Nr. 88 Samstag, 13. April 1935 15. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto) DER N DEUTrcHEN&ZIALDEMOKRAT!^CHEN ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochova a. telefon 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHftM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Der nationalfascistische Volksbetrug auf der Anklagebank: Die Rolle der SHF zirk»' et irt*| ksverff lief' Auibauiront gegen Katastrophcnpolltlk Die Kampf rede des Genossen JaKsdi Im Abgcordnctenlians P r a g. In der vorletzten Sitzung des Abgeordnetenhauses ergriff in der Debatte znm Sprengelbürgerschulgesetz als Sprecher unsere; Fraktion Genosse Jaksch das Wort. Heber den Rahmen des Kulturpolitischen hinausgreifend, legte er vor einem aufmerksamen Hause ein kraftvolles Bekenntnis zur historischen Aufgabe der deutschen Arbeiterklaffe auf dem Boden dieses Bölkerstaates ab. Seine scharfe Abrechnung mit den nationalistischen Katastrophenpolitikern sowohl im sudctendeutschen, als auch im tschechischen Lager wurde immer wieder von der Zustimmung des ganzen Linksblocks unterbrochen. Die würdige Bekundung der republikanischen Solidarität des deutschen und tschechischen Fortschrittslagers wurde vom Referenten des Kulturausschuffes, Abgeordneten Bojta Be n e b, in seinem darauffolgenden Schlußwort mit herzlichen Dankesworten quittiert. Dieser führende tschechische Kulturpolitiker, der schon so oft für die gerechten deutschen Schulforderungen öffentlich eingetreten ist, beantwortete die Rede des Genossen Jaksch mit den Worten: Treue um Treue! Vie kulturschöpferische Fähigkeit der nationalen Zusammenarbeit Genosse Jaksch führte nach Erörterung des Sprengelbürgerschulgesetzes u. a. aus: Dieses Gesetz ist ein Produkt der demokratischen Zusammenarbeit deutscher und tschechischer Parteien. Es legt Zeugnis ad von den kulturs ch ö p fe- risch e n F g.h i g,k 5 i i c n dieser Zusammenarbeit. Das zu betonen erscheint umso notwendiger, als es zur Gewohnheit geworden ist, die negativen Seiten der deutschen Mitarbeit grell zu beleuchten, ihre positiven Leistungen aber totzuschweigen. Wir stehen nicht an, in aller Offenheit hier zu sagen, daß die deutsche Bevölkerung dieses Staates in nationalkulturellen Fragen noch viele unerfüllte Wünsche hat, die auch wir als Sozialdemokraten als berechtigt anerkennen. Auf dem Gebiete des Minderheitenschul- wefens konnten bisher nicht alle kränkenden Einseitigkeiten überwunden werden. Auch bei den vorjährigen Restrinktionen im Mittelschulbereich fühlte sich eine Reihe deutscher Städte nicht ohne Grund zurückgesetzt. Demgegenüber steht aber die respettheischende Tatsache, daß die nationale Zusammenarbeit im Staate, in den Ländern und bis hinab z« den Gemeinden es vermocht hat, in fünfjähriger beispielloser Krise den ganzen Sektor unseres öffentlichen Bildungswesens fast unversehrt zu erhalten. Äuf dein Gebiete des Volks- und- und Bürgerschulwesens konnten trotz der Krise erhebliche Fortschritte erzielt werden. Diese Leistung allein reiht die Tschechoslowakische Republik in die schulfreundlichen, in die kulturell-fortschrittlichen Staaten Europas ein. Es ist unser Stolz, an diesem Verdienst einen bescheidenen Anteil zu haben. , Dieses Bekenntnis zur geleisteten Arbeit legen wir in einem Augenblick ab, wo die Bewertung dieser Arbeit im Mittelpunkte einer leidenschaftlichen Diskussion innerhalb des deutschen Lagers steht. Wir ttgen dieses Bekenntnis ab gerade angesichts der »ahnenflucht einer Reihe von Repräsentanten der deutschbürgerlichen Politik aus dem akttvi- stsschen Lager. Für uns ist die nationale Friedensarbeit keine Konjunttursache,.für«ns bedeutet sie die Erfüllung einer historischen Mission, die der deutschen Arbeiterklaffe auf dem Boden dieses Staates gestellt ist. Esist große, aber billige Mode geworden, den sozia- "stischen Arbeitern ihre internattonale Gesinnung dorzuwerfen. Wenn aber dieser Vorwurf aus Zei- iungsspalten erklingt, oder wenn er von Leuten er- Kegierung kür Wahlen am 19. und 26. Mai Prag. Das Konnte der politischen Minister hat Freitag beschlossen, dem Dorsitzenden der Regierung zu empfehlen, daß er dem Präsidenten der Republik die Auflösung beider Kammern der Nationalversammlung in der Weise Vorschläge, daß die Wahlen in das Ab- Seordnetenhaus und den Senat am Sonntag, dem 19. Mai stattsinden können. Die Wahlen i« die Landes- und Bezirksvertretungen werden am dar- auffolgenden Sonntag stattfinden. hoben wird, die die Verbrüderung deutscher und tschechischer Industrieller mit Lobeshymnen begrüßen, dann kann er beim besten Willen nicht ernst genommen werden. Was den Herren Preiß und Liebieg erlaubt ist, das kann auch für die deutschen und tschechischen Arbeiter nicht verboten sein. Weder die deutschen noch die tschechischen Unternehmer haben übrigens ein Recht, sich als Vorbild poli- ttscher Klugheit und Konsequenz aufzuspielen. vle Zick-Zack-Politik des Herrn Rosche Wir haben von dieser Tribüne aus die Wort- fiihrer der deutschen Industrie schon in nattonalen, aber auch in aktivistischen Tönen vernommen. Herr Rosche ist vor wenigen Jahren von der deutschen Nationalpartei gekommen, um innerhalb der Arbeitsund Wirtschaftsgemeinschaft Vorkämpfer überngtto- naler wirtschaftlicher Frontbildungen zu sein. Damals ist er aus der Front des Nationalismus aus- Die Reichsparteileitung des Bundes der Landwirte stellt den Blättern nachstehende Mitteilungen zur Verfügung: „Am Donnerstag, den 11. d. M. fand in Brünn eine Tagung der Landesparteivertretung des B. d. L. statt, in welcher die Kreis-Bor- sitzenden und Kreisleiter über den Stand der Organisationen berichteten. Die Landespartei-Ber- tretung behandelte auch die Resignatton des Herrn Franz Nits ch, Vorsitzenden der Landesparteileitung des B. d. L. für Mähren-Schlesien, sowie die Mandatsniederlegung des Abgeordneten Dr. Fr. Hodina und stellte hiezu folgendes fest: Am 4. Januar 1935 wurde der Exponent der Landständischen Jungmannschaft Franz Nitsch aus Wolledorf zum mährischen Landesvorsitzenden des B. d. L. gewählt. In dieser Sitzung hat sich die L. I. bedingungslos in den B. d. L. eingeordnet. Die L. I. übersendete an demselben Tage ein Huldigungstelegramm an Minister Dr. Spina und erklärte außerdem durch ihren Sprecher, daß sie bereit sei, Minister Dr. Spina Treue und Gefolgschaft zu halten.