Einzelpreis 70 Heller («iMchllctlich 5 Heller Porto) IE N TR ALOE GAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. KD AKTION UNO VERWALTUNG PRAG Kll.. FOCHOVA O. TKEFON$3077« HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Dienstag, 26. März 1935 Nr. 72 Für Neuordnung der Wirtschaft Gegen nationale Fronten Ein Rechenschaftsbericht des Ministers Gen. Dr. Czech Ober 51- Jahre Arbeit für die Massen des sudetendeutschen Volkes Auf der Konferenz unserer Parteiorganisation des Lanner Wahlkreises, die Samstag und Sonntag in Brüx stattfand, hielt der Vorsitzende der deutschen Sozialdemokratie Minister Dr. Ludwig Czech ein Referat, das wir in seinen wesentliche« Testen hier Wiedergebenr 2500 Waggons Gerste für die Arbeitslosen Das Ministerium für soziale Fürsorge, das unter der Leitung des Genossen Dr. Meißner steht, geht mit außerordentlicher Energie an de« Ausbau der Ernährungsfürsorge fiir die Arbeitslosen. Minister Meißner hat soeben dem Ministerrat den Antrag vorgelrgt, für die Arbeitslosen 2500 Waggons Gerste zur Verfügung zu stellen. Aus dieser Gerste sollen Graupen und Grieß, Mehl, aber auch Malzkaffe« hergestellt werden, welche auf eine Art verteilt werden sollen, wie dies auch sonst üblich ist. Diese Aktion drö Ministers Meißner wird von den Arbeitslosen sicherlich mit Befriedigung begrüßt werden. Die Engländer In Berlin Berlin. Der englische Außenminister Sir Johu Simon und Lord Ede» trafen Sonntag nachmittags in einem Sonderflugzeug in Berlin- Tempelhof ein, wo sich außer den offiziellen Persönlichkeiten eine nach vielen Tausenden zählende Menschenmenge eingefunden hatte. Auch ein „Ehrensturm der Leibstandarde Adolf Hitlers" war angetreten. Die englischen Minister nahmen im Hotel Adlon Wohnung. Roch am Abend wnrde in einer gemeinschaftlichen Unterhaltung auf der englischen Botschaft mtt dem RrichSaußen- miuister von Reurath das Programm für Montag besprochen. Montag um 10 Uhr 15 begannen bei Hiller die Besprechungen, über die vom DRB folgendes Kommunigue veröffentlicht wurde: Der Führer und Reichskanzler empfing Montag vormittag den brttischen Außenminister Sir John Simon und Mr. Anthony Eden im Beisein des Reichsaußenministers Freiherrn von Reurath und des brttischen Botschafters Sir Eric Phipps. Besprechungen fanden sowohl am Bormittag als auch am Rachmittag über einige Fragen statt, die in dem englisch-französischen Kommunique vom 3. Feber erwähnt worden find. Die Besprechungen werden im Laufe des Dienstagvormittags wieder ausgenommen werden. $ Während der Lunchpause empfing Hiller den Besuch der Reichsminister Göring, Goebbels und B l o m b e r g. Was dabei gesprochen wurde, ist nicht durchgesickert. * Wie der Reuterkorrespondent an gutunterrichteter Stelle erfährt, wurde durch direkte Fragen, die von den britischen Staatsmännern an Reichskanzler Hitler gestellt wurden, etwa folgendes festgestellt: 1. Deutschland ist der Ansicht, daß unter gewissen Umständen die Effektivstärke der deutschen Armee, ihre künftige Äärke und die Flottenfrage noch offener Berhand- lungsgegenstand sind. 2. Deutschland ist der Ansicht, daß seine Rückkehr nach Genf möglich ist, falls die französische Beschwerde an den Völkerbund ' zufriedenstellend geregelt werden wird. Wes sie wollen Rach den Informationen des Berliner Ha- vqs-Korrespondenten werden die englischen Minister verlangen: 1. Rückkehr Deutschlands in den Völker bund. 2. Beitritt Deutschlands sowohl zum Ostwie zum Donaupakt, jedoch mit dem Vorbehalt, daß dieser Beitritt„a« frichti g" sei. 3. Internationale Zusammenarbeit am AbrüstungSproblem. Die künftige Abrüstung betrüge eher die(doch gänzlich« nkont.ro l- lierb are!) Beschränkung des Militärmaterials als die Herabsetzung der Effettivstärken der Truppen(die sich noch eher mit einiger Sicherheit kontrollieren ließe.) 4. Beitritt Deutschlands znm westeuropä- iichen Luftvakt. Das heurige Jahr wird nicht nur innerpo- littsch, sondern auch außenpolitisch bedeutsam und schicksalsschwer sein. Haben schon die letzten Monate, während welcher an den entscheidenden Punkten Europas um die Sicherung des Friedens gerungen wurde, ganz Europa in Atem gehalten, wie erst die allerjüngsten reichsdeutschen Ereignisse, deren Auswirkungen und Tragweite heute niemand zu ermessen vermag. Wie sehr die Welt durch sie alarmiert wurde, beweist die Tatsache, dass nach anderthalb bitteren Jahrzehnten die bange Frage nach der Möglichkeit eines Krieges wieder einmal auf allen Lippen schwebt. Der Emst der außen* politischen Situation Dass Deutschland vollkommen ausgerüstet ist, daß seine Armeebestände längst schon das Mehrfache der im Versailler Vertrage vorgezeichneten umfassen, das war längst schon notorisch.. Was aber an dem deutschen Schritt so ganz besonders aufregend war, das ist, daß er so ganz un- vermittelterfolgte und die Welt vor fettige Tatsachen stellt und daß er in einem Augenblicke gesetzt wurde, in dem die größten Anstrengungen zur Herbeiführung des Friedens. im Gange waren. Die weitere Entwicklung der Dinge läßt sich augenblicklich nicht absehen und es ist sicherlich nicht zuviel gesagt, wenn die Lage als ernst bezeichnet wird, obwohl selbstverständlich unmittelbare Kriegsgefahren nicht bestehen. Die schwebenden diplomatischen Beratungen, die die Genfer Stellungnahme und Entscheidung vorbereiten sollen, werden sicherlich sehr bald eine weitere Klä- Die Arbeiterklasse hat daher allen Grund, die wettere Entwicklung der internattonalen Politik, aber auch die Verhältnisse in unseren Nachbarstaaten wachsamen Auges zu verfolgen und gemeinsam mtt dem sozialistischen Proletattat der anderen Länder den Kampf um die Befriedung Europas mit der größten Leidenschaft zu führen. Dieser Kampf ist in Wirllichkeit ein Kampf gegen den Fascismus, der nichts als ein Exponent der internationalen kapitalistischen Reaktion und Konterrevolution ist.’ Die fascistischen Gewalten, die ihre ganze Rechnung ans den Ktteg gestellt haben, daS find die eigentlichen Feinde des Friedens, der Rui« der Völker, daS Unglück der Arbeitervaffe. Der Kampf gegen den Fascismus und um den Ftteden muss aber die Arbeiterklasse nicht nur gemeinsam mit dem sozialistischen Proletariate der ganzen Welt führen, sondern vor allem im eigenen Lande selbst und sich dem Fascismus im eigenen Lande entgegenwerfen. Diesen Kampf muss die Arbeiterklasse aber auch gemeinsam mit allen demokra- tischcn Kräften und Bevölkerungsschichten deS Landes führen und gemeinsam mit ihnen jeden Zoll demokratischen Bodens mit der grössten Leidenschaft und Hingabe verteidigen. Ole wirtschaftliche Lage Nun aber auch noch ein wirtschaftliches Wott. Soweit sich die Verhältnisse im weltwirtschaftlichen Maßstabe beurteilen lassen, läßt sich noch immer kefne Abschwächung der Lage feststellen. Nach den vielen fürchterlichen Jahren, die zurückliegen/, ver- zeichnet, das Internationale Arbeitsamt noch immer 22 Millionen Arbeitslose,, die wie ein Albdruck auf der internationalen Wirtschaft lasten. rung bringen und— wie wir hoffen wollen— eine Beruhigung der internationalen Lage herbeiführen. Aber auch gary abgesehen von der Berliner Ueberraschnng ist die internationale Lage nicht sehr rosig. Wohl wurde O e st e r r e i ch, das nach wie vor einer der unsichersten Punfte der internationalen Politik bleibt, für einige Zeit auf ein Nebengel eise geschoben. Dafür befindet sich aber der B a l kan in ständiger Unruhe und Bewegung. Es genügt, auf die bisher immer noch nicht vollkommen geklätten und bereinigten Verhältnisse Mischen Italien und Jugoslawien, auf den bisher noch immer nicht zur Gänze liquidierten Konflikt zwischen Jugoslawien und Ungarn, auf die ständigen Unruhegebiete in Bulgarien und in der letzten Zeit in der Türkei, auf das Wiederaufisben der mazedonischen Bandenkämpfe, auf den Bürgerkrieg in Griechenland, auf den bis zu den schwersten Kampfhandlungen gediehenen italienisch-abessinischen Konflikt zu verweisen, um de« Ernst der internationalen Lage zu charakteri- fieren. Allen diesen Zuständen hätten die unter Batthous und Benes' Führung in die Wege geleiteten und durch den Eintritt Rußlands in die europäische Politik außerordentlich gefördetten und erfolgreichen Anstrengungen der europäischen Grossmächte ein' Ende bereiten können. Fast schien es, als wäre das Werk Batthous, der die Bedeutung der russischen Partnerschaft erkannte und sie in so ziel- klarer Weise in die französische Politik einzugliedern verstand, bereits auf dem besten Wege und als könne der europäischen Politik dadurch ein neues Antlitz und auch neue Friedensficherheiten gegeben werden. Da fuhr plötzlich Berlin darein und ändette im Rü das ganze Bild. In unserem Lande hat uns. die durchgefühtte Devalvatton in einem Sektor unseres Exports eine Erleichterung gebracht. Tatsächlich können wir heute i— nach dem. Tiefstand der letzten Monate des vergangenen Jahres— eine Umsatzsteigerung verzeichnen. Diese Umsatzsteigerung ist aber, gemessen, an den Expottbedürfniffen unseres Staates/leider ganz unzureichend. Denn noch immer bedroht gegenüber dem Jähre 1929 ein' nahezu 30prozenttger Exportrückgang, der sich in geradezu tragischer Weise in den Jndustriezentten unseres Staates, besonders aber in den Expott- und Randgebieten auswirkt. Wieder müssen auch hier die arbeitenden Bevölkerungsschichten die ganze Zeche bezahlen. ' Die grosse Frage ist nun, welchen Ausweg eS aus dieser Situation gibt. In den ersten Jahren der Kttse haben die kapitalistischen Kreise noch den Versuch gemacht, die Krise als. vorübergehende Phase des durch den Krieg und seine Auswirkungen gestörten Wirtschaftsprozesses zu deuten. Sie versprachen uns die„Selbstheilung der Krise", sie setzten mit allerlei kapitalistischen Kurpfuschereien ein und als sie sich dann nicht mehr zu helfen wussten, ließen sie ihre Soldschreiber verkünden, an allem Unglück seien> die hohen Löhne und sozialen. Lasten.—>und da sie, schließlich auch. mit diesem Argumente nicht Wetter konnten— der Marxismus schuld. Umformung der ganzen Wirtschaft! Aber inzwischen haben sich die Dinge ganz außerordentlich gewandelt. Seither fist es der ganzen Welt klar geworden, dass die Krise in Wirklichkeü ein« Kttse des kapitalistischen Wirtschaftssystems ist, »dessen Fundamente brüchig und wankend geworden find und das durch eine, auf ganz neue Grundlagen aufgebaute Wirtschaftsordnung abgelöst werden muß. Unsere Pattei hat diese Entwicklung schon längst erkannt und vorausgesagt. Ein halbes Jahrzehnt hindurch haben wir den Agrattern klarzumachen gesucht, daß sie mit ihrer unsinnigen Zollpolitik nicht weitettommen und daß sie damit Wohl die Lebensmittelpreise verteuern, aber der Landwirtschaft nicht auf die Beine helfen Linnen. Zahllose Entwürfe über das Getteidemonopol, die aus unseren Kreisen kamen, mußten fallen, da die agrarischen Kreise allen unseren Argumenten unzulänglich waren. Sowohl die Landwirffchast, als auch die konsumierende Bevölkerung mußte schweres Lehrgeld zahlen, ehe es gelang, die agrarischen Führer zu dem Verlassen ihres ablehnenden Standpunktes gegenüber allem Monopollösungen zu bewegen. Die Unbelehrbarkeit des Unternehmertums Aehnlich liegen die Dinge auch im Bereiche der Industrie. Bei jeder Gelegenheit haben wir immer wieder darauf verwiesen, daß es ohne eine vollständige Umstellung und Reuord- uer der Wittschaft nicht abgehen könne und.daß nur eine planmäßige, von sozialistischen Gesichtspunften getragene Neuregelung der Wittschaft die endliche Wandlung zu bringen vermag. Das haben wir der Industrie hunderffälttg vor Augen geführt. Aber die Quintessenz ihrer Weichheit waren immer Arbeiterentlassungen und Lvhn- druck. Was haben wir im Laufe der letzten fünf Jahre an Argumenten mobil gemächt, um den Industriellen den Wahnsinn der planlosen Rationalisierung aufzuzeigen, die noch bis in die letzten Jahre hinein und— mitten in der schwersten Krise— fortgesetzt wurde, bis schließlich einige zu Tode ra- ttonalisierte und mechanisierte Betriebe daran zusammenbrachen l Wenn einmal die Geschichte der letzten tschechoslowakischen Wirtschaftskrise geschrie- ben werden wird, dann wird sie auf jeder Seite schwere Anklagen gegen die Verblendung unserer Äittschaftsführer enthalten. Das gilt aber nicht nur für die tschechischen, sondern auch für die deutschen Wirtschaftsführer, von denen manche glauben, daß es vollends genüge, ein paar Tausend Kronen für die.„Sudetendeutsche Volkshilfe" lockerzulassen, der „Sudetendeutschen Heimaffront". die freigewordenen Arbeitsplätze, zu reservieren. Sie werden schon sehen, wie weit sie damit kommen und in welche Fallstticke sie sich da begeben. Da sie aber unbelehrbar sind, wollen wir sie vorläufig ihrem Schicksal übettassen. Diese Unbelehrbarkeit ist am Samstag gelegentlich der-von dem Deuffchen Hauptverband der Jndu- strie abgehaltenen Tagung wieder einmal- in ganz krasser Weise manifest geworden. Keine Spur einer Reuorientterungl Kein Atom neuer Ettenntnffsel Im Gegenteil erfüllte die Teplitzer Kundgebung der alte arbeiterfeindliche Geist, der durch das Auftreten des Herrn Generaldirektors Dr.Preitz nur verstärkt wurde. Statt neuer Erkenntnisse, statt einer neuen Wegweisung brachte die-Rede des Herrn Dr. Preiß Komplimente, für den reichsdeuffchen Fascismus, die den Geist charakterisierten, von dem die Führer des großen Jndustriellenverbandes beseelt sind. „Der Marxismus ist schuld“ Doe deutschbürgerlichen Politiker aber, statt sich mit ihren'Pattei- und Klaffengenosse» aus den Reihen der Unternehmer auseinanderzusetzen, statt ihnen die Kurzsichtigkeit ihrer Einstellung zu den Lebensproblemen des Landes entgegenzuhalten, erheben die Anklage, gegen den Marxismus,-dem sie die ganze. Schuld an dem Elend im deuffchen Gebiete anlasten. Und so sehen wir nach langer Zett wiederum einmal das für das bürgerliche Sudetendeuffchtum so cha- rafteriftische altgewöhnte Bild vor uns, dass es statt Schicksalsproblemen auf den Grund z« gebe» uns Wega zur Rettung der Wittschaft und der Vie fascistischen Gewalten— die eigentlichen Feinde des Friedens Seite 2 LkenStag, 26. März 1935 «r. 72 arbeitenden Mensche« z« suche«, statt die wirt- schvstliche« und soziale« Probleme i« den Vordergrund zu rücken, seine ganze Krast auf em hoffnungsloses Ringen um nationale Front«« und Volksgemeinschaften vergeudet und sich in wüstesten Haßkämpfen gegen die sozialistische Arbeiterklasse verzehrt. Und-so werden wir, tute in den zurückliegenden Jahren, die schwere Sorge um Beschaffung von Arbeit und Brot, diese harte Bürde auch weiter allein tragen und den Kampf gegen die wirtschaftliche Verelendung der Arbeiter- klaffe, das Ringen um ein neues Leben und einen Glücksftrahl für den leidenden Menschen, aber auch um die Rettung des deutschen Kindes, um ein Stück Kultur für den kämpfenden Proletarier, allen an- deren Problemen voranstellen. Die Innenpolitik steht heute ausschließlich im Zeichen des kommenden Wahlganges. Nach den Konturen, die er erkennen läßt, besteht kein Zweifel, daß er sojvohl im ffchechischen.als auch, im deutschen Lager im Züchdn nationaler Fronten stehest, wirds denn von deck xatioualech Strömungen, die schon in den ersten Wahlkampfhandlting'en sichtbar ftvexden, sind,, nahezu alle.Wrgeruchen Parieren erfaßt.' Eie Heiden sozialdemokratischen Parteien sind aber davon vollkommen unberührt. Nationale Fronten führen noch zur Verschärfung der nationalen Gegensätze Die Kampfführung in den