I z U II n u - la e. i- rf er r- «. x*\ X a ffe r« ele I ila I Ha I «N' i* I tta e a ch- !te. 1 tnb »ec P« h-, N a j les?! bea 1 >em r•, 1 ana 1 igel] gsa 1 rine] nett 1 Ära I igle I das I Die I 'US- 1 Zu- I tta I t da I rett. I und I Seit 1 000 1 den I die I 2.46 I Latz I ana i inen 1 rnd: I sser- I nzig I 11.7 1 ide>| rta I 87.4 I Sek. I B.56 I I Er- I »tag, I in I d nies 1 ing,, oten I eilt I mit d>ül- Für Stag, I emo- I mt lea IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xn., fochova a. telefon 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Helltr («imchließlich 5 H«ll»r Porto) 15. Jahrgang Freitag, 5. April 1935 Nr. 81 bedeutsame EmpkLnse in l.äns Prag.(Amtlich.) Der Präsident der Republik empfing heute in Lana den Vorsitzenden der Regierung Z. Malhpetr und den Minister für auswärtige Angelegenheiten Dr. Benes. Der Schutzbundprozeß Wien. In der Donnerstag-Verhandlung des Schutzbundprozefles wurde zunächst der vierte Angeklagte, Josef Sispela einvernommen. Er erklärte sich auch jetzt für schuldlos. Als der Vorsitzende dem Angeklagten vorhält, daß er in den mit ihm aufgenommenen Protokollen zugegeben habe, aus der Tschechoslowakei für seinen Kreis 200.000 Stück Munition erhalten zu haben, erklärte der Angeklagte, dies sei nicht richtig. Der Vorsitzende verliest sodann die protokollarische Aussage des Angeklagten. Der Angeklagte sagt: Ich wurde damals stundenlang verhört, da man von mir ein Ge- ständnis haben wollte. Der Staatsanwalt hält ihm sein protokollarisches Geständnis über versteckte Waffen vor. Der Angeklagte wiederholt, daß er von einem Waffenversteck nichts gewußt habe, und erklärt hiezu weiter, daß ihm bei der Polizei und vor dem Untersuchungsrichter Suggestivfragen gestellt worden seien. Darauf kommt es zu einem neuen Konflikt zwischen dem Staatsanwalt und den Verteidigern. Der Vorsitzende unterbricht die Verhandlung, um dieser scharfen Kontroverse ein Ende zu machen. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung wiederholt der Angeklagte Sispela noch einmal nachdrücklich seine heutige Erklärung und schildert die Sitzung des Republikanischen Schutzbundes vom Jänner 1934 konform mit den Aussagen seiner Mitangeklagten. Hierauf wurden die Angeklagten Johann P o k o r n h und Anton L e ß n i g einvernommen, die übereinstimmend mit Sispela aussagten. Insbesondere Pokornh betont, daß bei der erwähnten Sitzung des Republikanischen Schutzbundes von Kampfplänen nicht gesprochen wurde. Zum Schlüsse wurde einer der Kommandanten der Gemeindewache Theodor Schuhbauer verhört, der zugibt, daß er angesichts der wiederholten Drohungen von feiten der Heimwehren Waffen der Gemeindewache vergraben ließ. Der weitere Angeklagte Wilhelm Kohn erklärt sich gleichfalls für schuldlos.' „Volle Taschen oder freie Hände** England über Hitler Der dem englischen Außenminister Simon nahestehende»Daily Telegraph" spottet über das von der Londoner deutschen Botschaft veröffentlichte Dementi, in dem bestritten wird, daß Hitler dem englischen Außenminister Vorschläge für ein deutsch-englisches Bündnis gemacht und die Unterstellung der ehemals deutschen Kolonien unter japanisches Mandat gefordert habe. Der»Daily Telegraph" bemerkt dazu, es sei zwar richtig, daß Hitler für ein Bündnis mit England keine detaillierten Vorschläge gemacht habe, wohl aber habe er den vergeblichen Wunsch nach einem solchen Bündnis geäußert. Und wenn er auch nicht die Unterstellung der ehemals deutschen Kolonien unter japanischen Schutz gefordert habe, so habe er doch von ihper Herausgabe gesprochen. Der»Observer" faßt das Ergebnis der Berliner Besprechungen in die Formel zusammen: Hitler habe»entweder volle Taschen oder freie Hände" verlangt. „von(erlös** In Bremen verboten Berlin. In Bremen wurde die Aufführung des Schillerschen„D- nCarloS" verboten, weil bei der bekannten SteNe„Sire, geben Sie Gedankenfreihei t", demonstrativer Beifall eingesetzt hatte. Edens Prager Besuch Das amtliche Kommunlauee ist durch seine geographische Lage, durch seine Geschichte, durch seine gegenwärtige Politik und seine Aspirationen für die Zukunft dafür bestimmt, in Mitteleuropa eine wahrhafte Friedensmission zu erfüllen. Einen anderen Ehrgeiz haben wir nicht. Seine Außenpolitik steht jenen zur Verfügung, die für die Erhaltung des Friedens, für die Zusammenarbeit der Völker, für das europäische politische Friedenssystem und für die wirksame Pazifizierungs-Tätigkeit des Völkerbundes arbeiten." Außenamtes W. M. Strang, Viscount R. Arthur Cranborne und der Parlamentssekretär des Geheimsiegelbewahrers H a n k e y, befinden u. a. Außenminister Dr. Benes, Kanzler Dr. Samal, die Gesandten Jan Masaryk, Dr. Flieder und der Chef des diplomatischen Protokolls Strimpl, und der englische Gesandte Sir Joseph Addison. Prag.(Tsch. P.-B.) Der Lordgeheimfiegelbewahrer Anthony Eden traf Donnerstag um acht Uhr in Prag ein, um seine informativen Beratungen zu beenden. Auf dem mit der britischen und der tschechoslowakischen Flagge geschmückten Perron des Wilsonbahnhofes begrüßten den englischen Minister, in dessen Begleitung sich der Legationsrat des russischen Departements des britischen Zwischenlandung In Köln nach einem schweren Flug Köln. Lord Eden hat hier infolge des ungünstigen Flugwetters eine Zwischenlandung vorgenommen und wird hier übernachten. Der Pilot des Flugzeuges Edens erklärte dem Reuter-Berichterstatter» daß der heutige Flug einer der schwersten seines ganzen Lebens war. „Vollkommene Uebereinstimmung Beide Genossinnen find von Vorträgen und Versammlungen in unseren nordböhmischen Organisationen gut bekannt. Ein Genosse, der noch vor vierzehn Tagen in London mit beiden Genossinnen beisammen war und sie auch vorher öfter getroffen hatte, versicherte uns, daß ein Selbstmord angesichts der durchaus gesicherten materiellen Verhältnis^ der beiden Frauen, ihrer Stimmung und ihrer für die nächste Zukunft geäußerten Absichten völlig ausgeschlossen sei. Die beiden Frauen hatten alle Vorbereitungen getroffen, um längere Zeit in England zu leben und für ihre Sache zu arbeiten. Es könnte sich, wie uns dieser glaubhafte Zeuge versichert, höchstens um eindn Unglücksfall handeln, da in einem Zimmer der' Wohnung sich ein rauchender Ofen befand. Nach der Lage der Dinge wäre aber auch ein Unalücksfall dieser Art wenig wahrscheinlich/ da die Wohnung noch andere" Räume besaß und die beiden Frauen getrennte Schlafräume hatten. Durch diese Information verstärkt sich der Verdacht- daß ein neues Verbrechen der nationalsozialistischen Mordorganisation vorliegt, das sich dem Fall Formis und der Entführung IZ a e o b S würdig anreihen würde! London.(Tsch. P. B.) In rätselhaftes Dunkel gehüllt ist der plötzliche Tod zweier deutscher Emigrantinnen, der bekannten Feministin D o r a F a- b i a n. und der ehemaligen sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Mathilde W u r m, die in ihrer Londoner Wohnung tot, wahrscheinlich vergiftet, aufgefunden wurden. Dora Fabian arbeitete in der letzten Zett in London zugunsten des aus der Schweiz entführten deutschen Emigranten Jacob. Wie es scheint, stand Wesemann mtt ihr in Verbindung. Vor einigen Monaten drangen in ihre Wohnung Agenten der Nationalsozialisten ein. Sie entwendeten keine Wertsachen, bemächtigten sich jedoch verschiedener Dokumente. Frau Fabian war die Sekretärin des ehemaligen sozialdemokratische« Abgeordneten des Deutschen Reichstages Rosenfeld. Das deutsche Zeitungssterben Im Dritten Reiche, wohin die freiwillig „gleichgeschaltete" sudetendeutsche bürgerliche Presse in geradezu masochistischer Verzückung blickt, grassiert eine Epidemie, die ansteckend wirkt. Das Zeitungs st erben nimmt kein Ende. Ein Sterbender zieht den andern nach sich. Was heute noch scheinbar lebensfrisch nach Druckerschwärze riecht, kann einen Monat später schon im Zeitungsmassengrab liegen. Bereits im Oktober 1934 bezifferte die Berliner Zeitschrift„Gebrauchsgraphik" die reichsdeutschen : Blätter, die unter Hitlers Regime ihr Erscheinen : einstellen mußten oder durch Zusammenlegung mit anderen Zeitungen verschwunden sind, a u f r u n d 1000Titel. Und auch die deutsche Reichspost ! gibt Einblick in die Verlustliste, wenn sie in ihrem im November 1934 veröffentlichten Geschäftsbericht für das Rechnungsjahr vom 1. April 1933 : bis 31. März 1934 feststellen mußte, daß in die- ! sem Jahre die Gesamtzahl der durch die Post be- i förderten Zeitungen gegenüber dem Vorjahre von i 1622 Millionen auf 1476 Millionen Stück, also um 146 M i l l i o n e n S t ü ck g e f al- len ist. Das war vor einem Jahre. Danach hat aber das deutsche Zeitungssterben erst richtig eingesetzt. Allein im Jahre 1 9 3 4 hat sich die ‘ Zahl der in der deutschen Postzeitungsliste eingetragenen Zeitungen und Zeitschriften von 11.323-auf 9426, also um 19 0 2 Titel vermindert; daS ist ein Verlust von 17 Prozent! Kein Gebiet Deutschlands bleibt von diesem , Sterben verschont. Mit Darres Abgang verschwanden die„Deutsche Zeitung" in B e r l i n und die„Ostpreußische Zeitung" in Königsberg, wo schon die alte„Königsberger Hartung- sche Zeitung" ins Grab gesunken ist. In M ü n- ch e n hat die älteste deutsche Zeitung, die 1609 gegründete„München-Augsburger Abendzeitung" mit dem Silvester 1934 ihr Erscheinen eingestellt, nachdem ihre Auflage im Laufe dieses einen Jahres von 34.000 auf 9000 gesunken war. Und jetzt kommt die Nachricht, daß auch die 159 Jahre alte„D armstädter Zeitung" ihr Erscheinen einstellen wird. Und so geht eS weiter. In K ö l n kämpft die alte„Kölnische Zeitung" einen schweren Kampf gegen die sirupeilosen Konkurrenzmanöver, durch die der nationalsozialistische„Westdeutsche Beobachter" das Blatt zu verdrängen sucht; diese Rivalität hat Ende März sogar zur vorübergehenden Verhaftung des Chefredakteurs \ der„Kölnischen Zeitung" geführt. In München zählt die„Süddeutsche Zeitung" ihre Tage, in B r e s l a u die„Schlesische Zeitung", in Chemnitz die„Chemnitzer Allgemeine Zeitung". Auch der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" geht es seit langem nicht zum besten. Es gibt angesichts dieses Sterbens nur die eine Ge- nügttmng, daß der braune Tod auch jene Zeitungen holt, die das nationalsozialistische Gift gegen Geist und Kultur fleißig haben verbreiten helfen und die gewaltsame Vernichtung der sozialistischen und demokratischen Presse frenetisch bejubelt haben. Und wenn die von Hitler und Htnlein gleichermaßen begeisterte sudetendeutsche Presse einer Warnung überhaupt noch zugänglich wäre, so müßte das deutsche Zeitungssterben ein Menetekel für sie sein. Aber nicht nur das Zeitungsgewerbe allein, sondern das ganze graphische Gewerbe wird von diesem Sterben betroffen.Jn Berlin z. B. hat > der Scherl-Verlag umfangreiche Entlassungen i vornehmen müssen. Im Mosse-Verlag erwartet : man sie täglich. Die Druckerei Grewe, in der die „Deutsche Allgemeine Zeitung" gedruckt wird, hat ! ihr Personal bedeutend reduziert. Die Großdruckerei Hempel ist ganz verschwunden; etwa 200 • Mann Belegschaft liegen auf der Straße. Auch die weltbekannte