>Herr Ritsch hatte keinerlei Ursache oder sachliche Gründe, seine Funktion als Landesvorsitzender niederzulegen, dies um so weniger, da ör außerdem noch in den Verhandlungsausschuß des B. d. L. kooptiert wurde, welcher die Beratung mit der SHF führte. Ueberraschenderweise hat sich Herr Nitsch zum Aufläsungsantrag der SHF an den B. d. L. posittv eingestellt und sich dadurch in schwersten Gegensatz zur Landespartei-Vertretung gestellt. Da das sudetendeutsche Landvolk auf sein polittsches Eigenleben nicht verzichten kann, war es klar, daß Herr Nitsch die, Folgerungen ziehen mußte, da er das in ihn gesetzte Verttauen mißbraucht hatte.— Das ist der wahre Sachverhalt. Was Herrn Abgeordneten Dr. H o d i n a anbelangt, wurde festgestellt, daß die Kreis- Wahlleitung Olmütz des B. d. L. im Beisein, der gebrochen, weil er die Fruchtlosigkeit einer rein nega- ttvistischen. Polittk.erkannte. Heute kehrt er reumütig in diese Front zurück. Einmal raus aus den Kartoffeln, einmal rin in die Kartoffel, das ist die Polittk unseres deutschen Bürgertums. Hitlers große Schuld I Die bürgerliche Sammelpolitik, die wir im deutschen"Lager sehen, ist mit einer Auspeitschung der nattonalen Leidenschaften verbunden. Diese Auspeitschung wird mit den unbefriedigenden Ergeb- niffen der nattonalen Zusammenarbeit begründet. Wer dieser Meinung ist, der muß aber den Kampf gegen die Schuldigen führen. Da läßt allerdings das. kritische Vermögen unserer natto- nwlen Gegner sehr zu wünschen übrig.. Sie weigern sich, zur Kenntnis zu nehmen, daß die nationale Zusammenarbeit in der Tschr« choslowakei ihre schwerste Belastungsprobe durchgemacht hat, als es Hitler und Göring gelungen ist, Europa in einen nationalistischen Fieberzustand zu versetzen. Gemessen an der Tragödie des deutschen Volkes und der.furchtbaren Zerrissenheit Europas kann sich die staatspolitische Leistung dieser Koalition sehen lassen. Deutsche und Tschechen haben fich in den vergangenen Jahren auf dem Boden dieser Republik besser vertragen, als sich in Deutschland und Oesterreich die Deutschen untereinander vertrugen. Wir haben der Bevölkerung dieses Staates das hohe Glück des Bürgerfriedens erhalten, wahrend neben uns die Kanonen des Bürgerkrieges (Fortsetzung auf Sette 2) Bezirksvertrauensmänner des Wahlkreises Olmütz bereits am 26. Mai 1834 Herrn Abgeordneten Dr. Hodina aufforderte, sein Mandat wegen parteischädigen- d e n V erhaltens zurückzulegen. Abgeordneter Dr. Hodina, der satzungsgemäß und moralisch verpflichtet gewesen wäre, dieser Aufforderung sofort zu entsprechen, suchte Schutz und Hilfe bei Herrn Mini- st e r D r. Spina, die dieser ihm auch gewährte. Minister Dr. Spina hatte auch die beschließenden Körperschaften belvogen, diesen Beschluß. einstweilen, zurückzustellen. Es ist t i e f b e s ch ä m e n d, daß nun Herr Abgeordneter Dr. Hodina trotz des Entgegenkommens des Ministers und der Bauernschaft des Wahlkreises, sein Mandat am 6. April l. I. niederlegte, nachdem er schon lange vorher sich gerüstet hatte, Verrat an seinen von ihm selbst aufgestellten Grundsätzen zu bege- h e n. Wir stellen fest, daß es Abgeordneter Dr. Hodina war, welcher im Oktober 1932 bei Ausrufung des Sudetendeutschen Landstandes Herrn Minister Dr. Spina als Er st er das Treugelöbnis leistete, das er nunmehr gebrochen hat." * „Der Erkenntnissenat der Reichsparteilei- tung des B. d. L. hat den Abgeordneten Dr. Hodina aus der Partei B. d. L. ausgeschlossen, u. gw. wegen grober Verletzung der Parteidisziplin, Nichteinhaltüng des Gelöbnisses, wegen Parteischädigung und Verbindung mit einer gegnerischen Partei- und Werbung für die gegnerische Partei." * Mit soviel Treue, Verrat, Gelöbnis und Wortbruch ist einer eigentlich reif, selbst„Füh- xer" zu werden. Wenn das nicht möglich ist, dann gehört er wenigstens unter die ersten Treuhänder des„Führers", der wieder dem anderen „Führer" treu ist. und die Demokratie In der Diskussion, die um die Auflösung oder Zulassung der SHF seit Monaten geführt wird, bemühen sich die Presse und die Agitatoren Henleins, das Problem systemattsch zu verschieben. Sie stellen vor allem der tschechischen Oeffentlich- keit die Frage so dar, als handle es sich bei der Zulassung oder Ausschaltung der SHF im Wahlkampf um eine Parteisache der d e ursch e n a k ti v i st i s ch en P ar t e ie n oder insbesondere der deutschen Sozialdemokratie. Sie suchen durch dauernde Loyalitätsschwüre zu erhärten, daß sie weder Fascisten noch Irredentisten seien, daß also kein objektives gesamtstaatliches Interesse an ihrer Auflösung bestehe. Die deutsche Sozialdemokratie aber hat in dem Kampf gegen Henlein niemals nur einen Parteikampf gesehen und wenn sie die Verantwortlichen Faktoren zur Wachsamkeit aufrief, so tat sie es erst recht nicht, um sich etwa einen unliebsamen Konkurrenten vom Halse zu schaffen, sondern als Hüterin der demokratische Idee, für die sie seit Jahrzehnten und lange vor der Entstehung der Tschechoslowakei gekämpft hat und die sie nicht ohne schärfsten Kampf preisgeben wird. Die SHF verkündet täglich, daß sie etwas Neues, nie Dagewesenes sei, daß es ihr um mehr gehe als anderen Parteien. Was ist das Reuean derHenleinbewegung? Daß sie den Kampf eben nicht im Rahmen der Demokratie austragen, sondern daß sie durch ihren Kampf die Demokratie zerstören will. Die SHF sagt ja selbst, sie werbe nicht als eine Partei unter anderen, als gleiche unter gleichen. Sie will alle anderen Parteien vernichte n, sie werde nur dann— wie Henlein Sonntag sagte— sich als Sieger fühlen, wenn sie als Vertretung des gesamten Sudetendeutschtums anerkannt werde und neben ihr keine Partei von politischer Bedeutung mehr bestehen bleibe. Die SHF sagt ja selbst, daß es im Wahlkampf darum gehe, dieParteienschlecht- hin zu vernichten und durch die Totalität der SHF zu ersetzen, mit anderen Worten, die Demokratie zu erschlagen und an ihrer Stelle die Meinherrschaft(oder sägen wir, da zunächst nur der deutsche Settor in Frage kommt: die Alleingeltung) der SHF zu statuieren. Die SHF erttärt dauernd, ihr Kampf gelte dem polittschen S h st e m in der Republik, keiner bestimmten Partei. Wasistdaspolitische System der Tschechoslowakischen Republik? Die in der Verfassung festgelegten Rechte und Freiheiten der Staatsbürger, das allgemeine gleiche Verhältniswahlrecht vor allem, die Gesetzgebung durch das Parlament, die Ministerverantwortlich- keit vor den Kammern, mit einem Wort eben die Demokratie. Ihr gilt der Kampf der SHF. Nun werden selbstverständlich Kräfteverschiebungen im deutschen Lager nicht unmittelbar und entscheidend das Schicksal der Republik gestalten. Wer nicht nur für die Bildung der parlamentarischen Mehrheiten,, auch für die Entwicklung der demokratischen Kräfte im tschechischen Volk, für di-. Durchschlagsttaft der demokratischen Idee, für die Innenpolitik des Staates und mehr noch für sein Ringen um Frieden und Sicherheit nach außen, ist es nicht gleichgültig, ob das Sudetendeutschtum, lvie die SHF es anstrebt, in seiner erdrückenden Mehrheit im Hjtlerlager steht, oder ob es gesinnungsmäßig und ideell mit.der.tschechoslowakischer: Demokratte verbunden bleibt. Die SHF kann bei uns nicht wie ihre Bruderpartei in Deutschland die Totalität schlechthin und mit ihr die Eroberung der Staatsmacht anstreben. Henlein versichert, daß, er. für die Tschechoslowakei die demokratische Verfassung bejahe.