15. Jahrgang Dienstag, 2. April 1935 Einzelpreis 70 Heller (•inschlittlich$ Heller Porto) ientralobgan DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION und Verwaltung mag xiu fochova 62. telefon aon. HERAUSGBER. SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. BelsischerParteikonsreB fast einmutig für Regierungsteilnahme Brüssel. Der außerordentlich? Kongreß der belgische« Arbeiterpartei hat mit 519.672 Stimme« gegen 41.902 Stimmen eine Resolution angenommen, in der die TeUnahme der Sozialisten an der Regierung gebilligt wird. Der Abstimmung enthielten sich Delegierte, welche 18.928 Stimmen vertraten. Mitteilungen hat die Partei der Nationalen)abgabe eingelaufen. Mayer und Hgn reich, dazu vermutlich ein paar Gewerberetter und ausquartiert. Landbündler— Henlein sollte als gewissenhafter Versicherungsdirektor doch von jedem Neuzüvdrsichernden ein politisches Gesundheits- Attest anfördern, sonst wird er mehr Mandate ver» geben müssen, als er aus den vereinigten Stimmen aufzubringen vermag. Schließlich wollen die Herren vom KB a u ch ihre Mandate haben und Sandne r und Brand zerreißen sich kaum bk Mäuler, damit Peters und, Bacher ins nächste Parlament einziehen. Der Uebergang Rosches zu Henlein beweist die Zerfahrenheit, Ratlosigkeit und Katastrophenstimmung im bürgerlich-nationalen Lager, er zeigt aber auch, daß die Heimat front vor allem die Partei der deutschen Kapitalisten ist. Auch Mayer und Hanreich in der Sudetendeutschen Mandatsversicherung sich. Sie sind seinerzeit, nachdem sie im B. d. L. die Votreiter der Bürgcrblockpolitit gewesen waren, aus ihrer Partei ausgetreten, als es ihnen dort Zu brenzlich wurde. Mit den Teutschnationalen zogen sie 1989 in die Wahlen. Nun suchten sie für ihre Mandate wieder beim B. d. L. Zuflucht und eben jetzt scheint ihnen eine Versicherung in der SHF doch wieder verlockender zu sein. In der Auseinandersetzung mit dem B. d. L. hat die SHZ dauernd betonte daß 4ie sgemein- schäft anftrebe, aber einen Mandatshandel a b l e h n e. Man wird aber zwischen Eger und Oderberg kaum einen Dummen finden, der sich Einreden läßt, Rosche, Bacher, Mayer und Hanreich suchten bei Henlein als dem Führer der Volksgemeinschaft und nicht als dem Chef der größten Mandatsversicherungs-A.-G. Zufluchti Dr. Rosche in der Smtetendeutschen Hitler Front Der Vater der Verbindung soll übrigens nicht Rosche, sondern Dr. Peters sein. Peters hat sich unseren Informationen zufolge bei einer öppositio- neklen deutschbi'rrgerlichen Partei um ein Mandat beworben, das ihm verweigert wurde. Daraufhin sah er keinen anderen Ausweg, als sein. Mandat bei Henlein sichcrstellen zu lassen. Denn die Hen- leinsche Volksgemeinschaft ist eben doch vor allem eine Mandatsversi ch e rung s-Gesellschaft. Im Vorzimmer des Führers herrscht jetzt schon ein bedenkliches Gedränge. Bacher, Peters, R o s ch e, wie noch zu melden ist, auch „Parteihader“ im Totalstaat Das Kommuniques Uber Moskau MoSka».(Reuter.) Die britisch-sowjetrusfischrn Besprechungen find beendet. Sonntag abends wurde ein offizielles Kommuniquee ausgegeben, in welchem es». a. heißt: Die Behrechungen betrafen alle prinzipiellen Fragen der gegenwärtigen internationalen Situation einschließlich des vorgeschlagenen O st p a k t e s und der anderen in dem britischfranzösischen Kommuniquee vom 3. Feber enthaltenen Angelegenheiten. Sie betrafen auch die Entfaltung und Berbefferung der britisch-sowjetrusfischen Beziehungen. In diesen Unterredungen, die von Anbeginn bis zum Schluß in der Atmosphäre einer vollkommrnenFreundschaftnnd Aufrichtigkeit geführt wurden, informierte Lordgcheimsirgelbewahrer Eden den Bolkskommiffär Litwinow über die kürzlichen Besprechungen der britischen Minister mit dem Chef der deutschen Regierung. Es wurde Mei- nnngsübereinstimmung darüber konstatiert, daß diese Unterredungen zur Klärung der europäischen Situation beigetragen haben. Eden, Stalin, Molotow und Litwinow waren in der Ansicht einig, daß es in der gegenwärtigen internationalen Lage mehrdennsonstje notwendig ist, das Bestreben nach Schaffung des System« einer europäischen Kollektivsicherheit in Urbrreinstimmung mit de» Prinzipien des Bölkerbnndes fortzusetzen. Die sowjetrusfischen Staatsniänner betontem daß der Zweck des vorgeschlagenen Paktes Sber gegenseitige Hilfeleistung nichtdie Isolierung irgend eines Staates i st und daß der Beitritt Polen« und Deutschlands z« diesem Pakte begrüßt werden wird. Da« Kommnniqnee betont, daß keine Interessengegensätze zwischen' Großbritannien uno der Sowjetunion bestehen, mag e« sich um welche Frage der internationalen Politik immer ^"°Eln,»nd daß deshalb Eden und die sowjetrusfischen Führer darin übereinstimmen, daß die freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und der Sowjetunion für die weitere Entwicklung der auf Friede» und Sicherheit abzielenden internationalen Bestrebungen höchst w t ch 1»g i st. Heimweiir gegen Schuschnigg Keine Interessengegensatz Vollkommene Freundschaft: Die Gegensätze zwischen den beiden Flügeln des austrofascistischen Regierungslagers zwischen den Heimwehren und den Klerikalen, haben sich neuerlich verschärft. Gegenstand des Kampfes ist zunächst die Wehrmacht. Der bäuerliche Flügel des Regierungslagers, der vom dem Landwirtschaftsminister Reith er repräsentiert wird, verlangt die allgemeine Wehrpflicht, er hofft, die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht werde es ermöglichen, die Heimwehr aüfzulösen. Diese Forderung stößt aber auf Widerstände, da die Regierung weiß, daß ein Heer der allgemeinen Wehrplicht zu zwei Dritteln aus Soziali- sten und Nazis bestünde. Man denkt daher daran, vorläufig nicht die allgemeine Wehrpflicht zu verwirklichen, aber die Heimwehr, die Slurmscharcn und den Freihcitsbund in das Heer einzugliedern. In welcher Weise die Ein- gliederung geschehen soll, ist Gegenstand des Streites. Die Generäle des Bundesheeres, von dem klerikalen Flügel der Regierung unterstützt, möchten die Eingliederung so vollziehen, daß die Heimwehr im Bundesheer aufgeht, unter.sein Kommando kommt und daher aufhört» eine selbständige politische Macht zu sein. Die Heimwehr wehrt sich dagegen und verlangt ihre Eingliederung in das Bundesheer unter Wahrung ihrer organisatorischen Selbständigkeit und ihrer Kommanden. Am Zusammenhang damit geht der Kampf um die Staatsführung weiter. Die Heimwehr will den Bundespräsidenten M i k l a s st L^r- z e n und Starhemberg zum Reichsverweser machen. Da der Reichsverweser über das Bundesheer verfügen würde, würde dies bedeuten, daß nicht die Heimwehr im Bundesheer, sondern das Bundesheer in der Heimwehr' aufginge. Dazu kommen noch sich ständig verschärfende Reibungen zwischen Heimwehr und den Sturmscharen einerseits, Heimwehr und Bauernbund andererseits. In dieser Lage hat in Linz eine Heimwehrversammlung stattgefunden, die öffentlich mit gewaltsamer Durchsetzung der Heimwehr- forderungen gedroht hat. Die Bedeutung, dec Versammlung-ist um so größer, als an ihr der Graf Revertera, Sicherheitsdirektor von Oberösterreich und intimer Freund Starhem- begs, teilgenommen und eine der wichtigsten Reden gehalten hat. Daß die gegen die Regierung Schuschniggs gerichteten Drohreden von den Linzer Zeitungen veröffentlicht werden dursten, ist kennzeichnend. Sehr merkwürdig ist die Stellung Dr. Gleißners, des Landeshauptmanns von Oberösterreich, der, obwohl er kein Heimwehrmann ist, die ganze Bewegung offensichtlich benützt, um Schuschnigg zu stürzen und sich an seine Stelle zu setzen- Die Wiener Zeitungen haben die in der Linzer Versammlung gehaltenen Reden nicht veröffentlicht. Dem in Linz legal erscheinenden„Linzer Tagblatt" vom 28. März 1935 entnehmen wir folgende Aeußermigen, die bei der Krmdgebung gefallen sind: „Gleich vorweg wollten wir Tinge sagen, an denen es bei»ns kein Rütteln nnd Deuteln gibt. Da ist in erster Linie einmal unser Entschluß zur Treue»nd Einheit in der Baterländifchen Front und z« unserem Führer Starhemberg.. Wer an diesen Dingen rüttelt, mit dem werde» wir uns nicht mit Worten, sondern mit der Waffe in der Faust««Sein» andersetzen... Solange die Gefahr drohte, lobte»nd feierte man«n8 als Retter. Heute, wo man glaubt, daß die Gefahren vorbei sind, machen sich diese„alten Demokraten" wieder bemerkbar, die am liebsten die Hettnwehr an die Wand drücke« möchten. Aber wir werden «ns zur Wehr sehen, wir kenne« nicht daS Rachtigallengeflüster der alte» Demokraten, wir sind Faseisten... I« unserem Lande habe« wir eine» Landeshauptmann, an de» nnS ein aufrichtiges Bänd dieses Bertranens bindet... Wir werden«nS mit allen Mitteln dage- geu stemme», daß Andere wieder das Alte auf» Einheit(Regierungspartei) bis Montag bereits 153 Mandate von insgesamt 245 Abgeordneten erhalten, so daß die Regierung G ö m b ö s im neuen Parlament über eine ausschlaggebende Mehrheit verfügen wird. Die le g i t im i sti s ch e Oppositionsgruppe ist fast völlig verschwunden. Die führenden Legitimisten, unter ihnen Markgraf Pallavicini, sind nicht wiedergewählt worden. Die von Tibor E ck- Hardt geführte Partei der Unabhängigen Kleinlandwirte hat bisher zirka 20 Mandate. Im Laufe des Montag vormittags sind nach Blättermeldungen beim Innenministerium nahezu hundert Beschwerden von Kandidaten der einzelnen Parteien über Behinderung der freien Stimm- Nationale Minderheit Im Totalstaat Alle deutschen Kandidaten unterlegen! Budapest.