Nr. 73 Mittwoch, 27. März 1935 15. Jahrgang "IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKBCHEN REPUBLIK miiitnit 70 Htntr (eimdilioSlich 3 Haller Porto} ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH.«Aktion und Verwaltung präg»ufochova«l Telefon 0077. HERAUSGEBERI SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Fünf Sozialisten in der belgischen Regierung Darunter Vandervelde und Hendrik de Man Brüssel. Der stellvertretende Gouverneur der Nationalbank, Paul vanZeeland, hat die Verhandlungen über die Regierungsbildung Montag spat abends im Wesentliche« abgeschlossen. Ban Zeeland übernimmt in der neuen Regierung neben dem Ministerpräsidium auch das Außenministerium. DasStabiuett setzt sich auS Vertretern der katholische«, der liberalen und der sozialistischen Partei sowie aus einigen außerparlamentarische» Persönlichkeiten zusammen, es umfaßt sechs Katholiken, fünf Sozialisten und vier Liberale. Von de» fünfzehn Minister« gehören vier nicht dem Parlament an. Zn der neue« Regierung sind also die Sozialisten neben de« Katholiken am stärkst envertrete». Trotz des heftigen Widerstandes des konservativen Flügels der katholischen Partei haben sie durchgesetzt, daß außer dem Parteivorsitzenden Vandervelde die beiden Persönlichkeiten, die in der letzten Zett im Vordergründe des Kampfes gegen die Regierung Theunis standen, der Theoretiker de Man und der junge radikale Advokat S p a a k, in die Regierung ausgenommen wurden. Kore kesierunz in vssei? Die Sozialdemokratie gewinnt 8 Mandate Zu dem Wahlerfolg der Schwerzer Genoffen im Kanton Bafel erfahren wir folgende Einzelheiten: Die Rechte, die in die Wahlen zur Regierung des Kantons Basel mit der Parole ging, mindestens einen der beiden bisherige» sozialdemokratische« Regierungsvertreter zur Strecke zu bringen, hat eine schwere Niederlage erlitten. Die Sozialdemokraten hatten mtt einer Kampfkandidatur von vier Man« einen Gegenangriff auf die bürgerliche Mehrheit in der Regierung unternommen. Dieser Angriff brachte schon im ersten Wahlgang einen entscheidenden Erfolg. Von den vier Sozialdemokraten sind bereits zwei gewählt. Dagegen konnte die bürgerliche Front nur einen Sitz im ersten Wahlgang erobern. Die beiden weiteren sozialdemokratischen Kandidaten, die in Basel die Unterstützung durch die kommunistische» Stimme» erhalten, stehen im zweite« Wahlgang an den günstig, st en Positionen. Bei den Wahlen zum Großrat konnte die Linke ihre Stimmenzahl bis dicht an die Mehrheit erhöhen. Die Sozialdemo, kraten haben voraussichtlich acht Mandate gewonnen. Die Schweiz im Kampf gegen die braunen MenschenrBuber Bern. Die Angelegenheit der Entführung des deutsche» Emigranten Jacob durch deutsche Spitzel, die in der gesamten Ocffentlichkeit die größte Empörung hrrvorrust, beschäftigt nun auch das Parlament. Im Rationalrat sind von sozialistischer und im Ständerat von freisinniger Seite Interpellationen ' eingegangen, in denen der Bundesrat um Auskunft über die Entführung erfucht und angefragt wird, ob an dcm Verbrechen deutsche Amts- st e l l e n beteiligt waren und ob der Bundesrat bei der deutschen Regierung Protest gegen das Verbrechen erheben werde, sowie was er z« tun gedenke, um derartige schwere Uebergriffe zu verhindern. Energische Untersuchung Wese mann hat auch einen deutschen Gewerkschafter aus Dänemark verschleppt Paris. Dienstag traf aus Basel der Stellvertreter des Oberstaatsanwalts hier ein und verhörte in Anwesenheit des französischen Polizei- lommiffärS Frau Wesemann, die auf einer Klinik in Behandlung ist. Am Nachmittag wurde auch Frl. Jacob-Salomo,:(die gemeinsame Geliebte Wesemanns und Jacobs; d. Red.) verhört.— Die Abendblätter bringen eingehende Meldungen ihrer dänischen Korrespondenten» derzu- folge Dr. Wesemann im Jänner des heurigen Jahres an der deutsch-dänischen Grenze einen gewesenen reichsdeutschen Gewerkschaftssekretär, der seit dem Hitlerregime in Kopenhagen lebt, auf deutsches Gebiet gelockt hat. Er werde bis heute in- einem Konzentrationslager in Deutschland gehalten. Seine Frau, die ebenfalls nach Deutschland gelockt wurde, sei kürzlich freigelaffen worden. Der Advokat von Frau Jacob, M o r o- Gia f f e r i, kündigt« an, daß er» falls Deutschland das Einschreiten der schweizerischen Regierung ablehnen würde, sowohl den Völkerbund, als mich vor allem den Haager Internationalen Gerichts» h> f hievon verständigen werde. Bemerkenswert ist das Ausscheiden von Paul Hymans als Außenminister. Es scheint, daß die Frage der diplomatischen Anerkennung S o w j e t r u ß la n d S, als deren Anhänger van Zeeland gilt, bei der Besetzung dieses Postens eine Rolle gespielt hat und daß Hymans für diesen.Posten nicht wieder in Frage kam. Die Ministerliste: Die neuen Minister haben Dienstag vor- mittags in die Hand des Königs den Eid abgelegt, worauf sogleich der erste Kabinettsrat zusammentrat. Die neue Regierung wird sich am Donnerstag dem Parlamente vor- stellen. In der Kammer und im Senat verfügt diese Regierung über eine starke Mehrheit. Z)ie Regierung wird zweifellos von dem Parlamentg r ö ß e r e V o ll m a ch t e n, als sie das Kabinett Theunis hatte» fordern und sie sicherlich auch erhalten. Es scheint, daß das Parlament von sich aus beschließen wird, feine Tagungen- für längere Zeit— man spricht von einem Jahr— auszusetzen. Die neue belgische Regierung hat nach außen hin den Charakter einer„Regierung des öffentlichen Wohls". Den Vorbehalt, den Mini- sterpräsident Van Zeeland in der Frage der Währungspolitik gemacht hat, ruft in den politischen Kreisen die Vermutung der Möglichkeit einer Devalvation hervor, deren Bedeu. tung abzuschätzen jedoch vorzeitig wäre. Die Re- gierung beabsichtigt eine K o n t r,o l l ede r Danken wahrscheinlich durch Vermittlung der belgischen Nationalbank einzuführen, ferner eine Senkungdes Zi n s fu ß e s von Geldanleihen und eine Konversion der Stvatsanleihen durchzuführen. Sie wird eine Kürzung der Arbeitszeit anstreben und die Wiederaufnahme der Beziehungen mit der Sowjet- union, die eine Forderung der Sozialisten darstellt, sowie eine Wiedereinführung des Han- dels mit der Sowjetunion fordern. Es wird daran erinnert, daß Ministerpräsident Van Zee- land sich bereits früher sehr energisch für eine weil er sich wiederholt in grundsätzlicher Weise amtlich gegen die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Sowjetrußland erklärt hat. Die geplante Wiederanknüpfung der Beziehungen zu Sowjetrußland soll in erster Linie aus wirtschaftlichen und handelspolitischen Gründ«» erfolgen. internationale W>ährungsstabi» lisierung ausgesprochen hat. * Die belgischen Sozialisten waren seit dem Jahre 1927 in der Regierung nicht vertreten. Der hervorragendste unter den sozialistischen Mi- nistern außer dem Vorsitzenden der sozialistischen Arbeiter-Internationale Vandervelde ist der Minister für öffentliche Arbeiten und Arbeitslosigkeit d e M a n, der einen von der sozialistischen Partei gebilligen„Arbeitsplan" ausgearbeitet hat, der bei den sozialistischen Parteien anderer europäischer Länder sowie im Ausland überhaupt großen Anklana gefunden hat. Vandervelde— Stellvertreter des Premier* Brüssel. Der Führer der belgischen So- zialiftenpnrtri, Vandervelde, wurde zum Stellvertreter des Ministerpräsideute« ernannt. im Zeichen der Volksgemeinschaft Ein Beispiel aus Danzig Danzig. Bei der Wahlkampagne in Danzig kommt es wieder zu Zwischenfällen mit den Nationalsozialisten. Teilnehmer einer nationalsozialistischen Versammlung drangen gewaltsam i n die W o h n u n g des sozialistischen Abgeordneten H a e n d e l ein und verprügelten ihn dermaßen, daß er in ernstem Zustand ins Krankenhaus geschafft werden mußte. Herr Preiss als Agitator kür die Goldene Internationale In dieser ereignisreichen Zeit verdient immerhin eine Rede vermerkt zu werden, die der Repräsentant des tschechischen Finanzkapitals, der Generaldirektor der Zivnobank Dr. P r e i ß am Sonntag in Teplitz-Schönau vor der Vollversammlung des Hauptverbandes der Industrie gehalten hat. Diese Rede war insofern eine Ueber- raschung, als Dr. Preiß den Ausdruck seiner bekannten Sympathien für„die großeBeWe- gung, die sich im deutschen Reiche durchsetzt" mit einem glühenden Bekenntnis zur tschechisch-deutschen Zusammenarbeit zu verbinden wusite. Soviel Schmeicheleien haben die Sudetendeutschen schon lange nicht auS dcm Munde eines prominenten Tschechen gehört. Preiß sagte unter anderem: „Wir wollen diegutenBeziehungen zu unserendeutschen Mitbür- gern erhalte» und befestigen. Wir schätzen ihre Kultur, ihre Arbeit und ihre Gefühle und wissen gut, wieviel Ersprießliches sie für unserLand schüfen." Und man wird gerade an die freundliche Atmosphäre des Smichover Einigungskongreffes der deutschen und tschechischen Sozialdemokratie erinnert, wenn man das folgende, Bekenntnis deS Bank- und Börsenfürsten aus dem Prager Grabenpalais vor Augen hat: „Ich bi» ein überzeugter Ver« fechterdesGedankrnsdirserZu. sammenarbeit, welch« in dem Mitbürger anderer Rationalität eine« gleichwer» tigenFaktor sieht und dadurch allgemeines Vertraue« schasst und damit Liebe zu diesem alten schönen Lande weckt." Woher die plötzliche, wahrhaft internationale Anwandlung eines Wirtschaftsführers, der zu den markantesten Köpfen der tschechischen Nationaldemokraten zählt, jener Partei also, die bisher gegen di« kleinste nationale Konzession an die deutschen grimmig Sturm gelaufen ist? Zunächst scheint es sich um ein rein taktisches Manöver zu handeln, die Einheit der tschechischdeutschen Unternehmerorganisation auf der Linie der gemeinsamen Kapitalsinteressen zu sichern. Es hat bekanntlich bei den deutschen und jüdischen Fabrikanten einige Verstimmung ausgelöst, als anläßlich der Krawalle beim Jnsignienstreit-der Sekretär des Jndustriellenverbandes, Abgeordneter H o d a k an der Spitze der gegen die Deutschen und Juden gerichteten Prager Demonstrationen marschierte. Der Vertreter der deutschen Industrie, Abgeordneter Dr. Rosche, hat damals im Parlament gegen Hodac bittere Vorwürfe erhoben. Er hielt dem streitbarem Führer der natio- naldemokrattschen Radaüftudenten unter die Nase, daß er sein an die halbe Million heranreichendes Jahreseinkommen zum erheblichen Teil den Mitgliedsbeiträgen deutscher und jüdischer Fabrikanten zu verdanken habe. Auf diese Beiträge scheint der Svaz des Herrn Hodac auch weiterhin großes, Gewicht zu legen und das wird die Haupturfache sein, warum diesmal der Herr Preiß mit versöhnlichen Redensarten vorgeschickt worden ift Man würde den Herrn Preiß aher unterschätzen, wollte man ihm zumuten, daß er nach Teplitz-Schönau nur einen Keinen Botengang stir den um sein fetteb Jahreseinkommen bangenden Herrn Hodak unternommen habe. Er hatte dabei sicher eine größere Aufgabe im Auge. Preiß warb in Teplitz zugleich für, eine gemeinsame fascistische Orientierung der tschechischen und deutschen Kapitalisten. Die Agitation der„Nationalen Einigung" der Herren Hodaö und S t r i- b r n h triefte bisher in den Fragen der Innenpolitik von chauvinistischer Deutschfeindlichkeit. Der Hauptschlager dieser Leute ist, daß die gut nationale Partei des Pater Hlinka außerhalb der Regierung