^ Das ist soweit glaubhaft, als er d i- demokratischen Freiheiten der demokratischen Verfassung benütz.t, um im deutschen Lager mit Terror und Demagogie alle Anhänger der Demokratie seinen Bestrebungen„gleichzuschalten". Für das Gelingen der Hitlerpolitik ist es ungeheuer wichtig, daß sie in dem dreieinhalb Millionen Köpfe zählenden Zudetendeutschtum starke Bundesgenossen habe» Ein Lied von deutscher Treue B.d.L. charakterisiert die Renegaten— Huldigungen, Gelöbnisse, Treueschwüre— und alles gebrochen Seite 2 SaiEag, 13. Aprfl 1938 9fr. 88 Der Kärntner Fememord Bestialische Abschlachtung des Opfers Klagenfurt. Ueber den von drei Nationalsozialisten in der Nähe der Ruine Tagenbrnnn in Kärnten verübte« Mord an dem Heimwehrangehörigen und ehemaligen Nationalsozialisten Rudolf Mandl wird heute amtlich mitgrteilt, daß die Mörder, die ihr Opfer zu einem Automobilausflug zur Ruine Tagenbrunn veranlaßten, Mandl zuerst von rückwärts in den Kopf schossen, hierauf seine Brüste ntblötzten und ihm rin Messer insHerz stießen. Sodann schleppten sie die Leiche etwa 50 Meter weit und warfen sie in einen Brunnen. Rach verübter Tat fuhren sie in dem Auto zunächst nach Klagenfurt, wo sie in einem Cafs längere Zeit zechten, worauf sie die Reise nach Villach fortsetzten, wo sie den Schnellzug nach Italien bestiegen. Das braucht man in Deutschland als innerpolitisches Propagandamittel(man mutz, nur wissen, welch grosse Rolle in allen deutschen Propagandastürmen, bei Plebisziten in Deutschland und in Danzig der dauernde Hinweis auf die„Brüder im -Ausland" spielt), das braucht Hitler aber auch, um im europäischen.Kräftespiel den Anwalt der deutschen Minoritäten spielen, um seine Revis i o n s p o l i ti k im Ausland mobilisieren zn können. Der deutsche Nationalsozialismus in der Tschechoslowakei hätte diese Rolle spielen sollen. Das Verbot hinderte ihn, sie fortzusetzen. Aber die SHF hat sie übernommen, wie jeder im deutschen Lager, Freund und Feind, heute mit Bc- stimmthest Weitz, nur datz die SHF-Leute ihre wahre Meinung darüber geschickt zu verbergen, Wissen. Die SHF spielt bei ihrer positiven EinstellungzuDeutsch land, bei chrer negativenzurdemokratischenJdee, von Haus aus und selbst dann, wenn sie sich von tätigen Experimenten wirklich zurückhalten sollte, die Rolle der Hitler-Legion in der ESN. Ihre Bedeutung für Hitler wird um so grösser, je näher die SHF dem Ideal der Totalität kommt, je mehr sie den Eindruck zu Wecken vermag, dass tatsächlich die grosse Mehrheit der Deutschen in ihrem Lager stehen. Welche Folgen das aber für die Tschechoslowakei hat, braucht wohl nicht näher erörtert zu werden. Je vollkommener die SHF den Wünschen der Berliner Politik entspricht, um so gefährlicher wird sie für die P r a- g e r Politik werden. Wenn heute sehr ernstzunehmende tschechische Demokraten das Verbot der SHF erwägen, so haben sie als Tschechen und Demokraten allen Grund dazu. Nicht um der deutschen Sozialdemokratie zu Hilfe zu kommen, sondern um die tschechische Demokratie zu schützen, werden verantwortungsbewusste Tschechen das Problem der SHF gründlich prüfen müssen und nicht nach einem formalen Geßchts- punkt lösen dürfen. Dazu kommt freilich, daß wir uns gegen ne, durch und durch fascistischen, Metho- d e n der SHF wehren und dass wir hierbei für den deutschen Arbeiter den. Schuh des Gesetzes verlangen. Was di« Henleinlente als „Denunziation" hinstellen, ist ja nichts anderes als unsere Berufung auf Recht und Gesetz gegenüber der Hetze, der Willkür, dem ökonomischen Druck des Henleinfascismus. Dass eine Partei, weil sie auf dem Boden des Staates steht, als„Verräter an der Nation" denunziert und beschimpft wird, wie es die SHF der Sozialdemokratie tut, ist unerträglich. Dass Menschen, die sich für die demokratische Idee und den Staatsgedanken exponiert haben, dafür aus den Betrieben gejagt werden, wie es den deutschen Arbeitern durch die Volksgenossen Unternehmer von der SHF geschieht, das ist für uns als Partei eine Herausforderung. Dagegen wehren wir Uns mit eigenen Kräften, dagegen rufen wir auch die Hilfe der Faktoren an, die dazu verpflichtet sind, die Rechte der Staatsbürger zu schützen. Ob die SHF für ihr Programm der Totalität, der Schaffung eines grossen nazistischen Blocks dröhnten, wir haben keine Galgen und keine Konzentrationslager gebraucht, um die innerpolitische Stabilität zu erhalten. „Volksgemeinschaft“ mit Herrn Preiß? Wir werfen die Frage nach der innerpolitischri Konzeption der sogenannten.Volksgemeinschaft" auf, die sich heute unter den Fahnen Henleins formiert. Wir fragen: Setzt diese sogenannte Volksgemeinschaft ihre Hoffnungen auf eine Wiederkehr vor allnationaken tschechischen Koalition oder hofft ste auf ein Bündnis mit dem tschechischen Rationalismus? Für die zweit« Version spricht die Rede des Direktors der Zivuobank Dr. Preist, die er unlängst in Teplitz-Schönau vor einem Forum deutscher Industrieller gehalten hat. Es ist. sehr sonderbar, wenn der höchste Bank- und Börsenfürst aus dem Lager der. tschechischen Natioualdeinokratie plötzlich der nationalen Zusammenarbeit das Wort redet, wenn er auf einmal jetzt die Deutschen als Gleiche unter Gleichen reklamiert. Bisher sind gerade aus seinem Lager die Stimmen schärfsten Widerspruches gekommen, wenn di« geringste Konzession an die nationalpolitischen Forderungen der Deutschen gemacht werden sollte. Die Red« des Herrn Dr. Preist in Teplitz- Schönau hätte mehr Gewicht, wenn er nicht nur plawnische Worte an die Deutschen gefunden hätte, sondern wenn er für die Gleichberechtigung In concreto eingetreten wäre. Wir würden unS sehr freuen, wenn auch Herr Dr. Preist und mit ihm die Natio- naldemokrati« dem guten Beispiel des.Pravo Lidu" folgen und sich für die . Errichtung eines deutschen Senders einsetzen würden. Wir würden eS gerne zur Kenntnis nehmen, wenn sich Herr Dx. Preist für eine angemessene Berücksichtigung der Deutsche« im öffentliche« Dienst einsetzt, oder wenn er vielleicht die Gesetzwerdung der Entwürfe Dr. D e r e r S zur Einführung einer teilweisen Schulautonomie den Minderheiten reklamiert hätte. Mer wir können miS nicht des Eindruckes erwehren, dast hier ein unehrliches Spiel getrieben wird, Nir uns— das anständige Tschechentum Man spricht von einer Krise des deutschen Ak- tibismus. Es mutz aber darauf hingewiesen werden, datz da ein zweiseitiges Problem vorliegt. Stärke und Ansehen des deutschen AktiviS- in der Tschechosiowakei, der Schützenhilfe für Hitlers Politik, den agitatorischen und politischen Spielraum im Staate erhält, das ist n i ch t e i n e sozialdemokratische Partei-Angelegenheit, sondern eine Schicksalsfrage desStaates, über die in erster Linie die entscheiden müssen, die vor ihrer Nation und vor dem Richterstuhl der Geschichte dafür verantwortlich sind, dass die Ergebnisse der tschechischen Revolution, das Werk Masaryks und Beness und der 100.000 unbekannten Soldaten dieses Kampfes nicht an die Erben des Pangermanismus und preussischen Militarismus vertan wird l mus wird stets von dem Ausmass ehrlicher Verständigungsbereitschaft im tschechischen Lager abhängen. Wir trauen daher den Gleichberechtigungsschalmeien des Dr. Preiß nicht, solange feine Partei gleichzeitig die Anführer von deutschfeindliche» Demonstrationen auf der Prager Straße stellt. Hier liegt der Versuch vor, mit billigen und unverbindlichen Redensarten die deutsche Jugend in das Menteuer einer tschechisch-deutschen Fascismus hin« einzulocken. Dagegen können wir mit Stolz hervorheben, dast im Lager des tschechischen Fortschrittes ein wachsendes Verständnis für die materielle Not und die schwere politische Aufgabe der deutschen arbeitenden Bevölkerung sichtbar wird. Das sympathische Echo, das unsere Kundgebungen vom 4. November weit über di« Parteiarenzen hinaus in der breitesten Oeffentlichkeit gefunden haben, ist der beste Beweis dafür. Ja, sogar die Rundschau" des Herrn Henlein hat es der tschechischen Sozialdemcckcaiie öffentlich bescheinigt, dass sie sich in allen-nationäl'.n Fragen der deutchen Bevölkerung gegenüber mustersgültig und anständig benommen hat. Um so mehr habe« wir die sittliche Berechtigung, auch in der kritischen Stunde unser Bekenntnis zur Blind» niSpolttik mit der tschechischen Arbeiterklasse und den Trägern des tschechischen Fortschrittes zu erneuern. Unsere große Sendung Mögen die Wellen des Rationalismus hoch gehen, wir bleiben Soldaten der Freiheit, Borkämpfer des Bölkerfriedens, Berteidigrr der demokratisch-republikanischen Grundlagen dieses Staates. Wir bleiben der lebendige Schutzwall gegen den Ungeist des fascistischen und militaristischen Denkens, der in tausenden Kanälen über die Grenzen dringt. Wir bleiben die schärfsten Widersacher jener Spekulanten und Katastrophenpolitiker, die diesen Ungeist in das Fahrwasser ihrer To- takitätSansprsiche lenken wollen."Das^sagen wir angesichts der kommenden Entscheidungen: An der Granitmauer der deutschen Sozialdemokratie wird Die Schristleiterpresse möge sich nicht jetzt mit Schätzungen über den Wahlausgang übernehmen und sie möge das Rätselraten aufgeben, für wen die Arbeiter stimmen werden. Sie soll sich lieber an ihre Blamage vom 4. November erinnern! Damals hat man uns prophezeit, dass wir im ganzen Land keine 20.000 Menschen auf der Totali1ätS-nsPruch de» Herrn Henlein zerbrechen. (Stürmischer Beifall.) Abrechnung mit den Seeienkßufem Die sudetendeutschen Arbeiter find keine chinesischen Kulis, die sich für eine Handvoll R e i s kaufen lassen. Das sage» wir an die Adresse jener, di« die Aktion Demokratie fürs Kind" sabotierten und den R o t f o n d zur Verbesserung der Arbeitslosenfürsorge«chgelehntz haben, während sie heute mit freigebigen Händen Mittel für den Seelenkauf bei den deutschen Arbeitslosen ausstreuen. Die bürgerliche» Klassenkämpfer im deutschen Lagey, die den Arbeitslosen bisher jede Czechkarte mißgönnt haben, die zum Kampfe gegen dasGentek System auSrufen und für die Zwangsarbeit schwärmen, diese Klaffenkämpfer des Kapitalismus wolle»! heute mit der Hungertragödie ihrer Volksgenosse»! politische Geschäfte machen. Mit dem Mantel der, Unparteilichkeit, den einzeln« deutsche Parteien dek .Volkshilfe" bereitwillig umgehängt haben, wird schamloser Mistbrauch getriebeA Gerade die überparteilichen Hilfsaktionen der Göq meinden und Bezirke find durch die Volkshilfe er-i schlagen wottren. Wir werde« ja sehe«, wie die„Bolksbilsi" «ach den Wahle« weiter funktionieren wird! Ä Wer Schindluder treiben will mit der Not unserer arbeitslosen Menschen, der wird der ver-u dienten Anprangerung und Abrechnung nicht ent-i gehen.(Beifall.) Aufbau oder Chaos? Bor die deutsche Bevölkerung und vor die gch samt« Bevölkerung dieses Staates ist die Frage s zur Entscheidng gestellt: Rationalsstisches Cha« oder planwirtschaftlicher Aufbau? Nationale FroiM ten kommen und gehen, Führer steigen empor unt| stürzen herab, aber die Aufgabe blei bi bestehen: Für 400.000 Menschen neue LebenSgrund» lagen z« schaffen«nd unserer darbenden Jugeat den Weg zu einem menschenwürdigen Dasei» freizulegen. Die Fronten formieren sich. Henlein geht mö> jenen, die di«. Arbeitszeitverkürzung ablehnen, jo. die angesichts des Ricsenheeres der Arbeitslose» noch Ueberstunden schinden lassen. Henlein geht mit! jenen, di« die Löhne drücken. Henlein geht mit den TodererS, die mst* Willis»nd frevlerisch unsere Industrie vernichtet haben. Wir aber marschieren mit den Bataillo-I neu des sozialen Aufbaues mit den Seiten frei'! heitlichen»nd fortschrittliche» Kräften deS deutschen Volkes. Wir bekennen uns daher zur historischen Aussi gab«, aus diesem Völkerstaat«in Gemeinwesen del! nationalen und sozialenGerechtigkeit zu schaffe« Dabei wissen wir uns eins mit jenen mutigen»iS freiheitliebenden Deutschen, die am vergangen^! Sonntag vor den Toren des Dritten Reiches i* B ä f e t die rote Fahne au(gezogen haben, mit jo! nen Deutschen, die in Danzig einen herrlich« Beweis sozialistischer(besinnungstreue und UnÄ schrockenheit ablegten. die Beine bringen und 100.000 find aufmakl schiert. Deswegen werden wir auch dieser Gr'- rüchtemacherei nicht das Feld räumen, sondeG kaltblütig und entschlossen den Kampf äufnet! men. Die sozialen Leistungen, die,wir in füm! schweren Jahren innerhalb der Regierung setzt haben, sie sind mit goldenen Lettern in Aufhaufront gegen Katastrophenpolitik (Fortsetzung von Seite 1) Doderer reust gegen Henlein— die Rothauer Arbeitslosen zeugen für unsl Der neue Chauffeur von Oskar Daum . Einmal gerieten sie in Streit, weil Franz sie bat, gegen Martin nicht so hart und abweisend zu sein. Aus zerrissenen Reden Martins glaubte Franz herausgehört zu haben, wie tief es den armen Jungen verwundete, dass Lidunka seiner Musik nicht gern zuhörte und überhaupt gar nichts davon bemerkte, wenn er ihr eine Freude machen Wollte. Sie konnte nicht sagen, warum, aber ste hatte Martin gegenüber das Gefühl, datz er ein böser Mensch war. Franz sah sie erstaunt an. „Ja, solche verwirrte, arme Menschen können doch auch gut sein," fand sie,„aber das ist Martin nicht." Franz wurde sehr traurig über diese Heftigkeit. Er konnte nicht glauben, dass sie recht hatte. „Solche Heftigkeit ist immer ein Beweis dafür, dass man sich nicht sehr sicher und gerecht fühlt," sagt er. Sie glitten von dem Gegenstand ab und redeten von bösen Menschen überhaupt, Hast du schon mal gesehen," sagte Franz,„dass jemand etwas Böses tut, wenn er glücklich ist, Lidunka?" Er glawbte nicht daran, dass es böse Menschen gibt. „Es gibt böse Stunden," sagte er,„die gehen zwischen den Menschen um und können jeden einmal wie eine Krankheit anfallen. Vielleicht gibt es Menschen, die für diese Krankheit besonders empfänglich sind wie andere für Lungensucht. Aber das ist doch nur ein Unglück!" Lidunka wurde still. Ihre Augen, ihre Wangen brannten, wenn Franz so sprach. Sie war so stolz auf ihn!„Ist es denn möglich," dachte sie, „dass es einen solchen Menschen auf d«r Welt gibt und dass der gerade mir gehört?" Und sie sagte absichtlich harte Dinge, damit er sie ihr so einfach und klar widerlege und damit plötzlich alles in der Welt herrlich durchsichtig und hoffnungsvoll werde. Es schien, als brauchte man nur gut zu sein und alles war gut. Es war einer der ersten verspäteten Wintertag«. Eisig fegte der Wind Mer das Flachlands Franz hatte mtt der Erledigung einer Menge von Aufträgen den ganzen Tag in der Stadt verbracht. Es war schon ziemlich spät abends, als er zurückkehrte. Die Strasse war glatt, aber man konnte wohl damit rechnen, dass sie zu dieser Zett leer war. Er fuhr mit 90 Kilometer Geschwindigkeit. Er liebte diese rein« klare Kälte, die in» Gesicht schnitt. Der Motor wärmte den Körper von unten her. Franz hatte es eilig, Heimzukommen. Der alte Lapak sollte heute ins Spital geschafft werden. Der Arzt hatte eigentlich gar nicht so sehr darauf gedrängt. Man hätte den Alten sehr wohl in häuslicher Pflege belassen können, aber er selbst hatte eine Bemerkung des Arztes aufgegriffen und Ueberführung betrieben. In seinen jungen Jahren hatte er einmal nach langer schwerer Feldarbeit im Gebirge einen Unfall gehabt. Und die Spitalswochen waren die glücklichste Zeit aus jener Lebensspanne gewesen. Ein Abglanz des Schlaraffenlandes lag Mer dieser Zett. Auch war der Alte damit zufrieden, dass ihm durch diesen Umzug, der, wie er ahnen mochte, sein letzter war, die Entscheidung Mer das Schicksal seiner eigensinnigen Enkelin entzogen wurde. Herr FeltBeck hatte ihm mtt seinem mahnenden Zureden verwirrt. Der Alte wusste nun nicht, wie er recht tat. Er wollte nicht vergessen, was er seinem Sohn im Grabe schuldig war, wollte aber auch das Mädchen nicht unglücklich sehen. Run schaffte rnan ihn fort, über sein Ja oder Rein würden sich die Zurückgebliebenen Hinwegsetzen. Daran war er nicht schuld. Er war eben gebrechlich und alt und konnte von seinem Bett aus seinem Willen nicht mehr Geltung verschaffen. Franz sauste zwischen dem hohen Schnee zu beiden Setten der Strasse dahin. Noch eine letzte Wegbiegung und er glitt in die Einfahrt des Herrenhauses. Eilig sprang er ab. Wo würde er den Herrn rasch antreffen? Musik klang aus dem Hause. Die ganze Front des ersten Stock- werks war erleuchtet. Heute war der Geburtstag dec gnädigen Frau. Da gab es immer Gesellschaft. Das vergass Herr Feldbeck niemals. Das war seine Art von Zärtlichkeit. Frau Feldbeck wollte es gar nicht. Sie fühlte sich in Gesellschaft nicht wohl. Für sie bedeutete es bloss eine Anstrengung. Mer Feldbeck lieh solche Ausflüchte falscher Bescheidenhett, wie er sich auS- drückte, nicht gelten. Im Salon wurde schon getanzt, das konnte man hören. Franz lieh Herrn Feldbeck herausrufen. ES dauerte lange, ehe er kam. Franz stand in dem endlosen schmalen Vorzimmer. Mädchen liefen mit Schüsseln und Tabletts hin und her. Allzu lange wollte Franz nicht warten. Es war ihm zwischen den Besorgungen in der Stadt gelungen, eine Wohnung für sich und Lidunka ausfindig zu machen. Er freute sich schon, Lidka von den Einzelheiten dieser Neuigkeit zu erzählen. Jetzt kam das Mädchen zurück, das Franz zu Herrtz Feldbeck geschickt hatte:„Kommen Sie direkt aus der Stadt?", fragte sie,„oder waren Sie schon zu Hause?". „Direkt aus der Stadt", sagte Franz. Und das Mädchen verschwand wieder. „Warum muh er das wissen, ehe er zu mir herauskommt?" dachte Fränz. ES fiel wie ein schwerer Nebel über seine glücklichen Gedanken. Unruhe erfasste ihn. Es war, als ob ein Rebel sich über alle Dinge niederliesse, aus dem gespenstische Erscheinungen sich loslösten und auf ihn zukamen. „Was bringen Sie?" Herr Feldbeck stanh vor ihm. Er hatte die Tür hinter sich halboff^ gelassen. In einem grellen Lichtstreifen stand er-! Stimmen, Gelächter, Fühescharren, Musik dranl! hinter ihm aus dem Saal. Franz zog die Briefe und Beftätigunach hervor, die er zu Mergeben hatte. Herr Felda deck betrachtete ihn mit einem seltsam lauerndes Blick.— Oder schien es Franz nur so? „Das Geld bringen Sie nicht?" fragil Feldbeck stirnrunzelnd, indem er die Papiektz flüchtig durchsah. Nein, das brachte Franz allerdings niH „Der Mann hat schon wieder Ausflüchte ber«? gehabt und es hat gar nichts genützt, dass is mich nicht von der Stelle rühren wollte." „Es ist gut", sagte Feldbeck und als FratA nun davonging, schien es ihm wieder, als ob bin ser lauernde Blick ihm folge. Franz wollte sich von unbestimmten Spa^ nungen nicht beklemmen lassen. Er suchte fi* von dem grundlosen Angstdruck zu befreien uv'! seine Schritte immer mehr zu beschleunige^ Sollte er zuerst nach Hause oder zu Lidunka'j Was konnte denn geschehen sein? Nichts, nichts! Die Gartenpforte bei Lapaks war angA lehnt. Im festgefrorenen Schnee vor dem Haüfl sah man noch die Räderspuren, wohl vom Krav^ kenwagen, der den Alten abgeholt hatte. HiA absetts von der Straße kamen Fahrzeuge sove nicht vorbei. Still lag das Haus und ganz dunkel, sis diese Zeit dunkel? Lidunka ging nie um dien Zeit schlafen. Franz dachte den Atem der schlvf senden Kinder bis hinaus zu hören. Er trat die Küche. Nur der Schneeschimmer von d^ Fenstern her gab etwas Licht. Franz hatte bestimmte Empfindung, daß jemand im Züv' mer war.»Lidunka", sagte er leise. .(Schluss folgt.). Ni Gesch scheu auslö find im 9! deren! l o s wei bet« nn! beispi beitsl Perun dend Krise A n k deutsi des§ ben. < die< torö der Leid, Dörs gen 1 stant sere Lieb« bunt der i freie ttnfe Roth ihnei Dich Das And Di Ti ge in all der S haben über i richt e amtlic die m behört und zl borget Preffe Nachr bei de bei de renfrc i Finar anged »nd d Weis» Ni v« derlai des i Richti löhne t e i: heben S das S stimm von! WildI in A Belas genwi der 8 Auße besitze die A fange stellt bühr «er, bene sind. rung die 8 Pers eine nam- lichu Bau- verh. sorg« einz« vorl« Gew Wirt wer« Nr. 88 Samstag, 13. April 193Z Seite 3 ; 9 n. n f| ine ich| ca«I it d hntl bcn Lr- t n j«d lifj* iter är«I Heul sie« der der! nrd >CH.I N«l et>. rfe-i J I Net xr»I :nt«j gt« cagk >nöt :on» unt i tzt! int 1 irrt* isei» wüi ja. ost» mii «Ml* chtet i Nr- frei' icul« »ufq del ffei». uis enfl 5 t«; t i* iche» M0! not* Ä." bet«; ne^! fünf; 8 d 1 W :atd| m i et> :äfli iac«< eM ibe» iiet*! I ■artJj bin »an'; fil ui»! aq tflH mR a«*i &*£ on? Ili« ücst ’ i« b<« Vit toi'! Geschichte dieses Staates und der sudetendeutschen Politik eingetragen. Keine Tinte kann sie auslöschen, kein Geifer kann sie verwischen. Es sind Zeugen aufgestanden, die das Recht haben, im Namen des Werktätigen, des leidenden Sudetendeutschtums zu sprechen, die Arbeitslosen von Rothau. Diese Arbeitslosen von Rothau haben vor wenigen Wochen ein überwältigendes Treuebekenntnis zur Sozialdemokratie, zur Freiheit und zur Republik abgelegt, beispielgebend für das ganze Land. Diese Arbeitslosen von Rothau sind die reinste Verkörperung eines trotzigen Geschlechts, das sich leidend und kämpfend durch die Sintflut dieser Krise durchschlägt. Sie sind die berufenen Ankläger gegen die Verbrechen, welche die deutschen Unternehmer, welche das ganze System des Kapitalismus an der Heimat begangen haben. Wir vergönnen dem Herrn Henlein die Schützenhilfe eines Generaldirektors Doderer. Wir stehen an der Sette der Rothauer Arbeitslosen und ihrer Leidgenoffen im ganzen Land, von den Dörfern des Böhmerwaldes angefangen bis hinüber in die schlesischen Rotstandszentren. Diesen Menschen gilt unsere Sorge, ihnen güt unsere heiße Liebe, ihnen gitt unsere brüderliche Verbundenheit. Sie hinauszuführe« aus der Hölle der Krise auf die Höhe» einer freien, einer glücklichen Zukunft, das ist unser Programm. An der Sette der Rothauer werden wir kümvfen, mit ihnen werden wir siege«, damtt sich das Dichterwort erfüllt: Das Alte stürzt, es ändert sich die Zett And neues Lebe» blüht aus den Ruine«. (Stürmischer Beifall.) Vie unmögliche Steuerpraxis Trapl referiert im Ministerrat— Weisungen an die Steuerbehörden beschlossen Die vielfachen Beschwerden, die namentlich in allerletzten Zeit gegen die unmögliche Praxis der Steuer- und Gebührenämter erhoben wurden, heben dazu geführt, daß sich der letzte Ministerrat über diese Dinge vom Finanzminister einen Besicht erstatten liest. Es heißt diesbezüglich in dem amtlichen Komuniquee: »Bom Finanzminister wurde ein Bericht über die mit der Praxis der Steuer- und Gebührenbehörden zusammenhängenden Fragen erstattet, und zwar im Hinblick auf die in beiden Kammern dorgebrachten Beschwerden und auf die in der Presse und in der Oeffentlichkeit auftretenden Nachrichten über einige Fälle scharfen Vorgehens bei der exekutiven Eintreibung von Steuern und bei der Erledigung einiger Stempel« und Gebührenfragen. Es wurde zur Kenntnis genommen, daß vom Finanzministerium für die Oeffentlichkett in der angedeuteten Richtung Informationen auSgegeben und den znständigen Aemtern die notwendigen Weisungen erteilt werden." kür Aufhebung der Quittungsgebahr von Löhnen bei öffentlichen Bauten Die Genoffen Taub und M a c o u n verlange» in einer Interpellation die Aenderung des! 13 des Gebührengesetzes 84/1928 in der Richtung, dast bei der Auszahlung von Arbeitslöhnen aus staatlichen Kassen keine Quittungsgebühr einzuheben ist. In der Begründung wird darauf verwiesen, dast das Landwirtschaftsministerimn die bisherigen Bestimmungen so auslegt, dast bei der Auszahlung von Arbeitslöhnen bei öffentlichen Bauten, wie Wildbachverbauungen u. dgl., die Quittungsgebühr in Abzug zu bringen ist. Das bedeutet aber eine Belastung der Arbetter, die namentlich bei den gegenwärtigen, sehr ungünstigen Lohnverhältniffen der Bauarbeiter als sehr drückend empfunden wird. Außerdem werden dadurch die bei staatlichen Bauten beschäftigten Arbeiter schlechter gestellt, als die Arbeiter in der privaten Wirtschaft, denen Emp- sangsbestättgungen über den Lohn ja nicht ausgestellt werden und die daher auch der Quittungsgebühr nicht unterliegen. Der Antrag verlangt ferner, dast vorgeschriebene, aber noch nicht eingetriebene Gebühren dieser Art abzuschreiben find. Vorarbeiten für die Selbständigenversiche- nmg. Mit dem Gesetz 148/28 wurde bekanntlich die Versicherung der selbständig erwerbstätigen Personen eingeführt, ihre Durchführung jedoch auf eine spätere Zeit verschoben. Wiederholt haben sich namentlich Gewerbetreibende für die Verwirklichung dieser Versicherung eingesetzt, während die Bauern sich in dieser Frage ziemlich ablehnend verhalten.— Im Ministerium für soziale Fürsorge wurden dieser Tage die Vorarbeiten mit den einzelnen Intereffentengruppen eröffnet, und zwar vorläufig mtt den Vertretern des Handels und des Gewerbes; später soll dann auch mit der landwirtschaftlichen Antereffentengruppe verhqgdelt werden. und Osterei Osterbrot(t Sudetendeutscher Zeitspiegel VITEILO Zwei Symbole des Frühlingsfestes seit altersher. Vergessen Sie nicht, für das Osterbrot bei Ihrem Kaufmann die gute Vitello zu kaufen; Vitello gibt ja dem Osterbrot eine würzige Frische und den angenehmen Wohlgeschmack. Eine Interpellation der tschechischen Nationalsozialisten Stejskal und Hynek befaßt sich mit der Tätigkeit der»Sudetendeutschen Bolkshilfe", die als eine Nachahmung der reichsdeutschen Winterhilfe bezeichnet wird. Darin heißt es u. a.: Die SHV ist in Händen der ehemaligen na- ttonalfozialistischen Partei, deren Mitglieder heute ihre»segensreich« Tätigkeit" in der Henlein-Bewegung etnfalten. Die SHV hat ihr« Vertrauensmänner in Braunau den politischen Methoden Hitlers in allen Stadtteilen und diese folgen Anweisungen auf Unterstützung allen jenen Bürgern aus, die sie als gute Deutsche anerkennen. Diese Vertrauensmänner» die Vertrauensmänner d leinpartei sind, mißbrauchen lang einzig und allein zu polttische« und anritschc- Umsahsteuererleichterungen bis Ende 1935 verlängert. Der freitägige Ministerrat hat be- schloffen, daß die Erleichterungen auf dem Gebiete der Umsatzsteuer, welche aus volkswirtschaftlichen Gründen in den vergangenen Jahren verschiedenen Produksionsgruppen, insbesondere Exporteuren, zugestanden wurden und deren Gültigkeit abgelaufen ist, bis Ende 1938 verläng rt werden. Ein neuer Abgeordneter, der nicht mehr zur Mandatsausübung kommt. Der Innenminister heft an die Stelle des Landbündlers H o d i n a, der aus Anlaß seines Uebertrittcs zur SHF auf sein Abgeordnetenmandat verzichtete, den Grundbesitzer Lothar Kunz aus Mährisch-Braunau ins Parlament berufen. Kunz wird allerdings nicht mehr die Möglichkeit haben, sein Mandat auch tatsächlich auszuüben. Er ist auch nicht einmal mehr zur Angelobung erschienen. Theater den tschechischen Minderheiten im Laufe der regulären Spielzeit eilte Reihe von Veranstaltungen einräumen. Herr Spaeek hat auch eine Attacke gegen die beiden deutschenTechniken geritten, deren eine er unbedingt gesperrt haben möchte. Darauf antwortete ihm Genosse Jaksch: Jeder anständige Tscheche müsse stolz darauf sein, daß auch die deutsche Bevölkerung ein gut ausgebautes Schulwesen besitzet Sn Prozeß um Prof. Lessins Der Prozeß des Gablonzer Nazi- Arztes Dr. Schicketanz gegen Gen. Dr. Strauß. Dr. Schicketanz zieht die Berufung gegen das freisprechende Urteil zurück. Wir haben am 7. Feber 1938 über den Prozeß berichtet, den der Gablonzer Nazi und Augenarzt Dr. Schicketanz gegen unseren verantwortlichen Redakteur» Genossen Dr. Strauß, angestrengt hatte. Gegenstand dieses Prozesses war der Arttkel vom 2. September 1933»Arbeiter und anständige Menschen seid auf der Hutt Ein Fall typischer Hakenkreuzgesinnung", in welchem Herrn Dr. Schicketanz vorgeworfen wird, er hätje die Ermordung des Profeffors Dr. Theodor Lessing» durch die seiner Partei angehörigen Mörder gebilligt. Das Straf-Kxeisgericht in Prag hat am 6. Feber 1938 Genoffen Dr. Strauß von der Anklage vollkommen freigesprochen, weil ihm der Wahrheitsbeweis gelungen ist. Das Gericht hat als erwiesen angenommen, daß der klagende Arzt gegenüber dem ermordeten Prof. Lessing als einem Angehörigen der jüdischen Konfession, seine Verachtung ausgesprochen hat, ja daß ihn die Ermordung des Prof. Lessing weder als Menschen noch als graduierten Intellektuellen berührt hat, ja daß er in seinem Innern mit dem Verbrechen überein- gesttmmt hat. Unser Artikel wurde als scharfe, aber berechtigte Kritik des Privatanklägers bezeichnet. Gegen dieses freisprechende Urteil hat Herr Dr. Schicketanz die Berufung an das Obergericht in Prag angemeldet. Ueber diese Berufung sollte am 17. AprÜ 1938 eine öffentlichemünd- liche Verhandlung vor dem Obergerichte entscheiden. Der Vertreter unseres Mattes. Doktor Sch w e l b, hat aber vom Obcrgerichte soeben die Mitteilung erhalten, daß Herr Doktor Schicketanz seine Berufung zurückgezogen hat. Damit ist das Urteil mit der so treffenden Charakterisierung der typischen Hakenkreuzgesinnung eines sudetendeutschen JnteUektuellen in Rechtskraft erwachsen. chischen Zwecke«, weil fie niemals jemandem eine Anweisung geben, der nicht ein Henleinanhängrr ist. Tschechen und Deutsche, di« in staatstreuen und loyalen Parteien angehörrn»erhalten daher keine Unterstützung. Am ärgsten sind die Tschechen daran. In den früheren Jahren wurden sie vom Gemeindeamt unterstützt, Heuer hat aber das Gemeindeamt f a st nichts erhalten, denn alle Geldspenden und Naturalien riß die SHV an sich. Die Schuld und Verantwortung für all dieses Unrecht, den polittschen Mißbrauch und Terror föällt auf diejenigen, die diese Sammlung bewilligt haben. Die Jllnterpellanten fordern daher mit aller Entschiedenheit, daß diese Sammlungen der SHV künftig nicht mehr bewilligt werden, denn es gehe nichtan, eine humanitäre Sache polttisch zu mißbrauchen. sonst auch er H e«- die Samm- Gegen nationale Brunnenvergiftung Genosse Jaksch reagierte in seiner letzten Parlamentsrede zum Sprengelbürgesichulgesetz auch auf eine vorangegangene Rede des Nationaldemokraten SpaLek, der behauptet hatte, daß in den deutschen Theatern Nordböhmens nicht tschechffch gespielt werden dürfe. Unser Redner stellte dies richtig, indem er hervorhob, daß sowohl in Aussig wie in Teplitz, in Brüx und Reichenbeg V e r- einbarungen bestehen, wonach die dortigen Willkommen! Tagung der Konsumgenossenschaften Heute tritt in Prag der Verband der Wirt- schastsgenoffenschasten zu seinem Verbandstage zusammen, morgen findet die Generalversammlung der Großeinkaufsgesellschaft der Genossenschaften -statt. Aus diesem Anlaß treffen die Vertrauensmänner unserer Genoffenschaftsbewegung in Prag ein. Wir grüßen die Genossen und Genossinnen und wünschen ihren Beratungen denbesten Erfolg! Anläßlich der Tagung gibt sowohl der Verband deutscher Wirtschastsgenossenschaften als auch die Großeinkaufgesellschaft Jahresberichte für die Zeit vom 1. Juli 1933 bis 30. Juni 1934 heraus. Der erstgenannte Bericht charakterisiert die Lage der Genossenschaften einleitend treffend folgendermaßen: Die Berichterstattung unseres Verbandes deutscher Wirtschastsgenossenschaften über die Wirtschaftsergebniffe der angeschlossenen Genossenschaften erfolgt bereits das fünftemal unter dem Eindruck der noch immer in unvermindertem Ausmaße sich auswirkenden Wirtschaftskrise. Seit dem Jahre 1928/29 bis zum vorliegenden Berichtsjahre 1933/34 muhten die Selbsthilfeorganisationen der Verbraucher das schwere Problem lösen, bei einer andauernd nach abwärts gleitenden Kaufkraft der Verbraucher und demzufolge vermindertem Umsatz Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit im Interesse der angeschlossenen Mitgliederfamilien aufrecht zu erhalten. Die Aufgaben, die die verantwortlichen Funktionäre unserer Bewegung unter den obwaltenden Umständen zu erfüllen hatten, waren umso schwieriger, als sich gerade in den Konsumgenossenschaften jene Schichten der Bevölkerung zu wirtschaftlicher Selbsthilfe vereinigen, dje keinen nennenswerten Rückhalt haben und deren Lebenshaltung am meisten unter der Wirtschaftskrise zu leiden hat. Es ist durchaus die Regel, daß ein ansehnlicher Teil der Mitgliedschaft einer jeden Konsumgenossenschaft seit Jahren ohne Arbeit und ohne geregelten Erwerb ist. Unter solchen Umständen ist es als eme volkswirtschaftliche Leistung erster Ordnung anzusehen, wenn es den verantwortlichen Funktionären unserer Bewegung gelungen ist, die Leistungsfähigkeit und die Wirtschaftlichkeit der genossenschaftlichen Unternehmungen— zu erhalten. Der Umsatz der dem Verband angeschlosscnen Vereine betrug 1932/33 832,864.261 Kö, 1933/34 459,982.263 KC, es ist also im letzten Jahre ein Rückgang um 72,881.998 Kö oder um 13.63 Prozent eingetreten. Dieser Rückgang ist allerdings zum Teil auf das Ausscheiden des Kreiskonsumvereines Reichenberg aus der Reihe der dem Verband angehörenden Konsumgenossenschaften zu erklären. Das