Buch-, Tief- und Offsetdruckerei W. Büxenstein hat aufgehört zu bestehen. Die Gebäude hat das Wehrministerium aufgekauft. Die : Belegschaft war 375 Mann stark; rund 200 sind entlassen worden, der Rest ist mit Teilen des Tief- 1 und Offsetdruckbetriebes in die Druckereien H. S. > Hermann und Paß und Garlap übergegangen, bis « auch dort abgestoßen werden wirb Der Ostpakt begraben? Warschau. Die regierungsfreundlichen Presseorgane, darunter«Expreß Porany" und „Polfla Zbojna" stellen fest, daß im Sinne der Eden seitens des Leiters der polnischen Außenpolitik gemachten Mitteilungen der Ostpakt der Vergangenheit gehöre und als definitiv begraben betrachtet werden könne. Der Krakauer „Kurier Codzirnny" erklärt in seinem Kommentar, Lord Eden hätte auS den Warschauer Besprechungen die Ueberzengung gewonnen, daß die nega- tivr Haltung Polens aus ernstey geographischen und geschichtlichen Beweggründen erfließt und keineswegs auf irgendwelche„Geheimabkommen" zurLckzuführen ist, welche Polen von unfreundlich gesinnten Faktoren imputiert werden. Ein neues Verbrechen der Gestapo? Die Genossinnen Dora Fabian und Mathilde Wurm in ihrer Londoner Wohnung tot aufgefunden Die Beratungen des Lordgeheimsiegelbewah- rrrs Anthony Eden mit dem Minister für auswärtige Angelegenheiten Dr. Benes, die kurz nach 10 Uhr im Arbeitszimmer des Ministers im Cernin- Palais begannen, endeten kurz nach 12 Uhr. Englischerseits nahmen daran teil Lordgeheimsiegelbewahrer Eden und der britische Gesandte in Prag Addison, tschechoslowakischerseits Minister Dr. Benes und Gesandter Jan Masaryk. Urber die Unterredungen wurde folgender amtlicher Bericht ausgegeben: Bei der Zusammenkunft, welche im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten in Prag stattfand, tauschte Minister Anthony Eden mit dem Minister Dr. Benes in herzlicher und freundschaftlicher Weise die Ansichten über alle im Londoner Kommnniquee vom 3. Feber 1933 enthaltenen Fragen aus. Minister Dr. Benes dankte Minister Eden herzlich für seinen Besuch in Prag und für die Mitteilung, die Seine Exzellenz ihm über die Ergebnisse ihrer Reise in die übrigen Hauptstädte gab. Seinerseits gab ihm Minister Dr. Benes eine ausführliche Darlegung der Friedenspolitik der Tschechoflowakri. Beide Minister konstatierten eine voll- kommeneUebereinstimmung in den Zielen der Politik ihrer Länder betreffend die Erhaltung des allgemeinen Friedens und ihre auftichtige und unabänderliche Ergebenheit der Politik des Völkerbundes gegenüber." Nachmittags hat Lord Eden Prag im Flugzeug verlassen. Die Friedensmission der Tschechoslowakei In feinem Trink sprach für Lord Eden sagte Dr. Benes u. a.: »Der Zweck Ihrer fetzigen Reise berührt die Lebensintereffen der Tschechoslowakei. Mein Land SekteS Freitag, 8. April 1S35 Nr. 8t ES ist eine weitere Genugtuung, daß auch die nationalsozialistische Presse nichts vom Tode der Konkurrenz profitiert. Ihr hat weder die Vernichtung der sozialdemokratischen, kommunistischen und bürgerlich-demokratischen Presse genützt, noch führt ihr das Absterben der gleichgeschalteten Presse Abonnenten oder auch nur Leser zu. Lediglich der„Völkische Beobachter" und Goebbels „Angriff", der Leys Blatt„Der Deutsche" aufgefressen hat, haben aus der großen Zahl von Zwangsbeziehern, die sich für den„Völkischen Beobachter" auS dem Bereiche der Behörden und Beamten, für den„Angriff" aus den Zwangsmitgliedern der sogenannten Arbeitsfront rekrutieren, gewonnen. Sonst aber steht es auch um die offizielle nationalsozialistische Presse keineswegs glänzend. Zeitungen, wie die„D ü s s e l d o r f e r Volksparole", die sich jetzt in„Rheinische Landeszeitung" umgetauft hat, oder der„Westdeutsche Beobachter" in K ö l n sind im Umfang von 20 bis 24 Seiten auf 10 bis 12 Seiten zusammengeschrumpft. Der„Westdeutsche Beobachter" hat vor kurzem 72 Mann vom Personal aller Sparten entlassen müssen. Das der Arbeiterschaft gestohlene Verlagsgebäude, das„August Bebel-Haus" in Köln-Deutz, sollte für den erwarteten Aufschwung des Naziblattes umgebgut und erweitert werden, der rapide Rückgang hat jedoch diese Pläne längst zerstört. In Hannover erscheint! als amtliches Organ der NSDAP die„Niedersächsische Tageszeitung"; ihre Auflage ist von 118.000 Anfang 1934 auf 82.000 im August 1934 gesunken, und inzwischen ist sie weiter gefallen. In der Provinz Branden bürg ist eine Anzahl kle.inerer nationalsozialistischer Blätter, die von Ley als Nachfolgeblätter der sozialdemokratischen Zeitungen ins Leben gerufen worden waren, wieder völlig verschwunden. Darunter der„Ostdeutsche Courier". In S a ch s e n ist die ostsächsische Auflage des„Freiheitskampf" von rund 27.000 im September 1934 auf rund 21,000 im Dezember 1934 gefallen. Das ist die Auflage in einem Verbreitungsgebiet, das den gesamten 23. Reichstagswahlkrejs mit Groß- Dresden und den Amtshauptmannschasten Dresden, Pirna, Dippoldiswalde, Freiberg mit Sayda, Reißen, Großenhain, Kamenz, Bautzen, Löbau und Zittau umfaßt und rund 1,380.000 Wahlberechtigte zählt und in dem bis März 1933 folgende sozialdemokratische Tageszeitungen erschienen: die„Dresdner Volkszeitung" in einer Stadt- und einer Landauflage und mit den als ihren Kopfblättern erscheinenden drei Volkszeitungen für Pirna, Freital und Freiberg, die selbständige.^Volkszeitung" in Meißen und die in täglich zwei Ausgaben erscheinende, in den Amtshauptmannschaften Bautzen, Löbau und Zittau verbreitete„Volkszeitung" für die Oberlausitz. Außer diesen sozialdemokratischen Zeitungen gab es noch die ebenfalls täglich erscheinende kommunistische „Arbeiterstimme". Der„Freiheitskampf" hat also trotz großen Anstrengungen, trotz dem Druck, der in den Betrieben angesetzt und teilweise auch brutal auSgeübt wurde und sich bis in die Haushaltungen erstreckte, weder von dem sinkenden Abonnentenstand der gleichgeschalteten bürgerlichen Presse profitiert, noch die ihrer Zeitungen beraubte Arbeiterschaft gewonnen. Die Arbeiter verzichten lieber auf jede Zeitung, ehe sie ihre Groschen dem Mutschmann-Blatt hinschmeißen. So ist es überall, und so hat die nationalsozialistische Presse den tödlichen Bazillus, an dem die reichsdeutsche Presse kläglich dahinstirbt und mit dem das braune Regime alles vergiftete, auch im eigenen Leibe. Manfred. Der Schutz sesen Fliegerangriffe Die kommunistische Parlamentsfraktton von allen guten Geistern verlassen Prag. Im Parlament wurde am Donnerstag die Vorlage»der den SchatzgegenFlieger- an griffe in Verhandlung gezogen und nach längerer Debatte verabschiedet. Der Ausschuß hat an der Regierungsvorlage gewisse Aenderungen vorgenommen. So würde der 8 1 umstilisiert, wornach die Hausherren zur Errichtung von Deckungen gegen Fliegerangriffe nur bei Neubauten verpflichtet werden können; bezüglich der alten Häuser soll eine eigene Regelung später getroffen werden. Werden jedoch in alten Häusern solche Deckungen freiwillig errichtet, so gelten eventuelle Begünstigungen auch für sie. Der Ausschuß ist der Ansicht, daß man rechtzeitig auch andere Maßnahmen, wie die eventuelle Evakuierung der Grotzstätte, vorberciten sollte. Die Deckungen für das Personal größerer Unternehmungen hat der Eigentümer der betreffenden Liegenschaft zu errichten, die Unternehmungen sind jedoch zu entsprechenden Beitragsleistungen verpflichtet. Durch einen neuen 8 22 wird den politischen Behörden die Möglichkeit gegeben, die Abwehrbereitschaft gegen Fliegerangriffe praktisch zn erproben. Sie werden ermächtigt, zu diesem Zwecke die nötige« Weisungen, bezw. Verbote zu erlasse«, namentlich soweit eS sich um den Verkehr und«m den Aufenthalt an öffentlichen Plätze«, um die Benützung von Gasmasken, die Abdeckung»der Verlöschung der Beleuchtung, den Feuer- und Samariterhilfsdienst der zuständigen Organe, Korporationen«sw. handelt. * Referent Dr. S l a v i k unterstrich die Wichtigkeit der Fliegerwaffe durch den Hinweis darauf, daß bei dem kürzlichen Aufstand in Griechenland der Sieder Regierungtruppen durch deren Flugzeuge entschieden worden sei. Es sei möglich, sich gegen Fliegerangriffe zu verteidigen, nur müsse man die Abwehr konsequent organisieren. Die aftive Abwehr fft Sache der Militärverwaltung, die passive obliegt der Zivil» bevölkerung und de« Zivikbehörden. Slavik betont«, daß wir im Vergleich zu den Nachbarstaaten viel nachzuholen hätten; das Gesetz dürfe deshalb mH auf dem Papier bleiben.— Der zweite Referent Spatnh betonte, daß man sich einerseits gegen Gasangriffe, andererseits aber auch gegen Thermit-Brandbomben schützen müsse, die ein« Temperatur von 2 bis 3000 Grad Celsius entwickeln. Es handelt sich nur um«ine Ra h m e n v o r l a g e, di« die Rechtsgrundlage für die Entwicklung der notwendigen organisatorischen Tätigkeit bilden soll. Finanzielle Opfer seien dabei seitens des Staates und der öffentlichen wie privaten Korporationen, ja auch der Einzelpersonen nicht zu umgehen. •» Die Debatte wurde von dem Kommunisten K l i m e n t mit einer ziemlich konfusen Red« rröffnet, in der er di« Rüstungen der einzelnen Staaten kurzerhand verurteilt« und nur Rußland als Friedensgaranten gelten läßt. Er fft gegen di« Vorlage, gegen jede vormilitärische Erziehung, weil das nur.weitere Schritte zur Militarisierung des gesamten Lebens" seien. In Sowjetrußland gebe es angeblich keinen Militarismus. Ihm erwidert« der tschechische Genosse S r b a: Wen» das kommunistische Rußland dieselbe« Ansichten und dieselbe Taktik hätte wie rmsere heimischen Kommunisten, dann würde es htute schon uichtmehr existiere«. Wen« heute die Tsche- choslowakci in der Verteidigung des Friedens im Oste» als Berbündetee Frankreichs und Rußlands angesehen werden kann und wenn dieses Rußland mit den beiden Verbündete« sich über die Art dieser Verteidigung nicht durch Reden, sondern aus praktischem Wege sich einigt, dann ist das, was unsere Kommunisten heute aufführeu, nichts anderes als eine Sabotage der Arbeit Sowjet- r» ß l a» d S. ES sei zu verwundern, daß von feite« Rußlands bisher nichts geschehen sei, damit unser« Kommunisten es nicht»eiter schädig« und ihm keine Schande mache«!