II r d :r h, r n ie >d ch hl et !i* nt a= ■». l n n* i• ite r. a- I i. I jen| Bltf i mit I l n-| -P- 1 lach I 5:5 I LV I hrt- 1 das 1 nsch I ldes j die| | iker I lap- I der- I 1:3 1 >end I :0).| und I Kie- 1 veiS| rdcn| ner: I Ko- I ener| Pole I onia I i?an- I (i in man 1 Miet, I mir 1 tech- I LFK I ad: I ü x: I ux: 1 cp- 8r«fl 1 LSB| SK] «gen i 2:1, retz. ö m:| lle: !:1). Sfloio I toin« egen| rcing j !rag. Uhr Ritt* :nds, Die je in iblik. jend. ismn riion siar- m e» Nr. 7» Mittwoch, 3. April 1935 15. Jahrgang IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME OES MONTAG TÄGLICH FRÜH. MD AKTION und Verwaltung mag xii„ fochova a. Telefon 53077. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR) WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR) DR. EMIL STRAUSS, PRAG. HRZBhmlt 70 Hslhr (einschließlich 5 Htllar Forle) Der Prozeß det Fürsten Starhemberg Die Verteidiger der Verfassung vor dem Gericht der Eidbrüchigen Aenderungen am Quorum? Die politischen Minister sollen entscheiden Prag. Nach der dienstägigen Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses, in der eine ganze Reih« von Borlagen, bis auf eifle Ausnahme, d e b alte l o s angenommen wurde, fand eine Koalitionsberatung im Beisein des Innenministers statt, die sich mit der Wahlgefetznovelle'befaßte. Dabei wurden Einwendungen gegen das Quorum erhoben, bzw. angeregt» daß bei Erreichung des Quorums, die weitere Bedingung, daß im ersten Skrutinium unter allen Umständen rin Grundmandat erreicht werden muß, in Wegfall komme; das wäre in erster Linie auf die jüdische Partei zugeschnitten, die wohl das Quorum, aber nur schwer oder gar nicht das Grundmandat in einem Wahlkreis aufbringrn könnte. Am Mittwoch werden sich dir Politischen Minister mit diesen Anregungen befassen, worauf am Nachmittag erneut die Koalition zusammentritt. Der Berfaffungsausschuß, der die Berlage behandeln sollte, begnügte sich infolgedessen mit der Abführung der Generaldebatte; die Spezial- debattt wurde auf Donnerstag früh vertagt. Dagegen gelang es, in den Ausschüssen di« Borlage über den Schutz gegen Fliegerangriffe mit einigen Aenderungen zur Annahme zu bringen. Hier gab es eine Zeitlang Differenzen über die Frage, wer für die Kasten der einzubauenden Deckung«» gegen Fliegerbomben oufkomme« soll. Tie Borlage ist nunmehr für das Plenum verhandlungsreif. Am Plenum wurde die Neuregelung des Feuerwehnbeitrages m>t kleine,» Aenöerun- gen an der Senatsfaffung. die L i e f e r u n g s- kaffen scheine l Jnvestttionsbons), die Novelle zum Militärstraf- und Djsziplinarrecht. die Neuorganisierung der StaatSgerichishöse als selbständige Senate bei den Obcrgerichien und di« Gerichtsentlastungsnovelle, die die nichtöffentliche Verhandlung von Nichtigkeitsbeschwerden vor dem Obersten Gerichtshof auch in der Sache selbst zuläßt, und schließ- lich das Zollkartell mit Rumänien angenommen. Bei der Verhandlung von Ammunitäien wurde eine Schutzgesetzgeschichte des Abg. Kal- lina über Antrag Schollich im Einvernehmen mit dem Referenten an den Ausschuß rückvcrwicsen.— Nächste Sitzung Donnerstag, den 4. April um 11 Uhr. Nach den bisherigen Dispositionen wird das Haus zur Erledigung der restlichen Vorlagen auch noch in der nächsten Woche bis längstens Freitag einige Sitzungen abhalten. Es wird zwar von her Möglichkeit gesprochen, dass das Haus, nach den Ostern noch einmal zu einer kurzen Sitzung Zusammentritt» doch gilt das als nicht sehr wahrscheinlich. Es ist eher damit zu rechnen,.daß unmittelbar nach den Osterfeier- tagen die Auflösung des Hauses uno die Ausschreibung der Neuwahlen-rfolgt. Als wahrscheinlichster Wahltermin gilt immer noch der 26. Mai. Eden In Warschau Warschau.(Tsch. P.-B.) Den ersten Tag des Aufenthalts Minister Edens in Warschau füllten vormittags Konferenzen mit Außenminister Beck im Gebäude des Außenministeriums aus. Sie dauerten von 11 bis 13 Uhr. Nach dieser Konferenz begab sich Minister Eden in Begleitung des Außenministers Beck in das Königsschlotz, wo er vom Präsidenten der Republik empfangen wurde. In den Nachmittagsstunden setzte Mini«, stcr Eden seine Konferenzen mit Außenminister Beck fort. Rach Abschluß der Nachmittagskonferenz wurde Eden um 18 Uhr von Marschäll P i l s u d« fit im Belvederepalais empfangen. Die Konferenz Edens mit Pilsudski nahm, ungefähr eine Stunde in Anspruch; ihr wird in politischen Kreisen große Bedeutung beigelegt. Es heißt, daß di« polnische Regierung in Angelegenheit des Ostpaktes ihre bisherige Haltung nicht geändert hat, obwohl sie bereit sei, an den Arbeiten betreffend die Schaffung von kollektiven Sicherheitsgürantien unter dem Vorbehalte mitzuwirken, daß dieselben die von der polnischen Regierung in den direkten Beziehungen zu ihren w e st l ich en(!) und östlichen Nachbarn erzielten Resultate nicht abschwächen werden.. Am Dienstag begann in Wien Starhembergs Prozeß. Es ist der Prozeß, den der erfolgreiche Verfassungsbrecher St a"r Hemberg gegen die Führer des Wiener Schutzbundes, also jene Männer, die sich für die Verfassung Oesterreichs einsetzten, führen läßt. Der Major E i f l e r,, der Hauptmann Löw und neunzehn Gruppenführer des Wiener„Republikanischen Schutzbundes" sollen nach dem Willen Starhembergs deshalb verurteilt werden, weil sie seinem Hochverrat Widerstand leisten wollten. Daß die überwiegende Mehrzahl von ihnen schon vor Beginn der Feberkämpfe in Haft war, gegen Starhembergs Hochverrat also gar nicht kämpfen konnte, vollendet nur das Bild dieses einzigartigen Prozesses, bei dem der Hochverräter Ankläger und der Verfassungstreue Angeklagter sein soll^ Zu diesem Prozeß meldet sich nun eine- gewichtige Stimme zum Wort. E5; sind eine Reihe von D o k u m. e n t e n, die beweisen: 1. Daß die Gründung und Bewaffnung der Heimwehren, also der fascistischen Sturmtruppen, hex Gründung und Bewaffnung dis verfassungstreuen Republikanischen Schutzbundes voranging, diese also nur die Folge und Abwehr der ersteren war; 2. Daß der Republikanische Schutzbund von den verfassungsmäßigen Behörden Oesterreichs, darunter dem christlichsozialen Heeresminister V a u g o i n anerkannt wurde, so daß sie sogar in den Räumen deS Schutzbundes mit diesem über seine Mitwirkung bei der Landesverteidigung verhandelten, ihm Waffen in Aussicht stellten■ und tatsächlich gaben, ja ihm die Anerkennung als Polizeitruppe und. die Versorgung der Hinterbliebenen durch den Bund in Aussicht stellten, und. daß Offiziere deS Bundesheeres mit dem Häupiange» klagten im Schutzbundprozeß, Major Ei f le r, über militärische Einzelheiten berieten; 3. Daß umgekehrt die Heimwehren im Jahre 1931«inen offenen Putschversuch unternahmen, den die Regierung in schärfsten Worten geißelte, ohne jedoch ernsthaft einzuschreiten, und daß dieselben Heimwehrmänner heute Minister sind, während ihre damaligen Gegner, die sie im Namen der Verfassung bekämpften, auf der Anklagebank sitzen; Daß der.Republikanische Schutzbund wiederholt in öffentlichen Erklärungen im Parlament seine Bereitschaft zur inneren Abrüstung ausgesprochen hat, soferne auch die Gegenseite dazu bereit sei, und daß dieses Anerbieten von der Regierung zurückgewiesen und damit die innere Abrüstung vereitelt wurde. Die Verantwortung für den Bürgerkrieg des Feber 1934 fällt also eindeutig und ausschließlich auf die Schultern der österreichischen Regierung, Dollfuß' und seinen Bundesgenossen aus der Heimwehr, also vor allem der Herren S t a r- Hemberg und F e y. Daß die siegreichen Hochverräter sich nicht damit begnügen, Hunderte von verfassungstreuen Arbeitern in den Kämpfen des Feber niedergemet» zelt, zwölf ihrer besten Männer gehend, sausende in Gefängnissen und Konzentrationslagern geworfen, Hunderte in die Emigration getrieben zu haben, daß sie sich jetzt noch anschicken, die be- sigten Verfassungstreuen für ihre Verfassungstreue zu bestrafen— das wird auch in einer vom Fascismüs moralisch zersetzten Welt auf Empörung stoßen.- Beweis dafür die gewaltige Protestbewegung, die sich in der Absendung eines MaffenprotesteS mit zahlreichen gewichtigen Unterschriften führender Persönlichkeiten aus vielen Ländern äußerte. Der österreichische FascismuS hat in diesem Prozeß nichts zu. gewinnen. DyS, beweisen die Dokumente der Broschüre, von denen einige im Faksimile wiedergegeben sind. Der Prozeß kann nur eine neue Entlarvung der Austrofascisten werden. Die Verhandlung gegen die Schutzbundführer wird zum Tribunal über Starhemberg. ES ist sein Prozeß, der in Wien verhandelt werden soll. Wien.(Tsch. P.-B.) Dienstag vormittags wurde vor dem Wiener Schwurgericht der große Hochverratsprozeß gegen 21 Führer des aufgelösten Republikanischen Schutzbundes eröffnet. Im Berhandlungssaale und im ganzen Gebäude wurden umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Auf der Anklagebank haben Platz genontmen: Der Stabschef des Schutzbundes Major a. D. Alexander Eifler, der Finanzreferent Hauptmann a. D. Rudolf Löw und die Kreisführer Franz Musil, Josef S i s p e l a, Johann P o k o r n v, Anton L a ß n i g, Theodor S ch u b a u e r,. der ehemalige Kommandant der Gemeindewache Wilhelm Kohn, Heinrich H a d, Karl T a m b o r- n i n i, Josef B e r n e r t, Franz D e ch a t, Ludwig D i e n st l, Rudolf Bockt, Karl Kirchen- b e r g e r, Franz 8 e ch o t a, Wilfried S t.i x, Rudolf Dr o e, Ludwig H e i n e m a n, Heinrich Kern und Wilhelm S v a 1 o s. Zur Verhandlung, die mindestens zehn Tage dauern dürfte, sind 28 Zeugen geladen. Die Anklage lautet auf Hochverrat nach 88 58 und 59 des Strafgesetzes, dessen sich die Angeklagten dadurch schuldig gemacht haben sollen, daß sie als Mitglieder der Zentralleitung des aufgelösten Schutzbundes in den Jahren 1932 bis 1934 Waffen. und Munitionslager angelegt und im Jänner 1934 in. einte gemeinsamem,Sitzung beschlossen haben, bewaffueten Widerstand zu leisten» respektive Zustimmung zum bewaffneten Widerstand gaben, wodurch sie nach der Auffassung des Staatsanwaltes an einer zum Aufruhr und zum Bürgerkrieg führenden Aktion teilnahmen. Vie Anklageschrift Die Anklageschrift schildert ausführlich die Ereignisse in Oesterreich seit dem Jahre 1918, die zur. Gründung des Schutzbundes im Jahre 1923 führten, und nimmt auch Bezug auf die Situation im Jahre 1933, in dem das Parlament ansge- schältet wurde. Die nach Auflösung des Schutzbundes geschaffene Ordnerschaft sei nach dem Muster des Republikanischen Schutzbundes aufgebaut gewesen und habe auch die gleichen Führer gehabt. Die Zentralleitung hatte ihre« Sitz in Wien und lag in den Hände» Dr. Otto Bauers, der Abgeordneten Julius Deutsch und Karl Heinz, ferner nahmen an der Leitung Major Eifler und Rudolf Löw teil. Außerdem bestanden in Wien fünf Kreis- und 21 Bezirksleitungen. Auch in der Provinz gab es derartige Organisationen. Die Ordnerschaft war wie der Republikanische Schutzbund in Regimenter, Bataillone und Kompagnien eingekeilt. In Wien gehörten ihr 15.000 und in ganz Oesterreich insgesamt 80.000 Mann an. Die Ausrüstung bestand in de« Waffen der Kriegsteilnehmer, wozu Gäter Waffen durch Ankäufe in den österreichische» Fabriken oder aus dem Auslande geschmuggelte Waffen kamen. Die Anklage fchildert ferner die Erzeugung von Handgranaten, die auf Anregung des Angeklagten Mussil in einer Gießerei im 17. Wiener Bezirk ausgenommen worden war. Dort wurden 4500 Handgranaten hergestellt. Auch sonst wurden auf österreichischem Boden Waffe» erzeugt. Die Anklage behauptet, daß der Republikanische Schutzbund respektive die Ordnerschaft vor Ausbruch der Feber-Revolte insgesamt 7000 Gewehre, 2000 Pistolen, 120 Maschinengewehre, 500.000 Schuß Munition und 4500 Handgrana-! ten besaß. Es folgt ein phantastischer Bericht über die Verschwörung, die von der Sozialdemokratischen Partei angeblich zur Ausrichtung der Diktatur angezettelt wurde. Die Anklageschrift will glauben machen, daß der Schutzbund mit den 7000 Gewehren gegenüber den gut 100.000 Gewehren und Hunderten Geschähest der Regierung eine offensive und putschistische Taktik verfolgt habe. Freilich widerspricht sich d a s M a ch w e r k v o n A n k l a g e sch r i f t, indem es dauernd aufzeigt, wie die Sozialdemokratie von der Regierung bedrängt, die Organisationen schikaniert«nh durch die Verhaftungen und Waffensuchen der Bürgerkrieg provoziert wurde. Nachdem sie zuerst behauptet hat, die Sozialdemokraten hätten aus den Putsch und die Diktatur hin- gearbeitet, gibt sie im folgenden die Zwangslage zu, in der die Partei sich am 12. Feber befand. Sie schildert sodann die bekannten Ereignisse in Linz und die Auswirkungen auf Wien. Die sozialdemo- kratische Parteileitung stand am 12. Feber vormittags vor der Alternative, entweder sich vollständig entwaffnen zu lassen oder znm Angriff überzugehen. Die radikalen Elemente drängten zum Angriff und so sei die Parole zum Generalstreik ausgegeben worden. Die Anklage fchildert weiter den Zusammenbruch des Generalstreiks, denn die Eisenbahnen, die Post, das Telephon und der Telegraph waren in Tätigkeit und auch im Vorgeben des Schutzbundes zeigte sich infolge der Verhaftung zahlreicher Führer keine Einheitlichkeit. Außerdem gab der Kommandant des Westkreises K o r b e I, welcher di« in der Richtung zur Mariahilferstratze vorrückenden Schuhbundabteilungen kommandierte, am Abend des 12. Feber die Anordnung, zum Auseinandergehen.'