrußland Verhaftungen nicht nur unter den Angehörigen der Kommunistischen Opposition, sondern auch unter allen irgendwie bekannten Sozialdemokraten vorgenommen werden, hauptsächlich unter denjenigen, die vor kurzem ihre Gefängnis- oder Ver- bannungsstrafe verbüßt haben. Unter den Verhafteten befindet sich auch die Genossin Sacharowa und der Genosse I e s h o v(der Bruder Martows), die im vorigen Herbst in einem Telegramm aus Kasan den Einheitsftontpakt zwischen den französischen Sozialisten und Kommunisten begrüßt haben. Ferner sind verhaftet Genosse Georg Kutschin, der vielen ausländischen Genossen von internafionalen Kongressen und Konferenzen her bekannt ist, Genosse Michael L i e b e r, ein alter Sozialdemokrat, der eine hervorragende Rolle in den ersten Monaten der Revolution von 1917 spielte, und viele andere. Die hier gemeldeten Verhaftungen stehen in drastischem Gegensatz zur Ankündigung der Demokratisierung des Sowjetsystems auf dem letzten Sowjetkongreß, die so verstanden werden mußte, daß auch auf dem Gebiete der Behandlung politisch Andersdenkender ein anderer Kurs eingeschlagen werden würde. . Paris. Die Sonderkorrespondenten der Parier Blätter in London melden Lbereinsttmmend, Mi Macdonaid auf ärztlichen Rat vom Amte M Ministerpräsidenten nach dem im Mai statt- Nndenden Thronfeierlichkeiten zurücktreten werde, ^ein Nachfolger im Amte des Ministerpräsiden- M werde der Lordpräsident des Geheimen Rates Baldwin werden. Macdonald werde überhaupt aus dem politischen ^e b e n ausscheiden und beabsichtigt ^icht, Mitglied des Oberhauses zu werden. Knappe Mehrheit Brüssel. Die Kammer hat mit 90 gegen 83 Mmmen die Verlängerung der besonderen wirtgastlichen und finanziellen Vollmacht der Regierung M drei Monate angenommen. Drei Abgeordnete ^hielten sich der Stimme, Sozlaldcmokniflsdicr Wahlsieg 41 Kreistagsmandate gewonnen In Dänemark Kopenhagen. Bei Pen am Dienstag abgeschloffene» Kreistags- Wahle» haben die Bauernlinke insgesamt 40 und die Demokraten 18 Mandate verloren, während die Sozialdemokraten 41 und die Konservativen fünf Mandate gewonnen haben. Die Deutschen in Nordschleswig werden im neuen Kreistage über sechs Vertreter verfüge«. Die dänischen Nationalsozialisten haben fast überall eigene Liste» aufgestellt, ihre Stimmenzahl reichte jedoch nur in den Kreise« Tondern, Hadersleben und Apenrade zur Gewinnung von jeeinemMandat aus. Helmatfront und Fascismus Allen Verhandlungsversuchen und Vorschlägen zum Trotz ist die offizielle Annäherung zwischen B. d. L. und SHF ausgeblieben. Die Ent- sremdung mußte kommen, denn während der Bund der Landwirte der Meinung war» daß es ihm bei einer Kooperation mit Henlein gelingen könnte, ein System parallel gerichteter ständischer Parteien zu bilden, der auch eine nichtmarxistische Arbeitergruppe angegliedert werden könnte, hatte Henlein niemals ein Interesse für die Bildung ständischer Parteien und konnte es nicht haben, weil—- wie auch aus den Erklärungen der Heimatfront hervorgeht— seinem ideologischen Denken der Begriff der Partei nicht nur fremd, sondern geradezu die Versinnbildlichung des Bösen darstellt. Daß er dennoch seiner Bewegung nach außenhin das Gepräge einer Partei gab, bedeutet nicht die Preisgabe seiner gedanklichen Ausgangslage, sondern es war lediglich eine Konzession, die er zur Erhaltung seiner eigenen polttischen Existenz seiner politischen Umwelt zu machen bereit war. Der B. d. L. meinte, es handle sich um nichts anderes, als um die althergebrachten Bündnisverhandlungen zwischen Parteien— in Wirklichkeit handelte es sich aber bei Henleins Gründung um ein neuartiges Gebilde, das von ganz anderen Voraussetzungen ausgeht. Hieran mußte schließlich der Plan der Zusammenacheit scheitern. Es ist Spina rechtzeitig vorhergesagt worden—* er hat sich nicht warnen lassen« Henlein und sein Kreis haben sich» und daS darf nie aus den Augen gelassen werden, bevor sie in die politische Arena eingetreten sind, stets alsSchülerS p a n ns bekannt. Sie haben auch nachher ihrem Lehrer nie äbgeschworen, und wenn sie es verklausuliert taten, so geschah dies auch wieder nur aus taktischen Gründen, nie aus innerer Ueberzeugung. Beweis dessen die Formulierung ihres Angebotes an den Bund der Landwirte auf Auflösung der beiden Organisationen und darauffolgender„Ausgliederung" der einzelnen berufsständischen Gruppen, die hinsichtlich ihrer berufsständischen Interessen vollständige Autonomie besitzen sollten. Der Begriff der„Ausgliederung" ist echtes Gedankengut des Kreises um Spann. Worin unterscheidet sich nun die Ständeidee- Spanns von dem Konzept Spinas und des Bundes der Landwirte? Während Spina dem Berufsstand, seiner parteimäßigen Organisation politisches Gewicht imRahmenderpar- lamentarischen Demokratie geben will, bildet im Spann'schen System der Berufsstand an sich kein politisches Element, ist nicht Träger der Staatspolttik, sondern Träger der von der staatlichen Exekutivgewalt losgelösten wirtschaftlichen Verwaltung. Träger der Politik ist im „wahren Staat" Spanns der„st a a t s t r a- gendeStand". Dieser Grundsatz, dieses Aufbauprinzip der Gesellschaft steht selbstverständlich im vollen Gegensatz zur Demokratie. Dieser Gegensatz ist ein keineswegs ungewollter, sondern ein durchaus bewußter. Denn Spann war seit jeher nicht nur ein erllärter Gegner des Liberalismus, sondern auch der Demokratie. Wer nun nach Spann zu dem„staatstragenden Stand" gehört, kann am besten aus der Arbeit seines Schülers Dr. Heinrich„Das Ständewesen" entnommen werden. Hier heißt es: „Zum staatstragenden Menschenkreise gehören natürlich die Staatsgründer selbst sowie die Fortsetzer seines Amtes, ferner der Adel, das sind die dem Staatsgründer und Führer geistig nachbarlichen obersten staatlichen Sachwalter. Dieser Kreis stellt die Inhaber der obersten Führung. Unmittelbar aber gehören auch die Führer, und Bearbeiter der großen staatlichen Sachbereiche dazu, mittelbar gehören dazu auch die Führer der übrigen Stände der Gesellschaft. Diese Menschen bilden die Oberstufe . derstaatstragenden Schicht, sie find also die eigentlichen Repräsentanten der Politik." Die weitgehende Verwandtschaft dieses Begriffes„staatstragender Stand" mit dem der fascistischen Ideologie zugehörenden Begriff der „Elite" liegt auf der Hand. Wenn die Anhänger Spanns behaupten, daß ihre Anschauungen sich nicht decken mit jenen des italienischen Fascismuß, so ist das nur rnsoferne richtig, als hier in Eine Seite x Donnerstag, 14. Marz 1935 Nr. SS zelheiten Unterschiede bestehen. Wird Fascis- mus als die Herrschaft einer hündischen Organisation, einer Oberschichte bezeichnet, so ist der Spannsche Ständestaat eine fascistische Staatsform, denn hier ist eben der staatstragende Stand identisch mit dem Herr sch afts- tragendenBund. Dieser Begriff des staatstragenden Standes muß fcstgehalten werden, wenn man den Sinn des Angebotes Henleins an den Bund der Landwirte verstehen will, namentlich jener in der Diktion absichtlich reichlich nebulös gehaltenen Stelle, in der cs heißt:»Innerhalb der politischen Organisation und der gemein samen Führungeingeordnet, sind sofort die einzelnen berufsständischen Gruppen auszugliedern, die sich ihre berufsständischen Führer selbst bestimmen und hinsichtlich ihrer berufsständischen Belange volle Autonomie besitzen." Weil die SHF natürlich den Begriff des staatstragenden Standes expressis verbiS nicht verwenden wollte und konnte, um so ihre eigentlichen Mele zu verheimlichen, deshalb verzichtete sie in dem Hauptpunkt ihres Angebotes auf eine klare Ausdrucksweise. Darüber kann die von einzelnen unbelehrbaren liberalen Blättern hervorgehobene angebliche»freie Wahl" der»Führungskörperschaften" von unten her nicht hinwegtäuschen. Diese„Führungskörperschaft" ist nureineandereBezeich- nung für»Staatstand"— wie die von vorneherein zur Auswahl bestimmten Persönlichkeiten„von unten her" dann auch„gewählt" werden,— das hat mit der Demokratie aber schon gar nichts zu tun. Was wollte also die SHF? Sie schlug der be- rufLständischen Partei des Bundes der Landwirte die Auflösung vor und setzte damit wohl voraus, daß auch die gleichfalls berufsständische Gewerbepartei ihre politische Eigenexistenz Preisgabe. Sie stellte gleichzeitig in Aussicht, daß auch die SHF mit den in ihr enthaltenen berufständischen Gruppen auf ein eigenes Leden verzichten werde. Dadurch wäre ein geschlossenes, alle Berufstände umfassendes System geschaffen worden, zerstört wäre aber das vorhandene System berufsständischer und anderer politischer Parteien, das allein die Basis eines demokratischen Staates bilden kann. Es würde hier eine einzige Partei, gegliedert in einzelne Stände entstehen, deren Politik jedoch nicht diese Stände, sondern eine von diesen losgelöste Führerschicht(»Führungskörperschast") in n e h ä t t e. Denn nur eine solche könnte die in einer Einheit zusammengeschmolzenen, nicht aber in eine Parteimehrheit aufgegliederten ständischen Organisationen führen und so die sich aus den ständischen Gegensätzen zwangsläufig ergebenden Spannungen zum Ausgleich, daher zur politischen Aktionsfähigkeit bringen. Das Entscheidende aber ist, wie dieses System ständischer Gruppen überdeckt wird von der Führungsschicht, von der politischen Führung. Trotz der halben Konzession an ein scheinbar demokratisches Wahlrecht„von unten her" ist das Bestreben offenkundig und selbstverständlich, daß diese Führung erhalten soll die bereits in beiden Ausgangsgruppen(SHF und B. d. L.) vorhandene und enthaltene„Elite", von der jederman weiß, daß sie vor noch nicht langer Zeit als»Kameradschaftsbund" firmiert hat. Die Mitglieder dieses ehemaligen Bundes besitzen in der Heimatfront die unbeschränkte Führung, wir wissen aber auch» daß der Bund der Landwirte und vornehmlich seine Jugend mit Elementen dieses Bundes durchsetzt ist, welche in allen Schulungswochen die Ideen des Spannsche« Ständestaates propagierten und die eS auch waren, die Spina zu der Kooperation mit der SHF veranlaßt haben, nichts aber zur Klärung jener Unklarheiten beitrugen, sondern sie im Gegenteil nur noch mehr verschleierten, die schließlich zur gegenwärtigen Verwirrung führen mußten und führen sollten. Der Zweck der Fusion zwischen SHF und Landbund war somit, diesem jetzt anonym, früher als»Kameradschaftsbund" bezeichneten„Staatstand" die unumschränkte Herrschaft in dem neuen Gebilde zu geben, damit, nunmehr ungehemmt durch die alte Führung des Bundes der Landwirte, die Ideen der Spannschen Lehre in dieser neuen Gruppierung Wirksamkeit erhallen, wie aus dem angeführten Vorschlag zur inneren Neuorganisation hervorgeht. Der Vorschlag der SHF bedeutete also nichts anderes als der vorerst mißglückte Versuch, die sudetendeutsch« Politik auf fascistischerGrundlagezuorgani» fieren. Dieser Versuch wurde unternommen in Abbau der direkten Steuern— Prag. Die Regierung hat am Mittwoch im Senat zwei Gesetzentwürfe vorgelegt, durch welche die Besteuerung des Automotilwesens, die einerseits auf direkten Abgaben nach dem stark an- gefeindeten Gesetz 198/32, andererseits auf der Besteuerung deS Betriebsstoffes nach dem Gesetze 77/31 beruht, einer Neuregelung unterzogen wird. Erfreulicherweise hat die Regierung diesmal nicht die Form einer«nüberfichtlichen Novelle gewählt, sondern ein neueS„Gesetz über den Verkehr mittels Motorfahrzeuge« und ihre Besteuerung" geschaffen» in daS die bisherigen Be- stimmnngen zum Großteil wörtlich ausgenommen wurden. Nicht fit letzter Linie verfolgt die Vorlage auch verkehrspolitische Ziele, d. h. einen solchen Schutz der Eisenbahnen, der die Automobilindustrie und den Kraftwagenverkehr nicht bedroht, gleichzeitig aber eine Koordination dieses Verkehre- mit dem Eisimbahnverkehr unterstützen würde. In den Artikeln I bis VII werden die administrativ-rechtlichen Bestimmungen deS alten Gesetzes in der Hauptsache übernommen. Während das bisherige Gesetz nur den