(Heiterkeit!) Srba unterstreicht de«§ 13, der die Bildung eines Beirates beim Jnnnenministerium ermöglicht, und erklärt, daß dieser Beirat der Anfang und die Grundlage der ganzen Sache sein müsse. Redner verweist auf die Ausfchüßresolu- t i o n e n, wornach die Regierung Maßnahmen treffen soll, um übermäßige Gewinne bei der Erzeugung von Waffen und Verteidigungsmitteln überhaupt zu verhindern; es sei unmöglich. daß weiterhin der ein« kämpfe, während der andere am Krieg nur verdiene. Dann fordert die Resolution, daß die Regierung zur Unterstützung des Sportflugwesens in das nächstjährige Budget mindestens die 8 Millionen einreihe, die im Zuge der Sparmaßnahmen gestrichen wurden. Endlich müßte man für die Veranstaltung von Flugtagen wenigstens so viel Verständnis aufbringen, daß man sie nicht auch noch der Lustbarkeitssteuer unterwirft. In einem Weltkonflikt würden wir als die ersten drankommen und unsere Hauptaufgabe ist es, deshalb in der Verteidigung solange aus- z u h a r r e n, bis sich die Kräfte der Demokratien in der übrigen Welt zusammenschließen und uns zu Hilf« kommen können. Solange in Deuffchland die Sozialdemokratie an der Macht beteiligt war und in Oesterreich kein Fa- seismus herrschte, solange brauchte man nicht von einer Bedrohung des Friedens in Europa und einer Bedrohung der Tschechoslowakei zu sprechen und man mußte auch keine besonderen Vorkehrungen treffen; in dem Moment aber, als in der Nachbarschaft der Fascisums zur Macht kam, hat die Tschechoslowakei von allen Parteien, auch von den Sozialisten, das bekommen, was zu ihrer Verteidigung notwendig ist. ob es nun um die Dienstzeiwerlängerung oder um die Sanierung der Selbstverwaltung auch vom Senat genehmigt Prass. Der Senat verabschiedete am Donnerstag in mehr al- achtstündiger Sitzung dir Stnifttnt der Selbstverwal- tnngSkörper und die beiden Vorlagen über die Besteuerung der Motorfahrzeuge und über die Mineralölsteuer und vertagte sich dann biss Dienstag, den 9. April«m 16 Uhr. In die Debatte über die Sanierungsvorlage griffen nicht weniger als zwölf Redner ein. darunter von deuffcher Seite Stolberg, Dr. Kostka und Genosse Goth, dessen Rede wir morgen im Auszug nachtragen werden. Stolberg drückte sich sehr vSrfichtig um die Tatsache herum, daß die Verelendung der Gemeinden zum allergrößten Teil auf das Gesetz 77127 zurückgebt, das sein« Partei mit auf dem Gewissen hat. Auch Dr. Kostka vermied«S. auf die Schuldftage irgendwie einzugehen. Ueber die Vorlage betreffend den Transport mittels Motorfahrzeugen und deren Besteuerung berichtete der tschechische Genosse Jng. Winter. Er hob die Notwendi^eit der Regelung d«S gegenseitigen Verhältnisses zwischen Eisenbahn und Auwmobil hervor und besprach die wichtigsten Aenderungen gegenüber der ersten Vorlage von 1932 sowie die Aenderungen, die der Ausschuß an der Regierungsvorlage vorgenommen hat. So wurden die Bestimmungen über den Entzug der Konzession gemildert, die Verkehrslizenzen erweitert, die Rickk- Beschaffung von Kriegsmaterial ging. Dir such keine Feinde Deutschlands, erklärte Srba. aber die Demo- kratie werden wir unter allen Umstände» und gegen jeden verteidigen. Ein zweiter Kommunist suchte den klägliche» Eindruck der Rede Kliments dadurch zu verwischen, daß er gegen den Fascismus im allgemeinen loszog und ein Dokument zitierte, aus dem hervorgehen soll, daß die tschechischen-Fascisten reichsdeuffche Hilfe zur Durchführung eines Umsturzes anstreben und als Gegenleistung die Auslieferung der deutschen Emi- granten und»unbedeutende territoriale Zugeständnisse in Deutschböhmen" anbieten. Dr. Slavik hält den Kommunisten im Schluß- wort vor, daß sie, wenn sie wirklich gegen de» Krieg arbeiten wollten, die KonsolidierungS» und Friedens- tendenzen unserer Republik unterstützen müßten. Sowjetrußland sollte sich wirklich einmal darum kümmern, daß unsere Kommuni st en zu Verstand kommen. Die Vorlag,« wurde dann samt den Ausschußresolutionen in beiden Lesungen angenommen. Den Rest der Sitzung bildeten zweite Lesungen und eine ganze Reihe von Immunitäten. U. a. wird der Kommunist K l i m e n t wegen Vorschubleistung ausgeliefert, weil er die Poltzei hinsichtlich der Identität des Abg. Krosnak, der seinerzett steckbrieflich gesucht wurde, irreführen wollte.— Nächste Sitzung Freitag, den 8. April, un, halb 11 Uhr. Wahlreform noch offen Die Wahlreformvorlage konnte auch am Donnerstag vom Ausschuß noch nicht verabschiedet werden, da die polüischen Minister zu den verschiedenen Anträgen betreffend das Quorum und die Erreichung der Wahlzahl noch nicht abschließend Stellung genommen hatten. Deshalb wurde die einberufene Koalitionsberatung auf Freitag früh vertagt. Auch der verfassungsrechtliche Ausschuß selbst vertagte sich nach durchgeführter Spe-- zialdebatte auf Freitaa vormittags. zahlung der überzahlten Steuern gesichert ustv. Die Benzinsteuer wird um etwa 10 Heller pro Liter Brennstoffgemisch erhöht, was ungefähr 29 Mil- llonen eintragen wird. Im Vorjahre bettug der Gesamtertrag der Mineralölsteuer 160 Millionen, nach der Erhöhung wird der Ertrag 217 Millionen betragen, wovon der Staat 83 und der Straßenfonds 67 Prozent erhalten wird. In der Debatte behauptet Eichhorn(Gew- Part.) u. a., daß die Rentabilität der Eisenbahnen durch.Einschränkung der enormen Personalauslagen" (also offenbar durch Massenentlassungenik angestrebt werden müsse. Seine Partei werde gegen die Vorlage stimmen. Ueber die Novelle zur Mineralölsteuer referierte ebenfalls Genosse Jng. Winter. Ueber die vom Ausschuß beschlossene Aenderung zugunsten des Petroleums, wornach die Steuer für Oele zwischen 810 und 880 Dichtegraden^nicht auf 40, sondern nur auf 30 ffä pro 100 Kilogramm erhöht werden soll, haben wir bereits berichtet. Dies« Erhöhung wird sich pro Liter Petroleum nur etwa mit 10 Hellern auswirken. Dafür wird die Benzinsteuer von 92 auf 96 ffö erhöht. Wechselurlaube im Ostrauer Revier verlängert. Die Vertreter der Vertrags-Bergarbeiter- gewerkschaften unterzeichneten Donnerstag ein Abkommen mit der Direktorenkonferenz des Ostrau-Karwiner Reviers, mit welchem die Vereinbarung über die Wechselurlaube und über die Nichtentlaflung von Bergarbestern um ein Jahr bis Ende März 1936 verlängert wird. 1 Der neue Chauffeur Von Oskar Daum Lapak steckte sein fleischiges rotes Gesicht zum Fenster herein.»Zu Herrn' kommen!" rief er. Er stützte die Rechte gegen das feuchte Gesimse und streckte den Kopf weit vor. Es war ihm anzumerken, daß es ihm Vergnügen machte, sich seines Auftrages zu entledigen. Franz nickte einfach nur. Das konnte der Kutscher nicht begreifen. »Herr hat sehr geschrien," drängte er. Er war ein wenig stolz darauf, daß er deuffch sprach. Vielleicht auch hätte der Chauffeur das Drohende der Aufforderung aus dem Tschechischen nicht so deutlich herausgehört. Franz legte, wenn auch ohne überstürzte Hast, bereitwillig das Seitenbrett seines künftigen Ehebettes nieder, an dem er eben eifrig geschmirgelt hatte und wandte sich zur Tür. „Ich geh aber doch zum„Schwarzen Pferd", grollte Martin aus der Dämmerung im Hintergrund des Zimmers hervor. Er stemmte seine Hüfte gegen die Tischkante, um nicht zu hüpfen. Er dachte, daß es für diese Unterredung von Vorteil sei, wenn der Bruder sah, wie er seine Ermahnung befolgte.„Warum soll ich eigentlich hingehen?" beharrte er trotzig, obgleich Franz gar nichts geanwortet hatte. Lapak lachte vom Fenster her. Es fiel ihm gar nicht ein, gleich wieder zu gehen. Er beobachtete den Idioten. „Ich bleib nicht zu Hause," sagte Marttn verstockt. Der weinerliche Kindertrotz stand dem bärtigen Gesicht und dem rollenden Baß sonderbar. Franz wandte sich an der Tür um.„Ich hab dir ja nichts verboten, Martin," sagte er. Er sah an dem Bruder vorbei. Schmerzhaft tauchten Kindheitserinnerungen an den Vater aus diesem Zerrbild auf.„Geh nur, wenn du willst!" Franz wußte sehr Unchl, daß die Arbeiter im Wirtshaus den Narren mit Hallo und Gelächter begrüßen würden. Was für ein Spaß für sie, ihn in seiner aufgeregten Redeweise von seiner Nacht im Arrest erzählen zu hören! Wer Martin hing an ihrem Beifall, wenn er spiette, hing an dem Lärm ihrer lustigen Nächte, an den ftemden Lauten ihrer Sprache. Es lag ihm nichts daran, daß sie gestern über ihn hergefallen waren und ihn wie einen gefährlichen Staatsverbrecher hatten arretieren lassen. „Wenn du heute nicht gern allein hingehst," sagte Franz,„so mußt du ein Weilchen warten, bis ich vom Herrn zurück bin. Dann geh ich gern mit dir." Was hat denn der Arme sonst für Freuden? dachte er., Marttn war wie verwandelt, als er merkte, daß der Bruder wirklich nichts einzuwenden hatte. Das kleine blaffe Gesicht mü dem zottigen Bart glänzte auf.„Glaubst doch nicht, daß ich mich fürchte?" sagte er. Er lachte und hüpfte wieder. Er wurde im Lachen wie in allem gleich unmäßig. Der Kopf wackelte auf dem wild geschüttelten Körper. Franz ging zu ihm und legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm. Das wirtte ein wenig. Jetzt verschwand Lapak aus dem Fensterrahmen. Ein so friedliches Bild fand er offenbar langweilig. Man hörte noch einmal sein Lachen hinter dem Haus, aber das war nur ein leeres Lachen, das er dem vorherigen nachsandte. Martin hüpfte eilig die kleine Treppe hinauf in sein« Bodenkammer, die Ziehharmonika zu holen. Nachher rief er nur eilig durch die geschloffene Tür seinen Gruß und war fort. Franz trat ans Fenster.„Wer keine Limonade, Martin!" rief er ihm nach,„hörst du?" Er hob warnend den Finger. Martin wandte sich um. Ein Kinderlächeln lief über sein Gesicht.„Jetzt weiß ich schon," sagte er und wintte dem Bruder beruhigend zu.„Jetzt hab ich's schon heraus, daß es keine Limonade war." Auf der Straße schien er mit seinem wippenden Gang noch schmächtiger und Leiner. Franz sah ihm nach.„Hoffentlich werden die Leute jetzt eingesehen haben, wie weit sie mit ihrem Spaß gehen dürfen," dachte er,„zumindest wird wohl der Wirt auf der Hut sein." Er schloß die Fenster. Es war ein rätselhafter Dezember, südlich mild. An diesem Morgen hatte Franz im Garten an den Kirschbäumen Triebansätze gefunden. Mer für den Besuch» der vielleicht heute Aubend kommen würde, war es doch nicht warm genug. Er ging zu seinem kleinen Eisenofen und heizte ganz ordentlich ein. Man kann nicht sagen, daß er sich sehr beritte, zum Herrn zu kommen. Es war vielleicht von Wichtigkeit» was ihn dort erwartete, aber von einer Wichtigkeit» zu der nicht gerade Eile gehörte. Er räumte die ganze„Tischlerwerkstatt" aus dem Zimmer. Die Teile des Bettes waren schon ziemlich erkennbar gediehen. Er schaffte sie in die Küche nebenan. Dann kehrte er die Sägespäne und den Holzstaub gründlich auf die Schaufel und schüttete sie auf den Kehricht in de:i Hof. Als er zurückkam, stellte er das neue Grammophon hinter einen Vorhang. Eine wilde Jazz-Platte sollte Lidunka überraschen. Dann deckte er noch schnell den Tffch. Hinter dem Hause bog er zur Seite und nahm den Aiesenweg zur Fabrik. Vom Fluß stieg der verdrießliche dicke Nebel auf, der von Ruß und Gerbsäure der Lederfabrik schmutzig war und säuerlich roch. In dem grauen. Dunkel, während er mit Anstrengung bei jedem Schritt die Füße aus dem Lehm zog, fühlte er, wie glücklich er in den drei Monaten hier gewesen war. Er liebte sein Häuschen; er hatte noch nie vorher ein solches Leines Haus besessen, in dem er sein eigener Herr war. Unten hatte es drei Räume, den Borraum gar nicht gerechnet, der immer von der Luft aus dem Garten feucht durchweht war und zu Son zwei Stufen hinabführten. Droben unter dem Dach gab es dann noch«ine ziemlich geräumige Kammer, die nur nicht sehr hoch war. Welch ein Glück war diese Kammer gewesen, als plötzlich Martin erschienen war. Ein seltsamer Augenblick war es gewesen, als der bärtige kleine Mann vor ihm in der Stube stand, mit staubigen Schuhen, einem zerrissenen Mantel,«inen Papiersack mit Brotrinden in der Hand. Ein erschreckender, aber doch nicht eigenüich ein böser Traum. Es war beinahe als hätte die Mutter aus dem Grabe Franz ein Geschenk