stehen muß, während zwei deutsche Minister drinsitzen. Bisher mußte jeder Beobachter zu- dem Schluffe kommen, daß das Ziel dec Gruppe Hodak-Stkibrnh-Mares die Wiederherstellung der allnationalen Aera unter Ausschluß der Sozialisten, also die nationale Distatur der tschechischen und slowakischen Fascisten ist. Dabei liegt hinreichender Grund zur Annahme Var, daß über die Kassen des gemeinsamen Unternehmerverbandes auch deutsches Geld für di« Realisierung dieses Programmes geflossen ist. Preiß witterte die Gefahr, daß die deutschen Unterneh- Ministerpräsident und Außenminister: van Zeeland(Kakhost?), Inneres-Bus de Warnaffe(Katholik), Landesverteidigung: Deveze(liberal), Justiz: Soudan(Sozialist), Wirtschaft: Dan I s a ck e r(Katholik), Finanzen: Max Leo G 6 rard(liberal)', öffentliche Arbeiten und Arbeitslosigkeit: de Ma«(Sozialist), Arbeit und Sozialfiirsorge Delattre(Sozialist), Verkehr,-Post und Rundfunk: SpaaK(Sozialist), Kolonien:«Rubbens(Katholik), Landwirtschaft: de Schryver(Katholik), Unterricht: B o v e s s e(liberal). Minister ohne Geschäftsbereich: Vandervelde(Sozialist), Hymans(liberal) und Vicomte Poullet(Katholik). Sekte S Mittwoch, 27. März 1935 «r. 73 Russland soll abrüsten Was Hitler verlangt: Zugeständnisse machen Könne, Rußland würde seine Zustim- zu folgenden Maßnahmen ge- vorbildlicher Weist Einrichttmge» in diese« Sinne geschaffen. Aussig ist das gegeben« Sportzentrum. Tie dort geschaffenen Einrichtungen sollten endlich einmal auch»an Staats wegen nnterftützt werden! Wir werden dem Gesetz zustimmen, mit dem berechtigten Wunsche, das> dieses Institut für alle Bürger und Böller dieses Staates eine segensreiche Tätigkeit im Interesse der Körperkultur und der allgemeinen Volksgesundheit ausüben möge.(Beifall.) Berlin. Rach einer Reutermeldung erklärte, Hitler, al- er de« britischen Staatsmännern eine umfangreiche Darlegung über die militäri- schenDorbereitungenSow- jetrußlands gab, wie er fie betrachtet, daß Deutschland in Angele- genheit der Rüstungen keine wesentliche« außer mung ben: 1. Vene! und Titulescu Prag. Minister für auswärtige Angelegenheiten Dr. Benes ist Dienstag nachmittag- in Begleitung der Beamten seines Kabinetts, Legationsrat Dr. K u L e r a und Dr. Hla- väLek nach Preßburg abgereist, wo er mit dem rumänischen Außenminister Titulescu zusammentreffen wird. Prag. Im Parlament wurde am Dienstag der Initiativantrag Hnmmelhans und Be- aoffen aus Errichtung eines staatlichen Institutes für Körpererziehung angenommen, das»ach dem Begründer des Dokolturnwesens„TYt- I« sti- t u t" genannt werden soll. In dieser Anstalt sollen, wie Genosse Hmmnel- hans als Referent ausführte, Turnlehrer und Turnwarte herangebildet werden, mit deren Hilfe erst eine Ertüchtigung der Jugend auch im Sinne der Wehrhaftigkeit, freilich im Einvernehmen mit allen Turn« und Sportorganisationen— möglich sein wird. Wenn heute die Körpererziehung als wichtiger Mittel zur Erhaltung der Gesundheit und zur Hebung des geistigen und sittlichen Niveau» des ganzen Volles anerkannt wird, dann muß man auch mittelgeeigneter Einrichtungen für die Förderung, Ver- tieferung und Ausbreitung der Körperkultur sorgen. In der Anstalt sollen die Hörer sowohl nach der wissenschaftlichen wie nach der fachlichen Seite hin geschult werden. Neber die deutsch-englischen Besprechungen, die DienStag abends nach zweitägiger Debatte De« Hauptteil seiner aktiven Armee von der Westgrenze nach dem Fernen Osten zu verlegen. 2. Die Gesamtstärke seiner aktiven Armee zu vermindern. O Tyrs-Institut für Körpererziehung Genosse Müller verlangt Berücksichtigung des deutschen Elements Mißerfolge der SHF auf dem Lande Die.Zukunft" erhält aus dem Dachauer Ge« biet einen längeren Situationsbericht über Zer- setzungSerscheinungen in der SHF, aus dem wir einiges wiedergeben: An Tachau selbst, wo ein schwerer Konflikt in der Ortsgruppe der SHF ausgebrochen war— wir haben darüber bereits zweimal berichtet— hält die Austrittsbewegung an und es sollen nach verläßlichen Informationen bereits über hundert Mitglieder aus der SHF ausgereten sein. Die Zugkraft der SHF auf dem Lande läßt immer mehr stach. Die alten Nationalsozialisten find über die Verhandlungen Henleins mit den tschechischen Agrariern entrüstet und machen aus ihrer Unzufriedenheit auch kein Hehl. Drei Versammlungen aus der letzten Zeit zeigen am besten, wie es um die Zugkraft der SHF bestellt ist. Am 17. März war eine Versammlung der SHF in Neulosimthal. Obzwar das ganze Waldviertel aufgeboten war, erschienen in der Versammlung ganze sechs Mann — durchwegs ehemalige Kommunisten. Am gleichen Tage fanden noch Versammlungen in Leierwinkel und Langendörflas statt. An Leierwinkel bliH der Redner allein, nicht einmal der Ein- berufer kam und in Langendörflas waren außer einigen unseres Genossen nur drei funge Leute, Anhänger der SHF, erschienen. Tags zuvor hatte die Sozialdemokratie eine Versammlung in Neulosimthal, bei der nicht weniger als 150 Besucher anwesend waren. „Die Unterhaltungen fanden in offenster und freundschaftlichster Farn« statt und habe» zu einer vollständigen Klarstellung der beiderseitigen Auffassungen geführt. Es wurde festgestellt, dass beide Regierungen mit ihrer Politik das Ziel verfolgen, den Frieden Europas durch Förderung der internationalen Zusammenarbeit zu sichern und zu festige«. Die englischen und deutschen Minister sind von der Nützlichkeit der direkten Aussprache, die soeben stattgefunden hat, durchdrungen." Sir John Simon wird Mittwoch auf dem Luftwege von Berlin nach London zurückkehren. Mr. Eden wird planmäßig nach Moskau, Warschau und Prag wetterreisen. Der Berliner Reuterkorrespondent meldet, da» Ergebnis der zweitägigen Besprechungen könne man im großen und ganzen folgendermaßen aus- drücken: Sir John Simon und der Lordfiegelbewah- rer Eden sind beim Verlassen Berlins viel mebr als früher überzeugt, daß sie vollkommen richtig gehandelt haben, als fie fich zu der Berliner Reise entschlossen. Theaterfonds vom Kulturausschuß des Senats genehmigt. Der Kulturausschuß des Senates befaßte sich am Dienstag'in Anwesenhett des Ministers Dr. Krkmäk mit dem Initiativantrag des Senators Dr. Witte und Genossen auf Errichtung eines staatlichen Fonds zur Unterstützung der ständigen nichtstaatlichen Theater. In diesen Fonds sollen bekanntlich 10 Prozent des Bruttoertrages der Rundfunkgebühren und 5 Prozent des Bruttoertrages der von ausländischen Filmen eingehobenen Gebühren stießen. Der Anttag wurde einmütig genehmigt. * Der Senat hielt Dienstag ein« Sitzung ab, in welcher die schon ziemlich lange in den Ausschüssen ruhende Vorlage über gewisse Aenderun- gen der Disziplinarordnung für Militärgagisten beschlossen wurde. Sodann wurden die Vorlagen über die Meldepflicht und den Au f- enthalt von Ausländern genehmigt, wozu u. a. Genosse Dr. Holitscher sprach.(Wir werden seine Rede im Auszug nachtragen). Nächste Sitzung Donnerstag^11 Uhr. Bon unserer Fraktton begrüßte Genosse M L l l e r die Vorlage. Wir sind in der Tschechoslowakei wohl der letzte der Staaten, der eine derartige Einrichtung schafft. In der Tschechoflowakei ist bisher für Lei besübungen sehr wenig geschehen; was geschah, ist auf das Konw der Turn» und Sportverbände zu setzen. Wir verlangen, daß diese Anstatt nicht viel leicht nur eine Hochschule für Leibesübungen sein soll, an der Lehrer und Professoren ausgebildet werden, nehl, wir verlangen mehr: wir verlange», baß dieses Institut»ine Stätte ist, die dem ganzen Lotte zugänglich ist, daß au dieser Stätte die Kurse, SchuluugS- und Bildungsmög lichkeiten nicht nur für die Turnlehrer, sondern auch Vorturner, Uebungsleitern, vebungSleiterin- nen jener Verbände offen sind, die draußen im Lande die Arbett leiste». Diese Basis muß vor allem geschaffen werden. Es muß die Möglichkeit geschaffen werden, durch dieser Institut endlich staatliche Kurse in mo dernstem Stile und in weitestem Umfang auf Kosten deS Staates durchzuftihre», unter der Mitarbeit der Verbände und unter Verwertung der Erfahrungen des praktischen Turn- und Sportttbens. Wir glau ben, daß mit diesem Anfang gewiß ein guter Schrttt auf diesem Gebiete getan wird. Gerade in der Kris« ist diese Arbeit doppelt notwendig, weshalb wir die sem Institut«in gutes. Gedeihen wünschen. Wir setzen aber voraus, daß auch allen deut schen Sportverbänden, die ehrlich und fest ans dem Boden dieses Staates stehen, die Möglichkeit gege ben wird, an den Einrichtungen dieses Institutes teilzuuehmen, an der Mitverwaltung, am LurS- wesrn, au der allgemeine» Gestaltung. Wir finden es verständlich, wenn unsere tschechi sche» Mitbürger-diesem Ansrilut den Namen des großen tschechischen Turn- und Spörtfuhrers Tyk geben. Wir wünschen, daß in diesem Institut ein moderner Geist ei'» ziehen möge, nicht nur auf dem Gebiete des Fachlichen, sondern, daß auch der Geist der Verträglichkeit der Völker Pflegeund Anerkennungfinde. Wir wollen dann gerne mitarbeiten und alle unsere Kräfte und Erfahrungen in den Dienst dieser Anstalt stellen. Wir finden es richtig, wenn ein derartiges Zentralinstitut in der Hauptstadt des Landes seinen Sitz hat, wiederholen jedoch, die alte Forderung, auch an die Provinz zu denken und endlich einmal staatliche Mittel auch nach Rord- böhme« in die Grenzgebiete zu lege«, um di« dort-.,-- befindlichen Institutionen der Körpererziehung und abgeschlossen wurden, heißt es in emem amtlichen Gesundheitspflege zu unterstützen. Aussig hat in! deutschen Kommniquc: mer«ineS Tages ablehnen würden, die Bekämpfung und Eroberung der sudetendeutschen Wirt» schastSpositionen zu finanzieren. Deshalb seine plötzliche Begeisterung für ftiedliche nationale Zusammenarbeit. Preis; konnte zwar nicht die leiseste Andeutung machen, wie diese Zusammenarbeit nach der von ihm ersehnten Ausschaltung der Demokratie aussehen würde, oder wie innerhalb eines tschechisch-deutschen FascistenregimeS die Rechte der nationalen Minderheiten gesichett werden sollen. Aber Preiß verstand eS in Teplitz, seine deutschen Zuhörer bei ihrer schwächsten Stelle zu packen: bei ihren Sympathien für Hitler. Das Kompliment für die„große Bewegung" im Reiche, abgelegt in deutscher Sprach« von einem tschechischen Nationaldemokraten, hat ihm sicher die Herzen der Mehrheit der Hauptverbandsmilglieder erobert. Wenn Httler gelobt wird, dann sind die Schläge vergessen, die gerade unter der Führung der Ziv- nobank den deutschen Unternehmungen nach dem Kriege zugefügt worden sind. Preiß erntete Beifall, den Beifall einer Zuhörergemeinde, die zumeist an die Banken bis über den Hals verschuldet ist und im Alltag die hohen Dankzinsen als den Ruin der Industrie zu beklagen nicht müde wird. Die Rolle deS Herrn ZivnobankdireftorS ist klar. Er will die materielle und ideologische Hörigkeit des deutschen Unternehmertums für die Ziele der tschechischen FasciSmuS einspannen. Weniger klar erscheint die Rolle der deutschen Industrie. Die Ablehnung aller sozialen Forderungen der Arbeiterschaft ist doch schließlich kein Programm. Herr Liebig beklagte erneut, daß seine StandeS- genoffen im Parlament keine Vertretung haben. Wollen die deutschen Industriellen, nachdem sie die