gewerbsmäßig im Sinne der Gewerbeordnung betriebenen Automobilverkehr erfaßte, wird jetzt auch der nicht gewerbsmäßige Automobilbetrieb erfaßt, um jede Möglichkeit einer Umgehung deS Gesetzes auSzu- schalien. Das Verfahren in Konzeffionsangelegen- heiten wird vereinfacht und die Möglichkeit der Verpachtung der Konzession im Falle von längerer Krankheit etc. neu eingefuhrt. Während bisher schon eine einmalige Bestrafung wegen gewiffer Verkehrsdelikte genügte, um den Erwerb einer Konzession unmöglich zu machen, tritt jetzt diese Folge erst nach der zweiten rechtsgültigen Bestrafung ein; außerdem verjähren diese Straffolgen binnen vier Jahren. Die Garanttesumme, die der Konzeflionär hinterlegen muß, wird auf die Hälfte herabgesetzt. Sie kann in berücksichtigungswürdigen Fällen auch in Raten erlegt werden. Die Bestinnnungen über die Aberkennung der Kon- zesiion werden insofern gemildert, als bei mehreren Konzessionen nur diejenige aberkannt wird, bei deren Betrieb die Uebertretung begangen wurde. Die Strafbestimmungen, die besonderen Bestimmungen für gewisse Betriebe und Gemeinden und die UebergangSbestimmungen sind im wesentlichen der Erwartung, daß die eigenllichen Beweggründe des Vorschlages unbekannt blieben, weil man von den außerhalb der SHF stehenden tschechischen und deutschen Kreisen vermutet, daß sie es nicht der Mühe wert finden würden, auf den Urquell der SHF, also auf Othmar Spann und seine Lehren, zurückzugehen. Das War ebenfalls ein Irrtum. Spanns Ideen sind keine Geheimlehre, weil sie aber der Oeffentlichkeit zugänglich sind,, weil man die eigentlichen Beweggründe dieses Fusionsvorschlages feststellen konnte, deshalb wird man auch zu verhindern wissen, daß in unserer Republik unter Führung einer anonymen Führerkörperschast, von der jedermann weiß, daß es sich um den ehemaligen KameradschafiSbund handelt, eine fascistische Enklave geschaffen wird, die zweifellos den Bestand unserer Demokratie zerstören, ja auch denStaatinzweiTeile, einen tschechischdemokratischen und einen deutschfaseistischen zerlegen müßte. Erhöhung der Mineralölsteuer auS dem allen Gesetz übernommen. Die niedrigsten Straffätze wurden jedoch auf die Hälfte herabgesetzt. Von großer Wichtigkett sind die Bestimmungen über die E r n e u e r u n g der Konzession, durch die die Härten deS früheren Gesetzes erheblich gemildert werden. Grundlegend geändert werden die bisherigen finanziellen Bestimmnngen über die Besteuerung der Motorfahrzeuge. Bisher gab es folgende direkte Steuern: die Steuer von Motorfahrzeugen, die Berkehrssteuer(bei Taxis)«nd die Trans- Der Verlust, der für die Staatskasse rund 33 und für den Straßenfonds rund 4 Millionen XL beträgt, muß gedeckt werden; außerdem sollen für den Slraßenfonds noch Neueinnahmen in der Höhe von 40 Millionen beschafft werden, dessen bisherige Einnahmen knapp zur Deckung der bisherigen Verpflichtungen ausreichen; andernfalls wären neue Straßenbauten überhaupt nichi möglich. Durch die Erhöhung der Mineralölsteuer werden bei Benzin jährlich etwa 29 und bei Schtoerölen etwa 38 Millionen K£ gewonnen; wettere sechs Millionen sollen bei den übrigen Oelen(Benzol) usw. gewonnen werden. Für den Restbetrag von 7 Millionen wird man die Bedeckung in anderen Einnahmsquellen suchen müssen. Di« Steuererhöhung für Benzin wird eine Verteuerung des Benzin-Spirttusgemisches um 10 Heller pro Liter zur Folge haben, dessen Preis dann durchschnittlich 2.70 XL betragen wird. Der Motivenbericht weist darauf hin, daß ein Ltter portsteuer(bei Lastautos). Der Autobusverkehr war außerdem durch die Fahrkarten« st e u e r belastet. Run wird in dem finanzielle« Teil des neuen Gesetzes die bisherige Steuer von Motorfahrzeugen(nach dem Gesetz 116/27 über den Straßenfonds) mit der Transportsteuer nach dem Gesetze 198/32 in eine neue einheitliche Steuer zusammengefaßt und daneben nur noch die Fahrkartensteuer bei Autobussen belassen. Die Ber- kehrSsteuer(bei Taxis) wird überhaupt aufgehoben. Vie Mineralölsteuer Auf Grund dieser Regelung würde sich in den Einnahmen des Staates ein Ausfall in der Höhe von etwa 33 Millionen XL, in den Einnahmen des Straßenfonds ein Ausfall von etwa 4 Millionen XL ergeben. Um dies zu vermeidenwird gleichzeitig die Mineralöl-Verbrauchs ft euer erhöhj. In der Novelle wird der bisherige Satz für leichte Mineralöle von 78 XL für 100 Kg. auf 92 XL erhöht, wobei gleichzeitig die Grenze für daS spezifische Gewicht von 790 auf 810 hinaufgesetzt wird. Außerdem wird auch der bisher in Geltungstehende Satz für Schweröle, der 15 XL für 100 Kg. beträgt, auf 40 XL erhöht. Zur Unterstützung der heimischen Triebstoff- produftion kann die Regierung die Hälfte der Mineralölverbrauchssteuer für jene Oele refundieren, die aus inländischen Harzen oder aus Kohle heimischer Provenienz erzeugt werden. Für den Fall, daß die Einnahmen auS der Mineralölverbrauchssteuer den Bettag von 230 Millionen XL erreichen sollten, kann die Regierung den Ueberschuß über diesen Bettag, der in die Staats«, kaffe fließt, zur Senkung der Steuerlast des Automobilverkehrs benützen. Betriebsstoff in Frankreich 3.27, in Deutschland 3.37, in Italien 4.07 und in Polen 3.08 XL kostet. * Für die einzelnen Gattungen der Motorfahrzeuge sieht der Entwurf folgende Steuersätze vor: 1. Personenautomobile und Motorräder. Die Neuregelung ändert nicht das System der Besteuerung nachdemZhlinderinhalt. Die Steuersätze dagegen werden bei Automobilen mit größerem Zylinderinhalt erheblich gesenft. während sie bei kleineren Wagen und Motorrädern nur um ein Geringes auf das Niveau der Tarife gehoben werden, die bis zum Jcchre 1931 in Geltung standen- Die Gesamtermäßikwng der direften Steuerbelastung bei den Automobilen beträgt 4,000.000 XL. 2. Lastantomobile Die bisherige Unterscheidung zwischen Lasten« ttansport in Betrieben und gewerbsmäßigem Gütertransport, der in den höheren Tarifsätzen für letzteren zum Ausdruck kam, wird aufgehoben. Durch die Neuregelung der Steuersätze wird die direkte Versteuerung Automobilsteuern auf neuer Basis 40 Millionen mehr für den Straßenfonds Neber den finanziellen Effekt der Vorlagen geben nachfolgende Ziffern(in Millionen Xi)' Ausschluß: Einnahmen a»S: eeaenwärtia für den nach der Neuregelung für den Staat Fonds Staat Fonds der Mewrfahrzeugsteuer.,,,» — 68,6 — 77,7 der Verkehrs-(Taxi-)steuer..,» 7,2 .— aufgehoben der Transport-lLastaut»-) steuer.. 273 — mit der Motorfahrzeugfteuer vereint der Fahrkarteusteuer(bei Autobussen). 13,7 12,9 15,0— Summe... Aus der Erhöhung der Mineratölsteuer: 48,2 81,5 15,0 77,7 23,0 47,0 80 Roman von Fritz Rosenfeld Kilmek reckte die Arme. Er sah zu Cabrolle hinüber, der ihm ein Blatt Papier zuschob, einen Wechsel über zweitausend. Er haßte Cabrolle nicht. Irgendeinen mußte ihm der Zufall über den Weg führen. Es hatte diesen getroffen; es hätte auch Jakob Halling tteffen können oder Herrn von Ebel. Das mußte Cabrolle mtt seinem Schicksal austragen; wenn man zwanzig Jahre bei Epstein und Co., Textilien, als Ressender angestellt war, gewöhnt man sich den Luxus der Gefühle ab. Cabrolle rechnete; die Wechsel, die er unterschrieben hatte, überstiegen bereits den Wert seines Gutes. Er war also bankrott. Er war ein Be- tüger: denn was er nun als Einsatz«ab, war nur noch wertloses Papier mit ein paar schief geschriebenen Ziffern und einer unlesbaren Unterschrift. Kilmek war dumm; von einem Unbekannten nahm man nicht Wechsel in dieser Höhe; aber daS bare Geld, das er gewonnen, hatte ihn blind gemacht, und nun ging es nur darum, den Strom von Papier, der zu ihm floß, nicht versiegen zu lässen. Er lebte in dem Wahn, zu gewinnen, als er längst nichts andres mehr gewann als blanke Blätter; und doch verlor Cabrolle gleichzeitig» denn diese Blätter konnten ihm dereinst präsentiert'werden, sie waren jedes ein Schlüssel zu der essernen Zellentür, die hinter ihm zufallen würde. Er trank, er schtvitzte, das Blut kreiste in seinem Körper wie ein Orkan, und doch lachte er heimlich. Er verspielte ein Haus, das weder er Wiedersehen, noch der andre je kennen lemen würde; er verspielte Weiden, Herden, Aecker, die so wett hinter ihnen lagen, daß kein Menschenauge sie jemals zu erblicken vermochte. Banknoten, Wechsel— er hätte ebensogut dieses Inserat aus der Zeitung ausschneiden können, Korbmöbel, Gartensessel, Liegestühle, und es Kilmek geben: es war morgen früh, wenn man sie niedersäbelte oder zu« sammenkartAschte, genau so viel wert wie eine Note der Bank von England über tausend Pfund und ein Wechsel CabrolleS» sorgfältig ausgefüllt und echt. Aber das Schicksal, das sich ihm heute entgegenstellt«, das sich vorgenommen hatte: heute mache ich Cabrolle. arm, heute lasse ich ihn verlieren, heute nehme ich sein ganzes Vermögen und schiebe es mit einem Handgriff einem andren zu— das Schicksal sollte ihn kennen lernen! Gegen dieses Schicksal spielte er mtt den leeren, weißen, wertlosen Blättern. ES wähnte ihn zermürbt, es hoffte, er würde zusammenürechen, sich eine Kugel durch den Kopf jagen, dort draußen, in dem dunklen Zug, oder den Gewinner um ein Almosen anbetteln—. Nein, Geld, Haus» Vieh, Aecker hatte er verloren; nun wollte er sie zurückgewinnen, mit dem weißen, wertlosen Papier. Nichts besaß er mehr; alles wollte er sich wieder holen, mtt leeren Händen, ohne Waffe. Herzass, Treffkönig. Pique-Bub. Wieder verloren. Macht nichts, die Nacht ist noch lang. Er raffte die Karten zusammen, warf sie Kilmek hinüber. Msschen, teilen, spielen; mischen, teilen, spielen. Eine Nacht noch, dann war alles vorüber. • Marcel tanzte mit Xenia, mit Clariffa, wieder mit Xenia. Als ein Walzer kam, schob Frau Avory Xenia bessette. Marcel legte den Arm um ihre Schulter, lächelte Xenia besänftigend zu. »Dec Wagen steht draussen", sagte Frau Avory leise, nahe an Marcels Ohr.„Olavsen hat ihn gebracht. Der Arzt sagt, für Gregor ist es zu spät." Marcel überlegte blitzschnell. Drei, vier Men» scheu konnten in dem Bauernwagen Platz finden; er sah ihn durchs Fenster, ein schmales Gerüst auf Rädern. Wenn Frau Avory mtt ihren Kostümkoffern kam, und alle Girls aufladen wollte, den Zeichner, den Kunssschützen, den Taschenspieler, vielleicht auch Carlotta, brach das Fahrzeug in de^ ersten Kurve zusammen. Sie würde den Weg nach Dpsilon einschlagen wollen— den Gewehren entgegen fahren und davon träumen, daß sich die Revolutionäre, verstellten sie ihr die Straße, mit dem huldvollen Lächeln einer gealterten Brettldiva bezwingen lassen. Die Fahrt mit Frau Avory bedeutete nur neue Gefahr; die Fahrt ohne Frau Avory, mtt Xenia, vielleicht mit Halling— es war gut, eine gefüllte Brieftasche in der Nähe zu wissen— konnte Flucht in den Frieden sein. Es gab also nur eine Möglichkeit: Frau Avory täuschen, den Plan verwerfen, und ohne sie auf eigne Faust losfahren. »Der Wagen i> zu klein für uns alle. Wer von uns kann mit Pferden umgehen?" Frau Avory biß sich auf die Lippen. »Ich hab zwanzig dressierte Rappen vorgeführt, als sie noch gar nicht auf der Wett waren", sagte sie,„ich werde wohl noch mtt den beiden Gäulen dort draußen fertig werden". »Ich bin kein Zigeuner. Ich kusschiere nicht in der Nacht durch eine wildfremde Gegend." „Lassen Sie sich lieber hier zusammenschießen?" »Bisher hat mich noch niemand bedroht. Ich bin hier sicherer, als aus der Landstraße in der Jammerkussche." »Wir müssen morgen früh in Npsilon sein. Um zehn Uhr ist Probe auf der Bühne." „Glauben Sie denn wirklich, dass wir morgen in Npsilon. spielen werden? Dass in diesen Tagen auch nur zehn Menschen ins Theater kommen?" „Wir müssen zur Stelle sein. Vielleicht ist bis morgen Abend alles vorüber." Für diese Frau gab eS den Begrfff Pflicht, der stärker war als ihre Angst. Sie schrie und zitterte und schleuderte Vorwürfe gegen jeden, der über ihren Weg lief, aber im Herzen dachte sie nur daran, wie sie die Schwierigkeiten überwinden und ihren Vertrag erfüllen könnte. In den Augenblicke» der größten