Nr. 68 15. Jahrgang : Donnerstag, 21. März 1935 ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, reo Aktion und Verwaltung trag fochova«. telefon jw?. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Etointente 70 Halter (•iiuchlieSlich S H*ll»r Fofta] 1ENTRALOEGAH DER DEUTSCHER SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Konferenzen der drei Westmächte Frankreich ruft Völkerbund an/ Protest in Berlin/ Laval nach Moskau Die erste f r anzöfisch-englisch-italienischeVorbera Rach der Rückkehr Simons aus Derk« und Edens aus Moskau wird Simon, Mussolini und Laval persönlich beteiligen. * wir setzt der einige«, unter welchen die Beschwerde Frankreichs auf daS VerhandlungSprogramm einer außerordentlichen Tagung des Völkrrbundrates gesetzt werden wird. Genf. Der Beschluß des französischen Mim- sterrats hat in Genf große Bewegung hervorgerufen. Man erwartet, daß längstens bis heute früh beim Völkerbundssekretariat das formale Ersuchen der französischen Regierung um die Einberufung des Völkerbundrates einlangen wird.' Ter Rat wird wahrscheinlich Mitte nächster Woche unter dem Borfltz des türkischen Außenministers Tewfik Ruchdy Aras zusammentrrtrn. Die Entscheidung der französischen Regierung wurde in Genfer diplomatischen Kreisen"sehr günstig ausgenommen. Berlin teilt Zensuren ausl London.„Die heutige Situation ist gefährlicher und drohender als sonst seit 1914", erklärte in einer Rede in Maidstone in der Grafschaft Kent der Unterstaatssekretär im britischen Finanzministerium Duffcooper. Trotzdem sei kein Grund zur Verzweiflung, weil die letzten Ereignisse nichts geändert haben,, sondern im Gegenteil die Situation aufhellten. Vier Großmächte wünschen den Frieden. Großbritannien, Frankreich, Italien und Sowjetrußland sollten sich verbünden zu einem festen F r i e d e n s b l o ck und der Welt verkünden, daß sie den Frieden aufrecht erhalten wollen und daß jeder Störer des Friedens auf Widerstand stoßen würde. Dann, sagte Duffcooper, dürfen auf die Erhaltung die Friedens hoffen. Krieg- aber wie und wann? Amerika befürchtet In europäische Verwicklungen hlnelngezosen zu werden Die französische Note an Deutschland wird heute vormittag in Berlin überreicht werden, worauf sie veröffentlicht werden wird. Der Berichterstatter des Rcuterbüros erfährt hiezu, daß die Rote gegen die Verletzung des Versailler Vertrages und des Kommuniques vom 3. Feber, das Berlin als Diskuffionsbasis angenommen hatte, protestiert. Außerdem werde in der Note die Verletzung des Völkerrechts vorgrworfen, dessen Grundprinzip die Achtung vor allen internationalen Verpflichtungen bildet. Am Schluß der Note wird versichert, daß Frankreich bei den künftigen Verhandlungen ans einseitig getroffen« Entschließungen keine Rücksicht nehmen kann. „Vier Großmächte wünschen den Frieden** Paris. I« der Mittwoch-Sitzung des Ministerrates, der unter dem Vorsitz des Prisidenten der Republik zusammentrat, wurden wichtige Entscheidungen getrof- fen, die pon der breiten Oeffentlichkeit Frankreichs und von der Presse durchwegs gebilligt werde« und di« auch eine« große« internationalen Widerhall finde» werden. 1. Der Ministerrat nahm de« Text der Protestnote der franzö- fische« Regierung gegen de« samstägigen Schritt der deutschen Regierung an. Die Rote soll vom französischen Botschafter in Berlin der deutschen Regierung sofort überreicht werd««. 2. Der französische Ministerrat beschloß, die unrechtmäßige und eigenmächtige Verletzung des Friedensvertrages durch Deutschland dem Völkerbundrat vorzulegen. 3. Der Älinisterrat billigte die Vorberatungen Frankreichs mit England. 4. Der Ministerrat gab seine Zustimmung zur Reise des Außenministers Laval nach Moskau. ••» Außerordentliche Tagung in Genf Rach Beendigung der Ministerratssitzung gab Außenminister Laval den leitenden Beamten die Anweisung, innerhalb 48 Stunden den Tert der offiziellen Beschwerde der französischen Regierung an den BölkrrbundSrat gegen die Entscheidung Deutschlands vom 16. März, durch die die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wird, auszuarbeiten, eine Entscheidung, durch die die Bestimmungen deS BrrfaillerBer- träges g r w a l.t s a m verletzt werden. Die leitenden Beamten des Außenministeriums werden unverzüglich mit dem Generalsekretär des Völkerbundes,. A v e n o l, in Verbindung trete«, um sich mit ihm über di« Bedingungen zu Sind die deutschen Generale eigentlich Pazifisten? Pressemeldungen zufolge soll die Reichs- wehrleitirng von einer allgemeinen Wehrpflicht, wie sie die Natichialsozialisten und Anhänger sowie repräsentative Vertreter der altpreußischen Armee durchgeführt wissen wollen, garnicht erbaut sein. Sie will nicht viel mehr als 300.000 Soldaten unter Waffen halten, was nur 100.000 Mann mebr wären als Seeckt im Jahre 1930— selbst bei voller Rüstungsfreiheit Deutschlands— empfahl. Hat die deutsche Reichswehr also die Rolle der Unterdrückten Pazifisten übernommen? Auch was die materielle Rüstung anbelangt, soll die Reichswehr andere Auffasfungeir als die üblichen haben. Sehen wir von dem im Weißbuch enthaltenen.Blaubuch der Reichswehr ah", in dem viel Aufschlußreiches steht, das aber umstritten ist, so liegen dennoch offizielle Aeußerungen führender Vertreter der Reichswehr vor, die kaum zu mißdeuten sind. Z. B. erklärt Foertsch, daß der 30. Juni notwendig wurde, weil andere Organisationen sich anmaßc» wollten, die Landesverteidigung ohne die Reichswehr zu organisieren. Der Kampf Reichswehr—SA war in der Tat ein Kampf für oder wider das alte Massenheer. Die SA unterlag, die Reichswehr siegte. Aber der Kampf ging weiter. Noch immer stehen einander verschiedene Auffassungen in Deutschland gegenüber. Da»„Prager Tagblatt" hat in seinem gestrigen Leitartikel eine einleuchtende Begründung dafür gegeben. Die Reichswehr steht nämlich auf dem Standpunkt, daß die Zeit der alten Massenheere überwunden ist und kleine schlagkräftige Armeen den Krieg der Zukunft führen werden. Demzufolge lehnt sie die Wehrpflicht im alten Sinne ab und unterscheidet zwischen Dienst mit der Waffe und ohne sie.„Die Zukunft fordert eine allgemeine Wehrpflicht im weitesten Sinne des Wortes, eine Kriegsdienstpflicht des gesamten Volkes. In diesem Rahmen ist besonders hoch zu werten der Dienst des Waffenträgers." Das ist keineswegs die allgemeine Wehrpflicht, die so und soviel Jahrgänge mit Hunderttausenden und schließlich Millionen Soldaten unter Waffen hält. Wohl aber versteht der Nationalsozialismus, der von repräsentativen Vertretern der alten Armee unterstützt wird, unter allgemeiner Wehrpflicht das alte Massenheer von früher. Es verlautet, Hitler habe die allgemeine Wehrpflicht sehr plötzlich proklamiert und selbst die Reichswehr sei davon überrascht gewesen. Selbst wenn dies der Auffassung, die Reichswehr herrsche eigentlich in Deutschland und Hitler sei ihr Gefangener, Abbruch tun sollte, es ist dennoch nickst ausgeschlossen. Die Hymnen auf Ludendorff sind wohl kaum allein auf die Pflege der Tradition und das Bedürfnis, nach dem Tode Hindenburgs einen neuen Mythos zu schaffen, zurückzuführen; es spricht mancherlei dafür, daß sie von mancher Seite auch als ein Bekenntnis zu den Formen der alten Armee und'als Absäge an die Konzeption der Reichswehr gedacht war. Wenn z. B. die„Prager ■I Presse" schrieb, die Rede Blombergs habe alle diejenigen enttäuscht, die nähere Ausführungen über die deutsche Wehrverfassung erwartet haben, so geht daraus hervor, daß die Dinge, sehr überstürzt kamen und die Widersprüche noch auszugleichcn sind. Erst die Ausführungsbcstimmungcn zur Wehrpflicht werden zeigen, wer über west gesiegt hat. Daß Deutschland zunächst über die Welt gesiegt hat, braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden und daß sie nicht daran denkest wird, die Wehrpflicht rückgängig zu machen, daS ist sicher. Wenn man aber nicht beachtet, daß die Reichswehr aus militärischen Gründen an einem verhältnismäßig kleinen Heer festzuhalten gedenkt, kann es der Welt passieren, daß der Nationalsozialismus seine militärisch bedingten möglichen Konzessionen an die Reichswehr oder gar den völligen Sieg der Reichswehr als die Widerlegung der Weltthese be- ! trachten, daß Deutschland einen neuen Schritt zum Berlin. Zu den Dreierbesprechungen schreibt die Deutsche diplomatisch-politische Korrespondenz Deutschland nimmt gern Kenntnis von feder Aussprache der anderen Großmächte unter sich, durch die die großen internationalen und vor allem europäischen Aufgaben im Sinne allgemeiner Verständigung ihrer Lösung nähergebracht werden. Nichts wäre heute verhängnisvoller als eine erneute Spaltung Westeuropas in feindliche Blocks. Deshalb geht die deutsche Politik sticht darauf aus, Freundschaften zu trennen, wohl aber hat sie ein berechtigtes Interesse daran, daß diese Freundschaften nicht gewissermaßen zu Verschwörungen gegen ein anderes Land ausarten. Auch die anderen Mächte werden gut daran tun, einen solchen Anschein zu vermeiden, weil er von vornherein das gemeinsame Ziel,.die Herstellung vertrauensvoller und solidarischer Beziehungen aller Völker in Europa, unter einem ungünstigen Aspekt stellen würde. und MarineministerS überwogen, welche bcfürch-!^"^stimm^nge^zum Wehrgeseh beiden Berten, daß die Bereinigten Staaten in even tuelle B e r w i ck l r n g en in Europa htnringczogen werde» könnten. Frankreichs Protest beim Völkerbundsrat Paris. Der Protest Frankreichs beim Völkerbundsrat gegen de» Schritt Deutschlands vom 16, März wird sich auf den Absatz 2 des Artikels 11 des Bölherbundvaktes stützen, der besagt, daß jedes Vökerbunds- mttglied das Recht hat, de« Völkerbundsrat auf Handlungen aufmerksam zu machen, die imstande stnd, de« Frieden zu bedrohen. Eventuell wird Frankreich auch auf de« letzten Absatz des Artikels 16 des Völkerbundpak- tes aufmerksam mache«, der den Ausschluß jenes Staates aus dem Völkerbund festsetzt, der seine internattonalen Verpflichtungen verletzen würde. Einladung Lavals nach Moskau angenommen Die französische Regierung hat weiters die Einladung der sowjetrussi- schen Regierung zu einem Besuche des Außenministers Laval in Moskau angenommen, das Datum dieser Reise wurde jedoch noch nicht festgesetzt. Dem„Echo d e P a t i 8" zufolge hat der Sowjctbotschafter Polemkin Laval den Bor schlag gemacht, schonindernüchstrnW ost, e, und zwar in den Tagen, an denen Sir John Simon mit Hitler verhandeln werde, nach Moskau zu kommen. Beide Staatsmänner solle« sich aber dahin geeinigt haben, daß das genaue Datum der Moskauer Reise Lavals erst nach Simons Rückkehr aus Berlin, also in den erste« Apriltagen, festgesetzt werde« soll. Was hinqton. Präsident Roosevelt die Politik des aufmerksamen Beobachters europäischen Situation fort. Es heißt, daß Hüll und N o r nt.4.it D a v 18 mit welchen Präsident Roosevelt Beratungen pflog, ihm vorschlugen, einen schriftlichen Pretest nach Berlin zu, 1W ujun, vuq uuimuno cuim neuen wupu««uu: senden, daß aber die Anschauungen des Kriegs-> Kriege getan habe. Vielleicht werden di« Aussilh- > Handlungen mit Simon schön eine solche Rolle spielen. Hat Deutschland nicht auch den Abbau der SA als Schritt zum Frieden betrachtet? I n , W i r k l j ch.l c i t h a t ha stich t j> e s eine»etietlich e Zusammenkunft der Vertreter dieser drei Großmächte,«nd zwar diesmal in einem norditalienischen Orte stattfinden. An dieser zweiten Beratung werden fich unter anderen tun- wird diesen Samstag in Paris stattfinden. Die englische Regierung wird von Lordsiegelbewahrer Ede«, die italienische Regierung vom Staatssekretär Suvich vertreten Werder». Eden wird noch am Samstag spät nachmittags nach London zurückkehren. Seite 2 Donnerstag, 21. März 1935 Nr. 68 Friedensgcdanke, sondern die Reichswehr gesiegt. Die Welt hat das verkannt, weil sie glaubt, Ausrüstung besteht allein darin, daß viele Leute ein Gewehr in die Hände kriegen. Aber wie wehrlos wären da gerade Eng» land und Amerika, die von sich aus keine allgemeine Wehrpflicht kennen und auch keine sehr große Armeen haben? Darum ist di« Reichswehr auch nicht etwa gegen den Krieg, den jede Wehrmacht stets für möglich erachtet, sie will ihn nur anders sichren und anders vorbereiten. Krieg ja, aber wie und wann. Aufrüstung so oder so, das ist die Frage. Der Dualismus auf wehrpolitischem Gebiet besteht in Deutschland noch immer, wie er auch in der Außenpolitik, in der Justiz und auf vielen anderen Gebieten besteht. Stärker als man glauben konnte, hat sich der Nationalsozialismus über viele alten Mächte hinweggesetzt. Aber er konnte sie nicht bezwingen und so stehen sie nebeneinander. Ter Nationalsozialismus brachte eine militärische Auffassung mit, die iin alten Preußentum wurzelt, wie er all seine Ideologien aus dem Gestern bezogen hat. Weitsichtig ist er nicht einmal auf dem Gebiet, wo er allein zuständig erscheint, er hat das Reichswehrsystcm bisher nicht