F Sonntag, 24. März 1935 15. Jahrgang Nr. 71 lENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Elizilprels 70 Helfer (einschließlich 5 Heller Forte) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und vwwaltung präg xiu fochova«. telefon non. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR* DR. EMIL STRAUSS, FRAG. ging die völlige Solidarität bttM* n kSnneund ihnen Widerstand entgegensetzen u...«j„ A j”„.„„ 3« stärker der Frieden bedroht werde, nm egierungen fefta®-1 fo enger müßten sich diejenigen Staate«, die sich sTettr. fä( hm Krieden eintet!en.»nsammenkcklieüen HsKrssnz lNI In Italien mobilisiert geklärt wurden. Der Umstand, daß ein Beschluß über das Datum der Einberufung der nächsten Konferenz der Außenminister dieser drei Großmächte gefaßt wurde, wird an Pariser politischen Stellen als Zeichen ausgelrgt, daß die englischen Minister dem Geiste und Buchstaben der römischen Besprechungen und der Londoner Erklärung treu bleiben und in Berlin keine Entscheidung treffen werden, die ans dem Rahmen der darin enthaltenen Grundsätze und Berpflichtungeu fallen würde. für den Frieden einsetzm, zusammrnschliehrn. Im weiteren Verlauf seiner Rede erklärte Baldwin:„Ich wünschte aus vielen Gründen, daß die Fliegerei niemals erfunden worden wäre. Aber sie ist erfunden worden und wir müssen sie irgendwie christlich gestalten. Es wäre ganz leicht, alle Militärflugzeugstreitkräfte in der Welt abzuschaffen. Es würde dann nur die gesamte Verkehrsfliegerei bestehen bleiben. Leider zweifle ich daran, ob irgendeine Nation sich bereit erklären würde, die Militärfliegerei abzuschaffen, bis sie völlige Klarheit hat, was geschehen würde, wenn irgendein Land die VerkehrsfliegerA mißbraucht." An informierten politischen Stellen wird er- klärt, daß die französtsch-euglisch-italienischen Besprechungen den Charakter eines offenen Mei- nungsaustauschcs zwischen den Bertretern der drei Großmächte über den Widerhall des deutschen Schrittes vom letzten Samstag und über die Maßnahmen hatten, die zur Verbürgung und Auf- rrchterhaltnng des Friedens getroffen werden müssen. Dieser Meinungsanstausch hatte in seiner Offenheit einen sehr freundschaftlichen Charakter und war f e h r n ü tz- l i ch, weil durch ihn viele strittige Einzelheiten Paris. Die Besprechungen des französischen Außenministers Laval mit dem englischen Minister Eden und dem italienischen Unterstaatssekretär S« v i ch haben um 11 Uhr 20 begonnen und wurden nach einem Dejeuner am Nachmittag beendet. Am Schluß der Besprechungen ist folgende amtliche Berlauttarnng ausgegeben worden: „Außenminister Laval, Lordsiegelbewahrer Eden«nd Anter- staatssekretär S u v i ch sind Samstag am Quai d'Orsay zusammengetroffen und haben einen Meinungs- austausch über die allgemeine Lage vorgenommen. Zm Laufe der Aussprache ist daran erinnert worden, daß der Besuch der englischen Minister in Berlin einen Informationscharakter hat«nd daß der Rahmen und der Gegenstand ihrer Besprechungen dem entspricht, was in der Londoner Verlautbarung vom 3. Feber ausgemacht worden ist, aus der sich dieEinheitder An sichte» der Regierungen in London, Paris und R o m begründet. Es ist beschlossen worden, daß die Außenminister Englands, Frankreichs und Italiens nach dem Berliner Besuch und den anderen englischen Besuchen in Moskau, Warschau und Prag, bei denen die französische und italienische Regierung die Engländer mit ihren Wünschen begleitet, am 11. April in Stresa zusammentreffen werden. Außenminister Laval, Lordstegelbewahrer Eden«nd Anterstaats- sekretär Suvich habe« mit Befried!» zwischen London, Paris und Rom Zweite Konferenz von Stresa am 11. April „Völlige Solidarität“ ♦ An mformkerien französischen Stellen wirb die Nachricht einiger ausländischer Blätter dementiert, daß bei den Pariser Beratungen wirtschaftliche Repressalien gegen Deutschland in Erwägung gezogen wurden. Was die Konferenz von Stresa betrifft, rrch- ■ net man damit, daß sie zwei oder drei Tage dauern wird. Wenn nicht unvorhergesehene Hindernisse eintreten werden, wird die Moskauer Reise LavalS in der ersten Aprilwoche vor der Konferenz von Stresa stattfindrn. Völkerbundsrat erst nach Stresa Paris. Vorbehaltlich der Zustimmung des Prüfidenten des Vökerbund- rates RuchdH Aras wurde beschloffen, daß die Sitzung des Dölkerbundsrates zur Prüfung des französische« Prote- stes nach der Konferenz in Stresa stattfinden wird. England kann „einige Dinge nicht dulden“ London. Sir Austin Chamberlain sagte am Freitag in einer Rede in Birmingham, England diene dem Frieden am besten, wenn es Deutschland klarmache, daß es einige Dinge nicht Drei Haftbefehle wesen der Entführung Jacobs Basel. Die Untersuchung in der Entführungsaffäre Berthold I a e o b s hat weitere Einzelheiten zu Tage gefördert, doch ksknte bisher keine Aufklärung darüber geschaffen werden, w o- hin Jacob gebracht wurde und ob er überhaupt noch am Leben ist. Die Baseler Staatsanwaltschaft hat in der Entführungssache drei Haftbefehle, und zwar gegen die Reichsdeutschen Gustav Krause, Dr. Richter und Hans Manz erlassen, von denen angenommen wird, daß sie zur Entführung Jacobs nach Basel gereist sind. Rach den vorliegenden Berichten sind in Deutschland auf Grund von Notizen, die Jacob bei sich hatte und auch verschiedene Namen enthielten, in der Tat Verhaftungen vorgenommen w o r d e n,«. zw. handelt es sich um die Brüder A s ch n e r, die jüdische» Glaubens find und einen ihrer Geschäftsteilhaber, welche ein Auswanderungsbüro unterhalten, ferner um dm Journalisten Walter K i a u l s ch, genannt Lehmann und den deutschnationalen Journalisten W. S ch r« e r m a» u, der als Berichterstatter tätig war. Auch Toller sollte entführt werden? . In Paris hat der Selbstmordversuch der geschiebenen Gattin Dr. Wesemanns großcErregung hervorgeruscn. Man ist der Ansicht, daß sie an lin Handlungen ihres Mannes keinen Anteil hatte. Unbestätigten Nachrichten zufolge soll Dr. Wesemann in ähnlicher Weise wie den Journalisten Jacob auch den in Paris lebenden bekannten deutschen Schriftsteller Toller und den ehemaligen Professor der Münchener Universität und Sohn des ehemaligen Münchner Bürgermeisters Hallgarten, der einige Schriften gegen den Nationalsozialismus verfaßt hat, nach der Schlveiz ein» geladen haben, welche Einladung jedoch beide ablehnten. Verkauf der Ostchinabahn perfekt Die erste Rate bezahlt Tokio. Die Verträge über den Verkauf der chinesischen Ostbahn wurden am Samstag vormittags in Tokio in einer Sitzung endgültig unterzeichnet. Bei den unterzeichneten Verträgen handelt es sich um den eigentlichen Kaufvertrag und zwei Protokolle und zwei Noten, die sämtlich in englischer Sprache abgefaßt waren. Anschließend an die Unterzeichnung der Schriftstücke händigte der mandschurische Gesandte Ting dem sowjetrussischen Botschafter Jurenew die' erste Kaufpreisrate, einen Scheck über 23,330.000 Den aus. An der Sitzung nahmen mehr als 40 Vertreter der drei beteiligten Länder teil. Die mandschurische Regierung hat angeordnet, daß die angekaufte Strecke der chinesischen Ostbahn die Bezeichnung Nordmandschurische Bahn erhält; sie wird an das Netz der mandschurischen Staatsbahnen angeschloffen. Vor dem Urteil im Memelprozeß KaunaS. Der Prozeß gegen die Angehörigen der umstürzlerischen Organisationen im Memelgebiet wurde am Samstag abgeschloffen und das Gericht zog sich zur Beratung zurück. Der Gerichtshof wird im Beratungssaal vollkommen isoliert bleiben und es wird niemandem gestattet sein, während der Beratungszeit mit den Richtern zu sprechen. Tas Urteil wird wahrscheinlich am 25. März um 9 Uhr vormittags verkündet werden. Heiteres aus ernster Zelt Wien. Samstag vormittags rückte das neue Gardehataillon unter Führung seines Kommandanten Oberstleutnant M ö l l e r,- vom Brücker Lager kommend,' in Wien ein. Das Gardebataillon zog zum Heldendenkmal,. wo Bundeskanzler Dr. Schuschnigg eine Ansprache hielt. Nach einer Defilierung vor dem Kanzler und den. Güsten rückte das Gardebataillon über die Ringstraße in seine} Ubikationen in der Stifts- Kaserne ein. Rom. Die italienische Regierung hat aus Vorficht die MobUifierung des gesamten Jahrganges 1911 angeordnet, von dem ein Teil bereits anfangs Feber mobilisiert worden war, um nach Afrika entsendet zu werden. Anläßlich der Frier des 16. Jahrestages der Gründung der fasristischen Miliz erklärte Mussolini: Wir sind bereit,. allen Aufgaben standzuhalten, die das Schicksal uns stellen kann, und wenn es notwendig sein wird, werden wir alle Hindernisse, auf unserem. Wege beseitigen. Unser Wille zum Frieden und zur Mitarbeit stützt sich auch auf.einige Millionen Bajonette. Italien bietet heute in dem Augenblicke, in welchem der politische Himmel mit Wolken umhüllt ist, der ganzen Welt das Bild grandioser Ruhr, denn Italien ist im Geiste und in Waffen ruhig. Ich wünsche, dem italienischen Bolle durch Euere Bermittlung zu sagen, daß wir für keine Situation, welche entstehen könnte, unvorbereitet sein werden. Die halbamtliche.Giornale d'Jtalia" stellt fest:. »Zur Zeit stehen rund 160.000 Mann unter Waffen. Anfang April treten die neuen Rekruten der Jahresklasse 1914 mit 240.000 Mann in den Wafsendienst. Dir Einberufung des Jahrganges 1911 wird insgesamt zu einem weiteren Effektivbestand von 160.000 führen. In der ersten Hälfte des April wird also das italienische Heer über mehr als 560.000 Mann verfügen." 'In Genfer Bölkertundkreisrn wird dir Mobilisierung des Jahrganges 1911 in Italien eher als eine infolge des gegenwärtigen Standes in Europa getroffene Vorsichtsmaßnahme denn als Maßnahme ausgelegt, die durch den italienischabessinischen Konflikt, der heute weniger Unruhe als früher hervorrust, begründet wäre. Der fetzen Papier Deutschland hat mit seiner Proklamation vom 16. März 1935 die Welt vor. ein fait accompli gestellt. Kein Zweifel daran, daß wir einem neuen, furchtbareren und grauenvolleren. Weltkriege durch diese offene Erklärung, die die militärische Stärke des Dritten Reiches in seiner ganzen Größe offenbart, um ein Vielfaches näher gerückt sind. Der Teil V des Vertrags von Ver-, sailles liegt als ein Fetzen Papier auf den Gräbern der acht Millionen Kriegstoten, und sein wichtigster Artikel 173, der die allgemeine Wehr-, pflicht in Deutschland abschaffte, ist in einseitiger Weise durch das verkündete Gesetz aufgehoben worden, Hitler ist im Begriffe, sein Versprechen, das er in Erlangen im Jänner 1933 gegeben hat, die deutsche Jugend zu Herren der Welt zu machen, einzulösen. In Danzig wählt man untere der Parole„Die Saar ist frei, jetzt kommt Danzig an die Reih'." Ein angesehener deutscher Verlag versendet Landkarten, auf denen Memel, Danzig, die Sudetengebiete, Oesterreich als bereits zu Deutschland gehörige Gebiete eingezeichnet sind, eine vielsagende Fußnote bemerkt, daß diese Gebiete „noch nicht" befreit sind. „Obwohl Deutschland selber einer der Bürgen Belgiens war, haben seine Regierenden die Neutralität dieses durch und durch friedlichen Volkes, nachdem sie ihre Respektierung feierlich versprochen hatten, verletzt." So hieß es in-der Mantelnote des Vertrags von Versailles. Der Neutralitätsvertrag mit Belgien war ein Fetzen Papier, und Bethmimn-Hollweg rühmte in öffentliches Reichstagssitzung diese Art der Behandlung von Verträgen. Genau so hat man den Vertrag von Versailles zerfetzt. Gerade vom Standpunv des Pazifismus haben wir heut« die Welt gegen das anrollende Chaos zu alarmieren. Ein Pazifismus, der nicht die Wirklichkeit sieht, sondern sich in dieser Wett ein Wölkenkuckucksheim errichtet, ist keinen Pfifferling wert. Der Krieg ist das größte Verbrechen gegen die Menschheit und gegen die Frechcit der Völker. Wir müssen sehen, paß wiederum ,getreu der preußischen Tradition" Deutschland die Hegemonie in Europa errichten will und sich damit als der Friedensstörer zu erkennen gibt, dem man nicht mit Gedichten und papierenen Resolutionen beizukommen vermag. Die Welt hat, sich in den,Hoffnungen und Illusionen bewegt, das Deutschland der Gewalt und Tyrannei würde sicki ändern. Alle Bemühungen der demokratischen Regierungen Deutsckilands, ihr Land aus der Isolierung zu befreien, die von der Sozialdemokratie gestützte, groß angelegte Stresemann-Polittk. die der Stabilisierung d-s Friedens gedient hätte, ist für immer von der Rcichswehrkamarilla zerschlagen worden. „Anfang 1920 saßen zwei britische Offiziere, in Zivil in einem.. übervollen Kaborett der Stadt... Eine Nummer war der andern gefolgt. Voll von dem üblichen läppischen Humor, und trivialer Satir:, hätte keine die Zuhörer an- zuregen und von ihren Bierseideln abzuziehen vermocht. Aber als der Conferencier die Nummer 5 des Programm- anzeigt mit den Worten ,-tur Papier", horchten die Zuhörer sichtlich auf... Es war ein Couple über das»Pech," einer Zuhörerschaft angepaßt, der durch die Nöte des Krieges Papterersatz für alles, vom Bmdfaden bis cum Unterzeug, nur zu geläufig war Er hab» eine Reisetasche gekauft, di« dann in der Wagentür hängen geblieben und zerrissen fei, denn sie war nur»Papier". Er hab« einen Schirm gekauft, der tm Regen zusaunnengxfallen und ver» schrumpft sei, denn er war nur»Papier" Die Zuhörer folgten mit wachsender Heiterkei: dieser Erzählung komischer Enttäuschungen. Der letzte LerS aber, der das Gleichnis vollendete, riß das HauS in stürmischer Begeisterung hitt. EineT Morgens, sang dieser polittsche Troubadour and einem verständnisinnigen Zwinkern, würde dr« Entente erwachen und sich einem geschloffenen, einigen Deutschland gegenüberfinden und entlek- ken, daß der Vertrag von Versailles nur Papier sei... Diese Geschichte erzählte der englische G e n e r a l I. H. M o r g a n, mehrere Jahre hindurch Mitglied der Interalliierten Militärkontrollkommission in seiner prophetischen Abhandlung»Die Entwaffnung Deutschlands und Stift s Sonntag, 24. Mürz 1935 Nr. 71 iDle politische Wodic Roosevelts Milliardenprogramm Washington. Der Senat hat hie Verlage über die Rothitfcanfwendung im Betrage von 4488 Millionen Dollar angenommen. Brüssel.