Schalmeien deS Herrn Preiß ohne ein Wott des Einwandes angehört haben, künftig die Herrn HodaL und Sttibrnh zu ihren politischen Sachwaltern küren? Oder glauben sie fich ihrer ftaatspo- litischen Aufgabe entledige» zu können, in dem sie die„Volkshilfe" und die Agitation des Herrn Henlein nach Kräften unterstützen? Die Teplitzer Tagung war nur ein Akt in dem Trauerspiel der sudetendeutschen Industriebourgeoisie. Ihre gewiß nicht rosige wirffchaftliche Lage hat fie durch konsequente Fehlorientierung zum ansehnlichen Teil, mitverschuldet. Politisch haben sich unsere Unternehmer um jeden Einfluß gebracht durch ihren sturen Arbeiterhatz, durch völligen Mangel an Modernität der Anschauungen, durch ihre traditionelleVer- sklavung an jede Form des Rationalismus. DaS durch die Zivnobank repräsentierte Finanzkapital ist durch die Kampfstellung der tschechischen Agrarpartei in Bedrängnis geraten und sucht Bundesgenossen. Bei kommenden planwirtschaftlichen Regelungen könnte die Abbürdung der unsozialen La st en der Industrie, nämlich der Bankzinsen, und überhaupt ihr ganzes Finanzierung-Problem, auf die Tagesordnung kommen. Herr Preiß will es verhindern. Werden ihm seine Schuldner dabei zu Hilfe eilen? Werden die deutschen Fabrikanten, die mit ihren Hofinungen auf Henlein enttäuscht wurden, nun auf die Karte des tschechischen Fa- sciSmuS setzen? Und die Hauptfrage, die auch in den Berichten über die Teplitzer Tagung nicht beantwortet wurde: We iß denn die deutsche Industrie überhaupt was sie will? Roman von Fritz Rosenfeld Der Zeichner saß in feinem Abteil, den Block auf den Kniens und strichelte daS Gesicht deS ManneS im Kittel hin, ein graues Gesicht, flackernden Wahnsinn in den Augen. Der Taschenspieler hockte ihm gegenüber, sah seit zehn Minuten unablässig auf einen Fleck Erde neben den Schienen, auf dem GraS keimte, blaßgrünes, kurzes, spärliches GraS. Herr von Ebel lehnte an seinem Fensterplatz und schlief. Georgia und Raymonde, steif und stumm, schwarz und einsam, hüteten ihre Koffer und warteten. Den Begriff Zeit kannten sie nicht mehr. Wenn der Zug erst in drei Tagen abgefahren wäre— sie wären in ihrem Abteil geblieben, hätten auf ihre Hände gesehen, zerfaltete, ledrige Greisenhände, und hätten geschwiegen. Ludovica, Leonie, Xenia balgten um die Plätze; jede wollte am Fenster scheu, vielleicht sah man Gendarmen hinter Verbrechern herjagen, vielleicht lagen umgestürzte Lichtmaste neben den Gleisen, kam man an zerschossenen Häusern, zerstampften Fabriken vorüber. Frau Avory mußte Frieden stiften, aber kaum hatte sie daS Abteil verlassen, begann der Zank von neuem. Sie ging zu Tarlotta und sprach nochmals mit ihr. Nicht als Brotgeberin und Partnerin eines Vertrags, als Frau zur Frau. „Sie sind eine Künstlerin, Tarlotta, und wer einmal die Lust der Bühne in seiner Lunge gespürt hat, kann nicht mehr ohne Rampenlicht leben. Ich kenne das. Ich hab zwei Jahre, als ich krank war, nicht auftreten dürfen. Jeden Abend blickte ich auf die Uhr, und ich bekam Herzklopfen, Venn die Stunde da war, in der im Theater der Vorhang aufgeht. Da sitzen sie nun und sehen auf die Bühne, und du könntest dort stehen, und sie würden dich bewundern und dir Beifall klaffchen. Aber es steht eine andere dort, und sie haben doch vergessen. In den ersten Tagen wartet man, der Theaterdiener würde kommen und bitten: man sollte doch auftreten, eS ginge nicht mit der anderen, die Leute lachten sie aus, das Theater stünde vor dem Ruin. Dann wartet man nicht mehr, man weiß, es geht auch mit der anderen, die Leute verstehen ja nichts von Kunst, aber gerade daß es mit der anderen geht, drückt einem daö Herz ab. Wir dürfen nicht ersetzbar sein, Tarlotta, sonst haben wir keine Lebensberechtigung mehr. Wir mögen an unserer Kunst zweifeln, aber niemals daran, daß die Well uns braucht. Ich weiß nicht, ob Marcel mit Xenia so gut tanzen wird wie er mit ihnen getanzt hat, ich glaube eS nicht; aber selbst wenn es so wäre—es tut mir leid um fie. Sie haben eine große Karriere vor sich, mit oder ohne Marcel. WaS wollen sie denn anfangen, wenn sie von der Bühne abgehen? Wollen sie als brave Gattin eines Philisters in einer Provinzstadt versauern und vor Gram vorzeittg altern und eines schönen Tages unbekannt und unbeweint und ungefeiert irgendwo verscharrt werden?" B Tarlotta schwieg, die Tränen saßen ihr im Hals und erstickten ihre Stimme. Sie war nicht nahe am Weinen, weil Frau Avorys umständliche Ausführungen sie etwa gerührt hätten, sie wollte losheulen, weil sie trotz alledem emen Abschnitt ihres Lebens beschloß und jeder Abschied, auch der froheste, traurig stimmt. „Es ist lieb von ihnen, Frau Avory", sagte Tarlotta,„mich vor all dem Grauen und Bösen bewahren zu wollen, das sie in meiner Zukunst sehen. Wer ich sehe meine Zukunft anders. Es gibt Menschen, Frau Avory, die find dafür geboren, auf der Bühne für Hunderte und Tausend« zu leben, sie werden niemals satt, neue Menschen zu gewinnen und an sich zu fesseln und zu beherrschen. Und eS gibt Menschen, denen gar nichts an der Bewunderung der Tausend und an der Macht über die Zehntausend liegt, sie suchen einen Menschen, für den sie leben, dem sie ihr ganzes Sein, ihre Seele und ihr Blut, ihr Herz und ihr Hirn hinopfern, um glücklich zu werden. Ich bin ja gar keine Künstlerin, ich tanze vielleicht ganz gut, aber was will das schon heißen, eS gibt hundert, die ebenso gut tanzen, und ein ganzes Leben darauf aufbauen, daß man einmal bei einer Tanzkonkurrenz, weil kein besseres Paar an ihr teilnahm, den ersten Preis gewann— nein, Frau Avory, das kann ich nicht und das will ich nicht. Ich habe dieses Spiel gespielt, solange nichts da war, das mich auSgefüllt, das mich gehalten, das mich bis in alle Tropfen meines Blutes und alle Fasern meiner Seele durchdrungen hat. Jetzt ist diese Stunde gekommen, und was gestern noch möglich und gut schien, erscheint mir heute unsäglich albern und lächerlich. Ich werde nicht mit bitterer Erinnerung daran zurückdenken, daß ich vor tausend Menschen getanzt habe und Blumen bekam und» lange Rezensionen in den Zeitungen und mein Bild in den Blättern stand— ich werde nur denken, wie läppisch es war, daß ich in einem Flttterfleid über staubige Bretter gehüpft bin zu einem verrückten Lärm und mich von heißen Scheinwerfern anleuchten ließ und mich verneigte, weil unten ein paar dicke Spießer in die Hände llaffchten. ES war ein Irrtum, Frau Avory; nicht, daß ich von der Bühne weggehe, !ist der Fehler, sondern daß ich jemals aus den Gedanken kam, auf der Bühne mein Brot zu verdienen. Xenia wird es besser machen. Sie hat Theatcrblut; Marcel hat es ja übrigens auch nicht, er wäre lieber ein reicher Mann in einem Schloß und läge den ganzen Tag auf dem Sofa und läse Romane und ginge abends in den Klub, um Karten zu spielen." „Wenn die Dinge so liegen, Tarlotta, darf ich natürlich nicht mehr versuchen, ihre Entschlüsse zu beeinflussen. Ich habe er gut gemeint". „Ich weiß eS, Frau Avory, und ich bin ihnen dankbar". „Fahren sie mit uns?" „Ich werde wohl hier bleiben, mit Herrn Olavsen, bis man Gregor geholt hat." „Er hat sie sehr gern gehabt, Tarlotta. Wir, alle haben sie sehr gern gehabt—" Frau Avory zog ihr Taschentuch hervor, trocknete eine Träne. „Ich fahre ja nicht nach Hinterindien," sagte Tarlotta lächelnd.„Wenn das Gastspiel in Upsi- lon vorüber ist, kommen sie zu mir, in meine kleine Wohnung, und wir machen es uns recht gemütlich. Ich habe eine Sorte Likör, die sich sehen lassen kann." „Also dann— auf Wiedersehen, und viel Glück." „Auf Wiedersehen— und Hals» und Beinbruch in Upsilon." Frau Avory watschelte hinaus, das Herz durchträntt mit ungeweinten Tränen, und kam sich weise und gütig und viel besser vor, als alle anderen Menschen, die auf dieser Erde lebten. Marinka und der Kellner steckten die Köpfe zusammen und addierten lange Ziffernreiyen. Auf einem kleinen Zettel stand die Anzahl der Bierflaschen, der Brote, der Teetassen, und nun hieß es rechnen. Jakob Halling sah Marinka zu, er sah über ihre Schütter auf das Blatt. Er zahlte alles, die paar Hunderter■— es war billig in Marinka- Büfett, und die Summe» die sie errechnete, war nicht hoch, obgleich sie ihr ungeheuerlich erschien und sie nicht fassen konnte, daß ein ein einzelner Mensch soviel Geld in seiner Tasche tragen konnte, ohne zu befürchten, daß Räuber ihn überfielen. (Forffetzung folgt.) Nr. 73 Mittwoch, 27. Mörz 1835 Stift 3 fudctendeutsdie r Zeitspiegei Endgültiger Bruch B.d.L-SHF Ein Absagebrief Henleins Die Sudeten deutschen Prrßbriefe verbreiten «in Schreiben, da- Henlein an den Minister Dr. Spina gerichtet hat und die endgültige Absage an den Bund der Landwirte enthält. Henlein, der seinerzeit mit dem Bunde der Landwjrte ein Abkommen über die Abgrenzung der Agitation' beider Parteien getroffen hatte, gibt in dem Schreiben plötzlich der Meinung Ausdruck, daß dieses Abkommen unmoralisch sei: .Die Zugehörigkeit zu einer politischen Organisation kann nur durch den freien Willensentschluß jedes Einzelnen herbeigefWrt werden. Mit Zugmitteln jemanden in eine politische Organisation eingliedern zu wollen, wäre nicht nur unmoralisch. sondern würde sowohl dem Geiste der Demokratie wie auch dem klaren Wortlaute der DerfassungSurkunde der Tschechoslowakischen Republik widersprechen." Also heißt es in dem Briese Henleins, dessen Einwände gegen den GesinnungSzwang erst auS der Zeit stammen» da er eingesehen hat, daß die Nichteinhaltung des mit dem BdL getroffenen immoralischen Abkommens für seine Richtung günstiger ist.