Nr. 64 15. Jahrgang Samstag, 16. März 1935 UNTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Hanum« 70 Hrtw (•imcMMNM I IM« Md ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TXGUCH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xsl, fochova«2. mvoa mA HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAU*. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS. PRAG. Rot-grüne Koalition Kabinett Mowlnckel zurückgetreten in Norwegen Oslo. Die liberale Regierung Mowinckel in am Freitag zurückgetreten. Der Rücktritt erfolgte» nachdem das Storting ein« Resolution angenommen hatte, in welcher erklärt wird, daß das Storting jede Budgeterhöhung ablehne, die zu einer Steuererhöhung führen würde. Diese gegen die Regierung gerichtete Resolution wurde mit 94 gegen 55 Stimmen angenommen. Die Mehrheit für die Resolution setzte sich aus der Arbeiterdartei und de« Agrariern zusammen, deren Führer erklärten, daß sie zu der allgemeinen Politik der Regierung kein Brrtrauen besitzen. Die neue Regierung wird, wie bereit- gemeldet, von der Arbeiterpartei gebildet werden. Ihr Borsitzender wird der bisherige Storting- Präsident RygaardSvold sein. Zweijährige Dienstzeit In Frankreich eingeführt Deutschland wird nächstes Jahr 600.000 Soldaten haben Steigen der Ausfuhr der CSR In den ersten zwei Monaten 1934: 846 Millionen, in den ersten zwei Monaten 1935: 995 Millionen K6 Das Statistische Staatsamt gibt soeben eine Liebersicht über den Außenhandel der ESR im Feber 1935 ans. Danach betrug die Einfuhr in dem genannten Monat 415,020.000 Kc(im Feber 1934 506,051.000 Kc), die Ausfuhr 519,081.000 KL(450,237.000). ES ist also die Einfuhr im Feber 1935 geringer, die Ausfuhr jedoch größer als im selben Monat des vergangene« Jahres. Die Folge davon ist, daß im Feber 1935 die Handelsbilanz mit 104,061.000 KL aktiv ist, während sie im Feber 1934 mit 55,814.000 KL passiv war. In de« beiden erste» Monate« des ZahreS 1935 betrug die Einfuhr 830,006.000(in derselben Zeit des Dor- jahres 881,830.000), die Ausfuhr 995395.000(845391.000). Auch hier zeigt sich also, daß die Einfuhr zurückgegangen, die Ausfuhr, und zwar in immerhin beachtlicher Weise, gestiegen ist. Vie Sieger richten sich ein Kammerauflösung und Aufhebung des Senats Athen. Die Regierung hat eine Reihe einschneidender Maßnahme« beschlossen. Die Kammer soll aufgelöst werden, da die meisten Abgeordnete« der Opposition wegen ihrer Teilnahme an dem Aufstand verhaftet wurden oder geflohen sind. Dem Senat wird verboten, sich z» versammeln, weil die Mehrheit der Senatoren Anhänger, von Benizelos ist. Später soll der Sen« durch einen Beschluß der Rationalversammlung, dir zwecks Abänderung der Verfassung einberufen werde« soll, überhaupt aufgehoben werden. Ferner ist in Aussicht genommen, alle„reaktionären", d. h.»enizelistischen Beamten, besonders die höheren, aus den Ministerien und den Banken, sowie aus Heer, Marine und Luftfahrt zu entlassen, kurzum all« Dienste von ungeeigneten Elementen z« reinigen. Die Kriegsgerichte beginnen am Montag ihr« Berhandlungrn gegen die Aufrührer. * ■; Das griechische Preßbüro erklärt die Nachrichten, welche besagen, das in Griechenland eine Monarchistische Bewegung im Gange sei, als unzutreffend. Kriegsminister General KonLylis erklärte in einer Unterredung dem Sondervertreter des„Eve- »ing Standard" in Athen:„Solange ich hier sitze, kann niemand daran denken, daß König Georg von Griechenland zurückkommt." Auf die Frage, ob Aufständische erschossen Kurden, antwortete Kondhlis:„Ich bin kein Sultan mit Gewalt über Leben und Tod. Sie .werden bestraft werden. Aber die Regierung hat Nicht den Wunsch, Blut zu vergießen." Absolutismus In Polen Weitreichende« Ermächtigungsgesetz für den Präsidenten Warschau. Der Rechtsausschuß des Sejm hat me Debatte über das von der Regierung einge- drachte Ermächtigungsgesetz durchgeführt. Auf Grund dieses Gesetzes wird dem Präsidenten der Republik für die Dauer der paxlamentslosen Zeit das Recht zuerkannt, Verordnungen und Dekrete wit sofortiger gesetzgeberischer Kraft zu erlassen, ^ie Vertreter der gesamten oppositionellen Partien sprachen sich scharf gegen das Gesetz aus. I Pari s.(Havaß.) Ministerpräsident F l a n d i n verlas in der Kammer und der Justizminister im Senate dir Regierungserklärung über die vorübergehende Verlängerung des Militärdienstes. IN dieser Erklärung heißt es: Indem die Regierung den Schwierigkeiten in Verbindung mit der Schwächung der Jahrgänge der Wehr- ^>flichl«gen,»i« während de» Kriege» geboren wurden, begegnen wollt«, beschloß sie, auf Grund des Artikels 40 des Gesetzes vom 31. März 1928, das im April 1935 zmn dienst berufene Kontingent um sechs Monate und die Jahrgänge vom Oktober 1935 bis zum Jahre 1939 einschließlich um ein Jahr länger im Militärdienst zu belassen, es sei denn, daß inzwischen Maßnahmen zur Organisierung der Sicherheit und zur Beschränkung der Rüstungen getroffen würden. Außerdem wurde ein Gesetzentwurf eingebracht, der die Regierung zur sukzessiven Herabsetzung des Alters der Einberufung zum Militärdienst bis zum zwanzigsten Lebensjahr ermächtigt. Der Ministerpräsident führte in seiner Rede hiezu aus, daß infolge des Rückganges der Geburten in den Jahre» 1914 dis 1918 die Zahl der zu den Assentierungen Berufenen von der Normalzahl von 230.000 auf 118.000 gesunken ist. Die neue Regierungsmaßnahmr, erklärte der Ministerpräsident, zielt auf die Erhöhung des Effek- tivstandes ab und hat bloß ein Ziel, nämlich den Rückgang der Kontingente auszugleichen. Als das Gesetz vom 31. März 1928 verkündet wurde, das die Grundlage der französischen Militärorganisa- tion bildet» bestand die Hoffnung, daß, noch bevor die Periode der an Wehrpflichtigen armen Jahr- gänge eintreten würde, die internationale Sicherheft und die Rüstungen beschränft und herabge- setzt werden. Dies« Hoffnung hat sich aber nicht verwirklicht, ja mehr als das, Deutschland hat den Völkerbund verlassen und r ü st e t unter Mißachtung seiner Verpflichtungen aus dem Versailler Friedensvertrage in großem Maßstabe. Frankreich und Großbritannien werden diese unbe- Belgrad. Der neue italienische Gesandte di Cambalo hat Freitag seine Beglaubigungsschreiben überreicht. Bei dieser Gelegenheit erklärte er: Meine Tätigkeit ist auf die Stärkung der ttalienisch-jugoflawischen Annäherung gerichtet. Ich bin berechtigt, zu wiederholen, daß Italien gegenüber Jugoflawftn•« u r freundschaftliche Gefühle hegt und nicht im Sinne Hatz die Entwicklung Jugoslawiens zu tangieren-der dessen territoriale Integrität anzugreifen. Italien strebt danach, eine Zusammenarbeit und ein Ein- rechtigten Rüstungen niemals anerkennen., Nach den allgemein bekannten deutschen Pläne« wird Deutschland im'Ja hre 1936 wenig st e n s 660.000 Soldaten, Frankreich a b e r n u r 208.000 haben. Auch wenn zu diesen 208.000 Mann die 72.000 Mann der mobilen Wehrmacht, die die Reserve für die überseeischen Abteilungen bildet, hinzngerechnet werden, ist der Unterschied doch noch sehr groß. Frankreich wird seiner Friedenspolitik treu bleiben. Es hat vor kurzem die Staaten, von deren Vorgehen zum größten Teil das allgemeine Gefühl der Sicherheit oder Unsicherheit in Europa abhängt, aufgefordert, sich im Rahmen des Völkerbundes an der Organisierung von Regionalabkom- mrn über die gegenseitige Hilfeleistung gegen einen Krieg zu beteiligen. Die französische Regierung konstatiert aber, wie dies die Regierung Großbritanniens in ihrem dieser Tage veröffentlichten amtlichen Dokument getan hat, daß noch ein weiter Weg ist, bevor man von einer vollkommenen Sicherheit wird sprechen können. Die Erklärung Flandins wurde von der Kammer unter vollkommener Stille angehört und zeitweise von Beifall begleitet. Besonders der Passus über die großen Rüstungen Deutschlands wurde von den Worten„Hört, hört" und von lautem Beifall begleitet. Als erster Interpellant ergriff der Deputierte Leon Blum das Wort, der jedwede Erhöhung des Militärdienstes a b l e h n t e.— Insgesamt find zehn Redner angemeldet. Um 22 Uhr trat die Kammer zu einer Nachtsitzung zusammen, in der sie den Regierungsentwurf zu Ende beraten wird. Es besteht kein Zweifel darüber, daß die Regierung eine.große Mehr he ff erhalten wird. Der Radikale Klub, der am Abend neuerlich zusam- mentrat, beschloß mit 27 gegen 11 Stimmen bei 15 Stimmenthaltungen, für den Regierungsentwurf zu stimmen. Daladier, der gegen die Dienstzeiterhöhung ist, geriet neuerlich mit Herriot sehr scharf aneinander, unterlag aber schließlich. vernehmen ans politischem und wirtschaftlichem Gebiets z« erreiche«. Prinzregent Paul antwortete: Die Mission, mit der Sie betraut wurden und die a u s d r ü ck- liche Erklärung des Ministerpräsidenten Mussolini, daß Sie in Ihrer Eigenschaft als Belgrader Gesandter um eine Annäherung zwischen unseren beiden Ländern bemüht sein werden, um eine herzliche Zusammenarbeit und ein Einvernehmen auf wirtschaftlichem und politischem Gebiete zu erreichen, entspricht allzu sehr unseren Gefühlen, als daß Sie nicht versichert sein könnten, daß Sie bei Ihrer Mission unsere Sympathien hier begleiten werden. Italienisch-jugoslawische Annäherung? Bedeutsame Erklärungen des neuen italienischen Gesandten England und Indien Während sich die englische Politik bemüht zeigt, in Europa die traditionelle Vermittlerrolle zur Auftechterhaltung eines im gegenwärtigen Augenblick ebenso trügerischen wie gefährlichen kontinentalen Gleichgewichts weiterzuspielen, sieht sie sich weitab von Europa vor ein Problem ge- stellt, das ihr offensichtlich viel ernster und entscheidender ist. Es geht um die Aufgabe, JndAn heim englischen Weltreich zu erhalten und die Unruhe zu beenden, die fest Jahren die englische Herrschaft über dieses von 300 Millionen Menschen bewohnte Gebiet erschüttert. Das Problem ist nicht nur wegen, dieser riesenhaften zahlenmäßigen Ueberlegenheit der Eingeborenen über die ftemden Beherrscher unerhört schwierig^ es kompliziert sich noch dadurch, daß die Opposition der indischen Bevölkerung aus sehr verschiedenen Richtungen kommt— und daß England bisher seine Vorherrschaft in Indien nur dank der Rivalität dieser Richtungen auftecht erhalten konnte. Die von Gandhi eingelettete und vom Nationalkongreß unter Nehrus Führung fortgesetzte na« tionalrevolutionäreBewegung der Hindus ist nicht nur gegen England, sondern a u ch gegendieindischenMohamme- d a n e r gerichtet, die erbitterte Feinde der Hindu- Religion find. Die gemeinsamen Gegner jeder indischen Freiheftsbewegung aber sind seit jeher die indischen Fürsten, jene hundert Schahs und Maharadschahs, die das Fortbestehen ihrer sagenhaften Reichtümer und ihrer autokratischen Herrsche rma<^ der englischen Unterstützung verdanken« Wer obgleich die englische Kolonialpolitik die Rivalität in Indien immer sehr geschieht gegeneinander auszuspielen verstand, hat sich die Lage in Indien nach dem Kriege doch immer mehr als unhaltbar erwiesen. Daß Gandhi eine Massenbewegung entfesseln konnte, zeigte, wie einflußreich die Schicht bereits geworden war, der er angehört; die Schicht der europäisch gebildeten indischen Intelligenz, die von Europa nicht nur das nationale Bewußtsein, sondern auch die Organisation gelernt hat— und damit noch die religiös-fanatische Leidensfähigkeit verbindet, die im Indien der Fakire und Buddhisten zuhause ist. Heute handell es sich bereits darum, Indien eine eigene Verfassung zu geben. Der erste Schritt dazu wurde vor drei Jahren mit der Round Table-Konferenz in London gemacht, die ohne befriedigende Ergebnisse' blieb, dann folgte der Simon- Bericht, der die Bedingungen für ein Verfassimgsstatut klären sollte, das für die englische Regierung ebenso annehmbar wäre wie für die verschiedenen indischen Gruppen, und nun hat Baldwin dem englischen Parlament einen indischen Verfassungsentwurf vorgelegt, der das„Kaiserreich" Indien m einen unter englischer Pattonanz stehenden Föderativstaat mit einem B.u n-- desparlamentin Delhi umwandeln will:' Um diesen Verfasserngsentwurf ist in England und in Indien ein heftiger Streit enübrannt» der die an sich schon auf schwachen Füßen stehende' englische Regierung noch mehr üls Gedränge gebracht hat. Auf der einen Seite lehnt der indische Rationalrat den Baldwin-Entwurf als Halbheit ab, weil er mit seinen Einigungstendenzen die Wsicht verbindet, die Macht der indischen Fürsten aufrechtzuerhalten und die englische Zentralregierung als entscheidende letzte Instanz noch stärker als bisher zu machen, und auf der anderen Seite haben die indischen Fürsten einen Protest gegen den Berfaffungsplem beschlossen, weil sie v«L ihm eine Unterminierung ihrer bisherigen Stellung befürchten. Sie erklären es für unannehmbar, daß die Zentralregierung das Recht haben soll, einen von ihnen abzusetzen, aber darüber hinaus erscheint ihnen der gesamte Entwurf mit seinen parlamentarischen und föderalistischen Neuerungen offenbar verdächtig und überflüssig. Ganz auf denselben Standpunkt hat sich auch ein Teil der englischen Konservativen-gestellt. Es sind die sogenannten„Diehards", die Erzreaktionäre der Partei, die unter Churchills und Balfours Führung dem Parteichef Baldwin den offenen Kampf an-, gesagt haben, worauf sich Baldwin entschlossen hat, die indischen Fürsten zu einer Aussprache nach London einzuladen, um die„Mißverständnisse" aus dem Wege zu räumen. Es ist vorauszusehen, daß die Verhandlung mit den indischen Fürsten zu einer Rückwärts- revidierung des Verfaffungsenttvurfs führen Seife 2 SamStag, 16. März 1935 fc.BI Arbeitslosigkeit in Nordböhmen im Feber unverändert Langsame Besserung In den Hauptberufsgruppen gegen das Vorjahr Die Sanlerungsvorlagen i Am Dienstag abschließende Beratungen Mit der Sanierungsvorlage für die Selbst« verwaltungskürper beschäftigte sich am.Freitag da- Subkomitee des Dudgetausschuffes in Anwe- senheit des Innen- und FinanMinisterS. Die Vorlage wurde im Prinzip genehmigt. Da jedoch über einige Paragraphen noch keine Einigung erzielt wurde, wird eine Koalitionsberatung in Anwesenheit der Reffortminister amDiens- tag vormittag sich mit diesen Punkten zu befassen haben. Für nachmittag 8 Uhr ist dann wiederum das Subkomitee einberuscn, um auch diese restlichen Paragraphen zü genehmigen, worauf die ganze Vorlage am Mittwoch um 9 Uhr früh in daS Plenum deS Ausschusses kommen wird. Falls dieser Fahrplan eingehalten, wird, so könnte der Ausschußbericht über die Sanierungsvorlage bereits in der nächsten Parlamentssttzung aufgelegt werden. Damit hätte das Abgeordnetenhaus für die nächste Zeit Wieder reichlich Arbeit. wird.Die englischen Sozialisten, die ihn von vornherein als unzpreichendes Kompro- rntßwerk bekämpft haben, seheN damit ihre Bedenken doppelt, bestätigt. Sie weisen schon seit Jahren daraufhin, daß es notwendig ist, Indien genau so wie Kanada und Südafrika die S e l b st- verwaltungsrechte eines Domini o n s zu geben und statt der bisherigen Politik, die sozialen, religiösen und territorialen Gegensähe zu konservieren, eine großzügige Politik zu üben, die das indische Volk in den Stand seht, feiste Zerriffenheit und Rückständigkeit selbst zu überwinden. Rur so werde man die Achtung der Inder erwerben und der Gefahr vorbeugen, Indien in absehbarer Zett völlig zu verlieren. Daß diese Gefahr in letzter Zeit immer be- drohlicher wird, ist nicht zu bestreiten. Sie kommt nicht aus Indien allein. Sie droht vom Osten her, wo Japan und China jetzt in verdächtiger Gemeinsamkeit von ihren panasiatischen Zielen reden. Mit einer verzweifelten, aber— wie die englischen Sozialisten meinen— verspäteten Eile bemüht sich die englische Regierung jetzt, mit Amerikas Hilfe Thina eine Anleihe zu verschaffen, um es so noch im letzten Augenblick aus der Bindung an Japan zu lösen. Und mit auffallender Hast läH das englische Marineamt die Befestigungen von Hongkong verstärken, um so den militärischen Stützpunkt im Fernen Osten für den Ernstfall vorzubereiten. Man wird sich bei den nächsten Schritten der englischen Außenpolitik in Europa immer vor Augen halten muffen, mit welchen Sorgen sie nach Osten blickt. Es kann leicht geschehen, daß sie unter dem Druck der japanischen Gefahr ihre Reu- tralitätsillusionen sehr schnell aufgeben muß, wenn sie erkennt, daß die Verschwörung zwischen Berlin und Lokio sich nicht gegen Rußland, sondern schließlich auch gegen den empftndlichsten Punkt des englischen Weltreichs richtet. Schon hat der Präsident der Südafrikanischen Union, General S m u t», erklärt, daß die englischen Dominions der gelben Gefahr gegenüber nicht neutral bleiben können. Schon gibt e» in England Politiker, die der Regierung vorwerfen, daß sie die Ge- fahr zu spät erkenne. ES wird auch für Europa diel davon abhängen, wozu sich die englische Regierung entschließt, wobei freilich die Frage offen bleibt, ob sie überhaupt noch stark genug zu Entschlüssen ist. In den 47 BezirkSanstallen für allgemeine unentgeltliche Arbeit-- und Dienfivermittlung für Nordböhmen waren im Feber zusammen 8947 Arbeits- und Dienststellen und 170.813 Bewerber und Bewerberinnen um Stellen angemeldet. Die Lage in den Industriezweigen hat sich wesentlich nicht geändert, öffentliche Arbeiten, d. h. Jnvesti- tiöns- und Notstandsarbeiten konnten zufolge der Witterung noch nicht durchgeführt werden und um die Wintergelegenheitsarbeiten— wie Eisgewinnung und Schneeabtragung— meldeten sich überall, viele Bewerber direll an der Arbeitsstelle. Auch sonst bleibt die direkte Nachfrage der Bewerber und Bewerberinnen weiter stark und ist es daher nicht möglich, den ArbeitSmarll in den öffentlichen Ar« beitsvermittlungSanstaüen so zu erfassen, wie dies im Interesse der angemeldeten Arbeitslosen sowie der genauen Evidenz und Kontrolle derselben notwendig und wünschenswert wäre. Die Anzahl der angemeldeten gänzlich Arbeitslosen ist im Laufe des Monats Feber in Nordböhmen von 144.456 auf 144.517, also nur um 61, d. i. um 0.04 Prozent, gestiegen, im Fsber des Vorjahres um 1285, d, i, um 0.84 Prozent, im Feber 1988 um 7262, d. i. um 4.02 Prozent, und im Feber 1982 um 9758, d. i. um 6.48 Prozent. Auch die Gesamtzahl der Angemeldeten ist Heuer niedriger, als in den letzten Jahren, und zwar um In Nummer 5 der»Lehrerinnenzei- tung" vom 5. März d. I. ist ein Bericht der Schriftführerin Frau Emma Rott über die Hauptausschußsitzung vom 24. Feber in Teplitz- Schönau enthalten. Darin heißt eS u. a.: »Den Runden wird nochmals nahe gelegt, das soziale Werk: Sudetendeutsche BolkShilfe zu unterstützen, da daS Hilfswerk„Demokratie für die Jugend"« i ch 1 d i e erwartete Durchschlagskraft erwieS." Die Sudetendeutsche Volkshilfe ist eine ausgesprochen a n t i m a r xi stische, d. h. parteiisch eingestellte Fürsorgeeinrichtung, die auf Kosten der neutralen gemeindlichen Fürsorgeaktionen und deS überparteilichen Hilfswerkes„Demokratie iür die.Jugeyd" geht." Die Verwaltung der Spenden und Ihre Verteilung ist den letzgenannten Organisationen erfolgt öffentlich und unter Kontrolle aller Parteien. Bei der Sudetendeutschen Volk-Hilfe fehlen alle diese Voraussetzungen, die eine gerechte Verteilung der Spenden an alle Bedürftigen ohne Ansehen ihrer politischen und weltanschaulichen Gesinnung ermöglichen. Soweit man einen Einblick in die Sudetendeutsche VolkShilfe bekommen konnte, sind die Träger dieser Aktion vorwiegend Anhänger der aufgelösten Parteien, bzw. der Sudetendeutschen Heimatfront. AuS diesen Kreisen kommen gewöhnlich auch jene Angriffe, welche die Beseitigung der Frau auS dem öffentlichen Leben und aus den Staatsstellungen fordern. (Siehe Deutschland.) 9874, d. t. um 6.09 Prozent als im Feber 1984, um 44.226, d. i. um 23.41 Prozent als im Feber 1933 und um 15.795, d. i. um 9.85 Prozent als im Jahre 1932. Bon der Gesamtzahl der Arbeitslosen im ganzen Staate, d. i. 834.577, entfallen auf Nordböhmen 17.81 Prozent. Die langsam, aber doch fortschreftende Besserung der Lage zeigt sich in den Zahlen der Arbeitslosen der Hauptberufsgruppen für den Monat Feber der Jahre 1985, 1984 und 1988, wo z. B. in der Glasindustrie 16.493, 21.628 urst> 26.895 Arbeitslose zu verzeichnen sind, in der Metallindustrie 13.579, 14.880, 18.464, in der Textilindustrie 24.184, 26.389, 31.360, im Baufache 17.759, 18.437, 22.778, bei den Hilfsarbeitern 21.528, 22.136, 26.855 ustd bei den Tagesarbeitern 12.296, 12.584 und 15.852. Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkte Ware günstiger gewesen, wenn es möglich gewesen wäre, mit den Notstandsarbeiten, für welche bereits vom Ministerium für soziale Fürsorge aus dem Titel der produlliven Arbeitslosenfürsorge Beiträge bewilligt wurden, anzufangen. Die Beiträge im Gesamtbetrags von 4,105.900 Kd wurden bis Ende Feber für 91 Notstandsarbeiten bewilligt, bei benen 5400 Personen Beschäftigung finden können. Bei der ungünstigen Witterung konnte jedoch mit diesen Arbeiten nich4 begonnen werden. Da sich seit vielen Jahren die Mitglieder des „Zentralvereines" in sachlichen und persönlichen Angelegenheiten a n« n S wenden, erblicken wir in dem obigen Beschluß deS Haupwusschuffes eine parteiische Stellungnahme gegen die Sazialdemo- tratie, der die Lehrerinnen alle RachkriegSerfolge wie z. B. Gleichstellung der Lehrerinnen mit den gleichstusigen Staatsangestellten, Aufhebung des Zölibates, Mutterschutz, Artikel IV und 8 10 des Kleinen Schulgesetzes u. a. m. verdanken. Hier gilt eS daher» Klarheit zu schaffen. Wollen die Lehrerinnen, daß die Unterzeichneten, bzw. die sozialdemokratischen Abgeordneten, weiter ihre Interessen vertreten, dann muß sich die Leitung deS„Zentralvereins" entscheiden, welche« Weg sie gehen will,»b für»der argen die Sozialdemokratie. Die oft gehörte Behauptung, daß die L8H eine„neutrale" HilstMch» sei, lehnen wir in der Antwort auf unsere offene Anfrage von vornherein ab! Fanny B l a t n y. Irene K i r p a k. Der Senat erledigte am Freitag die Steuerbefreiung der Widmungen für das„T. saryk-Jnstitut". In der Tratte sprach lediglich eine Kommunistin, die sich zumeist mit ganz anderen Dingen befaßte. Ihre Ausführungen verfielen zum Teil der Konfiskation. Nach 18 Minuten war die Sitzung beendet. Nächste Sitzung Dienstag, den 19. März, um 15 Uhr. Tagesordnung: Verbot von Zugaben beim Warenverkauf und eine Immunität. Offene Anfrage an den Hauptaunchuß des Zentralverelnet der deutschen Lehrerinnen In Böhmen Ein Hitler-Minister fliegt In Bat> ern hat sich ein schwerer ministerieller Zwischenfall ereignet. Der bayrische Wirtschaftsminister Esser, einer von der„ältesten Garde" Hitlers, ist„in ürlaub" gegangen worden, wett er selbst für den Rationalsozialtsmns nicht mehr tragbar war. Ester ist ein n o t o r i s ch e r S L n- fer, der schon unzühlige Male sinnlos betrunken von Polizei oder SS nach Hanse geschafft werde« mutzte. An einem der Karnevalstage ist der repräsentative Herr ins Münchener Hofbräuhaus gekommen und hat irn Alkoholrausch die w ü st e st e n E r» zess« begangen, Gäste und Kellner angepöbelt und insultiert, Ge sch irrzer sch lagen nnd schließlich versucht, de« Speisenträger« B i e r in das Essenz» gießen. Es gebt sogar in München das Gerücht um, daß Ester— im höchsten Stadium des Animiertseins— versucht habe, seine 9e* dürfniffe mitten in den Saal z« erledigen. Dies und«och viel mehr erzählen sich di« Münchener von ihre«„Führer" Ester. Tatsache ist jedenfalls, daß Ester auf eine direkte Beschwerde des Besitzer- des Hofbräuhauses hin '— der auch ei« alter Nationalsozialist ist— den Laufpaß bekomme« hat. Hsinka gegen die tschechische BoMpartei. Dee „Sloväk""vom Freitag polemisiert In scharfer Weise gegen den klerikalen Brünner„D en" und die Leitung der tschechischen Volk-Partei: Mit dieser Partei sollten wir eine katholische Konzentration oder einen Block schließen. Diese Leute hatten das Gewissen, uns ein Jahr lang an der Nase herumzuführen, der ganzen Welt öffentlich vorzulügen, daß sie für die katholische Zusammenarbeit sind. Zum Schluß sagen sie, daß die tschechische Volkspartei ihre ganzstaatliche Einheit nicht aufgeben kann und sie niemals aufgebeü wird. Darauf haben wir nur eine Antwort, daß wir niemals unser Volk und unsere slowakische In- dividualität Preisgeben werden. ^dWwnaihlftij/^ Roman von Pritt Rosenfeld Revolution in Ypsilon, der Sender schweigt, der Lichtstrom ist verebbt, daS Telephon verstummt, eine Brücke gesprengt, aber hier fließt Champagner, hier wird getanzt, Dutzende leere Flaschen unter dem Lisch, junge Mädchen, manche halbnackt, Kerzenlicht, Kartenspieler— wohin sind sie geraten? Eine Mauer wächst zwischen den Neuangekommenen und den Passagieren des Schnellzugs aus dem Boden; aber schon fliegen Wort« über die Mauer, dieser fragt, jener hilft einen Koffer hereinschleppen, die einen grüßen zögernd, die andren fluchen laut, und ehe eine Viertelstunde verflossen ist, fitzen sie alle in hastigem, flackerndem Gespräch. „Man sagt, die Garnison von Npfilon hat gemeutert, well sie auf das voll schießen sollte." „Man erzählt, die Telephonzentrale flog m die Lust, die Elektrizitätswerke sind im ganzen Lande stillgelegt, in den Städten auch die Wasser» leitungen." „Er ist eine Verschwörung. In jeder Stadt gibt eS ein geheimes Komitee, das di« Terrorakte leitet." „Es ist nur der Anfang, heißt eS", sagte ein alter Mann.„Morgen soll die Burg in Apsilon in die Luft gehen und die RegierungSgebäude in allen Provinzstädten." „Die Burg brennt schon, erzählte man." „ES ist nicht wahr. Gerüchte. Man erzählte auch, daß die Kirchen in Npfilon brennen. Alles Gerüchte." „Alle Eisenbahnlinien sollen morgen betriebsunfähig gemacht werden", sagt««ine Frau, deren ledernes Gesicht hundert Falten hatte. „Kein Autobus soll verkehren, keine Straßenbahn mehr." „Generalstreik! Das ist der Generalstreik!" schrie Herr von Ebel. „Dann sitzen wir hier fest? Für ein paar Tage vielleicht?" „Wir sitzen hier fest", sagte ein junger Mann, peinlich nach der Mode gekleidet, eine Aktentasche im Arm.„Gibt es hier wenigsten- ein annehmbares Hotel?" „Einen Gasthof gibt«S. Er hat ein paar Fremdenzimmer." „Muß ich mir gleich ansehen", sogt« der junge Mann.„Kann mir jemand den Weg zeigen?" „Ich gehe später ins Dorf hinunter", sagte der Alte.„Ich führe sie hin." „Ist hier geschossen worden?" ,^kin paar Schüsse haben wir gehört", sagte der Arzt. „In der Stadt steht Militär an allen Straßenecken. Die Stadt ist dunkel. Kein Mensch wagt sich auf die Straße. Die Leute haben die Lebensmittelgeschäfte gestürmt. Sie versorgen sich mit Essen und verbarrikadieren sich in den Wohnungen." „Gegen wen?" Schweigen. Gegen wen? Niemand weiß es. Gegen einen Feind, der Menschenantlitz, trägt? Gegen den Schrecken? Gegen die Gerüchte? „Ein klares Wott könnt« klare Luft schaffen! Aber eS gibt keine Zeitung, eS gibt keine Radionachrichten, es gibt nur Vermutungen und Alarmgerüchte, di- von Mund zu Mund gehen und anschwellen und sich überschlagen und zu grotesken Ungeheuern werden." „Fahren wir nun zurück?" fragte Herr von Ebel. Ein Dutzend Stimmen meldete sich. „Die Schienen werden aufgeäfsen! Wir sind im Schritt gefahren, die Schaffner mußten mit Laternen die Strecke ableuchten. Der Bahndamm kann jeden Augenblick in die Lust fliegen!" Der Stationsvorstand wurde bleich. Nun lag die Verantwortung auf seinen Schultern. Mit der Streckenleitung konnte er sich nicht in Verbindung setzen, die Gerüchte konnte«r nicht überprüfen, ex mochte einen Fehler begehen, wenn er zögerte, den Zug zuückzuschicken, er mochte einen Fehler be» gehen, wenn er den Zug in die stumm« Dunkelhell hinau-jagte— klein und unbedeutend war der Punkt des gewaltigen Eisenbahnnetzes, auf dem er stand und nun wuchs über diesem Punkt ein mächtiges Fragezeichen in die Luft, er starrte eS an und blieb stumm. „Kann man nicht einen Motorradfahrer in die Stadt schicken? Einen Reiter?" „Wird die Streckenleitung sich nicht melden? Sie verfügt über andre technische Möglichkell als der Bahnhof des Dorfes." „Kümmert sich die Gendarmerie nicht um di» Aufrechterhaltung eine- Nachrichtendienstes? Haben sie alle den Kopf verloren?" Fragen türmen sich auf Fragen. Das Fieber, das gesunken war, steigt wieder. Der Mkohöl ist verflogen; bi- auf die Mädchen, di« im Winkel sitzen, den Raum als ein tanzende- graugoldnes Etwas mit zitternden Schatten und versprengten Sternfunken sehen, stellen sie sich alle wieder dem Gegner, der sie aus dem Dunkeln angreist, ins Dunkel locken will, im Dunkel wohnt. Da tritt Earlotta aus der Tür, Olavsen steht hinter ihr. Sie ist wach-bleich, ihre Augen gehen über die Gesichter, sprunghaft und unstet, dann blicken sie über die Menschen hinweg ins Leere. Sie öffnet den Mund, tonlo- und fahl fallen die Worte: „Gregor ist tot." XIII. Die Gläser lagen zerbrochen auf dem Boden, die Kerzen waren ntedergebrannt, auf den Bänken, auf Koffern und Ballen, zwischen den Tischen auf au-gebreiteten Mänteln hatten die Passagiere des letzten Zuges sich notdürftige Nachtlager bereitet. Die Girls schliefen, mieinendcrgepreßl wie Hühner beim Gewitter; Frau Avory schlief, der Kopf deS Kunftschützen lag in ihrem Schoß, die Krawatte flatterte, das Haar wehte. Herr von Ebel schlief, im Arm der strengen Dame, und die Schlammflut unerfüllter Wünsche brodelt« in de« Traum hinüber. MorviliuS schnarchte, und zwischen Sternen tanzte Elariffa, nackt, wie Cleopatra in einer Mondnacht vor der Sphinx getanzt haben mag. Der Zeichner hatte den Kopf auf einen zusammengerollten Matstel gebettet und da- Gesicht Carlottas ging durch seinen Schlaf wie ein« Fe« mit guten Händen durch den Traum eines Kindes geht. Der Arzt war nach Hause gegangen, er saß in seiner Stube und dachte an den Bahnhof wie an einen Kerker, dessen Türen offen standen, den kein Wärter bewachte; dennoch wagte keiner der Gefangenen zu fliehen» denn die Angst, die in ihnen saß, fesselte sie mit eisernen Ketten an die Mauern. ES ist grausamer, einen Menschen mll seiner eignen Furcht zu fesseln, al- mll Armspangen und Fußschellen, dachte er. Stahl kann man sprengen, Mauern durchbrechen, Wäckter töten— aber überliste einer seine eigne An^st! Der StattonSvorstand saß in seinem Dienstzimmer über dem Plan deS Eisenbahnnetzes. Klare Wege waren ausgezeichnet, in schwarzen und roten Linien. Tausende Kilometer blanker Schienen. Wo lagen sie noch auf den Schwellen, too lvaren sie von Dynamit aufgebogen, von Berschtvö- rerhand lo-geschraubt, von Riesenfingern zerfetzt, pon Riesenfüßen zerstampft? Kilmek schlief, sein Polster war au- Papier, Noten der Bank«« von England und Frankreich, von Holland, Amerika und der Schweiz. Gulden, Dollar, Franken. Pfund, Farben und Figuren» und blank« Blätter dazwischen mit Zahlen und Dchriftzeichen— ein Berg, den Millionen in allen Jahren ihres Leben- nicht erkletterten. Kilmek steckte das Geld nicht in die Tasche, er legte sein Ohr darauf, als wollte er seine Stimme hören. (Fortsetzung folgt.) M.« SamStog. 1«. MSrz 1838 tfudetendcutsdicr Xeifepieget Das Elend im Saazer Landsebiet Fn den Industriegebieten, wo die Not bereits durch viele Jahre hindurch ständiger Gast in den Wohnungen der Arbeiter ist, wird oftmals der Eindruck erweckt, daß es in den agrarischen Landgebieten doch viel besser sei und daß dort die Arbeiter wenigstens nicht hungern brauchen. Wie falsch diese Ansicht ist, wollen wir heute einmal an einigen Beispielen aufzeigen. Die Landarbeiter find im wahrsten Sinne deS Wortes Saisonarbeiter geworden. Nurmehr einige wenige Depütatisten haben das Glück, ganzjährig beschäftigt zu sein, weil sie zur Betreuung des Viehstan- bes gebraucht werden. Die Dürrekatastrophe hat noch erh^lich dazu beigetragen, das Elend unter der Arbeiterschaft zu vergrößern. In der Gemeinde Weberschan hat kürzlich «in zwölfjähriges Mädchen mit Namen Kühnl einen Selbstmordversuch durch Erhängen begangen, konnte aber noch rechtzeitig gerettet«erden. Leber die Ursache der Tat befragt, erklärte daS Lind, daß es vom Hunger gequält den Selbstmordversuch unternommen habe. Der Bater ist schon lange arbeitslos und kann deshalb nicht das notwendige Brot für seine fünf minderjährige« Linder herbeischaffen. Die Lebensmittelkarten reichen nicht aus, um die Kinder zu sättigen. Ein Laib Brot muß für drei Tage reichen, hat die Mutter den Kindern gesagt, den« mehr kann ihnen die Mutter leider nicht bieten. Sie droht vielmehr den Kindernmit Schlägen, wenn das Brot früher verzehrt ist. Eine andere Familie in derselben Gemeinde: Der Mann ebenfalls schonlangearbeitslos. Die Fra« liegt im Krankenhaus in Saaz, ste ist«nterernährt. Zwei schulpflichtige Kinder sind ebenfalls unterernährt und können deshalb oftmals die Schul« nicht besuchen. Das eine hat keine Schuhe mehr zum Anziehn und nur Fetze num die Füßegewickelt. Inder Wohnung ist es dauernd kalt. Es kann nicht geheizt werden, weil keine Mittel vorhanden sind, nm Brennmaterial zu kaufen. Obwohl es in dieser Gemeinde sehr wohlhabende deutsch« Bauern gibt, haben sie zur Rot dieser armen Menschen noch nichts beigetragen. Hingegen gibt es Arbeiter, die selbst nur die staat- lichcn Ernährungskarten beziehen, aber noch ein paar Kartoffeln haben und davon den schwer bedrängten Familien etwas abgLen. Ein junger Volksschullehrer, der nur ein geringes Gehalt hat, betätigt sich ebenfalls als Kinderfreund. Er kaust 'schon durch sechs Monate hindurch täglich etzren Liter Milch, die er in mehrere Portionen teilt und dann den Kindern mit einigen Semmeln verab- rcicht. Unsere Bauern führen zwar das große Wort vom Deutschtum und der Volksgemeinschaft in ihren Versammlungen, aber praktisch haben sie diese Volksgemeinschaft noch nicht bewiesen. Ein Vertrauensmann in einer anderen Gemeinde war als Landarbeiter bei einem Landwirt beschäftigt. Er hatte einen Wochenlohn von 18 KL— sage und schreibe achtzehn KL, das ist ein Tagesverdienst von 3 KL. Der Arbeiter wurde entlassen, weil er als sozialdemokratischer Funktionär seiner Gesinnung treu geblieben ist. Hunderte Landarbeiter mit ihren Familien find arbeitslos und können trotz aller Bemühungen keine Beschäftigung bekommen. Das Geschrei von der Landflucht ist verstummt und der Mangel an Arbeftskräften, von denen unsere Landbündler immer zu erzählen gewußt haben, existiert nur noch in der Phantasie. In einzelnen Orten ist eS nicht mehr möglich, die Sitzungen und Parteiversammlungen im Gasthaus abzuhalten, weil die Genossen kein Geld haben, um sich ein Getränk zu kaufen. Vertrauensmänner und Funktionäre nehmen an Konferenzen nicht teil, weil sie keine Schuhe oder keinen Mantel besitzen. Die Not dieser arbeitsamen Menschen wird von vielen Landbündlern ausgenützt zu Lohnherabsetzungen, oder die Leute werden nicht in der Krankenversicherung gemeldet und kommen dadurch vielfach um ihre Rechte. Selbst getrauen sie sich nicht, die Anzeige zu machen, well sie be- Labour-Stimmen fast verdoppelt London. In Norwood fand Donnerstag eine Ersatzwahl zum Unterhaus statt. Dabei erhielt der Kandidat der Nationalkonservativen Sandys 16.147 Stimmen, die Kandidaten der Arbeiterpartei Frau Gould 12.788 und der unabhängige Konservative Findlay 2698 Stimmen. Die Konservativen konnten also ihr Mandat noch behaupten. Gegenüber den Wahlen von 1831 haben^fie jedoch einen geradezu katastrophalen Etimmenrückgang von 30,851 auf 16.147 Stimmen zu verzeichnen. Die Arbeiterpartei dagegen konnte mit 12.798 Stimmen ihre Stellung gegenüber dem Jahre 1831 fast verdoppeln, wo ste nur 7217 Stimmen auf sich vereinigte. furchten, dann nie mehr beschäftigt zu werden. Anderseits wird von den Landbündlern ein ungeheurer Terror gegenüber den Landarbeitern geübt und di« Proleten werden gezwungen, der Sudetendeutschen Heimatfront bei zu- treten. Unsere Genossen, die dennoch standhalten, und sich auch dem Terror nicht beugen, bekommen überhaupt kerne Arbeit mehr. Fn einer Parteiversammlung der Sudetendeutschen Heimgtftont in N e u s a t t l, der auch einige Landwirte als Mitglieder angehören, wurde beschlossen, daß kein Landwirt einen Sozialdemokraten in die Arbeit n eh- men darf. Das ist die deutsche»Volksgemeinschaft", von der unser Bürgertum immer so gerne faselt. Diese Not zu lindern und ihr entgegenzu«- wircken, war Aufgabe deS Bezirksvercins»A r- NI»« bawrlidie Stimme Einer uns aus deutschbürgerlichen Kreisen zugekommenen Zuschrift entnehmen wir nach- stehende interessante Stellen, die geeignet sind, der Oeffentlichkeit über die Situation im deutschen Lager die Augen zu öffnen: Der parteipolitische Terror, den wir Deutschen in der Tschechoslowakei in der letzten Zett schutzlos über uns ergehen lassen mußten, wird jetzt im Zustand des Wahlfiebers nahezu unerträglich. Die tschechssche Presse beobachtet zwar aufmerksam die Vorgänge Mischen den deutschen politischen Parteien, kann aber ein richtiges Bild über die tatsächlichen Verhältnisse im deutschen Lager nicht geben. Henlein und sein Parteiapparat haben durch eine geschickte Demagogie mit dem Schlagworte»Volksgemeinschaft" es erreicht, daß jeder wahlberechtigte Deutsche, der sich gegen die SHF stellt oder sich auch nur entfernt hält, als ein»Verräter" an dem hohen Gedanken der Volksgemeinschaft, ja sogar als rin„Bolks"ver- räter de« anderen Deutschen erscheinen mutz. Es wjrd doch wenigstens den. tschechischen Politllern und Journalisten schon ausgefallen sein, daß weder die große noch die kleine deutsche Pro- vinzpreffe auch nur ein Wort der Kritll über die SHF, und sei es auch noch so berechtigt, zu veröffentlichen wagt; im Gegenteill Alle Zeitungen drucken gehorsam die Artikel aus Henleins Zeitungskorrespondenz»Sudetendeutsche Pressebriese" ab, die den Redaktionen unentgeltsich zur Verfügung gestellt wird. Würde es eine Zeitung wagen, auch nur em Wort der Ablehnung gegenüber der Politik Henleins und der SHF zu bringen, so hat sie schon am nächsten Tage eine Anzahl von Abbestellungen auf dem Schreibtisch ihrer Verwaltungskanzlei siegen. Das Macht bei den gegenwärtigen schwierigen Berhäsiniffen auch einen nackensteifen Schriftleiter bedenklich. Außerdem befürchten die größeren Tageszeitungen in der Provinz, daß Henlein doch ein eigenes Tagblatt aufmachen könnte, was für sie mft einem fühlbaren Verlust an Abonnenten verbunden sein müßte. So ist der Einfluß ans die öffentliche Meinung der Deutschen gegenwärtig dem„Führer" Henlein und seinem Parteistabe au-geliefert. Mer dieser Terror geht noch viel weiter. Feder Gewerbetreibende, jeder Kauf- m a n n, der sich nicht offen zur SHF bekennt oder es ablehnt, der»Rundschau" eine bezahlte Anzeige aufzugeben, der es wagt, offen einer anderen Partei anzugehören, wird stillschweigend von den Heimatfrontlern boykottiert. Das geschieht nicht auf Grund einer Parole von oben, nicht durch Anordnung in irgendeinem Rundschreiben oder dgl. Das vollzieht sich vollkommen lautlos— die eigentlichen Drahtzieher bleiben unsichtbar und ungreifbajc. Man darf im GasthauS oder in einem kleinen Freundeskreis kein Wort gegen die SHF sagen, denn sonst weiß es am nächsten Tage schon die ganze Stadt und man riskiert eventuell feine Existenz k Eine schreckenerregende Geißel sind die Konzerte der SHF-Kapelle. Vom musikalisch-künstlerischem Standpunkte sind diese Konzerte sowohl hinsichtlich des Programmes als auch hinsichtlich der Durchführung(allzu laute Blechmusik) vollkommen wertlos. Aber am Tage nach dem Konzerte wird über alle Deutschen, die nicht beim Konzert zu sehen waren oder sich nicht am Empfang der SHF-Kapelle beteiligt haben, herumgeredet, was natürlich ost mit wirtschaftlichen Folgen für die Betreffenden verbunden ist. Die tschechische Oeffentlichkeit weiß gar nicht, unter was für einem Terror wir Äeutschen seit dem Auftreten Henleins und seiner SHF zu leben und zu leiden haben. Srlbswerständsich bleibt eS daher der Oesfentlichkett verborgen, datz ein großer Teil beiterfürsorge" in Saaz. Ende Fänner d. I. wurde von der.Arbeiterfürsorge" mit einer Hilfsaktion eingesetzt und es werden derzeit wöchentlich 170 Arbeitslose mit Lebensmitteln unterstützt. Dieses Winterhilfswerk konnte nur gelingen, weil alle proletarischen Organisationen, alle Angestellten und Arbeiter, ihre Solidarität wiederum bewiesen haben. Wir haben keine reichen Hopfenhändler, Bauern und Fabrikanten als Geldgeber wie die Sudetendeuffche Volkshilfe, über aus eigener Kraft und durch die Solidarttät derjenigen, die noch im Produftionsprozetz stehen, konnte die Aktion dennoch eingeleitet werden. Schwer drückt die Krise auf die arbeitenden Menschen in Stadt und Land, am schlimmsten aber betrifft sie die Arbeitslosen und nicht zuletzt die Proletarier in den Dörfern, die gewohnt waren, von frühmorgens bis in die späten Abendstunden ihr karges Stückchen Brot im Schweiße des Angesichtes zu verdienen, und die nun feiern und hungern müssen. Fl. Riedl, der Deutschen ablehnend der SHF«nd ihren demagogischen Schlagwörtern gegenüberstrht. Ja nicht einmal alle Anhänger der aufgelöste» nationalen Parteien haben sich für die SHF gewinnen lassen. Denn es ist nicht jedermanns Sache, die verfehlte Politik der Herren I« n g, Krebs«nd Genossen jetzt in zweiter, keineswegs verbesserter Auflage mitzumachen«nd fortzusetzen. Als infolge des Bolkssportprozessrs Jung, Krebö und Konsorten, in dir Enge getrieben, mit Loyalitätserklärungen amlaufenden Band ihre politische Tätigkeit beendeten, hat unmittelbar im Anschluß daran Henlein mit Loyalität s e r k l ä r«n g e« am laufenden Band seine politische Tätigkett begonnen. Eine Bolkssportabteilung oder eine SA braucht Herr Henlein nicht, dazu hat er ja in mehrjähriger Arbeit den Turnverband organisiert und ihn im Saazer Turnfest der Oeffentlichkeit vorgeführt. Jetzt leiste« ihm die Turner Ordnerdienste und organisieren ihm die mustergültigen Aufmärsche der SHF» wie z. B. in Böhmisch- Leipa. Die Turner nehme« nur das Turnverbandsabzeichen vom Rock«nd ersetzen es d«rch das Abzeichen der SHF. So kann denn auch ungestört und unwidersprochen ein Totalitätsstandpunkt bezogen werden, den man mit anderen Worten auch früher schon bei Fung und Krebs gefunden hat. Die Deutsche Nationalpartei wurde durch die Hakenkreuzler in die Vernichtung hineingetiieben. Biele Nationalparteiler wollen daher durch den Beitritt zur SHF nicht noch einmal einen Sturz erleben. Soll dieser ZustandpolitischerUn- f r e i h e i t bei den Deutschen bis zu den Wahlen und über die Wahlen hinaus auf lange Zeit unverändert andauern? Wir Deutschen dürfen von der Regierung erwarten, daß sie uns das Mindestmaß von politischer Freiheit zurückgibt und für die Zukunft garantiert. Es ist uns einerlei, ob die Regierung dies auf Grund oes Parteiengesetzes oder im Zuge der neu einzuführenden Registrierung der politischen Parteien mächt... Die Regierung hat alle Ursache, wohl überlegt und rasch zu handeln. Skifahrer als Lebensretter Drei Kinder den Fluten entrissen Wie die»Zukunft" mitteilt, wurde am 7. März der Sohn Unseres Kaplitzer Bezirksvertrauensmannes, Karl Z i e h e n s a ck, bei einem Katholische Rachejustiz Todesurteil sesen Strelkführer G i j o n. In der Ortschaft Beguellina in der spanischen Provinz Leon kam es im Dezember 1833 z« einem Streik, der angeblich den Charatter eines„AuftuhrS" annahm. Das Gericht von Gijon verurteilte nunmehr den Führer dieses revoluttonären Streiks zum Tode mid neun weitere Angeklagte zu 20 Jahren Kerker. Zeel Todesurteile wegen einer nicht explodierten Bombe Wien. Der Oberste Gerichtshof in Wien fällte zum erstenmal sett Wiedereinführung der Todesstrafe in Oesterreich in zwei Fällen ein Todes- urteil, davon eines gegen eine Frau. Es handelt sich um den bekannten Tiroler Nationalsozialisten Max Wild und seine Geliebte Hilde Gößl. Wie erinnerlich, hat Wild im Juli vorigen Jahres unter Mithilfe seiner Gesiebten unter dem Bett des Heimwehr- und Schutzkorpsmitgliedes Anton Strehle eine Höllenmaschine gelegt, wodurch einige Die Sudetendeutschen unter dem Terror der SHF Ich bleibe bei Ceres! Wer kann es der Hausfrau verdenken, daß sie stets auf Ceres besteht? Denn was Namenszug man immer wieder als so schmackhaft, nahrhaft und leicht verdaulich erkannt hat, möchte man in der Küche nicht mehr missen. Skiausflug auf die sogenannte Pflanzer Höhe, unwett der Jonasmühle, durch Angstrufe einiger Kinder, auf zwei im Mühlgraben mit den Wellen ringenden Kindern aufmerksam gemacht und, rasch entschlossen, warf er die Skier von den Füßen, stürzte sich ins Wasser und zog die beide« Kinder heraus. Es waren die Geschwister Hermine und Willi Maier, vier und drei Jahre alt. Das Mädchen rief dem Lebensretter zu„der Poldi schon hinuntergeschwommen", worauf der entschlossene Bursche nach dem dritten Opfer Aus-» schau hielt und weit unten im Mühlgraben den Körper des Kindes entdeckte. Er sprang noch einmal in den Fluß und noch bevor das Kind von dem Getriebe der Mühle erfaßt wurde, zog er es mit großer Mühe heraus und, mit Hilfe eines Arztes, der inzwischen herbeigerufen worden war, gelang es nach zweistündiger Anstrengung, den fünfjährigen Poldi ins Leben zurückzurufen. Nachträglich stellte sich heraus, daß die drei Kinder auf emem Rodel den Berg herab in den Mühlgraben gefahren waren und nur durch das entschlossene und kühne Handeln Karl Ziehensacks am Leben Rieben. 1 Ein Teplltzer Chauffeur verschwunden Mörder am Werk? Teplitz. Eine mysteriöse Angelegenheit beschäftigt gegenwärtig die Sicherheitsbehörde. Der Mietautochlinffeur Anton W a tz e k wurde in der Rächt auf Donnerstag gegen 2 Uhr telephonisch vom Standplatz z« einer Fahrt abberufen. Bon dieser Fahrt kehrte er bisher nicht zurück. Donnerstag abends wurde der Gendarmerieposten in Herrlich bei Ossek verständigt» daß in der Nähe des AlexanderschachteS seit mehreren Stunden ein herrrnloses Auto stehe. Die Gendarmerie fand in dem Wagen zwei große Blutlachen und Spuren von Gehirn. Es wurde festgestellt, daß daS Auto Watzels Wagen ist. Einige Leute gaben an, daß aus dem Auto» alS es ankam, zwei Männer ansgestirgen find, welche über die Wirsen gegen Liptttz zu davonliefen. Der Beschreibung nach war keiner dieser Männer Watzek. Der Kilometermesser zeigte eine Fahrtstrecke von 188 Kilometer. Die Gendarmerie nimmt an, daß Watzek ermordet«nd sein« Leiche irgendwo verborgen worden sei. Aus dem Auto fehle« zwei Decken. Die Nachforschungen dauern an. Personen in Lebensgefahr gebracht wurden. Die Bombe ist nur durch einen Zufall nicht explodiert. Die Tat verübte Wild aus Rache, weil Strehle bei einer Grenzschießerei den deutschen Soldaten Schumacher erschossen hatte. Das Schwurgericht in Innsbruck verurteilte Wild und die Gößl wegen Mitschuld am Mordversuch und wegen des Verbrechens gegen das Spreng- stoffgesetz zum Tode. Der Oberste Gerichtshof hob dieses Urteil auf, fällte aber selbst gegen die Angeklagten das gleiche Todesurteil und bestimmte lediglich, daß das Urteil zuerst an der Gößl und dann an Wild vollzogen werden soll. Bel Münlchrelter waren sie nicht so human! Wien.(Tsch. P.-B.) Dr. Rinte« len wurde ans seiner Zelle km Landes« gerichte kn das Snqnksitenspkta! überführt. «Seife t GamStag, 18. MSrz 1935 Z «e.« Sitte Frau, die in die Stratosphäre will. Die bekannte französische Fliegerin Madame Ma» delaine Tharneaur will als erste Frau mit dem Flugzeug in die Stratosphäre aufsteigen. Schon jetzt bereitet sie sich mit aller Gründlichkeit für dsesen Flug vor, der um so größere Erfolgs» aussichten hat, als Frau Tharneaux die Inhaberin der Höhenweltrekorde- für Fliegerinnen ist. Ein Bauernführer und Henleinknappe Zur Charakterisierung des Herrn Direktor Pfrogner-Mies Man kann allgemein die Erfahrung machen, daß die Henlein-Begeisterung in der deutschen Agrarpartei nicht von erprobten Vertrauensmännern der Bauernschaft ausgeht, sondern meist von Salo n-B a u e r n, die aus verschiedenen, meist sehr naheliegenden Gründen ihr Herz für die Landbevölkerung entdeckt haben. Das trifft auch auf dm ehemaligen k. u.k. Hauptmann P f r o g n e r zu, der auf der landbündlerischen Kreiskonferenz inTuschkaualS Führer der henleinfreundlichen Opposition aufgetreten ist. Zur Charakterisierung dieses Politikers geht uns von eingeweihter bürgerlicher Seite folgend« Information zu: ES war nach dem Umsturz, als ein Geschäfts- mann in P i v a n a, dem HeimatSort Pfrogners, dort beruflich zu tun hatte. Dabei kam er auch in daS Gasthaus, welches eine« Cousin PfrognerS «it gleiche« Namen gehörte. Während der Ge« schiftSmann sich mit dem Gastwirte unterhielt, betrat ein militärisch gekleideter Manu, ausgerüstet mit eine« Rucksack und einer Milchkanne daS Gastzimmer und begann ganz unvermittelt fürchterlich auf die Bauern zu schimpfen. Inden denkbar rüdestem T» Nc verdammte er alle Bauern in Grund und Boden, wobei er vom Aufhängen und von Bernichtun g d erselbenherum- brüllte. Unter anderem«einte er, daß eS kein Wunder wäre, wenn die Menschen Bolschewiken würden, angesichts der Haltung der Landwirte, die ihm nicht genug Lebensmittel gegeben hatten. Ter Geschäftsmann, der den böse schimpfenden Gast nicht kannte, fragte dann verwundert, wer denn daS sei, worauf er vom Gastwirt Pfrogner die Antwort erhielt, daß dies sein Cousin, der gewesene Hauptmann Anten Pfroguer sei. ES kam dann die Zeit der Gründung deS Bündel der Landwirte und in diesem Zuge di« Gründung einer LagerhauSgenoffrnschaft für dm Bezirk Mies. Und siehe dal Die so füechter» sich verdammte Bauernschaft war gutgenug, für dongeweseuen Herrn Hauptmann das Sprungbrett zu einer glänzenden Karriere abzugeben. Er wurde Lagerhausdirektor. Er wurde der Vertreter des Bundes der Landwirte in der früheren BezirkSverwaltuugS- kommisiion und ist deren Bertreter in der jetzigen BrzirkSvertretung. Er wurde auch Börseurat und dürfte wahrscheinlich noch in weiteren Körperschaften alS prominenter Vertreter des Bundes der Landwirte funktionieren. Der Mann verdankt den Bauern sehr, sehr viel. Sein Einkommen wird derschtrdeutlich auf viele Zehntausend« Kronen jährlich geschätzt. Der Mann konnte sich aber auch manches leisten, waS die Bauern kau« zustande bringen. Im Hotel Daldek in Pilsen waren seinerzeit einige schöne Gemälde ausgestellt, wovon eines 2000 Kd kostete. Obwohl in Pilsen mehrere »rotze Getreidehändler waren, konnte keiner den verhältnilmätzig hohen Betrag für diese Bilder auftvenden. Dem Herrn LagerhauSdirrttor waren 2000 K£ für rin Bild nicht zu hoch, er kaufte sich gleich zwei davon. Nachdem Herr Pfrogner 18 Jahre durch die genossenschaftlichen und politischen Organisationen der deutschen Bauernschaft«ine recht gut« Existenz gefunden hat, tritt er heut« für deren Preisgabe und Verschmelzung mit der Heimatfront ein- Er gilt nämlich alS Senatskandidat für den Pilsner Wahlkreis und es scheint ja bei rini- gen Herren der Fall zu sein, daß sie bereit sind, die politische Selbständigkeit der Bauernschaft zu vpfern, wenn nur ihre MandatswLusche befriedigt Gerden. Eine Schlacht zwischen Bauern und Gendarmerie infolge verhinderter Steueroxekution in einem karpathorussische« Dorf Prag. DaS Tsch. P. B. gibt folgende amtliche Meldung aus: Am 18 März wurde in der Gemeinde E«r« kizn 4 bei einem Bauern eine Steuerexekution durchgeführt. Dieser widersetzte sich den Amtsorganen, worauf die aufgehetzte Menge die Durchführung der Exekution u n m ö g- l i ch machte und die bei der Durchführung der Exekution anwesende Gendarmeriepatrouille mit Steinen angriff. Die Menge verprügelte außerdem auch den Gerichtsexekutor und den Angestellten eines Advokatenbüros, I die ebenfalls zu dieser Zeit in Eertizne eine Beschlagnahme vornahmen. Am 14. März 1985 wurde zur Untersuchung I des Vorfalles und zur Herstellung der Ruhe und Ordnung in die Gemeinde eine verstärkte G e U- darmeriepairouille in der Zahl von 14 Mann entsandt. Nach deren Ankunft begannen, die Leute sich abermals zusammenzurotten und es wurde Alarm geläutet. Die Gendarmeriepatrouille forderte die Menge zum Auseinandergehen auf und zerstreute sie mit dem Gummiknüppel. Tie Menge zerstreute sich zwar in die benachbarten Höft und Gärten, aber begann von dort aus dir Gendarmerie mit Steinen und Prügeln zn bewerfen und aus den einzelnen Häusern auS Gewehren und RevOlder n zu schießen. Der linke Flügel der Gendarmerieabjeilung schoß I deshalb auf Befehl gegen die Demonstranten, I worauf sich die Menge zerstreute und die Äendar- I merieabteilung sich in der Kaserne konzentrierte, wo zwei Gendarmen, di« durch Steinwürfe am Kopfe verletzt worden waren, behandelt wurden. Da die Situation gefahrdrohend Wurde und die Demonstranten Berstärkun» I« en aus den Rachbargemeinden erhielten, ersucht« die Gendarmeriepatrouille daß' Kommando der Gendarmerieabteilung in Hemennk um weitere Verstärkung. Unmittelbar darauf wurde hie Telephonverbindung zwischen Eertijne und Medzilaboree unterbrochen, da die Demonstranten di« Telephonleitung heruntergerissen hatten. Die zusammen gerottete Menge, die auch den an Ort und Stelle anwesenden Beamten des Bezirksamtes in Mrdzilaborce verwundet«, begann darauf daS Gebäude der Geudarmeriestatkon zu dem»-' l i e r e n, schlug dort sämtliche Fenster ein und zertrümmerte an einigen Stellen auch die Gchieferbedachung. sDie Bemühungen der Gendarmeriepaftouill«, die i Menge zu beruhigen, die die Einstellung sämtlicher I Exekutionen und Ersatz für die verursachten Schä- I den während des Weltkrieges verlangte, waren in- j sofern von Erfolg beglestet, als die Demonstran» len zum größten Teil nach Hause gingen. Inzwischen fuhr in Autos aus Humennö eine ! Verstärkung von 20 Gendarmen unter Führung eines Gendarmeriestabsoffiziers an Ort und Stelle. Die Gendarmerieverstärkung stieg vor der I Ortschaft Habura auS dem Fahrzeug und zog in I geschloffener Formation durch die Gemeinde in i Richtung nach ikertijnk und stieß auf ein« geschlossene Menge in der stahl von unge- fahr 100 Mann. Als die Demonstranten die ankommenden Gendarmen erblickten» setzten sie sich unter Rufen siegen sie in Bewegung. Dabei warfen sie mit Steinen. Die Aufforderung zum ' Auseinandergeben befolgten sie nicht und beachteten auch nicht die Mitteilung, daß die llstaffe in Anwendung gebracht werden wurde. Daher gab der Kommandant den Befehl znr Anwendung deS Gummiknüppels, worauf ein Teil der Demonstranten auf der Straße in Richtung nach Eertijsnt zurückwich. Die entwickelt« Gendarmerieabteilung wurde jedoch von hinten und von allen Seiten mit einem Stein, und Knüppelhagel überschüttet. Verletzt wurden zwei G e n- darmeriewachtmeister. In diesem Augenblick wurden vom linken Flügel auf die Abteilung einige Schüsse kurz hintereinander abgegeben und daher feuerte der linke Flügel der Abteilung auf Kommando gegen die De» monstrattftn im ganzen sieben Schüsse ab. Die Menge wurde zerstreut, aber versteckte sich verschiedentlich und schoß weiter von Vom Rundfunk ■mpf«hl«nswert«a«ms den ProgrinMMi Sonntag Prag, Sender L.: 7.80 Ueberftaguna der Karlsbader Konzerte». 8.50 Konzert für Fagott. 13.45 Sozialinformationen. 16.15 Deutsche Sendung: Tyni- phoniekonzert de» Karlsbader Kurorchesters. 18.50 I Deutsche Bresse. 19.05 BlaSorchesterkouzert. 22.20 i Schallplatte» von Johann Strauß.— Sender S.: 14.25 Deutsche Sendung: Landlofttschaft. 14.40 DeutscheArbeitersendung: Grete Hartwig: Bret Harte als Gesellschaftskritiker. 14.55 Volkstümliche» Konzert.— Brünn: 11.00 Konzert deS Mährischen Quartett». 17.50 Deutsche Sendung: ! Shakespeare: Romeo und Julia.— Mihrisch-Ostr«u: 112.15 Bunte» Programm. 20.10 Schauspiel au» dem i Atelier. 17.42 Schallplatte«. allen Seiten auS den Verstecken der Häuser und hinter Zäunen auf di« Gendarmerieabteilung. Diese zog rasch durch den Feuerbereich hinter die Gemeinde, wo bereits Ruhe herrschte; auf der rechten Straßenseite wurden aber Kettenlichtsignale in den Feldern in Richtung auf Edrtizne gegeben. Ungefähr 150 Schritte hinter der Gemeinde Habura wurde die Gendarmerieabteilung abermals von hinten von den Demonstranten mit Gewehrfeuer Werfällen. Die Schüsse gingen knavp Wer den Köpfen der Gendarmen hinweg. Die Gendarmerie machte auf Tagcsncniglfcitcn Einem Abgeordneten das Auge ausgeschlagen Paris. Der radikale Deputierte T l b e I, welcher bi» zum vergangenen Jähre Vorstand der Sektion für die Vereinbarung internationaler Verträge im Handelsministerium war, wurde Dbnnerstag abends in einer Wählerbersammlung in einer Gemeinde unweit von Boulogne sur Mer von einem Geschäftsmann e überfallen, welcher ihm einen Faustschlag ins Gesicht versetzte. Der Schlag war so hefttg, daß der Zwicker Elbels zerschlagen und der Deputierte durch die GlaSsplitter am linken Auge so schwer verletzt wurde- daß es gestern operativ entfernt werden mußte. Der wütende Geschäftsmann wurde nach dem Zusammenstoß aus der Räumlichkeit entfernt. Da er auch draußen mit den Drohungen nicht aufhörte, wurden vier Gendarmen herbeigerufen, welche ihn verhafteten. Man glaubt, daß der Geschäftsmann in plötzlicher SinneSverwir- r u n g und im A f f« k t gehandelt hat. In einem Jahr! London. Eine Statistik Wer die F e r- kehrSunfälle in England in den letzten 52 Wochen besagt, daß bei diesen Unfällen 7 8 5 3 Personen getöt e t und 2 3 0.0 6 7 Per» sonenvcrletzt worden sind. Sinkende Arbeitslosenziffer in Frankreich PariS. In der abgelaufenen Woche wurde Neuerlich ein Rückgang der Erwerbslosenzahl in Frankreich verzeichnet, der zum 9. März laut amtlicher Statistik 3086 gegenüber der Vorwoche betrug. In der gleichen Zeit des Jahres 1933 war ein Zuwachs von 1838 verzeichnet worden. 15.000 Obdachlose St. Louis. DaS Hochwässer derNeben- flüffe deS Mississippi verursachte ausgedehnte Ueberschwemmungen in Sud-Missouri und Nord-Arkansas. Der Sachschaden ist sehr groß. Die Stadt Jackson und zahlreiche andere Ortschaften stehen unter Waffer. 15.000 Menschen find obdachlos. Ei« Opfer seines Diensteifers Brüx. Auf dem hiesigen Bahnhofe bemerkte der 30jährige RevisionSschloffer Heinrich L i S k a bei einem abfahrenden Zuge, daß an einem Waggon die Vakuumbremse angezogen sei. Er lief neben dem fahrenden Zuge einher und versuchte durch Ziehen an der unter den Waggons gespannten Leine der Bremseinrichtung diese zu lüften, stürzte und fiel unter die Räder. Etwa zehn der nachfolgenden Waggons gingen Wer ihn hinweg. Der auf so tragische Weise im Berufe ums Leben gekommene Heinrich Liska hinterläßt eine Wttw« und ein Kind. Der Boft vom Geising. Ein Leser schreibt uns unter anderem:»Ich verbrachte vergangenen SamStag-Sonntag meine Freizeit im Erzgebirge, und zwar in B ö h ist i s ch-Zinnwald. Bei meiner Mittagsrast im Lokal.Sänger- g r u tz" blätterte ich in den dort ausliegenden Zeitungen, die mir allerdings auch für die Einstellung deS Wirtes sehr bezeichnend waren. Man konnte dort folgende Zeitungen sehen:„Bohe- mia“,„Der Bote vom Geisin g", ,,R ä r o d ni Politika", außerdem einige Bilderzeitungen„Illustrierte Blatt" und die „Deutsche Illustrierte Zeitung". Daß eine reichsdeutsche Zeitung dort aushing, machte mich schon sehr erstaunt und noch mehr der Inhalt dieses „Boten vom Geising". Auf der Titelseite stand in fettgedruckter Ueberschrist:„Wieder ein tschechisches Schandurteil". ES wurde dort berichtet, daß hier ein Arbeiter verurteilt worden sei, weil er sich in Deutschland an dem Aufmarsch zur Saarrückgliederung beteiligt habe. Auch die Aufklärung des Betreffenden, daß er lediglich in der gleichen Rilbtung wie der Zug gegangen sei, hätte nichts genützt, mm: habe ihn venirtetlt.— ES ist mir schön unverständlich, daß diese Zeitung, dort aus- Kommando kehrt und schoß einigemal gegen di« Demonstranten. Dies« hörten auf zu schießen und zerstreuten sich. Durch das Feuer wurde kein Gendarm verletzt, zweien jedoch wurden die Helme Erschossen. Die Gendarmerieabteilung rückte weiter nach Eertijnä vor und verband sich dort kurz vor 21 Uhr abends mft der Gendarmerieabteilung, die sich bereits seit den ftühen Nachmittagsstunden in der Gemeind« befand. Im Laufe der Nacht find in der Gemeinde weiter« Gendarmerie- veritärkungen eingetroffen. In öettijne und auch in den Rachbargemeinden ist jetzt vollkommene Ruhe. Bisher kennt« nicht festgestellt werden, ob durch das Feuer der Gendarmerie einige von den Demonstranten getroffen wurden. Bon dm emschrei- tmden Gendarmen wurden insgesamt fünf verwundet(davon einer schwer) sowie der an Ort und Stelle anwesend« B e a m t e deS Bezirksamtes. Die Berletzungen wurden, wie bisher festgestellt wurde, durch Steinwürfe verursacht. hängen darf und daß die dortige Bevölkerung selbst diese Zeitung liest und nicht dagegen prote- sttert, daß man sie beschimpft, Wer um so unverständlicher ist mir, daß diese Zeitung nicht verboten wird. Ich glaube nicht, daß es möglich wäre, eine Zeitung nach Deutschland einzuführen, die derartige Mitteilungen auS dem Reiche bringt. Ich möchte dabei nur daran erinnern, daß alle unsere Zeitungen in Deutschland verboten wurden, die auS Anlaß des Mordes an dem nationalsozialistischen Emigrant FormiS in Prag nur die unab- leugbare Tatsache berichteten. Man verbietet dort unsere Zeitungen, die nichts anderes als Tatsachen enthalten und wir können eS uns nicht gefallen lassen, daß bei uns Zeitungen aushängen, die uns und unseren Staat befchimp« fenl" Tödlicher Unfall. Als am Donnerstag eine Frau Plak aus Schönpriesen auf dem Wege nach Aussig die Uferstraße passierte, wurde si« von einem Unwohlsein befallen» stürzt« zusammen, schlug dabei mit dem Kopf auf daS eiserne Geländer auf, prallte ab, und stürzte die zwei Meter hohe Böschung hinab. Passanten riefen sofort den Rettungswagen herbei. Di« verunglückte Frau verschied auf dem Transport in das Krankenhaus. Die Touristen-Fahrt-Ermäßigungen. Gegen die verschlechterten Bedingungen für den Einzelfahrer brachten die großen Verbände, zu denen »Die Naturfreunde" gehören, beim Eisenbahnministerium ein Memorandum ein. ES enthält Vorschläge für größere Freizügigkeft des Touristen bei strengen Kontrollmatznahmen. Die Verbände erwarten bestimmt eine Aenderung zugunsten des Touristenverkehrs am Weekend, denn nur zu der Zeit und in den Ferien benützen die Massen die Eisenbahn. Großftuer in der Glasfabrik Mühlig.Union, Am Donnerstag kurz vor sieben Uhr lief bei der Hauptfeuerwache Aussig durch den Feuermelder und durch daS Staatstelephon die Meldung ein. daß in der Glasfabrik»Mühlig-Union"«in Großfeuer auSgebrochen fei. Es wurde sofort die Wehr Aussig-Stadt und-Kleische alarmiert und zum Brandplatz entsandt. Die Wehren Schönpriesen und Schxeckenstein wurden zur Bereitschaft in den Spritzenhäusern belassen. Der Brand war durch Bersten einer Wanne entstanden, das flüssige Glas ergoß sich in die Betriebsräume. Besondere Gefahr bedeutete ein Teerbottich, der in der Nähe des Brandherdes stand und die Gasgeneratoren, die vom glühendflüssigen Glas bedroht waren, und nur durch ständiges Kühlen vor der Gefahr der Explosion geschützt werden konnten. Auch der Dachstuhl deS Gebäudes war bedroht und mußte ständig bestreut werden. Die Höhe des Schadens steht noch nicht fest, doch dürst« er beträchtlich sein, da di« Wanne weggeriffen und neugebaut werden muß. Am Brandplah waren erschienen die Betriebsfeuerwehr, die Wehr Aussig-Stadt mtt drei Löschzügen und drei Motorspritzen, Aussig-Kleische mit einem Löschzug und einer Motorspritze, Predlitz mtt einem Kraftwagen. ArktiS-Flug. Der Pilot Wodopianow, dem der Titel eines»Helden der Sowjetunion" erteilt wurde, und der Flieger L i n d e l sind auf ihrem großen Arktis-Flug Moskau—Kap Schmidt in Nogajew an der Westküste deS Meeres von Ochotsk eingetroffen. Pfarrer mit einer Monstranz ans der Flucht. Wie aus Wilna berichtet wird, ist einer de« Führer der litauischen Bewegung im Wilnaer Gebiet, Pfarrer Z e j g i S, auS Swieneany, gegen den am Donnerstag ein Prozeß vor dem Wilnaer AppellattonSgericht stattfinden sollt«, unter Mitnahme einer Monstranz Wer die Grenze nach Litauen geflohen. 400.000 Schachteln Zigaretten verbrannt. In einer großen Zigarettenfabrik in Philippopel ist ein Brand auSgebrochen, durch den 400.000 Schachteln mtt Zigaretten vernichtet wurden. Europäische Verhältnisse In Arabien London. Einer Reutermeldung aus Mekka zufolge wurde Freitag morgens auf König Ibn Saud ein Anschlag verWt/alS er sich auf dem Wege zur großen Moschee in Mekka befand. Drei bewaffnete Anhänger der Seiditen, einer religiösen Sekte aus dem Jemen, stürzten sich auf den König, konnten jedoch von der Leibwache des Königs an ihrem Vorhaben gehindert werden. Die drei Attentäter wurden von der Leibwache erschossen. Nr. 64 Sambia g, 16. März 1935 Seite S Hochseeschlepper mit achtzehn Mann verschollen Statt. Der zur italienischen Flotte gehörige Hochseeschlepper»Curzola" wird in einer amtlichen Mitteilung als verschollen bezeichnet. Der Schlepper war mit einer Besatzung von drei Unteroffizieren und fünfzehn Mann am vergangenen Sonntag unter normalen Wetterverhältnissen von Tarent nach Augusta(Sizilien) ausgefahren und hat zuletzt am Montag abends regelmätzigen Fahrtverlauf gemeldet. Seit Dienstag liefen zahlreiche Einheiten des in Tarent liegenden Geschwaders, unterstützt von Flugzeugen, nach dem verschollenen Schlepper aus. Alle Bemühungen find jedoch bis jetzt vollkommen ergebnislos geblieben, so dass, wie eS in der amtlichen Mitteilung heißt, angenommen werden kann, daß der Hochseeschlepper aus unbekannter und jedenfalls vorerst nicht bestimmbarer Ursache mit seiner ganzen Besatzung untergegangen ist. Ei« amerikanischer BundeSstaat feiert den 28. Oktober. Da- Tschechoslowakische Auslandsinstitut teilt mit, daß im Feber von beiden Häusern der Nationalversammlung in Maryland ein Gesetz angenommen wurde, durch welches der L8. Oktober zu einem staatlichen Hal b-F e i e r» t a g in Maryland erklärt wird, wobei durch eine Proklamation des Gouverneurs die Bürger deS Staates Maryland alljährlich aufgefordert werden sollen, deS großen Werkes des Präsidenten T. G. Masarhk zu gedenken und durch öffent* liche Versammlung den Gründungstag der Tschechoslowakischen Republik zu feiern. Werter wird durch eine Proklamation des Gouverneurs angeordnet werden, daß alle Staats- gebäudean diesem Tage zu b e- l a g a e n find. Das Gesetz wurde am 27. Feber vom Gouverneur des Staates Maryland unterzeichnet und ein mit dem Troßen Staatssiegel von Maryland versehenes Duplikat wird durch die Bereinigten tschechoslowakischen Vereine an den Präsidenten Masaryk nach Prag gesandt werden. Alte Kunst in Jgla«. Bor zehn Jahren wurden im alten Apotheker-HauS am Ringplatz in Jglau alte und wertvolle Wand- und Gewölbemalereien bloßgelegt, doch mußten wegen Geldmangels die weiteren Arbeiten einge- stellt werden. DaS Haus wurde nunmehr von der Firma Bata erworben, welche das mehrmals umgebaute HauS niederreißen wird und die sich freiwillig verpflichtet hat, die jetzt vollkommen freigelegten Malereien auf eigene Kosten abnehmen, einfassen und in das Gebäude des Jesuitengym« nafiumS übertragen zu lassen, wo auf Beschluß des Jglauer StadtrateS die Malereien in die Wände und Gewölbe des großen Saales im ersten Stock eingesetzt werden. Die Arbeiten werden von Fachleuten, di« das staatliche Denkmalamt vorschlägt, gleich bei Eintritt günstigen Wetters ausgenommen werden. Erst nach der vollkommenen Ueberführung der Malereien wird mit der Abtragung des alten HauseS begonnen werden. Insgesamt werden zehn Wandgemälde übertragen werden, darunter «Abraham opfert Jsak",«Jakobs Traum",»Liegendes Mädchen",»Traubenträger",»Waffenwäger",»Die Hl. Dreifaltigkeit",»Jesukind", und von den Deckengemälden die Bilder der Evangelisten Markus und Lukas. Die aus dem X VIll. Jahrhundert stammenden Gemälde sind sehr schön und gut erhalten. Freischärler überwältigen eine Garnison. Wie erst jetzt bekannt wird, haben am 9. März 800 Freischärler den ISO Kilometer östlich von Ehar- b i n gelegenen Ort Fangeben überfallen und di« dort untergebrachte mandschurische Garnison überwältigt. Sie erbeuteten ein Feldgeschütz, sechschwere und 17 leichte Maschinengewehre. Beduinen im Aufstand. Am unteren Euphrat befinden sich die Beduinen im Aufstand. Die Regierung versucht, den Aufstand unblutig beizulegen. Die Lage wird als sehrernst bezeichnet. Erleichterung für Nansenpaß-Jnhaber. Der Auswanderungsausschuß in Genf beschloß, den einzelnen Regierungen anzuempfehlen, die Zahl der Ausgewiesenen zu beschränken und ihnen wenigstens eine gewisse Frist einzuräumen, innerhalb welcher ihnen ein Nansenpah ausgestellt werden kann, der sie zum legalen Betreten fremden Gebietes berechtigt.. Die Kommission bewnte schließlich die Notwendigkeit einer einheitlichen Form der Ransenpäffe. Der Ausschuß tagte unter dem Vorsitze des griechischen Mitgliedes Raphael. KönigSkiader. Aus Stockholm wird amtlich die Verlobung der Prinzessin Ingrid von Schweden mit dem Kronprinzen Friedrich von Dänemark und Island mitgeteilt. Das Datum der Heirat ist noch nicht festgesetzt worden. Prinzessin Ingrid ist di« einzige Tochter des Kronprinzen Gustav Adolf von Schweden und der verstorbenen Prinzessin Margarethe von England. Prinzessin Ingrid ist 1910, Kronprinz Friedrich 1899 geboren. Gerettet« Fischer. Aus Gurijew im Gouvernement Stalin wird gemeldet, daß dort die Bergungsarbeit erfolgreich beendet wurde, die zur Rettung von Fischern in Angriff genommen worden war, welche auf Eisschollen in das Kaspische Meer hin- auSgetrieben wurden, kl Fischer, die bisher als vermißt galten, sind nun wohlbehalten an der Küste «ingetroffen. Auch di. letzte Gruppe von 88 Fischern mit 17 Pferden hat nunmehr glücklich und unversehrt das Ufer deS Kaspischen MeereS erreicht. „AufgeteUte" Dörfer. Wegen häufiger Elementarereignisse wurde beschlossen, die gesamte Bevölkerung der m a z e d u n i s chen Dörfer Dolno und Gorno Ujno, Resen und Ribarei in der Umgebung von Küstendil zu evakuieren und auf verschiedene Dörfer SüdbulgarienS aufzuteilen. Um die Regelung der Sperrstunden im Reichenberger Handel. Am 12. März sprachen- in Vertretung der Fachgruppe Handel des Allgemeinen Angestellten-Verbände-, Reichenberg, Landesvertreter Dr. Emil Strauß, und für die Ber-> cinigung der Gehilfenvertreter in Handel, Spe- i dition und Eyport, Sih Reichenberg, Roma«! Wir kn er bei der Landesbehörde in Prag vor, j um die Wünsche der Angestellten deS Reichenberger Handels nach Regelung der Sperrzeiten zu unterbreiten. Die Abordnung begründete eingehend das Verlangen,. solange die bereits dem Parlament vorliegenden Anträge auf gesetzliche Festlegung der Sechs-Uhr-Ladensperre nicht verabschiedet sind, wenigstens, wie dies schon für eine Reihe von Bezirken und Gemeinden geschehen ist, auch für Reichenberg die Sreben-llhr- Sperre anzuordnen. Gleichzeitig ersuchte die Abordnung um ausdrückliche Verordnung dieser Geschäftssperre auf alle Gewerbe, di« sich mit dem Warenverkauf in für den Kundenverkehr bestimmten Räumen befassen. In gleicher Angelegenheit wurde auch beim Ministerium für soziale Fürsorge interveniert. Der Referent' der Landesbehörde nahm das Vorbringen mit Interesse entgegen ünd versprach, nachdem die Voraussetzungen dafür gegeben sind, daß die Verordnung der Sieben- Uhr-Ladensperre in Reichenberg der Verwirklichung zugeführt werden wird. Ei« literarischer Fund. Der Puschkin- Ausschuß der Sowjet-Akademie fand in dem Nachlass« d«S berühmten Dichters ein Manuskript ohne Unterschrift und nähere Bezeichnung, in welchem ei» du Jahre 1787 von Voltaire an den Prinzen Friedrich von Preußen gerichteter Brief festgestellt wurde. Schwer« Unwetter. Auf Sardinien und Sizilien haben in den letzten Tagen schwere Unwetter erhebliche Schäden angerichtet. Auf Sizilien find etwa 40 Bauernhäuser zerstört worden. Sowohl auf Sizilien als auch auf Sardinien find einige Eisenbahnlinien unterspült worden. Zeitweise mußte der Verkehr unterbrochen werden. Entgleist. Auf der Orenburg-Bahn(Rußland), zwischen den Stationen Platowka und Udarnhi, entgleiste ein Zug. Zwei Personen kamen dabei umS Leben.— Infolge falscher Weichenstellung entgleiste in Sofia eia Tramwagen. Bei dem Unfall wurden 15 Personen, meist leicht, verletzt. »IE SIEGREICHE KONZERTREIHE 960- empfänger die beliebtesten und meist« verkauften Geräte in der Tschechoslo« wakei sind« SYSTEM TELEFUNKEN ucricNssaal Skandalöse Wirtschaft in einem nationalistisch geleiteten Stndeutenverein Wieder ei« Sekretär des»BSehrd^ Prag. Di« größt« ffchechische Studentenvereinigung ist der Juristenverein»P S e h r d", der seit Jahren unter nationalistischer Führung steht, vor allem repräsentiert durch Exponenten der Nationaldemokraten. Die Wirtschaft, die in diesem von .intregal-nationalen" Elementen beherrschten Fachverein herrscht, ist bereits ost Gegenstand schärfster Kritik gewesen. Vor einem Jahr wurde der seinerzeitige Sekretär Kopeöny wegen schwerster Unterschlagungen anvertrauter Vereinsgelder vor dem hiesigen KreiSgericht zu zehn Monaten Kerker verurteilt. Sein Nachfolger war«in gewisser JUE. Eduard Bartl, den die nationakdemokratische BereinSleitung mit der SekretärSfunktion betraute, wofür der bereits 28jährige Student 450 Kc monatlich bezog. .• Freitag stand nun auch dieser Sekretär des »VSehrd" vor dem Strafsenat JIlner unter Anklage der Veruntreuung von 8585 Kö. Die Anklage deS Staatsanwalts Dr. Zitek legt ihm zur Last, in seiner Eigenschaft als Bereinssekretär eine Meng« neuer Mitgliederlegitimationen ausgestellt zu haben, ohne daß er die gleichzeitig bezahlten Beiträge verrechnete. Ferner ist er beschuldigt, den Erlös für eine beträchtliche Anzahl von Eintrittskarten zu einem Gesellschaftsabend des Vereines nicht abae- führt zu haben. Die Verhandlung kam nicht zum Abschluß. sondern wurde infolge neuer Beweisanträge der Verteidigmra vertagt. Indes sind auch die bei dieser Verhandlung zur Sprache gekommenen Dinge sehr bemerkenswert. Der Angeklagte verteidigte sich damit, daß es sich um keine Veruntreuung. sondern um einen unver- schuldeten Verlust handle. Die Abgänge kamen durch Revision kurz vor der im November stattgefundenen Generalversammlung zutage, bei welcher die unter Anklage der Veruntreuung starke LinkSoppofition der nationalistischen BerbandS- leitung mehr als eine moralische Niederlage bereitete ES war unmittelbar nach den berüchtigten»In« signienkra wallen" und die faseifierende Reaktion arbeitete in allen studentischen Vereinigungen fieberhaft an der Erweiterung ihrer Positionen. In diesem Zusammenhang« ist die Verteidigung deS Angeklagten von Interesse, welche sich darauf stützt, daß in dieser Zeit kurz vor der Vollversammlung im Auftrag deS Ausschusses Legitimation«« um- sonst ausgestellt wurden. ES dürfte auf der Hand liegen, zu welchem Zweck solche»Freimitglieder" unmittelbar vor einer politisch so bedeutungsvollen Vollversammlung in letzter Stunde ausgenommen wurden. Ergänzt wurde die Aussage deS Angeklagten in diesem Punkte durch das als Zeuge vernommene Ausschußmitglied Stro« hach, auS dessen Vernehmung hervorging, daß am Tage vor dieser kritischen Vollversammlung 175 neue Mitgliedslegitimationen auSgegeben wurden. Die Mißwirtschaft in diesem von»integralen Nationalisten" geleiteten Verein wird aber auch durch die sonstige Verteidigung des Angeklagten charakterisiert. Der angeklagte Sekretär machte seine Eintragungen in die Bücher»wennerZeithatte" Der Buchhalter deS Vereins, der den Sekretär zu kontrollieren hatte, unterließ diese Kontrolle, weil er»keine Zeit h atte". Neben dem Angeklagten waren noch andere Bereinsmitglieder als Aushilfskräfte mtt der Ausstellung von Legitimationen und dem Verkauf der Eintrittskarten zu dem Gesellschaftsabend betraut. Mit einem Wort— alles was da vorgebracht wurde, ergibt das Bild einer wahrhaft skandalösen Wirtschaft. Man darf aus die weitere Entwicklung dieses Prozesses gespannt fein. rb. Der Prozeß gegen die Ausfuhrscheinfälscher Zweiter Prozetztag Prag. Der Prozeß gegen daS Fälscherkonsortium und die Mitangeklagte wurde Freitag fortgesetzt. Die außerordentlich langwierige Einvernahme der Hauptbeschuldigten ergab kein klare- Bild der Sachlage. Jeder beteuerte seine Gutgläubigkeit und schob die Schuld auf die anderen. Die Rollen der einzelnen Hauptakteure ist daher nicht leicht festzulegen, da in jedem der vier eingeklagten Fälle eine andere Gruppe dieser Gemeinschaft im Vordergrund steht. Die Reftaurateurin H o k e i wird durch Aussagen einzelner Mitangeklagter belastet, nach welchen sie einen Apparat zur Uebertragung der amtlichen Stampiglien und Unterschriften seinen sogenannten Opalographen) anschaffte. Der Angeklagte K o n e i n h hat ursprünglich bei der Polizei und auch vor dem Untersuchungsrichter ein G e st ä n d- n i S abgelegt, nach welchem er unter Mitwirkung der Mitangeklagten Dr. N e s v a r a, Panyrek I und Anna H o k e S die Falsifikate fabriziert hat. Dieser Koneinh scheint nach allem daS aktivste Mitglied des Konsortium- gewesen zu feig, wie er ja auch der einzige ist, der i« Untersuchungshaft behalten wurde. Später widerrief Koneöny aber seine ziemlich weitgehenden Geständnisse, suchte die Mitangeklagten Dr. N« S v a r a und Panhrek gleichfalls zu entlasten und schob alle Schuft» auf die H o k e$. Ueberflüssig zu bemerken, daß die Hokes diese belastenden Aussagen entrüstet zurückwieS. Auch di« nicht so sehr im Vordergrund stehenden, oder nur in. einzelnen Fällen belasteten übrige« Angeklagten beriefen sich auf ihre Gutgläubigkeit. Mit einem Wort: keiner der Angeklagten bekennt sich zu der Fälschung oder zu der Mitwisserschaft. Ziemlich glaubhaft erscheint die- bei der Hausgehilfin K o n ft a n t i n, die bei der Angeklagten H o- keS bedienstet war und in dieser Eigenschaft von einzelnen Klienten Gelder einkassierte und ihrer Dienstgeberin auch sonst an die Hand ging. Waden Landbankdirektor Schiffner betrifft, so hat dieser auf Betreiben eines Verwandten seine Beziehungen zur Beschaffung der DevisenauSfuhrbewil- ljgung für William Fisk benützt und. ist auf diese Weise mit den übrigen Angeklagten in'Berührung Mitteilungen au» de« Publikum. Massiere Dich täglich; verkühL Dich ttiel DaS ist einmal ein Schlagsatz, dessen Beherzigung Nicht genug empfohlen sei« kann. Ünd er ist so leicht z« befolgen: Sin paar Tropfen deS Alpa-Franzbranntweins in die hohle Halft» und dann fest den Körper damit eingerieben; erst ist eS angenehm frisch, dann wohlig warm und vor allem: der Körper ist gefett gegen Verkühlung und Folgekrankheiten l DaS sagt auch der Arzts gekormnen. Auch er bestreitet, von der Fälschung der ursprünglichen Bewilligung von 500 auf 450.000 KL gewußt zu haben, wogegen die Anklage fteilich inS Treffen führt, daß er als Bankfachmann hätte Verdacht schöpfen müssen, da der ganze Vorgang ganz ungewöhnlich war. Das Hauptgewicht deS Beweisverfahrens liegt neben den Zeugenvernehmungen auf dem außerordentlich umfangreichen Schriftenmaterial, dessen Verlesung den zweiten VerhandlungS- tag zum großen Teil ausfüllte. DaS kompliziert« Beweismaterial bot den vier Verteidigern Gelegenheit zu einer Menge neuer Anträge, so daß nicht ganz ausgeschlossen erscheint, daß daS ursprünglich für SamStag erwartete Urteil eine Verzögerung erfährt. rb.- George Arliß in einer der Hauptrollen in dem amerikanische« Film»Die Rothschilds". OPTIK u. FOTO DEUTSCH PFikopy Sette« „Sozialdemokrat" Damktag, 16. März 1935. Nr. 61 AUFBAU ODER Die sudetendeutsche Politik am Scheidewege. Darüber spricht Abgeordneter Wenzel Jaksch in einer ÖFFENTLICHEN VERSAMMLUNG am Mittwoch, dem 20. Mürz um 8 Uhr abends im Großen Saale der„Urania**, Prag II., Klimentskß Die nächsten Wochen sind für die sudetendeutsche Politik von entscheidender Bedeutung, jeder Deutsche muß sich daher über die politischen Verhältnisse im Sudetendeutschtum orientieren. IV Erscheinet alle! Keiner fehle!-w PRAGER ZEITUNG 81 Niederlassungen. vcrclnsnadiriditcn Sport» Spiel» Körperpflege Verwaltungsrates 800.000. 24.000. 8.000.000. 409.604.- 850.000.- Durchführung aller Geldgeschäfte. KC Kä Ke Ke Ke Verwaltungs-Kapital 800 MillionenM. Haftungs-Kapital 80 Millionen Kt. zu verbinden, ist ihm nicht mehr gelungen, als ein dinnen-Stil, interessanter, aber verfehlter Versuch- Die Szenen, in denen er die Erinnerung an die Meisterfilme von ehedem heraufbcschwört, find die wirkungsvollsten. Da ist ein Sonntagsspaziergang der Kleinstädter, eine Kaufmannshochzeit,«ine Zecherei in der Zigeunerkneipe und hin und wieder eine bewölkte Landschaft,— und diese Szenen find von Bkldkunst und Wirklichkeitsschau erfüllt. Mer fie find, wie alles in diesem Film, sehr ungeschickt ins Ganze gefügt. Die Regie, die Mischen zwei Stilen schwankt, bringt weder Uebergänge noch Aufbau zustande. Petrob hat(was Eisenstein und Pudowkin nie getan haben) ein Drama verfilmt. Ein Drama von Ostrovsky, das im vorigen Jahrhundert spielt und in dessen Mitte eine snnge Frau steht, di« der Enge ihrer(von der Schwieaermutter und der Dumpfheit des kleinstädtischen Lebens vergifteten) Ehe entfliehen will, und die nach dem Ehebruch ins Wasser gebt, weil sie sich lunter der Wucht kirchlicher Vorstellungen) ihre Sünde selbst nicht verzeihen kann. Wäre die Kirchen- und Kleinstadtmoral, die Geldgier der mütterlichen Krämerin und das Spießertum jener Zeit zum Gegenstand des Films geworden, dann hätte er aus der Sphäre des Privatschicksals herausgeboben werden können. Aber Petrov hat sich nicht entscheiden können(oder wol- Kreditanstalt der Deutschen r. g. m. b. H„ Prag. Gewitter" ebenso- Alogisches Theater durcheinander, er führt tendenziöse Seitenhiebe und hemmt sie durch Kmnmerspiel- auftritte. Wie noch nie in einem Rusienfilm. herrscht . Allerdings Die Hauptdarstellerin T a- Wenn Aerzte Diana Bollmilch- Malz empfehlen, ist es ein Beweis seiner Qualität. „eingeschänkt", d. h. durch den rechten Hintermann einer Mannschaft über' das Netz geschlagen wurde, verfügt die gegnerische Mannschaft über drei Schläge, um den Volleyball zurückzusenden. Dieser darf weder die Erde berühren, noch zweimal durch den gleichen Spieler geschlagen werden.- Die Mannschaft, welche Anschlag hat, behält ihn und verzeichnet jedesmal einen Puntt, so oft die gegnerischen Spieler den Ball verfehlen, ihn außerhalb der Grenzen des Spiels werfen, oder mehr als drei Schläge beim Zurücksenden anwenden. Die Mannschaft, welche Anschlag hat, kann also allein Punkte verzeichnen. Sie verliert den Anschlag, wenn fie einen der vorerwähnten Fehler begeht, oder wenn der Anschläger den Ball in das Retz wirft. Wie"beim Tennis, ist der beim Ueberspielen das Retz streifende Ball zurückzugeben— jedoch nur beim Einschänken. Während des Spiels ist der streifende Ball gut. Jeder Wechsel des Anschlages führt die regelrechte' und kreisförmige Umstellung der Spieler jener Mannschaft herbei, welche ihn aufnimmt. Die Voveybäller haben also keinen festen Posten(wie z. B. beim Fußball), nachdem sie ihren Platz bei jedem Anschlagwechsel, ändern und so verhalten sind, der Reihe nach einzuschänken- Schließlich soll der Ball während des Spiels weder gehalten, noch gestoßen, choch begleitet, sondern einfach mit den Händen, den Fäusten oder dem Kopf getroffen werden. Volleyball verlangt kein besonderes Training. Außerdem kann er regelmäßig ohne Verausgabung ebenso.unnöttger als verderblicher Energien ausgeübt werden. Ms ideales Mannschaftsspiel, bei dem jede Brutalität geächtet ist, wird es morgen durch alle jene erwählt und ausgeübt werden, welche den Sport als ein wunderbares Instrument der physischen Entwicklung betrachten: Harmonisch und anziehend. A. Leduce. Trolleybus Hanspaulka—Stresovice Der Stadtrat nahm den Antrag der Verwaltung der elektrischen Straßenbahnen an, daß das Projekt einer Trolleybus-Strecke von der Hanspaulka nach Stiesovice mit einem Auftvand von 932.000 Kö für die Errichtung der Strecke und 760.000 KL für die Anschaffung der Trolleybusse genehmigt werde. Der Betrag ist im Jn- vestitionsbudget für 1985 enthalten. Der Stadtrat hat den Antrag der Zentralvertretung zur Annahme empfohlen. Das Eisenbahnministerium wurde um Be- tvilligung zum Beginn der vorbereitenden tech- uischen Arbeiten ersucht. Ebenso wurde dem Ministerium. das Projekt mit dem Gesuch um Genehmigung und um Erteilung der Konzession für diese Strecke borgelegt. Nach der Kündigung sucht der Arbeitslose Angestellte Hilfe und findet fie nur bei der Gewerkschaft. Kollege und Kokegin, deine Gewerkschaft ist der Allgemeine Angestellten»Verband. Rechtsberatullst, Arbeitslosenunterstützung, kollegiale Hilfe, Urlaubsheime, Stellenvermittlung stehen dir für einen geringen Beittag zur Zeit der Slot zur Verfügung. Organisiere dich sofort. Du hilfst damit auch dtt selbst. Mir Prag G e- s ch ä f t s st e I l e: Närodni tr. 4, 3. Stock. Die Grippe läßt nach. Das Stadtphysikat meldet: Der Gesundheitszustand der Bevölkerung kann jetzt im allgemeinen als gut angesehen werden. Die Grippeepidemie ist im Abflauen. Insgesamt wurden in den letzten vier Wochen mehr als 2000 Grippefälle gemeldet, doch entspricht diese Zahl nicht der wirklichen Ausbreitung der Grippe, die besonders in der zweiten Feberhälfte vor allem die Schuljugend ergriffen hatte, so daß die Schließung vieler Schulklassen und einiger ganzer Schulen notwendig wurde. Erfreulich ist, daß in den letzten Monaten die Zahl der Erkrankungen au Scharlach und Diphtherie auf die Hälfte gesunken ist, so daß das provisorische Krankenhaus in Karolinenthal geschloffen werden konnte. Razzia auf Kokainisten. In der Nacht auf gestern führte die Polizei in einer Reihe von Nachtlokalen eine Razzia auf Rauschgifthändler und Abnehmer durch. 40 Personen wurden angehalten. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag halb 8: Erstaufführung: Gentlemen.— Sonntag 3: Ich Habs getan, 8 Uhr: Mäd- chen für alles.— Montag 8: M ä d ch e n für alles, Bankbeamte und freier Verkauf.—- Dienstag 8: G e n t l e m e n.— Mittwoch 8: Mädchen für all es.— Donnerstag 8: Jchhabs getan.— Freitag 8:Gentlemen. — Samstag 8: Mädchen für a l l e s. daß seif wenig zufrieden sein wie. die anderen, die nach Alexandrows„Die ganze WM lacht" eine Glanz- leistung im westlichen Tonfilmftil erwarten. Denn der Regisseur Vladimir Petrov reicht nicht an hier der Eindruck der Schauspielerei, die Größen des alten und des neuen Ruffenfilm-. einer sehr beachtlichen. Stils heran, und indem er versucht hat, beide Stile rasova bleibt zu sehr im antiquierten Tragö- ober die Mutter-Darstellerin Mo- Isalitrnova Und das dreist-heitere Liebespaar der Kortschagina und des T a r ch a n o v find sehens- und rühmenswert in ihrer ttaftvollen und prägnanten Realistik. Wer also wertvolle Einzelheiten sucht, wird sie in. diesem Film finden. Wer ocher ein Erlebnis sucht, wird enttäuscht von dannen gehen. A. Velecktz, Th. Pistök und Ria Byron in dem neuen heimischen Lustspiel„Müller Karafiat". Spielleitung: Jan Svitäk. Die Arbeitslosigkeit Aus Mitteln der Stadt und des Staates wurden am 11. März 19.932 Personen unterstützt, das sind um 1983 mehr als am 4 d. M. In den Arbeitsbataillonen sind 662 Jugendliche, so daß insgesamt 20.59.4 Personen unterstützt werden. Havon sind, außer den angeführten 662 Mitgliedern der Arb'eitsbatgillione.17.231 Männer uyd 2081 Frauen in den Arbettskolonnen, welche auch 326 Personen auß den Kreisen der Intelligenz, die als Beamte und Aufseher verwendet werden, Unterstützung bieten. In den Jugendheimstätten sind 56 Arbeitslose. < Ortsgruppe Prag. Sonntag um 9 Uhr a Endstation der 21er in Branik. Wan- H derung nach Modian. Eihadlo, Zbraslav. y Führt: Zechner.— Die Mitglieder werden ersucht, sich den„Naturfreund" im Vereinsabend(jeden Freitag von 6 bis halb 8 Uhr im Bereinsheim. Närodni 4) abzuholen. »Ul' Mill» Das Gewitter Wer von einem neuen Ruffenfilm erwartet,.. er die Sowjet-Meisterwerke der Stummfilm-> len): er bringt Zustandsschilderungen und psycho- fortsetzt, wird mtt diesem„Gewitter" ebenso- logisches Theater durcheinander, er führt tenden- Elngeserrdet. Jahresabschluß der Kttlik-Chaudolr. Erhöhte Dividende 7.5 Prozent.— Fortschreitende Stabilisierung. Ausbau der Produktton und der Auslandsverbindungen. Prag. 14. März. Heute fand in der Anglobank die XVII. ordentliche Generalversammlung der Kkijik-Chaudoir Kupferwerke, Kabelfabrik und Elek- ttotechnische Werke A.-G. statt, welche die Bilanz und den Jahresbericht für das Jahr 1934 genehmigte. Die Verwendung des unter Einrechnung des Gewinnvorttages vom Vorjahre per Ke 6,489.754.—» zur Verfügung stehenden Reingewinnes wurde wie folgt gemäß dem Vorschlag des genehmigt: 7%% Dividende,,■,. Tantiemen dem Verwaltungsrat Den Arbeiter- u. Beamtenfonds Dem besonderen Pensionsauf- befferungsfonds der Beamten- schaft..••••»'. Remuneration der Revisoren. Der Restbetrag von Ke 2,406.150.— wird auf neue Rechnung vorgetragen. Für die elektrotechnische Fabrik wurde ein günstig liegendes Objett in Smichov angekauft, wohin im heurigen Jahre die Produktion von Elektromotoren und Starkstromapparaten verlegt werden wird. In Prag Vlll. wurde in Mieträumen die Produttion von alkalischen Akkumulatoren eingerichtet., Im Stande der Beamten und Arbetter waren keine größeren Aenderungen. Auch der Kundenkreis blieb im ganzen unverändert. In einigen Zweigen ermöglichte die Devalvatton die Berttefung und Erweiterung der Auslandsvcrbindungen. Gemeinsam mit den übrigen tschechoslowattschen Kupferfabriken wurden mehr als 90 Prozent des AttienkapitalS der Firma Sandrik A.-G. erworben, auch der Anteil an der Präger Akkumulatoren A.-G. wurde vergrößert. Das letztere Werk arbeitete erfolgreich und auch bei der Firma Kabel Polstt A.-G. zeigen sich Anzeichen allmählicher Besserung. Dagegen litt di« Metallwerkgesellschaft m. b. H. in Modrice an Mangel an Bestellungen. Für das Jahr 1935 wird ein bettiedigendeS Ergebnis erwartet. 2929 Volley-Ball— ein Idealspiel des Arbeitersports Ein einfacher Spott, anziehend und keine Gefahr in' sich bergend, ist Volley-Ball. Er wurde durch die amerikanische Armee nach Frankreich verpflanzt, während er in unseren Arbeitersporttreisen wenig bekannt ist. Bon allen Gesichtspunkten betrachtet, ist aber Volleyball tatsächlich berufen, das ideale Ärbettersportspivl zu werden. Ms vollkommenes Spiel kann Volley-Ball in jedem Mer ausgeübt werden: durch junge Männer sowie junge Mädchen, bei denen er Geschicklickckeit und Geschmeidigkeit-entwickeln wird; durch alle Spöttler(besonders den Fußballern) während der Sommersaison; durch die Sportveteranen, welche im reifen, Mer sich die'früher durch die Ausübung des Spotts erworbenen Eigenschaften bewahren wollen. Der Bolley-Ball-Platz soll mindestens 18 Meter in der Länge und 8 Meter in der Breite messen. Ein Netz von 90 Zentimeter mal 9 Meter, dessen oberer Rand sich auf 2.40 Mtter Höhe befindet, teilt ihn in zwtt Felder, wo sich die zwei gegnerischen Mannschafien, zusammengesetzt aus je fünf Spielern(zwei Vordermänner, ein Mittelmann und zwei Hintermännern) befinden. Für weibliche Mannschafien soll das Netz 2.20 Meter vom Boden entfernt sein, für Schülermannschaften 2.15' Meter. Der Spielball(mit schmiegsamer Lederhülle) soll 280 Gramm wiegen, fein Umfang 69 Zentimeter bettagen.• Ein Match wird am besten in drei Skets zu 15 Punkten gespielt. Die Entscheidung wird nötigenfalls mtt 21. Punkten erstritten. Wenn der Ball Kunst and Wissen Bühnenangehörige, Achtung! Der Verband deutscher Bühnenleiter in der Tschechoslowakei hat sich verpflichtet, alle Engagements in ersttr Linie durch die konzessionierte St eilen v e rmittlung des Brünner ü.h n e n b u n d e S, Brünn, Janaöckplatz 2, zu tätigen. Alle Bühnenangehörigen werden hiemit aufgefordett, sich in ihrem eigensten Jntereffe unverzüglich bei der obgenannten Stellenvermittlung zu melden und das Material einzusenden. Wochenspielplan des Reue« Deutschen Theaters. Samstag halb 8: Berdizyklus VIII: Ein Maskenball, D,2.— Sonntag halb 3 Uhr: Die Zeiten find schwer, Ardtttervorstrlluug, halb 8: P o- lenblut. Dl.— Montag halb. 8: Die schöne H e'l e n a, volkstümliche Borstemmg.—/Dienstag halb' 8: Hinter M a u e r-n, zum ersten Male« A Mittwoch 8: D er ,B a-r b i e r v o n Sevilla, Gastspiel Willy Domgraf FaUiänder, Bl.— Donnerstag 7: I« n u f a, Abonn. aufgehoben.— Freitag halb 8: H i n t er Mauern, Sb 2.— Samstag hab 8: F i g a r o S Hoch- z e i t, Gastspiel Willy Domgraf-Faßbänder, A 1. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung inS Laus oder btt Bezug durch die Post monatlich Ke 16.—. vierteljährig Ke 48.—. halbjährig Ke 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst bertthnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Poft- und Telegraphendirektton mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:'„OrbiS" Druck-. Berlags- und ZeitungS-A.«G.. Prag. filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Lieb mich heute nacht". A.—• Alfa:„Menschen im Hotel". A.— Avion:„Dec Sturm". Ruff.— Brranek:„Eine von Millionen". Tsch.— Feniz:„Im Zeichen des Kreuzes". A.—- Flora:„Der rote Pimpernell". Engl.— Hvkzda: „Das Phantom von London". A.— Julis:„Ball im Savoy". D.— Kinema: Journale, Groteske, Reportage. Halb 2 bis 7 Uhr.— Koruna:„Der Phantom von London". A.— Kawa:„Back Stritt". Ä.— Lurerna:„Back Street". Ä.—« Metro:»Di« ganze Welt lacht". Ruff.— Olympie:„Der Sturm". Ruff.— Passage:„Ball im Savoy". D-— Radio:„Erne von Millionen". Tsch.— Staut:„Kampf um Millionen".— Alma: „Mutterherz". Tsch.— Bajkal:„Im Morgenrot". Tsch.— Belvedere:„Es lebe der Selige". Tsch,•—«