IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag in., fochoya a. Telefon soff. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Ehztlprels 70 Kelter (•iMchlitSlich 5 Haller Forts) 15. Jahrgang Freitag, 22. März 1935 Nr. 69 Ratstagung nächste Woche Französische Noten In Gent und Berlin Überreicht Italien mobilisiert? Rom.(Reuter.) Der Unterstaatssekretär im Krirssministerium erwähnte in der Kammer, daß die Regierung die Frage der Verkürzung der Militärpräsenzdienstzeit prüfe und fügte hinzu, die gegenwärtige Zeit sei weder für eine Verkür» ,'ung der Präsenzdienstzeit, noch für eine Demobilisierung der kürzlich zum Militärdienst einberufenen Jahrgänge geeignet. Es sei sogar nicht ausgeschlossen, daß auch andere Jahrgänge zum Militärdienst werden einberufen werde». Frankreichs Luftrüstung Paris. Der Luftfahrtausschutz der Kammer wies dem Luftfahrtminister gegenüber auf die Notwendigkeit einer Beschleunigung der Erzeugung von Flugmaterial, insbesondere von schwerem VeteidigungSmateriäl,. hin. Der Minister teilte in diesem Zusammenhang mit, datz unverzüglich ein Gesetzentwurf zur Bereitstellung neuer Kredite für die Erneuerung des Flugmaterials eingebracht werden würde. Nach Mitteilung einiger Ausschutzmitglieder wird die Regierung um einen Betrag von 1600 Millionen Francs ansuchen, der hauptsächlich zur Herstellung von Bombenflugzeugen bestimmt ist. Assentalter In Frankreich herabgesetzt Paris. Kriegsminister General Maurin erstattete heute nackmittaas jm Wsbmusjchutz Ker Kammer Bericht Wer die militärische Lage und über die Absicht der Regierung, das Assentalter der Rekyuten vorübergehend von 21 auf 20 Jahre herabzusetzcst. Gleichzeitig befatzte er sich mit den Rüstungen Deutschlands. Der Bericht des Generals Maurin klang in das volle Vertrauen in die Fähigkeiten der französischen Armee aus, die jedem eventuellen Angriffsversuch begegnen könnte. Frankreich, sagte der Kriegsminister, mutz vor allem auf sich selbst rechnen. Der Wehrausschutz billigte den Bericht des Kriegsministers. Effektivstärke der deutschen Armee: 800.000 Mann SS und SA Armeehilfskorps Paris. Der Londoner Berichterstatter des Blattes„Echo de Paris" berichtet, datz die Efsck- tivstärke der deutschen Wehrmacht sich nicht blotz auf 800.000 Mann Friedensstand— wie man dem Gesetze betreffend die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland zufolge schlietzen würde— belaufe, sondern datz sie in Wirklichkeit 800.000 Mann ausmacke. Die nationalsozialistischen bewaffneten. SS- und SA-Formationen werden nämlich drei sogenannte Armeehilfs« f o r p s bilden: Das nördliche Hilfskorps mit dem Zentrum in Berlin, das mittlere Hilfskorps mit dem Zentrum in Frankfurt am Main und das südliche Hilfstorps mit dem Zentrum in Mün- cken. Jedes dieser„Hilfskorps" wird 90.000 bis 100.000 Mann zählen, die auf sechs Divisionen verteilt sein und ein Fliegerregiment sowie ein Eisenbahnregiment besitzen werden. Die bisherige sogenannte„Oesterreichische Legion" wird ab 1. April 1835 die Bezeichnung„II. Brigade der 6. Division des südlichen Armeehilfskorps" führen, ihre Kommandatur wird den Sitz im Bad Eibling haben. Eden kommt nach Präs London.(AR.) Lordgeheimsiegelbewahrer Anthony Eden hat die Einladung der tschechoslowakischen Regierung angenommen, auf seiner Reise von Warschau Prag zu besuchen. Eden wird am 4. April früh in Prag eintreffen und wahrscheinlich noch an demselben Tage mittels Flugzeuges nach London fliegen. Ole Rache des Siegers Istanbul. 23 Matrosen und drei griechische Offiziere sind hier eingetröfftn, um das Schiff „Nausikaa", das dem Sohne Venizelos gehört, zu beschlagnahmen. Das Schiff wird von der türkischen Regierung zurückgehalten, die eS, wie verlautet, erst heräusgeben wird, bis das türkische Gericht entschieden haben wird. Genf. Das Völkerbundssekretariat veröffentlicht heute das Telegranim der französischen Regierung an den Generalsekretär des Völkerbundes: Es heitzt darin u. a.: »Durch ein Gesetz hat sich die Reichsregierung entschlossen, im Reich die allgemeine Wehrpflicht wieder einzuführen, um die deutsche Armee aus der Grundlage einer Heeresstärke von 12 Armeekorps und 36 Divisionen neu zu organisieren. Die deutschen Behörden haben autzerdem einige Tage vorher die Schaffung einer deutschen Militärluftfahrt öffentlich bekannt gemacht. In dem einen wie in dem anderen Fall hat die deutsche Regierung durch einen einseitigen Akt die vertragliche Verpflichtung bewußt verleugnet, die in den Verträgen enthalten sind,'die Deutschland unterzeichnet hat. Unter diesen Umständen und im Hinblick darauf, datz nach Absatz 2 des Artikels 11 jedes Mitglied des Völkerbundes das Recht hat, die Auf- merksamkeit des Rates auf jede Tatsache zu'richten, die geeignet erscheint, die internationalen Beziehungen zu berühren, und die in der Folge den Frieden oder die guten Beziehungen unter den Nationen, von denen der Friede abbängt, bedroht, hat die Regierung der französischen Republik die Ehre, den Bölkerbundsrat mit der Lage zu befassen, die durch die Haltung der deutschen Regierung eyt- stmrden ist?- Im BälkerbundSsrkretariat verkantet, daß der früheste Zeitpunkt für die Ratstagung End« kommender Woche fein werde. Der Protest in Berlin Berlin. In der in Berlin Donnerstag überreichten französischen Note heitzt es u. a.: Die Regierung der Republik Frankreich hält sich für verpflichtet, schärfsten Protest gegen diese London. Im Unterhaus unterbreitete Donnerstag der Führer der Opposition LanStury einen Rcsolutionsantrag, in welchem gefordert wird, daß noch vor der Abreise deS Außenministers Sir John Simon nach Berlin eine Debatte über außenpolitische Angelegenheiten eröffnet werde. Hiebei erklärte Lansburv, daß die Ereignisse in Deutschland vom Samstag und Sonntag in Großbritannien ein Gefühl von Angst und fast Der- zweiflung üervorgerufen haben, die mit den Gefühlen der Gedrücktheit vom Jahre 1814 verglichen werden könnten. Es ist der Augenblick gekommen, führte Lansbury aus, daß Großbritannien im Interesse des Friedens noch mehr leiste, als es bisher geleistet hat. Deutschland hat in herausfordernder Weise das Zeichen zu einem Wettrüsten gegeben, das unausweichlich zum Krieg und zur Vernichtung der Zivilisation führen würde. Lansbury fordert die Einberufung einer Weltkonferenz, die alle Konflikte unter den Völkern prüfen würde und erklärte znm Schluß: Wir lassen uns nicht zu einem zweiten Krieg hinreißen, um den Militarismus zu vernichten» vernichten wir ihn sofort. Rach der Rede Lansburys ergriff der Führer der Rationalliberalen Herbert Samuel im Unterhause daS Wort. Er sagte, Lansbury habe die Wir. knng der deutschen Maßnahme auf das englische Volks keineswegs übertrieben. Deutschland dürfe sich hinsichtlich des englischen Standpunktes keiner Täuschung hingeben. Gleichberechtigung fürI Deutschland, ja, keineswegs aber Militärhegemo- nie.(Beifall.) Sir John Simon betonte in seiner Rede den informativen Charakter seiner bevorstehenden Unterredungen in Berlin» Moskau und Warschau. Zu den geplanten Besuche» führte» zwei sehr wichtig« Mahnahmen zu erheben, hinsichtlich deren sie unverzüglich alle Vorbehalte macht, in dem Bewußtsein der Bemühungen um eine Verständigung, denen sie sich unablässig in aller Loyalität und mit der ständigen Rücksichtnahme auf die deutsche Ehre gewidmet hat. Um das Reich vollständig in die Organisation der europäischen Sicherheit einzugliedern, überläßt sie der deutschen Regierung die Last der Verantwortung für den in der Welt so geschaffenen Zustand der Unruhe und der hieraus resultierenden Folgen, nämlick der aus diesem Sachverhalt möglicherweise fiir die Regierungen der, verschiedenen beteiligten Länder entspringenden Verpflichtungen, entschlossen, ihrerseits alle Mittel der internationalen Zusammenarbeit- zu versuchen, die geeignet erscheinen,-diese Unruhe zu beseitigen und d«n Frieden Europas zu erhalten, legt sie-Wert darauf zugleich mit der Achtung von der bindenden Kraft der Verträge ihre Entschlossenheit zu bekräftigen, sich unter keinen Umständen in irgendwelchen Verhandlungen damit abzufinden, datz einseitig in Verletzung internationaler Verpflichtungen ergriffene Maßnahmen als zurecht bestehend anerkannt werden. * Auch Italien protestiert In Berlin Rom. In der heute in Berlin überreichten italienischen Note wird zunächst an die Abkommen von Rom und London erinnert und sodann neuerdings konstatiert, daß die Militärklauseln des Versailler Vertrages nickt durck einseitige Entschließung abgeändert werden. Die italienische Regierung erklärt ferner, daß sie bei eventueflen Verhandlungen auf die durck dieses fait aecompli geschaffene Lage keine Rücksicht nehmen wird, weil es sich um eine einseitige Entscheidung handelt. Erwägungen: Rach den Zusammenkünften in Rom, Paris und London wurde erklärt, daß es bereits an der Zeit sei, eine direkte Zusammenarbeit mit Deutschland zu suchen und als Deutschland den freundschaftlichen Ton dieser Mitteilung anerkannte und eine Einladung übermittelte, war dies der erste ernste Grund für die Entscheidung der britischen Regierung hinsichtlich des Berliner Besuches. Zweitens haben wir der deutschen Regierung mitgeteilt, daß die Grundlage und das Ziel des Besuches der Austausch der Ansichten über die Sicherheit, die Rüstung, die Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund und den Flugpakt-Borschlag sein werden. Nachdem dann diese vier Dinge als Basis des Besuches vereinbart worden waren, traten wir mit anderen Regierungen in Beziehung. Sir John Simon sagte weiters, daß der Führer der Opposition Lansbury ernst, aber auch gemäßigt über die Ereignisse des vergangenen Weekend gebrochen und nicht übertrieben habe, wenn er sagte, daß die Erregung in ganz Großbritannien eine sehr große war. Wir würden einen Fehler begehen, wenn wir diese lange Vorgeschichte vergessen würden, aber das wirkliche Ziel dieser Zusammenkunft soll eine einvernehmliche Regelung sein. In direktem Widerspruch dazu steht die einseitige durch die deutsche Proklamation getroffene Regelung. Die deutsche Regelung ruft die Frage hervor, welches der Wert von Vereinbarungen sei, und dies ist eine f e h r schlechte B o rver«i- tung für die-künftige Vereinbarung. Zu der deutschen Proklamation muß ich bemerken, sagte Sir John Simon: Es war nicht nur der Tag, an dem diese Proklamation erfolgt ist, sondern auch ihr Charakter und Inhalt, die di« Aussichten auf eine einvernehmliche Regelung getrübt haben und dies darf nicht außeracht gelassen werden. Methode Goebbels Wie die SHF agitiert Die Sudetendeutsche Heimatfront hat be, kanntlich mit dem Nationalsozialismus so wenig zu tun wie Konrad Henlein mit Adolf Hitler. Sie ist demokratisch und legal bis in die Knochen, kämpft für Völkerversöhnung und Humanität, treibt den Unternehmern,den Klassenhatz aus und verabscheut alle terroristischen Methoden mit der gleichen Inbrunst wie Hitler die Nilpferdpeitsche und Mussolini das Rizinusöl. Wie kommt es da, datz alle Besucher von SHF-Versammlungen übereinstimmend berichten» sie fänden sich angesichts der Herren S a n d n e r und P e s ch k a zurückversetzt, in die Zeit» da noch der ungetarnte Nazismus im Schwange war und hätten das deutliche Gefühl» datz Krebs oder Jung auf dem Podium stehen? Beobachter, die gelegentlich auch den Nationalsozialismus an der Quelle studieren konnten und vor dem 5. März 1933 Manchmal in Deutschland waren,^zählen, noch frappanter sei die Äehnlichkeit mit dem reichsdeutschen Nazismus und der S a n d n e r vollends gleiche dem G o e b b e l s bis auf die Kleinigkeit, daß er nicht ganz so jüdisch aussieht. Tatsächlich wird die Agitation der SHF genau nach der H i t l e r f ib e l betrieben. Wenn Hitler lehrt, die Masse glaube alles, man müsse es nur in der einfachsten Form immer und immer wiederholen, so befolgen Henleins Agitatoren dieses Gebot aufs peinlichste. Sie bauen ihre Reden auf drei oder vier Grundgedanken, besser Goundl ü g c n, auf, die unermüdlich wiederholt werden. Da steht voran die Theorie, daß es uns nicht deshalb schlecht gehe, weil der Kapitalismus sich in einer Krise befinde, die Weltwirtschaft zerstört, die kapitalistischen Wirtschaftsführer außerstande sind, das Chaos zu meistern, sondern daß es uns nur wegen deS nationalen Drucks, wegen des bösen Willens der Tschechen und vor allein wegen des sudctendeutschen„Parteihaders" übel ergehe. Herr S a n d n e r versticg sich kürzlich zu der Behauptung, nur Idioten'könnten Vie Schuld an unserer Not auf die Wirtschaftskrue schieben. So aufgelegt verlogen und dumm solche Darstellung ist, so wirkt sie auf das Publikum einer SHF-Bersammlung am Ende doch, weil sie uuer- müdlich wiederholt wird und eine halbe Stunde lang den Refrain jed^S, Satzes bildet. Mit mehr als einer Lüge wird das so gemacht. Hitler lehrt in Mein Kampf, datz der Volksredner immer so sprechen müsse, daß. der dümmste Kerl im Saale ihn verstehe. Man müsse alles ip formulieren, datz es für die Dummen noch verständlich sei, denn die seien allemal in der Mehrheit.