(Wie heuchlerisch übrigens die Bemerkung über den Gcfinnungsterror ist, der durch ein solches Abkommen ausgeübt werd«, geht aus dem tatsächlichen Terror hervor, den die sudetendeutschen Unternehmer gegen di« Arbeiter üben: wer nicht bereit ist, in dir SHF rinzu treten, bekommt keinen Ar- b e i t s p l a tz.) Henlein schreibt, im Laufe der Verhandlungen habe sich herauSgestellt, daß vom BdL die gemeinsam, Wahlliste zum Kernpunkt der Verhandlungen gemacht worden ist. Die SHF wolle jedoch kein Wahlbündnis, das nach den Wahlen wieder auseinanderfaklen könne, was die Fortsetzung der altm politischen Methoden bedeuten würde, sondern ,,daS Sudetendeutschtum" wolle das sichere Gefühl tatsächlicher Einigkeit. Der Vorschlag der Vereinigung sei vom BdL mit Entschiedenheit abgelehnt worden, aber die SHF habe trotzdem weiter verhandelt. Interessant ist, daß Henlein kn dem Briefe an Spina darauf zu sprechen kommt, Gustav Hacker, der zweite Vorsitzende des Bundes der Landwirte, habe die Durchführung deS zweitenEinigungSvorschlagesder SHF al-s möglich bezeichnet. Dieser Vorschlag sah ein« Zusammenlegung beider Organisationen an einem genau festzusetzenden Termin n a ch den Wahlen vor. Die beide« Parteien sollten sich vor den Wahlen in einer bindenden Erklärung zu dieser Bereinigung verpflichten. (Gustav Hacker, der in einer so wichtige» Angelegenheit, die die Existenz des Bundes der Landwirte und entscheidende Fragen der sudeten- deutschen Politik überhaupt berührt, von der Leitung des BdL bloßgestellt wurde, scheint ein« dicke Haut zu haben. Die Konsequenzen, die jeder Politiker, der auf sich hält, daraus zöge, sind ihm nicht einmal dem Namen nach bekannt. Oder sollte Gustav Hacker den BdL vorsichtigerweise von seiner Zusage an Henlein überhaupt nicht informiert haben? Oder die dicke Haut bewußt tragen, damit er die Aufträge der Hetz»nd Müller weiter erfüllen kann?) Henlein verweist dann darauf, daß noch ein dritter, von Dr. Brand stammender Borschlag abgelehnt wurde. Rach diesem Vorschlag sollte eS im Wahlkampf z« gemeinsamen Kundgebungen und überhaupt zu einem gemein, samenwahllabtischeu Vorgehen kommen, n a ch den Wahlen sollt« ein« Zusammenarbeit in einem einheitlichen parlamentarischen Klub erfolgen. Das hätte» bei den bekannten Propagandamethodm der SHF, die Ueberschwemmung aller Arbeitsgebiete des BdL durch die Henleinwerbung«nd die weitere Untenvühlung feiner Positionen bedeutet. Der BdL, der das erkannt zu Haden scheint, hat auch diese Hintenherumvorschläge abgelehnt. Henlein teilt mit, daß er daraus den Schluß ziehen müsse, dem BdL sei es nur um eine gemein- same Wahlliste zn tun gewesen. Ein solches Abkommen sei jedoch für die SHF ohne bindende Vereinbarungen über ein»unlösliche- Zusammengehen nach den Wahlen" nicht tragbar. Die SHF werde also selbständig in die Wahlen gehen, hoffe aber, daß der Wahlkampf eine spätere Zusammenarbeit aller deutschen Parteien nicht unmöglich mache. ES ist also nicht nur der Traum Henleins von der»Urberwindung des Parteiwesens" und der Herstellung einer fascistischen Totalität auSg»- träumt, sondern auch die Hoffnung auf die Herstellung einer klaren antimarxistischen Einheitsfront zu Wasser geworden. Wer weiß» wie sich feindliche Brüder gegeneinander zu benehmen pflegen, wird von dem Wahlkampf kaum«ine An- naherung der SHF an den BdL erwarten dürfen/ Henlein in Aengsten Er bestellt Proteste gesen eine Auflösung der SHF Angesichts des Bruches mit dem Bunde der Landwirte ist die SHF-Leitung derzeit in größter Besorgnis vor einer eventuellen Auftösung der Partei,-«mal auch schon so treue SHF-Protrfto- ren, wie der Landbündler Köhler» nunmehr öffentlich von dieser Möglichkeit reden. Wie wir auS zuverlässiger Quelle erfahre«, ist man am Sonntag in der Sitzung des Haupt- rates der SHF auf den AnSweg verfallen, die deutschen Parteien auf dem Umweg über einen bekannten Industriellen aus dem Reichenberger Gebiet zu einer Ret- tungsattion für die SHF zu veranlassen. Konrad Henlein hat sich persönlich an diesen Industriellen mit dem Verlangen gewandt, er möge alle deutschen Parteien zur Unterfertigung eines Aufrufes verhalten» in welchem sie sich in feierlicher Form solidarisch gegen den Gedanken einer Auftösung der SHF aussprechen«nd die zuständigen Organe des Staates sogar ausdrücklich vor einem solchen Schritte»warnen" sollen. Helmatfront und deutsche Parteien .ES Waren gerade die deutschen Parteien", so schreiben die»Lidlwe Noviny" an leitender Stesse,.welche im Fasse Henlein vollkommen versagt haben. Die Deutschen Thristlichsozialen haben — wie die Kundgebung HilgenreinerS vom status guo am besten bezeugt— gegen die Henleinsche Agitation nichts Positives aufttessen können. Sie haben sich nur bemüht, die Heimatfront agitatorisch zu überschreien. Auch der Bund der Landwirte konnte sich nicht rechtzeitig von Henlein loSIäsen. Die Folge davon ist Verwirrung unter den deutschen Agrariem, welche zur Erkenntnis des richtigen Wesens der Heimatfront erst gekommen sind, da die Heimatfront nichts anderes wollte, als den Bund der Landwirte zu verschlucken. Ebenso haben die deutschen Demokraten und die Gruppe des Abgeordneten Rosche versagt. Mit Ausnahme der deutschen Sozialdemokraten hat k e i n e d e u t s ch e P ar t e i Henlein g.eg e n Über e in en klqrenSt a n d- punkt einzunehmen vermocht." Schwere Zuchthausstrafen für etwa 150 Nazi In Litauen Volksgemeinschaft) Dr. Neumann und dem leitenden Mitglied dieser Organisation Bertuleit wurde eine Strafe von je zwölfZahrenZuchthaus zugemessen. Kaunas. Dienstag vormittags wurde der Prozeh gegen die des Fememordes angeklagten Hakenkreuzler in Memel, welcher länger als einen Monat vor dem Kriegsgericht in Kau- nas verhandelt wurde, beendet. Das Urteil wurde um zehn Uhr verkündet. Der Vorsitzende des Gerichtshofes gab bekannt, das Emil Boll, Walter Prietz, Heinrich Wannagat«nd Emil Leva zum Tode verurteilt wurde«. Weiter wurden Johann und Ernst Wallat zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Dem Führer der Orgauisatio«„S o v o g"(Sozialistische »Pravo Lid»":„Industricllc müsse« einig sein." Auch das»Prcivo Ltdu" widmet der Preiß- Rede einen Leitartikel und führt u>. a. aus: Wir werben«ns nicht mit der untergeordneten Frage befassen, ob der Magnat des Närodni sjednoceni in Teplitz tschechisch oder deutsch gesprochen hat. i Interessanter ist, was er gesprochen hat. Sagen wir das mit einem Satz: Während die tschechischen Chauvinisten Hodäk, Stkr- brny und Mares Arbeiter, Beamte«std Bauern durch nationalistische Parolen auSeinanderhetzen und während sich Henlein auf den deutschnationalen Propheten und Erlöser spielt, hat Dr. Preiß den deutschen Industriellen die Notwendigkeit des nationalen Ausgleich«! und fteundschaftlicher Zusammenarbeit gepredigt. Es war das wirklich eine offen« Rede. Di« Industriellen dürfen nicht nationalistischen Parolen nachjagen und durch Nationalismus ihre Reihen durcheinanderhetzen, sondern im Gegenteil, sie müssen einig sein, um einig durch nationalistische Parolen die Arbeiter, »Närodni OSvobozeni": Demaskierung deS Närodni sjednoceni." Di« tschechischen Blätter befassen sich in ihren Dienstagausgaben ausführlich mit der Rede, welche der Generaldirektor der Zivnobank Dr. Preiß am Samstag auf der Tagung des deutschen Hauptverbandes der Industrie gehalten hat. Das .Närodni Osvobozeni" hebt die Stelle aus der Rede hervor, worin Preist versichert hat, daß die Tschechen gute Beziehungen zu ihren deutschen Mitbürgern aufrechterhalten wollen und dast die Idee der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit gepflegt werden müsse. Dazu bemerkt das Blatt treffend: ,E« hätte nicht völliger die nationalistische antideutsche Politik deS Prager Kartells Hodaö— Stkkbrnh demaskiert werden können als durch die Teplitzer Kundgebung PreistS. Der Herr der Zivno- bank spricht sich weiter für die Zusammenackeit mit den Deutschen deswegen aus, weil es sich ihm um die Aufrechterhaltung der Einheit vor allem mit den deutschen Industriellen und Kapitalisten handelt und weil er ihnen absichtlich aufzeigt, dast über alle patriotischen Krawalle und abendliche Erregung mehr auf dem Spiel« steht, nämlich dar gemeinsame wirtschaftlich-politische Interesse und dast über dem naiven Spiel der nationalen Baffe daS gemeinsame Interesse der tschechischen und deutschen J^nistriel- len steht, die doch weiter sehen müssen... Preist hat sich für die Zusammenarbeit mit den Deutschen mit ungewöhnlicher Wärme ausgesprochen, für die jeder andere Tscheche vom.Närodni sjednoceni" auS der Nation hinausgeworfen würde, auch deswegen, weil er sieht, dast es sich dem»NäriHni sjednoceni" nach den Wahlen am meisten darum handeln wird, in die Regierung zu gelangen. In dieser Regierung werden neuerlich die Deutschen sitzen und weil Stribrnh und die geeinigte Jugend stürmischen Widerstand gegen jede Zusammenarbett mit den Deutschen predigen, ruft der kühle Rechner auS der Zivnobank auS Teplitz nach Prag, dast HodaL und Stkibrnß nur ein bistchen Krawall machen, nur wegen der Mandate, nur wegen der Gaffe, während die Partei»nd Herr Dr. Preist sind und weiter sein werden für die weitere Zusam- menarbeit mit unseren deutschen Mitbürgern." Vier Memeler Hakenkreuzler zum Tod verurteilt Tsdicdilsdi-dcntsdic Industrlcllcntront Tschechische blätter zur PrelB-Rede Beamten und Bauern durcheinandorzuhetzen. Denn Herr Dr. Preist ist ein ehrlicher Mensch. Damit jeder seh«, was das Närodni sjednoceni auf tschechischer Seit« sei, hat er an dessen Spitze den Generalsekretär des JndustriellenvcrbandeS gestellt. Damit jeder sehe, welche Reinigung daS Närodni sjednoceni durchführen will, hat er an seine Spitze JiLi Stkibrnh gestellt und— dann fuhr er nach Teplitz. »Benkov" gegen Preiß' Verneigung vor Hitler Schließlich kommt auch der„Benkov", das agrarische Organ, auf die Kundgebung des Dr. Preiß zu sprechen. DaS Blatt sagt i.Dr. Preiß hat sich in der Versammlung in Teplitz vor Hitler-Deutschland ttcf verneigt. Kein Wunderi Denn wessen Zeuge war Dr. Preiß in Deutschland? Wie daS heutige Hitler-Regime die Arbeiter und Bauern verläßt(siehe die Kaltstellung Darr(s, siehe die Wendung gegen dir Wertung der landwirtschaftlichen Arbeit) und durch seinen Schacht in Deutschland einen Industriestaat, besser gesagt eine großindustriesse Oligarchie schafft. Die Rechte der Arbeiter find aufgehoben, arbeiten muß man nach Befehl und der Landwirt wird darüber belehrt, daß er verpftichtet ist, der Großindustrie so billig als möglich Lebensmittel zu liefern." Bei dem Gericht-Verfahren wurden die aktive antistaatliche Tütig- k e i t der Angeklagten und die a n i i• litauischen Ziele der Satz- und Reumann-Partei anfgedeckt. Es wurde der Beweis erbracht, datz die Memeler Hakenkreuzler in geheimen Versammlungen einen Aufstaudvorberei- Itet hatten. Der Streik bei Herold in Komotau Zu den bereits kürzlich in unserem Matte erschienenen Informationen über den Ausbruch von Lohndifferenzen bet der Finna Herold, Metallwarenfabrik in Komotau, wird folgendes berichtet: Seit langer Zeit find die Lohnverhält- niffe der Arbeiterschaft genannter Firma ungeklärt und war vor allem der Abschluß eine- Lohnvertrages trotz allem guten Willen der Arbeiterschaft und der Fachverbände nickt möglich. Dadurch rnt- standcn immer größere Differenzen, die der Arbeiterschaft immer unerträglicher wurden und den Arbeftern zum Teil bei Akkordarbeiten mitunter Löhne von 60, 85 bis 110 Kö brachten. Ain meisten betroffen waren Dreher, Schlosser und die Beschäftigten in der Gießerei. In diesen Abteilungen war es den Arbeitern in vielen Fällen nicht möglich, bei willkürlich herabgesetzten Akkordpreisen auch nur annähernd die Stundenlöhne zu erreichen. Alle Versuche der Gewerkschaften, einen Vorvertrag abzuschließen, blieben bisher erfolglos. Samstag, den 23. März, bei Arbeitsbeginn wünschten die Arbeiter eine Klärung der laufenden Differenzen und beauftragten den Betriebsausschuß, beim Chef der Firma vorzusprechen. Es blieb bei dem Versuche, weil der Inhaber der Firma gegenüber der Arbeiterschaft Aeußerungen gebrauchte, die eine Vereinbarung und Bereinigung des Konfliktes unmöglich machten, und mit der Aufforderung endeten, sie sollen den Betrieb verlassen. Die Arbeiterschaft war hiemit gezwungen, den Kampf um ihre gerechten Forderungen aufzunehmen und ist entschlossen, bis zur Durchsetzung ihrer berechtigten Wünsche au-zuharren. Es sei hier festgcstellt: Die Arbeiterschaft fordert keine Lohnerhöhung, sondern die Möglichkeit, bei Akkordarbeiten und der damit bedingten Hergabe aller Kräfte auch am Wochenende ihren Familien einen Lohn zu übermitteln, der ihnen und ihren Angehörigen ein leidliches Auskommen gewährleistet. Die Belegschaftsversammlung hat nach Anhüren der Berichte der Organisationsvertreter neuerlich in geheimer