beiden Lagern Höchen die Parteien der„Volksgemeinschaft", auf tschechischer Seite die Kramäi-Sttibrnh-Grüppe, aus deutscher Seite die Henleinbewegung, der es tatsächlich gelungen ist, auch die übrigen deutschbürgerlichen Parteien zu ihrer nationalen Begleitmannschaft zu machen. In einer Zeit, in der es im deutschen Lager viele hunderttausende darbender Familien gibt, vergißt es keine einzige der deutschbüvgerlichen Parteien, in jeder ihrer politischen Kundgebungen vor dem von Henlein aufgerichteten Geßlcrhut der.Volksgemeinschaft" einen Kniefatl zu machen. Das geschieht in einer Zeit, in der in tschechischen nationalen Kreisen wieder alle nationalistischen Instinkte geweckt und gegen die deutsche Mitarbeit und deutsche Mitregierung, gegen die beiden deutschen Regierungsexponen- tett die Haßleidenschaften aufgepeitscht werden, die besonders in den Jnsignienkämvfen eine so reiche Nahrung gefunden haben. Analysiert man diese Erscheinung im tschechischbürgerlichen Lager, dann sieht man darin immer deutlicher die Resultate der durch die letztc wirtschaftliche und politische Entwicklung gegebenen' Machtverhältnisse, die sich die nationalistischen Parteien zum Ausbau ihrer Machtpositionen und zur Machtentfaltung nutzbar zu machen suchen. Die deutsche Bevölkerung unsere- Staates in allen ihren Gruppierungen sollte sich diese ganz greffbar zutage liegenden Zatsacheu^dMch den Kopf gehest lassen, darcku^Re ndEndfhesi'KVNsePwstzest^lMn'^nd' sich die Gefahren einer nationalistischen Politik' für die deutsche Bevölkerung vor Augen halten. Sie sollte endlich einsehen, daß nationale Fronten im deutschen Lager nur ein willkommenes Futter für die" nationalistischen Kreise im anderen Lager find. Oer Schlager vom Klassenkampf Wiederum marschiert zum hundertsten Male der Schlager vom marxistischen Klaffrnkampf auf, auf den Henlein in seinen Reden immer wieder zurückkommt und von dem er zu erzählen weiß, daß der Marxismus seinem Wesen nach außerstande sei, die sozial« Gerechtigkeit zu verwirklichen. Darum muß der Klaffenkampf, wie er meint, jedes Volk in den Abgrund führen. Das wird anno 1938 der erstaunten 40 Roman von Fritz Rosenfeld Der Polizeikommissär erschien, eine schwarze Aktenmappe unter den Arm geklemmt, zwei Beamt« in Zivil begleiteten ihn;, der Arzt kam, müde und schlaff und übernächtig. Er öffnete den Rock des Mannes, Marinka brachte Wasser und Handtücher, die Wunde wurde gewaschen, verbunden. „Ein glatter Durchschuß im Oberarm", sagte der Arzt.„Der Blutverlust hat ihn geschwächt, aber sonst sieht es nicht schlimm aus. In einer halben Stunde ist er vernehmungsfähig." „Haben Sie seine Taschen durchsucht?" fragte der Kommissär die Gendarmen. „Wir wollten nicht, bevor—“ ,/Tuchen", kam der Befehl. Sie öffneten den grauen Kittel, darunter trug der Gefangene einen Anzug aus graugestreiftem Leinen, bis an den Hals geschlossen. Die Finger der Gendarmen krochen in die Taschen. Bief fanden sie nicht. Eine Schachtel Zündhölzer, einen Kamm, ein Taschentuch, einen kleinen Metallspiegel, rund, mit' dickem, metallenem Rahmen, einen einfachen Schraubenschlüssel, einen abgebrochenen Zinnlöffel; ein paar Stücke Schnur, zerriffen und verknotet. Sie legten die Beute vor dem Kommisiär auf den Tisch. „Keine Papiere?" „Keine Papiere."^ Der Kommissär trat näher, befühlte daS Tuch des Kittels, rieb es zwischen den Fingern, schlug den Kittel auf. Vorsichtig tasteten seine Hände sich biS unter den Kragen. Dort fühlte er, in den Stoff eingenäht, eine Merke. Er winkte den Gendarmen, sie hoben den Kopf des st^anms. Welt verkündet, nachdem es hunderte und aberhundert« Male zuvor als gröblichste Unwahrheit entlarvt wurde. Man sollte glauben, daß jemand, der in die politische Arena steigt und«wnopolfftisch und totalistisch die Führung eines Millionenvolkes will, sich auf diese Aufgabe entsprechend vorbereitet. Man sollte glauben, daß jemand,, der die fudetendeutsche Arbeiterschaft einschachtelt, sie zum Gegenstaude seiner besonderen Fürsorge machen will, ihre Lage eingehend studiert und sich mit ihren brennendsten LebenSftagen vertraut zu machen bemüht. Da dies in der Ueber- stürztheit, in der der Führer der Heimatftont in die Politik geraten war, nicht im vollem Maße möglich gewesen ist, sollte man erwarten, daß er über die Dinge wenigstens vorläufig nicht redet, bis er fiwird geschehen! Die Heimatfront wird auf die Mttaririt der Arbeitgeber nie Verzicht««, da sie sich beide gegenseitig in die Hände arbeiten. Unsere Regierungsteilnahme Und nun noch eine Frage: wie denn dieser einzigartige Haß aller bürgerlichen Parteien, der i« keinem Lande deS Kontinents eine Parallele hat und nie. im ffchechischen Lager zu finden war, zu erkläre« ist. Fünfeinhalb Jahre find es her, seitdem wir in die Regierung eingetreten find. Wir hätten es schon früher machen können, lcker wir haben immer und immer wieder gezögert, die Arbeits« und Kampfmög- lichkeiten in der Koalifion erwogen und es erst Ende 1V29 auf Grund des Ergebnisses der letzten Wahle» und nach genauer Nachprüfung aller politischen, wirtschaftlichen und soziales Verhältnisse, aber auch der internattonalen Situation, nicht zuletzt aber deshalb getan, um die auf dem Smichover Kongresse begonnene Zusammenarbeit mit unseren tschechischenFreunden noch inniger zu gestalten. Die wirtschafüiche Situation war damals nicht erquicklich. Denn schon waren die Umriss« einer Krisenwendung am Horizont sichtbar, wenn auch niemand an eine so tiefgehende Erschütterung der Wirt- schast dachte. Unsere Partei hat,— was vor allem unseren Verttauensmännern im Lande zu danken ist — seither eine geradezu übermenschliche Arbeit geleistet. Sie galt den arbeitenden Schichten aller Nationen deS Staates, aber sie galt selbstverständlich in nicht minder hingebungsvoller Weise der von der Krise besonders arg heimgesuchten deuffchen Arbeiterklasse. Im zähesten Kampfe wurde unsere sozialpolitische Gesetzgebung in einer Zeit, in der ste in allen anderen Ländern einen Abstieg zu verzeichnen hatte, wieder emporgetragen, die ArbeitSlosenfürsorge ausgestaltet und der Bau von vielen Zehntausenden pxoletaxischen Wohnungen durch gesetzliche Normen gessihebd,--TozMvettlcherufi gSMehglBUn g" sowl e die KriegSttwüIideiffÜrsorgeentsprachen''- erweitert, die Jugendfürsorge durch Sicherung. der Selbstverwaltung jeder Nationalität auf feste Grundlagen gestellt, die Geltungsdauer der Kollekfivverträge für einen weiteren Zettraum gesichert, die Rechtssprechung der Schiedsgerichte in der Arbeiterunfallverstcherung wesentlich verbessert, di« Vierzigstundenwoche in dem Bereich der öffentlichen Arbeiten durch administrative Normen verwirklicht, die jahrzehntelangen Forderungen der Bergarbeiterschaft nach Verselbständigung der Grubeninspekfion und Eingliederung des Arbeiterelements in die Jnspckfion erfüllt, das Gesetz über die Betriebsräte im Bergbau durch die Existenzsicherung der Vertrauensmänner und die Erweiterung der Kontrollmöglichkeiten de» Betricbsrntcs erweitert, das Gesetz über Berufskrankheiten und damit die Entschädigung des Joachimsthaler Grubenkrebses man müßte denn hingehen und sie anstarren, bis sie zerschmelzen. Dann wurde der. Mann im Kittel in den Reinen Wartesaal hinübergeführt und in einen Stuhl gesetzt; feine Hände lagen auf den Armlehnen, der Kopf hing auf die Brust, die Augen waren geschloffen. Der Arzt trat zu ihm und fühlte den Puls. Er flüsterte dem Kommissär ein paar Worte zu, der setzte sich an den Tisch, holte eine Mappe aus der Attentasche. schlug weiße Blätter auf, schob sie einem der Beamten in Zivil zu.. Der Beamte holte drei Bleistifte aus der Tasche, hielt sie prüfend gegen das Licht, reihte sie dann neben den weißen Blättern sorgsam auf den Tisch. Der Kommissär streckte beide Arme weit vor sich auf die dunlle Holzplatte, wie zwei nackte Säbel lagen sie da, krumm und gierig. Der Mann im Kittel sah den Kommiffär gar nicht. Er sah nach Innen, in eine wilde Wirrnis von Gedanken und Träumen. Lange sprach der Kommiffär, ohne daß der Mann ihn hörte. Erst als ein lautes Wort an sein Ohr gellte, lief ein Zucken über seine Stirn, ein Zitterik über seine Arme. Tiefer kroch er in sich, ängstlicher zog er sich zurück, starrte den Kommiffär an und schwieg. Frau Avory mußte die Girls von der Tür des Wartesaals wegreißen,-eine nach, der anderen. Livia preßte von draußen das Gesicht an die Glasscheiben und schaute angespannt auf das stumme Schauspiel, das sich ihr bot. So also sah ein Verbrecher aus. Ein richtiger Verbrecher, dec Brücken in di« Luft sprengte, Menschen ermordete, Lichtkabel abzwickte und einem das Handtäschchen stahl, wenn man nicht acht gab. Sie sah den Kommissär die Lippen bewegen, aber sie. vernahm kein Dort. Wie Marionetten saßen die Menschen hinter den gläsernen Scheiben, bewegten die Hände, die Augen, die Lippen, und blieben stumm. (Fortsetzung folgt.) Re. 72 «fotWttg, 2«. März 1935 Bette* verwirklicht. Dazu lauten im Laufe des fünfjährigen Zeitabschnittes in die Milliarden gehende cwministra- tive und organisatorische Hilfsmaßnahmen für Erwerbslose, für die arbeitslose Jugend, für Familien von Bergarbeitern. Dazu kam die grandiose Leistung auf dem Gebiete der öffentlichen Arbeiten, die produktiven Arbeitslosenfürsorge, die unter Führung der Sozialisten einen geradezu gewaltigen Aufschwung genommen haben. Es steht mir als einem der zunächst Beteiligten naturgemäß nicht zu, das Werk, das die sozialdemokratischen Parteien in dem letzten halben Jahrzehnt geleistet haben, selbst zu würdigen, obwohl ich es ruhig tun könnte, da die Hauptlast der Arbeit und der Verantwortung auf den Schultern unserer Vertrauensmänner lag. Aber wenn später einmal Rückschau gehalten werden wird, wird sich erst das volle Ausmaß der vollbrachten proletarischen Leistung ermessen lassen. Es ist wohl richtig, daß es dabei auch gewisse Rückschlägt auf dem Gebiete der Arbeitslosenfürsorge und der Sozialversicherung gegeben hat, aber was nach den durchgeführten Restriktionen übriggeblieben ist, das übersteigt den gesetzlichen Stand aus der Regierungszeit der Bürgerblockparteien noch um ein Wesentliches. Auf dem Gebiete der Krankenversicherung wurden zwar gewisse restriktive Bestimmungen vorgenommen, fie wurden aber durch Erhöhung der Leistungen in der Alters- und Jnvaliditätsverficherung ausgewogen. Wir wissen natürlich«nr zu gut, daß alles, was geschehen ist, gemessen an dem große» Krisemwt- stand der arbeitenden Schichte«, nicht ausreicht. Darum haben wir ja unsere Kraft immer und immer wieder angespannt und find selbst den schwersten Auseinandersetzungen mit den kapitalistischen Parteien und dem Unternehmertum nicht aus dem Wege gegangen. Damals verstand es die ganze deutsche Oeffentlichkeit, daß wir allein es gewesen find, die in den fürchterlichen Zeiten mutig in die Bresche sprangen und den größten Teil der Sorge um die Krisengebiete und die notleidende Bevölkerung auf uns genommen hckben. Wir haben gute Arbeit geleistet Was für den Bereich unserer Wirtschaft gesagt wurde, gilt natürlich auch für alle anderen Gebiete unseres Lebens. Aber es genügt auch hier, nur auf die letzten Jahre-zu verweisen, die nicht nur in den Dienst der wachsenden sozialen Aufgaben, sondern auch der wirtschaftlichen und kulturellen Bedürfnisse der deutschen Bevölkerung gestellt waren.'Fünf Jahre hindurch war die Fürsorge für die deutsche Jugend- fiirsorge fast ausschließlich auf unsere Arbeit gestellt. Fünf Jahre hindurch lastete auch die Sorge um unser Schulwesen, um die deutschen Kultureinrichtungen auf uns. Mögen die deutschbürgerlichen Parteien und insbesondere die verehrliche Heimatfront auf unserer Arbeit herumtrampeln soviel fie wollen, fie können sie doch nicht ungeschehen machen, fie wird trotz aller demagogischen Kunststücke unvergänglich bleiben. Zusammenfaffend können wir ruhig sagen, daß wir guten Gewissen» über unsere Arbeit Rechenschaft gebe« können. Wir haben auch in der Koalition unftren Kampf weiter geführt und redlich für die Arbeiterklasse gefochten und für sie das Menschemüöglichste herausgeholt. Wir haben alle Anstürme auf das Recht der arbeitenden Menschen mit fester Hand ab- gewehrt und find glücklich, in einer Zeit, in der die Arbeiterschaft der Nachbarländer aller ihrer Rechte, ihrer Arbeiterbewegung, ihres Obdachs beraubt ist, nach Abschluß eines halben Jahrzehntes Koalitionspolitik eine intakte, kampfesfreudige, schlag- fertige und hingebungsvolle Partei wieder in die Hände unserer Vertrauensmänner legen und der ganzen Welt aufzeigen zu können, daß der Sozialismus auf unserem Boden lebt und wirkt und alle Kräfte in sich birgt, um seiner Sendung in hohem Maße gerecht werden zu könnest. Wir haben uns in den zurückliegenden ftinf Jahren in den Dienst der Demokratie und des Staates gestellt und besitzen unseren Anteil daran, daß die Wochen des Fascismus, die ihn umspülen, ihn wohl nmbrnnden konnten, aber vor den Dämmen, die wir gelegt haben, zurückweichen mutzten. Wir haben gemeinsam mit unserer Bruderpartei den Kampf um den Frieden und die Völkerverständigung mit aller Leidenschaft und Hingabe geführt und wir find stolz darauf, daß unsere Arbeit auch hier gute Früchte gezeigt hat, auch wenn die Gefahren, die uns umgeben, noch lange nicht gebannt find. So gewappnet ziehen wir in den Wahlkampf, beherzt unb guten Mutes. Die letzte« Woche« der sndeteadeutsche« bürgerlichen Politik habe« ihre Jämmerlichkeit in einer Weise enthüllt, die niemanden mehr vor ihr zitter«, dafür aber gruseln mache« kann. Wie die Herren in den Wald rufen, wird e» zurückschalle«. Der Kampfruf gegen uns kommt von drüben. ES ist gut so,-damit de« Arbeiter« di« Auge« geöffnet und ihnen die droben den Gefahren zum Bewußtsein gebracht werden. Liebe Freunde! Di« Stunde ist ernst, wir wissen es. Wir werden daher tüchtig zugreifen müssen. Unsere Bewegung hat in den letzten Monaten große Leistrm- gen hinter sich. Sie hat Beweise der Lebens- und Schlagkraft des Sozialismus erbracht. Ich bin überzeugt, daß sich unsere Arbeiterschaft, die sich der kommenden Kämpfe voll bewußt ist, in dem kommenden Wahlgang in ihren bisherigen Leistungen noch übertreffen wird. Der 4 November war ei« Triumph unserer Bewegung, der Wahltag soll seine Krönung sein! Handelsvertrag mit der Sowjetunion Meistbegünstigung— Rascherer Transit nach Asien Montag wurde im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten i« Prag der Handels- und Schiffahrtsvertrag-wische« der Tschechoslowakische« Republik««d der A«io« der So-ialiftische« Sowjetrepubliken unterzeichnet, der eine» allgemeine« Teil««d ei» Schlustprotokoll enthält. Der Vertrag regelt die Rechtsstellung der Angehörigen der Vertragsparteien(physischer und juristischer Personen), soweit es sich um den Auf- enthalt, die Niederlassung, die Ausübung von Arbeit und den Rechtsschutz handelt. In zolltechnischer Hinsicht ist der Vertrag auf dem Prinzip der M e i st b e g ü n st i g u n g gegründet. Beim Transit durch das Gebiet von SSSR. werden die tschechoslowakischen Waren alle Vorteile genießen, welche die Union in dieser Hinsicht jedem dritten Staat gewährte rü>er gewährt. Dadurch gewinnt die Tschechoslowakische Republik die Möglichkeit eines rasche renund billigeren Transits ihrerWaren auf die asiatischen Märkte. Der Vertrag sieht auch eine Regelung des Touristen- und Bäderverkehrs vor. Sie wird in der allernächsten Zeit in vorläufige Wirksamkett gesetzt