- Die Referenten der SHF huldigen offensichtlich dieser Theorie des Altmeisters, denn sie nehmen sich nicht die geringste Mühe, einen denkenden Menschen von der Notwendigkeit und Richtigkeit ihrer Politik zu überzeugen, wohl ab^r sind sie drauf und dran, dem dümmsten Kerl im Saale um den Bart zu gehen. Man mutz gehört haben, mit welchem marktschreierischen, und nur von Goebbels selbst zu Überbietenden Raffinement so ein Feldwebel der SHF seine Schimpfereien Ms die große Pointe zuspitzt, die in dem Worte„Bonzen" erreicht wird. Man muß gesehen haben, wie sich die»Damen der Gesellschaft" und halbwüchsige Volksgenossen aus der Fußballgilde des Hen- lein-TurnvereinS bei solcher Gipfelleistung dann vor Lachen krümmen! Genau so war es seinerzeit bei K r e b s und noch effektvoller nur bei G o e V- b e IS, wenn er so witzig, wurde, daß die Thusnelden auf der Galerie dcS-Sportpalasts vor Vergnügen kreischten und ihre armseligen Wracks von Ehegatten durch Rippenstöße zu Deutschlands Erwachen anspornten. Und die Krisentheorie der SHF? Wer einmal den Jung gehört hat. wird sich seiner stereotyp wiederholten Phrase erinnern: die Krise ist eine„Pullitische" Krise(wybxi es damals allerdings die deutschen R e p a r a t i o n e n waren und der Doungplan, die unsere Arbeitslosigkeit verschuldeten). Für alles.und jedes hatten Hitler und Goebbels einst ihr Totschlagwort von-der Schuld des S y si e m s bereit. Auch die SHF nimmt sich nickt erst die Mühe, zu- sondern, was ihr mißfällt uns was sie noch billigen könnte, auch sie polemisiert nicht gegen einzelne Parteien, sondern gegen das »System" schlechthin, wobei dann durck einen kleinen Dreh„das System" noch durch den für alle Dummen einfacheren Begriff„deutsche Sozialdemokratie" ersetzt wird, damit noch doch eine bür- Englische Unterhausdebatte Oppositionsführer gegen Deutschland— Der AuBenmlnlster: Einseitige durch deutsche Proklamation getroffene Regelung Seite 2 Nr. 69 Freitag, 22. MLrz 1938 ksser abgesetrt Berlin. Auf Vorschlag des Reichsstatthalters in Bayern hat der Führer und Reichstanzler den bayrischen Staatsminister für- Wirtschaft, Her« mann Esser, aus seinem Amt entlasten. DaS Ausscheiden Esters aus dem Amt erfolgt im weiteren Zuge der Durchführung der Reichsreform und der damit in Zusammenhang stehenden Umstellung der bayrischen Verwaltung. So heißt es in-der amtlichen Meldung, in Wirklichkeit aber ist die Entfernung Esters auf seinen liederlichen Lebenswandel und die Trunkenheitsexeste zurückzuführen über die in diesem Blatte vor einigen Tagen bereits geschrieben wurde. gexliche Partei unter der Klassifizierung mit leide. Bon Hitler und Goebbels ist die verlogene Demagogie von den Sozialdemokraten als den „Denunzianten" des deutschen Volkes übernommen. Dort hieß es Novemberverbrecher, art der Saar S e p a r a t i st e n, bei uns heißt es „Denunzianten". Weil die sudetendeutschen Arbeiter nicht ruhig zusehen wollen, wie man ihnen den Strick um den Hals legt, weil sie die Unter- wühlung der demokratischen Verfastung und deS republikanischen Staates nicht mitansehen will, sondern von ihren staatsbürgerlichen Rechten den Gebrauch macht, den jeder vernünftige Mensch im Kampf mit tückischen Feinden seines Lebens und seiner sozialen Existenz machen wird, deshalb wird sie det Denunziation der großen Mehrheit des deutschen Volkes beschuldigt. Die Nazi aber, die durch bewußte Provokationen ihre Sympathien für den Hitlerfascismus betonen, werden als unschuldige und ungefährliche„Hitzköpfe" in Schutz genommen. Daß endlich d i e S H F selb st, indem sie nie ein Wort der Kritik an dem deutschen FasciSmuS und seinen Methoden wagte, die Selb st anzeige, die Selb st,Denn n- z i a t i o n vornahm, das System Hitlers, die Methoden Görings zu billigen, wird hartnäckig außer Diskussion gehalten. Ganz an Hitler geschult sind auch die Methoden, mit denen dieTschechen und die st a a t- lichenOrgane über den Löffel barbiert werden sollen. Schmeicheleien, die nichts kosten und die der Eingeweihte meist grinsend und äugen- zwinkernd als Kriegslist hinnimmt, versteckte Angriffe, vieldeutige Formulierungen helfen dazu, daß die Nazi in den eigenen Reihen befriedigt und die tschechischen Hörer zugleich getäuscht werden. Dazu kommt, daß mangelnde Sprachkenntnis behördlicher Organe diese ost hindert, den Doppelsinn oder den eigentlichen Sinn einer Wendung zu verstehen. Es ist ganz die Taktik, die bei der Vertuschung, Ableugnung und Bagatellisierung der' Hitlerschen AeuMrungen über Frankreich/die in zahlreichen GoebbelS-Reden(zuletzt in der samstägigen über die deutsche Aufiüstung) geübt wurden. Die Feststellung dieser Formen- und Wesensgleichheit aber wird die Henlein- presie totsicher als neue sozialdemokratische Denunziation bezeichnen. Denn es gehört schon einmal zum Wesen deS Fascisten und zu seinen Methoden, daß er nie dulden will, daß er beim wahren Namen und seine Taten genannt werden. Die Ar- befterschast wird lernen müssen, diese demagogischen Methoden zu parieren. Und ebenso nötig hätten die verantwortlichen Sachwalter der Demokratie eine gründliche Kenntnis der gefährlichsten Tricks ihrer Gegner I vss definitive Automobilsesetz verabschiedet Scharfe Zurückweisung kommunistischer Demagogie durch den Beferenten Prag. Bei der Verhandlung des(vom Senat bereits verabschiedeten) desinitiven Automobilgesetze? im Abgeordnetenhaus trieben die Kommunisten am Donnerstag wieder einmal ausgiebige Demagogie. Die Vorlage soll das provisorische Automobilgesetz, das nun schon so oft verlängert wurde, endlich ersetzen. Der Referent Brodecky hafte sich bemüht» für die Chauffeure hinsichtlich ihrer Arbeitszeit, der Pensionsversicherung und der Sicherung der Kollektivverträge noch möglichst viel herauszuholen, und es auch erreicht, daß der Fürsorgeminister am Mittwoch im Ausschuß bindende Zusicherungen gegeben hatte, auf diese Wünsche in de« Durchführungsverordnungen Rücksicht zu nehmen. Meißner hatte erklärt, daß für die Chauffeur« das Gesetz über den Achtstundentag gilt und daß im Rahmen der Verordnung Vorsorgen für die Sicherung einer angemessenen Ruhepause getroffen werden sollen. Hinsichtlich der weiteren Forderung, die Chauffeure in die PrnsionSversicherung aufzunehmen, hat das Ministerium bereits di« Verhandlungen mit der Pensionsanstalt eröffnet und außerdem die Beschaffung der mathematisch-technischen Grundlagen für eine Neuregelung angeordnet. Auch bezüglich einiger anderer Kategorien wird die Möglichkeit ihrer Neberleitung in die PenfionSver- sicherung der Angestellten geprüft. Die Frage der Verbindlichkeit und deS Schutzes der Kollektivver- träg« im Autogewerbe wurde im 8 102 des Regierungsentwurfes über die Motorfahrzeugsteuern gelöst, der gegenwärftg rat Senat liegt. Durch diese Bestimmung wurde auch der Schutz der vereinbarten Minimallöhne durchg-sührt. Die Kommunisten nahmen das alles natürlich nicht zur Kenntnis, sondern unterbrachen den Referenten Genossen Brodecky mit hämischen Zwischenrufen, der ihnen daraufhin zurief: Ihr habt den Chauffeuren schon so viel geschadet, daß ihr jetzt schon einmal aufhören I und andere für die Chauffeure ehrlich arbeiten lasten könntet! Man muffe mft Bedauern konstatieren, daß eine Gewerkschaftsorganisation, die schon zwanzig Jahre besteht, vor lauter Herumredereien, Phrasen, und Demagogie einiger' Leute noch nicht dahin gelangen konnte, wo andere Gewerkschaften längst find, daß nämlich auch in der Auwbranch« die achtstündige Arbeitszeit durchgeführt werd«!(Neue Zwischenrufe der Kommunisten.) Durch die Vorlage wurde der Grund gelegt, auf dem eine ordentliche Gewerkschaft mindestens z u denselben Ergebnissen gelangen könnte wie andere Gewerkschaften. In der Praxis wird da? Gesetz etwa öS Durchführungsverordnungen erforderlich machen. Der Ausschuß hat veranlaßt, daß er vor Erlassung dieser Verordnungen informiert und auch di« interessierten Korporaftonen gehört werden. Der zweite Referent beschäftigte sich mit der Vormachtstellung d«S Autoklubs bei der Ausgabe internationaler Bescheinigungen und trat dafür ein. daß dieses Recht einer zu gründenden Spitzenorganiwtion gegeben werd«. Der Autoklub bezieht aus.diesem T'tel bisher Dutzende von Millionen, die auf breiterer Grundlage viel besser verwendet werden könnten! Drei Kommunisten hielten große AqitattonS- reden bzw. Vorlesungen, während der Nationaldemokrat N o v a k gegen das Gesetz aus dem Jahre 1932, das derzeit im Senat novelliert werden soll, wetterte und ihm die ganze Schuld an der rückläufigen Bewegung des AutomobiliSmuS bei uns zuschrieb. Beim Schlußwort der Referenten spielten die Kommunisten wieder dit Entrüsteten. Die Vorlage wurde dann in erster Lesung angenommen. Nächste Sitzung Dienstag, den 26. März, um 3 llhr nachmittags. Tagesordnung: Errichtung eines staatlichen KörpererziebungSinftituteS, Umwandlung der siowakischen Vizinal- in BezirkSstra- ßen, Sanierung der Selbstverwaltung, Verbot von Zugaben, Enteignung für Berteidigungszwecke. Ungerechte Aufteilung der Margarinekontingente Genossin Kirpal interveniert für den Schön* priesener Betrieb Im Gewerbeausschuß des Abgeordnetenhauses kam Donnerstag u. a. die Regierungsverordnung über die Margarinekontingente zurVrrhandlung. Bei h^eser Gelegenheit wettvies GrnöiM K; rsiai?^rauf7 dagemzelne Mrrsiv? bei der Austeilung deS Kontingents benachteiligt wurden, und nannte in diesem Zusammenhang vor allem den Betrieb„Keßler und Brodersen" in Schönpriesen, dessen Zuteilung so gering ist, daß daS gesamte Kontingent für 1936 bereits aufqcarbeitet wurde und di« Arbeiter und Angestellten nunmehr im April Vox der Entlassung stehen. Nach durchgeführter Debatte wurde beschlossen, die Regierung und di« betreffenden Ministerien insbesondere auf diesen speziellen Fall auf- mexksam zu machen und um Abhilfe zu.ersuchen. Industriespionage wird strafrechtlich verfolgt Prag. Im Plenum des Abgeordnetenhauses wurde am Donnerstag nach längerer Debatte der Gesetzentwurf über die Industriespionage angenommen. Der Referent D a n i t erklärte, daß das Gesetz über die unlautere Konkurrenz und auch admi- nistratide Maßnahmen nicht hinreichten, um die Jn- dustriespionäge wirffam zu bekämpfen. Di« Vorlage hat vor allem präventiven Charakter; sie soll den Verrat von Geheimnissen der industriellen Produktton an daS Ausland verhindern. Di« Wirtschaftsspionage wird deshalb künftig von amtswegen verfolgt werden. Die Straffähe find ziemlich hoch; außerdem wird der erzielte Gewinn konfisziert. Strafbar sind auch die Unternehmer selbst, die durch grobe Unachtsamkeit den Verrat eines Geschäftsgeheimnisses an das Ausland verschulden.— Der zweite Referent T y k a l betonte, daß es sich vor allem um den Schutz gewisser Spezialindustrien(Glas, Perlmutter etc.) handle. Der Sprecher der tschechischen Gewerbepartei K e j m a r hielt«ine ausgesprochene Wahlrede, die zu scharfen Auseinandersetzungen mit den ffchechi- schen Nationalsozialisten führt«. P e ch m a n- n o v ä(Nat.