Nr. 65 Sonntag, 17. März 1935 15. Jahrgang Nnrelpnlr 70 Heflr (•inichliaSlidi 5 IMtet UM 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiu fochova«. mffOR»77. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Hitler deckt die Karten auf Volk in Kenntnis b. h. 960.000 Mann Friedensstärke, sei ein Element entstanden, das bei der Abfassung des Versailler Vertrages nicht geahnt werden konnte j durch die gestern beschlossene Einführung der zweijährigen Dienstzeit in Frankreich seien die gedanklichen Grundlagen der Schaffung kurzdienender Armeen aufgegeben worden. Die Reichsregierung empfinde es unter diesen Umständen als eine Unmöglichkeit, die für die Sicherheit des Reiches notwendigen Maßnahmen noch länger hinauszufchieben oder gar vor der Kenntnis der Mitwelt zu verbergen. Die Wahrung der Ehre und Sicherheit des Deutschen Reiches sei von jetzt ab wieder der eigenen Kraft des deutschen Volles anbertraut; durch die Fixierung des Umfanges der deutschen Maßnahmen würden jene Behauptungen„entkräftet", daß das deutsche Boll nach einer militärischen Hegemonie in Europa strebe. Die deutsche Regierung wolle nur jenes Ausmaß an Machtmitteln sicherstellen, die nicht nur für die Erhaltung der Integrität des Deutschen Reiches, sondern auch für die internationale Respektierung und Wertung als eines Mitgaranten des allgemeinen Friedens erforderlich seien. Neber die Wahrung der deutschen Ehre und der Freiheit des Reiches wolle sie nie hinausgehen und insbesondere in der nationalen deutschen Aufrüstung auch kein Instrument kriegerischen Angriffes Nachmittags nm 8 Ahr setzte die Reichsregiernng die Botschafter Frankreich-, Großbritanniens und Italiens, sowie die Gesandten und bevollmächtigten Minister jener Staaten, die den Versailler Friedensvertrag unterzeichnet haben, von dem Wortlaut des neuen MllitLrgesetzes und dem Inhalt des Anfrufes an das deutsche I Ueber Flottenaufrüstung noch nicht entschieden Auf eine Frage des Reuter-Berichterstatters erklärte Reichspropagandaminister Dr. Goeb bels, daß die allgemeine Wehrpflicht alle Teile der Wehrmacht umfaßt, das ist das Landheer und die Flotte sowie die Luftschiffahrt, daß aber noch nicht bekauntist, ob auch die Kriegs flotte vermehrt werden wird. Dem Beschluß war eine Reihe von Konfe- keichsstsbinett beschließt allgemeine Wehrpflicht dereinführung der allgemeinen Wehrpflicht. Der Artikel V des Vertrages von Versailles, der aus dem Papier noch existierte, faküsch freilich sett dem 5. März 1933 dauernd verletzt wurde, wird von Deutschland eigenmächtig gestrichen. Es läßt sich im Augenblick nicht sagen, welche Folgen das haben wird. Die drei Großmächte, die als europäische Vertragspartner Deutschlands den Versailler Vertrag unterzeichnet haben, sind in ihren jüngsten Besprechungen in Rom und London übereingekommen, Deutschland die Streichung des Artikels V zu bewilligen, aber keinesfalls als ein seitige Vertragskündigung, sondern durch Beschluß des Völkerbundes, sobald Deutschland nach Genf zurückgekehrt sein würde. Die drei Mächte müßten demnach auf Grund ihrer eben abgeschlossenen Vereinbarungen mtt den schärfsten Mitteln gegen Deutschland vorgehen. Es ist aber durchaus fraglich, ob sie das tun. Es ist trotz dem britischen Weißbuch— das vermutlich dazu beigetragen hat, den Nazis die Unsinnigkeit einer weiteren getarnten Rüstung zu bewei sen— nicht ausgeschlossen, daß Paris und L o n d o n sich mit formellen Protesten begnügen, es ist durchaus möglich, daß Sir L,Sim o. n und 2 o r.d E d e_n trotz dieser Ohrscige nach Berlin reisen. Denn daß Hitler und Göring den Schachzug gewagt, daß die Reichswehr ihn— wen« auch wahrscheinlich widerstrebend— hat durchgehen lassen, beweist: daß die Rüstung Hitlerdeut s ch l and s heute schon a u s r e i ch t, u mzurNot einen Waf- fengang zu riskieren. Was ost verhöhnte Warner, gerade aus dem sozialistischen Lager, seit zwei Jahren wiederholt ausgesprochen haben, daß die Frist, in der man den rasenden preußischen Neomilitarismus noch zur Vernunft zwingen kann, bald zu Ende sein würde, das erweist sich nun als richttg. Der Uebergang Hitlers und Görings von der geheimen Rüstung zum offenen Bruch der Verträge ist d a s Sig n a l,daß die deutscheAufrüstun g dieerste Gefahrenzone passiert hat» daß die Hitlerregierung im Augenblick einen Krieg nicht mehr um jeden Preis vermeiden muß, sondern ihn als Risiko in Kauf nehmen kann. Verhängnisvoll erweise^ sich jetzt die schweren Versäumnisse des letzten Halbjahres, die dilettantischen Gehversuche La vals, die Preisgabe der großzügigen Polittk Barthous für lächerliche Zugeständnisse Musso lin s, dessen ganze Fragwürdigkeit als Partner sich bald erweisen wird. Wenn es noch einen Weg gibt, die von Gö ring und Hitler angekurbelte Kriegsmaschine außer Gang zu setzen, so muß er jetzt beschritten wer den. Wir sehen ihn heute wie seit langem im so fortigen Abschluß und der öffentlichen Bekannt gabe eines Militärbündnisses zwi- i sch en Frankreich, Rußland und der Kl einen Entente, dem beizutrten Eng land einzuladen wäre, in der Umwandlung des Völkerbundes in ein wirksames Instrument zur Sicherung Europas gegen den Krieg, in der Ver hängung w i r t s ch a f t l i ch e r Sanktio nen über Hitler und seine Bundesgenossen. Wenn England und Frankreich, die Polittk der letzten Monate fortsetzen und auch nach diesem Schritt Deutschlands formal protestieren, faktisch aber schweigen, so ist der deutsche Revanchekrieg, kunst mit den Regierungsmethoden anderer Pär- nicht mehr aufzuhalten. Die deutsche Armee wird'' in drei bis vier Jahren über 6— 800.000 Mann stehender Truppen und über drei Millionen jun ger Reserven verfügen. Bei dem technischen Kriegspotential Deutschlands garantiert diese Hee- resmacht zwar noch nicht den Sieg Deutschlands , in einem langdauernden Ringen, Wohl aber kann jdaß die G rup p e G ö r i n g-R o s e n b e r g-! sie, überraschend eingesetzt, den einen oder (tt« t. t.« Y M GDawaIam«a LaCX«_.2_» M I x'— m A CD a. JC C L'—''£L.. a.£ a>a> A*” mit der Reichswehrgruppe des Regimes liegt, iml a n d sz e rt r ümm e r n, ehe Europa aus Berlin. Die Vertreter der auslLndischen Presse wurden SamStag ganz plötzlich in das Propagandaministerium berufen, wobei ihnen seitens des Reichspropagandaministers folgende Mitteilung gemacht wurde: Deutschland führt die allgemeine Wehrpflicht ein. Das Gesetz, das Samstag um 1 Ahr mittags beschlossen wurde und die Unterschrift Hillers und sämtllcher Reichsminister trügt, hat nur drei Paragraphen. 8 l. Der Dienst in der Wehrmacht erfolgt auf der Grundlage der allgemeinen Wehrpflicht. 8 2. DaS deutsche Friedensheer einschlleßllch der überführten Truppen-Polizei gliedert sich in 12 Korpskommandos und 36 Divisionen. 8 3. Die ergünzenden Gesetze über die Regelnng der allgemeinen Wehrpflicht sind durch de« Reichswehrminister dem Reichsministerium vorzulegen. Gleichzeillg wird ein Aufruf Hitlers an daS deutsche Volk veröffentlicht, in dem erklärt wird, daß die Abrüstungsbestimmungen des Der- sailler Vertrages einseillg von der Gegenpartei durch ihre Aufrüstung gebrochen worden seien. Einleitend wird erllärt, daß Deuttchland im Jahre 1918 die Waffen nur gestreckt habe, weil es hen. vierzehn Punkten Wilsons vertraut und geglaubt habe, daß es durch sein Opfer ein für allemal die Welt von ähnlichen Schrecken erlösen werde.(Wo bleibt die übliche Terminologie von dem»Dolch stoß" und den.Novemberverbrechern"?) Deuttch land habe die ihm einseittg auferlegten Abrüstungs verpflichtungen erfüllt, die anderen Staaten hätten aber trotzdem nicht abgerüstet, sondern hätten im Gegenteil ihre Rüstungen zum Teil sogar erhöht. Dadurch sei Deutschland jeder Drohung und jeder Bedrrchung jedes einzelnen wehrlos ausgeliefert ge wesen. Weil die Deutschland in der Dezember- erllärung(noch unter Schleichers Kanzlerschaft) feierlich zugesicherte Gleichberechtigung keine Ver- ioirllichung fand, habe Deutschland Genf ver lassen, sei aber auch nachher noch zu Verhand lungen bereit gewesen, um die Reichswehr in eine kurzdienende Armee zu verwandeln; auch dies sei abgelehnt worden, Hls weiteres Beispiel der Friede fertigkett Hitler-Deutschlands wird der Pakt mit Polen und die Erklärung an Frankreich angeführt, daß Deutschland nach der Saar-Regelung an Frank reich keine tertttottalen Forderungen mehr stellen werde. Durch die Schaffung einer sowjetrus- rusiung ar fischen Armee vvn 101 Divisionen,,ausbilden. nachmittags nach Berlin zurückgekehrt war, im Laufe des Abends mtt einigen Kabinettsmitglie dern hatte. Rach halboffiziellen Berichten soll es in der Kabinettssitzung direkte Rührszenen gegeben haben. Rach Bekanntgabe des Gesetzes durch Hitler hätten sich alle Minister„spontdn" »wt chren Sitzen erhoben, worauf der Reichswehr- G o e b b e l s, die seit Monaten in heftigem Kampf'andern Nachbarstaat Deutsch mmlster von Blomberg ein dreifa ch:s H»tk,-----"-- auf H r t l e r ausgcoracht yave, vrrvundm mit Vordringen ist und zmn zweitenmal in kürzer Frist seinem Staunen erwacht. einem Gelöbnis ,,der wetteren unverbrüchlichen Hitler für einen Schritt in ihrem Sinne zu gewin-1■ 7.2..“ 7 llttb RervUNdenHeit•\ I nett tnuftb WaA hpr brüllen WpÜmtnrt! Was ist eine„nationale und kulturelle Notwendigkeit“? Auf diese Frage wird manchem manches einfallen» je nach dem Standpunkt, von dem aus er die Poltttt der Deutschen in der Tschechoslowakei beurteitt, je nach dem Ziel, das er anstrebt. Nur die wenigsten aber werden auf die Antwort verfallen, die als letzte Weisheit am Ende eines Lett- artikels der»Deutschen Presse" erscheint Dort heißt es nämlich— aber bitte nicht lachen, es steht Wittlich dort!— daß„die christlichsozialt Volkspartei eine nationale und kulturelle Notwendigkett für das Sudetendeuffchtum ist".„Niacht meechlich" sagt Grock in solchen Fällen. Die Ehrisllichsozialen wiegen sich in großen Hoffnungen. Nach ihrer Mitregierung in den Jahren 1926 bis 1929 und den großen Erfaßen, die sie damals erzielten wie z. B.: Steuerreform zugunsten der Banken und großen Unternehmen, Stabilisierungsbilanzen, Abbau der Selbstverwaltung und Ruinierung der Finanzen der Selbstverwaltungskörper, Erhöhung der Kongrua, Systemisierung der Beamten st eilen und einigem mehr, haben sie sich eine Zeitlang nicht recht hervorge- wagt und es vorgezogen, wie das Veilchen im Verborgenen zu blühen. Das Ehaos, das im deutschen Lager durch die Hitlerei entstanden ist, scheint ihnen aber das rechte Element, um wieder aufzutauchen. Sie versprechen sich von den Wahlen einen Zulauf an Wählern, die vergeßlich genug sind, sich an 1929 nicht mehr erinnern zu können, sie hoffen aber vor allem, daß ein Scheitern der SHF ihnen zum Heile gereicht, weil Hilgenreiner, wenn H e n l ein fällt, der g r o ß e R e t t e r und nationale F ü h r e r der Sudetendeutschen wäre.(Seit Hitler genügt es einen Namen zu haben, der mtt»H" anfängt und schon ist einer zur mystischen Persönlichkeit geworden). »Noch keine der bisherigen Parlamentsperioden", behauptet die»Deutsche Presse", habe»mit einer solch starken Passivbilanz für das deutsche Volk im Staate abgeschlossen, wie die letzte". Es folgt der Hinweis auf die Folgen der Wirtschafts« krise, die als Ursache nicht geradezu ausgeschaltet, aber doch bagatellisiert wird. In der Hauptsache sei die Polittk d« deutschen Regierungsparteien an allem Unglück schuld. Jndustriefried- höfe,zusammen gebrochenedeutsche Firmen, Hunderttausewde Arbeitslose— die nationale Zurücksetzung sei schuld an ihnen. Merkwürdig, daß eS dann in Ländern, ftie von christlichsozialen Politikern regiert werden, diese Erscheinungen auch gibt. Belgien hat Jndustriefriedhöfe, Arbeitslose, verkrachte Unternehmungen, obwohl die katholische Partei den Hauptfaktor der Koalition darstellt, die allerdings vom Bankkapital gegängelt wird. Jn Oe sterr Wenn sich der Wahnsinn überhaupf noch ver- Gewi H t^v-e r l o r e n haben, wird jeder iw- nen wußte. Nach der brüsken Ablehnung des Bs- hindern läßt, dann in dieser letzten Stunde jektive Betrachter darauf zurückführen müssen, daß Sonntag früh wird Hitler noch an der Toten- suches Simons und Görings Erklärung über die• durch ein energisches Nachholen alles dessen, was die Sudetendeutschen sich nicht auf der Höhe ihrer feier in der StaatSoper teilnehmen, eine Parade Luftaufrüstung kommt die Ankündigung der Wie-!in zwei Jahren versäumt wurde! geschichtlichen Aufgabe gezeigt haben, sondem z« «eite S Sonntag, 17. MSrz 1935 Nr. 85 Paris sondiert... Pari-.