(Tsch. P. B.) Der Bizegonver- nenr der Belgischen Nationalbank Ban Zre« land ist vom König mit der Neubildung der Regierung deanstragt worden. Ban Zreland hat den Auftrag angenommen. Einige Mitglieder des Kabinetts Thennis werden auch dem Kabinett Ban Zeeland angrhören. Die neue Regierung wird sich aus Persönlichketten der drei großen Parteien des Landes, aus den Katholiken, Liberale« und Sozialisten zusammensetzen. heuren Munitionsvorräten und 7000 intakten Munitionsfabriken. In Deutschland gibt es 15.000 chemische Fabriken, davon 500 wesentliche. 73 Prozent der gesamten deutschen Kriegsproduktion wurden in gewöhnlichen chemischen Fabriken unter sehr geringer Abänderung der Anlage hergestellt. Schon damals schätzte Morgan, daß das Maximum für die gebrauchte Kriegsproduktion in Deutsch» land nicht länger als drei Monat« dauern würde. Sicher ist» daß ein demokratisches Deutschland keinen Krieg und auch nicht die Rüstungen wollte. Sicher ist, auch nach Ansicht General Morgans, daß der Vertrag von Versailles so viel neuen Zündstoff angehäuft hatte, daß vieles aus der Vergangenheit sich daraus erklären läßt. Aber ebenso sicher ist, daß die Abrüstung der Köpfe fehlte, daß den Vertretern des preußischen Militarismus eine zu große Macht eingeräumt war, die sie, auch unter Benutzung der innerpolittschen Ereignisse, geschickt euszumchen verstanden. Sie profitierten von allem und jedem und bereiteten so die SUuation systematisch vor. in der wir heute stehen. Die im Kriege fehlende allgemeine Dirt- schastspflicht ist längst vorhanden und jetzt durch Der vergangene TamStag brachte die große Berliner lleberraschung, die alle innerpolitischen Gescheh- niffe in den Schatten stellt. Die zynische Herausforderung, mit der der reichsdeutsche Fascismus den Versailler Verwog zerriß, überbot alle sein« bisherigen Leistungen. Im ersten Augenblick sprach alle Welt von Krieg, der nach den allgemeinen Vorstellungen in greifbare Röhe gerückt schien. Allmählich ist aber doch wieder eine Beruhigung eingetreten, herbeigcsührt durch die Entschiedenheit, mit der die Großmächte und besonders Frankreich auf den reichs- deulichen Schritt reagieren. Selbstverständlich bleibt die Lage nach wie vor ernst und die bevorstehenden Genfer Beratungen werden die Auswirkung des reichsdeutschen Schrittes erst in seiner vollen Tragweite ermejsen lassen. Jnnerpolitisch konzentriert sich das ganze Inter- esse auf den kommenden Wahlgang, der nach dem gegenwärttgen Stand der Dinge im Mai, spä» testens anfangs Juni vor sich gehen dürfte. Bis dahin sollen jedoch noch die im Parlament eingebrachten, bzw. für di« parlamentarische Verhandlung bereitstehenden Vorlagen erledigt werden. Die Steuervorlagen, di« die Grundlage der Sanierung der Selbstverwaltung bilden sollen, vor allem die Vorlage über die Erwerbfteuer, dürften bereits dem neuen Parlament Vorbehalten bleiben. lieber die 40-Stuiwenwoche wurde bereits ein« Einigung erzielt. Augenblicklich wird an der endgültigen Formmierung der Verordnung gearbeitet, was im Rahmen des bereits im Gang befindlichen interministeriellen Verfahren» geschieht. Bor der Entscheidung steht auch das Biehsyndikat, da» wahrscheinlich durch eine Rahmenverordnung auf Grund de» Ermächtigungsgesetzes gelöst werden wird, deren Ausführung dann durch Regierungsverordnung besorgt werden soll. Rach Verhandlungen, die viele Monate andauerten, konnten in der letzten Sitzung des Ministerrates wichtige Vorlagen erledigt werden. Darunter ist vor allem die vom Arbeitenministerium ausgearbeitete Verordnung über die Elektrifizierung zu nennen. Ihre Bedeutung liegt in dem weiteren Ausbau der systematischen Eleftrifizierung, ferner in den Normen betreffend die Strompreirrege- lung, durch welche der heute vielfach noch sehr teuere Bezug von elektrischem Sttom auch den breiten Konsumentenschichten zugänglich gemacht werden soll; ohne die Einführung von gesetzlichen Vorschriften wäre das nicht Möglich. Die Verordnung enthält auch sehr wichtige soziale Bestimmungen zum Schutze der Angestelltenschaft. Im deutschen Lager ist noch keine abschsießende Klärung eingetreten, wenn auch bereits feststeht, daß die Totalitäwabsichten der Heimatfront al» gescheitert zu betrachten sind. Wie weit sich der Landbund zu einer Kooperation mit der SHF bereit finden wird, werden die allernächsten Tage erweisen. Die scharfen Angriffe auf den Landbund in der letzten„Rundschau" deuten aber nicht gerade darauf hin, daß man sich auf Seite der SHF noch viel von den bi» Dienstag abzuschließenden Verhandlungen verspricht. Die sozialistischen Parteien wessen umfassende Vorbereitungen zum Wahlkampf, der, wi« wir überzeugt sind, unserer Bewegung alle Ehre machen wird. Unsere Gegner, die uns in diesem Kampf am liebsten ganz vernichten möchten, werden einen Widerstand und eine Schlagkraft zu spüren bekommen, die sie nicht ahnen. Es wird sich zeigen, daß selbst die gewalttgen Leistungen de» 4. November, die die Schlagkraft der Sozialdemokratte erwiesen und Freund und Feind in Erstaunen versetzten, noch überboten werden können. Dir neu« Regierung wird den Charakter eines Konzentrationskabinetts haben, dafeine Aufgaben ausschließlich in der Erfüllung bestimmter wirtschaftlicher Aufgaben sieht. Die Frage des Regierung-Programmes soll in den Lrr- handlungen des ehemaligen Ministerpräsidenten Theunis mit den Vertretern der drei Parteien geklärt worden sein. Ban Zreland ist 44 Jahre alt und gehörte dem letzte« Kabinett de Brocquille als Miniswr ohne Portefeuille und Sachverständiger für Währung-- und Finanzfragen an. die allgemeine Wehrpflicht ergänzt worden. Mor-, gan sagte 1925:.Was die Wehrpflicht selbst anlangt, so ist es fast sicher, daß sie in dieser oper jener Form wieder hergestellt sein wird, wenn Deutschland e» erreicht, seinen Willen zu bekommen."„Der nächste Krieg wwd wi« ein Dieb über Nacht kommen, und der Angreifer kann ihn, wenn er ordentlich vorbereitet ist, bereits gewonnen haben, bevor das„Billet doux" des Generalsekretärs des Völkerbundes mit der Einladung„das Verfahren friedlicher Regelung anzunehmen" ihn erreicht hat." 1925 sagte Morgan, daß aus dtt Frage,„für welche nähere Zeitspanne der europäische Friede beim heutigen Stand der Dinge gesichert sein würde", er antworten würde:„für ein Jahr!" Das schrieb Morgan 1925, und wir, die wir nicht der Ansicht sind, in dem Vertrag von Versailles, gegen dessen Abschluß wir uns gewandt haben, den Inbegriff aller Klugheit zu sehen, müssen erklären, daß die. Kabinette die Verpflich- tung haben, in diesem Augenblick alles für keine Aufrechterhaltung zu tun, wenn sich nicht die Morgansch« Frist noch verkürzen soll und dieses Europa in einen furchtbaren Abgrund hineinreißt Kurt Großmann. Polen besinnt sieh? Paris. Der Warschauer Korrespondent des „Daily Telegraph" und des„Echo de Paris" meldet: Man kann eine wesentliche B e s- serungindera m tlichen Haltung Polens gegenüber Frankreich seit der Verkündung des deutschen Wehr« gesetzes feststellen. Die wiederholten Warnungen im Parlament und in der opposttionellen Presse unterstrichen die Gefahr, in welche Polen geraten würde, wenn es mit Deutschland allein bliebe. Diese Warnungen hatten einen gewissen Einfluß auf die polnische Regiervckg, stichttzdestowenißet werde aber nirgends, auch nicht an den franco^ philsten Stellen, angedeutet, daß sich der ablehnende Standpunkt Polens gegenüber dem Ostpakt wesentlich ändern wird. Man hofft jedoch, daß die Reise Edens aus dieser Situation eine posttive Lösung bringen werde. Theatralische Geste Gandhis Bombay. Gandhi erklärt«, daß er sich für vier Wochen ein absolutes Schweigegebot auferlegt habe. Er will diese Zeit dazu benützen, einen Plan zur Reorganisierung der Landwirtschaft vorzubereiten und durchzudenken. Konzentrationskabinett in Belgien mit Einschluß der Sozialisten was dann?", die er nach der Nichträumung der! Waltiger Parks von schwerer Artillerie mit unge- ersten Kölner Zone mit Wissen des englischen Kriegsamtes in der„Quarterly Review" erschei nen ließ. Im Lichte des soeben bekannt gewor denen Ereignisses gewinnt die Abhandlung Gene ral Morgans erneuten Wert. Sie zerstört die Behauptung, daß Deutschland jemals so abge rüstet habe, daß den Interalliierten und Affociier- ten seitens Hitler ein so weitgehender Vorwurf gi macht werden könnte, sie hätten einen so wich tigen Teil deS Vertrages von Versailles nicht er füllt. Klar und deutlich wird der Teil V dieses Vertrages eingeleitet: „Um den Anfang einer allgemeinen Beschrän kung der Rüstungen aller Rationen zu ermög lichen, verpflichtet sich Deutschland zur genauen Befolgung nachstehender'Bestimmung über die Land-, See- und Luftstreitkräste." Was die Reichswehrkamarilla in den fünf Jahren nach Friedensschluß von diesen Verpflichtungen erfüllt hat, berilütet General Morgan auf Grund dtkumentarischer^lnterlagen, die durch die allge- mein bekannten Tatsachen— Schwarze Reichs wehr, Zeitfreiwilligen-Formationen— noch illu striert werden. Zum ersten Mal spricht Morgan in seiner Arbeit von dem gewaltigen Schatten, den Seeckt über das Antlitz Europas wirft. Er ist einer der wenigen Militärs, dir entdecken, daß die Organi sation der Reichswehr, die Beibehaltung der Gene ralkommandos, die sich in Versorgungsstellen tar nen, nichts weiter bedeutet als das Gerippe der kommenden Armee, als der Widerstand, die Wehr pflicht abzuschaffen. Fünfzehn Monate dauerte es, ehe Morgan in seiner Eigenschaft als Mit glied der Kontrollkommission auf die Frage, warum die deutsche Regierung das Wehrpflichtgesetz von 1874 noch nicht aufgehoben habe, di« euphemistische Antwort erhielt, daß das nicht notwendig sei, weil der Vertrag von Versailles inzwischen Reichsgesetz geworden sei. In der Demobil» machungSorganisation, deren Personal ganz eigen artig zusammengesetzt war, begründete man schon damals die neue Aushebungsorganisation. WaS sollte eS zu bedeuten haben, wenn bei dieser Behörde. 3579 Offiziere, 16.392 Unteroffiziere und nur 8517 Mannschaften tättg waren. Wie kam eS, daß in den Versorgungsstellen das alte Personal der Generalkommandos tätig war? In einem Armeebefehl entdeckte Morgan, daß die alte Heeresreserve auf den Leiter des Demobil- machungsamteS jedes der alten Armeekorps über tragen worden war, daß der Leiter immer ein ge- wesenerGeneral war, dem noch dazu dieAusübung der militärischen Disziplinargewalt oblag. Bereits für das Jahr 1920 schätzt Morgan dir Iststärke der deutschen Arme« auf gut über 500.000 Mann. Noch andere erstaunliche Tatsachen stellte Morgan fest. Je größer die Schreibarbeit in den Versor» gungSämtern wurde, je mehr nahmen die Echrei- brr ab und die Abteilungsleiter zu. Die Erklärung war einfach, diese AkteilungSchefS waren pensio niert« Offiziere,„dis sich nicht zur Ruhe gesetzt hatten". Nicht anders war es mit den gemäß des Ver trages zu verschrottenden Waffen. Die Kontroll kommission hat während der Tätigkeit MorganS in 150 Fällen versteckte Waffenlager gefunden. Aber da man sieben bis zwölf Monate zum Ver stecken Zeit hatte, ist gar nicht abzusehen, wieviel Waffen versteckt waren. Nach der Ansicht eines her vorragenden französischen GeneralstabSoffizicrS fehlt« der Nachweis für 10.000 Geschütze. Deutsch lands Waffenarsenal war ansehnlich genug. Es verfügte über 35.000 Geschütze einschließlich ge- I Zwei Juli-Putschisten lebenslänglich Wi«n. Das Militärgericht in Wien fällte am Samstag das Urteil im Prozeß gegen den ehemaligen Major deS Bundesheeres Rudolf Sei- linger, Jnstrutteur der sogenannten„Aärm- abteilung der Wiener Polizei" und gegen die drei früheren Polizeioffiziere der gleichen Formation, Leo Gotzmann, Josef Heistchmann und Dr. Paul H ö n i g l. All« vier Angeklagten wurden des Verbrechen- des Hochverrates nach 8 58/59 für schuldig erkannt. Sellinger und Gotz- mann wurwen zu l eh en- länglichem schweren Kerker, Heischmann zu 15 Jahren und Hönigl zu zwölf Jahren schwerer Kerkerhaft verurteilt. Das Grazer Schwurgericht verurteilte den 24jährigen Hochschüler Robert Scharnagel zu 15 Jahren schwerem Kerker und seinen Mitangeklagten Ignaz Marku» zu 12 Jahren schweren Kerker. Di« beiden hatten zwischen den Grazer Nationalsozialisten und den Münchener Stellen Kurierdienste geleistet. 39 Roman von Fritz Rosenfeld Der Arzt ging. Carlotta beugte sich über Gregor, hob die Decke auf, die sein Antlitz verhüllte. Seine Augen waren geschlossen, wächserner Friede lag über ihm, als schliefe er.