-Soz.) protestierte gegen die Ausbeutung der Heimarbeiter in der Glasindustrie durch die Unternehmer, denen sie die Haupffchuld an deut Niedergang unserer Glasindustrie zuschrieb. Kurzfristige Investitionsbons zur Bezahlung von Sachlieferungen Prag. Im Abgeordnetenhaus hat die Regierung ein Gesetz über sogenannte„Lieferanten- K a s s e n sch ein«" eingebracht, die richtiger als„I n v e st ft i o n s b o n s" zu bezeichnen wären. Demnach können Zahlungen, die die Staatskasse für Sachlieferungen an die Staatsverwaltung und die staatlichen Unternehmungen etc. zu leisten hat. anstelle von Bargeld auch in den Jnvestitionsbons getätigt werden, die nach diesem Gesetz auSgegeben Werden. Die Bons werden auf den Ueberbringer lauten und bei der Landesbank in Prag zahlbar sein, der die Finanzverwaltung die nöttgen Mittel hiezu zu überweisen hat. Sie köimen auf höchstens sechs Monate ausgegeben werden; eine Prolongierung ist nicht zulässig. Ihre Verzinsung erfolgt nach dem Satz für Privatlombard von Wertpapieren an der Prager Börse. Insgesamt darf der Betrag der gleichzeitig in Umlauf befindlichen BonS 600 Millionen Kd nicht überschreiten. Die Bezahlung mittels BonS ist nicht obligatorisch, sondern an die Zustimmung der zur Entgegennahme der Zahlung berichtigten Person gebunden. Lehnt diese di« Annahme von Bons ab. so kann sie Anspruch auf Verzugszinsen— wenn ein solcher überhaupt besteht— nur bis zur Höhe der Verzinsung der angebotenen Kassenscheine erheben. Weitere Bestimmungen regeln die Kontrolle durch daS Oberste RechnungSkontröllamt, Aus dem Motivenbericht geht hervor, daß diese Bons in der Haupffache zur vorläufigen Bezahlung von Investitionen bestimmt sind. Die Zahlungen der Staatskasse sind ost zu einer Zett fällig, wo die nötigen Mittel gerade nicht zur Verfügung stehen. Die Zurückhaltung dieser Zahlungen hat die Immobilisierung der betreffenden Lieferanten zur Folge, die dann vielfach gezwungen sind, sich auf die künftigen Eingänge selbst einen Kredit unter schweren' Bedingungen zu beschaffen. Mit den neuen Bons bekommen die Lieferanten zwar auch kein Bargeld, aber Papiere, durch deren Lombardierung sie sich leicht und billig Bargeld verschaffen können. Die Sicherheit, daß di« xBons bei Fälligkeit nicht prolongiert werden dürfen, sondern bar ausgezahlt werden müssen, dürfte den Papieren nach Ansicht der Regierung bald Belebtheit vrrsdhaffen. Verlängerung 6er Gültigkeit der Koilektiwerträse bis Ende 1936? Am 30. April 1935 läuft die Regierungsverordnung Nummer 118 aus dem Jahre 1934 ab, welche"den Schütz der Kolleltibvertrage behandelt. Das Ministerium für soziale Mrsorge ist nun bestrebt, die Gültigkeft dieser Verordnung bis Ende 1936 zu verlängern. Im Ministerium wird eine diesbezügliche Vorlage ausgearbeitet, in der auch di« Unabdingbarkeit der Kolleftivverträge ohne Bewilligung von Abweichungen zu Ungunsten der Arbeitnehmer festgesetzt wird. Die Verpflichtung der Einhaltung der Kollektivverträge würde durch Strafbestimmungen gesichert werden. Gleichzeitig soll die Vorlage die Bestimmung erhalten, gemäß welcher das Ministerium für soziale Fürsorge berechtigt ist die Gültigkeit der Kollektivverträge auch aus weitere Betriebe und Arbeitnehmer zu erstrecken, für die Kollektivverträge bisher noch nicht bestehen. ^rWenalsil/sii,^ »Oman von Frita Rosenfeld Warum wollte er eigentlich so eilig von hier fort? Die anderen haften in Apsilon zu tun, Frau Avory und ihre Truppen traten heute in Apsilon auf, Morvilius suchte seinen Stern, der längst lvieder untergegangen war, Kilmek mußte seine Dorfkrämer besuchen und Cabrolle sich um das Gut künunern, das nicht isiehr ibm gehörte. Aber Olavsen? Er konnte ruhig warten, bis die Lage geklärt war, man genau wußte, woran man war. und sich dann enffchließen, ob er über N. und S. nach Apsilon weiterfahren wollte oder ob es nicht vorzuziehen war, eine ganz andre Route zu wählen und den Plan mft Apsilon und dem Lano, das weit hinter dieser Stadt lag, vollkommen aufzugeben. Schon dachte ex daran, seinen Koffer in ein Hotel schaffen zu lassen und ein paar Tage hier zu bleiben, als er sich daran erinnerte, daß er ja seinen Weg nicht mehr bestimmte; Frau Avory entschied nun, wo er heute und morgen und übermorgen sein sollte. Carlotta— si- ,schlief noch nebenan, in dem grauen stummen Zimmer, in dem der Tote lag, grau und stumm. Carlotta— sie würde ihre Kostüme nachmittags aufbügeln wie die andren, und in eine kalte Gar« derobt gehen, und Marcell würde sie an fahren und grob mit ihr sein, weil Xenia hinter ihm stand und den Bruch verttefen wollte. Nein. Carlotta durste nicht nach Apsilon fahren. Frau Avory und die ihren sollten unter sich bleiben, mit ihren Eifersüchten, ihrem Zank, ihrem kleinlichen, ohnmächtigen, unfruchtbaren Haß. Sie würde toben, wenn sie erführe, daß Carlotta sich von ihr lossagte, daß das»mondäne Tanzpaar" zerfiel; aber Xenia war für Apsilon gut genug, und wenn sie vielleicht den Vertrag auS der Tasche zöge und Konventionalstrafe verlangte— dann müßte ihr eben«in deutlicher Hinweis auf die Zweifelhaftigkeit ihre? Unternehmens und die Möglichkeften, einmal d e Reporter auf sie zu hetzen, den Mund stopfen. Gegen Menschen ihres Schlags war jedes Mittel erlaubt. Der Stattonsvorstand ging in die Warteräume, knipste das Licht an, teilte den Passagieren mit, daß um zehn Uhr ein Zug abginge. Dir einen zeterten, es sei zu spät, die andren schrien, sie führen nicht vor die Läufe der Kanonen, die dritten tvaren noch so verschlafen, daß sie überhaupt nur schattenhaft begriffen, daß sie weiterfahren konnten, und damit zufrieden waren. Marinka spritzte dem Kellner kaltes Wasser ins Gesicht, hieß ihn, in der Küche den Herd heizen und sich draußen, im Magazin, waschen. AIS er zurückkam, den Kragen offen, die Haare feucht, zog sie ihn in einen Winkel, kämmte ihn, brachte siine Krawatte in Ordnung, knöpfte seinen Rock zu und gab ihm einen Klaps auf die Schulter. „Jetzt geh ins Dorf hinunter und bring frisches Brot. Kaffee bring und einen Sack Zucker. Und die Lenka vom Wirtshaus soll mir drei Wa'ckieimer schicken und Krüae. Ich stell einen Kessel Wasser auf. Handtücher sind im Magazin. Hast alles bebalten?" Der Kellner nickte. Brot, Kaffee, Wasch- eimer, Zucker und Krüge und einen Keffel und drüben etwas aus dem Magazin. Er stolperte in die Dämmerung hinaus, den Kopf schwer vom Schlaf, die Augen brennend, das Herz voll Unmut über die Fremden, die ihn plagten, wie böse Geister ein altes Weib. Nun fuhren sie bald davon. Nun würden sie es wieder eilig haben. Dann durste er ihre Koffer schleppen, und wenn sic in die Tasche griffen, um ihm ein Trinkgeld zu geben, pfiff der Züg und setzte sich in Bewegung. Da winkten sie schnell irgendjemand zu und er konnte sehen, wo er blieb. So war daS immer. seit fünfzehn Jahren war das so und iy den nächsten fünfzehn Jahren würde eS sich kaum ändern. »Wir fahren", schrie Xenia,„wir fahren" ' und schüttelte Marcel an den Schultern. „Wohin fahren wir, zum Teufel?" »Nach Apsilon!" »Wir fahren, wir fahren, nach Apsilon" sangen die Girls im Chor. Frau Avory strahlte. Die Mädchen waren vergnügt, sie stritten bereits um die Puderdosen und Kölnerwasserflaschen, Clarissa behauptet?. Leonie hätte in der Nacht alle ihre Bonbons aufgegessen und Livia zauste Grit an den Haaren, weil sie auf einer Schokoladenschachtel geschlafen, die sie Nun Wegwerfen mußte. Die Angst, der schwere Schattenabend, die Nacht mit ihren Gerüchten, Gregor, der dort drüben lag, bleich und sckweigsam, alles war vergessen. Für sie begann das Leben mit jedem neuen Tag von neuem. Vielleicht, dachte Frau Avory, sind sie deshalb so dumm. Kilmek schlug die Augen auf und seine Hände lagen auf Geld. Es ist ftemdes Geld, wie kommt es hierher? war sein erster Gedanke. Dann erinnerte er sich. Es war sein Geld. Er hat es gewonnen. Dort saß Cabrolle, die Augen dunkel in dunklen Höhlen, die Hände hingen schlaff herab, der Mund war offen, das Kinn bohrt sich in den fetten, faltigen Hals. Einen Herzschlag lang hatte Kilmek Angst vor Cabrolle. Er raffte das Geld zusammen und schob es in die Lasche; ec stopfte alle Taschen voll. Aber dann schwand der Schreck: wenn er mich anfällt, wenn er das Messer zieht, werf ich ihn mit einem Faustschlag zu Boden. Ich hab schon Stärkere niedergeschlagen. Ich hab schon Schlaueren das Mester aus der Hand gewunden. Er soll es nur versuchen! Alle, die hier in diesem Raum find, die GirlS und Frau Avory und der Zeichner und Halling, können bezeugen, daß ich das Geld au; ehrliche Weise gewonnen habe. Nicht einen Pfennig bekommt er zurück! Nicht einen Pfennig! „Wach auf, Carlotta", sagte Olavsen,»um zehn Uhr fährt der Zug." Di« großen Augen, blau und stumm, sahen Olavsen an. „Welcher Zug?" „Der Zug, mit dem Frau Avory und die Truppe nach Apsilon fährt." „Also nicht mein Zug", sagte Carlotta. Olavsen nahm ihre Hand, drückte sie an seine Stirn, eine weiche, kühle, schmale Ha. Er führte sie an die Lippen, er schaute mit seinem klarsten Blick tief in diese großen, blauen, stummen Augen: „Danke, Carlotta." XV. Das Grammophon surrte— und wieder drillte Frau Avory die GirlS. Diesmal tanzten nur fünf aus dem Winkel deS Warteraums, als der Gong schlug; und Xenia wiegte sich mit Marcel, ihm ganz aufgeschlossen, ihm hingeopfert mit geschlossenen Augen, in großen, weiten Kreisen traumtief und schwebend durchs rauschende Meer der Töne. Es klappt, jubelte Frau Avory mit zusammengebissenen Zähnen, angespannt alle Nerven ihres Gesichts, lauernd, ob nicht hier ein Fuß um Zentimeter zu weit vorgestoßen, dort ein Arm den Schwung zu lahm genommen hat. Es klappt, es wird in Apsilon klappen, ohne Gregor, ohne Carlotta, alle waren auswechselbar, nur ihr Hirn, ihr Herz, ihre Augen, der Motor der Truppe, mußte intakt bleiben. Kaffee dampfte in den Taffen, die Gesichter blickten ohne Regung in den verrauchten, stickigen Raum. Noch dauert« eS Stunden; die Zeit schlich auf lahmen Füßen durch diese träge, nüchterne, quälend-fahle Dämmerung. (Fortsetzung folgt.) Kr. 69 Freitag, 22. MSrz JM» Seit, 3 fudeiendeutscfier Seitspie&et Landjugend auf dem Rückzug? Die.Deutsche Presse" berichtet, daß es bei der vorgestrigen Sitzung der Reichsparteileit ung des B. d. L. auch zu einer Auseinandersetzung zwischen den Führern des Bundes der Landjugend und den Parteiführern gekommen sei. Toni Müller, der Vorsitzende des Bundes der Landjugend. habe erklärt, daß für die Landjugend, um sie überhaupt zu retten, nichts anderes übrig bleibe, als sie zum unpolitischen Erziehungsverband zu erklären und ihre Exponenten aus allen politischen Funktionen im Bunde der Landwirte zurückzuziehen. Im Lmife der Sitzung haben Toni Müller und Dr. Robert H e tz, der Redakteur des.Deutschen Jugendland", ihre Aemter in der Partei niedergelegt. Sowohl Toni Müller als auch Dr. Hetz waren eifrige Befürworter der Henleinrichtung im B. d, L., ja. man kann sagen, daß sie die ganze Landjugendbewegung mit Henleiogeist erfüllt haben und die Jugendorganisation zum Durchsetzen ihrer Pläne in der Partei mißbrauchten. Besonders Dr, Robert Hetz, der mit dem eben nach dem Schutzgesetz verurteilten Adolf Schmidt eng zusammenarbeitete, hat sich um die geistige Verwirrung der Landjugendbewegung verdient gemacht und seine sehr aktive Henleinbegei» stcrung durch wüste antimarxistische Hetze ergänzt. Wir sind nicht der Meinung, daß der Bund der Landjugend, was d'.e Führer betrifft, dem B. d. L. den Rücken kehren will; dazu ist die finan zielle Abhängigkeit der Landjugendbewegung von her Partei viel zu groß. Dessen sind sich hie Jugendführer sehr wohl bewußt. Allerdings: wie die Jugendlichen auf die Rückkehr zum.Unpolitischen" reagieren werden, ist sehr die Frag«. Sie haben ihre Organisation bereits als einen Teil der von Henlein propagierten Volksgemeinschaft betrachten gelernt und werden nicht wenig erstaunt sein, die gewohnten Fanfaren nicht mehr zu hören. Dieses Ende des Versuchs, mit der Jugendbewegung aktive Pol'tik zu machen, war vorauszusehen. Die ehrgeizigen Herren Jugendführer, haben ihre Polstischen Gelüste nicht von ihren Erzieheraufgaben trennen wollen oder können. Das Ergebnis ist eine schwer« geistige und organisatorische Schädigung der Jugendorganisation, der Bruch des Vertrauensverhältnisses zwischen chr und der Partei, ohne daß das, was die Henlein- freunde als die Aufgabe der jungen Generation in der Partei betrachtet haben, erfüllt worden wäre. Diese Lehre ist den Henlein-»Pädagogen" im Bunde der Landjugend wohl zu gönnen. Auffallend ist. daß Herr Gustav Hacker, der durch die Jugendbewegung bekanntgeworden ist und seine Phrasen bisher von deren Machern bezog, seine Parteiämter nicht niedergelegt hat. Entwirr hat er die Müller und Hetz mitsamt der Jugendorganisation ihrem Schicksal überlassen oder hat er sich getarnt, damit einer sei, der die »Ideen" des Hetz weiterhin in der Leitung des B. d. L. vertritt. Herr Sandner wird In Schönlinde zum Schweigen gebracht Die SHF hatte für Mittwoch nach Schönlinde«ine öffentliche Versammlung einberufen. Als Referent war Sandner angekündigt. Die Arbeiterschaft wollte es sich nicht entgehen lassen, die Heilslehren Sandners kennen zu lernen. So waren lange vor Beginn der Versammlung hunderte Sozialisten erschienen, die Einlaß in die Versammlung begehrten. Die SHF hatte Ordner aus ganz Nordböhmen, aus Leipa, Gabel, ja bis aus Reichenberg und dem Elbetal zusammengeholt. Da. die Polizei den Saal bald, als überfüll! sperrte, blieben rund 360 unserer Genossen draußen und die SHF hatte im Saale eine kleine Mehrheit. Herr Sandner sprach eine Stunde lang, ohne daß er mehr als Beschimpfungen zu bringen wußte. Wer von der Wirtschaftskrise rede, sei ein Idiot, die Sozialdemokraten seien Denunzianten, die Not sei deshalb so groß, well all« führenden Männer im Staate auf die eigene Tasche sähen und dergleichen mehr. Als er dabei ange- langt war, Märchen über„Bonzen" und»Bonzengehälter" aufzutischen und mst diesem Sport nicht aufhören wollte, forderten die Arbeiter energisch, daß er sachlich reden oder schließen solle. Sandner wollt« sich zu keinem von beiden entschließen, sondern setzte immer wieder zu einer Beschimpfung an. Er konnte sich aber kein Gehör mehr verschaffen und nachdem der Lärm eine Weile gedauert hatte, löste der RegierungSkommiffär die Versammlung auf. Unsere Genossen stimmten die „Internationale" an und verließen als letzte den Saal. Herr Sandner hat so zwar durch seine Provokationen verhindern können, daß ihm an Ort und Stelle geantwortet wurde, er hat aber auch erfahren müssen, daß die Geduld der Artz«i t e r G r e n z e n h a t, die er nicht ungestraft überschreiten darf!