•/ Trotzdem sammelten sich in den Wiener Bezirken über 15.000 bewaffnete Angehörige des Republikanischen Schutzbundes an, und insbesondere im 10., 14., 12. und 21. Bezirke wurden viele Polizeiwachstuben und Kommissariate besetzt, welche Positionen von der Exekutive erst nach mehrtägigen Kämpfen und nach Einsetzen von A r t i l l e eie, Inf««t e r i e und Panzerwagen wieder eingenommen werden konnten. Rach der Schilderung dieser Ereignisse wird in der Anklageschrift erklärt, daß sämtlich« Angeklagten des verbrecherischen.Anschlages gegen dcht Staat mitschuldig sind. Die Anklageschrift schildert sodann die einzelnen Handlungen der Angeklagte» und bezeichnet sie als Initiatoren und Führer. Es wird ihre strenge Bestrafung gefordert. * Einvernahme Eiflers Nach Verlesung der Anklageschrift verfügte der Vorsitzende, daß das Verhör der Angeklagten mit jedem getrennt durchgeführt werde. Dr. Preßburger sprach sich namenS der Verteidigung dagegen aus. Das Gericht gab dem Standpunkt des Vorsitzenden statt«nd die Angeklagten verliehen mit Ausnahme des Majors Eifler den Saali Hierauf begann das Verhör mit Eifler, der sich für unschuldig erklärte. Er schilderte sein« militärisch« Karriere vor und während des Krieges, ferner sein« Tätigkeit in, der Bolkswebr während des Umsturzes«nd schließlich seinen Eintritt in die sozialdemokratische Partei und den Republikanischen Schutzbund. Rach dem Brande des Justizpalastes im Jahre 1927 erhielt Eister von der Partei die Weisung, eine Reorganisation des Republikanischen Schutzbundes durchzuführen. Der Angeklagte schildert,* wie er diese Reorganisation durchführte und wie er den Republikanischen Schutzbund auf eine militärische Grundlage stellte. Der Vorsitzende fragt:«Zu was für einem Kampfe haben Sie sich vorbereitet, gegen wen?" Angeklagter:„Gegen die Heimwehr en oder P»ts ch i ften." Auf eine weitere Anfrage des Vorsitzenden antwortet Eifler, daß er bereits im Jahre 1929 einen Putsch erwartet habe. Der Vorsitzende stellt ihm sodann verschiedene Fragen betreffend die Ereignisse im Jahre 1931» worauf der Angeklagte die nach dem Pfriemer-Putsch im Jahre 1931 getroffenem Maßnahmen des Republikanischen Schutzbundes fchildert. Im Jahre 1932 entstand ein neuer Gegner,~bie R a tio nal' oziali- st e n. Der Angeklagte stellt die Behauptung der Anklage in Abrede, daß es in Wie» zu bewaffneten Ausschreitungen der Mitglieder deS Republrkqni- scheit Schutzbundes kam. Es kam bloß zu einem Zusammenstoß, und zwar im Oktober 1932 beim Arbeiterheim im elften Bezirk.■_ Im weiteren Verlauf des VerhörS kommt die Rede auf den Kampfplan des Republikanische» Schutzbundes für Wien. Der Angeklagte gesteht, daß er selbst diesen Plan ausgearbeitet hat,»nd zwar auf Grund ein«S Generalstreik-. Zwölf Stunden nach Proklamatton des Generalstreiks sollt« sich der* Seife 2 Mittwoch, 3. April 1935 Nr. 70 Republikanische Schutzbund in den Bezirken sammeln und Befehle abwarten. Borsitzender: Haben Sie an die Möglichkeit von Kampfverwicklungen geglaubt? Angeklagter: Ja. Haben Sie daran geglaubt, daß hieraus eine Gefahr für das ganze Land entstehen könne? Angeklagter: Ich hatte nicht da- Gefühl. Borsitzender: Es ist sonderbar, daß Sie als Offizier nicht das Gefühl hatten. Angeklagter: Ich bekenne, daß ich den Plan gemacht habe,«mdenPutschtstenmitder Waffe in der Hand entgegenzutreten. Vorsitzender: General Körner hat Ihren Plan sehr scharf kritisiert. AuS dieser Kritik geht hervor, daß Ne auf die Gefahr Ihre- Planes aufmerksam gemacht wurden. Angeklagter: Zwischen mir und Körner be- Bern.(STA.) In der Note, die der schweizerische Gesandte in Berlin am Montag abends betreff- der Entführung Jacobs dem Auswärtigen Amte überreichte, wird nach Darlegung der Umstände der Entführung durch den deutschen Spitzel Dr, Wesemann und zweier deutscher Helfershelfer Manz und Richter, sowie nach der Schilderung der Umstände der Verhaftung Wese- manns als Ergebnis der von den Schweizer Stellen geführten Untersuchung mitgeteilt: Wesemann hat gestanden, daß er Jacob nach Basel gelockt hat, um ihn den deutschen Behörden in die Hände zu spielen. Dafür daß Jacob in jedem FaUe gegen seinen Willen über die Grenze gebracht worden ist und daß dieses Geständnis wahr ist, spricht auch die Tatsache, daß der als vorsichtig bekannte und schon im Jahre 1932 aus Deutschland geflüchtete Jacob seither niemals deutsches Gebiet betreten hat. Er mußte wissen und erklärte selbst oft, darüber im klaren zu sein, was ihn dort erwarte. Auch schließt die Art und Weise des Grenzübertritte' die Möglichkeit aus, daß Jacob beabsichtigt haben konnte, heimlich in Deutschland einen Gewährsmann zu treffen. Das Verhalten Wese- männs nach der Tat ist nur aus dem Bestreben erklärlich, die Spuren der Entführung zu verwischen. Diese Entführung sei das gemeinsame Werk Wesemanns, Richters alias Becker Und Ktayses alias Otto. Die drei hatten schon am 26. Feber 1935 in Basel vereiichart, Jacob über die Grenze zu bringen. Weiter wird in der Note bemerkt, daß der an der Entführung beteiligte Manz telephonisch am Tage nach der Entführung mit dem Besitzer des in der Schweiz gemieteten Autos sprach rind mitteilt«, dieses könne in dem GreUzstädtchen Lörrach abgeholt werden. Der Triptik wies den deutschen Einreise» und Ausreisestempel auf. Die Schweizer Regierung, so heißt es dann weiter, hat aber auch Gründe zu der Annahme, daß die E n i- führer mit Wissen sämtlicher deutschen Stellen gehandelt haben. Die Schweizer Behörden sind davon unterrichtet worden, daß schonam 8. März die geheime Staatspolizei in Lörrach von der bevorstehenden Entführung verständigt wurde. Unter diesen Umständen ist' die Schweizer Regierung der Auffassung, daß die im Einvernehmen mit den deutschen Behörden ausgeführte Verschleppung Jacobs über die Grenze eine schwere Verletzung der Schweizer Gebietshoheit bedeutet. Roman von Fritz Rosenfeld Man sollte sie abhauen, dachte der eine. Man sollte sie einbalsamieren und in das Museum tun, dachte der andre, und den Kindern sagen: Seht, diese Hände hätten beinahe den Lauf der Welt in eine neue Richtung gelenkt. »Run ist die große Stille da", sagte der Stationsvorstand.»Täglich ein Lokalzug, für die Bauern, die nach N. fahren, ihre Milch und ihre Eier und ihre Butter verkaufen. Aber es wird nicht lange dauern, dann kommen die Arbeiterzüge, und die Wagen mit Schotter und Schienen, und die Traversen für die neue Brücke und die Sauerstoffgebläse und viele fremde Gesichter, und dann beginnt das Spiel von neuem." »Vielleicht schafft wieder einer Dynamitpatronen zur Seite und verbirgt sie und eines Tages—* »Diesmal wird man acht geben. Wer es gibt wohl keine Sicherung dagegen, daß ein Mensch sein eigenes Werk wieder zerstört. Er hat ein Recht darauf, es ist ein Teil von ihm." »Dann dürste eine Mutter auch ihr Kind töten?" fragte Carlotta. Olavsen legte ihr die Hand auf den Mund. »Genug, Carlotta, genug. Jetzt wollen wir uns darum kümmern, daß wir ein Obdach finden, und unsre Koffer zusammensuchen und den Herrn Stationsvorstand nicht länger in seiner Arbeit stören." »Bleiben sie hier, ein paar Tage?" vcr-1 standen verschiedene Differenzen. Ich will über dieselben nicht sprechen. Körner wollte, daß der Republikanische Schutzbund überhaupt nur ein Levein bleibe. Vorsitzender: Wie verhält es sich mit dem Waffenschmuggel? Der Angeklagte erklärt, er wisse nur von einem Munitionsschmuggel von Maschinengewehren wisse er nichts. Der Vorsitzende legt dem Angeklagten einige Fragen in Angelegenheit deS Militärmaterials des Republikanischen Schutzbundes vor. Der Angeklagte erklärt, daß er selbst nicht wußte, welches Material zur Verfügung steht. Das wußte nur Abgeordneter Deutsch. Auf die Frage bezüglich der Ereignisse vom 12. Feber antwortete der Angeklagte, daß er nichts wisse, weil er doch in Hast war. Damit war das Verhör Eisters beendet und die Verhandlung wurde auf Mittwoch vormittag vertagt. gegen die sie Protest erhebt. Der Vorfall Wesemann ist umso schwerer, als ihm vor kurzem ähnliche Vorkommnisse vorangegangen sind, die nicht die von der deutschen Regierung in Aussicht gestellte Erledigung gefunden haben. Die Gesandtschaft ist deshalb beauftragt, beim Auswärtigen Amt i« eindringlichster Weise dahin zu ersuchen, datz Jacob unverzüglich den Baseler Behörden zurück» gestellt wird und dah die Beam» t e n, welche die Entführung eines das Schweizer Gastrecht genietzenden Ausländer- veranlaßt habe«, gebührend bestraft werde«. Paris. Die Kammer hat mit 410 gegen 134 Stimme« der Regierung F l a n d i n das Vertrauen ausgesprochen und sich alsdann bis zum 28. Mai vertagt. Dieser Abstimmung ging eine Erklärung des Ministerpräsidenten Flandin über die Politik der Regierung voraus. Der Ministerpräsident erklärte, er müsse verlangen, daß ihm dir Kammer noch v o r d e r K o n f e r e n z kn S! te f a, die am 11. April, vor der Bölkerbundstagung, die am 15. April, und vor den Moskauer Beratungen, die am 20. April beginnen, ein möglichst großes Vertrauen aussprech e, damit die Regierung bei diesen Konferenzen Frankreich mit der notwendigen Autorität vertreten könne. Der Ministerpräsident behandelte u. a. das fieberhafte Rüsten Deutschlands auf allen Gebieten und sagte: Di« Regierung zögert nicht erklären, daß angesichts dieser ungeheuere« Arme« Deutschland- Frankreich seine eigene Landesverteidigung fester organisieren muß. Die Regierung werde das auf zwei Arte« tun: »Bis Gregor begraben ist, blechen wir", sagte Carlotta. »Ich habe ja sogar einen Wagen und zwei Pferde. Die gehören jetzt uns, Carlotta." „Was willst du denn damit anfangen? Sollen wir zweispännig in» Dorf hinunter fahren, damit die Jungen was zum Lachen haben?" »Wir werden unsre Koffer auf den Wagen packen, es wird sich schon jemand finden, der ihn kauft." »Zum halben Preis", sagte der Stationsvorstand lachend. »Der Wagen gehört eigentlich Gregor. Wir werden das Geld dem Doktor geben, für einen kleinen Grabstein wird es reichen." Sie gingen in den Wartesaal hinüber. Zwei Dauern saßen am Tisch und spielten Karten, Biergläser standen neben ihnen. Dort hatten Kilmek und Cabrolle gesessen, dort hatte Morvrlius das Heft mit den tausend Zeichen und Ziffern zerrissen, dort hatten Grit und Ludovica und Lcnia und die anderen getanzt, und Frau Avory hatte den Tatt zu ihrem Tanz geschlagen. Jakob Halling hatte am Schanktisch gelehnt und zugesehen, wie Marinka Brote schnitt und mit Butter bestrich. Und drüben hatte Gregor gelegen und Georgia und Raymonde gewacht. Ein paar Stunden war es her, noch stand die Sonne nicht im Mittag, und doch war es so fern, als hätte es sich auf einem andren Planeten zugetragen. »Wir sind die letzten, Marinka", sagte Olavsen. »Die letzten, Herr." »Wir bleiben noch, ein paar Tage, und wir kommen zu dir, und du kochst uns einen guten Tee, ja?" »Sie kommen wieder, Herr, und ich koche einen guten Tee." .»Soll ich dir etwas schenken, Marinka? Willst du mein Armband, meine Halskette, meine Tasche?" Im Ständerat führte Bundesrat M o t t a in I Beantwortung der freisinnigen Interpellation aus: ...Die lange Unterhaltung zwischen Herrn von Bülow und dem schweizerischen Gesandten hat bis jetzt keine Ergebnisse gezeitigt. Unser Vertreter stieß auf den sehr starkenWiderstand, den ich voraussah und der mich darum keineswegs überrascht hat. Der Vertreter der deutschen Regierung bestritt die Verpflichtung zur Rückgabe des Opfers der Entführung. Er versprach indessen eine schriftliche Antwort auf unsere Rote. Es gilt also mit Ruhe und Kaltblütigkeit abzuwarten, bis uns diese Antwort gegeben worden ist. Der Bundesrat ist entschlösse«, von allen ihm zu Gebote stehende« Mittel« Gebrauch zu mache«,«m die Wiedergutmachung des unserem Staate angetane« Anrecht- zu erlangen. Wen« die Regierung de- Deutschen Reiche- entgegen unserer Erwartung auf der eng» gültigen Ablehnung bestehen sollte, so würde« wir den am 3. Dezember 1921 zwischen der schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Deutschen Reiche abgeschlossenen Schied-» und Vergleichsvertrag anrufen. Es ist in der Tat nicht zweifelhaft, daß sich dieser Vertrag auch auf Fälle wie den vorliegenden bezieht. Unser Recht scheint unS gewiß. Unsere Vorrechte als souveräner und unabhängiger Staat werden durch den Strett betroffen. Jeder Akt der Schwäche oder des Verzichtes würde schwer auf unserem Geschick lasten. Das Parlament und die öffentliche Meinung können auf die unbeugsame Festtgkeit des Bundesrates rechnen. Diese Sprache ist reiflich erwogen und überlegt. Sie ist ihm vorgeschrieben durch die elementarste politische und moralische Pflicht. Es wäre schnell um uns geschehen, wenn wir nicht mehr den Mut hätten, uns gegen wen auch immer zu erheben, um die vom Recht gewährten Wiedergutmachungen mizurufen und zu erlangen. 