(Dich. P.-B.) Am«erlaufe des ersten Wahltages der ungarischen Parlamentswahle» sind die vier Wahlkandidaten der Ungarländischen Schwaben, Dr. K« ß b a ch» der Generalsekretär des Ungarländischen deutschen Bolks- I bildungsvereins Dr. Basch, der Redakteur T ö- r ö k und der Kandidat Deppert bei den Wahlen unterlegen. Die Wahlbehörden erklären, daß die deutschen Kandidaten nicht die notwendige Stimmenmehrheit erhalten haben. Budapest. Rach den bisherigen amtlichen Wie sehr sich die SHZ trotz aller gegenteiligen Behauptungen zur Mandatsversi- ! ch e r u n g und geradezu in ein R a m s ch g e» s ch ä f t mit politischen Ladenhütern/verwandelt hat, beweist nicht nur der Fast Rosche, sondern auch eine Mitteilung, die in den Hcnleinschen SPB ä m 1. A p r i l— und dies mit vollem Recht— erschienen ist.. Die Herren Mayer und Dr. Hanreich teilen dort mit, daß sie den B. d. L., dem sie erst vor kurzem wieder beigetretxn waren, verlassen und mit ihm nichts mehr zu tun haben wollen. Sie melden zugleich ihren Eintritt in die SHF an.'• J Mayer und Hanreich haben eine bewegte Karriere hinter sich, aber wenn sie nun bei Henlein landen, vermutlich eine noch bewegtere vor Her Messias des Industriellenverbandes bei Henlein gelandet Das Tschechoslowakische Preßbüro bringt aus einem Bericht der DAWG folgende Meldung: Die Reichsvertreter(!) der Gruppe Dr. Rosche hielten am Sonntag, dem 31. März, in Prag eine Tagung ab, in brr Dr. Rosche ein Bild über die innen- und außenpolitisch« Entwicklung im tschechoslowakischen Staate gab. Er stellte fest, baß die von ihm vor zehn Jahre« aufgezeigte poli tische Linie heute Gemeingut weitester Kreise der sudetendeutschen Orffentlichbeit geworben ist. ES find dies: Absolut aktive, positive Ein st r l lung zum tschcchostowakischen Staate, zur Republik, zu äußerer und innerer De mokratie bei eindeutiger Ableh nung von FasriSmuS, Diktatur und TotalitätSan f» rächen. I« allen diesen Dingen kann zwischen der Gruppe Dr. Rosche und der Heimatfront eine erfreuliche grundsätzliche Uetereinstimmung frstgestrllt werden. AuS dieser Erkenntnis heraus hat die Reichsvertrettmg der Gruppe Dr. Rosche einmütig beschlossen, auf rin selbständiges Auftreten bei den kommenden Wahle« z» verzichten, hat die bisher geführten Verhandlungen mit begeisterter Zustimmung genehmigend zur Kenntnis genommen nnd Dr. Rosche alle Vollmachten zur Beeckdigung der Verhandlungen erteilt. In Ueberrinslimmung mit Konrad Henlein als dem Vorsitzenden der Hei matfront soll die weiterr Zusammenarbeit auf- gebaut sei«. ES wurde weiters zustimmend zur Kenntnis genommen, daß sich die beide» BerttagS- partner der DAWG, die Rosche-Gruppe«nd die Drutschdemokratische FreihritSpartei, über den Stand der Verhandlungen laufend unterrichtet habe» und daß di« endgültige Klärung des beider seitigen Verhältnisses in einer in den nächsten Tagen statt findenden gemeinsamen Reichsvollzugsaus- schnßfitzung der DAWG erfolgen wird. Vor sieben Jahren ist Dr. Rosche aus der Front des nattonalen Negativismus ausgebrochen und hat als Treuhänder der deutschen Industriel len eine Partei gegründet, die sich bei den Landes wahlen 1928 als die neue, das Srkdetendcutsch- tum rettende Partei anpries. Der erste Anlauf brachte ihr auch einen gewissen Erfolg. 1929 kan didierte die aus der Roschegruppe und der Deutsch demokratischen Partei gebildete DAWG gemein sam mit dem Bund der Landwirte, auf dessen Listen sie vier Mandate errang. Wenn nun Rosche bei Henlein eintritt und die AWG liquidiert wird, zeigt das den K r eis- lauf der sudetendeutsch en B ü r- gerpolitik in seiner ganzen Tragikomik. Aus dem Realpolitiker, der den nationalen Radikalis- nms 1928 als sinnlos erkannte, wird 1935 einer, der in das Lager des marktschreierischen Radika lismus zurückläuft. Wenn Rosche seinen Uebertriti daniit begründet, daß Henlein die gleichen Ziele wie er verfolge, so hat er ja nicht ganz l!»recht, soweit Henleins Totalitätsstreben und die Wahrnehmung der Unternehmer-Interessen in Frage kommt. Die lächerliche Loyal!-! tätsbesch Einigung, die Dr. Rosche sei nem neuen Führer spesenfrei äusstellt, ändert nichts an der Tatsache, daß der Nationalismus der SHF afles in Schatten stellt, was es in der von Rosche seincrzett preisgegebenen Deutschen Natio- nalpartei an Nationalismus gab.. Freilich Hai Rosche selbst die neue Konjunktur der Kapita listen witternd, schon 1933 inReichen» berg Hitler freudig begrüßt. Nicht Henlein hat die aktivistische Ideologie Rosches, son dern dieser hat die Henlein-Hitler-Adeologie als beilbringend für die Unternehmer-Interessen über nommen. XX 1177 Seite S DienStag, 2. April 1935 Nr. 78 richten. Starke Kräfte find am Werke, nm altes Partriwerk wieder aufzurichten. Wenn wir dann einmal»an den„Schwarze«" reden, dann geht man nach Wien und beschwert fich. Wir stehen ans dem Standpunkt, daß Oesterreich ei» deutscher und katholischer Staat ist, daß aber katholisch und klerikal nicht dasselbe ist... Die Heimattreue Bevölkerung hat eS satt, wieder in die Methoden der Demokratie zurückzufallen... Darum rufen wir unsere« Führer Starhemterg zu: So kann eS nicht weiter gehe«, Direktion gradanS!" Rach dieser Rede Wenningers betrat S i- cherheitSdirektor Graf Rede r t e r a, das Rednerpult. Er führte u. a. aus: „Wir haben gekämpft für den geraden Weg und werden diesen Weg auch für die Zukunft garantieren!" Der Worte möchte ich nicht nur nach abwärts, sondern in erster Linie nach oben richten. Wir wissen, daß wir stark find, so daß wir nnS mit«nserem Licht nicht hinter den Scheffel zu setzen brauchen. Und wen» uns etwas nicht paßt, dann sagen wir:„Da tan«er«et mit". Stark find wir, weil der Wille von»ns getragen«nd geführt von unserem„Ernftl" (Starhemberg) wird... Wir find für Wehrhaftigkeit, aber wir müssen nicht alles so machen, wie eS in Deutschland geschieht. Deshalb verlange» wir, daß die, die bisher für das Vaterland de« Schädel hingehalten haben, in»nseren Wehrverband bei den Ergänzungen des BundrS- hrerrS eingebaut werden. WaS hätten wir dem» auch von einer Wehrpflicht, in der alle ehemaligen Schutzbündler«nd SB auf»nfere Sofien ausgebildet werden, damit fie nachher wieder ihre eigenen Formationen gründen können... Zum Schluß ein alter militärischer Grmrdsatz: Dir beste Verteidigung ist der Angriff. Wir find lang« genug in der Defenstve gestanden. Jetzt ist der Moment gekommen, wo wir zur Of- fenstve übergehen...". Als dritter Redner sprach Dizebürgermeister Dünner: Wir wollen nicht die Totalität des Heimatschutzes, aber wir verlangen die Totalität des Korneuburger Programms. Daran schloß sich die Mitteilung des Landesführer- Wenninger, die das„Linzer Tagblatt" an seiner Spitze mit dem Balkentitel: Ein Schritt des oberösterreichischen Heimatschutzes in Wien bringt: Wir haben im Vorhinein gewußt, daß wir uns heute keine besonderen Freunde schaffen werden. Aber wir wollten heute auch nur eines: offen und ehrlich aufzeigen, wo die Schäden stecken. Und nun schreiten wir z u r T a t: morgen sind der Sicher« heitSdireftor und ich beim Bundeskanzler Dr. Schuschnigg und beim Bundesführer Starheirrberg und mit uns geht unser Landeshauptmann/ Dort werden wir genau so offen reden, wie hier, um die Entwicklung vorwärts zu treiben. Es werden . uns Vielleicht harte Tage bevorftehen, aber es gibt ftir uns nur einen Willen: Starhemberg— Bundesführung. Daß er uns bald rufen möge, das ist unser heißer Wunsch. Wenn dieser Ruf an uns ergeht, dann werden wir das Letzte einsetzen, um den SiegeSkranz an die Fahnen des Heünatschutzes zu heften... <• Unterwerfung unter Starhemberg; gefordert Wien. In einer Versammlung der niederösterreichischen Heimwrhren sprach Sonntag Landeshauptmann Major Baar über die innerpo« littschen Fragen und erklärte», a.: Wir haben den alten Parteienstaat nicht bekämpft und zer schlagen, mn auf dem Wege Wer die Wirt- schaftsbünde einen neuen Parteienstaat dafür einzutauschen. Nach unserer Auffassung, erklärte der Redner, ist Stmchemberg nicht nur Bundesführer des Heimatschutzes und oberster Mihrer der Vaterländischen Front, sondern auch unser Werster Wehrführer. Jeder Wehrverband, in dem der Geist des obersten Wehrführers herrscht, ist unser tteuer Freund und Kamerad. Wir können aber Kameradschaft nur mit jenen Wehrverbänden halten, die sich bedingungslos nach der Verfassung dem. obersten Führer der Vaterländischen Front und dem obersten Führer der Wehrfront Fürst enStar Hemberg unterstellen. • Bregenz. Bei dem Heimwehr-Aufmarsch in Bregenz sprach Vizekanzler Sttahemberg und wandte sich in seiner Rede gegen dep National- Berlin. sTschsl. P. B.) Die näheren Einzelheiten zur Durchführung des am 16. März erlassenen Gesetzes der allgemeinen Wehrpflicht find noch nicht veröffentlicht. Immerhin find schon die Befehle zur Assentierung in beträchtlicher Anzahl ergangen. Aus zuverlässiger Quelle verlautet: 1. Am 1. April wird der Jahrg. 1915 anfgerufen. Bon den rnnd 500.000 jungen Leuten diese- Jahrgänge- sollen 300.000 unter den Fahnen gehalten werden. 