— Da peitschte draußen ein Schuß auf. Ein Schrei gellte, der in ein langgezogenes Weinen ausklang. Olavsen stürzte ans Fenster, die Musik nebenan brach ab, der Stationsvorstand, der Heizer, die Schaffner liefen den Zug entlang, Gendarmen jagten vorüber, ein Mann tappte auf das Haus zu, die Hand an die Schulter gepreßt, aus der Blut floß. Er trug einen grauen Kittel, wie ihn Kranke in den Spitälern tragen. Er lief um das Haus, er stand still, überlegte, die Gendarmen waren hinter ihm her» der eine hielt den rauchenden Revolver in der Hand, der andere fuchtelte mit dem Säbel in der Luft herum und schrie, daß seine Sttrnadern anschwollen.„Stehen bleiben, oder sie werden niedergeknallt wie ein toller Hundl" Der Mann im grauen Kittel sah für einen Augenblick stumpf ins Leere, dann stürzte er auf die Tür zu, riß sie auf, schlug st« hinter sich zu, stemmte sich mit seinem ganzen Gewicht gegen sie und schrie in den Raum, mit einer schrillen Stimme, die messerscharf ins Mark schnitt: „Rettet mich, rettet mich, sie sind hinter mir her, laßt sie nicht herein, sie erschießen mich". „Er stand da, die Arme gespreizt, die Handflächen an die Tür gepreßt, die Knie schlotternd, da» Gesicht kreideweiß, und über die rechte Brusthälfte sickerte dunkel das Blut. Die Gendarmen sahen durch» Fenster, dann steckten sie die Säbel und Revolver ein, der Mann im grauen Kittel hatte keine Waffe, er war im Haus, er war in der Falle, er entging ihnen nicht. Er stand allein an der Tür und stemmte sein Gewicht gegen sie. Di« anderen wichen zurück, die Girls verbargen sich kreischend hinter Frau Avory, Kilmek preßte beide Hände gegen die Brusttasche, in der das Geld steckte, al» blutete auch in seinem Leib eine Wunde. Eabrolle sackte in einem Winkel zusammen, Herr von Ebel war leichenblaß, das Monokel lag zerschellt zu seinen Füßen, Georgia und Raymonde hockten auf der Bank, schwiegen, schwiegen, versanken in diesem Schweigen als könnte es sie schützen. Die Gendarmen rüttelten an der Tür, der Mann im grauen Kittel spannte alle Sehnen, seine Augen waren riesengroß und flackerten über alle Gesichter hin und riefen um Hilfe— aber nicht eine Hand half ihm den Widerstand gegen den Druck von draußen verstärken. Da biß er die Zähne zusammen, das Blut schoß hervor, seine Hände fuhren ausgestreckt, die Finger gespreizt, in großem Bogen durch die Luft, dann brach er zusammen, ein graues Häuflein, wimmernd, kläglich wimmernd wie ein verwundetes Tier. Der Weg für die Gendarmen war frei. Sie traten ein, sie hoben den Mann im grauen Kittel hoch, betteten ihn auf einer Bank. Dann nahmen sie die Helme ab und wischten sich den Schweiß von der Stirn. Dann gingen sie zu Ma« rinka und ließen sich jeder ein große» GlaS Bier geben. Dann setzten sie sich neben den Mann im Kittel, der eine zu seinen Füßen, der andere zu Häupten, und tranken. Niemand wagte es, mit ihnen zu sprechen. Scheu schlichen die Passagiere um die Männer in den dunkelblauen Uniformen herum und suchten i in ih^en Mienen, auf ihren Kleidern, an ihren Schuhen Anzeichen aufzuspüren. Spuren von Blut oder Riffe oder Schußlöcher oder irgend etwas, das ihrer Neugier Nahrung bieten könnte. Aber sie fanden nichts; die Uniform der Gendarmen war in tadellosem Zustand, weder ein Schmutzfleck noch eine Bluffpur war zu erspähen. Da saßen sie wieder nieder, schwiegen und starteten. Der Stationsvorstand kam, besah sich den Mann im grauen Kittel, schüttelte den Kopf. Al» der eine Gendarm das Glas geleert hatte, sagte er: „Wir kamen gerade vorüber, als er aus dem letzten Wagen dr» Zuge» klettern wollte. Wahrscheinlich hat er im Zug geschlafen. Un» hat man die ganze Nacht herumgehetzt, von einem Dorf zum anderen, und er schlief ruhig, in der nächsten Nähe, in einem leeren Waggon. Wir riefen ihn an, aber er lief weiter. Er hoffte noch, un» zu entkommen. Er hatte einen Vorsprung. Wir mußten ihn anschießen. Wenn er da» Gehölz erreicht hätte, wäre er un» wieder durchgegangen, wie gestern abend»." „Ist es schlimm?" „Wird nicht so schlimm sein. Fleischwunde am rechten Arm, wir zielen sicher." Der Gendarm tat, als hätte er die Wunde längst untersucht und vernäht und verbunden; er ging an» Büfett zurück, stellte das Glas auf den Schanktisch und bezahve. Dann fragte er nach dem Telephon. Der StattonSvorstand ging mit ihm. Er rief das Amt an, es meldet« sich. Er verlangte eine Verbindung mtt dem Gendarmeriekommando, er bekam sie. Er erstattete Meldung und nahm, stramm stehend, einen Befehl entgegen. Dann ging er zu dem Gefangenen zurück. „Das Telephon ist wieder in Ordnung", sagte der StattonSvorstand zu Olavsen. Und zu dem Gendarmen: „Soll ich den Arzt verständigen?" „Ist nicht notwendig. Der Kommiflär kommt herauf und bringt den Doktor mit." Olavsen flagte: „Sollen wir dem Mann nicht einen Rotverband anlegen, er kann ja verbluten, ehe der Doktor kommt." „Er verblutet nicht. Der Kommiffär wird gleich hier sein. Bevor der Kommissär hier ist, darf niemand den Gefangenen anrühren." Olavsen ging zu Carlotta hinüber. Sie saß in dem großen, grüngraugestreisten Lehnstuhl am Fenster, wie heute nachts. „Sie haben.ihn", sagte er. „Wer ist es?" „Ein Mann in einem grauen Spitalskittel, ein armer Teufel. Sie haben ihn angeschoffen, nun liegt er ohnmächtig drüben im Wartesaal auf einer Bank, und sie erlauben nicht, daß man ihn verbindet." „Ein Verbrecher?" „Er sieht nicht nach einem Verbrecher aus." Carlotta wollte sich aufrichten, ihre Knie schlotterten, sie war, nach der durchwachten Nacht, am Ende ihrer Kräfte. „Bleib hier. Niemand kann ihm helfen. Der Polizeikommiffär ist unterwegs. Man wird ihn verhören, und dann schaffen sie ihn vielleicht ins Spital. Ins Zuchthaus kommt er früh genug." „Was hat er mit dieser irrsinnigen Tat bezwecken wollen?" „Das wird sich schon Herausstellen. Vielleicht hat er mit der Brückensprengung und der Störung des Sender» und all dem andren gar nichts zu tun. Vielleicht ging er einen andren Weg und lief zufällig hier den Gendarmen in die Arme." „Ist er alt?" „Ich schätze ihn auf vierzig." „Wie sieht er aus?" „Angegraut, das Gesicht wächsern, wie bei einem Menschen, der selten in die freie Luft kommt. Er ist groß und schlank. Ich habe seine Hände gesehen. ES sind nicht die Hände eines Verbrechers." „Geh hinein, zu den andren, Olav. Ich bleibe hier, bis sie Gregor holen." (Forffetzung folgt.) Nr. 71 Sonntag, 24. März 1935 Seite 3 fadetendcu/Mfier Zeitspie&et Die Bracke abgebrochen Die„Landpost" über die Jüngsten Angriffe der„Rundschau" Die»Deutsche L a n d p o st" vom Sonntag lehnt mit aller Entschiedenheit die Angriffe der„R u n d s ch a u", des Presseorganes Henleins, ah, das eine entstellte Meldung über di« kürzliche Tagung der Reichsvertretnng des Bundes der Landwirte unter dem Titel„Krach im Bund derLandwirte" gebracht hat. Die„Deutsche Landpost" schreibt: „Wir bedauern diese Handlungsweise umsomehr, als der Bund der Landwirte sich bisher noch im politischen Berha/idlungsstadium mit der Hrimatfront Henleins befand, das nach dem einstimmigen Beschluß der Reichsparteivertretung in den allernächsten Tagen definitiv zu beende» war. I« einem ausführlichen Kommuniquee wurde der Standpunkt der Partei klargelegt und 1. Die Ernennung der Stellvertreter der leiten» den Beamten der Bezirkskrankenkassen ist Sache der Zentralsozialversicherungsanstalt in Prag. Di« deutschen Mitglieder der Verwaltungsorgane der Schönberger Kassa stellten sich seinerzeit auf den Standpunkt, daß es Sache der tschechischen Mitglieder der Verwaltungsorgane sei, Vorschläge für die Ernennung deS Stellvertreters des leitenden Beamten zu erstatten. Gerade ein Herr des Vorstandes, der der „Rundschau" sehr nahesteht, beantragte, das; sich die deutschen Mitglieder an der Abstimmung nicht beteiligen sollen.. Es wurde dann von tschechischer Leir« R o k u s e k in Vorschlag gebracht. Sämtliche deutschen Mitglieder enthielten sich der Abstimmung. ES ist unwahr, daß der Revisor Jng. Baresch aus Prag der Angestellten Anna Härtel gegenüber sich äußerte, Rokusek sei strafweise nach Schönberg versetzt worden. 2. Die wirklichen oder vermeintlichen Schulden RokusekS sind seine Privatangelegenheit. ES ist nicht bekannt, ob gegen ihn während seiner Schönberger Tätigkeit in den angeführten Fällen gerichtliche Exekutionen geführt wurden. Es liegen zwei Gehaltspfändungen vor, von denen eine seitens der betreibenden Partei bereits wieder zurückgezogen wurde. Der Obmann Abg. Häusler benötigt durchaus nicht die„Rundschau", um auf seine Pflichte« aufmerksam gemacht zu werde». Er hat bereit» am 1. März dem BerwaltungSauSschuß von den beiden GehaltSpfändungen berichtet. Er gab hiebet der Mri^ nung Ausdruck» daß dir ZentralsozialverficherungS- onstalt verständigt und der Wunsch nach Versetzung RokusekS zum Ausdruck gebracht werden solle, da Rokusek nicht der Disziplinargewalt der Kasse, sondern der Zentralsozialversicherungsanstalt unterliegt. Am 2. März hat der Abg. Häusler die» auch Rokusek mitgeteilt. Am selben Tage brachte dann Rokusek im Verwaltungsausschuß die Bitte vor, von einer Mitteilung an die Zentralsozialversicherungsanstalt Abstand zu nehmen, da er sich bemühen werde, die Sache zu ordnen. Die Verwaltungsausschußmitglieder waren damit einverstan- den, doch wurde angeordnet, daß ab 1, April l, I. Rokusek entsprechende Abzüge in Durchführung der eingelangten Gehaltspfändung zu machen find. Der BerwaltungSauSschuß besteht aus 8 bürgerlichen und 3 ldeutschen und tschechischen) sozialdemokratischen Vertretern. Der Obmann, Abg. Häusler konnte gegen Rokusek kein Disziplinarverfahren einleiten, weil Rokusek nicht der Disziplinargewalt der Kasse, sonder» der Zentralsozialversicherungsanstalt unterliegt. 3. Es ist unwahr, daß einlaufende Gerichtsakten vom Angestellten Formanek ohne Wissen des Direktor- Rokusek zugesteckt wurden. Formanek wirb der „Rundschau" Gelegenheit geben, für ihre Behauptungen den Beweis bei' Gericht zu erbringen. Gegen Formanek ein Disziplinarverfahren einzuleiten, lag keine Veranlassung vor. Den Beweis, daß man Rokusek Frist zu einer „neuen Schiebung" eingeräumt hwbe, wird die „Rundschau" ebenfalls noch zu erbringen haben. 4. Insofern die Lebensweise RokusekS mit den Grundsätzen der sozialdemokratischen Partei(Rokusek gehört der tschechischen Partei an), in Widerspruch steht, hat sich diese Partei bereits vor Erscheinen der ..Rundschau" damit beschäftigt und entsprechende Maßnahmen in Aussicht genommen. in den nächsten Tagen werden Einzelheiten veröffentlicht werde», aus denen hervorgeht, daß dieser Beschluß der Partei auf unbedingte Erhaltung ihrer Selbständigkeit mit einer wahrhaft seltenen Einmütigkeit gefaßt wurde. Das find Kampfmethode«, die sich von selbst richte». Ohne de« weitere« Entscheidungen unserer Partei vorgreife« zu wollen, führt die „Deutsche Landpost" ans, spreche« wir die Vermutung aus, daß die Heimatfront Henleins mit diesem neuerliche« Angriff die Brücke zum Bund der Landwirte abgebrochenhat." Niemand schützt Rokusek aus parteipolitischen Gründen. Gerade unsere Schönberger Parteiorganisation hat den Beweis erbracht, daß sie rücksichtslos gegen jedermann vorzugehen versteht, der die Interessen der Anstalt schädigt. 8. Die Frage, ob der Abgeordnete unserer Partei mich Mitglied derselben ist, ist eine Albernheit. 6. Rokusek wurde auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen von der Zentralsozialversicherungsanstalt ernannt. Von der Zentralsoziglversicherungsanstalt wurde der Kasse Aufrrqg erteilt, wieviel Dicnsisahre in Anrechnung zu bringen sind und welcher Gehalt zur Auszahlung ge» bracht werden soll. 7. Der Inhaber der American-Bar schuldet der Kaffe seit vielen Jahren größere Beträge, die mit eventuellen Zechschukden RokusekS in keinerlei Zusammenhang stehen. 8. Wenn die„Rundschau" etwas von Betrug, Wechselreiterei, Aktendiebstahl und ExekutionSver- eitelung oder Beihilfe zu diesen Dingen weiß, möge ste nicht anonym verdächtigen, sondern nicht zögern, mit ihrem Material dar die Oeffentlichkeit z» trete«. Den Verwaltungsorganen der Kaffe ist bisher von diesen Dingen nichts bekannt. Soviel an die Adresse der„Rundschau" und ihrer Hintermänner. Wir verfügen nicht über die Geldquellen, um der„Rundschau"-Extraausgabe ebenfalls mit Sondernummern zu antworten. Wir benützen aber die Gelegenheit, um der Oeffentlich- keit zu zeigen, was hinter einer Sache steckt, welche die SHF als sensationelle Anklage gegen die sozialdemokratische Partei aufgezogen hat. Wir haben Punkt für Punkt nachgewiese«, daß unsere Partei und ihre Funktionäre mit der Angelegenheit des Beamten Rokusek nichts zu tun haben, daß sie in der Krankenkasse ihre Pflicht voll erfüllten und daß es besser wäre, wenn die SHF sich an ihre eigenen Leute wenden wollte. Dir Angriffe der SHF und der„Rundschau" sind zusammengebrochen, weil sie mit viel Papier und unklaren Worten, aber ohne beweisbare Argumente geführt werden. Das spricht ebenso stark für uns, wie gegen die Methoden der SHF. Wie es mit dem politischen Ernst der heimat- frontlichen Argumentation bestellt ist, hat die Versammlung bewiesen, die die SHF für Samstag nach Schrecken st ein einberufen hatte und in der Rudolf Sandner„referierte". Nachdem man durch die Saalfenster(!)