(HavaS.) Infolge der Entscheidung der deutschen Regierung wurden SamStag abends Instruktionen an die diplomatische« Vertreter Frankreichs in de« Hauptstädten der inter- essterten Staate« telegraphiert, daß sie mtt den Regierungen, bei denen sie akkreditiert sind,inFühlung treten sollen. Wie eine Bombe... Paris. Die Nachricht über die Einführung der allgemeine« Wehrpflicht in Deutschland ist in den letzten Ausgaben der Pariser Abendblätter veröffentlicht worden und Hatz?n Par'S wie eine Bombe eingrfchlage». Weder in politischen Kreisen, noch in der Presse war eine solche Massnahme erwartet worden, wenigste«- nicht sobald und nicht in einer so entschiedenen Form, welche die Welt vor ein Fait aeeompli stellt, ohne auf die von Deutschland unterzeichnete« Verpflichtungen und auf die gleichzeitigen Vorbereitungen zu de« Verhandlungen mit de« Grossmächten Rücksicht zu nehmm. An verantwortliche« politischen Stellen Frank- rrichS wird daß deutsch» Gesetz nicht nur als gereizte Antwort ans die gestern verabschiedete Verlängerung der Militärdie«stz«tt in Frankreich, sondern vor allem alS treubrüchig« Verletzung des Versailler Vertrags und der Verpflichtungen Deutschlands angesehen. ♦ London.(HavaS.) Die heutige Berliner Meldung hat in London wie eine Bombe gewirkt. Tie wurde sogleich dem Ministerpräsidenten Mardonald und Aussenminister Sir Jahn Sima«, die hente beide ausserhalb London- weilen, mitgeteilt. Sir John Simon kehrte«och Samstag nacht- nach London zurück. Die in London anwesenden offiziellen Persönlich- keiten betonen für ihre Person den E r n st der von Hitler gemachten Geste. Inoffizielle diplomatische Kreise erkläre«, dass die Tat der deutschen Reichsregirrung Zweifel darüber entstehen lässt, ob die Reise der brittschen Minister«ach Berlin wirklich zustande kommen wird. Rom nicht überrascht Rom. sHavas.) Die Nachricht, daß Deutschland di« militärischen Bestimmungen des Frie» densvcrtrages verletzt hat, hat in italienischen Kreisen keine allz««rotze Neber- r a s ch u n g hervorgcrufen. Da- Ereignis selbst wird für bedeutsam gehalten, man erklärt jedoch, daß es nur die logische Folge der kürzlichen Erklärungen Goerings über die Militarisierung der deutschen Luftfahrt ist. Washington: „Ernste Beunruhigung” Washington.(Reuter.) Die Einführung der allgemeine» Wehrpflicht in Deutschland hat in den amtli.en Kreisen der Bereinigten Staaten ernste Beunruhigung Hervorgernfen. Diese Kreise machten sofort darauf aufmerksam, daß durch das Borgehen der deutschen Regierung die Verpflichtungen Deutschlands auö seinem mit den Bereinigten Staate« im Jahre 1921 abgeschlossenen Vertrages verletzt werden, da dieser Vertrag für Deutschland die gleichen militärischen Beschränkungen wie der Versailler Friedensvertrag enthielt, an dem sich die Bereinigten Staaten nicht beteiligten. Da- Staatsdepartement wahrt größte Zurückhaltung hinsichtlich des künfttgen Vorgehens und wartet vorläufig das Einlangen offizieller Berichte aus Berlin ab. Wlell« Schutzbundprozess anfangs April Wien. Das Wiener Oberlandesgericht verwarf die Einwendungen der 21 Führer des sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbundes, des MajorS i. R. Alexander Eifler und Genossen gegen die im Zusammenhang mit den Feber- Ereignissen vorigen Jahres gegen sie erhobene Anklage wegen Hochverrates und setzte die Schwurgerichtsverhandlung definitiv auf dir Zeit vom 3. biS 18. April fest. Starke Kammermehrheit Mr Handln« Dienstzeitvorlage Paris. Nach Abschluss der Debatte Lier die Erhöhung der Dienstzeit sprach die Kammer in der Nachtsitzung mit 350 gegen 196 Dimmen der Regierung das Vertrauen au- durch die Annahme einer von radikalsozialistischer Seite ringrbrachten Entschließung, die di« Erklärung der Regierung billigt, ihr da- Vertrauen bekundet und den llebergang zur Tagesordnung fordert. Gegen die Regierung stimmten außer den Kommunisten, Sozialisten und Reosozialisten die Mitglieder de- linken Flügel- der radikalen Partei und ebenso Mttglieder der Rechtsparteien» der französischen Republikaner und der französischen Sozialisten. Die nächtliche Debatte, vor deren Beginn sämtliche Klub» ihre endgültige Stellungnahme festgelegt hatten, war bereits ruhig. Der Führer de» linken Flügels der radikalen Partei Dala- d i e r erhob zahlreiche Einwände gegen den Rc- gierungscntivurf. Gleich nach ihm meldete sich der Führer der radikalen Partei Staatsminister Herriot zum Wort, der bereits während der Debatte im Klub der Radikalen mit Daladier «inen scharfen Zusammenstoß hatte, und legte in ausführlicher Rede die Gründe der inneren und äußeren Politik dar, die die Regierung und alle verantwortlichen Staatsmänner dazu zwingen, sich für die Regierungsmaßnahmen einzusetzen. Sowjetrußland hat seine Armee von 609.000 auf 940.000 Mann erhöht. Warum sollte Frankreich da» nicht erlaubt fein, wa- den Sowjet» erlaubt ist, rief Herriot, und verwies dabei auch auf das Beispiel Englands und anderer demokratischer Staaten. «aßen Delle« dem HitleriSmus verfallen sind. Da- bezahlen sie mit einer beträchtlichen Einbuße an Einfluß im Staate. Daran aber ist auch Hilgenreiner zum guten Teil schuld. Sein Kokettieren mit der Hitlerei, seine Spekulation auf Nazistimmen reihen sich würdig den politischen Manövern der K r e b S, I u n g und Henlein an, die durch die Verbreitung de» nationalistischen HitlergeisteS unter den Sudetendeutschen das Verhältnis zwischen Tschechen und Deutschen vergiftet, das Verhältnis der Deutschen zum Staat in eine falsche Ebene der Verhandlung verschoben haben. Nichts ist so bezeichnend dafür als die Tatsache, daß die sogenannte Heimatfront, die angeblich nationalste Partei der Sudetrndeutschen aus mtt> daran ist, ihren EintrtttinsParla- ment mit einer förmlichen„W a h l- kapitulatton" vor der tschechischen Rechten zu erkaufen, daß die Mitarbeit dieser Deutschen am Staate von allem Anfang mtt einer Hypothek auf ihre Gesinnung und ihr Wirken belastet wird. Die demokratischen deutschen Parteien konnten Poltttt auf Grund der innerstaatlichen Machtverhältnisse treiben. Diese Politik war sicher nicht leicht und es kostete mehr Arbeit, Opfermut und Pflichtgefühl bei den verantwortlichen Personen, als ein Naziskribent sich je vorstellen konnte, um nach den jahrzehntelangen Sünden der deutschnationalen Politik in diesem Land«, um nach den verbrecherischen Dummheiten der deutschen Kriegspolittk, den ehrlich demokratischen Kreisen des Deutschtum» da» zu erstretten, was sie heute besitzen. Daß es auch anders sein könnte, lehrt die Lage der deutschen Minderheiten in den fascistt- schen und habbfascistischen Staaten, in Italien, Polen, Ungarn u. a. Die nazistischen deutschen Parteien vermögen sich gar nicht auf Grund innerpolitischer Machtverhältnisse in die Politik einzuschalten. Sie selbst haben—- Hilgenreiner so gut wie Krebs und'Henlein— d e n F a k- t o r.Hitler" in die Re ch n u n g gesetzt und dafür präsentiert ihnen die tschechische Rechte die Gegenforderung. Nur als Gefangene des tschechischen FaseiSmuS und des reaktionären Flügels der tschechischen Mitte können dies« deutschen Gruppen«in Stück zweifelhafter Macht gewinnen, nur solange e» halten, als sie Kuli» de» tschechischen Nationalis- muS und seiner finanzkapitalistischen Hintetzmänner bleiben. Ob Henlein diese Rolle spielt oder ob Hilgenreiner als glücklicher Erbe sie übernimmt(wofür die„DeutscheLand- p o ft" ihm heute schon»ein kräftige» Pfui Teufel" entbietet) ist dabei ohne Bedeutung. Eine nationale und kulturelle Notwendigkeit für da» Sudetendeutschtum wär« ebendeshalb«ine gründliche Reinigung d e r H i r n e v o m H i t l e r g e i st und von der braunen Romantik, die radikal« Abkehr der verantwortlichen Politik von sascistifchen und ständischen Wahnideen, aus denen uns Su« detendeutschen— von dem kleinen Sektor der Kapitalisten, abgesehen— nur Rot und Unglück erwachsen können. Die Ehrtstlichsozialen sollten ihr Gewissen erforschen, statt hochmütig Zensuren auszuteilen, und erwägen, daß gegenüber der T o d s ü n d e an der Ration, di« Hilgenreiner zu begehen sich anschickt, selbst di« unglückselige Regiererei de» Mayr-Harting nur eine läßliche und bei einiger Reue aus dem Schuldbuch der Geschichte zu tilgende Sünde wart 33 Roman von Frttt Rosenfeld Bis in den Traum sollte es klingen: der Glocken« ton des Silber», die purpurn« Fanfare de» Aolde», das tausendfältige Rascheln der Banknoten, geheimnisvoll wie der Gesang der Millionen Knospen, die in einer Frühlingsnacht sich an hunderttausend Bäumen entfalten. Cabrolle schlief, di« Hand um den Hal» der Bierflasche geschlungen, auf der nackten Bank. Steinboden war sie, denn da» Wiesengrün und die fett« Erde hatte er verspielt, sein Hau» und sein Bett und da» Bett seiner Kinder, alles war dahin. Georgia und Raymond« schliefen, auch im Schlaf löste sich der Ausdruck ihrer Gesichter nicht. Sie lebten da» gleiche Leben, sie verschwiegen die gleichen Wünsche, sie träumten den gleichen Traum. Auf einem hohen Berg standen st«, wie zwei dunkle Gäulen, weithin sichtbar im Land. Ein Strom von Menschenleibern kroch den Berg hinan und die Menschen reckten die Arme und schrien mtt einer einzigen Stimme:.Helft un», ihr, die ihr es überwunden habt. Wir fürchten uns, Schwestern, es geht über unsere Kraft," Und da hoben Georgia und Raymonde ihre Arme und ihre samtschwarzen Mäntel entfalteten sich, sie standen da. hoch und unnahbar und es war. al» hätten sie Flügel. Engel de» Tode», standen sie über dem Land; nicht knochenfingrige Totengerippe. Frauen mit dem milden Antlitz der Güte und dem erlösenden Blick in der Liebe. Sie schlugen die schwarzen Wolkenflügel ihre» Mantel» über dir Welt zusammen und alle» Leben verging cchne Schmerz und ohne Wehlaut, und e» war kein Sterben. sondern ein Heimkehr in die stille ewige Heimat de» Herzen». Der Kellner hatte die Pferde ausgespannt und sie im nächsten Bauernhof in den Stall gebracht; der Wagen stand da, die Deichsel hing nieder, als wär« sie gebrochen, und ein« Katze schlich sich in das raschelnde Stroh. Mit der Peitsche spielte der Wind; heute trieb sie kein Roß mehr zur Eil« an. Bier Kerzen brannten im Haus und sieben Menschen wachten. Der Dtationsvorstand an seinem Schreibtisch, über Diensworschriften gebeugt, die ihm die Antwort auf seine Frage schuldig blieben. Carlotta und Olavsen nebenan, in dem Zimmer, durch da» der Tod geschritten war. Marinka und Helling im Wartesaal, am Büfett, neben einer Kerze, die am Erlöschen war, Mareel und Tenia, in dem kleinen Warteraum, in dem sie geprobt hatten, in dem sie gestritten hatten, und der nun still dalag wie an anderen Tagen um diese Stunde, «in vergessener Winkel der Welt. Sie sprachen in die feierliche Sttlle hinein, mit der Stimme ihrer Herzen. Er war, als sprächen sie zu sich selbst, als sei das Wesen, das ihre Worte vernahm, ein Teil ihrer Seele. Jener tief verborgenen, unzugänglichen Seele, zu der die Worte nur dringen, wenn eine Wunde den Weg geöffnet hat. G Carlotta saß in dem graugrünen Lehnstuhl am Fenster, der sie umstng wie eine Schale die Frucht. Noch rauschte die ferne Brandung des Gelächters und der Fragen in ihrem Ohr, die Tanzmusik und di« lauten Stimmen der Girls, der Trubel, der so nah war und doch weltenweit von diesem Zimmer. Al» die drüben da» Ringen wieder ausgenommen hatten, als sie wieder kopfüber in'den Kessel der Zweifel stürzten, in den Krater der Rätsel, hatte hier einer alle Fragen aufgegeben und alle Zweifel. auSaelöscht. Sie hatte seine Hand zwischen den Händen gehalten, als das letzte Zucken durch seinen Körper lief, sie hatte den Blick seiner Augen getrunken, da er mehr sah, als Lebende sehen können. Ihre Gedanken gingen zurück, zu Mareel, zu Lenia, zu Frau Avory; der kleine Revolver flog in den Winkel, Blumen starben im Staub der Kulisse, ein Spiegel zerklirrte. Sie mußte Ordnung in ihre Gedanken bringen; sie kroch tief in den Lehnstuhl, als könnte er sie schützen. Da waren Halling und Marinka und Herr von Ebel, sie standen wie Figuren auf einer kleinen Bühn«, und es war als käme sie lange nach Beginn de» Stückes und müßte erst allmählich erraten, welche Fäden die Gestalten verbanden. Oladsen hatte ein paar Kiffen auf dem Boden aufgeschichtet, er saß neben ihr, sein Kopf lag in ihrem Schoß und ihre Hand fuhr durch sein Haar. „Ich weiß nichts von Gregor," sagte er. „Aber es tut mir leid um ihn." „ES ist gut für ihn," sagte Carlotta.