2. Die Jahrgänge 1901 bi- 1909 werden in kurzen Perioden von höchsten- acht Wochen im Berlanf der nächsten Jahre ausgebildet werden. Die erste Schicht wird am 1. Oktober«inberufen werden, eine andere am 1. Avril, nächsten Jahres. Die Auswahl soll streng sein, doch wird man bei den Verheirateten«nd bei den durch ihren Beruf Verhinderten Rücksicht walten lassen. 3. Die SA-Armee wird nicht aufgelöst. Sie wird jedoch ihre- militärischen Eha- rakter- entkleidet werden. Hitler wünscht Das Reichsbudget — ein tiefes Geheimnis Berlin. Die Gründe für die R i ch t v e r- öffentlichung des genauen Reichsbudgets find nicht bekannt. In einigen Kreisen glaubt man, daß das Reichsfinanzministerium in Anbetracht der riesigen Summen, die das Reichswehrministerium für den Aufbau der Wehrmacht braucht, es sehr schwer haben wird, die notwendigen Mittel zur Balancierung des Budgets aufzubringen. Um die Reichsregierung instanzusetzen, die Finanzeschäfie normal fortzuführen, ist ein besonderes Gesetz„Wer die Haushaltführung im Reiche" erlassen worben. Göring wird doch Kriegsminister? Paris. Der Berliner Berichterstatter der „Information Financiere" verzeichnet die an sozialiSmuS, den er als den braunen Bolschewismus bezeichnete. Wir wollen, führte Redner aus, den Kampf weder mit äußeren noch mit den inneren Feinden. Wir wollen am liebsten keine Feinde haben,«rber wir sind bereit, wenn man unS zum Kampfe zwingt, diesen Kampf in echt österreichischer Art und Weise kompromißlos bis zum Siege durchzukäinpfen. Darum erklären wir auch heitte, daß wir micht bereit find, freiwillig zu gehen und nicht bereit find, dem Gedanken der.freiwilligen Wehrformationen durch Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Oesterreich aufzugeben. Wir werden einmal bereit sein, unsere Wimpfelfah- nen einzuziehen, um wieder in den Zivilberus zuruckzukehren, aber nur dann, wenn wir die Ueberzeugung haben, daß dauernd innerer und äußerer Friede in Oesterreich gewährleistet ist. keftre(?) fasristische Miliz nach ttalienischem Muster» aber eine stramme, sportlich durchgebildete Gruppe, deren Aufgabe es sein wird, de«„Kampf für die Idee"(?!) zn führen, zur Unterstützung der politischen Organisation. 4. Die SS-Garde ist schon fast vollkommen in die Reich-wehr übernommen worden, so n. a. die Konttngrnte der Feldjäger»rnd der Fliegerkorps. 5. Die zahlenmäßige Stärke der deutschen Armee wird wahrscheinlich 750.000 Man» erreiche«. Tie Maßnahmen zur Unterbringung dieser Mannschaft sind in Angriff genommen worden. Die Kasernen der früheren kaiserlichen Armee, die nach der deutschen Abrüstung in Büro- und Miethäuser umgewandeli worden find, müssen wieder geräumt werden, um ihre neuen Insassen aufzunehmen. Außerdem entstehen in allen Teilen des Reiches neue Garniso- n e n, die rasch ihrer Vollendung entgegengehen. diplomatischen Stellen zirkulierenden Gerüchte, daß General Göring, bisher Minister für Flugwesen, in kurzem zum Minister für Nationalverteidigung ernannt werden soll. Dieses Ministerium würde die Ministerien für Krieg, Marine und Flugwesen umfassen. Schwefe verlangt Auslieferung Jacobs Berlin. In der vom schweizerischen Gesandten hinterlassenen Verbalnote zum Fall Jacob soll gutem Vernehmen nach die Schweiz das Verlangen stellen, daß der aus der Schweiz entführt« Journalist wieder an die Schweiz ausgeliefert werde. Uebrigens wird heute auch in Bern im Ständerat in dieser Angelegenheit eine Jnterpellatton beraten werden, wobei Bundesrat Motta genaue Auskunft Wer di« Stellungnahme der Schweiz erteilen wird. 750.000 Mann Friedensstärke Die alten Kasernen werden requiriert ••* 46 Roman von Fritz Rosenfeld „Vielleicht stünde es dann besser um die Menschen. Er mag irren. Er mag Verbrechen begehen. Aber er hat die Glut des Glaubens, eines reinen, klaren Glaubens, der nicht verfälscht ist von Rücksichten auf Geschäfte und von Traditionen und von dem ganzen toten Staub, der sich im Laufe der Jahrhunderte auf allem angesammelt hat, das Menschenhände angreifen wollen." „Er würde ein paar hundert, ein paar tausend Menschen fanatisieren, mit ihnen durchs Land ziehen, verlacht und verfolgt, und am Schluß doch eingesperrt werden. Davor bewahren wir ihn." „Er würde ein Märtyrer werden, der mit seiner Fahne fällt. Ist das nicht größer, als in einem Steinsarg zwischen Irren zu verfaulen?" „Er ist irr. Heute hat eS ihn gepackt, da ist die große Flamme emporgelodert. Morgen wird es nur ein kleines Feuerchen sein, flackrig und trübe, und übermorgen ein armseliges Glimmen unter der Asche. DaS Wort ist kein Weg, Earlotta, nur die Tat ist ein Weg. Wir lassen uns immer wieder täuschen von schönen, feurigen, hinreißenden Worten, und warten dann auf die Tat, die ihnen folgen, auf daS Wunder, da- aus ihnen wachsen soll. Nichts wächst auS ihnen. Sie sind unfruchtbar, Boden, der nur Unkraut trägt." „Und die Dichter? Die Propheten? Die großen Redner?" „Sie haben alle Träume geschaffen, Earlotta, herrliche, überwältigende Visionen. Davon zehren wir, aus diesen Träumen gewinnt unsre Seele die Kraft zum Leben. Aber der Magen braucht Brot, „Ich lasse mir meinen Traum nicht zerstören und meine Wunder nicht rauben", rief Earlotta. „Niemand kann einen Traum zerstören, den ein Mensch träumt, der die Gabe des Traums hat. Niemand kann ein Wunder rauben, das in der Seele eines Menschen blüht, dem die Kraft gegeben ist, Wunder zu schauen. Aber die Menschen müßten endlich erkennen, daß beides nebeneinander bestehen muß: Der Traum und die Wirklichkeit, das Wort und die Tat, das Wunder und das Werk. Vielleicht ist der Traum immer die Wirftichkeit von morgen, daS Wort die Tat von morgen, das Wunder da- Werk von morgen. Wir dürsen nicht in den kleinen Zeiträumen unsres winzigen Menschendaseins denken, Earlotta, wir müssen den Stundenschlag der Ewigkett hören, nicht im Ohr, sondern im Blut, im Herzen, in der tiefften Tiefe unsrer Seele." „Ich habe sein Gesicht gesehen, heute Nacht, am Fenster, einen Augenblick lang. Ich bin zurückgefahren, seine Blicke waren so unheimlich traurig» daß ich kein Wort Wer die Lippen brachte." „Eine hat mft ihm gesprochen, heut« Nacht, und hat im Tee gebracht und Brot." Olavsen sah den Arzt an, Carlottas Augen fragten stumm. „Marinka?" „Marinka." Stille. Sie hörten ihre Herzen, sie hörten das Herz des Mannes im grauen Kittel, sie Hütten das Herz Marinkas, die drWen neue Bierflaschen in den Eisschrank schob und die Brote zählt, die der Bäcker brachte. ispieler gefaßt, bat alles ge- 2 uotO’öJi „Er hatte zwei Tage nichts gegessen. Er war am Ende seiner Kräfte. Er hoffte, in einen Schlupfwinkel zu gelangen, den sie als letzten Zufluchtsort brsttmmt hatten, drüben, inrGehglz, am Fluß." „Woher wifiesi^s k „Der Po^iWnmissär hat etz^^nir erzählt. Sie haben den standen." i - I "o\ I< \ „Dann war das hier Komödie?" „Jeder, der gefangen wird, muß gestehen, jeder für sich. Alle vier." „Und Marinka?" „Ich habe sie aus dem letzten Wagen kommen sehen, als ich wegging, in der Nacht. Sie trug eine leere Tasse, die noch warm war." „Warum haben sie ihn nicht angezeigt?" „Warum haben sie ihn nicht angezeigt, Car- lotta?" „Ich konnte nicht. Ich brachte kein Dort Wer die Lippen." „Und ich wollte ihm die Ehance lassen." „Also doch: die Glut des Glauben- und das Dort und der Traum? Ich älaube, lieber Dottor, sie tun immer das Gegenteil dessen, das sie den andren predigen." „Ich habe ihnen heute morgen gesagt: Ich bin ein halber, ein halber Arzt, ein halber Philosoph, ein halber Weltverächter, ein halber Mensch. Ich habe das Anrecht auf Barmherzigkeit." -» Der Wagen kam, und holte Gregor ab. Ein fleiner, schmaler schwarzer Wagen, in dem ein Leiner, schmaler schwarzer Sarg stand. Der Wagen kam, und holte den Mann im Kittel ab. Ein grauer, schmaler Wagen mit ver- gttterten Fenstern, ein großes rotes Kreuz auf weißem Grund schimmerte an der Tür und an den Flanken. Sie trugen ihn auf einer Bahre hinaus, und die beiden Gendarmen setzten sich zu ihm in den Wagen, und starrt«» ihn an. Er schlief, und seine Hände hingen herab. Knochige, langfingrige Hände. Diese Finger hatten sich wie ein Netz über das Land gespannt und es in Schrecken gestürzt, eine Nacht lang. '(Schluß folgt!) Frankreichs Luftarmee Paris. Die Kammer hat gestern den Gesetzentwurf zur Schaffung eines organischen Statuts der Luftarmee durch Handaufheben einmüttg angenommen. Die Regierung wird in der nächste« Zett einen außerordentlichen Kredit von 1.5 Milliarden Frank zur Ausstattung des MilttärflugwesenS mit neuem Material anfordern. Der Berichterstatter Renaitour erklärte, Frankreich habe die besten Motoren, Wer die deutschen Flugzeuge würden nicht mit Benzin, sondern mit Schweröl bettieben, was den Vorteil habe, daß fie schwer in Brand geraten können. Der Berichterstatter hält es für notwendig, das Zivilflugwesen besser und organisch auszubauen, so daß es im Falle des Bedarfes als Aushilfe für das Militärflugwesen verwendet werden könnte. Die deutschen Zivilflugzeuge vollführen den Flug von Paris nach Berlin in vier Stunden, während die französischen Zivilflugzeuge noch immer sechs Stunden dazu benötigen. Minister für Flugwesen, General D e n a i n. fordert, daß das Ministerium für Flugwesen endlich mtt einer eigenen unabhängigen Selbstverwaltung ausgestattet werde. Wenn bis Ende des