Einzelpreis 70 Heller (eiruchlieSlich 5 Heller Porto) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH.«EDAktion und Verwaltung präg xn., fochova 62. telefon 53077. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, PRAG. IENTRALORGAN DER DEUTSCHENSOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 15. Jahrgang Sonntag, 31. März 1935 Nr. 77 nicht sehr erfolgreiche—- Bemühen ausgegangen I in Moskau ungeheuere Bedeutung zu. Arbeitslosigkeit und Notstand in den deutschen Gebieten Brüssel. Die Kammer hat SamStag früh nach einer ununterbrochenen Nachtsitzung die von der neuen Regierung vorgelegten Gesetze über die Abwertung des Belga und die Erweiterung der um ein ganzes Jahr verlängerten Sondervollmachten niit 107 gegen 54 Stimmen bei/ 12 Stimmenthaltungen angenommen. Bei den Liberalen, welche in der Regierung vertreten sind, stimmte die Hälfte der Abgeordneten gegen die Regierung. aHSMIWIKFrWM Greiser gemeldet. Greiser hatte nämlich in einer in Danzig gehaltenen Rede dem hohen Völkerbundskommissär borgeworfen,- dah er die oppositionellen politischen Parteien in Danzig unter seinen Schutz nehme. Im Zusammenhang mit dieser Rede Greifers kam es zu einer persönlichen Aussprache Solschen beiden, wobei der Hohe Kommissär Lester dem Senatspräsidenten erklärte, er habe das volle Recht, die Danziger Opposition und die Danziger Staatsbürger vor den Anordnungen des Senates in Schutz zu nehmen. Als Greiser dem Hohen Kommissär vorwarf, datz er u. a. mit dem ehemaligen Senatspräsidenten R a u s ch n i n g konferiert habe, erwiderte Lester, datz er auch hierzu das volle Recht hatte. Daraufhin drohte ihm Senatspräsident Greiser, daß ihm dasselbe Schicksal zuteil werden könne. 107:54 Stimmen für das neue belgische Kabinett wäre, alles zu einer Koalition gegen die USSR zusammenzübringen. Der Pangermanismus dichtet dabei seine eigenen Absichten dem Kreml an, nämlich die Tendenz, Europa nicht zur Ruhe "kommen zu lassen, während der in Wirklichkeit an solche Absichten nicht im entferntesten denkt und um des wirtschaftlichen Ausbaues willen nur selbst Ruhe haben will. Die Panikmacherei, daß Moskau andere Zwecke verfolge, zieht schon längst nicht mehr. Aus ihr suchte ja der Nationalsozialismus schon vor 2 Jahren seine Existenzberechtigung siachzmvel fett.""uv d"helttk"nM1Tsk"er diese ollen Kamellen auf, um die europäische Friedensfront zu spalten, die, wenn ihr nur auch England beiträte, durch ihr Vorhandensein Deutschland vor Abenteuern schrecken könnte. Diese Kasiandrarufe der deutschen Presie enthalten natürlich auch die obligaten Ausfälle gegen den Außenminister der Tschechoslowakei, weil dieser die»wahren Absichten" Litwinows nicht durchschaue. Gleichzeitig wird, mit der offensichtlichen Absicht, England und Frankreich zu entzweien, England eine gute Zensur erteilt. Rosenberg hat eben noch immer nicht die Hoffnung aufgegeben, über Deterding England nicht nur zum Stillhalten zu bewegen, sondern an die deutsche Seite zu bringen.. Man rechnet mit der englischen Abneigung gegen die französisch-russische Zusammenarbeit. Das ist das Loch, durch das die Pangexmanisten hindurchschlüpfen wollen. Daher kommt dem Besuch Edens Die Zentralgrwerkschaftskommiffio« des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Reichenberg hat der Regierung eine Darstellung über den gegenwärtigen Stand der Arbeitslosigkeit in den deutschen Gebieten unseres Staates überreicht. Auf Grund von guten Erhebungen kommt die groß? Arbeitslosigkeit in den industrialisierten Grenzgebieten unseres Staates überzeugend zum Ausdruck. Es wird auch durch Vergleiche zwischen deutschen und tschechischen Jndustrievezirken mit annähernd gleicher industrieller Struktur nachge- wiesrn, daß in den betreffenden deutsche» Bezirken die Arbeitslosigkeit durchschnittlich um das Doppelte größer ist. Hervorragend find die Merkmale der Denkschrift über die sozialen mid materiellen Auswirkungen bei jenen Menschen, die schon drei und vier Jahre lang dauernd arbeitslos sind. Dieses soziale Bild wird ergänzt durch dir Schilderung der furchtbaren Auswirkungen der Arbeitslosig- tcit auf Jugendliche und Kinder. Zur Ernährungsnot gesellt sich bei dauernder Arbeitslosigkeit die Bekleidungsnot. Reben der Arbeitsbeschaffung, deren Förderung durch die letzten Befchlüsie der Regierung anerkannt wird, wird der Ausbau der Arbeitslosenfürsorge auch bezüglich der Erweiterung der jetzigen Ernährungsaktion gefordert. In dieser Hinsicht muß jedenfalls schon jetzt Vorsorge für den kommenden Herbst und Winter getroffen werde».... Die Darstellung besaßt sich dann mit den kommunalen und privaten Fürsorgeaftionen und wendet sich gegen die Zersplitterung, welche durch die sogenannte„Sudetendeutsche Bolkshilfe" droht, die ausgerechnet im fünften Krisenjahre erst in Erscheinung tritt. Namens der Zentralgewerkschaftskommissionj des Deutschen Gewerkschaftsbundes und für den! Klub der deutschen sozialdemokratischen Abgeordneten überreichten in diesen Tagen die Abgeordneten Roscher, Maroun und Hackenberg mit entsprechender Begründung die Denkschrift dem Ministerpräsidenten Malppetr, dem Minister für soziale Fürsorge Meißner und dem Minister für öffentliche Arbeiten Dr. C z e ch. Der Ministerpräsident und die beiden Minister verwiesen auf dir letzten Regierungsbeschlüsie, auf die im Zuge befindlichen Maßnahmen ihrer Ressorts hinsichtlich der Förderung der Investitionstätigkeit und der in Aussicht genommenen zusätz-' lichen Leistungen zur Ernährungsaktion. Die Re- gicrungsvertrcter versicherten, daß die Darlegungen der Denkschrift die volle Aufmerksamkeit der Regierung finden werden. berlln Ist wütend Berlin.(ST. P.) Die deutschen Blätter» denen natürlich die Reise. Edens nach Moskau höchst unerwünscht ist, stellen nach der Methode „Haltet den Dieb" die Dinge wieder einmal auf den Kopf. Moskau wird als die treibende Kraft hingestellt, ganz Europa zu einer Kooperation gegen Deutschland zusammenzubringen, als ob nicht in Wahrheit von Deutschland das nur Masseninvasion von Nazi ministern in Danzig Danzig.(PAT) In Danzig ist der Reichs- erziehnngsminister R»st und der Obergruppenführer des Gaues Franken, Streicher, der Herausgeber des antisemitischen Blattes„Der Stürmer" eingetroffen. Wie der nationalsoziaki- stischc„Danziger Borpasten" meldet, wird am Donnerstag der kommenden Woche der preußische Ministerpräsident General Göring und- am Freitag der Stellvertreter Hitlers, Reichsminister Heß sowie.der Reichspropagandaminister Doktor G o e b b e l s in Danzig eintreffen. Oer Völkerbundkommissär bedroht Warschau. Aus Danzig wird von einem scharfen Konflikt zwischen dem Hohen Kommisiär des Völkerbundes Lester u»d dem Senatspräsidenten Schweizer Protest bevorstehend Bern. In Angelegenheit der Entführung des deutschen Emigranten I a e o b erteilte das politische Departement im Einvernehmen mit dem Gesamt-Bundesrat den schweizerischen Gesandten in Berlin die erforderlichen Instruktionen-zu einem diesbezüglichen Schritt bei der Reichsregierung. „klns Unverfrorenheit" Bern. Die schweizerische Presie ist über die Darstellung der Affäre Jacob durch dm amtlichen deutschen Pressedienst allgemein erstaunt und entrüstet. „Ter Bund" schreibt von Unverfrorenheit und dem traurigen Zeugnis für den Wahrheitswert der deutschen Presse, Di« amtliche deutsche Darstellung sei ein Faustschlag ins Gesicht der wahrheitsliebenden Welt.— Die„N a- t i o n a l z e i t u n g" in Basel spricht von G r e u e l m ärche n der Pressestelle- des Deutschen Reiches, die den stärksten-Unwillen des. Auslandes auslösen, und von zynischer Verhöhnung eines unglücklichen Opfers der Gestapo. Die sozialdemokratischen Zeitungen bezeichnen die Auslassungen des offiziellen deutschen Pressedienstes als gemeine Lügen. Gerüchte... Rom. Die Gerüchte, dass zwischen Italien und Abessinien Krieg ausgebrochen sei, werden an italienischen amtlichen Stellen.kategorisch demen- tiert. „Von Erfolg gekrönt“ Reuter über den Besuch in Moskau Moskau.(Reuter.) Man ist allgemein der Ansicht, dah der Besuch Edens von Erfolg gekrönt war und daß er wahrscheinlich sehr bestimmte Ergebniffe habe« wird. Es hat sich gezeigt, daß die rnsiischen und die engsischen Ansichten in großem Ausmaße übereinstimmen. Moskau sagt auf alle in dem französisch-britischen Kommunique vom 3. Feber angeführten Punkte ei« herzliches„3a". Der diplomatische Korrespondent des„D ailhTelegraph" mel det, Eden habe sich bemüht, die Befürchtungen Sowjetrußlands zu zerstreuen, daß England ein Vorurteil gegen irgend ein Land oder Shstem habe. Eden und Stalin seien sich darüber einig gewesen, daß die Konferenz in Stresa möglicherweise einen Wendepunkt für den Weltfrieden bttden werde. Der wichtigste Punkt sei jedoch, daß es Eden gelungen sei, zum ersten Male seit dem Weltkrieg die Möglichkeit für eine wirkliche Zusammenarbeit mit Rußland im Interesse des Weltfriedens zu schaffen. Schon heute ist es, wie der Reuterkorrespondent meldet, klar, daß der Besuch des Vertreters der britisches Negierung einen großen Erfolg aufzu- J weisen hat. Der Besuch EdenS in Moskau habe, wie es scheint, zahlreiche Mißverständnisse zu be seitigen geholfen. Eden habe die ihm vorgetra genen Einwendungen und Befürchtungen aufmerk sam angehört und sodann den Repräsentanten der Sowjetunion versichert, daß ihre Bcfürchhungen hinsichtlich verschiedener Momente der euro- päipaischen Situation nicht berechtigt seien. Die Sowjetvertreter Haven zweifellos mitge. teilt, daß sie bereit seien, durch ihre Mitarbeit am Völkerbund sowie durch die.sonstige internationale Zusammenarbeit an der Wahrung der friedlichen Entwicklung der Lage auf dem Kontinent mitzu arbeiten. Daß Sowjetrußland hinsichtlich gewisser Befürchtungen beruhigt werden wird, wird voraussichtlich eines der wichtigste« Ergebnisse des Moskauer Besuches EdenS sei«. U...... o_............ ' wie seinerzeit dem Präsidenten der Saarregierungs- kommiffion K n o x. Auf die Frag« des Hohen Völkerbundkommissärs,, was diese Drohung bedeuten solle, erteilte Greiser keine Antwort. Der Hohe Völerbundkommisiär Lester hat daraufhin gegen das Vorgehen des Senatspräsidenten Greiser einen schriftlichen Protest an den Senat der Freien Stadt Danzig und gleich- ; zeitig eine« Bericht in dieser Angelegenheit nach Genf gerichtet. Die Treibjagd in Ungarn Heute, Sonntag, beginnt die Wahl der ungarischen Abgeordneten. Ein Akt der sogenannten Volksbefragung: 2.8 Millionen Wähler müssen die Objekte einer Treibjagd mit Hindernissen aügeben. Ein Lustspiel für einige hundert Paschas, Kleinherrgötter und Oberstuhlrichter, das vom 31. März bis zum 7. April dauern wird.' In Staaten mit 30—40 Millionen Wähler werden die Stimmen in einigen Stunden gezählt. In Ungarn dauert eine Wahl mit 3—5000 Wählern zwei Tage und erst nach weiteren 24—48 Stunden wird die Zählung-er Stimmen beendet. Das sind aber nur einige Hindernisse beim Endspurt. Es gibt bei der Treibjagd, ungarische Wahlen genannt, noch weitere geistreich ausgedachte Hindern iffe.' In allen Wahlbezirken müffen 10 Prozent der Wähler die Empfehlungsbögen der Kandidaten unterfertigen. Also bei oppositionellen Kandidaten sich offen für die Opposition bzw. g e.g e n den Allgewalngen, gegen den Finanzdirektor, Oberstuhlrichter und Gendarmen bekennen. Und dabei kostet die Unterschriftensammlung ungeheuer viel Geld. Die Regierungspartei bezahlt gewöhnlich 50—60 Heller, in gefährdeten Bezirken 1 Pengö für eine Unterschrift. Bei diesem System erscheint es bcrständlich, dass man in den meisten Bezirken mehr Unterschriften gesammelt hat, als Wähler vorhanden sind. Kaum ist die Unterschriftenjagd vorbei, steht der Wähler vor einem neuen Hindernis. Abstimmen kann man nur mittels Vorweisung einer amt- .