werden. Gleichzeitig mit dem Händels- und L-chiff- fahrtsvertrag wurde ein Abkommen über den Schutz des gewerblichen Eigentums unterfertigt. Durch die Vereinbarung dieser Verträge wurden die notwendigen Voraussetzungen für die Belebung des Warenaustausches zwischen den Vertragsparteien geschaffen. Die Verträge unter zeichneten Minister Dr. Benes, Gesandter S. Alexandrowskij und der Handelsvertreter von USSR. F. K i l e v i e. Bei der Unterzeichnung der beiden Verträge drückte Minister des Aeußern Dr. Benes die lleberzeugung aus, daß dies ein großer Schritt auf dem Wege der Zusammenarbeit ist, die weiter fortgesetzt werden wird, wie dies die gegenwärtigen Verhältnisse erheischen. Die Regelung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Staaten dient am besten der Idee des Friedens. Ebenso wie Ihr Staat, erklärte Dr. Benes, sind wir entschlossen, jede Anstrengung zur Einhaltung des Friedens zu machen, und auf diesem Gebiete werden wir mit Ihnen auf das freund- schaftlichste Zusammenarbeiten. Gesandter Alexandrowskij gab gleichfalls dem Gefühle seiner tiefen B e- friedigung Ausdruck, und sprach die Erwartung aus, daß dieser Vertrag eine neue und glückbringende Seite in der Geschichte der Entwicklung der gegenseitigen freundschaftlichen Beziehungen sein und ein neues Kapitel des Wachsens und der Entfaltung der gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen beginnen werde. Oie Schweis protestiert gegen die Entführung Jacobs Bern. Neber die Entführung des Journalisten Jacob hat der Vorsteher des eidgenössischen Politischen Departements Bundesrat Motta im Bundesrat referiert. Im Politischen Departement liegt ein Bericht des schweizerischen Gesandten in Berlin vor. Dieser hat sich Samstag nachmittags nach dem Auswärtigen Amt in Berlin begeben, wo er auf den Ern st der Lage aufmerksam machte, im Falle es sich Herausstellen sollte, dass Jacob gewaltsam aus der Schweiz nach Deutschland entführt worden ist. Der schweizerische Gesandte konnte in Erfahrung bringen, daß Jacob sich zur Zeit tatsächlich auf deutschem Boden befindet. Es wurde ihm erklärt, daß er auf deutschem Boden festgenommen worden sei, dagegen wolltemanimAuswärti- gen Amt die Umstände nicht kennen, wie Jacob auf deutschen Boden gekommen ist. Am Nachmittag fand eine Besprechung der höchste« Beamte« des Außen» und Sicherhestsdepartements statt, in der stch nach einem amtlichen Bericht völlige itebereinstimmung darüber ergab, daß die Aeberredung Jacobs zur Fahrt in die Schweiz und seine Fahrt «achDeutschland als außerordentlich schwerwiegende Verletzung der Gebietshoheit der Schweiz anznsehen ist und daß diese«ach der definitiven Aufklärung z« de« ernste st en diplomatischenDor» stellu n g e« bei derReichsregierung schreiten wird. Londoner Hilfskomitee InLondon hat sich unter der Leitung des englischen Journalisten Wickhem S t e e d ein Berthold Jacob-Komitee gebildet, das den Zweck verfolgt, die Befteiung des deutschen Journalisten zu erreichen. kln elender Spitzel Dr. Wesemann weilte ost in Paris und London, wo er, wie aus zahlreichen Aussagen hervorgeht, Beziehungen zu den Emigranten und gleichzeitig auch zu den Nationalsozialisten hatte. Unter dem Borwand, daß er Mitarbeiter für seine Agentur suche, trat er in Beziehung zu den Führern der deutschen Emigration, erwarb stch ihr Vertrauen und erschlich von ihnen Nachrichten» die er wahrscheinlich an die Nationalsozialisten weitergab. Auch über Frau Wesemann kommen verschiedene Details zum Vorschein. Bor allem scheint es, daß ste Beziehungen zu der Pariser Sicherheitspolizei unterhielt und dadurch Informationen über die Tätigkeit ihrer Landsleute in Paris erhielt. Verfassunzsoktroi in polen Ministerpräsident nicht mehr dem Sejm verantwortlich Warschau. Samstag nachts wurden ebenso wie seinerzeit die erste Verfassungsänderung auch die vom Senat durchgeführten Aende- rnngen nur durch einen offenen Berfassungsbrnch „angenommen", und zwar mit 260 Stimmen des Regiernngsblockes«nd des Klubs der nationalen Bewegung gegen 139 Stimmen der gesamten Opposition bei 45 Stimmenthaltungen der Ukrainer. Zwei Vertreter der Opposition gaben sofort die Erklärung ab, daß die Annahme illegal ist, weil die notwendige Zweidrittelmehrheit nicht erreicht wurde. Der Sejmmarschall Switalski stellte sich aber auf den unhaltbaren Standpunkt, daß zur Annahme der Vorlage eine M e h r he i t von elf Zwanzigsteln genüge, die auch erreicht worden sei. Rach dieser Erklärung sangen die Abgeord- neten der sozialistischen Partei revolutionäre Lieder, auf die der Regierungsblock mit einem Le- gionärölied antwortete. Die neue„Verfassung" wird hanpffächlich dadurch charakterisiert, daß sie dem Präsidenten der Republik weitreichende Vollmachten anvertraut. Der Präsident der Republik wird zum obersten Schiedsrichter. Einige seiner Akte erfordern nicht die Mitzeichnung des Vorsitzenden der Regierung. Ferner ist der Staatspräsident gleichzeitig oberster Befehlshaber der Armee und enffcheidet über Krieg und Frieden. Erer- nennt auch de« Ministerpräsidenten, der ihm und keineswegs dem Test« verantwortlich ist. Der Präsident der Republik kann Verordnungen erlassen, wenn der Sejm aufgelöst ist. Ei« Drittel des Senats wird vom Präsidenten ernannt. Hat polen protestiert? Berlin. Ueber die Frage, ob der polnische Gesandte am Samstag beim Reichsaußenminister Neurath ausdrücklich Protest gegen die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht eingelegt hat, gehen die Meldungen auseinander. Das offizielle Kommuniquee besagt lediglich, daß. der polnische Gesandte dem Reichsaußenminister„die Ansichten seiner Regierung über die internationale Lage im Zusammenhomg mit dem Gesetz über den Ausbau der deutschen Wehrmacht dargelegt" habe. Der BerlinerTKorrespondent des.Journal" behauptet, daß ausdrücklich ein Protest überreicht wurde und auf deutscher Seite große Ueberraschung hervorgerufen habe. Der polnische Gesandte habe rundweg erklärt, daß die militärischen Maßncchmen Deutschlands in Polen lebhafte Beunruhigung hervorgerufen hätten und einmütig als eine offenkundige Verletzung des Friedensvertrages angesehen würden. Das Deuffche Nachrichtenbüro erklärt dagegen die Behauptung, daß ein Protest erfolgt sei, als zöllig unzutreffend". Köter Wahlsieg in Basel Die schweizerische Sozialdemokratie im Vormarsch B a s e I. Die am Sonntag im Kanton B a» sel- Stadt stattgefnndenen Regierungswahle« haben eine Berschiebnngnack» links ergeben. Von den sechs bürgerlichen Regierungskandidaten ist n u r e i n e r fest gewählt worden, während die anderen fünf in 14 Tagen in Stichwahl kommen. Dagegen dürsten die bisherigen beiden sozialdemokratischcn Vertreter wirdergrwählt worden sei«. Bei den Neuwahlen zum Großrat gewannen die Sozialdemokraten einige Sitze. Die Majorität des bürgerlichen Blocks ging von bisher 70 auf etwa 62 bis 63 herunter. Diese vorläufige Meldung gibt zwar zu, daß die Schweizer Sozialdemokraten bei den Baseler Kan- tonswahlen sehr gut abgeschnitten haben, ohne aber das Ausmaß dieses Linkserfolges erkennen zu lassen. Hätten die Sozialdemokraten verloren, dann würde die Schweizer Depeschenagentuc sicher gesprächiger sein. Die Bedeutung dieses Wahlergebnisses kann aber heute schon daran illustriert werden, daß der Grenzkanton Basel bisher der Schauplatz einer regen Nazi Propaganda war. Eingewanderte reichsdeuffche Hakenkreuzler haben dort in jedem größeren Ort eine Zelle und deren Tätigkeit scheint erheblich dazu beigettagen zu haben, dem Schweizer Voll die Augen zu öffnen. Völkerbundrat am 15. April Ankara. Der türkische Außenminister Rnschdi A m a r a s hat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Völkerbnndrates mitgeteilt, daß er den Rat für den 15. April embernfe. Zweck der Einberufung ist bekanntlich die Verhandlung der stanzöfischen Beschwerde in Angelegenheit der Wiedereinführung der all g em einen deutsche« Wehrpflicht. Mussolini IfiSt Auslands* korrespondenten ausweisen Paris. Wie»Motin" aus Rom meldet, wurden scharfe Maßnahmen gegen die Verbreitung »tendenziöser oder unrichtiger" Nachrichten in den Auslandsblättern ergriffen. So wurde vor einigen Tagen der Vertreter einer reichsdeuffche« Nachrichten-Agentur namens Richard, des Landes verwiesen. Am Freitag wurde wegen eines beleidigenden Artllels der Vertreter des llllstein-Konzernes verhaftet und als lästiger Ausländer an die. Grenze abgeschoben. Auch das Blatt der Labourparty»D aily H e r a l d" wurde in Italien verboten und sein römischer Korrespondent wird aus Italien ausgewiesen werden. Französischer 35.000-Tonnen-Kreuzer Paris. Die Kammer hat mit 453 gegey 12F Stimmen den außerordentlichen Kredit für den Bau des neuen 35.000 Tonnenkreuzers und zweier Torpedobootzerstörer angenommen. Marineminister Pietri erinnerte bei dieser Gelegenheit daran, daß Frankreich durch den Vertrag von Washingwn gebunden sei, den es bis zum Jahre 1937 respekfferen werde. Hitler verzichtet auf die von Japan annektierten Kolonien _ Tokio. Der japanische Außenminister Hirokai erklärte im Abgeordnetenhäuser Der deutsche Botschafter hat mir versichert» daß Deutschland niemals in seinen territorialen Forderungen beabsichtige, einen Anspruch auf Gebiete im Stillen Ozean gellend zu machen, die jetzt unter japanischem Mandat stehen. Der Minister dementierte die Nachricht, daß Deutschland und Ja-. Pan über einen Militärpakt verhandeln« Seit« 4 Dlen-tag, 26. Mär; 1935 Nr. 72 fudctendeutsdter Zeitspiele! Kein Wahlbündnis Spina-Henlein Helmatfront bricht die Verhandlungen ab Prag. Wenn nicht alles täuscht, ist es nun zum r n d g ü l t i g r» Bruch zwischen dem Bund der Landwirte und der Heimatfront grkom- mrn. Dir„Deutsche Landpost" hatte schon in ihrer Sonntagausgade einen scharfen Angriff der „Rundschau" auf die deutschen Agrarier mit der Feststellung beantwortet, daß damit d i e B r ü k- ken abgebrochen seien. Immerhin war in Aussicht genommen, im Laufe dieser Woche noch einmal z« verhandeln, ob nicht in irgend einer Form ein Zusammengehen der beiden Gruppen bei den Wahlen möglich wäre. Einzelne Politiker der deutschen Agrarpartei und besonders der Landjugend haben je bis zum letzten Augenblick einer Versöhnung mit Henlein das Wort geredet. Die Heimatfront scheint aber ihrerseits besondere« Wert darauf gelegt zu haben, die Ver- Iiandlungen mit dem Landbund abzubrechen und damit drnKampf gegen ihn z« e r ö f f n e n. Sonntag fand in Prag eine Hauptratssitzung der SHF statt, über die zunächst kein Bericht auSgrge- ben worden ist. Die„Prager Abendzeitung" weiß aber zu berichten, daß der Hauptrat der SHF beschlossen hat, die Verhandlungen mit dem Landbund abzubrechr« und selbständig in die Wahlen zu gehen. Sollte sich diese Nachricht, die sehr viel Wahrscheinlichkeit für sich hat, bestätigen, dann ist mit einem erbitterte« Wahlkampf innerhalb des deutschbürgerlichen Lagers zu rechne«. Der Zwist im Landbund Bezirk Mies will abschwenken— Mährische Landjugend in Opposition Rach der brüsken Art, in der Henlein die Verhandlungen mit Spina«^gebrochen hat, scheint ec sich der Hoffnung hinzugeben, daß er einen Teil des Landbundes zu sich herüberreihen kann. Bisher hat sich aber nur der Bezirk Mies unter der Führung des Lagerhausdirektors Pfrogner offen zur Opposition gemeldet. In einer an die Presse ausgegebenen Mitteilung gibt der Bezirk MieS der landbündlerischen Parteileitung bis Mittwoch Frist, sich mit Henlein zu einigen, widrigenfalls er zur Heimatfront abschwenken will. Gleichzeitig wird dem Abgeordneten Z i e r h u t wegen seiner wankelmütigen Haltung zu den Tuschkauer Beschlüssen das Vertrauen entzogen. Nachdem inzwischen der Abbruch der Verhandlungen von der SHF. beschlossen wurde, bleibt abzuwarten, ob die Mieser Drohung auch wahr gemacht wird. Einer unbestätigten Meldung zufolge soll eine Tagung der landständischen Jungmannschaft M ä h r e n S in Olmütz beschlossen haben, aus dem Bund der Landwirte auszutreten und sich prinzipiell als unpolitischen Verband zu erklären. Die „unpolitischen" Jungmannen-Führer sind aber angeblich bereits der Heimatfront beigetreten. H a ck e r hat sich in Ludih für den Fortbestand des B. d. L. erklärt. Dagegen scheint sich die Nachricht über die Niederlegung aller Funktionen durch den zweiten Landjugendführer, Dr. Hetz, der als Listenführer für den Wahlkreis Budweis in Aussicht genommen war, zu bewahrheiten. Die Auswirkungen dieser Vorgänge auf die Haltung der tschechischen Regierungsparteien ist noch nicht zu übersehen. Eifenbahnminister Gen. B e ch y n i sprach in einer Versammlung in Kro- mekiZ die Ansicht aus, daß im Laufe dieser Woche die Entscheidung über das Schicksal der Heimatfront fallen wird. Abg. Köhler erwartet Auflösung der SHF! Bezirk Leitmeritz hinter Spina Kine am Samstag in Leitmeritz abgehaltene Bezirkskonferenz des Landbuvdes fasste, nach, den voxangegangencn Referaten der Abgeordneten Böhm und Müller, sowie des Senators I t e r t eine Entschliessung, die sich gegen die un- völkische und rein parteipolitische Agitation in den Reihen der Landbevölkerung verwahrt und Minister Spina das Vertrauen ausspricht. In der Debatte spiegelte sich die bisherige unsichere Haltung der deutschen Agrarpartei. Eine ziemlich labile Haltung nahm vor allem der Abgeordnete Köhlerin der Debatte ein. Er scheint noch am Sonntag gleichermassen Sympathien für ein Wahlbündnis mit Henlein und für die Auflösung der Heimatfront gehegt zu haben. IN dem uns zugegangenen Bericht wird diesbezüglich festgehalten: Abg. Köhler bekannte, daß ihm seit je dir Zusammenarbeit mit der S.H.F. sehr sympathisch gewesen ist und erauch jetzt noch dieser Meinung sei. ES werde aber jetzt mit HenleinS Namen grober Mißbrauch getrieben, da jetzt eine kleine, ganz anders orientierte Eligne a»S dem aufgelöst«« Sa- meradschaftSbunddie Führung übernommen habe. Die Entscheidung über dir Stellung zwischen dem B. d. L. und der S. H. F. müsse bis zu« DienStag fallen. Bis zu dieser Zeit müsse« klare Vereinbarungen erfolgen, welche Stellung die S-H.F. emzunehmrn gewillt ist, nachdem der B. d. L. für sie b i- h er t i S zur Selbstverleugnung eingetreten ist. I« dieser Zeit werde sich auch die Frage über den Bestand der SH.F. entscheiden müssen. Redner erklärt, daß Vorbereitungen für all» Fälle bereits getroffen sind, die auch die Möglichkeit nicht anSschließe«, daß sich daS Schicksal der S.H.F. nach dem Borbild der schon früher aufgelöste« deutsche« Parteien entscheide» köiultr. Abgeordneter Böhm erklärte, daß er Mitteilungen besitze, daß die Urberrnmplung in Tuschkau planmäßig durch führende Personen des S.H.F. zusammen mit Pfrogner in Marienbad vorbereitet wurde und trotzdem werde aber der B. d. L. an den Abmachungen und Vereinbarungen festh alte«, wonach in de« nächsten Tagen di« klare« und entscheidenden Vereinbarungen erfolgen solle». * Die sonntägige Entscheidung der Heimatfront hat es den Herrn Köhler und Böhm erspart, sich noch länger mit Rätselraten zu befassen und in christlicher Duldsamkeit üben zu müssen. Hoffentlich haben sie bei der Politik der„gebundenen Hände" gelernt, wie man auf keinen Fall Politik machen soll. Die Arbeiter Neuerns antworten Herrn Sandner Sonntag, den 17. März, hielt die SHF in Neuern eine Versammlung auf Grund des 8 2 des Versammlungsgesetzes ab und da unsere Partei keine Möglichkeit hatte, sich mit Herrn Sandner, welcher als Referent angekündigt war, in dieser Versammlung