begriffen und kann es auch nicht begreifen, vor allem auch nicht praktizieren. Ist es denn nicht mehr wahr, was der Marxismus, was Jean Jaures, was Bebel, was Engels und Rosa Luxemburg gelehrt haben, daß sich die Nation am besten und entschlossensten zu verteidigen weiß, die in Freiheit lebt, die Rechte hat und weiß, für was sie eintritt? Ist die Gewalt doch so allmächtig, daß sie noch heute die notwendige Kraft zur machtlosen Kriegsführung erzeugen kann? Ist es möglich, daß sich im fascistischen Deutschland ein in der Republik gewachsenes und vom damaligen staatlichen und politischen Zustand ausgehendes Heer unverändert im gegenwärtigen Staat behaupten kann? Ist die Wehrverfasiung nicht an den jeweiligen GeiellschaftSzustawd gebunden und gleichsam ihr militärischer Ausdruck? Wenn das alles wahr ist, dann muß die allgemeine deutsche Reaktion auch das militärische Gebiet erfassen. lind das ist der Fall. Die Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht in den vom Nationalsozialismus angestrebten Formen ist für Deutschland — rein militärisch gesehen— ein Schritt zurück. Das moderne Kaderheer, das von der Selbständigkeit des einzelnen Mannes, von der freiwilligen Bereitschaft und der höchsten Intelligenz ausgeht, kaim aus dem Zustand des Dritten Reiches nicht die notwendige Lebenskraft ziehen, der alte Massenheerdrill, der alte Preußengeist müssen notwendigerweise wieder auferstehen. Mit dem modernen Wehrsystem steht und fällt der totale Staat, der zugleich totale Unterdrückung ist. Der Drill muh die Gesinnung, der Zwang die Ueber- zcugung ersetzen. Und weil mit der Wehrform mehr verbundenHst als eine'KtfnzessioN'"rtn“Me Reichswehr, darum ist dieser Kampf stets sehr heftig gewesen. Krieg hier wie dort. Aufrüstung hier wie dort. Aber wie, aber in welcher Form, das ist der Gegensatz. Die Wehrmacht weiß, daß Jaures, Bebel, Luxemburg im Recht sind, sie sucht das Möglichste zu tun, um das Dilemma zu mildern. Aber sie ist nicht die Kraft, als die sie bewertet wird. Sie ist nicht entscheidend. Die Ereignisse gingen oft genug über sie hinweg, es kann auch der Krieg gegen ihre Bedenken ausbrechen. Dann aber wird über dem Dritten Reich das Schicksal des Zqrismus schweben. Man hüte sich aber, auf diese Karte alles zu setzen, aber sie bleibt der letzte Trumpf. Zuvor aber würde lange und viel Blut fließen, denn ob der Krieg gleich mit der Revolution und dem Kampf um hie Freiheit im Inneren und die Rettung des Vaterlan« Unannehmbar sagt der französische Premier Paris. Ministerpräsident Flandin hielt gestern im Senat bei vollen Bänken und überfüllten Logen und Tribünen eine über eineinhalb Stunden dauernde Rede, die häufig von Beifallsstürmen von der äußersten Rechten bis zur Linken unterbrochen wurde. Der Ministerpräsident lehnte die Ansicht ab, daß der Schritt der deutschen Regierung vom 18. März eine Anttvort auf das englische Weißbuch und auf die Debatte in der französischen Kammer vom vergangenen Freitag bildete. ES han- delte sich vielmehr um eine dereils lange vorbereitete Aktion. Frankreich könne die Ansicht der deutschen Regierung nicht annehmen, daß die Ehre des deutschen Volkes und der Schutz der Freiheit Deutschlands dieses Gesetz erfordern. Wo wäre die Gerrchttgkrit, rief er, wenn sich jeder frei das Recht anmaßcn würde, die unterschriebenen vertraglichen Verpflichtungen zu verwerfen. Frankreich kann den deutschen Schritt vom 16. März nicht annehmen und wird ihn nicht annehmen. Während der letzten 18 Jahre hat Frankreich auf alle erdenkliche Weise durch Taten und freiwillige Zugeständnisse eine Annäherung und Versöhnung mit Deutschland angestrebt. Diese Versöhnung kann aber nicht auf der Vergewaltigung der Freiheit und auf der Negierung des Rechtes, und der Gerechtigkeit gegründet sein.(Lebhafter Beifall von der Rechten bis zur Linken.) Flandin lehnte ferner die Behauptung ab, daß Deutschland nicht den Krieg wolle. Es ist auch unrichtig zu behaupten, daß Frankreich seine Berpflichtungen hinsichtlich der Abrüstung nicht erfüllt hat. Es darf nicht vergeffen werden, daß Frankreich die dreijährige Militärdienstzeit auf eine einjährige herabgesetzt und den Effektiv st and seiner Armee freiwillig um über 8C Prozent beschränkt und herabgesetzt hat. Im Jahre 1914 hatte Frankreich 780.600 Mann, während es im Jahre 1938 nur 380.000 hat. Im Jahre 1914 betrug die Tonnage der französischen Marine 768.000 Tonnen, währen- sie im Jahre 1938 880.000 Tonnen beträgt. Wenn Frankreich nicht noch mehr abgerüstet hat, so tat es dies deshalb, weil es wußte, wie fieberhaft Deutschland rüstet. Flandin warf Deutschland vor, daß es die Tätigkeit des Völkerbundes untergrub und schließlich den Völkerbund und die allgemeine Abrüstungskonferenz just vor verantwortlichen Entscheidungen verlassen hat. Frank-. reich ist überzeugt, daß der Völkerbund diesen Schritt Deutschlands nicht schweigend Übergehen kann. Wenn er dies täte, würde sich der Völkerbund eines Verrates an sich selbst schuldig machen. Zum Schluß ersuchte der Ministerpräsident Flandin den Senat, die geforderte vorübergehende Verlängerung des Militärdienstes anzunehmen. Die Regierung hat eine große Mehrst e i t g e s i che r t, da der größte Klub— die demokratis che Linke— die über dir Hälfte des Senates umkaßt, einmütig beschlosien hat, der Regierung das Vertrauen auszusprechen. * Paris. Der Senat nahm am Abend mit der imposanten Mehrheit von 263 gegen 21 Stimmen I des durch den Sturz dieses Regimes beantwortet wird, ist nicht sehr wahrscheinlich. Darum: soweft es auf unsere Kraft ankommt, das Regime vor dem Kriege vernichten! die Tagesordnung des Senators Henry I o u» v e n e l an, die der Regierung das Vertrauen ausspricht, daß„sie die Politik der Sicherheit des Staates und der Wahrung des Friedens fortsehen werde" und in der der Regierungsentwurf über die vorübergehende Verlängerung des Militär- dienftes genehmigt wird. In der Aussprache im Senate, die einen außerordentlichen Umfang annahmen, erklärte der ehemalige Ministerpräsident und unabhängige Senator Paul-Boncour, daß die deutsche Regierung den Glauben erschüttert hat, den Frankreich an Deutschland hegte. Wir haben daher das Recht, sagte Boncour, die Verantwortung für die gegenwärtige Lage abzulehnen, und die Pflicht, mit Deutschland nicht weiter zu feilschen. Paul- Boncour hegt das Vertrauen in den Völkerbund, daß er seine Pflicht tun werde, und verlangt außerdem den beschleunigten Abschluß von gegenseitigen Hilfeleistungsakten. Das werde die beste Antwort an Deutschland sein. Heute veslerunsserieiSnins Im Unterhaus London. Der brttische amtliche Nachrichtendienst meldet zur Situation, die durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland entstanden ist, daß über die Beratungen, die auf diplomatischem Wege stattfanden, in der Donnerstagsitzung des Unterhauses ein offizieller Bericht erstattet werden wird. Sejm-Opposition gegen Deutschland Warschau. In der heutigen Plenarsitzung des Sejm wurde von den oppositionellen Parteien die Politik der Regierung gegenüber Deutschland einer scharfen Kritik unterzogen. Ab, geordneter Stronski von der nationaldemo- kratischen Partei wies auf das Erstarken der hakenkreuzlerischen Propaganda in Pommern hin. In Graudenz veranstaltete die dortige deut- schen Minderheit am 17. d. M. gleichzeitig mft den Feierlichkeiten in Berlin einen sogenannten „Heldentag". Bei diesen Feierlichkeiten legten die Deutschen in Graudenz ejn Treuegelöbnis fürdasDritte Reich ab und nahmen eine Resolution an, in welcher Reichskanzler Hitler heißer Dank für die Wiedereinführung deS allgemeinen Militärdienstes in Deutschland ausgesprochen wurde. Der Redner äußerte sich schließlich dahin, daß die polnisch« Regierung gegenüber Deutschland eine Politik der Illusion betreibe, für welche das polnische Volk in der Zukunft einen sehr hohen Preis werde bezahlen müsien.— Der s o z i a l i st i s ch e Abgeordnete Niedzialkovski äußerte sich u. a„ daß die Rüstungen Deutschlands die Vorbereitungen zu einem Angriffs- und Annekttonskriege bilden. GEDENKET bei allen Anläaaen der ArbeiterfürsorgeI Sechs Todesopfer einer Wahlversammlung In einer ungarischen Gemeinde B u d a p c st. In der Gemeinde E n d r ö d im Wahlbezirke Bakes kam es z« einem blusige» Zwischenfall. Die Behörden wollten eine Wählerversammlung, zu der der Kandidat der Unabhängigen Kleinen Landwirtepartei Andagazi-Kasnya nicht erschienen war, auflösen, worauf die Menge den Gendarmerieposten angriff, so datz dieser von der S ch u tz w a f f« Gebrauch mache» muhte. Fünf Personen, darunter eine Frau waren auf der Stelle tot. Eine sechste Person starb während der Ucberführung ins Spital, eine siebente Person wurde schwer verletzt. Es wurde sofort eine strenge Untersuchung eingelritet und der Minister des Innern» Koszma, begab sich zur Kontrolle der Untersuchung nach dem Tatorte. Offiziere als Hochverräter Wien. Gestern begann vor dem Militärgerichtshöfe in Wien der Prozeß gegen den Major des österreichischen Bundesheeres Rudolf Selinger und drei Polizeioffiziere, Leo G o tz m a n n, Josef Heischmann und Dr. Paul H ö n i g l, wegen des Verbrechens des Hochverrates durch Beteiligung an dem im Juli 1934 erfolgten nationalsozialistischen Putsch. Die drei Polizeioffiziere standen bereits vor dem Juliputsch im Verdachte, sich an den nationalsozialistischen Umtrieben beteiligt zu haben. Es wurde gegen sie eine Disziplinar- Untersuchung ejngeleitet, die jedoch ergebnislos endete. Die drei Offiziere blieben auch weiterhin im Dienst. Kurz nach dem Putsch wuxden alle drei zusammen mjt Major Selinger verhaftet, weil sich einige der in der Ravag und im Kanzleramte verhafteten Rädelsführer auf Selinger und Gotz- mann sotvie auf deren Genoffen beriefen und erklärten, daß diese Offiziere die Vorbereitungen zur Besetzung der Ravag und des Bundeskanzleramtes durchgeführt und Teilnehmer zu dieser Aktion angeworben haben. Scharfe China-Erklärung gegen Rußland Das chinesische Außenministerium veröffentlicht über den illegalen Transfer der ch i n e s i- schenOstbahn eine Erklärung, in der es heißt: Die Sowjetregierung hat unter Verletzung ihrer Verpflichtungen und ohne auf die wiederholte» Proteste der chinesischen Regierung zu achten, Verhandlungen über den Verkauf der chinesischen On- bahn mit: der japanischen Regierung und mit PersÄstm eftWicmRs'dm dkfs^tngcsötzlfche Regime vertraten, daS gegenwärtig in den nordöstlichen Provinzen Chinas herrscht. Ihre Verhandlungen sind» wie die letzten Meldungen besagen» bereits beendet und es scheint, daß der Transfer der Bahn in allernächster Zeit durchgeführt werden wird. Die Verhandlungen der Sowjetregie- rung, die auf diese Weise ohne Zussimmung Chinas über die chinesische Ostbahn zu disponieren versucht, müssen deshalb von der chinesischen Regierung als vollkommen illegal und ungültig angesehen werden und stellen eine direkte Verletzung der chinesischen Vertrags- und Hoheitsrechte und einen internationalen Ueber- griff dar, gegen den sich die chinesische Regierung die Geltendmachung aller Rechte vorbehäll. 36 Roman von Fritz Rosenfeld Er griff nach seiner Brieftasche, sie war leer. Er durchsuchte alle Fächer. Ein paar Bilder, Zettel mit Adressen, seine Fahrkarte. Er sah auf Kilmek; der lag, beide Hände über die" Banknoten gebreitet und den Kopf auf die Handrücken gebettet, und schlief;^ er war häßlich, die Wangen eingefallen, die Stirn wulstig, das Kinn plump, die Nase wie ein Knollen breit in die fleckige Haut des stumpfen Gesichtes gesetzt. Ich bin wahnsinnig gewesen, fuhr es durch Cabrolles Hirn. Sein Herz begann zu pochen. Ich war angstblind, ich war schreckbesessen, ich muß mit ihm reden, das Spiel gilt nicht alle, die h'er liegen, Herr von Ebel, Frau Avory, Halling, der Zeichner können bezeugen, daß ich nicht bei Sinnen war. Ich kann nicht nach Hause fahren ohne das Geld. Ich kann meiner Frau nicht unter die Augen treten. Mein Haus gehört nicht mehr mir. Die Felder, die Wiesen, das Vieh. Mein« Kinder werden verhungern. Ich muß einen Ausweg finden. Totenstille. Ter Taschenspieler baut aus den Karten ein Haus, sechs Stockwerke wird eS hoch, da fiel es zusammen. Vor dem Fenster lag ein fahler Schimmer, die Bäume strecken ihre kahlen Arme gegen den Himmel, der Umriß der beiden Züge wurde sichtbar, die friedlich auf den beiden Gleisen nebeneinander standen, mft erloschenen Lokomotiven. Olavsen schlug die Augen auf, Carlotta schlief in seinem Arm. behutsam legte er ihren Kopf auf das Kiffen, behutsam öffnete er die Tür. ein Frösteln zog durch die Räume/der Ofen war ausgebrannt, es roch faulig nach Bierresten und erkaltetem Zigarrenrauch. Jakob Halling lehnte in einem Winkel, sein Kopf war zur Seite gesunken, er berührte manchmal die Schulter Diana Avorys, di« mit langen, tiefen Zügen atmfte. Tenia schlief, ihr Mund stand offen, die Schminke war verwischt, auf den Wangen Tränenspuren in' her Puderschichte. Marcel hatte die Arme auf dem Tisch verschränkt und den Kopf auf die Hände gelegt, er sah aus, wie ein Schuljunge, der über einer Aufgabe eingeschlafen war, die er nicht lösen konnte. Cabrolle blinzelte auf die Karten, der Taschenspieler ließ sie durch die Luft flattern wie ein Jongleur die Bälle, ein blankes Rad bunten Papiers stand im Raum, lebend und flirrend. Nur Marinka fehlte. Sic mochte ins Dorf hinuntergegangen sein. Auf dem Schankttsch schnarchte der Kellner. Da gellte eine schrille Glocke durch das Schweigen. Olavsen blickte sich um, hier und dort regte sich ein Kopf, wurden zwei Augen lebendig. Er lief in das Zimmer des Stationsvorstands. Der hockte in seinem Sessel,.roch waren seine Augen geschloffen, aber das Signal hatte ihn bereits aus dem Traum aufgescheucht er kämpfte um das Wachsein, riß sich hoch, goß ein Glas Wasser hinunter, sprang an das Telephon.