gs-t iin«l :rs> :agl 8: 8: e u inöc Xi e ) efl rn Ufas- om' als sch.I mar is 1 ufe? o-4 rnar etr»: teer (D.>, 5a* otel' a int ivre: bet« » >. angJ zu« ibcrÄ irm*’ oert<| Bla4 rt bad bert ngsq £>crt : befl JcnH wal»j 2745 aut -le. Nr. 87 Freitag, 12. April 1935 15. Jahrgang Etailpnl» 70 Htltor (•inidilirtlith I H*ll.r F»rto) IENTRALOEGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. MO AKTION und vkw altumg frag xii., fochova a. TELEFON 0077. HERAUSGEBER] SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, FRAG. London warnt Auch Kombinationen ohne Deutschland möglich London. Reuter veröffentlicht eine halb- vffizielte Erklärung über den britischen Standpunkt, worin zunächst noch die Hoffnung angedrn- trt wird, daß Deutschland vielleicht doch noch mit sich reden lassen werde. Dann aber heißt es weiter: Wen« aber trotzdem das neue Stu» dium der Endziele Deutschlands die Sicherheit erbringen sollte«, daß Deutsch» land nicht bereit ist, wirksam zur allgemeinen Sicherheit beizutragen, dann allerdings würde die britische Regierung ohnediegeringstenZwei- f e l im Einvernehmen mit de« Desire- bungen der anderen Mächte über die Garantie der gegenseitigen Sicherheit erwägen, und zwar in irgendeiner Kombination ohne Deutschland. Seitens Großbritannien ist nichts unternommen worden, was es von dem in der gemeinsame« englischfranzösischen Erklärung vom 3. Feber eingenommenen Standpunkt abbringen würde. Rergionalpaktee im Rahmen des Völkerbundes sind nach Auffassung Großbritannien- di« beste Methode für die Erzielung der Sicherheit, doch besteht keine Absicht, daß Großbritannien selbst sich an irgendwelchen regionalen Pakten betreffend Ost- und Mittelenrop beteiligen würde. ÄaS die Erklärung Hitlers gegenüber Simon betrifft, wonach Deutschland solange außerhalb dcS Völkerbundes bleibt, alS ihm nicht die gleichen Rechte mit den übrigen Völkern eingeräumt werden und Deutschland seine Kolonien nicht zurück erhält, so glauben die britischen Parlamentarischen Kreise, daß der Protest HitlrrS sehr stzm- pathisch ausgenommen werden sollte, fall- dies rin Protest Deutschlands gegen die Anschauungen ist, daß Deutschland nicht würdig ist, um ihm Kolonien anzuvrrtrauen. Falls aber im Gegenteil der' Protest Hitlers bedeutet, haß Deutschland solange nicht in den Völkerbund eintritt, alS die anderen Völkern genommenen Kolonien ihm nicht geschenkt werden, dann stößt sei« Protest in britischen politischen Kreisen auf eine durchaus u n terschiedliche Auffaffung.- i Fünf Jahre Kerker für einen Feberkümpferl Wien.(Tsch. P.-B.) Dor einem Wiener Schnellgericht wurde gestern der 26jähr. Hilfsarbeiter Georg Dollinger wegen Teilnahme an den Feber-Anruhe« des Vorjahres zu fünf Jahre» schweren Kerker verurteilt. Zn Leobersdorf bei Wiener Neustadt erhielten gestern drei revolutionäre Sozialisten, u. zw. der 25jährige Wilhelm PospiSil, der 24jährige Zulius Havelka und der 29jährige Karl Wenger wegen Verbreitung der Brünner „Arbeiterzeitung" zwei, drei, bzw. vier Monat« Arrest. Fememord in Körnten Drei Huris ermorden Ihren Kemereden Wien. Rach einer Privatmeldung aus Klagenfurt wurde bei St. Leit an der Glan in der Ruine Tagenbrunn ein arbeitsloser Maurergehilfe in«inet Zisterne ermordet aufgefunden. Die Identität konnte bald frstgestellt werden. ES handelt sich»m de« 31jährigen Maurer Rudolf Mandl aus Klagenfurt. Er war früher Rationalsozialist, dann ist er zu den Gegner« übergetreten»nd verriet verschiedene Organisationsgeheimnisse der illegalen nationalfozialifnschen Bestrebungen. ES wurden drei Täter eruiert. Diese sollen ihn zu einem Taxiausslug«ach der Ruine«ingeladen und dort ermordet haben. Die drei Burschen flohen«ach Villach, von wo sie sich wahrscheinlich«ach Italien begeben werden. 1200 Millionen Lire zur Erneuerung der Italienischen Luftflotte Rach einem Dekret, das im italienischem Reichsblatt am Donnerstag veröffentlicht ist, werden für die vollständige Erneuerung«nd Modernisierung der italienischen Luftflotte 1200 Millionen Lire ausgesetzt, die im vorigen Jahre bereit- beschloffeae» aber auf sechs Jahre vorgesehene Erneuerung der italienischen Luftflotte soll schon biS Mitte 1937 abgeschloffen werde«. Der SchutzbundprozeB Wien. Donnerstag vormittags seht« das Schwurgericht die Verhandlung gegen die 21 Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes fort. Es werden rund 20 Zeugen, die teilweise von der Staatsanwaltschaft und zum Teil von der Verteidigung geführt werden» zugelaffen. Weiters wurde beschlossen, eine Reihe von Auskünften über die Kampfhandlungen in den Febertagen von.der Polizei einzuholen. Sodann wurden die Zeugenverhöre fortgesetzt. Der Zeuge Alois Stockhammer, ehemaliger Bezirks- und Kreiskommandant des Schutzbundes, wurde vom Vorsitzenden aufgefordert, die Ra« me n seiner damalige^ Mitarbeiter zu nennen; er lehnte es sedoch ab, jemanden zu verraten, so daß der Vorsitzende schließlich das Verhör als ergebnislos abschloß. Die übrigen Zeugen brachten nichts Bemerkenswerteres; einig« waren zur Verhandlung nicht erschienen, da ihnen die Vorladung nicht zugestellt werden konnte. Sodann wurden die schriftlichen Zeugenaussagen und andere eingelaufene Schriftstücke verlesen. Wahlen am 19. und 26. Mai Prag- Der Senat hat beretts am Donnerstag seine letzte Sitzung vor der Anflösung abgehalten, das Abgeordnetenhaus wird Freitag seine Arbeiten beenden. Aeber den Wahltermin haben die politischen Minister verhandelt. Ein formaler Beschluß wurde noch nicht gefaßt, doch gllt der 19. Mai für die Parlaments- und Senatswahlen und der 26. Mai für die Wahlen in die Landes- und Dezirksvertretungen als so gut wie sicher. Die Auflösung der beiden Kammern durch ei« Dekret des Präsidenten der Republik wird voraussichtlich am Karfreitag oder Karsamstag erfolgen. Die Situation in Stresa Tiefgehende Gegensätze Die am Abend vorliegende« Meldungen über de« erste» Konferenztag in Stresa ergeben selbstverständlich noch kein abschließendes Bild. Es steht aber fest, daß die drei Mächte keineswegs einig sind. Frankreich fordert angeblich ein System wirtschaftlicher Repressalie«, das in Kraft treten soll, wenn weitere Vertragsverletzungen durch Deutschland erfolgen. Das würde immerhin bedeuten, daß die Aufrüstung Deutschlands stillschweigend sanktioniert wird. England zeigt sich verstimmt über das russisch-französische Abkommen und scheint«och immer den Weg einer Vermittlung zwischen Deutschland und Frankreich zu verfolgen. Di« Haltung Italiens wird aus einem Artikel im„Popolo d' Italia" deutlich, der von Mus s o l i n i selbst herrühre« soll und der vor Optimismus warnt. Mit einer Offenheit, die ihn ehrt, spricht der Duce dort a«S, was sonst nur gotteslästerliche Zweifler zu sagen wagen, daß nichts herauskommen werde als ein Kommnniqus". Der Artikel schließt mtt der Verheißung, daß Italien jedenfalls 600.000 Mann«nter Waffe» hatten und seine materiellen Rüstungen steigern werde. Einige französische Blätter melden, die englischen Minister hätten die Absicht, einen allgemeinen Sicherheitspakt unter dem Protektorate des Völkerbundes vorzuschlagen, der auf de» Ideen des seinerzett geplante« Genfer Protokolls beruhen soll, dem Italien nicht beigetrete« ist. Ansonsten wird nur noch über ein Festesten«nd über eine Kranzniederlegung am Mausoleum des italienischen Generals Eadorno berichtet. Rom.(Stefan!.) mittägigen Konferenzfitz««g der drei Großmächte in Stresa begrüßte Mussolini vorerst in herzlicher Weise die Delegierten, worauf der britische Ministerpräsident Mardonald die leitenden Richtlinien der britischen Außenpolitik in der gegenwärtigen Zeit erläuterte. Sir John Simon gab sodann einen Bericht über seine Reise nach Berlin und schilderte den Standpunkt Deutschland- in;Angelegenheit des Ost- und Donaupattes sowie des Paktes über das Zusammenwirken bei der Lustabwehr«nd deS Böl- Hieranf trat die Konferenz in eine Debatte über diese einzelnen Fragen ei«, wobei die Aussprache provisorische« Charakter trug. I« der nachmittägigen Sitzung erläuterten die französischen Delegierten die Gründe, welche Frankreich zur Abgabe seines bekannten Protestes beim Völkerbünde veranlaßt haben. Die Konferenzarbeiten werden Freitag um 9 Ahr 30 vormittags wieder ausgenommen werden. Bei Eröffnung der vor- kerbundpaktes. polnischer Protest Segen clen Wahlterror Warschau. Wie aus Danzig gemeldet wird, intervenierte der Generaltommissär der polnischen Regierung Minister P a p e e beim Senatspräsidenten Greiser in der Angelegenheit der während der letzten Wahlkamvagne auf dem Gebiete der freien Stadt Danzig verübten Terrorakte gegenüber den Polen. Minister Papee verlangte im Namen der polnischen Regierung volle Genugtuung, materielle Entschädigung für die Opfer dieser Terrorakte und strenge Bestrafung, der Schuldigen."‘ t Vorwahlbetrachtung: Das Isdicdilsdic Lager Im Gegensatz zum Wahlkampf im deutschen Lager, vor dem wir stehen, wird sich die Wahlauseinandersetzung im lschechischgn Volke vorwiegend in den traditionellen Formen vollziehen. Während auf deutscher Seite zwei Parteien, die im Jahre 1929 kandidiert haben, die deutschnatio- nale Partei und die Nationalsozialisten, vollkommen verschwunden sind, die Gewerbepartei sich in voller Auflösung befindet, der eine Teil der deutschen Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft, die Rosche-Gruppe zur SHF Lbergetreten ist und der andere Teil, die Deutschdemoktaten sich vielleicht überhaupt nicht an den Wahlen beteiligen werden, treten auf tschech ischer Seite dieselben Parteien zur Wahlschlacht an wie vor sechs Jahren, nur daß sich auf der äußersten Rechten eine gewisse Umgruppierung vollzogen hat. Die stärksten Gruppen auf tschechischer Siite werden auch nach den Wahlen die Agrarier ui'S Sozialdemokraten bleiben, wobei aller Voraussicht nach die Agrarier ihre führende Stellung als größte Partei des tschechoslowakischen Parlaments behaupten werden. Interessant ist, daß die tschechischen Agrarier bisher in ihrer Presse den Hauptstoß gegen das„Narodni sjednoceni", dos heißt die vereinigten Nationaldemokraten und die Sttibrny-Gruppe führen und daß sie sich in diesem Kampfe sogar antikapitalistischer Parolen bedienen. Das„Rarodni sjednoceni" wird mit Recht als die Partei des Finanzkapitals und der Groß- bourgeosie bezeichnet, dessen Einfluß auf die Wirt- schast die Agrarier brechen wollen. Die zwen- stärkste Partei werden wohl wieder die tschechischen Sozialdemokraten sein, denen ein gewisser Teil der im Jahre 1929 für die Kommunisten abgegebenen Stimmen zufallen wird. Die Gemeindewablen, die im letzten Jahre im tschechischen Gebiete stattgefunden haben, insbesond're im Kladnoer Gebiete, haben gezeigt, daß diHsche- chischen Sozialdemokraten im Vormarsch begriffen sind und daß es ihnen gelingen wird, kommunistische Stimmen zu gewinnen. Auch in der Slowakei werden die Wahlaussichten der tschechischen Sozialdemokraten günstig beurteilt. Was die tschechischen Nationalsozialisten betrifft, ruht deren Hauptstärke in Böhmen, wo sie bisher die stärkste Partei gewesen sind. Ob e8 den Ligisten gelingen wird, d u tschechischen Nationalsozialisten in beträchtlichem Matze Stimmen abzunehmen, ist ungewiß. Es scheint, daß der Einfluß der Ligisten sich auf ven Prager Wahlkreis beschränkt und daß darüber hinaus Stkibrny nicht viel erzielen wird. Die Tschechischklerikalen gehen nicht mst den günstigsten Aussichten in den Wahlkampf. Die Schaffung eines einheitlichen tschechoslowakischen klerikalen Blocks ist nicht gelungen, so daß in der Slowakei ein heftiger Kampf zwischen den Anhängern Srameks und Hlinkas entbrennen wird. Ebenso werden die Klerikalen in Mähren zu tun haben, um ihren bisherigen Besitzstand gegenüber den Agrariern zu behaupten, die sich gerade in Mähren auf einen heftigen Wahlkampf mit den Klerikalen vorbereiten. Die äußerste R e ch t e hat sich im tschechischen Lager von dem kommenden Wahlkampf noch vor Wochen sehr viel erhofft, inzwischen aber sind die Aussichten der mit Stkibrny vereinigten Nationaldemokraten zweifellos geringer geworden. Wäre die Bereinigung mit der Liga nicht zustande gekommen, wären die Nationaldemokraten die kleinste Partei geworden, vermutlich noch kleiner als die tschechische Gewerbepartei, die sich von den kommenden Wahlen eine Stärkung ihrer Position verspricht. Schon jetzt ist eine gewisse Z r- fahrenheit innerhalb des„Rarodni sjednoceni" zu bemerken. Gemäßigte Nationaldemokraten ro>i bedeutendem Rufe haben der Partei" den Rücken gekehrt, so daß das.Narodni sjednoceni" ein» Teil der Stimmen, welche die Nationaldemokra- ten seinerzeit erhalten haben, verlieren wird. Allerdings dürfte der Stimmenzuwachs, den es durch die Ligisten erhalten wird, größer sein als dieser Verlust, was sich aber auf den Prager Wahlkreis beschränken dürste. Was endlich die Kommunisten betrifft, werden diese eine tbeitcre Schwächung ihres Einflusses in der Bevölkerung erleben. Seit Jahren Seite 2 Freitag, 12. April 1835 Nr. 87 Genosse Dr. Heller über die SHF i t s t r r l l r a c 1 C ( ll ( d Prag. In der Schlußsitzung des Senats hielt Genösse Dr. Heller eine viel beachtete politisch« Rede, tn der er sich mit den Borgängen im deutschen Lager befaßte und namentlich ein Bild von der SHF entwarf, wir es porträtgetreuer kaum gedacht werden kann. Die— gar nicht verblüffende;— Ähnlichkeit mit der reichsdeuts chen SHF und mit der aufgelösten Jung-Partei, di« biS in die allerkleinsten Details geht, die typ ischen Züge der Unter nehmerpartei, die seit dem Anschluß Doderers und Dr. Rosches au ch bereits aller Welt offenkundig find und auch durch die allerschönsten Phrasen von der„Volks gemeinschaft" nicht mehr ausgetilgt werden können, sagen genug darüber, wetz Geistes Kind die SHF in Wahrheit ist. Unter starkem Beifall konnte Genosse Dr. Heller darauf Hinweisen, daß schon öfter große Helden ausgezogen find, um dir Sozialdemokra tie mit Stumpf und Stiel auSznrotten, aber diese Demagogen find längstnichtmehr und d ie Sozialdemokratie lebt immer noch und beweist aufs neue ihre Stärke und unverhüllte Lebenskraft! Darum ist uns auch vor der SHF nicht bange und wir werden als einzige deutsche Partei mit aller Vehemenz den Wahlkampf gegen fie führe«. Einen womöglich noch stärkeren Beifall ern tete Genosse I a k s ch bei den Linksparteien im Abgeordnetenhaus, alS er in wuchtiger Rede zu einem Generalangriff gegen die Henleinpartei anSholte und ihren Totalitätsansprüchen den schärfsten Kampf ansagte. Sein Bekenntnis zur demokratischen Republik wurde vom Referenten Vojta B e n e i im Schlußwort unter dein Jubel der Sozialisten mit dem Schwur„Treue um Treue!" beantwortet.