auseinanderzusetzen, berief die sozialdemokratische Arbeiterpartei zur gleichen Zeit eine eigene Versammlung ein, die jedoch von der Bezirksbehörde in Klattau verboten wurde. Sandner konnte also ungestört hinter verschlossenen Türen über seine„Volksgemeinschaft" reden und di« Lokalpresse blähte sich nach den Sandnerver- sammlungen im Bezirke Neuern siegesbewusst auf. Aber damit gab sich die Arbeiterschaft nicht zufrieden, sondern unsere Partei berief für vergangenen Sonntag eine öffentliche Versammlung ein," die von mehr als 50C Personen besucht war, welche dit Rede des Genossen K r e j L i mit dauernder Zustimmung und am Schluffe mit stürmischem Beifall aufnahmen. , Die Kommunisten schickten überflüssiger Weise ihren Herrn Brandl ins Gefecht der in einer viertelstündigen Rede für die Einheitsfront plädierte, die, wie der Vorsitzende Genosse Zettl richtig sagte, in Neuern nicht hergestcllt werden kann« weil die Arbeiterschaft geschlossen in der sozialdemokratischen Partei steht. Dem Brandl antwortete ein ehemaliges Mitglied der KPC sehr treffend und dann kam Herr Dr. Steinbrenner, die lokale Gröhe der SHF, zu Worte, der sehr zahm war und nur um des deutschen Arbeitsplatzes willen die Volksgemeinschaft braucht, die seiner Auffassung nach mit dem FascismuS in Deutschland oder andern Staaten nichts zu tun hat. Er wurde aber, besonders als er für eine„anständige KampfeSweise" während der Wahlen Stimmung machte, in drastischer Form belehrt, dass die SHF erst das Beispiel für die Anständigkeit in der Politik liefern müsse. Er trat ziemlich kläglich von der Rednertribüne ab und zog eS vor, mit seinen Anhängern den Saal ssu verlassen, bevor Genosse KrejLi in seinem Schlusswort das Gestammel des HenleinmanneS zerzauste und' die Parolen unserer Partei für die Bildung einer wahren Volksfront gegen die fascistisch« SHF und ihren verderblichen Kampf, wiederum unter begeisterter Zustimmung der Arbeiterschaft, bekannt gab. So endete der Feldzug der SHF in Neuern mit einer Niederlage ihrer Getreuen und einer flammenden Kundgebung für die sozialdemokratische Partei und den Sozialismus. Sammiuns vor dem Kampfe! Neber 200 Vertrauensleute unserer Partei des Kreises Teplitz versammelten sich Samstag im Bergarbeiterhause in B r ü x, um einen kurzen Rückblick über den Kampf der Partei in den vergangenen zwei Jahren zu halten, vor allem aber um für die kommende entscheidende Wahlschlacht die notwendigen Vorbereitungen zu treffen. Den Vorsitz der Kreiskonferenz hatten die Genossen Kremser, Zettl und die Genossin H ir sch inne. Den Tätigkeitsbericht für die Kreis- organisation erstattete der Kreissekretär Genosse Lorenz. Ein umfangreiches statistisches Material über die Ausbreitung und Wirkung der Wirtschaftskrise liegt seinen Ausführungen zugrunde. Sowohl Ende des Jahres 1888, als auch Ende 1934 zählt der Kreis Teplitz gegen 40.000 Arbeitslose. Deshalb fällt auch der grösste Teil der Arbeit der Parteiorganisation in das Gebiet der Arbeitslosenfürsorge. Gewaltige Leistungen an die Arbeitslosen find dieser Arbeit zu verdanken: Leistungen der staatlichen Aktionen als auch der Arbeiterfürsorge und nicht zületzt jener der Gemeinden und Bezirke. Aber ungeachtet dieser gigantischen Arbeit im Interesse der Arbeitslosen hat die Partei ihre ureigenste Aufgabe nicht vernachlässigt. Davon zeugen wieder die Ziffern, die in dem Berichte des Genossen Lorenz enthalten sind: 891 Parteiversammlungen, 207 Frauenversannnlungen, 156 Volksversammlungen, 628 Konferenzen und an die 200 Bildungsveranstaltungen sind das Ergebnis dieser Arbeit. Sie war nur möglich mit dem mustergültig durchgebildeten und opferbereiten Bertrauensmännerapparat, über den die Kreisorganisation verfügt. Nach allem, was Genosse Lorenz über den Stand der Kreis» organisatton Teplitz sagte, was über die Parteipresse von Genossen Löwe berichtet wurde, und was der gleiche Berichterstatter über die Republikanische Wehr sagte, kann geschloffen werden, dass die Kreisorganisation Teplitz gerüstet ist für den Kamps, der in wenigen Wochen seinen Anfang nehmen wird. Rach den Berichten über die Parteibetriebe und die mit der Partei eng verbundenen Institutionen durch Genossen Start und dem Bericht der Kontrollkommission durch Genossen M a t e r n a, wurde di« Debatte eröffnet. Sie war kurz, aber ausserordentlich fruchtbar. Die Abstimmung über den Antrag auf Entlastung der Funktionäre wurde e i n ft i m» m i g angenommen. Im Mittelpunkt der Sonntagsverhandlungen stand daS Referat des Genossen Dr. C z e ch, über das wir an anderer Stelle ausführlich berichten. Eine nach dem mit gewaltigen Beifall aufgenommenen Referat des Gen. Dr. Czech von'Genossin Leinömer vorgelegte Entschliessung wurde einstimmig angenommen, worauf die Kandidaten für Senat, Abgeordnetenhaus und Landesvertretung gewählt wurden. Die Kandidatenliste für das Abgeordnetenhaus führen die Genossen Dr. Czech, Kaufmann und Kremser, jene für den Senat die Genossen Dr. Heller und Emil Haase; für die Landesvertretung wird Genosse Richard Lorenz und Dr. M e tz l in Vorschlag gebracht. An die Spitze der Kreisvertretung werden wiederum die Genossen Kremser und Dr. Heller gestellt. Schliesslich wurden noch einig« Anträge nach kurzer Debatte angenommen, zum Teil dem Parteivorstend zur weiteren Behandlung überwiesen. Nach einem kurzen, aber prägnanten Schlusswort des Gen. Kremser braust die„Internationale" durch den Saal und die Konferenz ist beendet. Herr Stenzel hat Pech Ein Gewerbetreibender schreibt uns: Nach dem Umstürze glaubte jede Gruppe und auch Grüppchen ihr Geschick in die eigene Hand nehmen zu müssen. Alle wollten eine eigene Par- tct haben. Und so auch die Gewerbetreibenden. Es wurde also die Gewerbepartei gegründet. Ihre Gründer haben damals so wenig wie heute die Zeit verstanden. Ihr„Programm" war damals wie heute schwärzeste Reaktion. Mit der eigenen Partei wollte es aber doch nicht so recht gehen. Sie schlossen sich den Land- bündlern an und wurden„Regierungspartei". Sie waren nun auch im Bürgerblock. Sie waren an der Macht. Als Teilhaber des Bürgerblocks mussten sie die B r r w a l t u n g s r e f o r m, die E n g- lischeStenerreform und die erhöhten Getreidezölle schlucken, lieber diese den Gewerbetreibenden so wenig nützliche Politik waren diese so empört, dass sie in hellen Haufe« davonliefen. Für die Arbeiter wurde die Sozialversiche- rung geschaffen. Die Gewerbetreibenden sollten auch der Sozialgesetzgebung teilhaftig werden. Die Sozialversicherung für beide soziale Gruppen wurde junktimiert. Wohl nur deshalb, damit auch die Gewerbetreibenden die soziale Wohltat endlich geniessen? Die Arbeiter liehen sich das verzögernde Junktim nicht gefallen und setzten ihren Teil der Sozialversicherung durch. Der Teil für die Selbständigcrwerbenden harrt noch der Verwirklichung durch die Stenzelsche politische Klugheit. Der Hitler-Komet steigt auf und damit geht Herrn Stenzel ein Licht auf. Hitler wird Führer und schafft die„Stände". Spina und Stenzel sind geblendet von dem Komet, sie folgen der Bahn des Kometen, schaffen auch ihren Stand und sind selbstherrliche Führer. Hitler ist gross, und Henlein ist sein Prophet. Und sie dienen dem Bolksg ,,, anzen... Die Krisennot lässt tief in die Schichte der Gewerbetreibenden hinein die Tatsache sichtbar werden, dass die Gewerbetreibenden mit dem Wohl und Wehe der Arbeiter verbunden sind. Stenzel aber will das nicht kapieren. ES kommen Wahlen. Spina ist in der Regierung und will es bleiben. Herr Stenzel will in die Koalition und schliesst sich Spina an. Zum zweitenmal. Die Zeit bricht um, der Bund der Landwirte wankt unter dem Ansturm der Henleinfrontler. Die Jungen fingen nicht mehr wie die Alten. Wer kennt sich aus? Herr Stenzel? Was nun? Haben wir nicht durch Hitler herauSgefunden, dass uns nur der„Ständestaat" helfen kann? Im„Volksganzen" des Schwerkapitalismus wird sich wohl noch ein Plätzchen finden, auf dem die Interessen der armen Gewerbetreibenden preisgegeben werden können. Noch ist nicht aller Tage Abend. Einmal wird und mutz auch in den Kreisen der Gewerbetreibenden die Erkenntnis kommen, dass nur der Kapitalismus die Ursache des Elends ist. Nur die, die unter dem Elend leiden, können die Ursache des Elends, den Kapitalismus beseitigen. Die Gewerbetreibenden, die es ehrlich mit ihnen meinen, organisieren sich im Verband der Gewerbetreibenden und Kaufleute in der ESN. F. Böhm. SHF-Mann in Komotau als Nazispitzel verhaftet Die Gendarmerie in Komotau verhaftete Montag den 29 Jahre alten Wilhelm Kreisel, wohnhaft in Ulbersdorf Rr. 54, der sich im Auf. trag der SA in Komotau Herumtrieb, umAdres- sen sozialdemokratischer Funkti o n L r e a u s f in d i g z« machen und hier lebende Emigranten zu bespitzeln. Kroisel, der früher in Deutschland lebte, gab zu, für seine Spitzeltätigkeit von dem SA-Mann Rudolf Augustin aus Deutsch-Reudorf bereits einen Vorschuß erhalten zu haben. E r i st Mitglied der Sudetendeutschen Heimatfront. Das Mitgliedsbuch wurde ihm abgenommen und ebenso daS Adressenmaterial, das er bereits gesammelt hatte. Damitistneuer- ding» die innige Verbundenheit der Henleinfrontler mit den reichsdeutschrn Hakenkreuzlern einwandfrei festgestellt worden. Es wird daher Aufgabe unserer Genossen sein müssen» den sudetendeutschen Agenten Hitler- ei» erhöhtes Augenmerk zuzuwenden. Gesetzentwurf über die Vierzigstundenwoche ist vom Ministerium für soziale Fürsorge dem interministeriellen Verfahren zugeführt worden. Die Vorlage ist ein Kompromiss zwischen den beteiligten Parteien, so dass die Gesetzwerdung keine grossen Schwierigkeiten mehr machen wird. Die Verordnung wird sich auf Unternehmungen beziehen, die wenigstens zehn Arbeitnehmer zählen, in AuSnahmSfällen aber kann auch die Vierzigstundenwoche in kleineren B.trieben eingeführt werden. Die Verordnung gilt auch für alle öffentlichen Unternehmen ebenso wie für die Genossenschaften. Ausgenommen sind nur humanitäre Anstalten, kulturelle Einrichtungen und Transportunternehmungen. Die Lcchnfrage wird auf die Weise gelöst, dass ein genauer Termin bestimmt werden wird, bis zu welchem Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich über den Lohn einigen müssen. Geschieht dies nicht, entscheiden die Behörden.— Die Verordnung soll Gültigkeit bis Ende 1937 haben. Oie Kammerzentrale unbelehrbar Wir haben schon einige Male darauf hingewiesen,— und Genosse Dr. Czech hat dies zuletzt in seiner Brüxer Red« getan-—, wie sich die Unternehmer unseres Landes jedem grosszügigen Plan der Dekämpftrng der Arbeitslosigkeit mit zähem Unverständnis in den Weg stellen. Ein Beispiel dafür bie. tet neuerlich wieder die Tatsache, dass die Kammerzentrale durch ein der Regierung vorgelegteS Memorandum neuerdings versucht, die Gesetzwerdung der Vierzigstündigen Arbeitswoche zu verhindern. In diesem Memorandum wird erzählt, dass die Vierzigstundenwoche der Wirtschaft schwere Schäden bringen könnte, dass die tschechoflowakische Industrie dann nicht konkurrenzfähig sein werde, dass— auch ohne Lohnausgleich—- hie vierzigstündige Arbeitswoche eine Erhöhung der Regie— und der Produktionskosten mit sich bringen werde und ähnliches mehr. Das sagt die Zentrale der Handelskammern in einer Zeit, da in der ganzen Welt siegreich der Gedanke sich Bahn bricht, dass ohne Verkürzung der Arbeitszeit die sozialpolitisch schädlichen Folgen der Rationalisierung nicht beseitigt werden und dass die Massenarbeitslosigkeit eine Dauererscheinung bleiben muss, wenn nicht Verkürzung der Arbeitszeit und Planwirtschaft Platz greifen. Die Kammerzentrale will sich der von ihr vertretenen Unternehmer würdig zeigen, iri»e grosszügige Bekämpfung der Wirtschaftskrise verhindern und daS Elend der Arbeitslosen verewigen. Ein Verdienst um die tschechoslowakische Volkswirtschaft erwirbt sich die Kammerzentrale durch ihren engstirnigen reaktionären Standpunkt nicht I Wr. 7* DienKag, 28. März 1835 Sekte S Saisonmitlge Frühjahrsbelebuns Aus dem Bericht der Nationalbank Prag. In der Sitzung des Bankrates der Na- tionalbank wurde zur Wirtschaftssituation nachfolgender Ueberblick gegeben: Auf den internationalen Devisenmärkten verursachten die Verschiebungen der angelsächsischen Devisen und die Abschwächung einiger Währungen des Goldblocks in den letzten Wochen Unruhe. Jin Warenaustausch mit dem Ausland haben sich die Hindernisse aller Art noch erhöht, die die Ausfuhr nach den Staaten des gebundenen Auslandes unmöglich machen. Dadurch verschärft sichauchdieKonkurrenzaufdennoch freien Märkten. Auch die allgemeine politische Unruhe, die in letzter Zeit namentlich durch den deutschen Standpuntt in der Rüstungsfrage verstärkt wurde, hindert den ruhigen Aufstieg der Weltwirtschaft. In der Tschechoslowakei tritt die s a i s o n» mäßige Frühjahrsbelebung der Beschäftigung ein, die trotz den bedeutenden Hindernissen, welchen der Export begegnet, von einer mäßig st eigen den Tendenzin der Ausfuhr begleitet ist. Der Geldmarkt ist bisher flüssig, der Feberultimo war leicht. Die Geldanstalten von Stadt und Land weisen neue Sparlapitalien aus; mit steigender Liquidität dieser Institute beginnen auch Mittel für langfristige Kredite frei zu werden. Die FrühjahrSsaison macht allmählich ihre belebende Wi r k«« g auf die Beschäftigung in der Industrie geltend; einige Exportzweige verzeichnen eine weitere mäßige Besserung. Für die Bausaison scheinen! nach bisher vorliegenden Berichten Heuer bessere Aussichten als im Borjahre zu bestehe«. Die Arbeitslosigkeit der Jndustriebran- chen ist im Durchschnitt niedriger als vor einem Jahre. Das Interesse des Auslands für tschechoslowakische Waren hält an und die Ergebnisse der Frühjahrsmesse waren in einer Reihe von Branchen»verhältnismäßig befriedigend". Einigen Unternehmungen gelang es, trotz schärfster Konkurrenz größere Auslaudsbestellungen zu bekommen. Bechyni: Die Koalition bleibt! Am Sonntag befaßte sich von tschechischer Seite Genosse B e ch y n i in Kremsier mit den Wählen, die er für den 26. Mai oder 2. Juni in Aussicht stellte. Er betonte, daß der ärgste Punkt der Krise überwunden sei und daß wir in einer Zeit leben, die durch Planwirtschaft in Industrie und Landwirtschaft ihr Gepräge erhält. Die Zusammenarbeit der Arbeiter und Bauern ist bei uns die einzig mögliche demokratische Politik. Die Parteien der gegenwärtigen Regierungskoalition werden auch nach den Wahle« dir Regierung bilden, und wenn die Koalition erweitert werden sollte, so nur unter Zustimmung aller heutigen Regierungsparteien. Genosse H a m p I machte auf einer Kreiskonferenz der Jugendlichen in Mähr.