Feigheit war sie noch tapferer als die Männer, die sich betranken, um zu vergessen. Auch sie hatte getrunken, mehr als die andren, aber sie hatte ihren klaren Kopf behalten. ES wird nicht leicht sein, sie zu hintergehen, dachte Marcel; nun kreisen alle ihre Gedanken um den Wagen, und wer den Wagen mit einem Finger berührt, gerät in das Stromnetz ihrer Pläne. »Der Wagen gehört Olavsen", sagte er. »Der Wagen gehört Halling. Wir nehmen ihn mit." „Ein Dutzend Menschen und die Koffer—- wie stellen Sie sich das vor?" „Hat alles Platz, wenn man es geschickt verteilt. Wir packen das Notwendigste in zwei Koffer, das andre bleibt hier und wird nachgeschickt." »Und wenn unS eine Pattouille aufhält?" »Wir sind Ausländer. Wir sind friedliche Leute. Ich fahre in Erfüllung eines Vertrags nach Npsilon. Wer kann mir den Weg versperren?" „Auf eine Girlttuppe ist noch nie geschossen worden. Aber Bahnhöfe sollen schon bombardiert worden sein. „Fragen Sie den Stattonsvorstand um Rat- Vielleicht ist ein zweiter Wagen aufzutteiben. Vielleicht besorgt er uns einen Kutscher, der die Wege kennt." „Je weniger davon wissen, um so sicherer wickelt sich die Sache ab. Sagen Sie lieber gleich, Marcel, daß Sie sich fürchten. Daß Sie nicht mitfahren wollen. Carlotta wird mitfahren. Sie hat mehr Mut als Sie." Der Walzer warzu Ende, Frau Avory ging an Hallings Tisch. Marcel zog Xenia in einen Winkel, sprach schnell auf sie ein, die Augen auf Frau Avory gerichtet, die mit überlegenem Lächeln zusah, wie eine neue Flasche geöffnet wurde: 1 „Der Wagen steht draußen. Die Mte will mit uns allen auf einem Umweg nach Npsilon. Wik müssen ihr zuvorkommen. Ihr Plan ist irrsinnig; Sie treibt uns vor die Gewehre. Wer wartet auf unS in Npsilon? Vielleicht der Pöbel, der unsre Koffer plündern wird, uns die Kleider vom Leibe reißt.(Fortsetzung folgt.) Nr. 62 Donnerstag, 14. März 193h Seite 3 etwa um 21.000.000 XL gesenkt; wenn hiebei die Belastung aus der erhöhten Mineralölsteuer berücksichtigt wird, so beträgt die tatsächliche Erleichterung etwa 10 Millionen. Der größte Teil dieser Erleichterung fällt dem gewehrmäßigen Transport zu. Die Frage der Besteuerung von Lastautomobilen wird auch in der Richtung geregelt, daß gleichzeitig - die Sphäre der natürlichen Transportinteressen der Eisenbahnen einen geeigneten Schutz erfahren. Des. halb sieht der Entwurf ein System von Abkommen zwischen den Unternehmungen und der Eisonbahnverwal- tung über den Umfang der Benützung von Last- automobilen vor. Steuerbefreiung für neue Motorfahrzeuge Weitgehende Erleichterungen gewährt das Gesetz neue n Motorfahrzeugen, u. zw. sowohl Perso- nenautomobilcn tauch Omnibussen) als auch Lastautomobilen, di« in der Zeit von der Verkündigung des Gesetzes bis zum 31. Dezember 1938 in den Verkehr neu eingestellt werden. Diesen Fahrzeugen wird im 8 60 eine Befreiung von der Motorfahrzeug-Steuer zugestanden: a) für die Zeit eines Jahres, wenn sie mit leichten Mineralölen(Benzin) oder deren Llloholgemischen betrieben werden, b) für die Dauer von drei Jahren, wenn sie von Motoren getrieben werden, die für schwere Mineralöle gebaut sind, oder die ausschließlich durch aridere Triebstoffe oder mittels Elektrizität betrieben werden. Durch diese Bestimmungen wird eine Regeneration des Parks der Motorfahrzeuge ermöglicht und die Entwicklung des Automobilismus in der Richtung gefördert, daß auf diesem Gebiet Triebstoffe heimischer Provenienz(Holzgas), sowie Schweröle zur Verwendung gelangen. Auf die Dauer von drei Jahren werden auch jene(alten) Motorfahrzeuge befreit, die sich ausnahmslos auf anderen als Benzin- Antrieb umstellen. Die Fahrkarten-Steuer Durch die Novelle wird der bisher in Geltung stehende Steuersatz von dreißig Prozent des Fahrgeldes bei AutÄbufsen auf zwanzig Prozent herabgesetzt. Diese Steuer kann auf Antrag des Eisenbahnministeriums noch weiter bis auf zehn Prozent gesenkt werden. Dadurch wird der Zweck verfolgt, den AutÄmsverkehr zu einer Ergänzung des Eisenbahnverkehrs zu gestalten. Sozialdemokratie und Bergarbeiterschutz Seit der Uebernahme des Ministeriums für öffentliche Arbeiten durch den Genossen Dr. E z e ch wurden auf dem Gebiete der Bergarbeiterfürsorge eine ganze Reihe wichtiger und tiefeinschneidender legislativer und administrativer Maßnahmen zugunsten der Bergarbeiterschaft getroffen. Ihr Ziel war, die Gefährdung der Sicherheit des Lebens und der Gesundheit der im Bergbau beschäftigten Personen im größtmöglichsten Ausmaße herabzudrücken. Welch' durchgreifenden Wandel die getroffenen Maßnahmen bewirkt haben, zeigt die folgende statistische Zusammenstellung der in den Jahren 1933 und 1934 seitens der staatlichen Jnspek« tionSorgane durchgeführten Inspektionen: .- Im Jahre 1933 wurden 495, im Jahre 1934 dagegen 759 Gruben inspiziert. In der gleichen Zeit ist die Zahl der Jnspektionstage von KOI auf 1150 gestiegen. Darnach hat sich die Zahl der durchgeführtrn Inspektionen um 53.33 Prozent, die Zahl der Jnspektionstage sogar um 92.85 Prozent erhöht, also beinahe verdoppelt. Im Jahre 1935 ist im Hinblicke auf die Eingliederung von 17 Arbeiterinspektoren in den Grubeninspektionsdienst mit einer weiteren Vervollkommnung der Grubenkontrolle zu rechnen. fndefendeufedier Der Unternehmer: 35 Prozent Gewinn Der Arbeiter: 30 Prozent Lohnherabsetzung Wie Finnen öffentliche Aufträge mißbrauchen In der böhmischen Landesvrrtretung lenkte Genosse Dei stier die Aufmerksamkeit der zuständigen Stellen auf folgenden krassen Fall der Ausnützung: Ein Beispiel, wie der Bau von Straßen von manchen Unternehmern zu Lohndrückereien benützt wird, gibt die Straße von der Gemeinde Fran- ze.nsthal bis Außergefild im politischen Bezirk P r a ch a t i tz. Den dortigen Gemeinden» vor allem Außergefild, ist es nach langen Bemühungen gelungen, ihr Straßennetz auszubauen. Die Gemeinden selbst haben jedoch die Arbeiten nicht vergeben, sondern haben dies dem Bezirksausschuß übertragen. Der Straßenbau wurde um den Betrag von 1,184.000 XL vergeben. Es wurde eine anständige Arbeitszeit mit einem durchschnittlichen Lohn von 20 XL pro Tag oder 2.50 XL pro Stunde vereinbart. Das sind bestimmt Löhne, die nicht als allzu hoch bezeichnet werden können. Die Unternehmer zahlten trotz aller Proteste Stundenlöhne von 1.60, 1.80 und in einigen Fällen von 2 XL. So kamen Wochenlöhne von 80 XL zustande, die sogar im Böhmerwaldgeviet z« gering find. Genaue Erhebungen haben folgendes ergeben: „ Nach den eingezahlten Beiträgen für Krankenversicherung, Invalidenversicherung und Unfallversicherung betrug die Gesamtlohnsumme 436.000 XL. Da die Gemeindeangehörigen, Landwirte etc. sich bereit erklärt hatten, alle Zufuhren im Verrechnungswege mit der Gemeinde zu leisten, konnte nach den Aufzeichnungen des Gemeindeamtes errechnet werden, daß nachstehende Materialien verwendet wurden: 158.000 Kilogramm Zement, dessen angenommener Preis 21 XL war, in Wirklichkeit aber 17 bis 18 XL betragen haben dürfte. Ferner 31.000 Kilogramm Kalk, 29.000 Kilogramm Eisen, 1,4.000 Eisenbetonstangen und 1700 Kilogramm Asphalt. Die Kosten für dieses Material machten ungefähr 98.000 XL aus. Dazu kamen für rund 2000 XL Dynamit, 10.000 XL Steine. 5000 XL für die Feldeisenbahn, Schmiedekohle usw. Bretter, Sandgewinnung, Fuhrwerke erforderten rund 15.000 XL. Wenn man zu diesen Beträgen noch die 3 Prozent Umsatzsteuer hinzurech- net, ergibt sich für das Material, Regie, Unternehmeranteil usw. eine Gesamtsumme von nicht ganz 700.000 XL. Da die Straße für 1,184.000 XL ver- geveu wurde, verblieb also dem Unternehmer ein Reingewinn von 35 Prozent. Das war bei einer Arbeit, bei welcher de» Arbeitern die Löhne um 30 Prozent heruntergrdrückt wurden. Es muß daher mit aller Deutlichkeit verlangt werden, daß gegen diesen Mißbrauch der produktiven Arbeitslosenfürsorge, zum Zwecke der persönlichen Bereicherung einzelner Unternehmer mit aller Entschiedenheit eingeschritten wird und in dem hier angeführten Falle darf wohl erwartet werden, daß eine genaue Ueberprüfung der Kosten für den Straßenbau vorgenommen werde, weil ein Teil des Uebergewinnes aus widerrechtlich zurückbehaltenem Arbeitslohn stammt, der den Arbeitern zugeführt werden müßte. für und gegen Spina Die„Landpost" berichtet über eine Reihe von Kundgebungen des Bundes der Landwirte, in welchen für. die Aufrechterhaltung der politischen Selbständigkeit dieser Partei eingetreten wurde. So fand eine Sitzung der Vertrauensmänner des Bundes der Landwirte aus den Bezirken Reich e n b e r g, Kratzau, Gablonz und Tannwald statt, in der verlangt wurde, daß der Bund an feiner Selbständigkeit festhalte..Der Verzicht auf eine^eigene^^politische Vertretung der Ländlvitt- schaft", so heißt es in einer Entschließung,„WÜrdje einen Rückschritt bedeuten, weil die Bedürfnisse der Landwirtschaft auch eine besondere politische Betreuung erfordern". In Saaz hielt der Bezirksverband des Bundes der Landwirte Sonntag eine Bezirkstagung ab in welcher dem Minister Spina und- sämtlichen Parlamentariern des Bundes das Vertrauen ausgesprochen wurde. Auch auf dem Bezirksvarteitag des Bundes der Landwirte in B i l i n wurde den„Vertrauensträgern" der Partei, Spina und Hacker, „das uneingeschränkte Vertrauen" ausgesprochen, wobei dem Wunsche Ausdruck gegeben wurde, zu einer„sichtbaren Einigung" mit der SHF zu kommen, aber an der selbständigen Organisation des B. d. L. festzuhalten. Hanrelch putscht In Mödritz Dagegen berichtet der„Tagesbote" Brünn Wer eine landständische Kundgebung, die am Sonntag in Mödritz stattfand und an der über 800 Personen teilgenommen haben sollen. Referent bei dieser Kundgebung war Abgeordneter Dtz. H a n r e i ch, der sich mit Entschiedenheit für ein Zusammengehen des B. d. L. mit der SHF einsetzte. In der zur Annahme gelangten Entschließung wurde der Zusammenfchluß mit der SHF verlangt und es wird gesagt: .Tällken wider Erwarten die Verhandlungen sich neuerlich zerschlagen, dann wären wir gezwungen, über den grünen Tisch der Parteileitung hinweg, die Einigung von unten herauf zu vollziehen und die Parteileitung vor vollendete Tatsachen zu stellen. Wir sind dabei der Ueberzeugung. daß unser Gebiet nicht vereinzelt dastehen wird." Nach dem Bericht des„Tagesboten" wurde diese Entschließung unter tosenden Zustimmungsrufen einstimmig angenommen. Zweideutige Rede Hackers In Weseritz hielt auf dem Bezirksparteitag des Bundes der Landwirte Hacker eine Rede, der von der großen Sehnsucht des sudetendeutschen Volkes sprach,„Einigkeit an Stelle der bisherigen parteipolitischen Zerklüftung" zu setzen. Hacker formulierte seine Auffassung folgendermaßen: Zusammenarbeit und gemeinschaftliche Arbeit, jar Unter allen Umständen, aber eine Auflösung des Bundes der Landwirte und Schaffung eines Chaos, niemals!" Wie man sieht, grenzt Hacker sich noch immer nicht klar von der SHF ab und trägt weiter Verwirrung in die Reihen der Partei. Bergmann Im Schacht verschüttet und getötet Bei s.iner Arbeit ist in der Nacht zum Mittwoch auf dem Adolf-Ernst-Schacht bei S ch ö n- f e l d der Bergarbeiter Eigner von niedergehender Kohle verschüttet und getötet worden. Sofort nach Bekanntwerden des Unfalles begab sich die Rettungsmannschaft an die Unfallstelle und stellte fest, daß Teile des Stollens, in dem Eigner arbeitete, völlig verrollt waren. Man begann sofort, die herabgegangene Kohle wegzuräumen, kam aber nur langsam vorwärts. Der Verschüttete war noch bei vollem Bewußtsein. Man trieb Rohre zu ihm, so daß er frische Luft bekam und sich mit seinen Rettern verständigen konnte. Herr Dr. Rilke aus Karbitz, der herbeigerufen wurde, fuhr in den Schacht ein und begab sich zu der Unfallstelle, wo man inzwischen einen Teil des verschütteten Körpers frei- güegt hatte. Der Arzt gab dem Verschütteten Injektionen. Die Rettungsarbeiten wurden ununterbrochen fortgesetzt. Noch um Mitternacht hätte man hinter der Kohle die Angstrufe des Verschütteten: „Macht