ins Haus geschickt. Ganz zufällig war es ja nicht gekommen. Als Franz die Stelle hier angetreten hatte, hatte er dem Bruder in die Anstalt nach Görlitz seine neue Adresse mitgeteill. Er hatte seiner Mutter versprochen, daß Martin immer seine Adresse wissen sollte. Martin hatte nicht geantwortet, aber nach ein paar Wochen stand er plötzlich da. Es war kaum zu begreifen, wie er den weiten Weg zu Fuß gefunden hatte. Er war aus dem Heim ausgebrochen. Es gab dort zu oft saure Linsen und Bohnen. Davon war er immer nach dem Essen müde und zu keiner Arbeit tauglich oder auch zornig und aufgeregt, obwohl er diese Speisen eigentlich gar nicht so ungern aß. Auch hatte ihm einer in seine Okarina Asche gestopft. Das konnte man gar nicht wieder ganz herauS- bringen. Immer wenn er blies, kam ihm etwas davon in den Mund. Franz staunte, wie sehr sich Marttn seit seiner Kinderzeit verändert hatte. Er hatte mancherlei Begabungen. In den wenigen Wochen erlernte er hier unter den Arbettern weit mehr ffchechisch als Franz. Und wenn er Musik macht«, war es, als ob er seine natürliche Sprache gefunden hätte, in der er mit den Herzen der Menschen verkehren konnte. Franz nannte ihn in Gedanken immer noch„der Junge", wie ihn die Mutter immer genannt hatte, aber er war sechs Jahre älter als Franz. Er war schon 28 Jahre alt. lFortsetzung folgt.) Nr. 81 Freitag, 8. April 1938 Seite 3 JudetcndeutsdicrJSeitspieiel Ein„tätlicher Angriff 1 des Ministers Czech auf Minister Spina Verspätete Aprilscherze Man würde es nicht für möglich halten, wenn man eS nicht schwarz und weis; in der„Deutschen Landpost" läse, daß »Minister Spina es war, der im Oktober 1934 die Heimatfront-Kundgebung in Böhmisch-Leipa ermöglicht hat— gegen die tätlichen Angriffe des Ministers Czech." Man stellt sich entsetzt die Szene vor, wie Doktor Czech seinem Ministerkollegen gegenüber handgreiflich wird und fragt erstaunt, wie es möglich ist, daß ein solches, gewiß nicht alltägliches Vorkommnis, ein halbes Jahr lang der Oeffent- lichkeit verborgen bleiben konnte? Die Aufklärung ist sehr einfach, die ganze Szene hat sich gar nicht ereignet, weder in der Form, in der das sprachliche Unvermögen des Schreibers sie serviert, noch in einer anderen. Es hat über die Leipaer Kundgebung keine Auseinandersetzung zwischen Czech und Spina gegeben, nicht in mini-' steriellen Beratungen, die sich mit der Sache niemals befaßt haben und nid&t bei einer anderen Gelegenheit. Was will also die»Landpost"? Das wird sofort klar, wenn wir weiter lesen: „Oder sollte auch die Tatsache, daß die SHF heute noch besteht, nicht dem B. d. L., sondern dem Minister Czech zu verdanken sein, gegen den die SHF auf einmal so zahm geworden ist?" Aufmerksame Leser der„Rundschau" scheint eS in der Redaktion der„Landpost" nicht zu geben, sonst könnten sie über Mangel an Angriffen auf die Sozialdemokratie nicht klagen. Aber die Tatsache, daß die„Rundschau", die ein Jahr lang, zu nicht geringer Freude der Landbündler, ihren ganzen Kampf auf den Marxismus eingestellt hatte und die Partei der Arbeiter mit wahren Sturzfluten der Gehässigkeit überschüttete, nun zum erstenmal den Landbündlern die Leviten liest— ob mit Recht oder Unrecht, soll dahingestellt bleiben,— scheint die„Landpost" ganz aus dem Häuschen gebracht zu haben. So sehr, daß sie in einer bei Agrariern ungewöhnlichen Sentimentalität sich selbst als den Mohren bezeichnet, der seinen Dienst getan hat.(Schiller, der den„Fiesco" nicht so gut kannte, sprach allerdings von„Schuldigkeit".) Ist es nicht ein köstliches Schauspiel, wie die LandbünNer, die das Kindlein ein Jabr lang gehätschelt haben, bis es ihnen über den Kopf wuchs, nun bei dem ungeratenen Sohn um gut Wetter bitten und ihn gegen die Sozialdemokratie hetzen? Ja, wenn wir das Vokabular der„Landpost" gebrauchen wollten, könnten wir sagen, daß sie den Minister Czech bei Henlein denunziert. Findet die.Landpost" nicht, daß sie mit diesen Methoden stark gegen die Loyalität sündigt, auf die der Landbund sehr bald angewiesen sein könnte? Er möge sich also die Frage vorlegen, ob es klug gewesen ist, uns ganz grundlos und unvermittelt anzufallen und damit die Feindseligkeiten zu eröffnen. für das kecht der Bergarbeiterprovlslonisten Einschreiten der Bergarbeiter verbände Durch die Bestimmungen des Paragraph 126 der Regierungsverordnung 112/34 wurden die Bergarbeiterprovisionisten, die in dem Genuß einer Rente nach dem Gesetz über die Sozialversicherung stehen, außerordentlich benachteiligt. Diesen Pro- visionisten wird nur der Steigerungsbetrag ausbezahlt, während ihnen der Grundbetrag von 550 Kronen und dep Staatsbeitrag von 800 Kronen nicht ausbezahlt wird. Die auf Grund dieser Verordnung eingetretene Kürzung beträgt daher mindestens 1050 Kronen. Diese Kürzung hat begreiflicherweise bei den betroffenen Pen- s i o n i st e n eine große E.r b i t t e r u n g hervorgerufen. Die.Union der Bergarbeiter hat gemeinsam mit dem„Svaz hornikü" sofort alle Kräfte eingesetzt, um diese Benachteiligung zu befestigen. Obwohl die Forderung nach Aenderung des Paragraph 126 als berechtigt anerkannt wird, unterbleibt die Behebung des zugefügten Unrechts. Dies veranlaßte die Union der Bergarbester und den„Svaz hornikü" zu einer neuerlichen Intervention. Dienstag, den 2. April, sprach eine Deputation bestehend aus zwei tschechischen und zwei deutschen Provisionisten aus dem nordwestböhmischen und dem Falkenau-Karlsbader Revier beim Gesundheitsministerium und beim Ministerium für soziale Fürsorge vor. Die Deputation wurde vom Obmann des Svaz, Genoßen B r o Z i k und vom Obmann dec Union, Genossen Z i n n e r geführt. Die Deputation verhandelte in beiden Ministerien mit den zuständigen Referenten und legte ihre Wünsche und Forderungen auch dem Minister Dr. Spina und dem Minister Genoßen Dr. M e i ß- n e r vor. Bei beiden Ministerien wurde die Dringlichk eit der. Regelung anerkannt und es besteht wohl nun die Hoffnung, daß die noch bestehenden Hindernisse beseitigt und die Bestimmung des Paragraph 126, nach welcher den Provisionisten nur der Steigerungsbeitrag auszuzählen ist, aufgehoben wird. Arbeitslosengelder veruntreut und verjubelt Eine am 5. Dezember 1933 bei der Bezirksleitung der christlichen Fabrik- und Bauarbeiter- Gewerkschaft in Rumburg borgenommene gründliche Revision ergab einen Fehlbetrag von 42.096 X2. Der bei der Bezirks- lellung aushilfsweise angestellte Franz Kade aus Altehrenberg, welchen man nicht nur die Geldeingänge, sondern auch Auszahlungen an die arbeitslosen Organisationsmitglieder anvertraut hatte, mußte sich nun deshalb beim Leipaer Kreisgerichte verantworten und die Verhandlung förderte folgendes Bild zutage: Trotz wiederholten Fehlbeträgen, am 18. April 1932 waren es 784.85 K£, am 2. Juni 1933 waren es 24.534 XC, wurde Kade in seiner Stellung belaßen. Kade berief sich nun bei Gericht auf den Obmannstellvertreter Karl Dalibor, welcher ihn angeblich zu diesem Vertrauensmißbrauche und zur Veruntreuung verführt habe. Beide unternahmen regelrechte Bummelfahrten, feierten Zechgelage und dieses alles auf Kosten der Aermsten, der arbeitslosen Arbeiter. Kade gab zu, daß ihn zwei Bummelfahrten nach Prag allein 6000 XL gekostet haben. Er gab sich vor Gericht als der Verführte aus, wollte aber nicht die ganze Summe, sondern nur 24.534 XL veruntreut haben. Wo sich die restlichen 18.000 XL befinden, will er nicht wissen. Unter anderem führte er an, daß auch bei Uebernahme der Geschäftsführung 70.000 XL gefehlt hätten. Ob diese Angaben stimmen oder nicht, läßt sich nicht mehr überprüfen. Was würden wohl unsere— auch die Christlichen— Gegner sagen und schreiben, wenn solche Zustände bei einer freien Gewerkschaft auf- gedeckt würden? Sicher würde man das alles dem „faulen marxistischen" System ankreiden. für Ordnung an den Hochschulen Im Kulturausschutz des Abgeordnetenhauses erstattete Schulminister Dr. Krkmak ein ausführliches Exposee über die Frage derStuden- tenstiftungen, die kürzlich durch einen Antrag der tschechischen Genossen auf Zusammenfassung aller dieser Stiftungen aufgerollt worden ist. In der Debatte wurden nicht nur die Prinzipien hervorgehoben, auf denen eine Neuregelung beruhen muß, sondern auch d e r G e i st, k r i t i- s ierst^d e ran d« n-he«t i g en Hvch»ü n d Mittelschulen, nä'men tlich“• auf deutscher Seite, herrscht. Diesbezüglich wurde eine Resolution Zahorsky angenommen, in der daS Schulministerium aufgefordert wird, durch geeignete Maßnahmen zu verhindern, daß an einzelnen Hochschulen Erscheinungen zutage treten, dir mit der Lehr- und Lernfreiheit unvereinbar sind. In der Debatte verlangte Genossin Klrpal u. a. die strengste Untersuchung des Falles Dr. Gach. Sie wandte sich gegen die rassische und nationalistische Unduldsamkeit überhaupt, befaßte sich in diesem Zusammenhang namentlich auch mit der bekannten Ttudentenversammlung im Karolinum, di« ebenso gut im Dritten Reich hätte stattfinden können, und warf die Frage auf, wie die Rektoren und Professoren solche Reden anhören und dazu schweigen konnten. Der Geist, der auf den Hochschulen herrscht, wirb aber bereits in den Mittelschulen gezüchtet, wie Genossin Kirpal neuerdings an Hand von Beispielen nachwies. Schweiz gegen das deutsche Spitzelwesen Bern. Die Schweizerische Depeschenagentur meldet: Im Schweizerischen Nationalrat kam Donnerstag die Interpellation des Baseler Abgeordneten Schneider wegen der Entführung des Schriftstellers Jacob zur Sprache, die am Dienstag bereits im Ständerat der Schweiz behandelt und vom Außenminister auch beantwortet worden war. Der Interpellant erklärte sich msi der damaligen Beantwortung durch Bundesrat Motta vollständig einverstanden, verlangte aber neben den bereits vorgesehenen Maßnahmen weiter die Auflösung sämtlicher illegaler nationalsozialistischer Organisation e n i n d e r S ch w e i z. In der Beantwortung führte der Vertreter der schweizerischen Regierung, Bundesrat Motta, aus, daß er Wort fiir Wort von all dem aufrechterhalte, was er bereits im Ständerat der Schweiz ausgefiihrt hatte. Der Bundesrat ist absolut fest entschlossen, in der diplomattschen Aktion alle Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen, zu erschöpfen. Eine Anrufung des Schiedsoertrages vom Jahre 1920 sei auf den vorliegenden Fall bestimmt anwendbar. Für die Schweiz gebe cs nicht einen Fall„Jacob", sondern einzig und allein einen.Fall der territorialen Souveränität der Schweiz". In seinen weiteren Ausführungen unterstrich Bundesrat Motta die Notwendigkeit der Schaffung gesetzlicher Maßnahmen und Handhaben zur Bekämpfung des «Spitzeltvesens durch die Eidgenoffenschaft. des ken i Aufstandes in dieser Stadt, Kapitän Bolanis, würde zum Tode, der zweite Führer der Aufständischen zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Zwanzig Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen auf di- Dauer von sechs Monaten bis zu 20 Jah- * re« oerurteilt. Zwölf weitere Angeklagte wurden fceige sprachen. Saloniki.(Reuter.) Das Kriegsgericht beendete den Prozeß gegen 84 Aufftändssche aus der Wo steht General v. Seeckt? Berlin.