«Ostrau darauf aufmerksam, daß es in den Wahlen um mehr als um Mandate gehen wird: um einen Kampfs den die sozialistischen Parteien so gewinnen müssen, daß die Rechte ihre Diktaturgelüste aufgibt. Oesterrelchlsche Reglerungskünrte Wien. Wie das»Weltblatt" mitteilt, wurden in den letzten Tagen 50 junge Nationalsozialisten und 30 Sozialdemokraten wegen»Geheimbündelei" dem Landesgerichte eingeliefert. Wien. In den letzten Tagen waren in Wien und auch im Auslande Gerüchte über angebliche Zusammenstöße zwischen militärischen Organisationen im Umlaufe. Tatsächlich kam es in Wiener-Neustadt und in Gloggnitz vor einigen Tagen zu einem Konflikt der Heimwehren mit den ostmärkischen Sturmscharen, der jedoch durch die Vermittlung des Freiheitsbundes b e ig e- l e g t werden konnte. Gerüchte über Entwaffnungen oder Auflösung der ostmärkischen Sturmscha-! ren sind jedoch falsch. Berlin. Die in der vergangenen Woche zwischen dem Reichsinnenminister Frick und den Führern der Bekenntniskirche der altpreußischen Union stattgefundenen Verhandlungen haben zu keiner Einigung geführt. Der Führer der Bekenntniskirche, Präses Koch, hat dem Reichsinnenminister erklärt, daß die verbotene Proklamation der Bekenntniskirche gegen das Reuheidentum gerichtet war und Staat und Volk por der drohenden Gefahr schützen wollte. Diese Proklamation ist am Sonntag wiederum von verschiedenen Kanzeln verlesen worden. Aber diesmal ist die Polizei nicht gegen die Pastoren eingeschritten, obwohl erst vor acht Tagen über mehr als 500 Pastoren durch Verhaftungen, Hausarrest und andere Maßnahmen wegen Verlesung der Pro- klamotion gemaßregelt worden waren. Tokio. Der Kaiser der Mandschurei wird am 6. April zu einem offiziellen Besuch in Tokio eintreffeu. 20.000 Chinesen ertrunken 10.000 durch Ueberschwemmung bedroht Schanghai. China ist wiederum von einer Aeberschwemmungskata» strophe heimgesucht worden. Durch DeichdrÜche ist da- Gebiet des Gelben Flusses zwischen den Provinzen Honran und Hupei in riesiger Ausdehnung Überschwemmt worden. Man schützt die Zahl der Ertrunkenen auf 2 0.0 0 0. Etwa 100.000 Menschen befinden sich auf der Flucht vor den Fluten. Den Sachschaden schützt man auf 40Millionen Dollar. GrotzerSpionage-Prozetzi« Paris Gegen 30 Franzosen, Amerikaner, Polen nnd Russen Paris. Montag begann vor dem Pariser Gericht der Prozeß gegen 30 Spione und deren Komplizen, die Ende des Fohres 1933 in Frankreich verhaftet wurden. Den HaupträdelSführern gelang eß, sich der Verhaftung durch die Flucht zu entziehen. DaS Haupt der verhafteten Spione scheint die Russin Lydia Stahl zu sein. Weiter befinden sich unter den Verhafteten zwei Am erikaner, der Flieger Switz und dessen Frau, einige Polen und Russen, der f r a n- zäsische Oberst der Reserve D« m o l i n Tagcsnculgkeltcn Acht Eisenbahn-Banditen hingerichtet Pefing. Nach einer Meldung aus Kalegan versuchten als Fahrgäste verkleidete Räuber, 40 Kilometer vor der Stadt, den Zug Peking—Kale- dan zu berauben. Sie wurden von der Wache festgenommen und nach Kaledan gebracht. Acht von chnen wurden zum Tode verurteilt. Die Urteile wurden sofort vollstreckt. Sechs Tote bei einem Tanzfest Chicago. Beim Brande eines Hotels in der Vorstadt Morton Groce kamen sechs Personen umS Leben und einige Menschen wurden schwer verletzt. 17 Personen wurden ins Krankenhaus geschafft, vierzig weitere wurden an Ort und Stelle ärztlich behandelt. Die brennenden Vorhänge stürzten auf 80 Hotelgäste, di« sich eben kurz nach Mitternacht im Tanzsaal aufhielten, herunter. Das Feuer war während eines Tanzfestes in einer großen Halle des Hotels ausgebrochen. ES entstand tyie.Panik und^in, hem ollgemeimn Gedränge wurden viele Personen zu Boden gelvorfen und mit Füßen getreten. Im Grab an Alkoholvergiftung gestorben... Aus Budapest wird berichtet: Der ungarische Artist Josef Petrovics, der sich durch Vorführungen verschiedener»Fakirkunststücke" sein Brot verdiente, verlor das Leben auf tragische Weise. Petrovics, der sich mit behördlicher Genehmigung lebendig begraben ließ, um nach zwei Stunden wieder auS seinem Grabe befreit zu werden, nahm vor Beginn der Produktion größere Mengen Alkohol zu sich. Als daS Grab nach zwei Stunden geöffnet lvurde, fand man darin nurmehr die L e i ch e des Artisten, dessen Tod durch den übermäßigen Alko- holgenuh verursacht worden war. Mit dem Maschinengewehr gegen einen Staatsanwalt London. Aus Chicago wird gemeldet: Gestern, Sonntag, unternahmen Autobanditen einen erfolglosen Mordversuch gegen den Staatsanwalt Thomas Courtney, der sich durch seinen energischen Kampf gegen das organisierte Verbrechertum den Haß der Unterwelt zugezogen hat. Als der Staatsanwalt in Begleitung eines StadtrateS ein Hotel verlassen und in einem Auto Platz genommen hatte, fuhr auf der anderen Seite der Straße ein geschlossenes schwarzes Auto vor. Drei darin befindliche Männer eröffneten ein wildes Maschinengewehrfeuer. Der Staatsanwalt und der Stadtrat duckten sich und obwohl die FensterscheDe von vielen Kugeln zertrümmert wurde, blieben beide unverletzt. Die Verbrecher fuhren davon. Die Nachforschungen zahlreicher Polizeiautos blieben erfolglos. Explosion eines Munitionslagers in Charbin Charbin. In einem Munitionsarsenak in einer Vorstadt von Charbin ereignete sich am Sonntag eine Reihe von Explosionen, deren Ursache noch nicht feststeht. Die Sprengstücke der explodierenden Granaten machten den Feuerwehrleuten die Annäherung an den Brandherd unmöglich. Japanische Feldgendarmerie und mandschurische Schutzpolizei hatmehrerePersonen verhaftet, die mit der Explosion in Verbindung gebracht werden. Nach bisher unbestätigten Mitteilungen sollen bei der Explosion etwa fünfzehn Soldaten getötet worden sein. Das ganze Pulvermagazin und eine Anzahl kleinererGebäude wurden vollkommen zerstört. Man führt die Explosion auf einen Anschlag zurück, der anscheinend und Professor Marti«, der Borstand der Chiff- rierabteilnng im KriegSministerium, ein französischer Chemiker, eine französische Lehrerin«. a. Es scheint, daß es sich um eine internationale Spionagczweigftclle grhandelt habe und daß die Spione ihre Berichte gleichzeitig einige« verschiedenen Großmächten angedoten und mit ihnen Geschäfte abgeschlossen haben. Die Prozeßverhandlungrn werden geheim sein und etwa zehn Tage dauern. auf den ersten Zug geplant gewesen ist, der nach Uebernahme der Nordmandschurischen Bahn durch Mandschukuo von Charbin nach Hsinking abgehen sollte. Im Zuge befanden sich viele hohe Staatsbeamte, unter ihnen der Berkehrsminister Ting, Generalleutnant Dischio, der Stabschef der Kwan- tungarmee und der Präsident der südmandschurischen Eisenbahn, Graf Hayaschi. Erhöhung der Spielkartensteuer Der letzte Ministerrat hat«inen Gesetzentwurf! cmgenonnnen, womit einige Bestimmungen über di« Spielkartenstempel abgeändert werden. Der Entwurf erhöht die bisherigen Stempelsätze von Spielkarten, und zwar van 10 auf 18 und 20 auf 30 Xi und führt außerdem einen neuen Satz von 80 Kk für Karten auS andere« Stoffen als Papier oder Karton ein. 1 Bis vor kurzem wurden Karten ausschließlich aus Papier erzeugt. In der letzten Zeit werden Karten auch aus anderen Stoffen als Papier erzeugt, z. B. aus Zelluloid und dessen Ersätzen, auS Cellophan, Bakelit, PollopaS, aus Aluminium und hauptsächlich aus Cellon. Da diese Karten gut waschbar, biegsam und gegen verschiedene äußere Einflüsse widerstandsfähiger find, könne« dieselben unverhältnismäßm länger als Papierkarten verwendet werden; sie sollen deshalb von einem höheren Stempelsatz erfaßt werden. Bei dieser Gelegenheit erhöht die Finanzverwältung auch di« Stempelsätze für Papierkarten, da bei der Suche nach der Bedeckung für die unerlässliche^ Ausgaben der staatlichen Bedürfnisse die Besteuerung der Spielkarten als Gegenstände, di« bloß der Unterhaltung dienen, für die Steuerzahler weit erträglicher ist, als bei anderen Gegenständen des Bedarfes. Die Vorlage wurde dem Parlament borgelegt. Für die Gesundheit der Kinder auf dem Laude. Die Vorbereitungen zur diesjährigen Gesundheitsfürsorgewoche fiir das Land vom 7. bis 15. April sind bereits in vollem Gange. Das Protektorat über die Aktion haben die Minister für öffentliches Gesundheitswesen und für Landwirtschaft Übernommen. Die Aktion will erreichen, daß in jedem Dorfe ein Vortrag mit anschließender Aussprache über die Gesundheitsfürsorge der Kinder vom Lande stattfindet. Raubüberfälle tn Karpathorußland. In der Gemeinde Zlatary im Bezirk Chust wurde der Chuster Geschäftsmann Aron Bafl, der auf den Jahrmarkt in der Gemeinde Drahovo Hüte führt«, von vier Räubern überfallen, die ihm Hüte im Werte von 1000 Kö raubten. Einer der Täter wurde festgenommen, die übrigen drei entkamen. — In der Nachbargemeinde Kopasnovo überfielen drei maskierte Räuber, die mit Gewehren bewaffnet waren, den Bauern Andrej Sutak und verlangten von ihm Geld. Da er es nicht auslieferte, versetzten ihm die Räuber einige Messerstiche und einen Schlag mit einem Militärkarabiner. Auf die Hilferufe des Ueberfallenen erschien sein 20jähriger Sohn Ivan, der die Räuber mit einer Hacke in der Hand vertrieb. Die Gendarmerie fahndet nach den Tätern. Verkrüppelten-Fürsorge. Im Brünner Institut für Verkrüppelt« fand SamStag der erste Kongreß tschechoflowakischer Funktionäre der Ber- krüppelten-Fürsorge statt. Aerzte und Lchrer dcS Prager, Pilsener, Brünner, Slavnicaer und Mu- kacevoer Instituts und der Schule an der orthopädischen Preßbwrger Klinik waren zusammengetreten, um über die aktuellen Fragen der Krüppel- Fürsorge zu beraten. In der Debatte sprach sich der Instruktor des Ministeriums für soziale Fürsorge, K o t e k, für die Einreihung der tschechoslowakischen Krüppelfürsorge in das Arbeitsprogramm des tschechoslowakischen Jugendfürsorge- Verbandes aus. In der Aussprache wurden zahlreiche Anregungen aus der Praxis und aus dem gegenwärtigen Stande der Krüppelfursörge gegeben. Die Redner waren sich über ein einheitliches praktisches Vorgehen tn den Organisationsfragen und in den Methoden der Facharbeiten einig.— Die Lehrerschaft an den Fnsiituten für körperlich fehlerhafte Kinder konstituierte sich in Das Gesicht des Gaskrieges. Ein englischer Infanterist, der durch Gasmaske und Gummikleidung gegen Kampfgase völlig geschützt ist. Er trägt Senfgas in der ursprünglich flüssigen Form bei sich in einer Menge, die genügen würde, mehrere tausend Menschen tödlich zu vergiften. einer Interessen-Vereinigung und beschloß, der Reichsföderation tschechoflowakischer Lehrer für verkrüppelte Kinder üeizutreten. Das tödliche Kohlenoxyd. In der Wohnung ihrir Dienstgeberin in Brünn, Schwarze Felder, wurde Montag früh die Leiche der 52jährigen Pflegerin Franziska Wagner entdeckt, die durch aus dem Ofen ausgesttömte Kohlengase vergiftet war. Die 13jährige Gymnasiastin Marie Hermann, die mit der Wagner in einem Zimmer schlief, war ebenfalS gasvergiftet und wurde ohnmächtig ins Kinderspital geschafft. Fliegertod. Sonntag stürzte in b t a n bei einem UebungSfluge ein neues Flugzeug ab. Nach einem Looping löste sich von dem Apparate ein Flügel und die Maschine stürzte kopfüber in die Tiefe. ZweiFlieger fanden auf der Stelle den Tod. Verhaftungen österreichischer‘ Sozialdemokraten. In der letzten Zeit hat die Wiener Polizei viele neue Verhaftungen vorgenoinmcn.,Unter. den Verhafteten befindet sich der frühere Nedakteur der »Arbeiter-Zeitung" Karl Hans Sailer, der im Gefängnis an einem schweren Augenleiden erkrankt und von der Gefahr der Erblindung bedroht ist. Ferner wurde der ehemalige Volkswirt« schaftsredakteur der»Arbeiter-Zeitung" Dr. Otto Leichter verhaftet, desgleichen seine Frau Genossin Käthe Leichter, di« allerdings nach 48stünbigcr Haft wieder freigelassen wurde. Vom Rundfunk Iß Mer tenW MMWW bringt in dieser Woche: Mittwoch(13.45—13.55 Uhr): Deutscher Arbeitsmarkt.;—(18.25 bis (18.45 Ahr) Adolf Schmidt, Prag: «Verringerung der Arbeitslosigkeit durch Siedlung."—(18.45 bis 18.50 Uhr) Fritz Liebscher: Die Vierzigstundenwoche. Freitag(18.45—18.55 Uhr): Aktuelle zehn Minuten(Franz K r e j ö i, Prag). Sonntag(14.45—15 Uhr) Dr. Robert Baumgärtel, Prag:„Demokratische und nichtdemokratische Justiz." Empfehlenswerter au» de« Programme«: Mittwoch Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 12.10 Unterhaltungsmusik. 15.55 Konzert. 16.45 Jugendcheater. 18.45 Deutsche Sendung: Dr. Mou- cha: Neue Bücher. 18.25 Arbeiterfunk: Wolf Schmidt: Die Verringerung der Arbeitslosigkeit durch Siedlung. 18.45 Sozialinformationen. 18.50 Deutsche Presse. 19.85 Saxophonkonzert. 20.05 Uebertragung aus dem Smctanasaal. achter Shmpho- niekonzert des tschechoslowafischen Rundfunk«. 82.15 Tanzmusik.— Sender S.: 15.00 Deutsche Sendung: Kinderstunde.— Brünn: 12.10 Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 18.45 Walzer. 17.50 Deutsche Sendung: Kunstbericht auS mährisch-schlesischem Kunstschaffen.— Preßburg: 17.05: Dvokak: Quintett. TonnerStag Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 18.45 Unterhaltungsmusik. 17.20 Liederkonzert, 18.15 Landwirtschaftliche Sendung. 19.15 Wir lernen russisch. 19.50 Belgisch« Musik gestern und heut«. — Sender S.: 15.00 Deutsche Sendung: Dr. Fer- negg: Fortschritt im Arbeitsrecht. 15.20 Leicht« Musik.— Brunn: 18.85 Deutscher Arbeitsmarkt. 17.50Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Erwin S t i a ß n h: Arbeitslager und Heimstätte. 19.50 Thottonzert. 22.15 Orchesterkonzert.— Mährisch. Ostrau: 15.55 Orchesterkonzert. 17.50 Deutsche Sim- dung: Liederkonzert.— Preßburg: 17.20 Zu Gesang und Tanz. 18.05 Liedettonzert.— Kascha»: 17.20 Slowakische Vollslieder. 21.80 Beethoven: Quintett, Seite 6 Dienstag, 26. März 1935 Nr. 7L Erdgasausbruch bei Wie« Bohrturm zerstört— Fisch-Sterben Schwere Schäden Wien. Ein Erdgasausbruch in Enzersdorf bei Wien hat den Bohrturm bis auf wenige Pfeiler weggerifsen. Die Maschinenanlagen wurden schwer beschädigt. Die Höhe der Gassäule betrug 100 Meter. Zentnerschwere Steine werden emporgeschleudert. Die Umgebung ist kilometerweit mit einer grünlich schimmernden Lehmschicht bedeckt. Der Schaden, der an den Fluren angerichtet worden ist, läßt sich noch gar nicht abschätzen. Die Schadenssumme, welche sich allein durch die verloren gegangene Gasmenge ergibt, wird auf 200.000 Schilling geschätzt. Dazu kommt aber noch der Wert der zerstörten Anlagen. Den Arbeitern und Ingenieuren, die sich seit drei Tagen bemühten, den Erdgasausbruch abzudämmen, ist überraschenderweise die Natur zu Hilfe gekommen. In der Nacht zum Montag ereignete sich ein h e f t i g e r E r d st o ß. Die unterirdischen Gesteinsbewegungen scheinen das Bohrloch verstopft zu haben, so daß seit Montag früh die Kraft des Ausbruches bedeutend nachlieb. Die Gassäule ist auf ein Viertel ihrer früheren Höhe gesunken. Montag morgens konnte infolge der Abschwächung der Ausbrüche wenigstens ein Teil der Maschinen geborgen werden. Der Bohrturm allerdings ist vollständig eingestürzt. Die Ausbrüche haben auch sehr viel Wasser an die Oberfläche geschleudert. Um diesem Abfluß zu verschaffen, wurden Gräben zum Flusse Fischa gezogen. Das gashaltige Wasser färbte den Fluß kalkweiß und tötete den ganzen Fischbe- st a n d, der sehr reich war. Unsicheres Wetter. Im Staatsgebiet herrschte Montag bei nordwestlichem Wind veränderliches und meist etwas kühleres Wetter. Der Kamm des Riesengebirges hat Frost, die Schneekoppe meldete auch nachmittags minus vier Grad Celsius. Die tühle Luft beginnt jedoch wieder znrückzuweichen. Das Wetter dürste etwas unsicher bleiben. Im Nordteil Mitteleuropas Linnen leichte Störungen noch zeitweise etwas Regen Hervorrufen, im Südteil des Binnenlandes wird die Witterung jedoch voraussichtlich vorwiegend ruhig sein unter dem Einfluß eines Hochdruckgebietes, das sich von Frankreich bis zum Böhmerwald erstreckt.