1. durch di« Organisierung der eigene» militärischen Kräfte, 2. durch Mililärkonventionen mit den übrigen Staaten, welch« an der Erhaltung de» Friede«» gleichermaßen interessiert sind. Der Oberste Nattonawerteidigungsau-schuß hat, wie Flandin weiter au-führte, bereits am 22. März die ersten Unerläßlichen Maßnahmen getroffen. Die französischen Befestigungsarbeiten bieten schon jetzt unzweifelhafte Sicherheitsgarantien, aber sie werden noch systematischer ergänzt werden. Was die Gefahr eine» Angriffes in der Luft betrifft, wird der Minister für Flugwesen im Verein mit den Fachkommissionen gleichfalls alle notwendigen Maßnahmen treffen. Bis die militärische Organisierung Deutschlands definitiv festgestellt und bekannt sein wird, werde Frankreich entscheiden können, ob die gegenwärtigen Mittel genügen oder ob eine neue Berteidi- dungsorganisation notwendig ist. Dann wird die gesamte Organisation der französischen Armee revidiert werden.(Lebhafter Beifall auf fast allen Bänken.) Marinka schüttelte den Kopf. »Ich habe ja einen Ring", sagte sie.»Und ich werde jetzt viele Briefe bekommen, und vielleicht werde ich wegfahren, sehr wett." »Davon erzählst du uns, wenn wir morgen vorüberkommen." Wieder schüttelte Marinka den Kopf, ihre Haare flogen. »Das gehört mir allein", sagte sie. Der Kellner bekam ein Trinkgeld, er verneigte sich, er hotte den Wagen und die Pferde, er trug die Koffer hinaus und lud sie auf, er führte den Wagen zum Wirtshaus hinüber und bestellte Zimmer. Olavsen ging mit Carlotta hinter dem Wagen her, langsam, sie hatten keine Eise. Der Wagen raffelte, aber immer größer wurde der Raum zwischen ihnen und dem ächzenden Fahrzeug, immer leiser der Lärm. »Drei Tage bleiben wir, Carlotta", sagte Olavsen,^»dann fahren wir nach Hause." Carlotta nickte. Sie wußte nicht, ob er sein Zuhause meinte oder das ihre. Doch dies war gleichgültig. Wichttg war nur, daß es ein Zuhause gab, und daß dieses Zuhause ihnen beiden gehören würde. Die Kirche stand da, ein viereckiger Steinklotz mü einem viereckigen, stumpfen Turm. Das Fenster des Bürgermeisteramtes war offen, eine Katze sonnte sich auf dem braunen, rissigen Brett. Hühner liefen über den Weg und ein Hund schlug an. Die Landstraße lag da, gelbgrau und staubig, und im Graben lag faulig das Laub vom vergangenen Herbst. Sie sprachen.kein Wort von Liebe, heute nicht, morgen nicht, nie; aber sie gingen gemeinsam ihren Weg. Ende Petroleum roll nickt verteuert werden Änderungen an der Mineralölstener Prag. Im Verkehrsausschuß deS Senates wurde beschlossen, dem Plenum eine Aenderung der neuen Sätze der Mineralölsteuer in der Richtung vorzuschlagen, daß die Steuer für mittlere Mineralöle(Dichte 810 bis 830) nicht 40, sondern nur 30 XL pro Kilo bettagen soll. Diese Regelung betrifft Petroleum fürBe- leuchtungszwecke, das bisher wie die Schweröle mir 15 XL besteuert war. Der neue Satz von 40 XL soll erst bei schwereren Oelen in Kraft treten. Der Mehrertrag soll durch die Erhöhung der Steuer auf leichtere Oele(B e n- z i n) von 92 auf 96 XL eingebracht werden. Dadurch soll einer Verteuerung des namentlich ron den ärmeren Schichten zu Beleuchtungszweckenverwendeten Petroleums vorgebeugt werden. Diese Aenderung sowie die früheren Aende- rungen an der Vorlage über die Versteuerung der Automobile wurden auch vom Budgetausschuß angenommen. Im Plenum des Hauses wurde in einer kurzen Sitzung das BerfaffungSgesetz über die Grenzregelung mitRumänien in namentlicher Abstimmung mit 101, in der zweiten Lesung mit 102 Stimmen angenommen; beidemale stimmte kein einziger Senator dagegen, selbst die Kommunisten begnügten sich mit Stimmenthaltung. Dann nahm das Haus das Abkommen mit Frankreich betreffend den gemeinsamen Betrieb der Luftverkehrsgesellschaft„Air de France" und die nur für heuer geltende Zollermäßigung für jugoslawische Pflaumen ohne Debatte an.— Aus der'Tagesordnung der nächsten Sitzung, die für Donnerstag, den 4. April, halb 11 Uhr vormittags. anberaumt ist, steht u. a. die Sanierung der Seübswerwaltungstörper, die Autobus- und die Mineralölsteuer. Herr Jezek zieht den kürzeren In einem Konflikt mit dem Kammerpräeidiom Das Präsidium des Abgeordnetenhauses nahm am Dienstag die Resignation des National- demokraten I e Z e k auf den Vorsitz im Jmmuni- tätsauSschuß zur Kenntnis. Der Resignatton ging ein scharfer Konflitt Jezeks mit dem Kam- merpräsrdium voraus. JeZek hatte auf Angriffe, daß der Jmmunitätsausschuß in letzter Zeit unter seiner Leitung ganz untätig sei, in der Presse mit Angriffen auf das Kammerpräsrdium geantwortet, daß es vom Ausschuß'vorbereitete Fälle mcht auf die Tagesordnung des Plenums setze. In einer ungewöhnlich scharfey Erklärung stellt nun das Kämmerpräfidium fest, daß der Immun!« tätSausschuß nur ein Hilfsorgan des HauseS ohne das Recht einer selbständigen Initiative oder gar Kontrolle sei. Wann eine Altgelegenheit auf die Tagesordnung deS Plenums komme, bestimme ausschließlich das Präsidium des Hauses; ändern könne eine solche Entscheidung ausschließlich da» Plenum. Daß der Ausschußborsitzende kontrolliere, wie das HauSpräsidium seine Pflicht erfülle, fei schon mit der Autorität unvereinbar, die daS Präsidium als das leitende, mit Disziplinarbefugniffen ausgestattete Organ des Hauses nach den primitivsten Grundregeln deS Parlamentarismus haben muffe. Eine gegenteilige Ansicht widerspreche dem Geist der demokratischen Geschäftsordnung und damit auch der Demotratte und dem Parlamentarismus selbst. Wenn das Präsidium einige vom Ausschuß vorbereitete Fälle vorläufig nicht auf die Tagesordnung gegeben habe, so seien dafür ernste Gründe maßgebend. ES bleibe aber die Tatsache bestehen, daß von 80 Immunitäten, die Ende 1984 im Ausschuß unerledigt blieben, fast die Hälfte älter als ein Jahr waren. Dieser Umstand sowie die Tatsache, daß der Ausschuß seit S. Dezember 1934 Nicht einberufen wurde, veranlaßten das Präsidium zu der Weisung an Jejsek, den Ausschuß zu einer Sitzung einzuberufen, was zum AuSbruch des Konfliktes führte. Arbeitslosigkeit hemmt Ratenzahlung Das Gesetz über Ratengeschäfte im Senatsausschuß geändert Das vom Abgeordnetenhaus beschlossene Gesetz über die Wirtschaftsspionage wurde nach kurzer Debatte im VerfassungSauSschutz des Senats unverändert angenommen Sodann wurde der Gesetzentwurf über die Ratengeschäfte in Verhandlung gezogen. Dieser Entwurf beinhaltet eine wesentliche Verschärfung der bisherigen Bestimmungen zugunsten der Käufer- Genosse Dr. Heller führte in längerer Rede die Nachteile aus, welche für die vermögenslose Bevällerung mit den Ratengeschäften verbunden sind, die Ausbeutung, welcher die Bevölkerung von unsoliden Ratenhändlern ausgesetzt ist und verlangte verschiedene Aenderungen im Gesetz. Ueber seinen Antrag wurde beschlossen, daß durch nachgewiesene Arbeitslosigkeit die Zahlung der Raten gehemmt wird, so daß also der Verkäufer von dem ihm sonst zustehenden Rechte des Rücktritts vom Verttaa nicht Gebrauch machen kann, wenn der Käufer nachweisen kann, daß er arbeitslos ist. Die Rückwirkung des Gesetzes auf früher abgeschlossene Ratengeschäfte wurde wesentlich erweitert, ebenso wurde klar ausgesprochen, daß alle Vereinbarungen, welcher Art immer, welche zum Nachteile des Käufer» von dem .Gesetz abweichen, ungüttig sind. Schweiz fordert Herausgabe Jacobs „Entschlossen, von allen Mitteln Gebrauch zu machen“ Frankreichs Gegenmassnahmen Ausbau der eigenen Armee und Mllitärkonventionen Nr. 79 Mittwoch, S. April 193S Seite 3 fadtftndaifetftet Xeitsptetbel Gehört die Prager Universität den Hakenkreuzlern? Scharfe Interpellation des Genossen Nießner Prag. Im Namen unserer Senatsfraktion hat Genosse Nießner im Senat eine Interpellation eingebracht, die sich mit der Bersammlung der völkischen Studenten am 30. März im Carolinum und mit der Teilnahme der Rektoren und zahlreicher Professoren der beiden deutschen Hochschulen beschäftigt. ES wird festgestellt, daß man es als uner« hörten Exzeß bezeichnen muß, wenn sich ein Student herausnimmt, von einem großen Teil der Hörer als von.Hergelaufenen" zu sprechen oder die anwesenden Pressevertreter vor einer Störung der Bersammlung zu warnen. Di« Professoren fanden es aber nicht für notwendig, diesen Exzessen entgegenzutreten, ja der Rektor Professor Grosser billigte diese Exzesse dadurch, daß er am Schluß selbst das Wort ergriff. In Anwesenheit der Rektoren und Professoren und mit deren offenbarer Billigung wurde dann eine Entschließung angenommen, welche im Zusammenhang mit parlamentarischen Interpellationen von einem.wüsten Treiben einer politischen Unterwelt" sowie davon spricht,.daß di« deutschen Hochschulen durch verantwortungslose Polittk und durch wilden Haß zu einem Zentrum dunkelster Agitation gemacht werden" Ausdrücke wie.deutschblütig",.Einsatzbereitschaft" und ähnliche, wie sie teils in der Red« eine- Studenten, teils in der Entschließung selbst Vorkommen, gehören zum ständigen BÄalubar hakenkreuzlerischer Agitation. „Alles da»", so heißt e» in der Interpellation weiter,„wurde von den Rektoren und Professoren der deutsche« Hochschule» widerspruchslos binaenommeu und auf diese Weise di» Nniversität zum Bodo» einer frech»» hakenkreuzlerische» Agitation gemacht. Die Ausführungen, welche der Rektor der deutschen Universität, Herr Prof. Dr. Grosser, am Lkchluffe«achte, unterstrichen noch dies« Methoden und«S muß au» ihnen gefolgert werden, daß die beiden Rotoren und ei« Teil der Professoren der deutschen Hochschule mit diese« Ausführungen über- ein sii m m en. ES bedarf keiner nähere« Erörterung, daß ein» solche BorgangSweise geeignet ist, de» Frieden und die Ruhe im Staate zu gefährden und bei eine« großen Teil« auch der deutschen Bevölkerung tiefst» Entrüstung bervorzurusen. Insbesondere die A r» beiterschaft ist nicht gesonnen, sich die Hetze hakenkreuzlerischer Pro- fessorenundStudentenlüngergefal. lenzulassrn. Wir stellen daher an di« Swsamtregream, die Anfrage, wa» sie zu tun gedenkt, um endlich einmal diese« Treibe» Einhalt zu t» u. Das„Heil Hitler 1“ des SHF-Mannes Sonntag, den 24. März, sollte in dem Orte C h i r l e S bei Muglitz eine öffentliche sozial- dcmokratische Bersammlung stattfinden. Der Beginn war für 2 Uhr festgesetzt worden. Lange vor Lieser Zeit besetzten zirka ISO Anhänger der SHF, die aus dem ganzen Müglitzer und Hohen« städter Gebiet zusammengetrommelt worden waren, den Saal. Sie vergnügten sich zunächst damit, durcheinander sogenannte nationale Lieder zu singen, etwa ihren Schlager.SHF marschiert, Konrad Henlein führt". In dieser Stimmung, di« bei ihnen natürlich nationale Hochgefühle aus« löste, rief ein gewisser Hubert Haupt aus Rittau, als immer wieder„Heil" gebrüllt wurde, in den Saal„Heil HitIer". Er wurde sofort von einem unserer Parteigenossen, dft zirka 100 Mann stark anwesend waren, gestellt. Zwanzig Mann und später namentlich verzeichnete Zeugen riefen sofort den Henlein-Leuten zu, daß sie damit ihre wahre Gesinnung geoffenbart hätten. Um%3 Uhr wollte der Einberufer der Bersammlung, der sozialdemokratische Vizebürgermeister Bock aus Müglitz, zu sprechen beginnen. Er wurde niedergebrüllt und konnte sich zunächst überhaupt nicht verständlich machen. Ter Müglitzer Advokat V a n i c e k, der die Krawallmacher anführte und der sich als ihr Sprecher produzierte, rief Bock zu:„Sie werden den Vorsitz nicht führen." Er schlug auch gleichzeitig einen anderen Vorsitzenden vor, nämlich einen gewissen Julius Zirm aus Muglitz, einen angehenden Ingenieur. Als Bock darauf nicht einging und sagte:„Ich erteile dem Redner, Kreissekretar Zischka aus Sternberg, das Wort", schrie Vanicek, der sich auf eine Bank gestellt hatte, in den Saal:„Ausgeschlossen l Sekretäre dürfen überhaupt nicht reden I" Unser Genosse Zischka wiederholte sofort den Ausruf Banikeks und rief die Versammlung zum Zeugen dafür auf» daß dieser Ausspruch so gemacht worden war. Nun setzte ein ohrenbetäubender Lärm ein, so daß es klar war, daß die Bersammlung überhaupt nicht erst beginnen sollte. Sie wurde denn auch von unserem Vorsitzenden geschloffen, worauf Gendarmerie den Saal räumte. krdauliches von der SHF Beziehungen zu Krebs Nst die„Lidovö Noviny" berichten, wird in Deutschland nicht nur fieberhaft gerüstet, sondern man schenkt auch große Aufmerksamkeit dem Spionagedienst. In Ländern, wo es deutsche Minderheiten gibt, haben die Beauftragten des reichsdeutschen Spionagedienstes besondere Fragebogen bekommen, in denen nach gewissen militärischen Einrichtungen de» betreffenden Staates geftagt wird. Auf dem Fragebogen für die Tschechoslowakei befinden sich auch Rubriken über die Organisation der Sokoln, der Gendarmerie und der Polizei. In der Tschechoslowakei soll eine Anzahl von Mitgliedern der SHF an dieser Fragebogenaktton beteiligt gewesen und' verhaftet worden sein. Der Leiter der in der Tschechoslowakei arbeitenden Spionage ist ein Dr. S ch w a rz aus München. In einem zweiten Bericht verweisen die „Lüwvi Noviny" auf die Auslandsreisen de» Architekten Heinrich Rutha aus Bad KunnerS- dorf, der einer der führenden Funktionäre der SHF ist. Danach fand am IS. März in Prag eine Beratung von Funktionären der SHF statt, die bis früh dauerte und an der Rutha teilnahm. Am nächsten Tage, am 16. März, fuhr Rutha von Prag über Reichenberg und Friedland nach Görlitz und von dort über Dresden nach Leipzig. Dabei erzählte er, daß er sich in Görlitz mst dem ehemaligen hakenkreuzlerischen Abgeordneten KrebS treffe, der bekanntlich in Deutschland die Aktton gegen die Tschechoslowakei führt.