^ichen-Legitimatiom--Die Legitimation wird durch die Behörde dem Wähler zugestellt. Ist es verwunderlich, wenn dem oppositionellen Wähler die Legitimation oft zu spät oder gar nicht zugestellt wird? Die Folge war bei den letzten Wahlen im Jahre 1931, dass von den 2.5 Millionen Wählern nur 1.5 Millionen—■ also nur 59 Prozent— abgestimmt haben. Passieren schon die glücklichsten oppositionellen Kandidaten die Hindernisse, dann wird die Maschine der Bürokratie in Tätigkeit gesetzt. Der Steuerexekutor fordert unbarmherzig die fälligen Steuern— natürlich nur von den oppositionellen Wählern. Brave, regierungstreue Wähler, ja, sogar ganze Gemeinden können Steuerstundung von einem halben oder ganzen Jahr erhalten. Diese Mittel haben eine todsichere Wirkung. Und wenn dies alles nicht hilft, dann kommt die Methode Endröd oder Keszi. Je nach Oppositionsgrad der Wähler 1 oder 8 Tote. Als Zugabe wird der oppositionelle Kandidat knapp vor dem Wahltag auf ein halbes Jahr aus dem ganzen Komitat ausgewiesen. Er kann inzwischen darüber nachdenken, ob es sich geziemt, in Ungarn gegen die Negierung zu kandidieren. Schon vor 25 Jahren, anlässlich der Erschiessung von zehn slowakischen Bauern bei den Wahlen in Eernova, hat der grosse Dichter Björn-' son in ausländischen Zeitungen gegen diese barbarischen Wahlmethoden einen zähen, mutigen Kampf geführt. Wie Endröd beweist— vergeblich. Die Methoden des Labanzen Banffys übernahm auch der patriotische Kuruz Gömbös. Im aufgelösten Parlament zählte die Regierungspartei 148, die Partei des berüchtigten Eckhardte— Partei der kleinen Landwirte— 23, die regierungsfreundliche Christliche Wirtschaftspartei 22, die Sozialdemokraten 14, die Liberalen 7, die Parteilosen und Legitimisten 31 Abgeordnete. Jetzt wird der bisherige Untermieter der Bethlenschen Regierungspartei, Herr Gömbös, seine eigene Partei durch sogenannte Wahlen ernennen. Von Vethlens Partei wurden 66 siir Gömbös unverlässliche langjährige Abgeordnete ausgeschifft. Aber Herr Gömbös hat schon bereits vor dem Wahltag 28 sichere Mitstreiter sich verschafft. In 28 Wahlbezirken wurden„einstimmig gewählt", d. h. Gegenkandidaten wurden nicht zuge- lassen! Die anderen werden in 171 Wahlbezirken mittels öffentlicher Abstimmung„gewählt". Also von d e m O b e r g e sp a n ernannt. Gömbös wird also seine folgsame Majorität haben. ' Ein Wahlkampf in halbeuropäischem Sinne wird nur in 46 Bezirken mit geheimer Abstimmung geführt..Dort geht der Kampf zlvischen den herrschenden Klassen um die Macht, aber auch um die-Methode des Klassenkampfes gegen Arbeiter und Bauern. Der neue„Styl", di- neue— Verzeihung für das. harte Wort—„Ideologie" des SekteS IPX» 105K Verurteilte Strasser-Leute Berlin. Der Volksgerichtshof fällte am Samstag abends das Urteil gegen 13 Anhänger der Schwarzen Front, dir, wie daS DRB unterstreicht,„bis in den Herbst 1934 hinein(also bis zur Zeit, alS Strassers Adjutant zu Hitler überging und zum Verräter wurde) die hochverräterischen Ziele deS in Prag sitzenden Nationalbolfchr- wisten Otto Strasser durch Herstellung und Verbreitung übler Hetzschriften unterstützt haben." Die Führung lag in den Händen des 31 Jahre alten Erich S ch m i d t, der zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Bei sieben weiteren Angeklagten ergingen Zuchthausurieile zwischen vier und zwei Jahren. Drei Angeklagte kamen mit Gefängnisstrafen von einem Jahre sechs Monaten bis zu einem Jahr davon. Wie der Vorsitzende in der Begründung betonte, habe die Beweisaufnahme ergeben, dass Otto Strasser seine»unverantwortliche Hetztätig» keit" nach dem 30. Juni 1934 in noch schärferer Weise als vorher fortgesetzt habe. Der Hauptzrng«- klagt« Erich Schmidt hat bis zum Dezember 1984 insgesamt drei Reisen nach Prag unternommen und sich hier mit Otto Straffer in Verbindung gesetzt. Herrn Gömbös beherrscht den Wahlkampf. Die Ideologie hat Herr Gömbös selbst klargelegt: , Die Zeit des Sozialismus als Partei ist abgelaufen. Wir haben sie noch nicht liquidiert, aber wir werden sie liquidieren.... In Ungarn leben und internationale Ideen verkünden, das ist nicht mehr möglich... Wir werden die Jntereffen- vertretungen errichten, die gewerkschaftliche Arbeitsvermittlung einstellen, die Streiks verbieten, Arbeitsgerichte einführen— und dann sind die Lehren des Marx nicht mehr nötig...“ Auf dieser geistigen Höhe führt der Ministerpräsident den Wahlkampf. Man kann sich vorstellen, wie die sonstigen Herren reaktionären Reformer sprechen. Deutlicher als Herr Gömbös spricht Bethlen. Er wirft dem Herrn Gömbös vor, daff er sich »unentgeltlich und ohne Ermächtigung den Titel Führer der Nation zudachte". Das System der bezahlten Stoffbrigadier, das Pressesystem, unter welchen sogar die bisher unabhängige Presse stumm geworden und die leiseste Kritik nicht möglich ist, wirdvonBethlen getadelt: »Es werden die abgetakelten Individuen der seligen Zeit des Jahres 1919—20, die sogenannten Raffenschützler, wieder reaktiviert. Die Telephonzensur wurde eingeführt, sogar meine Gespräche t- sagt Herr Bethlen— werden kontrolliert".—»Es ist zu befürchten, daff aus der 1000jährigen Berfaffung«in Versuchskaninchen wird, daff der Herr Ministerpräsident mit S A- und SS-Formationen, mit national- - sozialistischen Ideen, mit Planwirtschaft, mit Korporationen experimentieren wird, und die Ruhe des Landes und die auffenpolitische Stellung der Heimat gefährdet." Herr Bethlen erhielt prompt die Antwort von dem neugebackenen Handelsminister Herrn Borne» misza, von dem Führer der sogenannten Reformgeneration— alias Erwachende Ungarn— der es als Minister festnagelte, daff»Bethlen das Land mit 4 Milliarden Pengö Schulden belastet habe, ohne daff Volk und die Wirtschaft von dieser Summe etwas profitiert hatten". Nur vergaff der Herr Vorkämpfer für Schwindelreformen hinzu» zuiügen, daff der Honvedminister des Herrn Bethlen, der Ministerpräsident Gömbös, reichlich mit gewirkt hat bei diesem«wirtschaftlichen Tartaren- zug", bei der Vergeudung der Milliarden. Was bisher nur die Sozialdemokraten offen aussprachen, wird setzt von Bethlen bestätigt. Gömbös Ziel ist, die Aufrichtung des Fascismus. Die blödsinnige Parole der»friedlichen Revision" hat in Marseille Schiffbruch erlitten, also versucht es jetzt Herr Gömbös mit fasciftischem»Styl": gegen die unterdrückten Klassen und Kriegsvorbereitung gegen die Nachbarn. Die sozialdemokratische Partei führt den Wahlkampf mit dem ungebrochenen Elan und Mut. Die Partei hat in den Bezirken mit öffentlicher Abstimmung— das find 199 Bezirke von'245— nicht kandidiert, weil man die Bauern und Anhänger der Sozialdemokratie nicht gefährden wollte. Cs wäre viel mehr Blut geflossen und der Terror wäre noch unerträglicher, wenn die Partei am flachen Lande bei öffent- licherAbstimmung die Kandidatur riskiert hätte. Man verzichtet«uf eine Kandidatur, wo die Behörden und Gewaltorganisation des Staates die Wähler massakriert oder im besten Falle materiell zugrunde gerichtet hätte. Es gibt eine Stadt— Hodmezövasarhely— in der Tiefebene, wo geheim abgestimmt wird. Da hat die Partei den Führer der Organisation der landwirtschaftlichen Arbeiter Franz Takacs kandidiert. Takacs kann aber in der Stadt keine Versammlung abhalten, weil der Herr Obergspan Bela Farkas alle Versammlungen der Sozialdemokraten verbietet. »Der Herr Minister kann befehlen was er will— hier habe ich das Kommando"— erklärt Herr Farkas. Und trotz aller Rekurse, trotz der Versuche des Ministers, den Herrn Kleinkönig des Komitats Bfles zu bewegen, nachzugeben, können die Sozialdemokraten in Hodmezövasarhely keine Versammlung abhalten. Und dennoch wird dort die Sozialdemokratie siegen. Auch ohne Versammlungen. Die Sozialdemokraten schlagen sich überall sehr tapfer. Auf die offenen Drohungen des Herrn Gömbös antwortet die Nspszava mit einem trotzigen: wir lassen uns nicht einschüchtern.»Wir nehmen den Kampf auf, Herr Ministerpräsident" — schreibt die Nepszava—»uns kann man nicht, uns wird man nicht liquidieren. Wir kämpfen heute mit legalen Mitteln, wenn Sie eS versuchen würden, uns zu liquidieren, werden wir illegal kämpfen. Heute im Tageslicht, nach der Liquidation unter der Erde." Tausende und Tausende Genossen arbeiten Tag und Nacht unentgeltlich für die Wahlen. Die Partei ist arm. Die Mqssen sind arbeitslos. Die Organisation ist nach 15 Jahren Konterrevolution und Massenarbeitslosigkeit ausgepumpt. Athen. Die Kammer hat am Freitag sämtlichen außerordentlichen Maßnahmen der Regierung ihre Zustimmung erteilt. Die Gerichtsverhandlung gegen die Aufständischen nimmt unter Einhaltung von außerordentlichen Sicherheitsmaßnahmen ihren Fortgang. Zur Verhandlung werden ausschließlich nur die nächsten Verwandten der Angeklagten zugelaffen. Auch auf der Insel Kreta hat das Ausnahmsgericht seine Arbeiten begonnen, das Venizelos, die Abgeordneten und die Offiziere, die mit ihm nach Italien geflohen find, inrontumaeiam aburteilen wird. Gömbös spekuliert auch auf die Armut der Sozialdemokraten. Er nahm den Abgeordneten am Tage der Auflösung die Fahrkarten ab. Die Partei hat bei den letzten Wahlen in den geheimen Wahlbezirken von 442.000 abgegebenen Stimmen 131.000 erhalten. Sie war in den geheimen Wahlbezirken die weitaus grösste Partei. Sie wird Ihre Position sicherlich verbessern. Eher durch Vermehrung der Stimmen, als durch Mandate. Bei dem geltenden Wahlrecht kann nur die Regierungspartei auf Mandatszuwachs rechnen. Im Jahre 1931 erhielt die Regierungspartei 45 Prozent der Stimmen und 6 4 Prozent der Mandate, die Sozialdemokratie mit 1 IProzentder Stimmen nur 5.5 Prozent der Mandate. Der Kampf wird aber nicht am Wahltag entschieden. Bei den herrschenden Machtverhältniffen wird der Reformgeneralstäbler noch manche Schlachten mit den mächtigen Feudalherren des Landes auskämpfen müssen. Er will den Grossgrund besitz bei Gott nicht vernichten. Nur die ausschliessliche Macht der Groffgrund b e s i tz e r brechen. Dazu hat er sich mit dem wandlungsfähig» Großkapital verbündet. Es wurden nicht nur rassenschützlerische Antisemiten als Kandidaten, sondern auch bekannte Semiten— wie die Kartellführer Ledermann, Szurday, Biro— und der arische Gesandte des Grosskapitals Herr Görgey in die Regierungsliste ausgenommen. Mit Hilfe deS Kapitals und der willfährigen Bürokratie glaubt Herr Gömbös die Aristokratie entthronen zu können. Gentry und die durch die langdauernde Agrarkrise in Mitleidenschast gezogenen Grossbauern sollen in der Zukunft das Land beherrschen, und mit Hilfe der sozialen Demagogie— a la Hitler— die Arbeiterklasse und die 2.5 Millionen Kleinbauern fesseln und entrechten. Ob der Plan gelingen wird? Die Macht der Aristokraten ist nicht zu unterschätzen. Sie werden nicht so bald nachgeben. Macht bedeutet für sie die Erhaltung deS Grossgrundbesitzes. Sie werden alle Mittel in Anwendung bringen, um den Usurpatoren nieder zu ringen. An BethlenS Versammlungen erschien auch der Bruder und Schwager Horthys. Ein Wink für Gömbös: seitens Hor- thys sind Ueberraschungen auch nicht ausgeschlossen. Ausserdem ist die aussenpolitische faseistische Konzeption— Deutschland—Polen— auch nicht sympathisch. Man fürchtet eine noch grössere Nieder» läge als Trianon war. Es ist also noch nicht ganz unwahrscheinlich, dass der Generalstäbler als Liouidawr des Marxismus— trotz hochtrabender Reden— nicht bald selbst wird liquidieren müssen! b. v. Eine Gruppe von RegiernngSadseordneten erschien beim Ministerpräsidenten Tsaldaris mit dem Ersuchen, darauf hinzuwirken, daß die Urteile gegen die Aufständischen nicht allzn streng seien. Tsaldaris erwiderte jedoch, daß die vam Gericht gegen die Aufständischen gefällten Urteile in vollem Umfange bestätigt werden würden. Athen. Das Athener Schwurgericht hat sämtliche wegen Teilnahme an dem Anschlag auf Beni- zelos am 6. Juni 1933 angeklagten Personen freigesprochen. Vie Kriegsgerichte in Tätigkeit Regierung will die Urteile In vollem Umfang bestätigen Roman von FrHx Rosenfeld Er ist wirklich betteln gegangen, er hat sich an die Straßenecken gestellt, an die Häuser, die ihm einst gehört hatten, und bettelte die Paflanten an. Er war ganz zerfetzt und schmutzig, als man ihn zu uns brachte. Er hat uns oft erzählt: wie die Menschen, denen er Geld geschenkt hatte, nun an ihm vorübergingen. Sie erkannten ihn und sahen weg. Sie wussten, wer er war, und sahen zur Seite. Sie gaben ihm nicht einen Groschen. Da erkannten wir: nicht nur uns hat Gott vergessen, Gott hat die Welt vergessen." Die Hände um die Armlehnen verkrampft, den Oberkörper vorgeneigt, den Blick starr auf den Kommissär gerichtet, sprach der Mann im grauen Kittel, als süsse er, ein Ankläger vor dem Jüngsten Gericht, dem Herrn über Gut und Böse, dem Herrn über Tod und Leben Äug in Aug gegenüber. »Da wuchs der Plan. Gott hat die Welt vergessen, man muff Gott an die Welt erinnern. Man muff ihn aufrütteln aus seinem Schlaf. Ein Zeichen muff sein, groff und flammend, und alle müssen es sehen. Dann Nr. 77 Die politische Wodic Nur noch zwei Wochen— bis zum 12. April— bleiben dem Parlament zur Bewältigung seines restlichen Arbeitspensums. Rein äußerlich ist nicht viel von dem nahenden Ende zu sehen; gäbe eS nicht hie und da in der parlamentarischen Debatte eine kurze Auseinandersetzung— woran eS überdies auch in normalen Zeiten nie mangelte— so würde ein Aussenstehender es dem Parlament kaum anmerken, dass seine Tage gezählt sind. Allerdings braucht man nur einen Blick in die P r e s s« zu werfen, um mitten drin in Wahlbetrachtungen und Wahlpolemiken zu sein. Stärker färbt die Borwahlzeit auch auf die Regierung ab. Ihre Arbeiten beginnen sich zu verlangsamen. So ist das Viehsyndikat bisher noch immer nicht verabschiedet; auch die 40-Stundenwoch«, die politisch in vollem Umfange nenehnKgt wird, ist noch nicht erledigt, da im Zuge deS interministeriellen Verfahrens, das angesichts der umfangreichen ministeriellen Vorberatungen nurmehr eine Formalität hätte sein sollen, plötzlich eine ganze Reihe von Bedenken und Vorbehalten aus, geworfen wurde, die eine neue Nachprüfung der Bor» läge durch die zuständigen MinisterauSschüffe not» wendig machen. Auch die Steuervorlag en, soweit sie bedeutsamer sind, wie die Erwerbssteuernovelle, find über das Stadium der generellen Aussprache und der Beratung einiger entscheidender Punkte nicht hinausgekommen. Innenpolitisch sind die Verhältnisse im deutschen Lager noch immer nicht ganz entschieden, wenn auch in den Beziehungen zwischen Landbund und Heimatfront eine gelvifl« Klärung eingetreten ist. Die aus Anlaß deS Abbruches der Beziehungen abgegebenen gegenseitigen Erklärungen sind so lendenlahm, dah sie stutzig machen müssen; aber formell haben sich die beiden Partner nach den einjährigen Verständigungsverhandlungen voneinander getrennt. Den Profit trägt sichtlich die Heimatfront davon. Im tschechischen Lager zerbricht man sich wegen der SHF noch immer den Kopf. Hier spielen bei der stärksten Regierungspartei einerseits gewisse wahlstrategische Gesichtspunkte, andererseits auf die Zeit nach den Wahlen gestellte Konstellationshoffnungen eine Rolle. Am Montag sollen, wie man hört, diese Dinge in einer Sitzung des engeren agrarischen Parteivorstandes ausgetragen Werden- Henlein ist also nicht der große deutsche Mann, der zu sein er wähnt, sondern in Wirflichkeit nur eine kleine Figur, die auf dem politischen Schachbrett von anderen Händen hin- und herge» schoben wird. Ueber den Wahltermin ist noch nicht endgültig entschieden. Er wird aber durch die Daten 19. Mai bis 2. Juni eng eingeschränkt. Da die Wahlen an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen statffinden sollen, ist einer der beiden ersten Termine für die Wahlen in die Nationalversammlung der wahrscheinlichste.,.,,. Die deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei wartet die weitere Entwicklung ruhig ab. Die gegenseitige Demaskierung im deuffchen und das Spiel im tschechischen Lager müssen jedem Arbeiter klar machen, daß die Arbeiterschaft alle Kräfte mobilisieren muss, um im kommenden Wahlgang die größte Schlagkraft einsetzen zu können! Vergebliches Liebeswerben Wien.