IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung hag XU., fochova a. telefon 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Heller (•iiuchlieBlich 5 Heller Porto) 15. Jahrgang Samstag, 3V. März 1935 Nr. 76 270V Textilarbeiter streiken Mährisch-Ostrau. In Mistel und in Friedel ist heute früh ein Streik der Textilarbeiter ausgebrochen. In der Textilindustrie diese- Gebietes fanden nahezu drei Jahre hindurch Verhandlungen über einen Koklektivvertrng statt, die jedoch ergebnislos blieben. Die Löhne ware«einigeMale herabgesetzt worden. Gestern vormittags fanden die letzten Verhandlungen beim Bezirksamt« in Mistel in Anwesenheit der Vertreter der Behörden statt» aber auch diese brachten kein Ergebnis. Nachmittags fand ein« Versammlung von 1500 Textilarbeitern statt, in welcher beschlossen wurde, in de« Streik eiqzutrrten. Heute ist kein Arbeiter mehr zur Arbeit erschienen. In Mistel streiken 1500, in Friedek 1200 Arbeiter. In beiden Städten herrschte bis 8 Uhr Ruhe. Devalvation des Belga: 25 Prozent Brüssel.(EB.) Der belgische Ministerpräsident van Zeeland hat in der Regierungserklärung die Devalvation der Währung m» 25 Prozent angekündigt. Die Maßnahmen zur Neuordnung werden Sonntag in Straft treten. Die Nationalbank sichert die Stabilität der belgische« Währung im Ausland« durch eine» Ausgleichsfonds und wertet provisorisch den Goldvorrat der Nationalbank bei einem Kurse auf, der 25 Prozent der Entwertung mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Wert ausmacht. Die Regierung unterwirft die B a n k e n einer Kontrolle, sie wird bestrebt sein, ein« Herabsetzung der Steuerlasten herbeizuführen und wird eine R e e e S- kompteanstalt sowie einHypothe- tarinstitnt errichte«,«m so eine Herabsetzung des Zinsfußes zu ermöglichen. Die Regierungserklärung fordert zum Schluffe, daß der Regierung auf die Dauer eine- Jahres eine Sondervollmacht erteilt werde und sie fordert weiter die Erneuerung der Beziehungen zu Sowjetrußland. Die belgische Kammer nahm mit 133 gegen 11 Stimmen den Regierungsentwurf über die Gewährung außerordentlicher Kredite für die Regierung an. In einer Rachtsitzung behandelt die Kammer die Gesetzentwürfe über die Währungsreform und über die außerordentlichen Vollmachten für die Regierung. Das französische Parlament in Permanenz - Paris.(Havas.) Die Nachtsitzung der französischen Kammer schloß nach 3 Uhr früh. Der Antrag, daß das Parlament bis zum 28. Mai in die Osterferien gehen solle, wurde mit 362 gegen 238 Stimmen abgelehnt. Ein weiterer Antrag, daß die Parlamentsferien bis zum 21. Mai dauern sollen, wurden mit 300 gegen 255 Stimmen abgelehnt. Eine aus der äußersten Linken und dem rechten Zentrum bestehende Mehrheit forderte, daß das Parlament angesichts der internationalen Lage und zwecks Verabschiedung der Sozial« Vorlagen dauernd tage. Schließlich vertagte sich die Kammer, nachdem sie mit 342 gegen 238 Stimmen beschloffen hatte, daß die nächste Sitzung Samstag stattfinden soll. Klddentrop In Ungnade? Pari-(Havas) meldet aus Berlin, daß dort Freitag vormittags in einigen politischen Kreisen Gerüchte verbreitet wurden, denen zufolge Hft- lers Vertrauensmann für Abrüstungsfragcn von Ribbentrop in Ungnade gefallen sei. Er wird für die Indiskretionen der englischen Journalisten, zu denen cs während der deutschenglischen Besprechungen gekommen sei, verantwortlich gemacht. Ein typischer Fall„christlicher“ Milde Kabinett Lerroux von den Katholiken gestürzt — weil dem Henker 21 Opfer entzogen werden I Madrid. Das spanische Kabinett hat nach dreistündigem Ministerrat beschlossen, den aus dem Oktoberaufstand in Asturien bekannte» Sozialist e n f ü h r e r Pcn a, der bekanntlich znm Tode verurteilt worden war, z« begnadigen. Gleichzeitig mit ihm wurden zwanzig weitere znm Tode verurteilte Aufständische begnadigt. Dieser Beschluß hat die der katholischen Bolksaktion, den Agrarier« und den Liberaldemokraten angehörenden Kavinetttsmitglieder veranlaßt, ihren sofortigen Rücktritt bekanntzugeben. Durch diese« Beschluß.wurde das Kabinett handlungsunfähig und Lerroux mußte dem Staatspräsidenten den Rücktritt des Gesamtkabincttes anzeigen. Voraussichtlich wird die ne« zu berufende Regierung sich parteipolitisch mehr oder weniger aus den gleichen Kräften wie die eben zurückgctretene rekrutieren. Einen tieferen Sinn würde diese Krise dann haben, wenn G i l R o b l e s, der Führer der stärksten Partei der katholische« Bolksaktion, sich entschlösse, die Regierung selbst zu bilden und die Mehrzahl der Minister für das neue Kabinett zu stellen. Rach den bisher vorliegenden Nachrichten scheint Gil Nobles selbst aber den Zeitpunkt hierfür noch für verfrüht zu halten. kngland blickt nach Moskau Günstiger Verlauf der Besprechungen— Die Chancen einer Aslen-Relse— Hitlers RuBlandhetze erfolglos Während des ganzen Freitag fanden»wischen Lord Ede« und Litwinow Besprechungen statt, über die noch keine amtlichen Nachrichten(anher über formelle Begrüßungen und Depeschenwechsel vorliege«, wohl aber zahlreiche halbamtliche und Preffe-Aeuße- rungen, die alle feststellen, daß die Besprechungen günstig verlaufen,daß die Mißhelligketten zwischen London und Moskau geklart wurde« und daß Lord Eden überzeugt ist, daß Hitlers Beschuldigungen gegen Rußland grundlos sind. Man hofft auf ein Re- sultat nicht nur für Europa, sondern auch für Asien. London. Das Interesse der Londoner Blätter wendet sich nunmehr Moskau zu, wo zum ersten Male seit der russischen Revolution ein britischer Minister zu einem offiziellen Besuch eingetroffen ist. Der Moskauer Sonderkorrespondent der „Time S" meldet, daß Litwinow Eden in sehr offener Weise die seit zwei Jahren fortschreitende Verschlechterung der sowjetrussisch-deutschen Beziehungen geschildert und die Aussicht ausgesprochen habe, daß die Einführung der Wehrpflicht in Deutschland eine' ganz neue Lage geschaffen habe. Nach Ansicht der Sowjetregierung sei die Haltung Englands am Ende vielleicht für Frieden oder Krieg entscheidend. » Stresa muß genügen Eine scharfe Italienische Warnung an Deutschland Rom.„Gazetta del Popolo" schreibt in einer offenbar inspirierten Korrespondenz: Man könne jetzt keine Zeit verlieren mit inhaltlosen«nd trügerischen Konferenzen. Eine Konferenz sei einberufen, nämlich die von Stresa, und daS sei gut so. Diese eine müsse aber anch genügen. Entweder müsse Stresa dir Möglichkeit der Verständigung mit Deutschland ergeben, d. h. Deutschland müsse die Abmachungen von Rom nrid London annehmen, dann könne man verhandel«, oder aber diese konkrete Möglichkeit bestehe nicht, «nd dann müsse für die d e f t n s i v e Organisationdes Friedens ernstlich gesorgt werden.„Corriera della Sera" sagt, die englische Taktik»nd Initiative, die schließlich biS nach Berlin geführt habe, verpflichte Rom und Paris n i ch t. I« Stresa werde Italien daS ganze Gewicht seine- Willens durch Mussolini zur Geltung bringen. Der diplomatische Korrespodent des„Daily Hera l d" melde:, daß bei den— gegenwärtigen Unterredungen Asien eine wichtige Rolle spielen werde. Möglicherweise sei die bevorstehende Zusammenkunft zwischen Eden und Stalin der erste Schritt zu einem aufrichtigen englisch-russischen Einvernehme n i n Asien. Der Korrespondent der„News Chro- n i c l e" meldet, es sei nicht unwahrscheinlich, daß Litwinow die Möglichkeit eines Fernostpak- t e s zwischen Großbritannien, Rußland und Amerika anregen werde, entweder mit Teilnahme Japans oder, wenn dieses nicht bereit sei, ohne Japan.-— Reuter meldet aus Moskau, daß die Fragen des Fernen Ostens eine hervorragende Rolle gespielt haben. Die schwierige Lage daselbst und die Unverletzbarkeit Chinas sind Fragen, die die englischen und sowjetrussischen Staatsmänner in gleichem Maße interessieren. Man nimmt an, daß unter den besprochenen wirtschaftlichen Fragen ein an Rußland zu gewährender Kredit eine Rolle spielte. M o S k a«. Ein« Persönlichkeit nuS der Umgebung EdenS schilderte ihre» Eindruck von dessen Zusammenkanft mit Stalin, die, wie allgemein versichert wird, in einer ungewöhnlich herzlichen Atmosphäre stattfand, folgendermaßen: „Wenn es noch kein Abkommen ist, so ist eS doch bereit- ein gute- Einverneh- men.* •* Rom. Der Staatssekretär im Kriegsministerium, General Baistrocchi, machte im Senat bei der Verhandlung des Wehrbudgets pro- grammatische Angaben über den Sand des Heeres, das /den Bedürfniffeneines modernen Krieges vollkommen g e w a ch s e n sei. Wann ein Krieg ausbreche, so führte der General aus, könne niemand voraussehen. Man könne aber behaupten, daß er f a st P l ö tz l i ch, d. h. nach wenigen Tagen polittscher Spannung ausbrechen würde, Daraus ergebe sich die Notwendigkeit, sich von niemanden zuvorkommen zu lassen. Der Bewegungskrieg sei für Italien eine gebieterische Notwendigkeit. Baistrorchi schloß: ,Hn April«erden wir rund 600.000 Mann unter den Waffen haben, die vollkommen ausgerüstet und in geschloffene Einheiten gegliedert sind. Wir sind, wie Mussolini vor wenigen Tagen sagte, f ü r j e d e Aufgabe b- reit, die uns daS Schicksal stellen wird. Kein Ereignis wird«ns unvorbereitet überraschen." Von der Memel bis zur Marne »Von der Maas bis an die Memel", so steht es im Text des Deutschlandliedes.„lieber alles m der Welt", lautet die Apotheose. Wiewohl man in den Kohlrübenjahren des Stahlbades„Unter alles in der Welt" gesungen hat. Weil es Tirpitz damals so brauchte und die Unterseeboote modern waren, dazu die große Sehnsucht Tirpitz', die bekanntlich viel Geld gekostet hat. Es waren die Ersatzleistungen für die Schiffe, die Tirpitz mit der„Unter alles in der Welt"-Ideologie zu versenken sich sehnt.e... Die Mentalität des deutschen Volkes ist eine eigenartige. In ihrer Gesamtheft sind die Deutschen bestimmt bessere Tragöden, als es die allen Griechen sein konnten. Diese haben wenigstens noch gedacht. Auch wenn sie von der Polizei zu den staatlich veranstalteten Massenspielen geschleppt worden sind. Für die Griechen blieb es Spiel. Den Deutschen jedoch ist es Ernst. Alle werden sie zu unmittelbaren Akteuren. Und sind deshalb oft genug Tyrannen und politischen Hochstaplern aufgesessen. Immer sind sie lang(in der Zeft) gewachsen und haben nichts hinzugelernt. Denn die Sehnsucht war ein Erbstück. DaS haben Ebert und seine Mitarbeiter richtig erkannt. Sie gaben den Deutschen das Deutschs landlied(obwohl das deutsche Volk damals die Internationale ebenso widerspruchslos hingenommen hätte). Aber die damalige Regierung wollte dem Voll zeigen, daß' sie ein Deutschland der Einigkeit, des Rechtes, ein Deutschland der Freiheit, des Friedens und ein Deutschland der Treue will. Die Regierung wußte nur zrrgift, daß das auf der größenwahnsinnigen'monarchistischen Basis eingebrochene Deutschland sich bescheiden müsse, daß es die Ehrlichkeit seiner Gesinnung und die Redlichkeit seines Tuns zuerst unter Beweis zu stellen habe, bevor es im Föderaftv-System eines demokratisierten Europas wieder einiges zu sagen haben werde. Die Regierungen dieser Absichten beschritten bewußt den Weg der Erfüllungspolitik. Und in der harten Schule des staatlichen Lebens müßte manch einer umlernen. Nur so konnte erreicht werden, was das Deutschland der Demokratie seinen Bcr- tragsmächten abgerungen hat. Aus diesem Grunde entbehrt es einer gewissen Demagogie nicht, wenn heute behauptet wird, das Deutschland von heute sei nur von Versailles her denkbar. Wohl ist es beim ersten Besehen richtig. Und ist eben deshalb grundfalsch. Wo die Logik bleibt? Fragen wir die Deutschen und ihre Geschichte. Die Wiege des Hitlerismus. standi-nVersailles. Dort, iw St. Germain und Trianon haben jämmerliche Dilettanten in den Jahren 1918 und 1919 eine Well verteilt, die sie nicht verstanden haben. Und sich auch keine Mühe gegeben haben, die zu verteilende Welt verstehen zu lernen. Womit man die bösen Geister der Chauvinisten aller Länder zittert hat. Unter ihnen befand sich der Bräunauer Anstreicher, der mit einem Bauche voller Winde schwanger ging und sie nicht los werden konnte. Aus den Vvrstellungen halben Denkens träumte er von der Umgestaltung eines Reiches. Mit den alten Ladenhütern aus der Gerümpelkammer des im schwärzesten Oesterreich gescheiterten Ritter von Schönerer machte er sich auf den Weg. Am Rande dieser Heerstraße begegneter ihm die Programme fortschrittlicher Parteien. Nach den Methoden literarischer Freibeuter hat er Stück um Stück in Anwandlung literarischer Erinnerung ausgenommen und diese einer trostlosen, einer zerfleischten