Freitag, 29. März 1935 Nr. 75 15. Jahrgang IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. HD Aktion und Verwaltung mag xn, fochova a. Telefon«77. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Ehzelprals 70 Htllir («intchli.Blich 5 Htlltr Porto) Günstiger Verlauf der Moskauer Verhandlungen Ost-Regionalpakt und Femost-Locarno 7 Während nach den Berliner Beratungen zwischen Sir Simon und Hitler festgestellt wird, daß sich wenig Gemeinsame- in den Auffassungen Englands und Deutschlands ergeben hat, lauten die Reuterberichte aus Moskau durchaus günstig. Eden und Litwinow haben die Situation, wie sie durch" die Berliner Berhandlungcn entstanden ist, gründlich durchbesprochen und es hat sich in keiner einzigen Frage eine ernste Meinungsverschiedenheit'ergeben. Die Schlußfolgerungen, zu denen die beiden Diplomaten gelangten, stimmen in den entscheidenden Punkten überein. Die Sowjetpresse begrüßte den englischen Sondergesandten mit großem Respekt und erörterte ausführlich die Möglichkeiten einer Friedenspolitik, die sich auf die Sowjetmacht und auf England als die stärkste kapitalistische Macht Europas stützen würde. Die„I s w e st i j a" bespricht den Unterschied zwischen den Bündnissen der Vorkriegszeit, die eine Erhöhung der Kriegsgefahr bedeuteten und den regionalen Sicherheitspakten, die eine Verminderung der Kriegsgefahr darstellen, weil sie das Risiko für jeden Angreifer erhöhen. Litwinow soll mit Eden nicht nur die Frage des Ostpaktes in Europa, sondern auch die M ö g l-i chkeiten eines Fern» st-L o r a r n» besprochen haben, das die russische Ostgrenze gegen Japan garantieren und Großbritannien ermöglichen würde, auch zwischen Japan und den USA eine Sicherung zu schaffen. Auf jeden Fall waren die Moskauer Besprechungen fruchtbar und es scheint fast, als sollte sich im letzten Augenblick die West-Ostkoalitio« als Sicherung gegen Deutschland anbahnen. Hitler hat offensichtlich im Vertrauen auf die Nachgiebigkeit der Engländer den Bogen überspannt und die Zugkraft feiner antibolschewistifchen Hetze überschätzt. England ist die letzte Macht, die sich in so wichtigen Entscheidungen von Gefühlen leiten läßt oder sich diese Gefühle von Goebbels vorschreiben ließe. Berliner Konferenz— ergebnislos werden, doch besteht Deutschland auf vollkommener Gleichheit und reklamiere für sich das Recht, dir Bedürfnisse der Selbstverteidigung im ZusamLondon.(AR). An britischen amtlichenrunge« auf Grund eines Abkommens beseitigen Stellen wird über das Ergebnis der Reise Simons nach Berlin folgendes angedeutet: Ihr Ziel war, die entsprechenden Stand- Arbeit für Arbeitslose Weitere 180 Gesuche aus der produk* tiven Arbeitslosenfürsorge bewilligt In der letzten Sitzung der interministeriellen Kommission für produktive Arbeitslosenfürsorge wurden auf Antrag des Ministeriums für soziale Fürsorge wettere 180 Gesuche von öffent- lichen Bauführern um Beitrüge für verschiedene Notstandsarbeiten bewilligt. Der Staatsbeitrag betrügt drei Millionen Kronen, mit deren Hilfe 6586 Arbeitern Beschäftigung geboten werden wird, ungeachtet der Zahl jener Arbeiter, die infolge dieser Arbeiten indirekt Verdienst finden werde«. Das Ministerium für soziale Fürsorge hat im heurigen Jahr bisher 914 Gesuche um Staatsbeitrüge aus der produktiven Arbeitslosenfürsorge erledigt«nd dadurch 38.092 Arbeitern direkt Beschäftigung verschafft. Kabinett Släwek in Polen Warschau. sichtspunkte sind auch die politischen Entscheidungen zu wetten, zu denen sich die Regierung eventuell entschließen wird. Man spricht von der diplo- matischen Anerkennung Sowjetrußlandtz und der Anknüpfung von Wirtschaftsbeziehungen zu dem neuen Mandschukuostaat. Das Bürgertum furchtet die Krise nicht Bern.(SDA.) Rach dreitägiger Aussprache beschloß der Schweizerische Nattonalrat mit 108 gegen 54 sozjalisttsche Stimmen, dem Volke die Ablehnung der aus den Linkskreisen stammenden sogenannten Krisen-Jnttiative anzuempfehlen, die die Aufnahme eines umfassenden Programms zur Krisenbekämpfung in die Verfassung vorsieht. Die Vorlage gelangt nun vor den Ständerat. Das Programm der Regierung Zeeland—de Man Planwirtschaft, Verkürzung der Arbeitszeit 43 Roman von Fritz Rosenfeld Kilmek(triff Cabrolle an der flatternden Krawatte, schnürte sein Hemd und seinen Kragen mit den Fingern zusammen, zog ihn ganz nahe an sich heran: »Sagen sie das nicht noch einmal. Wir haben ehrlich gespielt und ich habe ehrlich gewonnen." Labrolle fiel zusammen, atemlos, fauchend, winselnd. »Ich will nichts andres als mein Geld. Seien sie doch barmherzig. Ich habe Frau und Kind. Sie könen mich doch nicht als Bettler nachhause gehen lassen." Kilmek fuhr mit der Hand in die Tasche, holte eine zerknitterte Banknote heraus, warf sie Cabrolle vor die Füße. »Das reicht bis nachhause. Das andre geht mich nichts an." »Die Wechsel, Kilmek! Wenn sie die Wechsel präsentteren lassen, bin ich verloren. Sie sind wertlos für sie. Man gibt ihnen nicht einen blinden Heller dafür. Aber mir pfänden sie Haus und Hof und Vieh—" »Was ich mit den Wechseln mache, ist meine Sache." »Haben sie denn kein Herz im Leib, Kilmek?" »Haben sie eins, Cabrolle? Haben sie sich je gefragt, wie der arme Teufel mit dem Mustertoffer lebt, den sie von ihrer Tür fottjagten? Gelacht haben sie über uns, fett und breit gelacht und dann find sie ttinken gegangen mit ihren Kumpanen. Das gapze Dorf mutzte es hören, so laut brüllten sie und ihresgleichen, wenn sie zechten. Und jetzt spielen sie mir den biederen Familienvater vor, der um Frau und Kinder besorgt ist und sich daS Herz auS dem Leib reißen läßt für seine Brut." »Ich lasse ihnen die Hälft« des Geldes, Kilmek, geben sie mir die andre Hälftt und die Wechsel zurück." Kilmek hob den Koffer, wog ibn in der Hand, sah sich nach einem Träger um. »Kellner", schrie er. »Die Hälfte— ich schenke ihnen die Hälfte." »Kellner, wo stecken sie denn?" Der Kellner schlitterte herbei, müd. Staub auf dem Rock. »Tragen sie den Koffer zum Zug. Ich komme gleich nach." »Ich schenke ihnen Zehntausmd— geben sie mir den Rest und die Wechsel", brüllte Cabrolle. Kilmek sah sich um, er suchte Marinka. »Marinka", sagte er. »Zehntausend— soviel Geld haben sie nie in ihrem Leben gehabt", betteüe Cabrolle. »Da hast du, Marinka", sagte Kilmek und gab ihr eine Münze.«Kauf dtt was dafür, ein großes Herz aus Lebkuchen". Marinka lachte. »Ich juch mir schon was schönes aüs." »Auf Wiedersehen, Marinka." »Gute Reis«, Herr." »Fünfzehntausend", brüllte Cabrolle. Er ging hinter Kilmek her, versuchte ihn am Aermel zu fassen. In seiner Hand wehte das Taschentuch, seine Weste stand offen, sein Koffer lag noch drinnen, wie er ihn aufgerissm hatte in der Nacht, angefüllt mit hundert nutzlosen Dingen. Die Wechsel", schrie Cabrolle.»Behalten sie daS Geld. Die Wechsel geben sie mir." «Er packte Kilmek, hängte sich an ihn, zertte ihn zu Boden. Aber Kilmek befteite sich mit einem Ruck und ttchtete sich auf. Da faßte Cabrolle daS rechte Bein Kilmeks, umklammerte es mit beiden Armen, hing wie ein ehernes Gewicht an ihm, fesselte ihn, nagelte ihn fest. »Die Wechsel", schrie er,»die Wechsel." Kilmek beugte sich nieder, um den Griff dieser Klammer auS Fleisch und Bein und Blut zu lösm, da fuhr CabrolleS Hand wie eine Tiger-ranke an Kilmeks Brust, in die Tasche, ritz das Tuch auf, wühlte in Pqpier, umspannte das Papier, preßte es zusammen, fetzte Stück um Stück heraus, ließ es zu Boden flattern, halbe Banknoten, die Wechsel, die Fahrkarte Kilmeks, bunte und weiße Papiertrümmer, in die der Wind fuhr. Der Stationsvorstand kam, die Schaffner, aus den Fenstern steckten die Girls, die Zeichner, Frau Avory neugierige Gesichter. »Meine Herren", sagte der Stationsvorstand. »Was ist den schon wieder los?" kreischten die Gttls. »Er hat mich beswhlen", schrie Kilmek.»Er hat mich überfallen! Er hat mir mein Geld aus der Tasche gerissen und zerfetzt—" »Verhaften sie ihn— er hat mich betrogen—' Der Stationsvorstand war ratlos. Herr von Ebel erwachte, ließ das Fenster seines Abteils herab, sah auf die beiden Männer hinunter, die sich ineinander verkrampft hatten. »So holen sie doch die Gendarmen— einsperren soll man die Kerle— erst verspielen sie ihr Geld und dann streiten sie darum—" »Ich will nichts von ihm", schrie Kilmek.»Er soll mich in Frieden lassen. Da ist es— alles— alles—" Und er griff in die Tasche, kehrte das Futter nach außen, ließ die Papierfehen in den Wind wehen, blaue und grüne und rote Reste von Geldscheinen und weiße Zipfel zerschlissener Wechsel. Mtt einem Stoß warf er Cabrolle zurück, mit einem Tritt stieß er ihn vom Wagen weg» dann sprang er auf, warf dem Kellner eine Kupfermünze zu, suchte einen leeren Eckplatz, schloß die Tür, zog die Vorhänge zu, am Fenster, an der Tür, sank in die Halbdämmerung, sank tief und ttefer, mit bleichem, blutleerem Gesicht, sank zurück in sein altes Leben, zwsschen zwei Zügen, ohne Zuhause, angeweht vom Dampfatem der Eisenbahnen, von Rutz- Wolken überschattet, endloser Weg durch Dörfer, in Häuser, Koffer geöffnet vor den Augen der Krämer, bedruckte Leinwand ausgebretttt unter den schmutzigen Blicken altjüngferlicher Pfeidlerinnen, Bestellbücher gezückt und dem Chef vorgelegt, Epstein und Co.» Textilien, ein WellhauS, gegründet 1887, ein Gefängnis mtt wandernden Zellen, ein fahrbarer Käfig, ein Sarg mit unsichtbaren Wänden, ein Grab für Lebendige, abzahlbar in Raten. Kilmek, der Traum ist aus. Der Zug fährt wieder. Seine Räder rattern das alte Lied. Es schneidet ins Hirn? Es rüttelt im Blut? Es hämmert in den Schläfen? Dagegen gibt es nur«in Mittel. Kilmek: Mitpfeifen. Ganz leise und regelmäßig, mit dem Atem der Ewigkeit, der nie ausgeht, der von Berg zu Berg weht und von Meer zu Meer und von Mensch zu Mensch durch die Zeiten: mitpfeifen. Marinka winkte, als der Zug abfuhr, der Stationsvorstand winkte, sogar der Kellner hob die Hand und ließ sie flattern, bi- die Gesichter an den Fenstern undeutlich wurden, hellgesprcnkelte Punkte an einer dunklen, jagenden Fläche. Sie saßen in den