• Drohungen der SHF gegen Minister Spina Wie»Lidovö Noviny" berichten, soll in den Kreisen der Heimatftont große Erbitterung gegen Minister Spina herrschen, den man allgemein als den Schuldigen dafür hinstellt, daß die Verschmelzung des Landbundes mst d«r SHF nicht gelungen ist. Spina wird als„Verräter"' geschildert, der sich den Tschechen„verkaüft" hat. Wie weit die Feindschaft gegen Spina geht, ist daraus ersichtlich, daß man den Minister Spina direkt bedroht, wie auch ein anderes Blatt meldet.„Lidovö Noviny" erklären genaue Informationen zu haben, auf Grund deren sie auch vor Gericht nach- 'weisen können, wie man in Henleins Umgebung über Spina denkt. Ein Henlein nahestehender Mann hat dieser Tage gesagt, daß, Spina» Leben bedroht wäre, wenn er die nationale Einigungverhindere. Henlelnleute In Schluckenau und Hainspach verhaftet In den vergangenen Tagen wurde in Hain»« pach nach erfolgter Hausdurchsuchung ein Sparkaffenbeamter verhaftet und dem Kreisgericht in Böhm.-Leipa eingeliefert. Bei dem Verhafteten wurden Schriftstücke aufgefunden, die seine Ver bindungen mit reichsdeutschen Nationalsozialisten erweisen. Zur gleichen Zeit fast wurden in Schluckenau der Angestellte Josef Müller und der Ofensetzer Josef Kindermann verhaftet, weil auch bei diesen früheren Hakenkreuzlern— jetzt Hen- leinanhängern— schwer belastendes Briefmatr- rial gefunden wurde. Die Beziehungen der beiden Nazis zu nastonalsozialistischen Parteistellen in? Dritten Reich waren 8er Bevölkerung längst bekannt und nur der geradezu unbekümmerten Tätigkeit der beiden verdanken sie ihre Verhaftung. Trotzdem hat ihre Festnahme in den Kreisen der Henleinleut« große Bestürzung hervorgerufen. Arbeitslosenprobleme Ein Arbeiter aus Nordböhmen schreibt unS: Unsere Arbeitslohn hukigern. Keine Arbeit und kein Lichtblick, in Zukunft welche zu bekommen! Zwei bis drei Jahre arbeitslos jetzt schon und wie lange noch?„Dabei mst einer, resp. mit zwei Zehn-Kronen-Karten sein Leben fristen, ein wahrhaft verzweiflungsvolles Leben! So sehr anerkannt werden muß, daß unsere Partei im Hinblick auf den Widerstand der bürgerlichen Parteien mit aller Anstrengung Hunderte Millionen jährlich für die Arbeitslosen herauSgc- holt hat, so besttmmt müssen wir heute zum Ausdruck bringen.:.Die Unterstützung ist in der dexzei- ttgen Höhe absolut unzulänglich. Eine Zeit kann man damit auskommen. Wenn aber die Kleidung, die Beschuhung, die Wäsche heruntergerissen sind, wenn der Notpfennig aufgebraucht ist, dann kann kein Mensch damit sein Leben fristen. In dieser von Leid und Elend erfüllten Zeit, in welcher Millionen nicht sattzuessen haben, sehen wir die aufreizende Tatsache, daß die Einkommen der oberen Zehntausend kaum eine wesentliche Schmälerung erfahren haben. Wie einfach: diese Leute haben zu viel, die anderen.zu wenig. Es ist allerhöchste Zeit, daß da ein Ausgleich geschaffen wird. Nehmen wir einmal an, es würde die Forderung aufgestellt werden, daß die Kartenbezieher von nun an erhallen sollen: für Ledige zwei. Verheiratete drei. Verheiratete bis zu zwei Kindern' vier, bis zu vier Kindern fünf, und über vier Kindern sechs Karten;, Wester, daß der Staatszuschuß zur Gewerkschastsünterstützung wieder auf die alte Höhe gebracht wird. Und die Bedeckung? Wäre eine Abgabe von höheren Einkommen, beginnend bei 45.000 flä mit 5 Prozent und endend bei 500.000 flö mit 50 Prozent, wobei nicht nur die höheren Gehälter, sondern besonders auch das 'sirbeilslofe^Einköffimesi zu erfassen' wäre. Nicht zu rechtfertigen? Eine solche Maßnahme würde der einfache Arbeiter verstehen. Eine populäre Parole, die alle Exponenten des öffentlichen Lebens zwingen würde, klar und eindeutig dazu Stellung zu nehmen. Entweder, oder! Die Frage, ob wir stark genug sind, diese Forderungen durchzusetzen, ist nicht entscheidend: Aber eines ist sicher: für diese Forderung wäre die gesamte Arbeiterschaft, der größte Teil der Beamtenschaft, die Klein- und Mittelbauern und die Handwerker zu haben, denn im Vollsbewußtsein herrscht die richtige Ueber- zeugung, daß wir un» bei unserer Verarmung den Luxus so schreiend hoher Einkommen ganz einfach nicht erlauben können. Solange wir in diesem entsetzlichen Elend leben, ist jeder, der ein so ungebührlich hohes Einkommen hat, mstschuldig an dem Hunger der anderen. Und wenn der vorgeschlagene Abzug noch nicht langen sollte, dann wird es sicher noch Möglichkeiten geben, di« Mittel aufzubringen. Solange Menschen hungern, muß der Ueberfluß und her Luxus besteuert werden. Zur Entführung des Journalisten Jakob Wer ist Dr. Wesemann? Nach den Berichten der Schweizer Presse ist bei der Entführung des Publizisten Berthold Jakob ein gewisser Dr. Hans Wesemann beteiligt gewesen. Wesemann, ein innerlich haltloser und charakterloser Mensch, hat in der deutschen Publizistik Gastrollen in den verschiedensten Lagern gegeben. So hat er sich u. a. auch an die sozialdemokratische Presse herangedrängt. Seine Laufbahn dort wurde damit beendet, daß er wegen Hochstapelei und Paragraph 175 fristlos entlassen wurde. Danach wandte er sich der linksradikalen Presse zu, und schrieb zugleich in einem Berliner Boulevardblatt, das die Fahne nach dem jeweils herrschenden Wind zu drehen pflegte. Dann wurde es einige Zett still um ihn, bis er noch vor der Machtergreifung Hitlers als Mitarbeiter der nationalsozialisttschen Presse auftauchte. Die Täuschung und die Spitzelei ist von Anfang an sein Gewerbe gewesen. Sozialdemokratische Interpellation Basel. In der Vormittagssitzung des Baseler Großen RateS begründete ein sozialdemokratischer Abgeordneter folgende Interpellation: „Ist dem Regierungsrat des Kantons Basel bekannt, daß der Straßburger anttfascistische Schriftsteller Berthold Jacob, durch deutsche Agenten von Baseler Boden aus entführt worden ist? Wenn ja, ist der Regierungsrat bereit, den schweizerischen Bundesrat um energisch« Vorstellungen in Berlin zu ersuchen und von ihm zu verlangen, daß er von der deutschen Regierung die Herausgabe deS Entführten fordert?" Der Interpellant verlangt u.«., daß die Grenzbehörden 8er Tätigtest nationalsozialistischer Agenten in der Schweiz mehr Aufmerksamkeit als bisher widmen. Es habe den Anschein, daß bei der Entführung Jakobs deuffche Behörden ihre Hand im Spiele hatten, worauf schon der Umstand hindeute, daß daS betreffende Automobil seinem Besitzer in Zürich vom Bezirksamt Lörrach (Süddeutschland) zur Verfügung gestellt worden sei. Deutsche Saarfront aufgelöst Zum Dank für die Mithilfe sämtlicher bürgerlichen Parteien bei der Vcrhitlerung deS Saargebiets, ist die„Deuffche Front" aufgelöst worden. In der Gründungsfeier der Saarnazipartei er- klärte Bürckel, die Aufnahmebedingungen für dieselbe würden noch bekanntgegeben werden. So haben die wackeren Zentrumsleute, Volksparteiler und fonsffge Bürgerlich« noch nicht einmal die Sicherheit, jene„politischen Rechte" zu erlangen, die mit der Zugehörigkest zur Nazipartei verbunden sind. Malwahlen In Griechenland Athen. Das neue Kabinett beschloß in seiner heutigen ersten Sitzung, daß die Wahlen Ende Mai stattfinden werden. Gleichzeitig wird zu einem Pollsreferendum über die Billigung der Aus- nahmömaßnahmen der Regierung geschritten werden. Der Senat soll durch eine Gilden- und Berufskammer ersetzt werden. Heue Norwegenregierung stellt sich vor Hauptaufgabe Bekämpfung der Krise Oslo. Die neue norwegische Regierung, die bekanntlich durch den Führer der Arbeiterpartei Nygaardswold gebildet worden ist, stellte sich am Donnerstag dem Storting vor. In seiner Regierungserklärung erklärte Ministerpräsident Nygaardsvold u. a„ die neue Regierung sei eine M i n,d e r h e i 1 s r e g i er u n g, die jedoch durch den Wunsch der Bevölkerung nach wirksameren Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise unterstützt werde. Die Regierung, die sich für eine bessere Zusammenarbeit in der Industrie einsetze, werde ihr bestes tun, um auf allen Gckieten durch wirllich werteschaffende Arbeit den größtmöglichen wirtschaftlichen Erfolg zu sichern. Sie wird alle Bestrebungen unterstützen, die eine Verminderung der Arbeitslosigkeit zum Ziele haben. Die Maßnahmen der neuen Regierung. die das wirtschaftliche Leben gegen Störungen auf dem Gebiete der Währungspolitik stützen will, werden sich auf eine gesunde Finanzpolitik gründen. Koalition in Belgien? Sozialisten verhandlungsbereit Brüssel. Der Generalrat der Arbeiterpartei nahm mit allen gegen zwei Stimmen eine Resolution an, in der erklärt wird, daß die Partei an den Beratungen betreffend die Bildung einer Regierung teilnehme, die in der Lage wäre, das Vertrauen wieder herzustellen. Die Soziallsten werden allenfalls über die Beteiligung an einer künftigen Regierung verhandeln. »FREIHEIT« Krelsturnffest 19*5 Die Wirtschaftsminister bereinigen Sanierungsvorlage und Automobilsteuer Prag. Die Wirtschaftsminister befaßten sich am Donnerstag neuerdings mst der Sanierungsvorlage für die Selbswerwaltungskörper, die wegen der Differenzen im Subkomitee über den Artikel 3 neuerdings an die Regierung zurückgegangcu war. Daß die Verhandlungen günstig stehen, beweist der Umstand, daß die Vorlage bereits auf die Tagesordnung der nächsten Haussitzung am Dienstag gesetzt wurde. Der Budgetausschuß soll die Vorlage bis Dienstag msttags fertigstcllen. Auch über die zweite ziemlich umstrittene Bor- lae, die Motorfahrzeug st euer, kam es am Donnerstag— wie es heißt, über Eingreifen des Ministerpräsidenten— im Senat in dem betreffenden Subkomitee zu einer Einigung, wor- nach die Regierungsvorlage bis auf geringe Aen- derungen inderRegierungsfassung angenommen wurde. Die Vorlage wurde auch noch vom Budgetausschuß verabschiedet. Für die nächste Woche sind also beide Häuser der Nationalversammlung mit wichtigen Vorlagen versorgt. * Der Senat hielt am Donnerstag vormittags wiederum.npr,,eine.kurze Sitzung ab, in der die Vorlage über die Enteign u n g z u m Zwecke der Verteidigung des Staates ohne Debatte in beiden Lesungen angenommen wurde.— Nächste Sitzung Dienstag, den 26. März» um 16 Uhr. Tagesordnung: Novelle zur Milstärstrafprozeßordnunx(Aberkennung der Eharge, zwangsweise Pensionierung) sowie die Gesetze über die Meldepflicht und den Aufenthalt von Ausländern. Echt kommunlstlsdil Erst großes Geschrei— dann verstummen sie Vor kurzer Zeit hatten die Kommunisten eine große Aktion zur Verbilligung der Lebensmittelpreise eingeleitet und fast in der ganzen Republik Unterschriften für Petitionen gesammelt, die an das Parlament geleitet wurden. Es wurde darin eine Herabsetzung der Preise für Fleisch, Mehl und Zucker und die Zuweisung von Mehl, Kohle usw. an Arbeitslose verlangt. Die Petitionen wurden seinerzeit dem GewerbeauSschütz deS Abgeordnetenhauses zugewiesen, der den tschechischen Genossen Klein mit dem Referat betraute. Am Donnerstag referierte nun Genosse Klein über diese Peffffonen und beantragt«, sie den Ministerien für Landwirtschaft und soziale Fürsorge zur weiteren Behandlung abzutreten. Der kommunistische Klub war im Ausschuß durch die Abg. I u r a n und Novotny vertreten. Es fiel aber keinem der beiden auch nur im Traum ein, zu der von ihnen mit so großem Lärm aufgebauschten Aktion irgendwie Stellung zu nehmen. Sir saßen ganz teilnahmslos dort, als ob es sie überhaupt nichts angingr! Das war wieder einmal typisch kommunistisch: Erst ein großes Geschrei und eine groß aufgezogen«. Aktion unter der Bevölkerung, aber wenn es dann heißt, die Sache wirklich am zuständigen Ort zu verfechten, dann rühren sie sich nicht! Draußen werden sie aber sicher wieder die„Sozialfascisten" beschimpfen, daß sie diese großartige kommunistische Aktion sabotiert und verhindert hätten! Bergarbeiterproteststreik beendet Kattowitz. Nach dreitägiger Dauer wurde heute auf den Kohlengruben der Aktiengesellschaft Godulla, und zwar auf den Gruben„Gotthardt", „Litandra" und„Paul" der Proteststreik dec Bergarbeiter gegen die Bergarbeiterentlassungen beendet. 