„Ordner" und andere Angehörige der Heimatfront in den Saal importiert hatte, gab man den übrigen Raum den sonstigen Versammlungsteilnehmern frei, die ihn alsbald bis auf den letzten Platz füllten. Was Sandner erzählte, war eine einzige unentwegt« Spekulation auf die Urteilslosigkeit der Menschen. Es war beschämend zu sehen, wie Menschen, die sonst Wert auf eine gewiss« Geistigkeit legen, bei den plattesten Phrasen des Redners wie wütend Beifall klatschten. Gegen Schluß seiner Rede verlegte sich Sandner auf das Provozieren.„Bonzenbäuche" waren sein gewichtigste» Argument. Diese Frechheiten lösten natürlich in den Reihen der sozialdemokratischen Versammlungs- Kus Henleins Ur-Anfängen... Unangenehme Feststellungen der„Lldovt Novlny" Konrad Henlein hat vor einigen Tagen» wie die„R u n d s ch a u" in größter Aufmachung ankündigte, den Staatsanwalt zu einem Einschreiten gegen die„Lidovö N o v i n h" zu veranlassen gesucht, weil das Blatt durch Meldungen von den Zusammenhängen der SHF mit Kreisen außer- halb der Staatsgrenzen eine„Verleumdung" der so braven und unschuldigen Heimatfront begangen habe. Die„Lid. Noviny" setzen aber die so dringend notwendige Aufklärungsarbeit im tschechischen Lager über das wahre Gesicht der SHF unentwegt fort. In der Freitagnummer des Blattes befaßt sich-ip- mit der Entstehunsgeschichte der SHF und ruft sehr unangenehme Zusammenhänge mit den aufgelösten Parteien wieder ins Gedächtnis. Das Blatt schreibt darüber u. a.: „Der Zusammenhang der Heimatfront mit der Hitlerei ist politisch jedem offenkundig, der seine Augen nicht vor Selbstverständlichkeiten verschließt. Ein Zusammenhang besteht auch mit der aufgelösten Hakenkreuzpartei: Die SHF begann sich gerade zu der Zeit zu organisieren, als über die Auflösung der nationalsozialistischen Partei entschieden wurde— es war das im Herbst des Jahres 1833. Bevor die Heimatfront gegründet wurde, bestand der Plan, «ine Sudetendeütsche Volksfront zu gründen; an den Beratungen über di« beabsichtigte „Volksfront" beteiligt« sich Henlein mit Dr. Brand, ater anch der nationalsozialistische Abgeordnete Krebs(der später nach Deutschland flüchtete und von dort gegen uns eine irredentistische Aktion führt) und der deutschnationale Abgeordnete Jng. K a l» l i n a. Auf dem Kongreß der Nationalsozialisten in Aussig, der am 28. September 1933 stattfand, wurde über die Anträge Henleins v e r h a n de l t. Dr. Brand schrieb am 17. Sev- tember 1933 in der„Bobemia". daß für den Fall, daß eS gelingen sollte, die Volksfront zu aründen, die nationalsozialistische Partei sich freiwillig auflösen sollte. An den ersten Kundgebungen der Heimatfront beteiligten sich Funktionär- der aufgelösten Parteien, unter ihnen der nationalsozialistische Redakteur Viererbl und der deutschnationale Abgeordnete K a l l i n a. Wir bringen diese Tatsachen in Erinnerung, damit Klarheit darüber herrsch«, wie die Heimatsront mit dem Hakenkreuzlertum zusammenhängt:„nicht nur ideell und politisch, sondern auch in den Personen". Die Heimatfront geht auch nach den v o l i t i» scheu Richtlinie», vor, die schon im Jahre 1933 '—.dem Jahre des HiZersieges—k propagiert ttmr» den."','..7.T’ ui.,/» Zum Beweis zitiert das Blatt den seinerzeitigen Artikel der„Jungen Front", wor- nach die alten Parteien, wenn ihnen an dem ständischen Aufbau und dem Führerprinziv ernstlich gelegen wäre, daraus die einzig mögliche Konse- auenz ziehen und sich selb st auflösen müßten, und fährt dann fort: „Nun haben im Sinne dieser Lehr« die Hen- leinlente den deutschen Agrariern den Antrag gestellt. sich aufzulösen und mit der Heimatsront zu verschmelzen. Sie haben diesen provokativen Antrag erst gewaat. al- sie genüqend erstarkt und auch in die agrarischen Reiben eingedrnngen waren. Ihr Wachstum wurde freilich unterstützt und beschleunigt durch die Dynamik der Hitlerei: Ohne sie hätte Henlein niemals so schnell« und große agitatorische Erfolge erreicht. Das Mißtrauen gegen die Heimatfront ist durch ihren Zusammenhang mit der Hitlerei gerechtfertigt." Lohndifferenzen bei der Firma Herold in Komotau Samstag früh ist die Belegschaft im Einvernehmen mit dem Betriebsausschuß bei der Firmaleitung der Glockengießerei Herold vorstellig geworden, um die Klärung einiger Löhnfragen herbeizuführen. Es handelt sich um Akkordreduzierungen, denen zufolge kaum mehr derRegie-Stunden- lohn erreicht wird. Die Firma weigerte sich aber, den vollen Lohn auszuzahlen» weshalb die Arbeiteilnehmer, die ungefähr die Hälfte der Besucher stellten, stürmischen Widerspruch aus. Die Unruhe nahm zu, als die Versammlung in wachsendem Maße erkannte,, daß es Sandner gar nicht darauf ankam, die sozialdemokratische Gegenrednerin Genossin K i r p a l zu Wort kommen zu lassen. Er wurde in diesem Bestreben durch die sonderbaren Manieren des Vorsitzenden wirksam unterstützt. Zweimal hat Herr May aus Niedergrund, der sich zum Versammlungsleiter ernannte, weil sich der Schreckensteiner Ortsleiter dieser Funktion nicht gewachsen zeigte, Zusagen über die Dauer der Schimpfzeit für Sandner gegeben und zweimal hat er sein deutsches Manneswort zugunsten der offenen fascistischen Gewaltmethoden gebrochen. Nach ungefähr zweistündiger Dauer löste der Regierungsvertreter die Versammlung auf. Aus ihrem Verlauf werden die Arbeiter wohl hinlänglich erkannt haben, daß es Sandner und Konsorten um eine Diskussion wenig ernst ist. Verleumdungen und Verdrehungen So kämpft die SHFI— Haltlose Angriffe auf den Vorstand der Bezirkskrankenkassa In M.-Schönbers In zehntausenden Exemplaren verbreitet die SHF eine vierseitige Sondernummer der „Rundschau", in welcher in Form einer offenen Anfrage an den Vorstand der Bezirkskrankenkasse in Mähr.-Schönberg demagogische und gehässige Anwürfe gegen die Partei und ihre Funktionäre erhoben werden. Auf die Unkenntnis der Leser spekulierend, versucht die SHF aus dem privaten Fall des Beamten der Krankenkasse Rokusek politisches Kapital gegen die Sozialdemokratie zu schlagen, wobei sie nach bewährter Manier verschweigt, daß der Obmann der Kasse, Abg. Genosse Häusler, lange vor Erscheinen der„Rundschau" dem Verwaltungsausschuß der Kasse über die private Lebenshaltung des betreffenden Beamten berichtete und der Ansicht Ausdruck gab, daß dieser von Schönberg weg müsse. Ebenso verschweigt die „Rundschau", daß der in seiner Mehrheit bü rgerliche Verwaltungsausschuß auf Bitten d-S Beamten von einer Anzeige an die Zentral sozialvsisicherungsanstalt Abstand nahm, Vir halten der SHF die Wahrheit entgegen: Mit Sandner gibt et keine Diskussion Schreckensteiner Versammlung vorzeitig aufgelöst ter in einer Vollversammlung zu dieser Weigerung Stellung nahm und beschlossen haben, diese Ange» legenheit zur Austragung der Organisalron zu übergeben. Der Internationale Metallarbeiterverband hat sofort durch seine Funktionäre Verhandlungen angebahnt, um diesen Streit und den Abschluß des Lohnvertrages positiv erledigen zu können. Die Firmaleitung soll die Absicht gehabt haben, den Betrieb stillzitlegen. Frauentag ist Werbetag Ein Funktionär von B e n i s ch, Bezirk Freudenthal in Schl., schreibt unter anderem im Bericht vom Internationalen Frauentag: Wir gratulieren unserer Fraueuorganisation nicht«ur zu dem herrlichen und imposant verlaufenen Ehrentag, dem internationalen Frauentag, sonder« vor allem zudemerzieltenschönen Werbeerfolg. Innerhalb vier Wochen wurden 68 Genossinnen der Partei«»» -«geführt. Wer das alte Weberstädtchen Benisch mit der dort sprichwörtlich gewordenen Armut kennt, kau« ermessen, wie hoch diese 68 Beitritte zur Partei zu werten sind. Die braven und emsigen Funktionärinnen von Benisch haben den Beweis erbracht, daß auch in der so zermürbten und schweren Zeit für die Arbeiterschaft Werbeerfolge möglich sind. DaS Beispiel von Benisch muß auch in anderen Organisationen Erfolge bringen. Lina Abfuhr der klerikalen Presse Nach Ton und Inhalt der Presse der deutschen Ehristlichsozialen zu schließen, hat diese den Wahlkampf bereits eröffnet. Die Proben, die sie dabei von ihrer KampfeSweise gibt, läßt schon jetzt auf die Art, wie sie den Wahlkampf zu führen gedenkt, Schlüsse ziehen. Offenbar ist sie von de.r Hoffnung erfüllt, der Konflikt in den Reihen des Bundes der Landwirte könnte dazu beitragen, ihn: eine Anzahl Wähler abzutreiben, darum tötet sie zur Zeit nicht nur den Marxismus, sondern reibt sich auch am Bund der Landwirte und dies so, daß die„Deutsche Landpost" in ihrer gestrigen Ausgabe ihr eine Lektion erteilt, in der es unter dem Titel„Die Verlogenheit der kleri« kalen Presse am Pranger' heißt: „Das Blatt der Klerikalen, die„Deutsche Presse", bemüht sich in letzter Zeit in auffallender Weise allerhand Lug und Tratsch gegen den Bund» der Landwirte zusammenzutragen. Was dieses sich christlich nennende Blatt damit bezweckt, wollni wir heute noch nicht behandeln. Feststellen Wollen wir aber, daß kein einziges Blatt in einer der- artigcn niedrigen und hinterhälttgen Weise gegen die Geschlossenhett des sudetendeutschen Landvolk«; geifert und keift, als diese klerikale Zeitung... Einen Gipfelpunkt dieses unfairen und lügenhaften PressefeldzugeS«rreicht das klerikale Blatt aber wieder eimnal in einem gestrigen Bericht über das Ergebnis der Reichsparteivertretungssitzung des B. d. L. in Prag. Während die gesamte, auch die gegen das Landvolk feindlich eingestellte Presse, fast ausnahmslos die machwolle Einheitlichkeit der Auffassung hervorhebt und'die gefestigte Stellung des B. d. L. betont, begnügt sich das klerikal« Blatt nicht allein damit, die Tagung in jeder Hinsicht zu verkleinern und gewisse Vorkommen zu verdrehen, sondern solche frisch und frech zu erlügen. Als Ueberschrist dieser Verlogenheiten wählt die„Deutsche Presse" den Titel:„Landjugend trennt sich von Spina.".:. Wenn die„Deutsche Presse", die sich in Reklamenotizen— was allerdings Je nach Bedarf abgeleugnet wird— ausdrücklich als katholisches Blatt bezeichnet, die Hetze gegen die politische Geschlossenheit des deutschen Landvolkes als Auftakt zum Katholikentag in Szene setzen will, dann wird das Blatt und die hinter ihm stehende Partei sich zur Gänze verspekuliert haben. Das sudetendeutsche Landvolk ist christlich, wahrhaft christlich, nicht wie die Pharisäer, die unter dem christlichen Deckmantel jene verlogene und hinterhältig« ultramontane, also stets bolksschädigende Politik betteiben, wie si« in der klerikalen„Deutschen Presse" klar und deutlich zum Ausdruck kommt. Man wird nicht behaupten können, daß diese an die Adresse der christlichsozialen Presse gerichtete Lektion unverdient ist Sette l Sonntag, 24. März 1935 Nr. 71 Strafanzeige gegen Prof. Schloffer Die Untersuchung des Selbstmordes Dr. Gachs Tagcsnculgkcltcn In 40.000-Meter-Höhe 60 Grad unter Rull Moskau.(Taß.) Das Moskauer Hydrometeorologische Institut hat dieser Tage einen D a l l o n von 200 Zentimeter Durchmesser abgelassen, um eine Stratosphärensonde vorzunchmen. Tags darauf wurde der Ballon 200 Kilometer von Moskau entfernt aufgefunden. Bei der Prüfung der Aufzeichnungen wurde festgestellt, daß er eine Rekordhöhe v o n 3 9.6 8 0 Metern erreicht hatte. Die größte Höhe, die bei den bisherigen Ballonsonden in Sowjetrußland erreicht wurde, betrug 30.600 Meter. Der Ballon stieg mit einer Geschwindigkeit von sieben Metern in der Sekunde. In der Höhe von 10.300 Metern wurde eine Temperatur von 60.4 Grad unter Null, in der Höhe von 39.580 Metern eine solche von 47.6 Grad unter Null verzeichnet. Verhängnisvolle Verwechslung Aus Haida wird uns berichtet: Am Donnerstag, d. W. hatte die Firma Anton R ü ck e l A.-G. Glasfabrik in Langenau bei HPda in Böhm.-Leipa eine größere Summe Geldes zur Lohnauszahlung behoben. Dabei wurden bei dem Leipaer Geldinstitut einige verdächtige Burschen beobachtet und die Beamten der Firma hatten Verdacht, daß ein Einbruch in die Kanzleiräume der Firma geplant sei. Es wurde die Gendarmerie verständigt und am Abend die Kanzlciräume mit dre? Gendarmen, dem Gemeindepolizisten Mai und zwei Arbeitern namens Konrad und Plot besetzt. Gegen elf Uhr nachts vermeinte der eine der beiden in einem Raume gemeinsam postierten Arbeiter ein ihm verdächtiges Geräusch zu hören und rief um Hilfe. Der Gendarmerie-Oberwacht, meister Pecka eilte in den Raum, in welchem sich die beiden Arbeiter befanden, gefolgt von dem Polizisten M a i. Dieser gab in der Aufregung blindlings einen Schuß aus seiner» Dienstpistole ab und traf Pecka in den Hals. Pecka wurde l e b e n s g e'f ä h r l i ch v e r l e tz t. Die Kugel war ihm in den Hals gedrungen, durch den Kopf gegangen und durch das Auge wieder ausgetreten. Der Polizist feuerte noch mehrer! Schüsse ab. Wahrscheinlich hatte ihn der Umstand, daß der Arbeiter Konrad eine Brechstange in den Händen hielt, in.der Annahme bestätigt, die Einbrecher vor sich zu haben. Auf die Schießerei hin erschienen auch die anderen beiden Gendarmen auf der Bildfläche. Einer von ihnen gab ebenfalls einen Schuß ab, der den Arbeiter Konrad leicht im Gesicht verletzt«. Die Verletz-- ten wurden in das Krankenhaus gebracht, Dort wurde festgestellt, daß dem Obcrwachtmeister Pecka das Rückenmark schwer verletzt und die Schädelbasis zum Teil zertrümmert wurde. Das Ange wird entfernt werden müssen. Der Polizist Mai wurde zwar auf freiem Fuß gelassen, doch wird er sich wegen des Vergehens gegen die Sicherhest des Lebens zu verantworten haben. Eine gerissene»Heilige" Berlin. In Karlsruhe»findet gegenwärtig ein sensationeller Betrugsprozeß gegen die 43jährige Prophetin Berta Vögtle, ihren Ehemann und einen 26jährigen Friedrich M e i n z e r statt. Den Angeklagten werden nicht weniger als 35 Fälle von Betrug und Fäl- Blumen-Zauberdung begleiten, wenn sie schön blühen sollen 1 Paket Kc 5*60 durch die Verwaltung „Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tr. 62, end bei allen Kolporteuren erhältlich Samstag vormittags wurde im deutschen Institut für gerichtliche Medizin in Anwesenheit des Untersuchungsrichters die gerichtliche Obduktion der Leiche Dr. Gachs vorgenommen. Die Pylizei hat sämtliche Akten der Staatsanwaltschaft mit der Anzeige gegen Prof. Schloffer und seinen Affistenten Dr. Wenzel wegen Verbrechens nach 8 98 St.