und denkfaulen Mitwelt als tieffte Erkenntnisse eines genialen Geistes verkündet. Die Anstreicher verstehen sich aber bekanntlich vortrefflich auf das Zurechtmachen einer Fassade. Und wenn die Anstreicher schon am Werke sind— dex Grundton der Farbe ist für sie die Hauptsache. Weil dieser Grundton die Hauptsache für die Beschauer ist. So mußte der unglückselige Heinrich von Treftschke herhalten und den Grundton hitleristtscher Totschlagwörterlehre liefern.Aus einem schwangeren Bauch voller Winde, von vielen Vätern gezeugt, erblickte der Hitlerismus das Licht der Welt. Als einzig übriggebliebene Heilslehre alle? Deutschen. Es war eine Mißgeburt. Damit Nicht manch ejnem, der das liest, der Atem ausgehe,, soll ein neuer Absatz begonnen werden. Denn auch das nordische Deutschtmn kam. als Mißgeburt an das Licht dieser leidgeprüften Well. Zu jener Zeft nämlich, wo sich die deutschen Seite 2 Santa««, 30. März 1935 9b. 7« Ordensritter in ihren baltischen Landen nicht mehr Wohl fühlten und dem Drange nach Größe folgend sich in den südlicheren Bezirken der germanischen Urwälder in der Mark Brandenburg heimisch.zu machen begannen. Die politische Tragödie der Deutschen beginnt hier ihren Lauf zu nehmen. Den baltischen Ordensrittern waren ihre Lande zu. klein. Als Borussen fühlten sie sich als Deutsche, mr deren Wesen die ganze Welt genesen müsse. Zwar war das Größenwahn. Immerhin aber hatte dieser Größenwahn Methode^ Deutschland verfiel ihm. Und auf die Herrschenden hat sich vererbt, was deS Deutschtums Niedergang besiegelte. Dieses Urahnenerbe wird neudeutsch Blubo genannt. Woraus erhellt, daß es eine Angelegenheit der Pathologen ist, sofern man höflich ist, und es nicht als Hochstapelei bezeichnet. Die baltischen Ritter haben den Deutschen, besser den Preußen, deren Deutschtum auf den Korn- und Rübenfeldern Pommerns, Schlesiens, der Uckermark, Mecklenburgs usw. wächst, ein böses Gebe hinterlassen: Die Auffassung nämlich, daß wirkliches Deutschtum eigentlich nur eine Funktion der Teilbarkeit des Boden sei. Womit einigermaßen ihre Sehnsucht nach Größe und Herrlichkeit des Reiches erklärlich wird. Die Theologen-Revolution und Fürsten-Revolte im 16. Jahrhundert dürfen wir ruhig übergehen und 1866, dann 1870/71 und 1914 allein als Ausgangspunkte nehmen. Zwar hatte 1866 zur Folge, daß der österreichische Feudal-Absolu- tismuS entscheidend geschlagen wurde. In den Auswirkungen war 1866 aber der Grund für eine europäische Katastrophe. Denn 1866 schuf di« eigentlichen Voraussetzungen der Friedensverträge von Versailles, St. Germain und Trianon. Ohne 1866 gäbe es heute keine Südtiroler-, keine Memel-, Danzig- und Korridor- und auch keine Siebenbürger-Frage. 1866 bildete aber auch den logischen Auftakt zu 1870/71 und dem damaligen AnnexionSfrieden. Denn Königgrätz war eine Fe, stigung Bismarckscher Politik, die auf Zerschlagung alles dessen gerichtet war, was seiner Konzeption Klein-Deutschland—- Groß-Preußen hinderlich sein konnte. Die Bereinigung ungefähr mit dem heutigen Oesterreich war Bismarcks Ziel. Mit der Einbeziehung dieses Gebiets glaubte er, den Donauraum entscheidend wirtschaftlich beherrschen zu können. Die oberösterreichischen und steirischen Eisen- und Erzgruben sollten mit dem rheinischen Industriegebiet die Rüstkammer Europas werden. Deutschlands weltbeherrschende Stellung wäre somit Tatsache gewesen und die Sehnsucht der baltischen Ordensritter erfüllt worden. Mit böser Beharrlichkeit wurde der Weg zu diesem Ziel beschritten. Und aus der Atmosphäre der Gartenlaube-Kultur deS Vorkriegsdeutschland führte dieser Weg schnurgerade zu den Schädelstätten von 1914. Dieser Weg führte zu den Massengräbern derer, die gläubig auszogen als.des Glückes Unterpfand... von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis ast den Belt." Aus dem Wege aber zu dem Ziele sind den Deutschen mancherlei Unfälle zugestoßen. Das staatlicherseits veranstaltete Schützenfest von 1914 bis 1918 hat drei solcher Unfälle zu verzeichnen. Sie sind zu Denkwürdigkeiten, ja zu Fühlenstvür- digkeiten geworden. Es sind: Langemarck. Dina n, Marne. Sie stellen unter historischen Beweis: Den Einbruch in neutrales Land auf dem Weg von der Memel bis zur Maas. Das sinnlos« Hinopfern der jungen Akademiker vor Lange- m a r ck als Beweis zum Beruf des Tragöden. Das Verüben ziviler Scheußlichkeften in D i n a n als Zeugnis für jenes Wesen, an dem die ganze Well gestesen sollte. Der tödliche Schlag an der Marne, der dem eignen Volle betrügerisch in 44 Roman von Fritz Rosenfeld Cabrolle war liegen geblieben» den Kopf zwischen den Armen begraben, als das Getöse der Räder anhob, und der Zug war an ihm vorübergerollt. Nun lerhob er sich, der Kellner brachte ihm eine Bürste, er entfernte den Staub, die Papiersetzen aus seinen Kleidern, schloß das Hemd, den Kragen, wankte in den Wartesaal, zu seinem Koffer. Die Wechsel waren zerrissen, das Schlimste abgewendet, er konnte zufrieden fein, Haus und Hof und Vieh und Weiden gehörten wieder ihm. Er ließ sich ein Glas Branntwein geben, trank es in einem Zug auS, bat um einen Bogen Briefpapier, setzte sich an den Tisch und schrieb. Er schrieb einen langen Brief, einen Brief an seine Frau. Er schrieb, eS sei ihm etwas widerfahren, das er ihr heute noch nicht schildern könnte, das Zeit brauchte, um zu reifen und ganz in ihn überzugehen. Er würde einige Monate in einer fremden Stadt leben, sie sollte für die Kinder sorgen und es sich gut gehen lassen, sie wüßte ja Bescheid im HauS und in der Landwirtschaft, und die Knechte seien tüchtig, sie könnte sich auf sie verlaßen. Bares Geld habe er nicht, aber sie sollte ihm auch keines schicken, er werde schon durchkommen, und bis es wieder ruhiger geworden in ihm, zurückkehren zu ihr und den Kindern. Er sei gesund, und jede Besorgnis um ihn überftüssig. Und sie solle nicht schlecht von ihm denken, was geschehen, sei nicht auS seiner Schuld entstanden, und er fei machtlos gewesen, es zu verhindern. Den Brief gab er Marinka, er bat, sie möge ihn in den Postkasten werfen, bis er weggegangen; eS hätte ihn sonst reuen, er hätte ihn zerreißen kön- N«« und nachhause fahren, so wie er war, ein Bett- ■ einen Sieg umgelogen wurde als Beweis für den machthungerigen Größenwahn der potSdLnlichen Kamarilla. An diesen drei historischen Orten wurde der todschlagwörtliche Mythos geboren. Denn: Dinan hat man weggelogen, die Marne umgelogen und Langemarck glorifiziert. Angefangen von dieser Zeit haben gewissenlose Scharlatane die gewiß heldenmütige Hingabe der deutschen Jugend zum SpekulationSobjekt gemacht. Und jener Lange» marck-Mythos war es, mit dem die SA und SS nicht nur gleichgeschaltet, sondern auch totgeschlagen hat. Und wieder wie damals: Ein Sieg der Viertelgebildeten gegen den Geist wurde bejubelt, die verübten Scheußlichkeiten aber weggelogen. Und als der Lüge höchster Triumph wurde der Judenboykott vom 1. April 1938 inszeniert. Er sollte die große strategische Leistung der.nationalen Erhebung" sein— und ist kläglich zusammengebrochen. Der Nationalsozialismus hatte die Marneschlacht verloren! Und wieder ist e/ wie dainalS: Auf der ganzen Linie Sieg. Damals Hunger und Lüge» und heute Hunger und Lüge. Damals das Verlangen ler, der das Kleid seiner Frau, der den Mantel feiner Tochter, der da» Brot seiner Kinder verspiell hat,in einer trunkenen Nacht. Er schloß seinen Koffer und schleppte ihn selbst auf die Straße. Dort stand er, und wußte nicht, ging sein Weg recht» oder links. Da eS aber ganz gleichgültig war, ob er seine Schritte rechts oder links wandte, schlug er den Weg ein, der im Schatten lag. Gr brauchte den Schatten in dieser Stunde, denn die Klarheit, in die da» Licht der Sonne Dinge, Menschen und Gedanken tauchte, ertrug er nicht. XVIII. .Es war meine Brücke", sagte der Mann im grauen Kittel und durchbohrte den Polizeikommis- fär mit seinen glasigen Blicken..Ich habe sie gebaut, ich konnte sie wieder zerstören." «Sie waren vor zehn Jahren als Ingenieur beim Bau der Brücke beschäftigt, das habe ich festgestellt", sagte der Kommissär.»Aber was hat das mit dem furchtbaren Verbrechen zu tun» das sie begingen?" »Die Brücke ist in meinem Kopf entstanden. Ich war der erste Mensch, der sie gesehen hat. In meinem Hirn war sie fertig, bi» in jede Riete, ehe der erste Spatenstich am Ufer getan war." Der Polizeikommissär sandte einen schnellen Blick zudem Arzt hinüber. »Wurde dcimalS Dynamit verwendet?" »Natürlich. Das Ufer ist felsig. Wir haben auf beiden Seiten Sprengungen vornehmen müs» fen." »Wer verfügte über das Dynamit— ich meine, wer beauffichttgte die Verteilung.der Patronen qn die Arbefter, wer bestimmte das Quantum, das zur Sprengung notwendig war?" .Ich." »Dann ist das Räffel ja gelost", sagt« der Kommiffär zu den beiden Beamten. Der Mann im grauen Kittel fchwieg. Er war von einer unerschütterlichen Ruhe, jetzt, da das letzter Opfer, heute Zwang zum Opfer. Damals, Kriegsanleihe, heute»Spenden zum nationalen Wiederaufbau". Damals letzte Kraftanstrengung, heute wieder allgemeine Wehrpflicht. Wundert es wen? Der Weg der baltischen Ordensritter mit ihren Raubzügen führt über die Treiffchkes und BiSmärcker konsequent zu Hitler. Aus den Bezirken der Memel sind sie gekommen die Vorläufer derer, die das Deuffchtum geschändet. Ihr Reich sollte groß sein. DaS heutige Deutschland fühlt sich als Vollstrecker des Willens jener altvorderen Rauhbeine. Zu wiederhallen malen sind sie entscheidend geschlagen worden. Sie fühlen sich heute wieder stark, durch ihr Wesen die Welt genesen zu lasten. »Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch, bis an den Belt", jubeln sie heute wieder. Die Welt aber sollte wiffen, daß Hitler und die Seinen aus den geistigen Bezirken jener baltischen Ritter gekommen sind, daß ihr Weg böse und beharrlich zu jenem Ziele führen fall... Um der Kultur und deS wirklichen Deutschtum» willen, wäre es sittliche Pflicht, den. Hitle- rismuS an die— letzte Marne zu führen R. D.*" Werk getan und jeder Fluchtplan aussichtslos war. »Sie haben also damals Dynamit geswhlen und es irgendwo verborgen?" »Ich habe nicht» gestohlen und nichts verborgen. Ich habe in einem Brückenpfeiler einen kleinen Hohlraum aussparen lasten, den ich selber verschloß. In diesen steinernen Tresor legte ich die Dynamitpatronen." »Und die Züge fuhren darüberhin, zehn Jahre?" Der Mann nickte. »Zehn Jahre." »Die Brücke hätte tagtägllch in die Lust fliegen können?" »Tagtäglich." «Warum haben sie das getan? Um Himmels- willen, warum?" »Weil Gott mich vergessen hatte." Der Arzt sah den Polizeikommssär an, der Polizeikommisiär sah Olavsen an. Die Beamten blickten auf die weißen Blätter. Der Polizeikommssär wiederholte langsam, Wort um Wort: »Gott hatte sie vergessen?" »Ja. Schon als ich noch ein Kind war, rief er die andren und beschenkte sie, mich aber vergaß er. Als ich größer wurde, fiel den andren da» Geld in den Schoß und sie waren glücklich. Ich schuftete und gönnte mir kein bißchen Freude und wurde älter und wußte nicht, was Glück war. Gott hatte mich vergessen." Die Augen des Mannes im grauen Kittel brannten. Brannten lichterloh wie zwei Fackeln. »Dann kam di« Brücke. Ich baute sie. Ich entwarf die Pläne, ich stand von früh bis nachis an der Arbeitsstelle, ich sah sie wachsen, Traverse um Traverse, Schwelle um Schwelle, Schiene um Schiene. Sie wurde eröffnet, Minister kamen, und ein andrer stand da, wurde geehrt, bekam Kränz«, Diplome, bekam das Geld. Sein Bild stand in den Zeitungen, seinen Namen hörte man im Lautsprecher. Gott hatte mich vergessen." treten soll« und darauf hingewiesen, daß die finanzielle Belastung für den Staat erst ab 1936 fühlbar werde. Die gesetzgebenden Körperschafien könne» also die beabsichtigten Zuweisungen aus der Einkommensteuer und die sonsttgen Bedeckungsvorlagen noch rechtzeittg im Rahmen des Budgets für 1986 verwirklichen.'Die Vertretungen haben jetzt noch dreiviertel Jahre Zeit, ihre Voranschläge für 1986 auf der neuen Basis in Ruhe vorzubereiten. Angenommen wurde noch eine KoalitionSreso- lutton, daß das mährische Landesgesetz vom Jahre 1914, wonach die Gemeinden zur Bedeckung des Personalaufwandes für das Volksschulwesen mit 23 Prozent von den umlagepflichttgen Steuern betragen müssen, aufgehoben werde. Eine Reihe von Immunitäten beschloß die Sitzung. Nächste Sitzung Dienstag, den 2. April „Freiheit ist ihnen Vaterland“ Ein tschechischer Journalist Uber die sndetendeutscbe Sozialdemokratie Unter diesem Titel veröffentlicht in