15. Jahrgang Freitag, 15. März 1935 gMÄ^MÄLLt W 1ENTRALORGAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER 1SCHECH0S1OWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TXGUCH FRÜH, Redaktion UND Verwaltung wag hu pochoya a. telepo« n»7. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NI ESSNEL VERANTWORTLICHE RED AKTEUR. DR. EMIL STRAUSS. PRAG. Rintelen: lebenslänslich Punktationen Henlein-Stoupal? Festlesung der SHF auf das Provamm der tschechischen Rechten Das„Prävo Lidu" bestätigt I« einem Eigenbericht ans gut informierte« Kreisen unsere gestrige Meldung, daß der mährische Landesausschutzbei- sitzer Stoupal die Derhandlunge« mit Henlein fortsetzt. Es wurde ei« IlebereinKommen aber eine« abzuschließenden Vertrag, sogenannte Punktationen, erzielt, wornach Henlein im Kamen der SHS sich verpflichtet, daß die Partei für de« Fall, daß st« zu de« Wahle« zuge- lassen wird und ins Parlament kommt, dort ausschließlich die Poll- tik der Rechtsparteien mitmachen wird. Die Punktationen habe« im ganzen acht Punkte, unter denen auch die ausdrücklich« Erklärung Henleins figuriert, daß er auch i«sozialpolitischen Angelegeuheite« immer im Einvernehmen mit de« Parteien der Rechte« vorgehen werde. Bemerkens, wert ist, daß Stoupal nicht damit zufrieden war, daß Henlein selbst die Punktationen unterschreibe, sonder« daß er darauf besteht, daß auch Henleins Mitarbeiter Dr. Brand und G a« d« e r mtt unterfertigen, damtt hie Dürgschast für die Einhaltung des Abkommens größer sei. Das„Prävo Lid«" fügt dieser Meldung noch hinzu, daß Heulei« die Verhandlungen mtt Spina überhaupt nicht «ehr ernstlich fortsetze« wolle, da er ste bereits für überflüssig ansehe. Auch In Norwegen Arbeiterregieruns? Ost». Die Ausstrich« i« Stattet wurde Heute auf Freitag vertagt. In politische» Kreisen ist man der Ansicht, da- dir gegenwärtige liberale Regierung unter Führung M»winckelsat- danken wird und daß der Präsident des Stating und parlamentarischer Führer der Arbeiterpartei, Nygaardspold, die neue Regierung Hilden dürfte. Sir Simons Berliner Programm Sank an.(Tsch. P.-B) Das amtliche britische Prrfsrbüra meldet: Die Brratungeu, die Sir Jahn Siman und Anthaup Ede» am 25. und 26. März in Berlin mit Reichskanzler Hitler und seine« Ministern Pflege« werde«, werde« auf Grund des nach de« britisch-franzäsischen Unter- rednngen in London ansgegrbrne« Kommnnigures geführt werde«. I« diesem Zusammenhang««rl- den die«Times", daß in Perlte über vier Haupt- Punkte verhandelt werden wird, u. zw.: 1. Lustpakt der Lorarno-Mächte, 2. Ostp-kt, 3. Mäglichkeit rinrs mitteleuropäischen PattS, 4. Rüstungöabkommen. »Times" bemerken hiez«, da- die britische» Minister überzeug find, da- all« diese vier Puntte gleichzeitig behandelt werde« können, da das Problem des europäisch«« Friedens einheitlich und unteilbar ist. Sir John Simon wird am 27. März nach London ,»rückkehren. Eden wird, sobald er nach Moskau reist, bereit» über die Berliner Beratu«. gen pollkommen informiert sei« und wird eventuell solange dort»leiben, al» e» notwendig sein Mir»,»m die Verhandlungen zu Ende zu führe«. Dau« wird er nach Warfcha» reise«. Kerlcer oder Sanatorium— Wien.(Tsch. P.-B.) Zu Beginn deS zehnten und letzten Verhandlungstages im Rintelen- P ro z e tz teilte der Vorsitzende mit, datz er vom Generaldirektor derSteyr-Werke Götzl einen Brief erhalten habe, in welchem gesagt wird, datz Götzl den Putschisten Weydenhammer-Williams persönlich kenne und gleichzeitig eine Personalbeschreibung übermittle. Weiters legte der Vorsitzende Lichtbilder WeydenhammerS vor, die dem Gerichtshof der Wiener Kaufmann Geiringer übersandt hatte, der vor Jahren mit Weydenhammer verkehrt und ihn auch photographiert hatte. Sowohl Götzl als auch Geiringer-haben sich im Ber- handlungssaale eingefunden und der Vorsitzende unterzieht sie einem kurzen Verhör, in dessen Verlauf sie ihre schriftlichen Mitteilungen bestätigen. Der Vorsitzende rüst sodann den Zeugen Ripoldi vor und überreicht ihm zwei Lichtbilder mit der Frage, welches Bild jenen Williams darstelle, der den Angeklagten in Rom mehrmals besucht hat. Der Zeuge warf nur einen Blick auf das Lichtbild und zeigte auf das Bild Wehdenhammers mit den Worten.das ist Williams". Hierauf ergriff der Staatsanwalt Dr. Tuppy das Wort. Der Verteidiger deS Angeklagten. Dr. Klee, strdert den Freispruch-Dr. Rüttele»». Hach der Duplil de» Staatsanwaltes ergreift der Angeklagte Dr. Rinkelen selbst das Work und erklärt:.Ich bin unschuldig. Ich stehe vor dem außerordentlichen Militärgericht für meine Heber« zeugung ein. Ich war um den Zusammenschluß aller Schichten der Bevölkerung wegen eines guten Einvernehmens mit Deutschland mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen und kulturellen Interessen bei Respektierung des österreichischen Standpunktes bemüht. Diese politische Linie war auch die lieber» zeugung des großen Politikers Dr. Seipel." Der Angeklagte bat um ein gerechtes Urteil. Kur,«ach siebzehn Ahr fällte der Militärgerictftshos das Artell, mtt welche« Rintelen wegen entfernter Mtt- Noch immer Gefechte? Berlin. Das Deutsch« Nachrichtenbüro meldet»ns Sofia: Wie«ms Petritsch an der bulgarisch-griechische» Grenz« von de« balzarischen Behörden gemeldet wird, war dort Mittwoch nachmittags von 3 Uhr bis zam Einbruch der D«nkel» beit rin anhaltendes starkes Geschütz-«ad Maschinengewehrfeuer zu vernehme». Rach Mittei» lvngen griechischer Grenzposten handelte es sich um ein schweres Gefecht»wischen griechischen Rezierunzstruppen und de« zum»ufstite- dischen vierte» Armeekorps zehörenden 22. Jn- fanterir-Regiment, das sich biSher noch»icht ergebe» hat. H s i« k i» g.(Tsch. P.-B.) Die Regier»», von Mandschuku, veröffentlicht eine halbamtlich« Mitteilan, über di« Beziehungen z»r innere« Mongolei. Es wird darin erklärt, in der letzte» Zett habe die mandschurisch« Regier»»» verschiedene Petitionen vo» der Bevölkerung der Inneren Mongolei erhalte«, i« denen di« mandschurische Regierung ersucht werd«, sämtliche Schritte zu unternehme«, He den A n s ch l»- der innere« Mongolei a« Mandschuku, herbeiführen könne«. Ferner hab« eine Grupp« mongolischer Fürsten von Dolon- nor bei den mandschurischen Behörden um die Erlaubnis nachgesncht, dem mandschurische« Kaiser in Hsinking eine Petition zu überreiche«^ die dir Vereinigung der inneren Mongolei mtt Mandschuku»»erlangt. Bon den mandschurisch»»»«. Hörden fei di« Einreise der mongolische« Fürste» nach Hsinking gestattet worden. das Wird die Zukunft lehren schuld an einer besonders gefährliche« Aktion zu lebenslänglichem schwerenKErker verurteilt wird. Der Angeklagte nahm das Urteil mtt Ruhe entgegen. In der Begründung deS Urteils wird erklärt: Dr. Anton Rintelen ist schuldig, im Jahre 1834 und insbesondere im Juli des JahreS 1934 in Rom und in Wien den ihm bekanntgewordenen Plan de» Anschläge» auf daS Bundeskanzleramt vom'2S. Juli 1934 gebilligt und dadurch gefördert zu haben, und datz er sich den Rädelsführern diese» Anschlages für die Bildung einer revolutionären Regierung zur Verfügung fttllte. Er hat damit im «inverständlichen Zusanuuenwirken mit anderen etwas unternommen, was auf die Herbeiführung eilftr Gefahr für den Staat von autzen und auf eine Empörung und einen Bürgerkrieg im Innern angelegt war. Er ist bei dieser Unternehmung auf eine entferntere Weise beteiligt gewesen, doch liegt dabei eine besondere Gefährlichkeit des Unternehmens und des TäterS-vor. Dr. Anton Rintelen.'hat hiedurch da» Verbrechen des Hochverrats nach$ 58 des Strafgesetzes begangen und wird hiefür nach§ 59 deS Strafgesetzes ll. Absatz zur Strafe des lebenslänglichen schweren Kerkers »rrutkrilt. Was zu beweisen war: W i e n.(Tsch. P^D.) Dar verur» tettte Dr. Rintelen wurde«ach der UrteilsfLllung in seine Zelle gebracht. 3« de««Lchfle« Tagen wird fei« v e» snndheitsznftand geprüft werde«. Do« dem Ergebnis der S r z t» lichen Antersuchung hängt e s a b, ob er in die H a f t oder in daS Gefangnisbrankenhaus eingeliefert wird, wo er sich bis vor kurzem befand, oder in ei« Sanatorium««ter polizellicher Bewachung. Konfiskation, Säuberung Athen.(Tsch. P.-B.) Der Staatsanwalt hat nunmehr mtt der Beschlagnahme des Eigentum» der Aufständischen begonnen. DaS Vermögen von BenizeloS, seinen Söhnen und Verwandten, da» sich in Griechenland befindet, wird auf eine halbe Milliarde Drachmen(fast 120 MMönen K£) geschaht. Außerdem ist die Reinigung des Offizierskorps und der Beamtenschaft von Anhängern VenizeloS eingeleitet worden. Drei Generale, Tsi« mikalis, Konstantin und Theodor MaretaS, wurden in den Ruhestand versetzt. General Metaxas hat vorgeschlagen, auch di« Staatsmaschin« von allen venizelistischen Beamten zu säubern.- Zwischen der Regierung der innere» Mongolei und der von Mandschuku» schwebt noch rin« Streitsache wegen des Grenzkonflittes am Boir- n»r-S«e, bei dem es auch z» militärische« Reibungen gekommen war. « Wer würde sich bei dieser Meldung nicht an di« berühmten„Anschlutzbestrebungen" der Letten, Esthen, Finnen, Litauer und Polen an Deutsch» land in den Jahren 1917/18 erinnern!. Auch sie existierten nur in der amtlichen Propaganda Ludendorffs. Auch damals erschienen Fürsten und Barone, um Wilhelm den.HerzogShut" von Kurland und andere Alfanzereien anzubieten. Der Ausgang war allerdings ein wenig anders, als man in Berlin geträumt hatte. Vielleicht erlebt man auch in Tokio noch Enttäuschungen. Stoupal und die „Volksgemeinschaft“ Während Spina als Führer des B. d. L. seine Blitze gegen die Ueberläufer in den eigenen Reihen schleudert, die unter dem verlogenen Schlagwort der Volksgemeinschaft auf die Zer-, trümmerung des Bundes der Landwirte hinarbeiten und die dafür sogar mtt dem Ausschlutz aus der Partei bedroht werden, wendet Herr S t o u p a l, einer der Führer der tschechischen Agarier, alle nur erdenkliche Mühe daran, gemeinsam mit Henlein diese deutsche Volksgemeinschaft dennoch zustande zu bringen! Ist eS ein Scherz, ein verspäteter Fastnachtsulk? Bei den deutschbürgerlichen Parteien hat di« Volksgemeinschaft, seitdem sie erkannt haben, datz diese unter dem Kommando Henleins— richtiger: unter dem seiner im Verborgenen wirkenden Drahtzieher— stehen würde, ihren Reiz beträchtlich eingebützt und insbesondere seitdem sie gewahr wurden, datz die hinter dem Schlagworte der Volksgemeinschaft sich verbergenden Totalitätsansprüche der Heimatfront keineswegs nur darauf abzielen, der deutfchenSozialdemokratte den Boden äbzugraben, sondern auch auf die Sprengung der alten bürgerlichen Parteien. Darum donnert Herr Spina gegen die Kapitulanten von Tuschkau, schreit„Wehe!" über jene, die zugunsten einer sagenhaften Volksgemeinschaft die Vernichtung eines selbständigem politischen Bauerntums anstrebe« und«Märt, datz«in solcher politischer Rückbildungrprozetz der deutschen Bauernschaft zum schwersten Schaden gereichen würde. Der Herr Stoupal aber fällt Spina in den Rücken, verhandelt mit Exponenten der Heimatfront im B. d. L. und fährt schließlich höchstpersönlich nach Prag, um direkt mit Henlein zu verhandeln. Es ist eine Faree, eine Grotesk«, wie sie in solchem Ausmatze bisher unvorstellbar gewesen ist. Auf deutscher Seite wird da», was man Volksgemeinschaft nennt, mit Ausnahme der Frondeure im B. d. L. und natürlich der Heimat- front, die davon reiche Beute erwartet, entschieden abgelehnt, auf tschechischem Seite dagegen wird v e r h a n d e l t, geleimt und ge kl eist er t, um die deutsche Volksgemeinschaft dennoch zustande zu bringen. Spina will nicht, Stou- pal will. Und«S ist sicher nicht nur dieser eine Stoupal, sondern ein ganzer Kreis, ein wohl nicht belangloser Flügel der.tschechisch-agrarischen Partei, der die grötzt« Meng« vergossenen Schwei- tzeS nicht scheut, um die deutsche Volksgemeinschaft zu schafft». Diese Volksgemeinschaft— unter verschiedenen Namen spukt sie seit Jahrzehnten in der Polittt der deutschbürgerlichen Parteien,.ohne jemals verwirklicht worden zu sein. Von ihr wurde alles Seelenheil der sudetendeutschen Bevölkerung in Aussicht gestellt. Jetzt hat sich der Herr S t o u- p a l ihrer angenommen und sucht sie— natürlich auSschlietzlich im sudetendeutschen Interesse I I — zu verwirklichen. Wie, die Deutschen wollen nicht nach der Fasson Henlein» selig werden? DaS kann der tschechische Herr Stoupal«icht ruhig mtt ansehen. Vorerst soll die Volksgemeinschaft, das heißt die Vertilgung des B. d. L. durch Pie SHF, noch nicht restlos Tatsache werden; noch soll ketee Verschmelzung der beiden Parteien erfolgen, nur ein Wahlbündnis abgeschlossen tzoerden. Henlein hat zwar vor einigen Wochen jedes Wahlbündnis mtt einer anderen Partei scharf abgelehnt und erklärt, jene Parteien, die nicht mehr so stark find, um selbständig in die Wahl zu gehen, hätten keine Daseinsberechtigung— aber es mutz dies nicht das letzte Wort gewesen