-G. übergeben. Dieser Paragraph wird durch das Gesetz gegen Nötigung weiter aus- gcführt. Nach dem 8 1 des Gesetzes aus dem Jahre 1921 gegen die Nötigung und zum Schutz der Versammlungsfreiheit macht sich derjenige einer Nötigung schuldig, der jemandem Nachteil an.».. Ehr«. Vermögen oder Erwerb zufügt oder ihm mit einem solchen Nachteil droht, oder wer wissentlich eine jemandem unmittelbar drohende Notlage ausnützt oder sein« Stellung als Beamter. Lehrer... oder Arbeitgeber dazu benützt, um widerrechtlich von jemandem eine Leistung. Unterlassung oder Duldung zu erzwingen". Nötigung ist eine Uebertretung, die mit Arrest von acht Tagen bis zu drei Monaten bestraft wird. Ueberdies ist der Schuldige zum Ersatz des entstandenen Schadens verpflichtet. Der Rechtsanwalt der Mutter Dr. Gachs, Dr. Emil Schneeberger, erstattete außerdem eine Strafanzeige gegen Prof. Schloffer, Dr. Wenzel und die 15 Aerzte, welche die Erklärung, die Dr. Gach in den Tod trieb, unterzeichnet hatten. Eine weitere Strafanzeige wurde gegen Dr. Wenzel wegen Vergehens nach 8 17 des Gesetzes aus dem Jahre 1923 über die Telegraphen erstattet. schung vorgeworfen. Die Hauptangellagte Berta Vögtle hatte im Dorfe Grötzingen als Leiterin einer religiösen Gemeinschaft eine große Anhängerschaft gelvonnen. Es gab Betstunden und große Versammlungen, denn Frau Vögtle galt als H e i l i g e und Prophetin. Als auswärtige Anhänger den Wunsch aussprachen, sich in der Nähe der Prophetin anzufiedeln, kam sie auf den Gedanken, Alters- und Unterkunftsheime für die Glaubensgenossen zu schaffen und bald gab es zahlreiche Kredit- und Darlchensgesuche, die aber bald einen unreellen Charakter annahmen, indem die Prophetin es verstand, von über 90 Kreditgebern mehr als 2 8 0.0 00 Mark aufzunehmen. Interessant war die Vernehmung einer Missionsschwester, die bei Frau Vögtle tätig war, aber zu zweifeln begann, als sie bemerkte, welche rege finanzielle Tätigkeit diese Frau ausübte. Sie sagte ans, daß in den Versammlungen der Vögtle das Zungenreden eine große Rotte spielte. Die Gläubigen, s ch r.i e e n in religiös» Verzückung w i c eine Schar Wölf'e, so'daß die Einwohner des Dorfes glaubten, es handle sich um e Tn'- gesperrte Tiere. Verheerende Sandstürme Springfield(Colorado). Die Sandstürme, die in den vergangenen Tagen mit außerordentlicher Heftigkeit in verschiedenen Staaten Nordamerikas wüteten und riesigen Schaden anrichteten, toben unerbittlich weiter. Durch Einatmen von Sandstaub kamen in Springfield fünf Personen ums Leben. In Elkhart sollen zwölf Menschen umgekommen sein. Das Vieh ist in ganzen Herden verendet. Ein Ende der Sandstürme ist gar nicht abzusehen. Selbststeuerflugzeug glatt gelandet New Aork. Wie aus Oakland gemeldet wird, ist das amerikanische Selbststeucrflugzeug, das zu einem längeren Uebungsflug längs der Küste des Stitten Ozeans gestartet war, nach neuneinhalb Stunden Flugzeit glatt gelandet. Während des Fluges hatte es ungefähr 400 Meilen von der Küste entfernt ein Zusammentreffen Mit dem von Honolulu kommenden Dampfer »Mariposa". Die ursprüngliche Absicht, das Flugzeug nach Honolulu fliegen zu lassen, konnte nicht ausgeführt werden, da die Maschine nur 2000 Liter Brennstoff an Bord hatte, die zwar für einen Flug von 2200 Meilen, jedoch nicht für die 2408 Meilen bis Honolulu gereicht hätten. Bei dem Selbststeuerflugzeug handelt es sich übrigens um ein Landflugzeug, so daß bei einer durch Brennstoffmangel notwendig werdenden Wasserung auf See mit dem Verlust der Maschine gerechnet werden mußte. Ein Beispiel. Die„Deutsche Landeskom. Mission" berichtet folgenden Fall: Ein Junge steht vor dem Gerichte. Er soll an einem Dieb- stähle beteiligt gewesen sein. Er ist 15 Jahre alt. Die Deutsche Jugendfürsorge wird verständigt. Der Berufsvormund, in dessen Pflichtenkreis dieser Fall gehört, führt die nötigen Erhebungen durch. Die Eltern des Jungen, beide mittellose Fabrikarbeiter, waren tagsüber vom Hause abwesend, um ihrer Arbeit nachzugehen. Sie hatten nie Zeit, sich um den Jungen zu kümmern. Er kam in schlechte Go< sellschaft und verkam inuner mehr. Und doch stellte der Lehrer ihm das beste Zeugnis aus. Er war stets willig, folgsam»md ruhig gewesen. Die Eltern bestätigten es. Der Berufsvormund übernimmt die Verteidigung des kleinen Verbrechers. DaS Gericht versteht seine In diesem Paragraphen heißt es: Wer wissentlich. ohne hiezu berechtigt zu sein, rin für einen anderen bestimmtes... Telephongespräch aufsängt, wird wegen Vergehens mit Arrest von acht Tagen bis zu drei Monaten bestraft. Veröffentlicht der Schuldige eine Nachricht, von der er auf diese Weise Kenntnis erlangt hat oder hat er sie zum Schaden eines anderen oder zu dem Zwecke.. um sich oder einem anderen einen Bermögensvorteil zu verschaffen, verwendet. so wird er wegen Vergehens mit strengem Arrest von 14 Tagen bi- zu sechs Monaten bestraft, sofern die Handlung nicht nach anderen geseblichen Bestimmungen strenger strafbar ist. Das Strafverfahren wegen dieser Vergehen kann bloß auf Antrag der Post- und Telegraphenverwaltung oder auf Verlangen d«S Geschädigten eingeleitet werden. Nach den neuesten Nachrichten hat Dr. Wenzel das Gespräch Gachs mit Dir. Bartosek nicht, wie er zunächst angegeben hatte, z u f ä l- l i g aus einem Nebenzimmer angehört, sondern von der Mithöreranlage abgehört, mit welcher die Telephonanlage auf der Klinik versehen ist. Das Professorenkollegium der medizinischen Fakullät hat Freitag beschlossen, den Sekundararzt dieser Klinik, Dr. Geza Nemenyi zur Ernennung als Assistenten vorzüschlagen. Bon Dr. Nemenyi, der Sohn eines Kaschauer Advokaten ist, wird behauptet, daß er sich, wie einige seiner Vorgänger an der Klinik Prof. Schlossers, hat taufen lassen. Ausführungen und würdigte sie. Der Junge wird frei ge sprach en. Die Jugendfürsorge verschafft ihm durch ihre B e r u f s- beratungsstelle einen rechtschaffenen, verläßlichen und strengen Lehrherrn. Der Junge vergißt seine böse Jugend und wird ein ordentliches und brauchbares Glied der Menschheit.— Was wäre aus dem kleinen„Verbrecher" geworden, wenn er der Strafe überant- wartet worden wäre? Wahrscheinlich ein Dieb und ein Schädling de? Gesellschaft... Launisches Frühjahr. In Böhmen, wohin heute vom Westen her kältere Lust eingedrungen ist, hat es an vielen Orten etwas geregnet. In Pilsen wurden nachmittags 9 Grad verzeichnet. Milowitz und Königgrätz, die um 11 Uhr vor der Wetterverschlechterung 15 Grad gehabt hatten, meldeten um 14 Uhr bereits nur noch 10 Grad. Auf den Kämmen des Erz- undRie- sengebirges hat cs geschneit. Oest- lich vom Böhmisch-Mährischen Hügelland betrug die Temperatur zur gleichen Zeit noch 1 6 bis 19 Grad. Die Wetterverschlechterung mit Abkühlung dringt nunmehr auch über den mittleren Teil der Republik ein.— Wahrscheinliches Wetter am Sonntag: Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, strichweise etwas Regen, vom Westen her jedoch wieder Abnahme der Niederschlagsneigung, kühler, mäßiger bis frischer Westwind. Selbstmord. Di« Staatsbahndirektion in Brünn gibt bekannt: Samstag nm Mitternacht erschoß sich in dem Dienstraum« dcS oberen Bahnhofes in Kke- novice der diensttuende Zugsexpedient, der 42jährige Oberadjunkt der Staatsbahncn Robert Z i ch l a r z. Er war sofort tot- Der Leichnam wurde in die Leichenhalle gebracht Zichlärz hinterläßt eine Witwe und ein unversorgtes Kind. Die Ursache des SelbmordeS ist b'Sher nicht festgestellt. Brandkatastropheu. In der Nacht auf SamS- tag brach in dem unmittelbar an der deutsch-tschecho- slowatischen Grenze gelegenen Ort S e i fhen« nersdarf in der evangelischen Kirche ein Brand aus. DaS Feuer ist wahrscheinlich im Gebälk deS Dachstuhls ausgekommen. Der D ach- st u h l und das Innere der Kirche, sind durch daS Feuer vollständig zerstört worden. Dec Turm und das Mauerwerk hwlten dem Feuer stand. Die Feuerwehren aus der ganzen Umgegend von dies- und jenseits der Grenze waren herheigeeilt, so auch aus Zittau, Warnsdorf uird Rwnburg.— Die Seifhennersdorfer Kirche'st eine her ältesten und schönsten der sächsischen Ooerlausih. Das jetzige Kirchengebäude ist 1797 erbaut worden.':' Die größte Stockholmer Vergnügungsstätte Gröna Lund wurde in der Nacht zum Samstag von eine'' verheerenden Feuersbrunst heimgesucht. Trotz der Anstrengungen der Feuerwehr konnte nicht verhindert werden, daß der Brand sich auf«in nahegelegenes Holzlager verbreitete. Der Schaden wird auf 200.000 schwedische Kronen geschätzt. Ueber di- Brandursache besteht noch keine Klarheit. Ein allgemeiner Reise-Wettbewerb wird für das heurige Jahr vom Verband der Sommerfrischen. Kur- und Ausflugsorre in der Tschechoslowakischen Republik vorbereitet. Jedem Teilnehmer wird zur Bedingung gestellt, daß er Heuer in den Ferien«in« möglichst große Anzahl von Orten in unserer Republik besucht. Der Besuch der einzelnen Ort« wird durch Kontrollmarken bestätigt werden. Der Verband fordert daher auf diesem Wege die Ge-' meindeämter, Berschönerungs- und Touristenverein«, Hoteliers, Restaurateur«, Geschäftsleute und überhaupt alle Faktoren, die an der Hebung unseres heimischen Reiseverkehrs und der wirtschaftliche» Prosperität ihres Gebietes interessiert find, auf, umgehend Prospekte mit ausführlichen Erläuterungen ftir den Wettbewerb anzufordern, damit ihnen die notwendige Menge von Kontrollmarken sowie andere Hitlers Politik für die Rüstunssaktlonäre Am Tage nach der Verkündung der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland lautete der Bericht von der Berliner Börse:„Rüstungswerte fest... das Geschäft be- schränste sich in erster Linie auf Rüstungswerte, die allerdings sprunghaft anziehen konnten. So gewannen Bayern Motoren 5,25 Prozent, Junghans 3,62 Prozent und Berlin-Karlsruher Jn- dustriewerke erschienen überhaupt nur mit Plusplusnotiz und mußte bis zum Kassakurs ausgesetzt werden. Auch hier liegt die Taxe zirka 5 Prozent über SamStagkurs. Ferner zeigte sich größeres Interesse für Montantverte unter Bevorzugung von Mannesmann, Rheinstahl und Stahlverein..." Und von der Prager Börse wurde am gleichen Tage gemeldet:„Die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland ließ erwartungsmäßig eine festere Tendenz für die Rüstungswerte aufkommest. Skoda-Aktien waren vorbörslich um 20 Prozent über dem gestrigen Kurs. Auch die übrigen Aktien machten diese Aufwärtsbewegung mit." Und in P a r i s gingen sämtliche Papiere zurück, mit Ausnahme der Aktien Schneider, die von 1410 auf 1448 Francs stiegen. Die internationalen Rüstungskapitalistcn werden es Hitler gewiß danken, daß er ihnen so glänzende Gewinnchancen verschafft. Hilfsmittel zugesandt werden können. Verband der Sommerfrischen, Kur- und Ausflugsorte der Tfche- choslowickischen Republik, Prag ll., Vladislovova ulice Nr. 2. Bon der Freien Schule für politische Wiffen- schasten. Die Inskriptionen in das Frühjahrssemester 1935 dauern vom 25. März bis 6. April. Die Borträge beginnen am 29. April.(Sekretariat der Freien Schule: Prag I-, Ovocny trh 3.) Das erste Fernseh-Programm. Im Berlin e r Funkhaus wurde am Freitag der deutsche Fernseh-Programmhienst eröffnet. Im Anschluß hieran wurde das aus 16 Nummern bestehende erste Fernseh-Programm der Welt vorgeführt. Chinesische Freischärler haben den P o l i» zel Präfekten von Tunchua(Südmandschurei) und seine beiden japanischen Berater in einem Kraftwagen entführt. Die Aufständischen verlangen die Entlassung ihrer Kameraden aus dem Gefängnis, andernfalls würden sie die entführten Geiseln erschießen. Tennis als Arbeitersport Bor nicht allzu langer Zeit, war das^Tennisspiel ausschließlich ein Vorrecht des Bürgerwms, weil die damit verbundenen Kosten für einen Arbeitersportler einfach unerschwinglich waren. Ost konnte man sehen, wie Arbeitersportler bei zugänglichen Tennisplätzen standen und mit größtem Jnter«ffe dieses schöne Spiel verfolgten, ohne auch nur die geringste Aussicht zu haben, auch auf diesem Gebiete sportlich tätig sein zu können. Tennis war eben ein bürgerlicher Sport und kostete viel Geld. Damit mußte man sich eben abfinden. Bor fünf Jahren bildet« sich in Auffig eine Gruppe von Tennisinteressenten, welche es sich zum Ziele machten, eine Arbeiter-Tennis-Sektion ins Leben zu rufen. Die Schwierigkeiten, die sich der Erreichung dieses Zieles entgegenstellten, lagen darin, einen Tennis-Platz zu finden. Das ist nun geschehen. Aus keinen Anfängen, nur auf Selbsthilfe angewiesen, biÄete sich eine neue Sparte der Turn- bcwegung. DasZiel dieserSparte ist: Dem Arbeitersportler und der A r b« i t« r s p o r t I e r i n fürmöglichst wenig Geld die Möglichkeit zu g e b e n, d a s T e n n i s s p i e l z u erleine n u n d zu pflegen. Wir wollen beweisen, daß Tennis nur solange der Sport der exklusiven Kreise ist, solange der Arbeitersport keine Möglichkeit hat, diesen Sport auszuüben. Vom Rundfunk aus«en Programmen: Montag. Prag, Sender L.: 10.25: Deutsche Preffe- und Wetternachrichten. 