der letzten Nummer der»Ptitomnost" Zdenkk S m e t ä- k e k einen interessanten Artikel, in welchem er vom Standpunkt eines tschechischen fortschrittlichen Intellektuellen die Politik der deutschen Sozialdemokraten in der Tschechoflowakei würdigt. Er geht dabei von den Ereignissen des Jahres 1918 aus, da ffchechische und deutsche Sozialdemokraten gegeneinanderstanden. Er sagt, daß di« deutschen Sozialdemokraten in den Sudetenländern nach dem Welttriege von starkem Pessimismus ob des Schicksals ihrer Partei erfüllt waren, daß ihnen aber gemessen an dem Schicksal der Sozialdemokratte in Deutschland und Oesterreich, das beste Los zuteil geworden ist. Aus dieser Erkenntnis hat sich bei den deutschen Sozialdemokraten eine posttivere Wertung des tschechoslowakischen Staates entwickelt. Die Teilnahme der deutschen Sozialdemokratie an den Feiern des 28. Oktober ist nicht auf eine Weisung von oben erfolgt,-sondern entspringt dem Willen der sozialdemokratischen Organisationen in der Provinz selbst.»Mitglieder und Führer haben in gleicher Weise begriffen, daß diese Republik die große historische Sendung hat, das Ideal der Demokratie in Mitteleuropa zu schützen und den benachbarten Nationen ein lebendiges Beispiel und ein Antrieb in der Hoffnung nach Wiedererlangung der Freiheit zu sein." Die praktische Politik der Partei ist nicht hinter diesen theoretischen Erkenntnissen geblieben. Seit dem Smichover Kongreß und insbesondere sett dem Eintritt der deutschen Sozialdemokratie in die Regierung»hat die Republik unter der deutschen Bevölkerung keine verläßlicheren und ergebeneren Anhänger als diese' Der Verfasser schildert sodann den schweren Kampf, den die deutsche Sozialdemokratie gegen Wirtschaftselend und gegen den Nationalismus der Heimatftont führt. Er legt auch dar, daß die Behörden der Republik vielfach kein Verständnis für die positive Arbeit der deutschen Sozialdemokratie haben.»Es scheint uns", so schließt der Artikel, »daß diejenigen Politiker, welche auf die Schwächung»der Marxisten" mit Hilfe der Heimatftont spekuliert haben, für die Chimäre eines parteimäßigen Gewinnes völlig daran vergessen haben, wo das tatsächliche Staatsintereffe liegt. Erkennen die Polttiker, erkennen wir alle, daß dort im Nür» den für unsere Demokratie, für unsere Freiheit, für unseren Staat der, deutsche Arbeiter kämpft? Haben wir alles getan, damit er weiß, daß wir im Innern des Landes wie eine Mauer hinter ihm stehen? Ich fürchte nicht. Wir haben es im Gegenteil zugelaffen, daß ihm in seinem Kampfe einige polittsche Spekulanten in den Rücken gefallen sind." »Damals legten sie die Dynamitpatronen in den Pfeiler?" »Damals. Ich dachte: fliegt die Brücke in die Lust, hat Gott sich deiner erinnert, ann weißt du. daß er alles Unrecht sühnen wird, da» an dir begangen worden ist. Er hat die Brücke weggefegt, weil sie dir ein andrer gestohlen hat. Er wird alle wcgfegen, die dir dein Glück stehlen wollen." «Aber die Briicke flog nicht in die Luft." »Zehn Jahre wartete ich. Jeden Tag schlug ich stebernd die Zeitung auf. Ich lief zu den Bahnhöfen und fragte, ob nicht auf der Strecke nach Epsilon ein Unglück geschehen sei. Man sah mich erstaunt an und hiell mich für irr. Sie begannen alle, mich für irrsinnig zu halten, und schließlich steckten sie mich in das Haus mtt den Irrsinnigen, und sagten» ich sei wie sie, mein Verstand sei verloirrt, und sie wollten mich heilen." »Sie waren ein halbes Jahr im Irrenhaus?" »Ein halbe» Jahr. Ich war verraten und begraben. Gott hatte mich vergessen." »Im Irrenhaus lernten sie die andren kennen — die drei, die mtt ihnen ausgebrochcn sind?" »Ulrich war Schauspieler. Ich hab« ihn gesehen, ehe sie mich einsperrten. Er war der beste Hamlet. Er lebte in seinen Rollen. Er hat einmal in der letzten Szene seinen Partner mit dem Degen so schwer verletzt, daß man ihn ins Spital bringen mußte. Sie haben ihn von der Bühn« weggeschleppt, eines Abends, und zu uns gebracht, in den steinernen Sarg, in dem wir verfaulten." »Wer waren die andren?" »Der eine war Mechaniker. Seine Frau war ihm durchgegangen, er sollte für das Kind sorgen, «t haßte das Kind, eines Tagest er war betrunken, erwürgte er das"Kind. Man sperrte ihn zu uns. Auch ihn hatte Gott vergessen. Der vierte— ich weiß nicht, wie er hieß— war ein Bankier. Eine halbe Stadt gehörte ihm, und eine Billa am Meer, und vier Automobile. Eines Tages fielen die Kurse, und er war ein Bettler. .(Fortsetzung folgt.)! Härten der Ernährungsaktion sollen beseitigt werden Ein Antrag unserer Parlamentsfraktlon Prag. Die Genossen Roscher, Kremser» Ktrpal und de Witte haben im Parlament folgenden Antrag auf Abänderung der Richtlinien für die staatliche Ernährungsaftion eingebracht: Der Regierung wird aufgetragen» die Richtlinie« für die staatlich« ErnährungSaktio« abzuändern und dabei insbesondere folgende Maßnahmen zu treffe«: Von dem Erfordernis des Nachweises der ununterbrochenen dreimonatigen Beschäftigung ist abzusehen oder doch die Frist zu verkürzen, auf jeden Fall sind jugendliche Arbeitslose von diesem Nachweis zu befreien. Witwen oder Familienangehörige von Per, sonen, welche vor ihrem Tode oder ihrer Aufnahme in rin Krankenhaus oder ein« Fürsorgeanstalt die Unterstützung bezogen haben, sind in die Aktion einzubeziehen. Der Bezug einer Sozialvrrsicherungsrente, sofern sie ein gewisses Ausmaß nicht übersteigt, schlletzt die Einbeziehung in die Ernährungaktion nicht grundsätzlich aus. In der Begründung heißt es: Je länger die Krise dauert, desto schwierig« wird es den Bewerbern um die Unterstützung, die vorgeschriebenen Belege darüber beizubringen, daß sie in einem ununterbrochen drei Monate dauernden Ar- beitsveöhältni» gestanden sind. Biele Personen, dit bei sachlicher Beurteilung zweifellos als Arbeitslose anzusehen sind, gehen so aus rein formalen Gründen der Unterstützung verlustig. ES ist daher notwendig, daß di« Entscheidung darüber, ob«in Bewerber in di« Aktion einzubeziehen ist, von allen formalen Merkmalen losgelöst oder doch die Erbringung der formalen Nachweise wenigsten»«r- leichtert wttd. was am besten durch Verkürzung der Dauer des erforderten Arbeitsverhältniffes geschehen kann. Auf jeden Fall ist eS ab« notwendig, daß di« jugendlichen Arbeitslosen von dem NachwerS deS dreimonatigen ArbeitsvechältniffeS befreit werden, da tausende Jugendliche infolge des Mangels an Arbeitsplätzen überhaupt nicht in die Lag« kommen, ein dreimonatige» Arbeitsverhältnis nachzuweisen und daher von vornherein von d« Unterstützung auSg»- schlossen find. Die Einbeziehung der Witwen und Familienangehörigen ist auS sozialen Gründen durchaus gerechtfertigt. Wenn ein arbeitsloser Familienerhalter stirbt oder in eine Anstalt ausgenommen werden muß, bleiben seine Familienangehörigen, die von der Unterstützung abhängig waren, in um so größerem Elend zurück. Der vorliegende Antrag soll ihnen wenigstens die Unterstützung au» der Ernährungsaktion sich«n. Auch die grundsätzliche Ausschließung aller So- zialrentner ist nicht gerechtfertigt. Wenn di« Bezieh« der staatlichen AlterSunterstützung. sofern sie nach dem Jahre 1929 noch gearbeitet haben, nicht unter allen Umständen ausgeschlossen sind, so nmv dies ebenso für Sozialrentner gelten, wenn sie in der Zeit seit dem 1. Jänner 1929 noch in einem Arbeitsverhältnis standen. Die Renten dieser Personen sind gerade wegen der Arbeitslosigkeit, die ihre Versicherungsdauer verkürzt hat. ungewöhnlich niedrig, so daß da» Bedürfnis nach Unterstützung in vollem Umfang« besteht. Sanierungsvorlage angenommen Dariehen für produktive Arbeitslosenfürsorge schon Jetzt zulässig Prag. Im Abgeordnetenhaus wurde am Freitag, nachdem noch sünf Debatteredner gesprochen hatten, die Vorlage über die Sanierung der SelbstverwaltnngSkörper in beiden Lesungen angenommen, und zwar auf Grund eine» Koali- tionsantrages, mit der wetteren Aenderung, daß die Gemeinden und Bezirke nicht erst ab 1. Jänner 1936» mtt welchem Tage die meisten Bestimmungen der Vorlage in Kraft treten, sondern bereits mit dem Tage der Verlautbarung des Gesetze» Darlehen für Investitionen aufnehmen können, die im Rahmen der produftiven Arbeits- lofenfürsorge notwendig sind. Der Berichterstatter Bekäk hatte sich im Schlußwort gegen die Borwürfe gewendet, daß die Vorlage ohne entsprechende Bedeckung ins Leben Nr. 76 Samstag, 30. März 1938- Seite 3 Die höhere Frechheit I Die Kopl Jäger und Menschenräuber verleumden ihr Opfer. Berlin. Zu den Meldungen über die Ber« Haftung des Journalisten Berthold Jacob erklärt das Deutsche Nachrichtenbüro: „Salomon, genannt Jacob, hatte nach den bisherigen Feststellungen die französisch-schweizerische Grenze bereits illegal überschritten und beabsichtigte, sich ebenfalls auf illegalem Wege in das Reichsgebiet zu begeben, um sich dort mit Vertrauensleuten zu treffen. Es gelang den deutschen Grenzbeamten, ihn beim Grenz- Lbertritt anzu halten, wobei er sich lediglich durch einen längst abgelaufenen und daher ungültigen deutschen Reisepaß ausweisen konnte. Wegen des Fehlens gültigen Ausweispa- Picre wurde er zunächst vorläufig. festgenommen. Als es sich herausgestellt hatte, um wen es sich bei dem Festgenommenen handelte, erfolgte seine Verhaftung. Gegen Berthold Salomon, genannt Jacob, schwebt jetzt ein Verfahren wegen verschiedener schwerer Straftaten. Im Interesse der Untersuchung und Feststellung der Hintermänner in Deutschland konnte bisher über den Vorfall nichts verlautbart werden." YITEL MARGARINE Wollen Sie zuschauen Was ist das Wichtigste in jeder Küche? Die Hausfrau weiß es: Sauberkeit! Nur wenn die Küche blitzt und blinkt vor Sauberkeit, schmeckt uns das Essen, das in ihr gekocht wird. Genau so ist es bei Vitello: in hygienisch mustergültiger Weise werden sorgfältig ausgewählte, edelste Rohstoffe zu Vitello verarbeitet wie sauber Vitello gemacht wird? Bitte besichtigen Sie unsere mustergültigen Anlagen in Krischwitz bei Tetschen an der Elbe. Judefcndeutedter£eitepicgef Ein weiterer Schritt zur Verkürzung der Arbeitszeit In der Spiritusindustrie daß die Teuerungsaushilfe auf der bis herigen Höhe unverkürzt bleibt, wenn auch die Arbeitszeit eine Kürzung erfährt. Man schätzt, daß 300 bis 380 neue Aerbeits- kräfte werden eingestellt werde» können. Das Uebereinkommen, das auf dem Gebiete der Spiritusbrennerei-Jndustrie und Spiritusraffinerie erzielt wurde, stellt ein weiteres Glied in der Reihe der Uebereinkommen betreffend die Kürzung der Arbeitszeit dar. die durch die Volkswirtschaftsabteilung des Ministerratspräsidiums erreicht worden find. Das erste der Uebereinkommen war dasjenige in der Flaschenglasindustrie, ihm folgte das Uebereinkommen in der Bierindustrie, in der Kunstseiden-, Hefe-und nunmehr in der Spiritusinduftrie. In Fluß befinden sich die Verhandlungen in der Metallindustrie. März, in vollem Umfange wieder ausgenommen. Die Firma sichert in dieser Vereinbarung den Lohnvertragsabschluß im Laufe der nächsten Woche zu. Die bereits iw dieser Vereinbarung festgesetzten Stundenlöhne gelten als Richt-Löhne und wurden für a l l e Kategorien vereinbart. Ebenso wird im Vertrag ein Akkordverdienst festgesetzt, welcher über die bestehenden Stundenlöhne hinausgeht. Der Vertrag ist unkündbar bis 31. Ein Gnindmandat und 125.000 Stimmen Die Aenderungen der Wahlordnung Prag, Im Abgeordnetenhaus wurde am Freitag vormittag- der angrkündigte Regierungsentwurf über die Abänderung der Wahlordnungen ins Abgeordnetenhaus und in den Senat, sowie in die Landes- und Bezirksvertretungen vorgelegt. Prag.(Tsch. P. B.) In der Volkswirtschaftlichen Abteilung des Präsidiums des Ministerrates wurde Freitag ein weiteres Uebereinkommen über die Kürzung der Arbeitszeit getroffen, u. zw. auf dem Gebiete der Spiritusindustrie und der Spiritusraffinerie. Die Arbeitszeit bei der ununterbrochen arbeitenden Arbeiterschaft wird von bisher 48 auf 42 Stunden gekürzt, bei der übrigen Arbeiterschaft von 48 auf 40 Stunden. Der Lohnausgleich tritt bei der ununterbrochen arbeitenden Arbeiterschaft im Verhältnis von 42:44, ein, d. h. daß für 42 Stunden Arbeit 44 Stunden bei den heutigen Löhnen bezohlt werden. Bei der übrigen Arbeiterschaft macht das Verhältnis 40: 42 aus. Von der Reihe von Punkten, die das Uebereinkommen anbetrifft, verdient auch erwähnt zu werden. Netterer aus ernster Zeit Unterschlupf für Dr. Bacher auf der Henlelnllste gesucht I Prag. Arges Kopfzerbrechen machen die kommenden Wahlen vor allem den kleinen deutschbürgerlichen Parteien. Die DAWG, die nicht sehr glückliche Gemeinschaft zwischen der nicht ganz rassenreinen deutschdemokratischen Freiheitspartei und der ziemlich arischen Rosche-Gruppe, weiß todsicher, daß sie allein nicht einmal ein Grundmandat, geschweige denn die 128.000 Stimmen für das zweite Skrutinium aufbringen kann. Der Bund der Landwirte dürste sich hüten, sich noch einmal die Verbindung mit der AWG Mandate kosten zu lassen wie anno 1829, und auch ein Wahlbündnis mft den Ungarn kommt angesichts des.