(Wir werden die Rede deS Genossen Jaksch morgen ausführlich wieder geben.) machen die Kommunisten eine unfruchtbare Politik. Statt die für sie abgegebenen Stimmen sür die Durchsetzung von Arbeitcrinteressen einzusetzen, machen sie eine Politik der Schlagworte, deren Hohlheit ein Teil ihrer Anhänger bereits einge- schen hat. Die Positionen, welche die Kommunisten dadurch in der Bevölkerung verlieren, werden vor allem die tschechischen Sozialdemokraten besetzen. Im großen ganzen läßt fich von dem Wahlausfall innerhalb des tschechischen Lagers schon setzt sagen, daß die kommenden Wahlen keine bedeutenden Verschiebungen innerhalb dec tschechischen Parteien bringen dürst m, daß sich die Machtverhältnisse im tschechischen Volke nicht viel verändern werden, was zweifellos auch auf die kommende innerpolitische Entwickln der Tschechoslowakei bestimmend einwirken und bei der Bildung der künftigen Regierung in Erscheinung treten wird. Sprenselbürserschulen nur vom Abgeordnetenhaus verabschiedet Die Vorlage über die Sprengelbürger- schulen, die erst vor zwei Tagen von der Koalition in ihrer endgültigen Form vereinbart wurde, ist Donnerstag nur noch voM Abgeordnetenhaus verabschiedet worden, und zwar auch mit d-n Stimmen der Opposition. Wider Erwarten machten sich im Senat, und zwa^ hauptsächlich bei der agrarischen Fraktion, Widerstände geltend, so daß man die endgültige Verabschiedung der Vorlage dem neuen Senat überließ. Da di« Vorlage erst mit 1. Jänner 1938 Gültigkeit erlangt, hat diese Verzögerung wohl nicht allzuviel zu bedeuten. Referent war der tschechische Genosse Vojta B e n e i. der die Vorlage als-inen weiteren Schritt zur Demokratisierung unseres Schulwesens bezeichnete und eine Utberficht über die Sntwikklung der Bürgerschule sowie über den Leidensweg der Vorlage gab. deren erster Referentenentwurf schon zwölf Jahre zurüikliegt. Die Einigung war erst möglich, als das Kompromiß in Form der Dreiteilung der Kosten zwischen Schulsprengel, Bezirk und Land gefunden war. Der Referent des BudgetauSschuffeS Dr. Pate f d l befaßte sich mit der finanziellen Seite. Ueber die Reuerrichtung von Sprengelbürgerschulen hat der Landesschulrat, in der Slowakei das LandeSamt zu entscheiden, die sicher nur in notwendigen Fällen ihre stustimmung geben werden In der Debatte gab es zunächst einen Zwischenfall mit dem Kommunisten Török. der sich mit anderen Dingen befaßte und nach vergeblichen Mahnungen des Vorsitzenden mit Wortentzug und Ausschluß von der Sitzung bestrast wurde. Biel beachtet wurde die Rede des ehemaligen SchulministerS Stefane!, auf den die Vorlage aus dem Jahre 1931 zurückgeht. Er erklärte das Kompromiß für alle annehmbar. Rach amtlichen Berechnungen aus dem Jähre 1932 Müßten auf Grund des Gesetzes 1116 neue Bürgerschulen mit 3925 Kaffen und 2228 neuen Lehrkräften gebaut werden. Um auch nur die allerdringendsten Bedürfnisse zu befriedigen. werden immer noch 197 neue Schulen mit 842 neuen Lehrern notwendig sein. Nach einer SitzungSpause, die mit Rücksicht auf daS Begräbnis des Abg. Jaros eingeschaltet wurde, kam gegen Abend Genosse Jaksch zu Worte, auf dessen große politische Rede wir noch ausführlich zurückkommen werden. Die Annahme der Vorlage in beiden Lesungen auch mit den Stimmen der Opposiston wurde mit stürmischem Beifall quittiert. Der Rest der Sitzung war mit der Verhandlung von Immunitäten auSgefüllt. Nächste und voraussichtlich letzte Sitzung Freitag um 11 Uhr. Nach einer kurzen Kritik der Wahlvorlage ging Genosse Dr. Heller auf die Verhältnisse im deutschen Lager ein, wo wieder einmal, wie schon ost, der Ruf„Kampf gegen den Marxismu st" ertönt. »er Abklatsch der DNSAP Die Sudetendeutsche Heimat» oder besser, gesagt Hitlerfront glaubt fich berufen, diesen Kampf unter der Parole der„B o l k s g e m e i n- s ch a f t" zu Ende zu führen. Es hat leider bürgerliche Parteien gegeben, die glaubten, ihrem Volke einen Dienst zu erweisen, wenn sie in diese Parolen einstimmen. DaS war nur möglich auf Grund einer vollständigen Verkennung dieser P a r t e i, die von A biS Z nichts andere- als daS nicht besanderS glückliche Abbild der reich-deutsche» nationalsozialistischen Partei ist und außerdem zeitlich, ideologisch und inhaltlich die Fortsetzung der ehemalige« Jung-Partei bei u«S! Dr. Heller begrüßt e», daß endlich die Regierung dem Mißbrauch entgegentritt, den man in den letzten Tagen mit dem Namen unseres Präsidenten getrieben hat; die Sudetendeutsche Hitlerfront hat sich ja sozusagen schon als„Partei MasarykS" auf« gespielt. Durch das heutige Kommunique ist diesem Märchen, das die, SHF auch schon in Flugblättern zu verbreite» sich anschickte, endlich em Ende bereitet! DaS Schwanken zwischen„Bewegung",„Partei" Und„Front", der Ruf nach der T o t a l i t ä t, nach dem Verschwinden der alte» Parteien und ihrem Aufgehen in einer einzigen Partei, daS heißt natürlich in der SHF, das alles hat sein Vorbild in der DR SAP. Wenn die bürgerlichen Parteien sich mit dieser Partei, die, wie wir eS aus der deutschen Erfahrung wissen, auf Lug und Trug aufgebaut ist, auf ein Verhandeln über die „Volksgemeinschaft" eingelassen haben, so haben sie einen ungeheueren Grad von Naivität an den Tag gelegt. Vom ersten Tag an konnte man mit einer solchen Partei keine Verträge abschließen, denn sonst ist man immer der Blamierte und Gefoppte. Gewisse deutsche Parteien spüren da- heute am eigenen Leib! derselbe Mensch, der tausend« deutsche Volksgenossen in R» t h a» um Arbeit und Brot gebracht hat. Zu dieser Partei ist auch der pofitische Per- Wandlungskünstler Dr. Rosche übergegaugen, der Vertreter des Unternehmertums. Wir sehen mit aller Deutlichkeit, i« welch steigendem Maß« di« SHF nicht- andere- ist al- die Vertreterin der Interessen des dentschen‘ Unternehmertums, der deutschen Scharfmacher. Und wenn die Herren großmäulig davon sprechen, sie seien daS Sudetendeutschtu«, so sagens wir: Mit ih«e« nehmen wir de« Kampf«och immer ans! Sir st«d nicht die ersten» di« geglaubt haben» uns vernichten zu können! Wo blieben Schönerer und Wolf? Die Aelteren unter unS erinnern sich noch ani die Zeit Schönerer-, wo der Ritter Georg! auszogen ist und die Los-von-Rom-Bewegung und all das andere tonangebend war. Bon all dem ist! nichts übrig geblieben. Und wirr erinnern uns an das Jahr 1997, als der berühmtes Karl Hermann Wolf durch die Landei zog, der neue MesfiaS des deutschen Volkes. Heutes ist er froh, daß er irgendwo in Wien eine Neins Trafik betreiben kann. Schönerer und sein« Bewegung find tot, t Wolf und seine Bewegung find tot, ater w i r, Sozialdemokraten, wir l e- b e n! Wir nehme« de« Kampf auf gegen dies»» ausgesprochene Unternehmerpartei, die geeignet^ ist, da- deutsch« Bolk und insbesondere die dent- schen Arbeiter in diesem Lande ins Unglück zu! stürze«, und werden ihn— wie schon seit ändert-1 halb Jahre«— mit aller Vehemenz führe«! Gemeinsam mit den übrigen Koalition-par-V teien haben wir getan, was angesichts der finan-V ziellen Rot des Staates und der Machtverhältniss« im Staat zu tun möglich war. In« aufreibendem Kampf gegen die würgende Krise und» daS nmunehr in der SHF organisierte, unter der» Patronanz des Herrn Dr. Preis stehende Unter-» nehmertum, haben wir für die Arbeitslosen her^ au-geschlagen, was möglich war. Jnnerpolitisch haben wir Demokrati ei und Freiheit verteidigt und für» di« Sicherheit unseres Landes gesorgt, haben den« Kampf mit den Faseiften ausgenommen. Außenpolitisch habe« wir den Frieden! gegen seine Gegner verteidigt, die zugleich die Gegner der Arbeiter und der Demokratie sind, habens eine enge Verbindung mit Sowjetrußland ange-I bahnt. ES ist kein Zufall, daß dort, wo Sozialisten! regieren, der Friede herrscht. Als die Ver-I träge von L o e a r n o abgeschlossen und daSss Rheinland vorzeitig geräumt, als im Völkerbund» die Abrüstungskommission-eingesetzt wurde, da re« gierte in Deutschland der Sozialdemokrat Hermanns Müller, in England war die Arbeiterregierung mnH Ruder und in Frankreich der Linksblock. Und heute f» Zerstört ist alle-, was in diesen Jahren aufgebautI wurde, und wir wissen niemand, wie lange der I Welt noch der Friede gewahrt bleiben wird.• Sie können es nicht leazneo: Di« Erheltnng de- Fried««- ist eng verknüpft«ft dr» Sieg des- «Volksgemeinschaft 1*? Nein: Unternehmerpartei! Die Parallelen zwischen hüben und drüben gehen aber noch weiter: In Deutschland wie hei«n- dieselbe Betonung deS FührertumS; da wie dort nimmt der„Führer" keine Kandidatur für da- Parlament an. Wir sich Hitler nie z» einer Debatte i« einer Versammlung gestellt hat, gena« so macht«S Herr Henlein, mit densrlbe« äußeren Finne«, mit Ei«. zag und Fanfaren. Inhaltsloses Geschwätz als Programm Die ganze Diktion der SHF, anch die Phra- senhaftigkeit ist dieselbe, wie in den unzähligen Reden Hitler-, bei denen wir«ns am Radi» an den Kopf gegriffen haben, wies» ein derart inhalt loses Geschwätz Anklang finde« kann. WaS kann fich jemand darunter vorstelle«, wen» Henlein verkündet:„Die Idee über«ns, der Ka- merad neben«ns, der Feind vor uns." Wenn wir «nS getraue» würden, mft einer solchen Phrase vor«nsere Arbeiter z« trete«, so würde« fie«ns mft nassen Fetzen davonjagen. Aber«nferem deut- schen Bürgertum kann man auch solche Un sinnigkeiten, ei» solche- inhalt lose- Gerede biete« und ernt«! damit «och größte« Beifall! Genau so wie draußen gDt e- auch hier da- Geschrei gegen die„Bonzen" und offene Drohungen. Wenn Herr S a n d n s r von der„inneren Dynamik" spricht, die, wenn sie künstlich gehemmt würde,„nach einem ungewöhn lichen und vielleicht verhäng nisvollen Ausweg suchen würde", so ist das nichts anderes als eine Drohung, die aller dings niemandem imponieren kann. Wir haben ja gesehen, mit welchem Mannesmut die nationalsoziali stische Partqi ihre Auflösung ausgenommen hat. Das Helm der Doderer und Rosche Auf der ganzen Linie also nicht- als D r o* Hungen, Verdrehungen und Lügen, genau so wie die nationalsozialistische Partei in Deutschland. Wenn noch irgend jemand hätte zweifeln können, was«S mft dieser Partei für eine Bewandt nis hat, so haben ihm die letzten Tage die Augen geöffnet: I« dieser Partei arbeitet, für ste beschafft de» Frieden» ist eng verknüp Geld der Herr Generaldirektor D» d e r t r, I Sozialismus!(Zustimmung.) Der neue Chauffeur Yen Oskar Baum „WaS Sie dachten, kommt nicht in Betracht," sagte Feldbeck.„Jetzt haben wir keine Zeit, uns docket aufzuhalten." „Aber Herr Feldbeck sagten doch.. „Das nimmt man nicht so genau. Seien Sie froh, daß ich nicht mehr daran denke." Franz zögerte. Lidunka nickte ihm aber hinter dem Rücken Feldbeck- eifrig zu. Ein spottendes Lächeln flog dabei über ihre vom Weinen noch zu!» kenden Lippen. Sie würde schon mft dem Großvater ferfig werden. Er solle nur ruhig gehen, sollte das heißen. Ü. Martin war an diesem Tage von keinem Menschen im Dorfe gesehen worden. Als Franz abends heimkam, konnte er das nicht begreifen. Wo war der Junge hingeraten? Franz war den ganzen Tag über mit Feldbeck in der Stadt gewesen. Es gab viele Konferenzen in Banken, beim Rechtsanwalt, mit Geschäftsfreunden. Erst gegen sieben Uhr abends setzte Franz Feldbeck im Herrenhaus ab. Er flog zu Lidunka. Sie begoß im Garten die Beete. Als er auf sie zneilte, spritzte fie ihm aus ihrer Kanne Wasser ins Gesicht.„Es scheint, daß du dem Herrn auf der Rase herumtanzen kannst, und er gibt dich doch nicht weg," meinte sie stolz. Daß Franz andere Eröffnungen wichtiger gewesen wären, z. B. wie der Großvater sich weiterhin verhalten hatte, schien sie nicht zu ahnen. Sie sprach von allem anderen, trotzdem er immer wieder danach fragte. „Nichts hat er weiter gesagt!" rief fie zuletzt übermütig.