— Wahrscheinliches Wetter heute: Wechselnd bewölkt, in den böhmischen Ländern Wetter etwas unsicher, im Norden vereinzelt etwas Arbeiter-Los. In Saragossa stürzte bei Repäraturarheiten ein Haus zusammen, und begrub eine Familie und acht Arbeiter unter sich. Während die Mitglieder der Familie mit leichteren Verletzungen davonkamen, wurden die acht Arbeiter schwer, zum Teil sogar lebensgefährlich verletzt. Kirchen raub. In die römisch-katholische Kirche in O n o k o v c e bei Uzhorod drangen Samstag abends Räuber ein, die die Almosenstöcke erbrachen und auch die vergoldete Monstranz raubten. Es ist dies bereits der dritte Einbruch.in diese Kirche. Oie kommende Abrüstungskonferenz ohne Maske (Originalzeichnung von John Kern.) Japanische Berschwörnng. Am Samstag war in der Wohnung des Präsidenten des japanischen Staatsrates, I k k i in Tokio, ein bewaffneter Mann verhaftet worden, der es offensichtlich auf einen Anschlag auf das Leben des Präsidenten abgesehen hatte. Die Untersuchungen der Polizei haben nunmehr ergeben, daß dieser Mann im Auftrage einer geheimen Gruppe, die sich»Vereinigung für die Aufrechterhaltung des nationalen Geistes" nennt, gehandelt hat. Neun Mitglieder dieser Gruppe, unter ihnen zwei Führer, wurden verhaftet. Wie es heißt, hat diese Verschwörergruppe den Anschlag deshalb beschlossen, weil der Präsident die»Organtheorie Minobes" unterstützt haben soll. Diese Organtheorie steht im Mittelpunkt von weltanschaulichen Auseinandersetzungen, die das Verhältnis des Kaisertums zum Staate zum Gegenstand haben. Stonferem über den Verkehr von AuStausch- zügen. Auf Einladung der Ungarischen Staatsbahnen sind die Vertreter der deutschen, schweizerischen, österreichischen, italienischen, tschechoslowakischen, rumänischen, polnischen und jugoslawischen Eisenbahnen in Budapest zu einer Konferenz zusammengetreten, um> die Frage der Austauschzüge zu erörtern. An den Verhandlungen nehmen auch die Vertreter der Fremdenverkehrs- und Reisebüros teil. Die Beratungen dauerten zwei Tage und es wurde ein einheitliches Verfahren ausgearbeitet, das in Zukunst den Verkehr von Austauschzügen wesentlich erleichtern und verbilligen wird. Die Vereinbarung tritt erst nach Genehmigung seitens der Auf« fichtsbehörden der verschiedenen Eisenbahnen in Kraft. Der frühere WeltKhachmeister Emanuel Lasker hat sich entschlossen, in der Sowjetit%ion zu bleiben und wurde im russischen Staatsverlag als Leiter der Schachrubrik in der.Jswestija"-Redaktion angestellt. Mtt dem Lenin-Orden und dem Roten Stern-Orden wurden in Moskau ausgezeichnet führende Persönlichkeiten der Eisenindustrie und die besten Ingenieure dieser Jndustriebranche sowie die Techniker, welche sich um die Ueberschreitung des Erzeugungsplanes für 1884 verdient gemacht haben. Ei» tschechoslowakisches Institut für Tontechnik wird in Prag über Veranlassung des Universitätsprofessors Dr. Taiga errichtet werden. Das Institut wirb sich mtt tontechnischen Problemen der Radiotechnik, mit dem Tonfilm, Grammophonplatten, dem technischen Bau von Musikinstrumenten, akustischen Räumlichkeiten und Tonisolatton in Gebäuden, dem Kampf gegen den Lärm, der physikalischen Erforschung der menschlichen Stimme und den akustischen Methoden der angewandten Geophysik befassen. Einer der Zwecke des neuen Institutes ist, mit Rat und Forschung di« Erzeugung von tontechnischen Apparaten in unserem Staate-u unterstützen. 731.643 Rrmdfunkhörer. Die Stattstik.der Rundfunkhörer in- der Tschechoslowakei weist im Feber einen neuen Zuwachs von 13.324 Hörern auf. Insgesamt'gab es Ende Feber 731.643 Rundfunkhörer; davon entfallen auf die Postdirektton Prag 386.401, auf Pardubitz'72.850, auf Brünn 122.512, auf Troppau 56.028, auf Preßburg 56.323, auf Kaschau 20.326; ganz Karpathorußland hat«dagegen nur 7201 Hörer. Segelflug in der Nacht. Ein Mitglied des Londoner Segelklubs unternahm Sonntag spät abends einen Flug mit einem Segelflugzeug, der etwa 40 Minuten dauerte. Man glaubt, daß es das erste Mal ist, daß ein Segelflugzeug in der Nacht gestartet und gelandet ist. Das Flugzeug erhob sich zu bedeutender Höhe,-erhielt die Verbindung mit der Erde durch Lichtsignale aufrecht und landete unter dem Schein von Automob ilreflekwren. 300 Kilometer langer GlaSfaden. Thomas Langley, einer der wenigen noch lebenden Glasspinnkünstler in einer Leinen Ortschaft in England sitzt noch jeden Tag an einem altmodischen Tretstuhl und spinnt Glas. Aus einem Stück Glas von einem Kubikzoll Inhalt vermag er einen Ma-faden, 'von 800 Kilometer Länge zu spinnen. Dieser Faden ist natürlich unvorstellbar dünn und für das bloße Auge kaum sichtbar. Mit einer gewöhnlichen Glasbläserpfeife formt er Kugeln von nur einem 10.000- stel Zoll Stärke. Jetzt müssen Sie unbedingt Ihre Blumen mit Bluien-Zauberdung begießen, wenn sie schön blühen sollen 1 Paket Kc 5*60 durch die Verwaltung „Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tr. 62, und bei allen Kni»v»rtpvren erhältlich Girr böhmischer Fakir Den meisten dürfte die Tätigkeit der indischen Wundermänner,„Fäkire", bekannt sein. Es zeia- ten sich ja auch schon waschechte Einheimische. Manchmal heimatlich, manchmal indisch benannt. Dazu sei bemerft, daß der eckte Fakir, der nur seinem Innenleben lebt, niemals in Varietes auftreten, bezw. seine Heimat verlassen würde, denn nur dort ist ihm eine Lebensführung möglich, wie sie seine Erziehung und Schulung mit eiserner Strenge vorgeschrieben hat. Also, was wir in unserer lärmenden Zivisa- iion des Westens zu sehen bekömmen, ist lediglich ein Leiner Durchschnitt aus dem riesigen, zum Teil heute noch geheim gehaltenen Gebiete der Aygha-Schulung.(Sprich Dschoga, mit sehr weichem»sch", wie tschech.„I" und franz,„j".) Eine Willens-Dressur, einschließlich Beherrschung aller leiblichen Bedürfnisse und— des eigenen Denkens. Das ist ja der Anfang des Dogha-Schülers: Gedanken äbstellen zu können, wie man einen Motor abftellt. Wer dieser nahezu absoluten Herrschaft, ja Gewalt über seinen Körper und über Geist- Seele fähig ist. mächttg wird, der hat auch Macht und Gewalt über die Gehirn« anderer Menschen, lind hier sind wir schon auf dem Gebiete der Hypnose, Suggestion. Diese dürfte Ursache der Fakir- Kunststücke sein. Was die Zuschauer zu erleben, zu sehen, zu hören meinen, spielt sich lediglich im Gehirn des Fakirs ab, dessen Kraft sich auf die, in der Regel schwächeren Gehirne glaubensbereiter Zuschauer überträgt:- selten wird ein sicher Stark-geistiger diesen Schaustellungen beiwohnen I Nimmt er ober daran teil, dann— sieht er nichts, hört er nichts. Aber er kann sich das Vergnügen leisten, die würdevoll-spöttische Ruhe des Fakirs zu bewundern, und, über das Unsterblichste der Menschen-Erde zu lächeln: menschliche Schwäche.. Vor Jahren sah der Verfasser zu Verona einen Fakir auf Reisen. Deutsch gesagt: einen indischen Gaufler. Ich sah den Gaukler, den Teppich, die einfache Pfeife, zu deren Taft der ältliche Mann sich hin nnd her wiegte, während seine Brillenschlange geil tanzte und ein sehr schöner Knabe «inen langen Bambusstab senkrecht hielt. Mein englischer Kollege sah ebenfalls nichts anderes. Konnte es sich aber nicht verkneifen, nach einer Zeit des langweiligen Schlangengeringels zu behaupten, er sähe Läuse, die den Turban des Fakirs hoben, um sich ein Stück Italien anzuschauen... Nach Schluß der Vorstellung, die nicht zu verlassen uns die Höflichkeit gebot, erzählten die entzücktschaudernden, verzückt bewundernden anderen Teil» nehmer: der Knabe erlletterte den freistehenden Bmnbusstab und vollführte auf der Spitze halsbrecherische gymnastische Uebungen. Dann packte ihm sein Herr und Meister in den Teppich, durchstach das Bündel mit seinem blanken indischen Dolch, Kris, Blut floß, der Teppich wurde aufgerollt: lächelnd hüpfte der Junge hervor. Weder vom Fakir, noch vom Knaben wurde ein Wort gesprochen. Alles geschah stumm, laut los.— In Wahrheit: nichts geschah.... * Als es hierzulande noch gefährlich war, derzeit unerklärbare Kunststückchen zu machen, lebte an dem Hofe Wenzels IV. ein Männlein namens Zitek, des Kaisers und Königs»Lustiger Rat", Hofnarr, kurz„das Närrlein" genannt. Geschildert wird„das Närrlein" als Lein, gelvandt, flink, Lug, witzig, gelehrt, prakttsch verschlagen lustig. Ganz ohneEinfluß, ernsten Einfluß, warZitek auf seinen Herrn und Gebieter sicher nicht. Um so weniger» als das Gehirnchen Wenzels IV. recht oft von Wein- und anderen Wolken durchzogen wurde: Majestät soff.— Zitek aß mit den Pagen des Hofes, Buben im Entwicklungsalter und also mit sehr gesegnetem Hunger begabt, an demselben Tische. Die Einigkeit der vielen Kinnladen ließ von den gefüllten Schüsseln niemals viel auf»das Närrlein" kommen. Und just gesülzten Hecht liebte Zitek über alles. Und die Pagen ebenfalls. Schließlich wurde Zitek die Sache zu bunt! Eines Tages schneidet der erste der Pagen, zu dem die Hechtschüssel kam, ein Stück Fisch ab— uckd hält zu seinem Entsetzen einen Pferdefuß samt Huf in der zitternden Hand: der Pferdefuß war ja auch das Kennzeichen des Teufels I Zitek nimmt dem halb Bewußtlosen die Schüssel aus der Hand und bietet selber an: dasselbe geschieht! Alles hält Pferdehufe in den Händen!— Nach einer anderen Form der Erzählung konnte keiner außer Zitek zugreifen, weil die Hände selbst zu Pferdehufen geworden waren.— Jedenfalls hatte„das Närrlein" sein Ziel— diesmal gesülzten Hecht— erreicht. Ein andermal zogen zwei Käfer eine Nußschale vor dem König vorüber, aber, in der winzigen Nußschale saß ein lächerliches Phantom, eine Schreckgestalt. Oder: Im inneren Burghof nimmt Zitek einen Hahn und spannt diesen vor einen langen, dicken Balken. Der Hahn zieht die Zehnmänner- Last. Die Zuschauer in den geöffneten Burgfenstern staunen, reiben sich die Augen: der Hahn zog den Balken über den Burghof! Da kam eine Magd, hörte- um was es sich handle, lachte und rief: Seht ihr'denn nicht, daß der Hahn nur einen Strohhalm angebunden hat? — Das Mädchen war aber der Sage nach deshalb gegen Zauberei gefeit, unempftndlich, weil ihm seineGroßmutter einVierkleeblatt in den Tragkorb gelegt hatte. In Wahrheit war das Mädchen nüchtern(was man von den Gästen Wenzels IV. schwer behaupten kann), naiv-gehirnstark, aber dennoch war Zitek nach einer Leinen Weile stärker. Als das lachende Mädchen weiter gehen wollte, bemerkte es Wasser nn Hofe, Wasser, das rasch anstteg. Das Mädchen rafft die Kleider höher, das Wasser steigt, das Mädchen schürzt zum Gaudium der Zuschauer die Röcke noch mehr, das Wasser steigt, die Zuschauer brüllen vor Lachen, das Mädchen schreit, springt über den Hof, erreicht ein Haus— schaut zurück: der ganze Platz ist staubtrocken.... Der folgende Vorfall deutet aber auch darauf hin, daß Zitek auch die Kunst des Bauchredens bekannt war. Einmal, als man bei Tische saß, schallen vom Hofe Schreie:»Feuerjo! Rettet Euch! Alles brennt! Hilfe! Schlagt zu! Schlagt ihm tot!" Als hätte man den Brandleger erwischt. Die Gäste stürzen zu den Fenstern. Nur der König bleibt, eingeweiht, überlegen oder betrunken oder alles drei, fitzen. Die G^ste sehen nichts. Schimpfen. Als sie aber den Schädel aus dem Fenster zurückziehen wollen, können sie das nicht: ein jeder bemerkt am Nächsten und greift es an sich seiber: rechts und links vom Kopfe ist einem jeglichen der Gäste ein ungeheures Hirschgeweih gewachsen... König Wenzel IV. hatte an die Großen seines Reiches Krongüter verpfändet. Eines Tages wollte er sie auslösen, weil er sie verfassungsmäßig auslösen mußte. Aber die hochadeligen Pfandleiher wollten von einer Auslösung nichts wissen, wollten die billig» erworbenen" Güter ganz einfach behalten. Vielleicht hatte Majestät auch ein wenig den Termin versäumt, so daß die Herren mtt einem Scheine des Rechtes im Rechte waren, dem Könige gegenüber, nicht aber dem Reiche.— Der vom König befragte Zitek riet, die Sache ruhen zu lassen, käme Zeit, brächte die Zeit Ge- legenhett. Der Streit war aus,— meinten die Großen und hielten den König für dümmer, als sie selber waren. Nach einiger Zeit veranstaltet der König eines seiner feuchten Gelage und lud auch alle Großen dazu. Zitek war unter den Zechern. Mitten im Gelage öffnet sich die Saaltüre und herein tritt im Scharlachkleid das blanke Richtschwert in der Hand, des Königs„Schwager" — wie man derzeit sagte— der Scharfrichter. Die Großen schreien„Vertat!", wollen von den Stühlen auffpringen, zu den Schwertern greifen, aber, Ritter wie Schwerter sind„gebannt", an die Stühle: die Großen können nicht aufftehen; die Schwerter„gebannt" in die Scheide: sie können nicht herausgezogen werden. Die Großen verfluchen alles, rasen auf Zitek. Da tritt der Kanzler in den Saal und legt die vorbereiteten Urkunden samt Quittungen auf den Tisch. Der König hielt ein«, all den Herren unvergeßliche Ansprache. Und dann— löste sich der Bann— wenigstens von der unterschreibenden rechten Hand... ♦ Man kann unschwer die Aehnlichkeit der Vorgänge in Verona oder auf manchen Bariet^-Büh- nen mit Ziteks psychologisches Praxis sehen, wenn man sich der allzumenschlichen Sucht, zu enthüllen vermag, hinter all diesen grob-alltäglichen Dingen mehr zu sehen, als Anwendung von Geisteskräften, die jedem Vernünftigen eigen sind und nur geübt zu werden brauchen. Allerdings auf ersprießlichere Art, als zu komödiantischen Schaustellungen oder gar— Gaunereien. K. B. Sk. 72 DienStag, 2«. März 1935 «Seite? Volhswlrtsdiatt und Sozialpolitik Für die Herabsetzung-es Kaffeezolles Gemeinsame Jntereffen der Bauern und Verbraucher Lorette und Robert Zwung in dem amerikanischen Grohfilm„Dia Rothschilds" Das Interesse für Karl Marx wächst Starte Nachfrage nach marxistischer Literat« in England Obwohl der Gründer des Marxismus einen grasten Teil seines LebenS in England gewohnt und gearbeitet hat, konnte der Marxismus, wie wir ihn auf dem europäischen Festland kennen, niemals Einflust von Bedeutung in England erlangen. Seit den letzten Monaten abe? erscheint in England in zunehmenden Maste marxistische Literatur. Das mag einmal als Beweis dafür gelten, dast der so oft totgesagte Marxismus lebendiger ist denn je und das anderemal zeigen, wie in der jungen englischen Generation sozialistisches Gedankengut verarbeitet wird. Die.Times" schreien, dast dieser Tag« die Korrespondenz zwischen Marx und Engels(The Eorrespondence of Marx und Engels. A selection wüh commentary and notes, Martin Laurence) in einem Buch erschienen ist. Diese Korrespondenz fastt 2Llt-Srj«fe zusammen, die von 1846'bis 1895 geschrieben wurden. DaS ist beinah««in' halbes Jahrhundert. Glicht weniger als 88 Briefe liegen zwischen 1860 und 1876, als Marx den ersten Teil des Kapitels schrieb und vollendete. Die Arbeit enthält sehr viele biographische Anmerkungen über zahllose Personen, die in den Briefen genannt werden, austerdem Mitteilungen, die von dem englischen Publikum besonders gewertet wurden. Alle französischen und lateinischen Ausdrücke sind ins Englische übersetzt, so-ast das Buch auch für nicht fachkundige Leser zu empfehlen sei. Man bekommt vor allem, so sagt die»Times", einen Einblick in den Charakter von Engels. Er erscheint nicht als Schüler von Marx, sondern als sein Kolleg«. Der Briefwechsel zeigt, welch eine intime Freundschaft zwischen beiden Mäimern bestanden hat, die ununterbrochen bis zum Tode von Marx im Jähre 1883 dauerte. Ohne die niemals fehlende intellektuelle und materielle Hilfe Engels hätte Marx niemals das tun können, was er tat Wenn ein Walfisch einen Elefanten verschlingt... Der englische Abgeordnete H. W. Hahden beschäftigt sich in seinen Mussestunden mit mathematischen Berechnungen aus der Zoologie und Biologie. Er stellt Statiken auf, die zwar keinen praktischen Wert erkennen lasten, aber immerhin recht interessant wirken. Hier folgen einige Proben feiner Feststellungen. In jedem Morgen Land vegetieren 800.000 