^volksgemeinschaftsrummelS", den die AWG rührig mitmacht, nicht sehr in Frage. So kam es dieser Tage zu der direkt g r o- tesken Situation, daß die deutschdemokrati- sche Freiheitspartei, die wenigstens Herrn Dr. B a ch e r ein Mandat sichern möchte, ihre Fühler in der Richtung ausstreckte, ob nicht Herr Konrad Henlein geneigt wäre, bezüglich der Kandidatur von AWG.-Leuten auf seiner Liste mit sich reden zu lassen. Wie wir erfahren, erklärte Henlein in dieser Unterredung, daß er persönlich gegen die Aufstellung auch jüdischer Wahlkandidaten aus dem AWG-Lager auf einer gemeinsamen Liste nichts einzuwenden habe, weil er für das Bekenntnisdeutschtum und nicht für ein Raffendeutschtum eintrete. Henlein ließ jedoch keinen Zweifel darüber offen,)>aß sei» Standpunkt in dieser Frage sich keineswegs ynt der allgemeinen Ansicht innerhalb der SHF decke und daß er in dieser Richtung bei seinem Hauptrat auf einen harten Wider st a n d stoßen dürste, falls die gemeinsame Liste zustandekommen sollte. Di« beiderseitige Fühlungnahme ist allerdings nicht über die ersten Ansätze hinausgekommen, weil vorläufig keine Wahlgruppe' ihr Schicksal an das der Heimatfront ketten will, solange über die SHF selbst noch keine endgültige Entscheidung gefallen ist. Der Streik del der 5a. Herold In Komotau erfolgreich beendet Der in der vergangenen Woche wegen Lohndifferenzen ausgebrochene Streik bei der Firma Richard Herold, Metallwarenfabrik und Glockengießerei in Komotau, wurde durch eine nach Verhandlungen erzielte Vereinbarung wieder beendet und die Arbeü am Freitag, dem 29. Die wesentlichsten Aenderungen sind folgende: Die Abgeordnetenwahlkreise Prag IA und IB, die bisher eine gemeinsame Zentralwahl- kommissian und gemeinsame Kandidatenlisten hatten, werden völlig von einander getrennt; die Abgrenzung bleibt unverändert Der Bevollmächtigte einer Wahlpartei(8 22, Abs. 1, Nr. 3) erhält das Recht der Behörde, für jeden Bezirk einen Vertreter zu nominieren, der seine Funktionen(Ernennung des Vertreters der Partei und des Stellvertreters) übernimmt. Auslosung der Reihenfolge entfällt Die bisher vorgeschricbene Auslosung der Reihenfolge der Kandidatenlisten entfällt. Die Numerierung erfolgt einheitlich für alle Wahlen nach der Stärke der Partei bei den letzten Wahlen ins Abgeordnete n- h a u s. „Die Reihenfolge der Kandidatenlisten richtet sich nach der Anzahl der gültigen Stimmen, mit der höchste» Stimmrnzahl beginnend, die im ganzen Staatsgebiet bei den letzten Wahlen in das Abgeordnetenhaus für die Kandidatenlisten einer und derselbe« Partei»der einer solche» Partei, deren direkte Nachfolgerin eine neue Partei ist, oder innerhalb der eine neue Partei einen überwiegenden Bestandteil gebildet hat oder die «in überwiegender BestandteU einer neuen Par- tei geworden ist, abgegeben wurden. Parteien, auf welche sich die Bestimmungen des vorhergehend«, Satzes nicht anwenden lassen, folge« in der weiteren Reihenfolge, dir zwischen ihnen durch d«S Los bestimmt wird. Die Kandidaten- Dezember 1935 und kann dann monatlich von beiden Teilen gekündigt werden. Die Arbeiterschaft dieses Betriebes stimmte bin Abschluß durch die Gewerkschaft zu und hat damit eine längst erhobene Forderung erkämpft. Daraus ist wiederum ersichtlich, daß die Kraft der Organi- sation, von den Arbeitern, richtig angewandt, auch in Krisenzeiten ausreicht, um Erfolge zu erzielen. Es wäre hoch an der Zeit, daß die übri- genArbeiter, die unter den elendesten Bedingungen schaffen müssen, aus diesem erfolgreichen Kampfe die richtigen Lehren ableiten und sich ihren Fachorganisationen angliedern. Für den klassenbewußten Arbeiter gibt.es nur die^reie Gewerkschaft! Ein Arbeiter verschüttet Sechs unversorgte Waisen! Aus Pod ers am wird uns geschrieben: Am Donnerstag ereignete sich in den Nordböhmischen Kaolinwerken in P o Me islbeiPo- d e r s a m ein bedauernswertes Unglück.'Bei der Abräumung von Kaolinerde wurde der 81jährige Arbeiter Heinrich Zirkler aus Pomeifl von einer losgelösten starken Erdschicht verschüttet Obzwar sofort Rettungsarbeiten einsetzten, konnte er nur noch als Leiche hervorgezogen werden. Zirkler hinterläßt eine Witwe und sechs unversorgte Kinder. listen aller Parteien werden beginnend mit der Ziffer 1, mit den eaffprrchendea arabische« Ordnungszahlen in der so festgestellten Reihenfolge versehen." Falls eine Partei wohl ins Abgeordnetenhaus, nicht aber in den Senat oder in die Landes- und Bezirksvertretungen kandidiert, so wird ihre Ordnungszahl in der Reihenfolge der betreffenden Kandidatenlfften ausgelassen. Die Verlautbarung der Kandidatenlisten im Amtsblatt, bzw. in den Landes- und Bezirksverordnungsblättern entfällt Das Alkoholverbot, das bisher für den Vortag der Wahl und den ganzen Wahltag galt, wird eingeschränkt auf die Zeit von 14 Uhr des Vortages bis zum Ablauf einer Stunde nach Schluß der Wahl. Das zweite Lkrutlnium Die wichtigste Aendernng betrifft den 8 51, Abs. 1. über das zweite Skrutinium. Bisher wurden die Rrststimmen jeder Partei berücksichtigt, die wenigstens in e i n e m Wahlkreis ein Mandat erreicht und eine Kandidatenliste für das zweite Skrutinium abgegeben hatte- Jetzt heißt es: „Beim zweite« Skrutinium werden bloß die Stimmen jener Parteien berücksichtigt, welche wenigstens in r i n e m Wahlkreis ein Mandat und im ganzen Staat wenigstens 125.000 gültige Stimmen erreicht haben; für Parteien, bei denen die Mehrzahl der Kandidaten stch zu einer Rationalität bekennt, welche nach den amtlich knndgemachten Ergebnisse« der letzt«, BolkSzäh- lung im ganzen Staate nicht«ehr als 300.000 Angehörigen tschechoslowakischer Staatszugehö- PolenS neuer Ministcrpräsidmt Ober st Slawe!. Bauerntragödie Geiz— Vatermord— Selbstmord Eger. In Neudorf bei Petschau ereignete sich Freitag eine furchtbare BluttatJm Verlaufe eines Streites wurde der Landwirt Fleißner von seinem Sohne mit einer Hacke erschlagen, worauf sich der Vatermörder durch einen Revolverschuß das Leben nahm. Die Erhebungen sind noch nicht abgeschlossen. Es steht jedoch jetzt schon soviel fest, daß finanzielle Meinungsverschiedenheiten das Moftv der Bluttat bildeten. Der Vater war als sehr geizig bekannt und soll dem Sohne dessen Ersparnisse, die dieser während der Kurzeit in Karlsbad erworben hatte, vorenthalten haben. Wieder einer In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde der Verwalter der Lungenheilstätte in T ö- s ch e n bei D au b a, Sliwinsky, samt seiner Gattin nach einer vorausgegangenen Hausdurchsuchung verhaftet und dem Kreisgerichte B.-Leipa eingeliefert. Bei Sliwinsty sollen sich reichlich Ko- respondenzen mit reichsdeuffchen Stellen gefunden haben. Sliwisnky ist natürlich sttamMer Henlein mann und war vordem in der Kredit- anstatt der Deuffchen beschäftigt. In Deutschland verhaftet Eine Pragerin unter Spionage beschuldigung Wie„Telegraf" meliKt, ist die Frau eines„ Prager Beamten» welche vor ungefähr vierzehn Tagen nach Königswusterhausen bei Berlin zu Bekannten gefahren ist, aus Deutschland nicht mehr zurückgekehrt. Nachdem auf eine telephonische Anfrage bei den Gastgebern in Berlin die Antwort erteilt worden war, daß diese„verreist" wären, ersuchte der Gatte das tschechoslowakische Ge- neralkonsulat in Berlin um Intervention. Nun erfuhr er, daß sowohl seine Frau als auch ihre Berliner Bekannten, die Familie einer Arztes, verhaftet wurden, weil man sie der Spionage verdächtigt. Bisher gelang es nicht einmal, den jetzigen Aufenthalt der Verhafteten festzustellen. rigkeit zählte, wird di« vorgeschriebene Anzahl der erreichten gültigen Stimmen auf 50.000 herabgesetzt." Für den Senat gelten dieselben Bestimmungen, nur mutz bei den Minderheiten die Anzahl der erreichten gülttgen Sttmmen mindestens 60.000 betragen. Für die Landes- und Bezirkswahlen wird, falls am Sonntag vorher andere Wahlen stattfinden, die Frist für die Auflegung der ständigen Wählerlisten von acht Tagen auf sechs Tage, d. h. die Woche zwischen den beiden Wahlsonntagen, herabgesetzt. » Die Zeitüngsmeldungen, daß sich das niedrigere Quorum von 80.000 Stimmen zugunsten der jüdischen und polnischen»Minderheit auswirken werde, treffen hinsichüich der letzteren nicht zu. Die Polen zählen in der Tschechoslowakei nur etwa 82.000 Personen, so daß sie auf keinen Fall allein die 50.000 Stimmen erreichen können. Dagegen ist ihnen e i n Mandat im Ostrauer Wahlkreis, in dem sie geschloffen leben, ziemlich sicher. Bm den Minderheiten unter 300.000 Angehörigen kommen also nur die Juden mit rund 186.000 in Bettacht, welche die 50.000 Sttmmen für das zweite Skrutinium aufbringen könnten, bei denen klappt es aber wiederum nicht mft dem Grundmandat im ersten Skrutinium. Das Grundmandat in Karpachorußland, das schon bei allen Wahlen als todsicher verheißen wurde,' ist auch diesmal höchst unsicher. Wahrscheinlich wird den Polen und Juden wiederum nur eine gemeinsame Kandidatenliste übrig bleiben, die ja ebenfalls unter das niedrigere Quorum von 50.000 fiele. Ueberdies dürfte die Auswirkung des Quo- rums nicht allzu groß sein. Bei den letzten Wahlen ins Abgeordnetenhaus im Jahre 1929 z.' B. wäre lediglich die Sttibrntz-Gruppe unter djese Bestimmung gefallen; sie hätte dann mft rund 70.000 Sttmmen statt ihrer drei Mandate nur chr einziges Prager Grundmandat behalten und die beiden anderen Mandate wären im zweften Skrutinium auf sämtliche anderen ffchechischen Gruppen aufgeteilt worden, die also auch nicht allzuviel davon gehabt hätten. GfHe< Samtta«, 30. MLr, 19« 9h. 79 Unfreiwilliges Bekenntnis Die„Reichenberger Zeitung" vom 22. L. M-, Rr. 69, beschäftigt sich mit dem„Wahlaufmarsch der tschechischen Parteien" und kommt auf die Aussichten zu sprechen, die die einzelnen tschechischen Parteien im Wahlkampf haben werden. Für die tschechischen Sozialdemokraten prophezeit man einen Verlust von zehn bis 18 Prozent bzw. einen Mandatsausfall von drei bis fünf Mandaten. Wo man von tschechischen Sozialdemokraten spricht, darf mqit natürlich auch di« deutschen Sozialdemokraten nicht vergessen, denen man einen Verlust von 30 bis 40 Prozent bzw. einen Mandatsausfall von 6 bis 8 Mandaten voraussagt. Da handelt es sich wohl offensichtlich um die Wünsche der„Reichenberger Tante". Die„Nationale Bereinigung" der Stilbrnh- Hodac- Kramak wird mit der SHF-Bewegung Henleins verglichen. Die SHF werde aber mehr in den Wahlen gewinnen, weil sie nicht durch Personen wie SkibrnH bzw. weil sie nicht durch die Plu- tokratie der Zivnobank belastet ist. Der Vergleich der„Rationalen Vereinigung" mst der SHF ist wirklich nicht uninteressant und das mit den Belastungen ist nicht so tragisch zu nehmen: die Geldgeber Henleins find ja bestimmt nicht in den Reihen der sudetendeutschen Arbeitslosen und Arbeiter zu suchen! Die.Lleichenbergec Zeitung" schreibt aber weiter wörtlich: .Man darf auf deutscher Seite die Aussichten der Rationalen Bereinigung nicht überschätzen, vor allem darf man«wer nicht«ine Panikstimmung aufkommen laffen, die eine tschechische Rechtsregierung ohne unb gegen die Deutschen nach den Wahlen kommen sieht. Ls wird im hohen Raste vom deutschen Wähler abhängen, ob die allnationale Koalition wiederkehrt. Wenn er die altbewährten aktivistischen Parteien im Stich laßt, zu denen die Tschechen Vertrauen haben, kann es wohl geschehen. Wenn jedoch genügend koalitionsfähige Abgeordnete ins Parlament einziehen, ist diese Gefahr wohl nicht akut." Da handelt es sich wohl bald mehr als um ein unfreiwilliges Bekenntnis zu dem Erfolg der bisherigen aktivistischen Politik im Interesse des Sudetendeutschtums. Die.Fieichenberger Zeitung", di« d«n aktivistischen deutschen Sozialdemokraten, deren Regierungspolitik sich durch sechs Jahre nicht blost im Interesse des Staates, sondern vor allem auch des Sudetendeutschtums bewährt hat. bestimmt nicht gut gesinnt ist, malt den Wählern das Schreckgespenst der allnationalen Koalition vor Augen, wenn sie die.altbewährten aktivistischen Parteien, zu dmen die Tschechen Vertrauen haben", im Stich lassen. Und nach der Aera der allnationalen