(AP) Angesichts des-baldigen Eintreffens des Generals v. Seeckt ist die Frage berechtigt, welche Haltung Seeckt gegenüber dem Nationalsozialismus einnehmen wird. Seeckt ist kein Schleicher-Mann. Dieser Aristokrat verwirft alle Extratouren und alle Konzessionen an die breite Maffe, die in seinen Augen nur„Pöbel" ist. Waren auch Schleichers„sozialistische" Ge- dankengänge nur aus kriegstechnischen und mili- tärpsychologischcn Erwägungen entsprungen, so ist doch Seeckt allen derartigen Dingen abhold. Für ihn sind aber auch die Nationalsozialisten nur «Plebejer". Die konservativ-monarchistische Rich- tung erfährt also durch diesen Mann eine Verstärkung. Kein Wunder, daß in der national- fozialistischen Parteileitung starke Bedenken gegen Seeckt bestanden, die aber überwunden wurden. Haben die Nationalsozialisten doch auch schon die Schacht, Gördeler und Trendelenburg geschluckt, und all das ist erst der Anfang. Eine Zeitlang war Seeckt bei den völkischen Kreisen sogar verhaßt. War er doch 1923 der Gegenspieler, als Hitler auf eigene Faust eine Aktion Unternahin, während die herrschenden Mächte in Deutschland nach Inflation, und Ruhrbesetzung Ruhe in Deutschland haben wollten. Damals packte Seeckt, der mit den führenden Wirtschaftskreisen engen Kontakt hielt, scharf zu, und durch Querverbindungen hielt er auch Ehrhardt, der an der bayrischthüringischen Grenze stand, ab, mit Hitler gemeinsame Sache zu machen.. Völkische Studenten unternahmen bald danach ein Attentat auf ihn, das auf seine Beliebtheit in rechtsradikalen Kreisen ein bezeichnendes Licht wirft. Er war bei den Nationalsozialisten die ersten Stunden so verhaßt wie die Hugenberg und Papen, Düsterberg und Oldenburg-Januschau. Nicht umsonst hatte man ja dort die demagogische Hetze„gegen die Reaktion" betrieben. Seeckt wird aber auch noch in einem Punkt den Nazis eine harte Nuß sein. Er ist, darin mit dem Schleicherkreis einig, fiir die Ostorientierung. Das stärkt Fritsch gegen die Rosenberg und Göring, denen das wenig ins Konzept paßen wird. In dieser Auffassung war er der Gegner des bekannten Generals Hoffmann. Es ist bekannt, daß Seeckt, der 1923 während des Belagerungszustandes die kommunistische Partei verbot, mit der Sowjetunion seiner- zeit sehr weitgehende Abmachungen über Errichtung von Munitionsfabriken auf sowjetrufsischem Boden zur Umgehung des Versailler Vertrages abschloß, Abmachungen, die von pazifistischer Seite enthüllt wurden und mit dem HitleriSmus ihr Ende fanden. Im sozialpolittschen Ausschuß des Senates wurde eine Reih« von Petitionen verhandelt, die Beschwerden über die Zustände an der Klinik Schlaffer(imZusammenhang mit dem Fall Dr. Gach) betreffen. Die Petitionen wurden der Gesundheitskommission des Ausschusses abgetreten; vor dieser Kommission sollen die zuständigen Vertreter deS Schul- und des Gesundheitsministeriums einen Bericht über die konkreten Beschwerden erstatten, die in der Oeffentlichkeit erörtert werden. Lamison von Passau verstärkt Wien. Das„Linzer BolkÄblatt" berichtet aus Passau, daß die bis vor kurzem in Passau konzentriert gewesenen österreichischen Legionäre größtenteils nach München dirigiert wurden. Dafür wurde aber die Paßauer Reichswehrgarnison verstärkt. In diesem Grenzbezirk sind zwölf Kompagnien des 20. Reichswehrregimentes, jede Kompagnie 120 Mann stark und mit 10 Maschinengewehren ausgeriistet, konzentriert. Auch sonst ist die Reichswehr in Passau sehr gut ausgerüstet, besitzt Flugzeuge, eine große Zahl von Automobilen und Motorrädern und organisiert in der letzten Zeit äuch die Flugabwehr. Weitere Resultate der Gömbös-Wahlen Budapest.(MTJ) Das Resultat dr» Wahlganges vom Mittwoch ist folgendes: Bon de« insgesamt 24 Wahlbezirken mit offener Abstimmung fielen zwölf Mandate der Partei der Rationalen Einheit zu, während die Unabhängigen Kleinlandwirte vier, die Christliche Wirtschaftspartei vier und die Parteilosen zwei Mandate erhielten. In zwei Wahlbezirken finden noch Stichwahlen statt. Das Resultat der vier mit geheimer Abstimmung wählenden Bezirke wird später br- kanntgegrbrn. Die Wahlen zeitigten msthin bisher folgen- Nesultat: Rationale Einheit: 146 Mandate, Unabhängige Kleinlandwirte: 21 Mandate. Christliche Wirtschaftspartei: 6 Mandate. Reformgeneration: 2 Mandate. Sozialdemokraten: 2 Mandate. Legittmisten: 1 Mandat. Rationalistische Partei: 1 Mandat. Erdarbeiter: 1 Mandat. Parteilose: 10 Mandate. Die Stichwahlen finden in zwölf Wahlbezir- statt. Was Ist mit Henleins„Arbeits- beschaffungsprogramm“? Es wird bald ein halbes Jahr her sein, da hat die Schriftleiterpreße in Plakatlettern das Welterlösungsprogramm Konrad Henleins verkündet. 300.000 Arbeiter wollte er sofort be- schäftigen, mit einem Schlage würde sich die Arbeitslosigkeit um ein Drittel verringern und der ganz« Spaß sollte nicht mehr als 1,100.000 XL kosten. Die völkische Kinderstube geriet in helle Begeisterung. Das war einmal ein Schlager, das sollen die„Marxisten" dem deutschen Turner Henlein nachmachen! Ein genialer Gedanke, ein „Programm", das sich sehen lassen konnte! Der ganze Speftakel ist nun verstummt, in keinem Blatte, in keiner Versammlung der Hühnerfarm ist mehr von dieser phänomenalen Ausgeburt volkswirtschaftlicher Ignoranz die Rede und man hat das Gefühl, daß der ganze Schwin- del wirklich für Hühner berechnet war, di« nicht denken können. Dafür gibt es aber Arbeiter, die nicht nur denken, sondern auch gut rechnen können, besser jedenfalls als die volkswirtschaftlichen Analphabeten von Henlein bis Wollner und den völkischen Schriftleitern.' Ein Arbeiter hat das„Arbeitsbeschaffungsprogramm" Henleins rechnerisch verarbeitet und stellt uns nun das Ergebnis zur Verfügung: Mit 1.100,000.000 XL will Henlein 300.000 Arbeiter beschäftigen. Angenommen, daß der ganze Betrag nur als Arbeitslohn gedacht ist, entfällt somit auf jeden der 300.000 Arbeiter ein Betrag von 3666 XL. Ist an eine ganzjährige Beschäftigung gedacht, wie das aus der Henleinpresfe hervorging, so ergibt sich bei 300 Arbeitstagen«in Taglohn von 12.22 XL, oder ein Wochen lohn von 73.32 XL. Da? ist gewiß ein Lohn, an welchem sämtliche SHF.-Fabrikanten ihre helle Freude haben können und vielleicht denken sie daran, den Henlein als Jndu- striellensekretär für Lohnftagen anzustell«n. Nun weiß aber jedermann, daß man im Durchschnitt' die Lohnkosten im besten Falle mit höchstens einem Drittel der Gesamtkosten anneh- meü darf, während die Material, und sonstigen Kosten mindestens zwei Drittel betragen. Dann aber bleiben dem Herrn Henlein für Arbeitslöhne ganze 366,000.000 XL, oder für jeden der berühmten 300.000 Arbeiter eine Lohnsumme von 1222 XL, das sind 4.07 XL p r o T a g. 24.42 XL d i e Woche. Das ist die reale Basis eines mit großem Tamtam in die Welt posaunten Bluffs, der berechnet war, Dumme einzufangen und der nichts anderes bewiesen hat, als die grenzenlose Demagogie, mit der die Hühnerfarm„Politik" macht. Ans der Mühlig-Union in Settenz. Unter! Bezugnahme auf unsere gestrige Notiz, in der wir! eine Meldung übernahmen, daß der Beamte Basler aus der Mühlig-Union verhaftet worden sei, stellen wir richtig, daß diese Nachricht auf einem Irrtum beruhte, da bei Basler, der Schriftführer der Settenzer SHF-Ortsgruppe ist, wohl eine Hausdurchsuchung stattfand, jedoch keine weitere Amtshandlung vorgenommen wurde. Dor Streit um Tyrs. Die Differenzen zwi schen den Klerikalen und den übrigen' tschechischen Parteien hinsichtlich der Benennung des Staatlichen Institutes für Körpererziehung nach Tyrs, dem Begründer des Sokol, fanden im Senat am Donners tag ihre Fortsetzung. Im sozialpolitischen Ausschuß beantragte der Redner der Klerikalen, die Bezeich nung„Tyr^"-Institut zu streichen; er wurde jedoch überstimmt.— Im Abgeordnetenhaus rea-_ gierte der Nationalsozialist P o l i v k a auf H l i n-: Stadt Serres in Mazedonien. Der Führer deS las— ebenfalls im Zusammenhang mit dem Tyrs- Institut getätigten— Ausspruch, er habe die Sokoln in der Slowakei nirgends kämpfen, wohl aber in den Kirchen tanzen gesehen, mit ausführlichen Daten über die Beteiligung der Sokoln und der Arbeiter turner an der Verteidigung der Slowakei und über die Blutopfer, die sie gebracht haben. Rat und Belehrung finden unsere Gemein devertreler in reichem Matze in der „Freien Gemeinde“ Redaktion und Verwaltung. Prag XU.. Fochova 62/V. Katholikentag- Kulturtag 1935 Aus den Kreisen der proletarischen Freidenker wird uns geschrieben: Am 30. Juni 1935 findet in Prag der gesamtstaatliche Katholikentag statt. Das Generalsekretariat des Katholikentages lietz in den letzten Tagen einen Bericht in einigen bürgerlichen Blättern erscheinen, in dem festgehalten wurde, dah alle deutschen(bürgerlichen) Parteien und Vereine ihre Veranstaltungen, die am 30. Juni stattfinden sollten, entweder vor- oder nachverlegt haben, um -um Gelingen des Katholikentages bci-utragen. Richt umsonst und nicht aus Vergnügungssucht tvird derselbe von den Klerikalen veranstaltet. Die Kirche, die in der letzten Zeit in vielen Ländern mit dem Fascismus die Macht erobert hat, dort die Arbeiterschaft entrechtet und unterdrückt, versucht auch in unserer Republik ihre Wünsche zu präsentieren. Dieselbe Kirche, die sich immer entrüstet, datz die Tschechoslowakische Republik antichristisch ist und von ihr als„Missionsgebiet" bezeichnet wird, versucht mit allen Mitteln, den freiheitlichen, fortschrittlichen Boden dieser Republik-u untergraben. Die verschiedenen Errungenschaften der Nachkriegszeit sind der Kirche längst ein Dorn im Auge gewesen. Warum wird bei uns die Schule, die Familie und der ganze Staat nicht durch die Kirche beeinflutzt und verwaltet? Alle Staaten rings um die Republik gaben der Kirche das Konkordat— warum soll es die Kirche bei uns^ nicht verlangen? Herr Pater Sra- mek und die Bischöfe waren doch nicht umsonst beim heiligen Vater in Rom gewesen. Ein freies Denken mutz die Kirche beseitigen, wenn sie zu ihrem Ziele gelangen will— das Konkordat ist nur ein Teil dieses Zieles. Dieser Forderung einen richtigen innen- und aussenpolitischen Stempel aufzudrücken und einen entsprechenden Nachdruck zu verleihen, deshalb wird der Katholikentag am 30. Juni in Prag stattfinden. Die Katholiken dieses Staates, welche Sprache sie immer sprechen, werden an diesem Tage gegen Fortschritt und Freiheit demonstrieren.' Die drei grossen Freidenkerverbände in der Tschechoslowakischen Republik, die„Volnä MyZ- lenka", der„Bund proletarischer Freidenker" und die„Union soc. svob. myslitelü" haben sich daher auf Grund dieser Ereignisse entschlossen, dem Tag der schwarzen Reaktion einen Tag des Fortschrittes und der Demokratie entgegenzusetzen. Am 6. und 7. Juli veranstalten diese drei Verbände mit anderen fortschrittlichen Organisationen als Antwort auf den Katholikentag eine grosse Manifestation, den Kulturtag in P r a g, am Altstädter Ring beim historischen Hus- denkmal. An diesen Tagen werden die Konfessionslosen mit der freiheitlich gesinnten Arbeiterschaft für die Gleichberechtigung der Konfessionslosen, fiir die unabhängige Schule, für die Trennung der Kirche vom Staat, für die Demokratie und für Frieden und Sozialismus demonstrieren. Wie lange noch werden über eine Million konfessionslose Staatsbürger, als Bürger zweiter Klasse behandelt werden? Wie lange noch wird die schulmässige Bevorrechtung der konfessionellen Weltanschauung auf Kosten der wissenschaftlichen Weltanschauungen dauern? Die Konfessionslosen in diesem Staate sind neben der katholischen Kirche die stärkste Gruppe und trotzdem wird diese Gruppe Staatsbürger nur nach dem Vereinsgesetz behandelt, wogegen die Kirche vollkommen durch Gesetze geschützt und gefördert wird. Der 0. und 7. Juli soll auch unseren Forderungen einen Nachdruck verleihen, weshalb diese drei Verbände alle freiheitlich gesinnten Menschen aufrufen» an dieser Manifestation teilzunehmen. Eine Reihe von tschechischen Organisationen haben bereits ihre Unterstützung und Beteiligung zugesagt.