Absttmmung entschieden, weiter im Kampf zu bcharren, weil die bisherigen Vermittlungen der Arbeiterschaft keine Gewähr boten, bei der vorzeitigen Wiederaufnahme der Arbeit einen Lohnvertrag zu erhalten. Es muß hier ganz offen gesagt werden, daß Lohnstritte überall Vorkommen, aber in den seltensten Fällen von einer Firma und vor allem einer deutschen Firma dem Volksgenossen Arbeiter eine Behandlung zugemutet wird, die nur in Staaten, in denen die Arbeiterschaft brutal niedergeschlagen wurde, üblich sein kann. Die Arbeiterschaft der Firma Herold war und ist auch heute noch verhandlungsbereit und Willens, die Arbeit aufzunehmen, wenn die Firma den Abschluß eines Lohnvertragcs garantiert/ der den Lohnverhält- oiffen in der Metallindustrie des Bezirkes Komotau entspricht und für erträgliche Verhältnisse im Betriebe Vorsorge trifft. Die Arbeiterschaft wird diesen Kainpf mit Ruhe und Besonnenheit und im Bewußtsein ihres Rechtes führen und sieht den: AuSgang des Kampfes ebenfalls mit Ruhe und entschlossener Einmütigkeit entgegen. ein Sterbender auf der Straße Opfer unbekannter Auto Wildlinge bei Reichenberg aufgefunden Reichcnberg. In Eichicht wurde Dienstag morgens gegen 4 Uhr auf der Prager Staatsstraße ein unbekannter Mann in einer Blutlacke liegend aufgefunden. Er wurde sofort ins Reichenberger Spital gebracht, wo er a^er noch in den Morgenstunden seinen schweren k. rletzungen erlegen ist. Die Sicherheitsbehörde stellte test, daß es sich um den Josef Glaser aus Rächlih handle, der wahrscheinlich schon ziemlich lange vor seiner Auffindung von einem Automobil ickcrfah» ren wurde. ein freund des Herrn Krebs in Reichenberg verhaftet Reichentrrg. Die Reichenberger Staatspolizei verhaftete den Oberpostmeister im Ruhestande Karl I a k s ch wegen des Verbrechens bzw. Vergehens nach 88 2, 3, 12 und 17 deS Schutzgesetzes und lieferte ihn dem Reichenberger Gerichtsgefängnis ein. Jaksch ist ein ehemaliger Funktionär der aufgelösten deutschen nationalsozialistischen Arbeiterpartei in Rosenthal III. Es wurde in der letzten Zeit festgestellt, daß Jakich mit dem flüchtigen ehemaligen nationalsozialistischen Abgeordneten Krebs in brieflicher Verbindung stand. Im Kessel verbrannt Samstag, den 23. März, ereignete sich im Betrieb der Firma Dudek in Settenz ein furchtbarer Unglücksfall, dem, ein junge- Menschenleben zum Opfer fiel. Der Elektriker Franz H e l l m i ch auS Pihanken war mit einem zweiten Kollegen im Kessel beschäftigt. Sie besaßen Karbidlampen, durch welche wahrscheinlich die Kleider Hellmichs Feuer gefangen haben dürften. Jedenfalls hörte man plötzlich den Ruf: Ich brenne! Sein Kollege und auch der Vater des Verunglückten, der ebenfalls dort beschäftigt ist, eilten herbei und zogen den Unglücklichen heraus, worauf er sofort ins Teplitzer Krankenhaus überführt wurde. Er hatte aber Brandwunden aller drei Grade erlitten, so daß er wenige Stunden später verschied. Hellmich tvar erst 19 Jahre alt. Seite 4 Mittwoch, 27. März 1935 Nr. 73 ändere i.utt in umere deuhchen klochrchuieni Interpellationen 6er deutschen und der tschechischen Sozialdemokratie anläßlich der Tragödie des Dr. Gach Unsere Senatoren Dr. Holit scher und Genossen haben wegen der Vorfälle an der Klinik des Professors Dr. Schlaffer in Prag an die Regierung eine Interpellation gerichtet, die zu- nächst'die bekannten Tatsachen zusammenfaßt und den„dringenden Verdacht" ausspricht, das;»Dr. Gach das Opfer eines organi- s i e r ten Kesseltreibens geworden ist, durch das seine Bestellung zum Sekundärarzt verhindert werden sollte". Dann heißt es weiter:„Die Unterzeichneten haben nicht die Absicht, dem eingeleiteten Strafverfahren vorzugreifen. Sie erwarten in dieser Beziehung lediglich, daß die Untersuchung mit voller Ob jektivität und s o rasch alsmö glich durchgeführt wird, damit ehestens über diesen ebenso empörenden wie tragischen Vorfall Klarheit geschaffen werde. Die Interpellanten sehen es aber als ihre Pflicht an, darauf aufmerksam zu machen, daß dieser Einzelfall bloß ein Symptom des Geistes ist, der an de« deutsche» Hochschulen herrscht. Es ist ei» Geist der gehässig st en nationalistischen und rassi- st i s ch e n Unduldsamkeit, unter dem auch die fortschrittlichen und vor allem die sozialistischen Studenten schwer zu leiden haben. Zu ihrem Bedauern müssen dir Unterzeichneten feststellen, daß die akademischen Behörden und die Mitglieder des Lehrkörpers überhaupt niemals etwas unternommen Haber., um diesem Geiste rntgrgrnzuwirken. ES ist wohl auch mit Bestimmtheit anzunehmen, daß die Protesterklärung, welche deu unmittelbaren Anstoß zum Selbstmord Dr. Gachs gegeben hat, durchaus nicht auf die freie Entschließung aller Unterzeichneten zurückzufLhren ist, sondern auf den Druck, den nationalistischer Ungeist auf Andersgesinnte übt." Weiter heißt cs dann lt. a.: „Daß solche Methoden der Unterdrückung rassischer, religiöser und weltanschaulicher Minder- heiten geradezu vernichtende Argumente gegen die so arg mißbrauchte Autonomie der Hochschulen liefern, mögen die verantwortlichen Träger dieser Hochschulpolitik mit ihrem Gewissen ausmachen. Der Regierung kann es aber nicht gleichgültig bleiben, daß ders l i tz eine zweistellige Niederlage bekamen, läßt allerhand Schlüsse auf Re weitere Entwicklung der Meisterschaftsspiele zu. Nächsten Sonntag werden spielen: Alttohlau gegen Maierhöfen, Neudek gegen Chodau, Drahowitz gegen Graslitz, Franzensbad gegen Eger, Fleißen gegen Fischern, Eibenberg gegen Karlsbad und Falkenau gegen Unterreichenau. Sonach hat das liebe Fußballpublikum am Sonntag einige spannende Spiele zu erwarten, der besondere Reiz liegt Wohl in den Treffen einiger Ortsnachbarn, die gleichzeitig auch Tabellennachbarn sind. Die Ergebnisse lauten: Atus Franzensbad gegen A.S.B. Alttohlau 4:2, A.S.B. Graslitz gegen Sportbrüder Eibenberg 10:0, A.S.B. Neudek gegen Atus Drahowitz 1:4, A.S.K. Eger gegen Atus Fleißen 2:0, A.S.B. Maierhöfen gegen Atus Chodau 1:1, Atus Karlsbad gegen F.F.K. Falkenau 1:3, Atus Unterreichenau gegen Atu- Fischern:1, Atus Alttohlau gegen Atus Aich 4:3. Die letzte Tabelle: A.S.B. Maierhöfen, 15 12 2 1 2« 73:25 A.S.B. Alttohlau.. 15 9 4 2 24 66:34 Sportbrüder Eibenberg 15 9 1 5 19 55:41 A.S.K. Eger.... 15 8 3 4 19 34:21 F.F.K Falkenau... 15 10 1 4 17 57:37 Atus Unterreichenau. 15 7 3 5 17 50:34 A.S.B. Graslitz... 15 7 3 5 17 48:42 Atus Fleißeu,,,, 15 627 14 40:50 Atus Chodau.... 15 5 3 7 13 32:40 Atus Drahowitz«, ,15 4 3 8 11 30:47 A.S.B. Neudek. 15 4 2 9 10 44:58 Atus Fischern..,, 15 3 3 9 10 26:53 Atus Franzensbad ,,15339 9 39:64 Atus Karlsbad... 15 2 2 11 8 39:64 Atus V. Kreis.(Fußball) Sporiergebnisse der Meisterschaft Gruppe II: Krochwitz— Aussig„Ost" 3:1, Predlitz— Aussig „Nord" 2:5, Türmitz— Kleische 1:4.— Gruppe III: Schönpriesen— Wanow 1:1. Sport am Sonntag, d« 31. März 1935: Aussig„Nord"— Kleische in Lerchenfeld, Predlitz— Krochwitz in Predlitz, Aussig jOft*— Türmitz in Lerchenfeld, Nestersitz— Schönpriesen in Nestersitz. Die Kreisleitung. Exerzierte Gemeinschaft und Herrentum! Leipzig.(DNB.) Auf der ersten Reichstagung der Deutsch« Arbeitsfront erklärte der Reichsorganisationsleiter Dr. Ley n. a.: Durch unsere organisatorische Form werden wir jeden Tag und jede Stunde die Menschen zusammenfassen und sie z w i n g e n, wenn sie nicht freiwillig wollen, diese Gemeinschaft zu exerzieren um der Existenz unserer Nation willen. Es ist eine Gemeinschaft, in der jeder seine Interessen dann zurückstecken muß. wenn die Interessen der Nation beginnen und in der jeder erkennt, daß die Arbeit nicht eine käufliche Ware, sondern ein Dienst an der Nation ist. Weiter erklärte Ley, es werde für die bestmögliche Entwicklung deS einzelnen Menschen gesorgt werden. Der Deutsche sei als Kuli zu schade. Als viertes, sagte Ley, werd« wir e in Herrentum züchten. Nicht Kanonen und Maschinengewehre allein geben uns die Geltung in der Welt, sondern jene innere Selbstsicherheit, die der Mensch aus einer gesicherten Weltanschauung, aus seinen Fähigkeiten und seinen Leistungen heraus schätzt. Das Schlimmste, was der Liberalismus und Marxismus an dem deutschen Volk verbrochen habe, sei die Zerrüttung in dem einzelnen Menschen, seien Minderwertigkeitsgefühle gegenüber anderen Völkern gewesen, die bei dem deutschen Arbeiter so weitgehend gewesen sein, daß er sich selber Proletarie r(.l) n a n n t e. Dieser Lebensverneinung, schloß Ley, setzen wir Nationalsozialisten die Lebensbejahung, die Lebensfreude entgegen. Pressefreiheit im Dritten Reich. Das Geheime Staatspolizeiamt in Karlsruhe hat das„Hochrhci- nischeVolksblatt" inSäckingen wiederholt beschlagnahmt, weil es in den letzten Tagen Artikel mit ver st eckten Angriffen gegen Nationalsozialismus brachte. Der Verantwortliche Redakteur, Dr. Stratz, wurde in Schutzhast genommen. Zwölf Millionen Chinesen hungern... Shanghai. Gegen 12 Millionen Menschen an de« Äser« des Gelben Flusses bis nach Huna« leiden Hungersnot infolge der vorjährigen langandauernden Dürre. Zn Nanking werden rund 2 8.8 8 8 Menschen aus öfsenttichen Mittel« gespeist. Aus der Umgebung von Nanking werden zahlreiche Todesfälle gemeldet. Die Bevölkerung benützt Tonerde zur Herstellung der Nahrung. Rordameritanische Ländereien durch Sandstürme für hundert Zahre vernichtet Nr. 7 3 Mittwoch, 27. MLrz tt38 Seit« 5 Kommunistiscker vettuz sn den Arbeitslosen Vie Kommunisten bringen die Aermsten der Armen um Ihre Rechte und um Ihr Geld Wir haben schon ästens aufgezeigt, daß die kommunistischen Gewerkschaften ihre Mitglieder um die Arbeitslosenunterstützung betrügen, ihnen nur den Staatsbeitrag auszahlen, während sie aus eigenen Gewerkschaftsmitteln den Arbeitslosen überhaupt nichts geben. Wir sind nun auf Grund eines Berichtes des»Internationalen Metallarbeiters"(Komotau) in der Lage, dafür einen weiteren Beweis zu erbringen, wie die Kommunisten ihre arbeitslosen Mitglieder um die Unterstützung prellen und mit welchen Mitteln sie gegen die Arbeitslosen ihrer Organisation vorgehen. Vor allem sei festgestellt, dass der Arbeitslose zuerst die Unter stiitzungsanwri» snng unterschreiben muß, dafür aber das Geld nicht ausgezahlt bekommt. Begründet wird dies damit, daß von der Zentrale noch kein Geld eingelangt ist und sie daher solange warten müssen. Dafür erhalten sie einen sogenan« ten„Gutschein", der aber in Wirklichkeit ein wertloser Fetzen Papier ist, do weder ein Funktionär, noch irgendeine Stampiglie auf diesem„Gutschein" aufgedruckt ist und der Arbeitslose gegen niemanden die Klage auf seinen Unterstützungsanspruch erheben kann, da die Unterschrift auf der Unterstützungsanweisung von dem Arbeitslosen geleistet würbe, was soviel bedeuten soll, als ob er die Unterstützung schon erhalten hätte, und andererseits der„Gutschein" nicht einmal den offiziellen Namen der Organisation trägt. Es kann daher nicht klagbar aufgetreten werden. Ter Gutschein Hat folgenden Wortlaut: Gutschein.