Fahre- 1935 der Drei-Jahresplan aus dem Jahre 1933 verwirKicht sein wird, werde Frankreich eine Luftflotte haben, die der deutschen gleichkommen werde. Zum Schluß bewnte der Minister, daß das französische Flugwesen nicht auf Angriffszwecken basiere. Frankreich ist ein friedlicher Staat, doch sei es notwendig, daß sein Flugwesen zur Verteidigung des Vaterlandes und zu allfälligen Repressalien zur Besttafung von Angreifern schlag- ferttg sei. Eden in Warschau Warschau. Das Programm des Besuches des Ministers Eden, der Montag in Warschau einge- ttoffen ist, wurde folgendermaßen festgesetzt: Am 2. April vormittags.finden Besuche EdenS beim Ministerpräsidenten Slawe! und hierauf bei Außenminister Beck statt. Tann wird Lord Eden vom Präsidenten der RepWlik in Audienz empfangen werden, weiter vom Marschall PiI- s u d s k i, worauf die Konferenzen zwischen Eden und Beck fortgesetzt werden. Am 3. April wird Eden in den Abendstunden Warschau verlassen und sich nach Prag begeben. Kriegsgericht in Griechenland ‘ Kein Todesurteil Athen. Das Kriegsgericht fällte Samstag abends in dem ersten Prozeß gegen die Führer' und Hauptbeteiligten der niedergeworfenen Aufstandsbewegung das Urteil. Zehn angellagte Offiziere wurden zu lebenslänglichem\ Kerker, zehn andere zu Kerker von 20 Jahren! verurteilt, vier Angellagte wurden freigesprochen. Der griechisch« Kriegsminister General Kondylis erklärte, daß die liberale Par- I tei Benizelos in diesen Tagen offiziell a u f g e l öst werden wird. Ministerpräsi« denk Tsaldaris erklärte, daß der Senat a u f g e h o b e n, die Mitgliederzahl des Abgeordnetenhauses aber von 250 auf 300 erhöht| werden wird. Anstatt des Senats soll ein Wirtschafts-Parlament geschaffen werden, in dem die einzelnen Wirtschaftskomponenten der Bevölkerung vertreten sein sollen. Abessinien glaubt noch Immer an Genf Genf.(Tsch. P.-B.) Der Abessinische Gesandt« in Paris Wermittelte dem Völkerbund i eine neue Note betreffend den abessinisch-italienischen Konflitt, in der di« abessinische Regierung I einige, in der kürzlichen Denkschrift der italienischen Regierung enthaltene Behauptungen, zurückweist und einen konkreten Vorschlag zur Lösung des abessinisch-italienischen Konfliktes durch ein Arbitrageverfahren macht. Die abessinische Regierung macht aufmerffam, daß fie sich an den Völkerbund auf Grund des Arttkels 15 des Paktes wandte, da infolge der großen militärischen Maßnahmen, welche Italien in Aftika traf, eine neue Lage entstanden sei. Die Ereignisse in| Italien, besonders aber die Art und Weise, in der die italienische Presse über die Ziele der italienischen Regierüng in Abessinien geschrieben habe, hätten in Abessinien große Befürchtungen hervorgerufen. Die abessinische Regierung zählt neuerlich alle schriftlichen und diplomattschen Interventionen auf, die sie zwecks Erledigung des abessinischen Konfliktes unternommen hat, und schlägt vor, daß die Regierungen Italiens und Abessiniens in London, in Paris oder in Genf nach dem Wunsch der italienischen Regierung über die Bestimmung der Schiedsrichter verhandeln sollten, die einen Plan für die. endgültige Lösung de- KonflitteS ausarbeiten würden. Wenn innerhalb 30 Tagen kein Einvernehmen über die Ernennung der Schiedsrichter werde erzielt werden, ist die abessinisch« Regierung der Ansicht, daß der Völkerbundsrat selbst die Schied»- j richter und die Prozedur bestimmen sollte, durch die ein Konflitt nach den geltenden Berttägen zu erledigen ist. Abessinien werde sich jeder vom! Völkerbunde getroffenen Lösung uittcrwerfen. Nr. 7k» DienStag, 2. Apffl 1«W Seite 3 ifudetendeutsdier Xeitspleget Die Sozialdemokratie des Böhmerwaldes kampfbereit Glänzender Verlauf der Kreiskonferenz In Kosolup Heimatfront lest Soldaten Verzeichnisse an Drei Verhaftungen in Settenz. Am Samstag nachmittags hat, wie die „Lidovä Noviny" berichtet, die Gendarmerie in Setteng bei Teplitz-Schönau drei Funktionäre der Ortsgruppe der Sudetendeutschen Heimatfront, nämlich den Vorsitzenden Holakowsky, einen gewissen Dietze und eine Frau verhaftet. Die in deren Wohnungen vorgenommene Hausdurchsuchung hat nicht unbedeutsame Ergebnisse erzielt. Es wurde nämlich festgestellt, daß die Ortsgruppen vor einiger Feit von der Zentrale in Eger die Messung erhalten haben, bis zum 28. März der Zentrale ein genaues Verzeichnis aller Militärpersonen vorzulegen, die im Umkreis ihrer Wirkungsstätte wohnen. Die Aktion der Heimatfrobt wurde in Settenz Freitag nachts durchgeführt. Gruppen von Mitgliedern der Heimatfront sind durch die Gassen gegangen und haben sich alle Häuser notiert, in denen Personen wohnen, welche Beziehungen z»:m Militär haben, ferner Gendarmen»nd Polizi',k,n sowie andere Staatsbeamte» ausgediente Soldaten, ehemalige Frontkämpfer und Legionäre. Bei der Hausdurchsuchung wurden auch Mappen und Pläne beschlagnahmt. Es wurde auch sichergestcllt, daß die Hei-! matfront Verzeichnisse der Preise der Nahrungsmittel, von Berpflegsstätten und ähnliches anlegt. Außerdem wurden von der Gendarmerie mit Bleistift geschriebene Instruktionen für den Fall der Auflösung der SHF gefunden. Es geht daraus hervor, daß sich die SHF bemüht, die Organisationen auch für den Fall der Auflösung in anderer Form aufrecht zu erhalten.— In der Untersuchung wird fortgefahren, die bisher Verhafteten wurden dem Kreisgericht in Leümeritz eingcliefert. Vereitelter Mißbrauch der Demokratie Di« Henleinfascisten haben ihren Terrorfeldzug gegen die demokratische Bevölkerung unseres Staates im Reichenberger Gebiet am Freitag, dem 9. März l. I., mit einer ihrer sogenannten öffentlichen Versammlungen fortgesetzt. Wie in den Versammlungen in Habendorf, Einsiedel, Dörfel und Harzdorf, hat die Henleinfront auch in Franzendorf stundenlang vor Begum der Versammlung den Saal mit hunderten, von allen Orten hinzugezogenen Ordnern besetzt. Die Versammlung war für abends 8 Uhr angesetzt, aber um 6 Uhr waren bereits 400 bis 800 Ordner, die schon vorher in reichlichem Maße mit Alkohol traktiert wurden, anwesend. Als die ersten Versammlungsbesucher, etwa 20 bis 30 an der Zahl, um viertel 7 Uhr Einlaß begehrten, wurden sie abgewiesen. Kurze Zeit später jedoch wollte man einem Trupp Henleinmitglieder ohne weiteres Zutritt gewähren. Dagegen protestierten die zuerst dagewesenen Versammlungsbesucher und verlangten für sich das gleiche Recht. Darauf hin stürmte eine Kolonne von Schlägern aus einem Eingang heraus und schlug mit Schlagringen auf die 20 Bersammlungsbesucher ein. Einige davon wurden mit den Schlagringen int Gesicht«nd Kopf schwer verletzt. Nach Eröffnung der Versammlung berief sich der sattsam bekannte Sandner, trotz dieser Vorgänge, auf die Freihett der Demokratte und behauptete dreist, wie diese Gesellschaft ist, daß sie— die verkappten Fascisten— bessere Demokraten wären, als die Angehörigen der Regierungsparteien. Dann begann der Kamerad Sandner über die polittsche und wirtschaftliche Lage in der Tschechoslowakei zu sprechen. In gerissener Weise bereitet« er zuerst mit dem Hinweis auf die sozialen Verhältnisse des SudetcndeutschtumS, weil es keinen eigenen Staat besäße und als Minderheit in einem Na- tionalitätenstaate lebe, den Boden für eine wüste chauvinistische Hetze gegen Staat«nd Regierung vor. Alles, worunter das sudetendeutsche Boll leidet, ist nach Ansicht SandnerS auf die Majorisierung der deutschen durch die tschechische Nation zurückzuführen. Alles in allem, die berühmte Platte vo» Krebs, der ebenfalls von einer Weltwirtschaftskrise nichts wußte und alle Not deS SudetcndeutschtumS als polsiische Krise erklärte. AIS sich Herr Sandner aber'die Dreistigkeit erlaubte, zu erklären, daß der Bestand der Tschechoslowakischen Republik nicht von dem Grüppchen, die hie und da ein« Hakenkreuzfahne hissen, gefährdet sei, sondern durch die Jrredenta, die zwangsläufig durch die tschechische Politik und politisch? Ohnmacht des Deutschtums von Tag zu Tag wächst, machte der RegierungSver- treier dieser verlogenen Bolksverhetzung ein Ende und löste diese Versammlung auf. Alles in allem kann man wohl sagen, daß die Franzendorfer Versammlung ein weiterer Beweis dafür ist, daß die Henleinfront nichts anderes als verkappter FasciSmuS ist, der unter Mißbrauch der Demokratte Terror über das gesamte deutsche Voll verbreitet. In den Dörfern und Kleinstädten zwischen Reubistritz«nd Te p l wohnen 400.000 deutsche Menschen. DaS ist das Arbeitsgebiet«n- serer Kreisorganisation Pilsen-Budweis. Ein großer Teil der schwachen Industrie ist der Krffe zum Opfer gefallen. Die Bauarbeiter Süd- und Süd- westböhmens sitzen schon drei, vier und fünf Jahre arbeitslos zu Hause. In den Forsten des Böh- merwaldes hat daS Stocken des Holzabsatzes die Arbeitsmöglichkeiten kawstrophal vermindert. Auch bei den Kleinbauern, Häuslern und Gebirgslandwirten herrscht Rot und Sorge. Und trotzdem steht die sozialdemokratische Bewegung des Böhmerwaldes nach fünf Krisenjahren unerschüttert, kraftvoll und kampfbereit da. Dafür hat die am Samstag und Sonntag im roten Kosolup abgehattrne Kreiskonferenz Pilsen-BndweiS einen stolze« Beweis geliefert. Trotz der weiten Entfernungen und der Armut der Organisattonen waren 270 ordmtliche und 140 Gastdelegierte erschienen. Der freundliche Saal