„WaS lag noch vor ihm?" „Ein ganzes Leben lag vor ihm. Er war jung." „Er war nicht jung. Die Jahre lügen. Wir sind alle nicht so iung, wie wir aussehen. Wir sind verbraucht und hoffnungslos. Sieh dir Tenia an. Oder den Zeichner. Oder Ludwig. Oder Clarissa. Man kann in einem Jahr Jahrzehnte erleiden. Mich haben drei Monate alt gemacht." „Ein Tag kann Jahre wieder wegwischen, Carlotta, Jahrzehnte."' „Du bist ein Mann, Olav, bei dir ist daz ganz anders. Du hast mehr Widerstandskraft gegen die Erinnerungen, du bist dem Gestern nicht so wehrlos yuSgeliefert wie wir. Dich zerbricht das Verzichten nicht." „Ich bin ihm ausgeliefert, Carlotta, und es zerbricht mich. Wir sind schwächer, als andre Menschen, tvir, die Generation zwischen zwei Kriegen." „Du sprichst, als hättest du zehn Leben hinter dir. Du hast doch kaum eines begonnen." '„Ich bin auf der Flucht bcr dem Leben, Car- lotte. Auf der Flucht zu mir. Ich wollte in die einsamste Einsamkeit, die es gibt, ich wollte mich irgendwo in den Dschungeln des Donaudelta» verbergen oder nach Kleinasien hinüber, an den Rand der Wüste. Nun flog die Brücke in die Luft, der Weg, den ich gehen wollte, zerrann, er ist nicht »le politische Woche Das Wahlfieber, das sich schon vor Wochen eingestellt hatte, ist in der«^gelaufenen Woche recht kräftig angestiegen. Es wurde dieS nicht nur durch die Ueberspitzung der nationalistischen Agitation im tschechischen Lager, sondern in sehr hohem Maße auch durch die Vorgänge im deutschen Lager herbeigeführt, die mm auch auf die tschechische Politik in sehr starkem Maß abgefärbt haben. In den Händen der tschechischen maßgebenden Faktoren liegt heute nicht mrr das Schicksal der Henleinfront, sondern auch daS des Bundes der Landwirte. Alle Welt weiß heute, daß gewiße Scharfmacher im Koalitionslager sich das ChaoS im deutschbürgerlichen Bereich nutzbar machen zu suchen, um sich in der Phantasie schon mtt dem Bleistift in der Hand einen Block von hundert Mandaten, also ein Drittel des Parlamentsbestandes, zurechtzulegen. Es mag für sie sicherlich wenig erquicklich sein, ihre zukünftig« Politik und ihre Herrschaft auf so unsichere Kantonisten aufbauen zu müssen, wie es die Mitglieder der aufgelösten deutschen Parteien sind, aber was tut man nicht alles, wenn man unbedingt auf seine Rechnung kommen wil... lieber die Komik der Situation, daß sich Herr Stoupal als Heerrufer für die deutsche Volksgemeinschaft an die Spitze gestellt hat, wollen wir gar nicht reden. Es ist schwer, hier keine Sattre zu schreiben... Mittlerweile haben das Parlament und seine Ausschüsse ihre Tätigkett begonnen. Wichfige Vorlagen, wie das AuSländergesetz und die Exportkredite, find bereits verabschiedet. Die große Sanie- rungsvorlage steckt noch in den Ausschüssen und wird dem Parlament in der kommenden Woche noch reichlich Nahrung geben. Auch für den Senat ist an Arbeit reichlich gesorgt. Die Regierung die ununterbrochen Beratungen abhält, ist bemüht, dem Parlament entsprechenden Nahrungsnachschub zu geben, damit die wichtigsten Teile des Arbeitsplenums, das sich die Koalitton gesetzt hat, noch vor den Osterferien bewältigt werden können. Hiezu gehören noch die finanziellen Bedeckungsvorlagen für die Sanierung der Selbstverwaltung und gewisse wirtschaftliche Vorlagen, mit deren Verhandlung in der Regierung begonnen wurde und welche zum Teil von der Nationalversammlung, zum Tell durch Notverordnungen verabschiedet werden sollen. Das gilt insbesondere auch von dem Biehmonopol, dessen grundsätzliche Bestimmungen den Gegenstand mehrfacher Beratungen gebildet haben. Die Meldungen, daß in dieser Frage bereit?«in« völlige Einigung erzielt wurde, sind unzutreffend, da derzeit noch immer lediglich über die Konstruktion des neuen Monopolgebildes beraten wird und daher irgendwelche Entscheidungen oder Bindungen noch nicht vorliegen. Die Beratungen der Negierung sollen schon Montag vormittags wieder beginnen; als eine der ersten Fragen soll dann die»v-Stnnden« Woche moen noch unerledigten Punkten verabschiedet werden. Dies gift auch von der Erwerb» steuernovelle, deren Einbringung im Parlament noch im Laufe dieser Woche beabsichtigt wird. Hier gibt es mehrfach strittige Punkte, da auch das Meritum der Vorlage noch nicht geklärt ist. Diese unerledigten Punkte sind jedoch nicht solcher Art, daß sie nicht schon in einer oder zwei Beratungen geklärt werden könnten. Ueber den Zeitpunkt der Wahlen liegen bisher noch keinerlei neue Entscheidungen vor, was aber nicht ausschließt, daß auch mit einem früheren als dem Septembertermin gerechnet werden kann. An den Ergebnissen des Wahlganges würde auch ein solcher früherer Termin kaum etwas ändern. mehr da, ich habe keinen Boden mehr unter den Füßen, ich muß zurück. ES packt mich wieder und hält mich wieder und saugt mich wieder aus." „Ist das so schlimm, Olav?" „Vielleicht mache ich es mir so schwer. Aber ich kann nicht leben, wenn ich nicht weiß: es bleibt etwas von mir, etwas, das ich geschaffen habe» wenn ich eines Tages hinübergerufen werde zur großen Musterung. Der eine baut ein Haus, ünd es bleibt, wenn er geht. Der andere meißelt eine Statue, der dritte malt ein Bild, der vierte entdeckt einen See, der seinen Namen trägt, der fünfte erfindet ein Serum, das Millionen Menschen rettet. Von mir sollen ein paar Bücher bleiben, ein Buch, ein einziges, aber da» will ich schreiben dürfen." „Sind dse Bücher wirklich ein Leben wert, Olav? Vielleicht.bist du gar nicht für ein Leben hinter Büchern, in Büchern geschaffen? Man muß Herr über die Bücher sein können, Meister über seine Geschöpfe. Du wärest ihr Sklave geworden, Olav, sie hätten dich nicht glücklich gemacht." „Vielleicht muß ich jemandem dienen. Aber ich will mir den Herrn suchen. Die Rotationspresse, die der Hunger zum Herrn über mich gesetzt hat, soll es nicht sein." „Herr ist ein falsches Wort, Olav. Cs klingt nach Peitsche und Befehl. Du brauchst einen Freund, einen Menschen". „Ich habe nie einen Freund gehabt. Ich habe fremd neben meinen Eltern gelebt, wir hÄien uns nie verstanden. Ich habe tausend gute Bekannte in der Stadt, wir spielen die Komödie der Freundschaft, aber einen Freund habe ich nicht". „Es müßte eine Frau sein, Olav", „Es gab eine Frau..." „War sie schlecht zu dir?" „Nein". „War sie gut? Liebte sie dich?" „Nein". „Ist sie fortgegangen? Für immer?" (Fortsetzung folgt.) ZK. 65 «Mittag, 17. März 1935 Seite 8 fudetendeutsdier Zcitspiegci •*1 Die Wirtschafts-Katastrophe im Bezirk Gablonz Hunderttausend ringen mit der Not Ein furchtbares Bild entrollt die Denkschrift, welche der am 13. März in Gablonz abgehaltenen Konferenz der Gemeinden vorgelegt worden ist. Dieser Industriebezirk macht Wohl eine der schwersten Krisen mit und es werden alle Kräfte angespannt werden müssen, nicht nur um die Wirtschaft wieder aufzurichten, sondern um die Menschen dort vor dem Untergang zu retten. Die Industrie in diesem Bezirke ist hauptsächlich auf di« Ausfuhr angewiesen und betrug im Jahre 1828 Kd 1.128,293.800.— und im Jahre 1934 nur mehr Kd 450,000.000.—, somit um 66 Prozent weniger. Um 680 Millionen Kronen werden im Jahre 1934 weniger Waren als im Jahre 1929 ausgeführt. Daß sich dieser Aussuhrentfall aus die Beschäftigung smoglichkeit und die Lohnsumme auswirken muß, ist eine Selbstverständlichkeit. Bei den Exportfirmen waren 380» Personen beschäftigt, jetzt noch 2234, bei den Gürtlern Ware» 5087, jetzt nur mehr 2698 usw. Insgesamt waren noch im Jahre 1930 bei der B. St. B. A. 34.836 Personen mit einem Durchschnittsverdienst von Kc 22.78 täglich gemeldet, während es im Iah« 1934 nur mehr 22.053 mit einem Tages-Durch- schnittsvetdienst von Kd 18.— waren. Das ergibt, wenn man 300 Arbeststage im Jahre rechnet, zusammen im Jahre 1930 eine Lohnsumme von rund 240 Millionen Kronen und im Jahre 1934 eine Lohnsumme von 120 Millionen Kronen. Es ist daher ein LohnauSfall von 120 Millionen Kronen in einem Jahre. Bei voller Arbeitszest gibt es Wochenlöhne von Kd 60.— bis 80.—, bei den Kurzarbeitern, von denen 5409 gezählt wurden, find Wochenlöhnr von Kd 30.— bis 40.— keine Seltenheit. Ein besonderes Kapitel aber find die Heimarbeiter, von welchen im Jahre 1934 insgesamt 33.533 gemeldet wurden, von denen aber nur 15.626 versicherungspflichtig find, das heißt nur 15.626 Heimarbeiter von 33.533 erreichen eine« Monatslohn von Kd 120.—. Besonders leidet unter der Wirtschaftskrise das Kanmitztal. An Arbeitslosen werden derzeit gezählt. In der Gemeinde: Einwohner Josefsthak... 1693 Unter- Maxdorf. 1384 Defiendorf... 1740 Polaun.. 4823 Arbeitslose 556 580 556 2200 Der Gemeindevorsteher von JosefSthal, Genosse Elstner, berichtet, daß laut Erhebungen zehn Kaufleute nicht weniger als wie 313.000.-— Kd Schulden bei ihren Kunden ausständig haben. Niemand kann mehr zahlen, da? Kreditgeben aber ist auf die Dauer nicht möglich. Aus der Denkschrift geht hervor, daß in zehn Gemeinden die Schulden bei den Gewerbetreibenden und Kaufleuten bereits 3.5 Millionen Kronen betragen, so daß bei gleichem Verhältnis im Bezirk« rund zehn Millionen Kronen Schulden zu rechnen sind. Die Verschuldung der Gemeinden. 88 Gemeinden, welche zu dieser Denkschrift die Unterlagen lieferten, berichten, daß sie 146 Millionen 173.249 Kronen Schulden haben, wofür Kd 8,134.000.— Zinsen und Kd 4,698.000.— Amortisation bezahlt werden müffen. Die Um lagenbasis, welche 1929 noch Kd 3,401.269.— betrug ist im Fahre 1934 auf Kd 662.913.— gefallen. Alle diese Gemeinden brauchen in keine Katastrophe mehr hineingeraten, sie find schon darinnen. Die Konferenz, der dieses furchtbar« Ziffernmaterial vorgelegt wurde, war von 15 Gemeinden aus dem Bezirk Gablonz und sieben Gemeinden aus dem Bezirk Tannwald beschickt. Außer den Gemeindevertretern war auch eine Anzahl von Bezirksvertretern anwesend, es hatten das Ministerium für öffenlliche Arbeiten und das Fürsorgeminifterium, das Ge- werbeinspeftorat, die Bezirksbehörde Vertreter delegiert, von den Parlamentariern waren die Abgeordneten Genosse Roscher und Bobek lchristlichsozial) soioie Senator Kostka(DAWG) anwesend. Den Vorsitz führte Genosse H l a d i k, welcher den Zweck der Konferenz erklärte und auch die Denkschrift erläuterte. In der Debatte sprachen: Genosse E l st n e r-Josefsthal, der auf die besonderen Schwierigkeiten im Kanmitztal verwies, Genosse D e m m e r-Unter-Diaxdorf besprach die Folgen, die durch die Moratoriums-Berhängung über die dortige Geldanstalt entstehen. In der jetzigen Nutzest kann ein Mensch, der sich einige Ersparnisse machte, diese nicht erhalten. Er schätzte die hypothekarische Verschuldung im Kamnitztal auf 30 Millionen Kronen, wozu sicher noch 80 Millionen geschäftliche Schulden kommen. Die Kommunisten Ehrlich, Komar und Blafchke erklärten sich mft der Denkschrift einverstanden. Ihre Ausführungen gipfelten darin, daß große Manifestationsoersammlungen gemacht werden sollen. Senator Kostka sagt, daß eine Soforthilfe und eine vorbereitende Hilfe in Angrift genommen werden muß. Es müffen mehr Lebensmittelkarten zuge- teill, die Industrie in Bewegung gesetzt werden Revolte in der Tachauer SHF 80 Austritte Wir haben bereits vor einigen Tagen berichtet, daß es in der Tachauer Ortsgruppe der SHF zum Ausschluß von drei Heiomtfrontlern gekommen ist. Nun sind mit den Ausgeschlossenen 80 Mitglieder aus der SHF ausgetreten, womit aber die Austrittsbewegung noch nicht abgeschlossen ist. Der Hauptgrund der Austritte ist der, daß die Mitglieder der SHF in Tachau mit den von Henlein ernannten Orts- und Bezirksführern nicht einverstanden sind. Die Ortsgruppen haben sich ihre Funktionäre selbst gewählt, Henlein,»der Demotrat", hat aber andere ernannt, so daß zweierlei Orts- und Bezirksführer da waren, gewählte und ernannte. Wie es schon einmal in der Henleinschen Demokratie ist, mußten die Gewählten den Ernannten weichen. Jene, die demokratische Wahl der Funkttonäre verlangten, wurden kurzerhand als Kommunisten bezeichnet und als die Oberherren ihre Partie verloren sahen, stimmten sie einsach das Weihelied an und sangen so lange, bis die anderen das Lokal verließen. Wie eS heißt wollen die aus der SHF auSgesprungenen Oppositionellen eine neue Partei gründen. Das wollen nun die Henlemleute verhindern und welcher Mittel sie sich dazu bedienen, davon zeugt die Nachricht der.Zukunft", wonach ein Henleinmann der Oppositton mit der Anzeige an die Behörde gedroht und gesagt habe, daß er die Auflösung einer Organisatton der Oppositton herbeiführen werde und eS find Notstandsarbeiten in die Wege zu leiten. Abg. Genösse Roscher bespricht die Mängel in der Ernähcun gsattion und sagt, daß zwischen den einzelnen Gemeinde» große Unterschiede bestehen. In reinem Arbeitevgemeinden, die nie etwas hatten, würde auch das Betteln gehen nichts nützen. Die ArbestSlosen in solchen Gemeinden find am schrecklichsten daran. Notwendig find nun geworden Kleideraktionen. Zuteilung von Zucker, Brot und Kartoffeln sowie Heizmaterial. Das Hauptsächlichste aber ist die Beschaffung von Arbett. Den Gemeinden muß bei der Ausarbeitung von Projekten an die Hand gegangen werden. Abg. Bobek empfiehll das Reichcnberger Hilfskomüee zu erweitern und auf Gablonz auszudehnen. Genosse Häckel verlangt größere Zuweisung von Lebens- mittellarten und sagt betreffs der Notstandsarbeiten, daß diese nicht davon abhängig gemacht werden sotten, was die Gemeinden dazu bestragen können. Einmütig werden die Forderungen der Denkschrift angenommen: 1. Erklärung des polittschrn Bezirke- Gablonz als Notstandsgebiet. 