----- Guthaben der letzte» Abrechnrmg vom bei der Ortsgruppe...... in..... Die Auszahlung dieses Betrage» erfolgt»ach Msgltchkeit und richtet fich nach der Höhe des vom Verbände»»gesandten Betrages. Bei jeder A»S- zahlung ist dieser Ausweis zwecks Eintragung mit- z«bringen. Eigenhändige Unterschrift des Arbeitslose». Guthaben iti,.,... Erhalte» am..., Ki 20 Rest Kd.... Erhalten am, Kd 30 Rest Kd.... »sw. Daraus ist ersichtlich» dass weder die Unterschrift eine» Funktionärs, noch eine Stampiglie auf diesem„Gutschein" enthalten ist, das; aber der Arbeitslos« sich durch seine eigenhändige Unterschrift verpflichten must, dass er mit den Jtatenzah» lungen einverstanden ist. Es werden also den Mitgliedern nur die Ratenzahlungen von 10, 20 und 80 Kd gezahlt. Wenn wenigstens jede Woche regelmästig diese Ratenzahlungen geleistet würden, doch davon ist keine Rede, da die Geldzuweisungen nur spärlich einlaufen. Aber ganz abgesehen davon, hat doch das arbeitslose Mitglied auf der Unterstützungsanweisung einen viel höheren Betrag unterschrieben, als es wöchentlich ausgezahlt erhielt. Die Kommunisten haben seinerzeit in gehässiger Weise die Ernährungsaktion unseres Genossen Dr. Czech angegriffen.„Hungerminister", „Bettelsuppenkarten", das waren die Argumente, mit welchen man die Bemühungen des Genossen Dr. Czech für die Arbeitslosen herabzusetzen versuchte. Und nun stellen wir diese» Dokument den „revolutionären Kommunisten" gegenüber, die heute ihren Mitgliedern nicht einmal jene Beträge zur Au-zahlung bringen, welch« Genosse Dr. Czech de« Arbeitslosen durch die staatliche Ernährungsaktion stchergestellt hat. Damit aber nicht genug. Sie versuchen, den arbeitslosen Mitgliedern die Restbeträge auch noch strittig zu machen, indem sie ihnen erklären, dast sie die Unterstützung für vier bis sechs Wochen nicht ausgezahlt erhalten, weil sie im Jahre 1933 mit Einkauf eines Jahres ausgenommen worden seien und daher nicht als vollwertige Mitglieder gelten, obzwar sie in den Jahren 1933 und 1934 die Un- Oesterreichlsche Bilder Wien. In den letzten Tagen wurden in Wien drei illegale kommuni- stischeDruckereien auSgeforscht und polizeilich gesperrt. Im Zusammenhang damit wurden 12 Personen verhaftet, darunter auch ein Funktionär der kommunistischen Partei aus der Tschechoslowakei. Der Autounternehmer Rudolf Hafner aus Zell am See stand vor einigen Tagen mit zwanzig anderen Nationalsozialisten vor dem Gericht und hatte fich wegen de» Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz zu verantworten. Hafner und seine Mitangeklagten wurden mangels an Beweisen freigesprochen. Gleich nach seiner Haft« eutlassung ist Rudolf Hafner nach Deutschland geflohen. Salzburg. In einem Gasthaus in S a a l- f eiben kam es Montag zu einem politischen Streit und zu einer Schlägerei, welche damit endete, dast der Gemeindewachmann Ferdinand Sametinger zur Waffe griff und den nationalsozialistischen Chauffeur Anton Höck durch einen Schuss tödlich verletzte. terstützung regelrecht ausgezahlt erhielten, also als vollwertige Mitglieder behandelt wurden. Hier liegt der Betrug an den Arbeitslosen klar auf der Hand und eS ist eine Gewissenlosigkeit sondergleichen, wenn man noch obendrein die Arbeitslosen zu bes^vichtigen sucht, indem man ihnen erklärt, der.Sozialverräter",„Reformist" oder„Hungermeister" refundiert die Beiträge nur den freien sozialdemokratischen Gewerkschaften, während sie als Kommunisten die Beträge nicht rechtzeitig zugewiesen bekommen und deshalb auch die Auszahlung der Unterstützung nicht vornehmen können. ES ist bereits öfters festgestellt worden, dass die Refundierung der abgerechneten Unterstützungsanweisungen an alle Ortsgruppen, die die Bewilligung zur Auszahlung des StaatSbcitrages haben, ohne Unterschied gleichmässig nach der durchgeführten Abrechnung erfolgt. Wenn also die Kommunisten die Abrechnung nicht vorlegen» so kemn auch die Refundierung nicht erfolgen. Wenn weiter», wie bereits festgestellt wurde, die überwiesenen Beträge zu anderen Zwecken verwendet werden, so können sich die Kommunisten nicht beschweren und noch viel weniger die sozialdemokratischen Vertrauensmänner und Funktionäre verleumden. Jeder klassenbewusste Arbeiter wird daraus erkennen, dass zwischen Theorie und Praxis der Kommunisten ein grosser Unterschied ist. Ihre Argumente, die sie früher gebraucht haben, richten sich heute gegen sie selbst, da sie abgewirtschaftet haben. Es ist höchste Zeit, dass die Arbeiter dies erkennen und wieder in die freien Gewerkschaftsorganisationen zurückkehren, die zwar kein Geschrei machen, dafür aber zielbewusst ihre Aufgaben im Interesse der gesamten Arbeiterschaft erfüllen. Gömb&s bereits gewählt In 28 Wahlbezirken nur je ein Kandidat Budapest.(MTJ.)' Die erste Etappe der Reichstagswahlen fand Samstag statt, wo von den zur Vergebung gelangenden 245 Mandaten Empfehlungen für 176 Wahlbezirke einzureichen waren. In 28 Wahlbezirken wurde bloss ein Kandidat empfohlen, der somit als gewählt erscheint. In den anderen Bezirken wird am 31. März gewählt. Von den bereit» gewählten Abgeordneten sind 23 Anhänger der nationalen Einheitspartei, darunter Ministerpräsident Göm- b ö S, vier sind parteilos. Auch Tibor Eckhardt von der Kleinlandwirte-Partei wurde gewählt» Japan und der Völkerbund Tokio. Das japanische Kabinett hat Kenntnis von einer Erklärung des Aussenministers H i t« i a geuouuneu, wonach mit dein gestrigen Tage a l l e j a p a n i sche n V et» Pflichtungen zum Völkerbunde g e- löst sind. Ueber die künftigen Beziehungen Japans zum JnternationalenAr» beitsamte liegen bisher noch keine Beschlüsse der japanischen Regierung vor. Frühling der Arbeitslosen Sigle!» lasse» ihre Lieder Durch den Frühlingstag erschallen, Laß dich auf die Parkbank nieder!.>■ Sonne, die gehört noch alle». Biel blieb dir da» Leben schuldig, Umwelt zeigt dir nur die Krallen; Auf der Parkbank fitz' geduldig, Sonne, die gehört noch allen. Darfst für diese kurzen Stunden Einmal deine Faust entballe» And vergesse« deine Wunden. S»n»e, dir gehört noch alle».> Denk, dn bist der Sorgen ledig. Laß dich aus dir Parkbank falle». Heut' ist dir da» Leben gnädig: Sonne, die gehört noch allen. Wenn Sie für die Düngung Ihrer Blumen den guten BlumenZauberdung verwenden, werden Eie zauberhaft schöne Blumen haben■--««« 1 Paket mitPostzusendung Ki a üü durch Verwaltung„Frauenwelt", Prag XII., Fochova 62. Bei»firn Kolporteure» erhält!. Selbstverstümmelung von E. Aldt Hier soll nicht die Rede sein von jenen widerwärtigen Auswüchsen menschlicher Vorteilsucht, die der Weltkrieg so herrlich gezüchtet hat, sondern von merkwürdigen und interessanten Erscheinungen aus dem Tierreich, die man mit dem gleichen Namen belegt, weil e» sich dabei um den Vorgang einer freiwilligen Ablösung von Körperteilen handelt. Die Ursachen dafür können sehr verschiedene sein. So können ungünstige LebenSvexhältnisse «der schlechte Atmungsbedingungen solche Selbst- Amputationen bewirkten, es können aber auch noch ganz andere Ursachen mitspielen. Im Mittelmeer kommt ein eigentümliches Tier vor, das jedem, der es zum ersten Male sieht, ein erstauntes Lächeln abnötigt. Das etwa 20 Zentimeter lange, dicke Tier sieht nämlich aus wie eine lebendig geworden« Blutwurst. Es ist walzenförmig und qat einen dicken HauimuSkel- schlauch, ist äusserlich etwas warzig, rauh und uneben und bewegt sich durch Windungen und Krüm« nrungen seines Leibe», durch Ausdehnen und Zu- samm«nziehen träge und schwerfällig fort. Diese plumpe, unförmige„Seewalze" oder Holothurie gehört aber nicht etwa, wie man annehmen möchte, zu den Würmern. Ihre nächsten Verwandten sind erstaunlicher Weise die zierlichen, schlanker. Seesterne und die bunten Seeigel. Im Stillen Ozean kommt eine ähnliche Art häufig vor, die getrocknet als„Trepang" in den Handel gebrächt, ein beliebtes Bolksnahrungsmittel darstellt. Di« Holothurie lebt auf dem Meeresgrund. Bringt man sie aus dem ewig bewegten Element an Land und setzt sie in ein Becken mit stehendem Wasser, so geschieht etwas Merkwürdiges. ES passiert ihr nämlich etwas ähnliches, wie uns Menschen, die wir den festen Boden unter den Fussen gewöhnt sind, im umgekehrten Falle, wenn wir un» nämlich dem Schaukeln der Meereswogen überlassen: eS dreht sich ihr der Magen um. Aber viel gründlicher als uns. DaS Tier stösst bei. dieser Gelegenheit seine gesamten Eingeweide aus. Das tut ihm übrigens nicht viel. Unter günstigen Bedingungen regeneriert es die verloren gegangenen Organe in einiger Zeit wieder. Mikroskqnsch kleine MeereStierchen dienen der Seewalze zur Nahrung. Viele von diesen Urtierchen haben Kalkschalen oder Kieselskelettr, also unverdauliche Hartteile. Dies« finden sich in grossen Mengen in den Eingeweiden der Holothurien. Der Zoologe, der die verschiedenen Formen der Urtierchen einer Gegend kennen lernen will und die zarten Skelette möglichst zahlreich und wohlerhalten beisammen haben möchte, fängt sich eine solche Holothurie, setzt sie in stehendes Wasser ein und wartet, bis sie ihr Innerstes nach aussen kehrt. In dem Darminhalt findet er die Schalen der Tierchen viel schöner und reiner, als wenn er sie mühsam aus dem Schlamm herauspräparieren müsste. Uebrigens eriveisen die Holothurien ihre Fähigkeit zur Selbstverstümmelung oft auch noch in anderer Weise. ES kommt vor, dass, durch wer weih welche» Gefühl des Unbehagen» ausgelöst, der ganze Körper in Teilstücke zerfällt, die übrigens durchaus lebens- und regenerationsfähig sind. Zahlreiche Meereswürmer zerfallen schon auf den Berührungsreiz hin in Stücke. Auch unser Regenwurm, dessen Fähigkeit, ein fehlendes Kör- perende zu ergänzen, ja Wohl bekannt ist, kann auf gewiss« Reize hin seinen Körper durch Zusammenziehung der. Ringmuskeln so weit zusammenschnüren, dass ein Abreihen erfolgt. Die Wunde schliesst sich sehr schnell und ohne grossen Bluwerlust. Eine merkwürdige'Selbstamputation kann man bei Seesternen beobachten, deren„Arme" alle lebenswichtigen Organe des Körpers enthalten. Ein solcher Arm kann zu einem ganzen Seestern heranwachsen. In der Brandung geschieht es nämlich oft, dass ein Seestern in Stücke zerfällt. Besondere Zusammenziehung von Muskeln fördert aber diese Durchtrennung, die also keine rein mechanische ist. Bei einigen Arten der Schlangensterne genügt es, die Tiere einfach der Lust auszusetzen, um die Abschnürung herbeizuführen. Auch andere Reize mechanischer, chemsscher oder elektrischer Natur lösen den Vorgang aus. Flusskrebse und Hummern, welche an einem Bein festgehalten werden, suchen sich dadurch zu besteien, dass sie das Bein abbrechen, und zwar an einer ganz bestimmten, eigens dafür vorgcbildeten Stelle. Bei den Krabben ist der Chitinpanzer sogar an der betreffenden Stelle nicht verkalkt, setzt daher dem Zerbrechen keinen grossen Widerstand entgegen. Ilm diese Trennungsnaht verläuft beiderseits eine lesstenartige Verdickung des Panzers und im Innern durchsetzen das Bein an dieser Stelle zwei Membranen, eine festere, in dem am Körper verbleibenden Teil und eine zartere, in dem abzuwerfenden Teil. Diese Membranen bilden einen regelrechten Abschluss an der Bruchstelle. Nur für Nerven und Blutgefässe sind Durchboh- rungen in den Membranen vorhanden. Ein besonderer MuSkel, der sich auf einen Reiz hin zusammenzieht, verursacht das Durchbrechen in der unverkaltten Naht. Da der Krebs im Verlauf einiger Häutungen kehlende Beine wieder neu bildet, ist der Verlust eines