Koalition haben sich die Sudetendeutschen wirklich nicht zu sehnen. Was jedoch heute im sudetendeutschen Lager vor sich geht, zielt darauf hin, daß weniger die allnationale Koalition, sondern vielmehr der tschechische FasciSmus in der Verkleidung der„Rationalen Bereinigung" ans Ruder gedrängt wird und tvas die Sudetendeutschen von einer solchen Regierung zu erwarten hätten, davon kann sich jeder deutsche verkappte Faschist aus Henleins Heimatfront überzeugen, wenn er eine Wahlversammlung der„Nationalen Bereinigung" besucht. Davon haben natürlich die Henleinleute in Eger und Asch rind in den anderen reindeutschen Städten keine Ahnung, aber im Sprachgrenzgebiet Weitz man darüber guten Bescheid. Man kann wiederholen: Ls wird vom deutschen Wähler abhängen, wie er in der nächsten Wahlperiode regiert werden wird; er wird darüber zu entscheiden haben, ob Deutsche in der Regierung ihren, wenn auch geringen Einfluh im Jntereffe des Sudetendeutschtums geltend machen oder ob eine allnationale, vielleicht sogar halb« fascistische Koalition die Geschicke in diesem Staate lenken werden! B. S. Die Sammvrzeit-Staaten. Im Jahre 1988 wird in folgenden Staaten di« Sommerzeit eingeführt werden: In B e l g i e n vom 81. Rärz(2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) bi- 6. Oktober, in Frankreich vom 80. März(23 Uhr) bis 8. Oktober (Mitternacht), in Holland von der Rächt vom 14. auf den 18. Mai bis zur Rächt vom 8. auf den 6. Oktober, in Portugal vom 80. März (28 Uhr), in Großbritannien von der Nacht vom 18. auf den 14. April bis zur Nacht vom 5. auf den 6. Oktober und in den Bereinigten Staaten ab 28. April, Schule Schloffer (Don einem Prager deutschen Hochschullehrer)' In der Erregung über den Fall Gach darf man sich nicht darauf beschränken, die Oeffentlich- keit nur auf die Klinik Schloffer und den Geist, der dort gepflegt wird, hinzuweisen. Es gibt auch andere Prager Kliniken und Institute, in denen ähnliche Fälle vorkommen könnten, wie der beklagte und es gcht vor allem inderdeutschenPro- vinz zahlreiche Krankenhäuser, unterderenAerztendieGesinnung des Dritten Rei ches gepflegt wird. Die Prager deutsche Hochschule, die sich getade in den vergangenen Tagen mit sehr viel Stolz als die älteste deutsche Hochschule bezeichnet hat, hat eine grotze geschichtliche Aufgabe vernachlässigt und einen Augenblick von stärkster Verpflichtung versäumt. In einer Zeit, wo bewaffnete Banden die deutschen Hochschulen kommandieren, wo ein freies Wort mit Verlust der Stellung, Einkerkerung, ja mit Lebensgefahr bedroht ist, haben die Profefforen der ältesten deutschen Hochschule die Pflicht gehabt, die Ehre der deutschen Wissen- schast zu retten und das auszusprechen, was ihren Amtsbrüdern in Deutschland zu sagen unmöglich gemacht wurde. Sie hätten zu sagen gehabt, datz die Wiffenschast nur in der Freihest gedeihen kann, datz die Inthronisierung eines Blut- und Rassen- mythos die Zerstörung der vorurteilsfreien Forschung und die Vernichtung jedes wiffenschastlichen Wahrheitsstrebens bedeutet. Sie hätten sagen müssen, datz sich die grotze Gemeinde aller forschenden, lehrenden und bekennenden Geister mit aller Entschiedenheit gegen die Aufstellung von Raffengrenzen innerhalb dieser Gemeinde wehrt und sie hätten erklären müssen, datz die neudeutsche Raffendifferenzierung eine Schändung biologischer und anthropologischer Forschung darstellt. Sie hätten Protest erheben dagegen, datz der wiffenschastliche Betrieb an den Hochschulen unter die Kontrolle und terroristische Leitung einer geistfeindlichen Partei gesetzt wird. Sie hätten erklären müffen. datz sie die Verbrennung von Büchern als die ungeistigste und zugleich auch die schwächste Form der Widerlegung von wissenschaftlich erarbeiteten Auf» faffungen und Behauptungen ansehen. Sie hätten erklären müffen, datz die öffentliche Verbrennung von Büchern die Methode war, mit welcher in den Zeiten tiefster geistiger Finsternis gearbeitet wurde und datz es ein« Schande ist, die deutsche Jugend zu diesen Methoden zu erziehen. Nichts davon haben die bewährten Herren getan, aber Seine Magnifize n z hat sich am Tisch Konrad Henleins zu den Klängen des Hohen- friedbepger Marsches unter dem brausenden Jubel der anwesenden akademischen Jugend erhoben. Die Klinik Schloffer kommt einigermatzen unverdient zu ihrem traurigen Sonderruf. Man jat inzwischen vergessen, datz Herr Professor N o n-1 nenbruch die Jnternatronale Tagung der Endokrinologen durch seine Intrigen torpediert hat und datz er ohne Widerspruch den Vorwurf des! Wiener Profeffors Julius Bauer in der.Prager Presse" vom 16. Juni 1934 hat auf sich sitzen laffen: „Die Argumente Rannmbruchs find nur«ine geschickte Tarnung ganz anderer Beweggründe, die Herr Ronnendruch allerdings«nr außerhalb der Grenze« der Tschechoslowakischen Republik geltend gemacht hat und auf die ich hier nicht näher eingehen will." Wer erinnert sich im gegenwärtigen Augenblick nicht an die sudetendeutschen Briefe, die ein»Spectator" in der M ü n ch e- ner Medizinischen Wochenschrift veröffentlicht hat? Bon wo aus wohl dieser.Spectator" geschaut haben mag? Jeder Prager deutsche Mediziner weih, datz die Rigrosanten-Kurse des Assistenten K u d l i ch am Institut des Professor G h o n dauernd ju- d e n r e i n gehalten werden und datz wie durch ein Wunder die Kurse schon immer voll besetzt sind, wenn ein jüdischer Student seine Beteiligung anmeldet. Bor allem aber übersieht man, datz die P r o- vinzspitäler die fruchtbarsten Pflanzstätten dieses Geistes der Unduldsamkeit und der Feindseligkeit gegen alles, was im Hitlerjargon als das Zeichen unsere».Systems", nämlich des Systems der Demokratie, der Duldsamkeit der Sozialpolitik angesehen wird. Man glaube nur ja nicht, datz es sich bei der Pflege diese» Geistes nur um die Arierfrage handelt! Man höre nur hin, was die jungen Herren an den Kliniken und in den Provinzspitälern zur Krankenversicherung, zur Gesundheitsfürsorge, zur Gleichberechtigung der Frau, zur Frage des demokratischen Wahlrechts, zum Problem des Friedens und zur Frage der Ordnung innerhalb des Volles und zwischen den Böllern zu sagen haben. Wer die Schule Schloffer von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, der wird erkennen, datz der Fall Gach eine viel tiefere Bedeutung hat und daß es sich nicht allein um die Frage handelt, ob jüdische Aerzte in diesem Staate noch die Möglichkeit der wissenschaftlichen Ausbildung besitzen. Er wird erkennen, datz eS für die Arbeiterschaft und für alle Demokraten in diesem Staate von allergrößter Bedeutung ist, was von den akademischen Lehrern neben der rein technischen Ausbildung in ihrem Fache noch an geistigem Gut oder ungeiftigem Ungut au die Schüler gegeben wird. Schneesturm verhindert Landung auf dem Prager Flugplatz. Der Schneesturm, der am Freitag nach 13 Uhr über Prag wütet-, machte das Landen des Flugzeuges der Air France auf dem Flugplätze von Kbely unmöglich. Die Direktion des Flugplatzes setzte sich mit der Maschine in radiotelegraphische Verbindung und empfahl dem PilÜken, das Flugzeug direkt nach Wien zu steuern, da die Sicht auf dem Praaer Flugplätze sehr schlecht war. Rach vier Jahre« erwischt. Am 8. Jänner der Jahres 1931 hatten unbekcmnte Täter in der Molkerei de» Franz Hradeeky in Schönpriesen einen Einbruch verübt und 8000 XL entwendet Erst dieser Tage gelang e» der Ausfiger Polizei' festzustellen, datz der Einbruch von einer Diebesbande, u. zw. dem bereit» mst schwerem Kerker vorbestraften Rudolf Kinkal aus Schönpriesen mü> dem Verbrecher Josef Cipr aus Lekice bei Roudnice. verübt wurde, die auf Initiative der bereit» häufig vorbestraften Marie Cinybullovä autzer diesem noch viele kleinere Diebstähle begingen. Kinkal und die Cinhbulkovä wurden dem Bezirksgericht in Aussig eingeliefert, während Cipr sich in Roudnice in Haft befindet. Fahrpreisermäßigung hei» Besuche Prag». Der Landesverband für Fremdenverkehr in Prag macht die Oeffentlichkeit auf die 83prozentige Eisen- bahn-Fahrtermätzigung bei Benützung seiner Reise- blockS für einen dreitägigen Aufenthalt in Prag aufmerksam. Die Ermätzigung kann jederzeit benützt werden und ist an eine zweimalige Uebernach- tung und drei Hauptmahlzeiten in Prag gebunden. Die Blocks erhalten Anweisungen auf Ermäßigung für fast alle Prager Theater. Die Reiseblocks zu Xi 148.— ruck Xi 100.— sind bei allen Cedok- filialen, in den Verkaufsstellen der Prager Mustermesse, in den Filialen und Affilationen der Legio- bank erhältlich. Alle diesbezüglichen Informationen erteilt der Landesverband für Fremdenverkehr, Praha I, Obecni düm. TagesneuigKciten Wer hat bett Chauffeur Watzek ermordet? Wir haben seinerzeit darüber berichtet datz i« der Rächt vom 14. auf den 15. März der Chauffeur Watzek au» Teplitz-Schönau telephonisch zu einer längere« Fahrt aufgefordert wurde, von der ler seither nicht zurückgekehrt ist. Man fand am anderen Tag das Auto bei Herrlich und kurz« Zeit darauf in der Nähe von Radowefitz, also i» einer ganz. anderen Richtung die Decke«. Im Auw sollen fich Blutspuren und Teile eines menschlichen Gehirn» gefunden haben. Der Wagew hatte in jener Nacht 188 Kilometer zurückgelegt. Die FahndungSabteilunge« forschten nun nach dem Chauffeur, dar jetzt Pot aufgefunden wurde. Auf giuem Felde an der Bezirksstraße zwischen Bilin und Prohn war Watzek eingegraben worden. Der Körper de» Getöteten war gefesselt, daS Gesicht zugebunden und der Kopf eingeschlagen. Dir Untersuchung wird fich nun den fürchterlichen, immer geheimnisvoller werdenden Vorgängen jener Nacht mit vermehrter Intensität zuwenden, e» besteht aber kein Zweifel, daß hier ei« furchtbare» Verbrechen begangen wurde. Vom Rundfunk ■a^leMamrararlM wo« 4m hiirMMd TatuStag Prag, Sender L.: 10.08 Deutsche Presse. 13.48 Leichte Musik. 18.88 Jazzkonzert. 16.40 Rundfunk für die Jugend. 17.08 Klavierkonzert. 18.00 Deutsche Sendung: Jugendstunde. 18.80 Deutsche Presse. 19.lv Bunter Abend. 22.18 Tanzmusik.— Sender S.: 14.80 Polka- und Walzer. 18.00 Deutsche Sendung: Halbe Stunde Schumann. 18.30 Kulturrelief. 18.15 Turnstunde für die Reinsten.— Brünn: 17.05 Lieder von Dvokak. 17.50 Deuffche Sendung: Chorkonzert.— Möhrisch-Ostraur 12.35 Orchesterkonzert.— Prttzburg: 18.10 Liederkonzert.• Rrueö Nawag Haos. Am 27. Rärz fand«ine Sitzung der BerwaltuagtrateS der Rawag statt, in der der Bau eine» Funkhaus«» beschlossen wurde. DaS Funkhaus wird auf den Gründen des Theresianum»■ errichtet werden. 6,700.000 Schilling. fern Sommer begonnen werden. Brutaler Raubüberfall auf eine Konfumverei«»- Magazineuri« Kladno. Donnerstag nach 7 Uhr ging die Magazineurin der Konsumgenossenschaft„Böela", Aloisia Kubovä, mit ihrer Gehilfin KaPali n o v ä bei Mräkov in der Nähe des Bahnhofes LibuSin an der Eisenbahnstrecke Prag— Karlsbad durch einen Wald. Plötzlich tauchte hinter den beiden Krauen ein Mann auf, dessen Gesicht durch ein weißes Tuch unkenntlich gemacht war. Der Unbekannte versetzte der Kubovä einen Stockhieb, schlug si« zu Boden und versuchte, ihr das Handtäschchen zu entreißen, in dem sie die gesamte Tageslosung des Konsumvereins im Betrage von 4000 XL trug. Die Ueberfallene setzt« sich mit allen Kräften zur Wehr. Ihre Begleiterin rief laut um Hilft, Der Unbekannte schlug jedoch auf Frau Kichovä unbarmherzig so lange mit dem Stock ein, bis sie daS Bewußtseinverlor. Dann Die Baukosten belaufen sich mrf raub t e er ihr die T a s ch e und flöh, als im Mit dem Bau soll noch in die- i Walde ein Schutz krachte, in der Richtung nach ' Kladno. Auf die Hilferufe der Kapalinovä war nämlich der Heger, der sich auf seinem Abendrundgang befand, hevbeigeeflt und hatte einen Alarmschuh abgegeben. Durch diesen Schuß wurde vielleicht der Frau Kubovä das Leben gerettet, denn der Räuber hatte sft bis dahin so roh und heftig geschlagen, daß er sie vielleicht getötet hätte. Die Ueberfallene erlitt schwere innere Verletzungen und befindet sich jetzt im Kladnoer Krankenhaus in Behandlung. Ihre Begfttterin Kapalinovä wurde durch den Ueberfall so erschreckt, daß sie einen Nervenschock erlitt. Die Sicherheitsbehörden sind dem Räuber auf der Spur. Verfluchte Bildung! Auf der sogenannten Arbeitstagung des Preußischen Staatsrates sprach Reichsminister Rust über die»Grundzüge nationalsozialistischer Erziehung". U. a. sagte er:. »Das Lehrerseminar ist ein vollständiges Unding, weil es die Allgemeinbildung mit der Lehrerfachbildung vermischt hat. Wir Hecken zur Genüge diese verflucht« Allgemeinbildung erlckt. WaS wir heute gegenüberstellen, ist«ine natürlich« nationalpolitische Erziehung. Herzensbildung und Religiosität und al- Drittes dann die besondere Fachbildung." Die»besondere Fachbildung als Drittes" besteht nämlich hauptsächlich im Exerzieren. Darum wohl schreibt im»Deutschen Philologenblatt" ein Lehrer namens Fritz Friedrich: »Am Deutschen und an der Geschichte— das sage ich als begeisterter Historiker und Geschichtslehrer— kann der Schüler weder denken noch arbeiten lernen". Und ein nattonalsozialisüscher Geschichtslehrer muh das schliehlich wissen. Biologische Standardisierung. Der Generalsekretär des Völkerbundes hat di« Regierungen der Mitgliedstaaten aufgefordert, ihre Vertreter zu der am 1. Oktober d. I. in Genf beginnenden Konferenz zu entsenden, die alle Bestrebungen nach einer Standardisierung auf biologischem&ebiet konzentrieren soll- Die Konferenz soll insbesondere die Arbeitsergebnisse der biologischen Standardisierung verzeichnen, sowie die Möglichkett einer Verwendung und ständigen Einführung der von der Ständigen Kommission für biologische Standardisierung aufgestellten internationalen Skalen und Einheiten prüfen. Zwölf verschieden« Sera und Medikamente befinden sich bereit» in den Laboratorien der Ständigen Kommission, dft bestrebt ist, eine möglichst große Anzahl von Staaten zur Annahme und Verwendung der biologischen Standardisierung zu bewegen. Zieh««» der Prager Messelatterie. Di« Ziehung der 9. Sachlotterie der Prager Messe findet bereits am 10. April l. I. statt. Der um 1100 Gewinste erweiterte Spielplay weist jetzt 8641 Treffer aus, der Preis der Lose(8 XL) ist jedoch unverändert geblieben. Die Gülttgkeit der SauntagS-Rückfahttkartm wurde für dieOsterfeiertage verlängert und zwar für die Hinfahrt ab 17.