2. Bereitstellung von staatlichen Mitteln be- Hufs Inangriffnahme der produktiven Arbeitslosenfürsorge. 3. Einbeziehung der Jugendlichen in die Er- nährungsaktion. 4. Beschleunigte Einlösung der Ernährungskarten. 5. Einführung der 40-Ttuudenuwche. Es wird Wetters beschlossen, einen Ausschuß einzusetzen und werden in denselben gewählt die Bürgermeister, resp. Stellvertreter von Gablonz, Grünwald, Dessendorf, JosefSthal, Kukan, Polaun, Tannwald und Wiesenthal, sowie ein vom Bezirk zu nominierender Vertreter. Der Bürger» meister von Gablonz wird alS Vorsitzender bestimmt. Außerdem werden den Sitzungen die Parlamentarier zugezogen. Auf den Ausschuß wartet eine große Arbeit, sie muß geleistet werden, wenn dieses einst blühende Gebiet nicht dem Untergang geweiht sein soll. Hilfe, rasche Hilfe ist notwendig. — weil sie aus ehemaligen Hakenkreuzlern besteht. Wie man sieht, versteht sich die SHF glänzend auf das Denunzieren von Volksgenossen— sobald dies« Volksgenossen anderer Meinung sind als der Führer. Stoupal gibt Verhandlungen zu Ein Dementi als Bestätigung Wir haben bereits zweimal die Nachricht von Verhandlungen des Agrariers Stoupal mtt Henlein gebracht, tvas den Beteiligten sicher nicht gerade angenehm war. Nun laßt Herr Stoupal durch das Preßbüro folgendes Dementi verbreiten: „Dieser Tag« veröffentlichten einige tschechische Blätter Vie Nachricht, daß ich nnt Henlein und dessen tidrig« Mitarbeiter« tidrr eine eventuelle pelitische Kooperation verhandelt habe. Ich kau» erkläre«, daß ich Henlein zwar persönlich kenne, aber ich keime seine übrige« Mitartetter uicht, dir erwähnt wurden. Ein mal hatte ich eine Unterredung mit Heulei«, »m die ich ersncht worden war und welche sich auf die Frage tezog,»t die Anflösnng der Hrnlein- frent erwartet werde« kam»»der nicht. Von irgend einer Zusammeuartett der tschechoslowakischen Agrarier mit Henlein kann iiderhaupt nicht di« Rede sein. Ich erkläre nicht nur politisch, sondern auch nut«eine« Ehre«, wort, daß von irgendeiner'' solchen Kooprratio» «berhaapt uicht die Rede sei« kann." Besser bestätigt können unsere Meldungen wohl nicht mehr tverden. Der mährische Millionär und der Ascher deutsche Turnlehrer kennen also einander persönlich. Eine Unterredung hat aber nur einmal stattgefimden. Und selbst bei dieser einen Unterredung haben die beiden anscheinend nichts anderes gemacht, als an den Knöpfen abgezählt: Wird sie aufgelöst, wird sie nicht... Schade, daß man sie bei dieser interessanten Beschäftigung nicht für die Wochenschau gefilmt hak! Wir können die wertvoll« Feststellung, daß die Unterredung Stoupal-Henlein tatsächlich stattgefunden hat, durch weitere Jnformaüonen ergänzen: Die Henlemleute halten nächsten Dienstag in Prag über die Frage einer gemeinsamen Wahlliste mtt dem Bund der Landwirte ihre entscheidende Sitzung ab. Die tschechischen Agrarier wollen bis zum Mittwoch» an welchem Tage sie selbst tagen, die Entscheidung dar« über herbeigeführt wissen. Nach dem Dienstag wird man also klar sehen, wie die Unterredung Henlein-Stoupal wirklich ausgefallen ist. Schluckt Henlein-und seine SHF die gemeinsame Kandidatenliste mtt dem Bund der Landwirte bei voller Aufrechterhaltung der Selbständigkeit der deutschon Agrarpartei, so ist das der Beweis, daß Henlein vor Stoupal!a- pitulieren mußte, weil er vor ein kategorisches E n t w e d e r—O der gestellt wurde. Unangenehm ist bloß, daß Henlein in der bekannten Hei- matfrontkundgebung, die in Marienbad nach der Saarabsttmmung stattfand, berettS die stolze Erklärung abgegeben hat, daß die SHF selbstän- d i g in die Wahlen gehen wird. Nun müßte die SHF das wieder stornieren' oder es riskieren, die wertvolle Patronanz Stoupals zu verlieren. Aber was liegt an einem Neinen oder größeren Umfall — wie viel solcher Umfälle hat nicht die deutsche Oeftentlichkeit jenseits der Grenzen bei Hitler mit Begeisterung hingenommen... Henlein ist derzeit in einer nicht gerade sehr angenehmen Situation. Wie wir aus zuverlässiger Quelle hören, soll er in den letzten Nächten gewisse Angstträume gehabt haben. Immer wieder erschien ihm der auS einem gewissen Drama bekannte Mohr, der seine Schuldigkeit getan hat» und zwar immer zu einer Zeit, da die Wahlen vorbei und die Rettung der Landbundmandate für den Agrarblock durch die Stimmen der SHF bereits gellm- gen war...- Weitzer Marz Spät und unterwartet, nach einem schneearmen Winter und ersten Borfrühlingstagen schüttete der Himmel die weiße Fülle über die Berge aus. Tagelang schneite es. Höher und höher bauschten sich die weißen Decken und Kissen. Und dann kam Kätte, ungewöhnlich streng für diesen Monat.„Märzenschnee tut Saaten und Feldern weh", sagt die Bauernregel, aber alle da oben, für die der Gebirgswinter die verdienstbringende »Saison" ist, fteuten sich über den Schnee, der die Wintersportler hcrauflockt in die verschnetten Wälder, auf die weißen Hänge, in die verstreuten Gdbirgsdörfer.„Schade", sagten sie,„diesen Schnee hätten wir um Weihnachten und Neujahr haben sollen— jetzt kommt er zu spät; im März haben viele schon keine rechte Freude mehr daran, Mit den Brettern ins Gebirge zu fahren". Gewiß, im März wendet sich die Sttmmung schon anderen Dingen zu; wenn die Blumenftauen mit Veilchensträußchen an den Straßenecken stehen, glaubt niemand mehr so recht an den Winter. Aber es kamen doch viele. ES war ein Marsch in die Berge, ein Marsch blauer und bunter Truppen, bewehrt mtt geschulterten Brettern. Und wer unten angesichts der weiß und braun gescheckten Aecker noch gezweifelt hatte, ob der Schnee„reichen" würde, sah oben ftoh überrascht die weißen Flächen, di« tiefverschneiten Wälder, in denen es kein Grün mehr gab, nur Schneelasten und Rauhreif, ein prachtvolles Pelzwerk aus Schnee; Gehänge, Girlanden, Festons aus phantastischer Schnee-Ehenille und Eisglas, schimmernde Bögen und Hallen, eine Feerie in Weiß und Blau. Dieser Märzsonntag, strahlend unter einem fast sommerlich blauen Himmel, vergoldtt von Sonne, war der schönste Sportsonntag diese- Winters, eii^ver- spätetes Geschenk. Auf allen Hängen, in verwunschenen Waldwinkeln, in weißer Stille glitten die Skiläufer wie Pilger mtt ihren Stöcken. Den Schnee schnitten die Bretter wtt Weißen, Weichen Stuck, und in den hartpolierten Spuren klang das angenehm zu hörende Klappen der Hölzer, begleitet vom Zwitschern des Schnees unter den Stockzwingen. Auch von„drüben" kamen die blauen Pilger. Schnee löscht Wege und Grenzen aus. Durch verschwiegene Wälder, über einsame weiße Flächen huschen und gleiten sie, einzeln, in losen Gruppen, in lockeren Schtvärmen, für einige Stunden in ein« für sie fast nicht mehr vorstellbare Frecheit, in der es noch die Hütten der Arbeitersportler gibt, wo man„Freundschaft!" grüßt und wo man Zeitungen aufschlagen kann wie Fenster in die Welt, aus der man„drüben" nur noch erfahren darf, was das Propagandaministerium erlaubt. Auf gewachsten Brettern entrinnen sie für einen Tag dem Käfig, der„Deutschland" heißt. Man sieht sich wieder, und in vielen Fällen ist die Begegnung das erste Wiedersehen nach zwei Iahten. . Rach zwei Jahren— in diesen weihen Tagen jährte sich zum zwetten Male jener 5. März, an dem das deutsche Volk sich und alles, was es an Freiheit und Rechten besaß, unter seinen eigenen Stimmzetteln begrub. In diesen Märztagen jährt sich zum zwetten Male alles, was nach jenem Wahltag hereinbrach an Unheil und Barbarei. Zwei Jahre«Drittes Reich"— sie beweisen nichts füi; die Zukunft, sie bedeuten nicht viel im großen Zeitraum der Geschichte, aber sie sind eine lange Frist für die, die das alles leidend miterlcben. Und zwei Jahre reichen hin, um das Wohl und Wehe eines Volkes für lange Zeit entscheidend zu bestimmen. Bor allem das Wehe, denn was in diesen zwei Jahren zerschlagen, zerstört, vernichtet, verwirtschaftet worden sst, läßt sich in zwei Jahrzehnten nicht wieder gut machen. Die Genossen von drüben erzählen. Man erfährt Einzelheiten, di« manches, was man schon wußte, nur von neuem bestätigen. Die Einzelberichte ergeben mitunter grundverschiedene Bilder; sie weichen voneinander ab je nach dem Ort, in dem der Erzähler lebt, je nach dem Beruf, in dem er«bettet, je nach dem lleineren oder größeren Bereich, den der Einzelne zu überschauen und rich- tig zu beurteilen vermag. Erst das Ineinander vieler Einzelberichte aus allen Gegenden Deutschlands, aus allen Bevölkerungsschichten, aus allen Berufsgruppen ergibt ein mosaikartiges Bild des heutigen Deutschland. Ein Bild in trüben und immer noch verschwommenen Farben. Sucht man aus diesem Wirrwarr die größeren Zusammenhänge zu gewinnen, sucht man zu erkennen, was in diesen zwei Jahren»mnders" geworden ist, so bleibt ein klägliches Defizit auf allen Gebieten. Nie sind von einem Bolle Opfer sinnloser, vergeblicher, unnötiger gebracht worden als die, die heute dem deutschen Bolle auferlegt I —— 1 BSSSBBBggBSB sind, nein, schlimmer und tragsscher: die es sich selber auferlegt hat. Man sieht immer deutlicher einen Niedergang, ja, den Untergang jeglicher wahrer Kultur. Man sieht ein« zerrüttete Wirtschaft, die zum Dell durch Rüstungsaufträge zu einer Scheinkonjunftur ausgepulvert ist, in Wirk- lichkett aber nur die materielle Lebenssubstanz des Bolles unproduktw verwirtschaftet und auffriht. Man sieht ein Regime, das innen- und außen- politisch aus der Hand in den Mund lebt. Wo eS außenpolitische Positionen zu gewinnen scheint oder auch nur zu halten vermag, erntet es lediglich die Früchte der Arbeit, die von den Männern der Weimarer Republik getan oder vorbereitet worden ist und wegen der diese Männer bekämpft, beschimpft, verleumdet, verfemt und ermordet worden sind. Der harte Zwang weltpolitischer Tatsachen drängt auch diese? braune Deutschland immer wieder auf den Verhandlungsweg, den auch die früheren Regierungen, nur mit weniger Propagandalärm und weniger dilettantisch, gegangen sind. Es ist eine tragische Groteske ohnegleichen, daß ein Voll den Leidenstoeg dieser zwei Jahre hat gehen müssen, um zu erkennen, daß seine weltpolittschen Nöte nur nach den alten Rezepten kuriert werden können. Sowett aber das braune Regime andere Methoden anzuwenden versucht hat, haben sie Deutschland in eine Situation hineinmanövriert, die der von 1914 zum Verzweifeln gleicht und nur noch um einige Grade gefährlicher ist. (Schluß folgtl); «le« Sonntag, 17. März 1935 Nr. 65 „Schulreaktlon In Oesterreich* Dieser fürchterliche Titel, der doch ganz nach sozialistischer Entstellung und Vernaderung des göttlichen Ständesystcms klingt, ist nicht etwa in unserer Redaktion erfunden worden, sondern den lasen wir— festhalten— in der„Brüxer Zeitung" vom 4. März l. I. Wochen, Monate und Jahre hindurch kämpfte auch dieses Blatt gegen die sozialdemokratische Stadtverwaltung in Wien, pries den Sieg der Kanonenchristen über die tapferen Arbeiter und begleitete das Werden der neuen Staatsform mit toller Begeisterung. Und jetzt auf einmal entdeckt sie „wie sich die Schulverhältnisse in Oesterreich seit dem politischen Umsturz in den Frbertagen des vorigen Jahres dort gestaltet haben.. Ist es besser geworden? Lernen die Kinder? Hecken die Lehrer ihre Freiheit? Gckt es noch eine moderne Schule? Nicht daran zu denken; die „Brüxer Zeitung" klagt: „Es ist offenkundig, dass die Entwicklung seit diesem Zeitpunkt im Zeichen des Rückschrittes steht. Lehrer, welche sich nicht entschließen wollen, der„Vaterländischen Front" beizutreten, sind von jeder Beförderung ausgeschlossen, ja sie- spielen mit ihrer Existenz." Ob sich die sudetendeutschen Lehrer an diesem Wüten der fascistischen Machthaber die Kraft holen werden, hierzulande zu verhüten, daß ähnliche Pläne verwirklicht werden? Man lese, was das Platt weiter berichtet: „An Stelle des am 12. Feber abgesetzten und in Haft genommenen Schulreformers Otto Glöckel, der kürzlich unter Einstellung des Verfahrens endlich auf freie» Fuß gesetzt worden ist, wurde der Jesuitenpater Bichlmeier bestellt. In der Schule herrschen wieder— wie in der Vorkriegszeit— pädagogischer Drill und Autoritätsprinzip.