nur schnell! Tummelt Euch! Ich ersticke sonst!" Die Rettungsarbeiten gestalteten sich äußerst schwierig und früh gegen 3 Uhr stellte der nochmals herbeigeholte Arzt fest, daß der Bergmann verstorben war. Offenbar war der unglückliche Mann, der ein Opfer seines schweren Berufes wurde, durch Kohlenblöcke verletzt worden. Der tödlich verunglückte Bergmann Eigner stammt aus Witlitz, er war erst 42 Jahre alt und hinterläßt eine Frau und zwei Kinder. Bestechungsaffören vor Gericht Der erste Prozeß in Sicht, Während die Untersuchung der verschiedenen BestechungSaffären weiter fortschreitet und immer wieder neue Verhaftungen vorgenommen werden, ist bereits der erste diesbezügliche Prozeß beim Brünner Kreisstrafgericht in Aussicht genommen. Es handelt sich um die Affäre der Prager Bau- firina P i t t e l und B r ä ü s e w e t t e r. Hauptangeklagte in dieser Affäre sind die Firmen- inhaber Jng. Wilhelm Fehr und Jng. Franz Machaczek, mit denen sich gleichzeittg noch ein paar Angestellte zu verantworten haben werden. Die Anklageschrift ist fast fertig. Die Verhandlung dürfte in 4 bis 6 Wochen vor einem Strafsenat des Brünner Kreisstrafgerichteff stätt- sinden. Verhandlungsleiter wird Obergerichtsrat Dr. Hagel sein, die Anklage wird Staatsanwalt Dr. D o st ä l vertreten. Die in diese Angelegenheit verwickelten Eisenbahnbeamten, die beschuldigt werden, Bestechungen angenommen zu haben, kommen vor ein Geschworenengericht. Die diesbezügliche Verhandlung wird erst später stattfinden. Die Gestalten um Rintelen (attlgllonl, denen Diener Rlpoldi und der ominöse Williams Senat Im Semttsplenum brachte der Vorsitzende die Antwott des Präsidenten Masaryk auf die Glückwünsche' der Nationalversammlung zur Kenntnis, worauf noch ein Zusatzprotokoll zum französischen Handelsvettrag angenommen und eine Immunität erledigt wurde. Nächste Sitzung Freitag um 10 Uhr früh. Tagesordnung: Steuerbefreiung der Masaryk-Widmungen. Im Abgeordnetenhaus tagten am Mittwoch nur Ausschüsse. Im Subkomitee für die Sanierungsvorlage wurde, wie offiziell gemeldet wird, in der Generaldebatte der Standpunkt vertreten, daß es in der heutigen wirtschaftlich schweren Zeit nicht möglich sei, an die allgemeine Erhöhung des Limites der Gemeinde- und Bezirkszuschläge zu schreiten. Donnerstag nachmittags soll die Spezialdebatte abgefühtt und der Anttag für das Ausschußplenum vorbereitet werden. Der Wehrausschuß setzte für die Vorlage Über den Schutz gegen Fliegerangttffe ebenfalls ein Subkomitee ein und beschloß, dahin zu intervenieren, daß bei der Aufnahme neuer Angestellter in die staatlichen Aemter, Betriebe und na- tnentlich in die Tabakfabriken in erster Linie auf gediente Soldaten Rücksicht genommen werde. Neber den Wahlsieg der Sozialdemokratie in Karpathorußland bringt das„Pravo Lidu" nachstehende Einzelheiten: Die Sozialdemokratie hat sich bei den dortigen Gemeindewahlen am Wahlgang in 15 Orten beteiligt. Sie hat in diesen Orten 1966 Stimmen auf sich vereinigt, was um 865 Stimmen mehr ist, als bei den letzten Gemeindewahlen in denselben Orten. Es ist dies ein Stimmenzuwachs von nicht weni- «erals 80 Prozent. Dagegen haben die Kommunisten 17 Mandate von 99 verloren, was einen Abfall von 17 Prozent bedeuttt. Wien. Der Rintelen-Prozeß wurde Mittwoch unter Teilnahme des Vetteidigers Dr. Klee, welcher wieder vollkommen hergestellt ist, fortgesetzt. Dr. Klee stellte den Anttag auf neuerliche Prüfung des G e i st e s z u st a n d e s des Angeklagten Dr. Rintelen durch gerichtliche Sachverständige, um festzustellen, ob der Angeklagte physisch verhandlungsfähig sei. Der Staats- a st w a l t sprach sich gegen diesen Anttag aus. Der Gerichtshof wies ihn nach einer kurzen Beratung zurück. Sodann begann das Verhör des ehemaligen Dieners Rintelen in der Gesandtschaft in Rom, Giovanni R i p o l d i. Es wurde bekanntgegeben, daß Ripoldi, ehemals Kellner, fünf Jahre in den Diensten des bekannten Finanziers C ast i- g l i o n i stand. Der Vorsitzende stellt an den Zeugen Fragen hauptsächlich bezüglich der Persönlichkeiten, welche Dr. Rintelen in der Gesandtschaft in Rom besuchten. Der Zeuge teilt mit, daß RichardSpitzh, Baron Lippe, Redakteur Webbinger und Baron C l a ß in der Gesandtschaft erschienen sind. Der Vorsitzende ftagt den Zeugen, ob er wisse, daß Spitzy öfters mit dem Flugzeuge nach Berlin gereist sei. Der Zeuge weiß, daß sich Spitzy öfters mit Fahrplänen befaßt habe, doch kann er sich an Näheres nicht erinnern. Der Vorsitzende fragt sodann nach jenem Mann, der mit Spitzy des öfteren auf die Gesandtschaft gekommen sei. Der Zeuge erwidert, daß Spitzy drei» oder viermal in Begleitung jenes Fremden gekommen sei, den er für einen Oesterreicher gehalten habe. Er beschreibt ihn als einen Mann im Alter von 40 bis 48 Jahren, mittlerer Statur, elegant, schlank, schwarzhaarig. Dieser Mann sei jedoch auch ohne Spitzy auf die Gesandtschaft gekommen. Einmal wollte sich Dr. Rintelen nach dem Mittagessen niederlegen und trug dem Zeugen auf, er möge, falls ihn ein Herr anrufen sollte, diesem sagen, daß er um 4 Uhr kommen soll«. Dieser Herr ttef auch an und meldete sich am Telephon mit dem Namen Williams. Der Zeuge übermittelte ihm die Weisung Dr. RintelenS und Williams kam auch tatsächlich am Nachmittag. Das sei irgendwann im Apttl oder Mai gewesen. Ueber weiteres Befragen gibt der Zeuge an, daß sich Williams bei Dr. Rintelen gewöhnlich zwei Stunden, manchmal jedoch auch 5 bis 6 Stunden aufgehalten habe. Ripoldi sagte weiters aus, daß Casttglioni, der ihm das Geld für das Telegramm an den Gerichtshof gab, ihn auch bei der Stilisierung der Depesche beraten habe. Nach der Mittagspause frägt der Vorsitzende Rintelen, ob er je mit Dr. Wächter zusammen- getroffen sei. Rintelen:„Ich habe Wächter nie im Leben gesehen." Vorsitzender:„Ist es wahr, daß ein gewisser Williams fünf- oder sechsmal bei Ihnen in Rom zu Besuch war?" Rintelen:„Keineswegs! Für mich genügt bei der" Beurteilung der Aussage Ripoldis, daß Castiglioni das Telegramm bezahlt hat." Zum Schluß der Verhandlung teilte der Brr. Handlungsleiter mit, daß Donnerstag noch einige unwesentliche Briefe zur Verlesung gelangen werden, worauf der Staatsanwalt und die Verteidiger ihre Schlnßvotträge halten werden. Das Urteil ist für Donnerstag nachmittags, etwa gegen 4 oder 5 Uhr, zu erwarten. Siegesjudei in Athen Athen. Die Hauptstadt und das übrige Gttechrnland find von Siegesfreude und Jubel über die Niederschlagung der Aufständischen erfüllt. In Athen haben sich auf den Straßen riesige Menschenmengen angesammelt, die durch die Hauptstraßen zur Pttvatwohnung des Ministerpräsidenten Tsaldaris zogen. Die Menge fühtte zahlreiche Fahnen und Schilder mit sich, die Aufschriften wie„Tod den Verrätern!",„An de» Galgen mit Venizrlos" u. ä. trage». Die einschränkenden Bestimmungen deS Kriegszustandes wurden aufgehoben. Der Schiffs» und Flugverkehr ist wieder ausgenommen worden. Wie ein Kommuniquee des Kriegsministers besagt, find bei den Operationen in Mazedonien seit dem 4. Miftz neun Personen gefallen; 96 Menschen wurden verwundet. In dieser Zahl find bereits die Zivilpersonen inbegriffen. Wie verlautet, wird die Regierung folgende Maßnahmen ergreifen: Säuberung der Behörden von regierungsfeindlichen Beamten, Auflösung aller reattionären Organisationen, Wahlen zur Nationalversammlung, Auflösung des Senates. Der Belagerungszustand wird bestehen bleiben, bis diese Maßnahmen durchgefühtt sind. Die zur Aburteilung der Aufständischen eingesetzten Kriegsgerichte sollen sobald wie möglich zusammentreten. Man glaubt, daß rund 300 Aufständische vor das Kriegsgericht gestellt werde« dürften. Kriegsminister Kondylis erklärte, sie würden ohne gettngste Rücksichtnahme exempla- risch bestraft werden. Der Prozeß gegen BenizeloS wird in rontumaeiam geführt werden. Seine Güter werden verkauft, sein Privatbcsitz in Athen wird znm Sitz des Athener Bürgermeisters umgewandelt werden. Seite 4 Donnerstag, 14. März 1933 Rr. 82 „ks ist ein ssekler sesckeken" Lin« trcliecklseke Stimme lider 61« In der soeben erschienenen Folge der „Pritomnost" vom 13. März befaßt sich an leitender Stelle Milos V a n i l mit der Sudetendeutschen Heimatfront. Er schildert in dem inter- -essanten Artikel zunächst das Milieu, in welchem die Agitation der SHF eingesetzt hat, nämlich das sudetendeutsche Gebiet, in welchem seit Jahren eine schwere Wirtschaftskrise wütet und das dem Trommelfeuer der Hakenkreuzpropaganda ausgesetzt ist. Er legt dann dar, wie Konrad Henlein aufgetreten ist und wie ihn gewisse, auch tschechische Kreise, vor allem deswegen begrüßt haben, weil er ihnen ein Sturmbock gegen die deutsche Sozialdemokratie schien. Aber es zeigte sich bald, Laß der Henleinismus etwas anderes ist als Henlein und daß die gerissenen Hintermänner des naiven Turnlehrers ganz wo anders hinzielen als es nach dem Auftreten Henleins den Anschein hat. VanLk schließt seinen Artikel folgendermaßen: „Es ist ein Fehler geschehe«. Henlein ist da, soll Henlein nun auch ins Parlament kandidieren? Soll er die Fahnen seiner Heimat-, in Wirklichkeit der Jenseitsfront, auch in der Wahlkampagne entfalten dürfen? Das ist die Frage. Unter normaleren Verhältnissen, wenn es nicht nur innere, sondern hauptsächlich über die Grenzen greifende mögliche Komplikationen gäbe, müßte man trotz aller Befürchtungen diese Frage pofitiv beantworten. Heute aber kann man das nicht tun. Heute muß man sowohl mittels administrativer als auch organisatorischer Eingriffe mit der Wnrzel ausreißen, waS die Spekulation hat künstlich wachsen kaffen! Aber das ist nicht alle?. Notwendig ist es, organisatorisch, technisch, jene deutschen Parteien, welche in den Wahlen vor der Aufgabe stehen werden, von neuem die Herzen und Hirne der deutschen Bewohner zur Mitarbeit zu gewinnen, zu unterstützen. Insbesondere muß die Sünde gutgemacht werden, welche durch die Spekulation des Bundes der Landwirte an der deutschen Sozialdemokratie verübt wurde. Das ist heute tschechoslowakische und tschechische, republikanische und demokratische Notwendigkeit und Pflicht. Weiter: fich beeilen mit der Errichtung des deutsche« Senders. Abberufen von anderen wichtigen Aufgaben, eventuell auch 20 fähige, politisch weitsichtige, begabte, tätige Menschen und ihnen die politische Seite der Wahlkampagne in diesem Sender »»vertrauen. Diese drei Monate guter, das ist demokratischer und Friedenspropaganda in den Wah. len werden fich gut rentieren. Sich beeilen mit den JnveftitionSarteiten in den Grenzgebieten. Sage«». B. den lokale« Straßenpatrioten, welche mit dem Minister für öffentliche Arbeiten, Dr. Czech, einen Krieg wegen der Straßen im Grenzgebiet führen, sie muffen im Interesse der Republik ihren Streit vertagen. Und hauptsächlich: lernen aus der Henleinschen Episode. Eine Parteispekulation ist dabei gescheitert und es ist z« einem größeren überparteilichen Schaden gekommen, zum Schaden der Republik— nur deswegen, daß einige führende Köpfe nach dem Hitlrrumfturz schwankend geworden find, daß sie die• antidemokratische mitteleuropäische Konjunktur zu einer antisozialistischen Trockenkur, zu einer Henlein- kur ausnützen wollten. Daß fie ihre Vaterlandsliebe auf der Zunge hatte«, nicht im Blut nnd hauptsächlich: nicht im Kopf." Der Landesansschuß für Böhme« erledigte in seiner Sitzung vom 13. März'1935 neben den laufenden Angelegenheiten insgesamt 287 Gemeinde-Voranschläge, darunter auch das ordentliche und außerordentliche Budget der Hauptstadt Prag, und bewilligte 499 Gemeinden die Einhebung verschiedener Abgaben und Gebühren. Außerdem wurde über den Gesetzentwurf betreffend die Novellierung des Gesetzes über die Sanierung der Selbstverwaltungs-Finanzen beraten und beschlossen,.den zuständigen parlamentarischen Faktoren eine Reihe von Erwähnungen vom Gesamtstandpunkt des Landes Böhmen sowie auf der Grundlage praktischer Erfahrungen bei der bisherigen Kontrolle der Bezirks- und Gemeinde-Finanzwirtschaft zukomznen zu lassen. Flüchtlinge Istanbul. Nach der Niederlgge der Aufständischen Truppen in Griechenland trafen an vielen Orten der kleinasiatisch-türkischen Küste veni- z e l i st i s ch e Flüchtlinge ein. Am Ausgang der Dardanellen ist ein Motorboot eingelangt, in dem sich ein griechischer Divisionsgeneral, ein Oberst, mehrere Offiziere und 26 Soldaten befanden. Sie waren vor eineinhalb Tagen aus Kawalla geflüchtet und durch Kälte und Hunger völlig erschöpft. Sie wurden von den Türken entwaffnet und vvrläufig interniert. Gleichzeitig ist an einem anderen Punkte der kleinasiatischen Küste ein zweites Motorboot angekommen, auf dem sich der von Venizelos eingesetzte Gouverneur der Insel Mytilene, einige Marineoffiziere vom Kreuzer„Awerow" und ein militärischer Platzkommandant der Aufständischen befanden. Venizelos und die anderen Revolutionäre, die auf der Insel Kasos ans Land gingen, werden als politische Flüchtlinge nur unter Polizeiaufsicht gestellt werden. Venizelos und die ihn begleitenden Mitglieder des griechischen Parlaments begaben sich auf die Insel Rhodos. 