(Tsch. P.-B.) Die Vaterländische Front bereitet einen Aufruf an die österreichische Arbeiterschaft vor, in welchem an deren Mitarbeit in der Vaterländischen Front und im Gewerk- schastsverband appelliert werden wird. „Er war traurig, weil Gott ihn verlaffen hafte. Er hat Gott rufen, Gott aus dem Schlaf rütteln wollen." »Das soll der Mensch eben nicht", sagte der Gendarm und tat einen tiefen Zug aus der Zigarette.»Wir sollen in die Kirche gehen und beten, aber alles andre Gottes Ratschluss überlassen." „Wenn Gott aber wirklich einen Menschen vergisst? Es gibt Millionen Menschen und Millionen Tiere und Millionen Pflanzen— wenn er ein Wesen vergisst, soll es ihn nicht erinnern dürfen?" „Nicht mit gesprengten Brücken und Sendestationen, die in die Lust fliegen. Nicht mit Dynamit." „Wie denn?" „Du bist ein Esel. Solche Fragen stellt man nicht. Das macht jeder mit sich selbst aus. Da gilt für jeden ein sicheres Gebot. Ta findet jeder einen andren Weg." „Und wenn er ihn nicht findet?" „Frag nicht so dumm. Ich hab bisher immer den Weg gefunden, den ich gesucht habe. Auch im Finstern." „Du." „Ich hab eben Augen im Kopf, das ist alles." Sie rauchten, schweigsam, und bliesen die blauen Wolken in den kühlen, sonnigen Märztag. „Man wird ihn ins Irrenhaus zurückbringen und er ist lebend begraben bis an das Ende seiner Tage", sagte Earlotta. »Es gibt keine andren Möglichkeiten. Wollen sie Menschen wie ihn auf die Welt loslassen?" (Fortsetzung folgt.) Nr. 77 Sonntag, 3t. März 1935 Seite 3 tfudeiendeutstfier Zeitspie&et die Der Berbandsvorstand der Sozialistischen Jugendverbandes beschloss in seiner Sitzung vom 28. März 1838 folgend: Erklärung: Das Bemühen der»Sozialistischen Aktion", Geschlossenheit des Sozialistischen Jugendverbandes zu untergraben, hat sich in der letzten Zeit verstärkt. Die»Sozialistische Aktion" höhnt nicht nur die einmütig gefaßten Beschlüsse der Verbandsführung und deren ebenso einmütige und begeisterte Erfüllung durch die Gruppen und Funktionäre des Verbandes, sondern versucht auch in der verächtlichsten Weise die Funktionäre des Verbandes gegeneinander auszuspiclen. Insbesondere behauptet sie das Bestehen einer»Verbands oppo- sition", die gegen Hen»in das bürgerliche Fahrwasser geratenen Verbandsvorstand gerichtet sei und lobt die Arbeit der angeblichen Opposition, deren Fähigkeiten und Erfolge sie mit denen der »Lieblinge des Verbandsvorsitzcnden" verglichen wissen will. Der Verbändsvorstand stellt fest, daß die von der»Sozialistischen Mtion" unter Berufung auf eine angebliche Opposition wiederholt verächtlich gemachten Arbeitsmethoden des Sozialistischen Jugendverbandes auf kameradschaftlich erarbeitete und einstimmig gefasste Beschlüsse dec- gesamten Berbandsleitung zurückzuführen sind und dass diese Beschlüsse auch von dem Genossen Walter mitgefasst wurden,- von dem die»Sozialistische Aktion" behauptet, er habe als oppositioneller Kreisvertrauensmann in seinem Kreisgebiet besonders schöne organisatorische Erfolge zu^verzeichnen. Der Berbandsvorstand verwahrt sich gegen die von der»Sozialistischen Aktion" betriebene Verhetzung und nimmt zur Kenntnis, dass dir organisawrischen Erfolge in der Kreisorganisation Karlsbad weder der oppositionellen Haltung des Kreisvertrauensmannes und Verbandsvorstands- mitgliedeS Michael Walter, noch einer Illoyalität erledigt bleiben. Der Herr Landespräsident zeigte sich über den Sachverhalt sehr gut informiert und verwies darauf, dass vor allem eine grundsätzliche Entscheidung des Landwirtschaftsministeriums notwendig sei» ob und in welcher Form eine Erweiterung der Hopfenanbauflächen bewilligt werden könnte. Die Delegation hat nun ihren eingangs zitierten Standpunkt schriftlich sowohl dem Landespräsidenten als auch dem Ministerium für Landwirtschaft unterbreitet. Der Zentralverband der Kleinbauern und Häusler wird weiter für eine soziale Lösung dieser Frage arbeiten. Die„völkis chen Studentenverbände" — die nazistischen also— haben das Bedürfnis empfunden, gegen die Angriffe auf die deutsche Universität, die im Anschluss an den tragischen Fall des Dr. Gach erhoben wurden, eine Protestkundgebung zu veranstalten. Ueberflüssig, zu sagen, dass diese Kundgebung im Hörsaal IV des Carolinum S, auf„akademischem Boden", stattfinden konnte, wo im Vorjahr eine Masarytfeier der Sozialistischen Studenten nicht zugelaffen wurde. Beinahe ebenso überflüssig zu sagen, dass die akademischen Spitzen so gut wie vollzählig erschienen waren. Die Herren, die keine Zeit haben, ein deutsches Buch zu lesen, finden immer Zeit, wenn es gilt, den Hohenfriedberger Marsch oder die Albernheiten völkischer Politikaster anzuhören. Es waren also erschienen: der R e k t o r der Universität Dr. G r o h e r, der Rektor der Technik Prof. G i n t l(dem man übrigens den Arier nicht auf den ersten Blick ansieht) und die Pro- kessoren Ghon, San Nicolo(wie dürfte der fehler»!), Sander, Svoboda, Marx, Tschermak-Seysenegg, Brand-und Z e Y n e k. Welches Matz von politischer Bildung und Erfahrung die Veranstalter besitzen, zeigte sich gleich, als der Vorsitzende, ein Herr H a m m e r l, bei der Eröffnung die Pressevertreter warnte, d ie Versammlung zu st ö r e n. Eine merkwürdige Vorstellung scheinen die mit der Feder freilich wenig vertrauten Herren Nazi-Akademiker von einem Journalisten zu haben, dass sie ausgerechnet von den Pressevertretern Zwischenrufe und Störungen erwarten. Ueber die sachliche Seite des Falles Gach sprach der Hammer! nicht. Er bemühte sich nicht, die Argumente der Kritiker der Universität zu entkräften. Aber er wandte sich dagegen, dass man von der deuffchen Universität verlange, dass sie „jedem Hergelaufenen dasselbe Recht einräume wie einem deutschblütigen Studenten." Und von den Professoren, die sich das ruhig anhören, soll nun der„hergelaufene" Student annehmen, dass sie ihn gerecht beurteilen und behandeln werden? Professoren, die einer Einteilung der Studenten in deutschblütige und hergelaufene stillschweigend ihre Sanktion erteilen, müssten auf der Stelle aus den Vrü- f u n g i I. om w i o n em. ,e ntkernt werden. Bei dieser Gelegenheit könnte man einige von ihnen auch fragen, ob sie sich zu den Deutsch- blütigen oder zu den Hergelaufenen zählen, z. B. den S a n N i c o I d, der unseres Wissens aus Welschland hergekommen ist. Hammerl betonte, dass zwei Fünftel der akademsschen Lehrkräfte nichtarisch seien, während an der tschechischen Universität fast keine Nichtarier lehren. Es wurde dann eine Entschliessung angenommen, die mit dem Hinweis auf die Anwesenheit der Rektoren beginnt, dann behauptet, man wove die deutsche Universität vernichten und die deutschen Hochschulen„zu einem Zentrum volksfremder Agitation" machen". Weiter wird von den verleumderischen und hetzerischen Angriffen der Emigrantenpresse geredet und alle Angriffe werden mit der Bemerkung abgetan, dass ihnen Tatsachen(?) gegenüberstehen, die für sich sprechen. Nach einem Angriff auf die sozialdemokratische Interpellation bedauert die Entschließung, dass keine bürgerliche Partei sich den»unbegründeten Anschuldigungen" entgegengestellt habe. Und nun geht es in reinster Goebbels-Tonart weiter: Im Interesse einer ruhigen und fortschrittlichen Entwicklung unserer Hochschulen fordern wir, dass dem wüsten Treiben einer politischen Unterwelt Einhalt geboten werde. Im Namen unserer Kultur protestieren wir mit aller Energie vor der gesamten Oeffentlichkeit dagegen, dass durch billige Anschuldigungen unserer Hochschulen und Professoren, die für Volk und Staat restlos ihre Persönlichkeit ei n- gesetzt haben, aus dunklen Motiven in den Kot gezerrt werden. Ihre Leistungen sind unleugbar« Zeugen dafür, dass sie durch ihre Tätigkeit auf wissenschaftlichem Gebiet den hohen Wert der deutschen Hochschulen für die Kultur des Volkes und des Staates in höchstem Masse bewiesen haben. Wir protestieren dagegen, dass die Berufungen und die Besetzung der Lehrkanzeln der Hochschulen zu einer Angelegenheit der Strasse gemacht wird und parteipolitische Interessen in den Vordergrund gestellt werden. Ebendas hat man ja den Herren vorgeworfen, dass sie nickt nach wissenschaftlich sachlichen Gesichtspunkten, sondern nach dem Wunsch der Gasse entscheiden, zu der die Nazistudenten vollzählig zu rechnen sind! Schliesslich behaupten die Nazi, dass sie geschloffen„wie ein Mann hinter unseren Hochschulen stehen, würdevoll, aber entschlössest". Würdevoll ist in diesem Zusammenhang besonders gutl Und nun, da durch den Ton der Entschlie- ssung, durch die unflätigen Ausfälle zur Genüge der Ortsgruppen gegenüber dem Verband zu verdanken sind, sondern einzig und allein der auf den Beschlüssen von Reu-Ohlisch beruhenden Arbeit aller Funktionäre der westböhmischen KreiSorgani- sation, deren mitunterzeichneter Kreisvertrauensmann Walter es aus selbstverständlicher Kameradschaft ablehnt, allein eine— zudem nicht ehrlich gemeinte— Würdigung für Erfolge in Ansprch zu nehmen, an deren Zustandekonunen alle Genossen und Genossinnen der KreiSorganlsation Karlsbad nicht minder beteiligt sind als der Verbandsvorstand, der die Kreisorganisation bei ihrer' Arbeit nach Kräften unterstützt. Im übrigen ist festzustellen, daß sich die crganisatorischen Erfolge des Sozialistischen Jugendverbandes nicht auf die Kreisorganisation Karlsbad beschränken, sondern erfreulicherweise im ganzen Arbeitsgebiet des Verbandes erzielt werden. Der Wert der Angriffe, die die»Sozialistische Aktion" auf die führenden Funktionäre des Sozialistischen Jugendverbandes unter Berufung auf die angeblich oppositionelle Kreisführung in Karlsbad richtet, wird schon daraus offenbar, dass die Sitzung von Neu-Ohlisch mit einem einstimmig gefaßten Beschluss, also unter Mitwirkung des Genossen Walter, das Bekenntnis zur»Sozialistischen Aktion" und ihre Vorbereitung als mit der Zugehörigkeit zum Sozialistischen Fugendverband unvereinbar erklärt hat. Indem der Berbandsvorstand in voller Einmütigkeit die verwerflichen Methoden der»Sozialistischen Aktion" ablehnt, ruft er dje Jugendgenossinnen und-Genossen auf, in dieser schweren Zeit in derselben Kameradschaftlichkeit zusammenzustehen wie bisher und der gewissenlosen Verhetzung durch Aussenstehende die sozialistische Tat entgegenzustellen, die ihre Erfolge aus dem gegenseitigen Vertrauen aller Mitglieder und Funktionäre des Sozialistischen Jugendverbandes ableitet.