— Die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel ist aufgehoben worden. Zu Dutzenden werden Kinder von 14 und 15 Jahre«, die einer oppositionellen Gesinnung verdächtig find, auf Wochen in den Polizeiarrest gesperrt." Und am Schluß dieses langen Artikels, den die„Brüxer Zeitung" der Preffckorrespondenz des „Deutschen Lehrerbundes" entnimmt, kommt jene Feststellung, die wir wiederholt gemacht haben und weswegen uns die bürgerliche Provinzpresse durch die Gosse geschleift: „So sieht es in den Schulen Oesterreichs und auch in jenen Wiens aus, deren Betrieb und Erfolge zu bewundern noch bis vor wenigen Jahren ganze Pilgerzüge aus den europäischen Kulturländern strömten. Das war unter der Demokratie. Der Zusammenbruch der Schulreform ist das Werk des neuen Oesterreich, daS den Wes der Demokratie verlasse» hat."‘" Wie gewaltig und groß müssen doch die Schöpfungen der Wiener Stadtverwaltung und die Erfolge des politischen und kulturellen Einflusses der sozialdemokratischen Arbeiterklasse in der Republik Oesterreich gewesen sein, wenn selbst ein Blatt, wie die„Brüxer Zeitung" solche Bewunderung aussprechen muß! „Unaufhaltsame Heiterkeit...* Die Schuschnigg-Regierung hat den zu lebenslänglichem schweren Kerker verurteilten Rintelen umgehend in ein Sanatorium überführen lassen. Dies komödiantische Finale eines scheindramätischen Schaustücks kann nur Naivlinge in Erstaunen versetzen. Das Ganze ist abgekartetes Spiel und auch Rintelen war haargenau im Bilde. Die überzeugenden Indizien dafür liefert ein Blick in die große Auslandspresse. Da erzählt ein bekanntes englisches Blatt von der„unauf- Halts a m en Heiterkeit", die sich bei Verkündung und Begründung des Urteils über das Gesicht des Angeklagten ausbreitete. Eine andere, wegen der Sorgfalt chrer Redaktionsführung allgemein geachtete Zeitung weiß von einem„rätselhaften Schmunzeln" zu berichten, das von Zeit zu Zeit über das Gesicht des soeben zu„lebenslänglichem schweren Kerker" Verurteilten huschte. Und ein drittes Blatt, eine Schweizer demokratische Zeitung, die lieber zu wenig als zu viel zu sagen pflegt, schreibt wörtlich:„Rintelen nahm das Urteil mit auffallender Ruhe entgegen. Er lächelte während der ganzen Urteilsverkündung". Er lächelte, der überführte Hochverräter, weil ihm die Rolle, die er bei dem infamen Spiel auszufüllen hatte, doch ein wenig zu komisch vorkam—. Und aus dieser Perspektive gesehen, enträtseln sich das„rätselhafte Schmunzeln" und die „unaufhaltsame Heiterkeit" Rintelens aufs müheloseste! Genua. In den hiesigen Schiffswerften wurde der leichte Kreuzer„Eugenio di Savoia" mit einer Wasserverdrängung von 10.000 To. vom Stapel gelassen. Der Kreuzer ist mit 14 Geschützen, davon sechs für Fliegerabwehr, bestückt. Warschau. Der englische Minister Lord Eden hat der polnischen Regierung mitgeteilt, daß er in Warschau am Montag, den 1. April abends eintreffe und bis zum 3. April in Warschau bleiben wolle. Tagcsnceiglicilcn Werkmeister-Tod bei der Arbeit durch Benzinexplosion In der Fabrik-Jelinek in G r o tzm e se- r i t s ch ließ der Werkmeister Fr. H l a d i k eine Mischung zur Entfettung von Leder aus einem Faß auslaufen, wobei er ein Streichholz anzündete, obwohl er vorher darauf aufmerksam gemacht worden war, daß die.Mischung Benzindämpfe enthalte. In der Werkstatt entstand eine Benzinexplosion und durch die Flammen erlitt Hladik Brandwunden zweiten und dritten Grades am ganzen Kopfe.- Der Ar- bester Be l a t k ä> und der• Verwalter N o s k a wurden leicht verletzt. Hladik ist im'Krankenhaus von Trebitsch sei n e n We r l e tz u n g e n erlegen. Violette Noziöres von einem Studenten angestiftet? Paris. Violette Noziöres, die ihre Eltern vergiftet hat und deren Verhaftung, Prozeß und Verurteüung zum Tode im Vorjahre größtes Aufsehen erregt hat, hat während des Prozesses und auch später jede Schuld am Tode ihrer. Eltern bestritten,.Nunmehr legte sie im Gefängnis ihrem Verteidiger gegenüber, ein Geständnis ab, daß der Student der Rechte D a b i n sie zu der Tat angestiftet habe, da sie nach den Eltern ein größeres Vermögen erben sollte. Dabin habe auch in das Schlafpulver das Gift beigemischt, durch das die Eltern Violettes vergiftet wurden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß nach dieser sensationellen Enthüllung der Prozeß wieder, aufgenoimnen wird. Todesmine bei Salamis Athen. Ein Schiff mit einer Ladung von 70 Tonnen Benzin versuchte trotz Warnungssignalen durch die verbotene Zone im Kriegshafen von Salamis durchzukommen. Dabei stieß eS auf eine Mine und flog in die Lust. Die viergliedrige Besatzung fand den Tod. Der elektrische Stuhl Trenton(New Jersey). Freitag abends wurden dreiMörderim hiesigen'Gefängnis durch den elektrischen Stuhl hi»gerichtet.(Als die Mörder die Todeskammer Hauptmanns, der dort im selben Gefängnis seinem Urteil entgegensieht — passierten, drückte Hauptmann jedem die Hand, und sagte» wie Gefängnisbeamte erzählen, zu jedem„Bete zu Gott".) Wie Zeugen der Hinrich-, nkng emkS'olrftr Mörder mskieitt'cn./rilärte einer der Missetäter auf dem elektrischen. Stuhl, schon sitzend, plötzlich,.der Man«, der gegen ihn ausgesagt hätte, sei an seinem Verbrechen mitschuldig:' „Wenn wir die ständische Verfassung habe» werde»..Ein Genosse schreibt uns: Zuwei. len können wir's beim besten Willen nicht ver. meiden, Ohrenzeugen von Gesprächen zu werden, in denen unsere lieben Bürgerlichen allerlei der- raten; nicht bloß ihre privaten Sorgen und Schmerzen, sondern auch ihre politischen Pläne, Wünsche und Hoffnungen. Wir können ihnen eben ihren Mund nicht verschließen— gerade so wenig wie wir unsere Ohren just in dem Augenblick verstopfen können, in dem ihre Sprachwerkzeuge von dem überfließen, wessen ihr Herz voll ist.,. Schauplatz: Die Parkanlage einer größeren Provinzstadt. Hinter mir unterhalten sich zwei Männer, ein älterer und ein jüngerer, über einen Beschluß der Stadtvertretung, der offenbar das heftige Mißfallen gewisser Teile des Bürgertums erregt hat. Der Aestere sucht dem Fün- geren begreiflich zu machen, wie es, bei der Skel- lungnühme der stärkeren Parkeien^zü'dem schlusse kommen mußte. Und da meint der Jüngere:„Na, wenn wir die ständische Verfassung haben werden, dann hört sich das alles ja von selbst auf." Das klingt so zuversichtlich, als wenn er dey Satz ausspräche: Im Sommer werden die Bäume anders ausschauen als im Winter... Nun, die st ä n d i s ch e n Bäume werden nicht so rasch in den Himmel wachsen, wie fichs die Herrschaften vorstellen. Mer unserer Arbei- terschast sollten solche Worte mancherlei zu den, ken geben. Sie zeigen nicht bloß, worauf unser Henlein-Bürgertums lossteuert, sondern auch wie stegesgewiß es sich fühft und wessen sich das Proletariat im Falle einer politischen Niederlage zu gewärtigen hat. Minister für öffentliches Gesundheitswesen Dr. Spina empfängt Dienstag, den 19. ds. nicht. Urlaub für die Teilnehmer an der Pädagogischen Woche. Das Schulministerium hat auf eine parlamentarische Jnterventton hin erklärt, daß alle Teilnehmer an der Pädagogischen Woche in Teplitz-Schönau für den 15. und 16. April vom Unterrichte beurlaubt werden. Von dieser Tatsache verständigen die Teilnehmer einfach die Schulleitungen. Die Werbe- und Borbereitungsarbeiten gehen weiter. Dreifacher Mörder richtet sich selbst. In der Nähe von Briesen bei Bromberg hat der Gutsbesitzer Anton Wesolowski drei Personen ermordet und dann Selbstmord begangen, inottn er sich von! einem D-Zug überfahren ließ. Eine Niefenrazzia. Das Schatzamt in Washingtmr hat Freitag einen großen Schlag gegen, die Rauschgifthändler, Falschmünzer und AlkoholschiNuggler geführt. Mehr als tausend Beamte nahmen im ganzen Lande zahlreiche Verhaftungen vor.'Gleichzeitig wurden ungeheuere Mengen von Rauschgift und geschmuggeltem Alkohol beschlagnahmt. Allein in Washington wurden Rauschgifte im Werte von 20.000 Dollar sichergestellt. Insgesamt beläuft sich die Zahl der am ersten Tag verhafteten Personen auf 1747. Bevölkerungsabnahme in Hamburg. Die Stadt Hamburg hat ähnlich wie andere große Städte des Deutschen Reiches im Jahre 1934 eine bedeutende Verminderung ihrer Bevöllerung, und zwar.um etwa 16.000 erfahren. Man führt diesen. Verlust auf,die Au s w a n d e r u n g zurück, da der Ueberschuß der Geburten über die Sterbe- fälle rund 4500 betrug. Die Pest-Epidemie in Südafrika hat bisher 45 Todesopfer— 14 Europäer und 31 Eingeborene— gefordert. Streik in einer englischen Flugzengfabrik. In der Flugzeugfabrik„H a w k e" in London, die dem britischen Flugwesen ungewöhnlich rasche Berfolgungs- und Beobachtungsflugzeuge liefert, ist ein Streik ausgebrochen. Die Zahl der Streikenden beträgt 1 4.0 0 0. Flugplätze überflüssig l Der Erfinder des Autogiro-Flugzeuges De la Cierva hielt in der Königlichen Aeronautischen Gesellschaft in London einen Vortrag über seine letzten Forschungen. Er teilte mit, daß nach achtzehnmonatiger Arbeit ein Autogiro konstruiert worden sei, das starten könne, ohne Anlauf zu nehmen. Diese Erfindung befinde sich noch im Stadium der Versuche. De la Cierva erklärte, seiner Ansicht nach könne der Start auf den Dächern pnd Landungsvorrichtungen der Aerodrome in den Städten als im Bereiche der plastischen Möglichkeit besindlich angesehen werden. Vermißter Gouverneur. Das französische Lustfahrtministerium teilt mit, daß das Flugzeug, an dessen Bord der Gouverneur von Französisch- Aequatorial-Afrika R e n a r d am 15. März aus Brazzaville abgeflogen ist, vermißt wird. Es wurden Nachforschungen eingeleitet. Der Gouverneur begab sich an diesem Tage auf eine für einige Tage berechnete Flugreise in die Gegend des Tschadsees. Der Gouverneur war von seiner Gattin begleitet und an Bord des Flugzeuges befanden sich außerdem noch drei Offiziere, ein Radiotelegraphist und ein Mechancker. Nach der letzten in Belgisch-Kongo aufgefangenen Radiomeldung des Flugzeuges flog das Flugzeug im Nebel. Im Augenblick der Absendung dieser Depesche hatte der Apparat zwei Drittel der Flugstrecke von Brazzaville nach Coguilhaville-zurückgelegt. ES ist möglich, daß das Flugzeug in einer Abgelegenen Gegend notlanden mußte. Wilry Post» der zu einem neuen Fluge über dem amerikanischen Kontinent startete, mußte vorzeitig bei Cleveland im Staate Ohio infolge Sauerstoffmangel landen. Wrley Post flog durch zwei Stunden mit einer Geschwindigkeit von 547 Stundenkilometern in einer Höhe von 8000 Metern. In einem Augenblick erreichte er sogar die Höhe von 10.500 Metern und befand sich so in der Sub-Stratosphäre. Als Folge der Schneestürme der letzten Tag« ist der nordspattische Ott Seo de Urgel von jeder Ber- bindung abgeschnitten worden. Auf den Zufahrtstraßen find vier Verkehrsomnibufse im Schnee stecken geblieben. Der Verkehr auf den Landstraßen ruht seit vier Tagen. Der Verkehr in den Straßen von Seo de Urgel spielt sich auf Schneeschuhen und Schlitten ab. Bier Männer wagen nicht z» schlafen. In einer chemischen Rabttk in Queenborough(Scheppey, England), sind zwei Arbeiter durch Chlordämpfe getötet worden. Frederick Ost war damit beschäftigt, einen Tank von Jod zu reinigen, als er von den Chlordämpfen, die sich gebildet hatten, bewußtlos wurde.und starb. Ein Arbeitskollege wollte ihn, ohne an seme eigene Sicherheit zu denken, heräuSholen und kam dabei ebenfalls ums Leben. Als der Alarm ertönte:„Zwei Männer im Jodtank!", wußte die Belegschaft, was das bedeutete. Vier Arbeiter versuchten den Tank sofott umzustiirzen, wurden ccker von den Dämpfen ebenfalls betäubt. Sie konnten aber noch gerettet werden, nur dürfen sie vorläufig nicht einschlafen, da sie sonst womöglich nicht mehr aufwachen. Freunde und Verwandte sitzen mit ihnen bei starkem schwarzen Kaffee und Zigaretten, um sie wach zu erhalten. Die Fenster in ihrem Zimmer sind weit geöffnet, um recht viel fttsche Lust in den Raum einzulassen. Erst allmählich wird die schädliche Wirkung der Chlordämpfe wieder verschwinden. Das Kuratorium des Mlch-AnsgleichSfondS für daS Land Böhmen fordert alle Milchproduzenten sowie alle Milchhändler auf, die die Milchlieferung in die Hauptstadt, insofern sie vor dem 15. März überhaupt Milch nach Prag lieferten, noch nicht sichergestellt haben, sich in den Amtsräumen des Kuratoriums in Prag lk, Olivova 10, entweder persönlich oder schriftlich zu melden. In der vom Gemeindeamie bestätigten Anmeldung ist anzuführen: Die Menge der durchschnittlich nach Prag eingefühtten Milch und die Art der bisherigen Lieferung(ob direkt oder durch Vermittlung eines„Milchmannes" oder durch einen Milchgreisler). Die Frist zur Einbringung dieser Anmeldungen