2300 streikende Bergarbeiter haben im Laufe des heutigen Tages die Arbeit wieder ausgenommen. Seite 4 Breite«, 22. März 1935 Nr.«9 Selbstmord eines jüdischen Arztes wirft Lichter auf die Klinik Schlosser Am Mittwoch hat sich in seiner Prager Wohnung der Assistent an der chirurgischen Klinik des Professors Schlosser, Dr. Joses Nach, vergiftet. Man fand, so wird berichtet, bei dem Toten einen Zettel mit den Worten: „Schlosser»nd Wenzel ha den mich in den Tod gehetzt." Ans einem zweiten Zettel steht:„W enzel lügt." Und am Rand eines Stuhls habe man von Gachs Hand noch einmal de« Satz gefmiden, drrSchlofferan- klagt. Laut den Berichten, die uns in Uebereinstim- mung mit den Meldungen der gestrigen Mittags« blätter zukamen, hat dieser Selbstmord folgende Vorgeschichte: Dr. Gach, der im 32. Lebensjahre stand, war seit mehr als sieben Jahren an der Klinik Schlaffer tätig und genoß den Ruf seines sehr tüchtigen Arztes. In der letzten Zeit hatte er bereits provisorisch die Funktionen eines Sekundärärzte S. inne, für welche Stelle vor allem er in Betracht kam. Seine Kandidatur sei aber von seinen Kollegen, insbesondere von dem Assistenten Dr. Wenzel, bekämpft, und die Kandidatur eines Herrn Dr. Marzoll gefordert worden, der sich angeblich beinühte, eine längere Dienstzeit durch Ansuchen um Anrechnung der Militärdienstzeit nachzuweisen und so dem Dr. Gach vorge- zogen zu werden. Dr. Gach habe nun am vergangenen Freitag Herrn Dr. Bartoäek, einen ihm befreundeten Prager Gymnasialdirektor, telephonisch, von seinem Zimmer in der Klinik aus. gebeten, zu erkunden, ob Dr. Marzoll ein solches Gesuch eingebracht habe. Dr. Bartosek fragte bei dieser Gelegenheit den Dr. Gach, ob gegen Dr. Marzoll etwas oorliege und ob dieser vielleicht Hakenkreuzler sei. Sofort nach Abschluß dieses Telephongesprächs stellte Dr. Wenzel seinen Kollegen Dr. Gach und behauptete. er babe beim Avhören des Telephongesprächs vernommen, daß Dr. Gach den Dr. Marzoll und alle anderen Aerzte der Schloffer-Klinik als Hakenkreuzler bezeichnet habe. Dr. Gach bestritt sofort diese Behauptung, die auch nach de' Aussage Dr. BartoZeks falsch sein soll. Aber in einer„Protestversammlung" der Klinik-Aerzt- tagS darauf unterschrieben alle diese eine Erklärung, in der sie es ablehntrn, weiter mit Dr. Gach zusammenznarüeiten. Professor Schlaffer beurlaubte daraufhin Dr. Gach aus zwei Tage, obzwar dieser gegen den falschen Inhalt der Erklärung protestierte, und am Montag nntßte Dr. Ga'ch'Unter dizsem Druck au f sein« Stell«ander Klinik verzichten. Zwei Tage später nahm er sich das Leben. Daß ein junges, hoffnungsvolles Menschenleben(dazu bestimmt, das Leben anderer zu erleichtern, zu verlängern, zu erhalten) auf solche Weise endete, macht eine Beschäftigung mit dem Falle unerläßlich. Und die Indizien deuten darauf hm, daß Dr. Gach in seelische und existenzielle Not(er war der Sohn einer armen Händlerin) gehetzt wurde» daß dann Verzweiflung ihm das selbstmörderische Gift in die Hände drückte. Es ist also ans alle Fälle unerläßlich, daß eine rigorose, unparteiisch geführte Untersuchung vorgenommen werde, die den ganzen Fall noch klarer stellt, als inan ihn schon auf Grund der vorliegenden Berichtbeurteilen darf. Diese Untersuchung ist aber uw so notwendiger, als die Vermutung naheliegt daß Dr. Gach nicht nur das Opfer gewöhnliche' Rivalität um Stellung und Wirkungskreis wurde und daß dem Telephongespräch, wie immer es sich abgewickelt haben mag. eben ganz andere Zusammenhänge und Zustände zugrundcliegen. Dr Gach war I u d«— einer der ganz wenige» Juden an der K l i n i k S ch l o f'f e r. Und eS ist stadt- und staatSüekannt, daß dort anti- iemitische Gesinnung zu Hause ist. Mit welcher politischen Gesinnung die Mehrzahl der Herren dort symparhisiert(sofern sie ihr nickt direkt angehören sollten), ist gleichfalls bekannt. Vom Rundfunk ImpfehtaMwert«* au* teil Programm««: Samstag Prag. Sender L-: 10.05. Deutsche Nachrichten, 12.10: Opernpotpourris, 13.45: Leichte Musik, 15.55: Militärkonzert, 16.40: Jugendfunk. 17.05: Klavierkonzert. 18: Deutsche Sendung: Nerda: aus dem sudetendeutschen Kulturleben. 18.10:300 Jahre: Kla- dtermustk. 18.35: Dlar Brod liest aus eigenen Werken. 22.16: Tanzmusik. Sender S.: 14.30: Chan» sonS auf Schallvlatten. 15: Deutsche Sendung: Heimische Komponisten. 15.30: Dr. Emil Franzel: Kulturrelief, 15.40: Deutsche Presse.— Brünn 10.15: Bunter Vormittag. 17.05: Leichte Musik. 17.50: Deutsche Sendung: Die schöne Amazone, wusikal. Hörspiel.-— Mähr.-Ostrau 20.20: Operette aus dem Atelier.»Der Bettelstudent“. Enquete über Rundfunkstörbcfrriung in Prag. Die vereinigten Rundfunkkorporationen in Prag veranstalten am Freitag, dem 20. März 1935, um 20 Uhr eine Enquete über die Entstörung des Rundfunkempfanges, welche im großen Saale der Städtischen Bücherei stattfindet. Einladungen sind zu reklamieren bei:„Aktion gegen Rundfunkstö- rungen" Prag I. Konviktskä ul. Nr. 5. ! Und so wird denn u: Prag," wo man um diese Dinge Bescheid weiß, angenommen, daß Dr. Gach ein Opfer des Hakenkreuztnms geworden ist. Es ist ja kein Zufall, daß Dr. Dar- tosek nach der Gesinnung jenes Dr. Marzoll gefragt haben soll, so wie es durchaus nicht verwunderlich wäre, wenn Dr. Gach, was aber von ihm und auch sonst in Abrede gestellt wurde, von den Hakenkreuzlern an der Klinik Schlaffer gesprochen haben sollte.' Wir wissen, wie es in diesen„Belangen" um die„almn mater germanica antiquissima" bestellt ist und daß so mancher dort jene Zustände herbeisehnt, die an beneideten Universitäten im Reiche herrschen. TagcsnoilglKMcii Sandsturm verwüstet Kansas N e w D o r k. Der Staat Kansas wurde von einem großen Sandsturm heimgesucht. Besonderschwer wurde der Südwesten«nd Westen von Kan- sas betroffen. Der Kraftwagen-, Eisenbahn- und Flugverkehr wurde völlig lahmgelegt. Die Telephon-«nd Telrgraphenverbindvngen sind gestört. An vielen Orten mußten auch die Schulen geschloffen werden. In der kleinen Ortschaft Palco erstickte» mehrere Kinder, da sie zuviel Sand eingeatmet hatten. Am Mittwoch nachmittags war KansaS City von dichten Sandwolken überzogen, die die Sonne verdunkrlten. Der Sandsturm wird als der schwerste seit Menschengedenken bezeichnet. Man befürchtet, daß zahlreiche Menschen den Erstickungstod gefunden haben. Die Einwohner sind überall angewiesen worden, in ihren Häusern zu verbleiben und Haustüren und Fenster mit nassen Tüchern zu verhängen. Der staatliche Statistiker vost Oklahoma schätzt den der Wrizenernte in Oklahoma zugefügten Schaden auf zehn Millionen Dollar. Weizensachverständige in Nebraska erklärten, infolge der Sturmvrrwüstun- gen Vierde eine fast völlige Neuaussaal des Wiütrrweizeus notwendig sein. Die Schlacht im New-Yorker Negerviertel New Jork. Obwohl ein starkes Polizeiaufgebot bemüht ist, weitere Ausschreitungen im New Docker Negerviertel Hartem zu verhindern, dauert der Aufruhr der Neger an. Die Geschäftsleute deS Stadtteiles, die weitere Plünderungen befürchten, haben sich an den Gouverneur gewendet und um die Entsendung von Truppen zur endgültigen Wiederherstellung der Ordnung gebeten. Der durch die Zerstörung und Plünderung von Läden und Kaufhäusern verursachte Sachschaden wird auf eine Million Dollar geschätzt. Die schwarzen Ladenbesitzer haben ihre Geschäftsräume durch Aushängen eines Plakates mit dem Wort„Vorsicht" vor der Plünderung durch ihre Rassegenossen geschützt. Einem Chinesen, der sich durch diese Maßnahme sichern wollte, wurde der Laden sofort von den Negern z e r st ö r t. Bon den über hundert Verletzten sind inzwischen ein Weißer und ein Neger gestorben, so daß die Negerschlacht vom Dienstag abends zwei Todesopfer gefordert hat. Entmenschlichender Besitz New Aork. Wie auS Greenwood,(Mississippi), gemeldet wird, mußten die Uferdämme im nördlichen Ueberschwemmungsgebiet deS Mississippi von Nationalgarde besetzt werden. Die Maßnahme hat sich als notwendig erwiesen, da an Mei Stellen bewaffnete DamnUvächter von einer Menschenmenge überwältigt worden waren, die darauf die Dämme mit Dynamit sprengte, um die Nebers chwemmung zur Rettung ihrer eigenen Felder auf fremdes Gebiet abzulenken. Spiel mit Streichhölzern... Ujhorod. In der Gemeinde Kameniee nad Uhem im UZHoroder Bezirk spielten Mittwoch abends zwei Kinder, in einer Scheune mit Streichhölzern und setzten sie in Brand. Das Feuer ergriff die Scheune und sieben weitere Gebäude, oie samt den anliegenden Scheunen, Ställen und Strohvorräten niede^brannten. Auch eine Kuh und zahlreiches Kleinvieh fiel den Flammen zum Opfer. Zwei Verhaftungen nach de« Ereignissen in Eertizna Kascha«. Donnerstag früh verhaftete' die Polizei auf dem Bahnhöfe in Kaschau zwei Teilnehmer der Ausschreitungen in Certijna, den 22- jährigen Ivan Dimum und den 24jährigen Adrej Melnikek. Melniöek gestand, daß er bei den Ausschreitungen zweimal aus einem Revower geschossen habe, den ihm sein Bruder aus Amerika gegeben hatte. Dimum gibt die Beteiligung an den Demonstrationen zu, behaup- . tct aber, an dem Angriff auf die Gendarmen nicht Und deshalb muß der Fall Dr. Gach-und die Umstände,' die an ihm mitwirkten, völlig Aargestellt werden. Lassen sich die Vermutungen nicht erhärten, dann bleibt^nichts andere? übrig, al? das Opfer zu beklagen; stellen sich aber gewisse Vermutungen als richtig heraus, dann' muß gründlich Remedur geschaffen werden. Geschwüre— da- wird man an einer chirurgischen Klinik verstehen!— müssen rücksichtslos beseitigt werden! Soben erschienen: Karl Heinz: Nadit Ober Ocsferrckh Preis KC 5.—. Bestellungen sind zu richten an die Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XII., Slezskä 13/V. Die Polizei untersucht bereits! Die Polizei geht bereits den Hintergründen des Selbstmords Dr. Gachs nach. Donnerstag begab sich em Polizeikommissär in das Gymnasium in der Geistgasse, dessen Direftor Dr. D a r t o s e k ist, um ihn über das Telephongespräch zu verhören, das er mit dem Verstorbenen hatte und das dex Grund von Dr. Gachs Abgang aus der Klinik war. teilgenommen zu haben. Beide sind nach den Ausschreitungen geflohen, verbargen sich in den Wäldern und kamen nunmehr nach Kaschau, um, wie sie behaupten, sich selbst den Behörden zu stellen. Beide wurden in die Hast des Kaschaüer Gerichtes eingeliefert. Aufstieg bis zu 25.000 Meters . Leningrad. J.r Leningrad trat der Ausschuß für den Bau des Stratosphären-Ballons „Ofoaviachim 2" zusammen. Der Vorsitzende des Ausschusses für Straiosphärenfor- schung, Dubenskij, teilte mit, daß der neue Ballon einen Rauminhalt von etwa 50.000 Kubikmetern erhalten werde, so daß ein Aufstieg bis zu 25.000 Metern Höhe möglich sein wird. Die Sträto- sphärenfahrt des neuen BallonS dürste spätestens bis zur Mitte des S o m m e r s erfolgen. Held Schuschnigg... Im französischen Parlament kam es zu einer sehr bemerkenswerten Enthüllung. Ein Abgeordneter der Rechten hatte den Ministerpräsidenten F l a n d i n wegen„des Schimpfes" interpelliert, den man dem ö st e r r e i ch i s ch e n B u ndeskanzler Schuschnigg angetan habe, indem man ihn auf einem V ie h au s la d eb ah nh o f v or Paris zum Aussteigen veranlaßte. Dies, sei nur geschehen, um Zwischenfälle mit den Sozia» listen zu vermeiden, die zu vielen Taufenden auf. marschiert waren, bereit, den Kanzler des Kano- nenchrsstentums„würdig" zu empfangen. Zur allgemeinen Verblüffung des Parlaments teiüe Ministerpräsident Flandin mit, daß man den österteMschen- Kanzler'n u f sein»n a u S* drücklichen Wunsch n i ch t am regulä» ren Pariser Bahnhof, sondern an der ominösen Viehausladestelle stbgesetzt habe. Welch' schlotternde Angst doch die Chefs der „autoritären" Staaten vor der Berührung mit dem wirklichen Volke haben-—! Di« Zeitschrift„Prager BSrsen-Eourier", Nr. 613 vom 21. März 1935, wurde wegen des Artikels„Eine neue Steuerreform" beschlagnahmt. Ein siebente- Todesopfer in Endrid. Eine der bei-den blutigen Zwischenfälle in Endröd schwerverletzten Personen ist gestern im Krankenhaufe ihren schweren Verletzungen erlegen. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer der Wählerversammlung der Kleinlandwirte-Partei in Endröd auf sieben erhöht. Zehn Jahre wegen militärischen Verrat-. Der Kaschaüer Senat verurteilte den 26jährigen Eisenbahnbeamten Koloman R a g y a k aus Budapest wegen des Verbrechens, des Militärverrätes zu zehn Jahren Zuckthaus. Ragyak wurde im September v. I. von der politischen Abteilung der Kaschaüer Polizei in Trenisova gerade in dem Augenblick verhaftet, als er an einer verabredeten, entlegenen Stelle Spionagematerial übernahm. Seine seit dem Jahre 1929 geübte Tätigkeit gestand er zu Und nannte aüch die Mili- tärpersonen in Budapest, die ihn für Spionagearbeiten gewonnen hatten. Für die Beschaffung von Material gewann er auch seinen Neffen, der bereits Heuer im Jänner vom Kaschaüer Divi- stonsgericht zu 18 Monaten schweren Kerkers ver- urteill wurde. Vom Starkstrom getötet. Aus Böhmisch- Budweis wird uns geschrieben: Am Mittwoch, dem 20. d., nachmittags wurde bei Arbeiten mit einer Bohrmaschine in den Werkstätten der Elektrizitätswerke von Mydlovary bei der Gemeinde Zliv der 39jährige Maschinenschlosser Wenzel Picha vom Starkstrom erfaßt und sofort getötet. Alle Wiederbelebungsversuche waren vergeblich. Brand bei Uzhorod. In der Gemeinde Ne- vickä, Bezirk UHHorod, die in unmittelbarer Nachbarschaft der Gemeinde Kammice nach Uhem liegt, wo Mittwoch abends durch Unvorsicht iglest zweier spielender Kinder sieben Wirtschaftsgebäude eingeäschert wurden, entstand heute vormittags in der Ortsschmiede ein Brand, durch den zwei Wirtschaftsgebäude vernichtet wurden. Auch dieser Brand wurde durch Unvorsichtigkeit verschuldet. Mit der trockenen Jahreszeit wächst die Gefahr von Bränden in Karpathorutzland. Eisenbahnanfall. Mittwoch um 13.30 Uhr entgleiste auf der Strecke von I asina nach Krälovo nad Tisou zwischen den Stationen Berlebas und Trebusany die Lokomotive des Eilzuges mit ihrer Vorderachse. Der Maschinenführer bemerkte die Entgleisung sofort und brachte den Zug zum Stehen, so daß von den Reisenden niemand verletzt wurde. Aus Jaffna wurde an die Unfallsstelle«in Hilfszug abgefertigt. der nach der Befreiung der Lokomotive den Zug nach Krälovo nad Tisou mtt einer 2^stündigen Verspätung brachte. Polnische Radelstichpakitik. Im Parlament wurde am Donnerstag«in Zusatzprotokoll zum F lu gv ertrag m' tF ra nk reich vom Dezember 1933 verabschiedet, durch das die Suv- ventionierung der mit der„A i r F r a n c e" gemeinsam betriebenen internationalen• Luftlinien teilweise abgeändert wird. Der Referent S r b a kritisierte u. a. auch die unbegreifliche Haltung Polens, das eine diretteVerbindung mit Rußland-dadurch unmöglich macht, daß es- das Ueber- fliegen polnischen Gebietes grundlos v erbietet. Die Umgehungsstrecke über Rumänien wird mit Frankreich gemeinsam betrieben werden. Von den Subventionen trägt die Tschechoflowcttei ein Fünftel mit der Beschränkung auf höchstens 4.6 Millionen. Das nette französische Riesenschiss„Normandie" Das gewaltige französische Passagierschiff„Normandie", das nach Angabe der Franzosen das größte Schiff der Well sein soll, und der Rivale der gewaltigen, bisher jedoch noch nicht vollendeten„Queen Mary" in England ist, wurde nun so wett fertiggestellt, daß es nach einer letzten Bearbeitung im Trockendock seine ersten Probefahrten unternehmen- kann.. Man sieht hier den Koloß zum erstenmal nach seiner äußeren Fertigstellung im Hafen «r. SS Srttfafc 22. März 1935 (Sette 5 Zur Förderung des Reife- und Baderverkehres Prag. Im Abgeordnetenhaus versammelte sich am Donnerstag die Parlamentarische F r em denverkehrsvereinigung unter Vorsitz des Genossen de Witte zur Beratung über unaufschiebbare Verlehrsfragen, um die kommende Reisesaison möglichst zu sichern. Nach dem Bericht des Vorsitzenden über durchgeführte Interventionen bei den Zentralbehörden erstattete Direktor Ott einen Bericht über die Aenderung in den Fahrpreisermäßigungen für Touristen. Es'wurde eine Intervention des Vorsitzenden mit den Vertretern der beiden deutschen Fremdenverkehrsverbände beim Eisenbahnministerium zwecks Wiederherstellung des alten Erlasses üher die Touristenbegünstigun- g e n vereinbart. Dir. Kraupatz begründete die Einführung weiterer Eisenbahnbegünsti- gungen für Ausländer; auch diese Angelegenheit wird im Eisenbahnministerium weiter verfolgt werden. Nach einem weiteren Bericht über die Erwiickung einer Reiselotterie für Zwecke der Fremdenverkehrsförderung erstattete Dr. Kreisel vom Reichsverband der^GastwirtegenoffenschaftSverbände ein übersichtliches Referat über die verschiedenen Gesetzesvorschläge für die Fremdenverkehrsförderung in der Tschechoslowakei, dessen Grundsätze genehmigt wurden. Einen breiten Raum in der mehr als zweistündigen Beratung nahm auch die Frage einer raschen Erwirkung von Begünstigungen für den heurigen Bäder- und Reis e- verkehr, insbesondere auS Deutschland ein. Die Abgeordneten Bacher, Kallina und de Witte wurden ersucht, namens der Bereinigung im Sinne der bekanntgegebenen Wünsche der Interessenten unverzüglich bei den massgebenden Stellen zu intervenieren. Hierauf gelangten noch Vorschläge für Erleichterungen im Grenzreiseverkehr, die vom Bürgermeisteramt Herrnskreischen vorgelegt wurden, zur Verhandlung. „SichrrheitSlektionen- für die Schuljugend. Der Autoklub der Tschechoslowakischen Republik eröffnete gestern vormittags in seiner Halle vor 200 Volksschülern und-schülerinnen die«Sicherheitslektionen für die Schuljugend". Der Vorsitzende des Autoklubs, Jng. Diölzer, legte den Zweck der Aktion dar, die unter ausserordentlicher Unterstützung der Behörden stattfindet und ein« dauernde Institution werden wird. Die Unterrichtsstunden werden vorläufig dreimal wöchentlich in den Prager Bürgerschulen abgehalten werden. Nach den hiebei gemachten Erfahrungen werden sie auch auf die übrigen Altersstufen und auf das ganze Gebiet der Republik ausgedehnt werden. Die ganzstaatliche motorijtißhe Organisation hat durch diese Aktion, für dle insbesondere die tfchechoflolvakt- schen Mütter dankbar sein werden' ihre bisherige Sicherheitsfürsorge entsprechend vervollständigt. Im Namen des Ministers für Schulwesen, der Schulbehörden, der Lehrer und der Schüler dankte dem Autoklub für diese Aktion der SektionSchef des Unterrichtsministeriums Dr. Müller. Der Leiter der Aktion, Redakteur E l st n e r, gab dann interessante praktische Belehrungen über die B e r, kehrsordnung und über die S i ch e r- heit im Straßenverkehr, wobei zur Veranschaulichung ein englischer Film«Achtung auf jeden Schritt", ergänzt durch heimische Aufnahmen, vorgeführt wurde. Nach dem Vortrag legten die Kinder das«Gelöbnis der Verkehrssicherheit" ab.— Die Eröffnung dieser Aktion wurde durch den Rundfunk gesendet und vom Radiojournal gefilmt. Rekord. Der sowjetrussische Pilot Machst- k i n legte einen Flug von Krasnojarsk nach Jgarsk, d.-V- eine Strecke von 1900 Kilometer ohne Zwischenlandung i n 7 St u n d e n 35 Minuten zurück. -Mit Rücksicht auf die kurzen Märztage in dieser nördlichen Gegend bedeutet dieser Flug im Polargebiet eine Rekordleistung. GaStod. Im Keller eines Hauses in Breslau ereignete sich am Donnerstag früh eine Gasexplosion, durch die eine Frau getötet und zahlreiche Personen mehr oder weniger schwer verletzt tvurden. Frühe Pflaumenernte in Jugoslawien. Im Parlament wurde Donnerstag ein Abkommen mit Jugoslawien genehmigt, wornach der ermässigte tschechosiowakische Zoll von 15 Kc für Pflaumen in Kisten und Körben von höchstens 20 Kilo Bruttogewicht für diese- Jahr schon vom 20. Juni statt vom!?. August an gelten soll. Zur Begründung wird angeführt, dass Heuer die Pflaumenernte in Jugosiawien, das uns ziemlich viel„bosnische.Pflaumen" liefert, früher als sonst eintreten dürfte. Die BevölkerungSanzohl Litauens belief sich am 1. Jänner 1985 auf 2,476.154 Personen(acht- gerechner find die auf dem von Polen okkupieren Teile lohnenden). Hievon waren 1,190.534 Minner und 1,285.620 Frauen. Die Haupt'md. Kaunas selbst zählte 104.038, der>5'-«n Memel 87.814 Seelen. Seine nächste« verwandten. Seit dreißig Jahren dressiert Herr Georg Steaman in Richmond (England) jeden neuen Wurf Schweine und behauptet, sie kämen der menschlichen Wesensart am nächsten, sie lieben Musik und haben Sinn für Humor.«Ich habe meinen Schweinen beigebracht, grunzend zu lachen, wenn ich eine Grimasse schneide, ausserdem trinken sie Bier, wenn ich eL ihnen befehle. Ich glaub- ich habe etwas besonderes in meiner Stimme," meint dieser seltsame Zeitgenosse. Ein neuer Messias Herr Welnllch aus Landskron will Nationalbanksouvemeur werden und 1,200.000 Menschen Arbeit beschaffen In unserem Bruderblatt«Bolkswacht" finden wir eine köstliche Betrachtung über einen n«en Messias, der in Oftböhmen und Nordmähren auferstanden ist. Wir entnehmen dieser Darstellung u. a.: Ein neuer Prophet ist der leidenden Menschheit in der Person des pensionierten Fachlehrers Weinlich aus Landskron erstanden. In mühevoller jahrelanger Forschertätigkeit entdeckte er das Mittel zur Behebung aller wirtschaftlichen Not. Er beschrstt den dornenvollen Pfad des Philosophen. Zehn Jahre studierte er mit einer Gründlichkeit, wie kein zweiter in der ganzen Republik— dies seine eigenen Worte— die verwickelte Wissenschaft der Nationalökonomie. Und nach vielen Mühen und Plagen kam er dem Grundübel, an dem die heutige Welt leidet, auf die Spur. Es heisst Schuld« und Zinsknechtschaft! Wohl hat schon in Deutschland Herr Gottfried Feder diese Entdeckung gemacht, aber Herr Fachlehrer Weinlich ist ganz unabhängig von Feder zu seinen Erkenntnissen gekommen. In einigen Orten Nordmährens fanden nun von einem ominösen«Schuldnerschutzverband" einberufene Versammlungen statt, in denen Herr Weinlich seine Theorie von der Rettung der Menschheit entwickelte. Eine solche Versammlung wurde letzten Sonntag im Bärner katholischen Vereinshaus abgehalten, die von Leuten, welche Interesse an der Streichung ihrer Schulden haben, ziemlich' stark besucht war. Herr Weinlich stellte sich schon in den einleitenden Worten als grösste Autorität auf dem Gebiete der Volkswirtschaft vor und gab den darob erstaunten Zuhörern dazu nocy bekannt, dass die Bewegung des von ihm ins Leben gerufenen Schuldnerschutzes wie«ein Sturmwind durch die deutschen und tschechischen Gefilde der Republik wehe". Bescheidener scheint Herrn Weinlichs schwache Seite nicht zu sein. In zweistündigen Ausführungen entwickelte er eine Theorie, gemischt mit Federschen Gedankengängen, Zutaten aus dem Marxschen„Kapital" und dem Lassalleschen Arbeiterprogramm. Das ganz« nannte er dann das»Programm des.Schuldnerschutzes'", von dessen Durchführung Aufstieg und Ilntergang der Welt abhängt. Sein«Inhalt" ist etwa folgender: An der ganzen Krise sind die ganzen Schulden und die Zinsen schuld; die die Menschen bezahlen müssen. Wenn man nun samt» liche Schulden.streichen würde, würde das Kapita», das auf diese Weise frei wird, der Vollswirtschafk zufliehen, was eine allgemeine Belebung des Wirtschaftslebens nach sich ziehen müßte. Herr Weinlich rechnete den erstaunten Zuhörern vor, daß in der Tschechoslowakei, würde diese Maßnahm« durchgeführt, nicht weniger als 1,200.000 Men» scheu Arbeit und Brot bekämen. Also, will mau die Arbeitslosigkeit erfolgreich bekämpfen, dann müssen vorerst die Schulden vom Papier verschwinden! In Broschüren und Eingaben habe er den Finanzminifter und den Gouverneur der Nationalbank als auch die politischen Parteien auf seine epochalen Forschungen aufmerksam gemacht, leider aber keine Anerkennung gefunden. Er sehe sich daher genötigt, an die Oeffentlichkeit zu gehen und von ihr zu verlangen, daß sie sich zu seinen Forderungen bekenne. Die Versammlung war auch sonst noch interessant. Man vernahm nämlich, daß Herr Dr. Spina seine Ministerschaft dem Herrn Weinlich zu verdanken habe, weil Weinlich schon vor elf Jahren die Regierungsbeteiligung vorausgesehen habe und in der Regierung einen Menschen wissen wollte, der nicht nur deutsch und tschechisch könne, sondern auch die Fähigkeit besitze, die ImSchotzederKoalitiongeheimge» führten Gespräche intuitiv zu erfassen— was nicht jeder könne. Dadurch, daß er in der Wahlkreiskonferenz des BdL diese Gesichtspunkte in den Vordergrund bei der Auswahl der Kandidaten stellte, habe heute Dr. Spina seine Ministerschaft ihm zu verdanken. Herr Weinlich schlug noch weiter vor, aus der Mitte der Versammlung ein Dankschreiben an die Redaktion des «Dorfboten" zu richten, da dieser das einzige Blat» sei, das seine Artikel abdruckte, während alle anderen Zeitungen den Abdruck mit der Begründung, er wäre zur Veröffentlichung nicht geeignet, ablehnten.