> Oie Nummern der Kandidatenlisten In der Novelle zur Wahlordnung ist bekanntlich auch die Bestimmung enthalten, daß die Kandidatenlisten der Parteien in der Reihenfolge der Stärke der Parteien bet den letzten Wahlen ms Abgeordnetenhaus erfolgt. Danach also werden haben Nummer 1 Republikanische Partei der Landwirt«, 2 Tschechoslowakische sozialdemokratische Arbeiterpartei, 3 Tschechoslowakische nationalsozialistische Partei, 4 Kommunistische Partei, 6 Tschechoslowakische Volkspartei, Ü Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei, 7 Slowakische Bolkspartei, 8 Bund der Landwirte, 9 Närodni sjednoceni, 10 Deutsche chcistlichsoziale Partei, 11 Tschechoslowakische Gewerbepartei. Die weitere Reihenfolge kann nicht mehr genau angegeben Werden, weil die Wahlgruppen der Magyaren noch nicht bekannt sind. kür eine gerechte Planwirtschaft Sozialdemokratisches Einschreiten zugunsten der kleinen Hopfenzüchter Die gesetzliche Beschränkung der Hopfenanbaufläche hat ihre Vorteile und Nachteile. Einerseits wird der preisschädigenden Ueberproduktion gesteuert» anderseits ist ein Erzeugungsmonopol geschaffen worden. Nun haben aber gerade im Saazer Land viele kleine Grundbesitzer in der schlechten Zeit zwischen 1928 und 1932 die Hopfengärten aufgelassen, weil sie darauf angewiesen waren, irgendeinen bescheidenen Ertrag aus dem Acker zu ziehen. Seitdem der Hopfenbau wieder halbwegs rentabel geworden ist, häufen sich bei der böhmischen Landesbehörde die Ansuchen um Bewilligung neuer Hopfengärten. Soweit dabei größere Hopfenzüchter von der kaum begonnenen Preiökonjunktur profitieren und sofort die Anbaufläche vergrößern wollen, wird man bei der Behandlung dieser Ansuchen sehr zurückhaltend sein müssen, um einen neuen Preissturz zu vermeiden. Anders liegt die Sache in jenen Fällen, wo entweder der Hopfenbau ganz aufgegeben oder über vierzig Prozent eingeschränkt wurde. Solche kleine Grundbesitzer hätten heute begründeten Anspruch darauf, dass ihnen neue Hopfenanlagen bewilligt werden. In diesem Sinne sprach kürzlich eine Deputation, bestehend aus den Genossen Mrasek» ! Tuchorschitz, Landesvertreter H a l a und Abg. Genossen I a k s ch beim Herrn Landespräsidenten Dr. S o b o t k a vor. Sie verwies insbesondere darauf, dass es unter der Bevölkerung des Saazer Lande- viel böses Blut machen würde, wenn ettva nur einigen Restgutbesitzern die Erweiterung der Anbaufläche bewilligt würde, während die Ansuchen der kleineren Grundbesitzer un erwiesen ist, dass die Universität wirk- lichssomNazismusverseucht ist, hat Seine Magnifizenz der Herr Rektor keineswegs den Saal verlassen, in dem die gewählten Vertreter des deutschen Volkes als Unterwelt apostrophiert worden waren, er hat vielmehr das Wort ergriffen, das der Hammerl ihm gab, und nach der einleitenden Bemerkung, er müsse vorsichtig sein, denn man verdrehe einem heute die Worte im Munde, sprach auch er von'den»Verleumdung« n", die gegen die deutsche Universität erhoben werden. Er fuhr fort: „Wenn wir daran festhalten, dass wir eine deutsche Hochschule sind und nicht eine Hochschule mit deutscher Unterrichtssprache und nächstens 0er erste Wahlsonntag In Ungarn Budapest. Der heutige Sonntag ist der erste Abstimmungstag für die ungarischen Reichstags- Wahlen. In der acht Tage umfassenden Abstim- mungskampagne gelangen 248 Mandate zur Vergebung. Dabei braucht in 54 Bezirken nicht abge- srimmt zu werden, da bloss ein Kandidat empfohlen wurde. Von diesen 54 einstimmig gewählten Kandidaten sind 47 Anhänger der Partei der nationalen Einheit, 8 parteilos und einer Anhän- Wieder ein wenig akademischer Unflat Nazistudenten bestätigen durch die Tat die Vorwürfe gegen die deutsche Universität Die sozialistische Jugendbewegung ist einig! Karl Kern, Rudolf Geißler, Ferry S di i m m e I, Michael Walter, Josef S t y b e r, Florian W e i k e r t, Heinrich W e I s b a ch, Willi Sdi ö n, Karl Werner, Alois Patz, Josef K r e i n e r, Willi W a n k a. Und sowas redet von Einheitsfront! Keine Jndustriellentagung und Handelskammerversamm- lung vergeht, auf der das Unternehmertum nicht entschiedenen Protest gegen die von der Sozialde mokratie und den Gewerkschaften erhobenen For derung auf Einführung der 40-Stunden-Arbeits- woche eichebt. Trotzdem aber versteigt sich ein, kommunistischer Artikelschreiber, H. Fridrich,'! Prag, in einem in der kommunistischen Presse erschienenen Artikel zu folgender Behauptung: „Die sozialdemokratische Forderung nach Ein führung der Bierzigstunden-Woche zeigt sich somit klar als eine Massnahme der Rationalisierung und als eine Massnahme zugunsten der Kapitalisten." Vielleicht erklären die Kommunisten den Arbei- tcrn einmal, warum denn die Kapitalisten so ger der unabhängigen kleinen Landwirte-Partei, hartnäckigen Widerstand gegen die Forderung gel-1 Der heutige Wahltag wird die Entscheidung tend machen. Ausserdem aber sollen sie aufhören in weiteren 125 Wahlbezirken bringen, so daß bis zu verlangen, daß ihr Gerede von der EinheitS- zum Sonntag Abend, spätestens bis Montag früh, front auch nur von einem sozialdemokratischen, bereits das Ergebnis von 179 Wahlbezirken be- Arbeiter ernst genommen wird. 1 rannt sein wird. Die Erhaltung der A u t o n o m i e sei nie sten zu geben. Das ist um so merkwürdiger, als • r—x. sich bei der wesentlichen Neuerung, der Einfnh- I rung eines Quorums von 125.000 Stimmen für die Zulassung zum zweiten Skrutinium, um eine Bestimmung handelt, welche die im Parlamente vertretenen deutschen Parteien überhaupt nicht berührt. Denn alle Parteien und Wahlgemeinschaften, die auf deutscher Seite im Jahre 1929 kandidiert haben, erreichten weit mehr als 125.000 Stimmen, abgesehen von der alldeutschen Volkspartei, die mit ihren 6672 Stimmen auch ohne Quorum kein Mandat erlangen konnte. Das Quorum ist also im Gegensatz zu der Behauptung der„Bohemia", so weit deutsche Parteien in Frage kommen, keinesfalls„eine Waffe, mit der klein« Parteien niedergemäht werden können". Das gilt sogar von der„Arbeitsund Wirtschaftsgemeinschaft", die, obwohl sie keine Partei, sondern schon eine ziemlich komplizierte Wahlg?meinschaft mehrerer Parteien ist, auch vor Einführung des Quorums nur unter den Fittichen des Bundes der Landwirte zu Mandaten kommen konnte. Es steht also der„Bohemia" schlecht an, die z w e i t e Bedingung für die Erlangung eines Mandates al^ Einschränkung der Freiheit des Wählers anzuprangern, da doch ihr politisches Schoßkind schon die erst e, längst geltende Voraussetzung nicht zu erfüllen vermag. Im Eifer der Polemik hat Herr F. B. sich übrigens nicht bloß über die bestehenden Parteienverhältnisse und über die Daten der Wahlstatistik kühn hinweggesetzt, sondern auch über die klaren Bestimmungen der Vorlage selbst, die durchaus nicht die Zuteilung eines Grundmandates, sondern nur die Zulassung zum zweiten Skrutinium. also die Erlangung von Restmandaten an das Quorum bindet. Das ist kein bloßes Versehen, das an sich bei einem Parlamentarier schwer entschuldbar wäre» sondern tendenziöse Ausdeutung von Bestimmungen, die auf Seite drei desselben Blattes richtig wiedergegeben werden. Die Berechtigung der»Bohemia" Sittennoten äuszuteilen, ' kann schon danach entsprechend gewürdigt werden. Aber das hindert die„Bohemia" keineswegs, den Sozialdemokraten Tartüfferie vorznwerfen, da sie auf der einen Seite Wahlbündnisse als „Verrat" bekämpfen, auf der anderen Seite aber solche Wahlbündnisse durch legislatorische Massnahmen erzwingen. Wir haben schon bewiesen, dass das neue Gesetz kein deutsches Wahlbündnis nötig macht, das nicht schon-nach den früheren Bestimmungen nötig gewesen wäre, wenn man schon die parlamentarische Existenz solcher„wertvoller politischer Individualitäten", wie sie Herr F. B. im Auge hat, als Notwendigkeit gelten lassen will. Auch haben wir niemals jedes Wahlbündnis als„Verrat" angesehen, sondern bloß die Bündnisse, zwischen Fascisten und Liberalen, Ha- kenkreuzlern und Juden, Klerikalen und Freisinnigen, wie sie gerade auf Prager Boden, den deutschen Wählern immer wieder beschert wurden. Was aber die Tartüfferie betrifft, so scheint es uns keine größere geben zu kcynen, als die, welche empört auffährt, wenn eine gesetzliche Maßnahme Parteien, die nicht einmal acht Prozent der im Jahre 1929 abgegebenen deutschen Stimmen auf sich vereinigen, von der Verteilung der Restmandate ausschließt, aber dem Bestreben der Heimatfront, alle deutschen Parteien auch die eigene auf- zufressen, beharrlich Beifall Katscht. ! Ueberflüssise Aufregung Die Regierung hat eine Novelle zur Parla- ' mentswahlordnung eingebracht, für die, nach dec , Logik der„Bohemia" die in der Regierung ver- I tretenen deutschen Sozialdemokraten und der vielleicht mü einer anderen, so müssen wir darauf Bund der Landwirte die politische Verantwortung bestehen, dass das deutsche Volk und seine Ber-‘ tragen. Tschechische Regierungsparteien scheint es treter die Hochschule in ihren Händen behalten." i danach überhaupt nicht, oder doch nur als Stati- Di- ffirWhn» d-r A n t o n o m i e sei nie! sten zu geben. Das ist um so merkwürdiger, als wichtiger gewesen als jetzt. Zum Schluss forderte Großer die Demonstranten auf, ruhig auseinan derzugehen, damit die»W ü r d e dieser Kund gebung" nicht gestört werde. Deutlicher als durch diese würdevolle Kundgebung konnten die Nazi nicht beweisen, daß ein eiserner Besen die deutsche Universität säubern müßte, deut licher als durch seine Sympathiekund gebung konnte der R e k t o r nicht dartun, daß die Angriffe auf ihn und einen Teil seiner Kolle gen gerechtfertigt sind. Es wäre wichtig, daß die Vertreter des deutschen Volkes diese Universi tät in die Hände bekämen, aber es heißt die Situa tion bedenklich verkennen, wenn man die N a z i- Professoren als Vertreter des deutschen Volkes ansprichtl ®cHe 4 Sonntag, 31. März 1933 Nr. 77 Vom Rundfunk r wu J l‘- lll.l VCL V/CilVUU_ merie besetzte uni zwei Uhr das Postamt, da sie L- schleunigte Sicherung des ungestörten Rundfunkemp- fangs auf gesetzlichem Weg« fordert. nach den Aussagen des Chauffeurs einen Ucber- fall auf das Postgebäude befürchteten. Tatsächlich erschienen um Punkt zwei Uhr nachmittags zwei Herren beim hiesigen Postamte und erhielten kurz darauf ein Blitztelegramm ans Wien, in dem die bereits in Wien gezogenen Nummern der blauen Lotterie bekanntgegeben wurden. Die beiden Gauner, die nach dem Erhalt dieses Telegrammes verhaftet wurden, gaben beim Verhör an, daß sie mit dem bestellten Auto in die nächste Umgebung fahren wollten, um die gezogenen Nummern noch zum Einschreiben zu bringen. Vielleicht liegt auch im Falle Watzek ein ähnliches Verbrechen vor, da man auch bei ihm Nummern der blauen Lotterie fand. Koöicr. In der Nacht auf Samstag hat in der Ost-Slowakei starker Schneefall eingesetzt. Auch in Kosice schneite es seit Mitternacht, so daß bis in die Morgenstunden zirka 20 Zentimeter Schnee fielen. Kennen gelernt! Die traditionsgemäß inhaltslosen Regierungsverlautbarungen über die Berliner Konferenz bekommen ans einmal Sinn durch die L i ch tch i l d e r, die dabei ausgenommen wurden. Simon und Eden im einfachen schwarzen Rock— Hitler in der Nazi» sacke mit Hakenkreuzbinde am Arm, Eisernem und Frontkreuz am Rock. S o empfängt der wür» dige Osaf des Dritten Reiches seine englischen Gäste: den alten Liberalen Simon angetan mit dem Zeichen des bluttriefenden Mörderhasses, den jungen Staatsmann, der als jüngster * Budapest. In Budapest und in der Umgebung der Hauptstadt hat in der vergangenen Nacht ein starker Schneefall eingesetzt, so daß die Ofener Berge wiederum eine winterliche Schneedecke tragen. Aus ganz Ungarn treffen Nachrichten über starke Schneefälle und orkanartige Stür- m e ein. In verschiedenen Gegenden dauerte der Schneefall die ganze Nacht Über an, so daß mehrere Probipzstraßen unpassierbar wurden.. In der Gemeinde Niese wütete um Mitternacht ein heftiger Schneesturm. Die Schneedecke hat teilweise' bereits eine Höhe von einem halben Meter erreicht, so daß die Züge in dieser Gegend mit großer Verspätung verkehren. Die Schneeslürme haben an den Telegraphen- und Telephonleitungen großen Schaden angerichtet, der besonders in den nördlichen Teilen und in Transdanubien erheblich ist. * Warschau. Aus ganz Polen treffen Meldungen ein, daß der Winter zurückgekehrt sei. In Krakau liegt auf den Straßep eine starke Schneedecke. eskortiert. Als die Flüchtlinge sich wiederum der bulgarischen Grenze näherten, eröffnete die rumänische Wache hinter ihnen das Feuer. Die bulgarische Grenzwache wurde durch die Schüsse alarmiert und, dadurch beunruhigt, daß sich in der Finsternis eine große Menschengruppe dem bulgarischen Gebiete näherte und sich anschickte, in dasselbe einzudringen» eröffnet« auch sie dasFeuer, nachdem sie die Flüchtlinge vergeblich- aufgefordert hatte, stehen zu bleiben, weil sie glaubte, daß es sich um eine Bande gefährlicher Schmuggler handle. Zwei Flüchtlinge wurden erschossen, drei weitere erlitten leichte Verletzungen. Das entsprechende amtliche Untersuchungsverfahren wurde unverzüglich cingeleitet; ein Untersuchungsrichter hat sich an den Tatort begeben. Die bulgarischen Grenzbehörden haben um eine Zusammenkunft mit den rumänischen Grenzämtern ersucht. p enge b s e t ist der 33jährige Kaufmann Adolf Bruder aus Wien während einer Skitour erfroren. Er hatte in Gesellschaft mehrerer Skifahrer eine Tour auf die Hinteralpe unternommen, kam auf der Abfahrt.zu Fall, brach sich das Schlüsselbein, konnte nicht mehr weiter und erfror. Seine Sportgefährten bemerkten seine Abwesenheit erst bei ihrer Rückkehr und begaben sich sofort auf die Suche. Erst am Morgen des nächsten Tages fanden sie ihren Kameraden. Auf einer Skitour erfroren Graz. Am Windberg im S ch n e e ä l I Sofia. In der Nacht auf Saipstag ereignete sich an der