Abteilen und sprachen kein Wort. Sie freuten sich ihrer Geborgenheit, wie Menschen, die bei Gewitter ein schützendes Haus erreicht haben und den Balken vor die Türe legen. Morvilius dachte an feine Frau, die ihn erwarten würde, dürr und alt und vergrämt. Frau Avory zählte die Stunden, ob sie noch einen Bühnenprobe abhatten könnte in Apsilon, ohne Probe vor Presse und Publikum spielen war ein Wagnis. Georgia und Raymonde dachten in zwei Hirnen den gleichen Gedanken: Noch einmal waren sie enttonnen, noch einmal war Gnade ergangen und ihnen der Atem geschenkt für eine Reihe von Tagen und Wochen. Draußen lag Sonne über den Feldern des Frühlings, und an den Bäumen waren Knospen und junges Laub. Sie sahen eS, aber nur ihre Augen nahmen eS auf, nicht ihr Herz, und so wurden sie dieser Heimfahrt nicht froh. (Fortsetzung folgt.), Nr. 7 8 Freftag, 29. März 1935 Seite 3 Hilfe für die Selbstverwaltung neue Sanierunssvorlase in allerletzter Minute Prag. Im Parlament wurde am Donnerstag die Vorlage über die Sanierung der SelbstverwaltungSkörper in der Ausfchutzfassung aufgelegt und sofort in Verhandlung gezoen. Die Debatte ing bi- in die Abendstunden fort und wurde schließlich auf Freita 11 Uhr vertagt. ES sind noch fünf Redner vorgemerkt, worauf die Abstimmung erfolgen wird. Für diese Sitzung erwartet man noch die Vorlage der Wahlgesetznovelle, über die ein für Freitag v Uhr früh angesetzter Ministerrat endgültig entscheiden soll. In der Debatte gab Genoffe Kremser«ine ausführliche Ueberstcht über die Entwicklungsgeschichte unserer Selbstverwaltung von den Anfängen der Gemeiniwordnung im vorigen Jahrhundert bis in unsere Zeit, wobei er die namentlich nach dem Umsturz zutage tretenden Tendenzen nach Einengung der Selbstverwaltung kritisierte und vor alle« das vom Vürgrrblock beschlossene Gesetz 77/27 als einen tödliche» Schlag gegen de» Autonomiegedankrn schärfstenS verurteilte. Die geradezu vernichtenden Folge» dieser unglückseligen Vorlage haben die Srlbstvertvaltung in di« heutige verzweifelte Lae versetzt, die Wirtschaftskrise an sich hätte bei weitem nicht solche Folgen habe« können, wär« nicht die Finanzkrast der Gemeinden schon durch das Gesetz 77/27 gebrochen gewesen! Zu der neuen Vorlage nahm Genoss« Kremser einen reservierte« Standpunkt ein. Er hob die u n st r e i t i g e n Vorteil« hervor, die es bringt, teilte jedoch mit den übrigen Redner» und selbst mit dem Referenten die Meinung, daß e-n»ch nicht di« endgültige Lösung bedeutet. ES stellt aber unstreitig das Höch st auSmaß dessen dar, was unter den heutigen Verhältnissen überhaupt zu erreichen war! Genosse Kremser wies einleitend auf die Rot der Selb ft Verwaltungskörper hin, die schlechthin unerträglich geworden ist. Wenn Bürgermeister schon vor Gericht gerufen werden, um für ihre Gemeinde den Offenbarung s e i d abzulegen, so müssen wir zugestehen, daß dieser Zustand ein« ernste Gefahr bedeutet. Bor allem aber sind die Gemeinden und Bezirke gezwungen, ihren Aufgabenkreis in sozialer und kultureller Beziehung vollkommen zu vernachlässigen. Hier ist die Gefahr für die Gesellschaft noch vielgrößer als bei der rein finanziellen Seite. Da mutz der Staat unbedingt für eine Sanierung eintreten, denn au- eigener Kraft können sich die SelbstverwaltungSkörper heute nicht mehr heranSarbritrn. Seit der Gründung der Tschechoslowakei find große Fehler geschehen, die sich zum Teil noch als Erbteil aus dem alten Oesterreich weiterschleppten. Es ist nach der Staatsgründung ein« Reihe wesentlicher Einschränkungen der Gemeindeselbstverwaltung erfolgt, die sich natürlich auf die Gemeindrfinanzen wirtschaftlich sehr ungünstig auSgewirft haben. Einer der umstrittensten Faktoren sind die Züsch l ä g e. Schon in der ersten RachkriegSnovelle vom Jahre 1921 hätte man angesichts der Geldentwertung eine ganz andere Regelung trefft« müssen. Trotzdem man schon mit dieser Novell« schlechte Erfahrungen gemacht hat, kam doch daS Gesetz 77/27, daS im Verein mit der Steuerreform die Autonomie der Gemeinden vollständig er schlagen hat. Alle Warnungen blieben«über unbeachtet! Klerikale Versprechungen Auf der Hauptversammlung des Verbandes der SelVswerwaltungSkSrper hat damals— es«ar an SS Jänner 1927 in Teplitz-Schönau— wohl Abgeordneter F«i« rfeil als Vertreter der deutsche« chrichlichsozialrn Volkspartei das versprochen gegeben, daß er mit allem Nachdruck folgende Grundsätze vertrete« werde- 1. Di« Finanzlage der Gemeindm wird geregelt? 2. die Regelung darf nicht auf Kosten der Gcmeindeautonomie erfolgen? 3. eine Regelung auf Kosten der Gemeindeautonomie wäre auch schon a»S n«- tionalen Gründen ganz und gar unzulässig. Aber diese Grundsätze wurden mit Füße« getreten und alles getan, was zur Vernichtun g der Autonomie der Gemeinde« führen mußte! Vas unmögliche Gesetz 77/27 Man bat ohne statistische Grundlage willkürlich das Umlagenlimit und eine sachliche unmaterielle Ueberprüfung der Voranschläge«inge» führt, und der Oberbehörde das Recht zu Aenderungen gegeben. Was die Bürokratie mit dieser Ermächtigung für unmögliche Ding« aufgeführt hat, ist no chin guttr Erinnerung. Auch den neu eingeführten Dotationsfonds hat man der Bürokratie ausgeliefert. Entscheidend war aber di« Verringerung der Eimahmen der Gemeinden durch WegnahmederZuweisungen aus der Umsatzsteuer und der Abgabe von Motorfahrzeugen. In jeder größeren deutschen Bezirksstadt Böhmen- haben diese zwei Posten allein jährlich einen Entgang von ein bis anderthalb Millionen zur Folge gehlcht! Da mußten die Finanzen der Gemeinden verfallen, ob nun die Krise gekommen wäre oder nicht! Dazu hat man den Gemeinden neue La- st«n aufgebürdet, so i« Böhmen das Ber- pflegskostenfünftel, das klein« Gemeinden, die etwa daS Unglück hatten,«inen Angehörigen im Irrenhaus unterbringen zu müssen, oft völlig ruinierte. Oft waren nur für das Ber- pflegSkostenfünftel 290 Prozent Umlagen noch zu wenig! Was die Bezirke betrifft, so bestand bis 1927 kein Finanzgesetz, das sich auf sie bezogen hätte. Auf Grund der tatsächlichen Verhältnisse im Jahre tfudefendcutedlcr Zeitspiegel p d an einen Tisch zu setze« oder auch nur ein« gemeinsame Kundgebung herauSzugeben." Die Sudetendeutschen Vressebriefe wollen glauben machen, daß sich weder Henlein noch ein anderer Funktionär der Heirnatfront um diese Kundgebung bemüht hätte. Der stolze„Führer" der SHF hat allerdings von dem Inhalt der geplanten Kundgebung Kenntnis genommen, ohne sich gegen ihre Durchführung zu wenden, ja, er hat sogar seine Presseleute beauftragt, die ihm unangenehme Wirkung der Indiskretion abzuschwächen. Es ist jedenfalls auch aus dem Dementi zu ersehen, daß die Herren Un t« r n e h m e r, die Die Sudetendeutschen Pressebriefe des Herrn Henlein befassen sich in der letzten Zeit iinmer mehr mit den Gerüchten über die angeblich bevorstehende Auflösung der Sudetendeutschen Heimatfront. In der Ausgabe vom L7. März kommen die Pressebriefe auf die bekannte Aeußerung des landbündlerischen Abgeordneten Köhler zu sprechen, der in Leitmeritz die Möglichkeit einer Auflösung der Heimatfront für den Fall in Aussicht gestellt haben soll, daß die Verhandlung BdL—SHF ergebnislos verlaufen. Herrn Abgeordneten Köhler wird bedeutet, daß seine Ausführungen kaum ernst zu nehmen seien, da ihm wie allen anderen Funktionären des BdL bekannt sein müsse, daß die Haltung des Bundes der Landwirte und des Herrn Ministers Spina zur Frage der Auflösung bereits eindeutig fe st gelegt sei. Der Vizepräsident Z i e r h u t habe kürzlich im Beisein SpinaS mehreren Vertretern in seinem und in SpinaS Namen das Ehrenwort gegeben, daß der Bund der Landwirte in der Vergangenheit keinen Schritt zur Auflösung dec SHF unternommen hat und auch in der Zukunft keinen tun, er- möglichen oder auch nur billigen werde. Es sei undenkbar, daß ein Funktionär des Landbundes auch nur den Eindruck erwecken könne, daß sich Zierhut und Spina über ein Ehrenwort hinwegsetzen wollten. Diese Bemerkungen der Sudetendeutschen Pressebriefe sind als eine gelinde Frozzelei des Bundes der Landwirte zu betrachten und als ein Versuch, Spina und Zierhut gegen die sozusagen untergeordneten Organe auszuspielen, sofern es sich nicht etwa um ein Fälschungsmanöver der SHF handelt, von der ja übrigens kaum anzunehmen ist, daß sie von Ehrenwörtern mehr hält, als die ihr nahestehende Bewegung, die jetzt daS Dritte Reich beherrscht. Diese Notiz der Sudetendeutschen Pressebriefe verrät die panische Angst, von der die Leute in der Sudetendeutschen Heimatfront angesichts der als möglich betrachteten Auflösung befallen sind und läßt ein D e m e n t i als unglaubhaft erscheinen, das in der gleichen Nummer der Sudetendeutschen Pressebriefe veröffentlicht ist. Dieses Dementi beschäftigt sich mit der Nachricht, die verschiedene Blätter, vor allem die sozialdemokratischen, über einen von sämtlichen deutschen Parteien vorbereiteten Schritt verbreitet haben, der sich gegen eine etwa geplante Auflösung der Heimatfront richten soll. Daß an den„Gerüchten" über diesen Schritt viel Wahres ist, gestehen die Sudetendeutschen Pressebriefe selbst ein, denn sie reden von einer Indiskretion, auf die sich die Blätter stützten. An den Gerüchten sei nur wahr, daß das Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses des Deutschpolitischen Arbeitsamtes, Max Richter, schriftlich beanttogte, daS Deutschpolitische Arbeitsamt möge„als bevollmächtigte Vertretungskörperschaft des Deutschtums in der Tschechoslowakischen Republik"(l) mit einer Kundgebung an die Oeffentlichkeit treten, in der.Hegen jeden Versuch einer Einschränkung des freien Koalitions- und Wahlrechtes der Sudetendeutschen" Verwahrung eingelegt wird. Die Sudetendeutschen Pressebriefe, die man nunmehr als Organ des Deutschpolitischen Arbeitsamtes bettachten kann, sind darüber unterrichtet, daß die Verständigung Richters an folgende Herren ging: Z i e r h u t, Dr. L e d e- bur-Wicheln, Hermann Braß, Henle i n, HanS Pilz, Abg. Eckert, Abg. W o- k u r e k, Senator Hilgenreiner. Interessant sind die