Beines kein so grosser Schaden. Unter den Spinnen sind es besonders die wohlbekannten, langbeinigen Weberknechte, eic sich rasch des Beines entledigen, an dem man sie festhält. Auch viele Insekten haben diese Fähigkeit. Dass es sich hier wirklich um eine freiwillige Ablösung und nicht um ein mechanische» Abreitzen handelt, zeigen Versuche, die man an toten Tieren ausführen kann. Eine-tropische Heuschreckerurrt zeigt, ähnlich wie die Krabbe, eine Bruchnaht, in der das Bein abbricht, wenn das Tier sich seiner entledigen will. DaS ganze Tier hat nur ein Gewicht von ettva drei Gramm. Belastet man das Bein einer toten Heuschrecke, um di« Zugfestigkeit dieses gebrechlichen Gebilde» festzustellen, so findet man, dass ein Äbreihen erst erfolgt bei einer'Belastung von 187 Gramm, und zwar nicht in der Bruchnaht, sondern an einer ganz anderen Stelle Krabben und Heuschrecken werfen ihre Gliedmassen auch dann noch auf bestimmte Reize hin ab, wenn man ihnen zuvor den Kopf abgeschnitten hat. DaS zeigt, dass das Abwerfen der Glieder als Reflex aufzufaffen ist. Dass eine enn Schwanz festgehaltene Eidechse unter Zurücklassung deS Schwänze» davonläuft, kann man leicht beobachten, soll dieses Experiment aber, sofern man ein Tierfreund ist, unbedingt unterlassen. Denn die Regeneration erfolgt hier nur sehr unvollkommen. Statt der feingliedrigen Schwau-wirbelsäule wird ein plumper Knorpelstrang ausgebildet. Da» Tier erlangt nie wieder seine Gewandtheit und Behendigkeit und wird meist bald eine Beute seiner zahlreichen Feinde. Die allermerkwürdigsten Fälle von Lostren- nung ganzer Körperteile sind aber wohl jene, die mit Fortpflanzungsvorgängen in Zusammenhang stehen. Im Mittelmeer und>m Atlantischen Ozean lebt eine kleine, als Argonaut«, oder Papierboot, bezeichnere Ttntenfischart. DaS Weibchen trägt eine dünne, kahnförmige Kalkschale, daS Männchen ist schalenlos, so dass die beiden Tiere einander äusserlich wenig ähnlich sehen. Zur Fortpflanzungszeit wird einer der Fangarme des Männchens, der eigens zu diesem Zwecke besonders ausgebildet ist, mit Samenzellen beladen, worauf er sich von dem Tier ablöst Und davonschwimmt, wie ein selbständiger Organismus. Ec sucht nun ein weibliches Tier auf, schlüpft in die sogenannte Mantelhohle desselben und vollzieht hier die Befruchtung.- Zuweilen findet man mehrere solcher abgelöster Arme in einem Weibchen. Wie diese Arme daS Weibchen aufzufinden wissen, ist schwer zu verstehen. Vielleicht werden sie durch bestimmte chemische Stoffe angelockt. Man hielt .diese Arme früher für selbständige Tiere, etwa ftic Schmarotzer in hex Mantelhöhle des Weibchens, später, nachdem man ihr« Funktion entdeckt.hatte, für die Männchen selbst, bis.des Rätsels Lösung endlich gefunden wurde. Nicht weniger seltsam ist die Lebensgeschichte des„Palolo"-Wurme». Aus den Fwschi-Jnse^i gibt es eine besondere Delikatesse. Alljährlich erscheinen im Oktober und November, angeblich am Tage vor dem letzten Mondviertel, bei Tagesanbruch ganz plötzlich grosse Scharen von merkwürdigen, langen Meereswürmern, die in Mas- sen gefangen und gegessen werden. Diesen sonderbaren Tieren fehlt— der Kopf. Keines dieser, sich in bestimmter Richtung durch das Meer aus die Küsten der Inseln zu bewegenoeu Wesen besitzt einen Kopf. Der Palolo ist nämlich überhaupt kein vollständiger Organismus, sondern nur der Hinterleib eines Tieres, zusammengesetzt äuS zahlreichen rundlichen Gliedern. Der Wurm selbst ist ein Ringelwurm, der in den Klüften der Korallenriffe ein verborgenes Dasein führt. Zur Zest der Geschlechtsreife löst sich der etwa einen halben Meter lange, vielgliedrige Hinterleib, gefüllt mit den Geschlechtsprodukten, ab, und steigt zum Meeresspiegel auf. Gemeinsam, in Scharen, wandern diese unheimlichen, kopflosen Weseu, winden sich schlangenartig und gleiten durch das Wasser. Wenn die Tiere eine Zeit lang frei her nmgeschwommen sind, zerfällt der Körper in feige Teilstücke, und die Geschlechtszellen werden in? Wasser-entleert, toäqrend die Wurmglieder selbst auf den Meeresgrund sinken und verwesen. Ter in den Korallenkalkklippen zurückgebliebene, fest- sitzende Wurm aber, beginnt wieder von neuem, „Palolo"-Glieder zu erzeugen,, ein ausgezeichnete» Mittel zur Verbreitung dieser wenig beweglichen Tierart auf weite Meeresgebiete hin. Seite 6 „Sozialdemokrat“ Mittwoch, 27. März 1935. Nr. 73 PBAGEB ZEITUIMa Einen TonderanSflugSzug nach JohanniSbad und zur Sokol-Bau" e im Riesengebirge fertigt di« CSD diesen Samstag zum Preise von 75 Kf einschließlich Autobusfahrt, Nachtlager, Frühstück und Versicherung ab. Anmeldungen mit einer Angabe im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 883-35. Tausende Liebhaber hat Dia^ia-Voll- milch-Malz, weit er so gut und so gesund ist. Gcrichtssaal 312 Wohnungen an 549 Mietsparteien gleichzeitig vermietet Nachklänge zur Skandalaffärr des Baumeisters Jiskra. Prag. Vor dem Strafsenat Kaplan kam Dienstag wieder einmal eine Sache zur Verhandlung, die seinerzeit als Betrugsskandal erster Sorte größtes Aufsehen und allgemeine Empörung erregt hat. Es handelt sich um die Affäre des Baumeisters Franz JiSkra, der vor etwa sieben Jahren,. in der Zeit der ärgsten Wohnungsnot, durch großzügige Gaunereien eine Menge unbemittelter Menschen aufs schwerste geschädigt hat. Als die Affäre aufflog, verübte Baumeister Jiskra Selbstmord. Das war im Jahre 1931. Der Hauptschuldige war also leider dem Zugriff der Justiz entzogen, aber die Staatsanwaltschaft zog seine mutmaßlichen Helfershelfer zur Rechenschaft. Da. ist vor allem die 46jährige Marie K a u f m a.n n, die mit Jiskra ein intimes Verhältnis unterhielt und beschuldigt ist, ihm die auszuplündernde Kundschaft zugetrieben zu haben, wofür sie Provisionen bezog. Diese Vkarie Kaufmann ist übrigens wegen anderweitigen Betruges mit fünfzehn Monaten schweren Kerkers vorbestraft. Außerdem wurde der Buchhalter des betrügerischen Baumeisters, ein gewisser Egon P o l ä s e k wegen Mittäterschaft unter Anklage gestellt. Die Gaunereien des Baumeisters Jiskra waren aufgebaut auf verbrecherischer Ausbeutung der damaligen-Wohnungsnot. Er vermittelte Wohnungen in Häusern, die noch gar nicht gebaut waren und dse er, angeblich zu errichten beabsichtigte. Das großzügige Bauprogramm existierte freilich nur auf dem Papier. In Wirklichkeit baute er ein einziges Haus, das nur einen winzigen Bruchteil aller vertrauensseligen Wohnungssucher hätte aufnehmen können, die ihm ins Garn liefen. Insgesamt fanden sich 549 Mietsparteien, die dem Baumeister Jiskra stattliche Beträge auf den Tisch legten, nur um später einmal eine Wohnung zu haben. Denn der Herr Baumeister kassiert« natürlich den HauSzins für die noch gar nicht erbauten Wohnungen im vorhinein, nebst„Baubeiträgen" und sonstigen seinerzeit üblichen Nebenzahlungen. Der Gesamtschaden beträgt nach den Aufstellungen der Anklage nicht weniger als 1,371.000 Kl. Daß sich der tüchtige Mann auch auf Kaution S- schwindel verlegte, bedarf kaum einer Erwähnung. Für die erst zu erbauenden drei Häuser wurden zehn Hausmeister„engagiert", die natürlich entsprechende Kautionen zu erlegen hatten. Fertiggestellt wurde, wie erwähnt, nur«in einziges Haus, um dessen Besiedlung sich zwischen den 549 geprellten Mietern ein wilder Kampf entspann, da begreiflicherweise niemand sein Geld zum Fenster hinausgeworfen haben wollte. Interessant ist die Feststellung der Anklage, daß, auch wenn der Baumeister Jiskra alle Bauten ausgeführt hätte, die er seinen Klienten in Aussicht stellte, nur 312 Wohnungen zu vermieten getvesen wären, während 549 Mietsparteien bereits hohe Beträge für das vergeblich erhoffte Quartier erlegt hatten. Jiskra ist tot. Aber der Prozeß gegen seine vermutlichen Helfershelfer hat ein außerordentlich langes Leben. Die Kaufmann und der Buchhalter P o l ä s e k wurden im Jahre 1932 wegen Mittäterschaft an den Gaunereien JiSkras unter Anklage gestellt. Ihre Vermittlertätigkeit stand außer Frage, aber sie verteidigten sich damit, keinen Einblick in die Geschäftsgebarung ihres Chefs, bzw. Freundes gehabt und in gutem Glauben gehandelt zu haben. Tatsächlich wurden sie auch seinerzeti(vor drei Jahren) freigesprochen. Auf die Nichtigkeitsbeschwerde des Staatsanwaltes hatte sich das Ober st e Gericht mit diesem Fall zu befassen. Diese höchste Instanz hob das freisprechende Urteil auf und verwies die Sache zur neuerlichen Verhandlung an das Prager Kreisgericht zurück. Die Verteidigung der Angeklagten erschien dem Obersten Gericht angesichts der außerordentlichen Aktivität, die sie zutage gelegt und der fetten Provisionen, die sie eingesteckt hatten, keineswegs einwandfrei erwiesen. So stand denn diese Sache neuerlich zur Verhandlung und wurde, da der Verteidiger eine Menge neuer Beweisanträge stellte, auf unbestimmte Zeit vertagt. rb. Vorfrage Hugh Talton wird im Sozialmssitut der Tschechoslowakischen Republik am 28. März über»Die Sozial- und Wirtschaftspolitik Groß- britanniens"«inen Vortrag halten.— Dälton ist Professor der Nationalökonomi« an der L o n- d o n« r Universität, vom Jahre 1924 bis 1931 war er Unterhausmitglied, während der letzten Arbeiterregierung Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten. Damals vertrat er England im Völkerbundrat und in der Völkerbundversammlung. Seit dem Jahre 1928- ist Dalton Mitglied des Exekutivausschusses der englischen Arbeiterpartei. Kunst und Wissen Ein Ensemble des Theaters in der Josefstadt gastierte Montag im Deutschen Theater mit einem geschickt gemachten und amüsanten Lustspieh von Sascha G u i t r y. Es ist aber schwerlich anzunch- men, daß»Sein neues Testament", das von der originellen Behandlung nichtsdestoweniger Pein-, sicher sexualer Promiscuität zwischen zwei befreundeten Familien in zwei durcheinander liebenden Generationen lebt, den so festzustellenden starken Publi- kumscrfolg in Prag gefunden hätte, wenn nicht die besonders feine, reizvoll poinsierte Kunst der Wiener Darsteller die Klippen geradezu unfühlbar gemacht hätte, so daß sogar die Hilflosigkeit, die dieser sonst nie verlegene Autor im letzten Akt offenbart, nicht verstimmte. Bor allem entzückte Anton Edt,- Höfer durch' überzeugende Zeichnung eines abgeklärten, halb zynischen, halb warncherzigen, immer aber durch den Intellekt überlegenen alten Liebes- und Lebenskünstlers;«ine ganz besonders geglückte und dabei scheinbar aus dem Handgelenk geschüttelte Studie. Nebst Edthofer vermittelte Alfred Neugebauer in einer frech-humorigen Dienergestalt den stärksten Theatereindruck. Die Damen Adrienne Geßner, Maria Waldner, Ellen Schwannecke— vervollständigten das runde, sympathische Ensemble-Bild. l. g.. Spielplan des Neue« Deutsche« Theaters. Mittwoch halb 8:LaBoheme, B 2.— Donnerstag halb 8: D i e I ü d i n, C 2.— Freitag halb 8: Erstaufführung: Das unbekannteMäd- ch e n, D I.—Samstag halb 8: Neueinstudiert: GräfinMariza, BI.— Spielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch 8 Uhr: Mädchen für alles.—Donnerstag halb 8: Neuinszeniert: Ein Glas Wasser.— Freitag 8hj: Kulturverbanpstreunde und freier Verkauf: Ein Glas Wasser.— Samstag 8 Uhr: Ein Glas Wasser.