sei« und möglich ist, datz die SHF. unter dem Einfluß Stoupals doch noch mtt sich reden lätzt und mit dem Bund derLandwirte ein«— Wie Henlein es nannte—„Mandatsversicherung" abzuschlietzen sich bereit zeigt. Es bleibt dann nur die Frage, ob der Bund der Landwirte nach de« Erfahrungen, die er schon bisher auS dem Liebesverhältnis zur Heimatftont zu machen Gelegenheit gehabt hat, den Abschlutz einer solchen ,,Ra»- datSversicherung" noch immer für ratsam und wünschenswert ansieht, denn er wird sich Wahl sagen, datz eS nm eine einmalige, kmz« Freud« wäre, denn das Wahlbündnis würde den Auf- lösungsprozetz des B. d. L. nm beschleunigen und bei nächsten Wahlen hätte eS Hcnlei» überhaupt Japan-Mandschukuo will die Mongolei verschlucken I •Bette 2 Freitag, 15. März 1935 Nr. LS nicht mehr nötig, mit dem B. d. 2. zu rechnen. So steht es außer Zweifel, daß Stoupals^vemühunz gen auf nichts anderes hinauslaufen, als auf-en Untergang des B. d. L. zum Vorteile der Volksgemeinschaft, das ist auf die HerauSfütterung der Heimatfront,'•>>. Hätten wir normale politische Verhältnisse Und wäre die Gefolgschaft Henleins politisch reif, so müßte die Tatsache,. Paß der Tscheche Stoupal sich die Füße abläuft und sich heiser redet, um die .Deutsche Volksgemeinschaft" zu schaffen, genügen, um im Henleinlager eine Massenflucht her- beizuführeU. Biele der SHF-Leute folgen Henlein,. weil sie von der aktivistischen und der Koalitionspolitik nichts wissen wollen, den schärfsten Kampf gegen die gegenwärtigen nationalen Verhältnisse herbeisehnen und in der Schaffung der„Volksgcmeiirschaft" die Voraussetzung für die Verwirklichung ihrer Sehnsucht erblicken. Was es damit für eine B«- wandnis hat, erhellt das Eintreten des Tschechen Stoupal für dieses vermeintliche deutsche nationale Ideal. Natürlich geht es Stoupal und Konsorten um etwas ganz ande res, als um die deutschen nationalen„Belange", um Hilfe upd nationale Errettung des Suttendeutschtums. Er ist einer der reichsten tschechischen Agrarier und einer der reaktionärsten dazu und er erblickt nicht mit Unrecht in der Heimatfront, deren fascistischer Charakter nur schlecht mit einer „demokratischen" Maske verdeckt ist, eine brauchbare Bundesgenojsin beim Streben nach einer raktionären Staatsführung. Da- zu erkennen ist der Anhang der Hen- leinftont, der es übrigens auch lammfromm hinnimmt, daß die SHF außer allgemeinen und zu nichts verpflichtenden Phrasen keinerlei Programm hat, natürlich außerstande. Aber über diesen Kreis hinaus wird man sicher auf Verständnis für die unerhörte Groteske rechnen können, die darin besteht, daß Spina und sein Gefolge die Volksgemeinschaft, wie sie Henlein hergestellt wünscht, entschiedenst ablehnen, der Tscheche Stoupal aber sich für den Abschluß dieser deutschen Volksgemeinschaft einsetzt. Volksgemeinschaft-— kleistert sie zusammen, der richtige Namen für, sie steht auch schon bereit und er lautet: Stoupal-Fronti Das Auslandergesetz lieber die Heiden.die Meldepflicht betreffenden Vorlagen referiert Dr. Patejdl. Er erklärt, daß die Meldepflicht in den historischen Ländern auf einer kaiserlichen Verordnung vom Jahre 1867 basiert, eine Modernisierung und Unifizierung also dringend normendig ist. Er unterstreicht, daß die Tschechen keine Gegner des Asylrechts sind und eS niemals waren, man könne aber .nicht'untätig zusehen, daß dieses Recht zu politischen Aktionen mißbraucht werde, die unser Verhältnis zu anderen Staaten trüben können. Eine ganze Reihe europäischer Staaten hat die Emigrantenfrage in sehr scharfer Form gelöst, so daß wir bei ivter- nationalen Verhandlungen diesen Staaten gegenüber im Rachtefl wären. Er empfiehlt die Annahme beider Vorlagen mit Keinen stilistischen Aenderungen. In der Debatte verlangt Holota(ung.-nat.) ein modernes StaatSbürgerschastSgeseh und verweist darauf, daß in der Slowakei viele Leute schon 40 bis 60 Jahre ansässig sind, Militärdiensi geleistet haben und auch alle anderen staatsbürgerlichen Pflichten erfüllen und trotzdem als Ausländer angesehen werden. Zwei Kommunisten plädieren für ein vollkommen freies Asyl für alle antifascistischen Emigranten, während der autonome Karpathorusse Brady der Auftastung ist, daß die Vorlage auch zur Unterdrückung von Oppositionsparteien mißbraucht werden könnte. Kunz"sdeutscher Christlichsozialer) warnt vor der Verstaatlichung der Organisationen für den Fremdenverkehr und verlangt, daß man bei der Erteilung von ArbeitSbewilligunaen schon mit Rücksicht darauf, daß zahlreiche tschechoslowakische Arbeiter in Deutschland angestellt seien, ein allzu scharfe- Vorgehen vermeide. Am Schluß der Sitzung werden noch Immunitäten verhandelt. Der polnische Kommunist S l i w k a wird wegen einer VersammlungSspren- gung, der Deutschnoftonale Dr. S ch o l l i ch wegen Vergehens nach ss 14 des Schutzgesetzes aus- gelielert.— Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung steht u. a. die Vorlage über Wirtschaftsspionage und dasAutomobil- ll« s e tz. Wird der Theaterfonds verwirklicht? Der Schulausschuß des Abgeordnetenhauses wählte am Donnerstag eine dreigliedrige Depu- tativn, die bis zur nächsten Sitzung die Beschleunigung der Verhandlungen über den sogenannten Theaterfonds beim Ministerpräsidenten und bei den Ministern für Schulwesen und Post urgieren soll. Es handelt sich um den Vorschlag, die passiven Theater aus einem eigenen Fonds zu unterstützen, der durch Ueberweisungen aus dem Ertrag der Rundfunkgebühren gespeist werden soll. IleberdieS hat auch der tschechische Genosie Dr. Witt im Senat einen analogen Antrag gestellt, wornach dem genannten Fonds zehn Prozent der Rundfunkgebühren überwiesen werden sollen. Das Postministerium sträubt sich vorläuftg allerdings noch, auf diese Einnahmen zu verzichten. Der SchulauSschuß genehmigte weiters den Initiativantrag der Sozialdemokraten auf Errichtung des staatlichen TyrS-JnstituteS für Körpererziehung in der Faffung des GesundheitSauSfchuffes. Der Entwurf wurde dahin ergänzt, daß der Zweck des Institutes darin besteht, die Entwicklung der körperlichen und moralischen Erziehung aller Staatsbürger auch in bezug auf die Wehrfähigkeit zu fördern. Antikriegs-Demomtrationen in Italien bei Auszug der Truppen nach Abessinien sDG) Die deutsche Presse berichtet fortlaufend über die Stimmung in Italien, die anläßlich des italienischen Krieges gegen Abestinien herrscht. DaS„Berliner Tageblatt" bringt neuerdings einen ausführlichen Bericht seines römischen Korrespondenten über die Kriegsparade vor Mussolini und den Auszug der Truppen in den Krieg. In diesem Bericht heißt eS u. a.: „Eine dichte Reihe von Köpfe»«miänmt die Straßen, aber kaum ein Zuruf wird laut, kei» Tuch wird geschwenkt, kein Gesang, kein Jubel. 2000 Freiwillige ziehen in einem Zug deS Schweigens durch die Stadt, von der Kaserne des 1. Königlichen Grenadierregiments, wo der Duce sie in Revue passiert und eine Ansprache gehalten hat, zum Bahnhof.''Schweigend sieht die Bevölkerung ihrem Abzug zu. An der Plaea Colonna und am Bohnhofsplatz flacker« einige Demonstrat-onen auf, die aber sofort wieder ersticken. Wenn je eine militärisch» Expedition in Italien unpopulär war, so ist eS diese.„Una brutta Cosa(eine scheußliche Sache)", meinte ein älterer Manp hinter mir, der die Auszeichnungen des Weltkrieges am Rock trägt.»Wie viel von den jungen Kerls möge« wohl wiederkommen?" Eine Fran fragt:„Warum, warum... und eine andere Fra» nimmt die Frage auf:„Ja, warum müsse» Italiener in Abessinien sterben?" Diese Darstellung ist aber nicht nur interessant, weil aus ihrer Veröffentlichung zu ersehen ist, daß das fascistische Deutschland sich über die Schwierigkeiten des fascistischen Italiens freut, sondern auch die dabei mitgeteilten Tatsachen sind sehr ausichlußreich. Ueber ein Jahrzehnt steht Italien unter der Diktatur und unter der Stimmungsmache für Krieg und Heldentum, aber wo fetzt zum erstenmal die Wirkung der Erziehung durch die fascistische Diktatur sich praktisch erweisen soll, fehlt es im Volke an der Begeisterung für den Krieg. Der römische Korrespondent des„DT" stellt sogar fest, daß es bei dem Auszug der Truppen antifascisftsche Demonstrationen gegen den Krieg gegeben hat. Sie find zwar bald„erstickt" worden. Aber sie find vielleicht der Anfang zu dem sich steigernden Sturm gegen die Diktatur, deren Grundfesten durch den Krieg unterhöhlt werden, in noch stärkerem Maße dann, wenn der Krieg ohne Erfolg verläuft. Eina weitere Division marschbereit Rom? Nach ssen'Aüpperstrantzportm der letzten Tage aus Toscana ist nunmehr die ganze Florentiner Division in Neapel und Umgebung zur Ausreise bereit. Die ersten Truppeneinschiffungen find bereits im Gange. Der Dampfer„Colombo" geht Donnerstag in See. Aus MogadiScio wird gemeldet, daß die beiden großen Dampfer„Vulcania" und„Biacamano", die am 6., bzw. 7. März dort eingetroffen waren, am Freftag die Rückreise nach Italien antreten werden. Venlzelos nach Rhodos Athen. Ein italienisches Torpedoboot bringt den ehemaligen^Ministerpräsidenten Venizelos noch der Insel Rhodos. Exportkredite angenommen Vertagung bis nächsten Donnerstag Prag. Das Abgeordnetenhaus verabschiedete heute die neuen Exportkredite, wobei sich die Debatte hauptsächlich um die wirtschaftlichen Beziehungen zu Sowjetrußland drehte. Denn wurden auch noch die beiden Vorlagen über die Meldepflicht und über den Aufenthalt von Ausländer« genehmigt. Da die andere« derzeitigen i« den Ausschüssen befindlichen Vorlagen(Sanierung der Selbstverwaltung, Schutz gegen Luftangriffe) erst in SubkomiteeS zur parlamentarischen Verhandlung reif gemacht werden müssen, vertagte sich das Haus um eineWoche, das ist biS Donnerstag, den 24. März» um 11 Uhr vormittags. Referent über die Exportkredite war der tschechische Genosse Dr. Marek, der u. a. betonte, daß man neben dem Export sich vor allem auch um die K r e- ditverbilligung kümmern müsse. Er kam dann auf sein LieblingSthema, dieOperationen auf dem freien Markt, zu sprechen und verwahrte sich dagegen, daß man dies als„Inflation" hinstelle. Wenn eS in den ftandinavischen Ländern, in England und Amerika bei solchen Kreditoperationen nicht zur Inflation gekommen sei und man sich in Frankreich und Polen nicht davor fürchte, so brauche man auch bei uns davor keine Angst zu haben. Der zweite Referent, Genosse NeöaS, befaßte sich mit dem Russengeschäft und erklärte, nach Abschluß der Verträge werde es für uns vorteilhaft sein, daß Rußland ein Außenhandelsmonopol besitze, weil der Staat dann mit seinem ganzen Besitztum für die Bezahlung jedes Handelswechsels bürge. Daß die Wirtschaftsverhandlungen Amerikas mit Sowjetrußland sich zerschlagen haben, läßt keinerlei Rückschlüsse auf unsere Verhältnisse zu, da bei uns keine zaristischen Vorkriegsschuldverschreibungen vorhanden sind, welche die Sache komplizieren. An dem Export nach Rußland sind t’i uns am meisten die Metallindustrie. die Fabriken für Schleifmaterial und Schamotte. die chemische, Glas«, Papier- und Textilindustrie interessiert; von Einoelfirmen kommen vor allem die Witkowitzer Werke und die Karborundum« werke in Rmidnitz in Betracht. In der Debatte betonte Stejftal(tschech. Nationalsozialist), daß eine Autarkie für uns unmöglich ist, weil mit unserer Exportinduftrie das Schicks alvonfünfMilllontnMenschen verbunden ist Arbeiterschaft und Industrie verlangen. daß sobald als möglich ein Handelsabkommen mit Rußland abgeschlossen werde, lfiissftmmung.) Für die. Industrie verlangt Redner einen Produktionsund Absatzplan. Auch Dr. Bacher(DAWG) unterstreicht. daß wir die Bevölkerung des Staates nur ernähren können mit Hilf« einer Industrie, welche sich auch auf den Export erstreckt. Ole bescheidenen Kommunisten... Der Kommunist Jura« begründet einen G e- genentwurf seines Klubs, wonach die Staatsgarantie auf das Ruffengeschäft beschränkt werden soll. Augenscheinlich haben sich die Antragsteller um eine oder zwei Nullen vertippt, denn der Antrag gibt sich mit einer siebzigprozentigen Garantie bei einer Gesamtsumme von 1.8 Milliarden XL zufrieden. Der Referent Macek konnte daher feststellen, daß der Regierungsentwurf eine hunderprozentige Garantie und(mit Einrechnung der unverbrauchten Reste) eine höhere Garantiesumme vorsieht, also günstiger ist als der kommunistische Entwurf! Der Nationaldemokrat Späte! setzt sich energisch, aber erfolglos mit dem leider nur zu berechtigten Vorwurf auseinander, daß seine Partei es war,, welche durch chreN hartnäckigen Widerstand gegen die d« jure»Anerkennung Sowjetrußlands die Arbeit-Möglichkeiten für unsere Exportinduftrie erheblich verkürzt hat. Sein« Angriffe gegen die Regierung, weil sie auch nach dem Ausscheiden der Nationaldemokraten noch keinen Wirtschaftsvertrag mit Rußland abgeschlossen habe, gehen natürlich daneben. Es ist-den«in großer Unterschied, ob die Tschechoflowakei schon 1924 oder erst heilte, als einer der l e tz t e n Staaten, sich um geordnete Wirtschaftsbeziehungen zu Rußland bemüht. Ueber Antrag der Referenten wird der kommunistische Gegenantrag abgelehnt und die Vorlage mit kleinen stilistischen Aenderungen angenommen. 