12.10: Blasmusik. 13.35: Arbeitsmarkt. 18.15—18.50: Deutsche Sendung. Fischer: Elternhaus, Schule und Jugendgemeinschaft. Dr. Grab: Vorschau auf das Musikprogramm der tschechost. Sender. 18.35: O. Sedler: Streifzüge durch den Böhmerwald. 22.30: Deutsche Nachricht?^. Sender Str.: 15.05: Deutsche Sendung: Die tönende Rundfunkschau. 15.35 Deutsche Preffenach- richten. Brünn: 17.45: Deutsche Sendung. 18.40: Arbeitersendung. Mähr.-Oftranr 18.15: Deutsche Sendung. Dienstag. Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presie- und Wetternachrichten. 11.05: Deutscher S ch u l- funk, übertragen aus Auffig a. E. 12.10: Potpourris aus Smetanas Opern auf Schallplatten. 18.15—18.50: Deutsche Sendung. Wannenumcher: Wirtschaftliches Relief. 18.25: Volkstümliche Musik. 19.10: Konzert der Blasrnufik d. 5. Jnf.-Reg. 21:20: Orchesterkonzert. Sender Str.: 14.35: Opernmusik auf Schallplatten. 15.00: Deutsche Sendung.. Dr. L. Spitzer, Prager Momentbilder. Brünn: 15.55: Orchesterkonzert. 17.50: Deutsche Sendung. Soziale Information. 17.55: Arbeitersendung. A. Stern: Brünner Erinnerungen. 19.55: Der gesetzliche Schutz vor Störungen d. Rundfunks. Nr. 71 Seite 5 Sonntag, 24. März 1935 Luftschutz ah demokratischer Abwehrkampf Zorn Regierungsentwurf eines tschechoslo- vakischen Luftschutzgesetzes I. Die Regierung hat am 3. d. M. dem Ab- geordnetenhauS den Entwurf eines Lufrschutzgeset» zes vorgelegt. Eine zeitgemäße Sache ohne Frage, höchst zeitgemäß angesichts der riesengroß drohenden Kriegsgefahr. Die Schweiz, in ähnlicher Lage wie die Tschechoslowakei, besitzt seit 29. Jänner ein rechtskräftiges, weitgehendes Lustschutzgesetz. Eine Sache von überragender Wichtigkeit für eine proletarische Partei, welche nicht leugnen kann, daß es sich um den Schutz breiter Bolksschichten handelt; die jedoch die Augen nicht verschließen darf, vor der Gefahr einer Militarisierung des Volksgei st es, die von einem solchen Gesetze ausgehen kann. Werden nicht die kommenden einschneidenden Maßnahmen die lleberzeugung fördern, daß der Krieg eine unvermeidliche Schicksalsfügung ist? Wird er nicht gar als der Bringer langersehnter Arbeitsgelegenheit erscheinen, als Beschäftige! der vielzuvielen jetzt müßigen Arme schon während der Kriegsvorbereitungen gemäß dem Gesetze? Ja, als Bringer romantischer Erlebnisse nach öden, zermütckenden Krisenjahren? Als Entladungszone für die aufge- häusten Erbitterungen, Enttäuschungen der schweren Zeiten? Alle diese Gründe haben der Luftschutzpropaganda in den fasciftischcn Staaten eine verhängnisvolle Bedeutung für die Bolksseele gegeben; Neudeutschland, Oesterreich, Italien, Polen sind auf dem Gebiet überaus rege und nützen die Gelegenheit zur seelischen Kriegsvorbereitung nach Kräften aus. Und doch ist Luftschutz seinem Wesen nach eine ausgesprochene VerteidigungS Maßnahme! Eine Einrichtung, wie geschaffen zur geistigen Abwehr der Kriegsgefahr, zum Schutz der Demokratie gegen die fascistische Werbearbeit. Den Luftschutz in den Dienst der demokratischen Aufklärung, der Mobilisierung der VolkSkräfte gegen die Barbarei eines Zukunftskrieges zu stellen, das ist unsere Aufgabe. Wie kann sie erfüllt werden und iirwiefern bietet daS vorgeschlagene Lustschutzgesetz dazu die Handhaben? Welcher Verbesserungen bedarf es, um den skizzierten Zweck zu erfüllen? Ehe wir an die Beantwortung dieser Fragen im einzelnen herantreten, bedarf eS einer grundsätzlichen Richtigstellung dem Gesetzentwurf gegenüber durch Beantwortung der Frage: Ist wirksamer Luftschutz möglich? a) Der Standpunkt des tschechoft. Roten KrenzeS. DaS tschechoslowakische Rote Kreuz beschäftigt sich seit Fahren, allerdings mehr ideell als organisatorisch, mit der Luftschutzfrage. Der Standpunkt, den es hiebei einnimmt, ümn aus einem Vortrag entnommen werden, den am 26. Jänner v. I. sein Zentralsekretär, Stabskapitän Rosenbaum in Prag vor Pressevertretern hielt. Die Ausführungen dieses Redners beweisen einen unbegründeten Optimismus. Er erklärte, daß die Gefahren eines Gaskrieges von der breiten Oeffcntlichkeit aus Unwissenheit überschätzt werden. Eine gut auS- gebaute militärische Verteidigung, ergänzt durch Abwehrmahnahmen, die im Frieden vorbereitet werden, schränke die Möglichkeiten und die Folgen von Fliegerangriffen beträchtlich ein. Die Bevölkerung müsse Vertrauen zu der Verteidigung fassen! b) Was sagt hiezu der Motivenbericht des Gesetzentwurfes? Er steift sich ganz ähnlich ein wie das Rote Kreuz. Die defaitistischen(d. i. entmutigenden), vielfach tendenziös verbreiteten Gerüchte über die Unmöglichkeit der Fliegerabwehr müssen, so sagt der Motivenbericht, abgelehnt werden. ES gebe eine Möglichkeft, sich sowohl gegen die Sprengwirkung von Geschossen wie auch gegen deren Brand« und chemische Wirkungen zu sichern; und da eS schon in einem geht, wird auch gleich behauptet, daß die Wirkung von Bakterienangriften ebenfalls abgewendet werden kann! Ehe wir auch nur einen Begriff davon haben, welche Gestalt diese vieUeichi tückischeste Kriegsgefahr annehmen tvird. Einer solchen Argumentation kann der Vorwurf, tendenziös zu sein, nicht erspart werden. Eie ist eS in ähnlicher Weise wie die kürzlich durch die Presse gegangene Aeußerung deS holländischen Ministers Becker vom 14. v. M., die den ausgesprochenen Zweck hatte, daS Land über die Notwendigkeit der Teilnahme an einem Lustpakt zu beruhigen. Wenn Minister Becker sagte, in Sachverständigenkreisen sei man überzeugt, daß eS niemals zu einem unbeschränkten Luftkrieg kommen könne, so setzte er sich in Widerspruch zu den anerkanntesten Autoritäten. ES seien nur genannt, General Hirschauer, der Berichterstatter des fran, zösischen Senats, dem er am 3. Mai 1933 erklärte, die Gefahr eines plötzlichen Luftangriffes zur Zerstörung der feindlichen Industriezentren und Demoralisierung der Zivilbevölkerung sei außerordentlich gestiegen; ferner Henderson, der in einem durch.die internationale Presse gegangenen Artikel zu Anfang April 1934 nachwieS, daß die englische Heeresleitung den totalen Luftkrieg vorbereitet hat. Marschall Petain und der französische Luftfahrtminister Denain sind der gleichen Meinung hinsichtlich Deutschlands. Die Reihe von Fachleuten könnte noch lange fortgesetzt werden, denen sich Männer wie Becker beugen müßten. Und ebenso müßte sich das tschechoftowakische Rote Kreuz, wenn es von den Gefahren deS Luftkriebei deutschen Sozialisten Amerikas Bon Julius Deutsch Genoss« Dr. Julius Deutsch war einige Wochen in Amerika und hat dort Borträge über die politische Lag« in Europa, über Fascismus und Sozialismus und über die Wiener Feber- Re,volution gehalten. Er hat über seine Eindrücke ein Buch geschrieben, das unter dem Titel„Kontinent in Gärung", amerikanische Reisebilder, im Verlag Eugen Prager, Preßburg, erschienen ist. Das Buch ist flüssig geschrieben, liest sich sehr leicht und erzählt eine Reihe von Einzelheiten, di« ein gewifles Bild der amerikanischen Eigenart geben. Insbesondere für denjenigen, der sich für soziale Dinge interessiert, enthält das Büchlein— das nicht Anspruch erhebt, eine Darstellung der sozialen Probleme Amerikas zu geben, sondern nur ein Reisetagebuch sein will— ein« Menge bemerkenswerter Dinge. Wir drucken nachstehend daraus einen Abschnitt ab, der sich mir der sozialistisch verwalteten Stadt Milwaukee beschäftigt.-, Milwaukee. Wundervolle Stadt am Michigansee, herrlich eingebettet zwischen sanften Hügeln! Breite, schöne Parkanlagen, reine, gepflasterte Straßen. Wenig Wolkenkratzer, aber dafür. eine Menge ansehnlicher Bürgerhäuser. Jntereffante Denkmäler, darunter ein Goethe- Schillerdenkmal, das dem von Weimar genau nachgeahmt ist. Das ist nicht jenes Amerika, das ich bisher gesehen habe. DaS ist etwas ganz anderes. Was ist eS nur, was diese Stadt schon beim ersten Anblick so vertraut und anheimelnd macht? Vielleicht der Umstand, daß Deutsche diese Stadt erbaut haben und ihr den Charatter aufdrückten oder vielleicht mehr noch, die überall fühlbare Arbeit der Sozialisten, die seit Jahren diese Stadt verwalten, als die einzige unter den größten Städten Amerikas? Bor hundert Jahren drangen die ersten Ansiedler bis Wisconsin vor, so heißt das Gebiet um den südlichen und westlichen Teil des Michigansees. Vor 90 Jahren wurden die ersten Häuser d-r Stadt Millvaukee erbaut, nachdem man die Indianer verdrängt aatte, die bisher hier fäffifl gewesen waren. Heut« zählt die Stadt 600.000 Einwohner. Ein Drittel davon bekennt sich nock immer zum Deutschtum. Der Bürgermeister ist der prächtige Daniel W. Hoan, ein guter Sozialist und ausgezeichneter Verwalter. Wir hatten Gelegenheit, ihn während einer Sitzung der sozialistischen Frattion der Stadträte zu sehen und dann mit ihm eine Weile zu verbrirVen. Er schwärmte geradezu von dem roten Wien, da- auch für ihn und seine.Mit arbeiter ein leuchtendes Vorbild war. Eine Abordnung der Milwaukeer Stadtverwaltung ist vor einigen Jahren in Wien gewesen, um die dortigen kommunalen Einrichtungen zu studieren. Vieles von dem, was die Abordnung in Wien gesehen hat, versuchte man, den hiesigen Berhältnisien an- gepaßt, in Milwaukee nachzuahmen. So ist es denn kein Wunder, oatz ein Wiener Sozialist sich in Milwaukee bald heimisch fühlt. Am stärksten kam mir die geistige Verbundenheit mit dieser Stadt und ihren Bewohnern zum Bewußtsein, als ich vor der mächtigen Versammlung stand, di« im größten Saale Milwaukees stattfand. Eine Gruppe Roter Falken sang die vertrauten Weisen unserer Kinderfreundelieder. Dann konnte ich nach einer kurzen englischen Einleitung deutsch sprechen, was von dem größten Teil« der Anwesenden verstanden wurde. Die Stimmung in dieser Versammlung läßt sich nickt leicht beschreiben. Zwischen dem Redner und den Zuhörern war schon nach den ersten Sätzen jerc 3 Band der Zusammengehörigkeit, das die Wirkung der Rede erhöht, weil sie von der Gemeinsamkeit der Gefühle pnd der Neberzeugung getragen ist. Milwaukee ist ein« rote Insel in Amerika. Aber auf diesem Kontinente haben die großen Erschütterungen seiner Wirtschaft alles, was bisher fest und unverrückbar erschien, in Bewegung gebracht. Im Augenblicke kann niemand sagen, wohin di« Entwicklung treibt. In dieser Situation mag das Beispiel einer Stellvertretung, die — was auch vom Gegner anerkannt wird-t* sauber und korrekt ist, und die vor allem imstande war, sichtbare, soziale Erfolge zu erzielen, eine stärkere Wirkung ausüben als in normalen Zeiten. Ein aus dem alten Oesterreich auSgewan- derter Sozialdemokrat, der Deutschböhme Heinrich Bartel, ist in der sozialistischen Bewegung Milwaukees eifrig tätig. Unter seiner Führung und unter der des italienischen Emigranten Severino Polio sah ich die Stadt und ihre Umgebung. Schließlich ließen es sich die beiden nicht nehmen, mich auch noch in die nächste Stadt; nach Racine, zu begleiten. Dort trafen wir wieder eine größere Anzahl deutscher Sozialisten, Reichsdeutsche und Oesterrcicher. Unvergeßlich di« Gastfreundschaft, da» warme Verstehen und die Begeisterung für die Arbeiter- betvegung in der alten Heimat. Menschen, die schon Jahrzehnte von Europa fort sind, bekommen nasse Augen, wenn sie daran zurückdenken. Das ist indes nickt die bloße Rührseligkeit der Erinnerung an entschwundene Zeiten, sondern eine tieft, innere Verbundenheit iftit dem Geiste des eutopä» jschen SvzialiSmuS.->>:«.M; m ges spricht, beugen vor kn autoritären Kundgebungen der Internationalen Konferenz des Roten Kreuzes zu Brüssel(1928 und 1930), zu Rom(1929) und zu Tokio(1934). Aus den Kundgebungen dieser Instanz sei herauSgegriffen ein protokollarischer Konferenzbeschluß(Brüssel, 30. Oktober 1930):„Aus der Prüfung der Entschließungen der Sachverständigen in Brüssel gebt hervor, daß ein Krieg die Zivilbevölkerung sehr schweren Gefahren aussetzen würde und daß es in gewissen Fällen, namentlich für dichte Bevölkc- rungssiedlungen, fast unmöglich wäre, diese zu schützen. r) Zwei tschechisch« Fachleute sprechen. Auch zum Motivenbericht des Gesetzentwurfes ist eine Gegenstimme anzuführen. Zur rechten Zeit ist in dem maßgebenden Militär-Fachblatt der Republik.Vojenfte Rozhledy"«in Urteil zweier hoher Offiziere erschienen. Mit ihm müssen wir den Optimismus deS Mottvenberichts konfrontieren, um die Sachlage in ihrer vollen Schärf« würdigen zu können. In der letzten Nummer des genannten Blattes(zittert in der Prager Abendzeitung vom 12. März) beschäftigen sich der Oberstleutnant deS Generalstabes Feistmantl und der Major des Flugwesens Smid mit der Frage deS Luftkrieges. Was sagen sie zur Behauptung des MotwenberichlS,.es gibt«ine Möglichkeit, sich gegen Luftangriffe zu schützen, man muß sie nur rechtzeitig voärereiten"?