„was sollte er auch sagen?" „So können wir unS aufbieten lassen?" I fragte er. „Das muß doch Großvater erst erlauben," sagte sie ernst. Franz konnte das nicht vereinbaren. „Und heute abend?" „Da komm ich ohne zu fragen," sagte sie, „wenn er ins Wirtshaus geht, was aber heute gar nicht so sicher ist." Vergeblich suchte Franz nun Marfin daheim Und im Dorfe. Erft beim zweiten Rundgang durch die Räume deS Häuschen-, als er nach irgendwelchen Anzeichen alles durchstöberte, entdeckte er ihn in einem Winkel hinter dem Schrank. Eng an die Mauer gedrückt, schlief er. Franz wollte ihn auskleiden und zu Bett bringen. Aber Marfin erwachte, als er an ihm herumknöpfte. Eine unaussprechliche Wildheft verzerrte sein Gesicht, da er Franz vor sich sah. In verstocktem Trotz riß er sich frei und wollte davon. Franz dachte, es sei Angst wegen deS Rausches und wollte ihn beruhigen. Er sprach ihm freundlich zu, brachte ihm Kaffee und erklärte ihm, wie gut ein paar Schluck davon tun, wenn man mit Kopfschmerzen erwache. Marfin nahm nichts. Er sprach nicht. Er verkroch sich wieder in seine Ecke und kehrte daS Gesicht der Wand zu.. Franz ging. ES war nicht Angst bei Marfin, da- erkannte Franz. So weit kannte er Martin. WaS war es aber dann sonst? Die Veränderung hielt an. Marfin ging nie mehr in- WfttShaus. Es schüttelte ihn Ekel, wenn man e- nur erwähnte. Aber nun wußte er freilich noch weniger als früher, was er den langen Tag und die langen Abende über mft sich anfangen sollte. Vor niemand mehr wollte er Musik machen. Wenn er Okarina blies und es kam jemand in die Nähe, floh er zornig. So ging er manchmal entlang des Flusse» bis in den Wald. Aber er kam ost wieder schnei! und mft allen Anzeichen der Furcht zurück. Er hatte in der Einsamkeit und weiten Stille Angst bekommen. Rur eine Person gab es, der er sich gern näherte: Lidunka. Man konnte nicht gut sagen, daß er viel mft ihr sprach. Er kam ganz einfach zu ihr in die Küche» setzte sich und sah ihr zu. Das erstemal hatte sie sich gesteut. Sie dachte, Franz schicke ihr eine Botschaft. Mft Franz konnte sie jetzt nut selten zusammenkommen. Großvater ging gar nicht mehr ins Wirtshaus. Er war krank. Es waren böse Schmerzen in den Füßen, über die er schon lange geklagt hatte. Franz gegenüber war Martiss völlig verändert. Ihm wich er scheu aus, scheuer als allen anderen. Nicht Angst war es, nein, es war ganz deutlich Haß. Martin saß draußen in der Küche, wenn er im Freien zu sehr stör. Er saß und horchte auf die Geräusche au- der Stube. Drin arbeitet« der Bruder, sägte, schnitzte, feilte und sang dazu oder pfiff. Er pfiff sehr schön. ES klang wie eine Flöte. Er lachte wohl auch mitunter und sprach hie und da ein Wort au- seinen Gedanken bei der Arbeft. Hätte man Marfin gefragt, so hätte er gar nicht sagen können, warum ihn diese fröhliche Arbeit, diese glückliche Kraft und Tat bis ins Innerste erbitterte. Marfin Hatzte jede Arbeit. Er hatte eS schon mit mancherlei versucht. Sie ermüdete ihn so rasch. Sie war ihm lästig. Wer Langewelle. Nichtstun quälte auch. Manchmai wollte er davon zu Lidunka sprechen, aber sie konnte die bösen zerrissenen Reden nicht verstehen. Er wurde ihr unheimlich. Noch ein zweiter Besuch, der aber dem kranken Großvater galt, setzte Lidunka in nicht geringe Verwunderung: Herr Feldbeck. Er redete Lapak zu, doch nicht so verstockt gegen die Wünsche der Enkelin zu bleiben. Er sprach sehr schmeichelhaft von Franz. Er rief Lapak» Friedfertigkeit auf. Franz sei doch wirklich ganz unschuldig an dem Schicksal, das LidunkaS Vater betroffen hatte. Bei der Zusammensetzung der österreichischen Armee war eS sogar unwahrscheinlich, daß seine Henker Deuffche gewesen waren. Gegen Lidunka selbst war Feldbeck sehr leutselig. Sie konnte nicht sagen, daß je etwa» wie Zärtlichkeit durch seinen väterlichen Ton hindurchgeschimmert hätte. Sie hatte ihm vielleicht unrecht getan. Sie hatte viel zu schlecht von ihm gedacht^ Es fiel ihr manchmal schwer aufs Herz. Sie hatte! seine Güte falsch gedeutet. Alle Leute deuteten siq vielleicht falsch. Zu Martin fiat Feldbeck geradezu in ei»! steundschastliches Verhältnis. Der erschrockene Junge sah ihn sprachlos anal- zum erstenmal ein steundliches Wort W' Herrn ihm galt, so daß es nicht leicht war, ihft zu einer Anwott zu bewegen. Und als dann diL Antwort stotternd kam, hatte sie mft d«r Frage Feldbecks gar nichts zu tun. Feldbeck wußte allq mählich Martins Verfiauen zu gewinnen. Eti schenkte ihm allerhand Kleinigkeiten, ein« Mundharmonika, Ansichtskarten mit schönen Frauenbil-i dern. Einmal photographierte er Lidka, ohne dafp sie«S merkte, bei der Arbeit und schenkte Martin ein Bild. Einmal wieder nahm er sie auf einew! Filmstreifen auf, als sie am Hof einem der Kinder nachlief. Nicht ost gelang eS Lidunka, sich mft Franz zu verständigen, um fich für«in halbe» Stündchens irgendwo zu treffen. Am Abend, wenn die Kind der zu Bett gebracht waren, hatte der Großvater! große Gesellschaft. Da kamen seine Freunde in! die Krankenstube, mit ihm Karten zu spielen und! Lidunka mußte viel Bier holen. Manchmal glückte! eS, ganz früh am Morgen mit Franz zusammen-- zukommen, wenn noch alle im Hause schliefen und! sie inS Dorf hinunter einkaufen ging. Da ginge er dann mft ihr und trug ihr den Korb. Aber auV diesen gehetzten Wegen, im nüchternen Frost dcki ersten Hell« hatte man nicht viel Zeit für glücklich» Gespräche und Zärtlichkeit. Man konnte nur sackH lich über di« wichfigsten Dinge beraten. Von deNI Besuchen Feldbecks erwähnte Lidka kein Wort. Es; widerstand ihr. Anfangs weil er ihr unheimlich^ war und nachher, weil sie wegen der auffällig guten Wirkung seiner Reden auf den Großvater,; in Wirllichkeit froh war, wenn er recht ost kam. lFortsetzung folgt.) Rr. 87 tfrrftttS, 12. April 1935 Seit« S Hundertmale hat man den Sozialismus totgesagt, aber wo er eine Demokratie gibt, wo die Freiheit herrscht, da gibt es kein Unterliegen des Sozialismus; es kann höchstens kleine Rüösschläge geben. Deshalb wissen wir, warum wir die Demokratie und Freiheit verteidigen und verteidigen werden auch gegen jene, die zwar Nutznießer der Demokratie sind, die aber glauben, daß sie jederzeit die Demokratie in den Kot zerren dürfen. Der 1. Mai wird unsere« Gegner» zeigen, daß die SHF und das deutsche Volk keine identischen Begriffe sind, daß vor allem die deutsche Arbeiterschaft dieses Staates mit einem Gebilde, wie rS die schlechten Nachahmer Hitlers bei uns find, nichts zu tun haben will, und daß wir imstande sein werden, diese»nS feindlichen Richtungen zu vernichten. Wir werden nach wie vor kämpfen für die Sicherheit«usrreS Lande-, für ’ die demokratische Freiheit und für die soziale Gerechtigkeit und wir werden alleS daransetzen, um de» FaseiSmuS auf die Knie z« zwingen.(Leb- Hafter Beifall.) * Das Quorum und die AWG Bei Besprechung der Wahlordnung hatte Genosse Dr. Heller hervorgehoben, daß. nur die Bestimmung über das Quorum, wornach im zweiten Skrutinium nur Parteien berücksichtigt werden, di« 180.000 Stimmen insgesamt und davon 80.000 in einem einzigen Wahlkreis erhalten haben, von größerer Bedeutung ist. Von einer Beeinträchtigung der deutschen Interessen kann nicht die Rede sein, da die Deutschen dieses Quorum immer aufbringen werden. Die diesbezüglichen Beschwerden des Senator- Kostka sind höchsten- dann ernst zu nehmen, wenn man sie auf seine eigene Partei anwendet. Hier ist die Sache aber so, daß es schwer gewesen wäre, überhaupt ein Wahlrecht zu konstruieren, das seiner Partei auch nur ein Mandat sichert. ES hat noch keine Wahl gegeben, in der die deutschdemokratische Freiheitspartei aus eigener Kraft ein Mandat hätte erringen können; selbst nach ihrer Bereinigung mit der Gruppe Dr. Rosche, die inzwischen wieder Abhanden gekommen ist, mußte sich die AWG unter die Fittiche des Landbundes begeben, um überhaupt zu einem Mandat zu kommen. Mit mehr Anschein von Recht könnten sich andere, die Polen und Juden, beklagen, aber auch sie habe» bisher aus eigener Kraft noch nie ein Mandat erobert.* Dagegen sollte man eher darangehen, zu überprüfen^ ob die Wahlkreiseinteilung und die Mandatszahl der einzelnen Wahlkreise noch den heutigen Verhältnissen entspricht. Wir haben Wahlkreise mit einer Wahlzahl von 87.000 bis 88.000 Stimmen, während in zwei Wahlkreisen, in Prag und in der Slowakei, schon 17.000 Stmunen zu einem Mandat genügen IHier wäre ein« Abhilfe notwendig, um tatsächlich dem Grundsgtz der Gleichheit zu entsprechen. Durch den Mangel eines Reklamationsverfahrens unmittelbar vor den Wahlen werden zweifellos viele Menschen um ihr Wahlrecht gebracht. Wenn der Regierungsvertreter im Ausschuß erklärt bat, daß eine solche Vorlage bereits vorbereitet' sei, so. ist nicht techt verständlich^ warum diese Bestimmung nicht schon in d i e s e Novelle ausgenommen wurde und wir also wieder ohne Re- llamationsverfahren in die Wahlen gehen müssen. Die Schlußsitzung des Senats Prag. In seiner letzten Sitzung verabschiedete der Senat noch den Staatsrechnungs- abschluß für 1933, den Schutz gegen Flieaerana r i f s e und die W a hl- ges e tz n o v e l l e, bei welcher Gelegenheit Genosse Dr. Heller seine an anderer Stelle wiedergegebene Rede hielt. Ferner wurde noch das Gesetz über den Feuerwehrbeitraa und die restlichen Immunitäten erledigt. Am Schluß der Sitzung verabschiedete sich der Borsitzende Dr. Soukup für den wahrscheinlichen Fall, daß es zu keiner Sitzung mehr kommen wird, von den Mitgliedern des Senats, wobei er erklärte, daß das Haus auf seine fast sechsjährige Tätigkeit sicher mit Genugtuung zurückblicken könne. teere Rede In der Plenarsitzung der Reichenberger Han» delskammer hat am Mittwoch deren Präsident, der Großindustrielle Theodor Liebieg. eine Rede gehalten, in der das Fehlen jedes positiven Programms außerordentlich auffällt. Der größte Teil der Rede Liebiegs ist der Polemik gegen die Planwirtschaft gewidmet, ohne daß er aber gesagt hätte, welche andere Lösung der Krise er bereit hält. Wie rcherflächlich die Rede Les Reichenberger Kammerpräsidenten ist, geht auS folgender Stelle hervor: G „Wir sind ein« Volksgemeinschaft, in der all« B«völkerungSkreise zusammenstehen müssen, wenn es wieder aufwärts gehen soll." Ist das ein Programm? Selbst wenn alle Bevölkerungskreise„zusammenstehen* werden, wird ihnen noch nicht geholfen sein. Herr Präsident Liebieg hätte sagen müssen, was die Be- völkerungskreise machen sollen, wenn sie.zusammenstehen", Die Rede Liebiegs ist nur em Beweis dafür, wie ratlos unsere Wirtschaftsführer dem ChaoS gegenüberstehen, das sie selbst angerichtet haben. Rat und Belehrung finden unsere Gemeindevertrcter in reichem Matze in der »Freien Gemeinde** Redaktion und Verwaltung. Prag XII., Fochova 62/V. fudetendeutsdier leifepie^ef An ihren Führern sol Wenn Henlein Sauberkeit und Anständigkeit in das politische Leben bringen will, so müßte er in erster Linie bei der Wahl seiner Mitarbeiter darauf bedacht sein, ausschließlich Menschen mit 'tadelloser Lebensführung, makellose, charaktervolle Persönlichkeiten und gute Deutsche zu gewinnen. Daß diese Dinge in Wahrheit die geringste Rolle spielen, wenn man eine führende Stellung in der SHF an strebt, dafür bieten die Verhältnisse im Pilsner Kreis mehr als einen Beweis. Wir stellen heute der Oeffentlichkeit einige Herren vor, von denen man nicht behaupten kann, daß sie in der Sudetendeutschen Heimatfront die letzte Rolle spielen. Herr EugcnBieder mann ist nicht nur Obmannstellvertreter der Pilsner SHF- Ortsgruppe, sondern in seiner Hauptfunktion Kreisorganisator und spricht alS solcher in vielen Lersammlnngen. Er verkündet daS Programm der SHF in Tuschka» genau so wie in Weseritz, Staab oder Retschetin, kurz er spielt durchaus nicht nur eine lokale Rolle. Wenn einst ein Ehronikschreiber den Ablauf der sudetendeutschen Tragödie, soweit sie mit dem Ramen Henlein verbünde« ist, beschreiben wird, wird dieser Herr sogar als„alter Kämpfer" bezeichnet werden, da er Mitgliedsnummer Ibl hat, qlso verhältnismäßig früh zur„neuen Bewegung" kam. Selbstverständlich bezeichnet sich Kamerad Biedermann als ehemaliger Offizier und er dürste noch dieser Tag« vom Kameraden Henlein taxfrei zum Märtyrer der SHF befördert werden, nachdem er am 7. April in Tusch- ka« die Liebe des Volkes so handgreiflich am eigenen Leibe zu spüren bekam, völlig verlassen von seinen dortigen Kameraden, denen ihr» eigene Sicherhett über alles stand. Sein Kollege«nd gleichzeitig Kassier bei der Pilsner Ortsgruppe ist Johann W a tz e k, derzeit in seinem Hauptberuf ebenfalls Ber- sammlungsredner der SHF. Den beiden gesellt sich als Dritter im Bunde Ernst M a h r l e zu, Schriftführer der Pilsner Ortsgruppe. Alle drei sind im wahrsten Sinne des Wortes„Berufspolitiker" über dir sie sonst nicht genug schimpfen können. Drei„Führer" mit gleicher Laufbahn! Vor kurzem noch waren sie bescheidene Versicherungsagenten bei der»Union"-Versicherungsgesellschaft. Ein mühsames Geschäft und daher hasten es die Herren so» eilig, dl«.-Politik zu ihrem Berns zu machen. GeschäftStüchstg waren sie freilich' schon immer, nur leider auf Ko st en ihrerGe- sellschaft, die sic so u m e i n i g e zehntausend Kronen brachten. Im Versicherungswesen ist nämlich die Praxis gang und gäbe, daß den Vertretern jeweils ein Vorschuß auf die ihnen für jeden Vertragsabschluß zustehende Provision noch vor deren Fälligkeit ausgezahll wird. Daher begannen die Herren ihrer Gesellschaft Verträge vorzulegen, die von vornherein, nichts wert waren, entweder weil der Versicherungsnehmer gar nicht die Zustimmung gegeben Halle oder seine wirtschaftlichen Verhältnisse so Saalschlacht In Böhmischdorf zwischen SHF-Leuten und Kommunisten Letzten Sonntag versuchten di« SHF Leute, die auS dem Landbund« ausgrsprungenrn Leut« in di« Hrimatfront einzugliedern. AuS Tachau war zu diesem Zweck»in kleines Aufgebot beordert, an der Spitze der„Brzirksführrr" Willi Lanzen- d S r f e r. Der Aufzug der SHF war zirkuSmätzig und hätte jedem Zirkusdirestor Ehre gemacht. Eine politisch« Bewegung macht sich damit allerdings nur lächerlich. Am Ortseingang wurden di« Abgesandten empfangen«nd mit dem nötigen Tamtam in daS Versammlungslokal geleitet, wo bereits eine stattlich« Anzahl Kommunist«« Platz genommen hatte. Der SHF-Redner wnrde mit Ruhe angr- hört. AlS sich ein Kommunist zu Worte meldet«, wollte man ihm zunächst das Reden verweigern. AlS ihm die Henleinleute schließlich doch das Wort erteilen muhten, verlegten sie sich auf Störungsversuche. DaS bekam ihnen allerdings schlecht. AlS ei« Razi-Provakateur„Pfui" rief, sprangen die Kommunisten auf«nd verprügelten die DHF- Gesellschaft anständig. Auch ihr Führer, der nichtgetan hat,«m dieser Schlägerei vorzubrugen» bekam genügend ab. Bedauerlich ist nur, daß Schwerverletzte am Platze blieben. Einem SHF-Man« wurde die Lunge zweimal durchstochen«nd einem Komm««isten der Oberarm. DaS Schanllokal glich nach der Rauferei einem Trümmerfeld. Der Wirt erleidet großen Schaden. Die ganze Einrichtung wurde demoliert und die Gläser zerschlagen. Schuld an dieser Ausschreitung trägt allein das provokative Benehmen der verkappten Hakenkreuz- ler«nd das Verhalten drS Versammlungsleiters «nd Redners, die nicht-«nternommen haben,«m eine««»gestörte« Verlauf der Versammlung zu sichern. Sie werden anch für den Schaden, den der Wirt erleidet, aufzukommen haben. »I ihr sie erkennen! waren, daß von ihm keine Prämien bezahlt werden konnten. Darum schellen sich die Herren Biedermann, Watzek und Mahrle aber nicht, für sie war die Hauptsache, daß sie immer wieder Vorschüsse auf Provisionen herauslockten» die nie fällig wurden. Sie bildeten untereinander sozusagen eine stille Gesellschaft, da einer den anderen bei diesen betrügerischen Maßnahmen stützte. Nach den bei Gericht aufliegenden Akten handelt es sich bei: Biedermann«m 10.008Kronen ans 30 Betrn-sfAle«, Watzek um 20.000 Kronen aus 40 DetrugsfA- len und Ernst Mahrle um 5000 Kronen a«S 20 Betrugsfällen. Es läuft gegen fiedle Betrugsanzeige beim Kreisgericht in Pilsen. Um aus der Sache mü einem blauen Auge herauszukommen, griff das Führertriumphirat auch zu dem Mittel der Anschwärzung ihres unmittelbaren Vorgesetzten bei der Zentrale der »Union"«Versicherungsgesellschaft in' Prag und dafür hatten sich Biedermann und Konsorten am 8. Aplll 1838 bereits zum zweitenmal vor dem Pilsner Bezirksgellcht auf Grund einer Verleum- dungöllage zu verantwollen. Das Gericht verwies auch diesen Fall an das Kreisgericht. An den Betrügereien war auch der vierte Kollege dieser Dreifaltigkeit beteiligt, der Versicherungsagent Friedmann, der als einziger Jude die seltene Ehre haben dürfte, in den Reihen der SHF für Recht und Sauberkeit, deutsche Treue und Redlichkeit zu kämpfen. Aus ihrer schimpflichen Entlassung wollen die Herren sogar politisches Kapital schlagen, weshalb sie der Oeffentlichkeit einzureden versuchen, daß sie als D e u t s ch e auf die Straße gesetzt wurden. Daneben behaupten sie auch, daß sie freiwillig ihren Beruf als Versicherungsagenten aufgegeben haben, weil sie in sich den unwiderstehlichen Drang zur Polittk fühlen, um dem sudetendeutschen Volke endlich die ersehnte Rettung zu bringen. Nichts von dem ist wahr, sondern ihre Entlassung durch die»Union" erfolgte lediglich deshalb, weil die Herren keine reinen Finger haben und nicht mehr zu gebrauchen waren. Ganz selbstverständlich sind sie auch Musterdeutsche, allen voran Herr Watzek, dessen deutsche Offenheit so weit geht, daß er sich seinerzeit überall als Tscheche einführte und wiederholt Schriftstücke als Jan Bacek unterfertigte, so daß jetzt wirklich Zweifel bestehen, wie der gute Mann eigentlich richtig heißt: Johan« oder Jan, Watzek oder Bacek? Näher der Wahrheit dürften die sein, welche in ihm einen Tschechen erblicken, da er mit einer Frau zusammenlebt, die nicht ein Wort deutsch versteht. Dafür behauptete dieser deutsche Recke am 7. Aplll in Tuschkau, nicht tschechisch zu können, was ihn nicht hinderte, einige Minuten später von der Gendarmelle in tschechischer Sprache die Verhaftung unserer Genossen zu verlangen. Zur Znalmer Weinaffäre Die Verleumdungen der Henleinpresse. Die Gec sicht sich veranlaßt, wieder einen kurzen Bericht über die Entwicklung in Sachen „Znaimer Weinfälschung" zu geben. Eine amtliche Erledigung liegt noch immer nicht vor und eS kann Monate dauern, bis dies geschieht. Mittlerweile hat über Veranlassung des S t a a t S anwalt e s wieder eine Kontrolle und zwar durch Herrn Keller-Oberinspektor H o m m e r statt-' gefunden. Darüber liegt uns nun aus Z n a i m folgender Bellcht vor: „Herr Keller-Oberinspektor H o m m e r wurde vom Staatlichen Untersuchung Samte' in Brünn und vom hiesigen KreiSgerichte auf- gefordell, eine nochmalige Bellostung der Weine vorzunehmen. Herr Hammer weilte ein« ganze Stund« in unserem Weinkeller, hat all« Weine durchgekostel und bei allen Raturweinen sowie Süßweinen gute Qualitäten festgestellt. Bei älteren Weingängen gab er sogar die Klassifikation„ausgezeichnet". Der heurige Naturwein kann als guter Tischwein bezeichnet werden. Auch die Süßweine älteren Jahrganges hat er mit„sehr gut" klassifiziell." Die Gec hat auch selbst Muster der seiner- zeit versiegelten drei Fässer in einem chemischen Laboratorium untersuchen lassen. Der Befund lautet wie folgt: „Rach der chemische« Analyse und der Ge- schmackSiberprüfung handelt es sich«m einen guten N a t u r w e i n, gegen den kein Anstand erhodrn werden kann. Der saure Geschmack »nd daß Herde läßt sich durch fachmännische Kel- lerbehandlung behebe«." Schließlich teilt die Gee mit, daß sie gegen eine Reihe von Blättern, die sich seinerzeit mit der B-richtelltattung nicht begnügten, sondern darüber hinaus ihrer Gehässigkeit und Verleumdung freie Zügel ließen, mit Klage-Androhung zum Widerruf aufgetreten ist. Kommission für Sicherheits vorkehrunsen Im Bergbau Die Arbeiten der Sicherheitskommission beim Ministerium für öffentliche Arbeiten sind im vollen Gange. Die erste Sitzung der Kommission eröff- nete der Minister für öffentliche Arbeiten Dr. C z e ch mit einem Hinweis auf die letzten schweren Katastrophen auf den Kohlengruben, welche überall die Ueberzeugung wachriefen, daß die Sicherheit-Vorkehrungen im Bergbaubetriebe ausgestaltet und intensiviert werden müssen. In unserem Staate geschah dies ohne Verzug durch eine Reihe bedeutungsvoller gesetzlicher und administrativer Maßnahmen, welche eine durchgreifende Reorganisation der gesamten Bergwerksinsvck- tion zur Folge hatten. Aber gerade diese Reorganisation, welche eS ermöglichte, willung-voller in alle Gefahrenquellen des Grubenbetriebes einzudringen, zeigte klar und deutlich, daß der Grubenbetrieb, welcher an und für sich schon voller Gefahren ist, mit der fortschreitenden Rationalisierung und Mechanisierung noch gefährlicher wutt>c. Tas erfordert selbstverständlich, daß die derzeit für den Bergbau geltenden Sicherheitsvorschriften überprüft werden. Diese schwierige und verantwor- tungsolle Aufgabe ist der Kommission übertragen. Es ist notwendig, so rasch wie möglich Hand ans Well zu legen. Hierauf wurde nach einem einleitenden Referate des Sekttonschefs Jng. D u r h ch und nach Verhandlung des Arbeitsprogrammes der Sicherheitskommis« fion zur Verhandlung des ersten Teiles der Vorschriften über die Seilfahrt geschritten. Schließlich wurden die Vorschriften für die Förderung auf horizontalen Strecken in Tiefbaugruben in Erörterung gezogen. In der zweiten Sitzung der Sicherhritskom- mission wurde der zweite Teil der Vorschriften über die Seilfahrt erledigt und der definitive Text der Vorschriften über die Förderung auf horizontalen Strecken in Tiefbaugruben vereinbart. Wedel' ein unberechtigtes äusllekerungsdegekren der österreichischen Regierung Man schreibt uns auS Oesterreich: Bekanntlich haben am 12. Feber 1935 in Oesterreich eindrucksvolle antifaseisttschr Demon- strationr» stattgefunden. Bei einer dieser Kundgebungen am Nepomuk-Berger-Platz in Ottak- ruig, an der mehrere hundert Arbotter, darunter Stefan Fichtl, welcher die rote Fahne vorantrUg, teilnahmen» kam es zu einem Fcuergrfecht, und der jung« Fahnenträger wurde von der Polizei erschos. sen.— Heute wissen wir bereits, daß die Polizei an diesem Tag, dem Jahrestag des heldenmütige» AufstandeS des österreichischen Proletariates, die strikte Weisung hatte, auf den Fahnenträger und Redner ohne Warnung zu schießen. Und so geschah es auch. Ein Kriminalbeaniter«nd ein Polizist schossen sofort. Erst dann erwiderten einige Schutzbündler in Rotwehr das Feuer.— Bei dieser Demonstration standen in der ersten Reihe mit Stefan Fichtl einige Jungarbeiter, deren Name» nun die Polizei kennt. Dir- waren Stistner, Eichinger«nd Matouschek. Durch dir Solidarität der österreichischen Arbeiterschaft gelang eö diesen drei Kämpfern den österreichischen Henkern zu entrinnen und in die Tschechoslowakei zu gelangen. Hier erhielten sie sofort Evidenzbogrn alS politische Emigranten. Auf Grund eine- Steckbriefe- der Wiener Polizei wurden sie nun verhaftet. Stistner und Eichinger sollten an die polnische Grenze geschafft werden, Ma- tvuschek» welcher tschechischer Staatsbürger ist, blieb in Pankraz. Plötzlich verlangte dir österreichische Regierung die Auslieferung dieser Emigranten wegen„gemeinen Mordes". Tatsächlich weiß jeder, daß diese aufrechten Kämpfer gegen den FaseiSmuS niemals gemordet haben. Die österreichische Arbeiterschaft erwartet selbstverständlich, daß die Tschechoslowakische Republik daS Auslieferungsbegrhren der österreichischen Regierung ablehnt«nd den Genossen das Asylrrcht geben wird. ES kann keinesfalls gezweifelt werden, daß di« drei Verhafteten wegen eines p o l i t i. schenDeliktes verfolgt werden, da sogar daösterreichische Regierungsblatt, die„Reichspost", dieS in ihrer Nummer von 6. April 1935 indirekt zugeben muß, indem sie bloß von„Unruhestifter«" spricht. Die 40-Stundenwoche im Verwaltuncsrat des Internationalen Arbeiteamtes Genf. Den Hauptgegenstand der Tagung des Internationalen Arbeitsamtes wird die Debatte über die 40 st ü n d i g e Arbeitswoche bilden. Zur Sitzung des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsanites fanden sich auch die Vertreter aller Gruppen der Vereinigten Staaten von Nordamerika ein. Die solvjetrussische Regierung teilte mit, zur Kenntnis zu nehmen, daß ihr ein ständiger Sitz im BerwaltungSrate eingeräumt worden ist. Vorläufig entsandte sie jedoch zu der gegenwärtigen Sitzung nur eine« Beobachter. ©elfe 4 Freitag, 12. April 1835 Ar. 87 Nr f wurden in das Krankenhaus von Feldsberg gebracht. Aus Brünn hat sich eine Untersuchungskommission der Staatsbahndirektion au die Unfallstelle begeben. schwemmte Gebiet bietet ein einziges Bild der Verwüstung. Die Ueberschwemmungen haben besonders im Bezirk von Hoyuan unzählige E r t r u n k e n e gefordert. Tausende sind obdachlos. Auch der Peikiang ist über die Ufer getreten. Er hat mehrere Brücken mit sich gerissen. Der Eisenbahnverkehr zwischen Kanton und Schiukwan ist zuzeit völlig unterbrochen. Revolverschutz im Senat von Aruguah Montevideo. Im Senatsausschuß kam es zu einem heftigen Konflikte zwischen dem Senator Ghigliani(dem ehemaligen Minister des Innern) und dem Senator de Michelli. Der Senator Ghigliani zog plötzlich einen Revolver und milchte seinem Gegner eine schwere Schutzverletzung bei. Prophetischer Druckfehler. Im Amtlichen Mitteilungsblatt der Gaubetriebszellenleitung und der Gauwaltung Ostpreußens der Deutschen Arbeitsfront—„Die Betriebsgemeinschaft", Königsberg— lesen wir: „Die DerttauensratSwahl wird zeigen, daß alle Hoffnungen auf deutsch« Einigkeit an dem treuesten Sohn unsres Volkes, dem deutschen Arbeiter, zerschellen werden." So ist es— nämlich mit der Einigkeit, die jene wollen! Auf der Heimkehr ins Vaterland ertrunken. In der Nacht auf Donnerstag versuchten vier Flüchtlinge aus Deutschland, anscheinend österreichische Legionäre, über die S a l z a ch nach Oesterreich zu gelangen. Sie versuchten den Grenzfluß zu durchschwimmen und in die Ge meinde Sietzenheim zu gelangen, konnten aber, da die Salzach Hochwasser führt, nur bis zur Mitte des Flusses gelangen und wurden dort von den reißenden Fluten fortgerissen. Die Flüchtlinge riefen um Hilfe. Die Oesterreichische Schutzkorpspattouille, die am Ufer den Dienst versah, eilte zwar herbei, konnte sie jedoch nicht mehr retten. Alle vier Flüchtlinge verschwanden in den Wellen und ertranken. Ihre Namen konnten bisher noch nicht festgestellt werden. Eine aufsehenerregende Arbeitslosrn-Demon- stration fand gestern vormittags in. P a r i s statt. Etwa 300 Arbeitslose durchfuhren an Lastautomobilen die Straßen der Vorstädte, wobei sie mit lauten Rufen die Durchführung des von dem Allgewerkschaftlichen Arbeitsverband ausgearbei- teten Arbeitsplanes forderten. Die Demonstranten wurden, ohne daß es zu einem Zwischenfall kam, zerstteut. Dr. Stefan Feneik wurde nach seiner Verhaftung nach U Z h o r o d gebracht, wo die Polizeidirektion seine Tätigkeit überprüfen wird, denn Dr. Fencik steht im begründeten Verdacht, daß er sich verschiedener Handlungen gegen das Republikschutzgesetz zuschulden kommen ließ. Nach dem Verhör wird Dr. Frank in die Haft der Staatsanwaltschaft in UZhorsd eingeliefert werden. 'Gegen den Rassenhaß. Im USA-Staate New Jersey wurde'oeben ein Gesetz erlassen, durch das Versuche, rassenfeindliche und antireligiöse Prcstxrganda zu treiben, verboten werden. Das Gesetz wurde vom Gouverneur des Staares New Jersey bereits unterzeichnet. Ueberttetun- gen des Gesetzes werden mit H a f t von drei Monaten bis zu drei Jahren und durch Geldstrafen von 200 bis zu 8000 Dollar bestraft. Fra«, Kinder und sich selbst erschossen. Der 55jährige Obswerkäufer Marco Anthony in Philadelphia, der bereits seit längerer Zeit b e sch ästig u n g s l o s ist, hat seine Frau und vier Kinder erschossen. Dann richtete er die Waffe gegen sich. Seine Verletzung ist tödlich. Der Völkerbund als Friedenspreisträger. Der Verwaltungsrat der Carnegie- S t i f- tung im Haag hat den Wateler- Frie- denspreis für das Jahr 1835 im Betrage von 19.000 holländischen Gulden dem Bökk?r- TagcsnculgKcttcn Flugzeugabsturz- acht Tote Wladiwostok. Westlich von der Insel Sachalin stürzte ein russisches Großflugzeug ab, wobei acht Personen den Tod sanden. Auto-Unglück bei Nikolsburg Brünn. Am Donnerstag um elf Uhr 30 Min. stieß der Personenzug Nr. 408 auf der Strecke Bkeclav—Znaim im Kilometer 103.959 in der Nähe von Nikolsburg bei einem nichtgeschützten Bahnübergang mit dem Auto M 87.166 zusammen, das von dessen Besitzer Max Breit- Hammer, Fabrikanten aus Neu-Titschein, ge- Senator Hans Tichi zu Henlein. 3« die'er Meldung wird parteiamtlich seitens der Deutschen Gewerbepartei(Ständebund für Handel und Gewerbe) mitgeteilt: Es ist richtig, daß mit Rücksicht auf die Stimmung in den einzelnen Wahlkreisen über einmütigen Beschluß der am Mittwoch in Prag stattgefundenen Reichslertungsfitzung eine Fühlungnahme mit Konrad Henlein st a t t f a n d. Ein alleiniger Uebertritt des Senators Hans Tichi zur Sudetendeutschen Heimatfront konnnt nicht in Frage, wie auch alle anderen Kombinationen über Spaltungsbestrebungen in der Partei aus der Lust gegriffen find. Das Geschäftsreisen dengesetz. Am 9. April d. I. tagte im Abgeordnetenhaus unter Vorsitz des Abg. Robert Klein der Parlamentsausschuß für Privatangestelltenfragen. An den Beratungen nahmen 24 Vertreter von Gewerkschaftsorganisationen und Vereinen teil. Den Hauptgegenstand der Beratung bildete die bisher ungellärte Rechtsstellung der Geschäftsressenden, Vertreter und Agenten. Das Einführungsreferat erstattete Karl P a c o v s k y, an welches sich eine allgemeine Debatte anschloß, aus der folgende Forderungen hervorgingen: Den Personenkreis genau zu umschreiben, auf welchen sich das künftige Gesetz beziehen soll, das Rechtsverhältnis eindeutig zu charakterisieren, den Provisionsanspruch festzu- legen und den obligatorsschen Ersatz der Barauslagen zu bestimmen. Desgleichen soll die Höhe der Entlohnung bei Arbeitsverhinderungen und während der Urlaubszeit festgesetzt, die Zuständigkeit der Arbeitsgerichte ausgesprochen und die Beziehung zu den anderen Angestelltengesetzen eindeutig festgesetzt werden. Ein eigenes Subkomitee wurde gewählt, welches die vorgetragenen Anregungen beraten und behandeln soll. In diesem Komitee sind die einzelnen Organisassonen durch die Herren Bily, Grünzner, Dr. Chodkra, Prof. Mut zum Selbstmord sich in der Toilette aufgehalten habe, offenbar beim Spielen die Türe geöffnet hätten und aus dem Zuge gestürzt seien. Der Knabe ist bald darauf infolge Schädelbasisbruches v e r st o r b e n> während sein Schwesterlein noch in Lebensgefahr schwebt. Die unmenschliche Mutter wurde festgenommen und hat nunmehr bereits e ingestanden, daß sie— angeblich wegen schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse — gemeinsam mit ihren Kindern in den Tod gehen wollte, selbst aber nicht mehr den Entschluß zur Tat aufgebracht habe. Die Elbe steigt Prag. Infolge rapiden Wachsens des Wasserstandes der Elbe und deren Zuflüsse mutzten am 11. April die beweglichen Stauwehre in der Elbe auf der Strecke Mtlnik—Lobositz ausgeschützt und die Konstruktionenum- gelegt werden. Die Wehre der Stauanlagen in der Moldau auf der Strecke Prag—Melnik bleiben vorläufig aufgestellt. Aus einem konsolidierten Staat... Wien. Die Polizei ist einer illegalen, nationalsozialistischen Organisation auf die Spur gekommen, die ihren Sitz in der Generaldirektion der Bundesbahnen(deren Chef bekanntlich Herr Vaugoin istl) hatte. In Wien und in Baden wurden die Führer dieser Organisation verhaftet, wobei den Behörden die Listen der Mitglieder dieser Organisation, die sich nicht nur auf die Bundesbahnen, sondern auch auf die Aspernbahn erstteckte, in die Hände fielen. Auf Grund dieser Listen werden die Verhaftungen fortgesetzt. 139 Schiffer umgekommen Manila. Die Kinder und Frauen der Fischer, die in der Bucht von Ragah von einem Taifun überrascht wurden, haben bereits die Hoffnung auf Rettung der Unglücklichen aufgegeben. Insgesamt sind 139 Schiffer umgekommen. Sechs Leichen wurden bereits an den Strand gespult. und verliert dann den Hagen in Westfalen. Bon der Hagener Kriminalpolizei konnte ein furchtbares Verbrechen aufgeklärt werden, das sich am Abend des 8. April 1935 auf der Bahnsttecke Hohensyburg—Hagen i. W. abgespielt hat. Die 31 Jahre alte Ehefrau Freundlich aus Paderborn, die mit ihrem acht Jahre alten Sohn und ihrem drei Monate alten Töchterchen im Personenzug nach Hagen fuhr, angeblich, um dort das Grab ihres ersten Mannes zu besuchen, hatte während der Fahrt die Abteiltür insgeheim geöffnet und ihre Kinder auf den Bahnkörper gestürzt. Um einen Unfall vorzutäuschen, zog sie bald darauf die Notbremse und erklärte, daß die beiden Kinder, während sie Zur Pädagogischen Woche Die RdsL veranstaltet bekanntlich in der Zeit vom 14. bis 18. April in Teplitz-Schönau eine Pädagogische Woche, deren Programm vollständig ,im Zeichen der Völkerverständigung steht. Als Vortragende wurden angekündigt: Dr. Alfred K l e i n b e r g-Karlsbad, Doz. Dr. Piihoda- P rag, Lehrerin Wilhelmine Tischer-Aussig, Minister Dr. Ivan De r e r-Prag, Lehrer Benno Bräue r-Böhm.-Leipa und Prof. Dr. Emanuel R ä d I-Prag. Das Programm sieht folgende Themen vor: Wie betreibe ich in Geschichte und Muttersprache Völkerversöhnung?— Der Gedanke der Bölkerversöhnung in den neuen Lehrplänen für Volks-, Bürger- und Mittelschulen.— Wie wirke ich für die Völkerverständigung in der Volksschule? — Wie kann der Lehrer für die Völkerverständigung wirken?— Esperanto und Völkerversöhnung.— Wie löst die Demokratie nationale Konflikte? Ebenfalls im Rahmen der»Pädagogischen Woche, aber zu einem späteren Zeitpunkt, spricht Außenminister Dr. Edvard Benes über das Thema»Die kulturellen Aufgaben der Deusschen und Tschechen". Man müßte der Meinung sein, daß alle denkenden Menschen diese Ausgaben und solches Bemühen der sozialdemokratischen Lehrerschaft begrüßen; ja es erschiene wohl selbswerständlich, daß vor allem die deutsche Lehrerschaft gegen das Bestreben, die Völker einander näherzubringen, nichts einwenden könne. Es ist aber doch nicht so, denn des„Teplitz-Schönauer Anzeiger" veröffentlicht ein„Eingesendet, worin ihm aus „Lehrerkreisen" die Mitteilung zugeht, daß„etwas mehr Klarheit über die Veranstalter notwendig wäre"! Kurzum, die„völkischen" Lehrer schaffen „Aufklärung", damit nur ja keiner ihrer Kollegen an dieser Veranstaltung teilnimmt und gar etwas über Völkerversöhnung und Völkerverständigung erfährt, obzwar zwei hervorragende Gelehrte und Pädagogen, zwei tschechoslowakische Minister deutsch und tschechisch über die brennenden Probleme unserer Zeit sprechen werden. Nichts konnte klarer die geistige Einstellung der genannten„Lehrerkresse" offenbaren, als diese hämische Bemerkung zu einer großen Veranstaltung, die im Zeichen der Erziehung, der Völkerversöhnung, der Verständigung steht. Sie Haffen die Pädagogische Woche, denn jeder Lehrer in unserem Staate weiß natürlich, daß sie von der Reichsvereinigung deusscher sozialdemokratischer Lehrer veranstaltet wird und interpretieren durch diese harmlos scheinende Notiz nur jene Auffassung, welche von den nazistischen und nationalistischen Volkserziehern in den deusschen Randgebieten täglich vertreten wird. Blutiger Raub auf offener Straße Halle a. d. S. In der Königssttatze, etwa 35 Meter vom Reichsbankgebäude enssernt, wurde am Donnerstag vormittags ein Feuerüberfall auf den 18 Jahre alten Kassenboten Martin Schmidt/ aus Halle verübt. Der Bote hatte im Auftrage der Bank für- Landwirtschaft 1 0.0 0 0 R M. von der Reichsbank abgeholt. Als er das Bankgebäude verlassen hatte, wurde er von mehreren Uwbekannten überfallen und durch Kopfschüsse auf der Sttatze schwer verletzt. Die Banditen entrissen ihm die Geldtasche und flüchteten in einen bereitgestellten Kraftwagen. Der Wagen, der das Kennzeichen„HI A 1474" trug, dürfte die Richtung nach der tschechoslowakischen Grenze oder nach Süden eingeschlagen haben. Hochrvafserkatastrophe in China Kanton. Ungewöhnlich starke Regen- ä l l e haben während der letzten Tage die Provinz Kanton heimgesucht und zahlreiche Opfer gefordert. Der Tungkiang ist an manchen Stel len mit solcher Gewalt über die Ufer getteten, | daß die Deiche brachen. Die sonst im Schutze der ; Deiche liegenden Ortschaften sind an diesen Stel- ! len völlig überschwemmt worden. Das über- Ein Litauer in Deutschland erschaffen Höxter(Westfalen). In Godelheim erschien bei dem Gendarmeriewachtmeister Meitzner der in Litauen geborene, im nahen Ottbergen ansässige Adam Mecialis, genannt Michialk, um Mit ihm über verschiedene Angelegenhetten Rücksprache zu nehmen. Micialis, der als„aufgeregter unjähzorniger Mensch" bekannt war und gegen den ein Verfahren auf Ausweisung aus Deutschland lief, war„überaus erregt" und wurde bald gegen den Beamten tätlich.„Zuletzt blieb dem Wachtmeister nichts anderes übrig", als in Notwehr von seiner Schußwaffe Gebrauch zu machen. Er traf Mecialis in die Brust. Dieser wurde sofort dem Krankenhause zugeführt, wo er aber kurz nach der Einlieferung verstarb. Befitzgier—14 Tote Mexico City. In einem mexikanischen Kreis wollten sich Bauern der Grundstücke bemächtigen, welche ihnen nicht gehören. Die Polizei schritt ein und machte schließlich von der Schußwaffe Gebrauch. 14 Personen wurden hiebei getötet. , i) u ui ui c i, ö’uvi-iiuiuuii uuv Siru-X.it,Ujciii,»c- Dr. Kolrandr^Kral, Margolins, Moldner,^^^ wurde. Das Auto wurde hiebei zertrümmert Pacobsky, Resl und Sulc vertreten. Dieser Unter-„nd Breithammer schwer verletzt. Der ausschuß wird in seinen Arbeiten fortfahren, so- Chauffeur Oskar T i tz l e r erlitt leichtere bald die einzelnen Organisationen ihre Anregun-, gj erletzungen. Die beiden Verunglückten gen zu den Anträgen ausarbeiten werden. wurden in das Krankenhaus von Feldsberg ge- bund zuerkannt, um eine Erweiterung des vom( Völkerbundssekretariat organisierten Runo- I funkdienstes zu ermöglichen, da der V:r-1 waltungsrat der Carnegie-Stiftung die Verdienste anerkennt, die sich dieser Rundfunkdienst um die' Verbreitung der Verständigung zwischen den Völ-! kern für eine allgemeine Zusammenarbeit erwor- i ben hat.— Den Wateler-Friedenspreis hat der, Holländer M. ÜLateler gestiftet, der in seinem Testament sein ganzes Vermögen der Carnegie- Stiftung unter der Bedingung hinterlassen har, daß aus den Zinsen alljährlich demjenigen em. Preis zuerkannt werde, der für die Sache des Friedens den größten Dienst geleistet oder zur Verhinderung eines Krieges beigetragen hat. Bei einer Wahlversammlung in Marseille gerieten polittfche Widersacher in einen heftigen'• Streit. Einige Revolverschüsse wurden abge- feuert und, als die Polizeibeamten eintrafcn, fanden sie zwei städtische A n g e st e l l t e, die an der Wahlversammlung akttv teilgenommen hatten/ durch Schußwunden verletzt vor. Die Revolverhelden selbst konnten nicht festgestellt werden. Drei Räuber in USSR hingerichtet. Zwei Räuberbanden, die in der Stadt Tula seit langem ihr Unwesen trieben, konnten jetzt unschädlich gemacht werden. Die Unverfrorenheit der Banditen ging so weit, daß ste am hellichten Tage einen Kassker, der mit Lohngeldern unterwegs war, niederschlugen und ihm einen Koffer mit 4000 Rubeln entwendeten. Eine andere Bande, die aus sechs bereits einschlägig Vorbesttaften und aus der Strafanstalt entwichenen Personen bestand, haben im Laufe zweier Monate allein 50 Raubüberfälle auf dem Kerbholz. Das Moskauer Sondergericht verurteilte drei Räuber zum Tode durch Erschießen. Die übrigen erhielten empfindliche Freihettsstrafen. Die Todesurteile sind bereits vollstreckt. In Taschkent (Russisch-Turkestan) wurde eine aus elf Mann bestehende Gruppe jugendlicher Banditen dingfest gemacht und abgeurteilt. Die jugendlichen Räuber, die von Erwachsenen geführt wurden, terrorisierten die Schuljugend, stahlen das Schuleigentum, beraubten die Schüler und schlugen sie blüfig. Der deutsche Spion Bernhueber hat beim Verhör eingestandest, Spionagetättgkeit in Frankreich getrieben zu haben. Bernhüeber ist ein gebürtiger Oesterreicher, war früher Offizier und ist später in deutsche Dienste getteten. Seine Tätigkeit wurde durch einen französischen Journalisten enthüllt, welcher eine private Enquete über die Spionage-Umtriebe in Paris veran- staltete. Bei einer Streikkundgebung vor einer großen KekS-Bäckerei in New Dark kam es zu einem Zusammenswß zwischen 1500 Stteikenden und etwa 100 Polizeibeamten, in dessen Verlauf eine Anzahl Personen verletzt wurde. Zehn Strei- kende wurden verhaftet. Die Polizei erklärte, der Zusammenstoß sei von kommunistsscher Seite herbeigeführt worden. Die Tochter Rasputins, die in einem Zirkus als Tierbändigerin auftritt, wurde während einer Vorstellung in den Vereinigten Staaten im Staate Indiana von einem wütenden Bären schwer verletzt. Sowjetrußland und Bulgarien. Aus Sofia wird berichtet: Am 20. April wird in Moskau die erste Konvention zwischen Bulgarien und der Sowjetunion, betreffend die d»r e k t e P ost- Verbindung teils über das Schwarze M'?r, teils über Rumänien, unterzeichnet werden. Die Sowjetbosschaft in Sofia erklärte durch Vermittlung der Sofioter Presse, daß die Sowjetregi-- rung den Soldaten der russischen WeißenArme On, die gegen die Sowjetunion gekämpft hatten, Amnestie erteilt habe. Düste Soldaten werden aufgefordert, sich bis 15. Oktober bei der Sofioter sowjetrusfischen Gesandsschaft anzumelden, falls sie wünschen, daß sie wieder als Sowjetbürger anerkannt werden. In Bulgarien leben etwa 1 5.0 0 0 r u s s i s&e Flüchtlinge mit sogenannten Nansen-Päss'.n. Vom Rundfunk UWtahltMwartM au« den Programmen: Samstag Prag, Sender L.: 10.05 Deussche Nachrichten. 12.10 Leichte Musik. 15.55 Tanzmusik. 17.05 Vio- linkompositionen. 18.00 Deutsche Sendung: Heilige Woche in Andalusien, Hörfolge. 18.50 Deussche Presse.— Sender S.: 15.00 Deutsche Sendung: Brautlieder von Cornelius.— Brünn: 12.35 Orchesterkonzert. 13.35 ChansonS. 17.50 Deussche Sendung: Halbe Stunde Schrammeln.— Mähr.» Ostrau: 22.85 Orchesterkonzert.— Preßburg: 18.05 Violinkonzert. 16.40 Theater für Kinder, tttt ! spalte ! des 3 lerin Zeitu vier i j Geist« um a i hen Z ! daß k | Leute di- D Bräu tern i und, nen i „Rich mehr Ligen Mien !Sonn imme der D oder „Füh gend' I tionei i Geld: das i daß r ! tern ! den' sagt: !Hochz ring Morc Sur i röche! I ständ Henk« I stein die d ! hand> i Horst i wurd | und I unpo Kerk« j Z uhä den e ' Rauf ; i festm ft zu re ft schon arme ft aber \ Kein ' i Hoch, ! nicht \ i tungl ; i Men I‘ ständ ft Gelä ■ i Lend« ! Mack ! ganz j! es in I Er n I^eß 1 freu« | gab: | Das I ten i | lest l I ein i ft verai ]| Kons jj staat i um den I auf■ ■ E.(5 I lung mit | Ther ruf 1 Orts I ein 1 | lebet I Fuhi I brack I Mit! I das I tiefe I auch I von 1 Ifta 1 weg k aus | meh 1. den I sone I ang< | Fall I nach s Do I ist e I vei 1 Nr. 87 Freitag, 12. April 1935 Girre Hochzeit rrrrd zwei Hinrichtungen om d- »sie die öl- or- der em l'e» >at, cm des zur ille Ze.I : cn, an Unsere deutschbürgerliche Presse erzählt in I spaltenlangen Artikeln, wie es bei der Hochzeit des Brandstifters Göring und seiner Schauspielerin Sonnemann herging. Die„Reichenberger Zeitung" verschwendet für diesen Bericht allein vier Spalten und andere Blätter vom gleichen Geiste nicht viel weniger. Breit wie nur möglich. Ium auch unseren Hakingetn etwas von dieser hohen Freude zu vermitteln, wird da geschildert, daß bei den Hochzeitstruppen allein 18.000 SA- I Leute waren, daß zwei von den Ehrenjungfranen die Töchter des Herrn Kerrl gewesen sind, daß dem Bräutigam ein Morgenständchen von 200 Musikern gebracht wurde, die„Elsas Brautgesang" l und„Sigmunds Liebeslied" spielten und zu denen Herrmann der Brandstifter dann sagte: „Nichts kann die Einheit des Deutschen Reiches mehr dartun, wie die Zusammenstellung der heutigen Kapellen." Da wird jeder Schritt, jedes Mienenspiel und jeder Ton der Hitler, Kerrl, der Sonnemann und Göring genau registriert und immer und immer wieder von dem erneuten Jubel der Masse zu kosten gegeben, wenn etwa die Emmy oder der Herrmann zu lächeln geruhen oder der „Führer und Kanzler"»ehrfurchtsvoll und schwei» | gend" auf der ersten Bank im Dom Platz nimmt. Alles das kann man lesen in hundert Varia- ! tionen. Nur davon, woher man die ungeheuren Geldmittel für die Hochzeit, die Geschenke und das neue Palais des Brautpaares nahm, davon, daß man den ärmsten Berliner städtischen Arbei- ! tcrn vom Arbeitslohn Beträge zurückbehielt, um den Brandstifter bei guter Laune zu erhalten, sagt man nichts. :en; ol- schon bald vor einem Jahr, Die Hinrichtung der i armen Opfer der Mordiuftiz des Dritten Reiches aber hob man sich für einen besonderen Anlaß auf. | Kein besserer konnte gefunden werden als die Hochzeit des Reichstagsbrandstisters Göring, der nicht zum erstenmal seine Borliebe für Hinrichtungen belvieS. So ließ man zwei unschuldige Menschen just unter den Klängen des Morgenständchens»Lobe den Herrn" und dem feierlichen I Geläute ermorden. Wie könnte auch eine so bedeu» tende Feier abschließen, ohne, daß die ganze | Macht des Cäsarentums und gleichzeitig auch ihre ganze Verderbtheit offenbar würde. Hitler hatte es in der Hand, die Verurteilten zu begnadigen. Er machte von diesem Rechte keinen Gebrauch,»r ließ die zwei Menschen, zu Ehren seines Bluts- freundeS Göring, am 10. April 1938 hinrichten, I gab der Feier durch diesen Akt die rechte Weihe. ' Das vergaß man in all den vielen Hochzeitsberichten zu berichten, wir tragen cs der Vollständigkeit halber nach. er- ir» cve ten ü» fia !au i>?i k» er, kie h» te» t N Cll eie w« ifi ils :l- e n. ii :n. o- ge he g: r- he g: Kongreß der staatlichen Amtsärzte. Der Vec« ein und die Sektionen der staatlichen Amtsärzte I veranstalten gemeinsam im Rahmen der fünften | Konferenz prophylaktischer Medizin«inen ganz- staatlichen Kongreß am Sonntag, dem 14. April, um 9 Uhr morgens in Strbsko Pleso. Außer den Vereinsreferaten befinden sich zwei Thnna auf dem Programm: LandeSsanitätsinspektor Dr. E. Grich berichtet über den Komplex der Verhand» langen betreffend die Novellierung des E p i d r» miegesetzes; Dr. I. Klima spricht über das Thema»Arteilstätigkeit des Amtsarztes bei B e- rufskrankhciten." Mit Roß und Wagen... In der Nähe der I Ortschaft Solezim Kielcer Gebiet ereignete sich I ein nicht alltäglicher Unfall, der zwei Menschen» i leben forderte. Als ein mit zwei Bauern besetztes ( Mitleidenschaft gezogenen Balken zusammen und das Fuhrwerk stürzte in den an dieser Stelle sehr | tiefen Bach. Beide Bauern ertranken, I auch die beiden Pferde kamen um. I Ein Haus stürzt zusammen. In dem meist von Griechen bewohnten Stadtteil Jenischehir in Istanbul ist ein dreistöckiges Holzhaus, vermutlich wegen Baufälligkeit, eingestürzt. Bisher wurden aus den Trümmern sechs Tote geborgen. Zehn mehr oder weniger schwerverletzte Personen wurden ins Krankenhaus übergeführt. Mehrere Personen werden noch vermißt. Die Entführungen. Vor kurzem war der angeblich reichst« Mann von Kuba, Eutimw Falla Bonnet, von Unbekannten entführt und nach Zahlung eines Lösegeldes von 3 0 0.0 0 0 Dollar wieder freigelassen worden. Nunmehr ist es der Polizei gelungen, 20 Personen zu verhaften, die in dem dringenden Verdacht der Beteiligung an dieser Entführung stehen. Bei den Verhafteten wurden 1500 Dollar vorgefun» den. Das Verbrechen wird einer weitverzweigrcn Geheimorganisation zur Last gelegt. Außerdem soll der in den Vereinigten Staaten, seit langem gesuchte Gangster Alvin K a r p i s daran beteilig! sein. Ein neuer Rekord wurde vom Flugzeug „D H C o m e t" während eines Fluges von London nach Paris aufgestellt. Es flog von Croydon nach Le Bourget 53 Minuten, wobei es eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 220 Meilen pro Stunde erreichte. ES ist dies das gleiche Flugzeug, mit welchem die Flieger Waller und Jones auf ihrem Rückfluge von Australien nach England mit 13% Tagen einen Rekord aufgestellt hatten. Billard-Weltmeister. Unter großer Beteiligung wurden in Wien die Billard-Weltmeisterschaften zum Abschluß gebracht. DaS Ergebnis lautet: 1. Van Belle(Belgien) 65 Punkt«, 2. Albert (Frankreich) 60, 3. Jng. Reicher(Oesterreich) 52 und 4. S v er i ng(Holland) 47 Punkte. Vom vanriger Wahlkampf Terror und Lügenpropaganda und die Grenzen Ihres Erfolges Die„DieDanzige r B o l k s- st i m m e", unser tapferes Bruderblatt, ist von der Naziregierung aus Rache über den Mißerfolg der Hakenkreuz-Offensive neuerlich auf ein halbes Jahr verboten worden. In der zuletzt erschienenen Folge brachte das Blatt noch eine Darstellung der Propaganda der Nazis am Vortag der Wahl und am Wahltag selbst. Aus diesem aufschlußreichen Bericht entnehmen wir folgend« charakteristische Einzelheiten: Die Nationalsozialisten hatten wieder nichts unversucht gelassen, um den Eindruck zu erwecken, daß„cs in Danzig nur Nationalsozialisten" gebe. Die Oppositionsparteien konnten dagegen auch am Wahltage öffentlich nicht in Erscheinung treten, Sie unternahmen es zwar, soweit Sozialdemokraten und Zentrum in Frage-kamen', neben den Nationalsozialisten wenigstens am Eingang der AbstimmungSlokale in Erscheinung zu treten. Aber auch das gelang nicht durchweg. In etwa 10 Fällen wurden z. B. die sozialdemokratischen Wahlhelfer von Nationalsozialisten vertrieben. Sie wurden teilweise angegriffen, geschlagen und ihnen die Transparente fortgenommen und diese vernichtet. Gegen Mittag wurde auf dem Heumarkt eine Versammlung für die Danzig-Wähler auS dem Reich veranstaltet. Propaganda-Senator Batzer hielt eine längere Rede. Er führte darin u. a aus, daß die Gäste aus dem Reich besser urteilen könnten als ein Teil dec Danziger' aus ihrer Unkenntnis. In Danzig stände man auf Vorposten und darum dürfe man keine Verräter in den eigenen Reihen dulden. Auch im Felde habe man nicht nur jeden Deserteur, sondern auch jeden Feigling und Schwächling erschossen. Der Danziger Rundfunk Keilte am Sonnabend und^gestern Menschen, vyrS- Mikrophon, die über ihre Eindrücke erzählen sollten. Man wollte auch damit noch in letzter Minute Stimmung machen. Gestern ließ der Rundfunk einen Danziger aus Mallorca, einer Insel bei Spanien, mit dem Redakteur des„Vorposten", Strohmenger, sprechen.- Dieser AuSlands-Danziger wunderte sich am meisten über die Bautätigkeit in den letzten Jahren. Die Siedlungen und die neuen Häuser am Rande der Stadt hätten Danzig vollkommen verändert. Leider sagte Herr Strohmenger dem Danziger aus Mallorca nkcht, das? dir Neubauten zum großen, sogar gum größten Teil unter einer Regierung hergestellt find, an der Sozialdemokraten beteiligt waren, während dagegen heute von einer nennenswerten Neubautätigkeit nicht die Rede sein kann. Während des Tages gab der Rundfunk sogenannte Stimmungsbilder von der Wahl wieder. Dabei leistete er sich allerlei„Scherze". So sagte er durch, daß aus den Gebäuden der„Volksstimme" Hakenkreuzfahnest wehen und auf dem Hofe HJ-Angehörige Fußball spielten. Damit wollte man wohl anscheinend sagen, daß der Marxismus nun endgültig tot sei; und zum Zeichen dessen wehe auf den Gebäuden die Hakenkreuzflagge und der Hof werde von nationalsozialistischer Jugend überschwemmt. Aber diese Meldung ist auch in anderer Hinsicht sehr aufschlußreich. Warum ist man so sehr daran in» teressiert, daß Hitler-Jugend auf dem Hofe der „BolkSstimme" Fußball spielt? Die„Volksstimme" hatte man am Sonnabend auch in anderer Weise bedacht. Von dem unserer Expedition gegenüberliegenden Baugerüst wurde versucht, auf das Dach der„VoltS- stimme" eine Inschrift zu Projizieren, welche besagte, daß„auch wir nationalsozialistisch wählen". Die Projektion gelang nicht, wie den Na^snalsozialisten überhaupt manches schief ging, was von Vorausschauenden als böses Vorzeichen gedeutet wurde. Eine„aufsehenerregende" Propaganda führten die Ikationalsozialisten noch insofern durch, indem sie sich fast durchweg die Geschäfte vornahmen, di« nicht„freiwillig" irgendeine Reklame für die Liste 1 durchführtrn. In ganzen Straßenzügen wurden die Schaufenster dieser Gefräste nicht nur in wüstester Weise mit Plakaten beklebt, sondern ost auch völlig mit Farbe beschmiert. Dir jüdischen Geschäfte wurden besonders bedacht: man versah die Schaufenster mit Aufschriften „I u d" und mit Hakenkreuzen. In mehreren Geschäften machte man auch„ganze Arbeit" und schlug gleich die Schaufensterscheiben ein. So in einem Zigarrengeschäft auf der Altstadt, und auch bei dem Schokoladengeschäft von Mix in Langfuhr. Auch auf Pribatwohnungen hatte man es abgesehen, und zwar fast durchgängig nach den Adressen, die der„Vorposten" am Sonnabend genau bezeichnet hatte, wurden in der Frühe des Sonntags schamlose Hetzplakate an die Hauseingänge bekannter SPD-Funktionäre geklebt. Diese sollten jedenfalls als Beweis für die von Nationalsozialisten in Anspruch genommene „Anständigkeit" dienen. Die Aufschriften waren nämlich dementsprechend. So wurde der Angabe „Hier wohnt" mit dem Namen des Betreffenden yoch Zusätze gemacht, wie„die alte SPD» 'S a u", was z. B. auf eine völlig unbescholtene Büroangestellte gemeint wurde. Und dazu dann der skandalöse, als Morddrohung gemeinte Vermerk:„f 7. April 1935." In einigen anderen Fällen verwandte man auf den Plakaten die Beschimpfung„Landesverräter", die damit gleichzeitig auch gegen die fast 90.000 Wähler und Wählerinnen gerichtet war, die sich gestern trotz aller Diffamierungsversuche hinter die Oppositwnsparteien stellten, die man jetzt, nachdem man sie zum Beweis des Deutschtums Danzigs nicht entbehren kann, jetzt doch gern wieder als Deutsche angesehen wissen möchte. Solche Plakate mit widerlichen Beschimpfungen und offenen Morddrohungen wurden bisher t n sechs Fällen gemeldet, darunter auch gegen sozialdemokratische Redakteure und Abgeordnete. Anderen Anhängern oppositioneller Parteien, oder auch nur solchen Wählern, die nicht nationalsozialistische Propaganda an den Fenstern zeigten, warf man die Scheiben ein. Auf Niederstadt sind vier derartige Fälle zu verzeichnen. Alle diese Ausschreitungen haben aber das Gegenteil der von den Tätern angenommenen Wirkung gehabt. Die Betroffenen ließen sich nicht einschüchtern. And in der Bevölkerung trugen diese Vorfälle nur dazu bei, den Abscheu gegen derartige Methoden zu fördern. Der gestrige Sonntag wird ja wohl hoffentlich dazu beitragen, daß diese Exzesse aus Danzig endlich verschwinden. Die Kleinsten als Wohltäter der Größten Bakterien erzeugen aus Zucker das antistorhutischr Vitamin C. Der Skorbut als Dolkskrankheit, umso verbreiteter, je verelendeter das Volk wird; Vor» stufe zur spezifischen Proletarierkrankheit Tuberkulose, entsteht er durch den Mangel an dem Vitamin C. Polarforscher, die Mitglieder der ständigen Staticmen an den Polarkreisen vor allem im Norden, wissen, was es bedeutet,. wenn aus einem der. vielen möglichen Gründe die Zitronensendungen ausbleiben, denn der Zitronensaft war bisher das einzige Mittel, dem an Skorbut erkrankten Körper das lebens» wichtige Vitamin C(C— Ascorbinsäure) zuzuführen. Skorbut erzeugt nicht nur grauenhafte körperliche, sondern auch geistig-seelische Leiden. Im Jahre 1925 begann man in Prag eMen sogenannten„Pilz" zu züchten, den man K o m- b u ch a(sprich: Kombütscha) nannte, der aus Japan stammen sollte. Man setzte ein Stückchen solch schwammiger Gallerte in ein Gefäß mit zuckergesüßtem Tee und binnen Tagen war dieser Tee gesäuert. Diesem Kombuchatee schrieb man fabelhafte Wirkungen zu. Auf gewHnliche Weise konnte zwar die Richttgkeit der Behauptungen nicht festgestellt werden, wber das Geschäft der erfolgreichsten Glückspilze, das der Schwindler, blühte. Behörden schritten ein. Die Wissenschaft sprach das Schlußwort: der Tee war nicht milchsauer; konnte die ihm nachgesagten Wirkungen nicht haben; die sogenannte Kombucha war in Japan nie bekannt gewesen, stammte nicht von dort(Kriegsheimkehrer hatten sie spekulativ in Prag propagiert und mit der echten japanischen Kümbu, deren Absud Kombucha heißt, zusammengeworfen). Der Diqent Dr. S. Hermann enthüllte sie als die Wirkung von drei Bakterienarten— darunter von dem nach ihm als Entdecker benannten Bacterium gluconieum (Hermann) in der Hauptsache— und zwei Hefegattungen. Der Tee war glukonsauer. Zu Sirup eingedickt wurde er klinisch erprobt. Seine Wirkungen waren: blutdrucksenkend und stoffwechselbelebend. Der Sirup wurde wissenschaftlich hergestellt als„Ävmbuchal"»Norgine und bewährte Seite 5 GEDENKET bei allen AnliMtit der Arbeiterfürsorge! Volkswirtschaft und Sozialpolitik Prager Eisenindustrie-Gesellschaft Die Direktoren der Prager Eisenindustrie- Gesellschaft überfielen kurz vor Schluß des vorigen Jahres die Arbeiterschaft ihrer Betriebe mit ungeheuerlichen Plänen. Mehrere hundert Eisen- und Bergarbeiter sollten entlassen werden, und die verbleibende Belegschaft sollte in eine empfindliche Lohnkürzung einwilligen. Die Herren Direktoren taten dabei so, als ob die außerordentlich ungünstige Notlage des Unternehmens sie zu diesem Attentat auf die Lebensbaltung der Arbeiter zwänge. Durch das Eingreifen der Gewerkschaften konnten die Massenentlassungen verhindert werden, und auch die Lohnkürzungen wurden in einem wesentlich beschränkten Ausmaste durchgeführt. Jetzt legt nun der Verwaltungsrat der Gesellschaft den Rechnungsabschluß für das Jahr 1934 vor. Daraus geht hervor, daß die Lage des Konzerns bei weitem nicht so schlecht ist, wie es vor Monaten scheinen sollte. Zwar ist die Bilanz so aufgestellt, daß sie mit einem buchmäßigen Verlust von 29.1 Millionen XL abschließt, aber es wird in dem Bericht selbst zur Erklärung hinzu-- gefügt:«Es ist darin ein« Reihe von Lastposten verrechnet worden, die zum Teil aus früheren Zeiten stammen; das Ergebnis des Berichtsjahres ist durch dies« Posten ungünstig beeinflußt worden." Leider wird darin nicht gesagt, wie hoch diese Lastposten aus früheren Zeiten sind. Man muß deshalb annehmen, daß sie zumindestens so hoch sind, daß sie das buchmäßige Defizit von 29.1 Millionen XL ergeben haben. Die Direftoren scheinen der Auffassung zu sein, daß eine ungünstige Bilanz deshalb notwendig ist, weil die Verhandlungen über die Massenentlassungen der Bergarbeiter noch nicht abgeschlossen sind. Auch eine andere Stelle des Berichtes ist bemerkenswert. Man erfährt, daß im Jahre 1934 die Belegschaft um rund 600 Mann abgenommcn hat. Es wurde also erheblich eingespart, denn auch die Löhne und Gehälter sind gekürzt worden. Es wird besonders hervorgehoben:»Alle Angestellten,' ohne Ausnahme, haben einer neuerlichen Kürzung ihrer Bezüge zugestimmt, um die schwierige Lag« des Unternehmens zu erleichtern. Auch die Arbeiter der Eisenwerke haben in eine Lohnkürzung eingewilligt." Aber die Verwaltungskosten, zu denen di« Aufwendungen für den Berwaltungsvorstand und die Direktoren'zu rechnen find: haben bei einer Höhe von 8 Millionen XL gegenWer dem Vorjahre keine nennenswerte Veränderung erfahren. Man wird auf den Bericht zurückgreifen muffen, wenn die Direftoren der Prager Eisenindustrie»Gesellschaft ihre sozialreaktionären Pläne weiter verfolgen werden. 3«dustrieauSwanderit«s In den letzten Wochen ist aus Oesterreich, Ungarn und aus Rumänien wiederholt die Errichtung neuer Textilwerke durch tschechoslowakische Textjlunternehmungen gemeldet worden. Es handelt sich meistens um Textilunternehmungen aus dem sudetendeutschen Gebiet. Die für das neue Werk im Ausland nötigen Maschinen werden in den heimischen Betrieben abmontiert und ins Ausland verfrachtet. Diese Ausfuhr alter Textilmaschinen hat einen so großen Umfang angenommen, daß die Textilmaschinen erzeugenden Fabriken jetzt von der Regierung das Verbot der Ausfuhr alter Textilmaschinen verlangen. Der Vorgang ist übrigens ein Beweis dafür, wie schnuppe den sudetendeutschen Textilindustriellen daS Schicksal der sudetendeutschen Arbeiter ist. Sie verlegen ihre Produktionsstätten ins Ausland, um sich den Profit zu sichern, der in den von ihnen bevorzugten Ländern wahrscheinlich noch reichlicher fließt als hier, da dort die Gewerkschaften bei der Wahrnehmung der Arbeiterinteressen nicht die Bewegungsfreiheit haben wie in dec Tschechoslowakei. sich sehr. Er hatte aber auch noch eine Besonder» Wirkung, wie sie nur von Vitaminen ausgeht. Dieser Wirkung galten nun im Forschungsinstitute Hermanns jahrelange Forschungen. DaS Ergebnis— auch Tierversuche wurden gemacht—- ist:»Zusammenfassen- läßt sich auf Grund chemischer und physiologischer Untersuchungen sagen, daß die oben beschriebene Symbiose von Baüerien und Hefen aus Zucker C-Aswrbin- säure zu bilden imstande ist. Damit dürste Wohl zum ersten Male der Nachweis erbracht worden sein, daß C-AScorbinsäur« auf mikrobischem Wege auS Zucker entsteht."(Hermann.) Damit ist aber auch zum hundertundeinsten Male bewiesen, daß der Zuckerkonsum für die Bevölkerung auch in Hinsicht auf Skorbutver- hütung und-Heilung lebenswichtig ist. Die Bakterien nehmen wir auf die verschiedenste Wesse' in unseren Körper auf. Der genossene Zuck?r wird dann in uns nicht nur«IS ein höchstkka'« siges NahrungS- und Nervenstärkungsmittel, sondern auch antiskorbutisch wirksam. Wer auch als bakteriell-erzeugtes Vitamin C aus Zucker wird durch Hermanns bedeutende Entdeckung materiell die Bekämpfung des Skorbuts möglich.& B. Seite 6 „ SojlaTbeitt«frof" Freitag, 12. April 1935. Nr. 87 PRAGER Lorbeeren und Kastanien. Eine Anzahl von . Geschäftsleuten" gründete in Neapel eine Gesellschaft namens Umea, die sich mit der Ein- und Ausfuhr von Südfrüchten zu beschäftigen vorgab und in einer Reihe von Städten(Berlin, Dresden, Kattowitz, Prag) Filialen besaß. An der Spitze der Prager Filiale in der Nationalstraß« 22 stand ein Rumäne namens Jakob Landau. Die Gesellschaft blühte bereits ein Dreivierteljahr, ohne bisher etwas anderes getan zu haben/als einen Waggon mit Lorbeeren und Kastanien in die Tschechoslowakei importiert zu haben. Trotzdem— Lorbeer betäubt. Dem Filialleiter Landau gelang es, mit Hilfe eines anderen Kompagnons, Josef Johann Kopp, einen stillen Gesellschafter aufzunehmen, der eine Einlage von K£ 50.000.— leistete... Der stille Gesellschafter begann nach einiger Zeit laut zu werden; aber den beiden gelang es nicht nur, den Tobenden, der sein Geld zurückverlangte, zu beschwichtigen, sondern ihn noch darüber hinaus zur Zahlung weiterer l<ö 20.000.—- zu veranlassen. Da Landau sich noch anderweitig betätigte, war der Firma kein allzu langes Leben be- schieden. Nicht nur hatte er bei verschiedenen Firmen unbezahlte Einkäufe gemacht, es gelang ihm auch, sich von einer leichtgläubigen Dame Xc 15.000.— in bar auszuborgen, wofür er ihr ein Klavier, das, gleich Roseggers fünffachem Schwein, schon mehreren Leuten verpfändet war, zum Pfände gab. Er wurde verhaftet und nach Pankratz eingeliefert. Plötzlicher Todesfall. Gestern morgens stürzte der äOjähriae Revident Josef Kunze aus Wrscho- witz auf dem Wege ins Amt in der Russischen Straße, wenige Schritte von seiner Wohnung, von einem plötzlichen Unwohlsein befallen, zusammen. Vorbeigehende Soldaten wollten ihn zu einem Arzt bringen, doch verschied er auf dem Wege. ticrichtssaal Diebischer Postangestellter zum zweitenmal vor den Geschworenen Rückfälliger Briefmarder— ein Jahr Kerker. Frau und drei Kinder ins Elend l Prag. Der 39jährige Wenzel Douda aus L r a n i I. der Donnerstag vor dem hiesigen Schwurgericht des Mißbrauches der Amtsgewalt angeklagt war. stand nicht zum erstenmal vor den Geschworenen. Bereits im Jahre 1932 sahen wir den Angeklagten wegen des gleichen Deliktes auf der Anklagebank. Ebenso wie diesmal, war Douda auch damals der Ausplünderung von Briefen angeklagt. die bei der Sortierung auf dem Postamt durch feine Hände gingen und in denen er eingelegtes Geld vermutete. Douda wurde damals freigesprochen und mir mit einer Disziplinarstrafe belegt, aber im Dienst belassen. Diesen glimpflichen Ausgang hat sich her Angeklagte. der ö erHerr a k"e"t ist und drei Kinder hat und bereits im fünfzehnten Dienstjahr stand, nicht zur Warnung sein lassen. Seinerzeit hatten die Geschworenen Rücksicht auf di.' Familien- verhältnisse des Angeklagten genommen und auf verschiedene Umstände, die seine verminderte Zurech- nungsfähigkeit. wenn auch nicht wahrscheinlich machten. so doch möglich, erscheinen ließen(Kopfverletzung und erbliche Belastung). Nach diesem ersten Prozeß wurde Douda zur Telegrapchenzentrale versetzt, der auch die Zustellung von Expreßsendungen jeder Art obliegt. In dieser Eigenschaft hatte er unglückseliger Weise wieder mit Briefen zu tun. die öfters Geld enthielten. Denn in dringenden Fällen werden vielfach kleinere Geldsummen im Eilbrief geschickt und meist sind solche Adressaten arme Teufel, die auf solche Art von ZE1IVNG begüterten Verwandten eine momentane dringend notwendige Unterstützung erhalten. Durch längere Zeit gingen nun bei der Telegraphenzentrale Reklamationen wegen nicht zugestellter Expreßsendungen ein, mit deren Sortierung der Angeklagte beschäftigt war. Ueberflüffig zu erwähnen. daß ein Expreßbrief Nachrichten zu enthalten pflegt, die so schnell als möglich zur Kenntnis des Adressaten gelangen sollen und ein Versäumnis unter Umständen peinliche Folgen nach sich ziehen kann. Es erscheint daher auch schwer verständlich, daß die Postverwaltung den seinerzeit aus rein humanen Gründen freigesprochenen Wenzel Douda eine Agenda zuteilte. die ihn wieder in Versuchung führte. Der Verdacht konzentrierte sich bald genug auf Douda und man stellte ihm eine Falle, indem man ihm drei Briefe, in denen ie 20 Kä eingelegt waren, in die-Hände spielte. Erwartungsgemäß verschwandensie. Als man ftirz nachher den Angeklagten festnahm und durchsuchte, fand man in seinenSocken die Banknoten versteckt. deren Seriennummer vorher notiert worden war. Angesichts dieser eindeutigen Beweise legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Das Urteil konnte nicht zweifelhaft sein, um so mehr als der Angeklagte im Ruf eines liederlichen Menschen steht. Das Urteil über dies-n Menschen ist verdient. Schrecklich ist freilich di« Kehrseite: Seine unschuldige Frau und seine drei kleinen Kinder sind d e m Elend preisgegeben. Nach einstimmigemSchuldspruch der Geschworenen verurteilte der Schwurgerichtshof (Bors. GR. K n a u t e) den Angeklagten zu«i n e m Jahr schweren und verschärften Kerkers. 7 rb. Konst and-Wissen Panoptikum Die Menschen find dieselben geblieben, ob sie vor 50.000 Jahren in Neanderthal lebten oder gegenwärtig unter uns zu finden sind: Besitzsucht und Geldgier, maskiert durch eitle Phrasen über angestammte Scholle, Vaterland und Nation, sind seit jeher ihr Ideal gewesen. Aber kein Peffimismus ist am Platz«: es kann und muß besser werdenI „Wenn wir Millionen gehen, alle gegen den Wind gehen, wenn jeder seinen Meter geht, reihen wir Meter an Meter. Wo ist dann die Kraft der Reaktionäre. wo die Kraft des Windes? Wir schreiten fort gegen den Wind um Hunderte von Kilometern." Dieser Refrain des„Marsches gegen den Wind" ist der Grundgedanke der am Dienstag im„Befreiten Theater zum erstenmal aufgeführten Revue„Panoptikum", verfaßt von Boskovec und Werich. Jiri Voskovec-Wachsmann als Besitzer und Konzessionär des Wachsfigurinentheaters„Ben Akiba" zeigt dem P. T. Publikum, welches Werich (Jqn Krtitel Svatopluk Werich) in eigener Person darstellt, in historischer Fotze die Entwicklung des Menschengeschlechtes. Der Neanderthaler Mensch will nur auf der faulen Haut liegen, aber seine Frau gibt ihm keine Ruhe, er muß arbeiten, Erdbeeren sammeln und Steinblöcke tragen. Gedanken schwirren in seinem Schädel und er erfindet ein Wägelchen. Nun hofft«r mehr schlafen und bester «ffen zu können, aber.seine Frau, die nach moderner Damen Art mit Frau Ementhal Streft führt, freut sich, daß diese Erfindung ihnen und ihren Kindern Reichtum bringen werd«. In der malerischen Szene „Der dekadente Mensch" wird die Fäulnis der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft in Rom 337 nach Christi mit Anspielungen auf die Jetztzeit beim festlichen Gelage bloßgelegt. Der Hüter der alten Tradition Nihil Nee Populus(tschechisch„Nie nez närod", Losungswort der Kramak-Sttibrny-Leute) bekämpft alle Fortschritts- und Umsturzideen und wettert gegen die sich Christen nennenden Proletarier. Als Vorbild gibt er der Nation das Nachbarreich, wo man mit den Sozis in Konzentrationslagern usw. kurzen Prozeß macht. Zum Schluffe der Szene kommt die Schreckensnachricht, daß Kaiser Konstantin die neue Lehre angenommen hat und alle beeilen sich, dem Beispiel des Hofes zu folgen. Vokkovec und Werich, welche die Verbindung zwischen den einzelnen Panoptikumdarbietungen Herstellen, tragen das bekannte satirische Gedicht von Karel Havliöek Borovsky„Du bist unser Bruder" vor und liefern, ohne ein Wort daran zu ändern, so den Beweis, daß diese Persiflage des hohlen Patriotts- mus und Nationalismus beute nach 92 Jahren noch immer hochaktuell ist. Nach der theatralisch wirksamen Szene Aber König Wenzel IV. am Vorabend der hussitischen Revolution folgt ein« Satire auf die Erfindung der Buchdruckkunst. Johann Gutenberg ist„Der Mensch, der es gut gemeint hat", als er sein« erste Bibel druckte. Wer von dieser Bibel führt der Weg bis zur Sensations-Extraausgabe des „Expres" u. dgl. Eine hervorragende Leistung fft die Tanzeinlage Gershwin:„Rhapsodie in Blue", Vovgeführt von Joe Jenkik und seinen Girls(am Klavier Prof. E. Schulhof). Den modernen amerikanischen Kapitalismus sieht man in der Szene „Der Mensch, der es zu etwas gebracht hat" und auch in der Szene„Der Mensch auf Raten", in welcher die beiden Installateur« VoSkovec und Werich mit ihrer grotesken Komik Lachsalven Hervorrufen. Zum Schluß wird Ben Akiba, der den Ausspruch tat, es wäre schon alles dagewesen, von allen zerhauen, denn die Krise, wie sie jetzt ist, ist noch nicht dagewesen und was kommt, darf nicht etwas Alte?, schon DageweseneS sein, sondern immer nur etwas Neues. VoÄovec und Werich haben durch das„Panoptikum" wieder den Beweis erbracht, daß das„Befreite Theater" ein wichfiger Faktor in der tschechischen fortschrittlichen Entwicklung ist, r. i. Maß für Maß. Shakespeares Stück von dem Tyrannen, der wegen sexueller Dinge sofort Köpfe rollen läßt, selber aber ärger als die anderen ist, wurde als ein Stück voll aktueller Ideen angekündigt. Wahrscheinlich deshalb, weil hier ein Vergleich mit der Willkür im Hitlerreich naheliegt. Bei der Erstaufführung im Nationaltheater am Mittwoch(„Veta za vetu") überraschte das Stück durch sein« Frischheit, und seine dramatischen und komischen Szenen ernteten Beifall beim Publikum. Außer der vortrefflichen Regie Dostals und der farbenreichen Ausstattung haben zum Erfotz des Abends die Schauspieler beigetragen, fiir welche die Komödie so viele dankbare Rollen bietet: insbesondere Karen(Herzog Vincentio), Dostal(Angelo) und Stöpniökobä(Isabella). r. i. Konzert de? VinhdrmkergesongSvereines„Ty- pographia" in Prag. Sonntag, den 14. Avril, nm 20 Uhr findet im Smetanasaal des Gemeindehauses beim Pulverturm das Konzert des GesangS- vereines.LHpographia" statt, seit besten Begründung gerade 35 Jahre verflossen find. Spielplan deS Renen Deutsch en Theater«. Freitag, bald 8: Margarete. D. 1.— Samstag, hach 8: FigaroS Ho chzeit, B 2. Spielplast der Keinen Bühne. Freitag, Gentleman, Kulturverbandssreunde und freier Berkaus.— Samstag, hach 8: Die große Katharina, Erstaufführung; Der Schlachtenlenker, neuinszeniert. Vcrclnsnadiriditcn Leichtathleten, Achtung) Wir beginnen am Samstag, den 13. April, mit dem S p o r t b«- trieb auf unserem Sommerturnplatz auf der Hetzinsel. Beteiligt Euch schon an den ersten Trainings- stunden, da wir das Kreisturn- I fest vor uns hecken. Wir beginnen um 3 Uhr nach- I mittags. Pünktlich sein! Las der Partei Bezirksorganisation Prag: Sitzung der Bezirks' Vertretung. Montag, den 15. April, findet ud 8 Uhr abends eine wichttge Sitzung der Bezirksvem cretung statt, zu der das Erscheinen aller Mitglieder geboten ist. Mitteilungen aus dem Publikum; Die Bäume knospen, der Schnupfe« blüht! Das) ist der Frühling! Die UebergangSzeit mit ihren ftetst wechselnden Temperaturen hat die meisten Berkühtz lungen auf dem Gewissen. Da heißt's, sich besondere vorsehen: immer sollten Sie eine Flasche Alp«' Franzbranntwein im Haus haben, denn regelmäßig Alpa-Einreibungen machen den Körper widerstand» fähig und gefeit gegen Verkühlungen! Auch der Ar» empfiehlt„Alpa"-Massagen! PRAG Die körperliche Erziehung in Frankreich Die Tschechoslowakei als Beispiel Unsere Leser wird es gewiß interessieren, wie ein Franzose die körperliche Erziehung in der Tschechoslowakei sieht. Selbst wenn alle Behauptungen deS französischen Verfassers nicht allgemeine Zustimmung finden werden, sind die nach- stehenden Ausführungen Pierre Ma- r i e's im Pariser„Populaire" interessant genug, um von uns wiedergeyeben zu werden: Bor uns liegt ein Keiner Band*), welcher ein« große Lehre enthält. Der Autor M. Georges De« marbre, Professor der Körpererziehung am Lhceum Montaigne, hat hier seine im Lauf« einer Reise durch die Tschechoslowakei gemachten Beobachtungen niedergelegt. Es sei bemerk, daß der Verfasser nebenbei er« klärt, daß die Arbeiten der Demeny, Hebert usw. nicht beachtet und nicht zu Hilfe genommen wurden, wie sie es verdienten, daß die überspannte mündliche Wissenschaftlichkeit in den verschiedenen höheren Kursen(auch eine Krittk des„Populaire", welche sich bestätigt findet) di« Regel ist. Und G. Demarbre schließt daraus mit Wehmut in demselben Sinne wie wir:„So ist die Unordnung herrschend, man zertrümmert morgen das, was mqn gestern empfangen hat. Die Menschen denken vor allen Dingen an sich und streiten miteinander und ihre Wissenschaft der Organisatton hat sich an*)„Fl faut reorganiser l'educaticm physiane: l'exemple de la Tchöcoslovaquie" von G. Demarbre, 1 illustrierter Band, Preis 10 Frs.(franco 11 Frs.) bei M. Jacquot, 9, rue Saulnier, Paris(IX). gesicht? der Erfordernisse der Stunde als ungenügend I herausgestellt. • Aber davon sind unsere Genossen überzeugt, denn wir haben es in allen Tönen gesagt. Und zum Vergleiche sehen wir, indem wir G. Demarbre folgen, was dieses Volk, im Jahre 1918 geboren, verwirklicht hat. Bemerken wir, daß diese Veröffentlichung hauptsächlich über das Leben der mächtigen Vereinigung der„Sokoln" berichtet. Um einen vollständigen Plan der körperlichen Tätigkeit der Tschechoslowaken zu entwerfen, müßte man in der gleichen Weise vom Leben der übrigen Sportverbände, z. B. den bedeutenden Verbänden der Arbeiterspoxtler, welche über 200.000 Mitglieder zählen, sprechen. Für ihren Teil besitzen die„Sokoln" 3217 Turnsäle. Wenn man die Einrichtungen der anderen Vereinigungen für Körpererziehung und Sport hinzufügt, bemerkt man, bis zu welchem Puntte die Ausübung der Leibesübungen innerhalb der Bevölkerung dieses 13 Millionen-Volkes gediehen ist. Dieses Resultat wurde durch eine gesunde und demokratische Auffassung der körperlichen Erziehung gewonnen. Die ffchechischen leitenden Kreise haben gedacht, daß in der Tat zehn Spielplätze mittleren Preises mehr wert seien, als ein herrliches Stadion mit mehreren Millionen Kosten und allzuoft leer von Ausübenden. G. Demarbre erzählt das. Erstaunen jener, die ihn führten, als er gestand, daß in Frankreich ungeheuer viel Leute nicht schwimmen können. Dort unten machen sich die Kinder vom sechsten Jahre an mit dieser Hebung vertraut. Kehren wir zu den„Sokbln" zurück. Diese organisieren zahlreiche Leiterkurse für Turnen, Laufen, Touristik, Wintersport, Schwimmen, Rudern f usw. Die Gesamffumme dieses Korps von Leitern list derzeit 23.254(13.617 Männer, 9637 Frauen). I Und dieser Zahl müssen jene der anderen Verbände 1 zu gezogen werden, von denen wir weiter oben I sprachen.. Die Behörden haben, was die Kinder anlangt, ihrerseits ihre Rolle vorzüglich begrfffen. Prag hat ihnen zahlreiche Flächen in freier Luft reserviert, wo die Keinen unter sich sind, spielen können, ohne die Gefahren der Straße fürchten zu müffen. Andererseits haben die Erwachsenen und die Heranwachsende Jugend überall Plätze zu ihrer Verfügung, wo sie üben können: Sportplätze und Badegelegenheiten. Während des Weekend find die Boote auf dem Fluß der Hauptstadt so zahlreich, daß es scheint, als habe die ganze Bevölkerung, oder fast die ganze, sich auf dem Wasser Rendezvous gegeben. Welcher Kontrast— und welche Quell« des Nachdenkens für den Autor, als er, von dieser Reise heimkommend, die Gedanken noch erfüllt von dieser Vision, am Sonntag abend las, daß Millionen Pariser an den Rändern der Route die Vorbeifahrt der Fahrer der„Tour de France" abwarteten. ES gibt in der Tat eine Kluft zwischen der sportlichen Auffassung der beiden Länder. Dort keine Radrennbahnen. Für fie ist das Fahrrad nicht gemacht, um damit in der Runde zu fahren. Kein Hippodrom, denn fie ziehen es vor, mit den Kleinen, mit den Menschen zu beschäftigen. Dies ist nicht wie in Frankreich. Hören wir G. Demarbre weiter:„Man hat es in der Tschechoflowakei verstanden, dem Arbefter Muß« zu geben und gleichzeittg die Vorliebe, sich zu vervollkommnen. Die Arbeiter haben dort unten nicht nur die englische Arbeitswoche, sondern auch den englischen Arbeitstag von durchgehenden acht Stunden, mit einer kurzen Ruhepause, wüche ihnen ermöglicht, das Mittagessen an Ort und Stelle einzunehmen." . So ist der Arbefter frühzeitig frei und nachdem man in seinen Bereich gesunde Lustbarkeit gesetzt hat, wird er nicht daran denkon, in die Cafeoder Schankwirtschaften zu gehen. Verzeichnen wir noch, daß in der Tschechoslowakei die körperliche Erziehung nicht speziellen Professoren anvertraut ist, sondern den Lehrern und Lehrerinnen. In gleicher Wesse unterrichtet det, Lehrer der Bürgerschule, welchem das Turnen an' vertraut ist, gleichzeittg entweder lebende Sprachen,' Geographie, Mathematik oder andere Gegenständ« Die Schüler der Kmnmunwlschülen haben zwe>I Turnstunden pro Woche, aber überall haben fie aste Mittäl zur Verfügung, um sich körperlich zu vervoll's kommnen. Es scheint, daß insbesondere nach des Schule di« größte Anstrengung gemacht wurde, do? das Problem der Körpererziehung gründlich und entft schloffen gefördert wird. DaS Werk G. Demarbre's endigt in einck' llebersicht und einer Kritik dessen, was in Frankreich existiert. Wir finden wieder die oft gemachten Be'! inerkungen über den Mangel an Schullokalen, übet! das Zusammenpferchen der Schüler, über die Regis' aal-Jnftttute, die höheren Kurs«, über die Leitung der Normalschulen für Körpererziehung. Wir werft den uns damit noch beschäftigen müffen, denn dass ist mit unser täglicher Kampf, daß die schwachen^ so schwachen Ansätze körperlicher Schulerziehuntj unseres Landes nicht untergehen unter dem GewiM der wiederholten Irrtümer- Wir unterstreichen es mft Freude,, weil diff Studie des Professors von Montaigne, hinzugefügss zu dem, was wir bereits wissen, und zu den Ersahst rungen anderer Völker, mit Macht zeigt, daß dass Problem der körperlichen Erziehung einer Nation schließlich mit Ordnung, Methode und Hingebung eine leicht realisierbare Sache ist. Aber wir unterstreichen eS auch mft Bitterkeit, daß dieses neue Beispiel wieder einmal aufzeigt, dah Frankreich, welches sich immer als die Avant' garde des Fortschritts ausgibt, im Gegen' teil in diesem besonderen Bereich schreck!»4 imVerzugeist gegenüber dem Rest der Wett.-. j Mit Sorg« gleichfalls, denn nichts gestattoj irgendeinen Opttmismus, weil nichts zeigt, daß Hst Führer erkannten, daß sie eine falsche RoUte eingest schlagen haben, weil alle di« angesannnelten Fehlet' um den Preis einer Sterblichkeit endigen, die viel. I höher ist als früher. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HanS oder bei Bezug durch die Post monatlich liä 16.—. vierteljährig Kd 48.—, halbjährig KC 96.—. ganzjährig Kö 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Post- und Tcle- graphcndircltton mft Erlaß Nr. 13.800/VH/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und LeitungS-A.-G.. Prag.