bulgarisch-rumänischen Grenze unweit von Tutrakan ein Zwischenfall. Die Grenzposten der beiden Staaten machten von ihren Schußwaffen Gebrach, wobei zwei Kx nschen getötet wurden. Nach Mitteilungen der amtlichen bulgarischen Telcgraphenagentur hat sich dieser folgendermaßen abgespielt. In der Nacht vom Donnerstag aus Freitag überschritt eine Gruppe bulgarischer Türken aus der Gemeinde Drenowo und Umgebung auf einem Schleichwege in illegaler Weise die rumänische Grenze und begab sich z u d e m ru m ä- nischen Grenzposten bei der Gemeinde Slahlare im Bezirke Tutrakan. Am Freitag wurden die Flüchtlinge von einer rumänischen Patrouille abgeführt, die sich in der Gemeinde Ko- wandschilar befand, und von dort wurden sie in der Nacht auf Samstag um 23 Uhr inderRich- tung gegen die bulgarische Grenze Aktion gegen Rundfunk-Störungen Am Freitag wurde int großen Saale der Städtischen Zentralbücherei in Prag eine Manifestationsverfauun- lung für die Gcsetzwerdung der Novelle betreffend den Schutz des Rundfunks vor Störungen, die bereits vom Postministerium ausgeärbeitet wurde, ab- zehalten. Die Versammlung war von sämtlichen tschechischen und deutschen Rundfunkkorporationen einberufen worden. An der Kundgebung nahmen etwa 700 Personen teil. Den Vorsitz führte Prof. Dr. Ernest, der die kulturelle und staatliche Bedeutung deS Rundfunks hervorhob. Ueber die juristische Seite des Gesetzentwurfes sprach in allen Einzelheiten Dr. Kamil Sulc, über die technische Seite des Problems referierte Doz. Dr. Jar. Safränek, der in klarer Weise die Möglichkeit der Durchführung von Entstörungen nachwies. Für die Radioklubs betonte di« Bedeutung eines ungestörten Rundfunkempfangs Prof. Näpravnik au- Spisskä Novä Bes. Nach abgeführter Aussprache wurde eine Resolution einstimmig angenommen, die den Gesetzentwurf des Postministeriums begrüßt und eine be- Empfchlcnswcrtes ans de« Programme«: Sonntag. Prag. Sender L: 7.30: Konzert aus Karlsbad, 9.15: Französische Musik, 10: Salonquartett Mu- Zit, 11: Matinee des Orchesters der Prager Sendestation, 13.45: Sozialinformationen, 17.50: Deutsche Sendung: Seemann. 18: Ucbertragung aus Karlsbad: Das lustige Egerland, Hörspiel, Vorschau auf das Musikprogramm der tschst. Sender, 18.50: Deutsche Presse, 18.55: Schallplatten: Bon Gluck, 19.05: Populäres Konzert, 22.20: Schallplatten von Richard Strauß. Sender S: 14.30: Deutsche Sendung: Landwirtschaft. 14.45: Arbeiterfunk: Dr. Baumgärtl: Demokratische und nichtdemokratische Justiz, 15: Der Liebe Lust und Leid, Lieder von Brahms und Reger.— Brünn 15: Susannes Geheimnis, Oper, 18.50: Deutsche Sendung: Dr. Festa: Zeitkunst oder zeitlose Kunst, 20.10: Slowakische Lieder.— Mähr.-Ostrau 19.05: Operetten- musik.—= Preßburg 19.05: Unterhaltungsmusik, 20.10: Populäres Orchesterkonzert» Montag. Prag, Sender L: 10.05: Deutsch« Preffe, 12.10: Ouvertüren auf Schallplatte«, 13.35: Arbeitsmarkt, 16.55: Kindersründchen, 18.15: Deutsche Sendung: Mißglücktes Attentat auf den Kaiser von Japan Schanghai. Der Polizei von Dairen gelang es, einen Anschlag auf den Kaiser Kangteh aufzudecken. Wie verlautet, sollen 23 unzufriedene Kore a n e r, die sich von Tschungtien aus in das Gebiet, das der Kaiser auf der Durchreise nach Japan benutzen muß, eingeschlichen hatten, in diesen Anschlag verwickelt seien. Die Polizei hat umfassende Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Die Abreise des Kaisers Kangteh nach Tokio wird am 2. April erfolgen. Der Kladnoer Räuber verhaftet I» einem Prager Nachtlokal. Kladno. Der Raubüberfall auf die Kassierin des Konsumvereins„Vcela" in Srby bei Kladno hat eine schnelle Aufklärung gefunden. Der Verdacht der Gendarmerie richtete sich gegen den 27- jährigen Jaroslav Hlavääek, welcher in demselben Haus wohnt, in'welchem sich die Verkaufsstelle der„Väela" befindet. Als die Gendarmen erfuhren, daß Hlavacek mit einer Autodroschke nach Prag gefahren war, verständigten sic die Prager Polizei, die Freitag abends eine Streife durch die Prager Nachtlokale unternahm. Hlavä- cek wurde tatsächlich in einem Nachtlokal in der Altstadt verhaftet. Beim Verhör gab er den Ueber- fall zu. Man fand bei ihm noch ungefähr 1100 Xc, dreitausend Kronen hatte er im Laüfe des Tages schon durchgebracht. Tagcsncuigkcltcn Eine Tatra-Larvirre tötet einen Bergführer Neuschnee in der Slowakei, in Angarn und Polen Rövh Smokovec. Freitag nachmittags ging in Belkä Studenä Dolina nad Dlou- hhm Lesem eine Lawine nieder, die große Felsstücke mit sich führte und den Berufsführer B u d z a k aus Zdiar unter sich begrub. An die Un- fallstellr hat sich sofort eine Rettungsrxpedition der KC2T begeben, doch waren ihre Nachforschungen! ergebnislos. Der Chauffeurmord bei Teplitz Die Sezierung der Leiche des Chauffeurs Watzck hat ergeben, daß er erschossen und beraubt lvurde. In seinen Taschen fand man auch einige Nummern der blauen Lotterie. Unser Berichterstatter erinnert uns dabei an folgende Tatsachen: Vor zirka 14 Tagen erschienen in B i l i n, bei einem Taxichauffeur am Marktplatz zwei Männer und ersuchten ihn, er möge mit seinem Auto Punkt zwei Uhr nachmittags beim Postämt in Bikin vorfahren, da von dort eine größere Fahrt in Aussicht gestellt sei. Der Chauffeur traute der Sache nicht und erzählte dies der Polizei: Die Polizei, gemeinsam mit der Gendar- 80 Schwerverletzte bei einem Hochzeitszug New Delhi. In dem Dorfe K h u r i im Fürstentum Jaipur kam es anläßlich eines Hochzeitsfestzuges zu einer blutigen Schlägerei, bei der 80 Leute schwer verletzt wurden, darunter acht lebensgefährlich. Die Ursache der Schlägerei war, daß 400 Bauern der Jat-Klasse bei dem Festzuge Pferde verwenden wollten, was die lokalen Behörden als «unzulässig für diese Klasse" bezeichneten. Als berittene Polizeitruppen gegen die Bauern, die sich den Anordnungen der Behörde widersetzten, vorgingen, kam es zu schweren Zusammenstößen, an denen sich auch die Menge beteiligte. Die Streitenden gingen mit Speeren und Knüppeln auf einander los. Kindesentführer soll gehenkt werden. Das Oberste Gericht in Jefferson-City im amerikanischen Bundesstaate Missouri bestätigte am Samstag das Todesurteil gegen Walther H. McGec, der, um ein Lösegeld zu erpressen, Ende Mai 1933 die Tochter des bekannten Bürgermeisters von Kansas City entführt und 30 Stunden gefangengehalten hat. Es handelt sich hiebei um das erste Todesurteil, das in den Vereinigten Staaten für eine Entführung ohne tödlichen Ausgang verhängt wurde. Walther McGee wird am 10. Mai in Kansas City gehenkt. Fünf Hinrichtungen in Sowjetrußland. In Dscharkent(Turkestan) verurteilte. der Oberste Gerichtshof fünf ehemalige Bauern und Ange st eilt e zum Tode durch Erschießen. Die Urteile wurden bereits vollstreckt. Die Hingerichteten hatten seit dem Jahre 1934 die Gegend von Dscharkent durch Ueberfälle unsicher gemacht und vier Sowjetbeamte erschossen. Flugzeug-Katastrophe. Bei Tatejama(Japan) stürzte gestern früh ein Wasserflugzeug ab und ging in Trümmer. Von der sieben- köpfigen Besatzung wurden d r e i M a n n sofort getötet, während die v i e r übrigen schwere Verletzungen erlitten. Ernennungen an der deutsche« Universität. Der Präsident der Republik bat den bisherigen außerordentlichen Professor Josef P f.i tz n e r zum ordentlichen Professor für osteuropäische und für Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit, den Dozenten Dr. Ernstber- g e r zum außerordentlichen Professor für neuere Geschichte, den Dozenten Licht/necker zum Titular-ao. Professor für theoretische Physik und den Titular-ao. Professor Felix Schleißner zum ao. Professor der Kinderheilkunde ernannt. I« der Freien Schule für politische Wissenschaften in Prag I.’ fOvocny trh 8) im'Karvlinnm finden die E i n sch re i b u n g en für das Frühjahrssemester täglich von 9 bis 12 Uhr und von 16 bis 18 Uhr bis einschließlich 6. April, statt. Gedruckte Prospette im Sekretariat der Schule. Allmähliche Mildermch der Kälte. In Mitteleuropa herrscht veränderliches kühles Wetter mit Schneeschauern. In unseren Gegenden, wo auch untertags strichweise Frost herrscht, entspricht die Temperatur den normalen Verhältnissen in der ersten F e b« r h ä l f t e. Die Kältewelle hat bei ihrem Fortschreiten nach Süden auch Italien überflutet, wo es Samstag nachmittags stellenweise um zehn Grad Celsius kälter war als tagSvorher. Der kalte Nordwind dürfte allmählich abflauen, und eine wärmere westliche Luftströmung, die am Samstag in Schottland Temperaturen um plus 10 Grad gebracht hat, bei uns zwar noch nicht zur Geltung kommen, trotzdem kann eine allmähliche Milderung der Kälte erwartet werden. Die Iiächte werden noch sehr kühl bleiben, namentlich für den Fall, daß es sich unter dem Einfluß eines Hochdruckgebietes, das über Nordfrankreich liegt, vorübergehend aufheitert. — Wahrscheinliches Wetter von heute: Allmähliches Abflauen des Nordwindes, weitere Abnahme der Neigung zu Schneeschauern, wechselnd bewölkt und zeitweise ziemlich-heiter. In den Niederungen Nachtfrost, auf den Bergen Ganztagsfrost, im allgemeinen jedoch bereits etwas wärmer.— Wetteraussichten für Montag: Weitere allmähliche Erwärmung, Wetter jedoch noch unsicher. Radlohörcr, Adifung! o Die Verbände der Rundfunkhörer haben eine Aktion eingeleitet, welche die schnellste Herausgabe eines Gesetzes gegen rlettrische Störungen des Radioempfangrs zum Ziele hat. Der Entwurf eines solchen Gesetzes wurde vom Postministrrium bereits den interessierten Verbänden und Körperschaften vorgrlegt. Jeder Radiohörer ist an dem Störschutz interessiert, alle Radiohörer müssen sich der Bewegung für den sofortigen und ausreichenden Schutz des Rundfrrnkempfanges anschließen. Vorträge und Plakate sollen diesem Zweck dienen. Wir ersuchen daher die Rundfunkhörer, sich an den „Freien Radidbund" zu wenden, welcher dem Aktionsausschuß der vereinigten Radiohörerver- bände angehört und durch Abhaltung von Versammlungen und Beistrllung von Plakaten die Bewegung der Rundfunkhörer organisiert. „Freier Radiobund", Prag XU, Fochova 62/V. Huf: Zweck und Sinn der deutschen Studentenkür- sorge, 18.25: Tauber: Die Frau von heute, 18.50: Deutsche Presse, 19.15: Wir lernen russisch, 21: Gesangskonzert, 22.15: Tanzmusik, 22.30: Deutsche Nachrichten. Sender S: 14.20:'Märsche auf Schallplatte«, 14.40: Klavierkonzert, 15.05: Deutsch« Sendung: April-April, heiteres Blitzprogramm, 15.35: Deutsche Preffe.— Brünn 12.10: Arbeitsmarkt, Sozialinformationen, 13.40: Berühmte Tenoristen auf Schallplatten, 17.45: Deutsche Sendung: Brünner Brettl, Nundfunkkabarett.— Mähr.- Ostrau 18.15: Deutsche Arbeitersendung: Wiese- Langer singt Lieder von Hugo Wolf, 19.30: Buntes Programm.— Preßburg 15.55: Orchesterkonzert, 17.10: Musik des russischen Balalaikaorchesters. Dienstag. Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Preffe. 11.05: Deutscher Schulfunk. 11.50: Schallplatten: Bach. 16.45: Kinderstunde, 17.45: Violoncellokon- zdrt, 18.15: Deutsche Sendung: Dr. Weil: Wirtschaftliches Relief, 18.25: Reichenberger Komponisten, 18.50: Deutsche Preffe, 21.35: Orchesterkonzert. Sender S: 14.35: Leichte Musik, 15: Deutsche Sendung: Rose Walter singt Lieder.— Brün« 10.15: Orchesterkonzert, 17.50: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Husserl: Ein proletarisches Kinderheim. 18.20: Sozialinformationen.—- Mähr.-Ostrau 19.30: Leichte Orchestermusik.— Preßburg 18.05; Violinkonzert.