(Die Partei, tschechische Lehrerschaft, Legionäre, Jugendliche.) Auch ausländische Verbände haben bereits ihr Erscheinen angekündigt. (Belgien, Schweiz, Amerika, Russland.) Auch wir deutschen Freidenker erwarten von den Bruderorganisationen das gleiche Verständnis und hoffen, dass auch sie uns in der Arbeit für den Kulturtag mit Wort und Tat unterstützen werden. Der Bund proletarischer Freidenker wird aus seinem Organisationsgebiet allein eine Reihe von Sonderzügen abgehen lassen. Wir erwarten von der übrigen organisierten Arbeiterschaft ebenfalls eine recht zahlreiche Beteiligung. Der Kulturtag in Prag soll ein Markstein in der Geschichte der deutschen und tschechischen Arbeiterbewegung werden, deshalb alle Mann an Bord l Heinz Ihme. Tagcsncuigifcitcii Raubiiberfall in Karbitz Mittwoch nachmittags um 17 Uhr paßten zwei bisher unbekannte Täter einen Augenblick ab, da die Gattin des Drogisten Otto Mattausch in Karbitz, Margarethe, allein im Filialgeschäft auf dem Marktplatz in Karbitz weilte. Sie verlangten Farben und Pinsel. Als Frau Mattausch vor das Pult trat, um die Waren auszusuchen, stürzten sie sich auf sie, knebelten sie, fesselten ihr die Hände und Füße mit Zinkdraht, schleppten sie in den Nachbarraum und raubten die Kaffe aus, in der sich aber nur der Tageserlös von etwa 600 Kronen befand. Das Verbrechen wurde von einem Reisenden entdeckt, der zufällig kurz darauf den Laden besuchte. Polizei und Gendarmerie haben die Nachforschungen nach den Tätern ausgenommen. Die überfallene Frau erlitt einen starken Nervenchok, konnte aber bereits einvernommen werden und hat eine teilweise Beschreibung der Täter gegeben. * Zu dem frechen Ueberfall, der die Bevölkerung des Städtchens in große Aufregung versetzte, erfahren wir noch: Der Ueberfall wurde durch einen Reisenden entdeckt, der kurz nach der Tat das Geschäftslokal betrat. Er hörte aus dem Nebenraum ein Röcheln und fand dort die geknebelte Frau. Er schlug Alarm, die Nachbarn wurden aufmerksam und man befreite das Opfer des Anschlages. Die Räuber halten der Frau mit einem Fensterleder, das neben dem Eingang zum Laden hing, den Mund verstopft. Außerdem hatten sie die Knebelung mit einem Band befestigt. Die Hände der Frau feffelten die Verbrecher mit einem starken Zinkdraht und die Beine mit einem starken Strick. Polizei und ärztliche Hilfe waren rasch zur Stelle. Inzwischen konnte Frau Mattausch auch über den Vorgang vernommen werden. Sie schildert die Täter als 30 bis 40 Jahre alt. Einer trug einen lichten Mantel und Knickerbocker. Die Sicherheitsorgane trafen sofort alle Maßnahmen?ur Ermittlung der Täter, deren Kühnheit allgemein bewundert wird, der Tatort liegt an einer der frequentiertesteN Plätze des Stadtgebietes. Die Höhe des geraubten Betrages dürfte sich auf 600 Kronen belaufen. gehn BankrSuber hingerichtet? Moskau.(DNB) Wie jetzt amtlich mitgeteilt wird, wurde am 22. März die Filiale der Staatsbank in Kamenec-Podolsk unweit der rumänischen Grenze von einer Räuberbande Überfalles. Der K,a s s i e r des. Bank wurde dabei erschossen und ss w e i wehere Beamte v e r- letzt.'Die Räuber konnten nach einigen Tagen festgenommen werden, und zwar sechs in Kiew und vier in Moskau. Sie wurden nach Kamenec-Podolsk gebracht und dort vom Gericht zum Tode verurteilt. Die Urteile sind bereits vollstreckt worden. Die Antarktis hatte einmal subtropisches Klima? Panama. Dem Reuter-Vertreter erllärte der bekannte Südpolforscher Byrd, er werde in die Antarktis nicht mehr zurückkehren, jedoch ein Buch über seine Expeditionen schreiben. Er beharrt auf seiner Behauptung, daß er im Gebiete des Südpols versteinerte Bäume, zweifellos subtropischer Art, gefunden habe, und er sei überzeugt, daß die Südpolargegenden einstmals ein warmes Klima aufwiesen. Er habe dort Kohlenlager und andere Entdeckungen gemacht, glaubt doch, daß die Antarktis niemals vom wirtschaftlichen Standpunkt Bedeutung erlangen, vielmehr nur rein wissenschaftliches Interesse finden werde. Zwei Brüder tödlich verunglückt AZhorod. Als Mittwoch nachmittags der 18- jährige Georg und der 22jährige Ivan T o t h im Gemeindesteinbruch für ihr eigenes Häuschen Steine brechen wollten, geriet eine Steinschicht ins Rutschen und begrub die beiden Brüder. Beide konnten nurmehr als Leichen aus den Steinmassen geborgen werden. Das Unglück dürften die Brüder durch eigene Unvorsichtigkeit verursacht haben. Deutsche Sorgen. Daß sich der„deutsche Gruß" in Hitlers Reich nicht gerade allgemeiner Beliebtheit erfreut, geht wohl aus der tiefer angeführten Notiz hervor, die wir der„Reichender, ger Zeitung" vom 1. April entnommen haben und die' folgenden Wortlaut hat: („W e i d m a n n s h e i l!" nur unter Forstbeamten.) Aus B e rl i n, 1. April, wird gemeldet: Nach einer Anordnung des Reichsforstmeisters für die preussische Forstverwaltung gilt der Gruss„Weidmannsheil" weiterhin für Forstbeamte untereinander im Dienst und für Forstbeamte auf Jagd. In allen übrigen Fällen ist der deutsche Gruss anzuwenden. Es mag also etliche im Dritten Reich geben, die dem deutschen Gruß, der ja eben kein deutscher Gruß, sondern eine Nachahmung des italienischen Fascistengrußes ist, durch das„Weidmannsheil" zu entgehen versuchen. Dies muß bereits solche Formen angenommen haben, daß sich der Herr Reichsjägermeister Göring veranlaßt gesehen hat,, die Sache Hitlers durch die obige Anordnung zu retten. DaS ne» reorganisierte Beratungskollegium für Körpererziehung beim Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen und Körpererziehung setzt sich aus Vertretern aller Spitzeninftitutionen für Körpererziehung und aus Vertretern des Ministeriums für öffentliches Gesundheitswesen und Körpererziehung, des Ministeriums für nationale Verteidigung, des Unterrichts, des Handels und des Ministeriums für soziale Fürsorge, für öffentliche Arbeiten, aus Vertretern deS Unifizierungs- und des Landwirtschaftsministeriums zusammen. Vertreten sind im Beratungskollegium tschechische, deutsche und ungarische Körpererziehungsinftitutionen, so dass das Beratungskollegium ein einziges Forum bilden wird, wo Funktionäre sämtlicher Institutionen zusammenkommen, die zur körperlichen Ertüchtigung in Beziehung stehen. Das Beratungskollegium zählt zusammen mit den Ersatzleuten 73 Mitglieder. Das Beratungskollegium, welches 33 Spitzenbehörden und Körper- erziehungsinsritutionen vertritt, fasste in seiner Sitzung vom 30. März 1835 mit sämtlichen Stimmen in seiner ersten Sitzung des neuen Trimesters über zwei Fragen Beschluss, die das Kollegium als wichtigste ansieht. Es sind dies 1. Das Kollegium begrüßt die Annahme des Gesetzes über das staatliche Tyrs-Erziehungsinstitut in der Kammer und spricht sich für dessen rasche Errichtung und allseitige Ausgestaltung aus, das heisst, datz«in Organisationsstatut des Institutes ausgearbeitet und eine finanzielle Basis gesichert werde, die es dem Institut garanfieren würde, seine Mission als Zentrum für sämtliche Fragen der Körpererziehung in der Republik zu erfüllen. 2. Das Gesetz über die schulärztliche Aufficht über die Schuljugend: Der Gesundheitszustand der Schuljugend sämtlicher Schultypen und Schulgrade ist bisher keiner pflichtgemässen ärztlichen Aufficht anvertraut. Unter dieser ärztlichen Fürsorge versteht man eine ständige Kontrolle der Gesundheit der Jugend unter ständiger Bezugnahme zur körperlichen Erziehung, die die Schulärzte durchführen würden, welche für diese Aufgaben vorbereitet werden sollen. Das Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen und körperliche Erziehung möge alles Notwendige veranlassen, dah die Aerzte, die sich für die Physikatsprüfungen vorbereiten, die Möglichkeit erhalten, hinreichende Kenntnisse aus der Physiologie und Pathologie der Körpererziehung zu erlangen. Es liegt im Interesse des Staates und es ist demnach auch die Pflicht des Staates, dass er eine gesundheitliche gute Entwicklung der Schuljugend an allen Schultypen und-Grade» im ganzen Staate durch die gesetzliche Regelung der ärztlichen Aufsicht über die Schuljugend sicherstelle. Die Uebrrreste der Opfer des katastrophalen Strohschobrrbrandes in Ujhorod wurden Mittwoch auf dem Gemeindefriedhof von Horjany beigesetzt. Der Brantz ist, höchstwahrscheinlich auf die Unvor- fichtigköit eines Obdachlosen, der im ersten Schober, wo derBrand ausbrach, Unterkunst gesucht hatte, zurückzuführen. Durch das Verhör der geretteten Obdachlosen wurde festgestellt, daß bloß die Obdachlosen aus den Schobern, die zuletzt in Brand gerieten, flohen, während sich die Obdachlosen in den übrigen Schobern wegen der raschen Ausbreitung des Brandes nicht retten konnten. Sprung in die Macocha. Am vergangenen Dienstag verübte wieder ein junger Mensch aus der Umgebung von Blansko einen grauenvollen Selbstmord, indem er in den Abgrund der Macocha sprang. Der Unglückliche fiel in den am Grund befindlichen See, so daß seine Leiche kaum jemals geborgen werden dürfte. Es handelt sich um den 22jährigen Robert D o l e Z e l, der die Verzweiflungstat wegen Familienzwistigkeiten verübt haben dürfte. In einem hinterlassenen Brief gibt DoleZel seine Wünsche bezüglich des Begräbnisses bekannt. Familientragödie in Kiel. In K i e l hat sich eine furchtbare Familientragödie ereignet, der drei Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Ein 16- jähriger Schüler war schon seit einiger Zeit in der Schule vermißt worden. Als man am Donnerstag vormittags zu Hause nachfragen wollte, stellte es sich heraus, daß die Wohnung verschlossen war. Da sich niemand meldete, wurde die Wohnung gewaltsam geöffnet. Dort fand man den 47 Jahre alten Vater, die 43 Jahre alte Mutter und den 16jährigen Sohn tot auf. Die Leichen des Vaters und des Sohnes wiesen Kopfschüsse auf, während die Todesursache bei der Mutter noch nicht festgestellt werden konnte. Ueber die näheren Umstände dieses furchtbaren Familiendramas ist noch nichts bekannt. Blutat auf Rügen. In einem Gasthof in Bergen auf Rügen hat ein Betrunkener am Donnerstag nachmittag eine schwere Bluttat verübt. Der Betrunkene, der in der Nähe von Bergen ansässig war, hatte seine Ehegattin schwer mißhandelt, und diese war in ein Wirtshaus in Bergen geflüchtet. Als der Mann ihren Aufenthaltsort in Erfahrung gebracht hatte, erschien er ganz plötzlich unter den Gästen in der Gaststube, ließ sich zu trinken geben und zog dann plötzlich eine Pistole, mit der er wild um sich schoß. Drei Personen wurden durch Bauchschüsse schwer verletzt. Sie liegen im hoffnungslosen Zustande im Krankenhaus. Ferner erlitt eine vierte Person eine leichtere Verwundung. Verzweiflungstat eines Entlassenen. In den Räumen eines Bridgeklubs in dem Warschauer Hotel ,^2'Europe" schoss am Mittwoch ein entlassener Diener auf den L e i t e r des Klubs und richtete dann die Waffe gegen sich selbst. Der Klubleiter wurde verletzt, jedoch nicht lebensgefährlich. Der Attentäter hatte sich so schwer verletzt, dass er nach kurzer Zeit st a r b. Das Festprogramm Samstag, den 6. Juli Motto:Bah« frei dem Aruk! V o rm i ti ag: Bundesmeisterschaftskämpfe in Reigen- und Kunst- fahren— Langsamfahren. 