„Lidovs Noviny" bemerken dazu, daß die SHF verpflichtet sei, diese ihre Beziehungen zu reichsdeutschen Stellen aufzuklären, sonst haben ihre loyalen Beteuerungen keinen Wert. Scheinheilige Empörung „Schreckensurteile in Kowno'* Das ist der Titels mit dem die Schriftleiterpresse, vom„Novdb ohmischen Tagblatt" angefangen bis zu den Provinzblättern, die Urteile im Memelprozeß kommentiert. Was ist geschehen? Ein paar Hallnkreuzler, die im Auftrage reichsdeutscher Stellen dort Spionage getrieben und einen Fememord begangen haben, sind zum Tode verurteilt worden. Vollzogen wurden die Urteile noch nicht. Warum entsetzt sich dje völkische Presse? Ist das„Novdb. Tagblatt" ein Gegner der Todesstrafe? Mit nichten und mehr als einmal hat es für sie plädiert. Regt es sich darüber auf, daß Spionage im Frieden mit Tod bestraft werden soll? Wer vor ein paar Wochen sind doch zwei Frauen, deutschnationäle Frauen, wegen dieses Deliktes von den Henkern Hitlers geköpft worden. Am 30. Juni wurden in ganz Deutschland'ohne jedes Gerichtsverfahren haufenweise Menschen inamtlichemAuftrag« umgebracht» aus dem Bette geholt und erschossen, die Reichsregierung hat diese offenkundigen Morde gebilligt, kein einziges unserer völkischen Blätter hat da von ,/Schreckensurteilen" geschrieben. Göring hat sein unglückliches Werkzeug, den armen Teufel vqn der Lubbe, mit Gift blöd gemacht und dann köpfen lassen. Bei keinem Bolle der Well ist eine solche Bestialität denkbar, daß ein Irrsinniger hiugerichtet würde, auch wenn er ein Möider wäre. Er war aber kein Mörder, auch kein„Hochverräter", nicht einmal ein Brandstifter, sondern nur da» Werkzeug eine» — mit allem Respekt zu sägen— Ministers des völkischen Deutschland. Und in Oesterreich: Weisel, Wallis ch, Minnichreiter. Und neun andere Opfer von Schreckensurteilen, einer Schandjustiz, keine„Hochverräter", sondern Verteidiger der Verfassung gegen eine eidbrüchige Regierung. Wir sind keine Anhänger der Todesstrafe. In der demokratischen Republik Deutschland ist in 14 Jahren kein Todesurteil wegen politischer Delikte gefällt und daher auch keines vollstreckt worden, obwohl es an Mördern und Verbrechern namentlich in der ideologischen Nachbarschaft des gegenwärtigen Reichskanzlers nicht fehlte und dieser hat ja die überführten Mörder von Potemka zu seinen „Kameraden" erhoben. In zwei Jahren Hitlerregierung floß das Blut in Strömen. Und zu alldem hat das„Nordb. Tagblatt" nicht nur geschwiegen, sondern die offiziösen Rechtfertigungen dieser Verbrechen durch den deutschen Nachrichtendienst gewissenhaft abgedruckt. Und nun entsetzt eS sich, da ein paar Nazi wegen Mordes verurteilt wurden. In Hitlerdeutschländ ist das Richtbeil stumpf und der Henker milde geworden, aber die Httlein-Preffe bekommt menschliche Anwandlungen, weil in Kowno einmal der Henker gegen die braunenMörderin Aktton treten sollt Wieder ein paar Nazi verhaftet Die Troppauer Polizei lieferte in die Haft d«S KreiSgerichteS in Troppau den 38 Jahre allen Magazineur Rudolf Maier sowie den 31jäh- riqen Kaufmann Franz Zohner, beide aus Komeise bei Jägerndorf, ein. Beide sind tschechoslowakische Staatsangehörige und arbeiten insgeheim zugunsten der nationalsozialifttschen Bewegung. Wie von der Gendarmerie festgestellt wurde, standen die beiden Verhafteten in Verbindung mit reichsdeutschen SA- Führern; sie sind auch verdäiAig, tschechoslowakische Staatsbürger in Deutschland angezeigtzu haben. „Venkor* gegen die SHF DaS Zentralorgan der tschechischen Agrarier berichtet über die Vereinigung der Rosche-Gruppe mtt der SHF und stellt fest, daß eS sich Rosche um die Sicherung seines Mandate» handelt. Da» Blatt knüpft dann daran noch folgende charakteristische Bemerkung: HeuleinS Bewegung droht da», dem der Hitleris. mu» erlegen ist,-IS er zur Macht kam. Die wird di« Dienerin de» großkapita- lisiifche« Flsigel». Rosche» Einfluß wird Henlein auf di« Städte beschränken. Die verhält- »iss« im»«»ttche» Lager sind bisher nicht klar» e» scheint, da» Selbftbewußtsein Henleins verursacht de» Verlust seiner verstandesmäßige« Orien- tterung. Stärke mutz nicht Sieg bedeute«, in»»«- sonders, wenn sie««organisch und stimmungsmä- ßig wächst. Sie ruft sibermäßigr Hoffnungen her- vor, welche sie nicht erssillt. Im plötzlichen Auf- stieg ist«ft der Keim de» Niedergänge». Auch über di« Verhaftungen in Settenz be» ttchtet der„Benkov" unter dem Titel„Antistaatliche Tätigkeft der Mitglieder der Heimatfront". Die„Rundschau" gegen die Völkerverständigung Die»Ltundschau" öffnet ihre Spalten«inein nationalsozialifttschen Lehrer, der es notwendig hat, sich unter dem Decknamen T e l l zu tarnen, weil er im bürgerlichen Leben einen recht ungermanischen Namen führt. Der Herr„Tell" regt sich darüber auf, daß die sozialdemokrattschen Lehrer eine PädagogischeWoche in Teplitz-Schönau veranstalten und— welche Frechheit— für diese Veranstaltung auch werben. ES wiederholt sich daS alte Spiel, jedeSmal wenn die sozialdemokratischen Lehrer eine pädagogische Tagung veranstalten, wissen die völlischen Hetzer innerhalb der Lehrerschaft nicht» anderes als zu schimpfen und zu verdächtigen. ES gibt natürlich keinen Lehrer, der nicht weiß, daß die Teplitzer Pädagogische Woche eine Veranstaltung der sozialdemokrattschen Lehrer ist. Die Redakteur« der„Rundschau? mögen sich davon selbst überzeugen und irgend einer» Lehrer ftagen. sie werden dann sofort finden, daß ihr Berichterstatter mit der Wahrheit auf Kriegsfuß lebt. Mit dem abgetakelten Nazilehrer brauchen wir unS nicht weiter beschäftigen. Wesentlich anders liegt die Sache mit der„Rundschau" selbst. Die Pädagogische Woche in Teplitz-Schönau^dient einschließlich der Erziehung zur Völkerversöhnung. Daß die„Rundschau" an einer Verständigung der Völker kein Interesse hat, wußten wir schon lange, daß sie eS aber für not-, wendig hält, diese ihr« wirkliche Gesinnung im Drucke festzulegen, ist nicht nur neu, sondern auch erfreulich. Für künfttg aber empfehlen wir ihr, vor allem ihre Berichterstatter zur Wahrheit zu erziehen. Damit dieser famose„Tell" noch ein wenig gelber wird, als er ohnedies schon ist, teilen wir ihm auf diesem Wege mit, daß bis heute schon mehr ständige Teilnehmer angemeldet sind als ihm lieb ist. Da aber sehr viele Lehrer sich erst kurz vor Beginn anmelden, wird die Teplitzer Tagung die größte werden, welche die sozialdemokrattschen Lehrer bis jetzt abgehalten haben. I. H. Familientragödie in todositr Dem Gastwirt-Pächter in der„Tschisch- kowivcr-Bierballe" in Lobofitz, der diese» Gasthaus fett einigen Wochen bewirtschaftet«, ging es sehr schlecht. Er geriet durch diesen schlechten Geschäftsgang kn Schulden. Am letzten Freitag kam nun auch der Steuerexekutor in das Haus, um eine Pfändung vorzunehmen. Das brachte die Familie zur Verzweiflung. Am Samstag abend» um 9 Uhr schloffen sie das Geschäft zu. Sie legten sich zu Bett und öffneten vorher den Gashahn. In einem Abschiedsbrief teilten sie der Nachwelt mit, daß fir einverständlich aus dem Leben geschieden find. Die Wohnung war versperrt, Fenster>md Türen gnt verstopft. Erst am Sonntag, dem 31. März, abends» nnrrde man aufmerksam» daß ettva» nicht in Ordnung sein könne und verständigte die Polizei. Die Wohnung wurde dann mit Gewalt geöffnet: man drang ein und fand dir Leichen. Der herbeigerusene Arzt stellte fest» daß der Tod der drei Menschen schon vor 18 Stunden eingetretenj war. Es handelte fich um den Gastwirt Ernst Offeldm, seine Mutter Emma und seinen Bruder Rudolf. Schuld an dieser Tragödie ist die Wirt- schastskrise. Renaudel gestorben Wie aus Paris gemeldet wird, ist am 2. April in Palma de Malorca auf der Insel Maiorca einer der bedeutendsten der in der französischen Arbeiterbewegung wirkenden Männer, Pierre Renaudel, der dort wegen einer ernsten Krankheit seit längerer Zeit zur Kur war, gestorben. Renaudel war nicht nur in Frantteich, sondern wett darüber hinaus in der ganzen Internationale bekannt und geschätzt. Er hat als Journalist angefangen, war Redakteur der von Jaurä geleiteten „Humantte" und später des Blattes„La vie socttlliste"^ 1914 wurde er für das Departement Bar in die französische Kammer gewählt, wo er bald durch sein Wissen und durch seine Rednergabe hervortrat und durch seinen Idealismus und durch seine unbeugsame Rechtlichkeit sich hohe Achtung well über den Kreis seiner politischen Freunde hinaus erwarb. Auch in der Internationale trat Renaudel als Bertteter der französischen sozialistischen Partei öfter auf und auch da war er außerordentlich geachtet und geschätzt. Politisch stand Renaudel schon seit Jahren auf dem rechten Flügel und trat für die Beteiligung der französischen Sozialdemokratie an der Regierung einblieb aber mit seinen Auffassungen stets in der Minderheit gegenüber dem unter Führung Blums stehenden Zentrum und dem linken Flügel der Partei, die in eine Koalitionsregierung nur unter bestimmten, genau festgesetzten Bedingungen eintreten wollte, an denen sich die Zusammenarbeit der Sozialdemokraten und der Radikalen in Frankreich innerhalb einer Regierung immer wieder zerschlug. Schließlich traten die entschiedensten Anhänger der Regierungsbeteiligung aus der fran- zösffchen Sozialdemokratie aus, unter ihnen neben Deal und Marquet auch Renaudel. Trotz des politischen Gegensatzes zu seinen ehemaligen Freunden aber hat Renaudel bei diesen an Wertschätzung seines Geistes und Charakter» nicht verloren. so daß ihm, der im 64. Lebensjahr gestorben ist. in den Kreisen der französischen Sozialisten ein dankbares Gedenken bewahrt werden wird. Oer Terror DaS DarmstädterSvndergerichk verurteilte den 23jährigen Michael K. aus Mainz- Bretzen wegen„Hochverrats" zu zwei- «inhalbJahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust, weil er in» Oktober vorigen Jahres eine Kundgebung für den status yuo, die im Saargrbiet st a 11 f a n d, besucht hatte. Statt Tod— fünf Jahre Kerker Linz. Der Oberste Gerichtshof hat daS kürzliche Todesurteil des Welser Geschworenengerichts gegen dkn Nationalisten Hermann Oder aufgehoben und die neuerliche Durchführung de» Prozesses angeordnet. Hermann Oder batte sich daher neuerlich vor den Welser Geschworenen zu verantworten, welche ihn im Sinne des Sprengstoffgesetzes schuldig befanden. Tas Gericht verurteilte Oder jedoch nur zu fünf Jahren schwerem Kerker. vis jetzt sechs Wahllisten In Jugoslawien Belgrad.(AP.) Der frühere Justizminister Maximowiö wird-bei den Wahlen mit einer eigenen Landesliste auftreten. Bisher sind folgende sechs Listen für die Wahlen vom 8. Mai aufgestcltt worden: 1. Regierungsliste I e f t i L(unterstützt von Regierungspartei, einigen Radikalen und Bauernüündlern, sowie Außenseitern der Kroaten. Slowenen und Bosnier), 2. Oppositionsliste M a- cek(unterstützt von Kroaten, Demokraten und Bauernbündlern des linken Flügels, ferner von einigen Radikalen und Slowenen, deren Gros für Stimmenthaltung eintritt), 3. Liste der Jugoslawischen Volkspartei(Hodgera), 4. Sozialdemokratische Liste Topalowiö, 8. Liste der nationalen Ständebewegung Zbor(L j 0 t i ö), 8. Liste der früheren Regierungspartei(Jugoslawische Nationalpartei) Maximowiä. ES ist möglich, daß bis zum letzten Termin, dem 16. April, noch weitere Listen eingereicht werden. endlich Frieden In Südamerika? Santiago de Chile.(Tsch, P.