—21. April und für Rückfahrt vom 21.—24. April. Die Hinfahrt darf also frühestens am 21. April angetrete», die Rückfahrt muß am 24. um 24 Uhr beendet sein. Sttatzenbahn gegen Auto. Auf der elektrischen Kleinbahn Lworno—Pisa stießen eine Straßenbahn und ein Lastauto zusammen. Dabei«r- litten 13 Insassen des StxaßenbahnzugeS erhebliche Verletzungen. Die Verletzten, von denen mehrere lebensgefährlich verletzt sind, wurden in ein Krankenhaus in Pisa gebracht. Selbstmord einer Ururenkelin von Lord Byron. Erst nachträglich wird bekannt, daß nach dem zusammengebrochenen Benizelisten-Aufftand die Ururenkelin von Lord Byron, JelenaKe- k u p u l o s, Selbstmord verübt hat. Sie war eine der besten Sportlerinnen Griechenlands, Meisterin im Floretffechten und Fliegerin. In Mazedonien kämpfte sie an der Sette der Beni- zelisten und bildete eine Art Amazonenabteilung. Rach der Niederlage brachte sie sich mit einem Dolch eine tödliche Wunde bei. Uhr«n letzten Wunsch« entsprecherck, wurde sie auf einem ein- sanien Berge Mazedoniens beigesetzt. Einbrüche. In der Nacht auf Freitag wurde die feuerfeste Kassa der Zentralapotheke auf dem Masaryk-Platz in Mähr.-Ostrau erbrochen, wobei den TÄern 2000 XL in bar und ein größeres Quantum Rarkottka im Werte von 10.000 XL in die Hände fielen. Rach den Tätern wird geforscht. In Rkmeeka Lutyni wurde in der Nacht zum Freitag die feuerfeste Kasse im Büro deS staatlichen Großgrundbesitzes erbrochen, wobei 7000 XL in bar entwendet wurden. Ei« Wirbelsturm mtt darauf folgendem Wolkenbruch suchte die Stadt Charlotte (Nordkarolina) und Umgebung heim. Reben ungeheueren Schaden an Gebäuden und auf den Feldern wurden dreiPersonengetötet und zahlreiche verletzt. Wahrscheinliche» Wetter vou heute: Veränderlich. strichweise Schauer, zeiNveise Aufheiterung, frischer bis starker Wind aus nördlichen Richtungen. Auch in dm Niederungen Nachtfrost, auf dm Bergen Nebel, Frostverstärkung und zeitweise noch Sturm. — WetterauSsichte» fü Sonntag: Veränderlich, zeitweise heiter, Kichl, abflauender Wind. Nr. 76 Samstag, 30. MSrz 1S38 Sekte S Neger als Unterhauskaudidat Kingston(Jamaica). Der Negerführer Marcus Garvey ist Dienstag auf einem Dampfer nach England gefahren, wo er das Hauptquartier seiner„Organisation der farbigen Völker" zu errichten gedenkt. Er beabsichtigt, als Arbeiterkandidat für das britische Unterhaus aufzutreten, und zivar entweder in Kensington oder in Battersea(beides Stadtteile von London). Zerstörende Springflut. In der japanischen Provinz Hokkaido wurde die Küstenstadt O t s u, unweit von Tokashi, von einer Springflut zerstört. Zahlreiche Häuser wurden vernichtet. Nach amtlichen Mitteilungen fehlen zurzeit noch Nach richten über verschiedene Fischer, die gestrandet sein sollen. Die Regierung hat umfangreiche Hilfsmaßnahmen für die betroffene Bevölkerung verfügt. Straßenbahner-Streik. Donnerstag nachmittag, in Stadt Mexiko begannen rund 8000 Straßenbahner einen Streik, durch den der gesamte Straßenbahnverkehr'stillgelegt wurde. Brennendes Oel im Hambnrgrr Hafen. In den frühen Morgenstunden deS Freitags wurde di« Feuerwehr in den Hamburger Hafen gerufen. Im Kuhwärder Hafen brannte auf dem Wasser schwimmendes Oel in einer Ausdehnung von 100 bis, 200 Quadratmeter. Außerdem waren einige Fahrzeuge bereits in Mitleidenschaft gezogen worden, Der Feuerwehr gelang«S nach anderthalbstün- diger Arbeit die einzelnen Brandherde auf Schuten, Kähnen, Getreidehieven und einem Seedampfer zu löschen. Der Sachschaden ist erheblich. Brand. Donnerstag, in der Nacht, imch 1 llhr, brach im städtischen Wirtschaftsgut inKleische ein Brand aus. In der Scheune war, offenbar durch Selbstentzündung, Torfmull in Brand geraten, der in den Ställen als Streu benutzt wird. Durch daS rasche Eingreifen der Feuerwehr wurde eine größere Beschädigung der Scheune und ein Ueber- greifen des Feuers auf die in unmittelbarer Nähe befindlichen Ställe und Wirtschaftsgebäude verhindert. Die Löscharbeiten dauerten fast bis 4 Uhr früh und waren sehr schwierig, da der Torfmull ständig weiter glomm und immer wieder Feuer fing. Bei den Löscharbeiten zog stch der Feuerwehrmann Karl Prass«, der beim Schlauchlegen über das Gebälk stürzte, eine i n- nere Verletzung zu. Danziger Wahl und Hitler-Offensive Der 7. April und die Devise:„Zurück zum Reich** Man muß sich die Daten merken—: Mitte Feber drückten die Nationalsozialisten ohne Not im Danziger Volkstag, in dem sie die einfache Mehrheit besitzen, die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen für den 7. April durch. Sie hätten den Appell ans Volk nicht nötig gehockt, die Verfassung gewährte ihnen noch zwei Jahre Zeit. Wenige Wochen später verübte Hitler sein Attentat auf den europäischen Frieden» indem er durch die Verkündung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland den Versailler Vertrag feierlich und demonstrativ zerriß. Die Neuwahl in Danzig und das Aufziehen der deutschen Kriegsflagge in Berlin stehen in eindeutigem Zusammenhang miteinander. Schon vor der Annullierung des Vertrag» von Versailles war die Hitler-Jrredenta in allen Grenzgebieten unheimlich rege. In Litauen, in Eupen-Malmedy, in Polnisch-Oberschlesien, im Elsaß und nicht zuletzt im sudetendeutschen Gebiet der Republik waren die Agenten des„Dritten Reiches" in vollster Miniertätigkeit. Diese Aktivität wird sich verdichten und zu ganz bestimmten präzisen Forderungen„grenzrcgulierender Art" führen, Forderungen, die unmißverständlich und brutal in der Hitlerbckel„Mein Kampf" ausgezeichnet sind. Der Freistaat D a n z i g befindet sich in b e- sonderer Situation. Er steht unter dem formalen Schutz des Völkerbundes und ist als Prellbock gegen expansive deutsche Bestrebungen Polen vorgelagert. In Danzig regieren die Nazis. Mit kaltem Boykott, mit Jndividualterror, mit skrupelloser Günstlingswirtschaft und mit jener charakteristischen zynischen Geschäftigkeit, die den große» Diktaturbruder im Reich so auszeichnet—. Trotzdem müssen sie sich mit wesentlich anderen Verhältnissen abfinden als im Reich. Die Verfassung gilt, so sehr und so oft die Regierenden sie auch zu umgehen versuchen—. Der Parlamentarismus ist intakt, so häufig ihn auch die nationalsozialistischen Volkstagsabgeordneten durch Prügelszenen zu diskreditieren bestrebt sind. Die Parteien sind, außer der konNnu» »istischcn, nicht aufgelöst, wenn auch die Terrortrupps der SA alles tun, um ihre legale, gesetzmäßige Propagandatätigkeit zu unterbinden. Diesen„liberalistischen Widrigkeiten" wollen die Danziger Nationalsozialisten, wohl auf Weisung vom Reich her, mit dem sie aufs engste Zusammenarbeiten, ein Ende machen. Durch Erzielung einer Zweidrittelmehrheit im Volkstag hoffen sie, die Barriere der Verfassung umlegen zu können. Das Ziel dieser Wahl ist der totale Staat und nicht nur daS —. Es ist, nach den Borposten-Plänkeleien der Hitler-Jrredenta, der e r st e methodische V e r- s u ch, zur„Grenzregulierung" zu gelangen. Der Errichtung des Totalitär-Freistaats soll die E i n- verleibung ins deutsche„Mutterland" folgen. Dieses Endziel ist klar und alle deutsch-polnischen Freundschastsverträge vermögen es nicht auszulöschen. Auch Polen merkt, woher der Danziger Wind pfeift und die lebhafte Beunruhigung der polnischen Presie über den täglich zunehmenden Wahl-. kainpf-Terror der Nationalsozialisten, und nicht° zuletzt gegen die Danziger Polen, die mst einer eigenen Liste aufmarschieren, beweist, daß man in Warschau zu ahnen beginnt, was papierene Dämme gegen Hitlerschen ExpansionSgeist werb sind—. Wie stehen nun die Fronten der BolkstagS- wahl und wie sind die Aussichten der einzelnen. Parteien? Deutschnationale und Zentrum haben sich zu einer gemeinsamen oppositionell- bürgerlichen, ^nationalen" Wahlgruppe vereinigt, die Polen haben, wie bereits gesagt, ihre eigene Liste, dir Sozialdemokratie, gestützt auf ihr Netz tapferer,, kampfgestählter Vertrauensleute, geht s e l b st ä n d i g in den Wahlkampf. Spitzenkandidat ihrer Liste ist der Arbeiter Brill, der alte Parteivorsitzende, der wegen seiner Gesinnung zurzeit im Gefängnis sitzt. An aussichtsreicher Stelle kandidiert auch der Vorsitzende der neuen Arbeitergewerkschaft, Karl Töpfer, die nach der räuberischen Gleichschaltung der alten Gewerkschaften ins Leben gerufen wurde und rasch an Einfluß gewinnt. Die kommunistische Partei als solche kann nicht in den Wahllampf eintreten, da sie verboten ist, kommunistische Wahlvorschläge indessen dürften aus verfassungsmäßigen Gründen kaum inhibiert werden. Endlich ist noch der Wahlvorschlag einer oppositionellen, nicht gleichgeschal- tcten Frontkämpferorganisation zu registrieren. Bei der Beurteilung der Wahlchancen ist Vorsicht sehr am Platz. Die Nationalsozialisten, skrupellos wie immer, arbeiten nach dem bewährten S a a r r e ze p t. Ihr Führer Forst e r, ein einunddreißigjähriger, nach Danzig importierter Reichsdeutscher, hat das Stichwort ausgegeben und die gleichgefchaltete Presse leiert es immer wieder herunter—: wer gegen die Danziger Regierung stimmt, stimmt gegen Deutschland—. Der Danziger„Borposte n", das offizielle Naziblatt, gibt täglich die Parole aus:„Zurück zum Reich l" und die Gegner des Regimes werden als„Separatisten und Landesverräter" verschrieen. Immerhin ist festzustellen, daß hier der an der Saar so erfolgreich zur Anioendung gebrachte Trick nicht recht zieht; die Versammlungen der Opposition weisen fast durchweg überraschend starken Zulauf auf und die bisher abgchaltenen sozialdemokratischen Kundgebungen mußten zwei Stunden vor Beginn wegen völliger Ueberfüllunz gegen die noch andrängenden Massen gesperrt werden—. Indessen, Versammlungen sind kein endgültiges und eindeufiges Symptom. ES ist notwendig, auf die G e f a.h r e n d e s T e r r o r S hinzuweisen, der von Tag zu Tag steigt und bis zum 7. April wohl noch auf Saarmaß und darüber hinaus„massiert" werden wird. Der Druck, unter den breitesten Massen/ die in wirtschaftlicher Abhängigkeit stehen, gesetzt werden, kann die Wahl entscheidend beeinflussen. Schon heute ist es bereits so, daß oppositio- nclle Wahlhelfer und Flugblattverteiler in den Straßen niedergeschlagen und ihres Propagandamaterials beraubt werden—. In den Geschäftslokalen der wenigen oppositionellen Blätter werden Voss selbstverständlich stets unauffindbarem Mob die Scheiben eingeschlagen, aus tausend Kanälen fließt die erpresserische Beeinflussung und droht mit Hunger Und Gewalt. Der Völkerbundskommissar, dessen Pflicht es wäre, hier ordnend einzugreifen, verhält sich völlig passiv. Eins ist gewiß: gelingkes den Nazis, am 7. April die Zweidrittelmehrheit und mehr an sich zu reißen, so ist Europa einen weiteren verhängnisvollen Schritt zum nächsten Kriege weiterge« gange n. Dann