war prächttg geschmückt. Die Kosoluper Turner und Sänger zeigten bei einem gelungenen Brgrü- ßnngSabend den hohen Stand unserer dörfischen Arbeiterkultur. Die Beratungen versiefen in vollster Einmü- ttgkeit. Samstag abends begrüßte für die tschechischen Bruderorganisationen Gen. Barlavu- Kosolup, Sonntag früh Genosse Janausch- Pilsen die Konferenz. Kreissekretär Gen. W a n k a konnte in seinem Bericht ein Bild zäher«nd erfolgreicher Organisationsarbeft entrollen. BiS in die letzte Zeit hinein waren Rcngründungen von Lokalorganisationen, Kleinbauern- und Jugendgruppen zu verzeichnen. Die sozialistische Jugend Südwestböhmens befindet sich in stetem Aufschwung«nd arbeitet in innigstem Kontakt mit der Partei. Durch unsere Rrgirrungsteilnahme hat die Bewegung im Böhmerwalde große soziale Leistungen vollbracht und viel zur Linderung der Rot der Arbeitslosen beigetragen. Das politische Referat erstattete Genosse Falsch. Seine zweistündigen Darlegungen gipfelten in der Ankündigung, daß das arme, aber treue und tapfere Arbeitervolk des Böhmerwaldes in historischer Stunde ans seinem Posten stehe« wird. Die Aufnahme dieses Referats durch die Konferenz gestaltete sich z« einer großen Ber- trauenskundgebung für die Partei und ihren Führer Dr. C z e ch. In der kurzen Debatte feierte Genosse H a l a die reiche« Verdienste der do« der pnrlammta- rsschen Tätigkeit scheidenden Genossen L e i b l nnd Stark um dir Kleinbauern- und Arbetter- bewegung des Böhmerwaldes«nd stellte sie der Sie werden nichts zu lachen haben I In der christlichsozialen„Deutschen Presse" lesen wir: .Korruptionsschlager der Sozialdemokraten. Unter de« von den verschiedrnen tschechischen Parteien vorbereiteten Wahlschlagern dürfte einer der am wenigsten originellen, aber etwas humorvollen jener der tschechischen Sozialdemokraten werden. Sie haben nämlich im Parlament einen Antrag auf Abänderung und Verschärfung deS Korruptionsgesetzes eingcbracht. Di« Sache als solche ist sicherlich eine ernste, daß sie aber a u s* gerechnet von den Sozialdemokraten ausgeht, wird bei so manchen ein Verständnis- volles Lächeln Hervorrufen." Der Antrag dec ffchechischen Genossen beansprucht keine Originalität für sich; warum er humorvoll sein soll, erfährt man aber aus der .Deutschen Presse" nicht. Mtt den Wahlen hat das ganze nichts zu tun, denn der Abgeordnete Genosse ReäaS, der der Antragsteller ist, beschäftigt sich mtt diesen Fragen bereits viele Jahne und hat nicht zum«rstenmale zu dem Probleme der Bekämpfung der Korruption im öffentlichen Leben Stellung genmnmen. Aber wir möchten die»Deutsche Presse" allen Ernstes fragen, was ihr die Berechtigung gibt, sich darüber zu wundern, daß Anträge, die auf eine Bekämpfung der Korruption hinzielen,„ausgerechnet" von sozialdemokratischer Seite stammen. Es scheint der christlkchsozialen„Deutschen Presse" unbekannt zu sein, mit welcher eisernen Energie der Genosse B e ch y n l in seiner Eigenschaft als Eisenbahnminister alle Korruptionserscheinungen verfolgt und einen wie großen Anteil er an der Reinigung deS öffentlichen Lebens von den üblen Erscheinungen der Korruption hat. Cs scheint ihr unbekannt zu sein, daß Genosse Dr. C z e ch der Initiator des im Vorjahre vom Arbettenministerium ausgearbeiteten Gesetzes über die Verfolgung von Machenschaften im Lieferungswesen ist, welches. Gesetz gewissen Lieferfirmen sehr unangenehm zu werden dricht. Was heißt das also: die Sache werde ein „verständnisvolles Lächeln" Hervorrufen? Auf was für Erfolge können denn die Christlichsogialen in ihrem Kampfe gegen die Korruption Hinweisen? Gut, bei unS sind sie nicht in der Regierung, wer» jungen Generation aus Vorbilder sozialistischer Pflichterfüllung hin. Bei der folgenden Beschlußfassung über die Kandidatenlisten wurden einmütig als führende Kanditaten für die Abgeordne- tenliste im Wahlkreis Pilsen die Genossen Jaffch «nd Müller- Tachau» als Listenführer für den.Wahlkreis Budweis Genosse Oberlehrer P a tz a k- Reubistritz, als Listenführer für den Senatswahlkreis Pilsen-Budweis Genosse Professor H e r b i g- Budweis«nd als Kandidat für die Landesvertretung Genosse H a l a- Kosolup gewählt. Begeistert stimmten die Delegierten am Schluß der Konferenz das„Lied der Arbeit" an. Während im nahen T« s ch k a« die Zersplitterung des Landbundes im nördlichen Böhmerwaldr eingeleitet wurde, stand unsere KreiStagung im benachbarten Kosolup imZeichen derEinig- keit, Kraft und Zuversicht der sozialdemokratischen Bewegung des BöhmerwaldeS. Kampfbereitschaft im Braunauer Ländchen Die Funktionäre der Deutschen sozialdemokratischen Partei deS Bezirkes Wekelsdorf traten Samstag, den 30. März, zu einem Appell an, um die Jnformattonen und Weisungen für die Arbeit der nächsten Wochen entgegenzunehmen. Trotz der durch daS Unwetter der letzten Tage bedingten schlechten Wegverhältnisse, kamen aus dem WekelS- dorfer und Starkftädter Gebiet 68 Funktionäre der Partei, zu denen die Genossen G e r b r i ch und RambauSke unter großer Zustimmung sprachen. Sonntag vormittag versammelten sich die Funktionäre deS Braunauer Oberbezirkes im Saale der„Sokolovna" in Großdorf. Es kamen mehr als dreihundert Parteiarbeiter zu diesem Appell und hörten mit großer Aufmerksamkeit die Redner Gerbrich und K r e j t i an. Wer diese Tagung mitgemacht hat, und die Begeisterung der Versammlung bei den Feststellungen übey die SHF.und den Kampf gegen den Fascismus miterlrbte, der weiß, daß die Träume der Braunauer Hakenkreuzler, die sich ohne Scheu auf den Straßen und Plätzen der Stadt zurufen, daß in einigen Wochen„Saarabstimmung" bei uns sein werde und die Entscheidung durch Henlein für Hitler falle, und nachher der Anschluß des Grenzgebietes an Deutschland erfolgen werde— niemals in Erfüllung gehen werde. den sie sagen und Mahr-Harting als Justizminister» also eh' schon wissen..., aber wie ist es denn in dem heutigen Oesterreich, das sich unter rein christlichsozialer Führung zu einem wahren Miß-Ständestaat ausgewachsen hat? Mutz man an den Herrn A h r e r erinnern, an den Herrn R i n t e l e n, der keineswegs seiner Korruptionsgeschäste wegen zu lebenslänglichem Kerker verurteilt wurde, oder an di« Geschäfte, die der aktive Finanzminister B u r e s ch mit dem Bankier Bosel gemacht hat? Oder daß die österreichische Wirtschaftspolitik nunmehr nach den Interessen der Delikatessenhandlung des chrisffich- sogialen HandelsmintsterS Stockinger gestaltet wird.„Ausgerechnet" die Ehristlichsozialen haben also gar kein Recht, über dieBemühungen der sozialdemokratischen Partei nach einer Reinigung des öffentlichen Lebens zu„lächeln". Sollte sich die„Deutsche Presse" wettere Frechhetten nach dieser Richtung erlauben, werden wir schon dafür sorgen, daß ihr nicht nur das Lächeln, sondern auch das Lachen vergeht! JxNärodnf sjednoceni Das Wochenende war für die ffchechischen Fascisten recht unerfreulich. Nach N i ö a n Y bei Prag brachte das Nä- rodni sjednoceni drei Autobusse mit Ordnern, welche eine Werbeversammlung füllen sollten. Zur Versammlung kam es nicht. Die auswärtigen Fascisten konnten aber den Ort unter"dem Schutz der Gendarmerie verlassen. Aehnlich verlief der Versuch, in Zäböhlice bei Prag eine Versammlung zu veranstalten. In zwei wetteren Fällen schlugen die Fascisten einander selbst die Köpfe ein. Eine Vertrauensmännerversammlung der Nationalen Front, welche ein Teil des Närodni sjednoceni ist, flog auf, weil zu viel Kandidaten, aber zu wenig sichere Mandate waren. Resultat: Zerbrochene Fensterscheiben, fliegende Biergläser, Ohrfeigen und drei Verhaftete. Die Versammlung der Studenten des Närodni sjednoceni scheiterte schon bei den Wahlen in den Vorsitz. Das Problem mußte auch hier von der Polizei gelöst werden. Der schlesische Streik erweitert Mistrk. Der Streik der Textilarbetter in Mistel und Frchdek Hat sich auf die Arbeiterschaft der Firma Neumann und Lemberger, 387 Personen an der Zahl, ausgedehnt, die sich dem Streik angeschlossen haben. Montag nachmittags fand im Garten des christlichsozialen Heims in Mistel eine Versammlung der streikenden Arbeiterschaft statt, wobei gegen 3800 Arbeiter erschienen waren. Zu den Versammelten sprach der(sozialdemokratische) Gewerkschaftssekretär P o d st a t a aus Brünn und der(christlichsoziale) Gewerkschaftssekretär K o i t n e k. Sie teilten u. a. der Arbeiterschaft mtt, daß Dienstag das Gewerbeinspektorat getrennt mtt den Vertretern der Industriellen und den Vertretern der Arbeiterschaft verhandeln wird und daß zu erwarten sei, daß gemeinsame Verhandlungen der Strittparteien in allernächster Zeit beginnen werden. Sie forderten die Arbeiterschaft auf, Ruhe zu bewahren. Der kommunistische Abgeordnete K l i m e n t versuchte mit einigen kommunistischen Führern an der Versammlung teilzunehmen» doch wurden sie von den Veranstaltern nicht zugelassen. In Mistel und Frhdek herrscht Ruhe. Die Jugend-Arbeitslosigkeit Auf der Internationalen Arbeitskonferenz Genf. DaS Internationale Arbeitsamt schote, daß von 28 Millionen Arbeitslosen 6 bis 7 Millionen auf die Jugend unter 23 Jahren entfallen. In Deutschland entfiel im Juni 1931 1 Prozent der Arbeitslosen auf Personen unter 24 Jahren, im Juni 1934 waren eS 18 Prozent. In Dänemark entfielen im Mai 1933 