-B.) Am Mon« tag wurde inoffiziell bekannt, daß Bolivien und Paraguay die argentinisch-chilenische Formel für den Frieden im Gran Eharo angenommen haben. Die chilenische und die argentinische Regierung haben die Bereinigten Staaten von Brasilien und Peru offiziell zur Teilnahme an den Friedensverhandlungen eingeladen. Verlängerung des Kompensationsvertrages Mit Ungarn. Zwischen der tschechoslowakischen und der ungarischen Regierung wurde am SamStag ein Abkommen über die Verlängerung der KompensationS- regelungen vom 4. Full und 1. Dezember 1934 ge- troffen. Bis auf einzelne Aenderungen der Kontingente für einig« Warengattungen, deren Zweckmäßigkeit sich bei der Durchführung ergab, bleiben die beiden Regelungen bis zum 18. Mai d. I. unverändert in Geltung, Seite 4 Mittwoch, 3.«prll 1933 Nr. 7S i 1934 im Gundorfer Wald bei Leipzig an der" 17jährigen Asgard Bärtholt vergangen und sie Und elNk entsetzliche Explvsi0N dann m em m der Nahe befindliches Schleusen-. 1’ or' I erhalten sehr gute zum Betrage von wurde« sofort g e t ö t e t, 44 wurden verletzt und 500 erlitten eine Zerreißung des Trommelfells. Alle Fensterscheiben in den Nachbarhäusern sind infolge des riesigen Luftdruckes zertrümmert worden. Die Bevölkerung, die von Panik ergriffen wurde, flüchtete auf die Hügel * In der Prager deutschen Arbeitersendung am kommenden Sonntag spricht nicht, wie irrtümlich angegeben,- F. Freyberg, sondern Dr. O t t o Löwe, und zwar über„C h e l L i c k y". Dampfer mit 21 Maa« gesunken Mulden. Der mandschurische Dampfer „H c chri", der am 30. März aus Chinhuangkao (Golf von Tschili) ausgelaufen und bei Shan- haiklvan in einen Sturm geraten war, ist gesunken. Die Besatzung von 21 Mann ist verloren. Bei dem Bau einer Brücke über den Fluß Bernardhnka bei Kali sch(Polen) stürzte ein Gerüst ein; fünf Arbeiter stürzten in den Fluß, von denen zlvei den Tod fanden. Vier andere Arbeiter erlitten schwere Verletzungen. Eine Anzahl Arbeiter kam mit leichten Verletzungen davon. rsücrnculSkcNcn Schlaffer und Wenzel verhört Im Fall Dr. Gach fanden Dienstag die ersten Verhöre vor dem Untersuchungsrichter Dr. Prusa statt. Als erster wurde Dr. Emil Schneeberger als Vertreter der Mutter Dr. Gachs einvernommen. Hierauf folgte das Verhör mit Professor S ch I offer und mit seinem Assistenten Doktor Wenzel. Die Einvernahme der Externärzte, die die Erklärung unterzeichnet haben, mit Doktor Gach nicht weiter arbeiten zu wollen, wird an einem der nächsteu Tage stattfinden. in Korea S o e n T. InKorea, in der Provinz Kan Sowjet-Luftschiff Leningrad. Das Luftschiff„W 11" landete Dienstag früh auf seiner ersten größeren Fahrt, von Moskau kommend, in Leningrad. Das Luftschiff gehört zu dem Luftschiffgeschwader „Stalib", das aus acht Luftschiffen bestehen soll und für das seinerzeit die Regierung und die Gesellschaft„Offoaviachim" 80 Millionen Rubel zur Verfügung gestellt hatten. Programm der Pädagogischen Woche in Teplitz-Schönau Das endgültige Programm der Pädagogischen Woche steht nun fest. Es sieht vor: Sonntag, den 14. April, abends 8 Uhr: Feierliche Eröffnung und Begrüßungsabend.— Montag, 15. April, vormittags 9 Uhr: Professor Dr. Alfred Kleinberg(Karlsbad):„W ie betreibe ich in Geschichte und Muttersprach eVöl- kerversöhnung?"; nachmittags 3 Uhr: Aussprache.— Dienstag, den 16. April, vormittags 9 Uhr: Doz. Dr. P k i h o d a(Prag):„DerGe- danke der Völker» eriöhnungin den neuen Lehrplänen für Volks-, Bürger- und Mittel schulen." Nachmittags 3 Uhr: Uebungsschullehrerin Wilhelmine Tischer (Aussig):„SSie wirke ich für die Völker- verständigung in der Volksschule?"— Mittwoch, den 17. April, vormittags 9 Uhr: Aussprache. Um 11 Uhr spricht Minister Tr. Ivan Derer über:„Wie kann derLehrer für die Völkerverständigung wirken?" Abends 8 Uhr: Lehrer Benno Bräuer(Böhm.-Leipa): „Esperanto und Bölkerversöhnung." — Donnerstag, den 18. Avril, vormittags 9 Uhr: Univ.-Prof. Dr. Emanuel R ä d l(Prag):„W i e lö st di e Demokratie nationale'Konflikte?" Alle Vorttäge finden im städttschen Kurhaus statt. Die Teilnehmergebühr beträgt 25 Ke, der Besuch des Einzelvortrages kostet 5 KL. Das Schulministerium hat allen Teilnehmern einen generellen Urlaub erteilt. Hievon verständigen die Teilnehmer einfach die Schulleitung. veranstaltet. Ter Besuch ist unentgeltlich zugänglich. Auswärtige Teflnehmer Unterkunft und Verpflegung 166 KL für die ganze Dauer der Veranstaltung. Junglehrer zahlen 120 KL. Tas Eisenbahnministerium hat den Teilnehmern die LOprozentige Fahrpreisermäßigung erteilt. Zu ihrer Beschaffung ist aber sofortige Anmeldung notwendig. Anmeldungen und Auskünfte bei Prof. Dr. Ludwig Kohler, Teplitz-Schönau, Duxerstraße 16. Achtzig Todesopfer einer Explosion iw Mukdener Arsenal Schanghai. Wie die Zeitung»Dung Shumpao" erst jetzt meldet, soll im A r s e 1t n I in Mulden am 30. März ein Großfeuer ausgebrochen sein, das a ch t z i g Todesopfer gefordert und außerordentlich großen Schaden angerichtrt hat. Das Feuer wird auf eine Kesselexplosion zurückgeführt, die, wie vermutet wird, durch Sabotage herbeigeführt wurde. Das Standrecht sei sofort verhängt sowie der Bizedirektor des Arsenals und mehrere Arbeiter seien bereits verhaftet worden. Nach einer weiteren Mitteilung find biS jetzt 64 Tote geborgen worden. Die Explosion war so stark, daß mehrere Tote zweiMeilen vom Arsenal entfernt gefunden wurden. Die japanische Polizei hat 13 Berhafttmgen vorgenommen. Sturm-Opfer. Die Zahl der Opfer des orkanartigen Sturmes vorletzten Samstag in der A d r i a ist inzwischen auf 32 gestiegen. Man hat jede Hoffnung aufgegeben, die 20 noch fehlen den Fischerbarken und ihre Besatzung bergen zu können, so daß sich die Zahl der Opfer noch mehr als verdoppeln würde.— Eine Seebarkaffe, die am Sonntag morgens von Aja er io(Korsika) verschwunden war, ist im Sturm gekentert und an den Strand geworfen werden. An Bord befan den sich der Besitzer sowie ein Beamter des Polizei präsidenten von Ajaccio und dessen fi'mfiähriger Sohn.- Von den drei Insassen fehlt jede Spur. Man vermutet, daß sie den Tod in den Wellen gefunden haben. Die Skandalaffäre Wilhelm Habsburgs. Wir haben schon einmal über die schmutzige Affäre be lichtet» in die„Seine Kaiserliche Hoheit der Herr Erzherzog W i l h e l m" in Paris geraten ist. Ein Fräulein Paula C o u y b a, zu der der Erzherzog sehr intime Beziehungen hatte,'ist wegen großer Betrügereien verhaftet worden. Die Pariser Presse behauptete, daß Wilhelm Habsburg aus dLm Gelde, das die Couyba durch Betrügereien beschafft hatte, sehr große Beträge bekommen hatte, und verlangte die Verhaftung des Habsburgers wegen Mitschuld am Betrug. Die österreichische Gesandtschaft intervenierte für den Habs burger. Nun fand die erste öffentliche Verhand lung.in dieser Angelegenheit statt. In der Ver-, Handlung wurde erzählt, daß, als Paula durch eine Betrügerei 35.000 Franks beschafft hatte, der Habsburger plötzlich in der Lage war, Schulden, die er fest Jahren gemacht hatte, zu bezahlen.„Ist das nicht ein Beweis, daß Paula Couyba den Erz herzog ausgehalten hat?" fragte einer der Rechtsanwälte. Im Kreuzverhör erging es dem,,,_._ Habsburger jchr schlecht. Als der Richter einem aus dem B u rgenlande über die letzte Volts-^Mosserstofftank explodiert. SiebenArbetlerjinder Umgebung der Stadt, Rechtsanwalt, der dem Habsburger durch Fragen unangenehm wurde, einwandte, daß Seine Kaiserliche Hoheit doch hier nicht als Angellagter stehe, antwortete der Rechtsanwalt:„Es ist niemand hier, der ihn für unschuldig hält, außer Ihnen, Herr Richter, da er selbst sich ja fortwährend verteidigt." Paula Couyba war sehr erbittert, well ihr Geliebter sie, nachdem sie ins Unglück geraten war, verlassen und preisgegeben hat und nur noch daran denkt, sich selbst aus der Affäre zu ziehen; ihr Verteidiger erklärte schließlich, sie werde jede weitere Aussage verweigern, wenn nicht auch gegen Wilhelm Habsburg die Untersuchung eingeleitet würde. Die Verhandlung wurde schließlich vertagt. Lebensmüde. Am Dienstag morgens wurden am linken Ufer der Zwitta in Obran bei Brünn die Leichen eines unbekannten Mannes und einer Frau aufgefunden, die beide durch Erschießen geendet haben. ES handell sich offenbar um M o r d und S e l b st m o r d. Dokumente wurden bei den Leichen nicht vorgefunden. Die Frau war etwa 20jährig, der Mann«tzochte etiva 26 bis 27 Jahre alt gewesen sein. Im Hute hatte er ein Monogramm B. I.— Der Wiener Abendzug der elektrischen Lokalbahn Wien— Preßburg hat vor der Grenzstation Berg eine Frau überfahren. Zwei Wagen und die Maschine gingen über die Frau hinweg. Ob Selbstmord oder ein Unfall vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden. Bei der Toten wurden keine Dokumente vorgefunden. Berurteilt« Spione. Das Belgrader Gericht fällte Montag das Urteil gegen Irene Mesleny und ihre Mitschuldigen, die der Spionage zugunsten einer auswärtigen Macht angeklagt wareg. Die Mesleny wurde zu 2 5 Iahren Zwangsarbeit, die Angeflagten Kalman und B a l i n t zu lebenslänglicher Zwangsarbeit und die übrigen vier Angeflagten zu 10 bis 13 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Alle Angeklagten waren des ihnen zur Last gelegten Verbrechens geständig. Der Sterllisator von Bordeaux, lieber Ersuchen der französischen Behörden verhaftete die Polizei Montag in B r ü s s e l den österreichischen Staatsangehörigen Norbert Bartoschek, welcher in Bordeaux Sterilisierungsoperationen vornahm. Norbert Bartoschek gibt sich als Arzt aus, ohne es aber zu sein. Er stammt aus Marienburg, das nunmehr auf jugoslawischem Gebiete liegt, und kam in Belgien mit jugoslawischen Terroristen zusammen. Bei der Verhaftung stellte er jedwede Teilnahme an Sterilisierungsoperationen in Abrede, doch sollen in seiner Wohnung viele ihn überführende Gegenstände gefunden worden sein. Die Sterilisierung ist in Frankreich gesetzlich verboten und wird mit Zwangsarbeit bis auf Lebensdauer bestraft. Die Sterilisierung befindet sick> aber im politischen Programm der Anarchisten. Sämtliche Personen, im ganzen 15, welche sich von Bartoschek sterilisieren ließen, sollen Anarchisten'sein. Hingerichtet. Dienstag ist L e i p z i g der 1905 geborene Richard Albert Stands u ß hingerichtet worden, der vom Schwurgericht in Leipzig wegen Notzucht zu zehn Jahren Zuchthaus und wegen Mordes zum Tode verurteilt werden ist. Standfutz hatte sich am Abend des 15; Mai Der im Programm vorgesehene Vortrag des Außenministers Dr. Edvard Benes mußte infolge außenpolitischer Ereignisse verschoben werden und wird voraussichtlich am 29. April stattfinden. Den ständigen Teilnehmern der Pädagogischen Woche ist dieser Vortrag unentgeltlich zugänglich, In der Zeit vom 14. bis 18. April wird in Verbindung mit der Pädagogischen Woche im städtischen Kurhaus eine große Bücheraosstellung Lehrern und Eltern Westböhmischer Arbeitersport Spitzenführer teilen die Punkte! Das große Sportereignis des Sonntags war das Treffen der beiden Spitzenführer der ersten Klasse, welches unter starker Teilnahme in Altrohlau statffand. lieber 1000 Zuschauer hatten sich eingefunden. Schon das Resultat 4:4 sagt den Richtbeteiligten sehr viel. Aehnlich, wenn auch in klei- nerem Maßstabe, war es in Falkenau, wo sich FFK. Falkenau und Unterreichenau trafen. Nach dramatischem Kampf gewannen die Falkenauer 3:0, obwohl'die Ueberlegenheit nicht groß war. Die Eibenberger Sportbrüder mußten ihr Spiel gegen Atus Karlsbad absagen, weil der Neuschnee fußhoch liegt. Ganz knapp siegte Eger gegen Franze n s b a d, das anscheinend in Form kommen will. Der Sieg N e u d e k s gegen das kampfgewohnte C h o d a u ist sehr beachtlich, der Sieg der ASÄ. Graslitz in Drahowitz ist knapp zu nennen, ebenso der 3:2-Erfolg der Fleißner auf eigenem Platz gegen Fischern. Die Ergebnisse: ASB. Altrohlau gegen ASB. Maierhöfen 4:4, ASV. Neudek gegen Atus Chodau 5:3, Atus Drahowitz gegen ASV. Graslitz 1:3, Atus Franzensbad gegen ASK. Eger 0:1, Atus Fleißen gegen AtuS Fischern 3:2, FFK Falkenau gegen Atus Unterreichenau 3:0. Kommenden Sonntag spielen Unterreichenau gegen Altrohlau, Eibenberg gegen Fischern, Chodau gegen Drahowitz, Karlsbad gegen Eger, Falkenau gegen Graslitz, Maierhöfen gegen Neudek und Fleißen gegen Franzensbad. Stand der Meisterschaft: loch gestürzt, in dem sie durch Ersticken den Tod fand. Rückgang der Slowenen-Ziffer in Kärnten, kyonando, ist M o n t a g nachmittags ein in einer Aus Wien wird berichtet: Rach den Meldungen Stickstoff-«nd Düngemittelanlage angebrachter| zählung, bei welcher die kroattsche Minderheit im Vergleiche zum gesamten Bevölkerungszuwachs nur einen geringfügigen Rückgang aufwies und sich ziffernmäßig auf dem Stande vom Jahre 1923 hielt, folgte nunmehr der Bericht über die Volkszählung in Kärnten. Im Jahve 1923 wurden bei einer Gesamtzahl von 331.842 Seelen in Kärnten 37.292 Slowenen gezählt, im Jahre 1934 bei einer Gesamtzahl von 376.988 nurmehr 26.738 Slowenen, von denen 24.847 die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen. Dies bedeutet einen Rückgang von 10.1 auf 6.6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Im Jahre 1880 wurden auf dem gegenwärtigen Gebiet von Kärnten noch 85.000 Slowenen gezählt, zehn Jahre später 84.600, im Jahre 1900 nurmehr 75.000, zehn Jahre später nurmehr 66.000 und schließlich sank in den Jahren 1923—34 die slowenische Minderheit zahlenmäßig auf den oben angeführten Stand. Der Rückgang der Slowenen kommt dem Zuwachs der, deutsche» Bevölkerung gleich. „In alletz Bequemlichkeit..."