ist Danzig daran. Und was sollst nach—? P. PBAGEIt ZBITBMG Epileptikerin zerfleischt ein Kind Ein furchtbarer Vorfall ereignete sich gestern vormittags im Hause Nr. 1047 v Hotkäch in Vrsoviee. Die Hausmeisterin Marie Mezera hatte ihr vierjähriges Töchterchen Jarmila der im zweiten Stockwerk desselben Hauses wohnenden Marie Bojtar zur Aufsicht übergeben, während sie die Treppen wusch. Als sie zwei Stunden später, um 12 Uhr mittags, zurückkehrte, sand sie dar Kind, dessen Kopfhaut buchstäblich skalpiert worden war, mit blutigen Striemen ohnmächtig im Kohlenkasten liegen. Der herbeigeholte Arzt ordnete die Ueberführung ins tschechische Kinderspital an, doch starb das Kind gegen 3 Uhr nachmittags an einem Bluterguß ins Gehirn, ohne daS Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Die Bostarovä, die sich während der Szenen, die der Auffindung deS lleinen Mädchens folgten, völlig teilnahmslos verhielt, wurde verhaftet. Die B o j t a r, die den„besseren Ständen" angehört— ihr Mann, von dem sie getrennt lebt, ist Advokat in Preßburg— war bereits dreimal im Irrenhaus«. Nach der Geburt ihres ersten Kindes zeigten sich epileptische Zustände, die ihr Verbleiben zu Hause unmöglich machten und die auch nach kurzem Aufenthalt in die Irrenanstalt, nach dem man versucht hatte, sie nach Hause zu nahmen, wieder austraten. Besonders litt sie unter der Er- llärung des Arztes, daß sie keine Kinder mehr haben dürfe, was bei ihr geradezu eine Art Rachsucht gegen andere, in dieser Hinsicht begünstigte Frauen, erzeugte. Ihr Verhältnis zu ihrem eigenen Kind«, das etwa im Alter der lleinen Jarmila stand, scheint ambivalent gewesen zu sein; während die Hausbewohner im allgemeinen behaupten, daß sie eS liebte, soll sie andererseits— ostenbar ebenfalls in einem epilepttschen Anfall—- mit einem Messer auf eS losgegangen sein. Möglicherweise sah sie in ihrem Kind auch die eigentliche Ursache ihres Schicksals, auf weitere Kinder verzichten zu müssen. Ihre Mutter und ihre Schwester hatten sie im November— zum Teil aus finanziellen Gründen— gegen Unterfertigung eines Reverses, in häusliche Pflege übernommen. Seit vorgestern abends befand sich die Bojtar allein in der Wohnung, da ihre Mutter mit ihrem Töchterchen nach der Slowakei gefahren war. In Unkenntnis dieses Umstandes hatte Frau Mezera um 10 Uhr vormittags der Bojtar ihr Kind zur Pflege überlassen, zumal sich diese sehr um das Kind bemüht und behauptet hatte, sie wolle mit ihm spielen. Als sie ihr gegen'Mittag begegnete, be- merkte sie. sie würde nun bald um das Kind kommen, da sie ihm zu essen geben wolle. Daraufhin machte die Bojtar kehrt und lief in ihre Wohnung zurück. Einige Minuten später läutete Frau Mezera an, ohne daß ihr jemand öffnete. Erst als andere Parteien durch das Läuten aufmerksam geworden waren, machte die Bojtar auf und sagte lächelnd:„Sie dürfen nicht erschrecken, Frau Mezera, die lleine Jarmila ist ein wenig ohnmächtig." Nun betrat Frau Mezera die Küche und sah ihr Kind nach unten im Kohlenkasten liegen. Die Haare waren büschelweise mit der Haut auSgerissen, der Körper überdies, wie sich später zeigte, von Striemen und Bißwunden bedeckt und di« Sttrn des Kinde? zeigte drei große, blutunterlaufene Flecken. Während Frau Mezera schreiend mit dem Ausruf:„Sie hat mir mein Kind erschlagen l", die Stiegen herunterlief, ging die Bojtar, als ob nichts vorgefallen wär«, in der Küche herum und kochte Suppe. Als einige Minuten später die Polizei erschien, erklärte sie, dar Kind habe beim Spielen den Nachttisch umgerissen; daher stammten die blauen Flecken. Auch auf dem Polizeikommiffariat gab sie nichts anderes an. Gewittersturm. Der gestern gegen Mittag über Prag niedergehende G ewitter-Schnee- st u r m, der übersallartig einseht«, hat in der Innenstadt wie in den Vororten erhebliche Verwüstungen zur Folge gehabt. Der Orkan zerschlug zahlreich« Fensterscheiben. Am Altstädter Ring kamen mehrere Personen in Gefahr, als der Sturm«in Dach abdeckte und Ziegel und Mauerwerk dirett vor den Fußgängern zur Erde prasselten. Die Erschreckten stürzten iy einen HauSeingang, dessen Scheiben in Trümmer gingen, ohne das aber jemand verletzt wurde. In den Vororten war der Orkan so stark, daß Bäume entwurzelt und Passanten zu Boden geworfen wurden. Tranport do« Blindenbüchern aus der elektrischen Straßenbahn. Der Verwaltungsrat der Prager Elektrischen Unternehmungen hat beschlossen, daß von nun an der Transport von Blindendruckschristen durch die elektrische Straßenbahn kostenlos erfolgen wird. Die Bücher dürfen jedoch nicht verpackt sein, um eS dem Kondutteur zu ermöglichen, festzu» stellen, ob es sich nicht um andere Gegenstände handelt, für die die GepäckStaxe zu bezahlen wäre. Die„raffiniert einfachen" Spielautomaten— nurmehr acht Tag». Bekanntlich ist unsere.Lebewelt" in der letzten Zeit von den Kronen-Automaten ForS-Astra an von Stufe zu Stufe bis zur Roulette gesunken, wo sie, in einem Vorraum der Alhambra, und anderwärts,„mit stier aus den Höhlen tretenden Augen", wie der„Expreß" bemerlle, den Lauf der schicksalhaften Kugel verfolgte. Die Sqche wirkte, von außen besehen, mehr komisch als verführerisch; trotzdem wurde vielfach auf ihren unmoralischen und eigentlich illegalen Charakter hingewiesen, sowie darauf, daß dem Staate, sobald daS Treiben größere Dimensionen annahm, zahlreiche Steuergelder entgingen. Nun ist durch Kundmachung der Polizeipräsidiums vom 27. März das Automaten-, Roulette- und sonstige Glücksspiel endgültig verboten und die Automaten, die, wie es im Erlaß heißt,„durch ihre raffiniert« Einfachheit daS Publikum verführen", haben binnen acht Tagen zu verschwinden. Ein« Massenversammlung über di« Verhältnisse an den deutschen Kliniken veranstaltet Samstag die Liga gegen den Antisemitismus. Es sprechen: Leo Sychrava, Dr. Georg Mannheimer, Pfarrer V- Vaniura und Dr. Eduard Fischl. Großer Saal, Dlouha tr. 41. Beginn 8 Uhr. Eintritt frei. Allgemein zugänglich. Die Osterftiertagr in den LeSkiden. Die StaatS- bahndirektion in Prag veranstaltet einen Sonderzug in den Tagen vom 16. bis 22. April mit Verpflegung und Führung in die Beskiden zum Preise von K£ 370.—. Anmeldungen täglich von 8 bis 17 Uhr mit einer Angabe im Bazar neben dem Wilson- bahnhof. Tel. 383.35. Ausstellung von Werken der französischen Bildhauerkunst in Prag. Für den Monat Mai d. I. ist «ine große Ausstellung im Belvedere-Schloß in Vorbereitung. Es werden dort französisch; Skulpturen zu sehen sein, die ähnlich wie die Ausstellung der Werke Meftroviö im Jahre 1833 in den Sälen und Loggien und im Garten des Belvedere-Schlosses zur Aufstellung gelangen werden. Freud« machen heißt Diana-Schokolade schenken, sie ist ein Edelprodukt. Gcrlchfssäal Einen Unschuldigen des Mordes beschuldigt nm seine Adresse z» eruieren Prag. Es ist bekannt, daß unaufgeklärt gebliebene Verbrechen, besonders Mordafiären, die durch sensattonelle Begleitumstände die Phantasie des Publikums reizen, eine förmliche Massenpsychose auslösen können, die u. a. in einer Flut unbegründeter Anzeigen und Verdächtigungen unschuldiger Personen in Erscheinung tritt und den Sicherheitsbehärden viel unfruchtbare Mühe verursacht. Die Ermordung der Prostttuierten I a n o t a im Walde bei Vsenor ist geradezu daS Schulbeispiel einer solchen Kriminalpsychose. Dieses Verbrechen, das ungeheures Aussehen machte und trotz aller Anstrengungen der Polizei in geheimnisvolles Dunkel gehüllt blieb; liegt bereits sieben Jahre zurück. Und doch werden bis auf den heuttgen Tag Strafverhandlungen abgeführt, die zum soundsovielten Male fälschliche Beschuldigungen unschuldiger Personen zum Gegenstand haben, die des Mordes an der Janota bezichtigt wurden. Freilich handelt es sich in solchen Fällen, über die wir mehrfach berichten konnten, meist nicht um exaltierte Phantasten, sondern um bewußte Verleumder, die mit ihren Beschuldigungen esnen mehr oder minder dunklen Zweck verfolgen. Ein besonders kurioses Exemplar ist jedenfalls der ehemalige Chauffeur Franz D r d a, der Freitag wegen deS Verbrechens der fälschlichen Bezichttgung und der falschen Zeugenaussage vor dem Strafsenat Novotny erschien. Drda saß wegen irgend eines Diebstahls oder dergleichen ler ist kein Neuling im Kriminal) in der Strafhaft des Pankrazer Gefängnisses. Am 12. Jänner ließ er sich plötzlich dem Gefängnisdirektor vorführen und überraschte diesen durch eine großartige Enthüllung. Er kenne den Mörder der Janota. Dieser„Unhold von VSenor" sei niemand anderer als Herr Jaroflav P., Leiter einer Baka- Filiale. Drda behauptet«, den Beschuldigten seinerzeit des öfteren in seinem Auto gefahren zu haben und insbesondere habe er an dem Mordtag zusammen mit der Janota nach Vsenor gebracht. Sein« Beschuldigung unterspickte Drda mit einer Menge Details und fein siebenjähriges Schweigen erklärte er damit, daß der beschuldigte Filialleiter ihm gedroht habe, er werd« ihn auf der Stelle erschießen, wenn er auch nur ein Wort verrate. Ueberflüssig zu bemerken, daß die ganze Beschuldigung vollkommen erfunden war, wie sich im Zuge der Untersuchung bald herauSstellte. Immerhin hatte der Verdächtige unangenehme Wochen zu verleben,«he seine Unschuld nachgewiesen war. Da Drda seine Aussagen auch vor dem Untersuchungsrichter auftecht erhielt, hat er sich nebst fälschlichen Bezichtigung auch noch der falschen Zeugenaussage schuldig gemacht. Warum hat er aber diese gründ- und sinnlose Anschuldigung erhoben? Er brachte dafür,«ine Erklärung, di« humoristisch genug anmutet. Der. verdächtigte Filialleiter Hecke in einem der zahlreichen Prozesse, die Drda immer wieder vor Gericht brachten, als Entlastungszeuge aussagen sollen, doch habe die Polizei niemals seine Adresse eruieren können. Diese geringe Tüchtigkeit des Meldeamtes habe ihn so geärgert, daß er sich zu der falschen Denunziation entschloß. Wenn pie Polizei nicht den harmlosen und unbescholtenen Bürger Jaroflav P. aufzüfinden imstande war— den mutmaßlichen Mörder von Vsenor würde sie sicherlich aufzustöbern wissen. Iw dieser Erwartung sah sich Drda denn auch keineswegs enttäuscht, ab« die Folgen waren für ihn unangenehm. Bei b« Hauptderhandlung bewies der Angeklagte seine reich« kriminalistisch« Routine und Erfahrung. Er verzichtete auf einen Verteidiger und stellte selbst unter juristisch einwandfreier Berufung auf di« einschlägigen Paragraphen Antrag auf Prüfung seines Geisteszustandes. Dem Gericht blieb nichts ickrig,. als dem formell einwandfreien Antrag stattzugeben und die Verhandlung zu vertagen. rb MitteiUmgen aus dem Publikum, Unangenehm« Kopfschmerzen können durch einfaches Bestreichen von Schläfen und Stirn mit Alpa- Franzbtanntwein gelindert werden. Einreibungen mit Alpa lindern auch rheumattsche Schmerzen und erfrischen bei Ermüdung. Einige Tropfen Alpa in ein Glas Wasser und Sie haben ein gute? Mundwasser, Seite 8 „Sozialdemokrat* SamStag, 30. Marz 1935. Nr. 70 Neues Frühjahr- neue Schuhe! fest« Dullbox- Schöner Lack-Halbschuh mit Zierrdhmen. Gr. 31-34 Kc 25.- Für unsere Reissteufel: der Halbschuh. 35-38 Kc 19.- 443 Fester Boxcalf-Halbschuh mit starker Mädchen-Halbschuhe aus Lack mit Verzierung. ledersohle. Gr. 31-34 KL 29.