4m 24. März Falls Hitler nicht wieder absagt London. Sir John Simon und Lord- Geheimsiegelbewahrer Eden werden fich am 24. März im Flugzeuge nach Berlin begeben» wo sie sich bis zum 27. März aufhalten werden. Sir John Simon wird dann nach London zurückkehren. Es ist noch nicht sicher, ob Eden von Berlin direkt nach Moskau reisen oder ebenfalls nach London zurückkehren wird. Die endgültigen Abmachungen für den Moskauer Besuch werden zurzeit noch mit der Sowjetregierung besprochen. Tagcsneulgkcltcn Streikende Waldarbeiter Ujhorod.(Tsch. P.-B.) Im Bezirk Rachovo ist vor einigen Wochen ein Streik der Waldarbeiterschaft ausgebrochen. Am Montag demonstrierten etwa 700 Personen vor dem Notariatsamt in der Gemeinde Bohdan. Die Gendarmerie zerstreute die Demonstranten und nahm sechs Personen fest. Am Dienstag rotteten sich in der Gemeinde L u h etwa 100 Personen zusammen, die jedoch noch vor dem Eicktreffen der. Gendarmerie wieder ausein- andergingen. Zwischen den Vertretern der Arbeiterschaft und Delegierten der staatlichen Forstdirektion werden Verhandlungen über ein Lohnabkommen geführt. Neun hohe Sowjetbeamte verhaftet Kiew. Der Vorstand der politischen Abtei- lung der Staatsgüter in der Ukraine, S o b d a, sowie acht Direktoren der politischen Abteilungen der Staats- und Kollektivgüter wurden auf Anordnung des obersten Staatsanwaltes wegen gegenrevolutionärer Umtriebe und Sabotage festgenommen. Sie sollen der Opposition K a m e n j e w-.S i n o w j e w angehört haben und sind deswegen aus der Partei ausgeschlossen worden. In mehreren Versammlungen haben sie die Ansicht vertreten, daß Kamenjew und Sinowjew die Opfer von Partei- Intrigen geworden seien. Der Tod o«f dem Lio Oppeln. Auf der schwachen Eisdecke der alten Oder in Przywor brachen drei Kinder ein. Sie gerieten sofort unter das Eis. Ein junger Mann und ein 12jähriger Schüler, die auf die Hilferuf« cher anderen- Kinder-herbeigeeilt waren, versuchten die Eingebrochenen rßy rettkck. Die beiden Retter kamen aber selbst in die Gefahr zu ertrinken. Der junge Mann konnte sich sechst nur mit Mühe retten. Auch der Schüler konnte nur schwer gerettet werden. Nach einiger Zeit wurden auch die drei Kinder geborgen; die aufgenommenen Wiederbelebungsversuche waren jedoch vergeblich. 1tompos«e gegen eine« Feind de» Franenwahlrechts Paris. Zu den heftigsten Widersachern des Frauenwahlrechtes in Frankreich zählt der Senator Duplantier, der den Wahlkreis Vienne vertritt. Eine Gruppe französischer Frauenrechtlerinnen begab sich nun unter Führung von LouiseWeiß nach dem Wahlkreis des unversöhnlichen Feindes des Frauenwahlrechtes. Sie veranstalten dort zahlreiche Versammlungen, auf denen die Frauenrechtlerinnen den Senator Duplantier lächerlich machen und die Gründe für die politische Gleichberechtigung der Frau darlegen. Diese Agitation wird auch weiterhin im ganzen Wahlkreise durchgeführt werden. Bisher" hatten die Versammlungen einen ruhigen Verlauf. Die Wahrheit aus der Statistik. Der kulturelle Zusammenbruch Hitler-Deutschlands kann durch nichts drastischer gekennzeichnet werden, als durch den soeben herausgekommenen Iah- resbericht 1934 der Preußischen Staatsbibliothek. Dieser Jahresbericht spricht eine schonungslose Sprache. Danach sind Benutzer- und Besucherzahlen um 23 Prozent zurückgegangen. Am deutlichsten find die Vergleichsziffern von 1933 und 1934 hinsichtlich der Zahl der zur häuslichen Benutzung verliehenen Werke. 3 1.3 7 7 im Jahre 1 9 3 3 bestellten Werken stehen im letzten Jahr nur nach 19.321 gegenüber....! Das„Per- liner Tageblatt" versucht diese harte Nuß zu knacken, ohne der Gestapo und damit auch sich selbst wehe zu tun. Nach einem beispiel- los Läglichen Eiertanz endet es mit dem folgenden tragikomischen Satz:„E sollte aber nie vergessen worden, daß der deutsche Geist noch immer ein Kapital war, und daß bei oller tragischen Notwendigkeit des Bildungsabbaus erhalten werden mqge, was erhalten werden kann." Und an anderer Stelle spricht das gleichgeschaltete Papier von der„so k r a s s e n Rückläufigkeit des B i I- dungskonsums" Uns scheint, des Rätsels Lösung ist sehr einfach. Dort, wo der Fememörder zum geachteten Mann avanciert. wo notorisch Geisteskranke hohe Funktionäre werden und Wissen als verdächtig gilt, muß dec „Bildungskonsum" auf den Nullpunkt sinken. Das ist allerdings eine„tragische Notwendigkeit". Genofle Karl Richter gestorben. Dienstag abends starb in W i e n im Aller von 62 Jahren der ehemalige Wiener Stadtrat Karl Richter, einer der bekanntesten Vertrauensmänner der sozialdenwkratischen Partei in Wien. Der vierte Tag der Prager Mustermeffe. Der Auslandsbesuch gibt auch weiterhin der Messe die Rote. Bisher sind Einkäufer aus insgesamt 43 Staaten anwesend. Auch der Jnlandsverkehr scheint sich am vierten Tag gebessert zu haben. Aus der Provinz treffen viele neue Interessenten ein, wobei auch die deutschen Gebiete und die Slowakei gut vertreten sind. Aus der Tatsache, daß neue Besucherlegitimationen verlangt werden, schließt man, daß auch auf dieser Messe der Schwerpunkt in der zweiten Hälfte liegen wird. In den meisten Branchen rechnet man mit einem Sondererfolg. Ein sudetendeutsches Familirnschutzprogramm. Die Zeitschrift„Jugendfürsorge" erinnert in ihrem Wärz-Heft 1935 an das große Familien- schutzprogramm, das im Jahre 1932 der II. internationalen Konferenz für soziale Arbeit in Frankfurt a. M. vorlag und seither in Vergessenheit geraten zu sein scheint. Die Schriftleitung der „Jugendfürsorge" veranstaltet deshalb ein Preisausschreiben über das Thema„Familienfürsorge innerhalb der deutschen Volkskultur" und setzt für die drei besten Arbeiten Preise in der Höhe von 1000, 500 und 300 Kö aus. Die Einsendungen sollen nach einer kurzen Untersuchung der allgemeinen Beziehungen zwischen Familie und Volkskultur einen Arbeitsplan zur Förderung der Familienfürsorge innerhalb der Schutz- und Fürsorgearbeiten, des sudetendeutschen Volles entwerfen. Arbeiten im Höchstumfange von 32 Druckseiten sind bis 1. Juni 1935 an die Zeitschrift„Jugendfürsorge" einzusenden. Name und Anschrift des Verfassers sind in verschlossenen undurchsichtigen Briefumschlägen beizulegen. Verteilung der Preise erfolgt am 15. Juli 1935. Die angenommenen Arbeiten übergehen ins Dtückeigentum der-Zeitschrift „Jugendfürsorge", Reichenberg, Waldzefle 14. Doktor Jindkich Kohn gestorben. Dienstag starb in Prag der bedeutende tschechische Schriftsteller Dr. Jindkich Kohn. Kohn war 1874 in Pri- bram geboren, war lange Jahre Advokat in Pilsen und später in Prag. Frühzeitig betätigte er sich politisch und-gehörte der realistischen Partei Masa- ryks an. Schriftstellerisch war er insbesondere auf dem Gebiet der Soziologie und Philosophie tätig, er. vereinigte.in seinem Kopf ein immenses Wissen und war Mich ein guter Kenner Nr marxistischen Lehre. Er hielt viele. Vorträge und genoß in tschechischen intellektuellen Kreisen ob seines Idealismus und seines tiefen Wissens hohe Achtung und Wertschätzung. Mildes Wetter. Nahezu im ganzen Staatsgebiet, ist es heller und tagsüber relativ warm. In der Slowakei und Karpathorußland wurden gestern um 14 Uhr in den tieferen Lagen plus 9 bis plus 12 Grad verzeichnet und auch Starh Smokovec meldet plus 8 Grad. In den böhmischen Ländern betrug die Temperatur im Flachland plus 5 bis plus 8 Grad, der Fichtelberg hatte—2, die Schneekoppe—1 Grad. In Schlesien behauptet sich noch immer eine niedrige Wollendecke an der Aufwindseite des Gesenkes und der Beskiden; Troppau meldete gestern nachmittags nur 0 Grad bei völlig trübem Himmel.— Für heute ist vorausgesagt: In den Niederungen und Tälern morgens nebelig, strichweise Nebelgewöll und verringerte Temperaturschwankungcn zwischen Tag und Nacht. Sonst im allgemeinen schön und tagsüber milde. Eisenbahn-Unfall. Gestern früh entgleisten auf dem englischen Wechsel Nr. 85 beim Verschieben in der Station K r a l u p■ drei Wagen einer leeren Garnitur und blockierten beide Hauptgeleise des Veltrusyer Stationskopfes. Die Früh-Arbeiterzüge nach Prag erlitten größere Verspätungen. Der Personenverkehr wurde bis zur Freilegung des einen Geleises durch Umsteigen aufrechterhalten. Verletzt wurde niemand. Ursache der Entgleisung war das Umstellen des Wechsels unter den verschiebenden Wagen. Die Untersuchung wurde eingeleitet. Der feine Herr Marischka. Für den Direktor Hubert Marischka wurde jetzt beim Landesgericht in Wien ein Ausgleichsantrag überreicht, der sich auf den Betrieb des Theaters an der Wien bezieht. Den Gläubigern, die nicht bevorrechtet sind, wurde ein 40prozentiger Ausgleich, zahlbar binnen Jahresfrist, vorgeschlagen. Amerikanische Berhaftnng. In Gleneoe (Illinois) wurde der englische sozialistische Schriftsteller und ehemaliges Parlamentsmitglied Evelyn John S t r a ch e y verhaftet. Die amerikanischen Einwanderungsbehörden verfügten die Ausweisung Stracheys aus Amerika, weil er während seines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten erklärt hatte, Kommunist zu sein, was nach dem amerikanischen Einwanderungögesetz ein Ausweisungsgrund ist. Dieser Vorfall könnte nach Ansicht einiger Beobachter zu einem internationalen Streitfall werden. Der britische Konsul in Chicago gab bekannt, daß er in dieser Angelegenheit nichts unternehmen werde, bevor er nicht Instruktionen erhalten habe. Der Schriftsteller Strachey lehnte es ab, den Journalisten über seine Verhaftung eine Erklärung abzugeben. Westböhmischer Arbeitersport Mit dem Bezirksverbandstag des Egerer Bezirkes wurden die Verbandstage im 6. Kreis beendet, Dieser Tagung kam besondere Bedeutung zu, da Eger der Festbezirk ist. Vertreten waren 18 Vereine mit 48 Delegierten. Ein großangelegtes Referat über „Wahlen und Kreisturnfest" erstattete Genosse MYkura. In Trinksaifen fand ein Winter« sportfeft statt, bei welchem die zahlreichen Wettläufer aus Bärringen an der Spitze standen. Im 10 Kilometer-Langlauf stehen die Bärringer Flade r e r mit 45:50 und Häuser mit 46:42 an der Spitze. Der Sieger der Altersllaffe Kolitsch- Bärringen steht mit 49:41 der Sportklaffe nicht viel nach. Der 6 Kilometer-Jugendlauf wurde von Willi E s k a-Bärringen mit 37:42 gewonnen, welcher als läjähriger die beste Zeit lief. Das Springen gewann abermals Hel d-Abertham mit Note 19.083 und 32 Meter Sprungweite. Zweiter wurde Fladerer- Bärringen mit I^ote 18.639. Es folgten die Springer Purkart-Bärringen, Heidler-Neudek. Hüller-Rothau. Auch in der Jugendklasse sprangen zahlreiche neue Springer. Erster wurde E s k a-Bärringen mit Rote 19.083 und 28 Meter vor Spinnler und Riedel aus Pechbach. Das Schiklerspringen bestritten die Trink- saifener. Die Fußballer hatten das 14. Serienspiel der ersten Klasse angesetzt, durch das Winterwetter wurden jedoch drei Spiele abgesagt. A. S. V. Alt- r o h l a u schlug Atus C h o d a u 10:0 und stellte sich mit 24 Punkten an die Spitze der Tabelle, allerdings steht noch ein Spiel des- bisherigen Spitzenführers Meierhöfen gegen Sportbrüder Eibenbern aus. Atus Franzensbad konnte gegen Atus Drahowitz 2:2 spielen, A. S. K. Eger mußte ebenfalls auf eigenem Platz von Atus Unterreichenau ein Unentschieden von 1:1 entgegennehmen. Zwei billige Puntte konnte Atus Fischern buchen, da Atus Tbeusgu zum Serienspiel nicht angetreten ist. Fischern konnte sich dadurch um drei Plätze auf die 10 Stelle nach vorn stellen. Sonntag, de» 17. März, findet in B ä r r i n- gen ein Kampfrichterkurs für Wintersportfunktionäre statt.