^Derita* lienische Unterstaatssekretär für Luftschiffahrt, General Balle, erllärte während der Debatte im Senat, daß man binnen kurzem in einer Höhe von 1 0.0 00 Metern mit einer Stundengeschwindigkeit von 1000Kilometern, und zwar in aller Bequemlichkeit werde fliegen können. „Schluß mit der Todesstrafe!" Während der Hinrichtung des wegen Mordes zum Tode verurteilten Deckoffiziers Leonard Drigstock im Wandsworth- Gefängnis bei London veranstaltete vor den Gefängnistoren die Engländerin Van der Elst, Gründerin des Vereins. gegen die Todesstrafe, eine große Protestkundgebung, die die Polizei zum Einschreiten veranlaßte. Drei Flugzeug«, die große Flaggen mit der Aufschrift„Schluß mit der Todesstrafe" trugen, kreisten dauernd in niedriger Höh« über dem Gefängnis. Ferner waren große Lautsprecherwagen aufgefahren, von denen Kirchenlieder gespielt wurden. Auf Hunderten von Plakaten wurde gegen die Todesstrafe protestiert Einige Frauen knieten sogar betend nieder und die Menge zerstreute sich erst, als ein Beamter die Nachricht von der Vollziehung der Todesstrafe am Gefängnistor anschlug. Eine« SonderauSflugSzug nach Brünn«nd der Maeocha veranstalten die, tschechoslowakischen Staatsbahnen am 4. und 5.. Mai für Ke 190.—. Einen AusflugSzug nach Sternberk an der Säzava expedieren die tschechoslowakischen Staatsbahnen am 5. Mai für KL 43.— mit Versorgung und Führung. Anmeldungen mit KL 20.—, Anzahlung im Bazar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 383.35. Vom Rundfunk ■MpWilMMrartei aus«len Programmen: Donnerstag: Prag, Sender L: 10.05: Deuffche Presse, 11: Schallplatien, 12.10: Opernatten, 13.45: Leichte Musik, 17.20: Klavierkonzert, 17.50: Deutsche Sendung: Jugendstunde, 18.25 Deutscher Arbeiterfunk: Josef H u d l: Schule und Völkerversöhnung, 18.45: Sozialinfotmationen, 19.15: Wir lernen russisch, 20: Frauenchöre, 20.20: Dichter der Jugend, 21: Orchesterkonzert. Sender S: 14.30: Tanzlieder, 15: Deutsche Sendung: Dr. Sturm: Baugewerbe, 15.20: Chansons.— Brünn 13.35: Deutscher Arbeitsmarkt, 15.55: Orchesterkonzert, 17.30: Voskovec und Werich auf Schallplatten, 17.50:. Deutscher Arbeiterfunk: Dr. B r ü g e l: Neue Bücher für die Arbeitsleser, 19.30: Russische Romanzen. 22.25: Radioschrammeln.—• Mährisch-Ostrau 17.50: Deutsche Sendung: Ziehbart: Vorfrühling im Garten von heute, 18i30: Liederkonzert. MM I« MWlll MM... Fünfzehn verkohlte Leiche« bei lljhorod Man vermutet«och mehr Opfer! u Z h o r o d. Gestern früh gegen halb fünf Uhr geriet ein in einer Entfernung von 300 Meter« vom Lljhoroder B a h n h o f e an der Peripherie der Stadt gelegener Strohschober in Brand. Das Feuer verbreitete sich aber auch auf sieben andere, in unmittelbarer Rühe errichtete Strohschober und ver- nichtete sie alle. Die Feuerwehr Konnte den Brand nur lokalisieren. Der bei den Schobern bedienstete Wächter sagt ans, daß in der betreffenden Rächt mindestenz zwanzig Obdachlose in den Schobern Zuflucht gesucht haben, wes- halb die Brandstätte insbesondere des z u e r st in Brand geratenen Schobers abgesncht wurde. Es wurde« tatsächlich drei verkohlte Leichen gefunden. Später fand man nach völlig verbrannte Knochen zweier weiterer menschlicher Körper. Es besteht die Befürchtung, daß in den andere« sieben Schober««och mehr Menschen verbrannt sind. Der Polizeidirektor von UZHorod, Dr. Herr, ist mit einer Kommission nach der Brandstätte gefahren, um die Brandursache festzustellen. Die Schober waren Eigentum der Bereinigung landwirtschaftlicher Genoffenschaften in Llzhorod und umfaßten insgesamt 50 Waggons gepreßtes Heu und Stroh im Werte von 200.000 Kronen. Die Schober waren gegen Feuer versichert. In den Abendstunden wurden bereits die verkohlten Reste von 15 Menschen gezählt und teilweise durch Aussagen der entkommenen und von der Polizei durch eine Razzia aufgegriffenen Landstreicher identifiziert. Die Kommission hat feftgestellt, daß eines der Opfer den Schädel zertrümmert hatte. Das geschah vermutlich während des verzweifelten Versuches, dem Bmnd zu entfliehen. Da noch immer nicht alle Schober ausgebrannt sind, besteht die Möglichkeit, daß sich die Zahl der so grauenhaft umgekommenen Menschen noch erhöht. Die Schober waren für die» obdachlosen Landarbeiter, die zum Wqinanbau herbeiströmten, die e i n z i g e Unter k u n f t. Die Ursache des Brandes soll ein weggeworfener Zigarettenstummel sein. Den Brand eines der Schober hatten die Leute angeblich bemertt, aber selbst zu löschen versucht. Er scheint sich dann überraschend schnell ausgebreitet zu haben. ASB. Maierhöfen 16 12 3 1 27 77:29 ASB. Altrohlau 16 9 5 2 25 70:38 ASK. Eger 16 9 4 3 21 35:21 FFK. Falkenau 16 11 1 4 19 60:37 Sportbrüder Eibenberg 15 9 1 5 19 55:41 ASB. Graslitz 16 8 3 5 19 51:43 Atus Unterreichenau 16 7■ 3 6 17 50:37 Atus Fleißen 16 7 2 7 16 43:52 Atus Chodau 16 5 3 8 13 35:45 ASV. Neudek 16 5 2 9 12 49:61 Atus Drahowitz 16 4 3 9 11 31:50 Atus Fischern 16 3 3 10 10 28:56 Atus Franzensbad 16 3 3 10 9 39:65 AtuS Karlsbad 15 2 2 11 8 39:64 Nr. 79 Mittwoch, 3. April 1935 Sette 5 Ausweis für de« Monat Marz Tie erste Zahl bedeutet Parteifonds, die einge- klammerte Wahlsonds. Bodenbach 3660(900) Ke, Karlsbad 6880(1720) KL, Laadskron 400(100) KL, Pilsen-Budweis 1210(250) KL, Prag 454(110) KL, Preßburg 104(26) KL, Reich e n b e r g 1360(340) KL, Sternberg 1810 (400) KL, Te plitz. Saaz 2720(680) KL, Troppau 1400(350) KL. Dimitrije Tutzowttsch Aus Anlatz eine» Buche» Bon HermannWendel. Alles das, was sich in Belgrad trotz des Verbots der sozialdemokratischen Partei zum Sozialismus bekennt, fand sich vor wenigen Wochen auf einer ernsten und würdigen Gedenkfeier für D i- mitrije Tutzowitsch zusammen; zwei Jahrzehnte waren am 20. November verstrichen, seit dieser große und geniale Führer der serbischen Sozialdemokratie auf dem Schlachtfeld die Todeswunde empfangen hatte. Harren seine»Gesammelten Werke", deren erster Band schon 1024 erschien, immer noch der Fortsetzung, so tritt jetzt N i k o la M. Popowitsch mit einer umfangreichen Tutzowitsch-Biographie in serbischer Sprach« auf den Plan. Nichts könnte an sich willkommener sein als I ein solches Buch, aber leider weckt es nur das Bedauern, daß ein anderer Popowitsch, Dusch a n mit Vornamen, der den Beruf gehabt hätte, das Bild seines Freundes in unvergänglichen Farben festzuhalten, auch den Weltkrieg nicht überlebte. Zwar ist das Werk Nikola M.Popo- w i t s ch s nicht ohne jeden Wert, namentlich mit den rein tatsächlichen Angaben über den Entwicklungsgang Tutzowitsch s. Geboren am 1. Mai 1881 zu Gostilje in Westserbien als Sproß einer, Popenfamilie, fiel Dimitrije schon in der' Volksschule durch ungewöhnliche Begabung auf. Als Realgymnasiast erst in Uschitze, dann in Belgrad begann er die sozialistische Literatur zu verschlingen und gehörte noch als Umgling zu den eifrigsten Lesern der»Reuen Zeit", der wissenschaftlichen Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. Hinter der Stirn des Zwanzigjährigen schon war es fast unheimlich klar, denn seinem Ziel, I der Aufrüttelung der serbischen I Arbeiter zur sozialistischen Idee und Tat, un« I bcirrbar zustrebte. Als Student bereits spielte er eine politische Rolle und stand im März 1003 bei i den bewegten Kundgebungen, die dem verfaulten Regime der O b r e n o w i t sch das nahe Ende anzeigten, in vorderster Reihe: ein Recke zwei Meter hoch, ein Turm in der Straßenschlacht, Da der gewaltsame Dyuastiewechsel. des gleichen Jahres rüstige politische Arbeit gestattete, stürzte sich Tutzowitsch leidenschaftlich auf die Aufgabe, l der er sich mit Leib und Seele verschrieben hatte, j Als Sekretär der jungen sozialistischen Organisa- i tion, als ihr Vertreter im Internationalen Bureau, als Lehrer an der Belgrader Arbesterbil- dungsschule, als Redakteur des täglich erscheinenden Parteiblatts, als Herausgeber der wissen- schastlichen Revue»Der Kampf", als Versammlungsredner, als Journalist, als Verfasser von Propagandabroschüren, als Kandidat bei den Skupschtinawahlen trug er titanische Arbeitslast l auf seinen breiten Schultern und fand bei allem I noch die Zeit, das sozialistische Frauenwerk zu betreuen, den Gewerkschaften den Weg zu weisen und sich um das Genoffenschaftswesen zu kümmern: Herz und Hirn der sozialistische« ' Beweg unginSerbien— dieser Dreiunddreißigjährige, den eine dumme österreichische Kugel in die Brust traf, war es wirklich. Diese heroische Gestalt und diese beispielhafte Laufbahn für uns lebendig zu machen, ist P o p o- ! witsch nur in geringem Maße gelungen. Scho« daß das Buch nur den Organisator und Agitator, I stets den offiziellen und nie den privaten Men- j scheu zeigt, gibt dem Porträt«ine seltsame Starrheit; es fehlen die belebenden kleinen Züge wie j der Umstand, daß Tutzowitsch statt des ganzen Vornamens mit seinem frommen Beillang ! immer nur den Anfangsbuchstaben D. setzte— I etwa, als wenn ein deutscher Revolutionär Fürch- I tegott hieße und sich deffen schämte. Aber auch auf dem Bild des Führers Tutzowitsch, der doch : auch die Fehler seiner Tugenden hatte, rinnen die ! Fanden ineinander, well der Pinsel zu begeistert drauflos wütete. Rur naive Heiligengeschichten sind sonst in diesem Stil vollkommen unkritischer Bewunderung verfaßt. Popowitsch möchte zu hundert Teilen marxi- ! stisch sein, aber ist es Marxismus, wenn in dieser j Darstellung die sozialistische Bewegung so aus dem i Kopfe Tutzowitschs entspringt wie die Minerva dem Haupte des Zeus? Sicher leistete der junge Popensohn aus Gostilje Ungeheures, aber I doch nur unter kluger Ausnutzung der gegebenen i Umstände. Nicht weil Tutzowitsch kam, ent- I stand die moderne Arbeiterbewegung in Serbien, i sondern weil Serbien reif war für die Entstehung ! einer modernen Arbeiterbewegung, kam T u tz o- j witsch. Statt sich in diese Zeitbedingtheit der Rolle I TutzowithchSzu vertiefen, stellt Popowitsch ihn vor den dunllen Hintergrund nicht atwa der I bürgerlichen Gegner, sondern der eigenen Mitstrei» I ter. Weitschweifige, zum Gähnen reizende Polemik behandelt die zum Teil noch lebenden und wirken» , den Parteigenoffen, die an der Seite Tutzowitschs wackere Geburtshelfer des serbischen Sozialismus waren, recht von oben herab, und j geges die Sozialdemolratic. vor- Das Schicksal der deutschen Emigranten! Um den von gewisser Seite geflissentlich aufgestellten und immer wiederholten falschen Behauptungen entgegenzuwirken, gab der Sekretär der Liga für Menschenrechte, Herr B a n i t, in einer Pressekonferenz umsaffende Auskunft über den Stand der reichsdeutschen Emigration. Es sind nach den Feststellungen des Hohen Flüchtlingskommiffärs insgesamt 65.000 Emigranten ans Deutschland geflohen, und zioar 40.000 bis 45.000 Juden, 5000 bis 6000 Sozialdemokraten, 6000 bis 8000 Kommunisten; der Rest verteill sich auf Pazifisten, Demokraten, Katholiken und andere Flüchtlinge. Bon dieser Gesamtzahl' in der die etwa 4000 Saar- Flüchtlinge nicht inbegriffen sind, haben 28.000 Emigranten in Palästina.