Bemerkungen der Preffebriefe über die Haltung der Landbündler Zierhut und Dr. Spina: »Obwohl Herr Minister Spina und Herr Abg. Z i e r h u t erklärten, grundsätzlich einer solchen Kundgebung zuzustirmnen, ließ Herr Minister Spina als Vizepräsident des Deutsch- polittschen Arbeitsamtes mitteilen, daß er nicht in der Lage sei, ohne Befragung der für den 27. März einberufenen Sitzung der Reichsparteileitung deS BdL an einer solchen Kundgebung teilzunehmen. AIS Begründung führte der Minister di« scharfe Schreibweise des christlichfozialen BlatteS „Egerland" an, die es ihm und den Verttetern seiner Partei unmöglich mache, sich mit Mitgliedern der Christlichsozialen Bollspartei überhaupt! Damit hat Herr Hergl, wie wir neidlos seststellen wollen, allerdings den Nagel auf den Kopf getroften. Das haben auch wir immer schon behauptet, daß Herr Henlein, bzw. der Kameradschaftsbund es s e h r g u t verstanden haben,»irgendeine neue Bewegung"— ganz wurst, mit welchem Programm— aufzuziehen, und daß die SHF, die dabei herauSkam,»ihre Au fgabe unzweifelhaft sehr gut verstanden" hat, das„Sammelbek- k e n für alle Hakenkreuzler und Deutschnationalen zu werden, die durch die Parteienauflösung plötzlich die unumgänglich notlvendige Stammtischbasis verloren hatten, auf der sie seit K.H.Wolf u. Schönerer mit recht viel völkischen Phrase« und noch mehr.Heilrufen hohe Politik zu machen gewohnt waren. Für solche Feststellungen wurden wir aber bisher von den SHJ-Leuten und ihren Helfershelfern in den anderen deutschbürgerlichen Parteien mit. dem Vorwurf der Denuntiation und ähnlichen schönen Beschimpfungen belohnt, während jetzt ein neugebackener Führcranlvärter der SHF dasselbe Motiv sozusagen zum Thema seiner Antrittsvorlesung macht; das halbofjizielle DHF-Organ druckt auch noch wortwörtlich, ohne zu ahnen, wie hundertprozentig sie damit all die angeblich so böswilligenBerleumdungen der SHF durch die Marxistenpreffe nachttäglich rechtfertigt! Jawohl, das ist alles bis ins Kleinste richtig, Herr Dr. Hergl: Der„psychologische" Einfluß des nachbarlichen FasciSmus auf die sudetendeutsche SHF-Bewegungr die legitime Nachfolgerin der aufgelösten Nazipartei, zeigt sich in den grundlegenden Prinzipien wie allerkleinsten Details. Er geht so weit, daß die weittsten Kreise des sudetendeutschen Spießertums erst aus der Vernichtung der letzten Spuren jeder Demokratie durch das fascistische Dritte Reich den richtigen Mut geschöpft haben, auch bei uns dasselbe zu versuchen und alle anderen„VolkSgenof- s e n", die nicht blind auf den Hitlerersatz namens Henlein schwören wollen, wenn schon nicht gleich mit Konzentrationslagern, wozu sie ohne Hilfe gleichgesinnter tschechischer Kreise ja doch zu schwach sind— so doch mit dem brutalsten wirtschaftlichen Terror, mit dem Hinauswurf aus dem Arbeitsplatz und mit all dem berüchtigten Methoden wirtschaftlicherExistenz- vernichtung gefügig zu machen. Daß diese Leute aber die Demokraten sind, als die sie sich aufspielen, das glaubt bei der ganzen Entstehungsgeschichte der SHF und dem ^psychologischen" Einfluß des NachbarfasciSmns, wie dies Herr Dr. Hergl in dankenswerter Weise so llar dargelegt hat, jetzt schon wirllich keine Katze mehr!(Auch wenn sie eS noch so laut in alle Welt und namentlich, ins tschechische RegierungS- lager hinausposaunen, was für lautere„Demokraten" sie sind, sie bleiben doch unversöhn- licheFeindeder Demokratie und waschechte Fascisten, di« den weiland SA-Besatzungen in jedem beliebigen Konzentrationslager HitlerdeutschlandS würdig an die Stile gestellt werden können. „Volksgemeinschaft“ In einem Grubrnunternehmen bei Kaadrn war ein 64jähriger Steiger Stöh r angestellt. Nun wurde dieser Mann krank und dadurch arbeitsunfähig. Er wollte nun in seine verdiente Pension gehen, aber siehe da, die Besitzer Herold in Gösen hatten die ganzen Jahre vergessen, ihren Steiger bei der Penfionsverficherung zu melden. Er mutzte erst bis zum Obersten Gericht die Klag« ttriben, bevor er seinen Anspruch bestätigt bekam. Hast Du mir auch Werte geschasst, wenn Du alt wirst, kannst Du verhungern! sagt sich der Unternehmer. ES ist wieder ein Beispiel von der Volksgemeinschaft, wie sie der Sapttalist versteht. ja im Deutschpolitischen Arbeitsamt eine entscheidende Rolle spielen, die Initiatoren des geplanten Schrittes gegen die angeblich geplante Auflösung der SHF sind. Es ist ohneweiters zu glauben, daß sie die besten Gründe für ihre Haltung haben, denn die SHF hat für die Wiederherstellung ihrer Dittaturgewalt über die Proleten etwa dieselbe Bedeutung wie sie die NSDAP in Deutschland für die reichsdeutschen Unternehmer hatte. Die Hitler- und Henleinfaseisten sind die verläßlichsten Bundesgenossen der Herren Ausbeuter und eS ist selbstverständlich, daß diese ihre Freunde schützen. Man muß sich die Herren genau ansehen, die ihnen auf dem Umweg über die„bevollmächtigte Berttetungskörperschaft des Deutschtums in der Tschechoslowakischen Republik" dabei zu helfen bereit sind. Die SHF hat im Reichenberger Gebiet einen neuen„Führer-Zuwachs" erhallen: Herr Dr. Walter Hergl, einst ein getteuer Schildknappe des im Parlament sogar mit Juden versippten Dr. Rosche, ist— wenn auch erst nach längerem Verhandeln und Feilschen— mit fliegenden Fahnen in das SHF-Lager übergegangen und bringt seine neueste Einstellung sofort in einem Leitartikel in den Spalten der Reichenberger Tante zum Aus- und Abdruck. An seiner Auseinandersetzung mit Spina über den wahren Sinn der„Vollsgemeinschaft" interessiert uns weniger der theorettsche Teil als die Art, wie die ursächlichen Zusammenhänge zwischen der Machtergreifung des Hitler- fascismus jenseits der Grenzen und der„nationalen Sammlung des Sudetendeutschtums" unter der SHF-Flagge mit einer dirett herzerfrischenden Offenheit zum Ausdruck kommen. Wohl fehlen nicht kluge Versicherungen, „daß das Sudetendeuffchttrm seine Politik ausschließlich auf die in seinem eigenen Lebensraum gegebenen Tatsachen ausbauen kann und muß" — aber dann legt Hergl eindringlich dar, wie das Dritte Reich einen„n a ch h a l di gen s h ch o l o g i s ch e n E i n f l n ß" auch iesseits der Grenzen ausübt: „In diesem Zusammenhang ist vor allem ... die historische Taffachr zu beachten, das es im Deuffchen Reiche taffächlich einer politischen Partei gelungen ist, sich durch eine unerhörte Steigerung derMittel po- Um die Auflösung der SHF Ehrenwörter und Dementis Aus der Schule geplaudert Die SHF und der„psychologische** Einfluß des Dritten Reiches lttischer Agitation fichtbarlich über die anderen Wettbewerber zu einer beträchtlichen Kebermacht hinauf zu arbeiten." Noch einmal wird dann unterstrichen, daß eine„Mißachtung" der Unterschiede in den Voraussetzungen hüben und drüben„verhängnisvoll werden könnte", aber dann kann es sich He^r Dr. Hergl doch nicht versagen, jubelnd in die Welt hinauszuposaunen: die breite Bevölkerung ist aber einfach von einem fast«lementaren Glauben erfüllt, daß mich bei uns«ine Sammlung mindestens eben aller national eingestellten Kräfte des SudetendeuffchtumS gelingen müßte und ist vor allem in dieser Richtung ganz anders einsatzbereit als vor Jahren." Mit Recht bemerkt Hergl weiter, daß„diese neue Entwicklungsmöglichkeit in der Richtung eines wirklich großen nattonalen Zusammenschlusses" durch die Parteiauflösung„ganz außerordentlich begünstigt" wurde, denn dieser Eingriff der Staatsgewalt hat angeblich auch den anderen Parteien die moralische Stütze genommen „und so fast mit elementarer Notwendigkeit irgendeiner neuen Bewegung den Weg gebahnt. And Liese neue Bewegung hat m der Gestalt der SHF ihre Aufgabe un- zweifel haft sehr gut verstanden, so daß sie sehr wohl als erfolgreiche Trä« gerin einer nationalen Einheitsfront in Betracht kommt." Sette 4 Freitag, 2d. MSr, 1935 Nr. 75 Starhembers will putschen I Die seriöse Schweizer Presse veröffentlicht aufsehenerregende Meldungen über einen bevorstehenden Staatsstreich der Heimwehren, die beabsichtigten, den Fürsten Starhemberg zum„Reichsverwe- ser" zu proklamieren. Dieser Staatsstreich sei bereits für die nächste Zeit, und zwar gegen Mitte April, spätestens im Mai zu erwarten. Wien. Donnerstag rückte die Wiener Heimwehr zu Manövern aus, welchen die Annahme zugrunde lag, daß der Feind die Randbezirke der Stadt beseht halte und von dort Vertrieben werden müsse. Die Heimwehrler sammelten sich in der inneren Stadt und rückten in die Arbeiterviertel vor. 1827 hätte man für die Bezirke mindestens einen Limit von 300 Prozent einführen müssen, um ihnen den status quo zu erhalten. Wenn das Limit vuf 110 Prozent herabgedrückt wurde, so mußte das zum Verfall der Bezirksfinanzen führen! Ole erste Korrektur Im Jahre 1930 mußte, da die Verhältnisse immer schlimmer wurden, die erste Novelle geschaffen werden, die de« Versuch unternahm, die große« Fehler des Gesetzes 77/27 wenigstens zum Teil aufzuheben? all« Schäden und schädliche« Auswirkungen zu beseitigen, war nicht möglich. Die wichtigste Neuerung war, daß die materielle Ueberprüfung der Voranschläge beseitige und das Verpflegskostenfünftel stark abgeschwächt wurde. Weiters wurde das Umlagenlrmit etwas gelockert und den Gemeinden 800, unter bestimmten Voraussetzungen 330, bzw. den Bezirken 150 Prozent zugestanden. Die bescheidenen Mittel, die bis jetzt znr Verfügung gestanden sind, reichen n,i ch t hin, auch nur annähernd jene Riejenfehlbeträge zu beseitigen, die in den Gemeindehaushalten auftreten. Bei der Be- loilligung der Beiträgen aus dem Landesfonds spielt die berühmte.Schlüsselzahl" aus dem Jahre 1027 eine große Rolle. Inzwischen haben sich die Verhältnisse aber stark verschoben und es kommt vor, daß viele Gemeinden, die sich heute in sehr schlechten finanziellen Verhältnissen befinden, trotzdem leinen Beitrag erhalten können, weil sie zufällig im Jahre 1827 finanziell noch besser standen und die Schlüsselzahl also nicht erreichten. In Böhmen wurden 214 Gemeinden davon betroffen. die inen Abgang von 225 Millionen zu verzeichnen haben. Sie erhalten gar nichts. 