- Es wird die Wertung und Berechnung aller Läufe vorqenommen. Am Nachmittag werden«zwei Springermannschaften von je zwölf Mann auf der„Roten Schanze" einen Mannschaftswettkampf austragen, es kämpfen die Skispringer der Erzgebirgsbezirke Neudek und Graslitz. Gewertet werden die zÄhn besten Springer beider Bezirke. Professor Pupin gestorben. In N e w D o r k ist Professor Michalo Jdvorski Pupin, 70, Jahre alt, an einer Arterienverkalkung gestorben. Pupin war international bekannt als Erfinder auf dem Gebiete der drahtlosen Telegraphie und Te- lephonie und der Röntgenstrahlen. Die bekannteste Erfindung ist Wohl diePupin-Spule, eine in lange Fernsprechleitungen eingeschaltete Induktionsspule zur Verminderung der schwächenden Wirkung den Leitungskapazität, wodurch erst das Telephonieren auf weite Strecken mög- lich wurde, Pupin, Kroate von Geburt, war feit -dem Jahre 1889 Professor für Elektromechanik an der Columbia-Universität in New Dork. Im Weltkriege gewährte er dem serbokroatischen Be- freiungskampf seine moralische und finanzielle Unterstützung. Auf Korfu wirkte er auch am tschechoslowakischen Auslandskampfe mit. Im Jahre 1929 wurde er mit dem Weißen Löwenorden ausgezeichnet. Wenn ei» Mühlstein zerspringt. In Bysni Verecky(Karpathorußland) zersprang in der Mühle des Bernhard König ein Mühlstein. Hiebei wurden drei Personen schwer verletzt;' einer von ihnen wurde die Kopf- hautskalpiert. Lynchjustiz. In Slayden(Mississippi) wurde ein N e g e r, der am vergangenen Samstag einen Landstraßenarbeiter erschossen hatte, von einer erregten Menschenmenge gelyncht. Der Neger wurde qnf ein Autoverdeck gestellt, unter einen Baum gefahren, dort an einen Ast geknüpft und dadurch, daß der Wagen unter ihm wegfuhr, gehenkt. Vor seinem Tode betete er und sang religiöse Lieder... Der Polizeikommiffär als Räuberhauptmann. In der Nacht zum Montag drang im Hauptort des argenttnischen Teiles von F e n erlan d. Uffuaia, der Polizeikommiffär des Ortes mit drei Poli>- zeibtamten in ein Kaffeehaus ein. Es waren dort etwa 20 Gäste, zumeist Regierungsbeamte und Beamte- der Zuchthausverwaltung, der größten Ar- genttniens, anwesend. Alle diese Beamten hatten ihr Gehalt erst am Samstag ausbezahlt erhalten. Mit vorgehaltenem Revolver forderten die Pölizi- sten-Räuber die Gäste zur Herausgabe des Geldes auf. Mit ihrer Beute von etwa 7000 Pesos(etwa 40.000 Kö) verschwanden sie spurlos. Sie ließen nur den Friedensrichter unbehelligt, wie fie sagten „aus Achtung vor seinem hohen Amte". Vom Rundfunk empfehlenswertes aus»en Programmen! Freitug Prag: Sender L.: 10.95 Deutsche Presse. 10.45 Schulfunk. 12.10 Ouvertürenkonzert. 13.35 Arbeitsmarkte 13.45 Leichte Musik. 15.55 Ondrikek-Quar- tett. 18.15 Deutsche Sendung: Sportborschau. 18.20 Dr. Kislinger: Die tschechoslowakische Exportindustrie. 18.40 Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten. 18.50 Deutsche Presse- 22.20 Schneeberichte. 22.50 Schallplatten.— Sender St.: 14 20 Schallplatten von Strauß. 14.85 Solistenkonzert. 15.00 Deutsche Sendung: Für die Frau. 18.00 Chansons.— Brünn: 12.10 Arbeitsmarkt und soziale Informationen. 13.40 Schallplatten: Mascagni. 16.45 Wanderlieder. 18.15 Deutsche Sendung: Jng Abt: lieber die Notwendigkeit von Talsperren.— Mähr.-Ostrau: 17.00 Orchesterkonzert.— Prrßbnrg: 19.30 Unterhaltungsmusik.— Kascha«: 21.10 Militärkonzert 32 Donnerstag, 14. Wirz 1935 •cttc» 5 Das Rätsel-er Psychiatrie Es ist seltsam... Was unS und allen normalen Zeitgenoffen schlechthin nur grotesk scheint, närrisch und bestenfalls als ein Produkt der Selbftironie, gilt drüben im«neuen Deutschland" als die ernsthafteste Angelegenheit' der Welt. Drei Zitate, aus einem Wust von Unsinn willkürlich herauSgegriffen, mögen das beweisen. I. „Bei uns war diehöchsteGeistigkeit und die männlichste Kraft zugleich... Wenn die Stuhlbeine in der Luft ihre singenden Kreise zogen, war der Atem einer neuen Philosophie hörbar." Aus einem neuerschienenen Razi-„Revolutions"- Buch. n. «Wie anders sieht heute daS Ball bild aus.. Selbst bacchantisch beschwingte Heiterkeit ist im Tieferen verankert und heroisch durchpulst." Aus einem deutschen Ballfeuilleton. Hl. «Noch immer richtet sich verbrecherische Gedankenlosigkeit nach der christlichen Zeitrechnung! Vor oder nach Christi Geburt?! Nein! Der Deutschgläubige ignoriert so etwasl Tod und Teufel— erhat seine eigene Zeitrechnung l" Aus einem Blatt der antichristlichen Nazis. Drei fange Chinesinnen von Schanghai versuchten am Dienstag Selbstmord zu begehen, um der bekannten Filmschönheit Duan-Lin-Ju nachzufolgen, die nach dem Genuß einer zu starken Dosis eines Narkotikums gestorben ist. Eine der Selbstmordkandidatinnen ist tot, die beiden anderen konnten gerettet werden. Verschwunden. Der ehemalige Pariser Polizeiinspektor Bonny, gegen den am Montag ein Steckbrief wegen Erpreffung erlaffen wurde, ist verschwunden. Die Polizei sucht ihn in ganz Frankreich. Sie hat seine Beschreibung auch allen Grenzstationen übermittelt. Sibirischer Eisenbahnverkehr lahmgelegt. Nach einer Meldung aus Omsk haben in den letzten zwei Tagen starke Schneestiirme den gesamten Eisenbahnverkehr auf den sibirischen Strecken lahmgelegt. Nicht weniger als 14 Züge blieben im Schnee stecken. 11.000 Mann und 2000 Fuhrwerke wurden zur Freilegung der Strecken abkommandiert. Bisher konnten sechs Züge freigeschaufelt werden. Frankreich. Unterstützung der Unternehmer, die Arbeitslose einstellen. Durch ein Dekret wurde in Frankreich der Arbeitenminister ermächtigt, jenen Unternehmern, die Personen einstellen, die reguläre Unterstützungen vom Arbeitslosenfonds beziehen, die Unterstützung der eingestellten Arbeiter zugutekommen zu lassen. Die Prämie kann für einen gleichen Arbeitslosen dem gleichen Unternehmer nur während. 180 Tagen des Jahres gezahlt werden. Der Arbeitenminister legte dar, dass strenge Maßnahmen ergriffen werden, damit die auf diese Weise eingestellten Arbeiter über die Zahl des sonst normal beschäftigten Personals hinaus eingestellt werden. Eine weitere Bedingung ist, daß die Gesamtarbeitszeit des Personals mindestens 32 Stunden per Woche beträgt. Für den größte« Ozeandampfer der Wett, den englischen Ozeanriesen»Queen Mary", ist dieses Hauptgetrieberad bestimmt, das das respektable Gewicht von 78 Tonnen hat. Bekanntlich ist die»Queen Mary" vor fünf Monaten vom Stapel gelaufen, und noch immer sind Tausende von fleißigen Händen Tag und Nacht tätig, um den Schiffsgiganten bis zum Sommer fahrbereit zu machen. Ke dütedeuelAkLS besonderes! Auch di« gröbste Arbeit schafft Putzfrau VIM spielend, aber auch mit den feinsten Gegenstönden geht sie geschickt um wie keine. Das Besondere an VIM? Es erweicht und löst den Schmutz— ist wie geschaffen zum Großreinemachen I Puixfräu Die Arbeitslosen von Buenos Aires Bon Oda Olberg Niemand weiß, wieviel ihrer sind. Ein« obligatorische Arbeitslosenversicherung gibt es nicht, die erste Zählung wird auf Grund eines am IS. Dezember 1934 veröffentlichten Gesetzes am 28. Feber 1938 borge nomine» werden. Aber Arbeitslose gibt es, unversichert und ungezählt, denn seit vier Jahren spürt man auch in Argentinien di« Krise. Was das Land vor allem hervorbringt, Weizen, Mais und Fleisch, fehlt zwar in dielen Teilen der Erde, steht aber trotzdem so niedrig im Preis, daß der Boden kaum die Bestellung, das Vieh kaum die Aufzucht verlohnt. Daher wenig Bedarf nach Arbeitskräften, die aus dem flachen Land in die Großstadt abwandern, und Rückgang des Geldumlaufs in der Großstadt, die die Hauptquellen ihres Reichtums auf dem Lande hat. Vor allem wird weniger gebaut. Decher Landarbeiter, die niemand beschäftigen will, Bauarbeiter, deren Gewerbe daniederliegt, und neben diesen beiden Hauptströmen zahllose kleinere Kanäle und Rinnsale, die das große Becken der Arbeitslosigkeit speisen. Wer ihnen nicht nachspürt, gewahrt sie kaum. Bettler gibt es in Buenos Aires weniger als in irgend einer Großstadt des europäischen Kontinents. Aber man-steht die-ArbettSiosen. im'-ltm- kreis des halb gelähmten Hafens, der früher Nicht Raum hatte für all die Schifte, die Waren brachten und Waren holten, und der jetzt so träge daliegt mit seinen nur zum geringen Teil ausgenützten Docks und Lagerräumen, Krönen und Silos— gleichzeitig Symbol und Symptom des gigantischen Widersinns unserer Zeit, der aus dem Ueberfluß Hunger, aus der bewegungSgie- rigen aufgestauten Kraft die Regungslosigkeit und. Todesstarre gebiert. Man sieht die Arbeitslosen, weil sie obdachlos sind. Der Stahl zählt sie nicht, aber das Getriebe des Wirtschaftslebens siebt sie aus. Sie machen ihr Recht auf Unterstützung dadurch geltend, daß sie obdachlos werden. In Buenos Aires fließen Arbeitslosigkest und Obdach« losigkeit ineinander. Was das von der Bundesregierung ernannte»Komitee zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit" zu lösen hat, ist das Doppelproblem der Arbeits- und Obdachlosigkeit. Das bedeutet, daß die Krisenopfcr nur in ihrer krassesten und letzten Form in den LichttreiS öffentlicher Beachtung gelangen. Daher die verhältnismäßig geringe Zahl derer, denen sich die öffentliche Fürsorge zuwendet-— weniger als zehntausend in einer Stadt von zwei ein viertel Millionen. Auch di« Zusammensetzung der Arbeitslosen richtet sich weniger nach der Zahl der in dem betreffenden Gewerbe sttllgelegten Betrieb« als nach den Umständen, die überall in die Obdachlosigkeit hinunterstoßen. So find z. B. fast gar keine Frauen darunter, es überwiegen Einwanderer und Junggesellen. Wenn sich die Oeffentlichkeit in Buenos Aires erst um die Arbeitslosigkeit kümmert, sobald sie zur Obdachlosigkeit geführt hat, so darf man darin nicht ausschließlich mangelhafte Sozialgesetzgebung sehen. Man hAt sich hierzulande leichter über Wasser als in irgend einem Lande Europas. Verdienstausfall eines Familienmitgliedes, und wenn es der Familienvater ist, braucht hier noch nicht Hunger und Rot zu bedeuten. Die Lebens» Mittelpreise find außerordentlich nickrig, so niedrig, daß nach einer offiziellen Beröff«ftlichung von dem Mindestlohn von PesoS am Tage(welcher Lohn allerdings nur für die staatlichen Arbeiter gilt) 20 Personen zur Not satt werden können. Die Nachftage nach weiblichem Hauspersonal übersteigt das Angebot und s^hr ost kann der Mann oder können die Kinder mitwohnen und auch miteffen. Schließlich haben viele Arbeiter aus der Zett der fetten Jahre ein eigenes Häuschen, für dessen fällige Ratenzahlungen auf Drängen der sozialisttschen Parlamentsftaktion ein Hypothekenmoratorium erlassen wurde. Das wirtschaft« liche Milieu hat also eine größere Tragkraft. Daß es furchtbare Rot als Folge der Arbeitslosigkeit gibt, auch ohne daß die Familie obdachlos würde, braucht nicht gesagt zu werden. Ebenso überflüssig wäre es, ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß in einem Lande, wo unübersehbare Gelände brach liegen, das nach Straßen, Brücken, Eisenbahnen, Bewässerungs-Anlagen förmlich schreit, die Arbeitslosigkeit uns als etwas noch Verruchteres und noch Absurderes anmutet, denn in dem übervölkerten, mit dichtem Verkehrsnetz überzogenen Europa. Damit sich aber die Europäer nicht als die„besseren Menschen" in die Brust werfen, sei gesagt, daß neun Zehntel des