>- „Die Streckenleitung I" sagte er zu Olavsen. Dann horchte er. Er nickt« mit dem Kopf. Er sagte„Ja" und„Wird geschehen". Olavsen gab ihm Zeichen, er sollte fragen... Der Stationsvorstand winkte, ja, ja, alles zu seiner Zeit.! lind er. fragte: Ob man ihm nicht sagen könne, in welchem Zusammenhang die seltsamen Ereignisse von gestern stünden, und ob etwa noch zu befürchten sei, daß... Da verstummte der Draht ES seien nur die wichtigsten Leitungen instand gesetzt und für dringende Dienstgespräche freigegeben. „Was geschieht mit uns?" fragte Olavsen ungeduldig. „Um zehn Uhr gehen zwei Wagen mit einer Maschine nach N. zurück und werden dort an den Frühschnellzug angehängt, der über S. nach Upji- lon geleitet wird", sagte der Stationsvorstand. Er keuchte vor Aufregung. Er setzte sich, nahm den Kopf zwischen die Hände, schloß die Augen. Tas große Fragezeichen, das noch vor ihm stand, das. ihn die ganze Nacht bedrängt hatte, mußte erst schmelzen; ehe es nicht ganz klein war und dahinschwand wie ein Expreßzng, der in die Ferne donnert, konnte er nicht sprechen. „Wann sind wir in Upsilon? fragte Olavsen. „Die Umleitung verlängert den Weg um zweihundert Kilometer", sagte der Stationsvorstand.„Vor vier Uhr nachmittags wird der Zug kaum in Upsilon sein". „Ist in Upsilon Ruhe?" Der Stationsvorstand hob die Achseln. „Darüber hat mir die Streckenleitung keine Auskunft geben wollen. Da die Züge aber verkehren, wird wohl Ruhe sein. Vielleicht ist die Sprengung der Brücke doch nur ein Unglücksfall gewesen, oder ein Racheatt, oder die Tat eines Wahnsinnigen—" „Und der Sender? Und das Licht?" Ter Stationsvorstand trat an den Schalter, drehte den schwarzen Taster in der gläsernen Scheibe. Das Licht flammte auf. Er sah Olavsen stumm an, ging mft ihm in da's Nebenzimmer. Die weiße Scheibe mit den" Namen der Stafioncn zuckte hell auf, Musik klang, Fetzen von Menschenstimmen,.weither über den Ozean. New Uork sandte Negerlieder, Chicago Tanzmusik, San Franzisko das mächtige Rauschen einer Orgel. Europa war stumm um diese Stunde. „Der Sender schweigt noch". Olavsen drehte weiter. Knattern. Kreischen, Pfeifen, Knarren. Dann ein paar hölzerne Töne, als flopste jemand mft einem Kinderlöffel auf den Tisch„Morsezeichen?" Sie horchten angespannt. Olavsen zog ein Stück Papier aus der Tasche, einen Briefumschlag. und versuchte das hölzerne Ticken zu enträtseln. „Morsezcichen sind es nicht"» sagte er nach einer Weile. Das Ticken dauerte fort, lange» dunkle, kurze helle Töne, eine geheime Sprache, die sie nicht entziffern konnten. „Der Militärsender", sagte der Stations- vorstand. „Der Militärsender? Das ist kein gutes Zeichen". „Cs kann auch eine harmlose Uebung sein". „Zufällig, heute morgen? Ein seltsamer Zufall mehr? Nein, lieber Freund, daran glaube ich nicht". „Versuchen wir, eine Verbindung mit dem Torf zu bekommen". „Wen kann man denn um diese Stunde an- l rufen? Im Bürgermeisteramt wird niemand sein, ! die Gendarmerie hüllt sich in feierliches Schweigen". „Rufen wir den Dottor an". Sie drehten die Kurbel, warteten. Ter Draht blieb stumm. „DaS Amt meldet sich nicht". „Also wieder: warten, warten." „Ich werde daS Personal verständigen.'Ich werde Marinka holen lassen, sie soll einheizen, die Passagiere werden ein Frühstück verlangen". „Gibt es hier einen Waschraum? Ich laufe nicht gern unrasiert herum..." „Sie können sich hei mir drüben waschen und rasteren. Für die anderen muß Marinka sorgen, sie wird schon Waschschüsseln und Krüge auftreiben. Handtücher habe ich im Magazin". Olavsen holte sein Rasierzeug auS dem Koffer, schüttete kaltes klares Wasser über den Kopf, nun erst lourde er ganz wach. Um zehn Uhr konnte man weiterfahren. Wohin, wußte der Himmel; denn auch die andere Strecke führte über eine Brücke, und wenn auch diese—. Jedenfalls kam man von hier weg. (Fortsetzung folgt.) Nr. 68 Donnerstag, LI. März 1935 Seite 3 fudetendeutscfier Zcitspieget B. d. L. gegen Gleichschaltung mit SHF läßt aber Wahlbündnis mit Henlein offen Mittwoch, den 20. März, fand eine Sit» zungderReichs Parteivertretung des B. d. L. in Prag statt, die auf Grund der bekannten Beschlüsse der Kreiskonferenz des B. d. L. in Tuschkau einberufen wurde, und der Anarchie im Bunde der Landwirte ein Ende bereiten sollte. Die Tagung, über deren Beratungen nur gesagt wird, daß der Bericht des Ministers Dr. Spina über die politische Lage zustimmend zur Kenntnis genommen wurde und daß sich an den Bericht ein« eingehende Wechselrede anschloß, scheint immerhin in dem Verhältnis zwischen B. d. L. und SHF. organisatorisch Klarheit gebracht zu haben, wenn auch über das Vorgehen des B. d. L. bei den Wahlen vorläufig noch nichts Näheres gesagt wird. In dem Kommunique, das über die Tagung in der Presse veröffentlicht wird, heißt es nach einer phrasenhaften Einleitung über di«„selbstverständliche Pflicht, im Verein mit anderen volksbctoußten Parteien für die Erhaltung und die Rechte des Sudetendeutschtum mitzuarbeiten" unter anderem:' „Dabei ist sich die Partei bewußt, daß reale deutsche Politik unter den im tschechoslowakischen Staat gegebenen Machwerhältniffen und die erfolgreiche Lösung der nationalen, wirtschaftlichen und sozialen Existenzfragen der deutschen Bevölkerung einzig getätigt werden können durch demokratische Zusammenarbeit mit de« tschechischen Gruppe» der gleichen Weltanschauung oder gleichen sozialen oder wirtschaftlichen Zielen. Die Partei ist sich bewußt, -aß eben im VolkSintereffe diese Zusammenarbeit in der jetzigen Krisenzeit und angesichts der von schweren Wolken verhängten Zickmft doppelt notwendig ist, weil durch die Wirkung der Krise gerade unser deutsches Siedlungsgebiet am härtesten im Staate getroffen worden ist. Der Bund der Landwirte weift jeden Gedanken der Diktatur von sich, denn bei den bestehenden Machwerhältniffen wäre das sudetendeutsche Volk das erste Opfer. Die Reichsparteileitung wünscht mit Freude die Mitarbeit unserer Jugendorganisationen und ist gerne bereit, ihnen den entsprechenden Einfluß in allen Parteigliederungen einzuräumen." Ueber die Frag«, welche die Öffentlichkeit am meisten interessiert, nämlich das Verhältnis zur SHF, sagt man in dem Kommunique sehr wenig aber doch so viel, um eindeutig darzutun, daß alle Bestrebungen im Bunde der Landwirte, welche auf die Gleichschaltung mit der SHF hinzielen, an dem Willen der Bundessührung scheitern werden. Sie sagen: .Bezüglich de» Verhältnisses zur SHF wurde über den Stand der Verhandlungen berichtet, die in den allernächsten Tagen zu beenden sein werden. Die Reichsparteivertretung billigte einmütig den Beschluß der Parteileitung vom 20. Feber 1935. An der Selbständig«?« der politischen Partei des v. d. L. wird festgehalten, und zwar vor und nach den Wahlen. Dio- Reichsparteivertretung nahm de» Bericht oer Reichsparteileitung über die Beschlüsse des Kreisparteitages in Tuschau genehmigend zur Kenntnis. Mit Befriedigung wurde da» Ergebnis der Kreisparteivertretersitzung des Parteikreises .Böhmerwald-Nord" vom IS. März entgegengenommen, auS welchem hervorgeht, daß alle Bezirke dieses Kreises auf dem Boden der Partei stehen und sich der Parteiführung unterordnen." DaS heißt also mit anderen Worten: der B. d. L. ist gewillt, den Kampf um seinen Bestand nach innen und nach außen zu führen. Dabei wird ihm freilich die Auseinandersetzung mit der von ihm großgehätschelten SHF nicht geschenkt werden, wenn er seine Beschlüsse in die Tat umsetzen will. Inwieweit er die Landjugend mtt seinen Versprechungen über die Erweiterung des Einflusses der Jugend im B. d. L. noch von der Verkettung mit der SHF zu lösen vermag, ist eine andere Frage. Sie ist nicht zuletzt von der Rolle abhängig, die von den Führern der Landbundjugend sewst in diesem Kampfe um die Sechsterhaltung des B. d. L. gespielt werden wird. Bis jetzt war sie mehr als zweifelhaft. * In unterrichteten Kreisen wird der Beschluß des landbündlerischen Parteivorstandes als Sieg Spinas angesehen. Dies« Ansicht wird unterstützt durch die Tatsache, daß nunmehr der Parteivorstand mit aller Schärfe gegen die SHF-Zellen in seinen eigenen Reihen Vorgehen wird. Das von uns bereits angekündigte, von der„Landpost" nur sehr schwach dementierte Ausschlußverfahren gegen Jng. K ü n z e l-Brünn und gegen Lagerhausdirektor P f r o g n e r-Mies, den Urheber der Tuschkauer Rebellion, soll nunmehr in Gang gesetzt werden. Zu dieser Gruppe gehört auch der Landwirt Nits ch-Müglitz- der sein« Stelle als Obmann der mährischen Landesorganisation bereits zurückgelegt haben soll. Auch das Verhältnis zu Hanreich soll bqld irgendwie geklärt werden; sein Besuch bei Henlein in Asch, den wir seinerzeit ebenfalls gemeldet hatten. dürfte seiner Karriere im Rahmen des Landbundes ein Ende setzen. Wie wir weiter hören, haben die Land« bündler den Beschluß gefaßt, für die Kandidaten in die Nationalversammlung eine Altersgrenze einzuführen, die für daS Abgeordnetenhaus 60 und für den Senat 65 Jahre betragt. Die einzige Ausnahme wird Minister Dr. Spina sein, der wieder ins Abgeordnetenhaus kandidiert. Nicht nur wegen dieser Altersgrenze soll auch der Abgeordnete Dr. H o d i n a, der bisherige Klubobmann, aus dem Parlament künftig ausscheiden. Man macht ihm znm Borwurf, daß er in der SHF-Sache allzu viel zwischen zwei Sesseln operiert habe. Schon die Tatsache, daß Dr. Hodina jetzt knapp vor den Wahlen die O b- mannstelle im Klub niedergelegt hat, läßt auf schwerwiegende Differenzen schließen. SHF auf der Suche nach Bundesgenossen Die Schwierigkeiten mit dem Landbund— Werben um die Rosdiegruppe Bon besonderer Seite erfahren wir: Die Verhandlungen des Bundes der Landwirte mit der SHF sind bekanntlich vorläufig resultatlos verlaufen. Der Grund ist der, daß man von feiten der SHF unschlüssig ist mit einer Liste hervorzutreten, auf der sowohl Landbündler als SHF-Leute kandidieren,'zurngl Konrad Henlein in Marienbad erklärt hat, die SHF gehe selbständig in die Wahlen. Das ist auch der Grund, weshalb nicht Heinlein die Verhandlungen mit dem Bund der Landwirte führt, sondern Dr. Walter Brand. Eine Frage, die auch in den Verhandlungen zwischen dem B. d. L. und der SHF erörtert wurde ist die, ob Henlein ka n d i- dieren wird. Henlein selbst will auf einer gemeinsamen Liste auf keinen Fall kandidieren, höchstens auf einer selbständigen Liste der SHF. Der B. d. L. wieder fürchtet, daß, wenn Henlein nicht auf der Liste steht, die gemeinsame Liste nicht so viel Stimmen erhalten würde, als wenn Henlein selbst kandidierte. Eine weitere schwierige. Frage bildet die Ge.w«rbepartei. Eüier- seits hat die SHF eine eigene Gewerbegruppe ins Leben gerufen, deren vornehmster Zweck die Bekämpfung der Gcwerbepartei ist, anderseits hat aber der B. d. L. mit der Gewerbepartei bereits ein Wahlabkommen getroffen, aus dem er nicht gut herauskann. Auch die Finanzierung der Wahlen hat bei det Erörterung einer gemeinsamen Liste Gegenstand von Erwägungen gebildet. Ebenso ist die Frage des Verhältnisses zu Hanreich vollkommen ungeklärt. Inzwischen bemüht sich auch die SHF nach der städtischen Seite hin Wahlbündnisse zu schließen. Es handelt sich vor allem darum die GruppeRoschezu gewinnen» für die eine gewisse Anzahl von Mandaten sichergestellt werden soll. Rosche selbst schwankt noch immer, wird aber von einigen seiner Reichenberger Parteifreunden, vor allem von Dr. Walter Herzl, gedrängt, ein Abkommen abzuschlietzeti. Wolf im Schafspelz In den„Lidovö Noviny" legt Hubert R i p k a richtig den Finger auf den Wunden Punkt der tschechoslowakischen Innenpolitik: Die Unkenntnis der Verhältnisse im deutschen Gebiet, welche so viele Politiker auf der tschechischen Seite auszeichnet, und die Neigung, auS Bequemlichkeit die Dinge leichter zu nehmen als sie sind. Dazu gehört dann noch das Hervorkehren egoistischer Interessen gewisser Kreise, welchen parteimäßige, letzten Endes nur vorübergehende Vorteile wichtiger zu sein scheinen als Lebensfragen des Staates. R i p k a> schreibt u. a.: Es gäbe heut« keine ernsten Schwierigkeiten mit der Heimatfront, wenn die Regierung eine bestimmte Politik in bezug auf die deutsche Minderheit verfolgen würde. Die Verwirrung, in welcher das deutsche Lager dahintaumelt und die Unsicherheit, an welcher infolgedeffen die gesamte Staatspolitik leidet, sind unabwendbare Folgen der peinlichen Tatsache, daß die tschechoslowakischen Politiker sich bisher mit dem deutschen Problem nicht ernst beschäftigt haben, daß sie ihm aus Bequemlichkeit ausgewichen sind, daß sie zu ihm keine klare und positive— vor allem positive— Haltung eingenommen haben... Wir haben di« nationalsozialistisch« Partei aufgelöst, wir haben die Tätigkeit der deutschnationalen eingestellt; da» war richtig, konnte aber nicht genügen. Nicht einmal dazu konnten wir uns entschließen, durch den deutschen Rundfunk der ungeheueren Radiopropaganda Goebbels zu begegnen, die täglich in die Ohren von hunderttausenden Deutschen schlägt und ihre national erregten Herzen ergreift. Und wir hatten leider nicht genug Mittel, um der staatspolitischen Notwendigkeit Genüge zu tun, die befahl, den von der Wirtschaftskrise verwüsteten deutschen Jndsstrieüezirken materiell zu helfen. Diel Wie die.Landpost" berichtet, hat der Anschlag der Sudetendeutschen Heimatfront auf die Selbständigkeit der Partei des Bundes der Landwirte in vielen Kreisen Zurückweisung erfahren. So hat der Kreisverbqnd Böhm.