1254 Gemeinden erhalten einen Beitrag, aber von den ihnen fehleden 258 Millionen werden nur 114 anerkannt; selbst hiezu kann der Landesausschuß aber nur 27 Prozent, d. i. 31 Millionen, beitragen. Was mit den restlichen Defiziten geschehen soll, darüber hat der Landesausschuß nie etwas gesagt! . Nicht besser steht es in Böhnren um die Bezirke,. Hier wurden bei einem Abgang von 205 Millionen nur 83,5 Millionen vom Land gedeckt, mit dem Rest weiß niemand etwas anzufangen. Dabei sieht in den Bezirksvorschlägen außer den Posten, die auf Rechtstiteln beruhen, und etlichen Straßenreparaturen ja schon überhaupt nichts mehr drinnen! Oft reichen, wie in K o m o t a u, die gesamten Einnahmen des Bezirkes bei weitem nicht einmal für den Zinsenbedarf hin. Da^väre das größte Finanzgenie nicht imstande, helfend einzugreifen. Auch nach dem Inkrafttreten der heutigen Vorlage wird trotzdem noch eine Anzahl von Selbstverwaltungskörpern übrigbleiben, die ihre Voranschläge nicht werden inS Gleichgewicht bringen können. In der heutigen Vorlage ist für die Züsch l ä g e das Moment entscheidend, daß 300 Prozent in Hinkunft ohne jede Einschränkung«ingehoben werden können und 350 Prozent mit einfachem Mehrheitsbeschluß. Für ganz außerordentliche Ausnahmsfälle sind weitere 50 Prozent vorgesehen; nach dern heutigen Stand'könnten aber allerhöchsten» 10 Prozent aller Gemeinden davon Gebrauch machen, so daß das nicht viel bedeutet. Wichtig ist, daß 150 Millionen neu für Sanierungszwecke aus » Kampfabstimmung im Kulturausschuß Sprengeibürgerschulen von den Agrariern sabotiert Prag. Im Kulturausschuß des Abgeordnetenhauses kam es am Donnerstag zu einer Kam p fabsttmmung über den bekannten 8 31 der Vorlage über die Sprengelbürgerschulen, wobei der Paragraph mit neun Stimmen der drei sozialistischen Parteien und. der.Volkspartei gegen f ü n f Stimmender t sch e- chischen Agrarier und der Hlinlapartei angenommen wurde. Da die Vorlage noch den Berfassungs- und den Budgetausschuß zu passieren hat, ist angesichts des Widerstandes der.tschechischen Agrarier nicht mehr damit zu rechnen, daß sie noch vor den Wahlen erledigt wird. Der Referent Bojta Benes gab ein« ausführliche Darlegung des Leidensganges der Vorlage, die zum erstenmal im Jahre 1929 im Senat austauchte und im Jahre 1931 als Regierungsantrag erneuert wurde. Sein ober Nichtsein der Vorlage hängt von der Finanzierung dieser Bürgerschulen ab. Die bisherigen Schulerhalter, also zumeist Städte odex Marktflecken, verlangen angesichts ihrer kritischen fi- nanziellen Situation, daß auch die Landgemeinden im Umkreis von vier Kilometern, deren Kinder nach der Vorlage die Aufnahme in die Bürgerschulen nicht verweigert werden darf, auch zu dem Sachaufwand der Schule entsprechend beitragen sollen. Die Agrarier sind dagegen und so brachten sie durch ihren Sprecher Stefane! den Antrag ein, die Vorlage von der Tagesordnung abzusetzen, weil die Fiuanzfrage nich geregelt sei. Genossin Kirpal beharrte in Uebereinsttm- mung mit dem Referenten auf der Verabschiedung der Vorlage: Die Regelung dieser Frage ist um so dringender, als jetzt infolge der bekannten Sparver- ordnungdie Gefahr besteht, daß Kindern vom Land der Einkommensteuer hergegeben werden;-weniger sympathisch ist die Heranziehung von 35 Prozent aus den Landesbeiträgen, doch ist uns'die Eliminierung dieser Bestimmung leider nicht gelungen. Eine Verbesserung sind im§ 20 di« beiden neuen Absätze, wornach die Aufnahme von Darlehen auch für Investitionen im Rahmen der produktiven Arbeitslosenfürsorge und für geschuldete Annuitäten aus der Zeit vor 1935 möglich ist. Dadurch werden Wenigstens Exekutionen vermieden werden können. Auch die Beseitigung des Verpflegskosten- fünstrls wird sicher begrüßt werden. vle Revisionsbestimmungen im Artikel II haben jetzt dieselbe Form wie in der Novelle von 1921; sie sind nicht verschärft, werden aber dahin ergänzt, daß der Landesausschuß für diese Revisionen Instruktionen herauszugeben hat. Es wurde zugesagt, daß bei der Revision absolut nicht Sachen verlangt werden sollen, durch die die Arbeitslosenziffer erhöht würde.'Das betrifft vor allem die Unternehmungen. Bei der Ueberprüfung der Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens muß seitens der revidierenden Organe m i t g r ö ß t e r B o r s i ch t vorgegangen werden, da die Wirtschaftlichkeit ost nicht von der Verwaltung, sondern von den für die erzeugten Produkte gegenwärsig zu erzielenden Preisen abhängig ist. Bei Wäldern, Ziegeleien etc. kann eine Aktivität heute oft bei bestem Willen nicht erzielt werden. via neue Schuldenregelung D«S Hanptstück der Vorlage ist der Artik« III über die Art der Schuldenregelung. Hier war«S unser Bemühe«, im 8 2 doch ei« Ventil zu schaffe«,«m die Schulden auch jener Gemeinden zu regeln, die nicht unter die Definition der„finanziell schwachen" Gemeinden im 8 1 falle». Das ist«ns gelungen. Wir haben auch erreicht, daß auch Gemeinden, die keinen Landesbeitrag nach 8 1 erhalten, die Schuldenregelung ausnahmsweise zugestanden werden kann. Auch di« viel umstrittene Frage, unter welchen Formulitäten ein Darlehensbeschluß einer Vertretung rechts gültig ist, wird geregelt. Wenn die Aufsichtsbehörde unter- den Schuldschein die Genehmigungsklausel gesetzt hat, kann die Gülttgkeit nicht mehr bestritten werden. Das ist in Ordnung, weil die nachttägliche Anfechtung von solchen Beschlüssen nur die Kreditfähigkeit der Gemeinden untergräbt- s Die Forderung nach Rückwirkung mußte allerdings abgelehnt werden. Redner verweist dann noch darauf, daß die Steuervorschreibun.gen sich größtenteils zum Nachteil der Gemeinden auswirken, die dabei ihre Umlagen verlieren. Am ärgsten ist es bezüglich der Uebergenüsse, d. h. der angeblich zu viel bezogenen Zuschläge.Jm November teilen die Steuerämter den Gemeinden mit, daß sie aus den Zuschlägen noch so und so viel erhalten w e r d e n, im März kommen die Ausweise der Steuerämter, woranch die Gemeinden nicht nur nichts mehr gut haben, sondern schon v i e l zu viel erhalten haben und diese Ueber- genüsse rückerstatten sollen. Bei den Verhandlungen wurde unS seitens des FinanzmittisieriumS däs^ Versprechen gegeben, bei Uebergenüssen die Abzüge wenigstens so zu verteilen, daß sie erträglich find und den Gemeinden die Weiterführung ihrer Wirtschaft ermöglichen. Für die Steuerrückstände von 1921 bis. 1927 wird ab 1936 jede Verrechnung der entsprechenden Umlagen aufhören; der Staat übernimmt die Einnahmen und streicht dafür etwaige Rückforderungen. Ras Höchstausmaß des Erreichbaren Wir werden, stellte Genosse Kremser abschließend fest, für das Gesetz stimmen, find aber überzeugt, daß«S sich wieder mir«m eine Etappe handelt und daß die Sanierung keine vollständige, sondern eben nur den momentanen Möglichkeiten angepaßt ist. Sie ist aber notwendig, um das Schnldenproblem in einer späteren günstigeren Zeit seiner entgülttgen Lösung zuführen zu können. (Lebhafter Beifall.) der Besuch der nächsten Bürgerschule, falls sie weiter als 4 Kilometer ist, direkt unmöglich gemacht wird. Bei dieser Gelegenheit brachte Genossin Kirpal auch eine Resolution ein, worin die Regierung aufgefordert wird, einen Gesetzentwurf über die Verlängerung der allgemeinen SchülpflichtumeinuJahr, also auf insgesamt neun Jahre, vorzulegen. Die Resolutton würde mit Mehrheit angenommen. Nicht unerwähnt- darf>i bleiben, daß von deutscher Seite die Agrarier zur Absttmmung über diese wichtige Vorlage überhauptnicht er s ch i e n e n waren, während der Christlichsoziale Petersika und auch Herr S ch o l l i ch es vorzogen, sich noch vor der Absttmmung rechtzeitig zu drücken. Man muß also annehmen, daß die Herrschaften gegen die sofortige Verwirklichung der so dringend notwendigen Sprengelbürgerschulen sind. Insbesondere die Lehrerschaft sollte das Verhalten der genannten Parteien in dieser Frage etwas schärfer unter die Lupe nehmen! Der Senat erledigte am Donnerstag in einer kurzen Sitzung das sogenannte Zoll- ka r/t e.l.k mit Rumänien über die gegenseitige Zusammenarbeit der Behörden im Zollverfahren und-den Initiativantrag der tschechischen Natto- nalsozialisten auf Novellierung des Gesetzes 3/1878 über den Obersten Gerichtshof. Der An- ttag bezweckt eine Verkürzung der Verhanlungen von Nichtigkeitsbeschwerden vor dem Obersten Gerichtshof, hat also eine Entlastung dieses Gerichtes zur Absicht. Weiters wurde der Regierungsantrag auf Aufhebung der Staatsgerichte und die Uebertragung ihrer Kompetenz auf eigene Senate bei den Obergerichten angenommen und dem Verkauf eines alten, den Staatsbahnen gehörenden Elektrizitätswerkes in Tabor zugestimmt. Nächste. Sitzung Dienstag, den 2. April, um 16 Uhr. Tagcsncnlglfcltcn 23 Tote im Schacht Tokio. Die schwere Explosion, die sich in einem Kohlenbergwerk bei R a- g a s a k i ereignete, hat«eben einer großen Zahl von Schwer-«nd Leichtverletzte« bisher 23 Tote gefordert. Auf der Arbeitssuche ertrunken Der arbeitslose Landarbeiter Franz Schulz aus Deutsch-Welhotta bei Leitmeritz war in die Aussiger Gegend mit seinem Fahrrad auf Arbeitsuche gefahren. In vielen Orten hatte er vergeblich vorgesprochen. Auf dem Heimwege passierte er zu später Abendstunde Großpriesen und fuhr über Wittal,-um auf der Bezirksstraße nach seinem Heimatort zu gelangen. Hinter Wittal. wo die Straße entlang eines kleinen Baches führt und höher gelegen ist als das Bachufer, kam Schulz mit seinem Fahrrad von der Sttaße ab, stürzt« den Abhang hinunter, fiel in den Bach und ertrank. Er dürfte durch den Sturz bewußtlos geworden sein, weshalb der 48jährige Mann sich nicht mehr selbst erheben konnte. Erst am nächsten Morgen wurde die Leiche von Passanten entdeckt. Es wurde behördlich festgestellt, daß es sich um einen Unfall handelt. Ermordet und angezündet Raubmord an einem Ehepaar Kascha«. Die Bevölkerung in der Gemeinde Turna nad Budvou wurde Donnerstag nachts durch einen Doppel-Raubmord in Erregung versetzt, der sich im Geschäft des Gemischtwarenhändlers Maximilian Weber ereignete. Kurz