— Kascha« 15.55: Orchester!onzert. Flüchtlinge von beiden Seiten beschossen Rumänisch-bulgarischer Grenzzwischenfall Hauptmann der Armee aus dem Weltkrieg zu- rückkehrte, aber seine gewiß zahlreichen Kriegsorden zuhause gelassen hat, mit der Kriegsauszeichnung und dem neuerdings eingeführten Kriegserinnerungszeichen. England will den : Krieg vergessen— das heutige Deutschland macht ihn durch Presse, Rundfunk und Schule täglich mehr zum Mittelpunkt alles Denkens. Die beiden Engländer haben natürlich die Art dieses Dritten Reiches schon ausreichend gekannt, nun haben sie auch seinen Führer kennen gelernt. Der mit nach Berlin gekommene Außenpolitiier des „Daily Herold" W. N. E w e r, berichtet vom ersten Tag, daß die neun Sitzungsstunden zum größten Teil ausgefüllt war^n durch die „mitmehrSinn für Rhetorik als für die Wirklichkeit" vorgetragenen Darlegungen Hitlers über die Aufgabe Deutsch, lands, das Boll werkgegendiebol sch c- w i st i s ch e Gefahr zu sein. Er kann dem Ausland ja nichts anderes bieten als diese Walze, unter deren Klängen sie schon den Reichstag in Flammen aufgehen ließen, um sich der Opposition zu entledigen und mit deren blödem Lärm sie die Schmerzensrufe und Todesschreie ihrer Opfer glauben ersticken zu können. Die Sowjetunion kann nichts anderes brauchen als Frieden zur Hebung ihrer Völker, die kommuni- stischen Parteien außerhalb Rußlands sind-in ihren Staaten praktisch'bedeutungslos, weit entfernt davon, irgendeine Gefahr zu sein. Vom DrittenReich aber gehen alle die Hetzereien nicht nur, gehen selbst die F e m e m o r d e u n d Menschenraube aus, die keine Grenze und fremde Staatshoheit achten. Nicht der Bolschewismus ist die Gefahr fiir Zivilisation und Kultur, sondern das ist jene Kraft, die zur Tarnung ihrer eigenen Verbrechen sie alle hinstcllt als Abwehr der kommunistischen Gefahr. Es gibt nichts anderes für die nichtfascistischc Menschheit als sich auf das festeste zusammenzuschließen gegen die Schmach unseres Jahr- Hunderts. Entfallende Minister-Empfänge. Justizminister Dr. Ivan D e r e r, Minister für Eisenbahnwesen Rudolf B e ch y n l, der.Innenminister Dr. Josef Cerny, der Minister für Post- und Telegraphenwesen Dr. Emil Franke und 8er Minister für Unifizierung Msgr. Jan Srämek empfangen qm Dienstag, dem 2. April, keine Besuche. Selbstmord eines Staatsbahnrats. In der Familie des 42jährigen Rates der Staatsbahnen in Kaschau, Dr. Josef Schütze, spielte sich gestern eine Tragödie ab. Rat Schütze, bei dem in den letzten Tagen Anzeichen einer Nervendepression bemerkt wurden, schoß auf seine Gattin, worauf er die Waffe gegen sich selbst richtete. Seine Frau wurde nur leicht mr der Hand verletzt, während Schütze sofort tot war.,An Ort und Stelle der Tragödie, die in Kaschau große Erregung hervorrief. begab sich eine Gerichts- und Polizeikommission. Falfchgeld-Grotesken. Aus Bukarest wird berichtet: In einem siebenbürgischcn Dorf wurden drei Zigeuner unter dem Verdacht der Falschmünzerei verhaftet. Das gefälschte Geld, Ein- und Zwei-Leistücke, wurden ihnen jedoch nicht abgenommen. Der Transport der Verhafteten durch die Gendarmerie zur nächsten Gerichtsbehörde nahm längere Zeit in Anspruch, während deren sich die Zigeuner selbst verpflegen'mußten. Bei der Einlieferung ins Gerichtsgesängnis wgr das Falschgeld nicht vorhanden. Die Verhafteten hatten es unter den Augen der Gendarmerie während des Transportes für die Verpflegung, welche sie selbst zu bezahlen hatten, ausgegeben. Eine ähnliche Geschichte hat sich in einer Kleinstadt in der Moldau ereignet, wo es sich allerdings um Banknoten handelte. Die beschlagnahmten Banknoten waren dem Bürgermeister zur Beförderung' an die zuständige Gerichtsbehörde in Bukarest' übergeben worden. Da die Sendung längere Zeit i nicht eintraf, begann man nachzuforschen. Das I Ergebnis der Nachforschungen war, daß der" Mir- i gcrmeister die gefälschten Banknoten durch Post- I anweisung abgesandt hatte. i «r.77 Sonntag, 31. März 1935 Seite 5 Luftschutz als demokratischer Abwehrkampf Zum Regierangsentwurf eines Luftschutzgesetzes III*) Das Problem der Abwehr von Fliegerangrif- sen hat noch ein wichtiges Teilgebiet, das in seiner drohenden Gröste wohl geeignet ist, zum besseren Verständnis des Lustschutzgesetzes und seiner Beweggründe beizutragen. Ich meine die Krage der Evakuierung, der Räumung sener Städte, die von Luftangriffen-stark bedroht sind. Lyon 1930. Im Juli 1930 fanden in Krankreich grosse Luftmanöver statt, u. zw. über dem Stadtgebiet von Lyon. Wie alle solchen Uebungen, ergaben ste die Unmöglichkeit, die Einwohner mit.den Mitteln des»aktiven Luftschutzes"(Horchgeräte, Signaldienst, Scheinwerfer, Kliegerabwehrkanonen und Jagdflugzeuge) wirklich zu schützen. Damals bat zum erstenmal eine Manöverleitung in ihrem Bericht einen Gedanken ausgesprochen, der nach den Erfahrungen im Weltkrieg nahe genug lag, der aber die ungeheure Verschärfung der Gefahren durch die neuen Kriegsmittel zeigte. Vergleichen wir die Aussage Ludendorffs in seinen Memoiren, dass im September 1918 bereits Luftangriffe auf Paris und London mit Elektron-Brandbomben vorbereitet waren und nur im letzten Augenblick vom Obersten Heereskommando eingestellt wurden; und berücksichtigen wir, dass hingegen die Vorbereitende Kommisfion der Abrüstungskonferenz am 2s. April 1929 den Antrag, den Bombenabwurf auf Städte des Hinterlandes zu verbieten, abgelehnt hat; so erscheint die Proklamation des Generals Serrigny. des Leiters der Lyoner Lustmanöver, nur als Kolgerung aus den Tatsachen: dass nämlich die Sicherheit der städtischen Bevölkerung auf keine andere Weise gewährleistet werden kann als durch Evakuierung der bedrohten Städte. Was bedeutet das? Sowie der Krieg er- klärt ist, ja vielleicht von einem Kriegsausbruch ohne Kriegserklärung an, find die Verkehrs- und Industriezentren jederzeit in Gefahr, durch Flie- gerangriffe in Trümmer gelegt, in Brand gesteckt und mit Giftgasen verpestet zu werden; und die Bevölkerung muss logischerweise schleunigst die Stadt verlassen, um nach Kriegsende vielleicht in ein rauchendes Trümmerfeld zurückzukehren. Schon 1929 hatte der massgebendste deutsche Kackmann, Dr. Hanslian, der stets den»übertriebenen Ge-! rächten" entgegentrat, über die Räumung der j Städte geschrieben:»Eine solche Räumung kann ganz plötzlich notwendig werden und ist dann, wenn auch noch so sorgfältig vorbereitet, nichts als eine Klucht für das nackte Leben, verbunden für die überwiegende Mehrzahl mit Kussmärschen unter Mitnahme des Notwendigsten, Nebernachten unter freiem Himmel, iw Baracken oder Zelten im weiteren Umkreis der Stadt." Die Panik, welche der fliehenden Bevölkerung droht, hat der deutsche Major Helders in dem 1932 erschienenen Buch „Luftkrieg 1936. Die Zertrümmerung von Paris" in den düstersten Karben geschildert. Wer nicht im eigenen Auto aus der Gefahrenzone entweichen kann, ist aufs schwerste bedroht. Ganz gleich! Da nun einmal der Luftkrieg nach dem Willen der Mächtigen vorbereitet wird, so ist auch die Aufgabe der Evakuierung gestellt und muss in Angriff genommen werden, trotz allen Schwierigkeiten organisatorischer, technischer und finanzieller Art. Der erste Staat, der ste in Angriff nahm, ist derselbe, der auch den Luftangriff durch massierte Klugzeuggeschwader als erster verkündete und vorbereitete: das fascistische Italien. DaS italienische Beispiel. Eine deutsche Kachzeitschrist referierte im November 1934 über die e l f Luftschutzgesetze Italiens und berichtete unter anderem:»Eine Instruktion über das Problem der Räumung wird gegenwärtig ausgearbeitet. Eine vollständige und für die ganze Kriegszeit geltende Räumung wird *) Siehe die beiden Artikel vom 25. u. 28. d. M. Teplitzer Theaterbrief Aus den Treuhänden einer Arbeitsgemeinschaft hatte die Direktton Richter(Vater und Sohn) das Teplitzer Stadttheater im Sommer 1934 übernommen und ihre Spielzeit am 1. Oktober 1934 eröffnet. Die Erinnerung an das ftichere Wirken des Direktors Richter im alten Stadttheater verbreitete in der Oeffentlichkeit die Zuversicht, dass es den neuen Leitern gelingen werde, den Thcaterbettieb bei Erhaltung eine» angemessene« künstlerischen Niveaus sowett zu stabilisieren, dass man nicht wieder— wie im Falle Scherler— nach einigen Wochen den finanziellen Zusammenbruch fürchten musste. In den Kreisen der Theaterfreunde und -besucher fehlte e» auch nicht an Bemühungen, der neuen Direktton die Wege zu ebnen und sie vor allem durch Werbemassnahmen verschiedenster Art zu unterstützen. War man sich doch dessen bewusst, dass das Theater dringend einer wenigstens annähernd ge- sichetten Entwicklung bedurfte, um sich von den Erschütterungen der ersten Beftandsjahre zu erholen. Es kam anders I Zum vertraglich festgelegten Termin, dem 15. Feber 1935, überreichte Direkwr Richter dem Stadttat seine Kündigung, derzu« folge er mit 80. April laufenden Jahres di« Theaterleitung niederlegt. Er selbst begründete diesen Schritt in»allererster Linie" damit, dass»die Ausgaben grösser find als die Einnahmen", und dass et nicht in der Lage fei, das aufgelaufene»Defizit ein zweites Jahr zu ttagen". Tirettor Richter verwies in einan an die Oeffentlichkeit gerichteten Interview für alle diejenigen Personen vorgesehen, die weder; dem militärischen noch dem öffentlichen, noch dem Luftschutzdienst angeboren. Die Instruktion sieht unter anderem eine Stattsttk für alle in Krage kommenden Orte vor, die folgende Angaben enthält:. 1. die Zahl der Personen, die die Stadt sofort verlassen;. 2. die Zahl der in der Stadt bleibenden Personen; 3. die Zahl der von amtswegen zu em- feinenden Personen, für die Abwanderungsziel, Transportmittel, Abzugstag, Verproviantierungsmöglichkeiten vorzusehen sind. Die Gemeinden geben Kragebögen aus, in denen die Bürger anzugeben haben, ob sie im Kriegsfälle die Stadt vo» sich aus verlassen wollen, wohin sie sich begeben werden und über welche Mittel sie verfügen. Andernfalls haben sie zu begründen, weshalb sie die Stadt nickt verlassen können und wohin sie bei einer Zwangsräumung gebracht werden wollen. Weiters enthält die Instruktion Richtlinien für die Gemeinden oder Ortschaften, welche die Flüchtlinge aufzunehmen haben. Die Unterbringung erfolgt in behelfsmässigen Holz- oder Steinbaracken." Bei aller Gründlichkeit, mit der hier das autoritär regierte Italien seine Hilfsmittel ausnützt, erfährt man doch nicht, wie die»behelfsmässig untergebrackte" Bevölkerung, sofern sie nickt über ausgiebige„Mittel verfügt", auf Kriegsdauer ihr Leben fristen soll. Ein Beispiel für die Grösse der Aufgaben, vor welche hier der Staat gestellt ist. Sieht die Regierungsvorlage die Räumung vor? Sie erteilt den Behörden die Ermächtigung zu den notwendigen Verfügungen. Im 8 6 heisst Nachdem nun der Hersteflung freundschaftlicher Beziehungen mit Russland die Unterzeichnung des Handels- und Schiffahrtsvertrages gefolgt ist, ist die Bahn frei für eine engere Verknüpfung auch der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und der Tschechoslowakei. Der Handels- und Schiffahrtsvertrag ist ein sogenannter Rahmenverttag, für dessen Erfolg entscheidend ist, mit welchem Anhalt er erfüllt wird. Bei dem russischen Handelssystem schafft ein Handelsvertrag tatsächlich erst die Rechtsgrundlage für wettere Verhandlungen, für einen Warenaustauschvertrag und für andere Abkommen, die dann insgesamt erst den Warenverkehr mit Sowjetrutz» land in Fluss bringen können. ES werden also mit dem unterschriebenen Verttag die Voraussetzungen für die Belebung des Handelsverkehrs zwischen den beiden Ländern ge schaffen. Bisher war der Außenhandel der Tsche- choflowakei mit Russland geradezu fläglich. Er be- trug dem Warenwerte nach: Einfuhr Ausfuhr Millionen Millionen . Ki■. XL 1934 98.« «1.9 1933 112.8 77.4- 1932 133.8 120.8 1931 278.1 489.5 1930 301.6 828.1 1929 256.7 258.7 Auch in feinem Gesamtumfang blieb der tschechoslowakische Außenhandel mit dem 170-Millionen- staat Rußland weit hinter dem zurück» den er mit Staaten mit einer Bevölkerungsziffer von 12, 10 Millionen und weniger aufweist! Dir Möglichkeiten einer starken Jntrnsievierung des Handelsverkehrs sind also gegeben» selbst wenn man die fortschreitende Industrialisierung Rußlands berücksichtigt. Wenn auch diese steigende Industrialisierung immer mehr Waren für die Hundertsicbzig-Miflio- nen-Devölkerüng hervorbringt, so lehrt die Geschichte der Wirtschaft doch, dass die Jndustrielisie- rung eines Gebietes den gegenseitigen Handels, I Verkehr mit anderen Staaten nicht herabsetzt, sondern steigert. Diese Tatsache wird durch die starke Einfuhrdrosselung, die Russland in den letzten Jahren es:»Die politische Behörde ist berechtigt, wenn Gefahr im Verzug ist, weitere notwendige Vor-' kehrungen zum Schutze von Fliegerangriffen zu treffen, notwendige Anordnungen und Verbote polizeilicher Art zu erlassen"; und der Motiven- bericht sagt zu der Stelle:»In Betracht kommen da namenüich die vollständige oder teilweise Evakuierung besonders bedrohter Orte...", so dass man sieht: die Gesetzgeber denken in der Tat an die Räumung der Städte. Kür uns aber ergibt sich die Krage, wie wir uns zur Bolbereitung her Evakuierung einstellen sollen. Es geht doch wohl nicht an, dass unsere Parteivereine und Kulturorganisationen einer so umwälzenden Sache passiv gegenüberstehen. Die Krage der aktiven Mitwirkung zeigt die Schicksalsschwere der Probleme, vor die uns das Gesetz stellt. Im Kriege wurden natürlich die Entscheidungen einheitlich durch die militärische und politische Behörde getroffen. Die Vorbereitungen jedoch, welche schon lange vorher beginnen mussten, um Erfolg zu haben, können nicht ohne die Mtthilfe der Bevölkerung geschehen. Das zeigt sogar die Instruktion für die so stramm.regierten Italiener. Auch die Frage der Evakuierung kann in demokratischer Form gelöst werden; dann freilich wird sie vielleicht am meisten dazu beitragen, dass die wirk- lich« Grösse der Gefahr erkannt wird. Oder sie erfordert dittatorisch« Massnahmen, welche die Bevölkerung schon lange vor dem Kriege unter starken behördlichen Druck setzen. Die Aufgabe schneidet tief in das Volksleben ein und wir dürfen uns ihr nicht entziehen. E. B. durchgeführt hat, nicht aufgehoben. Diese Einfuhrdrosselung wird von den Sowjetbehörden viel mehr als in anderen Ländern als eine Waffe in der Handelspolitik systematisch angewendet. Sehr aufschlussreich ist in dieser Hinsicht ein Bericht, der im Organ des Volkskommissariats der Sowjetunion »Sa Jndufttialisaziu" soeben erschienen ist und einen ausführlichen Kommentar zu der Rede liefert, die der Auhenhandelskommissar Rosengolz auf dem vor kurzem stattgefundenen