1 und 10 Kilometer Radrennen für Sportler. 2X5 Kilometer Tempofahren für Motorradfahrer. Nachmittag: Fortsetzung der Wettkämpfe: 10 Kilometer Paarfahren. 10 Kilometer Mannschaftsfahren. 3 Kilometer Verfolgungsrennen für Sportler- Mannschaften(4 Mann). 3 Kilometer Berfolgungs-Paarfahren für Sportlerinnen. 10 Kilometer Tempofahven für Radfahrer. 100 Kilometer ZuverläffigkeitSfahren für Motorradfahrer. Abends 8 Uhr: Festabend auf dem Festplatze Motto: Einig und geschloffen stürmen vir di« Wett! Festmarsch— Chor der 300 Arbeitersänger— Rezitationen— Ansprachen— Sprech- und Bewegungschor»Rote Rebellen"— Reigen- und Kunstfahren der Bundesmeistet— Politisches Kabarett■— Fackelreigen— Sprech- und Bewegungschor»Proletarier vereinigt Euch!"-r— Massenchor— Fackelzug— Höhenfeuer. Sonntag, den 7. Juli Motw: Kampf für Freiheit, Frieden und Sozialismus! Vormittag: 100 Kilometer Radrennen Karlsbad—Eger und zurück........-< ä Festzug. Stellplätze in Meierhöfen. Anschliessend Aufmarsch auf den Markthallenplatz in Karlsbad zur Kundgebung der 15.000 Nachmittag: Sondervorführungen in Reigen- und Kunstfahren. Sportlicher Dreikampf für Radfahrer. Dreier-Mannschaftskampf(offen für Mitglieder des Atus, Aruk, RW und SJ). Pro Mannschaft fünf Mann. Festmeisterschaft in Sechser-Rasenradball(offen für Kreismeisterschaften). Sondervorführung des Atus-Kreifes Karlsbad. Fahnenaufmarsch und Gelöbnis. Kure» für rheumatische Kinder. Das Gesundheitsministerium hat im Kurhause„Kvetusa" in Piestanh, welches speziell für Kinder, die an Ge- lenksrheumatismuS und sogenannter Kinderlähmung leiden, eingerichtet ist, kostenlose Plätze für Kinder aus der ganzen Republik gesichert. Voraussetzung ist die Mittellosigkeit der Eltern. Gesuche auf diese Stif- tungSplätz« sind im Wege der Landesämter an das Gesundheiisministefium zu richten. Auch der Stadtrat P r a g s hat sich entschlossen, die Wohltat dieses Kurhauses für mittellose Kinder, die nach Prag zuständig sind, zu sichern. Gesuche mit ärztlichem Zeugnis und Armutszeugnis nimmt das Sozialfürsorgeamt der Hauptstadt Prag, Praha l., Bartolo- möjskä Nr. 5, entgegen. Die Krankenkaffen der tsche- choflowakischen Staatsbahnen haben sich ebenfalls entschlossen, den Kindern ihrer Versicherten in der ganzen Republik Kuren in der„Kvetusa" auf Kosten der Krankenkasse zu gewähren. Gesuche, mit ärztlichem Zeugnis, sollen bei der zuständigen Staatsbahndirektion eingereicht werden. Vom Rundfunk Empfehlenswertes au* den Programment Samstag’ Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 10.15 Orchesterkonzert. 12.10 Chansons. 15.55 Buntes Programm. 18.00 Deutsche Sendung: Aus dem sudetendeutschen Kulturleben. 18.15 Heimische Kla- vierkompositionen. 18.50 Deutsche Presse. 21.15 Ueberttagung aus Belgrad: Jugoslawisches europäisches Konzert. 22.15 Tanzmusik.— Sender St.: 15.00 Deufiche Sendung: Edwin Janetschek: Musikalische Zeitgeschichte. 15.30 Kulturrelief.— Brünn: 12.35 Orchesterkonzert.’ 17.50 Deutsch: Sendung: Heimische Komponistenstunde. 18.15 Konzert des Gesangvereines Opus- 20.00 Abende in weiten Fernen. 20.30 Ukrainische Musik.— Mähr.-Ostr«»: 18.05 Jazzkonzert.— Preßburg: 17.20 Klavierkonzert.— Kascha»: 17.10 Zigeunermusik. «r. 81 Freitag, 3. April 1833 Seite 5 Herr Krause macht Betriebsappell Herr Sranse steht ein bißchen doof »nb leicht geniert im Werststatthof, wo Vie Gefolgschaft im Gebiert mit ihm betrieblich appelliert, wozu die»engerichtet« Gesinnung sie verpflichtete. Die Arbeitsfront schuf Remedur bezüglich Krauses Stempeluhr. Die sachliche Kontrolle hat im neuen Reiche keine Statt. Man muß da- Volk belästigen, will man de« Staat befestigen. Erst singt der Werkgesangverriu. Herr Kranse redet hinterdrein. — Was frag ich viel«ach Geld und so, wen« ich zufrieden bin und froh. Besitz drückt de« Begehrlichen. Die Leistung schmückt den Ehrliche«. Dru«, BolkSgeuossen Arbeitsmann: Ich führe dich mit Freuden an, »en« du gehorchst und niemals streikst!— Der frühere Betriebsrat feixt bei diesem Satz vernehmlicher. DaS stimmt Herr« Krause dämlicher. Er merkt, im Grund« schämt er sich bei der Geschichte jämmerlich. Was sind das auch für Zeiten jetzt! Er fühlt sich irgendwie verletzt. Doch schließlich überwindet er. Die Sache lohnt sich» findet er. Dan««acht er Schluß, indem er heilt. Die Mannschaft löst sich auf und eilt geschäfiig an de« Arbeitsplatz, de«» der Tarif ist für die Katz, seit die mit Krnpp Verbündete« die Volksgemeinschaft gründete«. Herr Kraus« geht in sei« Kontor. Er ist ei« bißchen rot am Ohr. Doch da-»ergeht. Der Bortefl bleibt, was er wie folgend niederschreibt: Die Zeit ist»war verächtlicher. Doch der Profit beträchtlicher! Der Rote Hans. „Ant—9" und„H—5" unterhalten werden. Zum ersten Male werden auch die Schnell- flugzeuge„Ch I—1", die eine Geschwindigkeit von über 300 Kilometer aufweisen, dem Verkehr übergeben werden. Zwecks Beschleunigung der Postbeförderung wird auf einer Reihe von Linien der Nachtverkehr verstärkt werden. Die Post von Moskau nach Wladiwostok Wied unter günstigen Verhältnissen in 3 bis 4 Tagen befördert werden. Im vergangenen Jahre haben die Sowjetflugzeuge 74.000 Personen, 3786 Tonnen Post und 6800 Tonnen Fracht be fördert. Das Sowjetflugwesen steht nach der Menge der beförderten Post an zweiter Stelle aus der Welt. In Moskau sand dieser Tage die feierliche Eröffnung des Zentral-Aeroklubs der Sowjetunion statt. Im laufenden Jahre wird der Klub 400 Segelflugzeugführer, 1500 Fallschirmspringer und 120 Piloten ausbilden. Die Kurse werden von Arbeitern und Angestellten während ihrer F r e i z e i t besucht. Weltkonjunktur der Rüstungsindustrie Schachmeister Flohr spielte Montag in «Dnjepropetrowsk an 33 Brettern simul- I tan. Er verlor 19 Partien, gewann 4 und remi- i fierte 12. „Mangels anderer sensationeller Meldnn- j gen" befassen sich zahlreiche Pariser Blätter— so I meldet das Tsch. P.-B.— eingehend mit dem IFalle des Tschechoslowaken Jsakowiiz, wel- 1 cher sein Kind einem Marktfieranten verkauft habe. | Dieser— bin Franzose— wurde Mittwoch Iabends mittels Rundfunks ausge-- Iforscht. Er erklärte bei dem Verhöre, er habe 1 für das Kind nichts bezahlt. Es handle sich I nicht um einen Kauf, sondern um dieKindes- la«nähme der zweijährigen Josefine. Da aber Ider Marktfierant in einer.wilden Ehe" lebt, ist I es nicht ausgeschloffen, daß ihm die Behörden das I Kind wegnehmen werden. Die Gendarmen werden Inunmehr sicherstellen, wo sich die beiden in« »deren Kinder deS Jsakowikz auS besten er- a ster Ehe, welche vermißt, werden, befinden. Der Straßburger Studentenvrrband hat be- I schloffen, am Freitag und Samstag einen z w e i,- »tägigen Generalstreik sämtlicher Fa- Ikultäten der Straßburger Universität zum Zeichen I deS Protestes gegen die Niederlassung auSlän« IdischerAerzte in Frankreich zu veran- 1 stalten. Politischer Mord in der Ukraine. Nach einer sämtlichen Mitteilung ist in der Stadt Wasiltowo I(Ukraine) der sowjetrussische Arzt O s i p o w. -Mitglied der kommunistischen Partei, von einem -Unbekannten durch Messerstiche ins Herr ermordet »worden. Nach Moskauer Mitteilungen handelt es »sich um eine politische Mordtat. Expedition auf den Mount Everest. Wie aus New Delhi witgeteilt wird, hqt die tibetanische Re- Igierung ihr« Zustimmung zu der für das Jahr 1935 Ibis 1936 vorgesehenen britischen Expeditton lauf den Mount Everest gegeben. Die Expeditton »wird von Hugh Ruttledge geleitet werden, j ad Knust und Theater Das Berkehrsflugwesen in der Sowjetunion Im Sommer wird im Berkehrsflugdienst der «Sowjetunion eine Reihe neuer Fernlinien eröff- Unet werden. Im Jahre 1934 erreichte das Flug» «netz der Sowjetunion eine Ausdehnung von 165.000 Kilometer. Im laufenden Jahre wird er «bis auf 77.000 Kilometer erweitert werden. Die »längste Fluglinie der Sowjetunion wird im Jahre 11933 die Linie Moskau— Wladiwostok j(10.000 Kilometer) sein. Von anderen Fern- J liniert sind die Linien Moskau— Taschkent und -Moskau— Baku zu erwähnen. Der technischen IRekonstruktion und der technischen Neuausrüstung »der votchattdenen Linien wird große AufmerksaM- j keit gewidmet. Es werden besondere Funkstattonen »eingerichtet, die Flugzeuge werden mit Radio- i apparaten ausgerüstet. Der Verkehr wird in der tHauptsache durch neunsitzige Flugzeuge Trotz der Weltkrise befindet sich die internationale Rüstungsindustrie inmitten der besten Konjunktur. Ueberall wird fieberhaft gerüstet. Die Höhe der internationalen Rüstungsausgaben genau zu erfassen ist nicht möglich. Alles, was also über die militärischen Aufwendungen bet einzelnen Länder veröffentlicht wird, ist demnach unvollständig. Diese Einschränkung muß erst recht gemacht werden bei der Würdigung einer Arbeit, die das Berliner Institut für Konjunkturforschung über den Welthandel in Kriegsgerät und über die Rüstungsausgaben der Welt veröffentlicht. Die Untersuchung soll anscheinend die Berechtigung Deutschlands zum Zerreißen des Versailler Vertrags und zu einer gigantischen Aufrüstung erbringen. Obwohl die ganze Welt weiß, daß Deutschland unter allen Staaten derjenige ist, der die Aufrüstung in den letzten zwei Arhren im rasendsten Tempo betrieben hat, berücksichtigt das Institut für Konjunkturforschung bei seiner Arbeit, wenigstens soweit es einzelne Länder«m- führt, Deutschland überhaupt nicht. Wenn nun die beabsichtigte Beweisführung zugunsten des Dritten Reiches nicht gelingt, so sind die Ziffern und Tatsachen selbst in der unvollständigen Form aber geeignet, die Menschen zum Nachdenken zu veranlassen und ihre Energien gegen die Militarisierung und die tolle Aufrüstung zu stärken. Darum lassen wir aus der Untersuchung des Berliner Instituts einige Feststellungen folgen: Der Welthandel in Feuerwaffen, Munition und anderem Kriegsgerät ist im Jahre 1934 um rund zwölf Prozent gestiegen: die Ausfuhr der wichtigsten Produktionsländer an Kriegsgerät hat sich von 224 Millionen Mark im Jahre 1933 aus über 251 Millionen Mark im Jahre 1934 erhöht. Diese Zunahme erhält erst ganz ihr richtiges Gewicht, wenn man sie zur Bewegungstendenz des gesamten Welthandels in Beziehung setzt. Währungsschwierigkeiten, Devisenvorschriften, Konttn- gentierungen und Zollerhöhungen haben den gesamten WeltWtdelsumsatz, von 1933 auf 1934. noch um 4 Prozent vermindert. Die Nachfrage nach Kriegsgerät war demnach f» dringend, daß sie sich über alle Handelsschranken hinweg erhöht hat. Noch aus einem anderen Grunde ist das Steigen des Welthandels mit Kriegsgerät bemerkenswert. Die Produktion von Feuerwaffen, Munitton und anderem Kriegsmaterial hat auch 1934 in zahlreichen Ländern einen weiteren Aufschwung genommen. Länder, die früher Kriegsgerät einführen mußten, haben inzwischen die Eigenproduktion auf einen hohen Stand gebracht— und trotzdem ein Steigen des Welthandels mit Kriegsgerät! Es ist aber nicht nur die Menge und der Wert gestiegen, sondern aus den Feststellungen des Berliner Instituts ergibt sich, daß auch die Wir kungskraft des gehandelten Kriegsgeräts von Jahr zu Jahr zunimmt. Die Mengenbewegung des Kriegsgerätewelthandels hat in den widrigsten Produkttonsländern in den letzten drei Jahren die folgende Entwicklung genommen.