(20.000), in Amerika (7500), Südafrika(250) und in anderen Ländern, darunter die Sowjetunion(500) eine neue Heimat gesunden. Die übrigen verteilen sich auf die europäischen Länder wie folgt: Frankreich 14.800, Großbritannien 2500, Tschechoflowakei 1500, Ballanstaaten 1500, Italien und Spanien je 1000, Oesterreich 900, Belgien 400, skandinavische Länder 300, die restlichen Länder zusammen 1000. Bon den in der Tschechoslowakei lebenden Emigranten sind 800 Juden, 800 Sozialdemokraten, 850 Kommunisten und 50 Pazifisten ustv. Sie werden von verschiedenen Komitees betreut, von denen das Jüdisch« HilfS- kcmitee bisher rund 2.7 Millionen KL für Wische Flüchtlinge verausgabte. Die Demokratische FlüchtlingSfürsorge hat 500.000 KL und 150.000 KL in Sachwerten aufgebracht. Das Hilfskomitee für deutsche Emigranten(Saida-Komitee) hat 450.000 KL aufgewendet. Die Sozialdemo- f r a tische FlüchtlingShilfe hat bisher 1,070.000 KL, davon 900.000 KL in bar verbraucht. Von den rund 1500 deutschen Emigranten, nehmlich di« österreichische und deutsche. Wie gegen die Zweite Internationale überhaupt spuckt dar Buch Gift und Galle eines uns nur zu gut bekannten Jargons. Daß Tutzowitsch gelegentlich Grund hatte, der österreichischen Partei mangelnde Kenntnis der einen oder andern Balkanfrage vorzuhalten, liefert seinem Biographen den Anlaß zu unholdem Geschimpfe auf»die verräterische und schamlose Haltung der österreichischen Sozialdeaw- kratie", auf»di« schamlose und feige Verräterei der gesamte« Sozialdemokratie" und auf di« Zweite International e, die»bewußt den WeltkapitaliSmuS 4n seinen imperialistischen Bestrebungen unterstützt" hab« und, nämlich 1914, »im chauvinistisch-imperialistischen Sumps erstickt" sei. Da der»Bagage" der»Sozialpatrioten" derart die faulen Eier um die Köpfe fliegen, enthüllt sich der unverhohlene Zweck des Buchs; e» will Tutzowitsch, der sich im Grab Nicht wehre« kann, für den Kommunismus retla- mierenl Dieses kühne Unterfangen Popowitfche ist freilich ein Versuch am durchaus u«« tauglichen Objekt. ES widerspricht der geschichtlichen Wahrheit, daß Tutzowitsch in der Internationale nur mst der winzigen Minderheit harmoniert habe, die um Rosa Luxemburg, Trotzki und einig« andere eine Vorfrucht des Bolschewismus darstellte. Der Kautsky al» seinen großen Lehrer verehrte, lebte und webte ganz in den Gedankengängen der deutschen Sozialdemokrafie, und wie Spreu vor dem Winde zerstieben die Behauptungen Popo- w i t s ch s allein vor dem Artikel Tutzowitschs zum sechzigsten Geburtstag Viktor Adler». Dort bewies der Führer der serbischen Sozialdemokratie, wie mellenfern er jedem dürren Doktrinarismus stand, denn den Führer der Lster- teichischen Sozialdemokratie, der beim besten oder bösesten Dillen nicht al» unbewußter Bolschewist ««gesprochen werden kann, feierte er schwärmerisch al» einen Politiker, der vollkoaunen frei und unabhängig sei von den»genialen Formeln" der marxistischen Wissenschaft:»Viktor A d l e r ist ein sozialdemokratischer Polftller, der die Kühnheit hat, frei die Wirtlichkeit zu betrachten, jede Lag« selbständig abzuschätzen und gemäß der Abschätzung des Tatbestandes die Haltung der Partei zu bestimmen. In der prattischen Arbeit wendet er keine fertigen Maßft ä b e und fcho« formulierte Takttkregeln an; bei jeder prattischen Arbeit ist er der Mensch, der beobachtet, nachdenft, analysiert, schafft und eine originale geistige Leistung liefert" und deshalb da» leuchtende Vorbild Tutzowitschs. Noch gründlicher hat Tutzowitsch die salzlosen Schimpfereien seine» Biographen auf di« »Verräter" der Zweiten Internationale erledigt. Zweifellos traf den feurige« Idealisten das v e r« sagen der Internationale im August 1914 hart, aber er war historisch und soziologisch zu geschult, ummttden»bequemen Geschrei: Verrat! seine Seele zu entlasten, sondern er dachte nach und trug am 17. November, drei Tage vor seinem Tod, das Ergebnis seines Nachdenkens in fein Kriegstagebuch ein, Betrachtungen, die Popowitsch, weil sie nicht in seinen kommunistischen Kram paffen, allerdings unterschlägt. Denn Tutzowitsch weist eS weit von sich, die sozialistischen Parteien der in den Krieg hineingerissenen Länder de» verrat» am Sozialismus zu zeihen. Vielmehr findet er di« die gegenwärtig noch in der Tschechoslowakei leben, bedürfe« 970 noch der U«trrstütz«ns, von denen 220 auf die Sozialdemokratische FlüchtlingShilfe entfallen. Es wird jedoch immer schwie- riger, die Mittel für die ferner notwendige Hilfe aufzubringen. Und während die deutsche Emigra- tton ernsthaft nicht als ein politisches Problem bezeichnet werden kann und bisher es noch nie vorgekommen ist, daß ein politischer Emigrant sich in die innerpolitischen Verhältnisse des Gastlandes eingemischt hätte, wird da» Schicksal der deutsche» Emigranten immer «ehr zum soziale« Problem. Da» Memorandum schildert die außerordentlichen Schwierigkeiten, die die Unterbringung nichtjüdischer Flüchtlinge in überseeischen Ländern bereitet, weil sie auch da, tvo lie' möglich wäre, so oft am Fehlen der für die Uebersiedlung nötigen Mittel scheitert. Da aber die Rotunterstützung kein dauernder Zustand sein kann, wird die endgültige Unterbringung in dafür geeigneten Ländern immer wieder angestrebt werden müssen. Darum appelliert der Berichterstatter vor allem an die Sowjetunion und auch an die skandinavische»Länder, mehr deutsche Flüchtlinge aufzunehmen als bisher. Für einen Rest aber werde es auch dann noch nötig sein, daß der Staat sich bereit findet, 400 bis 500 Arbeits- bewillig ungen für deutsche Emigranten zu geben, für diebiSher noch nicht eine einzig«erteilt Word«« ist. Nicht auf dem Wege der bloßen Unterstützung, sondern nur durch tättge Hilfe, die in dieser oder jener Form eine wenn auch noch so bescheidene neue Existenz auf Grund eigener Leistung ermöglicht, sei eine Sicherstellung der deutschen Emigration denkbar. Herr Vanek ging dann noch auf die Frage der Ausweisungspraxis ein, für die er die Einrichtung einer Art Gerichtshof, an den in Ausweisungsfällen al» übergeordneter und entscheidender Behörde appelliert werden könne, al» dringend nötig bezeichnete. tiefere Schuld im widerspruchsvollen Gefüge dzr kapitalistischen Ordnung.»Solange«ran an der Beseitigung der Kriegsgefahr arbeiten mutzte, offenbarte sich die Einmütigkeit der Internationale aufs Glänzendste. Aber als man in den Strudel eines Kamp, feS hineingerissen war, der alle internationalen Verhältnisse von Grund auf«mzukrempeln droht, kamen viele Interessen aufs Tapct, denen gegenüber auch daS Proletariat nicht gleichgültig bleiben kann. Der Widerspruch dieser Interessen ist augenscheinlich;.. aus ihm ergeben sich die Zusammenstöße. Aber minder augenscheinlich und doch ebenso richtig ist, daß der kriegerische Zusammenstoß, der darau» entspringt, auch Interessen vernichtend treffen kann, die n i chtnurdiederBesit- z e n d e n, sondern auch die der Nation, der Kultur, dts Fortschritts und, wenn man will, des Proletariat» find. Und je mehr ein Land kapitalistisch entwickelt ist, je mehr es sich vom Kleinbesitz und Kleinbetrieb entfernt hat, je stärker die Gesamtheit den Einzelnen absorbiert hat, desto weniger kann das Proletariat gegenüber den Existenzbedingungen dieser Gesamtheit, seines Lande» und seine» volles, gleichgültig bleiben". I« diesen überlegten und überlegenen Sätzen steckt mehr wahrer Marxismus und wirklicher Sozialismus al» in dem ganzen Buche Popo- witsch», das weder im Wollen noch im Können seinem Gegenstand gerecht wird. Die Biographie, die Dimitrije T u tz o w i t s ch hundert- für eimnal verdient, ist noch zu schreiben. Auch Deine Blumen blühe« so schön, wenn Du sie mtt dem guten Blumen-Zauberdung pflegst! 1 Paket KL 5.60. durch die Verwaltung der„Frauenwelt", Prag XII., Fochova tt. 62, und bei allen Kolporteure« erhältlich. — Im ettrlstllctten Ständestaat I Wien. Der Bundestag»ahm kürzlich den Gesetzentwurf über die Reform der Sozialversicherung an. Auf Grund dieses Gesetzes, das teilweise am 1. April und teUweise am 1. Juni d. 3. in Kraft treten wird, werden die Pensionen der ehemalige« Angestellten um 4 bis 22Prozent gekürzt. Außerdem müssen die Pensionisten den Beitrag zur Krankenkasia selbst zahlen, was eine« weiteren Abzug von 4\\ Prozent bedeutet. Rekordterror in Danzig Alle sozlalbtlichen Kandidaten verhaftet I Dem„Daily Herold" wird aus Warschau gemeldet, daß die Danziger Raziregierung alle sozialistischen Kandidaten zu der Bolksratswahl am 7. April verhaftet hat, was natürlich als„S ch« tz h a f t" gegen Angriffe auf unsere Genossen auSgegeben wird. Einige hrkannte Sozialisten konnten noch rechtzeitig nach dem polnischen Gdingen(Gdynia) fluchten. Täglich werde« Genossen«nd Zentrumsleute verhaftet. Razi- danden üben ihren Terror nicht nur auf den Dtra- tzen und in öffentlichen Lokalen aus, sie brechen anch inWohnungenein«nd schlagen die Bewohner nieder, um dann ungehindert„auSzu- snchen", wobei natürlich allerhand mitgenommen oder verwüstet wird. Unser Dangiger Parteiblatt ist bekanntlich verboten. Dafür find in dieser Lol- kerdundstadt die Nazihäuptlinge Rist und Streicher eingefallen. Neuwahlen in Griechenland Da- griechische Abgeordnetenhaus soll in kürzester Zeit aufgelöst werden. Die Neuwahlen werden wahrscheinlich am letzten Sonntag im Monat April stattfinden. Da» neue Abgeordnetenhaus wird den Charakter einer verfassunggebenden Nationalversammlung tragen. Die Mehrheit werden di» Abgeordneten der Volkspartei Tsaldaris' und der radikalen Partei Kondylis' besitzen, die miteinander ei.'- enge Koalition eingehen werden. Man nimmt au, daß eine neue Oppositionspartei gegründet weichen wird, welche die Anhänger der bisherigen Partei Veniz.'los' umfassen wird. An die Spitze dieser neuen Partei soll der Abgeordnete Pa- pändreu treten, welcher einer der Führer der Beni- zelisten im heutigen griechischen Abgeordnetenhaus ist. Fristlose Entlasfmtg eines kranken Angestellten nach 34 Dienstjahren Josef R. war durch 34 Jahr« Angestellter der Firma Brüder Sattler. Schamottewarenfabrik in Böhm.-Budweis un- leitete deren Prager Niederlassung., Am 11. November 1934 ist er schwer erkrankt. Am 12. Feber 1988 schickte die Firma ihrem schwer kranken Angestellten einen Brief, in. welchem sie ihm für seine langjährige Tätigkeit dankt, in welchem sie ihm aber gleichzeitig mitteilt, daß sie ibn wegen seiner Krankheit fristlos entläßt. An diesem Falle zeigte eS sich nun. daß das im Vorjahre beschlossene neue Privatangestelltengesttz, insbesondere für alte Angestellte, sehr,wertvolle Schutzbestimmungen enthält, an die sich die Firma allerdings nicht gehalten hat. Nach 8 19 des Privatangeftelltengesetzes behält ein Angestellter, wenn er seine Arbeiten wegen Krankheit oder Unfall Nicht leisten kann, seinen Anspruch auf volle Gehaltszahlung bis zu sechs Wochen. Bei einem Dienstver- HAtnis. das schon zehn Jahre gedauert hat verlängert sich diese Frist um vierzehn Tage und bei jeden folgenden fünf Jahren um eine Woche. IM vorliegenden Falle hatte der Angestellte sohin Anspruch auf Gehaltszahlung durch zwölf Wochen. Diesem gesetzlichen Ansprüche ist die Firma nachgekommen und glaubte dadurch aller Verbindlichkeiten gegen den Mann ledig zu sein, der dreieinhalb Jahr-, zehnte in ihren Diensten gestanden war. Sie ließ sogar die Gehaltsbezüge mitten im Monate enden. Die Firma übersah jedoch, daß das Privatangestelltengesetz noch eine weitere Schubbestimmung ent- hätt.«ämsich im 21, wo gesagt wird, daß wegen einer Arbeitsverhinderung, die durch Krankheit, Niederkunft oder unverschuldeiem Unfall verursacht wird, der Angestellte nicht vorzeitig entlassen werden darf, es sei denn, daß die Verhinderung noch um 14 Tage langer dauert, als die Frist bettägt. für welch« dem Angestellten der Anspruch auf Gehaltszahlung gewährt ist. Da sich nun im vorliegenden Falle die Firma mit der ftistlosen Entlassung so sehr beeilt hat, daß sie nicht einmal diese weiteren 14 Tage abgewartet hat, klagte der Beamte durch Dr. S chweI b beim Prager Arbeitsgerichte wegen unberechtigter, fristloser Entlassung auf Zahlung der vollen Gehaltsbezüge bis zur Beendigung des Dienstverhältnisses im Falle einer ordnungsmäßigen Kündigung. Da nun für Angestellte mit mehr als 20 Dienstjahren die Kündigungsfrist fünf Monate bettägt, hätte Josef R. daher nur am 1. März 1935 mtt Ende Juli 1985 gekündigt werden können. Er klagte daher seine Dienftbezüge für fünfeinhalb Monate ein. Dar Arbeitsgericht in Prag hat bei der am Dienstag unter Vorsitz des GR. Dr. D o l e j i äbge- haltenen Verhandlung der Klage stattgegeben und die Firma Brüder Sattler zur Zahlung der Dienftbezüge für fünfeinhalb Monate und zum Ersatz« der Pro- zeßkoiten verurteilt. Der Bertteter der Firma, der Industriellen- Sekretär Weber, wendete ein, daß dem Kläger der Anspruch nur dann zustünde, wenn er gesund wäre. Da» Gericht ist jedoch auf eine derartige Auslegung einer sozialpolitischen Bestimmung nicht eingegangen. bette 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 3. April 1935. Nr. 79 Ak große MeüroWWgiilig zum Kreisturnfest der Arbeiterturner in Aussig. Wieviel XL mußt du bezahlen, um alle Beranstal- tnngen am KreiStunrfest deS AtuS besuchen zu könnm? An den Kasse«! S-amstag nachmittag: Wetüämpfe der Tur» . ner, Turnerinnen, Sportler, Sportlerinnen, Ringer, Schwimmer, Schachspieler, Fußballer, Turnspieler XL 2.—. Samstag abends: Große Abendfeier! Kunstspringen der Schwimmer; Vorführungen der Schwimmerinnen; Sprech- und Bewegungschor der S. I.; Kunstgeräteturnen der besten Turner des Kreises; Feuerkculenschwingen des 1. Bezirkes(200 Mitwirkende); großes Bengalfeuer- wcrk(Raketen) XL 2.—. Fackelzug der 10.000 Atusmitglieder. Sonntag vormittags: Mannschaftsturnen, Vcreinswetturnen(130 Vereine und Mannschaften), Hauptprobe der Massenübungen, Wettspiele und Schlußaustragungen XL 2.—. 11 ühr Festzug aller Festtellnehmer. Sonntag nachmittags: Massenvorführungen der Knaben, Mädchen, DTJ., Fußballer, Män- ner, Frauen XL 4.—. Große Abschlußkundgebung. Nachtquartier. Festbesucher, die also alle angeführten Vorführungen am Kreisturnfest besuchen und den Eintritt an den Kasse n bezahlen, haben (außer Quartier) XL 10.