31 Drücke naüil/sii//^ vornan von Fritz Rosenfeld Vielleicht ein Kerkermeister, vielleicht ein Henker. Wer seine fünf Sinne beisammen hat, läuft nicht in den Rachen der Hölle." Xenia hörte mit starren Augen zu. Sir liebte große Worte, Pöbel, Kerkermeister und der Rachen der Hülle, vom Henker ganz zu schweigen, es klang wie in einem Roman, aber es war«in Roman, den sie selbst erlebte. Wenn sie mit heiler Haut davon kam, würden die Filmgesellschaften sich um sie reißen. Leuchtschrift ayf den Stirnseiten der Filmpaläste: Xenia flieht aus Apsilon. Die Tänzerin im Rachen der Hölle,. Es lief ihr kalt über den Rücken, wenn sie nur daran dachte. Flucht auf einem alten Bauernwagen, durch nächtliche Wälder. Schade, daß man im Dunkeln nicht photographieren konnte. Was vernünftige Worte nicht zustande brachten, die Angst zu verscheuchen, romantische Traumvorstellungen konnten eS; wenn man sich als Heldin eines Abenteuerdramas im Glanz der Scheinwerfer sah, vergaß man, daß rechts und links ein Abgrund gähnte und man auf einer schmalen Brücke mit verbundenen Augen auf fine Stadt zuging, die in Flammen stand. „Pack das wichtigste in einen kleinen Koffer", sagte Marcel, und stell ihn ans Fenster. Gib acht, daß Grit und Clarissa und die andren nichts merken. Sie würden sich an uns klammern, wir sollten sie dnitnehmen, und uns verraten, wenn wir uns weigern. Es hängt alles davon ab, ob wir genug vorsichtig zu Werk gehen. Ich stopfe, tvas ich brauche, sn die Taschen meines Mantels. Hast du Geld?" Xenia gab ihm ihr Täschchen. Ein paar Banknoten waren darin, einige Münzen. „Damit kommen wir nicht weit. Ich hab auch nicht viel. Man müßt« Halling anzapfen oder Kilmck. Kilme! gewinnt das Geld haufenweise." „Soll ich sie anbetteln?" '„Sprich leise. Man hört uns.— Kannst du nicht eine Ausrede erfinden?" „Was soll ich ihnen denn sagen? Daß meine Großmutter krank ist? Daß ich für ein armes Schwesterlein das Schulgeld brauche?" Sie zeigt die Krallen, dachte Marcel. Ich werde sie beizeiten zähmen müssen. „DaS ist deine Sache." „Mir fällt nichts ein." „Du bist eben dumm." „Schön. Ich bin dumm. Aber du bist klug. Also sag mir, wie ich eS anstellen soll." Marcel zündete«ine Zigarette an, Xenia nahm sie ihm aus dem Mund, rauchte weiter. Wir spielen voreinander eine erbärmliche Komödie, dachte er. Ich wage ihr nicht zu sagen, wie sie es anfangen soll, um das Geld zu bekommen, und sie wagt nicht, einzugestehen, daß sie weiß, wi« man einem Mann Geld abnimmt. Carlotta war ebenso unbeholfen, aber sie war wenigstens ehrlich. Soll ich Xenia bei den andren lassen und es mit Carlotta versuchen? Xenia warf die Zigarette weg, ging zu Frau Avory, trank einen Schluck aus ihrem Gürs. Dann setzte ste sich auf die Knie Jakob Hallings, legte den Arm um seinen Hals, den Kopf an seine Brust. Frau Avory lächelte stumm. Klug gehen die Verbündeten Marcels es ja nicht an, dachte sie. Sie sah zu Halling hinüber, sägte: „Geben Sie acht, Herr HallingI Wenn Xenia zärtlich wird, braucht sie ein neues Kleid. Gleich wird sie weinen. Dann muß eS eine größere Banknote sein." Xenia fuhr empor. „Nichts will ich, von Ihnen will ich nichts, von niemandem will ich etwas. Lassen Sie mich in Frieden." Die Empörung, die in Xenias Dorten flackerte, verriet Frau Avory, daß ihre Vermutungen richtig gewesen waren. Nun mußte sie nur noch einen kleinen Hieb Nachfolgen lassen und der Gegner war erledigt:>* „Geh zu Marcel und sag ihm, er soll sich den Plan mit dem Wagen aus dem Kopf schlagen. Der Wagen ist nicht für di« Separatfahrten von Liebespaaren bestimmt." Xenia ergriff das Glas Diana Avorys, trank es leer, schleuderte es gegen die Mauer. Marinka zuckte auf, die Tanzenden hielten ein, Kilmek sah herüber. Xenia lief fort, die Fäuste geballt. Am liebsten wäre sie Frau Avory in di« Haare gefahren. „Verzeihen Sie, meine Herren", sagte Frau Avory,„mein Vorgehen mag Ihnen brutal erscheinen, aber ich kenne Xenia besser als Sie; man kommt mit ihr nicht zurecht, wenn, man sie sanft behandelt." „Jetzt hast du alles verdorben", fluchte Marcel.„Jetzt sitzen wir fest." „Geh doch zu Carlotta zurück. Mit ihr hast du auch, immer gezankt. Sie ist geduldiger. Sie ist klüger. Sie ist schöner. Sie tanzt besser. Was willst du denn bon mir? Warum hängst du dich an mich?" Marcel wußte, wenn er noch ein einziges Wort sagte, würde sie wieder zu weinen beginnen. Er hatte die dramattschen Szenen satt. Er legte eine andre Walze ein-, örtliche Liebe und versöhnliche Nachsicht. „Es war dumm von mir, Xenia, ich geb es zu. Ich werde das Geld schon auftreiben. Komm her." Sie lehnte den Kopf an sein« Brust, wie sie es im Kino gesehen. Sein Mund, an ihrer Wange, an ihrem Öhr, sprach schmeichelnd leis« und langsam: „Ich hab dich lieb, Xenia. Ich hab nie ein Mädel so lieb gehabt wie dich. Ich bin manchmal heftig, ich kann nichts dafür. Aber ich meine es nicht bös. Du mußt mir verzeihen." Nun kam sie sich wieder groß vor, strahlend, ein Star. Sie sah ihn an, sie sagte halblaut, wie durch einen Schleier von Tränen, mit erstickter Stimme, sie wußte, das wirkte immer; „Ich bin ein dummes Mädel, Marcel. Ich hab dich lieb. Ich hab dich sehr lieb. Du darfst nicht so streng mit mir sein. Dann wird alles gut werden." Es wird alles gut werden, dachte Marcel. Wir werden zusammen auftreten, und du wirst mir gehorchen. Ich hab schon manches Bäumchen zu- rechtgebogen; auch dieser Stamm widersteht mir nicht. Ein schriller Pfiff schnitt in die Musik, riß die Tanzenden auseinander, rief sie ans Fenster, weckte die Schlafenden aus den Aengsten ihrer Träume. Der Stationsdorstand lief herein, die Laterne in der Hand. «Der Personenzug ist da", sagte er.„Run ist die Strecke frei". Draußen standen fünfzehn kleine Häuser mit blanken, leuchtenden Fenstern, und aus jedem kletterten Menschen mit schweren Paketen, mit geflochtenen Körben, mit schwarzen, lackierten Holzkoffern, mit Ballen und Flaschen; Bauern, die in der Stadt Milch und Eier verkauft und dafür Kaffee und Salz mitgebracht hatten, Arbeiter, die aus der Fabrik heimkamen, Frauen, die auf dem Wochenmartt Kleider für ihre Kinder gekauft, alte Leute, die Besuche gemacht, Beamte, die Abrechnungen erledigt hatten. Sie hatten alle im Zuge erfahren, daß der Weg über den Strom versperrt, das Dorf die letzte Statton war, die sie erreichen konnten. Die im Dorf wohnten, verschwanden mft ihren Lasten schnell in der Dunkelheit, sie eflten nach Hause, sie hatten Neuigkeiten zu erzählen unv hunderte Fragen zu stellen, auf die es in der Stadt keine Antwort gab. Di« andren strömten in die Warteräume, standen in der Tür, standen an den Wänden, setzten die Gepäckstücke ab, blickten im Kreis umher, rissen die Augen auf, sahen einander an und schwiegen. (Fortsetzung folgt.)' 9x. 63 Freitag, 15. März 1935 Seile 3 Vie Verschmelzung von SHF und B.d.L. Gebt der Jugend Arbeit! Die Petition der Jugend an die Internationale Arbeitskonferenz Unter den Folgen der Wirtschaftskrise leidet in allen Ländern die Jugend besonders schwer. Mehr als sechs Millionen Jugendliche tragen seit Jahren das harte LoS der Arbeitslosigkeit. Ein großer Teil dieser arbeitslosen Jugend hat ein geregeltes Arbeitsverhältnis oder eine geordnete Berufsausbildung überhaupt noch nicht kennen gekernt, er hat weder einen Arbeitsplatz noch eine Lehrstelle finden können. Noch größer ist die Fahl der Jugendlichen, die mit der Beendigung ihrer Lehrzeit keine Möglichkeit fanden, ihre beruflichen Kenntnisse zu verwerten, sondern langjähriger Arbeitslosigkeit anheimfielen. Wieder andere zählen zu der großen Gruppe der ungelernten jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen, die jeder Erschütterung des wirtschaftlichen Lebens am unmittelbarsten ausgeliefert sind und die oftmals nicht einmal im elterlichen Haus einen Schutz vor bitterer materieller Not finden können. In jedem Fall aber ist die Arbeitslosigkeit dieser sechs Millionen junger Menschen ein schweres Unglück. Ebenso groß wie dos mit der Arbeitslosigkeit verbunden« materielle Elend ist die seelische Not dieser Jugend. Die Sinnlosigkeit eines Daseins ohne Arbeit wird gerade von dem besten Teil dieser Jugend als zermürbend und demoralisierend empfunden.. Die wirksamste Hilfe für diese Jugend Küre die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten/ die ihr die Auswertung ihrer beruflichen Fähigkeiten und die Sicherung ihrer materiellen Existenz gewährleisten würden. Von der Erreichung dieses Zustande- ist die Menschheit heute noch weit entfernt. Um so größer ist die Pflicht der verantwortlichen Faktoren in Staat und Gesellschaft, durch geeignete Hilfsmaßnahmen die seelische und materielle Rot der Jugend zu lindern. Die Internationale Arbeitskonserenz 1934 hat den Beschluß gefaßt, dir Behandlung dieser Frage auf die Tagesordnung einer der nächsten Arbestskonferenzen zu setzen. Sie steht nunmehr auf dem Programm der Internationalen Arbeitskonferenz 19 3 8. Die Sozialistische Jugend-Internationale bereitet daher eine große internationale Unterschriftensammlung der Jugend selbst vor, dr- die Internationale Arbeitskonferenz zu einer beschleunigten Beschlußfassung veranlassen soll. Der Unterschriftensammlung liegt folgender Petitionstext zugrunde: „Lebt der Jugend Arbeit! Petition an die Internationale ArdeitS- konferenz! Die Unterzeichneten, arbeitslose und arbeitende Jugendliche unter 25 Jahren aller Beruf« und der verschiedensten politischen und religiösen Ueberzeugung, richten an die Internationale Arbeitskonferenz den dringenden Appell, auf ihrer Tagung 1988 Maßnahmen zu ergreifen, die 1. den vielen Millionen junger Menschen, die unter den Folgen der Wirtschaftskrise arbeitS» und brotlos geworden find, ArbeitSmöglich- keiten schäften, die ihren Lebensunterhalt sichern und eine gründliche berufliche Ausbildung gewährleisten; 2. den Jugendlichen, di« nicht sofort von der Last der Arbeitslosigkeit befreit werden können, durch llnterstützungsmaßnahmen und Einrichtungen helfen, die sie vor materieller Verelendung bewahren, die ftelische Not der errungenen Untätigkeit lindern und die berufliche und allgemeine Fortbildung ermöglichen." Der Internationale Gewerkschaftsbund hat seine Landeszentralen aufgefordert, di« Unterschriftensammlung der sozialistischen Jugendverbände zu unterstützen. Die Christliche Gewerkschafts-Internationale hat eine selbständige Aktion in der gleichen Richtung eingeleitet. Es ist das erstemal, daß die Jugend selbst den Versuch unternimmt, die Internationale Arbeitskonferenz zu einer schnellen und positiven Entscheidung in einer Frage zu veranlassen, die für viele Millionen notleidender junger Menschen von größter Bedeutung ist. Jndctendcatedier Landbundfunktionäre als Gestapo-Agenten 18 bezw. 12 Monate Kerker für Schmidt und Winkler Pilsen.(Tsch. P.-B.) Am 3. Oktober v. I. traf in der tschechoflowakischen Zollstation in Warnsdorf ein reichsdeutsches Automobil ein, das ein Mann verließ, der im geheimen die Grenz st atio n zu passieren und auf tschechoflowaftsches Gebiet zu kommen suchte. Er wurde jedoch bemerkt und von der Wache angehalten. Bei der Untersuchung deS Wagens fand man einen reichsdeutschen Paß auf den Namen Arthur Brockel und Korrespondenzen, die einige Weisungen für Brockel enthielten. AIS Brockel verhört wurde, entriß er sich plötzlich der Wache und verschwand im nahen Walde. Auf Grund der beschlagnahmten Korrespondenz gerieten der 31jährige Landwirt aus Tobkany bei Pilsen Adolf Schmidt und der 28jährige Privatbeamte A. Winkler auS Stögenwald(Bezirk Böhm.