insgesamt 28 Prozent, in den Vereinigten Staaten i. I. 1930 über 27 Prozent der Arbeitslosen auf die Jugend unter 24 Jahren, in Finnland im Jahre 1938 33 Prozent, in England im Jahre 1931 30 Prozent, in Ungarn im Jahre 1932 sogar 42 Prozent, in Italien im Jahre 1932 41 Prozent, in Norwegen im Jahre 1933 27 Prozent, in Holland im Jahre 1933 27 Prozent, in Schweden im Jahre 1933 33 Prozent, in der Schweiz im Jahre 1934 18 Prozent. Was die Tschechoslo- wakei betrifft, entfielen im Feber 1933 22.8 Prozent aller Arbeitslosen auf Personen im Alter von 14 bis 24 Jahren. Das Problem der Arbeitslosigkeit der Jugend wird im Juni auf der Internationalen Arbeitskonferenz behandelt werden. Gefährlich wäre es, wenn die Jugend jetzt untättg blieb. Das Jnternattonale Arbeitsamt hat die Frage der Arbeitslosigkeit der Jugend so gründlich vorbe» reitet, daß unter Zustimmung der Konferenz sofort zu praktischen Maßnahmen Wird geschritten werden können, ohne daß die Regel der zweimaligen Debatte eingehalten würde^ Deshalb besteht auch in Genf die Ansicht, daß die Arbeitskonferenz eher Diaßnahmen in Form von Empfehlungen an- nehmen und nicht den sofortigen Abschluß eines Abkommens anstreben sollte. Zu den Maßnahmen zwecks Verhinderung der Arbeitslosigkeit der Jugend gehört auch die Verlängerung der Schulpflicht bis zum 18. Lebensjahre. Auch läßt sich das Fachschulwesen ändern und die Entscheidung der Jugend für verschiedene Arbeitsgebiete erleichtern. DaS Internationale Arbeitsamt hat das Problem der Arbeitslager geprüft und ist der Ansicht, daß bei der Einführung von Arbeitslagern darauf gesehen werden muß, daß keine Ueber- griffe geschehen. Insbesondere müssen derartige Arbeitslager vollkommen freiwillig und frei von jedem militärischen Gedanken sein und dürfen sich nicht gegenseitig mit Unternehmungen behindern, die Arbeiter beschäftigen. Die Frist für die Ablieferung der PetittonS- listen der Jugend an die Jnternatioiml« Arbeitskonferenz läuft in diesen Tagen ab. Die Mitglieder des Sozialistischen Jugendverbandes und der Gewerkschaftsjugend werden bemüht sein, alle jungen Arbeiter und Arbeitslosen, hie sich der Aktion nicht angefchlossen haben, zur Unterzeichnung der Listen zu veranlassen. Innsbruck. Der frühere Südtiroler deutsche Abgeordnete der italienffchen Kammer Großgrundbesitzer Paul Sternbach wurde in Brunneck wegen nationalsozialistischer Umtriebe verhaftet und dem Gericht in Bozen überwiesen. Paris. Der Berliner.Lokalanzeiger" veröffentlichte eine Meldung seines Pariser Korrespondenten» in der behauptet Wird, daß Außenminister Laval bei seiner Reise nach Moskau sich in Berlin aufzuhalten beabsichtige. Tie Agence Havas ist von maßgebenden Kreisen zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Behauptung vollkommen grundlos ist. Madrid.(.Havas.) Der designierte Ministerpräsident L e r r o u x wurde neuerlich mit der Bildung der neuen Regierung betraut, hat vollzieht sich unter Aus schluß der Oeftentlichkeit. Den Vorsitz fuhrt GR. P e r u t. lieber den Verhandlungsverlauf kann natürlich nicht berichtet werden. Was wir von die ser Affäre nach den bekanntgewordenen Resultaten der Untersuchung in Erfahrung gebracht haben, wirst allerdings ein grelles Licht auf die unverantwortliche Tätigkeit gewisser unreifer Mauldrescher innerhalb der kommunistischen Partei, jener Salon- und Kaf- feehauSrevoluzzer, die sich durch ihre stupst»« Igno rierung der politischen und sozialen Wirklichkeit, durch ihr hohles, eingedrilltes Phrasentum in schärf stem Gegensatz zu den Lebensintereffen des inter nationalen Proletariats stellen. In einer Zeit, da der russische Sowjetstaat aus guten Gründen Bündnisse mit den demokratischen Ländern schließt, weil das gemeinsame Interesse der Sowjetunion und der demokratischen Staaten darauf hinäusläuft, einen gemeinsamen Schutzwall gegen die barbarische fascistische Reaktion zu schaffen— in eben diesen Zeitpunkt finden gewisse Hysteriker der KP§ keine bessere Arbeit, als ausgerechnet die Armee unseres demokratischen Staates— heut« des natür lichen Verbündeten der Sowjetunion — durch schwachsinnigste Schlagwortpropaganda zu imteNvühien. Ob sie dafür eine- Anerkemmug aus Moskau bekommen werden, bezweifeln wir^ daß vba Herr Hitler an solchen.Revolutionären" die grüßte Freude hat, steht außer Zweifel. Die kom munistisch gesinnten Arbeiter sollten sich diese Tat sachen enblidj einmal zu Gemüt führen. Angeklagt sind:■ Der 28jährige Redakteur Franz HamHI und sein« Frau Rosa, der 80jährige Architekt Rudolf Jasen sky, die 28jährige' Damenschneiderin Bi^jena Jakub, der 85jährige Gustav Lohn aus Oberleutensdorf, der 80jährige Handlungs gehilfe Friedrich KarpeleS, der 22jährige Rechts- Hörer Franz Wagenknecht, der 28jährige Advoka- turSkonzipient Dr. Leo Riegelhaupt und der 47jäh- rige Gemeindeobersekretär Franz Tatzel aus Ol- mütz. Die Prager Polizeidirektion stellt« ftit Beginn d«S Jahres 1934 ein« erhöhte kommunisttsche Tätig keit in der Armee fest. Di« Polizei ist bekanntlich stets am laufenden über die inttmsten Angelegen- Di« Früchte solcher.revolutionärer" Tätigkeit i Außenhandels weist nach, daß die Ausfuhr der U^n^uu^ Er^wn^ dtts-n Burst^n.^e und Tschechoslowakei nach Deutschland in den ersten *~„.*......’s dem im vergangenen Jqhres vereinbarten n um. i Tauschschlüssel im gegenseitigenWarenverkehr ent- Miller. gitliw anbecn| spricht Die Einfuhr aus Deutschland nach der Fall gelang es, einige deutsche Soldaten gegen den Tschechoslowaket betrug im Jänner und Feber Unterricht in tschechischer Sprache aufzuputschen, d. 11935 160.6 Millionen Kronen, die tschechoslowa- h. durch Aufstachelung der Nationalist i-1kische Ausfuhr nach Deutschland hingegen 196.6 scheu Instinkt« im Trüben zu fischen. ... llach Pau.-uufgefuudenen Material ging die Tätigkeit'der Angeklagten allerdings wein genug.| Neben der Propagandatätigkeit, die sich auf Ver breitung illegaler Druckschriften bezieht.(„Der Blitz",.Die Hungerbörft",„Der Streik")— durch weg Presseerzeugnisft von wahrhaft erschreckender Primitivität—, wurden auch andere Schriftstücke aufgefunden, an denen wiederum niemand anderer Freude haben dürst« als Herr Hitler. Die Anklage lautet für.sämtliche Ange klagte auf das Vergehen nach§ 17 des Schutzgesctzes (Organisierung staatsfeindlicher Bereinigungen), ferner für die ersten fünfAngeklagten auf das Berhrechen der Anstiftung von Ange hörigen der Wehrmacht zu militäri schen Verbrechen und hinsichtlich des Ge- meindeftkretärS Tatzel muh noch auf Verrat von Dienstgeheimnissen zu staatsfeind lichen Zwecken. Die Verhandlung wurde in den Nachmittags stunden vertagt. rb. ®ritf 6 ».Tozlaldemokrat* DirnSta-, 2. April 1938. Nr. 78 PRAGg« ZEITBNft naaBDHaanHHusanaaHMBBiMBansao Gegen den Hochschul-Ungeist Massenkundgebung zum Fall Nach Die„TschechoslowakischeLigagegen den Antisemitismus" veranstaltete am Samstag abend im Jüdischen Bolkshaus in der Tlouha trida eine stark besuchte Versammlung zum Fall Dr. Gach. Zu Beginn der Kundgebung ehrten die Anwesenden den von völkischer Seite in den Tod gehetzten Mediziner durch Aufstehen von den Plätzen. Herzlich begrüßt sprach als erster Redner Dr. Leo Shchrava, der Obmann derLegionärgemeinde. Er bezeichnete den Fall Gach als ein Symptom dafür, wie unhumanistisch und hakenkreuzlerisch verseucht große Teile der deutschen Hochschuljugend seien. Diese Menschen, von hohlen, schillernden Phrasen berauscht, hätten keine Spur des reinen Masarykschen Geistes in sich ausgenommen. Sychrava wies auf den Präsidenten und seinen historischen Kampf gegen die barbarische Lüge des Antisemitismus hin. Pfarrer V anLura von der„Böhmischen Brüdergemeinde", betrachtete die Tragödie des jüdischen Mediziners vom Standpunkte menschlicher Toleranz und gegenseitiger Achtung aus. Er fand beachtenswert fortschrittliche Formulierungen, wobei er mit seinem Urteil über da? System, das die Schuld am Freitod Dr. Gachs trägt, nicht zurückhielt. Der Redner erntete stärksten Beifall. Dr. Mannheimer nannte die Vorgänge in der Schloffer-Klinik ein unerhörtes Attentat auf die Menschlichkeit, selbst auf die Gefahr hin, von gewissen Leuten, die sich„bereits wieder hervorwagen", als „Oberuntermensch" bezeichnet zu werden. Der Redner erinnerte an die innigen Sympathien, die man an der deutschen Hochschule für den Hitlerfascismus empfindet, wenn auch die Umstände es den Herren nicht gestatteten, sich gleichzuschalten. An der Schlöf- fer-Klinik konnte seit undenklichen Zeiten kein jüdischer Arzt Assistent werden. Nicht die Grundgesetze des Staates entscheiden hier, sondern die Bundesbrüder. Mit diesem verhängnisvollen Geist müsse der Staat endlich Schluß machen. Der letzte Redner, Dr. Eduard F i s ch l, verlangte in seiner temperamentvollen Ansprache u. a. die Errichtung einer jüdischen Klinik aus den Mitteln der hiesigen Gemeinde. In einer einstimmig angenommenen Resolution wurde n. a. gründliche Untersuchung des tragischen Falles Gach und die Bestrafung aller Schuldigen, schärfere Beaufsichtigung der deutschen Hochschulen und als einziger Maßstab für die Besetzung von Posten Begabung und Leistung, nicht rassische und politische Momente verlangt. Die Entschließung fordert schließlich die energische Durchsetzung