endet am 25. März. Jnsoferne sich einige Milchproduzenten bei den von der Milchhan- dels-Uniou organisierten Sammel st eilen angemeldet haben, ihre Anmeldungen aber widerrufen wollen, so können sie dies tun. Das Kuratorium wird unter allen Umständen Rücksicht auf alle ihre Forderungen nehmen. Rat und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter in reichem Maße in der „Freien Gemeinde“ ' Redaktion und Verwaltung. Prag XU., Fochova 62/V. eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee Berufsvormundschaft. Die Jugendfürsorge hat die Berufsvormundschaft(im amüichen Sprachgebrauch— Generalvormundschaft) geschaffen, in jeder Bezirksstelle der deutschen Jugendfürsorge hat ein verantwortungsbewußter Mann die Funktion des Berufsvormundes übernommen. lieber 100 Männer sind am Werke, um Not und Uebervorteilung von der Jugend fernzuhalten. Diese Männer vertreten an verwaisten, an unehelichen und verlassenen Kindern dem Gesetz gegenüber die Vaterstelle. Sie sind ihr Vormund. Groß und mannigfaltig sind die Arbeiten, die' sich daraus ergeben. Die Hebamme meldet jeder Bezirksjugendfürsorge ständig die unehelichen Geburten. Im Verlaufe der Fürsorgetätigkeit werden die Fälle in Erfahrung gebracht, in denen die Eltern ihrer natürlichen Pflicht nicht nachkommen und die Kinder in ihrem Heim körperlichen und moralischen Gefahren ausgesetzt sind. Immer wieder schreitet der Berufsvormund ein. Den Umfang der Arbeit bezeugen folgende Ziffern: Die Berufsvormundschaft der deutschen Jugendfürsorge in Böhmen hat im vergangenen Jahre an Renten, Verpflegsgeldern und Alimenten zirka vier Millionen Kc hereingebracht. Das ihm anvertraute und im Interesse der Schutzbefohlenen verwaltete Mündelvermögen bettug rund acht Millionen Kö. Die Berufsvormünder betreuten in dieser, Zeit 28.070 Mündel. Wetterlage nnsichcr. In Mitteleuropa dauett noch immer vorwiegend heiteres Wetter an. Der Süd- ostiöind hat sich bedeutend verstärkt. Mit ihm hat sich auch die Abkühlung auf die böhmischen Länder ausgebreitet. Beim Zurückweichen des russischen Hochdruckgebietes dürste nun der kühle Südostwind, der auf der Schneekoppe bei minus 7 Grad eine Stärke von 10 nach der zwölfteiligen Skala erreicht, abflauen. Im Zusammenhang damit wird es sich voraussichtlich auch bei uns wiederum erwärmen, gleich- zeirig wird jedoch die Wetterlage etwas unsicher. — WahrscheinlichesWettervonheute: Vorwiegend heiter bis wechselnd bttvölkt, allmählicher, cckflauender Wind aus südöstlicher Richtung. Strichweise noch Nachffrost, besonders im Ostteile der Republik. In den westlichen Ländern untertags stärker« Erwärmung..— Wettcraussi ch.t x n f ü r M o n tirss? WMeNa^'Wnhe'r, iwoch^noch überwiegend trocken. 22 junge Ochsen rase« durch die Stadt. In Croydon hielt eine Herde von 22 Ochsen den gesamten Verkehr auf. Die Tiere waren von Wales angekommen und sind auf dem Wege durch die Stadt ihren Treibern ausgebrochen. Plötzlich rasten sie donnernd durch die Haupffttaßen der Stadt dem Zentrum zu, erschreckte Menschenmengen vor sich hettreibend, die Schutz in den Läden suchten. Die Polizei dirigierte sofott den gesamten Verkehr um, und die wildgewordene Herde wurde in eine Sttaße abgedrängt, in der sämtlicher Verkehr gestoppt worden war. In einem Braugatten fing man sie ein. Keiner war aufsässig und Schaden ist auch nicht entstanden. Mesenfeuer. In einer Chilesalpeterladung auf dem Pier der Ocean Steamship Co. in Savannah(Georgia) brach am Freitag ein Brand aus, der sich zu einem Großfeuer entwickelte und den Pier vollständig zerstörte. Das Feuer griff auch auf einen Frachtdampfer mit Salpeterladung sowie einen alten Personendampfer der Küstenschiff- fahtt über.'Der Feuerwehr von Savannah gelang es erst nach zwei Stunden, das Riesenfeuer zu löschen. Der Schaden wird auf über eine Million Dollar geschätzt. Vom Rundfunk iMpfehleniwertei aus den Programmen t Bio«tag Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Presse. 12.10 Schallplatten: Smetana. 13.35 Arbestsmarkt. 16.55 Kinderstunde. 17.20 Schallplatte»: Job. Strauß. 18.15 Deuffche Sendung: Redakteur Goldschmidt: Vorschau auf das Musikprogramm der tschechoslowakischen Sender. 18.40 Steiner: Wirtschaftliches Relief. 18.50 Deutsche Presse. 21.15 Uebettragung aus Wien: Buntes Stündchen. 22.30 Deutsche Nachrichten.— Sender S.: 14.20 Chansons auf llltraplatten. 14.40 Klavierkonzert. 15.05 Deuffche Sendung: Für die. Frau. 15.15 Besagter Lenz ist da. 19.15 Opernarien.— Brünn: 12.10 Ackeitsmarkt und Sozialinformationen. 17.45 Deuffche Sendung: Dr. Herrmann: Thomas Manns „Joseph".— Mährisch-Ostra«: 18.15 Deutsche Arbeitersendung: Bi^-^teiner: Rezitationsproben, Gedichte von Wolker.— Preßburg: 15.15 Orchesterkonzert. Dienstag Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 11.05 Deutscher Schulfunk. 11,50 Schallplatten: Mozatt. 12.10 Unterhaltungsmusik. 16.45 Jugendfunk. 17.05 Jugoflawische Volkslieder. 18.15 Deutsche Sendung: Dr. Nemen: Zipfer deutsche Heimatsdichtung. 19.10 Unterhaltungsprogramm. 20.15 Klavierkonzert. 21.00 Orchesterkonzert. 22.15 Tanzmusik. — Sender S.: 14.20 Schallplatten. 15.00 Deutsche Sendung: Oskar Baum: Schule des Kunstgenusses. 15.20 Overnatten.— Brünn: 15,55 Orchesterkonzert. 17.50 Arbeitersendun-*: Soziale Informationen. 17.55 Perlsee: Die Arbeiterschach- bewegung im Lichte der Geaenwatt 1910 Schall« platten. *t. 65 Sonntag, 17. RSrz 1S38 Seit« 8 Planung in-er Landwirtschaft Im Berlage des LandwirtschaftSministv- rimns ist dieser Tage eine umfassende Arbeit von Dr- Eduard Reich erschienen, welche den Titel führt: Zäklady organisace zemidelstvi Eestoslovenske Republiky(Die Grundlagen der Organisation der Tschechoslowakischen Landwirtschaft). Das Borwort stammt vom Landwirtschaftsminister Dr. Milan Hodjsa. Das Buch zählt 800 Seiten, hat öS Diagramme, 88 Mappen und 208 Tafeln und enthält«in« eingehende Darlegung und Beschreibung der tschechoslowakischen Landwirtschaft. AnS den Schlutzbemerkungen des Verfassers sei folgendes angeführt: Die bisherigen Mittel gegen die Krise konnten allein die Rentabilität der Landwirtschaft nicht wiederbringen, da sie lein System bildeten und weder den Absatz organisierten, noch die Produktion in der Landwirtschaft regulierten. Die für viele landwirtschaftliche Produkte(Roggen, Gerste, Hafer uisw.) verlorengegangenen Auslandsmärkte und di« Einfuhr hauptsächlich aus Ländern, mit welchen der Außenhandel der Tschechoslowakischen Republik passiv ist, erzwangen sich immer eindringlicher die Aufstellung des landwirtschaftlichen PlaneS, damit die Regelung des Absatzes als Folge der Regulierung der Produktion erscheint. Die Grundlagen dieses Planes beruhen: a) auf neuer Regelung der Produktion, welche den Bedürfnissen des Jnländsmarktes und den Möglichkeiten des Außenhandels entspricht; b) auf der Stärkung der inländischen Rohstoffbasis in der Landwirtschaft, und zwar durch Lösung der Fragen der Ersatzfrüchte. Oelfrüchte, TeMstoffe; e) auf der Einschränkung der Einfuhr von Futtermitteln durch Erhöhung des Anbaues von Futterpftanzen; d) auf Verhütung des Preisdruckes fremder Fette am Buttermarkte; e) auf Anbau von Früchten in solchem Ausmaße, wie dies vom volkswirtschaftlichen, privatwirtschaftlichen und geonomischen Standpunkt aus als begründet erscheint. Es bleibt noch der Plan in der Tierproduktion zu verwirklichen, dmnit das Preisverhältnis zwischen Pflanzen- und Tiererzeugniflen stabilisiert wird, und die eigentliche Regulierung der Awbauflächen, des Biehstandes, die Eingliederung teS landwirtschastlicheu Planet, tu. GMytr. wirtschaft-plan(Abkommen mit der Industrie und Regulierung der Industrieproduktion) durchzu- sühren. Der landwirtschaftliche Plan bringt jedoch noch weitere Folgen mit sich: er führt zur Wirtschaftlichkeit der Distribution und setzte die Span nung zwischen Produzenten- und Konsumentenpreisen hercck, verhindert die Spekulation und gibt dem Landwirt für seine Betriebsmaßnahm« eine feste Kalkulationsgrundlage. Dem Zwischenhandel setzt er die Grenzen der Preisspannung und Preisschwankung fest und stärft schließlich auch den Genossenschaftsgedanken. Die Landwirtschaft hat an der neuen Richtung ihrer Politik deshalb Jntereffe, da dieselbe imstande ist, zwei landwirtschaftliche Hauptprobleme zu lösen: dar Problem der Preise und der Rentabilität, wie auch die Frage der Entschuldung. Die Planwirtschaft liegt im Jntereffe der Landwirtschaft schließlich deshalb, damit Produktion, Absatz und Rentabilität stabilisiert werden. Die Konjunkturzyflen sind ein Ausdruck des Liberalismus, wo nach hoher Konjunktur die Krise folgt, wo jede Krise in sich den Keim der guten Konjunktur trägt und dies« wiederum den Keim der künftigen Krise. Die Kris« in der liberalisti- schen Ordnung führt zum Untergang der Schwa- chen, nur wirtschaftlich starke Einzelindividuen halten durch und schaffen neuerdings die Grundlagen zum künftigen Wohlstände. Die»dirigierte Wirtschaft- darf nicht nur in der Krise für ein Mittel zur Wirtschaftsbelebung gehalten werden. Die Formen der Wirtschaftsorganisation müffen auch in den Zeiten der guten Konjunktur von Bestand« sein. Sie können zwar von freiwilliger oder genoffenschaftlicher Organisation, abgelöst werden,-jedoch muß das Wirtschaftsleben in einem'elastischen,'gäntz neuen Produktionsbedingungen angepaßten Systeme geleitet und organisiert sein, damit kein« neuen Krisen entstehen. In der Entwicklung dieser Berhältniffe beruht auch die Frage der Zukunft der Landwirtschaft. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Arbeiterschaft der Kupferwerke in Pömmerle gegen die Unternehmerprovokation Wir haben über den unerhörten Anschlag der Zentrale der Kupferwerse Böhmen in Pömmerle berichtet, in welchem die Firma die Arbeiterschaft gegen die geplante Verkürzung der Arbeitszeit und gegen ihre eigenen Gewerkschaftsorganisationen aufzuhetzen versuchte, Freitag, den 16. März, fand nun eine zahlreich besuchte Betriebsversammlung statt, in welcher- die Vertreter der beiden freigewerckschaftlichen Verbände, die Genossen Bölina(Prag) und La di g(Komotau) über die grundsätzliche Bedeutung der Arbeitszeitverkürzung sowie über die Frage des Lohnausgleiches referierten, worauf einstimmig folgende Entschließung angenommen wurde: »Die Belegschaft der Kupferwerke Böhmen in Pömmerle lehnt in der am 16. März stattgefundenen Betriebsversammlung mit größter Empörung den Anschlag der Firma vom 27. Feber ab und wendet sich mit besonderer Schärfe gegen die im Schlußsatz des Anschlages enthaltene Provokation, wonach die Forderung nach Verkiirzungder Arbeitszeit«in Wahlmanöver sei. Die Belegschaft der Kllpferwerke schließt sich der Forderung der freien Gewerkschaften und dem vom Mini» AWeLsHchM ausP«wbeiAen,Eyi> "Wurf auf /Verkürzung der Arbeitszeit auf 46 Stunden an. Die Versammelten versprechen, durch intensivste Propagierung, des Gedankens des freigewerk'chaftlichcn Zusammenschluffes die Vor- anssehungen für die Erkämpfung eines entsprechenden Lohnausgleiches zu schäften." Damit haben die Arbeiter der Kupferwerkv den Herren di« ihnen gebührende Antwort ge-- geben. Obwohl die Firma gegen die 40-Stundenwoche hetzt, ist sie auch heute nicht in der Lage, ihren Arbeitern auch nur diese 40stündige Arbeits« zeit zu garantieren, so daß zahlreiche Arbeiter nur 34 Stunden beschäftigt sind. Hier fürchtet aber die Firma mit Recht, daß sie nach der gesetzlichen Neuregelung der Arbeitszeit«ine Lohndurchxech- nung vornehmen muß, wobei sie auch jenen Arbeitern, die heute weniger als 40 Stunden arbeiten, erhöhte Löhne bezahl« müßte. Dagegen richtet sich ihr Widerstand, und nicht etwa gegen die Verkürzung der Arbeitszeit. Dann. HWe allerdings die Firma so viel Ehrlichkeit aufbringen müffen, um dies auch offen zu sagen. Die Arbeiterschaft hat jedenfalls dieses Manöver durchschaut und wird sich auch darnach einzurichtm wiffm. Tagung der Gewerkschaftsinternationale Paris. Am Freitag trat unter dem Vorsitz deS Engländers G i t r i n e der Vollzugsausschuß der Gewerkschafts-Internationale zusammen. Die Tschechoslowakei ist durch den Abgeordneten Tayerle vertreten. Der Ausschuß bereitet den Hauptkongretz der Gewerkschafts- Internationale vor, die vom 21. bis 23. Mai d. I. in Kopenhagen tagen wird. Der Reichsbischof „unerschütterlich fest?" Lübeck. Reichsinnenminister Dr. Frick be- schäftigte sich in einer, hier gehaltenen Rede mit verschiedenen innerpolitischen Fragen.> Zur Kirchenfrage betonte Dr. Frick, daß der Streit ein Ende haben muffe.