-Krumau) in Verdacht. AuS der Korrespondenz geht nämlich hervor, daß beide Agenten der reichsdeutschen Staatspolizei(Gestapo) waren und durch Vermitflung des„Verbandes der Deutschen im Auslande", der in Passau seine Zentrale hatte, tätig waren. Auf Grund des Beweismaterials wurden beide seinerzeit verhaftet und hatten sich am Donnerstag vor ein«m Senate des Kreisgerichts in Pilsen unter dem Vorsitze des Oberrates Elleder zu verantworten. Die Verhandlung war in dem Teil, in welchem Militärsachverständige ihre Gutachten abgaben, geheim. Beide Angeflagten wurden des Verbrechens der Vorbereitung von Anschlägen nach§ 2 des Gesetzes zum Schutz« der Republik beschuldigt. Obzwar sie leugneten, fand das Gericht auf Grund des angesammelten Materials die belastenden Telle der Anklage für erwiesen und erkannte die beiden im Sinne der Anklage schuldig. Schmidt wurde zu schwerem Kerker von 1 8 Monaten und zu einer Geldstrafe von 6000 Kd und Winkler zu schwerem Kerker von einem Jahr und zu einer Geldstrafe von 1000 XL verurteilt. Beide Verurteilten brachten die Nichtigkeitsbeschwerde ein. Di« öffentliche Anklage vertrat Prokurator Dr. Bujta. » Wie erinnerlich hatte die Verhaftung der beiden jetzt verurteilten Gestapo-Agenten deshalb viel Staub aufgewirbeü, weil sie beide Funk- tionäre im Sudetendeutschen Landstand, Winkler einer der in tim- sten Mitarbeiter der Hacker und Hetz und des Kreises der Landständischen Monatshefte in Dobian waren, Winkler wurde in Podersam verhaftet, als er, wie man dort erzählte, aufder Fahrt zuHacker war. Im Zusammenhang mit dieser Sttaftache wurde der Prozeß gegen Hedwig Ern st aus Schönlinde verhandelt, die mit den beiden in Verbindung stand. Die E r n st, die in journalistischen und schriftstellerischen Kreisen als eine halb naive, halb hysterische, jedenfalls ewig in Geldnöten befindliche Frau bekannt war, die sich auf die sonderbarste Weise Geld zu besorgen wußte, indem sie Korrespondenzen in alle Welt anknüpfte, scheint das Opfer ihrer Geldnot, ihrer Naivität und gewissenloser Menschen geworden zu sein, die sie als Werkzeug benützten. Sie erhielt e i n I a h r schweren Kerkers. Kreisturnfest 1935 MH„Hell Hitler zur Masarykfeler An den Geburtstagsfeiern des Präsidenten Masaryk nahmen diesmal auch Henleinturner tell. Wohl weniger aus eigenem Antrieb als über, Aufforderung der diversen„Führer" im Turn- verbande, die doch damtt ein Alibi ihrer Loyalität zum Staatspräsidenten, als auch zur Tschechoflowakischen Republik erbringen wollten, nachdem doch allgemein bekannt ist, daß das Gesicht, der Hcnleintumer weit mehr zum Dritten Reich als nach Prag gewandt ist. Dar Frauentag hat, wie uns nachträglich noch berichtet wird, auch im B e z i r k M.-S ch ö n b e r g große Scharen von Arbeiterftauen und Männern in Bewegung gebracht und in einer Reihe von Orten fanden in diesem Bezirk herrliche Kundgebungen statt. So in Heinrichsthal, Drutsch-Lirbau, Hermsdorf, M.- Schönberg. In diesen Kundgebungen wirkten Turner, Sänger und Kinderfreunde zur Verschönerung der Versammlungen mit und als Rednerin mit großem Erfolge die Genossin Erna Haberzettel. In Hannsdorf und Mähr.-Altstadt waren die Kundgebungen ebenfalls sehr gut besucht und die Darlegungen der Rednerin, Genossin Maltschi Jilg, wurden mit großem Beifall ausgenommen. Eine besonders gut besuchte und gut vorbereitete Frauenkundgebung fand auch in Freudenthal statt, an der Turner, Sänger, Falken und SJ. mitwirkten. Die Rednerin, Genossin Else Paul aus Sternberg, fand den ungeteilten Beifall der Versammlung. Auch aus Znaim wird berichtet, daß in festlicher Weise der Frauentag abgehalten wurde und einen Besuch aufwies, wie zuvor noch selten eine Veranstaltung der Partei. DaS mit viel Beifall aufgenommene Referat erstattete Genossin K a h a Y aus Brünn. kontingente bedrohen die letzten Exportmöglichkeiten Wie die Glasfabrik In Hermannshütte um ihre Existenz ringt - t,. JM' if'i k' Bei der Verhandlung der Exportkredite im Budgetausschuß hatte Genosse Hackenüerg darauf verwiesen, daß es nicht genügt, nur für Export- k r e d i t e zu sorgen, sondern daß man beim Abschluß der Handelsverträge auch dafür sorgen müsse, daßunsereJndu st ri rauch tatsächlichdie Möglichkeit hat, ihre Waren im Ausland abzusetzen. Vielfach stößt dies auf unüberwindliche Schwierigkeiten infolge des K o n t i n g e n t- systems und der D e v i s en sch w i e r igle i t e n, die in den meisten Ländern bestehen. Als Abhilfe kommt vornehmlich die Schaffung von Kompensationsmöglichkeiten in Betracht. Unsere Exportindustrien, darunter vor allem die Glasindustrie, haben infolge dieser unerfteulichen Exportverhältnisse mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen. Es ist im Interesse des Staates, hier nach Möglichkeit helfend einzuspringen, um Be- ttiebsstillegungen und Arbeiterentlaffungen zu verhindern.' In diesem Zusammenhang befaßte sich Genosse Hackenberg mit den Verhältnissen bei der Glasfirma C. Stölzles Söhn«, die ohnedies schon zwei Betrieb« gesperrt hat. Die dort arbeitslos gewordenen Arbeiter hatten sich der Hoffnung hingegeben, in dem Betrieb in Hermannshütte Unterkurckt zu finden.'Die Firma suchte auch den geänderten Absatzoerhältniffen im Ausland Rechnung zu tragen und stellte sich u. a. auf Preßglas um, dessen Erzeugung sie gegenüber der Vorkriegszeit verdoppelt«. Es gelang, im Ausland hiefür neu« Absatzgebiete zu finden, aber die Absperrungsmaßnahmen, die in letzter Zeit in Griechenland, Italien usw. einsetzten, sowie die Kontingentsreduzierungen in Frankreich, Holland haben diese Hoffnungen wieder zunichte gemacht. Aufträge aus den genannten Staaten wären genügend vorhanden, aber die betreffenden Staaten lassen die Ware einfach nicht über die Grenz«. So stehen allein in Hermannihütte neuerdings 800 Arbeiter vor d«r Gefahr, brotlos zu werden. Da nützt alle Propaganda für unsere Mustermessen nichts, wenn nicht raschest in den wirtschaftlichen Beziehungen zu den genannten Staaten Ordnung geschaffen und durch Verträge dafür gesorgt wird, daß diese die bei uns bestellten Waren auch wirklich über di« Gr«nze lassen. Genosse Hackenberg ersuchte daher die anwesenden Vertreter des Handelsministeriums, beim Abschluß von Wirtschaftsabkommen mit anderen Staaten dieser Frag« ihr vollstes Augenmerk zuzuwenden und auch in dem speziellen Fall der Glasfabrik Hermannshütte alles zu unternehmen, um di« BrotloSmachung von vielen hundert Arbeitern zu vermeiden. „Einheitsfront“ erst nach den Wahlen Die Wahltaktik der deutschen Christlichsozialen Prag. Die Reichsparteileitung der deutschen Thristlichsozialen hat Donnerstag einmütig«ine Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt: Die Partei begrüßt Neuwahlen in dem Bewußtsein, daß ihre Vertreter im Parlament in der abgelaufenen Wahlzeit in jeder, besonders(l) innationalerHinsicht ihre Pflicht„gegen ihr Volk und seine Ehre" erfüllt haben. Einmütig um ihre Leitung geschart, werde sie als selbständige Partei in die Wahlen gehen. DaS Ziel dieser Wahl aber müsse sein dit E i n- heitsfront der Deutschen im neuen Parlament zur Durchsetzung ihrer verfassungsmäßiger Gleichberechtigung im Staate.„Dem Staate, was des Staates, dem Volke, was des Volkes ist." Die Reichsparteileitung fordert gleichzeitig alle Parteistellen und Vertrauensmänner auf, die letzten Vorbereitungen für die Neuwahlen mit astlem Eifer zu treffen. Mit welcher innerlichen Verbundenhesi sich die Zeitgenossen im deutschen Turnverbande mit der Republik und ihrem gegenwärtigen Staatsoberhaupte verbunden fühlen, zeigt folgender Vorfall, bei dem ein Gewährsmann unserer Partei unfreiwillig Zeuge war. Auch an der Geburtstagsfeier in Schreckenstein nahmen Henleinturner über Aufforderung der Vereinsleitung in Uniform teil, die sie sich zum Teil erst'im HantUverk- stübel im Gasthause Babinsky anlegten. Während unser Gewährsmann sich dort aufhielt, betraten drei Turner den Raum, in dem sich einige Turnerinnen befanden und grüßten, ohne daß sie den unfreiwilligen Zuhörer bemerkten, mtt.Zeil Hitler I" Aber auch die Feier vermochte sie nicht zu begeistern, da wie sie sagten,„auch noch" ein Jude über Masaryk sprach. Angesichts solcher Tatsachen werden die Henleinleut« noch allerhand Er- ziehungsarbeit leisten müssen, damit ihre, Nachläufer nicht ständig aus der Rolle fallen. begrenzte Einheitsfront Paris.(Tsch. P.-B.) Das sozialistische Parteipräsidium beschloß Mittwoch den Text der Antwort an die kommunistische Partei, die den Sozialisten neuerdings eine enge Zusammenarbeit angeboten hatte. Die sozialistische Partei nimmt diese gemeinsame Aktion lediglich„zur Verteidigung der demokratischen Freiheiten" an, will aber sonst weiterhin ihre vollständige HandlungSfreihett bewahren, so insbesondere bei den künftigen Feiern des 1. Mai und überall dort, wo die Zweite Internationale berührt wird. So wenden sich die französischen Sozialisten gegen den kommunistischen Vorschlag auf Einberufung einer internationalen Konferenz für die gemeinsame Aktion der Proletarier-Parteien, da die Zwette Internationale mit einer solchen Konferenz nicht übereinstimmt. Die sozialistische Partei lehnt auch die Einmischung in die Befugnisse der zentralen Gewerkschaftsorganisationen der EGT ab. Zeitweise Einfuhrsperre In Rumänien Bukarest. Die Mitteilungen über die zeitweilige Einstellung der Erteilung von Einfuhrbcwil- ligungen aus einzelnen Ländern, darunter der Tschechoflowakei, sind durch die Tatsachen bestätigt worden. Verschiedenen Anttagstellern, die Importe aus der Tschechoflowakei beantragten, wurde mttgeteilt, daß diese Anträge bis auf weiteres unerledigt bleiben. Diese Maßnahme steht zu den Bestimmungen des tschechoflowakisch-rumänischen Handelsvertrages, welcher die Erledigung solcher Anträge binnen acht Tagen.vorsieht, in Widerspruch. Sie hat in allen interessierten Kreisen natürlich lebhafte Unruhe hervorgerufen, doch glaubt man hier an interessierten Stellen, daß es sich nur um einen vorübergehenden Zustand handelt. Die interessierten diplomatischen Vertretungen haben mit den zuständigen rumänischen Stellen in dieser Angelegenheit bereits Fühlung genommen. Sekte k Freitag, 15. März 1935 Nr. 63 Jn Äfim• flog mit einem tranken wegen Mißbrauchs der von Bestechungsgeldern Im im Häfen für den Transpazifik-Flugverkehr Washington. Marineminister Swanson gab der Lustgesellschast Panamerican Airways die Erlaubnis, für ihren geplanten Transpazifik-Flug- Verkehrsdienst Flughäfen auf Guam, den Midway- Jnseln und den Wake-Inseln anzulegen. Swanson teilte mit, datz eine andere Luftfahrtgesell- schast gleichfalls Verhandlungen mit ihm zur Erwirkung der Erlaubnis für eine andere Flugdienstlinie begonnen habe. 600 Häuser verbrannt London. Aus Alexandria wird gemeldet, datz in dem Dorfe Zankalou in Unter-Aegypten 600 Häuser durch ein grotzes Feuer zerstört wurden. Dabei fanden drei Eingeborene den Tod. Sieben Eingeborene und zwei Feuerwehrleute erlitten schlvere Verletzungen. Der Schaden wird auf 8000 Pfund Sterling geschätzt. einen perfek- schleu- ist ein Es ist ohne das dieser Gestrandet Reykjavik. Der französische D r e i m a st.e r „Lieutenant Boya"-.aus Dünkirchen strandete"an der Südwestküste von, Island.'Drei Mitglieder der Besatzung fanden den Tod. 23 konnten gerettet wexden. In veigien keine Verlängerung der Militärdienstzeit Brüssel. Im Zusammenhang mit den Erörterungen über die Verlängerung der Dienstzeit in .Frankreich ist in belgischen und ausländischen Blättern auch die Frage einer Erhöhung der Dienstzeit in Belgien behandelt worden. Es wurde dabei behauptet, datz die belgische Regierung einen entsprechenden Gesetzesvorschlag vorbereite. In amtlichen Kreisen wird hierzu ausdrücklich erklärt, datz nicht die Rede davon sei, die Dauer der Mili- tärdienstzeit'in Belgien zu erhöhen. ’ Nach den Informationen des Berichterstatters des„Paris S o i r" kostete der Umsturzversuch in Griechenland über zwei Milliarden Drachmen, d. s. 20 Prozent des griechischen Jahresbudgets, das kürzlich unter grotzen Schwierigkeiten ausgeglichen wurde. Bisher lätzt sich nicht sagen, wie diese Gelder werden wieder beschafft und wie der Schaden wird gedeckt werden können. Wien.(Tsch. P.-B.) In Wagram bei St. Pölten wurde eine kommunistische Geheimdruckerei entdeckt, in der schon seit längerer Zeit das ill?