(1933 gleich lk)0) Welt insgesamt Großbritannien Ver. Staaten v. Nordamerika Frankreich Tschechoslowakei Italien Belgien Japan 1932 1933 1934 100 100 120 115' 100 96 67 100 127 108 100 92 78 100 305 97 100 130 102 100 117 27 100 163 Die größte Steigerung verzeichnet demnach Japan und die Tschechoftowakei. Insgesamt hat sich der internationale Handel in Kriegsgeräten von 1933 auf 1934 der Menge nach um ein Fünftel erhöht. Die Menge der gesamten Warenausfuhr hingegen ist in der gleichen Zeit nur um ein Prozent gestiegen. Der internattonale Handel in Kriesgerät hat als» zwanzig Mal schneller zugenommen als das gesamte Welthandelsvolumen. Die Rüstungsausgaben der einzelnen Länder hat das Institut für Konjunkturforschung umgerechnet. Danach hat die Welt für Rüstungsausgä- ben folgende Aufwendungen gemacht: Jahr Milliarden Mark 1913 rund 10 1929 15,0 bis 17.1 1930 16,0 bis 17,2 1931 16,2 bis 17,7 1932 15,9 bis 17,4 1933 15,4 bis 17,1 1934 20,5 bis 20,9 1935 24,0 bis 31.0 1913 gleich 100 100 180 bis 171 160 bis 172 162 bis 177 159 bis 174 154 bis 171 205 bis 259 240 bis 310 .Schon im abgelaufenen Jahr haben demnach alle Länder der Welt zusammen rund ein Drittel mehr für Rüstungen ausgegeben als zur Zeit der letzten Hochkonjunktur im Jahre 1929. Im laufenden Jwhre werden die Ausgaben sogar um die Hälfte höher sein als 192!? und den Stand von 1913, dem letzten Jahre.vor dem Weltkrieg um das anderthalb* bis zweifache überschreiten. Wenn man nun noch berücksichtigt, daß die Untersuchungen nur jene Beträge ierücksich- tigen, die in de« Etats der Länder für Rü- stnngsausgaben ausgewiesen werden, daß als» die gewaltige» versteckten Beträge nicht erfaßt worden sind, so darf man ohne Uebrr- treibung sagen, daß di« Welt im laufenden Jahre mindestens das fünf- bis sechsfache dessen für Rüstungen ausgibt, was am Vorabend des Weltkrieges dafür ausgrgebnt wurde. Arbeitslosigkeit lm Dritten Reich 10 Hs 16 Prozent ohne Arbeit Die.Abwehr" berichtet.!» der Mittwochausgabe unter der Rubrik.Aus Sachsen" über die Arbeitslosigkeit in Deutschland und am Schlüsse des Aufsatzes über den Zittauer Bezirk, von dem gesagt wird, daß er besonders hart von der Arbeitslosigkeit betroffen sei, da hier von 1000 Einwohnern annähernd neunzig ohne Arbeit seien. In dem Berichte heißt es dann wörtlich: Davon ist aber Großschönau am schlimmsten betroffen, denn hier sind zur Zeit 150 bis 160 pro tausend Einwohner ohne Arbeit, das bedeutet 1250 Erwerbslose, die meist 2 bis 3 Angehörige besitzen, so daß die Hälfte der Einwohnerschaft von Unterstützungen lebt. Das sind also 15 bis 16 Prozent Arbeitslose, eine Ziffer wie sie auch in dem Deutschland der Freiheit und des Rechtes kaum je erreicht worben ist. Und das trotz den wahnsinnigen Rüstungen, der Verstärkung der Armee, den Arbeitslagern, den Konzentrationslagern, trotzdem hier nur das Grenzgebiet, welches bei Aufträgen besonders berücksichtigt werden muß, um den Sudetendeutschen an der Grenze ein Zauberland von Hitlers Gnaden vorzutäuschen, in Betracht gezogen wurde. Wie mag es da erst im Innern des Hitlerreiches aussehen? Hitler inspiziert seine Truppen In Danzig Warschau. In Warschau sind aus Danzig Meldungen eingetroffen, wonach Reichskanzler Hitler am kommenden Samstag, das ist am Vortage der Neuwahlen in den Danziger Volkstag, die am 7, April jtattfinden, auf einem Fluge nach Königsberg eine Zwischenlandung in Danzig vornehmen und sich in Danzig einige Stunden aufhalten wird. Die Danziger Nationalsozialisten erhoffen von diesem Aufenthalte Hitlers in Danzig einen gewaltigen Einfluß auf den Verlauf der Wahl. Donnerstag, den 4. April, trifft in Danzig auch der preußische Ministerpräsident Göring ein, der in einer nationalsozialistische« Wahlversammlung sprechen wird. Fasdsten gegen Fasdsten Wien. Die italienischen Behörden haben in der letzten Zeit zahlreiche strenge Strafen gegen Nattonalsozialisten verhängt. In Briten wurden die Hochschüler Paul Brügger und Otto Hibler verhaftet und in das Gefängnis nach Pisa gebracht. In Sterzing wurde ein gewisser Osterman» verhaftet und wegen des Rufes.Heil Hitler" mft einem Jahr Kerker bestraft. Die gleiche Strafe für dieses Vergehen erhielt ein junger Bursche aus Stilfes. In PfunderS wurden acht junge Leute wegen eines ähnlichen Deliktes zu zwei und einem Jahr Kerler verurteilt, ähnlich in Lana sechs junge Burschen. Aus Italien wurden ausgewiesen: Die Oesterreicher Demar und Karl RegatschUigg, die „Heil Hitler" gerufen hatten, und der Schweizer Robert Klee. Berlin. Die.Gazetta del Popolo" ist für das gesamte Reichsgebiet verboten woroen. Diese Maßnahme ist auf einen Artikel des Blattes zu- rückzuführen, in welchem erklärt wurde, daß die deutschen Aspirationen sich nicht nur gegen Oesterreich, Litauen und Sowjetrußland richten, es seien auch Bestrebungen im Gange, sich in Irland ein« Operationsbasis zu schaffen. Kakteen mit„3an&er6iuie" begossen, werden zauberhaft schön. Senden Sie uns Kä 5.60 in Briefmarken, wir liefern Ihnen dafür den guten Blumenzauberdung, den besten Dungguß für Ihre Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihre Blumen gedeihen. Verwaltung„Frauenwelt", Prag XU., Fochova tt. 62, und durch olle Solper» teure erhältlich. QI« politische Lage in Oesterreich Der Hintergrund, von dem sich der Schutz- 1 bundprozeß abhebt, wird von der bekannten englischen Wochenschrift„The New Statesman and Nation" ausgezeichnet skizziert. Im Folgenden ein Auszug aus dem Artikel: Je größer die internationale Spannung wird, desto kritischer gestaltet sich die Schlüsselstellung Oesterreichs. Die Stellung der Regierung Schuschnigg ist im Wesentlichen die gleiche wie im Vorjahr. Niemandhat dasRegime sehr gernunddiem ei st e n Le ute ver- abscheuen es. Die wirtschaftlich« Lage sieht auf dem Papier ganz gut aus, aber in Wirklichkeit ist das nicht so; niemand wagt es, sein Geld irgendwo anzulegen. Man spürt jetzt in Oesterreich die Folgen" der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die Italien durchmacht. Die erhoffte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Italien ist ausgeblieben. Weniger Menschen beziehen die Arbeitslosenunterstützung und die Löhne der noch Arbeitenden sind gekürzt worden. Das drückt den Lebensstandard herab und zeigt sich z. B. in dem auffälligen Rückgang der Einkünfte aus dem Tabakmonopol. DieStimmunqunterdenArbei- tern ist gut. Dem Regime ist es nicht gelungen, auch nicht durch die geschickte Taktik des Vizebürgermeisters von Wien, Winkler, eine größere Zahl von Arbeitern zu sich herüberzuziehen. Die Arbeiterschaft verharrt in trotziger Feindschaft gegenüber der Regierung. Trotzdem immer wieder die Vertrauensleute verhaftet werden, ist- der organisatorische Zusammenhalt gut, man sagt, der Schutzbund sei jetzt sogar stärker als früher. Die Arbeiter in den Fabriken treten jetzt stärker in Erscheinung als früher. Sie haben erkannt, daß der proklamierte Generalstreik versagte, während die Arbeitslosen für sie starben. In den meisten Fabriken wurden am Jahrestage^der Feberkämpfe längere Streiks und Demonstrationen veranstaltet. Das Ergebnis der Saarabstimmung hat die Nationalsozialisten nicht sehr gestärkt. Sie haben seit dem Juli vorigen Jahres keine eigene Politik. Die Bevölkerung zieht natürlich Vergleiche zwffchen den Nationalsozialist« n, die vor Gericht sagten:„Bitte, ichwar es nicht" und W eisse-l Und seinen Genoffen, die sagten:„Ich hab e eS getan, die anderen haben mir gehorcht und sind unschuldig," Der Rintelen-Prozeß wurde geschickt geleitet, doch die Leute zucken die Achseln und sagen:„L e h e n s- länglich heißt nur regierungS- l ä n g l i ch." Zur gleichen Zeit wird die Monarch!- stischeBewegung stärker. Das äußert sich auch in einer auffallenden Veränderung in den Auslagen der Händler mit Ansichtspostkarten. Man sieht nicht mehr Karten mit dem Bild von Dollfuß und Schuschnigg, sondern den Thronfolger Otto, allein und mit seiner Mutter, der ehemaligen Kaiserin Zita. Man verkauft auch Karten mit dem Bilde FranzJosephs und des Erzherzogs Eugen. Darum muß man sich die Frage stellen, was die Präsidentenwahlen bringen werden, die Wahl eines Habsburgers oder eine unverschleierte Restauration der Habsburger, die sich liberal und konstttuttonell gebärden. Eine Habsburgerrestauration wäre ein schwerer Schlag für den Nationalsozialismus, aber auch für die Kleine Entente unannehmbar. In der letzten Zeft versuchen die Nazis, Schuschnigg dadurch Schwierigkeiten zu machen, daß sie verbreiten, er setze sich für die Rückgliederung Südttrols an Oesterreich ein. Das soll, dazu führen, daß sich Schuschnigg entweder mit Mussolini zerschlägt oder sich einer in Oesterreich starken Stimmung widersetzen muß. Die österreichische Regierung hat jetzt verfügt-— merkwürdigerweise nur wenige Stunden bevor Deutschland die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht beschloß— daß alle Staatsbeamten«ine Zeitlang in der österreichischen Armee gedient haben müssen. Doch es ist kaum anzunehmen, daß die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wird. Die Erhöhung der Armee von dem bisherigen Stand von 35.000 auf 75.000, der der Bevölkerungszahl enffpräche, wäre zu kostspielig und würde auch bedeuten, daß die Schutzbündler und Nazis die Waffen erhielten, nach denen sie sich sehnen.—y. Seite 6. „Sozialdemokrat" Freitag. 5. April 1935. 5 übernommen wurden. Urania-Kino, Klimenfshä 4. Fernsprecher 61623. Ah ftreitan: Die verkaufte Stimme Josef Schmidt,(fqott B. gordan in den Hauptrollen. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Btt öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripte« erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitting-ftankatur wurde von der Post« und Tele» graphendirekfion mst Erlass Nr. 13.800/VII/1930 be willigt.— Druckerei:„Orbis". Druck«. Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag. 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