„Unerschütterlich fest" ständen die Rechtsgültigkeit der Bersaffung der deutschen evangelischen Kirche vom IM 1833, die Kirchenwahlen vom Juli 1933 und die aus diesen Wahlen hervorgegangenen kirchlichen Ber- waltungskörper der Synoden und die Wahl des Reichsbischofs durch die Nationalsynode. Wüten der Justiz Im konterrevolutionären Spanien Madrid. Dir Kriegsgerichte, besonders in den Anfstandsgebirten von Asturien, wgrn»och immer. I« Oviedo wurden zwei Aerzte, die sich im Okwber v. I. in den Dienst der Revolution gestellt und au dem Ueberfall auf eine Zweigstelle der Asturischen Bank teilgcnommr» halt«, z» m T ovo» e r» r t ei l t. Ferner erhielt« 15 Aufständische, die sich wegen»schwerer Verbrech«" während der Oktober-Revolution vor dem Kriegsgericht in Gijon zu verantwort« hatte», lebensläng« liche Z u ch t h a u d ft r a f e u. Madonna vom Wen-elsplatz Bon Fritz Fromm. Eisregen peiftcht über den nächtlichen Wenzelsplatz. Jene bedauernwerten weiblichen Wesen, deren Beruf eS ist, zu dieser Stunde zum Vergnügen(der andern) die Straß« entlang zu streifen, haben sich eng an die Häuser gedrückt. Wie eine Schar zitternder Hühner stehen sie unter einem Erker, Schuh suchend vor dem bissigen Sturm, der ihnen ganze Ladungen spitzer Eis» kristalle ins Besicht schleudert. Wie ich in die Waffergaffe einbiegm will» löst sich eine Gestalt aus der Grupp«, vertritt mir den Weg und stellt jene ominöse Frage an qiich, die in allen Sprachen der Welt die gleiche Bedeutung hat. Was soft ein eiliger Junggesefte erwidern, der in diesem Augenblick kein Verlangen nach galanten Abenteuern hat, dagegen den desto heftigeren Wunsch, möglichst rasch in sein wohlig geheiztes Zimmer zu kommen...? Ich simuliere Unkenntnis deS Tschechischen und murmle hinter dem aufgeklappten Mantellragen ein nicht gerade höfliches»Nerozumim". »Also Deutsch", werd« ich nun in.dieser Sprache gefragt. 'Ich schüttle den Kopf und wift die Fragerin, die mir im Wege steht und di« Hand auf mein« Arm gelegt hat, beiseite schieben. »Deutsch auch nicht? Was sind Sie denn für ein Landsmann? Parlez-vous francais? Speak you english?" Und dann praflelt jene Frage noch in drei ander« Sprachen auf mich nieder, die ich als Italienisch, Spanisch und Portugiesisch agno- stiziere. Dann klingt es wieder in fließendem Französisch:»Mensch, Sie sind doch kein Indianer oder Eskimo, in irgend einer europäischen Sprache werden Sie doch reden!" Der Wunsch nach meinem behaglichen Zimmer war plötzlich verschwunden vor dem aus Neugier und ein wenig Abenteuerlust gemischtem Verlangen, mit diesem polyglott« Nachtgeschöpf irgendwo in einer warmen Ecke ein Stündchen zu plaudern... Habe ich ein Abenteuer gesucht? DaS Abenteuer hat mich ohne mein Zutun beim Schopfe gepackt... oder ist es etwa nichts Besonderes, zu dieser Stunde und auf diese Weise ein weibliches Wesen kennen zu lernen, mit dem man sich gege- bcnenfalls in sieben Kultursprachen unterhalten kann...? Schon zwisch« Bala-Haus und Museum gibt es Dinge, von denen keine Schulweisheit sich etwas träumen läßt... In der Nähe— aus einem kleinen Lokal■— glimmt noch schwaches Licht durch den Nebel. Wir sitzen vor dampfenden Gläsem, ein unsichtbares Grammophon winselt einen schluchzenden Tango, über den wenigen Gästen schwelt eine Wolke von TabakSqualm und Speisendunst. Zwei Männer in der Ecke streiten sich beim Kartenspiel. Meine Begleiterin hat den billigen Pelzkragen ihre- Mantels zurückgeschlagen. Ihre Wangen glühen. Man weiß nicht: ob von der Kälte draußen oder infolge kosmetischer Einwirkungen. DaS Gesicht ist hart und knochig, aber nicht unschön. Trotz ihrer ungefähr 28 Jahre zeigt eS noch Spuren von Jugendreiz, lieber der hohen Stirn kräuseln sich braune, jetzt regenfeuchte Strähne. .Sie wunde« sich über mich, gelt? Ich war doch zu arg aufdringlich. Aber was soll man machen? Man wift doch leben. Ich bin übrigens noch nicht lange dabei. Das sagen zwar afte, aber Sie brauch«'- mir ja nicht zu glauben, wenn Sie nicht wollen." »Ich wundere mich nur über Ihre außerordentlich« Sprachkenntnisse, Fräulein. ES geht mich zwar nichts an und ich bin auch kein Moralprediger, aber entschuldigen Sie die Frage: Sie mit Ihren Fähigkeiten finden Sie nicht auf andere Weise Ihr Brot? Dazu sind Sie doch zu gut" Sie sah mich hart an.»Wiffm Sie einen Posten für mich? Ich akzeptiere sofort. Ich rede und korrespondiere perfett Tschechisch, Deutsch. Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. MU dem Portugiesischem hapertS ja etwas, aber daS wird wohl nicht verlangt werden. Selbstverständlich auch Stenographie und Schreibmaschine. Langjährige Erfahrung in Buchhaltung. Handelsschule mU Auszeichnung besucht. Prima Zeugnisse — erstklassige Referenzen. Und die Hauptsache: bescheidene AnsprücheSie lachte ironisch. »Also können Sie mir einen Posten verschaffen?" Ich schwieg erschüttert. Sie griff nach einer Zigarette.»Geben Sie sich keine Mühe. Wenn Sie grade keinen Grotz- industriellen zum.Freund haben oder gar selbst ein solcher sind, werden Sie kaum etwas für mich tun können. Autarkie— Zollgrenzen— Devisenbeschränkungen wer braucht da noch«ine sprachenkundige Kraft! Mein« Kenntnisse find für die Katz'. Ich war sechs Jahre erste Sekretärin bei ..." Sie nannte den Namen eines weltbekannten Finanzmannes, dessen unrühmliches Ende vor einigen Jahren wochenlang afte Zeitungen gefüftt hatte.»Seitdem konnte ich keine dauernde Stellung mehr finden. Nur hin und wieder einen kur- z« AuShilfsposten. Damit ist's jetzt auch Schluß. Wenn man erst so ttef unten ist wie ich. konunt man nicht mehr hoch. Und ich darf nicht mal ein Ende machen— ich mutz dieses Dasein weiterführen..." Die Lamp« im Hintergrund des Lokals erloschen plötzlich. Das Grammophon verstummte. Der Kellner kam abkassieren. Außer den Kart«» spielern, di« sich, noch immer sttettend, erhoben, waren wir die einzigen Gäste. Hinter uns raffelten krachend die Rolläden herab. Der Regen hatte aufgehört. Aber die feuchte Kälte war so schneidend, datz man bis in die Seele hinein fror. »Nun werden Sie denken, datz das alles Humbug war, was ich Ihn« erzählt habe. ES ist mir auch im Grunde egal, was Sie von mir dm» ken. Aber wenn Sie mich begleiten wollen, so zeige ich Ihn« meine Zeugnisse. Ich meine das ohne jeden Nebengedanken. Mir graut nur vor dem Alleinsein, obwohl;.. Ich wohne übrig«s ganz in der Nähe. Mit dem Geschäft ist heute doch nichts mehr." Wir betraten im dritten Stock eines Mietshauses ein Zimmer, das nichts austvies von der billigen, Eindruck schinden wollenden Eleganz ähnlicher Quartiere. Einfache, beinahe altväterische Möbel, auf dem Tisch in der Mitte ein« saubere gehäkelte Decke. »DaS ist nun wie im Film, wie? Nächtliches Abenteuer oder: Besuch um Mittemacht. Stimmt übrigens nicht ganz, dmn es ist schon bedeutend später. Fetzt müßt« ich Ihn« wohl Kaffee oder ein Glas Kognak vorsetzen. Aber die Regie ftappt nicht, habe leider nicht« im Haus. Richtig, meine Zeugnisse, damit Sie nicht gwuben, mittels eineraffinierten Tricks hier heraufgelockt worden zu sein..." Sie kramte in einer Schieblade und brachte eine Mappe hervor. Ich sah: das Diplom einer Handelsschule, auf prunkvollem Briefbogen das Zeugnis jenes Vorertvähnten Industriellen, der den Fleiß, die Sprachkenntnisse, die außerordentlichen Fähigkeiten seiner erst« Sekretärin, die er»besonderer Umstände" wegen entlassen mußte, rühmend hervorhob. Endlich in silbernem Rahmen das Bild jenes Finanzkönigs sechst, mit eigenhändiger Unterschritt, seiner»treuen Mitarbeiterin" gewidmet. Dann noch eine Anzahl andrer Zeugnisse, ein jedes die Tüchtigkeit der Sekretärin Erna ....lobend. Es gM Situationen, in denen es auch dem Redegetvandtesten und Geistesgegenwärtigsten di« Sprache verschlägt. Ich zermarterte mir das Hirn nach einer passenden Entgegnung, einem Trost, einer nicht allzu banal klingenden Phrase. Da wurde ich auf eine unerwartete Weise der Rühe« die doch vergeblich gewesm wäre, enthoben. Hinter dem Vorhang, der einen Teil der Stube abgrenzte, ertönte plötzlich leises Weinen. Das klägliche, unendlich schmerzliche Weinen eines Kindes. Das Mädchen, von dem ich bis vor einer Stunde nichts gewutzt hatte und das mir, d«: Wildfremden, Einblick in ihr jämmerliches Leben gewährt hatte, huschte hinter den dunften Stoff. Als sie nach einigen Sekunden wieder in- Zimmer trat, hielt sie auf ihrem Arm ein Kind, wohl zwei Jahre alt, über dessen schlafgerötetes, pausbäckiges Gesichtchen dicke Tränen kollerten. »Entschuldigen Sie nur," sagte meine Gastgeberin,»diese Angelegenheit woltte ich Ihnen allerdings nicht beichten. Trudelchen schläft sonst immer, wenn ich.... na schön... Also da soll« Sie auch dies wiffm: mein Rann starb voriges Jahr nach einjähriger Vhe. An Kehlkopftuber- kulos«. Er war Architekt. Ich könnte das Kind ins Waisenhaus geben. Und wenn ich«inen Posten fände, würde ich's ja auch tun. Aber so mag ich nicht. Ein Wesen, an das man sich hängt, will man doch hab«, wenn man so viele kennen lernt, die man verabscheut. Und ich hab' doch den ganzer: Tag keine Beschäftigung. Also jetzt verstehen Sie wohl, warum ich mein verpfuschtes Leben weiterführen mutz..." WaS sollte ich erwidern? Billige- Mitleid auisprechen... von kommend« besseren Zeit« faseln...? Ich tat das Jämmerlichste und Feigste, WaS ich in diesem Augenblick tun konnte: swtterte etwas von»nicht länger stören Wall« und daß es schon sehr spät sei." Das Mädchen— vielmehr di« junge Frau nickte. Sie legte das Kind in sein Bettchen zurück, brachte mich hinunter und öffnete mir daS Haustor. Wir verabschiedeten uns— ohne ein Wort — ohne Händedruck. Ich rannte durch die Straßen wi« auf der Flucht. Die erste Straßenbahn bimmelte um die Ecke, Milch- und Gemüsewagen ratterten vorüber« Ein Tag erwachte zu neuem Leben. Zu diesem jämmerlichen, erbarmungslosen, hirnverbrannte» Leben, das zum Beispiel eine junge Frau, die sieben Sprachen spricht und die ge« arbeiten möchte, dazu treibt, auf die Straße zu gehen, damit sje uni) ihr Kintz nicht.verhungern>■> SeUtB „Sozialdemokrat" Sonntag, 17. März 1935. Rr. SS ODER ENjgMB Ale sudetendeutsche Politik am Scheidewege. Darüber spricht Abgeordneter Wenzel Jaksch in einer ÖFFENTLICHEN VERSAMMLUNG am Mittwoch, dem 20. März um 8 Uhr abends Im Großen Saale der„Urania**, Präs IU Kllmentskä Die nächsten Wochen sind für die sudetendeutsche Politik von entscheidender Bedeutung, jeder Deutsche muß sich daher über die politischen Verhältnisse im Sudetendeutschtum orientieren. sr Erscheinet alle! Keiner fehle!-w PRAGER ZEITUNG Konst und Wissen Vcrdnsnadirlditcn Prag. Der grosse Prozess nm die gefälschten sich gen Bei Ischias erfolgt auf ein Glas natürliches „Franz-J»sef"-Bitterwafler, früh nüchtern genommen, beschwerdelos auSgiebige Darmentleerung, an die sich ein behagliches Gefühl der Erleichterung anzuschliessen pflegt. Aerztlich bestens empfohlen. / Ausfuhrscheine fand Samstag seinen Abschluss Die dreitägige Verhandlung liest unter den acht An- gellagten drei Gruppen unterscheiden. Zunächst jene, die im Verdacht der direkten Fälschung standen, ferner deren unmittelbare und vermutlich eingeweihte Helfer und endlich entfernte Mittelspersonen, deren Mitwisserschaft von allem Anfang an sehr in Frage stand. Freilich blieb der ganze Prozess insofern ein Torso, als das Verfahren gegen den tschechisch-klerikalen Senator Dr. Masan ec ausgeschieden wurde und in dieser Verhandlung nicht zur Erörterung kam Was die erste Gruppe betrifft, so stand der Angeklagte Alois KoneLny im Mittelpunkt des Verdachtes. Dieser KoneLnh auf dessen später widerrufenen Geständnissen die ganze Anklage ja hauptsächlich aufgebaut war. ist eine sehr fragwürdige Existenz. Er war ehemals Buchhalter, ist aber dann auf/die schiefe Ebene geraten und wegen schwerer Betrügereien mehrfach vorbestraft. Unter seinen Vorstrafen figuriert auch eine von drei Jahren schweren Kerkers. Konecnv hat wegen direkter Mitschuld, insbesondere die Angeklagten Dr. Nesovara. Pany- r e k und Anna Hokes belastet, während die Angeklagten V a ö u k a und Klein zum mindesten als Mitwisser und Helfer erschienen. Bei der HauSgehkl- ftn Josefa Konst antin. die kür ihre Dienstgeberin Die Meisterschaft der belgischen Arbeiterfutz- baller. Seit dem letzten Bericht sind nur einige kleine Veränderungen eingetreten. In Liege(Lüttich) hat sich Tongres mit einem Punft Vorsprung an den, ersten Platz vorgearbeitet; in Antwerpen führt Turnhout mit einem Punkt vor Roode Zou, trotzdem steht der erste Platz noch offen.