- gale Blatt„Volksmacht" hergestellt wurde. Die Einrichtung der Druckerei wurde beschlagnahmt und 21 Personen verhaftet. Warscha«. Im Hinblick auf die Schwierigkeiten, die der landwirtschaftlichen Bevölkerung bei der Zahlung der Steuern entstehen, hat die polnische Regierung einen Gesetzenttvurf ausgearbeitet, auf Grund dessen in einigen Fällen die Steuern in Arbeitgelei st et werden können. Die Steuerzahler würden nichtqualifizierte Arbeiter und Transportmittel zur Disposition stellen, die beim Bau öffentlicher Straßen, bei Wasserbauten und anderen gemeinnützigen öffentlichen Unternehmungen verwendet werden würden. Paris. General P l a st i r a s ist aus Marseille nachts in sein Hotel in Cannes zurückgekehrt. Er hat jedweden Besuch abgelehnt. Schanghai. Amtlich wird mitgeteilt, datz die chinesische Regierung dem in Moskau eingetroffenen Botschafter Den die Anweisung erteilt hat, bei der Sowjetregierung wegen des Verkaufes der Chinesischen Ostbahn Protest zu erheben. Der Botschafter wird der Sowjetregierung«ine Note überreichen, in der China feststellt, datz die Sowjetregierung den 8 8 des Art. 8 des chinesisch-russischen Abkommens vom Jahre 1824 verletzt hat. Havanna. Es verlautet, datz die kürzlichen Unruhen auf Kuba 16 Todesopfer gefordert haben. Die Behauptung des gewesenen Präsidenten Carlos Heviq von einer Massenabschlachtung der Bevölkerung bestätigt sich keineswegs aber mn 28 Prozent und im Jahre 1934 um 30 Prozent kleiner! Der Absatz an Schuhen in Oesterreich war im.Jahre, 1932 noch ebenso groß wie im Durchschnitt der Jahre 1923 bis 1931. Im Jahre 1933 war er schon um drei Prozent kleiner, im Jahre 1934 aberum 16 Prozent kleiner! Der Absatz an H a.u s r a t in Oesterreich war im Fahre 1932 um elf Prozent kleiner als nn Durchschnitt der Jahre 1923 bis 1931. Jahre 1933 war er schon um 34 Prozent, Jahre 1934 aber um 42 Prozent kleiner! Die Ursache dieses Konsumrückganges liegt vor allem in der Senkung derLöhne und Gehälter. Der Fascismus hat die Freien Gewerkschaften zerschlagen, die politische Machtstellung der Arbeiterklasse zerstört, alle Hindernisse des Lobndrucks beseitigt. In Wien wurden im Jahresdurchschnitt im Jahre 1932 noch 112 Millionen Schilling monatlich an Löhnen und Gehältern ausgezablt. Im Jahre 1933 waren es nur noch 95 Millionen Schilling monatlich, im Jahre 1934 aber nur noch 89 Millionen Schilling monatlich. Diese Zahlen zeigen sehr anschaulich, wie die österreichische Arbeiterschaft in den beiden letzten Jahren, seit dem Staatsstreich Dollfutz' nn März 1933 verelendet worden ist und wie sehr diese Verelendung im Jahre 1934, seit der blutigen Niederwerfung der Arbeiterklasse fortge- Nach dem Freispruch in Schutzhaft Berlin. Der bekannte Jesuitenpater Spieker, der sich vor dem Kölyer Sondergericht wegen staatsfeindlicher Aeutzerungen von der Kanzel herab zu verantworten hatte, jedoch mangels au Beweisen freigesprochen wurde, ist nach Aufhebung des richterlichen Haftbefehles von der Staatspolizei in Schutzhast genommen worden. lagcsncuigiscncii Raubmord eines hastentlaffenen Raubmörders? Graz. Anfang Feber wurde auf einem Besitz in Brunnegg bei Graz der Knecht Franz M a tz e r in seiner Kammer mit, schweren Verletzungen am Kopf und einer.Durchtrennung des Halses wt aufgefunden. Es dürste sich jedensfalls um einen Raubmord handeln. Unter dem Verdachte der Täterschaft wurde Donnerstag von der Gendarmerie der Fleischhauer DominikPolz aus Jüdenburg verhaftet. Pölz'hat vor 22 Jahren in Judenburg einen Raubmord begangen, der mit bet fetzt verübten Tat eine gewisse Aehnlich- leit aufweist. Er wurde seinerzeit im Jahre 1913 zum Tode durch den Strang verurteilt, jedoch zu lebenslänglichem Kerker begnadigt. Im Feber 1932 wurde er von der Strafanstalt in Karlau bedingt entlassen. Potz verweigert jede Auskunft. bei dem Streit um. die zweijährige Dienstzeit in Frankreich zeigt. Es ist die Tragik dieser von Friedenssucht durchwehten Zeit, daß mitten in unserem Erdteil barbarische Mächte dabei find, ganze Völker zu Angriff und Mord zu dressieren,— Völker, deren Mehrheit nicht minder kriegsfeindlich ist als die englische Fugend oder die denkenden und fühlenden Menschen irgendeines anderen Landes. Es ist die Tragik dieser Zeit, daß die Friedliebenden versuchen müssen sich gegen die Angriffslustigen zu sichern, daß sie sich auf eine Auseinandersetzung vorbereiten müssen, gegen die sich ihr Innerstes auflehnt,— und daß die barbarischen Machthaber ihren Völ- kern einreden, die Sicherungsmaßnahmen der Friedliebenden seien kriegerische Drohungen, die man durch erhöhte Rüstungen beantworten müsse. Ein fürchterlicher Wettlauf, der erst enden wird, wenn die Barbarei geendet hat, und der in die Katastrophe führt, wenn es nicht rechtzettig gelingt, die barbarisierten Völker zu besteien und der Menschheit zurückzugeben. Eine gespenstische Erfindung. Ueber eine phantastische Erfindung wird in der amerikanischen Presse berichtet. Wie man Weitz, hat im letzten Jahrzehnt der„Robot"— das beißt ein elektrisch betriebener Automat, der Geste und Bewegung des Menschen verblüffend nackahmt— eine große Rolle in der öffentlichen Diskussion gespielt. Jetzt hat ein amerikansscher Ingenieur den sozusagen idealen Typus des Robot geschaffen, Spezial-Robot: den Militär-Robot. Der tionierte Automat bedient Mitrailleusen, dert Granaten, pflanzt Bajonette auf; er strategisches Wunder ohnegleichen. Zweifel das grausigste Konterfei, Menschheit bisher glückte.» Die Reibungen' zwischen Deutschland»nd Italien. Die„Westphälische Land.szeitung" berichtet, daß ihr Vertreter in Rom, Arnim Richard, auf Anweisung des italienischen Innenministeriums aus Italien ausgewiesen worden ist, mit der Begründung, er habe über den italienischabessinischen Konflikt in subjektiver und einseitiger Weise berichtet. Richard sei innerhalb 36 Stunden nach 32stündiger Sistierung abgeschoben worden. Ein Hitleranbeter. Der Professor an der tschechischen landwirtschaftlichen Fachschule in Leipnik, Theodor H l a d k h, wurde verhaftet, weil er während des.Unterrichtes Lobreden auf Hitler und Schmähungen des Präsidenten der Republik vorgebracht hatte. H l a d k h, dessen Aussprüche von den Schülern bezeugt wurden, ist in der tschechischen Agrarpartei organisiert. Der Generalstreik in Havanna ist zwar gescheitert, doch bleibt die Lage auf Kuba weiterhin'üngeflärt. Tatsächlicher Diktator,im Lande iss der Oberst P o d r a z a, der sich des vollen Vertrauens der Regierung erstellt. Oberst Batista, der den Aufftand niedergeschlagen hat, wurde beiseite geschoben und die Regierung hat seine Vorschläge abgelehnt. Zweifelhafte Polizeibeamte. In Paris wurde Donnerstag der Polizeiinspektor Bonny verhaftet.— Das Geschworenengericht in Lc Puy im Departement Haute-Loire verurteilte den Polizeikommissär Lamarque zu drei Jahren Gefängnis Amtsgewalt, Annahme und Betrügereien. Der Pilot Farick Bordfunker von der Polarstation Maresale, di: hoch über dem Polarkreis gelegen ist, nach der Siedlung Chabarow, deren Bewohner bereits das Motorgeräusch des nahenden Flugzeuges vernahmen.. Da der Motorenlärm plötzlich aufhörte, glaubt man, daß der Pilot landen mußte. Sechs Hundeschlitten forschen bereits zwei Tage vergebens nach dem v erschollenen Flugzeuge. Herabstürzende Kohlrnwände. Donnerstag mittags erfolgte auf der Kohlengrube„Wolfgang- Wawel" in Ruda eine schwere Einsturzkatasthophe. Jtz einem Schacht wurde nämlich durch herabstürzende Kohlenwände eine Gruppe von Bergarbeitern verschüttet. Drei Arbeiter fanden hiedurch den Tod. Geschmolzenes Glas ergiesst sich in die Fa- briksräume. In der Glasfabrik der Mühlig-Union in Aussig brannte Donnerstag abends einer der beiden Sicmens-RegenerationSglasöfen durch. Ein größeres Quantum geschmolzenen Glases ergoß sich in die Fabriksräume. Der Umfang des jeden-' falls beträchtlichen Schadens ist noch nicht festgestellt. Zu Schaden kam niemand. An der Behebung des Schadens wird unermüdlich gearbeitet, damit im Betrieb des Unternehmens keine Störung ein- ttitt. Ein berühmter Löwe gestorben. In Philadelphia ist eine der bekanntesten Filmfiguren gestorben. Es handelt sich um Leo, den Löwen, die berühmte Geschäftsmarke der Metro-Goldwyn-Filmgesellschaft. Er ist mehr auf der Leinwand zu sehen gewesen als irgendeiner seiner Gattung. Ein Bild von Leo geht jedem M. G. M. Film voraus, sein Brüllen kündigt den Beginn eines jeden an. Er wurde als Glücksfigur(Maskotte) der Gesellschaft sehr populär. Auf allen Geschästsanzeigen Prospekten und Briefköpfen der Firma sieht man das mächtige Tier. Leo starb an Altersschwäche im Zoo von Philadelphia. Bor 20 Jahren war er in Afrika zur Welt gekommen. Be- retts als einjähriger Löwenjüngling kam er nach Amerika und trat in verschiedenen Filmen in kleineren Rollen auf, bis ihn die Gesellschaft für sich als Glückstier mit Beschlag belegte. Der Schrei nach Friede». Der brttische Armeerat hat ein Blaubuch veröffentlicht, aus dem hervorgeht, daß sich Heuer um 3277 Rekruten weniger als im Jahre 1933 zur Musterung für Has englische Söldnerheer gemeldet haben. Diese Abnahme, sagt das Blaubuch, sei in erster Linie auf- die Anti-Kriegs-Propaganda in England zurückzuführen. Und das klingt sehr glaubwürdig; denn wenn in einem Lande mtt annähernd drei Millionen' Arbeitslosen der Zu- ström zu einem Berufe sinü, dann müssen wirklich gewichttge Bedenken gegen diesen Beruf die Ursache sein. Ob die Bedenken durch Propaganda geweckt find oder nicht,— es genügt festzustel- len, daß sie bestehen. Es genügt, die Tatsache zu bemerken, daß in der englischen Jugend wie in allen anderen Schichten des britischen Volkes die Abneigung gegen den Krieg im Wachsen ist. Man will den Krieg nicht, man verabscheut ihn,— nicht nur auf den brittschen Inseln, sondern überall in Europa, wie sich aerade jetzt wieder Die Verelendung der österreichischen Arbeiterklasse Rücksans des Massenkonsums 1934 um 20 Prozent Neuerliches Sinken der Löhne Welche soziale Funktion dec österreichische Fascismus hat, ersieht man aus der Verschlech terung der Lage der Arbeiterklasse Oesterreichs, die nach der Niederwerfung des Feberaufstandes eingetreten ist. Wir stützen uns dabei auf Zah len, welche nicht von sozialdemcckratischer Seite stammen, sondern vom Staatlichen Jnstttut für Konjunkturforschung in' Wien. Das genannte Institut hat soeben eine interessante Uebersicht über die wirtschaftliche Entwicklung Oesterreichs im Jahre 1934 veröffentlicht. Diese Darstellung zeigt vor allem, wie furchtbar der Massen konsum in den letzten beiden. Jahren, seit dem Siege des Fascismus in Oesterreich, gesunken ist. Im Jahre 1932 war der allgemeine Konsum an Verbrauchsgütern, in Oesterreich um sechs Prozent kleiner, als im Durchschnitt der Jahre 1923 b.is 1931. Im Jahre 1933 aber war er schon um 17 Prozent kleiner, imJahre1934um2 0 Prozent kleiner! Der Konsum an Nahrungsmit teln war im Jahre 1932 noch um zwei Pro zeit größer als im Durchschnitt der Jahre 1923 bis 1931. Im Jahre 1933 dagegen war er schon um drei Prozent kleiner als im Durch schnitt dieser Jahre, im Jahre 1934 aber um sieben Prozent kleiner! Der Absatz an Konfektionswaren in Oester reich, an Kleidern und Wäsche, war im Jahre 1932 um 19 Prozent kleiner als nn Durchschnitt der Jahre 1923 bis 1931, im Jahre 1933, schritten ist. Konsul Malhomme wird aus Mährisch-Ostrau abberufen? Nach den Meldungen Osttauer Blätter wird die polnische Regierung den Konsul Mal- Hom m e, den bekannten Hintermann aller polnisch-nationalistischen Umtriebe in Schlesien, abberufen. Dieser Entschluß der Warschauer Regierung könnte wesentlich zur Entspannung der pol- nisch-tschechoflowakischen Beziehungen nicht nur im Grenzgebiet beitragen. Doppelselbstmord aus Not. Im Wiener achten Bezirk verübten Donnerstag der 6 5 j ä h- rige Schneidermeister Eenkk Kocicka und seine 40jährige Gattin Kristine Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas. Das Motiv der Verzweiflungstat liegt in materieller Not. Sträflinge verhaften Aufseher. Britisch-Nord- Borneo schüttelt sich vor Lachen über die Geschichte wie eine Anzahl chinesischer Sträflinge zwei indische Auffeher in Sandakan verhaftet haben. Die Sttäf- linge waren auf dem Wege vom Gefängnis zu ihrer Arbeitsstelle an einer Straße, als die Aufseher einen Stteit begannen, der so heftig wurde, daß sie plötzlich die Gewehre forttoarfen und sich mit den Fäusten bearbeiteten. Die Sträflinge sammelten sich um sie, um den Kampf zu beobachten. Als sie glaubten, daß es nun genug sei, nahm einer der Gefangenen die beiden Gewehre an sich, die Uebrigen trennten die Kämpfenden. Dann nahmen sie die Kampfhähne in ihre Mitte, und kehrten alle gemeinsam zum Kerker zurück. Mißglückt. Die Flieger Meck und Macedo sind in Lissabon gestartet, um den Versuch eines direkten Fluges von Lissabon nach Rio de Janeiro zu unternehmen. Kurz nach dem Start überschlug sich jedoch das Flugzeug. Die beiden Flieger kamen ohne Verletzungen davon. Opfer der Äsenbahn. Bei Kingslansley in der englischen Graffchaft Herfford stießen zwei Lastzüge zusammen. In. die beiden Züge fuhren dann noch zwei andere Züge hinein. Bei dem Zusammenstoß wurden neun Personen verletzt; eine Person wird vermißt. ■ Der verhinderte Fremdenlegionär. Der„Ma- ttn" erfährt aus Marseille, datz Lord Edvard M o n t a g u, der ein sehr bewegtes und abenteuerliches Leben hinter sich hat und eben für fünf Jahre in die Fremdenlegion eingetreten ist, vor keiner Abreise nach Afrika in Marseille einer neuerlichen ärztlichen Untersuchung unterworfen wurde, bei der festgestellt wurde, datz er für den Dienst in der Fremdenlegion nicht geeignet ist. Er wurde daher entlassen. Betriebswirtschaftliches Preisausschreiben. Dee Verein zur Gründung und Erhaltung der deutschen Handels- und.Wirtschaftshochschule, Kitz Aussig, ver« änWKei^aullAMH sM« MMrigeyMfWvil ein' Preisausschreiben über nachfolgende Themen, von welchen je eines zu behandeln ist: Erfolgs- und Koftenanalyse in Industriebetrieben(mit praktischen Beispielen). Die Funkttonsstörungen im Geldsystem, Die gegenwärtigen Formen von Import und Export, Bettiebsformen' im Handel. Für die beiden best- aualifiziertesten Arbeiten werden zwei Preis«(erster Preis 1000 Kö, zweiter Preis 500 Kä) ausgesetzt. Tie näheren Bedingungen des Preisausschreibens können vom Handelshoch^chulverein Aussig, Handelsakademie(gegen Einsendung eines frankierten Rückkuverts) angefordert werden. Vom Rundfunk Sinpfehlenswerte* aus den Programmen: Samstag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Presse. 