„Niemals", urteilen die beiden Militärs,„können die Abwehrmaßnahmen gegenüber dem Flugwesen im Vorteil sein, denn das UeberraschungSmoment, die Schnelligkeit der Durchführung und die KonzentrattonSmöglichkeft werden stets auf feiten der Angreifer sein". Man lese nach, waS sie über die Vergasung Prags schreiben: daß diese sich auf daS kriegswichtige Zehntel der Stadtfläche beschränken, dann aber auch kein größeres Flugzeuggeschwader benötigen würde, als heute schon zur Verfügung stehen. Daß daher mit den bereits vorhandenen Mitteln der Militärluftfahrt entscheidender Einfluß auf die Kriegsführung gewonnen werden kann— offenbar ein zureichender Grund für militaristische Regierungen, um Fliegerangriffe auch wirklich anzuordnen. Der Wert des Luftschutzes. Er ist zweifellos so groß, daß er für kriegsbedrohte Staaten unentbehrlich wird. Die Bevölkerung muß mit der Beschaffenheit der Lustgefahr und der Abwehrmaßnahmen bekanntgrmacht und dadurch nach Möglichkeit vor der Panik im Ernstfälle bewahrt werden. Ein Teil der Bevölkerung kann durch rechtzeitige- Aufsuchen geeigneter Unterstände vor dem Tod bewahrt werden. Haben nur Gasangriffe die Wohnstätten entvölkert(find sie nicht durch Spreiq« und Brandwirkung vernichtet) so kann durch sachgemäße Entgiftung die Bewohn- barkeit alsbald wiederhergesteift werden. Die Feuersgefahr der Brandangrifft kann durch„Entrümpelung" der Dachböden herabgesetzt werden. Dadurch werden die Aussichten de» luftgeschützten Landes, den über alle Maßen furchtbaren Zu- funstökrieg durchzuhalten, länger die Nerven zu behalten und dadurch auch den Sieg zu ermöglichen, um einen Prozentsatz erhöht. Umgekehrt mutz ein ungeschützte- Land auf den kriegslustigen Nachbar, der seine Städte ein wenig geschützt weiß, ermutigend wirken. Aus diesen Gründen dürfen wir hinter der Luftschutz-Rüstung unserer Nachbarstaaten nicht zurückbleiben. Indessen— daß eS zweckmäßig sein sollte, die Bevölkerung zu beschwichtigen, statt sie gegen die barbarische Kriegsdrohung seitens der fascistischen Staaten zu mobilisieren, daß die Panik vermindert werden sollte dadurch, daß die Gefahr bagateUisiert wurde— das ist kein richtiger Sst andpunkt. Die vielen sachgemäßen und notwendigen Bestimmungen des vorliegenden Gesetzentwurfes sotten und dürfen nicht entwertet werden durch ein« Tendenz zur Schönfärberei, welche dem notwendigen Luftschutz unterricht, der für die Allgemeinheit kommen wird und kommen muß, eine falsche Richtung geben würde. Der Luftschutz ist notwendig und hat einen gewissen Wert, aber er vermag weder die körperliche Sicherheit noch die wirtschaftliche Existenz der Bevölkerung im Kriege wirklich zu gewährleisten. Das müssen wir den Männern und Frauen sagen, vor allem um ihren Willen in die wichtigste Richtung zu lenken: darauf, daß der Krieg wenn irgend möglich abgewendet wird. E. B. Volkswirtschaft und Sozialpolitik , Eine traurige Statistik Trotzdem viele Gebiete der Tschechoslowaki- schen Republik auf den Export angewiesen sind und tausende Arbeiter nicht beschäftigt werden können, wenn unsere Ausfuhr nicht wieder belebt werden wird, widmet unsere Wirtschaftspolitik den Exportinteressen zu wenig Aufmerksamkeit zu. Wie sehr die Tschechoslowakei gegenüber anderen Staaten im Umfang ihres Außenhandels zurücksteht, lehrt eine Veröffentlichung des internationalen Büros der Handelsstatistik, den die m der nachfolgenden Tabelle genannten Staaten angehören. In dieser Statistik wird bezeichnet, welcher Außenhandelswert in den einzelnen Ländern auf je tausend Einwohner entfällt. Es ergibt sich nun folgende Reihenfolge(Wert des Außenhandels auf 1000 Einwohner in Tausend Goldfran- ken): 1. Schweiz 896, 2. Niederlande 793, 3. Island 743, 4. Neuseeland 711, 3. Dänemark 396, 6. Belgien mit Luxemburg 331, 7. Großbritannien 516, 8. Norwegen 409, 9. Frankreich 368, 10. Schweden 827, 11. Portugal 815, 12. Oesterreich 234, 13. Deutschland 212, 14. Tsche- chosiowakci 160, 15. Griechenland 83, 16. Li- i tauen 80, 17. Magyarien 69, 18. Nieberländssch Indien 84, 19. Belgisch Kongo 16. Daraus geht also hervor, daß die Tschechoslowakei von 19 Staaten, unter denen sich auch I Kolonialländer befinden, er st anl 4. Stelle st e h t, trotzdem sie ein Exportstaat ist. Der ganze Verfall unseres Exports in den letzten Jahren geht aus diesen Ziffern geradezu erschreckend hervor, ebenso wie die wichtigen Aufgaben, welche unserer Wirtschaftspolitik gesetzt find. Die Weizen-Welternte Noch kein End« der Weltagrarkrise. Die Aussichten für die Entwicklung d«S Getreide-Weltmarktes werden jetzt günstiger beurteilt als vor einem Jahre. Durch Produktionseinschränkungen und ungünstigere Ernteergebnisse in einzelnen maßgebenden Getreideländern, wie Kanada und den Vereinigten Staaten von Nordamerika ist die Welternte an Weizen zurückgegangen. Das Internationale Agrarinstitut in Rom gibt folgende Zahlen für die Welternte bekannte in Mill. Tonnen in, Mill. Tonnen 1926/27... 92 1931/82... 101 1927/28... 99 1932/83... 99 1928/29... 107' 1932/33... 102 1929/30.,. 94 1933/34... 99 1930/31... 102 1934/35... 89 Für 1934/35 wird auch mit einem bedeuten« Iden Rückgang der Welworräte an Weizen gerechnet. Sie werden vom Institut für das Ende dieses Erntejahres auf etwa 10 Millionen Tonnen geschäht, während sie am Ende des vorigen Ernte» l jahres noch 19 Millionen Tonnen betrugen. Vom Praticr DundhmM Unseren Rundfunkprogrammen fehlt das Bedeutsame. Daß die VorttagSfolgen sich an einen festen Rahmen halten müssen, soll nicht bezweifelt werden. Die Gefahr besteht nur hier darin, daß bei dem beschränkten Zeitmaße der Rahmen eben alles bleibt— das Gerüst also den Bau ersetzen muß; und da» ist halt wenig wohnlich! lieber das gewohnte Gleichmaß hinausreichend« Ereignisse waren den beiden Sonntagen Vorbehalten. Der erste brachte als Entlehnung von Brünn Leo Blechs ein- aftige komisch« Oper„V e r s i e g e l t" in einer ungemein musikfreudigen Aufführung. Regie: Otto Koch-Gaarden, Dirigent: Ackermann a. G. Die Besetzung machte mit einer Reihe sehr schätzenswerter Sänger bekannt, die ein beachtliches Können für daS liebenswürdige Werk einsetzten.— Man muß durchaus nicht der Meinung sein, daß gesammelt« Jahre immer ein Verdienst ftien, um die Äedeu- tu.ng des ÜSjährigen Dirigenten-JubiläumS des Generalmusikdirektors Robert M a n z e r in Karls- bad zu würdigen. Robert Manzer ist ein Musiker von ganz besonderer Qualität und ein nicht unwesentlicher Teil unserer beimischen Kunstlebens bleibt mit seinem Namen verknüpft. Er führte das Orchester der Stadt Karlsbad-u einer künstlerischen Lei stungsfähigkeit, die auch ganz großen Aufgaben gewachsen ist. DaS stellt« auch die Sonntagsendung vom 17. März unter Beweis, als sie das Jubiläumskonzert aus Karlsbad überttug. Bruckner» Siebente kröuft da» auserlesene Programm, da» dem Orchester und seinem jubilierenden Dirigenten einen ehrenvollen Erfolg brachte. Eine selbstverständliche Pflicht erfüllt« der Rundfunk mit der dem Prager Musikschriftsteller Edwin Janetschek andertrauten Geburtstagsfeier für den sudetendeutschen Komponisten Anton R ü ck au f und den deutschen Liederschöpfer Hugo Wolf am 18. März. Die aus dem Schaffen der beiden Meister ausgewählten Lieder sang Gertrud Pitzinger, die«inführenden Vorträge sprach Edwin Janetschek.— Als besonderen Gewinn möchte ich noch hervorheben die Jugendstunde am 14. März, die unter der Leitung Prof. Stuchlik-Deutel- moserS alte und neue Sonattnen für Klavier(die Vortragende) und Violine(Marg. Hönel-Schweyda) zum Bottrag brachte. Zu den ernsten Kragen der Zeit Stellung zu nehmen, bleibt nach wie vor völlig der Arbeltersendung überlassen. Die neue Ge- meindefinanz-Novell« wurde von Bruno Schwab in- terprettert; über„Jugendschulung in der Krise" sprach dtr auf diesem Gebiete wirkende und daher erfahrene Fachlehrer Genoss« Heinrich tzerget; sehr zeitgemäß waren Grete Schneiders Gedanken zu dem Thema„Frauenrecht in,der Demokratie". Eindringlicher all» jede» Wirtschaftsrelief sprechen aus der Zeit die erschütternden Bilder von den notleidenden Heimarbettern im Böhmerwald(Willi W a n k a) und von den Glasarbeitern des Gablonz» Tannwalder Gebietes. Der übrige Teil des Zweiwochenprogrammes — soweit e» aufnehmbar war— gehörte der Zerstreuung und den Anforderungen de» Landwirt- schastsfunks. Gäbe«S nicht die rituellen Zehnmin»- tenbericht« der Akbeitexsendung, dann ginge der Rundfunk an den bedeutungsvollen Ereignissen in der Weltpolitik ganz vorüber. Das. ist nun freilich eine arge Lücke im Wirkungskreise des Radio». Sie kann dadurch nicht geschlossen werden, daß Genosse Paul die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland soweit streifte, als e» die ihm zuge- meffene Zeit möglich macht. Der Sender einer demo- kratischen Republik hat da wohl«ine größere Pflicht zu erfüllen. Sie einmal in Erwägung zu ziehen, wär« fruchtbarer als der ängstlich« Üebereifer der Zensur, der in dem Vortrage des Referenten über „Rundfunk und Volksbildung" das begründet« Verlangen nach einem eigenen deutschen Sender unterdrückte... in einer Zett, da so vieft tschechisch« Pressestimmen Gründe genug anzuführen wissen, die zur Errichtung eines deutschen Sender» drängen! Ernst T h ö n e r. erfff 6 „Sozialdemokrat" «r. 71 PBAGER ZEITUMO Erfanden« Revolvergeschichten. Vorgestern erschien ein Mann, namens Florian Timet ans Hlou- bktin bei der Polizei, um Anzeige gegen einen Un- . bekannten zu erstatten, der in der Wohnung seiner Schwiegermutter Marie Kahovec Vorgesprächen habe, um if,c einen Revolver zum Kauf anzubieten. Da sie thn nicht kaufen wollte, habe er, um die verschiedenen Tugenden des Revolvers zu demonstrieren, ihn entsichert, wobei ein Schutz den achtjährigen Stiefsohn des Simek, Florian, schwer verwundet habe.— Gestern wurde jedoch festgestellt, datz Simek selbst, der inzwischen verschwunden ist, durch seine Unvorsichtigkeit des Unglück verschuldet hatte; die ganze Geschichte war glatt erfunden. Der Revolver wurde in der Wohnung gefunden und- beschlagnahmt, nach Simek wird geforscht. Selbstmorde. Gestern vormittags wurde der 41jährige Geschäftsmann Frantisek P. in seiner Wohnung in der Mozartgasse in Smichov erhängt aufgefunden. Wie aus einem hinterlassenen Brief hervorgeht, sind finanzielle Schwierigkeiten das Motiv.— Gestern früh erhängte sich aus unbekannter Ursache der 62jährige Zimmermaler Emanuel Richter in seiner Wohnung in Nusle. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht.— Um 6 Uhr morgens fanden Passanten gestern den 60jährigen Schmied Josef Kobanda aus Leitmeritz auf einem Baume hängen. Er lebte noch und wurde, nachdem er abgeschnitten worden war, auf die Polizei zur Erholung gebracht. Da er Anzeichen von Geistesverwirrung zeigte, wurde er in di« Irrenanstalt gebracht. 69jähriger überfahren. Auf dem Arbesplatz in Smichov lief gestern mittags der 69jährige Vaclav Drubeckh, Inhaber einer Realitätenkanzlei in Holle- schowitz, vor ein vom Lackierer Josef Porsch aus Koschirsch gelenktes Motorrad und wurde zu Boden geworfen. Mit einer Gehirnerschütterung und einer Ritzwunde am Kopf wurde er auf die Klinik Jiräsek gebracht. Nach der Aussage der Zeugen hat er den Unfall selbst verschuldet. Poste» suchen: Handels-, und technisches Personal aller Art: Anfragen beim Angestellten-Verband Prag II. 1866. Telephon 51351 Bei Nervenreizbarkeit, Kopfschmerzen» Schlof- lostgkeit», Mattigkeit, Niedergeschlagenheit, Angstgefühlen hat man in dem natürlichen„Franz-Josef"- Bitterwasser ein Hausmittel in der Hand, um die meisten Aufregungen, von welchem Teil des Verdauungsweges sie auch immer ausgehen mögen, allsogleich zu bannen. Aerztlich bestens empfohlen. ticrlchtssaal Ein dummer Witz und eine ernste Anklage Prag.,Der 20jährige Josef P. bat die Erfahrung machen müssen, datz man zuweilen auf sonderbarste Weise mit dem Strafgesetz in Konflikt kommen kann. In dem vor dem Strafsenat W a r e t e l verhandelten Fall dieses jungen Mannes handelt es sich um einen zwar nicht sehr geistreichen, aber doch harmlosen Scherz, der keinerlei böse Folgen hatte und dem Jüngling dennoch eine Anklage zuzog. die diesem eine mehrmonatliche Kerkerstrafe hätte eintragen können. Josef P„ der in einem nahen Dorf wohnt, pflegte sich mit der Verkäuferin der örtlichen Tabaktrafik zu unterhalten und zu Necken. Eines Tages hatte er nun einen Einfall, den er für sehr witzig hielt. Er verkeilte nämlich die Tür des Tabakhäuschens durch ein«ingeschobenes Stück Holz von nutzen, und zwar st» fest, datz ne von innen nicht zu öffnen war. Di« Verkäuferin merkte den schlechten Witz nach einiger Zeit, als sie eine Besorgung machen wollte, aber die Tür trotz allem Rütteln nicht aushekam. Sie begann zu rufen, aber vergeblich, denn die Dorfstratze war just zu dieser Zeit wie ausgestorben. Kurz und gut— die Verkäuferin war weit über eine Stunde in ihrem Häuschen eingesperrt und der Witzbold lachte unbändig über den gelungenen Streich. Das Lachen verging ihm, als er zur Gendarmerie zitiert und in ein hochnotpeinliches Verhör genommen wurde. Aber die Reu« lind' alle Entschuldigungen-kamenzu spät. Die Anzeige'ging weiter und die Staatsanwaltschaft erhob gegen Josef P. die Anklage wegen des Verbrechens der- öffentlichen Gewalttätigkeit, begangen durch Einschränkung der persönlichen Freiheit, und so satz er denn angstschlotternd auf der Anklagebank Der Gerichtshof gelangte schlietzlich zu der Ueberzeugung, datz ein böser Vorsatz nicht nachzuweisen sei und es sich um einen Jungenstreich bandle. So wurde der Angeklagte freigesprochen. Von