— Der feUU^endc Crto^aclwin Ist zur der CUonnemente^efltUu’ zu iwwendenl Wer im KüdUtond« ökitt, öckääigt die Soctei und deren Aesse Die Verwaltung Der Film Claudrtte Colbert als Poppaea, die zweite Frau des römischen Kaisers Nero im Film„Im Zeichen des Kreuzes". Goebbels verbietet. Wie der„Daily Herqld" mitteilt, hat das Berliner Propagandaministerium den englischen Wellington-Film„Der eiserne Herzog" für das Deutsche Reich verboten,— mit der Begründung, daß dieser Film dem deutschen Geschichtsempfinden widersprech«, weil er Wellington als den Sieger von Waterloo darftellt und Blücher eine untergeordnete Rolle zuweist. Auch der amerikanische Film„C a r i o c c a" ist von Goebbels verboten worden, der vermutlich befürchtet, daß die exotische Schönheit Dolores del Rio, die in diesem Film die Hauptrolle spielt, dem„nordischen" Frauenideal gefährlich werden könnte. Einladung zur Generalversammlung des Bezirksvcre'nes Arbeitcrfür- sorge Prag am 29. März 1935, um 8 Uhr abends im Verein deutscher Arbeiter, Smeika- gasse 27. Tagesordnung: 1. Protokollverlesung. 2. Berichte. 3. Wahlen. 4. Freie Anträge. Einberufer: Maria Deutsch» Hilde F r a n z e l, Vorsitzende. Kassierin. Sport• Spiel»Körperpflege Die Fis kann... Streit um di« Riese«-Sprungschanzen Der Schweizer Fachmann für Sprungschanzen, Straumann, richtet« scharfe Angriffe gegen den Fis-Präsidenten Oestgaard(Oslo), den er außerdem subjektive Einstellung zugunsten Norwegens zum Vorwurf machte. Der Norweger veröffentlicht nun eine Erklärung, in der er di« Angriffe des Schweizers als unbegründet hinstellt. Oestgaard schreibt, daß ein einmal gefaßter Beschluß eingebalten werden müsse. Später gibt er aber zu, daß so ein Beschluß»nicht für alle Zeiten" Gültigkeit haben muß.»Die Fis k a n n sich selbstverständlich auch für Sprungweiten von 100 Metern und mehr aussprechen."— Was heute noch verboten ist und mit großen Worten in die Welt gesetzt wurde, das kann schon morgen wieder umgeschmiffen werden. Oestgaard hat recht, wenn er davon spricht, daß, wenn Beschlüsse nämlich nicht eingehalten werden, der Skisport»keine aufsichtführende' Behörde" benötigt. Die Ouerfeldeinlauf.Meisterschaft des Prager DTJ-Kreises gelangt am kommenden Sonntag in Tlustovoush zur Austragung. Gelaufen wird in drei Kategorien: a) Männer, b) Frauen, e) Jugend. Di« Laufstrecke der Männer beträgt 4500 Meter, für die Frauen 1000 Meter und für die Jugendlichen 1500 Meter. Mitropacup verschwindet. Die Macher dieser mehr dem geschäftlichen als dem sportlichen Interesse dienenden Konkurrenz im bürgerlichen Fußballsport haben beschloss«», den Mitropacup dieses Jahr zum letzten Male auszutragen. Damit aber das Geschäft nicht unterbrochen wird, hat der Wiener Meist den Vorschlag eingebracht,«ine mitteleuropäische Meisterschaft«inzuführen. Gleichzeitig soll die Schweiz zu di«ser„Meisterschaft" zugelassen werden. Di« Entscheidung wird in einer der nächsten Sitzungen endgültig getroffen.— Das eine hat reichlich abgewirtschaftet mit seinen diversen Affären und Skandalen sowie Schiebungen. Den Sport, dem man damit zu dienen glaubte, hat man diskreditiert. DaS Gefasel von der Völkerverständigung, die angeblich geleistet wurde, wurde reichlich widerlegt durch die nationalistischen Ausfälle, von denen wir u. a- nur den Fall Juventus—-Slavia ins Gedächtnis rufen wollen. So war es und die»neue" Konkurrenz wird eS nicht anders halten können.,. Lus der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Mittwoch, den 27. März, 8 Uhr abends Gruppenabende: S. I. Zentrum beteiligt sich ai. der Versammlung der M. S. D. Zijkov. S. I. Holleschowitz: Di« Frau und der Sozialismus. S. I. Weinberge: Zwei Jahr« Hitlerdiktatur. A Macht uns froh Festabend der Atus-Kieder Samstag, 6. April, 6 Uhr •SäsHHi* abends, großer Radiosaal Gymnastik, Turnen, Singspiel, Bewegungschor der Bube« u. Mädel unter Mitwirkung der“Roten Falken*. Karten bei Optiker Deutsch GleNenawSsehreßvuns. Bei der gefertigten Anstalt gelangt die Stelle eine« Ravonsarztes für das Settet GoüengrllN—Blkistadt UN» Umgeb»»» zur Besetzung. Die Honorierung erfolgt aus Grund des geltenden'Bezirkskollektivvertrages. Gesuche mit curriculum Vitae sind bei der gefertigten Anstalt bis lSng- stens 31. Mürz 1835 einzubringen. Tie Anstalt behült sich die Auswahl des Anzustellenden, als auch die Abweisung aller «ingelangten Ansuchen Vor. 2811 Bezirkskraukenversichrrungsauftalt golkeuau a. d. Eger. Literatur Kreditmarktstatiftik Der Kreditmarkt ist für die Volkswirtschaft eines jeden Landes von wichtigster Bedeutung. Vön feiner Lage hängt es ab, ob der Wirtschaft die erforderlichen Mittel für Investitionen zur Verfügung ste- hen. Die durch die großen Bankzusammenbrüche in. Oesterreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten vor einigen Jahren äußerlich sichtbare schwere Erschütterung des internationalen Kreditmarktes hat eine Verschärfung der Weltwirtschaftskrise ausgelöst, gerade zu einem Zeiwunkt, an dem viele schon wieder den Silberstreif am Wirtschaftshimmel zu sehen meinten. Trotz dieser überragenden Stelluüg, die dem Kreditmarft in der Gesamtwirtschaft zukommt, wird seine Entwicklung auch von denen, die sich wirtschaftlich interessiert zeigen, nur selten verfolgt. Er ist nicht nur für die Arbeiterschaft ein Buch mit sieben Siegeln; selbst solche, die sich als Sachverständige der kapitalistischen Wirtschaft aüsgeben, machen sich selten die Mühe, alle Zweige und Verästelungen des Kreditmarktes zuverlässig zu erforschen. Sicher ist es den heutigen Beherrschern des Kreditmarktes in der privatkapitalistischen Wirtschaft lieber, wenn dieser Teil des Getriebes der Gesamtwirtschaft nicht mit allzugrellen Strahlen durchleuchtet wird.- Für diese Annahme liegt um so größere Berechtigung vor, wenn man weiß, wie ungenau, lückenhaft und nicht selten grob fehlerhaft gerade das statistische Material ist, das von den Banken, den Stasistischen Aemtern oder von bürgerlichen Finanzwissenschaftlern und Finanzjournalisten über die Entwicklung deS Kreditmarktes veröffentlicht und verbreitet wird. Selbst die wenigen Länder, in denen die allgemeine Stgsistik zu einem Zweig der Wissenschaft entwickelt ist, machen davon keine Ausnahme. Ein junger deutschböhmischer Bolkswirtschafter hat in einer Arbeit den Versuch unternommen, am Beispiel der französischen Kreditmarktstattstik, dem recht bedingten Wert dieser Statistik nachzugehen.*) Diese Arbeit verdient schon deshalb Anerkennung, weil sie dem weitverbreiteten Mißbrauch der Statistik entgegenwirtt. Was wird gerade auf dem Gebiete der Wirtschaft mit Zahlen gespielt, ohne daß diejenigen, die es tun, sich über die Herkunft und die Zuverlässigkeit der Zahlen unterrichtet haben. Der Verfasser empfiehlt allen Zahlenbenützern, ei« ab- gewandeltes Werk von Ferdinand Lassalle als Grundregel: Jede Erörterung statistischer Angaben hat zu beginnen mit dem Aussprechen dessen, was ist. Daß diese Empfehlung dort, wo ihre Befolgung dem Zweck, den die offizielle Statistik und die kapitalistische Finanzjournalistik zu erfüllen hat, widerspricht, wird sie auch weiter in den Wind geschlagen werden. Mit der Absicht, alles, was sich ihm in Frankreich bietet, als Material in den Entwurf einer Kre- ditniarktstatistik einzuordnen, der, ohne tiefgreifende Aenderungen auch außerhalb Frankreichs von Nutzen sein könnte, führt Dr. Fischer seine kritische Untermalung an allen Teilen der französischen Kredit- *) Dr. Heinrich Fischer: Dir Stattstik des franzistschen Kreditmarktes. Versuch einer kritischen Darstellung. Carl Heymanns Verlag. Berlin 1934. Marktstatistik durch. Dem Werk, das mit einem Anhang, einem Literaturverzeichnis' und mit 50 Ta- hellen der Kreditmarktstatistik aus den Jahren 1926 bis 1932 versehen ist, entnimmt der Leser zahlreiche Anregungen für eine krüische Betrachtung unserer Kreditmarktstatistik. Die Lektüre des Buches belebt den Wunsch, daß es. auch von dem Statistischen Staatsamt der Tschechoslowakischen Republik, den Großbanken, den Versicherungsgesellschaften und Spar- und Kreditkassen zur Kenntnis genommen werden möchte, und daß diese Stellen künftig mehr für die Zuverlässigkeit und die Klarheit der tschecho- slowakischen Kreditmarftstatistik tun möchten, fb. Flucht in den Norden Der junge Klaus Mann hat mit diesem Roman(Querido-Berlag, Amsterdam) eine sehr beachtliche Probe seines schriftstellerischen Talents«r- bracht, das er erfreulicherweise in den Dienst der Zeit, nämlich des Kampfes gegen den Hitlerfascismus stellt. Die junge Deusiche, die uns Klaus Mann auf ihrer Flucht aus dem Dritte» Reich in den Norden begleiten läßt, ist Inkarnation des ewigen Konflikts zwischen individuellen Neigungen und Sehnsüchten einerseits, der nicht zu unterdrückenden Pflicht zum Dienst für die Allgemeinheit anderseits. Tas Diäd- chen Johanna gerät nach den Erschütterungen in Deutschland, das sie liebt, dessen nationalsozialistisches System sie glühend bekämpft, wie von ungefähr in eine große tiefe Leidenschaft zu einem faszinierenden Manne; sie überwindet in sich das Verlangen, ihm ewig anzugehören, und folgt dem Gebot, das sie ihren revolutionären Freunde«, zum Mitkampf flegen den Fascismus ruft. In der Exposition, im Aufbau ist Klaus Manns Roman nichts weniger als ei« Meisterwerk; viele Dehnungen gibt es da, viel Ucberfllissiges, Nnintcr« essantes, so daß man das erste Drittel des Buches nicht gerade lustvoll hinter sich hringt. Dann aber wächn die Darstellung mit ihren höheren Zwecken und- führ., nach vielfach ungewöhnlich freier Schilderung des Sexualerottschen. zu wirklicher äußerer und innerer Dramatik, getragen von gedanklich fest begründeter, seelisch tief wirkender antifascissisch-sozialistischcr Ueberzeugung. Also alles in allem ein durchaus lesenswertes Buch, das übrigeps noch viel an Wert hinzugewänne, wenn es auch sprachlich durchgängig auf der Höhe der letzten hundert Seiten stünde, l. g. Rudolf Jllovh: Pochodnk, Bhbor ze sociälni Poesie I.(»Fackeln. Auswahl aus der Sozial- Poesie l., Hrsg, von Rudolf Jllovh,) S. 80, gr. 8", graphische Ausstattung V. Masek. Verlag von Usttedni dklnicke knihkupecwk(Arbeiterbuchhandlung), Prag, 1935. Preis Kö 10.—. Nach einem vielbändigen Werke»Tschechoslowikische Sozialpoesie"(erschienen vor ungefähr 10 Jahren) bearbeitete Jllovh über Wunsch der Propaganda-Agitationskommission der tschechoslowakischen Arbeiterpartei»Sozialdemokrat" (Prag-Gau) eine neue(tschechische) Auswahl der Sozialpoesie(insgesamt 45 Dichtungen); sic soll dr» Organisationen die Oriensierung bei der Auswahl zur Rezitation passender Gedichte erleiterm Sie enthält ältere und auch neuere, jedoch immer qualitative Gedichte einheimischer und fremder Autoren. Die Bearbeitung ist praktisch. Mascks graphiswe Ausstattung geschmackvoll. Cs besteht kaum ein Zwe>- fel, daß diese neue Sammlung Jllovhs auch guten Einzelabsatz finden wird. 5-llovh hat wirksich eine glückliche Hand im Auswahlen.— om— Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—. vierteljährig KC 48.—. halbjährig Kd 96.—. ganzjährig K6 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele- graphendirrktign mit Erlaß Nr. 13.800/VH/1930 bewilligt.— Truckerei:»Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.