12.10 Operngesänge auf Schallplatten. 13.45 Unterhaltungsmusik. 15.55 Konzert. 17.05 Riissische Lieder. 18.00 Deutsche Sendung. 18.50 Deutsche Presse. 22.15 Tanzmusik.— Sender St.: 15.00 Deutsche Sendung: Lieder von Wachsmann. 15.30 Redakteur Deml: Kulturrelief. 18.15 Kinder, latzt uns turnen!— Brünn: 15.55 Konzed' des Salonorchesters. 17.05 Zigeunerkapelle. 17.50 Deutsche Sendung: Leichte Musik. 18.15 Volksblasmusik.— Kascha«: 12.35 Orchesterkonzert. Die Novelle zum Radiogcsetz. Vor einigen Tagen gab das Handelsministerium eine Novelle des alten Radiogesetzes ins Anmerkungsverfahren. Das neue Gesetz wird die Fragen der Erzeugung, des Verkaufs und der Aufbewahrung von Radiogeräten lösen. Wichtig sind auch die Bestimmungen, welche den Bau von Außenantennen und die Reparatur von Rundfunkgeräten betteffen. Rrmdfunkhörerzahl in Polen. Nach den Letzten amtlichen Mitteilungen hat die polnische Hörerzahl im Laufe der letzten Monate eine beträchtliche Zunahme erfahren. Am 15. September 1834 stellte sich die Hörerzahl auf rund 300.000, während am 1. Feber d. I. bereits 400.000 Hörer gezählt wurden. Seitdem, hat sich die durchschnittliche Zunahme von 2000 Hör'rn täglich ungefähr gehalten. Wie der Warschauer K:spondent von„World Radio" berichtet, beabsichtigt die Polftie Radio für Grotz- Warschau einen neüen Sender zu errichten. Er soll, in dem Warschauer Vorort Molotow aufgestellt werden, wo er unter den gleichen Bedingungen wie der frühere Sender Warschau II, der 1930 seine Ueber- ttagungen einstellte, zu arbeiten habe. In Rund- funkkreisen werde auch die Notwendigkeit eines leistungsfähigen Senders für Südwest-Polen betont, der für dort ganz besonders geeignete Sendungen zu vcranstalten habe, und zwar solle dieser Großsender, zwischen Kattowitz und Krakau errichtet werden. Die in diesen Städten gegenwärtig vorhandenen Sender seien abzubauen.(PR) Nr. SS Freitag, 15. März 1933 Teile 5 GefiilfGte EinfuyrfGeine Dreitägiger Prozeß vor dem Prager Kreisgericht Pear. Im großen Verhandlungssaal des hiesi» gen Kreisgerichtes begann Donnerstag die auf drei Lage berechnete Verhandlung über«inen Prozeß großen Formates. Gegenstand der Anklage sind großzügige Betrü- gereien durch Fälschungen von Einfuhrscheinen und DeVisenauSsuhrbewilli- g n n g e n. Eines wie das andere sind Notbehelfe der Staatsgewalt zur teilweisen Regulierung der heimischen Wirtschafts« und Währungspolitik in den Zeiten der schwersten Erschütterung der internationalen wirtschaftlichen Beziehungen. Da sich aber im Sinne des edlen Verdienerprinzips mit allem ein Geschäft machen läßt, kann eS nicht wundernehmen, wenn sich geschäftstüchtige Subjekte gefunden haben, die durch geschickte Fälschung solcher werwoller Ein« und Ausfuhrbewilligungen ein gutes Geschäft zu machen hofften. Vor dem Gerichtshof Trost saßen acht An- geflagte, die die Anklage des Staatsanwaltes Dr. Mejstkik einerseits der mehrfachen Fälschung öffentlicher Urkunden und anderseits des mehrfachen anderweitigen Betruges beschuldigt. Ursprünglich waren ihrer zehn, doch wurde gegen zwei Beschuldigte, das Verfahren ausgeschieden und ist Gegenstand neuerlicher Untersuchung. Einer dieser beiden fft der ehemalige Abgeordnete und Senator der tschechisch- Uerikale» Volkspartei, Oberfinanzrat i. R. Dr. Gustav R a s a n e c, dessen Name seinerzeit in Zusammenhang mit dieser Affäre viel genannt wurde. Durch Wegfall dieser beiden Angeklagten wird das vorliegende Verfahren allerdings um ein sehr interessantes Kapitel ärmer. Angeklagt find: der 35jährige JUDr. Testmir Neövara, Sekretär der Skodawerke; der 37jährige Alois KoneLnh angeblich Buchhalter, aber„unbestimmten Wohnortes", der aus der Hast vorgeführt wurde; der 44jährige Wenzel Panhrtt, der den Titel eines„Kandidaten der Rechte" führt und im übrigen als Mensch„u n- bestimmten Berufes" angegeben wird; die 36jährige Restaurateurin Anna Hekrs, von der wir vorgestern berichteten, daß sie ihrem Freund Kd 700.000 gekostet hat; der 87jährige Großgrundbe- fitzer Wenzel Bad'ura und der 43jährige Kaufmann Leopold Klein, beide aus der Slowakei. Neben diesen Hauptakteuren find noch ange- klagt die 27jährige Hausgehilfin Josefa Konstantin und der 50jährige Direktor der„Deuffchen Landbank" Josef Dchiffner in Tetschen. ♦ Anfang 1933 offerierte der Angeklagte Klein zwei Kaschauer Getreidehändlern die Beschaffung von Einfuhrbewilligungen für etwa 200 Waggons Mais aus Rumänien, gegen«ine Entlohnung von 1750 XL pro Waggon. Das Offert war günstig, denn die reguläre« Gebühren betrugen 2000 XL. ES kam zu Unterhandlungen in Prag, an denen sich Dr. Neßvara, PanYrka.Vad'ura und K l e i n,j>rtessjgten dje damit«ndetxn. daß hie Kaschauer Tetreidehändler von den ihnen angebotenen fünf Einfuhr scheinen vorläufig zwei erstanden, die auf den Namen der Getreidefirma Richtmann in Kaschau lauteten. Dafür erlegten sie 173.250 XL Di« übrigen wollten sie am nächsten Tag kaufen. Inzwischen aber kam die Fälschung durch das Dazwischentrcten sachverständiger dritter Personen -«tage. Man stellte fest, daß sÄntliche Unterschriften und Stampiglien auf den dreifachen Formularien gefälscht waren. Die geprellten Getreidehändler stellten eines der Falsifikate zurück und erhielten von den erlegten 110.000 XL zurück. Der andere gefälschte Ausfuhrschein verfiel der Beschlagnahme der inzwischen aufmerffam gewordenen Behörden und das„gute Geschäft" endete für die Getteidehändler mit einem Defizit von 63.250 XL. Daneben wird freilich, wie auch in allen folgenden Fällen der Schaden der staatlichen Stellen in der Anklage gellend gemacht, der bei Gelingen der Fälschungsaktton durch Entgang der verschiedenen Gebühren entstanden wäre. In welcher Art die einzelnen Angeklagten an dieser Aktton beteiligt waren, wird vielleicht im Beweisverfahren klarer zutage treten. Bei ihrer Einvernahme suchte sich jeder auf Kosten der anderen nach Möglichkeit zu entlasten. Unmittelbar nach diesem anfangs Feber 1933 durchgeführten und mißglückten Manöver fuhren die Angeklagten KoneLntz, Panhrek und Anna H o k e s nach Preßburg— wie die Anklage betont, im Einverständnis mit Dr. Resvara— um ein ähnliches Geschäft mit der dorttgen Getreidefirma Glück abzumachen. Das war zu einer Zeit, als die ersten„Klienten" das Falsifikat bereits zurückgestellt hatte, worin die Anklage den Beweis erblickt, daß die genannte Grupp« der Angeklagten sich der Strafbarkeit ihres Vorhabens voll bewußt war. Die von der Firma Glück erstandene Ausfuhrbewilligung auf 50 Waggons Mais war eben jene, die von den Kaschauer Kaufleuten zurückgestellt worden war. Eine Spedittonsfirma, der das Dokument vorgelegt wurde, kam auf den Betrug. Selbstverständlich standen auch hier sehr ansehnliche Beträge auf dem Spiel. * Eine weitere, von der Anklage angeführte Unternehmung betraf die Ostrauer Firma Traub- n e r. Hier handelte es sich um die Einfuhr von zehn Waggons polnischer Eier. Die Industriellen gegen das Arbeitsvermittlungs-Gesetz Bei der bekannten Einstellung der Industriellen wundert es niemand mehr, wenn sie gegen alles Widerstand leisten, was einen Ausbau der Sozialgesetzgebung, insbesondere aber des Schutzes der Arbeiterschaft bringen könnte. Es gibt kein sozialpolitisches Gesetz, das nicht gegen die von egoistischen Erwägungen diktterte Haltung der 2n- dustriekapitalisten von den Vertretern und den Verbänden der organisierten Arbetterschast durchgekämpft werden muß. Das zeigt sich jetzt bei dcw hart umstrittenen Gesetz über die Einführung der 40-Stunden-Ar- bejtSwoche und dem Gesetz über die Arbeitsvermittlung. In der um die Wahrung der kapitalistische» Interessen besonders besorgten.Bohemia" trägt der Jndustriellen-Generalsekretär Doktor Fernegg die Argumente gegen das Arbeitsvermittlungs-Gesetz vor. Natürlich sieht er in dem Gesetz eine neue Belastung der Privatwirtschaft; aber auch der Generalsekretär verfolgt die Methode, sich zuerst zum Scheine der Interessen der Arbeiterschaft anzunehmen. In dem Entwurf des neuen Gesetzes ist vorgesehen, daß das zu errichtende Bezirksarbeitsamt, dem der Bedarf von Arbeitskräften vom Unternehmer zu melden ist, bei der Zuweisung von fachlich geeigneten Kräften besonders darauf Be- Gl« Weitz« «ad ei« Gelb« Von Ernst Machet. Eines Tages wurde Mr. Despart von einem' Chinesen, dem Zahlmeister der Dschunke»Pegu", vertraulich in Kenntnis gesetzt, daß auf Jimah Estate für di« kommende Nacht ein Spielchen angesagt sei. Dies« Nachricht kam Mr. DeSpart, der in Port Dickson das Amt eines Polizeipräfekten bekleidet«, sehr gelegen, denn er liebte es, seiner vorgesetzten Behörde von Zeit zu Zett einen Beweis seiner Umsicht und Tüchtigkeit zu liefern. Wohlwollend klopfte er dem gelben Lumpen aus die Schulter, zählte ihm fünf Dollar in Silber auf den Tisch und entließ ihn. Dann brannte er sich schmunzelnd seine Pfeife an und legte sich in den Strecksessel. Gegen sieben Uhr abends begab sich Mr. Despart hinunter zum Pier. Eine Polizeipatrouille, fünf Sikhs unter dem Kommando eines Subardars, erwartete ihr dort, und man bestieg das bereitgestellte Dampfboot. Das kleine Schiff durchquerte die Bucht und fuhr dann den aus dem Innern kommenden Fluß stromaufwärts. Und nach dreistündiger Fahrt— die Nacht war inzwischen hereingebrochen— landete man in Tanah-merah. Jimah Estate, eine Äummiplantage von nicht weniger als 28.000 Acres, hatte zwar einen eigenen Landungssteg, doch Mr. Despart hielt eS für ratsam, das Schiff sebon in Tanah-merah zu verlassen. Er zog den Weg buch das Dschungel vor, um nicht Aufmerksamkeit zu erregen und so den Erfolg des Unternehmens zu gefährden. Rach einem Fußmarsch von ungefähr einer Stunhe hatte der kleine Trupp die Plantage erreicht. Es war eine Helle, klare Tropennacht, irgendwo in der Ferne brüllte ein Tiger.' DeSpart lugte hinüber nach dem großen weißen Haus, in welchem die Spieler dem von den Engländern streng verbotenen Laster huldigen sollten,— kein Licht erhellte seine Fenster, lein Laut drang an das Ohr des Lauschenden. .Nanu," dachte Despart,.wie ist das möglich? Die schlafen ja alle l Sollten sie Wind bekommen haben?" Und er schüttelte nachdenklich den Kopf, da er sich die Sache nicht erklären konnte. So verging«ine geraume Weile, während welcher Mr. Despart schließlich zu derEinsicht kam, daß man am llügsten tue, auf Jimah Estate zu übernachten, da der Mond bald untergehen würde und ein Rückweg durch das Dschungel zu beschwerlich wäre. Das Kläffen eines Hundes locke einen Wächter hervor, der, als er den Polizeipräfekten von Port Dickson erkannte, sich sofort berett fand, den Polizisten ein Nachtlager zuzuweisen. Sodann führte er Mr. Despart in eines der prunkvollen Zimmer des Hauses und ging, seinen Herrn von dem hohen Besuch zu verständigen. Der Besitzer von Jimah Estate war Lo Kong Au. einer der reichsten Chinesen Malahas. Wenige Jahre später, zur Zett der Gumucihausse, ging die Plantage in den Besitz eines englischen Konsortiums in Singapore über,— damals aber war, wie gesagt, noch Lo Kong Du Herr auf Jimah. Mr. Despart brauchte nicht lange zu warten. Lo Kon« Nu, den phantastisch dicken Leib in kostbare Seidengewänder gehüllt, erschien schon nach wenigen Minuten und hieß seinen Gast in überschwenglichster Weise willkommen. Despart erwiderte den Gruß und meinte: »Wir hatten in der Nähe zu tun, und da wir zufällig hier vorbeikamen und ich sah, daß der Mond schon sehr tief stand, erinnerte ich mich deiner weithin bekannten Gastfreundschaft. Ich danke dir. Ich danke dir, Towkay, für den liebenswürdigen Empfang und dafür, daß du meinen Leuten Quartier gabst." Als sich Mr. Despart nach diesen Worten auf den ihm angebotenen Stuhl niederließ, merkte er nicht, daß sich das aufgedunsene Gesicht des Asiaten für einen Augenblick zu einem öligen Grinsen verzog. Sein« Aufmerksamkeit wurde vielmehr von den eben aufgetragenen Flaschen und Gläsern in Anspruch genommen, da er nicht übel Luft verspürte, seinen Aerger über den miß« Diese Bewilligung sollte 120.000 XL kosten, wobei die Angeklagten KoneLntz und H o k e s als Hauptpersonen austreten. Die Hausgehilfin der H o.k e s, die dabei Kurierdienste versah und auch Vas erlegte Entgelt übernahm. Es blieb freilich nur bei einem bescheidenen Anlauf zu dem großzügigen Betrugsmanöver. Bei Verzollung des.ersten Waggons in Neu-Oderberg flog die Sache auf. Die Hausgehilfin Konftanttn ist wegen dieser Angelegenheit der Mitschuld angeklagt. * Und endlich ist die Fälschung einer DevisenauS- fuhrSdewilligung eingeklagt. Am 16. Jänner 1988 wurde dem Bodenbacher Zollamt eine Devisenausfuhrbewilligung lautend auf 45.000 XL und auf den Namen William Charles Fisk vorgelegt und der bewilligte Betrag tatsächlich auch über die Grenze geschafft. Später stellte sich heraus, daß es