der Gattin der luetischen Ansteckung beschuldigt Exzeß auf dem Phtzstkat Prag. Unter Anklage mehrfacher gefährlicher Drohung erschien vor dem Strafstnat I l l n e r der 35jährige Diarktsierant Anton L. Vor einiger Zeit kam ein Gemeindewachmann zu ihm. um ihn dem Präger Stadtphvstkat vorzuführen, das dem Angeklagten mehrfach erfolglos Vorladungen geschickt hatte. Aber Anton L. lieft sich nicht so ohne weiters auf das Magistratsamt eskortieren, sondern erlitt einen förmlichen Wutanfall, wobei er droht«, nicht nur dem Wachmann, sondern auch dem ganzen Stadt- physikat die Bäuche aufzuschlitzen. Er tobte derart, datz man ihn in pstzchiatrische Untersuchung nahm, aber bald als gesund wieder entließ. Nun wiederholte Anton L. seine Drohungen gegen die Amtsärzte und erklärte ernstlich, er habe schon den Revolver bereitgemacht, um mit_ den Herren abzurechnen. Da Anton L. als Gewalttäter bekannt ist. wurde er unter Anklage gestellt. Die Verhandlung ergab nun ein recht düsteres Motiv des schwer erklärbaren Wutexzesses. Das Phtzstkat hatte den Angeklagten zuerst vorgeladen und dann seine Vorführung angeordnet, weil ihn seine e! g e n e F r a u, die sich vor einiger Zeit von ihm getrennt hatte, beschuldigt«, datz er sie mit Lues angesteckt habe. Das Phtzstkat als Gesundheitsbehörde ist verpflichtet, derartige Fälle zu untersuchen, denn die ärztliche Behandlung von Geschlechtskrankheiten bis zur völligen Ausheilung ist gesetzlich borgeschrieben und die Gesundheitsbehörden haben über die Einhaltung dieser sehr notwendigen Vorschrift zu wachen. Der Angeklagte beachtete indessen die mehrfachen Vorladungen nicht und als man ihn schlietzlich den Wachmann ins Haus schickte, reagierte er in der'geschilderten Art. Bei der Verhandlung zeigte stch Anton L. äußerst zerknirscht. Er gab die Drohungen zu, erklärt« aber, er sei durch die falsche Beschuldigung seitens seiner Frau außer sich geraten. Diese habe nach ihrem Auseinändergehen zahlreiche Liebhaber gehabt und wenn sie krank geworden sei, so habe sie das einem dieser Freunde zu verdanken. Er selbst könne ein spezialärztliches Gesundheitszeugnis vorlegen. Aber diese Dinge, über di« sich der Angeklagte sehr eingehend au-lteß, haben mit dem«ingeklagten Tatbestand nur indirekt zu tun und Aufgabe des Gerichts war, über die Drohungen abzuurteilen. Angesichts der sechzehnVor st rasen des Angeklagten und feines schlechten Leumundes war der Gerichtshof nicht geneigt, di« Sache so leicht zu nehmen und verurteilte den Beschuldigten zu vier Monaten Kerker, und zwar unbedingt. Knast und Wissen „Figaro" Wolfgang Amadeus Mozarts.Figaro", diese herzerfrischende und gemütvollste unter allen Buffoopern, in der sogar die ganz ernsten Szenen anmuwerklärt im Lichte der Mozartschen Musik wirken, dürfte gar nie aus dem Spielplan eines großen Opernbühne verschwinden, selbst auf die Gefahr hin, daß ihr das Publikum nicht das erforderliche Interest« entgegenbringt. Bei der gestrigen Wiederaufnahme des Werkes in den Spielplan des Deutschen Theaters, die im Zeichen eines Sängergastspiels und mehrer Neubesetzungen stand, zeigte das Publikum erfreulicher Weise eine sehr rege Anteilnahme an der reinen und beglückenden Opernmusik Mozarts. Prof. Georg S z e l l. ein Mozart- spezialist von besonderer Qualität, ständ am Pulte; als stilistischer, werktreuer, dynamisch sorgfältig abwägender und rhythmisch faszinierender musikalischer Mittler. Orchesttr, Chor und Solisten vereinigten sich unter seiner befeuernden Leitung zu schönster Gesamtarbeit, ttotzdem nicht alle Einzelleiftungen als mozarwollkommeu anzusprechen waren. Und noch etwas: Vielleicht erleben wir es doch endlich einmal. Mozart mit der stilentsprechenden Oppoggiatur zu hären. Was in der nächsten Zeit aber kaum der Fall sein dürfte, da der.Figaro" mit seinem Sängergäste wieder aus dem Repertoire verschwinden dürfte, was im Hinblicke auf die gut« Ausführung und die an sie gewendete Mühe sehr zu bedauern ist.» Der Sängergast war Willy Domgraf-Fatzbän-^ der als Figaro, der in dieser Rolle ebenso durch die köstlich agile schauspielerische Leistung überzeugt wie durch seine außerordentliche gesangliche Intelligenz, künstlerische Stimmbehandlung und Wortdeutlichkeit: nur im Rezitativ dürfte das Tempo seines Vortrags zugunsten der Verständlichkeit etwas mäßiger sein. An Neubesetzungen bot die Oper: Fräulein Hilde K o n e tz n i als Gräfin, stimmlich imponierend, darstellerisch sympathisch, aber allzu unruhig im Ton und dadurch mitunter unrein: Fräulein Herta R a v n als Cherubin, eine reizende Miniaturausgabe dieses verliebten Schlingels in figürlicher und gesanglicher Hinsicht'; Frau Elisabeth W a n k a als.Marzellin« und schließlich Frau Lotte M e d a k als stimmfrisches Bärbchen. Unter den der Oper von früher her verbliebenen Kräften war Frau Käthe Walter die beste; darstellerisch von entzückendem Charme und stimmlich von überraschender Schönheit und Sicherheit. ließ sie das Bedauern wach werden der Oper als wertvolle Soubrette verloren gegangen zu sein. E. I. Wochenspiekplan deS Neuen Deutschen Theaters. Sonntag: halb 3: E i n e Frau lügt— halb 8: Polenblut, CI.— Montag halb 8: Ensem- blegastspiel des Theaters in der Josefstadt: Sein neues T« st amen t, Abonnement aufgehoben. — Dienstag halb 8: P o l e n b l u t, A 1.— Mittwoch halb 8:LaBoh«me, B2.— Donnerstag halb 8: D i e Jüdi n, C 2.— Freitag halb 8: Erstaufführung: Das unbekannteMäd- ch e n, D 1.— Samstag halb 8: Neueinstudiert: GräfinMariza, Bl.— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag 3 Uhr: M ä d ch e n für alles.— 8: Gen- tlemen.— Montag 8: Volkstümliche Vorstellung. Zum 25. Male: Sensationsprozetz.— Dienstag 8: Gentlemen.— Mittwoch 8 Uhr: Mädchen für alles.—Donnerstag halb 8: Neuinszeniert: Ein Glas Wasser.—- Freitag 8Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf: Ein Glas Mass er.— Samstag 8 Uhr: (Lin Glas Wasser.— Vcrclnsnadiriditcn Allgemeiner Angestellten-Verband Prag. Telephon 51351. Amtsstunden Mittwoch von 6—8 Uhr, Närodni tr. Nr. 4, 3. Stock. Kino- Abonnements für die Urania ab 15. April. Montag Näheres an der Kinokasia und in unserer Kanzlei.— Ausschuß-Sitzung am Mittwoch, den 27. April, 8 Uhr im H e i m.— Nächste Versammlung Mittwoch, 3. April, Perstyn.— Anmeldungen zur Oster- Wanderung der Naturfreunde schon heute. Verlanget Programm! Sport• Spiel• Körperpflege Finnische Bestleistungen in der Leichtathletik Die Arbeiter-Leichtathleten in Finnland konnten im vergangenen Jahre folgende neue Landes- Bestleistungen erzielen: 100 Meter: 10.6 Sek.; 200 Meter: 22.2©et- 400 Meter: 49.9 Sek.; 800 Meter: 1:55.6 Min; 1500 Meter: 3:55.8 Min.; 3000 Meter: 8:37.7 Min.; 5000 Meter: 11:47.2 Min.; 10.000 Meter: 31:51.5 Min.; 110 Meter Hürden: 16.1 Sek.; Hvchsprung: 1.86 Meter; Weitsprung: 6.96 Meter; Dreisprung: 14.71 Meter; Stabhoch: 3.80 Meter; Kugel: 15.45 Meter; Diskus: 45.66 Meter; Speer: 62.86 Meter; Schleuderball: 56.10 Meter; 4X100 Meter: 43.7 Sek.; 10X100 Meter: 1:54.1 Min.; 4X400 Meter: 3:27.9 Min'.; Olympische Staffel: 3:39 Min.; Fünfkampf: 389.03 Punkte. Die Mittel- und Langstreckenleistungen werden in der internationalen Liste nicht geführt, da ihr« Inhaber dem Tul nicht mehr angehören. Die Leistungen der filmischen Sportlerinnen wurden noch nicht vom Tul bekanntgegeben. Di« Einigung im amerikanischen Arbeitersport. In der Frage des Zusammenschlusses der Arbeiter- sportverbände in Amerika fand bereits die zweite Besprechung statt. 59 Vereine mit 3500 Mitgliedern waren vertreten. Der Vergleich der Statuten der einzelnen Verbände ergab intereffanterweise ein- zientliche Einheitlichkeit. Viel« Vereine verfügen über Sportcamvs, Bereinshäuser und Hallen. Mr» Ausnahme der Finnen besitzen alle Verbände einen Hilfsfonds für Sportunfälle, tvelche finanziell gu: fundiert sind. Die Beratungen ergaben, daß es möglich sein wird, datz die.Workers Sport League of America" in dem neuen Organisationsleben gewinnen werde. Als OrganisafionSbeitrag wurde ein Dollar pro Mitglied und Jahr vorgeichlagen. Als erste sportliche Veranstaltung ist die.Dürchfüh- ri.ng einer Arbeiteroltzmviade in Amerika geplant, di-: 1936 abgehalten wird- Cechie Karlin gegen SK. Proßnitz 2:2<2:1). Das am Samstag in Prag ausgetragene Meisterschaftsspiel beider Vereine endete mit einem gerechten Unentschieden. Bei Karlin wurde ein Spieler ausgeschlossen und Protznitz fabrizierte ein Eigentor. Der.Wichtigkeit" gemäß wurde recht hart gespielt. NnanbringlicheS Schwimmstadion. Das dem ÜMK Prag gehörende, aber überschuldete Schwimmstadion am Barrandov gelangte am Freitag zur gerichtlichen Versteigerung. Kauflustig« fanden sich jedoch nicht und so mußt^die Versteigerung verschoben und nochmals ausgeschrieben werden. Der Film Adolf Woblbrück und Luise Ullrich in dem Film„Regine" Die Rothschilds In einer Zeit, in der die Juden(und di« Nichtarier) von Rassehetzern im Dienste.arischen" Kapitals verleumdet, verfemt und verfolgt werden, wrrd man nicht protestieren wollen, wenn— wie in diesem englisch-amerikanischen Film— eine Idealisierung des Judentums unternommen wird. Wenn die Gegner es Tag für Tag in den schwärzesten Farben malen, dann ist es gewiß nicht ungerecht, wenn man es der Welt— zur Erwiderung— einmal von der lichtesten Seite zeigt. Die Frage ist freilich, ob man sich dazu das Haus Rothschild hat aussuchen sollen,— da Spinoza, Mendelssohn und Marx überzeugendere Beispiele wären. Immerhin ist es dem Film gelungen, eine Rothschild-Legende zu formen, die mit der geschichtlichen Wahrheit vermutlich genau so wenig wie dre vom Jild Süß übereinstimmt, aber der Problematik und dem Schicksal des Judentums viel näher kommt und sich, indem sie für Freiheit, Frieden und Menschenwürde wirbt, in ihrer Tendenz an alle wendet AuS dieser Legende von den Söhnen deS Frankfurter GeldwechflerS Meyer Amschel Rothschild, die durch ihr treues Zusammenhalten zu einer Weltmacht, durch ihr« Unterstützung der Gegner Napoleons zu Rettern des europäischen Friedens und durch ihr Eintreten für die Befreiung der Juden zu Erlösern ihrer Raffe werden, hat der Regisseur Alfred Werker einen interessanten Film ge- inacht, der bei aller Idealisierung reich an menschlichen Zügen und an historischer Charakteristik— GEDENKET bei affen Anfassen der Arbeiterfürsorge! und in der Ausgestaltung der Szenen wie im Spiel des Hauptdarstellers sogar bedeutend ist(wobei wir von dem kitschig farbigen Schlußbild absehen). Zur Hauptgestalt hat man den Londoner Nathan Rothschild gemacht, der Wellingtons Sieg finanziert, um den Weltfrieden zu sichern, der mit dem judenfeindlichen preußischen Grafen Ledrantz ein Finanzduell um die Bourbonenanleihe auskämpft, um als SiegeSpveiS die. Judenemanzipation zu fordern, und der vor der Schlacht bei Waterloo sein ganzes Vermögen riskiert, um eine englische Börsenkatastrophe zu Verbindern und dafür vom König geadelt wird. Aber dieser ideale Kapitalist (von dem sonst die Ueberlieferung berichtet, datz er ein erfolgreicher, von seinem vorzüglichen Kriegsnachrichtendienst unterstützter Spekulant war) ist hier zugleich ein berechnender Geschäftsmann und eine menschlich greifbare Gestalt: er gewöhnt sich nur schwer daran, in erlauchten Versammlungen den Hut vom Kopfe und di« Hände aus den Taschen zu nehmen, er wettet um Schillinge, während er Millionen an der Börse riskiert, und er sträubt sich dagegen, seine Tochter einem Nichtjuden zu geben, während ihm selbst schon die Baronswürde winkt. Der Schauspieler George Arlitz, den wir schon als.eisernen Herzog" Wellington bewundern konnten, spielt auch den Bankier Wellingtons mit einer ungewöhnlichen Charakterisierungskunst: ein« glaubwürdige Einheit aus Parvenü und Gentleman, auS Harsardeur und Philosoph, aus Zyniker und Jdeenstreiter. Schon um seinetwillen ist der Film sehenswert.—eis— Mei« Freund, der König Es genügt, darauf hinzuweisen, datz der(auf der Leinwand) tollkühn« Cowboy-Reiter Tom Mix im Mittelpunkt dieses Hollywood-Film«S steht, in dem es also wieder wildwestlich zugeht: es gibt Jagden zu Pferd und Ueberfälle, es gibt derbes Heldentum und noch derbere Unwahrscheinlichkeiten, dazu die Romantik kindlicher und weiblicher Liebe— und als Draufgabe nach die Komödie einer Königs« Hofes, an dem es drunter und drüber geht. Ein Film für jenes Publikum, das man, ohne auf das Geburtsdatum zu achten, als unreifere Jugend bezeichnen kann.—«iS—» Mitteilungen der»Urania« Heute halt 11 Uhr:„Eine Reise durch Aegtzp- ten" und Siliva Zulu. Zwei hochinteressante Kultur« - film«. Unvergeßlich« Filme:.Panzerkreuzer Potem« krn« und„Turksili", die beiden besten Ruffenfilm« des letzten Jahrzehnts. Montag Uhr. „Autorität und Erziehung". Vortrag der bekannten Wiener Psychologin Dr. Marie Jahoda» LazerSfeld, Dienstag 8 Uhr. Jng. Eugen Diesel spricht über„Die Neugestaltung der Welt. Zur Frage unseres technischen i Schicksals". Donnerstag 8 Uhr(gem. mit dem ^Polytechnischen Verband). Masaryk-Bolkshochfchule Menschenkenntnis. Dr. B. Fürst. Handschrift. ! Gesichtszüge, Handform geben Aufschluß über den Charakter. Beginn eines neuen Kurses. Montag 8 Uhr. Filme in Prager Lichtspielhäusern Bis einschließlich Donnerstag, de« 28. März. Adria:..Dieblochschilds"(A.)— Alfa:„M-n. scheu im Hotel"(A.)•— Avion:„Der Sturm" «Rufs.)— Fenix: ,Hm Zeichen des Kreuzes"