-Leipa in einer Sitzung vom 9. März den Beschluß gefaßt»unter allen Umständen die Selbständigkeit des Bundes der Landwirte aufrecht zu erhalten". Ebenso hat die Bezirksvertretersitzung des B. d. L. in Tepl am 1.5, März das Vorgehen der Reichsparteileitung hinsichtlich der Aufrechterhaltung der Selb» ständigkeit des B. d. L. gutgeheißen, allerdings auch den Willen betont,»mit der SHF eine ersprießliche Zusammenarbeit zu leisten". Am 10. März fand in Trautenau ein Kreisparteitag des Bundes der Landwirte stajt, in dem Senator Kahler den Bericht erstattete. In der Entschließung wird gesagt, daß das Bauerntum des Kreises Ostböhmen„treu zum sudetendeutschen Landstand und seiner politischen Organisation, dem Bund der Landwirte, steht". Ebenso stellte sich hinter die Parteileitung eine Gebietstagung in Kaiserswalde bei Schlucken«» und ein Bezirksparteitag in Neuhaus. »Wir stellen bereit« Kreisturiifestl935 i t Der Henker rast durch Spanien Verhaftete Völkische. Nach einem Bericht der »Lidqve Noviny" wurden dem Prager Kreisgericht der Obmann des deutschen Studentenvereins „Freischaren" Dietl, das Mitglied dieses Vereines S a s u m und Jng. Fischer, Mitherausgeber der Zeitschrift„Der Aufbruch", unter dem Verdacht von Verbrechen gegen das Schutzgesetz eingeliefert. Die Grube„Phoenix" in Schallan bei Tep- litz-Schönau, welche der Nordböhmischen Braunkohlenbergbaugesellschaft gehört» sollte wegen Absatzschwierigkeiten stillgelegt werden. Durch Eingreifen des Ministeriums für soziale Fürsorge wurde von der Belegschaft die Gefahr der Arbeitslosigkeit abgewendet, da sich das Eisenbahnministerium bereit erklärte, von der Grube ein bedeu- dentes Quantum Kohle zu beziehen. Brüssel. Der Führer der belgischen Sozialisten, Bandervelde, erklärte, daß nach der gestrigen Entscheidung des Genrralrates der sozialistischen Partei die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit mit den Sozialisten nicht ausgeschlossen sei. Es sei allerdings auch nicht ausgeschlossen, daß es zu W a h l e n komme. Vie kinheitsdestredunsen der französischen Gewerkschaften Paris. Der Allgemeine Arbeitsverband beendete Dienstag abends»eine Jahrestaqung. auf der eine Resolution betreffend die Vereinheitlichung des Syndikalismus in Frankreich bei bloß sechs Stimmenthaltungen einmütig beschlossen wurde. Der Kongreß sprach sich weiters für die Fortsetzung der Verhandlungen mit dem»kommuni« fierenden" Arbeiterverbande aus, jedoch auf der Grundlage völliger Unabhängigkeit Arbeitsbewegung in den Gebieten an der böhmischen Grenze, die oft nur künstlich al» Schaustück hervorgerufen wurde, verleitete die Deutschen überflüffi- gerweise zu neidischen und unrichtigen Vergleichen. Länger al» ein Jahr haben wir untätig der Htimatsfrontbewegung zugesehtn. Henlein selbst knüpfte Beziehungen zu tschechoslowakischen Politikern an, wurde angehört und weiter nichts. Damals war vielleicht eine Gelegenheit,' durch aktives Interesse für sein« Bestrebungen einen direkten Einfluß auf seine Bewegung zu gewinnen und in ihr eine innere Klärung zu bewirken, welche eine wirklich aktivistische Richtung von der verschleierten Ha- kenkreuzlerei und Jrrendenta abgesondert hätte. Die Gelegenheit haben wir versäumt und anstelle unseres Interesses und unseres Einflusses schob sich der Einfluß des HitleriSmuS ein, welcher angesichts unserer Untätigkeit und Ratlosigkeit in der Henlein« bewegung siegen und sie vollkommen beherrschen mußt«. Mögen Henleins eigene Absichten welche immer sein, die Heimatfront, von bewußter und unbewußter Hakenkreuzlerei durchtränkt, ist heute ein I Instrument des Hitlerischen PangermaniSmuS: Das beweisen alle ihre gefühlsmäßigen Reaktionen. Wenn kein Zweifel besteht, daß sie eine neue und sogar erweiterte Ausgabe der Hakenkreuzpartei ist, muß man fragen, ob man ihre Tätigkeit dulden kann, wenn die Tätigkeit ihrer Vorgängerin energisch unterdrückt wurde. Wurde der Hund verjagt, damit sich das Tor dem Wolf öffne? Wer läßt sich durch seinen Schafspelz täuschen? Belgische Sozialisten In die Regierung? Oder Wahlen? vvied o.(Tfch. P-B.) DaS Kriegsgericht&nftt, ung Wef„ Dienstes wirb m der nächsten Zeit über 66 Angeklagte ab»!- znurtcilen haben, die der Teilnahme an der Ok toberrevolution beschuldigt sind. Der Regiernngs- kammiffär wird, wie verlautet, bei 25 der Angr- llagten die Verhängung der Todesstrafe fordern. > Menschenraub in Basel 1 Die Gestapo, die überall in den Grenzge- ; bieten Jagd auf politische Emigranten macht, ; hat einen neuen„Erfolg" zu verzeichnen. Der ' bekannte pazifistische Publizist Berthold I a» i kob-Salomo» ist von braunen Spitzeln 1 aus Straßburg, wo er sich aufhielt, nach Bafel ' gelockt und von dort auf noch nicht geklärte , Weise ins Dorado der Fememörder verschleppt ’ worden. Berthold Jakob ist in Deutschland durch \ seinem unerschrockenen Kampf gegen die „Schwarze Reichswehr" bekannt geworden, eine» Kampf, der ihm den wütenden ! Haß der Reaktion und unter anderem einen Hochverratsprozeß vor dem Leipziger ^Reichsgericht eintrug. Das Tragischste au der Entführung Jakobs, die zu den schlimmste» Befürchtungen berechtigt, ist die Tatsache, daß der Publizist bereits zwei Jahre vor Hitlers Machtergreifung Deutschland verlassen und sich in Frankreich angesiedelt hatte. Jakob hatte schon seit einiger Zeit Kenntnis davon, daß von Naziseite etwas gegen ihn „geplant" war. Nachrichten aus Deutschland zufolge.stand er auf der.„s ch w a r z e n Liste" der„Jago", zu deutsch„Jagdpolizri", womit jene besonderen Mord-Kommandos gemeint sind, die das„Umlegen", bzw.„Entführen" unbequemer Regimegcgner im Ausland zu besorgen haben. Basel. Die Untersuchung in der Affäre des verschwundenen deutschen Journalisten Berthold Jarob ist uuu so weit gediehen, daß mit einiger Sicherheit von einer regelrechten Entführung gesprochen werden kann. Bei der»ngewöhnlichen Durchfahrt eines Personenautos in der Nacht vom 9. zum 10. März in Klein-Hüningen konnte der Grenzwächter» der in jener Stacht Dienst in diesem Nebenzollamt Dienst versah, trotz der großen Geschwindigkeit des durchfahrenden Autos die Wagennummer feststellen. Er dachte zurrst an eine Schmugglerbande. Tags darauf machte er seiner vorgesetzten Behörde Meldung über das Passieren dieses Autos, worauf die Zollfahn- dnngsstelle sofort ihre Nachforschungen aufnahm. > war es letzten I Endes auch, die auf die richtige Spur führte. Die ! Nachforschungen ergaben, das? es sich bei dein Wagen um ein Mietauto des Züricher Transportunternehmens Welti Furrer A.-G. handelt, das dort von Reichsdeutsche«, die sich im Besitze reichlicher Geldmittel befanden, gemietet worden ist. Bei den beiden Insassen des Wagens handelt es sich um zwei Nnbe- ka n n t e, von denen der eine sich in die Fremdenliste eines Baseler Hotels unter dem Namen Manz eingetragen hat. Wie es scheint, war dieser angebliche Manz im Besitze einer Freikarte 1. Klasse der Reichsbahngesellschaft. Im gleichen Hotel war übrigens auch ! ein Dr. Hans Wesemann abgrstirgen, welcher Jarob zum Besuch in Basel eingcladen hatte. Der zweite Insasse scheint sich als Chauffeur des ersten ausgegebcn zu haben. Dir weiteren Nachforschungen ergaben, daß die Firma Welti Furrer am 12. März aus Lörrach benachrichtigt wurde, sie könne sich dort ihren Wagen wieder abholen, worauf sich auch ein Angestellter der Firma nach Lörrach begab und den Wagen in Empfang nahm. Die Baseler Presse erinnert in diesem Zusammenhänge an die Ermordung des reichsdeutschen Emigranten Jng. F o r m i s im Hotel Zähokk bei Prag, an den Mord an Lessing bei Marienbad im August 1933 sowie daran, daß bereits zweimal Baseler. Bürger auf reichsdeutsches Gebiet gelockt wurden, von denen der eine nach vier Monaten in einem reichsdrutschen Gefängnis starb, der Gewerkschaftsbewegung von ohne daß man wußte, wessen er beschuldigt wor- irgendeüler politischen Partei. I den ist. Seife Z Donnerstag, 21. Mürz 1935 Nr.«8 Blutbad im New Aorker Negerviertel Negertumulte aus Ängst um einen Negerjungen, der beim Naschen erwischt wurde Aus den parlamentarischen Ausschüssen BegreB taucht wieder auf Im Abgeordnetenhaus wurde im sozialpolitischen Ausschutz der Bericht des Subkomiiees über die sü e- greßvorlage erstattet. Nach der allgemeinen Debatte über die Prinzipien, auf denen das Elaborat des Szibkomitecs fußt, wurden in der Spezialdebatte die ersten vier Paragraphen verhandelt. Bas definitive Automobilgesetz - Der Verkehrsausschutz befatzte sich erneut mit dem desinitiben Automobilges«tz, bezüglich dessen in der letzten Sitzung gewisie Rückfragen an die Regierung gestellt worden waren, die die Arbeitszeit der Chauffeure, die Art ihrer'Altersversicherung und die Rechtsgültigkeit der, Kollektivverträge betrafen. Minister Dr. M e i tz n e r brachte die Antwort der Regierung zur Kenntnis, die der Ausschutz mit Befriedigung zur Kenntnis nahm. Im Ausschutzbericht soll die Regierung aufgefordert werden, alle diese Fragen in den Durchführungsverörd- nungen zu lösen. Den sieben vom Senat gefatzten Resolutionen schloß sich der Ausschuß an. Der Berfaffungsausschuh genehmigte dann ebenfalls die Vorlage samt den Resolutionen bis auf. eine, welche die Uebertragung des Wirkungskreises nach 8 20,«bs. 2 und 8 21, Abs. 1, betrifft Diese Resolution wurde in dem Sinne geändert, daß die Regierung' rufgefordert wird, di« Ausgabe internationaler Bescheinigungen für Motorfahrzeuge und ihre Führer einzig auf«ine d em akratisch« Zent r.a le (Verein) der bestehenden Krastfahrerspitzenorgani- «ationen zu übertragen, auf deren Schaffung energisch hingearbeitet werden soll. Subkomitee für die Autosteuer Im Budgetausschutz des Senates wurde- für die Beratung.der Vorlage über die Automotz i l- u n d d i e M i n e r a l ö l st e u e r ein 'Subkomitee'eingesetzt, in dem alle Parteien vertreten sind. Das Subkomitee, dessen Vorsitz Senator Panek als Referent übernimmt,'- wird heute nach der Plenarsitzung das zxstemal zusammentreten. Im sozialpolitischen Ausschuß erstattete Genoss« I o h an.is«inen Bericht über die Arbeitslosigkeit und ihren Einfluß auf die Sozialversicherung. Der vorbereitete Gesetzesantrag auf Unterstützung der Krankenhäuser und anderer Heilanstalten soll noch in dieser Funktionsperiode verabschiedet werden. Als Grundlage dient der Antrag I o h a n i s auf Errichtung eines Fonds für Volksgesundheit. Die SubventionZpoli- tif der Landesausschüsse und des Gesundheitsministeriums soll in Hinkunft hauptsächlich auf die Unterstützung von N« ubautenund Adaptierung« n und weniger auf die Subventionierung d«S laufenden Betriebes der Kranken- häüfer gerichtet fein. Dir"Vorlage fett den Bezirk ken und anderen Bauherren tatsächlich den Neubau von Krankenhäusern, bzw. deren Modernisierung, ermöglichen. Es wurde beschlossen, die betreffende Vorlage, die sich derzeit im interministeriellen Verfahren befindet, zu urgieren. Steyrer Genossen verurteilt In dem Prozeß gegen die Führer des Schutzbundes in S t e y r, die bei den schweren Kämpfen auf den Höhenrücken Ennsleiten bei Steyr am 13. Feber vergangenen Jahres das Kommando führten, wurde am Freitag spät abends das Urteil gefällt. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt Steyr Franz Sichlrader wurde vom Verbrechen des Hochverrates freigesprochen und nur wegen Aufruhres zu zehn Monaten schwelen Kerkers verurteilt. Der ehemalige Landtagsabgeord- nete Franz Schrangl wurde ebenfalls wegen Aufruhr zu 14 Monaten schweren Kerkers verurteilt. Ein weiterer Angeklagter erhielt ein Jahr schweren Kerkers, drei wurden freigesprochett. Journalistenlos Im Dritten Kelch Köln. Die Staatspolizeistclle Köln teilt Wit: Der Hauptschriftleiter der»Kölnischen Zeitung" Dr. Schäfer wurde am Mittwoch wegen Verbreitung unwahrer Angaben üher Zeitungswerbung, die von der Propagandaleitung der NSAP, Gau Köln-Aachen, durchgeführt wird,und wegen eines Verhaltens, das das Ansehen"und die Autorität der Partei schädigt, in Schutzhaft genommen. Abessinischer Zwischenfall Rom. Die Agenzia Stefan! meldet aus Mo- gadiscia in Jtalienisch-Somaliland, daß eine bewaffnete Bande kürzlich einen Angriff auf italienische Eingeborene in der Nähe von Agable ausgeführt habe. Eine Abteilung italiensscher Mobiltruppen bemühte sich vergebens, die Urheber dieses Angriffs einzuholen, die sich auf von abessinischen Truppen kontrolliertes Gebiet zurückzogen. Die italienische Gesandfchaft in Addis Abeba erhielt den Auftrag, in aller Form bei der abessinischen Regierung wegen diesem Zwischenfall zu protestieren und sich vorzubrhalten, daß sie eine genaue Forderung auf Ersatz der verursachten Schäden tzorlegen wird. New Aork. Im Negerviertel H a r l e m im Norden New Dorks kam es Dienstag abends aus einem geringfügigen Anlaß zu wüsten Ausschreitungen, an denen sich t a u s e n d e v o n N e- gern beteiligten. In»einem hauptsächlich von Negern besuchten Einheitspreisladen war ein Negerjunge beim„Diebstahl" einiger Stücke Zuckerwerk ertappt worden. Während er gerade an Ort und Stelle vernommen wurde, wurde an dem Laden ein Sarg vorbeigetragen. In diesem Augenblick fingen einige Negerfrauen laut an zu schreien, der festgenommene Junge sei tot geschlagen worden und werde gerade in einem Sarge weggebracht. Hierauf ereigneten sich• unbeschreibliche Szenen. Immer größer werdende Mengen von. Negern drangen in den Einheitspreisladen ein, stürzten sich auf-die Angestellten, von denen einige durch Bißwunden schweb verletzt wurden, und zertrampelten und zerstörten den größten Teil der ausgestellten Waren. Die Ausschreitungen griffen dann auf die umlie- Tagcsncuighcltcn Endlich Berbot der Spielautomaten! Mit Erlaß dcS Finanzministeriums v,m 18. März 1935 haben alle Entscheidungen des Finanzministeriums, durch die seinerzeit die Zulässigkeit des Spieles auf den Spielautomaten a n s a".„H a b i l i S",„Ball- S"(früher„Barello"),„Tr o n l a"»nd„I g e" vom Standpunkte der Lotto-gefällsämtlichen Vorschriften bestätigt wurde, biS auf weiteres die Gültigkeit verloren. Hiemit ist also das Spiel auf diesen Automaten verboten. Gleichzeitig wurde das allgemeine Spielverbot auch bezüglich der Spielautomaten, des sogenannten Roulette- Th P S ausgesprochen, deren Grundmerkmal die Einsätze der Spieler auf Zahlen oder Farben gegenüber jener Person sind, welche den Spielautomat vertritt(Bankier, Eroupier usw). Das äußerliche Merkmal dieser Spielautomaten ist die Zahlen rofette. Der Grund für die Entscheidung war die Feststellung, daß auf den genannten Spielautomaten ohne jedwede Rücksicht auf die Möglichkeiten, welche die vorausgesetzte Fertigkeit bietpn würde, gespielt wurde»nd daß in vielen Fällen nicht einmal die sür die einzelnen Spielapparat« ausgegebcnen Grundregeln eingehalte» wurden. Das Spiel auf allen Spielapparaten .^Hansa",„Habilis",„Balloö"(früher.„Barello),„Troula",„Jge"«sw. ist daher als verboten anzusehen. Das Berbot erwächst unverzüglich in Kraft«nd es w«rdrn darauf alle Aemter mit der Aufforderung aufmerksam gemacht, im Ueber- tretungsfalle strenge vorzugehen. 62.000 Eisenbahnunfälle in Rußland iimethaia eines Inhres! Moskau. Der Verkehrskommissär Kagano- witsch richtete einen Erlaß an die Eisenbahnbeamten, in welchem er hervorhebt, daß trotz aller Mahnungen und^trafen die Zahl der Eisenbahn- katastrophen immer weiter an steige. Er ermahnte die Eisenbahnbeamten zu größter Disziplin und stellte schärfere Maßnahmen und Strafen bei Zuwiderhandeln in Aussicht. Nach amtlichen Angaben sind im Jahr- 1834 insgesamt 62.000 kleinere und größer. Eisenbahnunfäll« zu verzeichnen. Im Jänner 1935 waren es 7000, im Feber 5000. Bei den Unfällen nn Jahre 1834 wurden etwa 7°00 Lokomotiven und 4500 Waggons beschädigt, etwa 60.000 Waggons wurden völlig zerstört. H u t.- derte von Mens chenleben sind zu beklagen gewesen, Tausende von Personen wurden urletzt. Im Jahre 1934 lieferte die sowsttrussisch.- Waggon-Jndustrie 19.000 neue Waggons' so daß der Neubau mit den eingetretenen Verlusten bei weitem nicht Schritt hielt. Dr. Bagäk— Kohlengasvergiftung Giftmord möglich.— Verhaftung Bojen« Rysänkoväs Brün«. Gestern vormittags wurde die gerichtliche Obduktion der Leiche des Stellvertreters des Gen iralprokurators Dr. Antonin Vagäk vorgenommen, wobei ermittelt wurde, daß die unmittelbare Ursache seines Todes Kohle n g a s- Vergiftun g war. Durch die Untersuchung wurde festgestellt, daß der Verstorbene in keiner Hinsicht einen Grund hatte, Selbstmord zu verüben und daß somit mit Rücksicht auf das Ergebnis der Obduktion der B e r d a ch t des Selbstmordes zurückzuweisen ist. BoZena Rysänkovä wurde gestern nachmittags vom Landcskrankenhaus auf die Polizeidirektion gebracht und einem eingehenden Verhör unterzogen. Hiebei bestritt sie jegliche Beteiligung an dem Tode Dr. VägäL's und genden. Straßen über, und bald war das ganze Negerviertel von tausenden von tobenden Negern erfüllt, die in den Laden eindrangen und die in- Stärk« von mehreren tausend Mann zusammengezogene Polizei mit Steinen bewarf. Auch kommunistische Plakate mit Lynchmordbeschuldigungen waren zu sehen. Volksredner feuerten die rasende Menge zu immer weiteren Ausschreitungen an. Die Polizei, die sich zuerst nur darauf beschränken konnte, die auch in andere Stadtteile vo.rdringende Negermasse in ihr Viertel zurückzudrängen, konnte erst in den Morgenstunden die Ruhe wieder herstellen. ZahlreicheLäden wurden vollkommen ausgeplündert. Dem Urheber des gewaltigen Tumultes, dem kleinen Negerjungen, war es bereits bei Beginn der Ausschreitungen gelungen, sich in aller Stille davon zu schleichen. Etwa hundert Demonstranten wurden verhaftet. Mehr als hundert Personen, wurden verletzt. Einige. von ihnen trugen schwere Sch ußverletzungen davon. gab an, daß sie am Sonntag, dem 17. März nachmittags in einem Kino mit ihm war, von wo sie nach Hause ging und ihnt dann auf seinen Wunsch gegen 18 Uhr besuchte. Nach dem Nachtmahle waren sie beisammen, wobei sie plötzlich ein Unwohlsein verspürte.. Sie legte sich zu Bett und verlor kurz darauf das Bewußtsein. Sie wisse nicht, was-dann geschehen sei und erinnere sich bloß daran, daß sie am 18. März im Landeslranken- haüs wieder zu sich kam. Weil der Obduktionsbefund die M ö g l i ch- k e i t nicht ausschließt, daß dem Generalproku« rätor-Stellvertreter Dr. VagäL vielleicht auch i-t g e n b e t n Gift gereicht wurde» wurde Bozena RySänkovä verhaftet und in die Haft des Kreisstrafgerichtes in Brünn eingeliefert. Anerkennung vom Feind. Die Wiener „Reichspost", das Organ der klerikofascistischen Regierung, hatte vor einiger Zekt einen Artikel über die Wiener Arbeiterbüchereien gebracht, in dem bemängelt wurde, daß unter dem neuen Regime zu wenig Aenderungen in diesen ehemals roten Bibliotheken stattgefunden hätten. Nun veröffentlicht dieselbe„Reichspost" am vergangenen Sonntag eine Zuschrift, die offenbar von einem katholischen Bibliothekar stammt, der in den geraubten Arbeitevbüchercicn beschäftigt ist. 2n dieser Zuschrift heißt es:„Es ist nicht richtig, daß das katholische Schrifttum in Arbei- terbüchereien überhaupt nicht vorhanden ist. Es wurden sogar bereits unter sozialdemokrattscher Leitung katholische Bücher, etwa Werke von Handel-Mazetti, Undset, Grogger in viele Arbeiterbüchereien eingestellt. Im Interesse der Ge- rechtigkeit muß betorft werden, daß das litera- rische und volksbildnerische Niveau der Wiener Arbeiterbüchereien auch vor dem Februar tat- sächlich ein sehr hohes war".. In der„Reichspost", die sich in der Beschimpfung marxistischer Kulturarbeft nie genug tun konnte, nimmt sich dieses Urteil eines Fachmannes aus dem eigenen Lager sonderbar genug aus. Aber gerade deshalb wird es den Lesern vielleicht zu denken geben. ' Die„Sudetendeutsche Tageszeitung" mit dem Erscheinungsort in.Tetschen tvurde auf di- Dauer eines Jahres in Oesterreich verboten. Vertreter der Konfessionslosen beim Schulminister. Der Unterrichtsminister empfing Dienstag eine Abordnung des Aktionsausschusses der Konfessionslosen-Organisationen, die den Minister über die Bedeutung der für die Tage vom 5. bis zum' 7. Juli in Prag anberaumten Manifestationen der Fortschritts-Vereinigung informierten. Bei dieser Gelegenheit brachte die Deputation auch einige Forderungen der konfessionslosen Staatsbürger vor, vor allem über den Laienmoral- Unterricht und über die'Notwendigkeit der Verlegung des R c l i g io ns u n t erricht s an die Schlutzstunden des Stundenplans. Urber das tragische Ende deS französischen GenrralgouverneurS von Aequatorial- Afrikr, R e n a r d, seiner Ftau und seiner B e g l e i- t e r trafen jetzt beim französischen Kolonialministerium nähere Einzelheiten ein. Renard war mit seinen Begleitern in einem dreimotorigen Flugzeug von Brazzaville abgeflooen, um einen Jnspektionsflug zu unternehmen. Das Flugzeug stürzte hart an der Grenze zwischen^Französisch- und Belglsch-Kongo auf belgischem Gebiet aus bisher unbekannter Ursache über dem'Urwald ab. Man nimmt an, daß cs in einen in dieser Gegend häufig austretenden Sturm geraten ist. Ein belgisches Flugzeug, das den Urwald in k„um 20 Meter Höhe überflog, entdeckte am Dienstag morgens eine breite Furche in dem undurchdring lichen Dickicht und stellte bei genauer Beobacht»",; fest,, daß die Trümmer des französischen Flugzeuges auf dem Grunde dieser Furche lagen. D-. belgischen Flieger konnten keine Landung an der Ilnglncksstelle vornehmen, sondern benachrichtigten die belgischen Behörden Eine sensationelle Selbstauzeige Subotice. Beim hiesigen Untersuchungsrichter erstattete der 35jährige Advokaturskonzipient Dr. GrguS aus Cäntovir die Selbstau- zeige, daß er jene Person sei, welche den bekannten Attentäter Silvester Matuschka zur Verübung des Attentates bei BiaTorbagi verleitet habe. Als Zeugen nannte Dr. Grgus den Budapester Ministerialbeamten Dr. Leo Sokol. Als Motiv seines Handelns gab Dr. Grgus an, danach gestrebt zu haben, gemeinsam mit Matuschka eine gewisieBerühmt- heit zu erlangen. Obwohl vermutet wird, daß er sich bei den Angaben Dr. Grgus um die Tat eines Geistesgestörten handelt, wurde eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Ein furchtbares Familiendrama wurde in Hcrrnhcim bei Worms von der Gendarmerie entdeckt. Beim Aufbrechen der Wohnung eines Mannes namens Zinnel, der seit einigen Tagen nicht an seiner Arbeitsstelle erschienen war, bot sich ein furchtbares Bild. Die Frau lag erschlagen im Bett, das sechsjährige Kind war ebenfalls tot. Allem Anschein nach ist es erwürgt worden. Zinnel hat sich nach der Tat erhängt. Der Grund zu dieser unsinnigen Tat ist nicht bekannt. Ein Militärarzt als Mörder. Der seit fünf Monaten krankheitshalber beurlaubte Militärarzt Dr. Josef Kordon von der vierten Brigade in Linz feuerte gestern vormittags in der Ordination des Zahnarztes Dr. Franz Stift in G r.a z auf dessen Ordinationsfräulein Amalie S z e! e l y einen Nevolverschuß ab, der den Tod des Mädchens zur Folge hatte. Dr. Kordon wurde von Dr. Stift und den anwesenden Patienten überwältigt und der Polizei übergeben. Er versuchte auch auf andere Personen zu schießen, doch versagte die Waste. Dr. Kordon dürfte die Tat im Zustande einer Sinnesverwirrung begangen haben. Fünf Jahre wegen kommunistischer„Zahnpasta"! Der Kommunist Heinrich PIa n kl wurde vom Schwurgericht in Prag wegen des Verbrechens des Hochverrates zu fünf Jahren schweren Kerkers verurteilt, weil bei ihm außer anderem kommunistischen Material auch Flugblätter gefunden wurden, die nach außen eine Reklame für Zahnpasten zu sein schienen, in Wirklichkeit aber Legitimationen der illegalen kommunistischen Organisation darstellten. Der Wunderrabbi wird sich wundern..» Das Oberste Gericht in Brünn verhandelte gestern über die N i ch t i g>k e i l s b e- s ch w e r d e des Wunderrabbi S p i r o- der vom Kreisgericht in Uzhorod seinerzeit wegen Aufwiegelung zu einer Geldstrafe von 500 KL verurteilt wurde. Spiro b e r i e f an das Landesgericht in Kosice, das ihm jedoch die Strafe auf 1500 KL erhöhte. Gegen dieses Urteil legte Spiro die Ni chtigkeitsbeschwerde beim Obersten Gericht ein, das sie nun verwarf und das Urteil des Gerichtes in Kosice bestätigte. Sollte Spiro die Geldstrafe nicht bezahlen, wäre er genötigt, eine Strafe von 30 T a- gen strengen Gefängnis zu verbüßen. Reservisten, di«"Heuer waffenübungspflichtig sind und die Waffenübung mit ihrem Motorfahrzeug zur Zett der Schlußübusisten zu Beginn September 1835 mitmachen wollen, mögen sich unverzüglich mit Korrespondenzkarte beim eigenen Stamm-(Ersatz)-Körper melden. In der Immeldung ist anzuführen: Vor- und Zuname« militärische Charge, Geburtsjahr, Assentjahrgang, Heimatszuständigkeit und ständiger Wohnort. Darauf wird der Stammkörper den Bewerbern die detaillierten Bedingungen und die Höhe der Entschädigung bekanntgeben. Die Militärverwaltung wird nämlich den Reservemännern für jeden Tag der Benützung des Motorfahrzeuges einen Pauschalbettag bezahlen, und zwar bei einem Personenauto 100 bis 140 Kc, bei einem Motozykel 35 bis 60 KL. Schönwetter. Gestern hat es sich unter dem Einfluß eines Hochdruckgebietes fast überall aus- gehettert, doch hatte sich in den böhmischen Ländern gegen Morgen dichter Nebel in den Tälern und Niederungen gebildet. Vielfach war leichter Nachtfrost eingetreten, relativ warm ist es auf den Bergen, besonders im Westen des Staates: Der Panzer hatte am Morgen plus 3, die Schneekoppe plus 2 und der Fichtelberg plus 1 Grad.— Wetteraussichten für heute: Andauern des schönen Wetters, weitere Erwärmung. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programmen! Freitag Prag, Sender L.: 10.10: Schallblatten: Burian, 12.10: Schallvlatten: Overettenouverturen. 16.45: Orchesterkonzert. 18.15: Deutsche Sendung: Leukert: Lebensfragen des Glasarbeiters des Gablonz-Tann- walders Gebietes, 19.10: Sarophonkonzert. 18.30: Liederkonzert. 80.35: Konzert aus dem Smetanasaal: Aus dem BeethobenzykluS, 22.35: Schallplatte». Sender S.: 14.35 Konzert auf Viola da aamba. 15: Deutsche Sendung: für die Frau. 18: Litauische Lieder auf Schallplatten.— Brünn 12.10: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 18.15: Deutsche Sendung: Sportbericht». 18.20: Von Müttern berühmter Männer.— Mähr.-Ostta» 17.55: Deutsche Sendung: Dr. Stteinz: deutsche schlesische Literatur aus der Barockzeit. Nr. 68 Donnerstag, 21. März 1938 Seiles HHIer«DeiJtschlands Friedensarbeit Spanien wird kapitalistisch! Mir kann keiner widerstehen! Ihre Blumen dürsten nach dem gutem ,.... J. , Blumen-Z aub er dun g 1 Paket mit Postzusendung kö 5-60 durch Berwaltuug»Frauenwelt», Prag Xll., Fochova 62§ der Staatsanwaltschaft abtrat, da der Verdacht -ftrafbarer betrügerischer Man i«, pulationen aufgetaucht war. Rach der Zeugenaussage verschiedener Angestell,- ter des Ostrauer Unternehmens wurde bei der Bestch- ' tigung des Geschäftes durch das kauflustige Ehepaar Schwarz der Umsatz kräftig„f.r i.s j e r t". Auf AiwrSnungdest F r a ü L a v e ck t> und-' des. He r r n Z u ck e r k a n d 1 sei die T a g e.s- losüng von d u r ch s ch n i t t l» ch 2000 künstlich auf 8600 Kö erhöht war« d e n. Ferner Hütten diese Chefs angeorimet, daß in der Zeit dieser Besichtigung da? Geschäft stets voll sein müsse, damit die Käufer einen guten Eindruck' gewinnen. Auch wenn es keine zahlenden Kunden seien. So habe z. B der Sohn der Frau Laveckh- Zuckerkändl das ganze Chorpersonal des Ostrauer Theater- eingeladen, sich in dieser Zeit im Salon Laveckts gratis frisieren und. verschönern zu las, sen, nur damit di« Käufer den Eindruck.eines.recht lebhaften Geschäftes bekommen sollten. Fetner habe man den Käufern gegenüber das Gebalt der Filial- leiterlN, d. i. 8500 K monatlich, nicht in die Regie eingerechnet. Nutzer dieser Sache führt di« Airklage noch als'; zweiten Punkt gewisse Manipulationen mit den,.., Sicherstellungswechseln des Ehepaares Schwarz an,' die unter Mithilfe des Schwiegersohne» der Fmu Laveckts, nämlich des Herrn Friedrich K a v a n. in..- nicht ganz einwandfreier Art bei einer hiesigen Bank eskomptiert worden seien? wodurch den Eheleuten'-• Schwarz beträchtliche- Unannehmlichkeiten erwuchsen.? Der Gerichtshof fand ein strafrechtliches. Ver-. schulden in keinem Fall erwiesen und sprach die Angeklagten mangels Bewei-?' s e n.. f r e i. Was die.„frisierten" Umsätze be». trifft, so hätten sich die Käufer bei hinlänglicher Sorgfalt selbst von dem tatsächlichen Sachverhalt überzeugen können. Und die Wechselsache fei einrein“; zivilrechtliche- Verhältnis. rb,. Ein kühner Flug. Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wandte sich an die litauischen Behörden mit dem Ersuchen um Bewilligung des Fluges des Flugzeuges„Lithuauica II" nach Litauen. Den Flug absolvierte der Flieger V a i t k u s, der Leutnant der Luftflotte der Vereinigten Staaten ist. Das Flugzeug ist ebenso benannt, wie die Maschine der berühmten litauischen Flieger Darius und Girenas, die 1933 den Ozean überflogen, aber kn'app vor dem Ziele — ihrer Heimat Litauen— tuns Leben kamen. Der Nnterlchi.'d in der Benennung liegt bloß in der Zufügung der-II", Baitkas beabsichtigt, seinen kühnen Flug in derselben Zeit zrerückzulegen, wie seine heldenhaften Vorgänger, nämlich im Juli. Die Route führt über Neu-Fundland, Island, England, Norwegen, Dänemark, Teütschland und Litauen. 835 Häuser verbrannt. In L i u h o, etwa 200 Kilometer östlich von Mulden, sind 835 Häuser einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen. Man vermutet, das; es sich um eine Brandstiftung durch »kommunistische Elemente" handelt. Die Zahl der Todesopfer von, Karatschi lBritisch-Jndienk bei den blutigen Zusammenstößen hat sich auf 35 erhöht, da mehrere der verletzten Mohammedaner ihren schweren Wunden im Krankenhaus erlegen sind. Syndikalismus sei gegen die Orgamsatrvn, sehr kritisch aufnehmen. Uns ist bisher nicht zu Bewußtsein gekommen, wie rückständig Spanien gegenüber den entwickelten Staaten noch ist, darum erliegen wir so oberflächlichen und" verhängnisvollen Parallelen und lasien überall den„Fascismus" siegen, wo sich in Wirklichkeit ganz andere Siege abspielen. Selbst ein geschulter Oekonom wie Adolph B l a n q u i, der Bruder des berühmten Revolutionärs, der im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts Spanien bereiste, nachdem er vorher in England und Schottland war, rief damals erschüttert aus:„Aber niemals hätte ich mir vorzustellen vermocht, daß in unmittelbarer Nähe meines eigenen Landes ein Gebiet so schrecklichen Verfalls und Elends liegen könne, denn ich hatte Spanien noch nicht gesehen l" 1845 schrieb ein Engländer,„er habe in Spanien eine Halbzivilisation angetroffen, wie sie dem Stand Englands gegen Ende des 14. Jahrhunderts entspreche". Nach einer Statistik aus dem Jahre 1915 gab es unter den 20 Millionen'Einwohnern, die nach einer Zählung aus dem Jahre- 1930 auf 22,761.000 angewachsen sind, nur 7,170.000, die lesen'und schreiben könnten^ 3/540.000, die nur lesen/und 11,867.000, die weder lesen noch schrrÄenlvllNteu^AlsöÄO'Prozent AnalphnbetenI 'SehVAMeiA'fkch'Vttss? VerhältnissL'In'Mstk^lE sehr schnellebigen Tempo Spaniens' kaum' verändert haben. Eben darum fordert das Bürger-' tum moderne Schulen, es braucht Kenntnisse, Fähigkeiten usw., um sich entfalten zu können, ja, die Schule ist ein Stück ihrer Entfaltung, ihre Beherrschung durch die Kirche eine der' vielen Fesseln der Entwicklung. Nicht zufällig hat die Re-' publik im ersten Jahre ihrer Existenz mehr Schulen geschaffen, als die Monarchie in 10 Jahren! In Schnellkursen wurden die Lehrer herangebildet, aber dennoch waren die bürgerlichen Kräfte -nicht lebenskräftig genug, um die anderen entbehren zu können. 1898 verliert Spanien durch einen leichtfertig heraufbeschworenen Krieg gegen die Ver« betreut... In der Bergmannstraße haben die Brandbomben in etwa 100 Meter Länge eine ganze Häuserreihe erfaßt, so daß die Hausfeuerwehr von vornherein machtlos war. Das Feuer greift mit rasender Geschwindigkeit um sich... Die Feuerwehr hat, nicht etwa in der Theorie, sondern tatsächlich, 10.000 Liter Wasser in der Minute versprengt. Um 13 Uhr 30 erfolgte, wiederum durch Groß- alarmgeräte, die„Entwarnung". Der Verkehr kann wieder ausgenommen werden... einigten Staaten die Ueberrcste des ehemaligen großen Kolonialreiches und beginnt nun, sich ganz auf sich selbst zu besinnen. Die industrielle Entwicklung geht gut vorwärts und erlebt durch den Weltkrieg, in welchem Spanien neutral blieb und- riesige Aufträge bekam, einen bedeutenden Auf- schwung. Der Entwicklung stehen-aber immer wie--.- der bedeutende Hemmnisse im. Wege. Sa sind' z. B. nur- in.-den allerwenigsten Orten Telc--. graphenanlagen vorhanden', in-anderen Gebieten nimmt das Getreide noch die Stellung, eines- Zahq lungsmittels ein, die schlechten Verkehrsverhält-..- nisse erschweren die Ausbeutung des an Minera---' lien und Bodenschätzen sehr, reichen Landes-Zum Unglück ist der Straßenbau noch drwch die-Unebenheit des Landes, den spröden Boden usw. be-' hindert. Trotzdem hat sich.z. B., die Eisenindustrie so entwickelt, daß sie jetzt schon daran denkt, sich, fremde Märkte, besonders am Mittelländischen Meer, zu-erobern.-Die Textilindustrie kann noch: immer nicht den Eigenbedarf-des Landes decken,- auch die Fabriken zur Herstellung landwirtschaft-, licher Maschinen(4808.-gab.es nur eine Fabrik),, sind noch nicht zureichend. Sehr vielseitig ist die spanische Metallurgie. B i l b a o, A st u r i t u und Valencia sind die drei Zentren dieser Industrie, deren wichtigste Zweige die E i s e n-, t und Stahlindustrie sind. Asturien ist das. wichtigste Kohlenfeld des Landes, lind hak, den Vorteil der Lage am Meer beim Aufbau.der Unternehmungen gut ausgenutzt/. Rühl schrieb 1928 in seinem Buch„Witt- schaftsgeist in Spanien" folgendes: „Alle großen Erzlager sind in. den Händen fremder Kapitalisten, das Eisen von Bizcaya, die Kupferminen von Rio Tinto. das. Blei, hon Lina-.. res.... von dem in der mineralischen Industrie tätigen Kapital ist fast zwei Drittel in fremden Händen. Ebenso sind die größter» industriellen, Unternehmungen, wenn man hon Katalonien ab-- sieht, die ElektrizitätS» und Gaswerke, die Straßenbahnen, die elektrischen Kraftwerke, manche Bewässerungsanlagen, meistenteils von Fremden,. geschaffen. Auch einer der wichtigsten-Zweige des.... Außenhandels,' der Handel mit Südfrüchten, Oel. - und Wein ist von Deutschen, Engländern, Franzosen und Ametikanern entwickelt..." Dadurch ist ja auch feine einheitliche Verkehrspolitik- usw. möglich, daher die Bestrebungen, die Unab- hängigkeit vom Ausland herzustellen.. Das hat alleMvHS^. nicht^vModckschgWch^- sppdern auch ^olitisD insbesondere'im 19.--Jahrhundert.kns Land hinein-* und. eroberte sich in erster Linie den Bergbau. Im Jahre 1.921 wurde das Abbaurecht für Mineralien durch einen königlichen Erlaß auf Spanier be- schränkt. Das spanische Bürgertum fühlte also die Macht der Konkurrenz schon, ehe es recht da war. Nicht nur, daß sich die Bedingungen außerhalb seines eigenen Landes außerordentlich verschlechtert haben, weil hochentlvrckelte traditionelle Machtgruppen den Erdball bereits unter sich aufgeteilt.haben und die jungen kapitalistischen Län-.- der den alten gegenüber ungeheuer im Nachteil. sind, kommt daS ausländische Kapital obendrein in die.junglapitälistischen Länder und erschwert' den Aufstieg des Bürgertums außerordentlich. Weitere Artikel folgen.; F. W a r. Prag. Der Schönheitssalon Laveckh zählt zu den größte,» und vetanntesten Unternehmungen seiner Art. Seine Inhaberin ist die heute 60jährige Fra» Henriette L a v e ck h, geschiedene Zuckerkändl. Dienstag saß nun Frau Zuckerkan.dl- L a v e ck ij auf der Anklagebank vor dem Strafsenat Verner und nebei» ihr war angeklagt ihr um neun Jahre jüngerer, geschiedener Gatte Robert Z u ck e r k a n d l, ihr Sohn Rudolf L a deck n»md ihr Schwiegersohn Friedrich K a v a n, Inhaber einer Parfümeriehaudlung. Die Anklage lautete aus das V. erbrechen,des Betruges. Frau Laveckh betrieb gemeinsam mit. ihrem geschiedenen Gatten Robe rtZuckerkändl nebst ihrem Prager Unternehmen auch eine Filiale in Mährisch-Ostrau, die sie im Herbst 1931 zu verkaufen beabsichtigt«. Auf ein Inserat im„P rag e r T a g b l a t t" meldete sich als Käufer ein Ehepaar Schwarz. Die Interessenten besichtigten daS Ostrauer Unternehmen, studierten die Geschäftsbücher, ruid waren von dem Ergebnis s» befriedigt, daß alsbald ein Kaufvertrag zustandrkam,»»ach welchem daS Geschäft fiir 350.000 ftc verkmist wurde. 