sich um die fälsche rische„Aufrundung" einer tatsächlich nur auf 4500 XL lautenden handelt«. William Fisk ist fteilich nicht erreichbar, doch führt nach den Ergebnissen der Veruntersuchung auch hier der Faden über einige Mittelspersonen zu den Angeklagten KoneLntz und Dr. N e s v a r a. Eine dieser Mittelspersonen ist nach der Anflag« auch der Landbankdirektor Schiffner. William Fisk war Repräsentant der Firma H o l- lowav und versuchte über den Pächter des von dieser Firma Automatenunternehmens eine Ausfuhrbewilligung für eine halb« Million XL zu erhalten. Direktor Schiffner, der ein Verwandter dieses Pächter- Karl Kaplänek war, habe die Verhandlungen mit KoneLntz ausgenommen, wobei er verschiedene Provisionen in Aussicht stellte und bezahlte. Dieser Punkt der Arrflage ist vorläufig noch ziemlich ungeklärt und wird im Zuge des Beweisverfahrens noch näher zu besprechen sein. Der erste Berhandlungstag war mit der Vernehmung der Angeflagten ausgefüllt. Die Verhandlung dauerte bis in die späten Abendstunden. Auf die einzelnen Aussagen der Angeflagten werden wir anläßlich deS Beweisverfahrens noch zurückkommen. rf>. dacht nimmt, die den Arbeitslosenunterstützungsvorschriften oder der Ernährungsaktion unterliegenden Arbeitslosen zuerst zu vermitteln, wÄbei die Dauer der bisherigen Arbeitslosigkeit vor aflem berücksichtigt werden soll. Diese Bindung an einen völlig berechtigten sozialen Gesichtspunkt paßt dem Generalsekretär der Industriellen gar nicht. Er schreibt: »Gerade diejenigen also, die völlig ohne Unterstützung, somit am bedürftigsten sind, bleiben unberücksichtigt, llnwichttg scheint es dem Gesetzgeber auch, daß auf vielen Posten das Berttauen des Arbeiters«ine groß« Rolle stnelt. Wird sich z. B. ein Rechtsanwalt bei der Anstellung eines Konzipienten nur davon überzeugen, ob der Be« Werber eingeschriebener Gewerkschafter ist, und sonst um gar nichts kümmern?" Es gelingt diesem reaktionären Klopffechter nur sehr schwer, di« wirklichen kapitalistischen Argumente seines Widerstandes gegen das ArbeitS- vermtttlungsgesetz zurückzuihalten. Es ist der Sinn dieses Gesetzes, gerade den Bedürftigsten, und daS sind diejenigen, die am längsten arbeitslos sind, zuerst zu Arbeit zu verhelfen. Eben diese Rücksichtnahme hat das Unternehmertum in immer wachsendem Maße vermissen lassen. Generalsekretär Dr. Fernegg kann-— falls er es noch nicht wissen sollt«— sich bei den Mitgliedern seines Jndu- striellenverbandes die Bestätigung dafür holen, daß sich zwar ein Rechtsanwalt bei der Anstellung einer Bureaukraft nicht danach erkundigt, ob der ! Bewerber Gewerkschafter ist, daß aber zahlreiche lungenen Ueberfall mü Whisky zu verscheuchen. Und während er ein Glas auf das andere trank und langsam anfing, sich wohlzufühlen, erschienen nach und nach noch drei Chinesen, die— ebenso»zufällig" wie Mr. Despart— bei Lo Kong Du zu Gast waren. Dieser Umstand trug dazu bei, die Stimmung zu heben, man unterhielt sich vortrefflich, und schließlich war es niemand anderer als Mr. Despart selbst, der daS glückliche Zusammentreffen begrüßte und— ein Spielchen vorschlug... Als der glutrote Sonnenball weit draußen über dem Meer langsam emporstteg und Lo Kong Nu seinen Dienern bereits Auftrag gegeben hatte, die Gäste nach ihren Zimmern zu geleiten, konnte sich Mr. Despart nicht enthalten, an den Gastgeber noch eine Frage zu richten: »Warum eigentlich, Lo Kong Du, seid ihr gestern zu Bett gegangen, ohne vorher noch ein bißchen gespielt zu haben?" Wieder rann über das fettige Antlitz des Chinesen jenes ölige Grinsen, als er antwortete: »Wir haben auf dich gewartet, Herr." »Wie— du wußtest...?" »Ja, Herr. Chin Poo, der Zahlmeister der »Pegu", hat eS mir gegen zehn Silberdollar verraten." Da schlug Mr. Despart mit der Faust auf den Tisch, daß die Gläser klirrten: »Dieser Sohn einer Hündin I Vorher hat er euch an mich verraten, und dafür fünf Dollar eingesteckt!" Mr. Despart, der ehrenwerte Polizeipräsident von Port Dickson, war ein netter Mensch, mit dem ich(ich war damals Assistent auf einer Gummiplantage) manchen schönen Abend verbrachte. Er hatte nur einen Fehler, den man bei den in Indien lebenden Europäern allerdings sehr, sehr häufig findet: er trank. Und wenn er seinem Körper einmal ein gewisses Quantum Alkohol einverleibt hatte, dann machte seine Welt- und LcbenSanschauung eine Drehung um zirka neunzig Grad, dann verkrochen sich sein Pflichtgefühl und Unternehmer bei der jetzt bestehenden Arbeitsvermittlung sehr häufig diejenigen Bewerber vorziehen, die n i ch t Gewerkschafter sind. Der Fernegg ist Generalsekretär des Hauptverbandes der Deutschen Industrie. Da kann es ihm unmöglich unbekannt geblieben sein, daß es immer häufiger vorkommt, daß die von den Unternehmern Neueingestellten zufällig Anhänger der Sudetendeutschen Heimatfront sind, obwohl anders fachlich geeignete Kräfte, die viel länger arbeits- los find, am Orte wohnen. Dieser kalten Maßregelung der freigewerkschastlich organisierten Arbeitslosen will das neue Gesetz einen Riegel vorschieben und wir verstehen sehr Wohl, daß diese Absicht den Widerstand der Industriellen hervorruft. Dennoch ist ihre Verwirklichung eine, sozialpolitische Notwendigkeit, die keine längere Verzögerung erfahren darf. „Halb-offiziell I“ In der englischen Presse findet sich eine Meldung des amtlichen Reuter-Baros, die man für eine grobe Mysttfikation halten könnte. Wer sie ist echt! Und besagt wörtlich, es sei unwahrscheinlich,»daß Vorbereitungen für offiziell« Vorstellungen hinsichtlich der Errichtung einer deutschen Luftstreitmacht getroffen" werden. Es handelt sich hier um die berüchtigte amtlich-deutsche Mitteilung an verschiedene ausländische Luftattaches, die in Berlin kreditiert find. Diese Mitteilung— so bemerkt der erleuchtete englische Offiziöses— kann»höchsten- als halboffiziell angesehen werden". Die englische Diplomatie darf fich demnach wieder beruhigt schlafen legen. Und such dann weiter schlafen, wenn sich Herr Göring demnächst dreiviertel-offiziell über sie lustig machen wird. Sie hat ja Zett und kann noch warten. Mindestens bis zu jenem Tage, da die Hillerregierung ihre erstklassigen Bombenflugzeuge ganz- offiziell auf die Unbelehrbaren loslassen wttdk Unzufriedenheft der Flamen Brüssel.(AP) Wegen des Verbots einer fla- mischen Kundgebung herrscht unter den Flamen starke Erregung. Im flämischen Lager macht sich überhaupt in der letzten Zeit eine gewisse Miß- sttmmung bemerkbar. Sie fordern, daß die bestehenden Sprachengesetze durchgeführt und die speziell flämischen Wirtschaftszweige, wie die Textilindustrie, di« Fischerei, der Hopfen- und Flachsanbau und di« Hafenbewirtschaftung besser geschützt werden. Außerdem verlangen sie erneut die Amnestierung der Flamen, die im Krieg oder anschließmd an die Kriegszeit verurteilt wurden. .In verschiedenen Fragen, u. a. auch bei dem Protist gegesi K« verbotene Demonstration, gingen die Flamen mü den Sozialisten zusammen. Man ist der Ansicht, daß diese Entwicklung auf die Dauer nicht ohne Einfluß auf die innerpolitische Lage bleiben werde. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Regierung eines Tages nicht mehr mit der vollen Unterstützung der Flamen, die ja in der Katholischen Partei stark vertreten sind, rechnen kann und die Regierungsmehrheit, di« an sich schon durch die Opposition des linken Flügels der Liberalen und des linken christlich-demokratischen Flügels der Katholischen Partei ejne Einengung ihrer Basis erfahren hat, noch weiter abbröckelt. sein StandeSbewußtsein in irgendeinen verborgenen Winkel, und— an Stelle des ernsten, strebsamen Beamten saß ein Kerl da, der keinem Lumpen oder Lotterknaben etwas nachgab. Vielleicht war es diesem Umstand zuzuschre i-. ben, daß er bei den meisten seiner Aktionen von einem ausgesprochenen Pech verfolgt und von sei- ner vorgesetzten Behörde daher nur selten mit anerkennenden Worten beglückt wurde. Obendrein hatte das Pech, das sich an seine Fersen geheftet hatte, die Klebekapazität von zehn Fässern bestem Tischlerleim, und war demnach nicht so leicht ab- zustreiftn. So zum Beispiel hätte die eben erzählte Geschichte mit dem Faustschlag auf den Tisch einen wohl gläserklirrenden, doch endgültigen Abschluß finden können,— wenn ihr trauriger Held es bloß mit einem gewöhnlichen, sagen wir landesüblichen Pech zu tun gehabt hätte. Bei der Zähigkeit der Mr. Despart heimsuchenden Spezialpechsorte sollte eS jedoch noch zu einem fleinen Nachspiel kommen. Zwei Tage nach dem Abenteuer auf Jimah Estate sitzt Mr. DeSpart in seiner Kanzlei. Oeffnct sich die Tür und— wer tritt ein? Chin Poo, der Zahlmeister der»Pegu"! Despart springt auf: „Du el«nder gelber Schurke!" donnert er los.»Du asiatische Sumpfkröte! Du wagst es..".Sj Der Chinese grinst schlau und heimtückisch und zwinkert mit seinen geschlitzten Aeuglein so impertinent,- daß es Despart die Rede verschlägt. Da tritt der Gelbe näher und sagt: „Schimpfe mich r.idfit, Herr. Ich bin nur ge-: kommen, mir die restlichen fünf Dollar zu holen. Du weißt, Lo Kong Nu, mit dem du gestern gespielt hast, hat mir zehn Dollar gegeben, während ich von dir erst fünf erhielt." Was konnte Mr. Despart tun? Der Kerl hatte die Worte„mit dem du gestern gespielt hast". so merkwürdig betont, daß man immerhin glau- i D ben konnte... Nun ja: das Hasardspiel ist von den Engländern leider verbeten und da kann man eben nichts anderes tun, als zablen. So dachte und handelte auch Mr. Despart, im Geiste ganz China, das Spiel und den Also-- hol verwünschend. Seite 6 „Sozialdemokrat"» Der internationale Frauentag,n HZrag findet am Freitag, de« 18. Marz«m 7 Uhr abends im große« Saal der Produktenbörse statt Referentinnen: Deutfeyr<«vseordnete Genossin«rat««, tseyeMiseHr GeEretürin Storfänobä SNitivirkend: Äusendviüsereyor, Gesnnsoeyor, Rezitationen/ Erscheinet zayireiG«nd pilnktiieH PRAQER Gegen das berufsmäßige Bcttelunwcsen. Mittwoch hielt Primator Baxa mit Kanzler Samal und dem Polizeipräsidenten Dr. Dolejs eine Besprechung ab, welche Maßnahmen gegen das sich vermehrende berufsmäßige Bettelunwelen galt. Weiter sollen Vorkehrungen zur Hebung der Sicherheit in den Randbezirken der Stadt, zur Beseitigung unnötigen Lärms und zur Regelung des anwachsenden Auwverkehrs getroffen werden. Tas Innenministerium soll ersucht werden, der Stadt bei der Durchführung dieser Pläne zu helfen. Diebisch« Patientin verhaftet. Die„Dame", die"als Patientin in der Ordination des Prager Zahnarztes F. G. erschienen, von dort mit dem Pelzmantel des Arztes verschwunden war und diesem am nächsten Tag den Versatzzettel auf K£ 15.000 per Post zugeschickt hatte, ist gestern verhaftet worden. Es handelt sich um die 25jährige, hübsche M. H., die bereits eine Vorstrafe hinter sich hat. Erotische Blume. In der Nacht auf gestern um 1 Uhr wurde der 27jährige Schneider Stefan Noväk aus Motol, Nr. 110 auf die Bubentscher Polizeiwachstube gebracht. Er war vom- Gärtner der Firma Strnad überrascht worden, als er eben ein mexikanisches Gingkogewächs aus einem der Beete stahl. Noväk hatte den Beeten bereits mehrere Besuche abgestattet und einen Schaden von KL 4000.— angerichtet. Originell ist, daß er die bei Strnad in Bubentsch gestohlenen Blumen knapp neben der Filiale Strnads in Weinberge verkauft hat. Wie Rodion Raskolnikow. Gestern wurde der 25jährige Selcher Anton Dvorak aus Prag II., Eernä 2, verhaftet, als er einen gestohlenen Wecker zu verkaufen versuchte. Bei dem in der Nähe des Karlsplatzes verübten Diebstahl war er so vorgegangen, wie Dostojewskis Raskolnikow beim Morde an der alten Wucherin; er hatte auf der Stiege das Weggehen der Köchin abgewartet, war dann in die Wohnung gedrungen, hatte sie von innen versperrt und den Schlüssel stecken lasten und war, während die Köchin, die vergeblich versucht hatte, zurückzukehren, um den Schwffer ging, mit dem Wecker, einem Paar Stiefel, einer Flasche Rum und einer Puderdose verschwunden. Ein FtühlingS-Expreßsonderzug nach Knpari wird unter der technischen Leitung der Staatsbahndirektion Prag in den Tagen vom 6. bis 22. April zum Preise von 1100 KL abgefertigt werden. Der Zug nimmt Fahrtteilnehmer in Kolin, Pardubitz, Ehocen, Böhm.-Trübau. Brünn, Lundenburg und Preßburg zu ermäßigten Fahrpreisen auf.- Anmeldungen und Prospekte: Dubrovnickä lazenskä spoleL- noft, Prag H., HavliLkovo näm. 25, Telephon 84406, und Wagon Lits Cook, Prag, Piikopy. Kunst und wissen Polerrblrrt Begrüßenswert diese Wiederaufnahme in den Spielplan. denn in der Gesinnung und Sauberkeit des Librettos wie in der Ehrlichkeit, dem Einfallreichtum, der gutpopulären Zündkraft der Musik des lso unglücklich verschiedenen) Oskar N e d b a l hat „Polenblut" in den zwei Jahrzehnten seiner Existenz nicht viel seinesgleichen gefunden. Und feststellenswert, daß das nach guter Operette anscheinend hungernde Publikum des Prager Deutschen Theaters der„Premiere" einen auffallend guten Besuch abstattete und auch sonst viel Sympathie entgegenbrachte. Beides verpflichtet. Und man hatte dem vorweg Rechnung getragen durch eine gefällige Inszenierung lM o r d o .