Würmer und 8,000.000 Insekten. Ein ausgewachsener Elefant, der ungefähr fünf Tonnen wiegt, hätte Platz in einem Walfisch, der 80 Fuß lang ist, ungefähr 100 Tonnen wiegt und zwei Tonnen Nahrungsmittel zu einer Mahlzeit gebraucht. Eine Riesenulme in vollem Laub hat 7,000.000 Blätter. Wenn man sie auf der Erde ausbreiten würde, bedeckten sie fünf Morgen Land. Die Flügel einer Stubenfliege vibrieren 830mal in der Se« künde, bei einer Mene 190mal, bei einer Wespe llOmäl, bei einer Libelle 28mal. Ein Sperling macht in der Sekunde 18 Flügelschläge, ein Schmetterling 9 und ein Storch nur L. Wenn bi« Nachkommenschaft einer einzigen Grünfliege am Leben bliebe und sich einen Sommer lang fortpflanzen würde, so ergab das eine Anzahl von Fliegen, die der Bevölkerungszahl von China entspräche. Was man sich auch schwer vorstellen kann, ist die Berechnung des Herrn Hayden, wonach 80.000 Flöhe auf eine Unze gehen. Je größer ein Tier ist, desto weniger Oberflächeninhalt hat e- im Verhältnis zu seinem Gewicht. Also, obwohl ein Elefant so viel wgeit wie ungefähr eine Million Mäuse, so würde doch die Haut einer Million Mäuse genügen, um hundert Elefanten zu bedecken. Unter diesem Titel veröffentlicht Genoffe hFranz SvojSe in der»Konsumgenossenschaft" einen interessanten Artikel, in welchem er mit austerordentlich wirksamen Argumenten die Herabsetzung des Kaffeezolles verlangt. Bis zum 3. Jänner 1933 betrug nämlich der Zoll für 100 Kilogramm Kaffee 950 XC, seither jedoch 1235 X£. Auch die Umsatzsteuer wurde damals von 150 XL pro 100 Kilogramm auf 225 XC erhöht, so dast Zoll und Umsatzsteuer zusammen vor dem genannten Termin 1100 XL per 100 Kilogramm, nach diesem Tage jedoch 1460 XL betrug. Svojse zeigt zunächst an Hand der Kaffeeeinfuhr von 1980 bis 1933, dast di«Menge des eingeführtenKaffees steigt, wenn derPretsfällt, daßaber dieKaffeeinfuhrsinkt, wenn der Preis steigt. Dies beweist die nachfolgende Tabelle: Kaffee-Einfuhr: Menge Wett 1930 13,666.100 Kg. 183,310.000 XL 1931 15,107.500 Kg 172,471.000 XL 1932 15,213.500 Kg. 147,935.000 XL 1933 9,275.000 Kg. 73,272.000 XL 1934 11,099.000 Kg. 76,278.000 XL Da der Kaffee im Jahre 1931 wesenllich billiger geworden ist, ist der Kaffeeverbrauch im Jahre 1931 und 1932 gestiegen. Dagegen ist der starke Rückgang des Verbrauches im Jahre 1933 die Folge der Zollerhöhung. Aber auch für den Fiskus hat sich die Erhöhung des KaffeezolleS nicht ausgezahlt. In den zwei Jahren vor der Zollerhöhung vor 1933, also bei den niedrigen Zollsätzen, betrugen die Zolleinnahmen bei Kaffee rund 333.5 Millionen XL» in den zwei Jahren nach der Zollerhöbung hingegen nur 297.5 Millionen XL. Die Annahme der Fis- kaliften im Finanzministerium, die Erhöhung deS Zolles werde zu einer Erhöhung der Staatseinnahmen führen, hat sich als unrichtig erwiesen, im Gegenteil, je höher der Kaffeezoll, desto geringer die Staatsein- nahm en. Sehr wichtig ist aber auch die Feststellung des Genossen Svojöe, dass der Rückgang des Kaffee- verbrauches auch zu einem Rückgang des Milchverbrauches führt. Zie dieser Erkenntnis gelangen auch die Bauern, wie ein Artikel Die Beisetzung Dr. G a ch s, die am Sonntag vormittags auf dem StraSnitzer jüdischen Friedhof stattfand, wurde zu einer ergreifenden, da völlig spontanen Demonstration gegen die üblen fascistischen Jntriguen, die den jungen, sehr begabten Arzt in den Tod getrieben haben. Das ganze Friedhofsgelände war überflutet von Menschenmassen, in der Zeremonienhalle herrschte ein so lebensgefährliches Gedränge» dass zwei Scheiben in Trümmer gingen. Zahllose Nichtjuden waren erschienen, u. a. auch Funktionäre der tschechischen Sozialdemokratie, um das Opfer deS Fascismus zu ehren. Gach wurde neben seinem vor zwei Jahren verstorbenen jüngeren Bruder beigesetzt. Ein Freund des Toten sprach am offenen Grab schlichte, von Herzen kommende Abschiedsworte und betonte» dass man Gach, aber auch die Urheber seines frühen TodeS nicht vergessen werde. Das Defile der riesigen Menge, die am Sarg vorüberschritt, dauerte weit über eine halbe Stunde. Von der Schloffer-Kltnik war kein einziger Kollege, erschienen, auch das Rektorat der Universität demonstrierte sinnvoll durch Abwesenheit. Nazihatz über den Tod hinaus l Die Krankenschwestern der Chirurgie hingegen, die den ebenso tüchtigen wie menschlichen Arzt schätzen gelernt hatten, ehrten sich und den Toten durch einen Kranz. Eine Handlung, die gewisse Akademiker eigentlich beschämen sollte.,, • »Der letzte tragische Vorfall an der medizinischen Fakultät der deutschen Universität, erwachsen aus dem Geist unserer deuffchen Hochschulen, der Selbstmord deS Arztes Dr. Gach", so schlecht „Närodni Osvobozeni",„der wegen seiner jüdischen Abstammung nicht nur beständig zurückgesetzt, aber schließlich durch den rassistischen Antisemitismus zum Selbstmord getrieben wurde, ist das deullichste Zeichen für alle, welche durch Jahre hindurch Brücken zum guten Zusammenleben der Deutschen und Tschechen gebaut haben und sich dagegen wehren, dass zu uns gedankliche und politische Einflüsse dringen, welche unserem Milieu und unserer Kultur fremd sind. Es ist dies ein aufreizendes Zeichen der schon älteren Tatsache, dass, viele Lehrer und Schüler der deutschen Hochschulen sich von der geistigen Sphäre der Tschechoslowakei loslösen und dass die Hochschulen Mittelpunkte von Gedanken werden, die niemals und um keinen Preis in unserer Demokratie Heimatsrecht gewinnen können, weil sie in grundsätzlichem und unversöhnlichem Widerspruch mit den ideellen Grundlagen selbst unserer Republik sich befinden." im„Deutschmährischen Genoffenschaftsblatt" bezeugt.* Schliesslich kommt noch hinzu, dass eine ver- grösserte Kaffee-Eiitfuhr nicht nur unserer Landwirtschaft, sondern auch unserer Industrie nützen würde. Das Kaffeegeschäst erfolgt durchwegs im Kompensationswege. Je mehr Kaffee wir importieren, desto mehr Indu- strieerzeugnisse können wir exportieren. So würde also ein vergrößerter Kaffeeimport auch die Exportaussichten unserer Industrie verbeffern. Zusammenfassend kann man also sagen, daß eine Herabsetzung des Kaffttzolles zu einem erhöhten Kaffeeimport, daher zu erhöhten Staatseinnahmen, zu erhöhtem Milch- und Zuckerver- drauch und zu erhöhtem industriellem Export führen würde. ES liegt am Finanzministerium, sich mit dieser Frage ernstlich zu befassen. Sine stolze Ziffer entnehmen wir dem„Textilarbeiter"(Reichenberg): Seit dem Bestand des Genter Systems, das ist seit 1. April 1925, hat die Union der Textilarbeüer an Arbeitslosenunterstützung den Betrag von 63,505.689 XL ausbezahll, zusammen mit dem Staatszuschuß 258,596.262 XL. Diese Ziffer sei festgehaüen, um zu zeigen, welche Leistungen eine einzige Gewerkschaft in einem Zweige der Sozialpolitik vollbringt. Raps statt Weizen. Aus T r o p p a u wird berichtet: In den letzten Jahren wurde in Schlesien der Anbau von Weizen eingeschränkt, da infolge der ungünstigen llimaftschen und Anbauverhältnisse der Ertrag oft über 50 Prozent zurückging. Als Ersatz soll nunmehr in Schlesien Raps gepflanzt werden. Diesbezügliche Versuche werden in größerem Maße auf den Schulgütern der höheren landwirtschaftlichen Schule in Trop- pau durchgeführt. Diese Aenderung steht im Zusammenhänge mit den gesamfftaatlichen landwirtschaftlichen Planungsrichtlinien. In den weiteren Ausführungen setzt sich das Blatt dafür ein, daß die Koalitionsparteien den Schulminister wegen des Falles Gach interpellieren und daß eine parlamentarische Untersuchungskommission eingesetzt werde. Ein Parteigenosse aus der deutschböhmischen Provinz, geschätzter Berttauensmann, teilt uns auf Grund seiner Beziehungen und Erfahrungen mtt, daß nach seiner festen Ueberzeugung nicht alle Aerzte an der chirurgischen Klinik Prof. Schloffers Hakenkreuzler sind und daß insbesondere Doktor Marzoll sich wiedeholt gegen dan Rassenhaß wendete, was jedenfalls bei einem Hakenkreuzler ausgeschlossen sei. Nun haben wir zwar weder jemals behauptet, daß sämtliche Aerzte der chirurgischen Abteilung Hakenkreuzler seien noch haben wir im besonderen Dr. Marzoll als Hakenkreuzler bezeichnet. Immerhin aber erscheint es uns als rätlich und als obligatorisch für eine wahrhafte und objettive Berichterstattung, dem besonderen Hinweis unseres Genossen Raum za geben Es wird die ganze demokratische Oeffentliöpeit freuen zu hören, daß es an der Schloffer-Klinik nicht lauter Dr. W e n z e l's gibt. Am Sonntag wurde in Wien das Länderspiel um den Svehla-Pokal(Europacup) zwischen Italien und Oesterreich ausgewogen. Im Vorspiel gewann eine Wiener Jugend-Mannschaft über die von Brünn mit 6:2(1:2). Das Hauptspiel zeigte aber auf, wie die österreichische BevMerung, und damit auch das Sportpublikum, zur heutigen österreichischen Regierung steht. Die jetzig« österreichische Regierung ist fascisttsch und mit Italien arbeitet sie bekanntlich Hand in Hand. Di« Sozialisten mussten den Kanonen der Klerikofascisten weichen. Wer dies« konnten nicht den Gedankten und das Festhalten am Sozialismus auslöschen. Mit viel Militär und Maschinengewehren schützt man heute öffentliche Kundgebungen. Wer doch nicht alle. In dieser Hinsicht bildete daS Länderspiel mit Italien für die Schuschniggs eint unangenehme Sensation. Das Wiener Stadion war ausverkauft. Die christlichen Fascisten wissen sehr gut, welche„gute" Meinung in der breiten Oeffentlichkeit über sie herrscht und so stellten sie zwischen den Zuschauern und dem Spielfeld einen starken Polizeikordon auf, weitere Polizeikordons zog man auf dem Spielfeldrand zusammen und schickte noch einige hundert Geheimpolizisten unter die Mas- svn. Wer es nützte diesmal nichts! Als die Italiener auf das Spielfeld kamen und den fascistischen Weißejahne machen jedes Antlitz ansprechend und schön. Zur Erlangung schöner weißer Zähne putze man früh und abends die Zähne mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zahn- paste. Schon nach kurzem Gebrauch erhalten die Zähne einen wundervollen Elfenbeinglanz. Tube Xi 4—. Inland. Erzeugnis. Wesemann und Jorns Berthold Jacob ist vor etwa fünf Jahren vor einem Berliner Gericht erwähnt worden. An- geklagt war Rudolf Bornstein, Redakteur der Wochenschrift„Das Tagebuch", weil er dem Rcichsgerichtsrat Jorns nachgesagt hatte, dieser habe die eigentlichen Mörder Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs im März 1919 entfliehen lassen, so daß nur der schwachsinnige Rohling Soldat Runge mit drei Jahren Gefängnis bestraft werden konnte. Als Rebenlläger saß auch Herr Jorns vor den Richtern und plötzlich machte er seinen gehässigen Ausfall gegen den gar nicht am Prozeß beteiligten Berthold Jacob, den er andeutungsweise als Agenten Frankreichs hinstellte. Sofort aber fuhr ihm der Verteidiger Dr. Paul Levi, sozialdemokrattscher Reichstagsabgeordneter, so über den Mund, daß JornS sich ganz geknickt hinsetzte. Das Urteil erklärte den von Bornstein und Levi geführten Wahrheitsbeweis als erbracht. Herr JornS wurde angeblich suspendiert. Aber alsbald konnte man sich überzeugen, daß er weiter im Reichsgericht amtierte, gar nicht einmal verstohlen, sondern mit seinem Namen an der Tür. Er gehörte der ReichSanwaltschast an, die Hoch- und Landesverratsanflagen— natürlich nur gegen Linksradikale— zur erst- und zugleich letztinstanzlichen Wurteilung durch daS Reichsgericht fettig machte. Jetzt sind diese Sachen dem Reichsgericht abgenommen und dem zumeist aus Nazi-Offizieren bestehenden„Volksgerichtshof" in Berlin übettragen. Nach den Urteilen zu schließen, dient Herr Jorns jetzt dort als Ankläger: so wie im Krieg bei der Militärjustiz und im Bürgerkrieg bei der Garde-Schützen-Kavallerie- Division, in welcher Eigenschaft er eine Mörderbande unter der Führung jenes Oberleutnants Vogel ins Ausland entwischen ließ, jenes Bogel, von dem das schöne Wort erhalten blieb:«Jetzt ist es Zeit, die Allen zu flauen." Entführung eines japanischen Kaufmannes Protest der japanischen Regierung Tskio. DaS japanische Außenministerium hat den japanischer' Genercklkoüsül Ist Kanton beauf- tragt, gegen die Entführung eines japanischen Kaufmannes durch chinesische Banditen Protest zu erheben. Ueber das Schicksal des Entfühtten ist bis jetzt noch nichts bekannt geworden. Die Entführung habe, so behaupten die japanischen Stellen, einen politischen Hintergrund. Das sapanische Generalkonsulat verlangt von den chinesischen Behörden, daß sie sofott Massnahmen zur Auffindung des Entfühtten ergreifen. Das geheimnisvolle Verschwinden des japanischen Kaufmannes erinnert an das Verschwinden des japanischen Vizekonsuls Kuramotos, wobei die Japaner sofort drohten, gegen Nanking militärische Maßnahmen zu ergreifen und Kriegsschiffe entsandten. Im letzten Augenblick wurde Kuramotd dann von chinesischen Bauern aufgefunden, allerdings in irrem Zustande. Die Japaner haben zur Zeit in Kanton zwei KttegSschiffe. Solen erschienen: Karl Heinz: Nadit Alter Oesterreldi Preis XL 5.—. Bestellungen find zu richten nn die Zentralstelle für das Bildungswrsen, Prag XII.» Slezflä 13/V. Gruss darbrachten, da ging es los. Solch« Stürm« des Protestes, Pfiffe Und Sprechchöre hat man noch nicht erlebt. Die Polizei hatte alle Hände doll zu tun, richtete aber bei dieser Masse von über 50.000 Zuschauern sehr wenig aus. Im Gegenteil, die Proteststürme nahmen an Stärke zu und das Ergebnis war, dass die aufgestellte Militärkapelle die beiden Hymnen nicht spielen konnte. DqS Länderspiel wurde somit zu einer weiteren Demonstration gegen den FasciSmuS. Diese Sporweranstaltung hat neuerdings den Beweis erbracht, dass das heutige Wien nicht das Wien der christlichen Fascisten ist! * Zum Spiel sttbst ist nur zu sagen, dass es eine Enttäuschung war. Die Italiener waren reichlich hart, sogar roh. Die Oesterreich er sind nur«in Schatten ihrer seinerzeitigen Leistungen. Der Volksmund hat sie neu betitelt in„Wanderteam". Ein Kapitel für sich war die Rundfunkreportage. Der Ansager Schwieger bemühte sich,«S den heutigen Herren recht zu machen- Wer in der Hitze des Gefechtes verplapperte er sich und vollendete die Sätze nicht, als er die„Gefahr" wahrscheinlich bemerkte. Auch diese.Stimmungsmaschine" war am Sonntag ein Fiasko für die österreichischen Fafeiften! Beerdigung wird zur Demonstratio« Gewaltige Menschenmafse« a« Dr. Gach» Grad MDMA-StMMn In Mim AM Oesterreich-Stalie» 0:2(0:0) «Leite 8 „Sozialdemokrat" DienStag, 2«. März 1935. Rr. 72 O Neues Frühjahr- neue Schuhe! Einfacher, aber eleganter Boxcalf-Halbschuh. Feines Boxcalf- Schwarz oder braun. Wir Reich ™ perforierter Boxcalf-Halbschuh. Braun oder schwarz 46 J ^WMr Eleganter sWOr Halbschuh für den Ausgang. Schwarz oder braun. Anlatz zu Krawallen seitens der Zuschauer, welche den Platz zu einem groben Teil verliehen und denen das Eintrittsgeld rückerstattet werden muhte. Das Spiel brachte aus dem tiefen, ausgeweichten Boden nichts weiter, als dah die Pilsener mit 2:1(1:0) siegten, ober aber besonderes zu zeigen, und die DFC-Mannschast besonders interesselos agierte. Sparta siegte auf eigenem Platze Wer SK K l a d n o mit 3:0(2:0). Das Spielfeld war nach der Pause ein einziger Morast, so dah die Spieler gegen Schluss mit ihren Kräften völlig fertig waren. In Kolin siegte die S l a v i a auf schwerem Terrain Wer AFK mit 4:2(1:1) erst nach Kampf. BohemianS verloren in Pilsen gegen Bik- toria mit 1:2(1:1) und werden wahrscheinlich vom Abstieg gemeinsam mit den Kolinern kaum zu retten sein, falls nicht der bekannte„grüne Tisch" anders entscheidet. In Teplitz schlug der TFK mit 3:0(1:0) den SK Z i d« n i c e. Die Brünner konnten sich auch diesmal zu keiner einheitlichen Aktion— vornehmlichem Angriff— aufraffen und da Half sowie Verteidigung nicht mitkamen, war die Niederlage unabwendbar. Aber auch die Teplitzer gefielen nicht restlos, immerhin siegten sie verdient. Die Divisionsmeisterschaften DFB: In Saaz schlug,der DSV seine» Brünner Namensvetter mit 8:1(2:0) und hat den Meistertitel nun sicher in der Tasche.