100.000 Kö wurden bar erlegt, der Rest sollte in HalbjahrSraten zu je 50.000 KL getilgt werden. Für diesen Rest stellten die'Käufer Ticherstellungswechsel aus. Leider stellte sich nur allzubald heraus, daß die Rentabilität des Ostrauer Geschäftes bei weitem hinter'den aufgrund der Geschäftsbücher ausgestellten Kalkulationen zurückblieb Es zeigte sich, daß die R e g i e zu niedr» g und die E i n n a h- »n e n z u h och veranschlagt worden'waren. Das Ehepaar Schwarz klagte. beim Zivilgericht»ruf An fh'ebung. d.es Kaufvertrages mit der Begründung, daß eS von den Verkäufern vor Abschluß des Kaufvertrages irregefuhrt worden sei. WaS im Lmife dieses Prozesses zutage I kam, war solcher Art, daß das Zivilgericht die Akten Sitzt der Schmutz auch noch so fest... sind dis Sachen noch so fein, Putzfrau VIM ist stark genug für schwere Arbeit— und behutsam bei der leichten. Das Besondere an VIM? Es erweicht und löst den Schmutz— ist wie geschaffen zum Großreinemachen! Put kfräu Wenn Primo de Rivera schon der spanisches Hitler oder Mussolini war, dann Habe»» die italienischen und deutschen Genossen sehr gute Aussichten in bezug auf den Sturz der„faseistischen Diktatur", denn mit Primo de Rivera sind seine Gegner erstaunlich leicht fertig geworden. Er ging, als die Kräfte, die ihn bisher stützten, ihm seine Basis nahmen. Tie Diktatur Primo de Riveras hatte den Bestand der Gewerkschaften und der sozialistischen Partei nicht bedroht, sondern verhielt sich den Sozialisten gegenüber beinahe wohlwollend. Allerdings hatte er für die Syndikalisten nichts übrig, lieber einen besonderen terroristischen Apparat hatte Primo de Rivera nicht verfügt, auch wurde neben dem offiziellen Staatsapparat nicht noch ein zweiter gesetzt, ivie es in der ersten Zeit in Deutschland war. Primo de Rivera war nicht eindeutig einer bestimmten Macht verschrieben, sondern lavierte und hatte nicht einmal die Armee geschlossen hinter sich, da auch diese kein einheitlicher Körper ist, so»»dern alle Klassengegensätze aufs lebhafteste widerspiegelt. Wie in Rußland 1917, später in Oesterreich und Deutschland, brach auch sein morsches Regime zusammen, ohne daß Barrikadenkämpfe stattfanden. Das Volk war vor Glück berauscht, und die . sonnig.en.Apriltage des Jahres 1931 sparen fonnj- ger^rn^.^Llie zweite fpqriiHL hfepUblik war bä., (Im Jahre' 1873 wär^Spanlöit sschöti eiissnal kurze Zeit Republik)'.' Oberflächlich ausgedrückt, haben die Stimmzettel die Monarchie weg- geschlvemmt. Wie wir sehen, muß eine solche allgemeine Zersetzung nicht das Resultat eines Krieges sein. Eben haben die bürgerlichen Kräfte gesiegt, so triumphiert auch schon ein anderer Moral-, Rechts- und Ehrbegriff. Die„Verbrecher" von gestern sind die Helden von heute, die„Hochverräter der Nation" plötzlich die Heldei» der Nation, die Verbannten und Gehetzter» von gestern die Minister von heute. In der neuen provisorischen republikanischen Negierung Spaniens tvaren zunächst die bürgerlichen Kräfte vorherrschend. Sie ergreifen entsprechende Maßnahmen. Am radikalsten Aza n a als Vertreter de? Intelligenz, die ihren großen Traum verwirklichen will. Spanien ist ein Agrarland. Im Jahre 1910 lebten 50,2 Prozent der Bevölkerung von Land«, Forstwirtschaft und Fischerei. 1920 waren es sogar 57 Prozent. Im selben Zeitabschnitt von 1910 bis 1920 nahm der Anteil der industriellen Bevölkerung mn etwa 50 Prozent zu. Waren 1910 14,6 Prozent der Bevölkerung in Industrie und Bergbau tätig, so tvaren es im Jahre 1920 ! schon 23,9 Prozent. Der Rest verteilt sich auf Handel m»d Verkehr, Armee und Marine, freie Berufe usw. Doch diese Zahlen sagen noch nicht alles. Wichtig ist auch die Struktur der industriellen und agrarischen Wirtschaft. lind da ist zu betonen, daß sich die morderneren Unternehmungs- forinen im wesentlichen nur in K a t a l o n i e n, dem am kräftigsten entwickelten und darum am lebhafteste»» um seine Autonomie kämpfenden Gebiet Spaniens, sowie in dem teilweise sehr modernen Jndustrierevier an der Nordküste durch- gesetzt haben. Sonst hat die Aktiengesellschaft kaum irge»»dwo Eingang gesunden. Nach dem spanischen Schriftsteller Madariaga gibt es in Spanien etwa 15.000 Fischkonservenbetriebe, die insgesamt 35.000 Arbeiter beschäftigend Man kann daraus ersehen, was das für„Betriebe" sind. Im ganzen Lande ist die Industrie mangelhaft konzentriert. Erst im Jahre 1914 entstehen Arbeit- gebervereinigungen. Madariaga betont, daß sie als Defensivmaßnahme gegenüber den syndikalistischen Verbänden entstanden sind. Das würde bedeuten, daß die Arbeiterschaft in ihren Oraanisa- , tionen der übrigen-Gesellschaft voraus ist, was eine außerordentlich interessante und vielleicht einzigartige Erscheinung ist, denn gewöhnlich diktiert i die jeweilige Stufe des Kapitalismus die Organi- sationSform der Arbeiterklasse. Madariaga betont - überhaupt die einzigartige Organisation des fpa» - nischen SpndikaliSmus. und mai» muß Wohl, wie es scheint, die weitverbreitete Auffassung, der Fünf stündige Luftschutz Vollübung in Berlin Berlin. Vor den Augen des Reichslustfahrt- ministers Göring ist gestern in einem großen Wohnviertel des Luftschutzabschnittes Kreutzberg «ine etwa fünfstündige Luftschutz-Bollübung des Sicherheits- und Hilfsdienstes und des Selbstschutzes der Bevölkerung durchgeführt worden, die zum erstenmal in Deutschland ernstfallmäßigen Charakter trug. Wie die Ber- dunkelungsaktion am Abend vorher so fand auch diese Hebung auf Anordnung des Reichsluft- fahrtministerS statt. Für die Durchführung war wiederum die Polizei verantwortlich. Sperrketten schloffen in der Zeit zwischen 9 und 14 Uhr das ganze Stadtviertel bei Umleitung der Verkehrsmittel dorr der Außenwelt ab. ES wurde in großangelegter Form alles geprobt, was zu einer regelrechten und mustergültigen Luftschutzübung gehört. Außer der Polizei, der Feuerwehr u»»d den Organen des Reichsluftschutz- bundes hatten sich über 1000 Hilfskräfte der verschiedensten Art zur Verfügung gestellt. Als Annahure war zugrundegelegt, daß- der Stadtteil Kreutzberg durch Bombengeschwa- der angegriffen wird, die Brand- und Brisanz- sowie Kampsstoffbomben abwarfen. Punkt 10 Uhr traten die Großalarmgeräte in Tätigkeit und verkündeten den Beginn der llebung. Die Lnftschutzhauswarte sorgen eilends dafür, daß die Hausbewohner die Schutzräume aussuchen. Die Straß«n werden geräumt, die Verkehrsmittel von den Fahrgästen flu chtartig verlassen. Wer in diesem Viertel nicht wohnt, suchte Sammelschutz räume auf. In kürzester Frist liegen sämtlich« Straßen des UebungsgebieteS wie leergefegt da. Nur Polizeibeamte mit einem grauen Ueberzug auf dem Tschako stehen an den Hauseingängen. Kein Fenster bleibt geöffnet. Da braust auch schon daS unheilbringende.feindliche" Geschwader heran. Ohrenbetäubende Böllerschüsse markieren an allen Ecken und Enden die Einschläge der Bomben. Verheerende Wirkungen zeigen sich im Nu: Sprengtrichter— vorher sorgfältig hergerichtet—aufgerissenes Straßenpflaster mit Trümmern in weitem Umkreis, ein brennen- deS Auto, brennen de Häuser— sie sind durch rote Fähnchen an den Fenstern des ooersten Stockwerkes kenntlich— vielfach Einsturzgefahr, markiert durch schwarze Flaggen, geplatzte Wasserrohre, lichterloh brennende Gasleitungen. Alle? das wird an mehreren Stellen durch anschauliche Beispiele verdeutlicht. Fieberhaft setzt die erste Gegenwehr«in. Am Chamiffo-Platz z. B. sind mehrere Häuser von Brandboocken getroffen und haben Feuer grjaugen. Gewaltige-Rauchschwaden,-'' vorzüglich bigrkiirk/ quellen aus dem Dachstuhl. Tie HauSfeuerwehr rückt an. Andere Häuser sind von Sprengbombe»» getroffen und gelten als schwer beschädigt. Es lverden „Feuerwehr- und Bergungstrupps" und ein„Sani- tätstrnpp" entsa»»dt, die das Trümmerfeld freilegen und die Verwundeten auf Bahren fortschassen. Mit Stroh auSgelegte Lastwagen steh-n zu dem Abtransport der Verletzten bereit.... Gelbe Fähnchen auf dem Straßenpflaster deuten auf G i f t g a s e hin. Hier setzt die Arbeit des Entgiftungstrupps ein. Mit einem Spreng- und einem Lastwagen eilt er herbei. Die Männer sirid bollko»»»men in einen hellgrauen Guunnianzug gehüllt und mit Gasmasken ausgerüstet. ... Für Verwundete und Gaskranke ist eine Luftschutz-Rettungsstell« eingerichtet, die die große Zahl von„Verletzten" Seite 6 „Sozialdemokrat* Donnerstag, 21. März 1935. Str. 88 PRÄGER ZE1TBMG Deutsche Sozialdemokratie gegen Henleins Katastrophenpolitik Genoffe Iaksch in einer öffentlichen Versammlung in der„Urania" Im vollen Saale der„Urania" und bei - überfüllten Galerien fand gestern abends eine von der Bczirksorganisation einberufene öffentliche Versammlung statt, in der Abg. Genosse Iaksch. wiederholt von Zustimmungsrufen unterbrochen, über die Grundlagen und Verhältnisse des Sudetendeutschtums unter der Fragestellung„Aufbau oder Chaos?" referierte. Die Rede de» Genoffe« Iaksch Ausgehend von den verschärften internationalen Spannungen betonte Gen. Iaksch, man dürfe nicht in die Ideologie des Feindes verfallen und nur noch auf die Entscheidung der Waffen warten. Der Vorsprung der Demokratien liegt in ihrer breiteren ökonomischen und moralischen Fundierung, in ihrer besseren sozialen Leistung. Bei den kommenden europäischen Entscheidungen werden jene Staaten bestehen, die ihre inneren Probleme am erfolgreichsten gemeistert haben. Das gilt auch für die Tschechoslowakei. Zur Frage der künftigen innenpolitischen Orientierung melden wir das Primat der sozialen Frage an. Die Reaktion spekuliert auf den Hunger und die Verzweiflung von 800.000 Arbeitslosen. Darum liegt cs im Interesse der Demokratie, den kommenden Wahlkampf zu einem Volksentscheid über die wirtschaftliche, soziale und staatspolitische Erneuerung des Landes zu gestalten. Obwohl in der abgelaufenen Periode in dem gegenseitigen Verständnis von Arbeitern und Bauern große Fortschritte erzielt wurden, ist noch immer die Frage offen, inwieweit wir Industriestaat bleiben können oder Agrarstaat werden müssen. Im Prozeß der Reagrarisierung ist für die 800.000 Arbeitslosen und auch für den Nachwuchs des Dorfes kein Raum. Somit gibt es für unsere Uebervölkcrung nur die Lösung der Wiederbelebung, Reorganisation und Ausweitung des industriellen Sektors. Hier berühren sich die Fragen der wirtschaftlichen Zielsetzung mit dem nationalen Problem des Staates. Die Sudetendeutschcn sind eine industrielle Nation. Nur zu einem Fünftel leben sie von der Landwirtschaft. Sie haben keine andere Perspektive als die, wieder Jndustriearbeit zu finden oder zu verkümmern. Unter diesem entscheidenden Gesichtspunkt müssen die neuen politischen Strömungen beurteilt werden. Henlein rühmt sich die sadetendeutsche Jugend und einen großen Teil des Volkes in Marsch gesetzt zu haben. D e r s u- detendeutsche Nationalismus marschiert, aber— wie schon so oft— in falscher R i ch t u n g. Es ist wieder ein großes Wolkenschieben im Gänge. Es gibt nur noch reine Engel, die in den lichten Höhen der Volksgemeinschaft schweben und Verworfene, die sich im Sumpf des Parteiwesens wälzen. Der Ungeist der völkischen Intelligenz versucht sich wieder der Führung des Volkes zu bemächtigen. Redner vergleicht sie mit Hus. Dieser tschechische Reformator stieg auf den Scheiterhaufen, um für die Wahrheit zu zeugen. Unsere völkische Intelligenz weigert sich dagegen standhaft die Wahrheit über das sudetendeutsche Schicksal zur Kenntnis zu nehmen: 1. daß 90 Prozent der sudetendeutschen Rot eine Folge der kapitalistischen Shsteinkrise und des europäischen Niederganges find: 2. daß unser Wirtschaftselend durch die Autarkiepolitik Hitlers verschärft wurde, daß unsere Kurorte und Fremdengcbiete infolge der deutschen Ausreisesperre veröden; 3. daß fich die Lage der deutschen Minderhei- . ten in ganz Europa verschlimmert hat seitdem Deutschland aufhörte, ein Rechtsstaat zu sein. 4. daß die Sudetendeutschen das erste Opfer einer europäischen Katastrophe wäre». Der Haß gegen den Marxismus hat diese Schichten blind gemacht. Sie spekulieren auf den Sieg des tschechischen Nationalismus und können es offenbar nicht erwarten bis Herr Domin Unterrichtsmini- s» e r i st. Alle Klagen über die agrarische Vorherrschaft vergeffend, sind sie anscheinend bereit, einer agrarischen Totalität die Wege zu ebnen, wie die Verhandlungen zwischen Herrn Henlein und Stou- pal beweisen. Das ist keine Politik mehr, das ist der Weg zum Chaos, die Spekulation auf die Katastrophe. Kommt es zur Bildung nationaler Fronten, dann entbrennt ein offener Machtkampf, bei dem die Deutschen unterliegen müssen. Zu den Leidtragenden würden aber auch alle anderen Staatsvülker gehören, denn das Ausflammen nationaler Kämpfe bedeutet das Ende jeder wirtschaftlichen Aufbauarbeit. Die Protektoren Henleins spielen mit dem Feuer. Die deutsche Sozialdemokratie hat in der Frage der Heimatfront keine Parteiinteresscn anzumelden, sie hat diese Bewegung von Anbeginn grundsätzlich bekämpft und ist zu offener Wahlschlacht gerüstet. Wir fragen jedoch, ob in der sudetendeutschen Politik der Begriff der Verantwortlichkeit schon völlig verschwunden ist. Wenn schon die bürgerliche Jugend verblendet ist, so müßten die Herren Rosche und Mayr-Harting wißen, wohin die Reise geht. Als Beweis der Leichtfertigkeit führender Politiker zitiert Redner die Marienbader Rede Hilgen- reiners. Außerhalb jeder Verantwortung stehend, ist der nationale Flügel der Christlichsozialen seit dem Saar-Entscheid fehr abstimmungsfreudig geworden. In Oesterreich dagegen ist der status guo bei christlichsozialen Politikern sehr beliebt und man läßt nicht einmal eine Gemeindewahl zu. Genosse Iaksch übt ferner scharfe Kritik an der Haltung der Exponenten derdeutschen Universität. Bei SHF-Konzerten treten sie in Erscheinung, während sie noch keinen einzigen wisienschaftlichen Beitrag zu den großen Nachkriegsproblemen der sudetendeutschen Politik geliefert haben. Es ist einträglicher, wohlhonorierte Gutachten zu erstatten und von dieser hohen Warte aus den Materialismus in der Politik zu verurteilen. Zur Rolle der Jugend bemerkt Redner, man müße die Legitimation jener gesetzten Männer zwischen 80 und 40 Jahren noch überprüfen, die im Namen der jungen sudetendeutschen Generation sprechen. Sie scheinen übrigens nicht gegen das Alter schlechthin, sondern nur gegen das besonnene Alter zu sein. Gegen die Ueberalterung im Universitätsbetrieb haben sie Nichts einzuwenden, auch wurde noch keine Altersgrenze für Aufsichtsräte gefordert. Für die Zwiespältigkeit dieser Jugend ist bezeichnend, daß sie in sozialen und nationalen Phrasen überfließt, ihren Hauptkampf aber gegen die Träger der sozialen Arbeit richtet. Neben schönen Worten von sittlicher Erneuerung stehen Taten im Dienste der Gestapo. Bonzentöter mit 3000 XL Anfangsgehalt ziehen gegen die sogenannten Berufspolitiker zu Felde, um selbst Be- Schwere Folgen de» gestrige« Morgennebels Straßeirvahnzusammenstotz in Bokovict. 