— Das Schlutzspiel im Provinzeichewerb wird heute Sonntag zwischen Flandern und Antwerpen ausgetragen. Es ist das«."e Mal, Last sich diese beiden Mannschaften im Finale begegnen. Volkssinggemeinde. Sangesgenossen und Genossinnen! Da wir vor der Mitwirkung bei der Festakademie des Atus und vor einer Rundfunksendung stehen und da bis zur Aufführung nur noch wenige Probetage zur Verfügung sind: ersuchen wir euch, die Proben jetzt pünktlich zu besuchen. Die Chote werden vom Chormeister Genossen Janetschek einstudiert. Frauenchor: Dienstag ab dreivertel 7 Uhr. Männerchor: Dienstag ab dreiviertel 8 Uhr. dale entstehen, und da ist auch noch eine Tochter, die einem vernünftigen Rat nicht folgen will und den Ratgeber sogar bei der Staatsanwaltschaft anzeigt. Da der Autor die Kette der Unwahrscheinlichkeiten geschickt geknüpft und die Dialoge mit effektvollen Auseinandersetzungen gepfeffert hat, reicht das Ganze für eine zweistündige Theater-Unterhaltung. > Die Darstellung(unter Walter Taubs Regie) war am besten in den kleineren Rollen. Egon v. Jordan karikierte einen,adeligen Gentlemen mit vergnüglicher Behutsamkeit, Fritz Klippel gab einem Lebemann genügend Temperament und Else Warnholtz erfüllte eine jüngferliche Figur mit erfreulich feinem Humor. Die Hauptrolle des Arztes wollte Fritz Walk um jeden Preis interessant gestalten, was dazu führte, dass er nicht nur charakterisierte, sondern nach stimmlichen Effekten haschte. Gerda Meller blieb ihrer Diva-Gestalt diesmal den Glanz schuldig— und Marion Wünsche hatte zu ihrer Rolle keine andere Beziehung, als dass sie sie auswendig hersagen konnte.—eis— Kabel-Umlegung. Das Telegraphcn-Bauamt II in Prag teilt mit, dass die Telephonteilnehmer iß Prag XII in dem durch die Anglickä, Mikovcovä, Legerovä und Bklehradskä abgegrenzten Bezirk Montag, den 18. d., von 9 bis 16 Uhr wegen Umlegung des Kabels vom Telephonverkehr abgeschaltet sein werden. Post« such«: Handels- und technisches Personal aller Art^Anfragen beim Angestellten-Verband Prag II. 1866, Telephon 51351 Hokes verschiedene Botengänge und andere Dienste leistete, die mit dieser Sache im Zusammenhang stehen: waren die Verdachtsmomente für Mitwisserschaft von vornherein schwach genug und auch der letzte Angeklagte, der Teffchner Landbankdireftor Schiffncr hat in der Sache der verfälschten Devisenausfuh rsbewilligung eine entfernte Vermittlerrolle gespielt, die keine Anhaltspunkte für eine be« wusste Teilnahme an der Fälschung bietet, wie auch die Urteilsbegründung betont. Die Verhandlung erbrachte auch tatsächlich keine schlüssigen Beweise für die Schuld der übrigen Angeklagten äusser KoneLny. Das Urteil erkannte tatsächlich auch nur diesen schuldig und sprach d i« s o n ft i g e n A n a e k l a g t e n f r e i. Alois KoneLny wurde zu zwei Jahr« schwere« und verschärft« Kerkers verurteilt. Der Vorsitzende GR. Dr. Trost gab den Freigesprochenen den ernsten Rat mit auf den Heimweg in Hinkunft von so unklaren Gcschäftsbeziehun- lieber fernzuhalten. Staatsanwalt Dr. Mejstrik meldete gegen freisprechenden Urteile. Nichtigkeitsbe- die schwerde an, sowie Berufung wegen zu geringem Strafausmasses für KoneLny. rb. Wochenspielplan des Reuen Deutsch« Theaters. Heute Sonntag,, halb 3 Uhr nachmittags: Dir Zeit« find schwer, Arbeitervorstellung, halb 8: Po» lenblut, DI.— Montag halb 8: Die schöne Helena, volkstümliche Vorstellung.— Dienstag halb 8: H i n t e r Mauern, zum ersten Male, Ä 2.— Mittwoch 8: Der Barbiervon Sevilla, Gastspiel Willy Domgraf Fatzbänder, BI.— Donnerstag 7: I e n u f a, Abonn. aufgehoben.—- Freitag halb 8:HinterMauein, D 2.— Samstag hab 8: Figaros Hochzeit, Gastspiel Willy Domgraf-Fassbänder, A 1. Wochenspielplan der Klein« Bühne. Heute Sonntag 3: Ich habS getan, 8 Uhr: Mädchen» für alles.— Montag 8: M ä d ch e n für alles, Bankbeamte und freier Verkauf.— Dienstag 8:Gentlem«n.— Mittwoch 8: Mädchen für all es.,— Donnerstag 8: I ch Habs g't tast.— FMmg Gen t lem e n. — MMSkag 8: Mädchen für alles. Miriam Hopkins spielt in dem Film.Das Phantom von London' «in Mädchen aus Soho. Gentlemen Der Engländer Sidney Philipps wandelt mit diesem Dreiakter, der gestern in der Kleinen Bühn« mft Spannung verfolgt wurde, auf. Sudermanns / Spuren. Er hat von seinem Vorbild gelernt, dass man Tendenzstücke schreiben kann, die auch ein zahlungskräftiges Publikum nicht beunruhigen, wenn man die Tendenz nur banal genug macht: etwa, dass zum wahren Gentleman m«hr gehört, als äusserlich krrektes und nobles Verhalten. Und er hat weiter gelernt, dass man aus einer Banalität ein abendfüllendes Stück machen kann, wenn man L«te auf die Bretter stellt, die insofern spannend sind, als sie ihre Vergangenheit und ihre natürlichen Beziehungen zueinander solange wie möglich voreinander ver- beimlichen und sich in ihren Gesprächen die wichtigste« Dinge so spät w: möglich sagen. Da ist ein Mann, der sein Batergeheimnis so wenig preisgeben will, dass er lieber das ärztliche Berufsgeheimnis verletzt, da ist eine Frau, die ihre Liebe so lange nicht einmssteht, bis die ärgsten Verwirrungen und SkanEin Maskenball Innerhalb des etwas langgedehntm Berdi- ZykluS(dessen einzelne Phasm von unserem jetzt erkrankt«-J.-vtes«rtNten besprochen wurden), brachte das Deutsche Theater gestern Verdis immer wieder hinreissenden.Maskenball" in einer sehr guten, durch echtes Brio, dramatischen Schwung und «rotze Singstimmen charakterisierten Aufführung. Der Erfolg wurde vor allem und sofort bestimmt durch die in diesem Falle wuchtig«, rhythmisch straffe und weitbogige Stabführung Szells, der einen so ausgezeichneten Abend hatte, datz man etliche, die Sänger deckend«, allzu üppige Klangentladungen des Orchesters nicht scharf vermerken mutz, zumal von diesem aus doch auch die lyrischen Partien des Werkes zu ihrem Rechte kamen; in sehr bescheidenem Masse da- gegen durch die Sänger. Aber der Hauptgast des Abends, Francesco Battaglia, überraschte — nach seinem eisernen Manrico— als Richard durch Edelmetall-Produktion seines mächtigen Organs. das er auch diesmal zu richtigem Legato zu bändigen wusste; freilich auf.Gefühlslegato" und piano-Singen muh man bei ihm verzichten. Dies wiederum nicht bei dem zweiten Gast, Herrn Andreas Boehm vom Auffiger Stadttheater; in diesem Renö lernte das Prager Publikum einen mit grosser, umfangreicher und schöner Stimme gesegneten lyrisch-dramatischen Bariton kennen, der auch über gesanglichen und darstellerischen Ausdruck verfügt; sonderbar und abträglich nur die zeitweise völlige Resonanzlosigkeit dieser Sttmme in Mittel- und Tiefenlage. Bon den grossen Partien war noch der Vaae mit. Frau Book neu besetzt; nicht sehr glück- lich. da die Sängerin anher ein paar ansprechenden Koloraturen wenig zu geben, sich dynamisch kaum durchzusetz« vermochte und das Klangbild übrigens durch Tremolier« trübte. Die Partten der Amelia und der Ulrica waren bei den Damen Pauly und Kindermann geblieben. Die kleineren Partten warm nicht durchaus in guten Händen, was aber der ausgezeichneten Stimmung im Hause keinen Abbruch tat. Es gab viel und grossen Beifall, auch bei offener Szme. L. G. Zwei Jahre Kerker und fieben Freisprüche Da» Gabe des Prozesses«m die gefälschten Einsuhrscheine Sport• Spiel• Körperpflege Triumph der Sensation Sftsprung über 98 Meter! Auf der Mammutschanze in Planica(Jugoslawien), wo ein internationales Skispringen abgehalten wird, wurde am Freitag ein Prübespring« veranstaltet. Unter anderen sprang der Norweger R., Andersen 88, 98 und sodann 99.5 Meter gestanden. Es ist dies der weiteste Sprung, der je erzielt wurde. Die tschechoslowakischen Teilnehmer, Vrana, Barton und Steinmüller erreichten 82 Meter. Die Mammutschanze in Planica ist in ihrer Kon- struktion ausgezeichnet auSgebaut. Zum Unterschied 8er übrigen Schanzen(Kreiskonstruktion) ist diese Schanze als Parabel erkAut. Alle, auch die besten Springer hatten vor der rasend«» Abfahrt eine be- bestimmte Angst. Nach dem ersten Sprung war man angeblich überrascht, mit welcher Leichtigkeit die grösste Weite erreicht wird. Es wird damit gerechnet, dass die 100 Meter doch noch übersprungen werden. Für das internationale Skispringen ist die Schanze allerdings gesperrt worden» Vorfrage Nie wieder Krieg! Die StaatswissenschafKiche Gesellschaft und die tschechoslowakische Gruppe der Interparlamentarischen Union veranstalten am Donnerstag, dem 21. März 1935, um halb 20 Uhr im Sitzungssaal der Handels- und Gewerbekammer in Prag einen Bortrag des Vorsitzenden und'Gründers der Weltunion zur Unterdrückung des Kriegsverbrechens Henri Demont aus Paris, der über das Thema.Der richtige Weg zur Bekämpfung des Krieges" sprechen wird. ÜMelwsgm fier»Urania« Heute halb 11 Uhr:„Die Dobrudscha". Kulturfilm aus dem Tierparadies Europas. Eine Donau- fahrt. Einmaliger Konzertabend der„Weintraubs Syn- copators". Ein Querschnitt vom lyrisch-italienischen Strahenlied bis„Rhapsodie in blue", gespielt von der weltbekannten Jazz-Kapelle, bietet einen einzigartigen Genuss. Volkstümliche Preise. Vorverkauf: Urania, AndrL, Wedler. Montag 8 Uhr. Unvergeßliche Filme: X 27. Marlene Dietrich. Regie. Sternberg. Montag viertel 9 Uhr. „Moderne bildende Kunst der Tschechen." Lichtbildervortrag, Prof. Dr. Jaromir P e L i r k a. Donnerstag 8 Uhr. Nlme in Prager Lichtspielhäusern Adria:.Lieb mich heute nacht". A.— Alfa:.Menschen im Hotel". A.— Avion:„Der Sturm". Ruff.— Bcranek:„Eine von Millionen". Tsch.— Fenix:.Im Zeichen des Kreuzes". A.—. Flora:.Der rote Pimpernell". Engl.— Hvözda: .Das Phantom von London". A.— Julis:„Ball jm Savoy". D.— Kinema: Journale, Groteske, Reportage. Halb 2 bis 7 Uhr.— Koruna:.Der Phantom von London". A.— Kotva:.Back Street". A.— Lacerna:„Back Street". A.—- Metro:.Die ganze Welt lacht". Ruff.—» Olympic:.Der Sturm". Ruff.— Passage:„Ball im Savoy". D»— Radio:.Eine von Millionen". Tfch.— Skaut:„Kampf um Millionen".— Alma: „Mutterherz". Tsch.— Bajkal:„Im Morgenrot". Tsch.— Belvedere:„Es lebe der Selige". Tsch.—• Beseda:„Skandal im Atlantic-Hotel". D.— Fa' Iwrit:.Eine von Millionen"'Tsch.— Lido:„Nell Gwyn, das Königsliebchen". Engl. Eingesendet. G. Z. Ckl 83/34 .. 6 Ausfertigungen des Vergleiches. In der Rechtsangelegenheit der klägerischen Partei, des Verbandes deutscher WirffchastSgenofsen- schaften in Prag II., gegen die beklagte Partei, W. S. Schramm, Herausgeber und Redakteur der Zeiffchrift Familienzeitung in Prachatic«, wegen unlauteren Wettbewerbes, haben die Parteien bei der Tagsatzung am 23. Jänner 1935 nachstehend« VersleßM abgeschloffen: Der Beklagte Wenzel Schramm verpflichtet sich, zu unterlassen, öffentlich in der Zeitschrift Familien- zeitung in Prachatice die Leser aufzufordern, aus den Konsumvereinen auszutreten, sowie die Nachrichten, dass der Konsumverein nicht fähig ist, eine Arbeit zu geben und dass die Konsumvereine Toten-- gräber für die Leser und ihre Nachkommen sind— und zwar unter Exekution. Der Beklagte Wenzel Schramm willigt ein, dass der Kläger auf Kosten der beklagten Partei diesen Vergleich binnen 3 Monaten vom heutigen Tage an gerechnet, in beglaubigter Uebersetzung in die deutsche Sprache in der Zeiffchrift: Familienblatt in Prachattce, Die Konsumgenoffenschaft in Prag/ und Sozialdemokrat in Prag, veröffentliche, derart, dass die Veröffentlichung höchstens ein Drittel einer Seite der betreffenden Zeitschrift einnehme 4t nb dass die Kosten dieser Veröffentlichung zusammen höchstens insgesamt 600 KL betrag« werden. Den für diese Veröffentlichung bezahlten Betrag wird die beklagte Pattei gegen Vorlage der Bestätigung über die Veröffentlichung im Höchstbeträge von 600 KL binnen 14 Tagen nach der Verständigung des Beklagten über die Veröffentlichung dieses Vergleiches in den angegebenen Zeitschriften, und zwar unter Exekutton bezahlen. Die beklagte Pattei verpflichtet sich, der klägerischen Partei die Prozetzkosten, wie dieselben votn Gerichte bestimmt werd«, binnen 14 Tagen vom Tage der Zustellung des die Kost« bestimmenden Be- schluffes unter Exekuffonsfolg« zu bezahlen. Die Gebühr von diesem Vergleiche bezahlt die beklagte Pattei, sobald die Kosten vom Gerichte bestimmt werden. Kreisgericht in Pisek, Abt. I, am 27. Feber 1935. Bedkich Smrcka, für die Richtigkeit der Ausfertigung; unleserliche Unterschrift. VERLANGEN SIE in jeder Verkauf sstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der FiVnaa HEGNER& Cle„ PILSEN Selchwaren der Fa. HEGNER& Cie., Pilsen 445•!«« die allerbesten! VezugSbedingunge«: Bei Zustellung inS Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tattf. billigst berechnet. Bei öfter« Einschaltungen PreiSnachlatz.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeittmgSsrankatur wurde von der Bost« und Telegraphendirektion mit Erlass Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Drucker«':„Orbis" Druck-. Verlags- und Zeitungs-Ä.-G.. Prag.