■ Den Clou seiner kuriosen Rede bildete die Mitteilung, daß er von verschiedenen politischen Parteien angegangen worden ist, zu kandidieren, er aber nurunterderBedingungkan- didieren werde, we n n man ihm den Po st en des Finanzministers oder dendesNationalbankgouverneurs anbietet. Billiger macht er es nicht! Es sollte uns nicht wundern, wenn der neue Messias, als der sich der Herr Fachlehrer Weinlich vorstellt, bald in der Sudetendeutschen Heimatfront austauchen würde! Mill. RM rvllV4.ll.il***•'***!***»*•**~ I XZ land es. Ein niedriger Lebensstandard der Ange-1 mitteleuropäischen Ländern. 9409,1 2508,8 1183 Mill. Mill. Mill. Mill. schwebende Schuld Steuergutscheine Arbeitsbeschaffungswechsel mindestens Das ergibt zusammen I stellten und Arbeiter und eine große Erwerbslosigkeit' erschwerten das Vorgehen der Gewerkschaften. Es kam hinzu, daß'feit 1929 der Parlamentarismus liquidiert worden ist und die Bewegungsfreiheit der Gewerkschaften eine starke Beschränkung erfahren hat. Die Unternehmer nutzten ihre Vormachtstellung weidlich aus. In ihrem schweren Abwehrkampf haben die Gewerkschaften neuerdings ein Aktionsprogramm proklamiert, bei dem sie sich auf drei Hauptfragen konzentrieren. Als Ausgangspunkt der neuen gewerkschaftlichen Aktion diente eine Enquete der Ar- beiterkammern, die Ende Jänner in Belgrad eine bedeutsame Tagung abgehalten haben, auf der auch die zuständigen Ministerien und Behördeo vertreten waren. Die Gewerkschaftsführer Bogdan K r e t i e, Jobo I a k s i c und Filip U r a t n i k hielten die Hauptreferate über: Einführung von Minimallöhnen, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und Soziale Gestaltung der Steuern. Gegenüber einem katastrophalen Absinken der Löhne, der Schwächung der Maffenkaufkrast und der Einengung der Or- ganisationSfreiheit fordern die Gewerkschaften ein Gesetz zur Errichtung eines Ausschusses für die Bekämpfung der unlauteren Konkurrenz und des Mißbrauches der Minimallöhne in bestimmten Branchen. Zur Neberwindung der Arbeitslosigkeit wird die Durchführung öffentlicher Arbeiten, die Auflegung einer inneren Jnvestitutionsanleihe, Kleinwohnungsbau und ein Ausbau der Metallindustrie gefordert. Vor allein käme für die passiven Gebiete der Bau von Straßen, Brücken und Eisenbahnen in Frage. Für die Arbeitslosenunterstützung wird die Verlängerung derUnterstützungs- dauer auf 20 Wochen und die Bereitstellung ausreichender Mittel an die Arbeitsbörsen verlangt. Zur Erleichterung der Gestaltung der öffentlichen Arbeitslosenunterstützung soll bestimmten Bauerngruppen das Recht eingeräumt werden, ihre Steuern in Naturalien zu entrichten, die dann wiederum als Naturalunterstützung an die Arbeitslosen gewährt werden. Die Reform der Steuern soll die übermäßige Belastung der Arbeiter und Angestellten regulieren. Den Gemeinden und Banovinaö wird das Recht gegeben, besondere Sozialzuschläge zu erheben, zu denen alle Gesellschaftsklassen herangezogen werden. Die Gewerkschaften haben ihre Forderungen den Ministerien durch eine besondere Deputation überreicht. Diese gross angelegte gewerkschaftliche Aktion der südslawischen Angestellten- und Arbeiterbewegung bedeutet einen Wendepunft in der Tätigkeit der Geloerkschaften, die mit positiven Vorschlägen in das gestörte Wirtschaftsgetriebe unmittelbar eingreifen. Ihre Aktwität verdient die Aufmerksamkeit aller Gewerkschaften in den Gewerkschaftliche Aktivität in Jugoslawien Die freien Gewerkschaften hatten durch die letzten Wahlen zu den Arbeiter- und Angestelltenkammern im Oktober 1933, bei denen sie ihre Gegner mit 100.000 gegen 40.000 Stimmen besiegten, einen starken Auftrieb erhalten. Seit jener Zeit haben unsere südslawischen Bruderverbände in zäher Arbeit einen Teil des durch Wirtschaftskrise und Sozialreaktion verlorengegangenen Terrains zurückgewinnen könUen. Südslawien zeigt die besonderen Zeichen der Krise eine? typischen Agrar- Veikswirtschaft und Sozialpolitik Deutschlands gewaltige Schuldenlast Heber das riesige Ausmaß der Verschuldung des Dritten Reiches hat das Ausland keine volle Klarheit. Die gesamte Finanzwirtschaft, richtiger Finanzmißwirtschast der Hiüerregierung entzieht sich jeglicher Kontrolle. Nur gelegentlich ist es möglich, die ungeheure und immer noch wachsende Schuldenlast wenigstens ungefähr festzuftellen. So werden jetzt bei der Besprechung des jüngsten Kreditermächtigungsgesetzes, das sich die national- sozialisttsche Regierung selbst gegeben hat, im „Deutschen Volkswirt" folgende Ziffern für die öffenüichen Schulden Deutschlands genannt: < Fundierte Reichsschuld 1700 dazu Schatzanweisungen « « « 5000 19.900,9 Millionen Reichsmark. Dazu sind nach den Angaben des „Deutschen Volkswirt" noch lleinere Beträge hinzuzurechnen. Nehmen wir sie insgesamt mit 500 Millionen RM an, so beträgt die Reichsschuld 20,5 Milliarden RM. Dazu kommen nun noch die Schulden, die die Länder und Gemeinden haben. Sie betrugen nach den Angaben des Statistischen Jahrbuches für das Deutsche Reich am 31. März 1934 insgesamt 14,5 Milliarden RM. Es erreicht demnach die öffenüiche Verschuldung des Dritten Reiches die Höhe von 35 Milliarden RM oder rund 850 Milliarden Kronen. Trotz dieser phantastischen Höhe wird die Pumpwirtschaft von der nationalsozialistischen Reichsregierung fortgesetzt. RM RM RM RM Deutsche Gelehrte im Exil Der Nationalsozialismus wandte, konsequent in seinem Streben nach Totalität, seine polüischen und. rassischen Prinzipien auch auf die Univer- sitäten an. Damit setzte eine Auswanderung von Professoren und Studenten ein, wie sie in diesem Ausmasse in der Geschichte noch nicht da war. Das harte Los der Auswanderer, die die Stätten jahrzehntelanger Forschung mit der Fremde vertauschen mußten, wurde durch die Welttvirtschaftskrise verschärft, die auch im Westen Europas und in den überseeischen Ländern, wenn auch nicht in dem Maße wie in Mitteleuropa, den akademischen Arbeitsmarkt in Mitleidenschaft zog. Es war darum unmöglich, die vertriebenen Gelehrten ohne außerordentliche Massnahmen, ohne die Schaffung zusätzlicher Arbeits- und Forschungsstellen unterzubringen. Wie versucht wird, diese schwierige und heifle Frage zu lösen, zeigt Professor ErneftBarkerin einem aufschlußreichen Artikel in der Märznummer der»Contemporary Review". Insgesamt verliessen etwa 3000 Menschen die deutschen Universitäten; von diesen waren 1300 Professoren und andere wissenschaftliche Arbeiter, der Rest Studenten, die ihre Studien noch nicht beendet hatten. Für die erste Gruppe sorgt im wesentlichen das Academic Assistance Council(Akademischer Hilfsrat), für die Studenten der International StudentS' Service(Int. Studentendienst). Es war natürlich am schwierigsten, die älteren Professoren unterzubringen, bei denen eine Umschulung einen grossen Verlust für die Wissenschaft bedeutet hätte und auch aus verständlichen Gründen unmöglich war. Unter ihnen ist die naturwissenschaftliche Gruppe am stärksten, nach ihr kommt die der Rationalökonomen, Juristen und Philologen. Da die wenigsten von ihnen Privatvermögen besaßen, handelte es sich vor allem darum, die notwendigen Mittel aufzubringen, die über die erste Zett hinweghelfen sollten. Das Academic Assistance Council brachte im vergangenen Jahr£ 13.000 für diesen Zweck auf, der Studentendienst£ 4000, zusammen also etwa 2,000.000 KL. Die eigentliche Aufgabe der beiden Organisationen bestand aber darin, auf die Schaffung neuer Lehrkanzeln und Forschungsinstitute hinzuarbeiten, die den ausgewanderten Gelehrten und den Befähigtesten.unter den Studenten die Weiterarbeit ermöglichen konnte. Trotz der grossen materiellen Schwierigkeiten und des anfänglichen Mißtrauens der einheimischen Akademiker, die ihre Karriere gefährdet glaubten, gelang es doch, für eine große Anzahl von deutschen Dozenten einen neuen Wirkungskreis zu finden. Am g a st f r e u n d l i ch- st e n zeigte sich England, das nicht nur einem grossen Triller Gefthrten einen vorübergehenden Aufenthalt ermöglichte, sondern auch 17 8 Gelehrte an britischen Universitäten unterbracht«, in London allein 67. Die Vereinigten Staaten nahmen 58 auf, Frankreich 41, die Türkei 33, Holland 26 und Palästina 17. Die notwendigen Mittel wurden durch private Stiftungen und Sammlungen aufgebracht; alle Dozenten der— linksstehenden— London School of Economics verzichten z.' B. für drei Jahre zugunsten ihrer deutschen Kollegen auf einen Teil ihres Einkommens. Da- mit wurde wenigstens ein Teil der vertriebenen Wissenschaftler vor der Rot bewahrt und verhindert, daß die Summe von Talent und wissenschaftlicher Technik, die diese Männer verkörpern, verloren geht. Doch das ist nur ein Teil derer, die als Notleidende Hilfe, als bedeutende Gelehrte die Mög- lichkeit; ihre Arbeit fortzusetzen, erwarten dürfen. Hier genügen nicht Einzelorganisationen, hier reichen private Mittel nicht aus, die versiegen werden, wenn der erste Enthusiasmus verflogen ist. Hier ist eine Aufgabe für den Völkerbund. Der soeben erschienene Bericht des Völker bund-Hochk 0 m m i s- s ä r s MacDonald erweckt nicht den Eindruck, als ob mehr als informative Arbeit, geleistet worden wäre. Gerade in der Zeit des Polstischen und wirtschaftlichen Nationalismus kann eine so heifle und kulturell so bedeutsame Frage nur international gelöst werden durch zwischenstaatliche Abkomnten, durch internationale Dotationen, Organisation und Information. Die Ge- schicht hat gezeigt, dass emigrierte Gelehrte nickt nur das Geistesleben befruchteten, sondern auch die Einführung neuer Wirtschaftszweige anregten. Es läge also auch im wirtschaftlichen Interesse der einzelnen Staaten, sich der exilierten Wissenschaftler anzunehmen. Darüber hinaus ist es eine Pflicht der Demokratie. Die Freiheit zu gewähren, denken, reden und schreiben zu können was man für richtig hält, kann nur dann einen Sinn haben, wen sie auch die Verpflichtung umfasst, denen zu helfen, die wegen der Ausübung dieser Freiheit verfolgt werden. Die Gewissheit, dass solche Hilfe gewährt wird, muss denen Mut geben, die an?- sprecken, was sie für wahr und richtig halten. Es ist kein Zufall, dass unter denen, die diese doppelte Pflicht, zu sprechen und zu helfen, erfüllen, Sozialisten in der ersten Reihe stehen.—Y. Ihre Blume« dürsten nach dem gutem Blumen-Zauberdung 1 Paket mit Postzusendung K6 5*80 durch Lermaltung ,Frauenwelt". Prag xn, Fochoo» 62 Seite 6 „Sdriakbemokral" Freitag, 22. MSrz ISIS'. Nr.«9 PRAGER Aufstand um Salami Die Negerrevolte in Haarlem"hat Mittwoch in Prag eine groteske Parallele gehabt. Nach 6 Uhr abends erwischte der Selcher Jan Skäla, Prag II., Zlatnickä 9, einen jungen Burschen, der eben aus der Auslage Salami im Werte von 23 KL entwendet hatte. Der Bursche wurde in den Laden geführt und sollte auf sonstige etwa gestohlene Waren untersucht werden, als seine Kameraden vor dem Geschäft die Passanten aufzureizen begannen und stürmisch ans „soziale Gefühl" appellierten.„Laßt ihn los!"