— BSK Gab- lonz wurde in Karlsbad vom KFK mit 2:4 (1:1) besiegt.— SpVg Bodenbach gewann in Troppau gegen DDL ebenfalls 4:2(2:1). Mittelböhmen: Viktoria Zizkov gegen Meteor VIII 8:1, Sparta Koßii gegen CAFC 6:4, Cecho- slovan Kosir gegen Rapid 3:1, SK. Libeü gegen Sparta Kladno 4:2, SK. Raudnitz gegen Cechie VIII 4:8, SK. Lissa gegen Nuselsky SK 2:2. Böhmen-Land: Olympia Pilsen gegen König- grätz 4:1, Rakonitz gegen CSK. B.-Budweis 0:3, Kopisth gegen Horowitz 5:1, Nachod gegen Pardubitz 3:1, Käniginhof gegen Jungbunzlauer SK 3:4, Ro- kitzan gegen Petrin 1:0. Mähren-Schlesien: Mor. Slavia gegen Han. Slavia 3:2, Kral. Pele gegen Baka Zlin 2:1, Po- lonia Karwin gegen Huffowih 2:1, SK. Prerau gegen Schles.-Ostrau 2:5, Slowakei: CSK Prehburg gegen TTS Trent- schm 4:0, Vrutky gegen Ligetti Prehburg 5:2, Ritra gegen Filakovo 2:0. Sonstige Fnßballergebnisse. Prag: Sportbrüder gegen SK. Smichov 5:4(1:2).— Vier- Höf: DFC Budweis gegen ESK 3:1(0:1).— Reichenberg: RFK gegen DFK Nestomih 18:0. — Brünn: Olympia gegen BSK 6:0.— Budapest: Ujpest gegen Hungaria 3:2, Ferencbaros geg. Phöbus 3:3..— Livorno: Oesterreich B gegen Italien B 0:0. Schwimmrekorde. Getreuer(Hagibor Prag) erzielte Wer 300 Meter Freistil mit 3:53 Min. einen neuen tschechoslowakischen Rekord.— In Oslo verbesserte W. Carlsen den Europarekord Wer 200 Meter Rücken auf 2:87.1 Min.— Ein neyen Weltrekord erzielte die Deutsch« Genenger über 200 Vards Brust mit 2:44.0 Min. Der Arbeiter Radrennfahrer Cvancara aus Beraun, welcher im Vorjahre, mit viel Erfolg für den tschechischen Prager Arbeiter-Radfahrerverband täsig war, hat seine Ueberzeugung schnöde im Stich gelassen und ist zu den Bürgerlichen Wergegangen. Er startet nun für die Prager Sparta. PRAGER Beseitigt die Obstbau»,schädlinge! In fast allen Teilen der Gemeinde Prag sind viele Obstbäume, sowohl in Alleen wie in Anlagen und Gärten, von tierischen und pflanzlichen Schädlingen befallen. Der Dlagistrat der Hauptstadt Prag macht daher darauf aufmerksam, dah nach einer Regierungsverordnung vom 19. Juni 1981, der Eigentümer, Pächter oder Nutznieher oder die für die Verwaltung Verantwortliche Person verpflichtet sind, die Obstbäume vor den Schädlingen durch geeignete Mahnahmen zu schützen. Insbesondere sind abgestorbene Bäume oder Aeste zu beseitigen und die Desinfektion der befallenen Bäume vorzunehmen. Der Magistrat fordert daher alle, die es bisher nicht getan haben, auf, noch vor Beginn der Frühjahrsvegetation ihrer obangeführten Pflicht zu entsprechen. Gegen Säumige wird nach den Strafbestimmungen des Gesetzes vom 2. Juli. 1924 mit Geldstrafe mit 5000 Kö oder Arrest bis zu sechs Wochen vorgegangen und auher- dem werden die entsprechenden Schritte auf ihre Kosten vorgenommen werden. Entsprechende Ratschläge ertellt das Phytopathologische Institut der ftgatlichen Versuchsanstalten in Prag-Dejpic-, eventuell das'Bauamt det! Hauptstadt Prag, Dep. 4. Morphium'und Kokain- Gestern vormittags wurde die 65jährige Witwe Marie Moravec aus Prag XII, Ripskä 14, auf die Klinik Prof. Pelnak gebracht, wo eine Morphiumvergiftung bei ihr festgestellt wurde. Die Untersuchung ergab, dah die Moravec das Morphium nach ärztlicher Vorschrift nehmen muhte, sich jedoch langsam an immer grössere Dosen gewöhnt hat. Sie starb gegen 11 Uhr. Ob es sich um Unvorsichtigkeit durch allzustarke Erhöhung der Dosis oder um Selbstmord handelt, ist nicht entschieden.— Unbekannte Täter drangen in die Kanzleiräume der Chemosan-Hellco AG., Chemi- kalieg und Drogen en gros, in der Hybernergasse ein und entwendeten 1.5 Kilo Morphium und Kokain im Werte von 17.000 Ki.■ Die täglichen Selbstmorde- Gestern vormittags zog der Flösser Vaclav Kamnic aus Zlichov die Leiche des 49jährigen Privatbeamten Josef Rabstein aus Prag-Weinberge, der seit dem 3. Jänner vermisst worden war, beim Rasinkai aus der Moldau.— Gestern früh sprang die 28jährige H. St., die in Bubentsch bei ihrer Mutter wohnt, in selbstmörderischer Absicht aus dem vierten Stockwerk ihres Hauses auf die Strasse und blieb zerschmettert liegen. Motiv: Geisteskrankheit.— Gestern früh sprang di« 60jährige. Anna K., Gattin eines Fassbinders aus Smichov, vom Palackykai in selbstmörderischer Absicht in di« Moldau, wurde aber gerettet.. Als Ursache gab sie ein chronisches Herzleiden an. Gerlchtssaal Vierjähriges Kind getötet ' Todesopfer des Motors Prag. Der Tod eines Strassenpassanten unter den Rädern eines Kraftfahrzeuges ist heutzutage nahezu zu einer„natürlichen Todesursache" geworden. die der Polizeibericht nur so nebenbei erwähnt und die in der Tagespresseunter einer unscheinbaren SammelrWrik zu erscheinen pflegt. Ein Bruchteil dieser Fälle fällt zweifellos der Unvorsichtigkeit der Fussgänger zur Last. Aber der weitaus'überwiegende Teil solcher Unglücksfälle betrifft als Schuldtragende die sträflich unvorsichtigen Autolen- k« r. Nach unserem Strafgesetz können solcke gemein- gefährlicheWildlinge leider nur nach dem 8 835(Vergehen der fahrlässigen-Körperbeschädigung) zur Rechenschaft gezogen werden, dessen Uebextretung eine gelinde und meist noch dazu bedingte Arreftstrafe nach sich zieht. Vor dem„Autosenat"(Vorsitzender OGR.'S h- k o r a) war wieder' einmal ein Fall nach 8 335 anhängig. Der 34jährige Chauffeur Karl Led.r war angeklagt der fahrlässigen Tötung eines vierjährigen Mädchens, der kleinen Henriette S e- mensky aus dem Horf Nehwizdy. Am 1. November v. I. fuhr der AngeLagte, der als Chauffeur bei dem Ehepaar Netti-, aus Prag angestellt ist. ZEITUNG durch dieses Dorf in der Richtung gegen Prag. Vor dem Wagen des Angeklagten fuhr ein anderes Personenauto, das der Chauffeur Anton Simon lenfte. Simon bemerkte, dass ein Leines Mädchen vor seinem Wagen über die Strasse lief und verminderte gewissenhafterweise die Geschwindigkeit. Ein unglücklicher Zufall wollte, dass in der Gegenrichtung ein Lastauto herangefahren kam. Das Kind erschrak und kehrte um. Der Chauffeur Simon vermochte dank seiner Geistesgegenwart seinen Wagen abzustoppen und einige Meter vor dem Leinen Mädchen zum Stehen zu bringen. Der hinter iWt fahrende Angeklagte war aber, wie die AnUage aussuhrt. inzwischen— entgegen der Vorschrift— links vorgefahren, und zwar mit grosser Geschwindigkeit und ohne W a r n u n g s z e i ch e n. Das arme Kind lief also dem vorschriftswidrig fahrenden Wagen direkt in den Weg, wurde zu Boden geschleudert und erlitt einen Schädelbruch, dem es kurz darauf erlag. Vor dem Gerichtshof beteuerte der Angeklagte seine völlige Unschuld uW behauptete, auf der vor- aeschriebenen rechten Seite vorgefahren zu sein. Das Kind sei ihm eben„in den Weg gelau- f e n".' Diese bei derartigen Fällen übliche Verteidigung der Angeklagten bestätigten auch'die-Dienstgeber des Chauffeurs Herr und FrauNettl, di« bei dieser TkHesfahrt in dem Auto fassen. Staatsanwalt Dr.Kvvta hatte indessen gegen dies« materiell interessierten Entlastungszeugen seine Einwendungen und betonte, dass ihr« Zeugenaussagen nicht als massgebend betrachtet werden können. Der Gerichibof vertagte die Verhandlung zwecks Vorladung neuer Zeugen. Kunst und Wissen Gesamtgastspiel des Theaters in der Josefstadt: „Die Prinzessin ans der Leiter", Operette von Benatzky. Sonntag. Hauvtrollen: Liane Haid, Breffart, Karlweih. Preis«: 4.50 bis 48 Kö. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Dienstag halb 8 Uhr: Polenblut, Al.— Mittwoch halb 8: La Boheme, B 2.— Donnerstag halb 8: Die Jüdin, C 2.— Freitag halb 8: Erstaufführung: Das unbekannteMäd- chen, D 1.— Samstag halb 8: Neueinstudiert: GräfinMariza, BI.— Wochenspielplan der Kleine» Bühne. Heute Dienstag 8:Gentlem en.— Mittwoch 8 Uhr: Mädchen für alles.—Donnerstag halb 8: Remnszeniert: Ein Glas Wasser.— Freitag 8j4< Kulturverbandsfreunds und freier Verkauf: Ein Glas Wasser.— Samstag 8 Uhr: Ein Glas Wasser.— Oer Film Der unsichtbare Mann H. G. Wells, der heute mit seiner„Geschichte unserer Welt", mit den„Schatten kommender Dinge" und den Romanen„Der Traum" und„Die Ebe" zu den bedeutendsten Erzählern Englands gehört. hat seine Anfangserfolge mit utopischen Phan- tosiegeschichten errungen, unter denen di« vom„unsichtbaren Mann" nicht einmal die■ originellste ist, weil sie an eine der„unheilvollen Geschichten" Mau- passants erinnert, in der das Entsetzen vor dem Unsichtbaren und Ungreifbaren viel atemloser dargestellt ist. Obwohl ein Dramatiker vom Range Sheriffs (der das Kriegsstück„Die andere Seite" schrieb) die Film-Bearbeittmg vorgenommen hat, ist doch nur eine wenig geistreiche Sensationshandluna herausgekommen, die beinahe von Wallace stammen könnte und nicht viel höher als der„King Kong" steht. Die Sensation ist, vorwiegend technischer Natur. Es ist gelungen, die gespenstischen Abenteuer des Chemikers, der sich unsichtbar gemacht hat(ohne auf Essen, Trinken. Schlafen und Reden zu verzichten) anschaulich auf die Leinwand zu bringen. Da werden Gegenstände von Geisterhand bewegt, unsichtbare Schläge äusgeteilt, und es' geschehen, um den Zuschauer zu unterhalten, ebensoviel Schreckenstaten wie Schelmenstreiche. Tie groteskesten Wirkungen stellen sich dann ein. wenn der Unsichtbare Kleider ablegt oder anlegt wie Hüllen um ein Nichts. Es muss viel Scharfsinn und Mühe erfordert haben, mit Hilfe zum Teil noch räffelhafter Tricks di« Geschichte vom Unsichtbaren(der erst nach dem Tode wieder sichtbar wird) zu verfilmen. Di«, Leistung des Regisseurs James W h a l e ist anzuerkennen.— aber dass diese Leistung Werte hervorgebracht hat, kann nicht behauptet werden.—eis— Pflicht und Liebe Ein Grund, diesen Propagandasilm für di« preussische Schutzpolizei hier vorzuführen. bestand um so weniger, als es sich um einen aus Kitsch und Kriminalistik gemischten Reisser handelt. Vielleicht sind ihm im Dritten Reich einige Wirkungen sicher, weil dort die„Schupo" gegenüber der folternden und mordenden„Gestapo" eine gewisse Sympathie für sich buchen kann— und weil Görings Braut Emmy Sonnemann, die hier ein« wenig auffällige Film- Roll« spielt, drüben immerhin ein Gegenstand der Neugier sein dürste. Für uns genügt die Feststellung, dass dieser Film wie alle Berliner Produkte der letzten zwei Jahre entsetzlich geistlos und minderwertig ist. Der Herzensbrecher Gustav Fröhlich, der hier den hraven. in falschen Verdacht geratenen Polizisten wichtigtuerisch und neckisch darzüstell«» versucht, ist eine un- möasiche Figur. 77- aber di« Dame- die sich(Mtt EissMÜss der Göringschen Thusnelda) um ihn berumbewegen, sind noch unmöglicher. Dah der Regisseur Carl, Fröhlich sich für das Ganz« verantwortlich bekennt, würde überraschend wirken, wenn man nicht schon längst bemerft hätte, welchen Weg dieser Ueberlänfer seit den„Mädchen in Unfform" genommen hat.—eis— Spott• Spiel• Körperpflege Ein großer Erfolg Der 10. Frühjahrslauf dnchh den Baumgarten der Prager DTJ Der am Sonntag durchgeführte 10. Frühjahrslauf wies eine unerwartet starke Beteiligung auf und nahm einen glatten Verlauf. 90 DTJ-Sport- ler und 47 Soldaten stellten sich zum Start. Das Wetter war leider etwas unfreundlich, es regnete. Die Veranstaltung, welche auch schöne Ergebnisse brachte, fand während ihres ganzen Verlaufes grosse Beachtung und so kann man sagen, dass auch die propagandistische Wirkung ein Erfolg war. Sportlich ist zu werten der neue Streckenrekord des Siegers Kolin, der um so mehr Werraschte, als dieser nach einer Krankheit antrat. Auch der Sieg des Zugsführers Hajek Wer den Soldaten Trefny war für die Militär-Zuschauer eine Ueberraschung. Zuerst starteten 25 Jugendliche über die 1700 Meter lange Strecke. Novy(DTJ Stresovice) gewann nach taftisch gutem Lauf in 5:04.4 Min.— Bei den Frauen siegte Jarölimkovä(DTJ. Prag VII) in.4:39.8 Min. Sieben am Start.— 47 Läufer wies die Kategorie der Soldaten aus. Nach scharfem Kampf siegt« Zugsführer Hajek(5. Jnf.-Reg.) in 10:23 vor Soldat Trefny(151. Art.- Reg.) in 10:28.4 Mi«.--— Bei den Sportlern der DTJ kämpften 62 Läufer um den, Sieg, den Kolin(DTJ Radotin) in 10:22.8 Min. für sich entschied, gofolgt von Kärastat(DTJ Zizkov) in 10:27.4 und CernuZka(DTJ Tlustovousy) in 10:28.4 Min. Die Laufstrecke betrug 3600 Meter. — Den Wettbewerb der Mannschaften veslor DTJ Zizkov mit 53 Punften durch einen formalen Fehler an DTJ Tkusivbousy mit 58 Punften und auf den dritten Platz kam DTJ Prag VII. Die Profiliga DFC—SK. Pilse» als Freundschaftsspiel Ain Sonntag war man auf dem DFC-Platz vor Spielbeginn Zeuge unschöner Augenblicke zwischen den Vorständen beider Vereine, als bekannt wurde, dah der nominierte Schiedsrichter Krist daS Match wegen Fieber nicht leitey könne. Es wurde wohl ein anderer Herr dazu beordert-, der aber von den Pilsenern abgelehnt wurde. Anerkannt muss werden, dass der DFC sich bereit erklärte, unter jedem Schiedsrichter zu spielen- Das Ligamatch wurde nach halbstündiger Verspätung als Freundschaftsspiel ausgetragen. Diese Bekanntgabe gab Lus aer Parte» Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Mittwoch, den 27. März, 8 Uhr abends Gruppenabende: S. I. Zentrum beteiligt sich an der Versammlung der M. S. D. Zizkov. S. I. Holleschowitz: Die Frau und der Sozialismus. S. I. Weinberge: Zwei Jahre Hitlerdiktatur. Vcrclnsnadiriditcn Mittwoch, den 27. März, um 7 Uhr abends, im Parteiheim wichtige AuSschußfitzuug. Äusser den Funktionären mögen sich aüch alle Genossinnen und Ge- PRAG nassen einfinden, die am technischen Tell der Akademie mitarbeiten. Bolkssinggemeinde: Dienstag, den 26. März, dringende Probe des Frauen- und Männerchors. Beginn um%7 Uhr, Männerchor um %8 Uhr. Mitteilungen aus dem Publikum. Ein musikalisches Ereignis find die neuen Telrfmrkrn-Schallplatten TE 350—352, die in unübertrefflicher Klangschönheit Schuberts VIH. Symphonie H-Moll, die„Unvollendete", bringen. Diese Symphonie ist nicht nur des Komponisten Meisterwerk, sondern der ganzen romanttschen Musikrichtung, deren klassischer Vertreter eben Schubert ist. Das Berliner Philharmonieorchester unter Leitung Erich Kleibers hat in feinfühlender Art die trotz anscheinend heiterem Rhythmus des ersten Satzes tieftraurige Schönheit dieser Symphonie reproduziert, deren Gipfelpunkt jenes machtvolle Mottv bildet, das uns an Werden und Vergehen alles Menschlichen gemahnt. Wenn di« letzten Tafte des zweiten, des Andante-Satzes verklungen find, empfinden wir nur ein tiefes Bedauern, dah diese Symphonie unvollendet blieb. Musikalischen Feinschmeckern empfehlen wir I diese Telrfnnkrn-Platten. RsT. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich K616.—•, vierteljährig Kä 48.—, halbjährig Kä 96.—. ganzjährig Kfi 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst, berechnet. Bei öfteren':Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeittmgSfrankatur wurde von der Post- und Tele« "graphendireftion mit Erlass Nr. 13.800/VH/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis" Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.