14 Verletzte. Prag, 20. März. Gestern in den Morgenstunden stieß in Vokovice ein Straßenbahnwagen der Linie 23 mit einem Pferdegespann zusammen, welches unerwartet in die Fahrbahn einbog. Die Folgen dieser Karambolage waren ziemlich geringfügig. Während der Wagenführer die Identität des Kutschers feststellen wolltet kam bereits der zweite Straßenbahnzug heran. Der Führer dieses vollbesetzten Motorwagens, der das Hindernis infolge des dichten Nebels erst im letzten Augenblick sehen konnte, versuchte sofort alles, um den Wagen zum Stehen zu bringen, doch war es schon zu spät. Auf den nassen Schienen geriet die Straßenbahn ins Gleiten und fuhr auf den Anhängewagen der stehenden Garnitur auf. Vierzehn Personen wurden dabei, zum Glück nur leicht, verletzt. Nach sofortiger ärztlicher Behandlung wurden alle in häusliche Pflege entlassen. Zn jedem Sport eine Tafel Diana- S ch o k o l a d e, sie ist konzentrierte Nahrung. Kunst und wissen Hinter Mauern Das Prager Deutsche Theater, das sich so ängstlich bemüht, nur ja nicht aktuell zu sein, entwickelt Schein-Wtualität nur auf einem Gebiet/ nämlich durch Sprechstücke, die an die Judenfrage rühren. Jetzt geschieht das durch Hervorholen des zwar tüchtigen und wirkungsvollen/ aber selbst am Judenpro- blem, wie es heute' gestellt ist, fast völlig vorbeiredenden Schauspiels«Hinter Mauern", mit vem sein Autor, der Däne Henri Nathansen, nicht einmal vor zwanzig Jahren besonders zeitgemäß war. Daß ein gläubiger alter Jude seine Tochter keinem Christen zur Frau geben will, daß er und der Bräutigamsvater miteinander darüber ringen, ob die Trauung im Tempel oder in der Kirche stattfinden füll— wen interessiert das? Und wenn angesichts der Möglichkeit, daß die Enkel des Herrn Nathan Levin getauft werden sollen, in deffey Haus Todesstimmung wie nach einem Pogrom herrscht, so entsteht eine fast zum Lachen reizende Wirkung, jfurz- um, man spürt, daß solche Stücke ausgegraben werden, ut aliquid flat, nämlich, damit der(falsche) Eindruck entstehe, das Theater wende sich Zeitproblemen zu. Tatsächlich ist es bei 1912 stehen geblieben. . Die Aufführung zeigt wiederum Regisseur Gellners feinen Sinn für.Milieuschilderung und -deutung, aber diesmal in allzu liebevoller Betonung; alles wird breit ausgefponnen, jedes kleinste Gespräch, jede Episode wird, wie richtig bemerkt wurde, förmlich zelebriert, jeder einzelne Darsteller spielt aus. rufspolitiker zu werden. Unser Kampf gegen diese' Methoden ist ein Kampf gegen die Verlotterung in der deutschen Politik. Mit solchen Methoden kann es kein Kompromiß geben. Bei dem Ringen um das Schicksal des Bundes der Landwirte geht es um eine Fortsetzung des Duells zwischen Lodgman und Krepek. Auch Lodgman wollte alle Sudetendeutschen einigen, indem er sie auf eine unfruchtbare Protestlerei festlegen wollte. Kiepek hat dagegen erkannt, daß mit den Lebensinteressen der deutschen Bauernschaft nicht Hasard gespielt werden dürfe. Nun steht wieder zur Entscheidung, wem die Führung in der sudetendeutschcn Politik anvertraut werden soll. Die deutsche Sozialdemokratie hat ihre Position bezogen. Neun Zehntel unseres Volkes sind Arbeiter, Angestellte und Bauern. So kann es auch für unsere Politik nur eine konstruktive Formel geben, die Zusammenarbeit der Arbeiter und Bauern mit der fortschrittlichen Intelligenz. Die Volksgemeinschaft kann nicht darin bestehen, daß das Volk den Kameradschaftsbündlern nachläuft. Die Aufgabe der Sudetllideutschen ist, mit den sozial und fortschrittlich orientierten Gruppen des tschechischen Volkes eine große Aufbaufront zu bilden. Im Rahmen des vom Außenminister Dr. Benes propagierten FünfsahrplaneS muß der Lebenswille der deutschen arbeitenden Menschen nach Geltung ringen. An der tschechischen Politik liegt es, der jungen sudetendeutschen Generation eine schöpferische Aufgabe zu stellen. Demokratie soll nicht nur soziale, sondern auch nationale Gerechtigkeit bedeuten. Die deutsche Arbeiterklasse wird ihr Selbstbestimmungsrecht zu verteidigen wissen und den Katastrophenpolitikern den Weg verlegen. Gerade in der gegenwärtigen Stimmung erinnern wir daran, daß die Sudetendeutschen ihre größte Katastrophe erlebt haben, als sie ihre Hoffnungen auf die preußischen Pickelhauben stellten. Unser Programm heißt Aufbau neuer sozialer und nationalkultureller Dafeinsgrundlagen für die deutschrn Menschen auf dem Boden einer demokratischen und fortschrittlichen Tschechoslowakei. * Der Rede dSS Genossen Iaksch folgte reicher Beifall. Nach ihm sprach kurz ein Jugendgenosse, worauf der Dezirksvertrauensmann Genosse Schönfelder, der Vorsitzende, die Versammlung schloß, da sich niemand zur Debatte meldete. Die Henlein-Leute hatten es vorgezogen, zur Auseinandersetzung nicht an-■ zutreten. Ja, wollte man uns zeigen, wie dieses Stück 1912 zu spielen war? Es wäre doch weit richtiger gewesen, durch ein bißchen Modernisierung, durch gelegentliche Mischung mit Konversationston, wenigstens den relative» Zulammenhang mit dem Heute zu suchen k Aber es scheint eben, daß das Prager Deutsch« Theater selber bis zur letztmöglichen Konsequenz «hinter Mauern" bleiben will. Dann muß es aber auch weiter damit rechnen, daß viele sehr oft draußen bleiben werden! Leider trotz der guten Schauspielkunst, die sich auch«hinter Mauern" abspielt. Herr Marls ist ein interessanter, mehr innerlich als äußerlich starrer Vertreter des fich in der Familie ghettomäßig abschließenden Judentums, Frau Lotte Stein eine geradlinige, warmherzige Muttergestalt, wenn auch um einen Ton zu wenig jüdisch und zu wenig alt; Fräulein R o d e n b« r g ist rührend und ergreifend als das Judenmädchen, um das der Konflikt in Liebe und Familie sich entrollt, aber wohl ettvas zu aetherisch, noch zu wenig kraftvoll; sympathisch männlich Herr Demel als der schon einigermaßen ins Frei« sehende Bruder, erfreulich lebendig und humorvoll als Bruder Spießer Herr Dudek, dessen Eintritt in die verzerrt unheil- schwangere Atmosphäre jedesmal erlösend wirkt; sehr distinguiert die beiden«Herrschaften", die von Frau Bertram und Herrn Siedler repräsentiert werden, in wenigen Strichen überzeugend die Herren Padlesak und Richt er. Sehr guteH Theater, sogar einschließlich des goldigen Kleinkinds, das so lieb und brav«mitspielt". Aber wozu das alles? L. G. Spirlplan des Neuen Deutschen Theaters. Donnerstag 7 Uhr: I e n u f a, Abonnement aufgehoben.— Freitag halb 8:HinterMau«rn, D 2.— Samstag hab 8: Figaros Hochzeit, Gastspiel Willy Domgraf-Faßbänder, A 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag 8: Ich Habs getan.— Freitag 8: Gentlemen. — Samstag 8: Mädchen für alle^. Gerlchtssaal Der falsche Paß eines kommunistischen Agitators Und eine kuriose Verteidigung Prag. Der 31jährige Redakteur des kommunistischen„Rude Pravo" Richard S l ä n s k tz, war Mittwoch vor dem Strafsenat Trost des Verbrechens des Betruges durch Verweridung einer gefälschten Urkunde angeklagt. Am 8. November v. I. nahm die Polizei, die ja über alle vertraulichen Angelegenheiten im kommunistischen Lager aufs beste unterrichtet ist, in der Wohnung der derzeit in Prag lebenden Waltrante Hölz(der Witwe des bekannten Max Hölz) in der Petersgasse, wo mehrere Pdrsonen versammelt waren, eine plötzliche Razzia vor. Einer der Betretenen legitimierte sich mit einem österreichischen Paß, lautend auf den Namen Kart K u n st o v n y, ausgestellt von der Bezirkshauptmannschaft in Bruck. Der Paß erwies sich als ein ziemlich plumpes Falsifikat. Als der angebliche Ljuba Orlova spielt eine der Hauptrollen in dem russischen Film„Die ganze Welt lacht". Kunstovny auf dem Kommissariat beteuert«, er heiß« wirklich so, lachte man ihm ins Gesicht. Denn die Polizei ist, wie gesagt, trefflich über alle Vorgänge in der kommunistischen Partei informiert und außerdem kannte man auf dem Kommissariat Herrn Slanskh persönlich. Schließlich bequemte er sich denn auch zu dem Geständnis, daß es sich um einen falschen Paß handle? Die Verteidigung des Angeklagten, der sich übrigens in der Untersuchungshaft mit Frau Wal- traute Hölz verheiratet hat, war kurius genug. Den falschen Paß will er von einem unbekannten Mann erhalten haben, der ihn angeblich auf der Karls- brücke ansprach und fragte, oh er„der Richard sei". Als er wahrheitsgemäß bejahte, habe ihm der Unbekannte den Paß in die Hand gedrückt und fei verschwunden. Im übrigen behauptete Slänsky er habe sich keineswegs mit dem falschen Paß legitimiert, sondern diesen im Gegenteil weggeworfen und einer der Polizisten habe ihn aufgehoben. Demnach könne von einem Mißbrauch der gefälschten Urkunde keine Rede sein. Der Gerichtshof schenkte dieser Verteidigung keinen Glauben, sondern erkannte den Angeklagten im Sinne der Anklage schuldig und verurteilte ibn zu vier Monaten Kerkers. Die Strafe wurde unbedingt ausgesprochen, ist aber durch die Untersuchungshaft verbüßt. Gleichwohl wurde Slänsky nicht aus freien Fuß gesetzt, denn er wird sich noch wegen Verbreitung eines anläßlich der Präsidentenwahl verbreiteten Flugblattes zu verantworten haben, das. den Titel trug:„Richt Masaryk, sondern Lenin!" ' rb. Ans der Partei Fraurnbezirkskomitce. Wichtige Sitzung am Freitag, dem 22. März, um 7 Uhr im Parteiheim. Sport• Spiel• Körperpflege Danziger Nazi zerstören Arbeite reizen tum. Der Sportplatz der Danziger Arbeitersportler am Troyl ist der einzige, auf dem sie augenblicklich ihren Spielbetrieb abwickeln können. Die Mitglieder des Danziger Arbeiter-Turn- und Sporwerbandes haben durch freiwillige Arbeitsleistung versucht, den Platz zu ebnen, spielfähig zu halten und auszubauen. Vor ungefähr 14 Tagen haben in der Nacht einige haben in einer der letzten Nächte der vorigen Woche Nazi-Banditen die mit großen Opfern und Kosten errichtete Anlage ze^rstört. Aber die Rowdies haben die Solidarität der Danziger Arbeiterschaft verkannt, denn die geplanten Veranstaltungen wurden doch durchgeführt. Holländischer Arbeitersport. Im Fußball gab es am vergangenen Sonntag u. a. folgende Er- gebnisse: Das Dsstrikrspiel Negen gegen Vijf endet« mit dem Sieg« von 8:1 für Negen. Im Kreis Hoorn verlor Den Helder gegen Paulowna mit 9:4. Kreis Arnhem: Arnhem gegen Renkum 3:0. Win- schoten(Kreis Groningen) gewann gegen Groningen 6:3. Im Kreis Süd-Holland gab es hohe Resultate: Algemene schlug SNA mit 6:1 und Voor- waarts Den Haag wurde von ZBC mit 0:5 geschlagen. Kreis Twente: Enschede gegen Atmete 0:3.— Die Handballspiele im Amsterdamer Kreis ergaben u. a.: Rictvogcls gegen Animo 0:1, Turnen gegen AHC 2:3, Watervrienden gegen Haarlem 5:0. Bei den Frauen spielten Arnhem gegen Nijmegen 3:3.— Korbball. Im südholländischen Kreis blieb Sperwers mit 3:0 gegen BSAR siegreich und im Kreis Twente gewann Hen- gelo gegen Glanerbrug knapp mit 2:1. Französischer Arbeiterfutzball. Paris: Bou- logne gegen Levallois 5:1, EPPG gegen PUC 7 0. Clichy gegen Banlieue-Ouest 3:2. Gestohlenes /Arbeitereigentum verkauft.■ Die Freie Turnerschaft L i n d e n a u bei Leipzig baue sich unter großen persönlichsn. Opfern seiner Mitglieder einen Sportplatz mit BereinShauS gebanr Bald zwei Jahre hat dieser Platz als Exerzierplatz d:r SA gedient. Jetzt hat man den Platz mit allem Zubehör für 5000 Mark einem Sportklub verkauft. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bet Bezug durch die Pott monatlich XL 16.—, vierteljährig Kd 48—, halbjährig KC 96.—, ganziährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Di« Zeitungsirankatur wurde von der Pott- und Lele- graphendirektion mit Erlaß Rr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:«Orbis". Druck-. Verlags» und Zeitungs-A.-G.. Prag.