heuttgen offiziellen Ackeitslosenproblems in Buenos Aires bei Anwendung europäischer Methoden mü einem Federzuge beseittgt wäre. Man brauchte nur die Arbeitslosen in ihre Heimat abzuschicken. Ungefähr neunzig von hundert sind nämlich keine Argenttnier. Die heute gewährte AckeftSlosenhilfe bewegt sich vorwiegend in den Geleisen, die die Leute durch Selbfchilfe gebahnt haben. Sie haben sich einen Unterschlupf für ihr Elend gebaut, aus Petroleumkisten, Blechbüchsen und solchem Abfall, am Reuen Hafen, an irgend einer Straße der Peripherie, in der Nähe der Abladestätten des städtischen Unrates. Und da der Mensch, wie übel ihm auch die Menschheit mitspiele,. eben doch «in-geselliges iTier ist, haben sich die Obdachlosen aneiNandergedrängt und Siedlungen gckikdet. Das war ihre Flucht in die Oeffentlichkeit. Und diese Elendsquartiere konnte di« reiche Stadt nicht dulden und konnte sie doch nur beseitigen, indem sie Ersatz für sie bot. In diesem Stadium, in dem die Selbsthilfe durch sträflichen Beistand ersetzt wird, befindet sich heut« das Arbeitslosenproblem von Buenos Aires. MS Ersatz für die zerstörten Sicklungen— nicht alle sind zerstört worden— ist eine.Herberge der Arbeitslosen" am Reuen Hafen entstanden, in einem von der Zollbehörde zur Verfü« ü»ng gestellten Bau aus Eisenbeton. Zweitausenddreihundert eiserne Betten mit Strohsäcken, Raum, um viertausend Personen unterzubringen. Von einem europäischen Obdachlosenheim unterscheidet sich diese Herberge nur dadurch, daß sie auch Essen verabreicht, drei Mahlzeiten am Tage. Besetzt sind heute 2000 Betten, Essen wird an rund 7000 verteilt. Ausgenommen Wick jeder, auch wenn er keine Papiere besitzt, ja, wer keine Auseinandersetzung mit der Polizei zu fürchten braucht, kann durch Uckernachten zu einem Ausweis kommen. Die Polizei nimmt seine Personalien auf und stellt durch die Fingerabdrücke fest, ob es sich um ein gerichtlich gesuchtes Individuum handelt. Ob sich das alles so wissenschaftlich abwickelt, bleibe dahingestellt; man nimmt Wohl an, daß Leute» die etwas auf dem Kerlholz haben, die Linien ihrer Fingerspitzen licker für sich behalten und spendet denen, die diese Linien schwarz auf weiß preiSgeben. zum Dank einen Personalausweis, der immer besser ist als garnichts. Jedem bleibt das ihm einmal zugewiesene Lager reserviert, solange er nicht länger als drei Nächte fortbleibt; jeder bekommt ein verschließbares Fach für seine Sachen. Räumlichkeiten und Seife zum Waschen der Wäsche wecken geliefert. Unterrichtskurse^. Kino, Theater und Bibliothek stehen zur Verfügung. Rund 300 der Insassen sind zur Zeit in Ackeit, verlieren aber das Recht auf Be- heckergung nicht. Alle Hausarbeiten, einschließlich Kochen, werden von den Insassen besorgt. Die änderen gehen tagsüber auf Arbeitssuche. Das Asyl ist ein Brett, das vor dem Versinken bewahrt aber kein Steg, der zurückführte in das normale Cr- werbslcken. ES fehlt Freiheit und Ackeit, das, was den Mensen anspornt, aus sich selbst daS Beste herauszuholen. Veckeißender ist eine andere Form der Fürsorge, die daS„Komitee zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit" gleichzeitig anbahnt, ohne dlckei die Sympathie der Polizei auf ihrer Seite zu haben, nämlich die Schaffung von menschenwürdigen Siedlungen, anstelle der Elendsbaracken. Die Gemeinde hat den Boden dazu bewilligt und die dort lagernden Pflastersteine für den Bau. In der Mitte der Anlage flattert das Rote Kreuz auf I MiBfarbiger Zahnbelag läßt sich rasch und gründlich beseitigen, wenn man etwas Chlorodont-Zahnpaste auf die trok» kene Zahnbürste drückt und damit die Zähne nach allen Seiten, auch auf den Kauflächen, bürstet. So kommt der natürliche Elfenbeinglanz der Zähne wieder zum Vorschein und ein herrliches Gefühl der Frische und Sauberkeit bleibt im Munde zurück. Tube Kö4—.Inländ. Erzeugnis. einem kleinen Pavillon. Die Leute bauen die Häuser selbst— einzimmerige Häuschen, in denen je drei Menschen wohnen, treiben Gartenbau, Gemüsebau, finden Arbeit in der Siedlung— „Villa Esperanza" haben sie sie benannt— züchten Kakteen, stellen Drahtgeflechte her, bemalen Töpfe usw. Rahe dieser Siedlung sind noch die alten Baracken, aus dem elendesten Zeug zusammengeflickt, aber wimmelnd von Hunden und Katzen, Pögeln und Blumen. Diese Menschen, die hier ohne Frauen und Kinder lcken, haben offenbar ein zwingendes Bedürfnis nach etwas Lebendigem, für das sie sorgen und das ihnen durch Zuneigung oder Schönheit dantt. Gar mancher mag seine Dlechhütte mit ihrem Ungeziefer dem sauberen Steinbau vorziehen, aus dem er seinen Hund oder seine Katze verjagen müßte. So leben die wilde Sicklung und die der„Villa Esperanza^ dicht nebeneinander, längs dem Stromuser, nicht weit von dem Villenviertel der Hauptstadt. Keine der beiden wird das Pricklem der AckeitSlosigkeü auch nur für die eigenen Sickler lösen. Die Lösung liegt auf dem Lande, in der Verteilung von Parzellen, die eine Familie ernähren können. Für die europässchen Länder bedeutet die Verwirklichung dieser Forderung den Umsturz der Besitzverhältnisse, die gerade heute mit allen Mittellr der Gewalt gewahrt werden. Argenttnien, mit seinen riesigen Staatsländereien, könnte es billiger haben. Was soll ich von den Menschen sagen? Sie sind verbittert, wie alle Ackettslosen, tragen aber nicht den Stempel der Unterernährung. Man sagte mir, es seien viele Tschechen, Polen, Jugoslawen und Ungarn darunter, aber man Wick die offizielle Zählung abwarten müssen, um Zuverlässige» zu erfahren. Sehr wenig Lokalkolorit, wird man sagen. Gewiß, Obdachlosigkeit giesst alles so ziemlich in die gleiche Form, auch wenn subtropische Sonne darüber strahll, und der meeckreite Plataftrom daneben fließt. Aber etwas ganz Uneuropäisches habe ich bei diesen Streifungen gefunden. Einen Saal aus Eisenbeton, in der Heckerge, einen nackten Saal zu ckener Erde. Seine Türen blecken jede Nacht offen. Jeder kann herein, man fragt nicht nach Namen uick Herkunft. Aus der fernen Heimat mag ein Steckbrief hinter ihm her sein« die hiesigen Gerichte mögen nach ihm fahnden, an keinem Altar findet er Zuflucht— hier hat er ein^Dach. über dem Kopf«: wo kein Häscher vje Hand nach ihm auSstreckt.'Freilich, Än Dach über dem Kopf ist wenig, vielleicht ist auch die Gewißheit nicht absolut, daß nicht unter den Gefeiten ein Verräter ersteht. Aber trotzdem ist etwas Großes in diesem Freibrief, den ein Staat auch denen ausstellt, die seine Gesetze verletzt haben, in diesem materiellen Schutz gegen Unbill der Natur» den der Verfolger dem Verfolgten gewährt.„Es sind ja auch Menschen", sagt der Vorstand der Her» berge. Wenig genug, daß man das nicht vergißt I Wenig genug, aber wo in aller Welt ist heute der Mensch ohne Dokumente noch ein Mensch? Wo gewährt man dem entsprungenen Sträfling, dem polizeilich gesuchten Verbrecher Obdach und Speise, nur weil ihn friert, nur weil ihn hungert, ohne aus dem Obdach ein« Falle zu machen, in der die ganze Eckarmungslosigkeit des Gesetzes über ihn herfällt? Vielleicht hat die Republik Argenttnien ein Recht, die brüderlich verschlungenen Hände unter der Jakobinermütze im Wappen zu führen. Vielleicht denkt und fühlt man hier doch etwas höher über Menschenwert als im alten Europa. Dort hat man harte Strafen für den„Zechpreller". Hier begeht ein Mensch keine strafbare Handlung, wenn er sich in einer Wirtschaft zu essen geben läßt, und es nicht bezahlen kann. Eine Pflicht, um des Gesetzes willen zu verhungern, läßt das hiesige Strafrecht nicht gellen. Und eine vielleicht nicht einmal gesetzlich umriffene Praxis bietet auch denen eine nächtliche Freistatt, die tagsüber für die Polizei vogelfrei sind. Auf dem ganzen, mit soviel Prunk in Szene gesetzten eucharistischen Kongreß habe ich nicht soviel christlichen Geist gefunden, wie in dem nackten Betonsaal, wo jedes Menschen Sohn sei Haupt hinlegen kann.— Tritt 6 Hwvatßluvln DUul ^•w»«r***».*<. Mtkrz 105S. Nr. 62 Der internationale Frauentag.«HSrag findet am Freitag, de« IS. Marz«m 7 Ahr abends im große« Gaal der Produktenbörse statt □Referentinnen: 2»entft$: HOgeorinete Genossin«Inin«, tfd>etf>iftf>: Gefretärin Stortänobä onittoirfenö: ÄnsendvIüserMor, GesansSMor, □Rezitationen/ Grseheinet zaylreiG und piinttlitf» PRAGER ZEITUNG 27.000 Arbeitslose Am 2300 mehr als vor einem Jahr Die Arbeitslosigkeit in Prag hat jetzt einen Stand erreicht, der bisher noch nicht beobachtet wurde. Rach den Ausweisen des Sozialamtes der Stadt wurden am 11. März 19.932 Arbeitslose von der Gemeinde und vom Staat unterstützt, wozu noch mehr als 6000 Arbeitslose, die die gewerkschaftliche Unterstützung mit dem Staatszuschutz beziehen, gezählt werden müssen. Gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres ist die Zahl der in der Statistik erfatzten Erwerbslosen um 2300 gestiegen. Einbruch in einem Ahrmachergeschaft In der Nacht auf Mittwoch brachen unbekannte Täter in das Geschäft der Juwelen- und Uhrenfirma I. Sladkh in Prag Xll, Anglickä, ein. Sie bohrten den Verkaufspult, welcher gleichzeitig als feuersichere Kassa dient, an und zogen durch die Oeffnung eine grötzere Anzahl goldener und silbener Uhren im Gesamtwert von ungefähr 60.000 Kronen heraus. Auf ähnliche Weise wurden in der letzten Zeit schon einige Einbrüche begangen, ein Beweis, datz eine Bande erfahrener Schränker am Werke ist. Verhängnisvolles Frühstück. Die 24jährige Hausgehilfin Ludmilla Kbasniak kochte gestern früh um 7 Uhr in der Wohnung ihres Dienstgebers in der Revoluöni ihr Frühstück. Hiebei wurde durch das überlaufende, kochende Wasser die Flamme des Gaskochers auSgelöscht, was di'. Kvasniak offenbar nicht bemerkt«. Sie wurde nach kurzer Zeit von ihrer Herrschaft bewußtlos in der Küche aufgefunden. Der herbeigeholte Arzt ließ fie auf die Klinik Pelnäi bringen. Onkel a«S Amerika gestorben. Gesucht werden die Erben des am 8. Mai 1862 geborenen Heinrich Otto Adam, der in Kalifornien dieser Tage gestorben ist und dessen Vermögen verteilt werden soll. Adam ist 1894 nach Amerika gekommen; sein« Muttes war eine Reichsdeutsche, sein Vater stammte vermutlich aus dem südlichen Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie. Eventuelle Berechttgte mögen sich ans Prager Polizeipräsidium oder direkt an die Kanzlei des Bureaus zur Ausforschung unbekannter Erben, 316 Homer Laughlin Building, Los Angeles, Kalifornien, wenden. Elektrische entgleist. Gestern vormittags entgleiste ein Motorwagen der 23er Linie auf dem Platz Peter des Befreiers in Prag-Weinberge beim Einbiegen in die Sokolovä. Der Wagen fuhr aufs Trottoir und blieb vor dem Hause Nr. 31 in der Sokolstraße stehen, ohne daß jemand zu Schaden gekommen wäre. Er wurde von einem andern Wagen wieder aufs Geleise gezogen. wenn man ihn mit so viel Anstand und grstern Willen macht, wie es bei dem, Regisseur John M. Stahl der Fall war. Es ist unvermeidlich^ daß der Zuschauer sich langweM, wenn er zwei Stunden lang die heimlichen Freuden und Aengste und Vorwürfe und Sorgen des Herrn Bankier und seiner außerehelichen Freundin mitansehen muß, weil fie nicht voneinander loskommen und weil er nicht den Mut hat, sich offen zu ihr zu bekennen. Einmal kommt es dann doch beinahe zur Trennung, einmal auch beinahe zum Skandal, bis am Ende der Wallstreet-Mann"stirbt(noch im Tooesröcheln mit der Geliebten teleMonierend) und einen Sohn hinterläßt, der. die getreue Ehebrecherin.erst gehaßt hat und nun pietäwoll verehrt.--' ES ist erstaunlich^wi« gut fich dke beideni Hauptdarsteller Irene Dünn und John B o l e s halten, die diesen Film so ziemlich allein spielen muffen. Aber sie können nichts daran ändern, daß«er uninteressant bleibt.—eis— Kubanisches Liebeslied Man kann sich schwer vorstellen, daß die mexikanische Schauspielerin Lupe Velez noch schöner sein könnte als fie ist.