nach Mitternacht wurde die Bevölkerung durch ein Feuer aus dem Schlafe geweckt, das im Hause des Kaufmannes Weber ausbrach und sich auf die zwei Nachbargebäude übertrug. Als die Leute in das Geschäft eindrangen, fanden sie am Boden den 70jährigen Kaufmann und seine 56jährige Frau Irene ermordet auf. Es wurde festgestellt, daß am Abend unbekannte Täter in das Geschäft ein- drangen und das alte Ehepaar, das im Hause allein wohnte, ermordeten, ihre Leichname mit Holz umgaben,. e? mit Petroleum begossen und anzündeten. Das Feuer verbreitete sich sehr rasch und vernichtete die ganze Geschäftseinrichtung. Feuerwehrmann als Brandsttfter Bor Jahre 1932 bis 1934 wurden in Ka- menice nad Lipou planmäßig Brände gelegt. Der Gendarmerie gelang.Zs nun, den Brandleger in, der Person des FrantiZek S p k v a k e k ausfindig zu machen, der auch nach zweitägigem Verhör zugab, die Brände gelegt zu haben, denen bisher ungefähr 33 Objekte zum Opfer fielen. Der Schaden beträgt mehr als eine Million XL. Es ist interessant, daß Spevacek Feuerwehrmann ist und in jedem Falle an den Lösch- und Rettungsarbeiten teilgenommen hat. Der Labour-Politiker Hugh Dalton, Professor an der Londoner Wirtschaftshochschule und früherer Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, sprach Donnerstag im Sozialinstttut der Tschechoslowakischen Republik im Beisein der Minister Dr. Meißner und Dr. C z e ch über die Sozialpolitik in Großbritannien. Er wies einleitend darauf hin, daß England wie die Tschechoslowakei noch zu den Ländern gehöre, in denen das freie Wort erlaubt sei und in denen sich die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung noch ungehindert entfalten könne. In beiden Ländern stehe aber auch das Arbeitslosenproblem im Mittelpunkt aller Wirtschafts- und sozialpolitischen Debatten. Der Redner gab einen Ueberblick über den Verlauf der englischen Arbeitslosigkeit, die im Jahre 1920 anzusteigen begann und im Jänner 1933 mit annähernd drei Millionen ihren Höhepunkt erreichte. Im Jahre 1934.ttat dann ein Stillstand ein, aber noch heute beträgt die Zahl der englischen Arbeitslosen mehr als 2% Millionen, fast 20 Prozent der Versicherten, in der Textil- und■ Schiffsbau-Industrie sogar 60 bis 70 Prozent. Als eine der Hauptursachen für die Verschärfung der englischen Wirtschaftskrise bezeichnete der Redner(der Anhänger einer stabilen Binnenwährung ist) die Rückkehr zum Goldstandard im Jahre 1925, die den Vorkriegskurs des Sterlings wiederherstellen wollte. Die Ausfuhrschwierigkeiten und der Preissturz, die sich daraus ergeben, verursachten eine Schädigung der Industrie, die zum Generalstreik des Jahres 1926 führte. Nach sechsjährigen mißglückten Versuchen, den Goldstandard dennoch aufrechtzuerhalten, unter deren Wirkungen die Labour-Regierung der Jahre 1929 bis 1931 zu leiden hatte, erfolgte schließlich im Herbst 1931 die Loslösung von der Goldbasis, die aber, weil gleichzeitig der Goldpreis stieg, nicht den gewünschten Erfolg hatte. Die gegenwärtige Regierung Macdonald- Baldwin ergriff neue Maßnahmen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise. Sie gab den traditionellen Freihandel auf, führte Schutzzölle und für die Dominions und Kolonien Präferenzzölle ein und schloß zweiseittge Handelsverträge mst Sieben-Uhr-Ladensperre kn Reichenberg. Die Fachgruppe Handel des Allgemeinen Angestellten- Vxrbandes und die Bereinigung der Gehilfenvartreter im Handel, Spedition und Export, Reichesi- berg, teilen in Ergänzung der auch in diesem Blatte veröffentlichten Mitteilung über die Bor- spräche ihrer Vertreter Dr. Emil Strauß und Roman Wirkner bei der Landesbehörde und dem Ministerium für soziale Fürsorge in Angelegenheit der Sieben-Uhr-Ladensperre für Reichenberg mit, daß eine neuerliche Intervention erfolgreich durchgeführt wurde. Der Vertretung der beiden Angestelltenkörperschaften wurde die erfreuliche Mitteilung gemacht, daß die Verordnung bereits ausgearbeitet wurde und in kürzester Zeit publiziert wird. Damit haben die langjährigen Bemühungen der Reichenberger Handelsangestellten nach gesetzlicher Regelung der Sieben-Uhr-Ladensperre und die mehrmaligen Borsprachen der Vertreter des Allgemeinen Angestellten-Verbandes und der Vereinigung der Gehilfenvertreter endlich Erfolg gezeittgt. Rach 16 Jahren aufgeklärter Mord. Am 8. September 1919 kam zur Gendarmeriestation in Mödritz der damals 38jqhrige Eisenbahner Johann Habrovec und gab an, daß seine Frau das Haus verlassen habe und nicht zurückgekehrt sei. Die Gendarmerie forschte nach der Frau nach und fand am 21. September ihren Leichnam im Fluß bei der- Mühle in Raigern. Bei der Leichenöffnung wurde konstatiert, daß die Frau erschlagen und in den Fluß geworfen worden war. Damals wurde- Johann Habrovec verhaftet, nach einiger Zeit aber mangels an Beweisen wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Gendarmerie nahm nun nach 16 Jahren die Nachforschungen in dieser Angelegenheit wieder auf. Habrovec wurde wieder verhaftet und gestand nach längerem Leugnen, seine Frau damals erschlagen zu haben. Er wurde dem Brünner Kreisstrafgericht eingeliefert. Die Beraubung von Güterzügen in Polen, insbesondere Kohlenzügen, hat nach Meldungen polnischer Blätter in den letzten Tagen besonders starken Umfang angenommen. In der Nacht zum 26. März sind in der Nähe von Gnesen nicht weniger als fünf Züge durch falsche Signale angehalten worden, um im Augenblick, wu der Zug zum Stehen gekommen war, beraubt zu werden. In der Nähe von Czenstochau hat eine Bande von Kohlendieben ein Einfahrtssignal zerstört, um so den dadurch zum Halten gezwungenen Kohlenzug berau. n zu können. Zwischen Warschau und Kutno wurde ein Güterzug während der Fahrt beraubt. In diesem Falle fielen den Dieben zwei Kisten mit werwollem Inhalt zur Beute. Die Komensky-Kapelle in Raarden(Hol- land) wurde Donnerstag unter großen Feierlichkeiten in Anwesenheit von holländischen und tsche- chaslowakischen Delegationen einqeweiht. Wahrscheinliches Wetter Freitag: Fortdauer des im allgemeinen unbeständigen und kühlen Wetters,' Nordostwind. Im Südwestteil der Republik strichweise vorübergehende Aufbeiterung und Nachtfrost. Im Nordosten, namentlich in höheren Lagen, Schauer.— Wetteraussichten für morgen: Weiterhin kühl. auswärtigen Staaten. Besonderen Erfolg versprach sie sich von der Zinskonversion im Jahre 1932, durch die der Zinsfuß für zivei Milliarden Pfund Staatsschulden von 5 auf 8.5 Prozent herabgesetzt wurde. Aber die erhofften Wirkungen blieben aus, weil die Politik der Regierung zu wenig aktiv und positiv war. Professor Dalton erklärte, daß in England keine Stimmung für eine Rückkehr zum Goldstandard und zum Freihandel besteht, denn ein Freihandelsland inmitten einer prohibitiven Welt sei wie ein entwaffnetes Üand in einer gerüsteten Welt. Aber es werde heftige Kritik an der Bank von England geübt, die das Prinzip „Safety first" so übertreibe wie ein Fußgänger, der darauf verzichte, die Straße überhaupt zu betreten. Man verlange eine Erweiterung des Kredits, eine Belebung des Außenhandels und vor allem die Aufstellung und Durchführung eines nationalen Wirtschaftsplans. Die Vorkämpferin dieser Forderungen ist die Labour-Party, deren Wirtschafts- und Sozialprogramm immer mehr Anhänger findet. Die LabourParty fordert die Sozialisierung der Schlüsselindustrien und der Banken, die Inangriffnahme eines Wirtschaitsplans, den Bau von Häusern an Stelle der berüchtigten englischen ElendSquartiere(im Vergleich zu denen die schmutzigsten Prager Häuser schön und rein seien), den Ausbau der Elektrifizierung und di« wissenschaftliche Verwertung der Kohle zur Gewinnung von" Nebenprodukten. So sollen neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden, während ein staatliches Jnvestitionskomitee die Verwendung des Kapitals zu sozialen Zwecken kontrollieren soll. Ilm di« besonders drückende Arbeitslosigkeit der Jugend zu mildern, verlangt die Labour-Party die Heraufsetzung des Schulalters von 14 auf 16 Jahre. Der Außenhandel schließlich solle durch neue Handelsverträge belebt werden. Es sollen Wirtschaftsabkommen mit allen Staaten geschlossen werden, die ebenso wie England einen schrittweisen Abbau der Zölle wünschen und nicht dem nationalisttschen Autarkiewahn nachjagen. Und der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß in diesem kommenden Wirtschaftsbund auch die Tschechoftowakei ihren Platz haben werde. Englische Wirtschafts- und Sozialprobleme 9fr. 75 Wrätag, 29. März 1935 Seite 5 Pas Dritte Reich unter uns Die Zustande an der Deutschen Universität in Prag In der Zeitschrift„Pritomnost" befindet sich ein längerer Aufsatz unter dem obigen Titel, aus dem wir nachstehend Einiges wiedergeben: Dreimal der Geist Deutschlands Professor Dr. ,Nonncnbruch, Internist der deutschen medizinischen Fakultät, trägt seinen Hörern irgend einen Fall von Krebs vor. Er führt ein Beispiel an. da das Mitglied eines deutschen Herrscherhauses an einer ähnlichen Krankheit erkrankt war. Die englischen Aerzte stellten eine Fehldiagnose auf. Die deutschen Aerzte hingegen vertraten die Meinung, daß der Fall Krebs sei. Das Mitglied des HohenzollerngeschlechtesI starb. Die Sezierung ergab, daß die deutschen Gelehrten recht hatten und die Engländer nichts verstanden. An dieses laufende Beispiel knüpft der Vortragende ein Hohelied auf die deutsche Wissenschaft, den deutschen Geist, die deutsche Tapferkeit an. Das Ausland konnte sich niemals messen mit der deutschen Verläßlichkeit, der deutschen Exakt« heft, der deutschen Zähigkeit. Nehmen wir uns daran ein Beispiel: schauen wir uns nicht im AuS- lm de um, haben wir Vertrauen zu Deutschland, welches wieder groß und stark ist, verlassen wir uns auf die deutsche Wissenschaft und trachten wir, uns jenen großen und heroischen deutschen Geist anzueignen. Zstn Hörsaal herrscht die Ruhe deS Kirchhofs. Der Vortragende spricht mit einem ein bißchen populär gefärbten Dialektanflug, so daß in seiner Rode nichts Akademisches und diese noch über- zeugenider klingt als der bloße Wortsinn. Ein erbebender Augenblick. Nach einer suggestiven Pause, während der niemand atmet, geht der Professor zu einem weiteren Fall über. In Prag im Herbst 193t. Prof. Tschermak prüft am Albertov.