— Kotulan) und durch die Verve, mit der Kapellmeister Rieger sich aller Aufgaben annimmt. Weniger tüchtig erwies sich di« Regie in der Auswahl der Solisten und in deren schauspielerischen Durchführung; hierin, im Gesanglichen, aber auch in der musikalischen Dynamik und Gefühlsbetonung blieb fast alles im Anlauf stecken. Frau Käthe Walter als Helena zeigte viel Willen und Talent zum soubrettenhaft Temperamentvollen, blieb aber in der Durchführung noch allerhand schuldig. Herr P r e» g e r vermochte durch Nonchalance die geringe Entfal- tungsmöglichkeit nicht wettmachen, die der Graf Ba« ranski dem Sänger bietet, und Lotte Medak als Wanda überstand zwar diesen ihren Ausflug in die Operette ohne Unfall, aber den Stil traf sie zunächst weder in der Haltung, noch in der Prosa, noch im Gesang: das glückte wett bester ihrer Opernkollegin W a n k a, die sich sehr geschickt in eine komische Jung- Alte verwandelt hatte. Insbesondere Herrn Dörner, aber auch Herrn Dudek wußte man Dank für , ihren Humor(der sich allerdings unfreiwillig um „Gesangs"-Wirkung vermehrt). l. g. Arbeitervorstellung„Die Zette« find schwer!", ein Schauspiel von Bourdet, das mit größtem Erfolg erstaufgeführt wurde und ein Theatererlebnis bedeutet. am Sonntag, dem 17. März, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. „Falstaff", die letzte Vorstellung im Verdi- Zyklus, mußte wegen Erkrankung von Fräulein Ko- netzni noch verschoben werden und wird Anfang April nachgeholt. ZEITUNG Bei den Arbeitervorstellungen ist eine R e u- einführung getroffen worden, die vielen Besuchern sicher sehr erwünscht sein wird. Kinder, die im Hanse nicht anwesend fein dürfen oder können, werden im Ballettiaal unter Aufsicht einer Kindergärtnerin bis zum Schluß der Vorstellung betreut werden. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Freüag halb 8: Eine Frau lügt. D 1.— Samstag halb 8: E i n Maskenball, Verdi- zyllus VIH, C 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8: Mädchen für alles, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag halb 8: Gen- t l e m e n, Erstaufführung. Vorträge Frauenbriefe und Frauendichtung »Leben und Kämpfen bedeutender Frauen" lautete das Motto des Abends, an dem Julius Unruh aus Briefen und dichterischen Arbeiten bekannter Frauen las. Das Pro- grannn litt an einer gewissen Dissonanz. Idyllische Poesie a la Droste-Hülshoff neben die Briefe einer Rosa Luxemburg zu setzen, ist ein Unterfangen, das auf Kosten der Einheitlichkeit gehen muß. Unruh ist in erster Linie Schauspieler, nicht Sprecher. Wir haben ihn als plastischen Gestalter grotesker Zeit-Dichtung schätzen gelernt; die zarten Farben lyrischer Impressionen, liegen ihm nicht. Besonders charakteristisch dafür waren die Briefe Rosa LuemburgS. Diesen Briefen war er nicht gewachsen; die tragisch-menschlichen Stellen nahm er effektmäßig-sentimental. Das Repertoire des Abends war bunt, allzu bunt. Neben Cellina v. A r n i m, Lilly Braun und Anette v. Droste-Hülshoff kamen u. a. Clara V i e b i g, Selma Lagerlöf und Else Lasker- Schüler zu Wott. Die hymnisch verttäumten Gedichte der Lasker-Schüler sprach Unruh verständnisvoll, aber ohne jene letzte inttiitive Erfassung, die die diffizile Lyrik dieser Dichtettn ganz besonders verlangt. Der Abschluß des AbendS machte alle Sünde« wieder gut. In einer packenden Novelle Clara Biebigs, der großen Erzählerin, zeigte sich, wo die wahre Begabung des Sprechers liegt,— im Dramatischen! Die Hörer, sichüich ergriffen, dankten mit spontanem Beifall. Pierre. Spart• Spiel• Körperpflege Ein Nachtrag zum Raub der deutschen Arbeitersporteinrichtungen. Die„Enteignung" der deutschen Arbeitersporteinrichtungen im Werte von 100 Millionen Mark ist bereits bekannt. Die Liste ist aber noch zu ergänzen. Der Verein für Leibesübungen in Leipzig hatte sich unter großen persönlichen Opfern seiner Mitglieder ein großes Stadion geschaffen. Neben großen Spielfeldern, Tennisplätzen, Vereinshaus und Kampfbahn wurde noch ein großes Freibad errichtet. Diese Einrichtungen wurden ebenfalls„enteignet". Diese Anlagen wurden nun vom ReicWugendführer von Schirach der Leipziger Hitlerjugend„übergeben". Hoffentlich hat Schirach der Hitlerjugend erzählt, w e r dies« Anlagen errichtet hat und daß die„Enteigneten" keine Kapitalisten, sondern Arbeiter gewesen sind. Sportgesetz in Jugoslawien. Die jugoflawische Regierung hat ein Sportgesetz ausgearbeitet. Nach dem Entwurf muß der Sport auf dem Amateursystem aufgebaut werden. Ein Artikel bestimmt, daß alle sportlichen Veranstaltungen von den staatlichen Banat- und Gemeindetaxen auf Einlaßkarten befreit sind. Die Vereine haben aber zehn Prozent der Bruttoeinnahmen an einen Fonds zur Errichtung von Uebungs« und Spielplätzen abzuführen. Ferner sind sie verpflichtet, ihre Spielplätze den Schulen ohne Entschädigung zur Verfügung zu stellen. Bürgerliche Tennis-Profis nach Sowjrtrußland. Bürgerliche Matter berichten, daß im kommenden Sommer die amerikanischen Profi-TenniSspieler Vines, Lott und Stoeffen in Rußland bei den Studentenspielen einige Schaukämpfe vorführen werden. Eine« neuen Schwimm-Weltrekord erzielt« bei einem Meeting in New Uork der Amerikaner John Higgins über 100 Meter Brust in der ausgezeichneten Zeit von 1:10.8 Min. Den alten Rekord hielt der Franzose Cartonnet mit 1:12.4 Min. Die Fußballsektion des WAC Wien vor der Auflösung. Die finanzielle Situation eines der ältesten Wiener Fußballklubs, des WAC, ist sehr kritisch, denn den Spielern konnte schon seit zwei Monaten keine Gage bezahlt werden. Sämtliche Prosispieler erflärten, noch eine Woche zuzuwarten und sodann den Klub zu verlassen. Die am letzten Sonntag erhaltene 11:2-Niederlage gegen Rapid gestaltete die Lage, wie Meldungen aus Wien besagen, noch kritischer und hoffnungslos für eine Sanierung.— Wie es scheint, geht es mit dem bürgerlichen Sport unter der„ferschtlichen" Oberführung immer mehr abwärts... Völlig verrückt. In Budapest fand Sonntag u. a- das Meisterschaftsspiel FerencvaroS—Bocskai statt. Rach dem Spiele wurden der Schiedsrichter und die beiden Linienrichter verprügelt und leicht verletzt. Das ist beileibe noch nicht alles, was dieses Match herausbeschwor. Zwei Vorstandsmitglieder von Bocskai waren mit den Krittken in zwei Budapester Zeitungen nicht einverstanden und so forderten sie die bettesfenden Redatteure— zum Duell! Nur ein Sieg und kein— Reingewinn? Der Hamburger Boxsieg Schmelings hat die Schriftleiterpresse auch bei uns in Ekstase versetzt. Sie macht daraus einen„großen nationalen Sieg", berichtet von dem„Sturm der Begeisterung", der das Dritte Reich„durchbraust" und zittert mit Wohlbehagen die Glückwünsche der diversen„Führer". Es ist einfach zum Kotzen! Doch in all diesen Begeisterungsrummel fiel anscheinend ein großer Wehrmutsttop- fen. Wie bekannt, war die Arena infolge der nicht „volkstümlichen" Preise— nach unserem Geld« 45 bis über 200 KL!— nicht ausverkauft. Die Gesamteinnahmen sollen zirka 300.000 Mark betragen haben, denen rund 200.000 Mark an Ausgaben gegenüberstehen. Da Schmelings Börse 83.000 Mark und die von Hamas 25.000 Dollar beträgt, und diese Summe gleichfalls zu den Ausgaben zugeschlagen werden muß, so bleibt den Veranstaltern nichts weiter als der Sieg„ihres" Schützlings und das ist auch im heutigen Deuttchland verdammt wenig. Was aber diesen polittschen Markschreiern vom Herzen vergönnt seil Marija Strelkova, die hervorragend« Schauspielerin des Moskauer Operettentheaters, spielt eine der Hauptrollen in dem russischen Film„Die ganze Welt lacht". Kuß im Schnee Die beachtliche Tattache dieses heimischen Films (dessen tschechische Fassung in einer Sonderausführung gezeigt wurde): daß er. obgleich«in« deutsche Version von ihm hergestellt wurde, sichtlich nicht nach dem Diktat der Berliner Filmherren besetzt ist. Er kommt aus dem neuen Prager Atelier in Hostivar, dessen ton- und bildtechnische Möglichkeiten, nach diesem Produkt zu urteilen, durchaus auf der Höhe sind. Walter Tau b. in einer Haupttolle, ist als hoffnungsvoll fähiger, lustig beweglicher Filmschausvieler entdeckt. Mit einer liebenswürdigen und behaglichen Komik, wie sie Hermann Thimig in seiner besten Zeit hatte, belebt er die Gestalt eines ungeschickt Eifersüchtigen. Noch etwas unsparsam mit Gesten und Akzenten, noch etwas unsicher in der Abschätzung des filmisch Wirksamen,— aber in diesem Ensemble von Mittelmäßigkeiten der einzig Heitere und Ueberlegene. Der Rest ist unbeachtlich: die mehr als primittve Handlung, di« davon lebt, daß ein Filmschauspieler eine kleine Angestellte für eine reiche Gutsbesitzerin hält, daß der eifersüchttge Chef das Liebesidyll vergeblich zu stören versucht, daß eine verschrobene ältere Dante sich ebenso vergeblich Hoffnungen auf den Schauspieler macht und daß ein Hoteldirektor allerhand Verwirrung anrichtet. Der Regisseur Bino v e c hat die Einfalt dieses Geschehens eher unter- sttichen als gedämpft. Er hat zwar noble Inneneinrichtungen und ein paar hinlänglich bübsche Wintersportaufnahmen laus der Johannisbader Gegend) beigesteuert, aber die Darstellung hilflos sich selbst überlassen und durch keine Einfälle belebt. Wenn das Liebespaar, das aus der kraß dilettierenden Joika Koldovskä und dem flawischen Willy Fritsch- Jmitator R. W o n k a besteht, nicht mehr weiterkann, dann läßt es die Regie langweilige Lieder singen.— und auch sonst hört man mehr schlechte Musik als man selbst von Filmkomponisten gewöhnt ist. Film-Beratungsstelle. In der verflossenen Woche wurden folgende Filme zur Einfuhr in die Tschecho- flowakei freigegebcn: ein deutscher Film„Winter- Einladung zur Generalversammlung des Bezirksvereines Arbeiterfürsorge Prag am 29. März 1935, um 8 Uhr abends im Verein deutscher Arbeiter, SmeLka- gasse 27. Tagesordnung: 1. Protokollverlesnng. 2. Berichte. 3. Wahlen. 4. Freie Anttäge. Einberufcr: Maria Deutsch, Hilde Fra« zek. Vorsitzende. Kassierin. nachtsttaum"(Moldavia-Film). fünf amerikanische Filme„Fremde Frauen".„Von abends bis Mitternacht"(Paramount),„Liebling",„Mein Freund, der König" und.Jahrhundert in Flammen"(Fox- Film) und ein französischer Film„Llliom"(Fox- Film). „Napoleon Bonaparte"»nd die Ton-Prrsptttivr. Der in den Ateliers von Jonville von Abel Gance inszenierte Großfilm„Napoleon Bonapatte" wird bereits mit dem neuen Ton-Perspektiveverfahren ausgestattet sein, das eine plastische Wiedergabe des Tons ermöglicht und so den Eindruck der Wirklichkeit noch erhöht. Die Prager Uraufführung dieses Films findet noch in dieser Saison statt. „Der Sturm" freigegebe«. Der russische Espo- Frlm„Der Sturm" wurde von der Prager Fibm- zensur zur öffentlichen Vorführung freigegeben. Greta Garbo als Anna Karenina. Die MGM hat den Regisseur Clarence Brown mit der Inszenierung des Tolstoi-Romans„Anna Karenina" be- traut, in dessen Titelrolle Greta Garbo zu sehen sein wird, Re schon seinerzeit in der Rolle in demselben Stummsilm gespielt hat. Die männliche Hauptrolle spielt Frederic March. „Variete" mit Hans Albers«nd Annabell». I« Joiiwille bei Paris werden stnter der Spielleitung von N. Farkas die Aufnahmen für den Hans AlberS-Film der Moldavia„VarietL" mit Annabe l l a, Attila Hörbiger, Karl Ettlinger, Ernst Rotmund und Else Reval in deutscher und französischer Fassung fortgesetzt. Aus der Partei Bezirksorganisation Prag.(Sektion der Buchdrucker.) Gemeinsam mit dem Klub deutscher Buchdrucker in Prag veranstalttt di« Sektion Sonntag, den 17. März, um halb 10 Uhr vormittags im Kleinen Saale des Handwerkervereinrs in Prag II- einen Vortrag des Genossen Dr. Strauß über„Drei Wochen in Sowjet» r u ß l a n d". Ihre Blumen dürsten »ach dem gutem Blurnen-Zauberdung 1 Paket mst Postzusendung Kd VV0 durch Verwaltung„Frauenwelt". Prag XIL, Fochova 62 Urania-Kino, Klimentshä 4. Fernsprecher 61628. Ab g-rritaa: „Turandot“ Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab...... 1935 das täglich erscheinende Zenttalorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „Gosiol&ettiotrat" Verwaltung Prag XU., Fochova tt. 62, zum Preise von 16 KL monatlich, und sende diese« Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name: Genaue Adresse:,,, Letzte Post: Unterschrift:....... a. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung mS Haus oder der Bezug durch die Post monatlich KL 16,—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 96— ganziäbrig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele- qrapbendirektton mit Erlaß Nr. 13.800/VH/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis" Druck- Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag.