ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Einzelpreis 70 Heller (eintchlieSlich 5 Heller Forte) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiufochova a. Telefon hoff. HERAUSGEBER* SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR* DR. EMIL STRAUSS. FRAG. A 1 A 15. Iahrgang Samstag, 6. April 1935 Nr. 82 r i Paris. Der am Samstag unter dem Bordes Präsidenten der Republik stattfindende ' gebnis der neuen von der Regierung BanZee- land inaugurierten Politik zu erblicken habe. Während unter den vorangegangenen Regierungen die Arbeitslosigkeit im Brüsseler Bezirk von 2300 Arbeitslosen im Juni 1930 auf 23.000 bis zum Dezemb'r 1934 gestiegen ist, macht sich die neue Politik der Regierung, in der auch fünf Sozialdemokra t en sitzen, schlagartig in solcher rapider Abnahme. der Arbeitslosigkeit geltend. Angrltt aut«len Hsllrmckgulklen Prag. Die internationale Spekulafion unternahm am Freitag einen konzentrierten Angriff avf den holländis chenGulden und in etwas geringerem Maße auch auf den Schweizer Franken, Ueber ihre Er- fÄgsaussichten bestehen geteilte Meinungen: aus der einen Seite wird behauptet, daß die Situation in Holland grundsätzlich anders sei als vor kurzem in Belgien, denn die Möglichkeit der lleüerwindung einer vorübergehenden Panik sei bei den holländischen Banken viel größer und aussichtsreicher als in Belgien; andererseits fehlt jS nicht an Stimmen, daß Holland dieser Offensive nicht standhalten können und dem Beispiele Belgiens folgen wird. Am Vormittag verzeichnete der holländische Gulden nur geringfügige Abbröckelungen, dagegen erlitt er am Nachmittag einen scharfen Rückgang. Der Kurs des Hollandguldens bewegte sich gegen Abend in Paris auf 1010.— bis 1014.—, während die amtliche Notiz vom Bortag noch 1020.80 lautete, in Zürich ging er von 207.92% auf 206.25 zurück. In New Dork setzte Auszahlung Amsterdam Mit 66.80 gegen, einen letzten Schlußkurs von 67.26 ein. In Prag konnte sich der internationale Rückgang noch nicht auswirken, Amsterdam verlor hier nur 3 flö amd notierte 1610.—, holländische Guldennoten schloffen mit 1600.—, Als vorläufige Maßnahme der holländischen Zettelbank ist die Erhöhung des Diskontsatzes um 1 Prozent zu erwähnen. Vie erste Hinrichtung in Saloniki Athen. Der zum Tode verurteilte Eskadronchef B o l a n i s der Garnison in Derrs ist »m Freitag in Saloniki erschossen worden. sitze Ministerrat wird die Hauptrichtlinien der Stel- lungsnahme Frankreichs auf der Konferenz in Stresa beschließen. Frankreich wird ein Memorandum Vorschlägen, das die französische Beschwerde beim Völkerbund unterstützen soll, sowie einen Resolutionsentwurf, der vom Lölkrrbundsrat angenommen werden könnte. In Paris würde es begrüßt werden, wenn dieser Resolutionsentwurf gemeinsam von Frankreich, England und Italien in Genf unterbreitet werden könnte. Es scheint, daß die Konferenz in Stresa zu einem Einvernehmen über das Problem der Organisierung der Sicherheit Europas auf Grund einer alleuropäischen Formel führen könnt«, zu deren Beantragung die französische Regierung durch die deutsche Intransigenz bewogen wurde, die die neue Situation geschaffen hat. Es scheint, daß diese Basis von allen Anfang an auch für die Sowjetunion annehmbar wäre. Was die Unabhängigkeit Oesterreichs anbelangt, so besagt, eine Pariser Information, daß die französische Regierung an dem römischen Abkommen vom 7. Jänner festhält. Sn neuer plan Mussolinis? P a,r.i s. In hiesigen Kreisch, wird Mussolini die Absicht, in Stresa einen neuen Plan vorzulegen, zugrschrieben. Mussolini erhebt angeblich keine Einwendungen gegen den Ostpakt, messe ihm aber keine erhebliche Bedeutung bei. Mussolini würde es gern erreichen, daß auch Polen dem Donaupaktr veitrete. Bisher ist der Oeffentlichkeit nichts Näheres über den neuen Plan Mussolinis bekannt. London: Hoch keine Entscheidung London. Zur Frage der Teilnahme Macdonalds an der Zusammenkunft in Stresa sagt der parlamentarische Mitarbeiter der»Times", das sei gegenwärtig bestimmt nicht die Absicht des Premierministers. Das Kabinett sehe in der Zusammenkunft nur die letzte von einer Reihe erkundender Besprechungen. In Stresa werde es sich nicht darum handefii. Entscheidungen von Bedeutung zu treffen. Sollte es auf Grund der Ergeb- Roosevelts Milliardeninvestitionen gesichert Washington. In einer gemeinsamen Tagung einigten sich die Vertreter des Senates und des RepräseMatenhauses ans einen Bermitt- lungsvorschlag für die Nothilfevorlage. Der Vorschlag steht vor, daß 25 Prozent der Kosten aller staatlichen Bauvorhaben für Arbeitslöhne ausgrge- bcn werden müssen. Die Regierung soll, wie verlautet, mit diesem Vorschläge einverstanden sein, so daß die endgültigeAn nähme der 4880 Millionen Dollar vorsehenden Rothilfevorlage sichergestellt sein dürfte. Das Repräsentantenhaus hat den Gesetzentwurf bereits genehmigt und ihm dem Senate abgetreten. Sperber:„Hiefür hat der Angeklagte ein glänzendes Alibi, denn am 12. Feber befand er sich bereits in Hast." Als der Angeklagte Karl T h a m- b o r n i n o die Behauptung der Anklage hinsichtlich der erwähnten Zusammenkunft des Republikanischen Schutzbundes widerlegte, begannen die Zuhörer zu klatschen, worauf der Vorsitzende mit der Räumung des Saales droht«. Auch der Angeklagte Ludwig Di e n st l widerlegte in gleicher Weise die Anklage. Nur der Angeklagte Karl Kirchenberger gestand, daß sich in seinem Bezirke Waffen befanden und daß der Plan bestand, vor der Kaserne am Rennweg und auf der Simmeringer Hauptstraße Barrikaden zu errichten/ allerdings'für den Fäll eines In Brüssel Arbeitslosigkeit um zehn Prozent gesunken Innerhalb zweier Tagei Der Brüsseler„Peuple" verzeichnet für den Bezirk B r ü s.s e l eine plötzliche Wiederaufnahme der Arbeit in den verschiedensten Industriezwei gen. Maßgebende Stellen schätzen, daß im Zeit raum von nnr zwei Tagen zrhuProzrntder Arbeitslosen Beschäftigung fanden. Seit dem Be ginn der Krise, das ist für Belgien seit dem Juni 1930, wurde niemals eine so bedeutende Arbetts- wiederausnahmc festgestellt und es bestünde kein Zweifel, daß man ig dieser Tatsache das erste Er- Wleder Beifallskundgebung für den Schutzbund Wien. Im Prozeß gegen die 21 Angehöri gen des Republikanischen Schutzbundes wurden bisher acht Angeklagte verhört und das Verhör im wesentlichen abgeschloffen.. Die Angeklagten er klärten zum größten Teil, unschuldig zu sein und von geheimen Waffenverstecken in ihren Bezirken nichts gewußt zu haben und zu wissen. Ueber die krifische Zusammenkunft des aufgelösten Republi kanischen Schutzbundes im Jänner 1934 erklärte der Angeklagte Heinrich H a d, daß es sich bei ihr nur um einen Kampffonds gehandelt habe. Als ihm der Vorsitzende vorhielt, daß er den AufruhrI im Gemeinde-Neubau„Goethehof" vorbereitet n a t i o n a l i st i s ch e n P u t s ch e s. Samstag und organisiert habe, rief dsr Verteidiger Doktor I beginnt die Zeugeneinvernahme. Die Londoner Emigrantentragödie Mord oder Selbstmord? Auch der Freitod der Genossinnen Wurm und Dr. Dora Fabian wäre eine Tragödie. Denn auch im günstigsten Falle, wenn nicht vor jedem Tagr aufs neue das Gespenst des Hungers sich erhebt, wenn bescheidene Daseinsfristung möglich ist, ist das Leben in der Emigration düster und schwer. Auch wenn erwiesen würde, daß Genossin Wurm und Genossin Fabian fteiwillig aus dem Leben schieden, wäre der Nafionalsozialismus ihr Mörder. Er hat sie aus dem Lande, in dem sie seit jeher gelebt, in dem sie gearbeitet haben, vertrieben, er hat ihren Hausrat und ihre Bücher beschlagnahmt, er hat ihre Lebensarbeit zerstört. Gehetzte und Gejagte, Bespitzelte und Verfolgte, mühsam um die bloße Erhaltung des Lebens Ringende,— das sind die politischen Emigranten, jeder nur vorläufig der niedrigen Rache der Sieger, dem weitreichenden Arm der Gestapo entronnen, keiner sicher vor dem Lose der Lessing und Formis und Jacob. Auch wenn Emigranten ein solches Leben nicht mehr als Leben wert erscheint, auch wenn am Sinn ihres Daseins verzweifelnde Emigranten in den Freitod gehen, darf man von einer Tragödie sprechen. Aber haben Genossin Wurm und Genossin Fabian Selbstmord begangen? Ist Selbstmord wahrscheinlicher als Mord? Solange die Obduktion der Leichen nicht erfolgt ist, bleibt man im Zweifel über die Art des Todes, Scotland Uard hat die Obduktion auf de» 10. April verschoben. Die Untersuchuugsorgane von Scotland Dard sollen, wie eine Londoner: Meldung besagt» einen Selbstmord für wahrscheinlich halten. Sie meinen, daß die beiden Frauen fälschlich befürchteten, daß sie zur Rückkehr nach Deutschland gezwungen würden, weil ihre Aufenthalsbewilli-- gungen in den nächsten Tagen erlöschen sollten und die britischen Behörden die Gesuche um Verlängerung noch nicht beantwortet hatten. Aber es ist ganz ausgeschlossen, daß sie wirklich den Zwang zur Rückkehr nach Deutschland fürchteten! Ausgeschlossen! Denn Politikerinnen wie Wurm und Fabian wußten, daß sie du^ch die Ablehnung der weiteren AufenthaltsbewilligungVn' zwar zu neuer Asylsuche in einem anderen Lande, keineswegs aber zur Rückkehr nach Deutschland gezwungen gewesen wären. Diese Befürchtung kann nicht vorhanden und deshalb auch nicht die Ursache eines etwaigen Selbstmordes gewesen sein. Man kann annehmen, daß Frauen leichter unter den Leiden der Emigration zusammenbrechen als Männer, daß ihre Seelen eher zermürb! werden. Aber die beiden Genossinnen waren keineswegs bloß Gefühlssozialistinnen, waren sehr geschulte Marxistinnen, waren erfahrene Politikerinnen, und sahen ihr Leben nicht als sinnlos an, weil sie selber ihm Sinn gaben durch Arbett. Genossin Dr. Fabian hat ein Buch Wer„Die Frauen unter dem Fascismus" geschrieben, sie hat erst kürzlich die Uebersetzung eines englischen Proleta- rierromanes vollendet und war voll Arbeitsfreude. Sie hat auch gefaßter als viele andere das Emigrantendasein ertragen. Erst vor wenigen Wochen schrieb sie einem unserer Redakteure.„Ich mag Dir kein Lied, vom Emigrantenelend vorsingen,' denn davon Hörst Du in Prag genug. Ich kann auch nicht einmal besonders klagen, denn ich habe hier recht gute FWlung mit der Bewegung und habe mich so weü akklimafisiert, daß ich mich nicht mehr fremd fühle. Zum Glück sind ja dxr Sozialismus und unsere Bewegung nicht auf das Land beschränkt, in dem wir gerade geboren sind."—»Das ist nicht die Sprache einer Verzweifelten! Nun ist gewiß«mch ein Stimmungsumschwung vorstellbar, kann Depression jäh die beiden Frauen erfaßt haben. Aber.,. Aber es spricht so viel dafür, daß sierricht Selbstmord begangen haben. Uhr ,Tod kommt der Gestapo sehr gelegen! Die Genossinnen Wurm,und Fabian hatten eine sehr gute Kenntnis der deut-, scheu Politik und dex in ihr tätigen Menschen, hatten auch sehr gute internationale Verbindungen. Sie kannten auch Wesemann und wußten, was von ihm zu halten war. Sie haben mitgewirkt an der Enthüllung des Spitzels und an der llnmög- lichmachung seiner weiteren Tätigkeit, sie haben dem schweizerischen Prokurator Ganz, der mtt der Untersuchung des Falles Jacob betraut ist, Informationen Wer Wesemann angeboten. Die beiden Frauen, vor allem Dr. Fabian, waren wich-? Vorbereitungen für Stresa Heute Ministerrat in Paris Litauischer Protest in Berlin Berlin. Der litauische Gesandte in Berlin hat im Namen seiner Regierung eine Note an den dvttschen Reichsaußenminister gerichtet, in der gegen die Einmischung Deutschlands in die inner» Angelegenheiten Litauens protestiert wird. In diesem Proteste wird besonders Nachdruck darauf gelegt, daß in der deutschen Presse und iM deutschen Rundfunk eine hetzerische Propaganda gegen Litauen betrieben wird. Weiters wird gegen die jüngsten Demonstrationen anläßlich des Ur- teils in Kaunas vor der litauischen Gesandtschaft in Berlin und vor den litauischen Konsulaten in Deutschland protestiert. Und umgekehrt... Nach einer Meldung aus K a u n a s hat der dortige deutsche Gesandte dem litauischen Außenminister einen Protest wegen der letzten antideutschen Demonstrationen in Kowno überreicht. •» Gouverneurwechsel Im Memelland Kaunas. Der Gouverneur des Memelgebietes, Navakas, hat seine Demission gegeben. Zum Gouverneur wurde der ehemalige Präsident der Landwirtschaftskammer in Kaunas, Kur- kauskas, ernannt. nisse von Stresa möglich werden, Deutschland zur Teilnahme an einer späteren Konferenz einzuladen, dann könnte möglicherweise die Anwesenheit des britischen Premierministers wünschenswert sein. Edens gefährlicher Flug London. Minister Eden ist Freitag vormittags aus Köln mit dem Zuge abgereist und kehrt über Ostende und Dover nach London zurück. Das Flugzeug, mit dem der Minister den Flug nach London in Prag antrat» hatte sehr schwierige Flugbedingungen zu bestehen. Ueber Kassel geriet der Apparat ist eine breite Schneegestöbe r-Z o n e, sodaß die Sicht im Handumdrehen auf ein Minimum herabgesetzt war; dazu kamen noch harte seit- l i.ch e Windstöße und nur der Ge- schicklichkeit des Piloten Armstrong war es zu verdanken, daß die Landung auf dem Kölner Flugplätze sicher und glatt verlieft Minister Eden war beim Verlassen des Flugzeuges derarttg erschöpft, daß man einen Arzt rufen mußte, der die Anzeichen von großer Müdigkeit. und Erschöpfung feststellte und auf der Einschaltung einer Ruhepause für die Dauer der folgenden Nacht bestand. Eden hat während der letzten 14 Tage nahezu 3500 Meilen zurückgelegt und es gab während feiner Beratungen in den von ihm besuchten Hauptstädten keine einzige Minute, die nicht mit Verantwortlichen Besprechungen mit frem- den Staatsmännern, gesellschaftlichen Verpflichtungen und anderen unvermeidlichen, aber ermüdenden Aufgaben einer solchen diplomattschen Reise ausgefüllt gewesen wäre. Edens Eile, sobald als möglich nach London zu kommen, ist sehr erklärlich, denn er wird sogleich nach seiner Ankunft den führenden Ministern über seine Reise Bericht erstatten, und zwar noch vor der Abgabe seines Exposee vor dem gesamten Kabinett am kommenden Montag. Daraufhin wird Eden sogleich alle Borbercitun- gen zu seiner Reise mit Sir John Simon zur Konferenz von Stresa treffen. Sir John Simon wird Dienstag im Unterhaus eine Regierungserklärung über die Ergebnisse der diplomattschen Reisen abgeben. DieuStag nachmittags fahren Simon und Eden nach Stresa. Seite 2 Samstag, 6. April 1935 Kt. 82 jigstc Belastungszeuginnen gegen Wesemann und damit gegen die Gestapo, gegen die Methoden des Nationalsozialismus. Und daß der deutsche Fascismus vor Morden im Ausland nicht zurückschreckt, daß der Mord so recht sein.Lebenselement" ist, hat er doch ost und nachdrücklich genug bewiesen I Auch daß er Frauen zu töten vermag. Zwar dürste es ihm > sympathischer sein, sie zu köpfen, aber da das deutsche Schwert nicht übers Meer teicht, muß er sich in solchem Notfälle eben mit Giftboten begnügen. Es ist auch sehr wahrscheinlich, daß der deutsche Fascismus mit der Zeit lernt, daß er seine Mordmethoden.verfeinert". Tas Echo mordender Schüsse ist zu laut, regt das Ausland» das die ' Seele des Dritten Reiches noch immer nicht zu verstehen vermag, zu sehr auf. Lautlos töten und dabei noch Selbstmord Vortäuschen... Hat der Nationalsozialismus nun die erfolgverheißendste Form der Ausrottung seiner Gegner im Auslande gefunden und in London zum ersten Male erprobt? Ach, wenn auch erwiesen werden sollt«, daß Genossin Wurm und Genossin Fabian(so unwahrscheinlich es ist) Selbstmord begangen haben — daß der erste Gedanke bei der Auffindung ihrer Leichen der an einen scheußlichen Mord sein Mußte, richtet das Dritte Reichl Denn nach den Morden an Dr. Bell, Professor Lessing, Ingenieur For- mts, nach der Entführung Jacobs, nach dieser Serie von Verbrechen im Interesse und im Auftrage des Nationalsozialismus mutz ein solcher Gedanke der erste, der sofort sich aufdrängende sein. Grauenvoll, datz heute die Vorstellung von Deutschland untrennbar verbunden ist mit der von Blut und Gewalt! Grauenvoll für uns, die wir immer noch das Bild eines anderen Deutschland vor Augen haben! Die Machthaber frellich, gewöhnt daran, im Blute ihrer Opfer zu waten, den Mord als selbstverständliche Methode nationaler Politik wertend, bleiben kühl bei solcher Einschätzung durch die Welt. Prag. Freitag vormittag wurde die endgültige Stilisierung der Wahlgesrtzesnovelle vorge- uommrn. Die wichtigste Bestimmung betrifft das dielumstritten« Quorum, das einheitlich für all« Partei«» auf 120.000 Stimmen festgesetzt wird. Das Quorum von 50.000 Stimmen für die Minderheiten, das sich praktisch nur für die Jude« Hütte auswirken könne«, wurde fallen gelassen. Dagegen wird es zur Einbeziehung ins zweite Skrutinium genügen, daß die betreffende Partei außerdem in einem Parlamrnrswahlkreis mindestens 20.000 Stimmen, bzw. in einem SenatSwahllreis 35.000 Stimmen erhält. Es ist also jetzt möglich, daß eine Partei im ersten Skrutinium überhaupt kein Mandat erhält, aber trotzdem ihre sämtlichen Stimmen im zweiten Skrutinium verwerten kann, wenn sie nur mindestens 20.000 Stimmen in einem Wahlkreis und 120 000 Stimmen in der ganze« Republik erhält. Bon den sonstigen Aenderungen ist zu erwähnen: Alle Bestimmungen, die auf die vollständige Trennung der beiden Prager Wahlkreise hinausliefen, werden wieder rückgängig gemacht; es bleibt also dabei, datz di« beiden Wahllreise nur«ine gemeinsame Wahlkommiffion haben und auch beide 'Kandidatenlisten auf einen Stimmzettel gedruckt werden. Wenn die Welt nur dieses Deutschland, vor dem ihr graut, fürchtet! Aber die Well wird auch lernen müssen, sich zu schützen. Was bedeutet fremde Staatshoheit denen, die Mordkommandos und Entführungsbanden über die Grenzen senden? Wer Weitz, wie lange ihnen noch das Leben der Bürger anderer Staaten unverletzlich ist? Da die Well so viele Morde an Emigranten hingenommen hat— da jeder Mord, jede Entführung ungesühnt blieb— warum sich beschränken auf die Abkillung von Emigranten? Es gibt doch auch noch andere, die unbequem find! Auch Jacob wird nicht das letzte Opfer des deutschen Mordnationalismus sein, wenn die Well es duldet, datz im Zentrum Europas ein Feme- gericht für ganz Europa richtet und nach allen Ländern Mordboten auSsendet,— wenn die Well mit dem Dritten Reich wie mll einem zivilisierten Lande verkehrt.;• Mord oder Selbstmord? Zwei lluge, tapfer« Frauen, zwei prächtige Menschen sind Opfer des deutsches Fascismus geworden. Mag ihr Tod heute noch mysteriös erscheinen— über den Schuldigen gibt es keine Zweifel. Im englische» Unterhause stellte, weil in der Presse der Tod der Emigrantinnen Wurm und Fabian mit dem Bestehen geheimer außenpolitischer Organisationen in Verbindung gebracht worden war, ein Abgeordneter die Anfrage, ob von den Behörden Maßnahme« zur Untersuchung dieser Behauptungen der Presse getroffen würden, damit sicher und genau klargestellt«erde, daß in Großbritannien die Austragung politischer Angelegenheiten durch Verbrechen nicht geduldet werden wird. Der Unterstaatssekretär des Innern Crookshank antwortete, daß diese geschehen«erde und daß die gerichtsärztliche Untersuchung der unstrittigen Ermittlung der Tat. fachen dienen soll. In den Bestimmungen über die Reihenfolge der Kandidatenlisten wird der PaffuS gestrichen, datz eine neue Partei die Ordnungszahl der allen Partei erhält,.dieeinüberwiegender Bestandteil der neuen Partei wurde".(Demnach wird die Rationale Vereinigung der Herren Stiibrny. Hodaö und Mares nicht die Nummer der früheren nationaldemokratischen Partei erhallen können, sondern auf das Los angewiesen sei». WeiterS wird ausdrücklich bestimmt, datz die-Auslosung der Reihenfolge der übrigen Parteien durch die gentralwahlkommifsion vorzunehmen ist. Reu hinzu-efügt wird die Bestimmung, wonach die Parteien die Vorschüsse für den Druck der Kandidatenlisten für alle Wahllreise auch direkt beim Vorsitzende« der Z e u t r a lwahllommission erlegen können. Während der Verhandlung im Plenum verein- barte die Koalition noch folgende Aenderungen: Im 8 58, Absatz 8, werden die Worte.alle! gültigen Stimmen" durch die Worte»die Reste der gültigen Stimme«" ersetzt. Dadurch wird eine von uns schon früher vergeblich angefochtene Bestimmung über das dritte Skrutinium korrigiert. Es handelt sich dabei um die Frage, welche Stimmen der im zweiten Skrutinium nicht berücksichtigten Parteien im dritten Skrutinium unter die erfolgreichen Parteien aufzuteilen sind. Wenn bisher eine kleinere Partei im ersten Skrutinium ein oder mehrer« Mandate eichiell, für das Moeite Skrutinium jedoch keine Kandidatenlifte überreichte, weil ihr Stimmenreft für ein weitere»Mandat von vornherein zu gering war. mutzten nach dem bisherigen Wortlaut ihre sämtlichen Sttmmen. also auch die, auf welch« sie im ersten Skruttnium bereits Mandate erhalten batte, ins dritte Skruttnium kommen, wurden also doppelt verwertet. Bei den letzten Senatswahlen führte diese Bestimmung tatsächlich dazu, datz ein Restmandat statt unserer Partei den tschechischen Agrariern zufiel. Nunmehr werden im dritten Skrutinium nurdieReststimmen verwertet. Weiters wird auch siir die Gemeindewaülcn. die am selben Tage wie die Parlaments-, Senats-, Landes- oder Bezirkswahlen stattfinden, die Reihenfolge der Kandidatenlisten nach den für die Landesvertretungen gülttgen Richtlinien festgesetzt.. In der Praxis bezieht sich diese Bestimmung auf die Stadt B r ü n n, die ein ttaeneS Statut hat. Hier enttallen die Bezirkswahlen, wohl aber sollen Heuer am selben Tage die Gemeindewahlen ftattfinden. Der Referent Dr. S u ch h betonte, datz heute alle ohne Unterschied, die auf dem Boden dieses Staates stehen, dafür sorgen sollen, datz die staatserhaltenden Parteien in der Tschechoslowakischen Republik möglichst stark, mächttq und konsolidiert seien. Der Ausschutz sei auch an der Frage des Prinzips der gebun- benen Kandidatenlisten nicht vorbeigegangen, doch sei diese Angelegenheit so schwerwiegend, datz man erst ir. ruhigeren Zeiten dazu kommen werde, sich mit ihr gründlicher zu befassen. * Ju der Debatte ergriffen autzer dem Rattonal- demdkraten Jejjek. der an der Vorlage kein gutes Haar lietz. nur noch Vertreter der polnischen und jüdischen Minderheit das Wort. Der polnische Genosse C h o b o t erklärte, datz die Vorlage zwar die polnisch« Minderheit empfindlich tteffe, weil sie es ihr unmöglich mache, ihre Vertreter selbständig zu kandidieren. ttotzdem aber sei zu erwatten. datz«S der Zusammenarbeit der. tschechischen und polnischen Arbeiterschaft gelingen wird, für die polnische So- zialdemokratte ein Mandat zu erhalten. Der bürgerliche polnische Abgeordnete Dr. Buzek behauptet« dagegen, datz die Vorlage direkt im Widerspruch zur Verfassung stehe. Der Vertreter der jüdischen Partei, Dr. Goldstein erklärte, er melde sich zum erstenmal als Konttaredner zu Worte. Er bedauerte, datz dgs niedrigere Quorum für die Polen und Juden aufgehoben wurde, und gab der Vermutung Ausdruck, datz die« auf Angriffe in der Stkibrnh-Preffe zurück- zufübren sei. Der Referent wies dies« Behauptung im Schlußwort ganz entschieden zurück. Dem Ber« fassungsauSschutz sei es in erster Linie darum gegangen. datz nicht durch irgendwelche Ausnahmen zugunsten nattonaler Minderheiten nicht noch größere Differenzen zwischen den einzelnen Minderheiten hcrvorgerufen würden. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung am Dienstag um 15 Uhr befinden sich bereits die beiden Senatsbeschlüsse über die Motyrfahrzeug- und die Mineralölsteuer. Armee von anderthalb Millionen Mann Bradtt Ober Wehrfragen Prag. Bei einer Tagung der agrarischen akademischen Jugend hielt Verteidigungsminister Bradaä eine Rede über die mit Rücksicht auf die außenpolittsche Lage notwendig« Wehrvorbereitung der Tschechoslowakei. Wir müssen uns dessen bewußt sein, daß eiu künftiger Krieg nicht nur von der Wehrmacht geführt werden wird, sondern von der ganzen Nation und demgemäß müssen wir uns auch u m- orientiere« in unseren Anschauungen über dia Aufgaben der Wehrmacht und über ihre Pflichten. Im ganzen könne man sagen, daß unsere Armee Verständnis für ihre Forderungen gefunden hat, datz allerdings die Beträge, die für ihre« Bedarf bewilligte wurden,«och nicht genügend find. Die! schwere Aufgabe der Führerschaft laste vor allem aufs unserer jungen Intelligenz; sie muffe für diese Ausgabe auch entsprechend ausgebildet und vorbereitet I werden, denn eS sei sicher keine leichte Aufgabe, imi Falle deS Bedarfes eine Armee von.einein-i halb Millionen M a n n zu errichten und aus-I zustatten. Der Minister verwies sodann auf die Kostspieligkeit der modernen KriegS- mittel und beschäftigte sich mit der Frage den Verlegung bestimmter Industriezweige. Bezüglich! deS Gesetzes über die vormilitärische Erziehung gab! er der MeinungAuSdruck, daß diese nicht auf Grunds läge der Freiwilligkeit. sondern im Berard«! nungswege durchgesührt werden müsse.- Diplo-l musischen Akten könne man nur dann Glauben schenken, wenn sie«in« moder« auSgestattete Armee zur Grundlage haben. Die Steuermisere RemeS bemängelt das Steoerinkasso Prag. Am Freitag erstattete der tschechische Genosse R e m e i im Abgeordnetenhaus ein aus-i führliches Referat über den Staatsrechnungsabschluß für 1833, wobei er sich namentlich mit den unbefriedigenden Steuereingängen ausführlich befaßte. Im Jahre 1933 erreichten! die tatsächlichen Steuereingänge an direkten: Steuern und Umsatzsteuer. samt Zuschlägen in Böhmen nur 84.6, in Mähren 87.4, in Schlesien 86.1, in der Slowakei 87.3 und in Karpatho- rußland nur 72.8 Progent der Borschreibungen. In Böhmen verderbe Prag den Durchschnitt, weil eS nur 77.2 Prozent der Borschreibungen aufbringt, während im übrigen Böhmen die Bor-! schreibungen bis zu 89.1 Prozent erfüllt werdens In Prag werd« man zu AuSnahmsmaßnahmen! greifen müssen. Der Referent kommt zu dem Schluß, daß die Steuern bei uns noch n i ch fl unerträglich sind, daß aber von de« höheren Einkommen(7 Prozent aller Steuer-^ träger.haben ein Einkommen von über 30.000 XL einbekannt) keineswegs alle Umsätze»' Gewinne und Einkommen erfaßt werden. Die laufende Agenda der Steuerämter ist durch de«! Ballast der Rückstände belastet, von denen,50 Prozent uneinbringlich.sind; der Finanzminffter sollt« deshalb auf administrattvem Weg« eine! große DepurationSaktton durchführen. Die bis-! herige Vermehrung der Kräfte, im Steuerdienst! genügt nicht; wenn man Ordnung in der Steueradministrative habe«! will, dann^ckrf man nicht an Personal- und Sachausgaben sparen. Die Skoda-Lieferungen nach Rumänien Bukarest. Die Regierung legte dem Abgeordn netenhaus einen Gesetzentwurf vor, der die Regierung zum Abschluß eines Dettrages mit den. Skpdan Werken bezüglich der Lieferung von Arttllerie- und Munition-material für die Armee in der Höhe voii 600 Millionen XL ermächtigt. Die angeführt^ Summe wird in zehn Jahren abgezahlt werden Dieser Vertrag ersetzt jenen aus dem Jahre 1936! und sieht um 18 Prozent niedrigere Preise vor aff vor fünf Jahren. Quorum Hlr alle: 120.000 Stimmen, davon 20.000 in einem Wahlkreis Der neue Chauffeur von Oskar Baum Franz stieg jetzt die Böschung zur Straße empor. Rur noch wenige Schritte und er war bei dem gewaltigen, kaum erst vollendeten Bau, wo die Fertig-Waren erzeugt wurden. Schön von fern hörte man die neuen Maschinen. Wenn man nahe kam, schüttelte der Boden unter den Füßen. Man traf niemand; hier belebte sich der Weg nur, wenn di« Sirenen bliesen. Franz liebte die Gegend. Sie war so schweigsam wie er selbst. Roch war sie zum Teil recht fruchtbar, aber sie näherte sich schon dem Gebirge. Man mußte nicht hoch steigen und konnte weit in die Ebene hineinschauen. Die Straßen waren gut, zumindest die eine, die für seinen Wagen so wichtig war, die Straße nach Prag. Der Wagen flog hier wie auf«schienen. Da mochte es Tag und Nacht regnen, der Wagen kam nicht ins Schleudern. Franz liebte die ungestörte Abgeschlossenheit, die Einsamkett, die sich für ihn hier, ohne Unfreundlichkeit von irgendeiner Sette ganz natürlich daraus ergab, daß die Leute nicht deutsch sprechen konnten oder daß es ihnen unbequem war. Er saß die stillen Abende in seinem Häuschen und tischlerte an der Einrichtung. Er hatte während seiner Gymnasialsahre immer ein paar freie Stunden in der Tischlerwerkstatt seines Vormundes arbeiten müssen. Das kam ihm jetzt zugute. In letzter Zeit freilich hatte er sein« Arbeiten ein wenig vernachlässigt. Seine Einsamkett war nicht vollsündig. Als er Lidka zum erstenmal gesehen hatte, stand sie auf dem Hof, zu dem man über den niedern Zaun hineinsah und streute den Hühnern Futter. Die Kinder sprangen um sie herum. Es schien, als ob es ein« unendliche Menge von Kin- dcrn wär«. Aber«S waren nur fünf. Lidka war vielleicht erst sechzehn Jahre alt. Jedenfalls war eS seltsam genug, wie sie als Herrin im> Haus und Hof deS alten Kutschers regierte. Sie war die älteste von Lapakas Enkelfindern. Alle sein« Söhne und Töchter waren jung gestorben. Sett man Lidka als Kind von zehn Jahren von dem fernen TräuerhauS am südlichen Meer hieher» gebracht hatte, wartete sie di« Kleinen. Sie konnte wum eine Nacht richttg schlafen. Immer war eines krank. Und bei Tage mutzte sie in der Schule aufpassen. Und wenn sie zu Musik oder Spiel mit den Feldbeckschen Kindern ins Herrenhaus gerufen wurde, mußte sie recht wach und fröhlich sein, sonst kam Frau Feldbeck zornig zum Großvater, machte ihm Vorwürfe und drohte, sie ihm wegzunehmen. Und er konnte doch nichts dafür! Von ihrer Frische hatte Lidka durch diese Kindheit aber nichts eingebüßt. Sie war nur herb und ein wenig eigen geworden. Sie war wie eine altvertraute, süße Volksmelodie, von verwilderten Jazz-Harmonien umspottet. Schön war es, am Abend mit Lidunka durch die Wiesen am Fluß hinzugehen. Franz kam immer abends sie holen, wenn Lapak im Wirtshaus Ivar.' Heute wollte sie zum ersten Male zu ihm kommen. Sie selbst hatte den Wunsch geäußert. Sie wollte sich einmal sein Häuschen besehen. Es sah schon von außen so schmuck aus. Franz hatte es neulich selbst getüncht. ,WaS wird sie sagen, wenn ich heute gekündigt werde?' dachte er. ,DaS wird ein trauriger Abend werden! Es ist aber noch nicht so weit. Ich werde Herrn Feldbeck alles erklären.' 2, .Es gibt doch keine Rätsel und Wunder, die unter unS wandeln', dachte Maxim Feldbeck mit enffprechender Selbstironie. Er vermochte eS aber doch nicht zu ändern, daß eine Unruhe, eine Spannung immer mehr von ihm Besitz ergriff, als der Mann nicht kam, den er durch Lapak hatte rufen lassen..Warum bemerke ich das überhaupt? Er> ist ein Chauffeur, ein Bedienter, was weiter?' Feldbeck war ärgerlich darüber, daß die Unterhaltung, die ihm bevorstand, ihn erregte. Er warf verdrießlich seine Feder weg und trat ans Fenster. AuS dem Tor des Neubaues drüben strömten jetzt die Arbeiter in endlosem, beinahe geordnetem Zu. Der wirr« Massentakt der Schritte klang dumpf durch die geschlossenen Fenster. War eS nicht wie ein Zug Gefangener, der nur zu kurzem Urlaub entlassen wird? Alles um Feldbeck hatte heut« etwas Trostloses, Hoffnungsloses. Er hatte noch nicht einmal alle Briefe der Nachmittagspost geöffnet. Sicher brachte jeder von ihnen eine unangenehmeNachricht. Gerade im Augenblick, da er sein Unternehmen mächtig vergrößert hatte, begann der Absatz zu stocken. Es wurde schlimmer und schlimmer. Es stand verzweifelt. Er hatte sich einst mit Finten und Sorgen tausend schlafloser Nächte schwer von Coup zu Coup hinaufgearbeitet, und als er oben war an der Macht, am Ziel, da kam das Unvorhersehbare. Der Krieg war verloren, die alten Reiche brachen zusammen. Zertrümmert war der Bau vorsichfigster Borausberechnung. Feldbeck hatte vor dem Kriege in Wien gelebt. Erst nach der Zerstückelung des Reiches war er, zumindest für einen Teil des Jahres, auf das Besitztum seiner Frau hiehergezogcn, um als Bürger der aussichtsreichsten der entsiandenen Kleinstaaten in die neuen-Verhältnisse einzutreten. Er hatte sich sogleich mit tschechischer Dienerschaft umgeben, wie es wegen der Beziehungen zu Behörden und Bevölkerung ratsam war, und erst bei Zuspitzung des Gegensatzes zu den Arbeitern hatte er eS gewagt. gewissermaßen einen.Leibgardisten" in G«, stakt dieses deutschen Chauffeurs von einer Ge« schäftsreise mitzubringen. Er hatte einen Mick für Menschen. Auch diesmal bewährte sich seine Wahl. Franz war nicht gerade ein Virtuose am Volant, Kühnheiten waren seine Sach« nicht. Das brauchte Feldbeck auch nicht, siebte er gar nicht. Franz war auch nicht gelernter Auto-Schlosser. Bei Reparaturen wußte er nicht allzu gut Bescheid. Aber das kam gar nicht in Betracht, wenn ma« seinen Wert wog. Es war nicht nur die Verlaß-! lichkett und Sicherheit, die sein offenes Wesen auS- strahlte. Alle liebten ihn, zumindest im Anfang.! Man hatte in seiner Gegenwart daS Gefühl, datz es leicht ist, glücklich zu sein. Es schien ganz unbe-I «reiflich, wenn man eS verfehlte. Feldbeck geriet in ein seltsames Verhältnis zu dem jungen Menschen. Im Anfang merkte er seht rasch, daß da noch andere Fähigkeiten zu nütze« waren als die eines Chauffeurs. Franz war trotz seiner Geradheit und Offenheit klug und welterfahren, begriff rasch auch daS Unerwartetste und Ungewöhnlichste, entledigte sich geschickt des heikelsten Auftrags. Wenn man ihn bei vertraulichem Anlaß seinem Bildungsgang gemäß behandelte sek sollte schon auf die Universität kommen, als ihn Rot zwang, einen Beruf zu ergreifens wahrte ec darum doch weiterhin mit Selbstverständlichkeit Distanz, eine unsichtbare Grenze, die niemals in ihrem zarten Takt abkühlend wirtte» die aber doch unverletzlich blieb. Das Mißtrauen, mit dem Feldbeck feine persönlichen Angelegenheiten sonst von jedem verschloß, schtvand Franz gegenüber.! .Mein Ex-Sekretär" nannte er ihn scherzhaft. Aber die egeisterung hielt bei Feldbeck nicht lang«! vor. Vergiftet von seinen Sorgen, überarbeitete ertrug er die Ruhe und Zuversicht des junge« Menschen auf die Dauer nicht. Er fand sie auf-! reizend, überheblich. Er empfand es als Person-, sich« Beleidigung, daß ein Mensch, dem es viel! schlechter ging xils ihm selbst, der eine unb«d«u-j tende, seinen Fähigkeiten gar nicht entsprechend«! Stellung hatte, daß so ein Mensch so voll Zuber-! sicht und Pertrauen in die Zukunft sah. noch weitere Lasten ohne Rot auf sich nahm. Feldheck sollte die Grenzen dieser Kraft kennen, di« Wurzel suchen. Im war. als müsse er ihn zerbreche« wie Kinder ein Spielzeug zerbrechen, um zu sehen, was innen ist. ^Fortsetzung folgt.)! Nr. 82 Samstag, 8. April 1935 Seite 3 fudetendeutscfier Zeitspielet VITE 110 Und zu Ostern gibts Kuchen und Braten und sonst noch viele gute Leckereien. Da darf man natürlich auch Vitello nicht vergessen. Sie ist ja nicht nur so nahrhaft und gesund— sie gibt auch allen Speisen ihren besonderen Wohlgeschmack. ments aufgeblasen wurden, sondern als schlichte Nixdorrrfer Ware auf den Markt kamen. Herr Rosche warnt. Und. er beruft sich dabei auf die 400.000 sudetendeutschen Arbeitslosen, die ihre Hoffnung auf die SHF setzen. Demgegenüber muß denn doch festgestellt werden, daß die übergroße Mehrzahl der sudetendeutschen Arbeitslosen keineswegs ihre Hoffnung in dir SHF setzen, sondern im Gegenteil fürchten, von ihr um das letzte geprellt zu werden, was sie an Unterstützung und was sie an Hoffnung auf eine beffere Zukunft besitzen. Besonders der Beitritt Rosches zur SHF wird die Befürchtungen der Arbeitslosen steigern, daß die SHF ihnen an den Kragen will. Denn Dr. Rosche und seine nordböh- nahme anoder Kam Parkamemswahlen, protestiert habe. Der Protest der polnischen Regierung richtete aber auch gegen die revisionistische Rote in nationalsozialistischen Wahlpropaganda, ins- Warschau. Di« Regierung gab Donnerstag bekannt, daß der polnische Generalkom- miffär in Danzig beim Danziger Senat gegen den Aufenthalt des preußischen MinLsterpräsidenten »General Göring, und anderer Führer der deutschen Nationalsozialisten in Danzig zwecks Teilnahme an^der Kampagne für die sonntägigen er als einen»zerschmetterten Dreckhaufen" vorgefunden habe, ein Preußen wieder aufgebaut habe, auf das selbst der Alte'Fritz stolz sein könnte. Wenn die französischen Staatsmänner den Frieden an der Ostgrenze wollen, dann brauchte Herr Laval nicht bis nach Moskau zu fahren, e r könnte in Berlin aus st eigen und könnte seinen Frieden und seine Sicherheit hier besser bekommen. Dann rückte Göring auch noch mit dem uralten Schlager heraus, daß es Deutschland war, welches die»Gefahr der Weltbolschewi- sierung" verhindert habe. Danzig müffe ein Spiegelbild Deutschlands sein und wenn es deutsch sein wolle, müffe es nationalsozialistisch sein. Auch HeB und Goebbels kommen Am Freitag traf in Danzig Reichsminister Rudolf Heß ein, um in den Danziger Wahlkampf einzugreifen. Samstag trifft dort Reichsminister Dr. Goebbels ein. Herr Fabrikant Rosche, die SHF und die 400.000 deutschen Arbeitslosen DaS politisch abnormale Denken des deutschen Bürgertums ermöglicht immer wieder Vorfälle, die in anderen Nationen schwer vorstellbar find. Wenn anderswo ein Parteiführer nach sieben Jahren fruchtloser Tätigkeit die letzten Getreuen sammelt und mit ihnen bei einer anderen Gruppe Unterschlupf sucht, vorzüglich, um sein Mandat sicherzustellen, so wird man den betreffenden Führer als erledigt, seinen Ruhm jedenfalls nicht als vermehrt ansehen. Anders bei den Deutschen. Da Herr Dr. Rosche au s Nixdorf mit.der„Gruppe Rosche"' der DAWAG zu Henlein übersiedelt, weil außer seinen Fabrikantenkollegen in der Gruppe Rosche nichts mehr übrig ist, gewinnt er aufs neue Bedeutung. Die Liquidierung der Firma gibt dem Chef den Nimbus eines, großen Geschäftsmannes. An der Bahre der AWG wächst Rosches Führerpersönlichkeit von neuem ins Welthistorische. In der„B o h e m i a" und anderen ehedem liberalen Blättern gibt Rosche seine Privatmeinung über die SHF kund. Beachtenswert, daß er es nicht früher getan hat, sondern daß er just in dem Moment erscheint, da ein allfälliger Berbruch her SHF auch ihn mit ins Verderben reißen würde. Er spricht also nicht so sehr als uneigennütziger Freund Henleins, nicht aus nachbarlicher Liebe, sondern aus dem Egoismus des Aftermieters, dem seine eigenen sieben Zwetschken miwerbrennen, wenn des Wohnungsinhabers Zeug in Flammen aufgeht. Rosche wirst sich in die Brust, beschwört M a s a r y k und Sv ehla als Zeugen für Henlein, was mindestens eine grrche Taktlosigkeit ist, denn beide können sich nicht gut wehren, der«ine, weil es seine Stellung nicht erlaubt, daß er mit Rosche in die Arena tritt, der andre, weil er tot ist. Ebenso kühn wie die Berufung auf Masaryk und Svehla ist aber die auf die sudetendeutschen Arbeitslosen. Herr Rosche schreibt: Und wenn man heute leichtfertigerweise mit dem Gedanken der Auflösung der SHF spricht, dann sollte man sich eines klar vor Augen halten: das verarmte und verelendete Sudetendeutschtum mit seinen 400.000 /Arbeitslosen, daß trotz seinen Hunger und trotz seinem harten Ringen um di« nackte Existenz nach der Auflösung der zwei Parteien infolge von Henleins Auftreten so beispiellos politische Disziplin gehalten hat, hat seine große Hoffnung auf die SHF gesetzt. Was würde die Folge sein, wenn man diesen Menschen ihre Hoffnung zerschlägt? Es ist bis heute noch nicht auf tschechischer Seite klar ernannt worden, welche ungeheure staatspolitisch« Bedeutung der Schritt Henleins vom 1. Oktober 1933 hatte, als er in einer Zeit größter Verwirrung einem großen Teile des Sudetendeutschtums neue Ziele und Wege gewiesen und dadurch ganz entscheidend zur Beruhigung der Oeflentlichkeit beigetragen hat. Und darum erbeb« ich in dieser ernsten Stunde warnend meine Stimme: Er, Herr Rosche aus Nixdorf. Emiritierter Retter des Sudetendeutschtums, Glanzredner von Gnaden der Reichenberger Handelskammer und der Parlamentsberichterstattung der„Bohemia". L ob r ebner Hitlers, dies aber schon zu einer Zest, wo sein« Reden nicht mehr durch die journalistische Geschicklichkeit des Zionisten Dr. Mannheimer zu Sensationen des Parla- könnte man Leute ihres Schlages mit einem derben Rohrstock traktiere n". Dies sind nur einige wenige Kostproben der „Polemik" des Herrn Sepp Kocab, die er in seiner gerichtlichen Verantwortung als„p o l i- tische Satire"(l) hinzustellen suchte. Zur Abrundung des Bildes sei noch hinzugefügt,"daß Kocab in diesem Artikel vorgab, verhindern zu wollen, daß»unser friedlicher Staat zum Tummelplatz politischer Perversitäten" gemacht werde— eine Phrase, die bei Leuten seiner Denkungsart besonders gut klingt— und daß er dem Leitmeritzer Gericht glaubhaft zu machen versuchte, es habe sich ihm nur um Abwehr des Mißbrauches des Asylrechtes(!) der deutschen Emigranten gehandelt. Im Auftrag des Genoffen Sattler überreichte Genoffe Dr. Egon Schwelbdie Klage und Sepp Kocab hatte die Kühnheit, für seine rüden Aus- laffungen den„W ahrheitsbeweis". anzutreten. Dieser Antrag rief beim Leitmeritzer Pressegericht Kopfschütteln hervor. In erster Instanz endete der Prozeß damit, daß Sepp Kocab der Vergehen nach 88 1 und 2 Massenversammlung in Schluckenau Henleinfront und Sozialdemokratie Unter diesem Titel berief unsere Bezirksorganisation für Mittwoch, den 3. April, eine öffentliche Versammlung für dieArbeiterschaft des Schluckenauer Tales ein, die zu einer imposanten Kundgebung für die Sozialdemokratie wurde. Glänzend wurde das Märchen vom sterbenden Marxismus an die ft r Massenversammlung widerlegt, denn der geräumige Saal des Gasthauses »Zum Adler" war überfüllt und auch im Vorraum stand eine Anzahl Menschen und immer kamen noch welche, als der Vorsitzende Gen. Anton Weber die Versammlung eröffnete. Als erster Redner sprach Genosse K ö g l e r, der in ausgezeichneter Form den Henleinfascismus geißelte. Wiederholt wurden seine trefflichen Ausführungen von Beifall unterbrochen und verstand er es vortrefflich, den Unsinn der sogenannten Volksgemeinschaft zu schildern.-Seine Schlußausführungen gipfelten in dem Appell alles daranzusetzen, um den Henleinfascismus in die Schranken zu weisen.—; Hierauf sprach Senator Gen. R e y z l über den Schwindel der Sudetendeutschen Volkshilfe und die Bedeutung der kommenden Wahlen und er konnte an Hand vieler Beispiele nachweisen, daß die Volkshilfe ein aufgezogener Wählerfang für die Hühnerfarm sei.— Den Ausführungen der beiden Referenten folgte stürmischer Beifall.— Es blieb uns leider versagt, die so tapferen„Redner der Hauptleitung" der SHF, die in ihren Versammlungen den Marxismus zerreißen und ihn schon zum Frühstück verspeisen möchten, nicht begrüßen zu können. Die SHF von Schluckenau, die den Mund sonst immer sehr voll nimmt, hatte der Tapferkeit besseren Tell gewählt, weil sie ja bei einer Diskussion doch unterlegen wäre. Sie begnügte sich ein paar Bürschchen als Horcher zu schicken, die mit saurem Gesichte die Ausführungen der Referenten verfolgten. Die Versammlung war jedenfalls ein voller Erfolg für die Sozialdemokratie unseres Gebietes und ein Beweis unserer Kraft. mischen Kollegen sind keineswegs dafür bekannt, daß sie f ü r die Arbeiter und Arbeitslosen eintreten. Herr Rosche täte besser daran, die deutschen Unternehmer, seine engsten Standes- und Gesinnungsgenossen zu warnen. Sie mögen den Bogen nicht überspannen! Sie sollen lieber ihren Arbeitern anständige Löhne und die ihnen zukommenden Urlaubsgelder auszahlen, statt die SHF zu finanzieren. Sie»ollen lieber dem Voll sein Recht zukommen lassen, als„Volls- gemeknschaft" zu spielen, sie sollen lieber von dem Gesinnungsterror«blassen, den sie im Interesse der SHF üben, als große Worte zu machen, hinter denen nichts steckt als der nackte Egoismus bankrotter Wirtschaftsführer. Die 400.000 sudetendeuffchen Arbeitslosen erhoffen vom Scheitern der SHF günstigere Kampfbedingungen, die„große Hoffnung" ist die SHF für die deutschen F a- brikanten, denen Profit, Terror, Kontraktbruch als Heiligtümer erscheinen, und für jenedeutschen,Politiker» die anderswo als bei Henlein kein Mandat mehr erhalten können! Der Kampf r internationale Revue« Prag Heft IV— April hat folgenden Inhalt: • Ott» Bauer: Das End« von Versailles. Emil Franzel: Preußen und Deutschland. Karl Thormann(Bern): Sozialistische Neuorientierung in der Schweiz. R. Garcia Sanchez(Madrid): Spanien zwischen zwei Revolutionen. I. Stolz(Paris): Richtungen und Fraktionen in der französischen Arbeiterbewegung und ihre Presse. F. B.: Die Aktiengesellschast in der tschechoslowakischen Wirtschaft. Bemerkungen. Weltpolitik. Weltwirtschaft. Internationaler SezialiSmuS. - Internationale GewerkschaftS- b« w r g u n 8- A«S ver D»wjet»ui»»r. Bä ch e r s ch a u. Preis des HefteS UL 5.—, Jahresbezugs- preis KC 50.—. Redaktion und Verwaltung: Prag II, Lützowova 37. sich der besondere gegen die Aeußerung:„Danzig muß zum Deutschen Reich zurückkehren." Göring hatte in seiner Rede erllärt, daß Danzig d e u t s ch bleiben müffe. Erersehne die Stunde und sei gewiß, die Stunde zu erleben. Wir wissen aber auch, daß die Vorsehung eines Tages entscheiden werde, was heute noch nicht entschieden werden kann. Weiter sagte Göring in seinen ost recht drastischen Ausführungen, daß er aus Preußen, das Lodgman als Henlein-Ersatz? Zu der unter diesem Titel veröffentlichten Information ersucht uns Herr Karl A n s o r g e, Vertreter des" Deutschen Nachrichtenbüros, Berlin, um die Aufnahme der folgenden Erklärung:„Auf Grund meiner mit der sudetendeutschen Politik gemachten Erfahrungen denke ich nicht daran, mich an ihr wieder aktiv zu beteiligen. Karl Ansorge." t k Wir haben seinerzeit eingehend über die vor dem Leitmeritzer Kreisgericht durchgeführte Verhandlung gegen den wenig rühmlich bekannten Schriftleiter der„Aussig-Schrek- ken st einer.Zeitung" Herrn„S epp" Ha ns Kocab berichtet, der in seinem Blättchen am 11. August 1934 eine von unflätigsten Ausfällen strotzende„Polemik" eigenen Fabrikates gegen den Herausgeber des Karlsbader„Neuen Vorwärts", Genossen Sattler veröffentlicht hat. Dieser teutonische Recke mit dem ger- manisch-volkstümlich zugeschnittenen.Vor- und dem unverfälscht tschechischen Familiennamen hatte an einer im„Neuen Vorwärts" unter dem Titel „Hindeburg-Nekrolog" erschienenen durchaus sachlich-krittschen Betrachtung über die Persönlichkeit und die politische Bedeutung des damals eben- verswrbenen Reichspräsidenten und Feldmarschalls Hindenburg Anstoß genommen. Der Artikel, der die Schule der nazistischen Journalfftik in jeder Zeile verrät, war betitelt: »W irgreifenan!" und der Untertitel lautet«:„H ergestelltHerrSattler." Herr Sepp Kocab ließ seine zweifellos urgermanische Seele in Wallung geraten, well er sich durch den erwähnten kritischen Artikel, der mit keinem Wort eine pe r s ö n l i ch e Verunglimpfung enthielt, in seinen„innersten Gefühlen" verletzt gefühü habe, wie er bei seiner Einvernahme betonte. Dieser treffliche, nach eigener gerichtlicher Aussage heimatfrontlichgesinnte Zeitungsmann(der vor nicht allzulanger Zeit ein Unterkommen bei den heute von ihm besudelten Sozialdemokraten suchte) hat steilich seinerzeit kein AergerniS an den wüsten Beschimpfungen Hindenburgs'durch die Nazis'genommen, als die Hitlerleute dessen Kandidatur zum Reichspräsidentenamt in ihrer bekannten Art bekämpften^Dafür sprach er in der eingeklagten„Polemik" von „Verl>ogenheit, Volksverdum- mung und Volksverhetzung" als charakteristischen Merkmalen des jüdischen Wesens, aus welchem heraus der Artikel des„Neuen Vorwärts" geschrieben sei. Genoffe Sattler wurde (»Pfui Teufel, Herr Sattler..'."!) aufgefordert„seinem Jehova dankbar zusein, daß ernoch nicht ein verdientes und weitaus kläglicheres Ende genommen habe". Da ist von „jüdischen Plattfutzsohlen" die Rede, denen der Boden zu heiß geworden sei. Und in den Schlußsätzen dieser nazistischen Polemik heißt es:»Es wäre eine Wohltat... Kocab, Hindenburg und die„Emisrantenpresse“ Das Urteil gegen den Schreckenstelner Schimpfbold bestätigt Ostern kommt... MAR GAR I N E f des Gesetzes zum Schutz der Ehre schuldig erkannt und zu vierzehn Tagen strengen und mit einer Faste verschärften Arrestes verurteilt wurde und zwar unbedingt. Sepp Kocab fühlte sich bemüßigt, gegen dieses Urteil Nichtigkeitsbeschwerde und gleichzeitig Berufungwegende r unbedingten Verurteilung einzulegen, so daß das Oberste Gericht in dieser Sache zu entscheiden hatte. Das Oberste Gericht wies b e i d e Rechtsmittel ab, so daß das U r t e i l des Leitmeritzer Pressegerichtes rechtskräftig geworden ist. Die oberste Instanz zog, ohne auf Details einzugehen, die Tatsache in Betracht, daß Genosse Sattler von Kocab einfach in seiner Eigenschaft als Herausgeber des »Neuen Vorwärts" angefallen wurde, ohne daß eine direkte Verbindung des Angegriffenen mit dem„Hindenburg-Nekrolog" auch nur behauptet wurde. Der Inhalt dieses Artikels brauche also überhaupt nicht geprüft zu werden. Was die Berufung gegen die unbedingte Verurteilung betrifft, spricht das Oberste Gericht aus, daß der bedingte Strafaufschub dem Angeklagten mit Recht verweigert wurde, well sowohl die vorhergegangenen Verurteilungen des Angeklagten, als auch die Art der Begehung und endlich auch die Art seiner Verteidigung darauf Hinweisen, daß der Strafvollzug notwendig sei. Sekbswerständlich muß Sepp Kocab die gesamten Gerichtskosten bezahlen und außerdem das Urteil auf seine Kosten in der„Aussig- Sch recken st einer Zeitung", sowie im Karlsbader„Volkswille" und im Aussiger »V o l k s r e ch t" veröffentlichen laffen. rb. Sette» TamStag, S. April 1938 Nr. SS TagcsnaUgKcitcn Sin vielfacher Knabenmörder Schwerin. Im Fever d. I. verschwanden in Schwerin zweiKnaden, ohne daß ihr Ber- bkeiven festgestellt werden konnte. Bei der Ueter- prüfung des Falles ergaben sich merkwürdige llebereinstimmungen mit dem Verschwinden anderer Kinder in Mecklenburg-Lübeck und dreierKinder in der Provinz Brandenburg. Während eine großangelegte Untersuchung bereits im Gange war, verschwand am 22. März d. I. in Wittenberg abtrmals ein Knabe, der dann unter ganz gleichen Umständen wie in den früheren Fällen tot in einer Waldschommg aufge- fnnden wurde. Die Untersuchung führte dann zu der Verfolgung des 65jährigen Uhrmachers Adolf Seefeldt, eines vielfach wegen Sittlich- keitsvrrbrechen vorbestraften Mannes, der schließlich in Wutzitz im Kreise Neuruppin fest- genommen wurde. ES besteht kein Zweifel, daß Serfeldt der gesuchte vielfache Knahenmör- der ist. Blutige Barfölle in AGA New Jork. An verschiedenen Teilen des Landes ist es zu Ruhestörungen gekommen. An Gallup(Neumexiko) griff bei einer Delogierung die Volksmenge die Polizei an. Es kam zu Zusammenstößen, bei denen ein Polizeibeamter und ein Arbeitsloser erschossen und zahlreiche Teilnehmer an der Kundgebung durch Schüsse verletzt wurden. In Sandprangs(Oklahoma) gerieten streikend« Textilarbeiter mit Arbeitswilligen in Schlägereien. Zahlreiche Personen wurde verletzt. An dem S t r ä f l i n g s l a g e r Hel Eli- zabcih-City in Nordkarolina meuterten Negersträflinge und griffen die Wärter an, die sich mit der Schußwaffe zur Wehr setzten. Zwei von den Sträflingen wurden angeschossen. Den Wärtern gelang es, die Meuterer durch Tränengas zur Ruhe zu bringen. Ueberfahren und liegen gelassen Gewissenloser Chauffeur Auf der Straße Prag—Beneschau, in der Nähe von Kunratie e, wurde Freitag früh die Leiche des Gastwirtes Josef H l u ch h gefunden, welcher zweifellos von einem Automobil überfahren worden war. Nach dem Bericht der Gendarmerie, wurde Hluchh, der am R a n d e der Straße ging, von einem Wagen erfaßt und sofort getötet. Für diese Annahme spricht die Tatsache, daß Hluchh die Hände noch in den Taschen hatte, als er niedergeriffen würde. Nach dem Unglück fuhr der Chauffeur weiter, ohne sich um sein Opfer zu kümmern. Rach dem gewissenlosen Wagenlenker wird geforscht. Um Verlobung zu feiern drei Menschen ermordet! Berlin. Der dreifache Raubmord in D a- b e r g bei Furth- im Walde, hat seine Aufklä- rung gefunden. Dort wurde bekanntlich die 80 Jahre alte Witwe Katharine Weber, ihre 44- jährige Tochter Martha und ihr 18jähriger Enkel Richard ermordet. Als Mörder wurde jetzt ein Neffe der Greisin, der 26jährige Ludwig Weber, in Mehring bei Augsburg verhaftet. Ludwig Weber, der bereits einmal wegen Brandstiftung sechs Jahre Gefängnis abgesessen hatte, hatte die furchtbare Tat begangen, um die Mittel für seine Borlobungs- stier aufzubringen. Er hatte seine Verwand- »«»«>»0« Wurm Bon einemz Genoffen, der sowohl mit Mathilde Wurm, als auch mit ihrem verstorbenen Mann, Emanuel Wurm, jahrzehntelang befreundet war,. werden wir um die Veröffentlichung folgender Zeilen gebeten. Mit Mathilde Wurm ist eine Persönlichkeit aus dem Leben geschieden, die aufs engste mit der deutschen und der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung verbunden war. Der Wahlkreis Thüringen, den ihr Gatte Emanuel Wurm, der durch die Einführung der„Brotkarte" Deutschlands Ernährung während des Weltkrieges sichert«, seit 1890 im Reichstage vertreten hatte, erwählte sie nach seinem Tode 1920 zum Vertreter. Sie hatte durch ihre Tätigkeit glänzende Proben ihres Könnens, ihrer Aufopferungsfähigkeit und ihres unermüdlichen Fleißes äbgelegt. Erst im M a i 1.933, nachdem fi« noch zwei Monate trotz dem nationalsozialistischen Terror ist ihrem Wahlkreis Versammlungen abgehalten hatte» verließ sie, von den Häschern Hitlers verfolgt, und gehetzt, schon wochenlang ohne Wohnung, Deutschland. In Gens fristete die Sech- zigjahrige mit Schreibmaschinenarbeiten mühsam ihr Dasein. Ihr Eigentum, eine kleine Wohnungseinrichtung- der wertvolle Rest der Bi- 3vvv Tote bei Kweijang Rückzug der Regierrmgstruppe« Hongkong. Die Borhut der kommunistischen Armee befindet sich bereits 16 Meilen von Kweijang entfernt. Diese Stadt hat 1 0 0.0 0 0 Einwohner. Sie wurden zur schleunigen Evakuierung aufgcfordert. Die Regierungstruppen mußten bei de» Kämpfen, die sich dort entwickelten und bei denen 3000 Soldaten gelötet wurden, zurückweichen. Die ungewöhnlich hartnäckigen Kämpfe dauerten bis Donnerstag abends und wurden gestern früh wieder ausgenommen. Der Oberkommandierende der Regierungstruppen, Marschall Tschiangeitschek, leitet selbst die militärischen Operationen nnd wirft alle ihm zur Verfügung gestellten Abteilungen gegen die Kommunist«», um deren Vormarsch aufzuhalten. Don nerstag abends schien es, als ob ihm der Widerstand gegen die rote Armee gelingen würde, aber nach dem über sechs Stunden dauernden Kampfe trat rin plötzlicher Umschwung ein und die Regierungstruppen mußten vis z« 30 Meilen zurückgehen. Die Nankinger Regierung hat bereits einige Male mitgeteilt, daß in kürzester Zett die Gefahr, die die Rote Armee bedeutet, vollkommen beseitigt werden wird. Bisher wann aber alleSchlach- t e n, die die Regierungstruppen mtt den Kommunisten lieferten, unentschieden, da dir Kommunisten, wenn sie den Rückzug antreten mußten, sich auf ein anderes Gebiet warfen und dort neue Angriffe unternahmen. Neue Bücher Julius Deutsch: Kontinent in Gärung, geb. KL 42.— Karl Heinz: Nacht über Oesterreich brösch. KL 5.— Kurt Doberer: Prolt, das bist du. Gedichte kart KL 8.— Zu beziehen von der Zentralstelle für das Bildungswesen, PRAG XII., Slezska 13. tcn aufgelauert, die zu verschiedenen Zetten aus der Kirche kamen und zuerst die alte Frau, dann deren Tochter und schließlich ihren Enkel ermordet Sodann führte er die beiden K ü h e der Greisin aus dem Stall, um sie zu verkaufen. AuS dem Erlös bestritt er dann die Kosten einer zweitägigen Berlobungsfeier. Seine Braut, ein unbescholtenes Mädchen, hat an der furchtbaren Tat ihres Verlobten keinerlei Anteil. Verhaftung eines Postrevidenten. Seit einigen Tagen beobachteten Detektive der Prager Polizeidirektion den Beamten des Pardubitzer Postamtes, Z a n d a, welcher den Transport auf der Sttecke Trautenau—Pardubitz zu besorgen hatte. Zanda wurde verdächtigt, die Briefe spo- liiert zu haben. Bei einer überraschenden Durchsuchung wurden bei ihm tatsächlich Banknoten gefunden, welche von den Detektiven in fingierte Briefe gesteckt worden waren, um den Briefräuber zu überführen. Zanda, welcher geständig ist, wurde zwar sofort suspendiert, aber auf freiem Fuß gelassen, weil keine Fluchtgefahr vorliegt/.• Eingeliefert In die Haft des UZhoroder Kreisgerichtes wurden der M ö r d e r des R e- glerungskommifsärsin der Gemeinde Kanora, Jlko S m o l j a k, und der Urheber des Mordplanes Ivan H a f i n e s, Wetter die Mordkomplicen Jiri Macovka, Ivan Kalitik, Stepän Maör, Ivan Siskaninek, Ivan Rajkinek und Basil Pavlisin, eingeliefert Er hat's eilig. Frau Hauptmann hat dem Advokaten Reilly, dem Haupwerteidiger ihres Mannes mitgeteilt daß sie nicht mehr auf sein« weiteren Dienste rechne, da sie seine Palmarrechnung als zu übextrieben und auch als vorzeitig vorgelegt ansehe. Diese Palmarrechnung lautete auf. 25.000 Dollar. Advokat Reilly erklärte, daß die für die Verteidigung Hauptmanns veranstaltete Sammlung bereits 37.000 Dollar ergeben habe und daß Frau Hauptmann außerdem noch selbst 15.000 Dollar besitze. Gleich nach der Verkündung des Urteils über Hauptmann, übernahm Advokat Fisher die Führung der Verteidigung für das am 20. Juni beginnende Appellationsverfahren. 100.000 Pfund fallen für die Arbeitslosen ab. Anläßlich der Feier der silbernen Hochzeit deS englischen Königspaares, am 6. Mai, wurde dem Amte für Arbeitslosenunterstützung ein Bewag von 100.000 Pfund Sterling zugewendet, so daß am Tage des silbernen Jubiläums des Königs jedem Arbeitslosen außer der normalen Unterstützung noch separat eine halbe Krone, d. s. 2 Schilling 6 Pence, ausgezahlt werden. Der Gehilfe des Sterilisators. In der Pariser Vorstadt Neuilly wurde der junge Franzose H a r e l verhaftet, welcher der Haupthelfer des österreichischen Pseudoarztes B a r losch e k bei seinen Sterilisierungsoperattonen in Bordeaux und in der Umgebung von Paris gewesen ist. bliothek ihres Mannes und ein paar hundert Mark Spargeld, wurden vom Dritten Reich geraubt. Man bürgerte sie zwar nicht aus, aber man bestahl sie. Erst jügst brachte der„Reichsanzeiger" die Mitteilung, daß man eine ihr gehörende„H olzlaube" enteignet hat. So rächte sich das Dritte Reich an einer wehrlosen Frau, weil sie jahrzehntelang die Liebe und Achtung all der Hunderttausende Genossen hatte, für die sie swebte Die Uebersiedlung nach London änderte nichts an ihrer materiellen Lage. Trotzdem enthielten ihre Briefe nie einWort der Klage, nur selten kurze Bemerkungen über ihr persönliches Leben. Dafür aber war jeder Brief voller Anteil r^a h m e und voller Hilfsbereitschaft für die unzähligen Opfer des Fasxismüs. Ihre besondere Sorge galt den Opfern des fascistischen Terrors. Unermüdlich suchte sie die englische Oeffentlichkeit für deren Schicksal zu interessieren. Größte Freude bekundete sie, als jüngst die Nachricht bestätigt wurde, daß Hermann Lüdemann und Hermann Lieb« mann endlich aus ihrer fast zweijährigen Leidenszeit befreit worden waren. Mathilde Wurm war gewohnt, zu geben und nicht zu nehmen. Ihre Sorge gatt immer dem Schicksal anderer. Ihr stolzer Sinn lehnte sich dagegen auf, selbst Gegenstand der Sorge anderer zu werden. Postamt ansgeplündert In der Nacht auf Freitag wurde in das Postamt in Pilsen- Doubravka ein Einbruch verübt; aus der feuersicheren Kasse wurden über 7000 XL Bargeld und über 6000 XL in Briefmatten entwendet Ein Habsburger unter BetrugSanklage. Der Pariser Untersuchungsrichter brachte gegen den österreichischen Erzherzog Wilhelm Habsburg, einen Vetter Otto Habsburgs wegen Teilnahme am Betrug di« Klage ein. Wilhelm Hcvbsburg, der etwa 40 Jahre alt ist, lebt seit einigen Jahren in Patts und gibt sich als Bewerber auf den ukrainischen Thron aus. Er war während des Krieges und nach dem Kriege in die Politik in die Ukraina verwickelt. In Paris hatte er in den letzten Jahren intime Beziehungen zu der Abenteurerin Fräulein C o u y b, die kürzlich wegen verschiedener, namentlich Finanzbetrügereien verhaftet wurde. Die Verhaftete behauptet« bei ihrem Verhör, daß sie die Mehrzahl der Betrügereien auf dir e k t e Anstiftung ihresGeliebtenbeging. Die linksgerichteten, namentlich die sozialistischen Blätter verlangten schon länger« Zett, daß man Wilhelm Habsburg gerichtlich zur Berantwottung ziehe. Der Untersuchungsttchter beschuldigte nun Wilhelm Habsburg der Teilnahme an den Be- ttügereien der Abenteurerin Couyb. Der Höhenrekord des Sowjets-Ballons. Die sowjetrussische Regierung hat um die Anerkennung des sowjetrusfischen Höhenrekordes für Sttatosphärenballons ohne Passagiere angesucht, u, zw. nach dem Aufstieg ihres Ballons in Maska» der den automatffchen Registrierapparaten zufolge, eine Höhe von 25 Meilen(40 km) erreicht hatte und in einer Entfernung von 125 Meilen von Moskau gelandet war. Polens Bevölkern»gsziffer. Nach einer Mitteilung des Statistischen Zentralamtes in Warschau. erhöhte sich die Bevölkerung Polens im Jahre 1934 um 402.000, d. i. die gleiche Zahl, wie im Jahre 1933. Am 1. Jänner 1935 lebten in Polen 33,400.000 Personen. Politisches Gepäck gestohlen. Auf seiner Rückreise nach Japan hat der j a p a n i s ch e Delegiette der Londoner Flottenkonferenz in Soeul in Korea? das Fehlen wichttgen Gepäcks mtt Flottenmaterial entdeckt Man vernmtet daß das Material gestohlen worden ist. Eine feine Gräfin. Donnerstag wurde in Bannes, in Westfrankreich, die 68jährige Gräfin De la Berre de Dann«, eine Dame aus den „besten Pattser Gesellschaftskreisen", wegen eines Erpressungsversuches verhaftet. Sie hatte an eine Kaufmannsfamilie in Vannes«inen anonymen Bttef gettchtet, in dem sie 8000 Franken fordette, andernfalls sollte das Kind des Kaufmannes geraubt werden. „Echte Brillante«". Der Berliner Ktt- minalpolizei gelang es dieser Tage, eine gerneingefährliche Bettügerkollone auszüheben, die als sogenannte Bauernfänger in der Reichshauptstadt, zeitweise auch in Magdeburg, Dott- mund nnd Hanniwer ihr Unwesen getrieben haben. Die Gauner befaßten sich dmntt, wertlose Glassteinean bettrauensselige Personen als echte Brillanten z» verkaufen. Sie suchten und fanden ihre Opfer hauptsächlich auf großen Bahnhöfen oder an Schiffsanlegeplätzen. Die Berliner Kttminalpolizei konnte nach umfangreichen Ermittlungen insgesammt vier Mann kurz hintereinander festnehmen. Es handelt sich durchwegs um alte Bekannte der Kttminalpolizei, die sämtlich bereits ein großes Konto an Vorstrafen aufzuweisen haben. Die Freie Schule für politische Wissenschaften schließt die Einschreibungen für das FrühjahrStri- mesterA935 mit dem ordentlichen Termin am 6. April d. I. ab. Die Vorlesungen beginnen am 29. April nach dem im Drucke erschienenen Programm (Sekretattat der Schule, Prag I., Ovocnh trh 3/H. Karolinum.) Wahlschwindel en gros Der Danziger Senat hat durch Verordnung allen Danzjger Staatsbürgern im Deutschen Reich und im Ausland ermöglicht, an den Wahlen am 7. April leilzunehmen. Aus allen Teilen des Deutschen Reiches treffen nunmehr hundette, ja tausende wahlberechtigte Danziger ein. Ein Dokument Mit welchen Mitteln der„Wahlkampf" in I Danzig von den Nazis geführt wird und! wie frtt und unbeeinflußt die Wahl ist, dafür I ein kleines Beispiel. Die Kandidaten der So- 1 zialdemokratischen Partei haben folgenden Bttef] erhalten: „Sie haben sich als Kandidat der sozialdemokratischen Pattei zum Volkstag aufstellen las- l sen. Sie werden wissen, daß es das Ziel der Na- I tionalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei ist, 1 mit diesen Volkstagswahlen dem Völkerbund zu 1 beweisen, daß Danzigs Bevölkerung hundertpro- 1 zentig nationalsozialistisch denkt und fühlt I Sie| werden wissen, daß das Auftreten von Splitter- I Parteien geeignet ist, das Ziel der NSDAP, zu| hintertreiben. Wir fordern Sie deshalb auf, Ihre Kandida-| tut von der roten Bonzenkist« streichen zu lassen. 1 Sollten Sie unserer Forderung nicht nach- J kommen, so werden wir gegen Sie mtt den schärf» I sten Maßnahmen vorgehen. Denken Sie an die Erlebnisse Ihres Partei- J freundes Krupp!«(der kürzlich, haMtot geschla- l gen, durch die Straßen geschleift wurde. Red.). Denken Sie daran, daß die Oeffentlichkeit a auch für Ihr Privatleben Interesse zeigen kann! Reihen Sie sich deshalb ein in die Volks- 4 gemeinschastl Unser Gauletter reicht Ihnen die Hand In s letzter Minute! Heil Hülerl" Vom Rundfunk bvMi«MWM i tMMM4MPr«anMaaei■ Sorurtag Prag: Sender L.: 7.30 Konzett aus Karlsbad. I 9.15 Konzett: Sängervereinigung. 11.00 Konzert des Prager Quartetts. 12.15 MittagSkonzert. 14.15 I Sozialinformationen. 17.30 Sedlak: Aus dem bra-| silianrschea Urwald. 17.45 Schallplatten: Caruso. 1 18.50 Deutsche Sendung aus Mähr.-Ostrau: Orche- 1 sterkonzert. 22.50 Deutsche Presse. 22.30 Tanzmusik. J — Sender St.: 14.30 Deutsche Sendung: Land- I wirtschaft, Minister Dr. Spina: Die gesamtstaat- I liche LandeSgesundheitSwoche. 14-45 Arbeiter- I sendung: Dr. Otto Löwe: Cheliicky. 15.001 Chorkonzert.— Brünn: 9.15 Ukrainische Lieder. I 17.30 Opernatten. 1930 Oper:.HosfmannS Er« i Zahlungen", Uebertragung aus Olmütz.— Mährisch- o Ostrau: 19.50 Unterhaltungsprogramm.— Preß- bürg: 18.10 Violinkonzert> In den Aktuellen zehn Minuten der Prager deutschen Arbeitersendung am gestttgen Freitag verfiel der Passus, der sich mtt der SHF beschäftigte, der Radiozensur. Hörergemeinschaften nnd Rnndfnnk-Konzes- stonSvorschriften. Die Rundfunkhörergemeinschatten beginnen auch bei uns festen Fuß zu fassen. Nun wird die Frage aufgeworfen, wie sich diese Sache vom GesichtSpuntte der Rundfunkempfangs-Konzes- sionsvorschristen und der Enttichwng der Rundfunkgebühr verhält. Die Zeitschrift„Svet mlubi" bringt hierüber in ihrer letzten Nummer folgende authenttsche Aufklärungen: Vorerst wäre der Fall in Bettacht zu ziehen, ob«in solcher HörerkreiS, der entweder eine fteie Vereinigung, oder«inen ordentlichen gesetzmäßigen Verein darstellt, sich einen eigenen Empfangsapparat anschafft. Dies erfordert selbswerständlich die Einholung einer besonderen Konzeffion vom zuständigen Postamte. Im Gesuche ist der Name und Nattonale jenes Mitgliedes, anzu- fühxen, der den Empfänger in Verwahrung haben und ihn betreuen soll. Diese Petton mutz das 16. Lebensjahr überschtttten haben; ihr Name wird in der Konzessionsurkunde angefühtt. Für die Enttich- tung der Rundfunkgebühr gelten die üblichen Vorschriften.— In den meisten Fällen wird allerdings in Ermangelung ttneS VereinSapparatts eines der Mitglieder für jeden gemeinsamen Hörabend sein eigene- Gerät mitbringen. Hier ist zu beachten, daß ein ordentlich regifttiettcr Rundfunkhörer berechtigt ist, seinen Empfänger zu übertragen(auch mit Auw) und die Sendeprogramme öffentlich vorzuführe», ohne eS dem Postamt« besonders melden zu' yuissen. Er hat nur für einen Kontrollfall seine Konzessionsurkunde und die Run dfunkgebüh renbeftä- ttgung für den laufenden Monat mitzuführen. ES ist gleichgültig, ob der BemeinschaftSeMpfang in der Wohnung des Empfänger-Eigentümers stattfindet, oder ob der Apparat zum Zwecke des gemeinsamen Empfanges an einen beliebigen Versammlungsort gebracht wird. 9fr. 82 TamStag, 8. April 1933 Seife 5 Ellen Frank ist d« Partnerin von Fritz Rasp in dem Spionage» Ulm„Asew, der Verräter". »Wer bietet mehr?!" Ss war im Winter 1926 zu 27 in Berlin... Irgendwo fand ein kleines Atelierfest statt... Eine von jenen vielen kleinen, halbprivaten Veranstaltungen, die für den Berliner VorsaschiNg charakteristisch sind.— Auf diesem Atelierfest gerieten drei Gäste in ein längeres Gespräch—. Felix Fechenbach, der Unterzeichnete und— nun, jener Hans Wese- many, der früher als nicht ernst genommener» gewandter politischer Causeur durch die Salons von Berlin geisterte und heute als einercher übelsten Schurken der politischen Hintertreppe entlarvt ist. Wesemann hatte jene unangenehme mokante Art, über alles und jedes witzelnd zu spotten, die ernsthaften Menschen auf die Nerven geht. Fechenbach irritierte dies fadenscheinige Feuerwerk pseudo-eleganter Formulierungen und er sagte, ein wenig aus der Fassung gebracht: „Aber Sie nehmen ja nichts ernst!“ Wesemann kniff das rechte Auge zu, lächelte em wenig und sagte mit fühlbarem Hohn: „Was wollen Sie? Politik ist doch ein Geschäft.— Für mich ist sicher, daß hier nur die Parole gilt: Wer bietet mehr?!" Es ist sicher, datz ihm die Gestapo mehr geboten hat!—X— Volkswirtschaft und Sozialpolitik Das provisorische Handelsabkommen zwischen der Tschechoslowakei und den Vereinigten Staaten ist in Washington unterzeichnet worden. Das Abkommen tritt am 1. Mai 1935 in Kraft und kann mit dreitzigtägiger Frist gekündigt werden. Handelspolitische Schwierigkeiten mit Jugoslawien find neuerdings entstanden, weil durch eine Verordnung des jugoslawischen Finanzmini- sterS der Weiterverkauf des in die Tschechoslowakei gelieferten jugoslawischen Getreides an dritte- Länder verhindert weiten soll. Bekanntlich hatte die Tschechoftowakei zur Belebung des Handelsverkehrs mit Jugoslawien mehrere tausend Waggons Weizen und Mais von Jugoslawien bezogen und versucht, einen Teil dieses Getreide- wieder in- Ausland zu verlaufen. Ein Kartell in der Lackindustrie» als dessen vordringliche Aufgabe die Sicherung guter Preise bezeichnet wird, ist im Entstehen begriffen. Für später ist auch die Kontingentierung der Produktion vorgesehen. Dem Kartell werden alle tschechoslowakischen Firmen der Lackindustrie angehören. 4,558.465 Kronen Reingewinn hat die Tschechoslowakische Agrarbank im Jahre 1934 erziell. Davon erhalten die Aktionäre 2,700.000 Kronen, 500.000 Kronen werden dem Reservefonds zugewiesen und nur 1 Million Kronen werden auf neue Rechnung vorgetragen. Argentinien als Absatzmarkt. Die südamerikanischen Länder sind von der tschechoslowakischen Exportindustrie bisher zu wenig als Absatzmarkt beachtet worden. Darauf hat eben wieder der ehemalige tschechoftowakische Gesandte in Argentinien, Machaty, in einem Vortrag hingewiesen. Er betonte die Notwendigkeit direkter Handelsbeziehungen zwischen Argentinien und der Tschechofto« wakei. Argentinien ist der wichtigste südamerikanische Staat, der zwar seiner Grütze und De- völkerungSzatzl nach bloß 16 Prozent, handelspolitisch jedoch 50 Prozent von ganz Südamerika darstellt. Der argentinische Autzenhandel erreichte seinen Höchststand im Jahre 1928. Im Jahre 1934 ergab er ein AÜivum von 328 Millionen PesoS. Die tschechoftowakische Ausfuhr nach Argentinien ist im Jahr 1934 auf 103 Millionen Kronen gestiegen. Die Ausfuhrmöglichkeiten sind jedoch unverhältnismäßig größer und eS ist eine Aufcche unserer Eportindustrie, diese Möglichkeiten m anderer Weise auszunützen als bisher. W Nt 166» Ult MklWM UW? Bon A. Rudolf. „Können Sie mir nicht 16 Rubel bis zum Ersten leihen, Genosse Rudolf?", ftagt mich Katja. Stenotypistin eines Leningrader Verlags, bei dem ich öfters zu tun hatte. „Ich habe nämlich einige Kleidungsstücke verpfändet und die verfallen, wenn ich den Pfandschein nicht verlängere. Dazu brauche ich das Geld." Während ich schon nach der Brieftasche greife, geht es mir durch den Kopf: Katja verdient 170 Rubel monatlich, davon bekommt fie nach allen Abzügen, Anleihe, Einkommensteuer, Wohnbau- u. Kultursteuer faktisch nur 150 Rubel heraus. Damit kann man natürlich keinerlei Sprünge machen. Aber fie ist ja verheiratet, ihr Mann, soviel ich weitz, Mechaniker, ein in der Sowjetunion relativ gut bezahlter Beruf. Und ich Weitz auch, datz Katja sehr sparsam und wirtschaftlich ist. Wie ost hat fie mich auf diese und jene billige Einkaufsauelle hingewiesen. Es mutz also etwas Ungewöhnliches geschehen sein. Katja ist aber nicht nur wirtschaftlich, fie ist auch Gedankenleserin. „Ja, mein Mann bekommt erst am Fünfzehnten wftder nach langer Zeit Geld, nachdem er glücklich eine Stellung gefunden hat. Er war nämlich fast drei Monate ohne Arbeit?" Ohne Arbeit?? Es soll doch in der Sowjetunion keine Arbeitslosigkeit geben? Und da ein qualifizier- ier Mechaniker ein Vierteljahr arbeitslos? In einem Industriezentrum, wie Leningrad ist? Ich gab Katja die 15 Rubel und begaim, in meinem Bekanntenkreise mich schärfer umzusehen, nach- zustagen, Beobachtungen anzustellen. Und bekam zufällig drei Wochen später einen Brief von einem bei Moskau beschäftigten deutschen Schleifer. Der wollte nun auch einen anderen Winkel der UDSR sehen und bat mich, ihm in Leningrad eine Arbeit zu verschaffen. Ein gelernter deutscher Schlosser, meinte er, sei in der USSR doch überall gesucht. Ich fragte in Betrieben an, in denen ich Verbindungen hatte. Ich ging zur zentralen Vermittlungsstelle de? Gebietsgewerkschaftsrats, der eine eigene Ausländerabteilung hat. „Maschinenschlofler? Haben wir mehr als wir brauchen können! Schreib dem Genossen, er soll bleiben, wo er steckt. Wir schreiben nicht mehr 1931!" Nach und nach merkte ich auch an anderen Symptomen, datz die Zeiten von 1931 endgültig vorüber waren. Damals bekam jeder, Russe oder Ausländer,— und letzterer ganz besonder», soviel Arbeit angeboten, wieviel er nur wollte, mochte er Kumpel oder Arzt, Dreher oder Zeichner sein. „Bevorzugte AuSländerverpftegung? Aber selbstredend!— Einen Monat Auslandsurlaub pro Jahr, bezahlte Ein- und Rückreise? Bitte sehr! Etwas Valuta für die Angehörigen im Ausland? Auch da» läßt fich machen. Es gab sogar solche, di« da» unmöglich scheinende, eine Wohnung im überfüllten Moskau, durchsetzten. Da» waren die Zeiten deS Fünfjahrplanrausches. Ein leichter Hauch von Inflation verbreitete sich auS den Büros der staatlichen Plankommission, über das ganze Land.. Man sah ProduktionSziffern schon für den ersten Fünftahrplan vor, die bestenfalls, und auch nicht restlos, im zweiten Jahrfünft erreicht werden dürften. Aber damals war es„rechter Opportunismus", an diesem Wachstumtempo zu zweifeln, eS für übersteigert zu halten. So engagierte man Unbedenklich Arbeitskräfte.„Die gesteigerte Produftion bringt e» schon wieder rein." Aber die Produktion stieg viel langsamer, als man gehofft, die Finanzen wurden trotz geheimer Inanspruchnahme der Rotenpresse, die nur-u Preiserhöhungen führte, immer angespannter.' Die Selbstkosten und die Lasten des rapid angewachsenen Apparates waren viel höher, als vorgesehen. Da kam Ende 193A der Blitz aus heiterem Himmel: ein Dekret, das den Abbau des Beamtenapparates um 80 bis 40 Prozerck anordnete. Selbst nach den amtlichen Ziffern der„Prawda" wurden in knappen 14 Tagen an 150.000 Menschen entlassen. Aber das find nur die offiziellen Zahlen über die grotzen Verwaltungsorgane. Neben dem administrativen Apparat wurde„offiziell" auch die Angestelltenschaft der Organisationen und Fabriken(Buchhaltung, Lohnverrechnung) sowie der Gewerkschaftsapparat erheblich verkleinert. Und zuletzt kamen, in der allergrötzten Stille, die Betriebsarbeiter selbst an die Reihe. Die Belegschaften der Großbetriebe wie „Elektrosawod" und„AMO" in Moskau, des Stalingrader Traktorenwerkes, des„Roten Putilowez" in Leningrad etc. verminderten fich um 15 bis 20 Prozent, was bedeutet, datz pro Großbetrieb 3000 bis 6000 Mann in kurzer Zeit entlassen wurden. Gleichzeitig wurde das Paßsystem, wie es unter dem Zarismus bestand, wieder«ingeführt. Das bedeutete, daß jeder, der sich in den gröberen Städten aufhalten will, einen Patz benötigt. Um diesen zu erhalten, waren erforderlich: ständige Wohnung, ständige Arbeit und politische Zuverlässigkeit. So bestand die Möglichkeit, die Abgebauten, die keine neue Arbeit finden konnten, kurzerhand auf administrativem Wege aufs Land abzuschieben. In den amtlichen Kommentaren hieß es, datz in den Sowjetwirtschasten und Kolchosen ein gewaltiger Mangel an administrativem Personal, besonders an Buchhaltern herrsche. Aber wenige Wochen darauf las ich eine ganz kurze Notiz in der„Leningradflaja Prawda", dab auch der Verwaltungsapparat in der Landwirtschaft abgebaut werden müsse. So verschwanden jedenfalls Anfang 1933 Hunderttausende von Menschen aus den Großstädten, und später auch aus den kleineren, denn das ursprünglich nur für Moskau, Leningrad und Charkow vorgesehene Paßsystem wurde langsam auf alle irgendwie nennenswerten Städte erweitert. Ich habe versucht, festzustellen, was mit den aufs Land Abgeschobenen geworden ist. Aber das russische Land ist weit. Keiner konnte mir Genaues sagen. Parteifunktionäre meinten, das Land hätte sie aufgesogen. Und damals begnügte ich mich mit der Version. Erst nach den beiden Fällen in Leningrad, als ich der Sache näher auf den Grund ging, sah ich, wie dieses.Aufsaugen" zu verstehen war. Manche schlüpften bei Angehörigen unter und vermehrten nur die Zahl derer, unter die dgS bißchen Brot, das nach der staatlichen„Getreideaufbringung" übrig blieb, verteilt werden mutzte. Manche, die dem Ruf der Industrialisierung folgend, in die Städte gezogen waren, sich dort unter Mühe und Entbehrungen eine Qualifizierung als Dreher, Werkzeugmacher erwarben, hantieren wieder mit der Mistgabel. Erfahrene BerwaltungSbeamte führen die Listen irgendeiner Holzfällerkolonie in Karelien— und Legion ist die Zahl derer, die, zum„llassenfeindlichen Spekulanten".wurden, weil sie sich, um leben zu können, auf den illegalen Privathandel verlegten. Kurz vor meiner Abreise traf ich im Beschwerdebüro des Leningrader Sowjets eine alte Ftau. „Ich habe Arbeit al» Reinemachefrau gefunden, und auch ein Eckchen in einer Obscheschitie(Gemeinschaftswohnung mft grotzen Schlafsälen für die, die kein eigenes Zimmer haben). Aber man will mir keinen Paß geben. Die Miliz hat gesagt, wenn ich morgen Abend noch hier bin, werde ich abgeschoben. Helfen Sie doch. Bürgerin!" Die Beamtin besieht die Papiere, schütteft den Kopf. „Da ist nichts zu helfen. Sie müssen zurück nach Pskow." „Aber ich habe dort keine Arbeit und mein Sohn kann mich mit den 120 Rubeln, die er verdient, nicht miternähren. Er hat noch Frau und Kind. Seitdem eS die Pässe gibt, sind so viele Leute auS den Städten nach Pskow gekommen. Die Arbeit reicht nicht für alle." „Sie können nur einen Patz für Leningrad bekommen, wenn Sie von Ihrer Arbeitsstelle ausdrücklich angefordert werden. And das kann sie nur, wenn e» hier keine freien Kräfte in Ihrem Berufe gibt." Die Alte schüttelt verzweifelt die Hände:„Wer wird denn schon eine Reinemachefrau anfordern!" Die Beamtin:„Ja, so ist das Gesetz. Der Nächste, bitte!" Die diese Frau, kämpfen in der weiten Sowjetunion Hunderttausende, ja Millionen für«in Plätzchen an der nur schwach wärmenden Sonne: für eine Stelle als Reinemachefrau, als Nachtwächter, als Lagerverwalter, für ein Eckchen in einem überfüllten Massenquartier. Die Perspekttven? Im Sommer 1934 wurde der Gewerkschaftsapparät erneut abgebaut, wieder um 30 bis 35 Prozent. Die vor einigen Jahren eigens aus dem Betrieb geholten Arbeiter, die„Wischdi- wenzi", die man boll Stolz den ausländischen Besuchern vorführte und die mit grotzen Kosten als Gewerkschaftsbeamte ausgebildet wurden, suchen zu 125.000 Eiei bestanden die Prüfung mit»sehr gut< Großversuche mit sol chen Mengen bewiesen, daß Wasserglas das verläßlichste eierkon servierungsmittel ist. Wasserglas ist außerdem billig: man braucht ja auf neun Teile Wasser nur einen Teil Wasserglas. Wasserglas hält dife Eier frisch/ Tausenden wieder einen Platz an der lange nicht mehr gesehenen Werkbank. Der vor zwei Jahren noch so leichte Zutritt zu den Hochschulen und Techniken ist wesentlich erschwert, die Zahl der Semester vermehrt worden. Man fürchtet sogar schon in den qualifizierten Berufen die Ueberproduktion. Den 1931/32 noch auf Händen getragenen ausländischen Ingenieur und Techniker versucht man schon langsam abzuwimmeln. Er hat seine Schuldigkeit getan, über die ärgsten Jahre hinweggeholsen. Jetzt wird seine Stelle eingenommen vom jungen Nachwuchs, den er selbst ausgebildet hat. Wo liegen die Ursachen des Umschwungs? In der bereits erwähnten Ueberschätzung de» Wachstumstempos. Richt, daß es in der USSR nichts zu tun gäbe. Es mützte noch unendlich viel gebaut werden, um das zivilisatorisch«, technische Niveau Mitteloder gar Westeuropas zu erreichen. In Moskau entfallen lätrt amtlicher Sowjetstatistik viereinhalb Quadratmeter Wohnraum auf den Kopf der Bevölkerung, in Leningrad ein wenig mehr. In den anderen Städten ist es nicht besser. In den Krankenhäusern werden die Leute, kaum daß sie gehen können, entlassen. ES mangelt an Betten. Die Schulen(trotz der Neubauten) arbeiten in zwei und drei Schichten. Doch mangelt es an Mitteln für den Weiteraufbau. Auf dem kürzlich geschlossenen Sotyjetkon- gretz der RSFSR erwähnte Komarow in seinem Referat über die Kommunalwirtschaft(Jswestija vom 20. Jänner), daß von den 9.7 Millionen Quadratmetern Wohnraum, der 1934 in der RSFSR gebaut werden sollte, nur fünf Millionen tatsächlich fertig gebaut wurden. Aehnlich liegen.die Verhältnisse bei anderen Bauvorhaben. Ueberall kann man begonnene Neubauten sehen, aber auf den Gerüsten laufen kaum ein halbes Dutzend Arbeiter hin und her. Die Kredite für den Weiterbau fehlen. Gerade Bauarbeiter, die 1931 ganz zur. proletarischen Aristokratie zählten, werden massenhaft entlassen, bestenfalls an verlassene Grenzorte, an den Baikalsee, nach dem Fernen Osten abgeschoben, dort gibt eS noch Arbeit an den. Grenzbefestigungen. Und inzwischen schreitet die Rationalisierung in der Industrie fort. Bon Jahr zu Jahr werden für den gleichen Produktionsumfang, ganz wie in den kapitalistischen Ländern, immer weniger und weniger Arbeiter gebraucht. Dabei strömt aus den Betriebsschulen, au» den Lehranstalten trotz der Drosselung «in zahlreicher Nachschub, der beschäftigt werden will. Die USSR verzeichnet«inen jährlichen Bevölkerungszuwachs von 3.6 Millionen Köpfen! So ist denn die russisch«„Arbeitsschlacht" noch keineswegs geschlagen. Erst die Zukunft wird zeigen können, ob die USSR fähig ist, den durch Ratio- nalisierung freiwerdenden Kräften und dem jungen industriellen Nachwuchs genügend neue Arbeitsgelegenheiten zu schaffen, was bei der gegenwärttgen Finanzlage des Landes ftaglich erscheint. Und so ist es doch möglich, daß in absehbarer Zeis zu der latenten,„versteiften" Arbeitslosigkeit auf dem Lande auch die„sichtbare" Arbeitslosigkeit der ftädttschen ProlewriatS tritt. 700.000 Schafe produzieren den Roquefort (PS.) Zwei französische Dörfer verdanken ihren Weltruf einzig und allein dem Käs«, den man dort seit langen Jahren herstellt. Camembert im Departement Orne in der Normandie, und Roquefort im südlichen Teil von Aveyron. Eine Frau, namens Mm«. Harel, die in dem Weiler Camembert wohnte, erfand den Käs«, dem man diesen Namen gegeben hat und die dankbaren Normanen haben ihr in VimoutierS, einem alten Keinen Dörfchen in der Nähe von Camembert ein Denkmal errichtet. Die Fachleute aus Roquefort dagegen, aus diesem Dorf, das fest dem achten Jahrhundert seinen berühmten Käse bis nach Italien sendet, wären in großer Verlegenheit, wenn man fie fragte, wer diesen Käse mft der blaugrünen Marmorierung erfunden hat. Sehr wahrscheinlich datiert der Roquefort sogar noch au» einer früheren Zeft: denn schon im 1. Jahrhundert nach Christi Geburt schmausten die Römer schon diese.Leckerei" mit stmckem Geschmack. Man macht den Roquefort-Käse aus Schafsmilch; das fft indessen nicht der einzige, Grund für das besonder«, das ihn von jedem anderen Käse unterscheidet. Man hat versucht Roquefort an. anderen Orten herzustellen, auch mit Schafmilch und unter Anwendung ganz des gleichen Verfahrens wie auf dem Plateau Central, aber diese Versuche sind bis heute ohne den geringsten Erfolg geblieben. Es scheint also sicher zu sein, datz dieser Käse nirgendwo anders gelingen kann, als in den natürlichen Kellern mit starkem Luftzug, mit der gewissen Feuchtigkeit deS Landes durchtränkt. Nur unter dem Einfluß dieser flltrierten und gemischten Luftzufuhr kann sich der Champignon in dem Käselaib, der für diesen Vorgang entsprechend präpariert ist, bis. zu einem gewissen Grade entwickeln. Dieser Laib wird dann in den Satzraum getragen, einem dunklen Loch, daS in den Felsen gebohrt ist und dort von allen Seiten mit Salz eingerieben. Dann wird er in die Werkstatt der Bür- sterei und Bohrerei gebracht, wo er gereinigt und so durchlöchert wird, daß die Kellerluft in daS Innere jede» Laibes dringt und dort eine spezielle Gärung hervorbringt. Dieser Produftionsprozeß dauert mehrere Wochen, ebenso wie eS nötig ist, die Cham- pagnerflaschen regelmäßig zu bewegen, ist es auch notwendig, den Käse zu überwachen, ihn zu pflegen, den Platz zu wechseln, ihn zu wenden und abzukratzen. Die jährliche Produktion von ungefähr 12 Ril- lionen Kilogramm Käse verbraucht die Milch von 700.000 Schafen. Besonders die großen Ebenen, „Causses" genannt, arm an Wald und Wasser, südlich vom Zentralgebirge, die sich nicht für den Ackerbau eignen, dienen al» Weideland für diese Schaf«. Die Produftion vonSchafSmilch erstreckt sich jetzt über 10 französische Provinzen bi» nach Korsika. Schafmilch gibt es nur während sechs Monaten, man mutz also Kühlgefäße bauen, in denen der Käse bei einer Temperatur von 0 Grad lange aufgehoben werden kann. Folgende Ziffern geben eine ungefähre Vor- ftellung von der Wichtigkeit der eigentlichen Käseindustrie und der anschließenden Erwerbszweige. 200.000 Personen arbeiten auf 25.000 Farmen, leben von der Verarbeitung der Produkte, die die Hammel liefern: von der Milch, der Wolle, dem Fell, dem Fleisch. 10.000 Schäfer, von denen die meisten älter als 50 Jahre alt sind, hüten die Herden; 80.000 Männer oder Frauen find erforderlich für die Versorgung der 700.000 Schafe, von denen sie die kostbare Milch erhalten. Seite 6 „Sozialdemokrat" Samstag, 8. April 1935. Rr. 82 PRAGER ZEITUNG wegen fillM 9 Festakademie ist nicht nur ein« Zft 11 Veranstaltung der Turner. Das ”*■* 25jährige Bestehen des Arbeiter- PRAG Aus der Partei -onntag, dem 7. April, gehen wir um 9 Uhr Am gleichen Sonntag treffen wir Magda Schneider und Wolf Albach-Rrtty in dem Lustspiel„Ein Winternachtstraum". Abends 6 Uhr: Festabend der Atus- Kinder:- machen, ohne jede dämonische Hintergründigkeit. Die elegante Olga Tschechowa bemüht sich vergeblich um tragische und die puvpenhafte Hilde von Stolz noch vergeblicher um sinnbetörende Wirkungen. Selbst der hoffnungsvoll« Wolfgang Liebeneiner weist mit der Rolle des ahnungsvollen Malers Wronsky wenig anzufangen.—eis— denn der Umsatz vonPrimeros“ ist nach« weisbar gr 68er als aller Inserierender Marken zusammen. 2823 Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 7. April: Treffpunkt um 8.15 Uhr an der Bahnstation in Branik, Fahrt nach Libiice, Zahoraner-Tal, Psary, Jilove, Führt: Schaffer.— Ostern: Zweitägige Tour nach Kiivoklat(Führer: Platz) oder Tour in die Daubaer Schweiz(Führer: Strnad). Turn- und Sportbundes und die kommenden Wahlen geben ihr eine weit größere Bedeutung. Darum soll die gesamte sozialdemokratische Bewegung Prags daran teilnehmen und als einige, geschloffene Front vor die Oeffentlichkeit treten. Keiner darf fehlen! nicht im Sinne der Anklage, sondern nur Uebertretung der fahrlässigen Mrperbeschädigung zu einer bedingten Arreststrafe von einem Monat. rb. Mitteilungen aus dem Publikum. Im Winter find die Eier teuer— aber Sie können billige haben. Im Winter sind auch die teuren Eier nicht immer frisch— aber Sie können verlästlich gute haben, wenn— Sie sie jetzt einlegen im Wasserglas. 2873 Verlanget überall Volkszünder Adolf Fencl, der Gründer der„Neuen Kirche Karma" Achtmal vorbestraft, das neuntemal mangels Beweise« freigesprochen. Prag. Ueber die Affäre des 35jährigen Adolf F e n c P haben wir seinerzeit ausführlich berichtet. Dieser intereffante junge Mann verlegte sich mit beträchtlichem Erfolg' auf die Fruktifizierung der »okkultistischen- Wissenschaften" und fand tatsächlich einen solchen Zulauf, dast er sich eine Kanzlei in der Nationalstraste.Halten konnte, was bekanntlich kein billiger Spatz ist. Er warb u. a. Mitglieder für eine zu errichtende»okkultistische Ma- deistie" und produzierte sich sogar als Religionsstifter, indem er-»die Neue Kirche Karma" gründete. Der Lebensweg dieses Magiers, Astrologen, Graphologen und Meisters diverser anderer Geheimwiffenschaften hat diesen nicht weniger als achtmal in die Haft des Paukratzer Gefägniffes geführt, stets wegen Betruges. Als er sich zum neuntenmal vor dem Senat Kaplan Kein Geheimnis ist es, wem: Kenner behaupten, daß Dian a'- Schokolade unerreicht ist. zu verantworten hatte, handelte es fich um eine Anklage wegen schweren Betruges an einer 63jäh-' rigen leichtgläubigen Frau, die ihren Glauben an den Gründer der»Reuen Kirche Karma" mit dielen tausend. Kronen bezcchlen mutzte. Die Einzelheiten diesesFalles wollen wir hier nichtwiederholen. Jedenfalls wurde die leichtgläubige und offenbar schwer hysterische Greisin um ihr Vermögen gebracht. Die erste Verhandlung wurde zwecks Prüfung des Geisteszustandes Fencls»vertagt und Freitag fortgesetzt. Die Psychiater erkannten den Angeklagten als zurech- nungsfähi g, wobei sie ihn allerdings als geistig nicht ganz vollwertigen Psychopathen bezeichneten. Indessen hatte der große Magier Fencl in diesem Fall mehr Glück als in den acht vorhergehenden gerichtlichen Affären. Sein Verschulden im Sinne des Paragraphenwortlautes war mit Rücksicht auf die unbestimmten Zeugenaussagen nicht eindeutig nachzuweisen und so wurde er mangels Beweisen frei gesprochen. Jugendbewegung Rote Falke«. Liebe Jungens und MädelsI Kommt mit uns wandern und spielen! Am von der Endstation der Fünfer in Hlupoiep aus ins Prokopital. uns um 4 Uhr nachmittags in unserem Letna-Heim, Kamenicka 1, zum spielen. Freundschaft. Per Film Asew, der Verräter Welch ein Filmftoff:'das Leben des russischen Terroristenführers Asew, der Attentate inszenierte um die Täter der zaristischen Geheimpolizei änzu- geben. der den Terror organisiert, um ihn zu bespitzeln. der als glühender Revolutionär gilt und in Wahrheit ein bezahlter Spion der konterrevolutionären Henker ist! Eine Gestalt von einer Verworfenheit. die überlieferungswert.— und heute im Hinblick auf die Wesemanns auch noch entsetzlich aktuell,- ist. Der Wiener Film des Regiffeurs Phil Jutzi lästt freilich das abscheulich Erregende dieser Gestalt nur sehr schwach zum Vorschein kommen..Statt einen Verworfenen zu sehen, zeichnet er nur einen Unsympathischen. und statt einen Hinterhältigen zu zeigen, führt er nur einen bösartigen Schwachkopf vor, von dem niemand glauben kann, dast ihm seine Opfer immer wieder ins Garn geben. Die Gestalt dieses Asew müßte aus den Nebeln des Nihilismus, den Schrecken der Kosakenknuten und dem Sumpf der Korruption herauswachsen. In- diesem Film aber bewegt sie sich, fertig schon am Anfang, zwischen Zigeunertänzen. Kabarettlicdchen und idyllischen Familienszenen. _ Die Darsteller tragen wenig dazu bei. diese Mängel zu milder^. Fritz Rasp bringt es fertig, den Asew zu einem langweilig widerlichen Narren zu Abends 8 Uhr: Fest-Tttademie 1. Teil: Wir marschieren! 2. TeÄ: Eine' bunte Atus-Stunde. 3. Teil: Proletarier vereinigt euch! Neber 130 Mitwirkende: Turner und Turnerinnen, Republikanische Wehr, Proletarische Singgemeinde, Kapelle Papert. Rach dem Programm Tanz.. ♦ Eintrittskarte»(für beide Veranstaltungen gültig) zu 6 und 10 Kä an der Kassa. Macht uns froh Gymnastik, Turnen, Singspiel, Bewegungschor der Buben und Mädels. Darbietungen der»Roten Falken". Geschenkverteilung an alle Kinder. Freier Zutritt für Kinder. Deutsche sozialdemokratische Frauenorganisation Prag Mittwoch, den 10. April, nm 20 Uhr im Hotel Monopol, Prag, Havliükovn ul.(gegenüber dem Masarykbahnhof) Vortrag c- abend „Revolution und degenrebohitioti" Es spricht ein mrgarischer Genoffe. Dem Bortrage kommt in Hinblick auf die soeben in Ungarn stattgefnndenen Wahlen auch eine aktuelle Bedeutung zu. Wir veranstalten diesen Abend gemeinsam mit der Krrisorganisation Prag des Sozialistischen Jugendverbanhes. Drehbänke, Fräsmaschinen, Horizontal-Bohr* und Frdswerke, Radialbohrmaschinen, Shaping* und Hobelmaschinen sowie Universalspannfutter für höchste Leistung in modernster Ausführung erzeugt! Werkzeugmaschinenfabrik Arno Plauert Warnadorff, CSR. . Deutsche sozialdemokratische Bezirksorgani- sation Prag. Die Bertrauensmänner-Konferenz, die Dienstag, den 9. April, in Prag stattfinden scllte, wird hiemit abgesagt. Termin und Stunde der noch stattzufindenden Konferenz werden im »Sozialdemokrat" rechtzeitig bekannt gegeben werden. Filme in Prager Lichtspielhäusern Bis einschließlich Donnerstag, de» 11. April. Urania-Kino:»Die verkaufte Stimme" Adria:„Unter fremden Fchnen"(A.)— Alfa: „Das Hohelied"(A.)— Avion:„Äandal in Rom" (A.—Eddi Cantor.)— Beranek:„Caval- cäde",(A.)— Fenix:„Kuß im Schnee"(Tsch.) — Hvkzda:„Graf von Monte Christo"(A.)—' Julis:„Die ausgelassene Nacht"(Tsch.)—Kinema: Journale, Grotesken. Reportagen(halb 2 bis 7 Uhr).— Koruna:„Aus dem Regen in die Traufe" (A. Laurel. Hardy)— Kotva:„Abdul Hamid—- der rote Sultan"(Engl.— Kortner)— Liwerna: „Abdul Hamid—.der rote Sultan"— Metro: ..Jägerblut"(Tsch.)— Olympic:„Back Street" (A.)— Praha:„Asew. Spion und Verräter"(D.) — Radio:„Cavalcade"(A.)—Skaut:„C a- vale ade"(A.)— Carlton:„Menschen im Hotel" (A.— Gr. Garbo)— Favorit:„Menschen im Hotel"(A.)—Lido:„Back Street"(A.)— Louvre: „Menschen im Hotel(A.)— MaeeSka:„Die verkaufte Stirmne"(D.— Josef Schmidt)— U Bej- vodu:„Das Lied der Sonne"(Jt.— Lauri Volpi). ACHTUNG! In Apoth., Pros, u. Fachgesch. erhalten Sie garantiert stets frische OPTIK u. FOTO DEUTSCH PHkopy Akademischer Raumüberfluß Nahe beim Sozialministerium liegt ein schö- nes großes Gebäude-, welches einen Teil der Ditt- richovä, Trojanovä und Väclavskä- Gasse einnimmt. Wenn man zufällig in einer der Gaffen promeniert und den Blick auf die Fenster aller Stockwerke richtet, fällt einem— milde gesagt— die Vernachlässigung auf.— Vollkommen vor Schmutz undurchsichtige Fenster, zerbrochene Gardinen, verschlossene Tore. Nur eine Parterrewohnung mit Vorhängen schaut bewohnt aus: Chemisches Institut der tschechischen technischen Hochschule. Wahrscheinlich ist es in die neuen Räume nach Dejwitz übersiedelt. Könnte es nicht der eingepferchten deutschen Technik in der Husova überlassen oder sonst einem öffentlichen, sozialen Zwecke zugeführt werden? Warum bestraft man das ümsteigen? Die Autobuslinie P fährt vom Letenske nä- mesti(Belvederc-Wasserturm) bis S^lc—- also über Podbaba-Station. Die. Autobuslinie R von der Endstation der 7er Elektrischen auch bis Selc. Fährt mgn von Podhaba auf das Belvedere und erwischt zufällig dewR-Autobus, muß man an der Endstation der 7er Elektrischen umsteigen.und auf I den' darauffolgenden P-Autobus warten. Fährt I man die Strecke Podbaba—Belvedere gleich mit dem P-Wagen, so zahlt man Kö 2.—-. Fährt man als Unwissender erst mit R und muß nötge-. drungen in den P umsteigen, so zahlt man erst Kc 1.— und dann XL 1.50. Gcrlchfssaai Verletzung mit Tintenstift— schwere Körperverletzung Folgenschwere Auseinandersetzung mit der Quartierfrau. Prag. Vor dem Sftafsenat'Trost war der 40jäh- rige Kaufmann Robert, B u r,g e r wegen des Verbrechens der s ch w e r e n K ö r p e r v e r l e tz u n g angeklagt. Die schwere Körperverletzung bestand in einer unscheinbaren Hautverletzuna. die aber schwer« Folgen nach sich zog. Der Angeklagte wurde von seiner Quartierfrau wegen, Nichtzahlung der Miete an die Lust. gesetzt, wobei die Vermieterin, um sich für die aufgelaufenen Rückstände schadlos zu halten, die Wäsche ihres zahlungsunfähigen Untermieters zur Sicherstellung an sich nehmen wollte. Der Angeklagte wehrte sich gegen diese Beschlagnahme und verletzte bei dem Kampf um die Wäsche die Quartierfrau durch einen Stich mit einem Tintenstift. Hessen Spitze abbrach und in der Wunde steckenblieb. Solche V er l e tzu n g e n zäh l en zuden bösartigsten Verwundungen, die denkbar sind. Die.Füllung der Tintenstifte enthält Stoffe, die eine höchst gefährliche Blutvergif- tung Hervorrufen, die zu einer lokalen Zersetzung des Muskelgewebes führt, der nur durch schnelle Opera- ration Einhalt geboten werden kann, wobei messt größere Partien um die verletzten Stelle entfernt werden müssen, um-ine lebensgefährliche Vergiftung des Gesamtorganismus hintanzuhalten. Gerade die schnelle Lösbarkeit der Giftstoffe stellt die größte Gefahr dar. - So wurde auch diese, auf den ersten Anschein so geringfügige Verletzung zur Ursache einer Erkrankung, die mehr als eine ztvanzigjährige Behandlungsdauer erforderte, also sim Sinne' des Strafgesetzes zur schweren Körpekbeschädigung. die als Verbrechen mit Kercke.rstrafe von einem bis fünf Jähren bedroht ist. Der Gerichtshof zeigte sich nachsichtig und verurteilte den Angeklagten, der in glaubwürdiger Weise jede böse Absicht in Abrede stellte. 3toUtan i. 7J. Leitender Arzt Dr. A. Daube. Bhyk-diätet. Heilanstalt für all« inneren und Stoffwechselkrankheiten, rheumatische Erkrankungen, Ischias, Nerven- krankheiteu. Projekte 8 und Auskünfte durch die Verwaltung. Telefon 32. 2888 Ans der Straßenbahn gestürzt und getötet. Aus einem Wagen da: ler-Linie stürzte Freitag früh der Angestellte der Prager- Straßenbahn Jaroslav-Dvorak so unglücklich, daß er gegen einen Pfeiler fiel und kurz darauf starb. Falschspieler im Durchhaus. In ein peinliches Abenteuer ließ sich vorgestern abends-er brave Familienvater I. B- aus Smichov verwickeln. Vor dem Hause Nr. 4 in der Barthoustraße, Prag-Weinberge, sprach ihn ein unbekannter Mann an, der ihn ersuchte, als Unparteiischer einen Streit zwischen ihm und zwei anderen Herren, der sich bei einer. Kartenpartie erhoben hatte,, zu schlichten. I. B. ließ sich locken und war, ehe er sich versah, selber eifrig'ins Kartenspiel vertieft. Leider war er aber einer Bande von Falschspielern in die Hände geraten; ehe er sich noch recht besonnen hatte, wenigstens aus dem kalten, zugigen. Durchhaus in ein wirtlicheres Lokal hinüberzuwechseln, war er schon um seine ganze Barschaft, 2700 Kö, leichter. Auf dem Polizeikommissariat erkannte er alle drei im Verbrecheralbum wieder. Einer der Falschspieler wurde bereits verhaftet. Sie scheinen merkwürdigerweise besonderen Geschmack am Spiel in Durchhäusern gefunden zu haben; von zwei weiteren Geschädigten, die sich gemeldet haben, war der eine, B. S. aus Prag VII.', in der Styblopassage um 140 JCcj der andere, F. B. aus Prag I., in einem Durchhaus in /der Brenntegaffe um 270 Kd geprellt worden. Die Ausstellung von alpinen Blume« im B o t a- nischen Garten der Karlsuniversität, die seltene Arten der alpinen Flora umfaßt und sich ähnlich, wie in den Vorjahren, des großen Interesses der Oeffentlichkeit erfreut, wird SamStag, den 6. April, eröffnet werden. Hansl und Wissen Arbeftervorftellung„Polenblut", Nedbäl-Operette, am Sonntag, dem 7. April, um halb 3 Uhr nachmittags.— Kinder im Ballettsaal. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Samstag, halb 8: Das unbekannte Mäd- ch e n, C 1.— Sonntag halb 3: Arbeitervorftellung: Polenblut; halb 8: M a rg a'r e t e, A 2.— Montag, 8: Ich Habs getan, välkstüml. Vorstellung. — Dienstag, halb 8: Da sunbekannteMäd- chen, A 1. 7— Mittwoch, halb 8: Glorius, der Wunderkomödiant, Erstaufführung, B 2.— Donnerstag, halb 8: Fidelio, C 2.— Freitag, halb 8-: Margarete, D 1.— Samstag, halb 8: Figaros Hochzeit, B 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag, 8.15: F r« m d e n v e rk eh r.— Sonntag, 3 Uhr; S tra ß e n musik; 8: Schule für Steuerzähl er, volkstümliche Vorstellung.— Montag, 8: Ein Glas Wasser, Bankbeamte und freier Verkauf.— Dienstag, 8.15: Nacht vor dem u l t i m o, volkstümliche Vorstellung.— Mittwoch, 8: Opernstudi o.— Donnerstag, 8: Fräu- lein Julie; Der Kammersänger.— Freitag. 8: Gentleman. Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag, halb 8: Die große Katharina, Erstaufführung; Der Schlachtlenker, neuinszeniert. vereinsnadirtditcn Heute müsse« alle komme«! Parteigenosse«, Jugendgenossen, Gewerkschafter, Naturfreunde, Kinderfreunde! Unsere heutige Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monattich KS 16.—. vierteljährig Kfi 48.—. halbjährig Kö 96.—. ganzjährig itt 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen PrerSnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Bost» und Tele- graphendirettion mst Erlaß Nr. 13.800/VH/1S80 bewilligt.— Druckerei:»Orbis". Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G„ Prag. i