— An einem langen Tisch Kandidaten an Instrumenten und Mikroskopen. Im Amphitheater etwa 15 Hörer. Der Professor mustert sie mehrere Male nervös. Die Mehrheit von ihnen besteht aus Ausländern, Juden, welchen der numerus clausus in Rumänien, Polen, Magyarien nicht erlaubt, zu Haus« zu studieren. Unsere Vorschriften machen es ihnen einfach unmöglich, sich ein- mal bei uns eine Praxis zu eröffnen, so daß sie nicht ein Element der Konkurrenz stick», sondern der deutschen Universität ein hübsches Einkommen aus den erhöhten Taxen und Prüfungsgebühren sichern. Freilich sind es Juden und deswegen geht man mft-ihnen., wie. mit.. lästigen Aus», ländern um. Hinter dem Tisch mit den Kandidaten ist eine Weile Ruhe, in den Reihen der Hörer erhebt sich langsam ein Flüstern. In dem Augenblick schreit der Professor: Ruhe dort, ihr Gesindel! Ich werde den Diener rufen, damit er Euch von hier hinaus» schmeißt... Wartet, es wird schon an Euch di« Reihe kommen, eS kommt die Reihe an Euch... Prag, in derselben Zeit. * Auf die Klinik des Prof. Nonnenbruch kommt ein Mann mit einer Menge innerer Verletzungen. Es ist ein Flüchtling aus Deutschland, der angibt, er wurde im Konzentrationslager so zugerichtet. Der diensthabende Arzt ist ein Amerikaner, Dr. Goldschmidt. Er schreibt den Grund der Verletzungen in die bezügliche Rubrik im Ambulanzbuch. Der Professor liest diese Klausel und schlägt Lärnr: ein Skandal, daß es möglich sei, eine solche Sache einzuschreiben, das geht uns hier nichts an, wie es ihm geschehen ist. Der Mann, der dies einschrieb, wird sofort fliegen. Der Mann, der dies«infchrieb, teilt mit. daß er die Sache sofort dem amerikanischen Gesargten melden werde. Er blecht also, weil dar- »auS nur Unannehmlichkeiten entstünden. Es wird dadurch gut gemacht, daß man im Ambulanzbuch daS ganze Blatt mit der angeführten Klausel überklebt. So geschehen in Prag 1935. Beweis: Das überklebt« Ambulanzbuch. Burschen und Barden Die Bewunderung für das Dritte Reich kann man nur schwer positiv zum Ausdruck bringen: Sie kann nur in Anspielungen zum Ausdruck kommen. Auf studenttscher Seite kommt die Aufnahme der deutschen Ideologie zum Ausdruck durch die Annahme des Arier-Paragraphens, der bei allen deutschen Studentenorganisationen in der Tschechoslowakei eingeführt ist. Die Juden haben keinen Zutritt. Der Rasienstandpunkt ist allen ins Blut übergegangen, genau so wie sie sich in der ganzen Ideologie mit dem heutigen Deutschland gleichschalten. Sie kommen in ein wissenschaftliches Institut in Prag und finden auf dem Tische ein aufgemachtes, zerlesenes Exemplar des dicken Buches„Mein Kampf". An Hitlers Geburtstag werden nicht festliche Vorträge wie in Deutschland veranstaltet. An dieiem Tage aber erscheinen, man weiß nicht woher sie kamen, Vasen mit Blumen in den La- borawrien auf Tischen, auf Fenstern. Ein Zufall. Noch ein Buch wird in gleicher Weise von Profesioren wie Schülern gelesen: Richthofen» „Der rote Kampfflieger". Heroische Erlebnisse deS deutschen Kriegsfliegrrs, welche zufällig das ge- lesenste Buch Hitler-Deutschlands ist. Der Kern der deutschnationalen Bewegung ist an der medizinischen Fakultät in Prag. Sein Ausgangspunkt ist gleichbedeutend mft dem Ausgangspunkt des größten rassischen und anti- semitischen Radikalismus, der sich um drei Professoren konzentriert: G h o n, Schlosser und Non- nenbruch. Prof. G h o n ist siebzig Jahre, kann sich also gut an die Zeiten des Ruhmes des Deutschen Reiches erinnern. Ist er doch einer der Begründer der unter dem Namen„Weidhofener Beschluß" bekannten Entschließung, da sich noch tief in Friedenszeiten die deutschen Couleurstudenten geeinigt haben, sich mit Nichtariern nicht zu schlagen und daß sie SatiSfaktton im Duell grundsätzlich keinem Juden geben. Daß die heroische Form der Satisfaktion mit Säbeln nicht nur in jener fernen Zeit gegeben wurde, dafür zeugen die zerschnittenen Wangen der Assistenten auf seiner Klinik, die geflickten Kinnbacken, die vernarbten Stirnen. Daß sich die deutschen Studenten, welche.völkisch" denken, bei Prof. G h o n sicher fühlen, dafür zeugt ihr Benehmen in der sogenannten Steinherz-Affäre vor etwa sieben Jahren. Damals protestierten, wie in gutem Gedächtnis sein wird, die deutschnationalen Studenten gegen die Besetzung des Rektorstuhles durch einen Juden, besetzten einzelne Institute und organisierten den Boykott. Die Stoßtruppe der deutschnationalen Studenten war damals im Institut für pathologische Anatomie deS Prof. G h o n geborgen. Prof. Schlosser ist 66 Jahre. Seine Erinnerung an vergangene Zetten reicht aber ebensoweit. Prof. Schlosser ist ein Chirurg guten Namens, in politischer Hinsicht interessiert jedoch nur, daß er.Barde" ist. Barde, das ist ein altgermanischer Sänger..Barden" sind einer der bekanntesten deutschen Studentenvereine Prags, sie sind eine Burschenschaft, welche Gesang, Duell und deutsche heldische Ehre pflegt. Man könnte das alles als Klsiderei ansehen, wenn dieser Burschenverein nicht in Wirklichkeit ein Machtkaktor iväre. .Die Barden" haben in den letzten Jahren auf- fast allen Kliniken die wichtigsten Stellen mit ihren Mitgliedern besetzt. Ihre blau-weißen Nadeln bemerkt man an jedem Rock, es tragen sie gleichwie auf der Chirurgie Dr. Dock und Dr. Wenzel, auf der Internen Dr. Schally und Dr. Beutel, auf der Gynäkologie Dr. Traube und Dr. Dworschak, auf der pathologischen Anatomie Dr. Kudlich und Dr. Bandhauer. Prof. Dr. Schlaffer trägt unter diesen Barden den Titel eine- alten Herrn. Mit Hilfe diese»''Einflusses haben die Barden absolut den Einfluß auf den Chef, auf die Besetzung aller Stellen. Gegen jeden, der nicht zu dieser Organisation gehört, bilden ihre Mitglieder An ihren Themen sollt ihr sie erkennen. Nämlich die Nazis! Worüber diskutiert man in der Hitlerpresse? Ueber das riesengroße Elend des deutschen Arbeiters, über die wieder rapid steigende Arbeitslosigkeit, über das Exportproblem, über die Finanzmisere des Regimes—?! Mit Nichten. Diese Dinge interessieren die gutdotierten Bonzen deS„Dritten Reiches" nicht, für die ja schließlich die soziale Frage durchaus bekömmlich gelöst ist. Nein, der heiße Streit der(gleichgeschalteten) Meinungen geht um„Karl und Widukind". Hier ist ein Gebiet, auf dem man, wenn auch höchst vorsichtig, so etwas wie eine eigene Ansicht äußern kann. Nach dem Theaterskandal um das Sachsendrama von Edmund K i tz tobt seit Wochen die Schlacht um Karl und Widukind. Gutachten von Hiswrikern werden eingeholt, ttefgründig orakelnde. Leit- arttkel geschrieben, historische und prähistorische Akten durchgeschnüffelt, und all' das, um di« Frage zu klären, ob Karl der Große eigentlich „Karl d e r K l e i n e", oder, wie die ganz Witzigen sagen,„C h a r l e m a g n e" heißen müsse, ob Widukind„der Hitler der frühchristlichenZei t" war oder nicht, ob„Karl, der S a ch s e n s ch l ä ch ter" auszumerzen sei auS der„Seelentradition des Volkes", weil er, wie männiglich bekannt, 12.000 Sachsen in Verden an der Aller den Kopf vor die Füße legte, um die Ueberlebenden kopfscheu und zu Christen zu machen—? DaS alles wird mit einem so grimmigen Eifer auSgefochten, als ob dieses Geistern in grauer Vorzeit zu den brennendsten Problemen deS deutschen Alltags führen werde. DaS Propagandaministerium aber unterstützt diese„Geister- schlacht"; ihm ist jedes Mittel reckst, das von den gefährichen Diskussionen der Gegenwart zurück zu den ungefährlichen Papierdebatten über längst Vergangenes leitet. Die Pressekommentare, die dieses homerisch« Ringen begleiten, muten einem wie da» Tagebuch einer psychiatrischen Klinik an. einen geschloffenen und feindlichen Block. Di« Arbeit wird ihm unmöglich gemacht. Er wird durch allerlei böse Absicht und Hindernisse entnervt und zur Verzweiflung getrieben, wie das ein Vorfall jüngst gezeigt hat, der ohne Kenntnis dieses Hintergrundes ein vereinzelter sein müßte. Es ist jedoch das Zeichen einer allgemeinen Strömung, er läßt ein bißcken dieses Milieu verstehen, in welchem alle durch die Bank die gleich« Begeisterung für das Dritte Reich zur Schau tragen. Heute sind sie alle Mitglieder der SHF. Wie in einem staatlichen Institut gewirtschaftet wird Prof. Dr. Nonnenbruch leitet die dritte der Prager Kliniken, welche an allen bezahlten Stellen absolut judenrein sinh. Zwei Juden, welche bei ihm aus der Zeit seines Vorgängers blieben, ließen sich nickt einzig und allein aus politischen Gründen entfernen. Ihr Chef ist erj» 48 Jahre und war Spitalsprimarius in Frankfurt a. Oder, von wo er auf Grund der Protektion seines ehemaligen Chefs Müller nach Prag als ordentlicher Professor kam, im Jahre 1929. Sein Sohn blieb deutscher Staatsbürger und arbeitet in einem Arbeitslager im Dritten Reich. Professor Nonnenbruch ist heute als der Hauptrepräsentant und als der Führer der deutschnational empstn- denden Funktionäre und der Studentenschaft angesehen. Auch im Profefforenkollegium der Deutschen Universität ist er der Führer der nationalistischen Klique. Zusammen mit Professor Ghon war er immer die treibende Kraft dagegen, daß an die deutsche Universität qualifizierte Fachleute aus der Tschechoslowakei, sondern aus dem Reiche berufen werden. So geschah es z. B. dem Professor Kubik, dem die Karriere auf der Deutschen Universität erstens sein Familienname, zweitens sein Taufname Jaroslav und drittens seine Ehe mit einer Jüdin unmöglich gemacht hat. Das geschah auch dem Augenarzt Profeffor Löwenstein. Fachleute mit den glänzendsten Namen, welche das Dritte Reick freiwillig verließen, haben übrigens darauf an der Prager Deutschen Universität zu wirken, nickt mehr Hoffnung als die Tschechoslowaken. Profeffor Freundlich, Astronom und einer der bedeutendsten europäischen Fachleute, früher in Potsdam tätig, wurde über den Protest aus den Reihen der hitleriich denkenden