Sowjetkongretz in Moskau gehalten hat. Das offiziöse Moskauer Wirtschaftsblatt schreibt, dass die erhebliche Drosselung der Sowjeteinfuhr in den letzten Jahren keineswegs als Beweis dafür dienen könne, dass Sowjetrussland sich von dem Ausland abschlie- tzen wolle. Sie bedeute vielmehr, dass die Sowjetregierung»die Hebel der Regulierung des Imports fest in die Hand genommen" habe und dass nur günstige Bedingungen sie veranlassen können, die Einfuhr zu erweitern. Von besonderer grundsätzlicher Bedeutung seien die vom Auhenhandels- kommiffar Rosengolz in seiner Rede vertretenen Anschauungen, die eine vofle Gleichberechtigung /und Gegenftttigkeit in^ Handelsverkehr- der- So- itvjetunion mit dem Ausland fordern. Die Sowjetunion werde nicht in einem Lände kaufen, in dem sie keine Absatzmöglichkeiten habe. Eine weitere Bedingung seien normale Preise für die Sowjetaufträge und normale Zinssätze für die Kredite. Die Sowjetregierung habe bereits in der letzten Zeit in ihrer Bestellpolitik die Praxis verfolgt, ungünstige Kredite für Sowjetausträge abzulehnen und sich auf Barkäufe zu beschränken, was eine Einschränkung der Handelsbeziehungen mit den betreffenden Ländern zur Folge haben müsse. Die der Sowjetunion für ihre Bestellungen eingeräumten Kredite mühten indessen nicht nur billig, sondern auch langfristig sein. Für die Sowjetregierung bestehe kein Zwang mehr, zwecks schnellerer Jndusttialisterung ihrer Wirtschaft technische Ausrüstungen unter Inanspruchnahme kurzfristiger Firmenkredtte zu kaufen. Den ersten Platz in der Sowjrteinfuhr würden diejenigen Länder einnehmen, mit denen die Sowjetregierung die Handelsbeziehungen für längere Zeit auf der Grundlage langfristiger Kredite regeln könne. Die von dem Moskauer Wirtschaftsorgan als Voraussetzung für rege Handelsbeziehungen aufgestellten Bedingungen erscheinen durch den tschechoslowakisch-russischen Handels- und Schiffahrtsvertrag als erfüllt. Diese Auffassung ist anlässlich der Unterzeichnung von der sowjetrussischen Tagespresse zum Ausdruck gebracht worden. Die Moskauer.Jswefttja" schreibt, dass das abgeschlossene Abkommen einen ständigen Charakter habe, für längere Zeit vereinbart wurde und die Gesamtheit aller, der zwischenstaatlichen Regelung unterliegenden Wirtschaftsfragen umfasse. Sie verweist ausdrücklich darauf, dass hie hochentwickelte tschechoslowakische Industrie alle Vorbedingungen besitzt» um eine angemes-- sene Stelle unter jenen Staaten einzunrhmen, die ihre Produkte nach Rußland exportieren. Als eine Garantie für die Entwicklung des Handelsverkehrs wird hervorgehoben, dass die tschechoslowakischen Handelskreise noch vor der Vereinbarung des Handelsverttages auch die kreditmässigen Bedingungen geschaffen haben, die für die Entfaltung der normalen Wirtschaftsbeziehungen nötig sind. So gross die Genugtuung innerhalb der Arbeiterschaft über die Herstellung enger polittscher und wirtschaftlicher Beziehungen zwischen der Tschechoslowakischen Republik und Sowjetrussland ist, noch grösser wäre die Freude, wenn sich die Hoffnungen auf einen starken Auffchwung des Auhenhandels zwischen den beiden Ländern erfüllen würden und als eine Folge dieser günsttgen Entwicklung die Arbeitslosigkeit unter der Jndu- striearöditerschaft unseres Staates einen erheblichen Rückgang erfahren würde. „Abschaum 6er Menschheit" I Die letzten Berichte der französischen und Schweizer Behörden über den Stand der Untersuchung im Falle Jacob nennen neue Namen, die in mehr als einer Hinsicht interessant sind. Als Komplicen Wesemanns werden der Vizedirektor des Propagandaminitzeriums, Dr. A s ch m a n n, und der.Journalist Georg Schwa rz bezeichnet. Aschmann versteht gleichsam den Aussevspitzeldienst der Gestapo und gibt den draussen arbeitenden Agenten die Direktiven. Dieser Aschmann mimte in republikanischer Zeit einmal den Ueberdemokraten, um— Karriere zu machen. Noch drei Jahre vor Anbruch des Diktaturregimes bezeichnete er die Nazis als „Abschaum der Menschheit" und seinen jetzigen direkten Vorgesetzten Dr, Goebbels als eine„Mischung aus Verbrecher und Geisteskranke n". Jener Georg Schwarz aber, der heute gleichfalls für den deutschen Spitzeldienst arbeitet, war einmal kommunistischer Chefredakteur und bot sich noch knapp vor Torschluss für antinationalsozialistische Spitze Id ie n st e an. Zwölf Wochen danach aber meldete er sich bei der NSDAP als Parteimitglied und übergab dort— gleichsam als Beschwichtigungsgeld—„kompromittierendes Material" über die Kommunisten, das zum Teil auf seiner eigenen Betätigung fußte! Dieser Mensch, der bereit wär«, für Geld alles, selbst das abgründigste, zu tun, ist heute„angesehener" Paradespihel derjenigen, die er selbst bespitzeln wollte I Mehr Haadel mit Rußland! auf dir zu erwartende Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse, auf die schädigenden Bestimmungen des Landesamtes betreffs Beschäftigung von auSländi« schenKünstlern, auf unausbleibliche Erhöhungen des Budgets durch Forderungen des Bühnenbundes und Orchesters und schließlich auch auf geringe Theaterfreudigkeit der Teplitzer Bevölkerung. Ohne auf die Gründ« der Direftion Richter hier im einzelnen«inzugohen, muss doch ausgesprochen werden, daß der Bühnenbund und der Orchesterverband durch die Presse sofort in Erklärungen er- widetten, dass von ihnen keinerleiForderun- g e n erhoben wurden, die eine Mehrbelastung des TbeaterbettiebeS zur Folge hätten. Dieser Brief will sich grundsätzlich darauf beschränken, die Tatsachen auszusprechen. Zu einer kritischen Betrachtung wird ein andermal Gelegenheit sein. Das muh man der Direktton Rickter zugestehen, dass sie in dem halben Jahre ihrer Betricbsführnng bemüht war, eine wirtschaftliche Basis zu gewinnen.und sie zu erhalten. Ob die dabei benützten Mittel immer weitfichttg gewählt waren, soll augenblicklich nicht untersucht werden. Die Direktoren Richter eröffneten die Spielzeit im Oktober 1934 mit ollen drei Spielgattungen. Ein Ensemble aus 27 Solokräften stand im festen Vertragsverhältnis. Es war im weitesten Sinne nach»fliehenden Grenzen" zusannnengestellt, waS Wohl am deutlichsten daraus ersichtlick wird, dass die Opernalttstin im Laufe der sechs Monat« von der Carmen über die lustige Witwe und verschiedene Schauspielpartten bis zum Kindermärchen so ziemlich alles gespielt hat, was innerhalb, ausserhalb, oberhach und unterhalb ihres Faches liegt. Die wagenden Fächer in Oper und Operette blieben unbesetzt; für sie lud man von Fall zu Fall Fremde zu Gaste. Auch im Schauspiel fehlten entsprechende Vertreter für den erste«. Bonvivant, di« Salondame, die Mütterspielerin u. a. m. lieber solche Mängel versuchte der Betrieb mit einer Rrklameentfalttmg ohnegleichen Hinwegzukommen. Teplitz war in den beiden Monaten ein Theater, der unüberbietbaren „Sensationen". Als der Glaube an die„großen Gäste" und die„erstklassigen Besetzungen" langsam zu Wanken begann, setzte eine Ausverkaufs-Preispolitik ein, die fast nur«roch Vorstellungen»zu Kinopreisen". brachte und natürlich einen EntrüstungZ- sturm der Mbonnentcn auslöste. Freilich wurde durch die niedrigen Preise von 4 bis 18 KC und von 2 bis 6 Kl das Theater für weite Bevölkerungsschichten erschlossen, die sonst für den Besuch, nicht hätten gewonnen werden können. Es kann auch gar nicht bezweifelt werden, dass nur niedrige Preise zum wahren Volksrheater führen können. Wer sie haben ihre Voraussetzung in Subventionen. Im Massen- Abverkauf allein lassen sie sich nicht erzwingen, ohne durch die dabei unvermeidbare Hast im Auffüllen des SpielplaneS das künstlerische Niveau bedcnflich herunterzudrücken. Vor allem aber kann man »Kinopreise" nicht auf Kosten der Gagen und durch einen Raubbau an der Arbeitskraft der Künstler erreichen. Am ersten Weihnachtsfeiertag gab das> Teplitzer Ensemble nicht weniger als sechs Vorstellungen und zwei Saalveranstaltungen l Bei einer durchschnittlichen Solistengage von 1500 XL(die sich ergibt in einer Spanne von 750 XL bis zur nur einmaligen Prominentengage von 4000 K£).' Der Spielplan freilich war noch nie so mannigfaltig wie in den sechs Monaten der Direktion Richter und man kann vereinzelten tüchtigen Leistungen die Anerkennung nicht versagen. Bei nächster Gelegenheit kann darüber berichtet werden. Im allgemeinen ließ aber der überhastete Bettieb keine gewissenhafte Durcharbeitung der Werke zu; obgleich die Darsteller mit Aufgebot aller Kraft und voller Hingabe ihrer Aufgabe oblagen. Die übersichtlich« Kennzeichnung der Situation’ kann abgeschlossen werden mit dem Urteil, dass die Direktton Richter vor allem bemüht war, den Betrieb finanziell zu sichern und dass ihr daS für die zu End« gehende Spielzeit gelungen ist. Freilich nur soweit, dass sie ohne Lasten den Mschied nehme^ kann. Die künstlerische Leistung steht der wirtschaftlichen nach. Mer sie verzeichnet achtbare Einzelerfolge. Im Augenblick läuft noch die Neuausschreibung des ThealerS. Ein grosser Ansturm an Bewerbungen ist nach so vielen wirtschaftlichen Misserfolgen nicht zu erwarten. Darin nimmt nun freilich Teplitz keine Sonderstellung ein— es repräsentiert nur die Situation des sudetendeutschen Theaters überhaupt: es ist ohne staatliche Unterstützung nicht mehr lebensfähig, wenn eS nicht seine künstlerisch-kulturellen Aufgaben preiSgeben und ein AuSverkaufsmarft für billige Unterhaltungsware werden soll. E. Thöncr. Seite 8 ».Sozialdemokrat* ewtnte«, 31. März 1935. 9tr. 77 PRAGER ZEITUNG' OGN Dr. Franz Kaisler in de« Ruhestand Im Verlaufe des letzten Jahres ist die alte Richiergeneration beim Prager Strafkreisgericht durch Todesfälle, Pensionierungen und Versetzungen zum Obergericht sehr zusammengeschmolzen. Mit 1. April d. I. scheidet auch OGR Dr. Franz Kaisler, der Präsident des ersten Strafsenates aus dem aktiven Richterdienst und tritt in den dauernden Ruhestand. OGR Dr. Kaisler, der heute im 64. Lebensjahr steht, wirkte zuerst in Prag, dann, bis zum Jahre 1920 beim Bezirksgericht Hoiice, dessen Vorsteher er vor seiner Versetzung zum Königgrätzer Kreisgericht war. 1926 wurde er zum Obergerichtsrat befördert und dem Prager Landesgericht(heute Kreisgericht) zugeteilt. Dr. Franz Kaisler zählte zu den Richtern, die von ihrem Berufe die edelste Vorstellung haben. Seine ganz außerordentliche Gewissenhaftigkeit und absolute Objektivität als Richter verband sich mit tiefer Menschlichkeit. Dr. Kaisler hat sich sein Amt nicht leicht gemacht. Wir wiffen, daß er am glücklichsten war, wenn die Urteile, die er, nach dem Buchstaben des Gesetzes zu fällen hatte, mit seinem menschlichen Gewissen im Einklang standen. Dieser ausgezeichnete Richter und Mensch war tatsächlich um Rech tsprechung im besten Sinne des Wortes bemüht. Wir sehen ihn ungern scheiden. rb« Bestialität findet Sühne. Die Marie Bojtar, die, wie gestern gemeldet, das ihrer Aufsicht für zwei Stunden anvertraute Kind ihrer Hausmeisterin Marie Mezera in sadistischer Weise ermordet hat, wurde aufs Polizeikommifsarick gebracht, wo sie die Tat leugnete und behauptet«, der Nachttisch sei auf das Kind gefallen und habe es erschlagen. Sie wurde vom Polizeiarzt untersucht, der, troj' m sie bereits dreimal im Irrenhaus gewesen war, keine Zeichen von Geisteskrankheit an ihr feststellen konnte. Sie wird deshalb nach Pankrac eingeliefert. Die Leiche des Kindes wurde zur Sezierung ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Hehlerhöhle in Karolinental. Di« Inhaberin eines Geschäftes in Karolinental, Königsstraße 104, Marie Z e m i n, stand bereits seit längerer Heit im Verdacht, gestohlene Waren zu verkaufen. Der Verdacht verstärkte sich, als man in letzter Zeit den bekannten Dieb Jaroslav Tkadleäek, seines Zeichens arbeitsloser Schmied, wohnhaft Prag I., geboren 1907, öfters mit einem Rade bei ihr vorfahren sah. Tkadleöek wurde angehalten und bei ihm, sowie in der darauffotzenden Haussuchung bei ihr eine Menge gestohlener Waren gefunden. Der lukrativste der Diebstähle, bei dem ein Vulkankoffer und eine Aktentasche mit Inhalt— Schaden etwa 15.000 Kc aus dem vor dem Ständetheater wartenden Aura des Edvard Benda gestohlen wurden, ist-wie Tkadle- öek angibt, eigentlich von dem bereits wegen anderer Diebstähle in Haft befindlichen Olbrich Flenner ausgeführt worden; er selbst stand nur Wache. Unter den restlichen Gegenständen befanden sich 26 wollene Schwimmanzüge, Damenwäsche(von der Zemin angeblich um Kö 26.— erstanden), ein Pelzmantel etc. Das Fahrrad„Sphinx", auf dem Tkadleöek seine Beute zu transportieren pflegte, war ebenfalls einem gewissen Vaclav Kalos gestohlen worden, der Gesamtwert der gestohlenen Sachen erreicht! 30.000 Kö. Ausflugszüge. Die Staatsbahndirektion fertigt in den Tagen vom 16. bis 22. April einen Sonderzug mit Verpflegung und Führung in die B e s k i- den ab. Preis 870 KL.— In der Zeit vom 16. bis 22. April wird zum Preise von 490 KL ein Sonderzug in die H o h e T a t r a und nach Tetzart abgefertigt werden.— Vom 16. bis 22. April wird ein Ausflugszug ins Adlergebirge zum Preise von 275 Kä veranstaltet. Anmeldungen und Jnfor- niationen von 8 bis 17 Uhr im Lasar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 383-35. Robert Donat und Eliffa Landi ia dem amerikanischen Großfilm„Der Graf von Monte Christo", Die Stefantk-VolkSfternwarte auf dem Petrin ist dem Publikum im April täglich(außer Montag) um 20 Uhr zugänglich, für Schulen und Vereine um 19 Uhr, gleichfalls täglich außer Montag. Massenbesuche von Schulen und Vereinen können gegen vor- hertze Anmeldung(Telephon 463-05) erfolgen. Massenbesuche von Schulen zur Besichtigung der Einrichtungen sind auch tagsüber nach vorheriger Anmeldung möglich. Für das breite Publikum sind die Einrichtungen der Sternwarte Sonntag von 10 bis 11 und von 15 bis 16 Uhr zu besichtigen.— Beobachtungsprogramm im April: In der ersten Woche sind an ktzren Abenden die Bonus, Nebel- und Sternhaufen, vom 9. bis 18. April der Mond und die Doppetzestirne, vom 19. bis 30. April wieder die Venus, die Nebel» und Sternhaufen gut zu beobachten. Bei Grippe, Bronchitis, Mandelentzündung, Lungenspitzenkatarrh sorge man dafür, daß Magen und Darm durch den öfteren Gebrauch des natürlichen„Franz-Josef"-Bltterwassers gründlich gereinigt werden. Aerztlich bestens empfohlen. Gcrlchlssaal Die Tragödie eines entlaßenen Häftlings Um nicht zu verhungern— zurück ins Gefängnis. Prag. Am 26. November v. I. wurde der 29jährige Karl R a j d l auS der Strafhaft entlassen. Er war als Beschäftigungslöser auf die schiefe Eben« gekommen und hatte eine Strafe wegen Diebstahls verbüßt. Aber die Freiheit, die ihm wiedergegeben wurde, war schlimmer als diese.Strafe. Karl Rajdl suchte den Weg zu einem ordentlichen Leben. Wie ost mag er sich in der Kerkerzell« dieses neue Leben au'qemalt haben. Er brachte nichts mit auf den neuen Lebensweg als eintze Kronen, die er sich durch Sträflingsarbeit verdient hatte, seine Arbeitskraft und gute Vorsätze. Und das ist wenig, das ist nichts in dieser Zeit des Unheils. Durch fünfzehn Tage suchte er eine Arbeit, die ihn ernähren könnte. Durch fünfzehn Tage wies man ihn ab, wo immer er auch um Beschäftigung bat. Durch fünfzehn Tag« schließ er in Ziegeleien und Strohschobern und aß sich nicht satt. Wie dieser Marterweg des entlassenen Sträflings, der sicherlich kein schlechter Mensch ist. endete, darüber gab die vor dem Strafsenat Novotny am Donnerstag abgeführt« Verhandlung Ausschluß. Am Abend des 19. Dezember gab es kn dem Gasthaus« des Karl Harliiekim Dorfe Lhotka einen Zwischenfall, der als örtliche Sensation viel Aussehen Areflte. In die Gaststube trat ein Mann, dessen Gesicht durch eine schwarze Maske verdeckt war. In der Hand hielt der Eindringling einen Revolver und rief den Gästen zu: ,H ä:»d e b o ch!" Im Lokal waren außer dem Wirt und dem Kellner sieben Gäste anwesend, darunter zwei uniformierte Gendarmen, die Wachtmeister K i n- k o r a und 8 e l e n k a. Man nahm die Aufforderung des maskierten Mannes zunächst für einen schlechten Witz, um so mehr als er keine Miene machte.'sich des Eigentums der Anwesenden zu bemächtigen. Aus di« halb ärgerlichen, halb scherzhaften Zureden, antwortete der Unbekannte wieder nur mit der neuerlichen Aufforderung.Hände hoch!". Darauf zog der Wachtmeister Z e l« n k a, der etwas abseits stand, blitzschnell seinen Revolver und nötigte den vermeintlichen Gangster, sich zu ergeben. Dieser ließ sich ohne weiteres entwaffnen und fotzte widerstandslos den Gendarmen auf die Wachstube. Der Täter wa r*Ka rlRajdl-,.. Die Anflage lautete auf das D.rbrechen der gefährlichen Drohung und die UebertretungdeSWaffenpatentes. Es hätte auch eine SchwurgerichtSverhandlung wegen nicht vollendeten Raubes darmis werden können, der mehrjährige Kerker st rate nach sich zieht. Aber auch die Auflage behauptet' nicht, daß Karl Rajdl sich durch Gewaltandrohung in den Besitz fremden Eigensinns letzen wollte. Der Angeflagte bekannte sich im Sinne, der Auflage schuldig. Auf die Frage des Vorsitzenden nach den Beweggründen antwortet der Angeflaate:.Ich habe drei Tage nichteinenBissengegessen. Jchwollte ins Gefängniszrrück. um nicht zu verhungern." Daß er keine räuberischen Absichten gehegt hat. sondern bloß verhaftet werden wollte. Vcrcinsnadirtdilcn Hat sechs Zuge noch bis z« geftslibemie! Das bedecket: 6 Tage äußerster Anstrengung für die Mitwirkenden. Denn es muß alles floppen. Das heißt: 6 Tage Propaganda aller BereinSmitglieder in ihrem Bekanntenkreis. 6 Tage Dienst für die Akademie sind Dienst für die Gefamtbewcgung. Eine gelungene Akademie ist ein guter Auftakt zur kommenden Wahlarbeit. Helft alle mit! Allgemeiner Angesteltra-Veriand, Prag H, Narodni ii. 4/3. Amtsstunden Mittwoch 6—8 Uhr. Monatsversammlung am 3. April, Mittwoch. 8 Uhr abends, im. Gewerkschaftshaus, Persthn:„Die neue Wirtschaftsform in SSR". Vortragender Dr. Strauß.— Sonder-Abonnement für die Montagsfilme in der„Urania" gegen BorweiS des Mitgliedsbuches. Rur im Vorverkauf.— Zweitägige Ofterwande- rungen mit den Naturfreunden: 1. Kokokin— Bösig— Dauba— Geltschberg. Fahrspesen 30 Kc. — 2. Laich— Pürglitz— Beraun. Fahrspesen 20 Kä. Anmeldungen bis 12. April. belegt der Angeflagte dadurch, daß er sich gerade dieses Gasthaus ausgesucht bat. in welchem er Gendarmen sitzen sah. Die Anklage bemerkt dazu, daß diese Aussage deS Angellagten zwar nicht voll zu bestätigen, aber auch nicht zu widerlegen sei. Der Gerichtshof verurteilte den Angeflagten zu füafzehn Monaten schweren Kerkers. rb. Hansl and Wissen „Trauernde Erden". Das al» das beste jugo- flawische Lustspiel bezeichnete Stück.Aruchlici pozü- stali" von Branislav NuSiL mag vielleicht irgendwo in Agram oder Belgrad Lachsalven Hervorrufen, im Ständetheater in Prag wirkte es am 29. März wie ein Stück von anno dazumal. Angebliche nah« Verwandte deS verstorbenen reichen Junggesellen quartieren sich sofort nach der Seelenmesse in sein HauS ein und müssen wieder ausziehen, als das Testament geöffnet wird, welches zur Unibersalerbin die uneheliche Tochter des Verstorbenen macht, wobei sie den zuerst GelÄten beschimpfen. Kösüich ist die Hauptfigur des pensionierten Bezirkshauptmanns (gespielt von Sasa RaSilob). der nicht Wegzubringen ist. Auch die anderen Kleinbürger wurden in trefflichen Karikaturgestalten gespielt. Das Stück wird Leuten aus der Provinz, die im Theater nur Zerstreuung suchen, gewiß Uckerhaltung bieten, r. i. „Fräulein Julie" von Strindberg und.Der K a m m« r s ä n g e r" von Wedekind Donnerstag neuinszeniert in der Kleinen Bühne. Wochenspielplan de» Neuen Deutschen Theater». Sonntag nachmittag», halb 3 Uhr: Ich Habs getan,8:Die Prinzessin auf d?r Leiter/ Gefamtzastspiel deS Theckers in der Jo- sefftadt, Abonnement aufgehoben.—7- Montag halb 7: Der Troubadour, Theatergemeinde der Jugend.— DienStag halb 8: GräfinMariha, A 2.— Mittwoch halb 8: DaS unbekannt« M ä b ch e n, B 1.—'Donnerstag halb 8: M a r• garet e, C 1.•— Freitag halb 8: Gräfin Maritza, D 2.— Samstag halb 8: Das un- b eka n n te Mäd ch« n, C 1.— Sonntag halb 2: Polenblut, Arbeitervorstellung; halb 8: Margaret e, A 2. Spirlpla« der Kleinen Bühne. Sonntag 3 Uhr: Gentleman, 8: Mädchen für alles. Montag 8: Gentleman, Bankbeamte und freier Verkauf, Dienstag 8: Ein GlaS Wasser.— Mittwoch 8%:© t n GlaS Wasser. — Donnerstag halb 8: Fräulein Julie, Der Kammersänger, neuinszeniert.— Freitag halb 9: Opernstudie.— Samstag 8%: Fremdenv erkehr.— Sonntag 3: Stra- ßenmusik, 8 Uhr: Mädchen für alle». Sport• Spiel• Körperpflege Zunahme im hollLndischen Arbeiter. Handballsport Hunde», a!S das Handballspiel noch al» Frucht fremden Boden» galt, brauchte man seine Fähigkeit nicht beweisen, damatz brauchte man sich nicht viel zu bemühen, um Schiedsrichter zu werden. Die Spieler freuten sich schon, wenn sie jemanden fanden, der pfeifen wollte. Es»st selbstverständlich, daß mit der Verbreitung des Spieles auch die technischen Anforderungen größer werden. Man benötigt Spielleiter, welche daS Spiel beherrschen. Immer mehr und mehr macht sich der Forsschritt bemerkbar. Nu« ist man schon so fortgeschritten, daß nicht weniger atz 35 Kursteilnehmer, alle ans Nordholland, sich der sicher nicht leichten Prüfung unterziehen konnten. DaS Resultat ist, daß man jetzt über eine starke Schiedsrichtermannschast verfügt, welche bestimmt für das Handballspiel und auch für den Bund von großem Nutzen ist. Im Utrechter Kreis wurde die Männermannschaft Utrecht 1, nachdem das Spiel gegen die zweite Mannschaft mit 5:3 gewonnen wurde, sicherer Endsieger, ohne ein Spiel verloren zu haben.' »GB Film Skandal in Nom Man nehme die(vor Jahren verfilmte) Mark Twain-Geschichten vom Nankee am Hofe des Königs Artus und verpflanze sie ins römisch« Altertum, man mische Motive aus Offenbachs„Schöne Helena" hinein und würze das Ganze mit einer Verspottung der cäsarischen Zirkus-Greuel ans dem Film ,Lm Zeichen des Kreuzes". Es wird nach diesem Rezept etwas Komisches und Unterhaltsames entstehen, vor allem dann, wenn der Zubereiter Technik und Tempo und Laune hat. Der Hollywood-Regisseur Frank Tuttle hat diese Etzenschaften gehabt, als er die„Römischen Skandale" inszenierte,— Skandale, die ein Bürger der aufstrebenden amerikanischen Siedlung„West-Rom" im Traume verursacht, weil er gegen die cäsarische Obrigkeit mit derselben Respektlosigkeit und der gleichen tölpelhaften Behendigkeit rebelliert wie gegen den großspurig-korrupten Bürgermeister seines Hei« matzortes. Dies« altrömische Jagb nach Lacheffekten, bei der zwar höhere Ansprüche auf der Strecke bleiben, aber jeder, der sich an einem Kunterbunt aus drastischen Spässen, leichten Gesängen, komischen Revueszenen und turbulenten Fllmkunststücken ergötzen kann, unweigerlich gefangen wird. Szenen iwe die im Bad der römischen Damen, wie die Erlebnisse des„Speisenschmeckers" am Hofe des Giftmord fürchtenden Cäsaren und da» tolle Wagenrennen am Ende gehören zu den gelungensten Filmspäffen, d.e wir je gesehen haben. Der in den Bereinigten Staaten höchst populäre Komiker Eddie Cantor, der hier den nach Rom verschlagenen Fremdling auf dem Sklavenmarkt, im Kerker, im Schönheitsinstitut, am Kaiserhofe und auf der Flucht spielt, läßt sich als ein Mitteüvesen zwischen Buster K e a t o n und Paul Kemp beschreiben. Mit Akrobatik und Pfiffigkeit, mit Verlegenheit und dreister Ruh«, mit Zappligkeit und Singsang bringt er sich unbekümmert zur Geltung. Kein Zweifel, daß er nach Effekten hascht. Aber entscheidend ist, daß er nie daneben greift,—eis—- Film-Beratungsstelle. In der verflossenen Woche wurden fotzend« Filme zur Einfuhr in die Tschecho- siowakei freigegeben: ein deutscher Film^Barcarole" (Ufa-Film), ein österreichischer Film„Asew der Spion"(PDC-Film), drei amerikanische Filme .Unser tägliches Brot"(United Artists),.Ein Mann von Mut" und„Der Wagen feiner Majestät" (Fox-Film), ein englischer Film„Ter rote Sultan" (Arko-Film)' sowie eine Reihe amerikanischer gezeichneter Grotesken. Mitteilungen der»Urania« Heute halb 11 Uhr:„Panzerkreuzer Potemfln" und.T^urflib" Spitzenleistungen russischer Filmkunst. Karten: 2, 4, und 6 K6. Univ.-Prof. Dr. H. Knaus:„Die natürliche Geburtenregelung"(mit Lichtbildern). Wissenschaftliche Erfahrungen und ihre Durchführung in der Praxis. Montag 8 Uhr. Unvergeßliche Film«:„Im Westen nicht» Neues". Einmalige Vorführung s^9 Uhr. Masaryk-Volkshochschnle „Menschenkenntnis". Dr. B. Fürst. Kurs- und. Einzelkarten. Montag 8 Uhr. „Was wird aus unseren Töchtern?" Dr. E. Goder-Herrmann. Donnerstag 8 Uhr. Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„D i e R o t h s chi ld S."(A.— Georg Arliß.)— Alfa:„Das Lied der Lieder."(A.— — Marlene Dietrich.)— Avion:„Nandal n Rom."(A) Beranek:„Menschen im Hotel". (A).— Fenix:„Kuß tm Schnee."(Tsch.) Flora:„Nana".(A.— Anna Sten.) Hvezda: „Der Graf von Monte Chrisw"(A.)— Kinemar Journale, Groteske, Reportage(halb 2 bis 7 Uhrl. — Loruna:„Der Graf von Monte Chrisw."(A) Kotva:„Der unsichtbare Mann."(A.)— Lacerna: „Der unsichtbare Mann."(A.)— Metro:„Jägerblut."(Tsch.)-— Olympier„Der Sturm."(Rüss.) — Praha:„Mein Freund, der König."(A.)— Radio:.Menschen im Hotel."(A.)— Skaut:„Dio Tscheljuskin-Lecke."(Ruff.)—Bajkal:„Der Schalten in der Tür."(D.)— Brseda:„Tie Treigro» schen-Oper".(D.) VERLANGEN SIE tu jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN <1er Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa. HEGNER& Cie., Pilsen ««»Ind dl« allerbesten! Anfangs März fand in Amsterdam eine Prüfung für Handballschiedsrichter statt. 85 Bewerber wurden geprüft. In den Anfangsjahren des Sport- ^^öUssibedingungen: Bei Zustellung in» Hau» oder bei Bezug durch die Poft monatlich KL 16.—, vierteljährig XL 48.—, halbjährig KC 96 aamnäbria Kd 192— m.rh.„ iZZ Tarif billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZriwngSftankatur wurde von der Boll, und Tetz. ' graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VH/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck-. Verlags- und ZeitungS-L..G„ Prag* Jojka Koldovfkä und Ella Eärkovä spielen neben W. Taub und R. Wanka in dem heimischen Film.Fuß im Schnee", PRAG