— aber selbst wenn ste noch schöner wäre, fiele es schwer, diesen amerikanischen Film um ihretwillen sehenswert zu nennen. Wenn der Regisseur V a n D y k e, der für ihn verantwortlich zeichnet, tatsächlich mit dem Schöpfer des.Trade Horn"(und der hier noch ustbekannten»Eskimos") identisch ist, dann ist der Film das Produkt schwacher Stunden. Er handelt von einem Seemann aus San Francisco, der sich auf Kuba in eine Nüffeverkäuferin verliebt, bei Kriegsausbruch nach Frankreich muß, bei der Heimkehr eine Dame seiner Heimat heiratet und nach zehn Jähren in Kstba das Grab der Geliebten und seinen Sohn findet,— und das Ganze ist ein befremdliches Gemisch aus lyrischem Singsang, tropischem Karneval und Rührszenen, wozu noch ein Humor kommt, der fich mit Rizinusöl, nächtlicher Ruhestörung und dem Mann unterm Bett vergnügt. Von der Schönheit Kubas, das nicht nur durch di« Havanna-Zigarren, sondern jetzt auch durch einen Generalstreik bekannt ist, sehen wir nur wenig. Dafür hören wir um so mehr von Lawrence Tibbet, der anscheinend ein markiger Heldentenor ist, hier aber nach lvrischen Tönen sucht, um Seemanns-, Volks» und Liebeslieder anzustimmen.—eis—‘ Nanette und ihre Verehrer Der Regisseur Erich Engel ist einer von jenen Pseudo-Ariern, die von Goebbels geduldet Weichen, weil fie sich seiner Gnade irgendwie würdig erwiesen, und weil er für die Berliner Film-Mache wenigstens noch«inen Rest von Routtniers braucht. Und Engel war ein Regiekönner auf dem Theater— und oftmals auch im Film-Atelier. Bor einer Aufgabe freilich, wie fie diese dumm« Verwechslungs-, Verwicklung?« und Verlobungs schwank darstellt, mußte auch er die Waffen strecken. Er hat zwar noch für ein bißchen Flottheit gesorgt, aber an der humorlosen Oede des Ganzen nichts ändern können. Wenn man nicht schon seit einig« Zeit hätte sehen müssen, daß es mit dem«inst sympathischen Hermann Thimig steil bergab geht, dann müßte man es stach dieser spaßig sein sollenden Doppelgänger-Leistung feststellen. Auch Hans Junkermann war vor Jähren einmal ein Mann mit Humor. Uber das ast lange.!lehr'lange her... H. Thimig und Hilde Krüger In dem Erich Engels-Film„Die Liebhaber des Fräulein Nanette". Einladung zur Generalversammlung des BezirkSvereineS Arbeiterfürsorge Prag am 29. Mürz 193b, um 8 Uhr abends im Verein deutscher Arbeiter, Smeika- gasse 27. Tage-,rdnnng: 1. Protokollverlesung. 2. Berichte. 3. Wahlen. 4. Freie Anträge. Einberufer: Maria Deutsch, Hilde F r a n z e l. Borfitzende. Kassierin. Wer noch zweifelt, möge sich überzeugen, datz Drana-Schokolade unübertroffen ist. Kunst and Wissen Arbeitervorstellung„Die Zeiten find schwer!", ein Schauspiel von Bourdet, das mit größtem Erfolg «rstaufgeführt wurde und ein Theatererlebnis bedeutet. am Sonntag, dem 17. März, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karten ab Dienstag täglich von 8 bis 2 und von 4 bis 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. — Donnerstag 6j£: Verfliegende Holländer, Theatergemeinde der Jugend. Monne- ment aufgehoben.— Freitag 7j4: EineFrau l ü g t. D 1.— Samstag 7V4: E i n Maskenball. Verdizhklus VHI. C 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag 8: Mädchenfür alles.— Freitag 8: Mädchen für alles, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag 7j4: Gentlemen. Erstaufführung. ner Film Seitenstraße Es dürft«, nach diesem amerikanischen Film zu schließen, einen Roman„Back Street"(von Fanny Hurst) geben, in dem gezeigt wird, wie Unglücklich ein Mädchen werden kann, wenn eS zu spät zum Rendezvous mit einem hoffnungsvollen jungen Mann« kommt, der sie seiner Mutter zwecks baldiger Eh« vorstellen möchte— und wie quälend ihr Liebesverhältnis nach seiner Eheschließung mtt einer anderen verläuft, wenn sie sich nicht entschließen können, rechtzeitig Schluß zu machen. Man wird der Romanautorin gewiß nicht widersprechen wollen, aber man wird fragen dürfen, ob eS fich lohnt, über solche Probleme Bücher zu schreiben. Roch fragwürdiger freilich ist das Unternehmen, aus dieser Geschichte einen Film zu machen,— auch Ein feiner Mitarbeiter der Stribrnypresse Schwer Vorbestrafter als Spezialist für Nachrichten aus dem Gerichtswesen! Prag. Daß die nationalisttsche und fascifierende Skandal- und Senfattonspresse in der Auswahl ihrer Mitarbeiter nicht wählerisch sst, ist«ine sattsam be- kannte Tatsache. Aber dieser Rudolf N o v ä k, der Mittwoch unter dreifacher Betrugsanklage vor dem hiesigen Kreisgericht stand, ist doch eine einzigarttge Erscheinung. Dieser interessante Herr, der früher stets als Redakteur aufzutreten pflegte, in dem Wirrwarr der ersten Nachkriegszeit gute Karriere gemacht hat und auch in verschiedene Affären verwickelt war, bezeichnete sich vor Gericht bescheiden als„Kaufmann". Aber sein Inkognito wurde gelüstet. Er hat unter dem Zeichen(—n—) der Stribrnypresse als ständiger Mitarheiter gedient und insbesondere Nachrichten vom Prager Kreisgericht und aus dem Pankrazer Gefängnis versöffst, die auf, gute Beziehungen zu gewissen Kreisen des Justizpersonals hinwiesen. Diese guten Beziehungen wirken grotesk genug» angefichts der Tatsache, daß Rudolf Noväk. wie aus der Verlesung deiner Sttaflarte hervorgeht, ein Mann mit schweren Vorstrafen ist. Bereits im Jahre 1910 wurde er wegen schwerer Körperverletzung im Raufhandel zu sechs Monaten Kerker verurteilt, im Jahre 1926 erhielt er vierJahre schweren Kerkers wegen Betrugs, im Jahre 1929 fünf Monate wegen des gleichen Deliktes und 1932 erließ das Olmützer Kreisgericht abermals wegen Betruges einen bis heute nicht außer Kraft gesetzten Steckbrief gegen ihn. Diese offiziellen Daten könnten noch durch weitere Illustrationen aus der bunten Vergangenheit des Herrn Noväk vermehrt werden. doch wenden wir uns lieber dem Inhalt der vor dem Senat Krystufek verhandelten Anklage zu. Am interessantesten ist der erste Punkt der Anklage. Noväk kannte einen hiesigen Teppichkommissionär und erzählle ihm. daß er im Namen eines Senators einen Perserteppich für 15.000 Kc kaufen wolle. Der Kommissionär verlangte einen Deckungswechsel und tatsächlich überbrachte ihm der Angeklagte einen unterschriebenen Wechsel, der die Unterschrift des tschechisch-nationalsozialistischen Senators Solfronk trug' Es war nicht'dessen Originalunterschrift. aber der Angeklagte erklärte dem Lieferanten. daß er mit Wissen und Ermächttgung des Wechselschuldners, der gegenwärtig nicht in Prag sei. den Wechsel unterschrieben habe. Als aber dann nach längerer Zeit bei dem Senator die Bezahlung des Wechsels betrieben wurde, erklärte dieser, von der ganzen Sache nichts zu wissen. Im letzten Augenbick bezahlte dann'der Angeklagte den Bettag. Bemerkenswert war seine Verteidigung, aus der hervorging. daß er schon einmal die Wrchselnnterschrist des Senators fingierte und dieser von einer Strafverfolgung abgesehen, habe, als der Angeklagtt in letzter Minute bezahlte. Dadurch hab« er sich zu der Annahme berechttgt gefühlt, daß er auch diesmal den Wechsel ohne Wissen des Beteiligten unterzeichnen könne. Da ein Schaden nicht entstanden ist und die Aussagen der Zeugen schonend lauteten, sprach der Gerichtshof den Angeklagten in diesem Punkte frei, wobei in der Urteilsbegründung bemerst wird, daß er zwar nicht objektiv als schuldig bewachtet werden müsse, daß aber in s u b-- jektiver Hinsicht die böse Absicht nicht nachgewiesen sei. Die beiden übrigen Punste der Anklage bettafen einfache Tatbestände. Noväk kannte auch eine gewisse Frau, die auf Grund gewisser Vorspiegelungen ihm 3000 K5 borgte und außerdem noch ein Armband überließ. Sie sah weder das Geld noch das Armband wieder. Einer anderen Frau kaufte er eine Uhr im Wette von 300 KC ab und auch diese konnte nicht zu ihrem Gelde kommen. Da aber beide Zeuginnen in ihren Aussagen gleichfalls Zurückhaltung übten, kam Noväk auch in diesen Punkten mit heiler Haut davon. Der Gerichtshof erkannte dahin, daß es sich um zivilrechtliche Verhältnisse handle und sprach den Angeklatten frei. rb. Mitteilungen aus dem Publikum. Bet stopf», Gelenks- und Gliederschmerzen nur Togal. Togal wirkt selbst in veralteten Fällen. Sind Ihnen KC 12.— zu viel, wenn Sie Ihre Schmerzen los werden können? Ein Versuch überzeugt l In allen Apotheken. 3 Lus der Partei Bezirksorganisation Prag. Donnerstag. den 14. I7!ärz. um 8 Uhr abends im Parteiheim. Rärodni 4. wichtige Sitzung der Bezirksver- tretung. Sport» Spiel• Körperpflege Danziger Arbeiterschwimmer in Warschau In Warschau starteten am vergangenen Sonntag erstmals Danziger Arbeiterschwimmer und fanden eine herzliche Aufnahme seitens d«r polnische» Genossen. Die polnische Arbeiterschwimmbewegung ist noch jung und hat sich erst in den letzten Jahre» entwickelt, zeigt aber heute schon beachtliches Können- Di« Danziger, welche fast acht Monat« nicht einem vollwertigen Training nachgehen konnten, da i n Danzig kein Hallenbad existiert, nahmen den Samstagnachmittag in Warschau zu einem kleinen Training heran. Ein Mangel, welcher den Danzigern noch anhaftet, ist das Wenden, da in einem Hallenbad diese Eigenschaft den Ausschlag gibt. Das Bassin des Warschauer Hallenbades besitzt nur eine Länge von 15 Metern urw so war die Beherrschung der Wendetechnik von großer Bedeutung. Trotzdem gewannen die Danziger Genossen all« Konkurrenzen und das bedeutet einen schönen Erfolg. Vor dem Wettkampf wurden die Danziger Wassersportler durch den technischen Leiter de» ZRSS Genossen Wilszinski begrüßt, für sie Gäste dankte Genosse H. Thomat, der Vorsitzende des Arbeiter-Turn- und Sporwerbandes in Danzig. Das Programm eröffnete ein Brustschwimmen der Männer, das, Brandt(Danzig) vor dem Warschauer LeWakhleten Müläck— der bewies, daß er (H'Jf km Wasser seinen Mann stellt— sicher gewann. Im Kraulschwimmen blieben die Warschauer nu- wenig hinter den Gästen zurück. Die Lagenstaffel war der schönste Kampf. Kopf an Kopf lagen di» Brust- wie die Rückenschwimmer, bis erst im Kraul- schwimmen das Rennen zugunsten Danzigs entschieden werden konnte. Die Danziger Schwimmerinnen batten leider keine Konkurrenz und bsieben unter sich. Zum Schluß führten die Danziger ein Wasserball- Lehrspiel vor. Die Streckenlänge ergab sich durch die besondere Abmessung des Bassins: Sieben Bahnen zu je 15 Meter— 105 Meter. Di« Ergebnisse: Männer: 7 Bahnen Brust: 1. Walter Brandt(Danzig) 1:28.0 Min., 2. Mulack(War- schau) 1:29.4 Min.— 7 Bahnen Kraul: 1. Heinz Werner(Danzig) 1:19.4 Min., 2. Witkowski(War, schau) 1:28.2 Min.— 7 Bahnen Rücken: 1. Hermann Thomat(Danzig) 1:44.2 Min.. 2. Asanajew (Warschau) 2:00.4 Min.— 14 Bahnen Brust: 1. Brandt 3:18.1 Min., 2. Witkowski 3:33.2 Min.— 7 Bahnen Lagenstafette(Brust, Rücken, Kraul): 1. Danzig I 4:34.9 Min., 2. Warschau 4:45.9 Min. — 5X3 Bahnen Kraulen: 1. Danzig 2:35.4 Min., 2. Warschau 2:40.4 Min. Frauen: 3 Bahnen beliebig: 1. Eh. Schroe« der(Danzig) 87 Sek.— 7 Bahnen Brust: 1. Eh. Schroeder 1:45.0 Min. Bor dem Fußball-Linderkampf Holland—Bel' Sten. Wie wir schon kurz berichteten, trifft der holländische Arbeitersporttmnd für diesen Fußballänderkampf groß« Vorbereitungen, um die beste Auswahlmannschaft stellen zu können. In Amsterdam fand am vergangenen Sonntag ein Auswahlfpiel statt, in dem das A-Team mit 0:1 vom B-Team geschlagen wurde. Die technische Kommission nominierte nun ein Team, das am 17. März gegen den„Rest von Nordholland"«ntgegentreten soll.— In Zutphen wurde ein Distriktsspiel zwischen dem 11. und dem 3 Distrikt durchgeführt, das der 11. Distrikt mit 4:1(3:0) gewann. Eingesendet. JUDr. Heinz Guttenstein hat seine Kanzlei Äs Advokat und Verteidiger in Strafsachen in Bodenbach, Haus Elbhof, Telephon 604, eröffnet. 2927 -MM, Fest-Akademie am 6. April 1935, 8 Uhr abands, großer Radlosaal Gymnastik, Turnen, Gesang, Orchester• Nachher Tana Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KC 16.—, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig KC 96— ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/Vl1/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis", Druck». Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.