Prager deutschen Studenten vor einigen Tagen aus dem Grunde abberufen, weil er als Jude nicht genügend.völkische Gesinnung" aufweist. i Was wird man in Deutschland dazu sagen Das ganze Profefforenkollegium läßt sich durch einzelne Personen beeinfluffen. Diejenigen, Da ruft der orthodox-klerikale„ Re i ch s- b o t e" in Berlin emphatisch:„Eine Welle von Haß gegen das Christentum.....! Hier wird Christus von neuem gekreuzigt!" Und die„G« r m a n i a", das einst stolze zentrümliche Zeitralorgan, die heute mit rund 5000 Lesern knapp ihr Leben fristet, wendet sich gegen die Beschuldigung, daß Karl beabsichtigt habe,„6 0:0 00 S ach senfrauen im Konzentrationslager rassemätzig zu verseuchen." „Unser Herz blutet noch heute", so schreibt hingegen die„D rutsche Geschichte", wenn wir an den Fall der Jrmin- sul..., an das Ende der sächsischen Freiheit denken", und in„K n a u r s Weltgeschichte" stellt Prof. Johannes Haller sogar fest,„daß in der Oeffentlich- keit lebhaft die These vertreten" werde, daß durch Karls Sachsenmord„der letzte Träger rein germanischer Art auf dem Festland vernichtet worden sei." Prof. Dr. Naumannn zitiert im„W e st f ä lisch e n K u r i e r" die Anchlagen, die„Karl, dem Französling" zum Borwurf machen,„daß er die Dänen nicht gleich eingegliedert hat." „Hätte er die Dänen mit eingegliedert, dann gehörte Dänemark heute zum Reichl", sagen diese Ankläger, und man weiß, daß ein solcher Satz heute nicht nur dialektisch gemeint ist. Hingegen aber— und das ist der Gipfel des Grotesken— sucht das„E ch o der Gegenwart" in Aachen,„Karl, den„Schlächter", der die Sachsen ein wenig sehr gewaltsam christianisierte, dadurch zu retten, daß eS den„deutschgläubigen KarlSjägern" vorwirst, sie gäben den Pariser Sorbonne-Professoren die Stichworte für eine neue literarische R hein- offensive und die Unterlage für die These: „Karl war Franzose und sein Reich fr a n- z ö s i s ch!" DaS sind die Themen der„neuen deutschen Geistigkeit". Und so naiv und lächerlich sie wirkt, diese„Geisterscklacht",, er ist viel Raffienement dabei: Das Raffinement der Ablenkung! Pierre. welche nicht die Initiatoren sind, stünmen wenigstens mit jenen überein, welche an der Spitze stehen. Der Physiologe Professor Tschermak verdeckt seine Ansichten ebenso wenig,' wie Dr., Z e y n e k, der übrigens auch Barde ist, und Pro-' fessor- G a m p e r aus Innsbruck, den Professor Schlaffer hereingebracht hat, Profeffor Tschermak hat seine Sympathien mit dem kriegerischen Heroismus nicht verheimlicht, als er unter das Vorwort seines Lehrbuches der allgemeinen Phn- siologie ostentativ als Datum schrieb: Vor meinem zweiten freiwilligen Abgang ins Feld. Das' genügt zur JUustration dieser Mentalität, welcke uns eher als ein Teil eines anderen Staates al» dieser demokratischen Republik erscheint. Erscheint in diesem Milieu der Großdeutschen, Rassisten unbewußten Arier ein jüdischer Professor, wie Doktor Starken st ein, tritt er mit nicht einem Wort dem allgemeinen Strom entgegen, weil alle seine pharkologiscken Präparate in Deutschland erzeugt werden und weil er ein finanzielles Interesse daran hat, im Dritten Reiche nicht in einem schlechten Licht zu erscheinen. Denn das ist der Grund aller Gedanken in diesem deutschen Universitäts-Mikrokosmos, in dessen allzu starken Blutdruck wir schrieben. Wen« jemand ein lautes Wort sagt, denkt er nicht daran, welches Echo es in diesem Staate äuslöst, sondern er denkt bloß daran, was man dazu in Deutschland sagt. Die Profesioren sind bestrebt, nicht im nationalsozialistischen Sinne unverläßlich zu erscheinen, damit nicht auf ihnen das Zeichen laste, daß sie der Republik gegenüber auffällig loyal seien. Jeder sieht im Geiste die Fortsetzung seiner wissenschaftlichen Karriere in Deutschland und jeder zittert nur, damit er nicht durch irgendeine demokratische Geste seiner weiteren Laufbahn im Reiche Hitlers schade. Die erste Geige in diesem kleinen Orchester spielen nicht die bedeutendsten Gelehrten, sondern diejenigen, welche in Deutschland am besten angeschrieben sind. Und die Berichterstattung zwischen Prag und Berlin fungiert tadellos, keine Kleinigkeit geht auf diesem Wege verloren und keine Information, welche auf dieser Linie läuft, erkaltet. Wir haben uns im einzelnen mit den Ver« hältniffen an der medizinischen Fakultät der'Pra- ger Deutschen Universität befaßt. Es ist genau so an den anderen Fakultäten der Hochschulen. Be- kannt ist der Skandal an der P r a g e r D rutsch e n T e ch n i k, da das Profefforenkollegium beschloß, eigen Studenten im Gefängnis zu be» suchen, der im Volkssport-rozeß wegen antistaatlicher Tätigkeit verurteilt tvar und ihm so in provokativer Weise Gelegenheft zu geben, in Pankrac in aller Bequemlichkeit seine Prüfungen abzulegen. Daneben gibt es Gottseidank auch einige Fächer,. bei denen die wissenschaftliche Arbeit wirklich im Vordergründe steht und von denen man sagen kann, daß-sie Teile einer tschechoslowakischen Hochschule mAcheatsche^UykeMchtSsPrache'Md..Hs wird doch nötig ftrn, daß dre Republik ettväs dazu tue,* damit diese Anstalten nicht Ausnahmen, sondern selbswerftändliche Regeln seien. Protest gegen Franziska-Gaal-Fllm Berlin. Wegen der bekannten jüdischen Filni- darstellerin Franziska Gaal kam es im Viktoria- Filmtheater in Hagen bei der Aufführung des Films„Frühlingsparade" zu Skandalszenen. Schon in den letzten Tagen waren verschiedentliche Protestrufe geäußert worden. Dienstag abends riefen die meisten Anwesenden:„Wir wollen keine Judenfilme, wir wollen deutsche Filme sehen." Unter dem Absingen antisemitischer Hetzlieder verließen die meisten Besucher das Kino und verlangten das Eintrittsgeld zurück. Kurze Zeit darauf wurde die Vorstellung abgebrochen. Auch Deine Blumen blühen so schön, wenn Du sie mit dem guten Blumen-Zauberdung »siegst! 1 Paket lic 5.60 durch die Verwaltung der„Frauenwelt", Prag XII, Fochovo tk. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich. Deutsche Geisterschlacht .Charlemagne", der„Schlächter" und Hitler-Widukind Seite 6 Sozialdemokrat" Frettag, 29. März 1935. Nr. 75 PHAGE» ZHTBlifl Wo ist mehr Anständigkeit? In einer Zuschrift, welche mit Namen und Adresse versehen ist, wird uns folgender Vorfall geschilderte „Der Beamte A. U. hat gelegentlich eines Dienstages im Parteiraum der Anglo-Banl tausend Kronen gefunden. Ter Fund wurde von niemandem beobachtet, Herr II., der mit Glück- gütern keineswegs gesegnet ist, hat selbstverständlich diese 1000 Kronen in der Anglo-Bank deponiert. Nach kurzer Zeit meldete sich eine Partei» welche die Mitteilung machte, daß ihr irgendwo tausend Kronen verlorengegangen seien, sie könne sich freilich nicht erinnern, wo dies geschehen sei. Der Anglobank-Beamte folgte hierauf das Geld unter Hinweis auf den Finder aus und machte auf die Korrektheit und Anständigkeit des Herrn U. aufmerksam.'Die Partei bedankte sich kaum und ging weg» ohne auf den in entsprechender Form vorgebrachten Vorschlag» den Finder irgendwie zu belohnen, zu reagieren. Bis hieher ist die Sache wohl sehr kratz, aber der Clou kommt erst. Der Betreffende ist ein Direktor Liebermann von der Prago-Ferra. Herr U. nahm Veranlassung, mit dem genannten Herrn telephonisch zu sprechen, sich als Finder vorzustellen und höflichst anzufragen, ob der ihm gebührende, Finderlohn ausgezahlt werden würde, wenn er persönlich vorspräche. Herr Direktor Liebermann» welcher wohl zugab, das verlorene Geld erhalten zu haben, wurde sofort in Ton und Sprache ausfällig und wies darauf hin, datz diese Forderung nicht a n st ä n d i g sei. Das Gespräch wurde von uns mit abgehorcht, so'datz uns die Details ganz genau bekannt sind. Wir haben auf unsere Kosten Herrn L. durch einen Anwalt schreiben lassen. Wir glauben, datz es für Sie interessant sein dürfte, zu vergleichen, wer mehr Anspruch auf Anständigkeit hat und wer mehr berechtigt war, in diesem Fall das Wort„anständig" zu verwenden." Wir brauchen der Zuschrift keinen Kommentar anzuschlietzen. Eine Massenversammlung über die Verhältnisse an den deutschen Kliniken veranstaltet Samstag' die Liga gegen den Antisemitismus» Es sprechen: Leo Sychrava, Dr. Georg Mannheimer, Pfarrer V- Bankura und Dr. Eduard Fischl. Großer Saal, Dlouha tk. 41. Beginn 8 Uhr. Eintritt frei. Allgemein zugänglich^ Skizug. Die Staatsbahndirektion in Prag fertigt am Samstag, dem 30. d. M., für 90 KC inklusive Autobus einen Sonder-Skifahrerzüg in? Riesengebirge auf die Sokol-Baude ab. Mitinbegriffen find auch Nachtlager, Drahtseilbahn, Frühstück und Versicherung. Anmeldungen mit Angabe von 10 Xi im Basar neben dem Wilsorckahnhof, Telephon 383-85.; Konst und wissen Bühnen-Rachrvirchs Don den insgesamt neunundzwanzig jungen Männern und Mädchen, die sich gestern in Prag der paritätischen Prüfungskommission mit Proben ihres Talents und Könnens für die deutsche Bühnenlaufbahn stellten, wurden folgende als geeignet qualifiziert: Walter Schierz, Herta Holt, Liesl Steinitz, Grete Tuchler, Ella Verglas, Hubert Chaudoir, Johanna Danszky-Sering, Martha Frank, Milan Ka- mare, Liesl Klein, Lilly Maschler, Gertrude Rauschenberg, Anny Spitzer, Lidl; Rohn, Edith Wra- nitzky, Luise Monasch und N. Strich. Unter ihnen ist gar manches vielversprechende Talent. Wiederum hatte man den verläßlichen Eindruck, daß di« Prüfungskommission ihre Entscheidungen mit, sicherer Sachkenntnis und größter LBjektivität und zudem mit dem Ernste fällt, der sowohl im Hinblick auf das Schicksal der jungen Menschen als auch mit Rücksicht auf den Umstand notwendig ist, daß dem Theater alle wirklichen Talente zugeführt, alles Minderwertige oder noch gänzlich Unreife ferngehalten werden nmß. Gern sah man auch, daß sich diesmal unter den Prüfern auch eine Dame befand. Noch lieber aber hätte man unter den Geprüften manch einen Schauspiel- oder Gesangslehrer gesehen; denn wiederholt legt man sich die Frage vor, wie denn dieser oder jene unter den Anwärtern überhaupt als geeignet für den Theaierberuf von»Meistern" angenommen, wie sie.geschult" wurden, wie sie zur Prüfung geschickt werden konnten. Dennoch läßt sich ein Fortschritt feststellen: die durchschnittliche Qualität der zur Prüfung sich Stellenden scheint bereits zu wachsen.' g. Ein GlaS Wasser, da?