— zu entrichten. Dauerkartenbesitzer zahlen nnr die Hälfte. Achtung! Die Dauerkarte berechtigt zum freien Eintritt in alle oben angeführten Veranstaltungen. Dauerkartenbefitzer erhalten als besondere Begünstigung freies Nachtquartier. Die Dauerkarte kostet nicht 10, sondern n« r XL 5.—. Dauerkartenbesitzer haben die Berechtigung, die Sportzüge zum Kreis- turnfest zu benützen. Auf den Sonderzügen wird eine SOprozentige Fahrpreisermäßigung gewährt. Die Dauerkarte zu XL 5.— erhalten aber nnr jene; Festbesucher, welche diesen Betrag bis spätestens 30. April 1935 an den Kreis bezahlt haben. Freunde der Atus-Bewegung! Sichert euch diese große Begünstigung. Bestellt sofort die ermäßigte Dauerkarte zum Kreisturnfest. Jeder Turnvereinsobmann, jeder Lokalvertrauensmann nimmt die Bestellungen entgegen. Atus-Mitglieder! Schneidet den heutigen Aufruf für das Kreisturnfest aus und werbet damit bei allen Arbeitern eueres Ortes für das Kreisturnfest. Der letzte EinzahlungStennin für die ermäßigte Dauerkarte ist der 30. April 1935. Macht uns froh Festabend der Atus-Kinder Samstag, 6. April, 6 Uhr abends, großer Radlosaal Gymnastik.Turnen,Singspiel, Bewegungschor der Buben u. Mädel unter Mitwirkung der»Boten Falken*. Karten bei Optiker Deutsch PBAGER ZEITUNfi Die Selbstmordchronik. Gestern mittags trank die 30jährige Chauffeursgattin Ludmilla Strigl in ihrer Wohnung, in B u b e n e L ein unbekanntes Gift.— Eine Stunde später trank die 22jährige Hausgehilfin einer Familie in Prag ll., RevoluLni, in selbstmörderischer Absicht Lysol. Beide wurden auf. die Klinik Pelnäk gebracht.—- Gestern morgens sprang der 26jährige Ingenieur Georg M., ein deutscher Emigrant, wohnhaft Prag I., Lange Gasse, in selbstmörderischer Absicht vom Kai BelsHstraße in die Moldau. Er wurde ins Krankenhaus auf der Bulobka gebracht. Das Motiv der Tat ist in allen drei Fällen unbekannt. Gestern um 8 Uhr frith wurde der 36jährige Sekretär Karl Skräbek in seiner Wohnung in Prag II., Lublaüska 52, tot mif dem Bette gefunden. Er hatte ein unbekanntes Gift getrunken. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin^überführt.— Um 1 Uhr mittags sprang ein unbekannter, etwa 25jähriger Mann von der Mauer, die beim Vitekberg die Eisenbahnstreck«' vom Masarykbahnhof nach Lieben umsäumt, vor einen fahrenden Lastzug. Der linke Fuß wurde ihm über dem Knie abgertffen und der linke Arm zerschmettert; außerdem erlitt er Verwundungen am Kopf. Er wurde von der Rettungsstation ins allgemeine Krankenhaus überführt; nach seiner Identität wird geforscht. Er ist mittelgroß und brünett mit braunen Augen und rundem Gesicht. Er trug ein violettes, kariertes Hemd, schwarze Halbschuhe, einen graukarierten Anzug und grauen Ueberzieher; letztere beiden stammen von der Firma Ladislav Vävra aus ChoruZjc. Gcrlchtssaal Der Prozeß gegen die neun kommunistischen Agitatoren die der staatsfeindlichen Propaganda unter den Soldaten unserer Armee angeklagt sind und über deren Sache wir bereits eingehend berichtet haben, wuroe Dienstag fortgesetzt. Da die Verhandlung geheim ist, kann über ihren Verlauf nicht berichtet werden. Das Urteil wird Mittwoch erfolgen. Die zweite Schwurgerichtsperiode dieses Jahres wird am 8. April eröffnet. Auf dem Programm dieser Session stehen vorläufig neun F äll e, so daß sich diese Schwurgerichtsperiode bis knapp vor die Osterfeiertage hinziehen wird. Zur Verhandlung gelangen drei Anklagen wegen Mordes, bzw. Kindesmordes, zwei Anklagen wegen Raubes, zwei Anklagen wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt und je eine Anklage wegen Notzucht und Geldfälschung. Kunst und wissen Kammermusikkonzert. Bei seiner vierten satzungsgemäßen Aufführung bot der Prager Deutsche Kammermusikverein seiner zahlreichen Hörgemeinde einen besonderen kammermusi» kalischen Leckerbissen: Ein Streichquartett von Johann Zach, dem aus der Zeit der Borklaffik nach Bach stammenden hochbedeutenden tschechischen Tonsetzer, der Schüler des berühmten tschechischen Meisters Cernoborskh war und sein Leben im Irrenhause beschloß. Ein Requiem von Zach hat erst vor wenigen Jahren seine Wiedererweckung erlebt und überraschte durch seine modern wirkende musikalische Haltung im Satzbau und in der Instrumentation. Auch Zachs sechssätziges Streichquartett, das man vorgestern hörte, war wert, wiederentdeckt und der Vergessenheit entrissen zu werden. Denn es zeigt Brian Ahrrne als Bildhauer Richard Waldow in dem Marlene Dietrich-Film„Lied der Lieder" seinen Schöpfer als seiner Zeit vorauseilenden genialen Musiker, der in der harmonischen Gestaltung Neues und Besonderes für seine Zeit suchte und fand. Sein Quartett wirkte nicht als rein historisch zu wertende Gabe, sondern als wirklich interessantes und genußreiches Werk. Das übrige Programm des künstlerisch bedeutenden Kammermusikabends enthielt die Streichquartette von Johannes Brahms, opus 51, und von Max Reger, opus 109, zwei Werke, die in der Größe ihrer formalen Anlage, in der kunstreichen Struktur ihres Satzes und in ihrer herben Ausdrucksweise viel Gemeinsames haben. Künstlerische Mittler der Streichquartette waren die vorzüglich zusammengespielten, technisch und geistig gleich tüchtigen Herren des Prager Streichquartettes(Primarius Willy S ch w e y d a). E. I. Freitag halb 9 Uhr Studio-Aufführung moderner Opern-Einakter, und zwar„Saul" von Reut- ter,„Armer Matrose" von Milhaud,„Reinecke" von Strawinsky. Musikalische Leitung: Paul Aron. XL 12.— bis 45.—. Spielplan des Neue« Deutsche« Theaters. Mittwoch halb 8 Uhr: Das unbekannte Mädchen, Bl.— Donnerstag halb 8: M a r• g a r e t e, C 1.— Freitag halb 8: Gräfin Maritza, D 2.—Samstag halb 8: Das unbekannte Mädchen, C 1.— Sonntag halb 3: Polenblut, Arbeitervorstellung; halb 8: Margaret e, A 2. Spielpkan der Kleinen Bühne. Heute, Mittwoch, 8-4 Uhr: Ein Glas Wasser.— Donnerstag halb 8: Fräulein Julie. Der Kammersänger, neuinszeniert.— Freitag halb 9:Opernstudie.— Samstag 8%: Fremdenverkehr.— Sonntag 3: Stra- ßenmusik, 8 Uhr: Mädchen für alles. Verclnsnadirlditcn ,1 Sefta foöemie anläßlich des 25jährigen Bestehens d«S Arbeiter-Turn- mrd Sportbundes. Am Samstag, dem 6. April, abends 8 Uhr im Radiosaal. I.Teil: Wir marschieren! II. Teil: Eine bunte Atus-S t u n d e. i III. Teil: Proletarier vereinigt Euch! Ueber 130 Mitwirkende.! Atus, R. W., Proletarische Singgemeinde, Kapelle Papert. Nach dem Programm Tanz. Karten zu 6 und 10 XL sind bei den Vereinsfunktionären zu haben. Sport» Spiel• Körperpflege Eine Klarstellung— und doch keine! E'ne feierlich aufgemachte Klarstellung prangt auf der ersten Seite der Turnzeitung des De u t- schen Turnverbandes, welche beweisen soll, daß der Deutsche Turnverband völlig unpolitisch ist. Im weiteren folgt aber eine durchsichtige Gebrauchsanweisung, wie eS gemacht wird, um unpolitisch zu sein und doch politisch zu wirken. Diese ganze Klarstellung wird vor allem in den Kreisen der Henlein- turner schallende Heiterkeit auslösen- Auch unsere Atus-Mitglieder werden sich über diese politische .Turnerei" freuen. Es wird also folgendes zur.strengsten Beachtung" in Erinnerung gebracht: Der Deutsche Turnvcrband und seine Untergliederungen nehmen keinerlei Einfluß auf die politische Tätigkeit ihrer Mitglieder. Wer es nicht glaubt, der frage Henlein oder Sandner und die.alten Kämpfer" Krebs und Jung oder lese die alten Jahrgänge der Turnzeitung. Es ist u n t e r s a g t, innerhalb der Vereine, Bezirke und Gaue sich irgendwie mit Politik zu beschäftigen, für politische Parteien z u w« r b e n, deren Schriften zu verbreiten, sie zu befürworten u. dgl. m. Also nicht.innerhalb", sondern.außerhalb". Das geht ja nach den Turnstunden und nach den Versammlungen so wunderschön und man bleibt dabei eine politische Jungfrau, nur etwas geschminkt. Mitgliedschaft und Tätigkeit von Anaebörigen des Deutschen Turnverbandes in den politischen Parteien, wie auch die Bewerbung um Mandate sind Angelegenheiten eines jeden einzelnen für sich außerhalb des Rahmens von Verband, Bezirk und Gau. Wso.außerhalb" und nicht.innerhalb", am besten ist es natürlich halb und halb— man kann ja nicht wissen... ob nicht wieder.Glocken läuten". Die Grenzen zwischen den politischen Parteien und dem Deutschen Turnverbande dürfen durch die politische Betätigung einzelner Mitglieder nicht verwischt werden, das heißt, auf dem Turnboden und bei sämtlichen turnerischen Veranstaltungen darf keinerlei politische Betätigung stattfinden. Dies« Grenzen müssen vielmehr mit größter Sorgfalt schärfstens aufrecht erhalten bleiben., Das ist wirklich überflüssiges Beginnen. Die Grenzen sind zwar sehr scharf gezogen, berühren sich jedoch mit gewissen anderen Abgrenzungen. Bei der Ausübung politischer Recht« jeder Art darf weder da? turnerisch« Festkleid, noch irgendein turnerisches Abzeichen getragen werden. Es ist umgekehrt daß Tragen von Abzeichen politischer Parteien auf dem turnerischen Festkleide untersagt. Also, das Abzeichen der Turner ist oberhalb, das der Henleinfront unterhalb deS Rockkragens zu PRAG tragen, gewechselt wird nach Bedarf. Im übrige« ist ja das gebogene Hakenkreuz des Deutschen Turnverbandes in aller Oeffentlichkeit als bestimmter politischer AuÄruck bekannt. Mitglieder, die den unpolitischen und überparteilichen Charakter des Deutschen Turnverbandes nicht anerkenne« bz!v., gegen ihn verstoßen, sind von den zuständige« Stellen rücksichtlos a u s z u s ch l i e ß e n. Also sehr vorsichtig sei«, nicht an die Geschichten Krebs, Volkssport uiw. denken, auch nicht an die! früheren Artikel der Deutschen Turnzeitung, denn! sonst könnte es Vorkommen, daß der ganze Deutsche Turnverband sich, selbst auSschließen müßte. Neuer Weltrekord im Schwimmen. Der letzte! Rekord des Schweden Arne Borgs scheint dahin zu! sei«. Aus Amerika kommt die Meldung, daß Jacks Medica die 1500 Meter Freistil in neuer! Rekordzeit von 18-:59.3 Min. zurück!egte. Borgs! Leistung stand auf 19:07.2 Min. und wurde 19271 aufgestellt. Berlangen Sie nur die echten D i a n a-I Vollmilch- Malz. Weisen Sie Nach-1 ahmungen zurück. Dolly Haas spielt die Titelrolle in dem Lustspiel„Warum lügt Fräulein Käthe?" »ei' Film Später Mai Daß die tschechischen Filmdarsteller lieber den Schmeichlern, als den Kritiker« glauben, das ist immerhin noch verständlich. Daß sie sich aber auch durch Mißerfolge nicht belehren lassen, grenzt schon ans Unbegreifliche. Unbegreiflich, daß man den Regisseur Leo Marten, der mit der.Diagnose T" schon überzeugend versagt hatte, weiter im gleichen Stil der hilflosen Umständlichkeit und gähnenden Leere Regie führen läßt. Noch unbegreiflicher, daß man ihm ein« Kitsch-Handlung zu verfilmen gab, die so oder ähnlich schon mehrfach im tschechischen Film zum Vorschein kam— und jedesmal mitleidiges oder uMvilliges Kopfschütteln erregte: eine Handlung vom braven Forstadjunkten und vom bösen Wilderer, von der Schloßherrin, die den Adjunkten, und von der Försterstochter, die der Adjunkt liebt—? und so totsicher bekommt, daß es sich gar nicht, lohnt, auf das hahpy end zu warten. Dazu ein paar komische Typen, deren Spaßhaftigkeit aber so aufdringlich betont wird. Laß sie lediglich peinlich wirkt: Nein: auf diesem Wege kann der tschechische Film keine Fortschritte machen. Statt' aus Fehlern zu lernen, werden hier Fehler hartnäckig wiederholt^ Daß man aus dem AnfängerW anka sejnes einnehmenden Aeußeren wegen mit Geivalt einen Star machen will, gleicht genau dem Irrtum, den man zum Schaden des heimischen Film» mit Lida B a a- r o v a beging. Und wenn man schon eine Darstellerin hat, die so sympathisch begabt ist, wie Hana B i t o v die hier die weibliche Hauptrolle spielt, dann zwingt man sie gegen ihre Natur, kitschig zu sein. Es hieße dem heimischen Film(der doch schon Leistungen, wie die Filme von Machaty und Frik, hervorgebracht hat, der über eine ganze Reihe wirkungsvoller und verwendbarer Schauspieler und über ein paar gute Kameraleute verfügt) einen schlechten Dienst erweisen, wenn man Produkte so kläglicher Art nicht eindeutig ablehnte.— eis—» Der Filmbeirat hat in seiner Sitzung vom 1, April dem Ruffenfilm ,^schapajeff" die Einfuhrerlaubnis erteilt. Ans der Partei G Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Heute, 8 Uhr abends, Gruppenabende: SJ. Zentrum: Die politische und wirtschaftliche Lage in der Tschechoslowakischen Republik; SH, H o l l e s ch o w i tz: Die Lage der Arbeiterjugend; SJ. Weinberge:'Der gemeinsame Abend mit den tschechischen Genossen entfällt. Statt deffen im Parteiheim Vorleseabend. 7 Uhr Ausschußsitzung. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—, vierteljährig XL 48.—. halbjährig XL 96.—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tcle» graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/V1U1930 be willigt.— Druckerei:.Orbis", Druck-, Verlags» und ZeitungS-A.-G„ Prag.