demokra- tisch--tschechoslowakischer Grundsätze an der von fremdem Geist unheilvoll beeinflußten deutschen Hochschule. Gitz««g der Zentralvertretung Die Kommunisten gegen Volksgesundheit! In der gestrigen Sitzung der Zentralvertretung wurde u. a. die Einrichtung einer Trolleybus-Verbindung zwischen der Hanspaulka und der Remis« in Stresovice beschlossen, und zwar mit einem Aufwand von 932.600 XL für die Einrichtung der Strecke und 760.000 XL zum Ankauf der Trolleybusse. Eine Kampfabstimmung ergab sich bei der Beratung der Einführung der obligatorischen Untersuchung des Fleisches gegen Trichinose. Die Rechtspa r t« i e n sprachen sich gegen die obligatorische Untersuchung aus, weil diese den Fleischermeistern nicht recht ist. Sie fanden eine Unterstützung in dm Kommunisten, welch« sich so aus kleinlichen Gründen gegen eine im Interesse der Gesundheit weiter Schichten notwendige Maßnahme wandten. Rach dem Referat des Gesundheitsreferenten Genossen Dr. I e r a b e k und fachmännischen Erläuterungen des Leiters des Schlachthofes, wurde die trichi- noskopische Untersuchung der Schweine mit knapper Mehrheit beschlossen. Die polizeiliche Notwendigkeit dieser Maßnahme hat sich im Jahre 1934 in Asch erwiesen, wo infolge des Genusses von nicht untersuchtem Fleisch 200 Krankheitsfälle eingetreten sind, von denen zwei mit Tod endeten. Vor der Stadt Prag haben schon einige deutsche Städte, und zwar Asch und Teplitz-Schönau die obligatorische Untersuchung von Schweinefleisch auf Trichinose eingeführt. Gerlchtssanl Einträglich aber riskant Bilanz eines großzügigen Heiratsschwindlers 130.000 XL ergaunert— vier Jahre schweren Kerkers Prag. Heiratsschwindel ist ein einträgliches Gewerbe und seine Einträglichkeit steigt mit dem Grade der Skrupellosigkeit derer, die dieses unsaubere Geschäft mit der weiblichen Leichtgläubigkeit betreiben. Der 86jährige Wenzel S a ch s l ist ein besonders auserlesenes Mitglied dieser feinen Gilde, wie diese vor dem Strafsenat N o s e k durchgefsthrte Verhandlung beweist. Daß der alte und erfahrene Gauner in der Rolle des wohlsituierten Gentleman in den besten Jahren aufzurretrn Pflegte, versteht sich von selbst. Und da «eine verschiedenen Bräute keine Ahnung von der reichhaltigen Strafkarte ihres Freundes/ hatten, konnte dieser wirklich imponierende Erfolge buchen. Da war eine Witwe R o s a B. aus der Tep- litzer Gegend, der sich Sachs! als„Bergingenieur Weimann" vorstellte und alsbald einen Heiratsantrag machte, der auch angenommen wurde. Daß der vermeintliche Jng. Weimann verheiratet und seine Ehe noch gar nicht rechtskräftig getrennt war, wußte die Braut natürlich nicht. Die Hochzeit fand also unter falschem Namen statt und aus diesem Anlaß liefen zahlreiche Glückwunschschreiben von verschiedenen hochgestellten Personen und Stellen ein, unter ihnen vom Verband der Bergingenieure, von Petsche?, vom Finanzminister und zahlreichen anderen bekannten Persönlichkeiten. Dies« Glückwünsche hat aber, wie sich später herausstellte, der Angeklagte selbst aufgegeben, um sich auf diese Weise in den Augen seiner Braut ein erhöhtes Ansehen zu verschaffen. Nun— diese Regieauslagen haben sich wohl bezahlt gemacht. Zunächst verlangte und erhielt der Angeklagte von seiner Angerrauten 80.000 XL, die er angeblich dringend brauchte, um eine Kaution zu erlegen, die zu der Erlangung eines Direktorpostens unumgänglich notwendig war. Er erzählte seiner jungen Frau auch viel von seiner repräsentablen Villa in Strasch- nitz und bekam 10.000 XL zur„Ablösung der Hypothekarschulden", die natürlich ebenso wenig existierten, wie die erdichtete Villa. Die junge Frau glaubte auch ohne weiteres, daß ihr Herr Gemahl eine geniale Erfindung gemacht habe und gab ihm weitere 10.0Ü0 XL für angeblich unumgänglich notwendige „Patentgebühre n". Unter anderen Vorwänden lockte er seiner Frau acht Aktien der Jndu- ftrialbank im Werte von 3600 XL heraus. Außerdem hat er, wie sich später herausstellte, seiner Schwiegermutter 6800 XL gestohlen. Als die Geldmittel seiner Gattin erschöpft waren, hatte das Eheleben auch seinen Reiz für den Angeklagten verloren und dieser verschwand, um sich anderen Aktionen ähnlicher Art zuzuwcnden. Zwei weitere Frauen gingen dem Gauner ins Garn und bezahlten ihre Liebe zu dem gesetzten Kavalier mit je 39.600 und 53.700 XL. Daneben laufen noch zahlreiche andere Gaunereien, vor allem Kautionsschwindeleien. Der Gesamtverdienst des alten Halunken hat seit dem Jahre 1932 nicht weniger betragen als rund 130.000 XL bei welcher Berechnung allerdings nur die gerichtsbekannt gewordenen Fälle zugrunde gelegt sind, so daß sie sicherlich nicht vollständig ist. Die vom Staatsanwalt Dr. F i m ä k vertretene Anklage beinhaltete ein nettes Bündel von Strafparagraphen:Betrug, Veruntreuung, Diebstahl und Bigamie. Das Gewerbe des Wenzel Sachsl war einträglich gewesen, aber es hat seine unangenehmen Kehrseiten. Nach durchgeführter Verhandlung verurteilte der Gerichtshof den Angeklagten zu vier Jahren schweren Kerkers. rb. Kunst and wissen Eine Prinzessin stürzt von der Leiter Am Sonntag gastierte im Deutsche» Theater wieder ein Ensemble des Theaters in der Josefstadt, diesmal in der reizenden Lustspieloperette Verneuil- Benatzkys„Meine Schwester und ich". Sie heißt jetzt in einer„Umarbeitung"(von der man fast nichts merkt):„Die Prinzessin auf der Leiter". Die Prinzessin ist Liane Haid. Ihr zuliebe gab es ein überfülltes Haus. Erfreulich für das Theater, vernichtend für die Kunst. Denn Liane Haid erbrachte den schlüssigsten Beweis, daß man ein berühmter Filmstar sein und dennoch für die Bühn« nichts weiter mitbringen könne als eine hübsche Larve, einen tadellosen Körper und die„Kunst", allerhand Kleider zu tragen. Liane Haid erwies sich als miserable Darstellerin, als unqualifizierbare „Sängerin" und zudem im Nichtbesitze der Fähigkeit, immer verständlich auch nur zu sprechen. Wir würden Frau Lord beleidigen, wenn wir mit ihrer Dolly die der Haid verglichen, so wie wir Herrn Dörner zunaheträten, wenn wir auch nur sagten, daß Herr Karlweis auf andere Weise als jener des Fleuriot gerecht zu werden versuchte. Dasselbe gilt vergleichsweise für die entschwundene Fee v. Reichlin, für Herrn Padlesak und so fort. Einzig und allein Felix Bressart riß rechtens mjt feinen unnachahmlichen Künsten der Verhaspelungen im Wort und mit dem Körper, durch sein vitales Komikertalent das Haus immer wieder zu Lach-Orkanen und Beifallssalven hin, die bei jedem seiner Auftritte und Abgänge, oft aber auch schon nach einem hingeworfenen Witzwort erdröhnten. Wenn er nicht auf der Bühne stand, schien sie leer zu sein. Daraus ergeben sich zwei Lehren: erstens, daß das Theater künstlerisch total verarmen müßte, wenn es sich vom Film her wollte helfen lassen. Wir freuen uns des ausverkauften Hauses und des sicher beachtlichen Gewinn-Anteils, den die Haid dalaffen mußte. Aber so etwas ist hoffentlich und leider nur einmal möglich. Und darum ergibt sich zum zweiten zwingend die Forderung, daß das Theater durch ausreichende Subventionen instandgesetzt werden müßte, aus solche Unter- oder Nichtkunst zu verzichten, wie sie diese Josefstädter verzapften— abgesehen natürlich eben von Herrn Bressart. Unser Theater ist, aus eigenem imstande, künstlerisch ein Vielfaches von dem zu geben, was diese Wiener Herrschaften brachten(in diesem Punkt« von Liane Haid gar nicht zu reden). Tags vorher gab es eine Neueinstudierung der„Gräfin Mariza". Ohne überragende Leistung, aber mit einem jungen, ambitionierten, reizvoll rhythmisierenden Mann am Pult(Rieger), unter einem routinierten, jeder Schmockerei abholden Regisseur (Stadler), mit einer schönen, charmanten und sympathischen Mariza,' Frau Käthe Walter, der man da etliche Temperaments- und Gesangsmängel ruhig nachsehen kann, mit einem so begabten Tenor wie Herrn P r« g« r, mit einem so guten Schauspieler, Komiker und Tänzer wie Herrn Dörner. Auch die Lhrigen(Earpentier, Dudek, Stad- ler) schienen dem Publikum zn gefallen, Episode« waren mit Lo Bertram, Elisabeth Wanka, Tra- baner k-hr zufriedenstellend besetzt. Das Theater war auch an diesem Abend sehr gut besucht. Das Publikum will Operette und wenn sie ihm mit Werken vom Niveau der„Mariza" und in so netter Darstellung geboten wird, ist die Direktion bei ihren Versuchen in diesem Genre zu unterstützen. Uebri- gens: das süße kleine Putzerl, das aus dem Kinderchor sein silbernes Stimmchen ertönen ließ und dann seine winzigen Beinchen schwang, dürfte ausnahmslos mehr Vergnügen verbreitet haben als bas Lianenbild ohne Gnade. L. G. Konzert des Sängerbundes des Arieiterbil- dungSvereineS in Brünn. Daß der Sängerbund des A.B.B. in Brünn unter der künstlerisch feinfühligen Leitung Fritz KlementS wieder einen weiteren Schritt nach vorwärts getan hat, bewies sein letztes im großen Dopz-Saale veranstaltetes Konzert. Auf der Vortragsfolge stand das abendfüllend« Chorwerk Rob. Schumanns„Der Rose P i l.