— man kann da nur sagen— unverwüstliche Lustspiel des alten S c r i b c wird auch in seiner Neuinszenierung in der Kleinen Bühn« seine Wirkung tun und hoffentlich vielen zwei amüsant« Stunden bereiten. Liebl hat geschmackvoll für Rahmen und Bild und für«in ruhig-flotteS Zusammenspiel gesorgt(das nur noch ein wenig mehr an Proben erfordert hätte; es gab nämlich ein Ilebennaß von.Versprechungen"). HanS Götz spielt charmant und überlegen den Grafen Bolin- broke, Gerda Meller überzeugend die Herzogin, Marion Wünsche ist eine sehr sympathische Abigail und Herr Jordan ein erfreulich frischer und naiver Masham. Nur in Trude Wessely will die königlich« Gestalt nicht illusionsenssprechend werden. Es gab sehr viel herzlichen Beifalls I. g. Opern-Gastspiel. Bei der gestrigen Aufführung der Oper»Die Jüdin" von Halövy sang der Tenor Alexander Gillmann vom Stadttheater in Zürich als Gast den Eleazar. Man lernte in ihm einen Künstler von sehr beachtlichen Qualitäten kennen. Einen Sänger, der nicht nur über großes und schönes Stimmaterial verfügt, sondern dieses auch zu nützen versteht, dessen Stimme heldentenoral gefärbt ist, in der Höhe Glanz und in der Mittellage und Tiefe Klang hat, deren Piano und Mqzzavoce schöne Kultur verrät und die sprachlich mit größter Wortdeutlichkeit behandelt wird. Einen Schauspieler, der persönliche Wirkungen sucht und dadurch immer interessiert. Ob der mitunter sich bemerkbar machende Mangel an Schmelz des Tones auf Ver- brauchtheit oder Ermüdung der Stimme zurückzuführen ist, müßte ein zweites Gastspiel des Sängers erweisen, das auch schon darum wünschenswert wäre, um seine Eignung für das eigentliche Heldentenor- fach festzustellen, falls man an seine Verpflichtung denken sollte.— Zwei Nebenbemerkungen zu der gestrigen Reprise der»Jüdin" dürfen nicht unter- Sport• Spiel• Körperpflege Englische Arbetterboxer in der Schwei- Im gutbesuchten Albambrasaal in Vern fand das mit großer Spannung»rwarlei» Boxmeenng E n g l a n d—S atus statt. Im ersten Teil fanden Rahmenkämpfe und nationale Kämpfe statt, die bewiesen, daß der Boxsport nmner wieder neue Anhänger findet. Im zweiten Teil folgten dann die internationalen Kämpfe. Die Vorstellung der Wettkämpfer— die Engländer in Schwarzrot, die Schweizer in Rotweiß— wurde vom Publikum mit reichem Beifall quittiert. Binet(England) sprach englisch und dankte vom Herzen für den Empfang und die gute Aufnahme in Bern. Die Kämpfe endeten folgendermaßen: Ink Leichtgewicht standen sich Hale(England), und Michel (Satus) gegenüber. Von der zweiten Runde an kann'Michel die Führung übernehmen. Auch die weiteren Runden gehen an Michel. Punktsieg für die Schweiz.— Weltergewicht: Binet(England) gegen Bieri(Sains). Zwei routinierte Boxer haben sich hier getroffen. Dieter schnellste Kampf des Abends endete mit einem Punktsieg für England.— Mittelgewicht: Cantellow(England) gegen Wieland (Satus). Dank der.dauernden Angriffe kann Wieland einen weiteren Punktsieg lür den Satus buchen. Die Veranstaltung hinterließ«inen guten Eindruck. Mit dem Ausdruck, schöne Stunden in der Schweiz verlebt zu haben,. verließ die. englische Mannschaft die Stadt Bern und die Schweiz wieder. TaS Endspiel im Provinzenturnier im belgische« Arbriterfustiall zwischen Antwerpen und Flandern endete nach regulärer Spielzeit unentschieden und brachte erst in der notwendig gewordenen Verlängerung von 2X15 Minuten die Entscheidung. Antwerpens Team, das ausdauernder war, gewann die Oberhand und- siegt« Mit 5:2. Im Vorspiel trafen die Schülermannschaften von Gand und Antwerpen aufeinander und blieben die ersteren mit 6:0 siegreich. Die Waldlauf-Landesmeisterschaft der belgisch«« Arbeiter-Leichtathleten wurde in Lütftch ausgeiragen. Sieger über die 9200 Meter lange Strecke blieb entgegen den Erwartungen Robert Vandemberghe in 34:05 M!n. mit 50 Meter Vorsprung vor Danderose. In der Juniorenklasse(5000 Meter) siegte Ansein (Grivegnee) in 21:54 Min. Die Zette« andern sich und die Kirche ebenfalls Der Bischof von Versailles hat vor<50 Jahren, am 14. März 1885 in seinem Fastenhirtenbrief die Turnerei verdammt,- welche der Kirche ein AergerniS biet«. Der Bischof meinte, di« nächsten Geschlechter würden,»gewöhnt an den passiven Gehorsam durch die Entwicklung der Leibesübungen", dem apokalyptischen Tier« gleichen,»characterem bestiae" haben. Für 14.000 Kd verkaufte dieser Tage der Karlsbader FK seinen Flügelstürmer Zeiß an den SK Pilsen. Wer wird der nächste sein bei dieser„Sa- drückt werden: Frau Pauly(Rechn) ist stimmlich bereits so ermüdet, daß die Tonreimheit darunter leidet und Herrn Göllnitz',stimmlich ganz unzureichender Reichsfürst Leopold sollte auch in einer gewöhnlichen Abonnemenworstellung den: Publiftim nicht zugemutet werden, wenn man cs nicht öpern- scheu machen will. E. I. Spielplan des Deutsche« Theaters. Freitag l/ 2 8: Erstaufführung: DasunbekannteMäd- chen, D 1.— Samstag halb 8: Neueinstudiert: Gräfin Mariza, BI.— Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8%: Kulturvedhgndsfreunde und freier Verkauf: Ein Glas W a s s e r.— Samstag 8 Uhr: Ein Glas Wasser. Mitteilungen aus dem Publikum. Stuhlverstopfung. Zeugnisse der Kliniken für kranke Frauen bekunden, daß das sehr mild abführende natürlich«„Franz-Josef"-Bitterwasser besonders bei Wöchnerinnen mit ausgezeichnetem Erfolg angewendet wird. Aerztlich bestens empfohlen. nierungsaktion"?— Und nun beginnt die Komödie mit dem Spieler. Der DFV verweigerte nämlich die Anerkennung des Uebertritts, da Zeiß als Amateur nur dann zu einem tschechischen Klub übertreten kann, wenn in dem betreffenden Orte kein deutscher Sportverein vorhanden ist. Das ist aber in Pilsen der Fall. Nun hat SK Pilsen einen Spielckr und doch keinen. Aus der Partei Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker. Freitag, 20 Uhr, Ausschußsitzupg, Parteiheim, Narodni 4. Vcrclnsnadirlditen O Volkssinggemeind«. Alle aktiven Sän- . gergenossen werden ersucht, bei der Vertrauensmänner-Bersammlung am Samstag, dem 80. März, die unser Männerchor mit einem Begrüßungschor eröffnen wird, bestimmt zu erscheinen. Zusammenkunft aller Sänger vor dem Urania-Gebäude um halb 6 Uhr abends!— San- gesgenossen und-genossinnenl Wir ersuchen euch alle, bei der Probe am Dienstag, dem 2. April, im Probelokal. Smeökygaffe. pünktlich zu erscheinen, zumal dies die letzte Probe vor der Generalprobe zur Aufführung der Atus-Akademie ist. F r a u e n ch o r: dreiviertel 7 Uhr, Männerchor: dreiviertel 8 Uhr. Tie Vereinsleitung. JoZka Koldovskä und Ella Eärkovä in dem ersten in den Host-Ateliers fertiggestellten heimischen Film»Kuß im Schnee". Ant. Novotny und Blanka Waleskä W in dem neuen heimischen Film»Späte Liebe".' Einladung zur Generalversammlung des Bezirksvereines Arbeitrrfür- sorge Prag am 29. März 1935, nm 8 Uhr abends im Lerein deutscher Arbefter» Smeäka- gaffe 27. Tagesordnung: 1.-Protokollvcrlesung. 2. Berichte. 3. Wahlen. 4. Freie Anträge. Einberufer: Maria Deutsch, Hilde F r a n z e l, Vorsitzende. Kassierin. Das Auge zum Mars In den Corning Glanwerken in New Dork wird die größte Linse der Welt, die den Mond auf 2» englische Meilen dem menschlichen Auge nahe bringen wird, abgekühlt. Jeden Tag darf diese 200 Zoll starke Linse, die am 2. Dezember gegossen wurde, nur um 1.4 Grad Fahrenheit abkühlen. Im kommenden November, von jetzt ab also nach acht Monaten, wird sie genug abgekühlt sein, geschliffen und poliert zu werden. Dieses Riesenaug« ist für das neue Observatorium auf dem Berge Palomar in Kalifornien bestimmt. Das gegenwärtig größte Fernrohr hat eine Linse von 100 Zoll Stärke und befindet sich auf dem Wilfonberg in demselben Staate. Der Spiegel wird zu groß sein, um durch einen der Tunnels der transkontinentalen Eisenbahn zu gehen und wird per- Schiff auf dem Panamakanal nach der Kalifornischen Küste gerächt werden. Tas 200-Zoll-Wunder wird es möglich machen, die»Kanäle" auf dem Mars zu sehen und man hofft, dann endlich feststellen zu können, ob sie tatsächlich das Werk von Marsbewohnern sind oder ob nur die Vegetation einem durch die Jahreszeiten bedingten Farbenwechsel unterworfen ist. Uebcrdics soll eine Wettervoraussage für jede Marsgegend möglich sein— falls das jemand interessieren sollte. Von dem Tage des Gußes an, als die Linse rot glühend bei 1.472 Grad Fahrenbeit war, wurde die Temperatur noch bis zum 21. Jänner konstant erhalten. Seitdem darf sie ganz allmählig abkühlen, und zwar soweit, bis sie Zimmertemperatur erreicht haben wird. Der ausglühende Brennofen hat die Form^nes großen Stahlzylinders von 27 Fuß im Durchmesser und wiegt 32 Tonnen. Darin ist die Linse in horizontaler Lage montiert und ihre Temperatur wird von 304 elektrischen Heizelementen reguliert. Rat und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter in reichem Matze in der „Freien Gemeinde“ Redaktion u n d Verwaltung. Prag XII., Fochova 62/V. Macht uns froh Festabend der Atus-Kinder Samstag, 6. April, 6 Uhr abends, großer Radiosaal Gymnastik, Turnen, Singspiel, Bewegungschor der Buben u. Madel unter Mitwirkung der»Roten Falken*. Karten bei Optiker DeuUÜ* Urania*Kino, Hlimeahhä 4. Fernsprecher 61628. Ab ftrcitm: „Kradi um Jolanthe“ Ein au£aelaffene$ Lustspiel. Abonnements- Bestellschein. Abonniere ab....... 1935 das täglich erscheinende Zentrawrgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „GoMaUtemofrat" Verwaltung Prag XU., Fochova rt. 62, zum Preise von 16 Xö monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt des Erlagscheines ein. Name:. Genaue Adresse:, Letzte Post: Unterschrift: Bezugsbedingungen^ Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich K4 16.—, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kc 96.—. ganzjährig Kö 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. 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