- Maust and Wissen Das unbekannte Mädchen Daß FranzMolnä r es wie nur wenige in dieser Zeit versteht, eine Theater-Handlung zu erfinden, handfeste und rührsame Szenen zu schreiben und interessante Menschen auf die Bretter zu stellen, das läßt sich einigermaßen auch noch an diesem seinem jüngsten„Drama" nachweisen; aber vom Dichter Molüär ist da- kaum mehr eine Spur vorhanden. Mit Respekt sieht man zu, wie er das Gerüst aufführt und zunächst kann man es wirklich für Beton nehmen; aber allzu rasch hört man Papier rascheln— und fast zur Komödie wird die Tragödie. Der Vorwurf ist nicht uninteressant, wenn auch im Wesen nicht, sehr originell. Ein großzügigleichtfertiger, warmherzig-kaltnäsiger Aristokrat läßt sich in einer Weinlaune dazu bestimmen, einem hübschen Ding, dem er in einer elenden Hafenkneipe begegnet, einen vierwöchigen Aufenthalt in einem Sanatorium für Reiche zu ermöglichen. Dort fühlt sich das Mädchen, dem die Natur allerhand äußere und innere Vorzüge mitgab, natürlich sehr wohl, erträumt Aufstieg für immer aus den Niederungen. Findet Anschluß, Sympathie, Liebe. Da wird sie von einem Sanatoriumsgast als das erkannt, was sie. bisher war. Der Chefarzt wird eingeweiht. Große Auseinandersetzung. Bis hieher gut. Aber nun kommt der Bruch. Molnär hat sich vorgenommen, dramatisch zu beweisen, daß die Arme zugrundegehen muß. Und also gibt es unbezahlte." Rechnungen, doppelten Liebes- und einfachen Gesellschaftskonflikt,. weil das Mädchen einem Jungen aus der sogenannten feinen Gesellschaft unch zugleich einem armen Dorspostbeam- ren den Kopf verdreht hat, der für ste alle bedenklichen-Recherchen des Chefarztes unterschlägt. Er wird verhaftet, der reiche Bursch wendet sich von der Dirn« ab; das Lügengebäude, an dem sie bis zum Schluß festhielt, fällt zusammen, sie endet durch Selbstmord. Es ließe sich ein ganzer Essay darüber schreiben, w a r u m die ganz« Chose schließlich nur mehr die Tränendrüsen allzu Rührseliger in Bewegung setzt. Eine Anklage gegen die Gesellschaft ist dem Autor nicht im mindesten gelungen— denn die benimmt sich durch die Bank höchst anständig. Und«ine Anklage gegen, das Leden? Auch, sie überzeugt nicht, weil man immer wieder Konstruktion zu spüren bekommt. Im Anfang wirkt das Stück gut, auf die ineifien sogar sehr stark und es gibt sehr viel Vorhänge. Aber dann, ungefähr von der Mitte ab, wird die Mehrheit des Publikums nüchtern und der große Erfolg bleibt aus. Möglich, daß daran nicht Molnär allein schuldig ist. Vielleicht liegt's zum guten Teil an der Darstellerin des„unbekannten Mädchens", an Dolores Moncasi, deren unbestritten ungewöhnlich gxoße Theaterkraft diese Rolle nicht durchaus zu be- lvältigen scheint. Zwar hat sie ausgezeichnete Momente und interessiert fast durchwegs. Aber es fehlt die ganz große Entladung, es fehlt diesmal ein Letztes gn Persönlichkeit, ja an Aktivität. Der'Kampf um das Glück Wird nicht sichtbar, die Blume zerknickt nicht im Sturm,' ja es fällt nicht einmal nach und nach Blatt auf Blatt; sie sinkt langsam dahin, lebensunwerter als sie Molnär gedacht haben mag. und darum Wohl bleiben Mitleid und Erschütterung aus. Und die Moncasi,- die, /das sei nochmals festgestellt, keineswegs eine Fehlleistung schuf, sondern sich, nur nicht imstande zeigte, das Unzulängliche stark genüg mit eigenem Blute zu erfüllen-4- rings um die Moncasi also, von der wiederum etwas ins Breite geratenen, sonst aber wie immer absolut sauberen und künstlerisch ernsten Regie Gellners geführt, fast durchwegs gutes Theater. Vor allem Herr Rich- ter ein prachtvoll diftinguierter, Menschlicher Arzt und Herr V a l k aus einem Guß der Mann der erst turzsichttgen Korrektheit, dann der, inneren Noblesie. Lott« Stein mustergültig als alte Dame mit Herz und Mund auf. dem rechten Meck.- trefflich ä arakterisiert ein anständig-beschränkterk. k. Admiral in Pension durch Herrn V o l k e r. Herr S i e d- la.r durchaus echt als Grandseigneur, Fraulein M r n h o l tz als im wahren Sinne barmherzig« chwesier von sympathisch ansprechender Natürlichkeit und. Güte. Die Herren S ch tn erzenreich - als unglückliche Postbeamte) und Tauchen(als >er andere Liebhaber) verraten Anlagen und anerkennenswerten Willen. ihre Rollen, zu bewältigen; och aber erscheinen sie mir zu wenig reif, Mn in 'olchen Aufgaben durchaus überzeugend das zu spie» !>.'n. was sie'mit Herz und Verstand begreifen. Das Dutzend der übrigen Darsteller sei. lobend anerkannt. L. G. ,„Blut schreit nicht«ach Rache* Emil Vacheks Roman:„Krev nevosii o pomstu" wurde in gemeinsamer Dramatisierung mit Frank Tetauer im Weinberger Theater erstauf- geführt. In den Tagesblättern wurde er als«in Spiel bezeichnet, dessen Handlung die Lösung des deutsch-tschechischen Problems im Ideal des Humanismus andeutet. Dieser Lösung, blieb das. Stück viel schuldig, wenn es auch eines der Probleme anschnitt, die uns als Erbe des Weltkrieges imme- wieder die Tiefen der entfesselten Barbarei zeigen, die ein Krieg mit sich bringt. Kann ein anständiger Mensch einen dreifachen, auch im, Krieg völlig sinnlosen Mord begehen. aus Patriotismus, weil er die Macht hat, anderen zu befehlen? Und kann er dann noch ein anständiger Mensch bleiben? Ein junger Offizier. Deutscher, läßt im Kriege in Galizien einen slowakischen Lehrer, dessen Frau und Sohn vor den Augen der Tochter, die wahnsinnig wird, erschießen,, ohne Verhör, ohne Verurteilung, weil sie ihn als spionageverdächtig vorgeführt werden. Als die Frau vom ersten Schuß nur verwundet wird, läßt er einen jungen Freiwilligen, den feinfühligen Sohn eines Advokaten, ihr den Todesschuß geben. Am Abend erschießt sich dieser junge Mensch, den Selbstmord als den einzigen Ausweg aus. der Erschütterung der Seele suchend. Die Handlung des Stückes beginnt in dem Augenbick, als der verkommen«, abgebaute deutsche Major Letz dem Vater des jungen Freiwilligen durch einen Antiquitätenhändler das Schachspiel seines toten Sohnes zum Kaufe anbietet und dadurch den immer wachen Durst nach der Erforschung der Ursache des Selbstmordes des jungen und der Rache gn den Kriegswerkzeugen des alten Caslavsky weckt.' Der Major sucht den Weg in die tschechoslowakische Armee, weil er ohne Kaserne und Anschnauzen nicht leben kann und sucht die Protektion des Advokaten, dem er den Urheber anzeigt und gleichzeifig auch die des Vaters des deutschem Leutnants Astenburg, dem er die Schuld des Sohnes verrät. Ter junge Astenburg sieht nun seine Schuld neu aufersteben, das Blut schreit nach Rache, die Rache nach Sühne. Er stellt sich dem tschechoslowakischen Militärgericht, vor dem als Zeugen neben Major Letz auch sein Adjutant, Knall, erscheinen soll, doch weder die Militärbehörde, noch der Sohn der erschossenen Frau, einzig nur der Vater besteht auf Strafe, bis zuletzt auch er kapituliert. Die hauptsächlichsten Rersonen in der Handlung sind mit keinem festen Band an die Republik gebun- , den. sie fürchten deren Urteil und doch ist der Augenz ’ blick— oder soll es wenigstens sein— in dem sich Astenburg dem Auditor eröffnet, jene Stelle, die die verschiedenartig« Anffasiung des Patriotismus zeigt: Den des mit rauschenden Phrasen erzogenen Sohnes eines deutschen und österreichisch fühlenden Beamten Buster Keaton auf Freiersfühen in seinem neuesten Film„Frigo, der Wohltäter der Menschheit" und denjenigen des vom Humanismus beseelten tschechischen Soldaten. Mord-bleibt Mord; Patriotismus allein genügt nicht, es gibt noch etwas Höheres. Major Letz in der Auffassung des Herrn Kreuzmann war«ine ergreifende, durchdachte Figur eines Nur-Soldaten, ,den ein Zapfenstreich zu Tränen rührt. Bernard Astenburg des Herrn Jiki P l a ch h war der grübelnde, innerlich zerrisiene Mensch, der zur dramafischen Höhe wächst an seiner Schuld und an der sühnebereiten Reue. Die Szene mit dem Auditor des Herrn Rozsida l, der einen jener durchgeistigten, menschlich-philosophierenden Professoren im Soldatenrvck verkörperte, wie ihn die erste Revolutionszeit mit sich brachte, gab Herrn Plachh Möglichkeit zu einem ergreifenden Moment seiner dramafischen Kunst. Eine echte Figur, auch im Zusammenbruch, des altösterreichischen Hofiates, lieferte Vater Astenburg des Herrn Strnad. Herr B o L e k im Daniel brachte die Wut des verzweifelten Menschen, der im bestem Freunde den Mörder der Eltern sieht, ebenso feinfühlend wie das Verstehenwollen des Menschen in den Augenblicken der Irrungen. vor.- Der Korbeläk schuf im Dr. Eäslavskh die Figur des unerbittlichen Richters der Schwächen und Verbrechen anderer. Die Sabine Frau L h o t o- v a s— still und bewegt— suchte zu beweisen, daß der Krieg ein« Männersache ist, an der die Frauen zugrunde gehen dürfen. Die Regie hatte Herr Dr. Bor inne. Di« zehn I Bilder des Stückes kamen zwar in rascher Folge, doch hätte eine Zusammenfassung dem Stücke schr genützt. Herr Hoffmann schuf interessante Dekorationen, jede Szene veranschaulichte die Stimmung. Der Beifall war anfangs lebhaft. üC"tr~, Sonntag: Gesamtgastspiel des Theaters in dar Josefstadt in Benatzkys Operette„Die Prinzessin auf der Leiter" mit Liane Haid. Oskar Karl- weis. Felix Bressart. Preis«: nur KL 4.50 bis 48.—. Wochenspielpla« des Neue« Deatsche» Theaters. Samstag halb 8 Uhr: Gräfin Maritza, Neueinstudierung BI.— Sonntag halb 3: I ch Habs getan,8:Di« Prinzessin auf der Leiter, Gesamtgastspiel des Theaters in der Josefstadt, Abonnement aufgehoben.— Montag halb 7 z Der T r oubadour, Theatergemeinde der Jugend.— Dienstag halb 8: GräfinMariha, A 2..— Mittwoch halb 8: Das unbekannt« Mädchen, BI.— Donnerstag halb 8: M ar- gar e t e, C 1.— Freitag halb 8: Gräfin Maritza, D 2.— Samstag halb 8: Das unbekannte Mädchen, C 1.— Sonntag halb 2: Polenblut, Arbeitervorstellong; halb 8: Margaret e, A 2. Wochenspielpla« der Kleine« Bühne. SamStag 8 Uhr: E i n G la s Wasser.— Sonntag 3 Uhr:| Gentleman, 8: M ä d ch e n für alles. Montag 8: Gentleman,, Bankbeamte und freier Verkauf, Dienstag 8: Ein Glas Wasser.— Mittwoch 8^: Ein Glas Wasser. — Donnerstag halb 8:F r äu le in Julie, Der Kammersänger, neuinszeniert.— Freitag halb 9: O p e r n ft u i i e.— Samstag 8%: F r e mdenverkeh r.— Sonntag 3: Straft e n m u s i k, 8 Uhr: Mädchen für alles. ▲ Macht uns froh Fast«b«nd 4er Atm-Kind«: Samstag, 6. April, 6 Uhr . abends, großer Radiosaal Gymnastik, Turnen, Singspiel, Bewegungschor der Beben u. Madel unter Mitwirkung der"Roten Falken*. Karten bei Optiker Deutsch Vcrcinsnadiriditcn Allgemeiner Angeftellten-Berband, Prag Narodni tf. 4/3. Amtsstunden Mittwoch 6—8 Uhr. Monat s v ers ammlung am 3. April, Mittwoch, 8 Uhr abends, im Gewerkschaftshaus, Persthn:„Die neue Wirtschaftsform in SSR". Vortragender Dr.. Strauß.— Sond e r-Abonnement für die Montagsfilme in der„Urania" gegen Vorweis des-Mitgliedsbuches. Nur im Vorverkauf.— Zweitägige Osterwande- rungen mit den Naturfreunden: 1. Kokorin— Bösig— Dauba— Geltschberg. Fahrspesen 30 KL. —.2. Lany— Pürglitz— Beraun. Fahrspesen 20 XL Anmeldungen bis 12. April.— Meldet uns telephonisch 51351 jede freie Stelle! Kreditanstalt der Deutschen r. g. m. b. H., Prag. Durchführung aller Geldgeschäfte. Verwaltungs-Kapital 800 Millionen XL. Haftungs-Kapital 80 Millionen XL. 81 Niederlassungen. © Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 31. Map;: Treffpunkt 9 Uhr vormittags Endstation der Fünfer-Elektrischen in HlupoLep. Wanderung: Pro- kopi- und Zigeunertal. Radotin, Zbraslav. Führt: Schal. Der Film Warum lügt Fraulein Käthe? Ein reichsdeuficher Film, dessen Absicht es oftenbar ist, für die Hamburg-Amerika-Linie Reklame zu machen und ein paar hübsche Bilder von Madeira zu Werbezwecken vorzuführen. Das ist immerhin etwas; denn künstlerische Absichten ist man von den Filmen des Dritten Reiches ohnehin nichi gewöhnt.. Die Handlung, mit der hier der Hamburg- Amerika-Dampfer und die Ansichten von Madeira garniert sind, basiert gcistvollerweise auf einer vertauschten Rendezvous-Einladung und einer erlogenen Verlobung, aus der am Ende eine echte wird. Die Glückliche, die sich zum happy end durchschwin- delt, ist D o l l y Haas. Aber sie tut es nich: mehr mit jener grotesken Drolligkeit, die sie einst beliebt gemacht hat, sondern mit jenen seelenvollen Blicken, die ihr durchaus nicht stehen. Da man von de« männlichen Mitwirkenden am besten schweigt, bleibt als einzige schauspielerische Leistung die bewährte, wenn auch reichlich übertriebene Komik der Ida Wüst zu erwähnen. Die Regie Georg Jacobys ist dem Niveau des Ganzen angemessen. -—eis— Marlene Dietrich als Lilh in.Lied der Lieder" Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„D i e R o t h s chi ld s."(A.— Georg Arlift.)— Alfa:„Das Lied der Lieder."(A.— — Marlene Dietrich.)— Avion:„Skandal in Rom."(A) Beranek:„Menschen im Hotel". (A).— Fenix:„Kuß im Schnee."(Tsch.) Flora:„Nana".(A.— Anna Sten.) Hvezda: „Der Graf von Monte Christo"(A.)— Kinema: Journale, Groteske, Reportage(halb 2 bis 7 Uhr). — Koruna:„Der Graf von Monte Christo."(A.) Sowa:„Der unsichtbare Mann."(A.)— Lacerna: „Der unsichtbare Mann."(A.)— Metro:„Jägerblut."(Tsch.)— Olympie:„Der Sturm."(Ruff.) — Praha:„Mein Freund, der König."(A.)— Radio:„Menschen im Hotel."(A.)—Skaut:„Die Tschrljuskin-Leute."(Ruff.)--— Bajkal:„Der Schatten in der Tür."(D.)— Beseda:„Die Dreigroschen-Oper".(D.)— Carlton.„Nana".(A.— Anna Sten.)— Lido:„Der Sohn des King Äjong." (A.)— Louvre:„Menschen im Hotel."(A.)— Roxy:„Nana."(A.— Anna Sten.)— Valdek: „Nana."(A.-— Anna Sten.) OPTIK u. FOTO DEUTSCH PNkopy Bezugsbedingungen: Bei Zustellung inS HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich Xi 16.—. vierteljährig XL 48.—, halbjährig XL 86.—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarik billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele- aravüendirektion mit Erlab Nr. 13.8Ü0/VH/1S30 bewilligt.— Druckerei:^OrbiS". Druck-, Verlags« und ZeitungS-A.-G„ Prag.