« g e r f a h r t", ein Märchen nach einer Dichtung von Moritz Horn, für Soli, gemischten Chor und Klavier. Mit kundiger Hand hat Fritz Klement den stattlichen gemischten Chor singtechnisch und stilistisch in die klanglichen und rhythmischen Stimmungszauber Schumannscher Romantik«ingeführt. das Märchenhafte sah sich ausdruckbetont auf das Glücklichste festgehalten. An keiner Stelle wurde die gesangliche Linie durchbrochen, das zauberhaft Anmutige der Stimmung durch dickaufgetragenen Chorklang in realistisch empfundene Wirklichkeit umgebogen. Alles gab sich leichtflüssig, unbeschwert und doch so wohlberedt. Ein besonderes Lob verdient der Frauenchor, der sich tonliche Zurückhaltung auferlegte und sehr auf Dynamik achtete; der gemischte Die Querfeldeinlauf-Meisterschaft des Prager DTI-Kreises wurde am Sonntag in Tluftovoush ausgetragen und stand ganz im Zeichen einer großen Veranstaltung. Trotz schlechter und kalter Witterung hatte sich eine ansehnliche Zahl von Sportlern und Sportlerinnen eingefunden. Der Sieger bei den Sportlern, Mares, war die größte Ueberraschung. Ein großer Kampf um den Sieg entwickelte sich bei den Jugendsportlern, den schließlich Velat an sich riß. Die Ergebnisse lauten u. a-i Sportler(4500 Meter): 1. Mares(DTJ Pankrac) 14:11.3, 2. Karafiat(DTJ Zizkov) 14:34.2, 3. Cernuika(DTJ TlUstopousy) 14:44 Minuten. Jugend(1500 Meter): 1. Velat(DTJ Prag l—V) 5:41.1 Min- Sportlerinnen(1000 Meter): 1. Zbran- kova 4:35, 2. Michalkova 4:37(beide Tluftovoush), 3. Houstecka(DTJ Prag VIl) 4:55 Min. Den Mannschaftskampf gewann DTJ Zizkov vor DTJ Tlustovousy und DTJ Prag VII; während der der Jugend an DTJ Nufle fiel. Slavia kann gegen DFC nicht gewinnen Prags einziges Ligaspiel am Sonntag war die Begegnung Slavia—DFC, welche auf dem Spartaplatze vor sich ging. Es endete— vorausgeschickt— mit einer Ueberraschung im glücklichen Sinne für den DFC. So wie diesmal die elf Mannen des DFC das Spiel— das keinesfalls günstig für sie stand — durchkämpften, das hat man schon, lange von ihnen nicht gesehen. Sie ließen ihren Gegner nicht die Zeit, günstige Schußpositionen auszuarbeiten und der Slavia-Angriff zerfiel dadurch und wurde nervös. Stellt man noch fest, daß Slavias einziges Tor aus einem Elfmeter stammt, so kennzeichnet das di« Leistung des Kanopen-Sturmes zur Genüge. Der DFC hatte sich auch eine neue Taktik beigelegt, indem sein Angriff in W-Form stürmte und dabei besser, wenn auch gleichfalls weniger erfolgreich, ahschnitt. Das einzige Tor schoß Patek aus einer gelungenen Aktion. Die linke Seite kam sticht gut in Fahrt, da der Slaviahalf Vodicka ein ausgezeichnetes Spiel lieferte. Das DFC-Half war jedoch in der Gesamtheit dem der Slavia etwas überlegen und die Ver- teidigung hatte«in größeres und schwereres Pensum von Arbeit zu verrichten als die des Gegners. Und die Tormänner? Taussig, erstmals wieder im DFC- Tor, war jedenfalls der bessere und wurde nur durch den Elfmeter bezwungen, während Planikka nach der Pause den gar nicht so scharfen Schuß Pateks durchließ. Gegen Schluß, als di« Slavia das Ergebnis zu ihren Gunsten korrigieren wollte, hielt der DFC durch taktisch richtiges Defensivspiel das Unentschieden. Di« Punkteteilung ist dem Spielverlauf nach wohl nicht ganz gerechtfertigt, aber wenn man die Unsicherheit der Slavia-Stürmer vor dem Tor« und die Begeisterung der DFC-Mannschaft in Betracht zieht, stimmt sie doch! Der zweite deutsche Ligaklub dagegen konnte nicht mit dem gleichen Erfolg aufwarten. Die T e p- litzer, welche nach P r o ß n i tz ohne ihren verletzten Torhüter Patzelt— der wahrscheinlich kaum wieder in Aktion treten dürfte— fahren mußten, wurden 4:0(0:0) geschlagen. Die'Stürmer versagten fast zur Gänze, auch die Halfs und der Verteidiger Nahlovsky wurde eine halbe Stunde vor Schluß ausgeschlossen; innuntS dann noch wunder, wenn es eine so hohe Niederlage gibt? Die Protz- nitzer hatten jedoch die bessere Elf und der TFK wäre auch mit Patzelt kaum an eine Niederlage vorbeigekommen. Die Prager Sparta trng in Pilsen mit dem SK'den Punktekampf aus siegt« mit 3:0(2:0) sicher. Z i d e n i c e liefert« zu Haus« gegen Viktoria Pilsen ein besseres Spiel und gewann 3:0 (1:0). Bei den Pilsenern war der Angriff zu langsam und versagte auch im Schießen." Chor war von einer rühmenswerten stimmlichen Ausgeglichenheit und um merkliche Wortdeutlichkeit bemüht. Die Solis sangen die beiden stimmbegäb- tcn Mitglieder der Bereinigten deutschen Theater Hedwig Wiesner und Josef M a L e k, während in den übrigen Rollen sich die Bereinsmitglicder Hedwig P j p a l, Emilie F u k a t s ch und die Herren Rudolf DolniLek und Otto H o r w a t h, dann noch Molly L a tz e l und Maria Gebauer trefflich bewährten. Heinz Weit Hofer spielte den Klavierpart plastisch und mit starker Einfühlung. Die Hörerschaft dankte dem umsichtigen, beherrschend dirigierenden Chorleiter Fritz Klement und seiner hingebungsvoll singenden Sängerschaft durch | reichen Beifall. H., Tie schwedische Musskakademte hat die Wahl ihrer neuen Auslandsmitglieder vorgenommen; unter ibnen befinden sich insbesondere der tschechoflowaki- sche Komponist Josef S u k, der italienische Dirigent Toscanini und der russische Sänger Schaljapin. Wochenspielplan des Reue« Deutsche« Theaters. Dienstag halb 8 Uhr: Gräfin Maritza. A 2.— Mittwoch halb 8: Das unbekannte Mädchen, BI.— Donnerstag halb 8: M ar- gar e t e, C 1.— Freitag halb 8: Gräfin Maritza, D 2._— Samstag halb 8: Das unbekannte Mädchen, C 1.— Sonntag halb 3: Polenblut, Arbeitervorstcllung; halb 8: Margaret e, A 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Dienstag 8 Uhr: Ein Glas Wasser.— Mittwoch 8)4 Uhr: Ein Glas Wasser. — Donnerstag halb 8: Fräulein Julie, DerKammersänger, neuinszeniert.— Freitag halb 9: Opernstudie.— Samstag 8)4: Fremdenverkehr.— Sonntag 3: Stra- ßenmusik, 8 Uhr: Mädchen für alles. In Kladno verlor Cechie Karlin gegen den SK 2:4(2:2) und gerät nun durch das schlechtere Torverhältnis in Abstiegsgefahr. Samstag schlugen die Bohemians auf ihrem Platze unerwartet hoch den AFK K o l i n mit 8:2(2:0). Aeberraschungen in den Divisionen DFB: DSV. Saaz gewann in Reichenberg gegen den RFK mit 1:0(1:6) und in T r o p- p a u mußte sich BSK Gablonz, gegen DSV nach torreichem Treffen mit einem Unentschieden von 5:5 (1:2) begnügen.—^Die Begegnung KFK—DSV Brünn fiel aus, da Brünn nicht eiiunal die Fahrtspesen garantieren und anderseits der KFK, um das Spiel in Karlsbad durchzuführen, wieder dem Wunsch der Brünner nach Vorausbezahlung des Fahrgeldes nicht entsprechen konnte. Mittelböhmen: Di« Ueberraschung bildete die erste Niederlage der Viktoria Zizkov, welche gegen. Nuselsky SK mit 0:3(0:2) verhör. Das Kosiicr Derby Cechoslovan—Sparta endete mit dem knappen 1:0-Siege Spartas- Eine unerwartete Niederlage holte sich auch CAFE von Cechie VIII mit 1:3 (0:2). SK Liberi gewann ebenfalls überraschend über den Favoriten Meteor VIII mit 8:0(1:0). Rapid Prag spielte gegen Lissa 2:2(1:0) und Sparta Kladno gewann gegen Raudnitz mit 5:1. Böhmen-Land: Nachod holt« sich eine 2:1-Nie- derlage vom Jungbunzlauer SK. CSK Budweis schlug Königinhof 5:0 und wird dem führenden Nachod bald den Rang streitig machen. Ferner: Hokowih gegen Rakonitz 0:0, Königgrätz gegen Ko- pisth 2:0, Petrin gegen Olympia 3:2(Pilsener Derby), Pardubitz gegen Rokitzan 4:1. Mähren-Schlesien: Hussowitz gegen Kral. Pol« 2:1, Schles.-Ostrau gegen Bata Zlin 0:0, Polonia Karwin gegen Mor. Slavia 2:2, Prerau gegen Han. Slavia 3:0. Die Wiener Städtemannichaft verliert auch in Paris. Nach der Schlappe gegen Italien wollte man gegen das Pariser Städteteam gewinnen. ES blieb beim Wollen, denn die Wiener wurden verdient mir 2:1(2:1) geschlagen und enttäuschten auch in technischer wie spielerischer Hinsicht. Sonstige Fußballergcbniffe. Budweis: TFK Krumau gegen TFC 4:1(2:0)1—Karlsbad: KFK gegen SK KroLehlavy 4:2(4:1).— Brüx: DSK gegen DSK Weipert 4:0(4:0).— Dux: DFK Komotau gegen DSK 4:2(1:2).— Tep- litz: VfB gegen Schwalbe Brüx 1:0(0:0).— Bodenbach: SpVg gegen Sparta Michle-Prag 3:1(1:0).— WarnSdorf: WFK gegen DSV B.-Leipa 7:2(3:1).— B r ü n n: DSV gegen SK Hodonin 4:1(1:1).— Budapest: Ujpeft gegen 3. Bezirk 5:1, Soroksar gegen Hungaria 2:1, Ferencvaros gegen Atilla 5:0.— Wien: Preßburg gegen Wien 2:6(0:2).-- Amsterdam: Holland geg. Belgien 4:2(1:2).— Marseille: Südostfrankreich gegen Süddeutschland 3:1(2:1). — Lille: Nordfrankreich gegen Clyde Glasgow 1:1(0:1). Brenna Wien kann in Frankreich nicht gewinnen; sie spielte am Donnerstag in Lyon gegen Sochaux 1:1, SamStag in Straßburg gegen Racing 0:0 und Sonntag in. Mülhausen gegen FC 2:2. Las der Partei Sozialistische Jugend. Kreis Prag. Dienstag, den 2. April, halb 8 Uhr abends: Kreisleitungssihung. Mittwoch, den 8. April, 8 Uhr abends, Gruppenabende: SJ. Zentrum: Die politische und wirtschaftliche Lag« in ' der Tschechoslowakischen Republik. SJ. Holleschowitz: Die Lage der Arbeiterjugend. SJ. Weinberge: Wie wir leben. Abend gemeinsam mit den tschechischen Genossen in der Restauration des Gewerkschaftshauses. Vorher um 7 Uhr im Parteiheim: wichfige Ausschußsitzung. fport ♦ fpiet-^Körperpflege Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tn» Hau» oder bei Bezug durch die Poft monatlich XL 16.—, vierteljährig XL 48.—, halbjährig Xi SS.—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfieren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft» und Tele» gravhendirekfion mit Erlaß Nr. 13.800/V11/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck». Verlags- und ZeitungS-Ä.-G.. Prag.