„Um ein Stückchen Salami werdet ihr ihn nicht einsperren!" ertönte es bald in Sprechchören vor dem Laden. Ehe man es sich versah, hatte sich eine Menge von über 100 Personen vor dem Selchergeschäft angesammelt, so daß der Polizist, der den Dieb hatte sicherstellen wollen, Verstärkung erbitten mußte. Das aber brachte die Menge vollends in Wut; sie zertrümmerte die Ladentür und warf sich auf den Selcher und seine Schwester, die Ohrfeigen und Kratzwunden im Gesicht erhielten. Während dieses Tumultes gelang es— ganz wie in Haarlem— dem kleinen Ladendieb, zu verschwinden. Allmählich zog sich auch die Menge— 180 Personen, wie später festgestellt wurde— wieder zurück, nur der 23jährige, wohnungslose Maschinenschlosser Karl Macal blieb auf dem Kampfplatz, behauptete aber, nicht zu wissen, wer den ganzen Rummel angestiftet hatte. Donnerstag wurde nun auch der Salamidieb selbst in der Person des 19jährigen, wohnungslosen Bäckergehilfen Antonin Slezäk festgestellt. Vier seiner Kameraden wurden ebenfalls verhaftet. Sie gestanden, den Exzeß angestiftet zu haben und auch als erste in den Laden eingedrungen zu sein. Sie alle find der Polizei wegen verschiedener kleiner Ladendiebstähle bekannt; Macal und Slezäk hatten übrigens knapp vor der Salami-Affäre in Straschnitz 12 Paar Strümpfe und in Weinberge Stiefel gestohlen. Alle fünf wurden nach Pankratz eingeliefert. LenchtgaS. Donnerstag früh wurde die 35jäh- rige Hausgehilfin Antonie Eizkovflä aus Smichov von ihrer Dienstgeberin in der Küche, die stark mit Leuchtgas angefüllt war, bewußtlos aufgefunden. Ob es sich um einen unglücklichen Zufall oder einen Selbstmordversuch handelt, ist nicht festgestellt. Die Eizkobskä wurde auf die Klinik Prof. Pelnär gebracht. Einen Ski-Sonderzug nach Johannisbad fertigen die tschechoslowakischen Staatsbahnen diesen Samstag für 75 Ke ab. Im Preise ist der Autobus, di« Uebernachtung, frühstück und Versicherung inbegriffen. Anmeldungen mit Angeld täglich im Basar neben dem Wilsorwahnhof, Telephon 383-35. Die Jahres- und HalbSsahrSkarten, die ab 1. April 1955 gültig find, gelangen in der Ausgabestelle des Masarykbähnhofes in den AmtSstun- den von 8 bis 14 Ubr, an Samstagen von 8 bis 12 llhr bereits zur Ausgabe. Gcrichtssaal Das grauenhafte Martyrium eines Kindes Die eigene Mutter brach ihm Arm« und Beine. Prag. Die 26jährige Kutschersgattin Anna Strebl aus Mokropsy hat drei Kinder. Das älteste ist fünf Jahre alt, das jüngste noch im Säuglingsalter. Diesem Letztgeborenen bringt die Mutter die zärtlichst« Liebe entgegen, während fie ihre zwei älteren Kinder^ehr schlecht behandelt. Namentlich der heute dreieinhalb Jahre alte Franz wurde von seiner Mutter geradezu gehaßt.' Donnerstag hatte sich diese sonderbare Mutter wegen schwerer Körperletzung, begangen am eigenen Kind, vor dem Straffenat Ma- ZEITUNG rekek zu verantworten. Die Verhandlung enthüllte Dinge, die die Zuhörer mit fiefster Empörung und Abscheu erfüllen mußten. Warum diese Frau ihrem Jungen einen so unnatürlichen Haß entgegenbrachte, bleibt unklar. Alle Zeugen bestätigten übereinstimmend, daß der Kleine die Hölle auf Erden batte. Die- Angeklagte machte aus ihrem Haß gegen das Kind kein Hehl und äußerte sich mehrfach Nachbarinnen gegenüber, fie müsse „den Balg umbringen". Das waren keine leeren Wort«, das Kind schlich völlig verängstigt umher und Gesicht und Körper waren meist mit blauen Flecken, blutigen Striemen und Beulen bedeckt. Die Mutter trakfierte es mit Faustschlägen und Fußtritten und ersann zuweilen ganz unglaubliche Quälereien. Einmal setzte sie das damals etwas über zwei Jahre alte Kind auf einen größeren Nachttopf und drüÄe es mit solcher Gewalt in die Oeffnung, daß es mit dem Gesäß stecken blieb und sich nicht befreien konnte. Mit empörten Worten schilderte eine Zeugin, wie der arme Kleine nachvie- len Stunden aufgefunden wurde. Er war mitsamt dem Nachtgeschirr umgekippt und steckte immer noch kotbesudelt in der unappetitlichen Falle. Das Kind war, verweint und völlig entkräftetem tiefen Erschöpfungsschlaf verfallen. Ganz grauenhaft aber war der Anlaß, der die Nachbarin am 2. April v- I. endlich dazu bewog, Anzeige zu erstatten. Es war aufgefallen, daß der kleine Franz die Arme nicht bewegen konnte. Man brachte ihn zum Arzt, der feststellte, daß beide Arme, ein Fuß und daS Schlüsselbein gebrochen waren. Diese schweren Verletzungen waren Folgen der mütterlichen Mißhandlungen. Die Angeklagte war übrigens auch der leichten Körperverletzung an ihrem ältesten Sohn, dem fünfiährigenZ dell ö k, angeklagt, den sie mehrfach blutig geschlagen hat. Sie gab di« durch die Zeugen festgestellten Mißhandlungen zu. Ihre einzig« Verteidigung bestand darin, daß sie.nervös" sei,woran angeblich ihr Mann die Schuld trage, der sich öfter be trinke. Die.Nachbarn erklärten aber einstimmig, den Mann niemals oetrunken gesehen zu haben. Es scheint eher, daß dieser ganz unter der Herrschaft seiner Frau stehl, die. sogar seinen Lohn zu beheben pflegte. Da ihn tagsüber sein Dienst von seiner Häuslichkeit fernhielt, wußte er nichts von den Mißhandlungen der Kinder. Der, Gerichtshof verurteilte die Angeklagte zu sechs Monaten schwere« und verschärften Kerkers,«nd zwar unbedingt» obwohl sie bisher wohlverhälten war. Beim Strafausmaß wurde berücksichtigt, daß fie für die Familie zu sorgen hat, sonst ioäre die Strafe Wohl schwerer ausgefallen. Das mißhandelte Kind wurde der Obhut seiner Mutter natürlich entzogen. rb. Konst und wissen Spielplan des Neuen Deutschen Theater?. Heute Freitag halb 8 Uhr: Hinter Mauern, D 2.— Samstag hab 8: Figaros Hochzeit, Gastspiel Willy Domgraf-Faßbänder, A 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Frettag 8 Uhr: Gentlemen.— Samstag 8 Uhr: Mädchen für alles. Der Film Werdende Filme. Rene Clair hat in London mit der Arbeit an seinem neuen Film begonnen, der in englischer Sprache erscheinen wird. Als Vorlage dient ihm der satirische Roman„Mr. Tristrom reist nach Westen". Der in der Rolle Heinrichs Vlll. bekannt gewordene Charles Laughton wird ein« der Hauptrollen spielen.— Der aus Deutschland emigrierte Regisseur Max Ophüls(der Schöpfer des „Liebelei"-Films) dreht in Paris einen Film„Dir Göttliche" nach einem Manuskript der Dichterin Colette.— In Hollywood wird ein neuer Film mu Katherine Hepburn gedreht(deren letzter Film„Der kleine Minister" in Prag noch unbekannt ist). In diesem Film, der„Gebrochene Herzen" heißt, sollte der aus Prag stammende Schauspieler Franz Lederer die männliche Hauptrolle spielen,, ist aber(angeblich wegen eines Streite? mit Katherine Hepburn) im letzten Augenblick durch Charles Boyer ersetzt worben, der in dem französischen Film„Die Schlacht" bekannt wurde. Einladung S«r Generalversammlung des BezirkSvereineS ArbeitcrfLr- sorge Prag am 29. März 1935, um 8 Uhr abends im Berein deutscher Arbeiter, Smräla- gaffe 27. Tagekardnnng: 1. Protokollvcrlrsung. 2. Berichte. 3. Wahlen. 4. Freie Anträge. Einberufrr: Maria Deutsch, Hilde F r a« z e l, B-rsitzendr. Kassierin. Sport• Spiel• Körperpflege Tie Auswahl der holländischen Arieiterfußl.,1. ler für den Länderkampf mtt Belgien bereitet anscheinend der Verbandskommission große Socgriu Naoh einer Reihe vcn Probespieler. nominierte sie für letzten Sonntag eine Auswahlmannschaft ron Amsterdam, welche mit jener von Nordholland spielte. Die Ueberraschung bildete die unerwartete und Hobe Niederlage oer Amsterdamer mit 5:1(4:1).'aH« Nordmannschaft lieferte eine gute Partie wählend bei Amsterdam nur wenige Spieler gefallen konnr.-n. Das in Utrecht ausgetragene Auswahlspiel en^-te 3:1-(1:0). Tie Kommission wird nun noch Pro bespiele ansetzen und dann ihre endgülttge Entscheidung tteffen. Danziger Arbeitersport. Der Sportplatz am Troyl hatte, am Sonntag wieder Massenbesuch, wie ihn die Gleichgeschalteten nur sehr selten aufzu^.eisen haben. Die Arbeiterfußbal er'rügen Kvei wichttge Spiele der ersten und zw-tt-n Klaffe aus. FT Schidlitz siegte nach spannendem Spiel über das-unktegleiche Bürgerwiesen mit 7:4 (2:3) und hat damit Aussichten auf den Meist»r- tttel der ersten Klaffe. FSK Stern schlug im Mei- sterschaftSkampf der zwetten Klasse Plehnendorf mit 3:0(1:0) und ist ebenfalls Anwärter auf den Tirel. — FT Schidlitz hatte überhaupt mit seinen Mannschaften Freude. Die zweite Mannschaft gewann gegen die von Bürgerwiesen 3:1 und mit dem gleichen Ergebnis siegten die Knaben über Bar Kochva Knaben.— Im Handball gewann in der er- en Klaffe FT Langfuhr gegen FT Schidlitz 9:2<3 und Frssch auf Troyl 2 siegte in der zweite» Klass« mit 4:2(2:1) über die Wafferfrem.de. In ein.m Freundschaftsspiel der dritten Mannschaften von Bar Kochba und FT Danzig blieben die ersteren mit 10:0 erfolgreich. Los der Partei Fraurnbczirkskomitce. Wichtige Sitzung am Freitag, dem 22. März, um 7 Uhr im Parteiheim. Fest-Akademie em 6. April 1935, 8 Uhr abonds, großer Radioseal Gymnastik, Turnen, Gesang, Orchester• Nachher Taus Urania-Kino, Klimentshä 4. Fernsprecher 61623. Ab^rritaq: Ihr größter Erfolg Herrlicher Wiener ftilm mit Martha Eberth, Wshlbrüik ufw. Albert Baffermann«nd Michiko Meinl Der bekannte deutsche Schauspieler spielt als Partner der japanischen Sängerin die Hauptrolle in dem Wiener Film Letzte Liebe", der im Laufe des nächsten Monates zur Uraufführung gelangt. Kolonialfttm Von Ruth Körner. Auch Indien ist ein Land der aufgehenden Sonne. Aber noch steht fie unten am Horizont und beleuchtet mit schrägen Strahlen den Lebensweg Subhendra Nath Trivedis. Subhendra ist Kontraftarbeiter. Hunger und Not trieben ihn aus dem Dorf. Er kam nach Bombay. In einer der Matrosenschänken fiel er dem Anwerber des Pflanzentrustes in die Hände: Stellung! Ein Vertrag! Subhendra bestätigt ihn durch Fingerabdruck. Auf fünf Jahre. Subhendra fährt zum erstenmal im Leben Eisenbahn. Um ihn sind Menschen: Der uralte Brahmane, der nach Benares reist: die Götter! Ein Bad im Ganges! Sterben — mit den Füßen im heiligen Wasser. Das bringt Wiedergeburt als Kuh oder ewige Seligkeit. Der kleine Grundstückvermittler: Besitz! Verpachten! Die Riots sind sehr arm?— Gewiß. Aber ein paar Rupies, einige Kilo Reis lassen sich noch aus ihnen schinden. Der Obdachlose: ohne Fahrkarte. Wird er gefunden, verhaftet, so ist ihm das Gefängnis zur Erlösung. Der stumme Beobachter: ein Spitzel des Geheimdienstes. Der Gandaist: Versöhnung zwischen Arbeitgebern und-Nehmern sichert allen den Wohlstand. Sanftmut ist am Platz. Der Arbeiter, der zu einem Meeting nach Lahore fährt: Kampf den Kapitalisten! Kamvf dem Aberglauben! Enteignung der Großgrundbesitzer! Beseitigung der imperialistischen Vorherrschaft! Errichtung einer freien Republik! Subhendra hört— und denkt, lieber der Landschaft— fahl, am Horizont— steht die Sonne. Subhendra arbeitet in der Plantage. 16 Stunden am Tag. Er rupft Blätter, sortiert sie, trägt sie in die Fabrik. Er ist allein, ohne Freund, ohne Mädchen. Doch eines Tages schickte der gütige Plantagenherr aus der Stadt 40 Frauen auf je 100 Männer. Es gibt Streit. Abends schleppen vierzig von hundert ihre Beute heim. Subhendra Nath steht abseits. Allein. Und denkt. Dann arbeitet Kharshela neben ihm. 16 Stunden am Tag. Sie rupft Blätter, sortiert sie, trägt sie in die Fabrik. Langsam beginnen die beiden einander zu betrachten. Zu lieben. Werden sie heiraten?— Nein. Das verbietet der Kontrakt. Der weiße Aufseher— die Peitsche in der Hand, den geladenen Revolver in der Tasche— verfolgt Kharshela mit Anträgen. Zwingt sie, mit jhm zu gehen. Das erlaubt der Kontrakt. Um Subhendra Nath und Kharshela arbeiten noch tausende von Pflückern. Auf den Plantagen von Assam, von Darjeeling, in den blauen Nil- giribergen arbeiten mehr als eine Million. Männer, Frauen und Kinder. Wohnen in Erdlöchern. Essen täglich kaum eine Hand voll„dal". Viele trinken toddy; die meisten rauchen Opium. Das kostet Geld. Die Einnahmen des banja steigen. Die Leistungskraft der Werktätigen sinkt.— Die Sonne steht am Horizont. Monabendra, der arme alte Kuli bricht zusammen. Der Antreiber scklägt ihn mit dem Gummiknüttcl. Er röchelt. Aus seinem Mund fließt Blut. Hiebe! Unruhe entsteht. Mehrere Leute eilen ihm zu Hilfe. Ein Pfiff. Werkspolizei erscheint. Stöße mit Kolben. Bajonettstiche. Die Unruhe verstärkt sich. Schüsse fallen. Der weiße Sekretär des Pflanzers erscheint persönlich; leitet die Aftion. Die Arbeiter werden zu Paaren getrieben. Ausgepeitscht. Einige„auf der Flucht" erschossen, Subhendra Nath steht abseits. Denft. — In den entlegenen Teilen der Plantage wird gearbeitet; man hatte nichts erfuhren. Aber die Sonne ist im Steigen. Während der Nacht werden die Verwundeten geborgen, die Toten eingescharrt. Subhendra schleicht umher; verbreitet die Kunde vom Gefecht. Polizisten schleichen umher; schießen auf Schatten in der Dämmerung. Es werden Zäune aus Stacheldraht errichtet und eleürisch geladen. Wachen werden posttert. Maschinengewehrstände eingerichtet. Aber die Sonne steigt. Sie beleuchtet das Meeting in Lahore. Die Verteilung von illegalen Druckschriften in Cawn- pore. Der Beginn des Textilarbeitergeneralstreiks in Ahmedabad. Die Eisenbahnerkämpfe in Nan- didrug. Den Aufstand der Bauern in Bardoli. Die Blitzdemonstrationen in Kalkutta. Subhendra schleicht umher. Organisiert. Schon arbeitet die Nachrichtenzentrale. Schon sammeln die Kulis Waffen: Messer, Steine. Aus dem Haus des Pflanzers wird Dynamit gestohlen. In das Arsenal der Wache wird eingebrocben. Gewehre find entwendet, ein MG, Munition. Alles ist vergraben. Die Sonne steigt. Was war der Anlaß?— Die Pflücker verlassen ihre Plätze. Die Arbeiter strömen aus dec Fabrik. Formieren sich zu einem Zug. Bewege^,- sich zum Lohnbüro:-Wir fordern...! Eine r