kommt auch bei der Mitgliederbewegung zum Ausdruck, die von 262.300 auf 247.474, also um 14.826 zurückgegangen ist. Der Rückgang der Anzahl der Mitglieder ist zur Gänze auf den Austritt des vorerwähnten(kommunistischen) Konsumvereines zurückzuführen. Auch der Umsatz der Großeinkaufsgesellschaft, die mit dem Ablauf des Geschäftsjahres 1933/34 den fünfzehnjährigen Bestand des Unternehmens aufweist, ist zurückgegangen und zwar von 292,165.370 Kö auf 281,426.481 Kö, also um 10,738.889 oder 3.68 Prozent, was mit Rücksicht auf die noch immer andauernde schwere Krise ein verhältnismäßig günstiges Resultat ist. Glänzend schneidet die Eigenproduktion der Gec ab, die nicht einen Rückgang, sondern ein Wachstum aufweist. Der Absatz der Eigenprodukte der Gec, welcher im vorigen Jahre 53,005.470 KL betrug, stellt sich im Berichtsjahre auf 84,216.168 KL. Es ist somit eine Erhöhung des Umsatzes um 1,210.698 Kronen eingetreten. Die Bilanzziffern der Gec zeigen die finanzielle und kommerzielle Stärke dieser Zentralorganisation unserer Genossenschaften, die bemüht sind, trotz der schweren Verhältnisse unter denen sie arbeitet, die Wirtschaftlichkeit ihrer Geschäftsfühtung auftecht zu erhalten. Gerade in der Zeit der Krise seit Mehr als fünf Jahren haben sich unsere Genossenschaften als der Fels erwiesen, dem die totbringenden Wellen der Krise nichts anhaben konnten. SVH- ein Abklatsch der„Winterhilfe“ Feststellungen In einer tschechischen Interpellation Flugzeug-Zusammenstoß Beide Piloten und beide Gehilfen getötet Prag.(Tsch. P.-B.) Gestern Nachmittag ereigneten sich, sozusagen gleich- zeitig, zwei Flugzeugkatastrophen. Dor 15 Ahr stürzte bei Vinor ein Flugzeug der Fabrik„A v i a", Thp 57, ab und beim Aufschlagen auf der Erde fing es Feuer. Der Pilot R o v o t n h und der GehUfe S m i d verbrannten dabei. Die Ursache des Unglücks wird untersucht. Kurz darauf kam es zu einem-wetten Flugzeugunfall bei B r a n d e i s an der Elbe und zwar bei Polehrad, wo ei« Flugzeug, ebenfalls der Fabrik „Avia", Thp 56 abstürzte. Der Pilot K o i i und der Gehilfe F i a l a kamen dabei ums Leben. Es besteht jedoch die Vermutung, dast das Anglück der beiden Flugzeuge wahrscheinlich durch ihre» Zusammenstoß in der Luft verursacht wurde. Die Annahme, daß das Anglück auf einen Zusammenstoß zurückzuführen ist, wird durch die nachstehende letzte Meldung bestätigt: Rach Schilderung von Augenzeugen und der Gendarmerie ist es nunmehr einwandfrei sichergesteltt, daß es zwischen den beiden Flugzeugen zu einem Zusammenstoß kam.Die beide« Flugzeuge stießen in einer Höhe von einigen hundert Metern aus bisher«ngeklSrter Arsache zusammen. Hiebei wurde vom Flugzeug„Avia— 56" ein Teil der Tragflüche abgebrochen und das Flugzeug„Avia 57" stürzte kopfüber zur Erde, wo es Feuer fing. Das beschädigte Flugzeug, dem ein Test der Tragflüche abgerissen wurde, flog noch etwa 5 bis6 Kilometer Wetter, wobei deffen Pilot KoLi verzweifelte Laudungsversuche machte, was ihm jedoch nicht gelang. M AR GAR I NE -V. V• Ar?«r«tz,/• Seite 4 GamStag, 13. April 1935 Rr. 88 Frankreich fordert Sanktionen für künftige Vertragsbrüche 23 Kinder getötet 3« eurem Autobus, durch ehre« Ersenbahnzug N e w B o r k. Ei» entsetzliches Autobusunglück hat sich in R o ck v i ll e im Staate Maryland zugetragen. Ein Autobus, in dem sich Schulkinder befanden, wurde auf einem Bahnübergang vom Zuge ersaht und in zwei Teile zerschnitten. In den Rüder» der Lokomotive, die erst 500 Meter nach dem Zusammenstoß zum Halten gebracht werden konnte, hatten sich vollständig zerstük- kelte Kinderkörper verfangen. Wie der Ortspfarrer, der Angenzenge der Katastrophe war, berichtet, wurden die verstümmelten Leichen der Kinder bis auf den nahegelegenen Friedhof geschleudert. 23 Kinder wurden bei der grauenhafte« Katastrophe getötet. Die Dreimächtekonferenz in Stresa hat dem französischen Memorandum beigepflichtet, das auf vier Schreibmaschinenseiten dem Völkerbundsrat die Beschwerde über die deutsche Verletzung des Friedensvertrages unterbreitet. Das Memorandum wird nach Genf gesendet und im Rat von den drei Mächten einvernehmlich empfohlen werden. Man rechnet mit einstimmiger Annahme, da man jede Rüge und jeden Ausfall gegen Deutschland vermieden und nur den Sachverhalt festgestellt hat. Es erübrigt sich zu sagen, welchen Eindruck diese„moralische" und rein platonische Mißbilligung seiner Vertragsbrüche auf Hitler machen und was Diplomaten vom Format der Göring und Göbbels mit diesem Dokument anfan- gcn werden, falls sie es je in die Hände bekommen! In diesem tunkte fördert die Konferenz also wirklich wenig mehr zu Tage als was Mussolini in feinem Artikel im„Pppolo d'Jtalia" versprochen hat— ein Kommuniquee. Von größerem Wert ist ein Vorschlag Flandins, der zwar dem vollzogenen Vertragsbruch Deutschlands ebenfalls nichts entgegensetzt, aber doch Wiederholungen vorbeugen möchte.Flandin schlügt vor, daß gegen wettere Vertragsbrüche Deutschlands(vermutlich aber auch eventueller anderer Dertragsbrecher) mit Sanktionen vorgegangen würde, vor allem mit Entzug jeden Kredits undmttSperre der Rohstoff- e i n f u h r. Dieser Pakt soll von allen Mächte« stgniert werden, die seinerzeit den Briand-Kellog- Pakt gegen den Krieg unterzeichnet haben. Flandins Vorschlag hat insofern eine« größere« Wert als das Memorandum, als er wenigstens für die Ankunft einen praktischen Weg zeigt und am eheste« geeignet sein könnte, in Berlin Eindruck zu machen, wo man nur die Sprache der Macht, nicht die des Rechtes versteht und schützt. Was den D o n au p akt betrifft so soll Musiolini sich bereit erklärt haben, an einem System gegenseitiger Hilfe gegen den Friedensstörer teilzunehmen, doch scheint über Oesterreich noch keine Einigung erzielt worden zu sein.- Macdonald hat eine Ansprache gehalten, die allgemein als Warnung an Deutschland kommentiert wird, obwohl nur in sehr zahmer Form erklärt, daß England den deutschen Weg nicht billige und sich mit Frankreich und Italien in allen Fragen des Friedens solidarisch fühle. Zugleich betont Macdonald aber auch das strikte Festhalten am Völkerbund, was eine Absage an größere Bündnisprojekte bedeutet. Die französische Preffe findet es auffällig, daß in dem Mussolini zugeschriebenen Artikel des „Popolo d'Jtalia" dieKleineEntente und insbesondere die Ts ch e ch o s l o w a k e i als Faktoren in dem Vertragssystem Paris-Moskau nicht erwähnt werden. Samstag mittags soll die Konferenz enden. Es soll aber noch in Stresa die Einberufung einer weiteren Konferenz nach London beschloßen werden, an der dann auch R u ß l a n.d, Deutschland und Polen teilnehmen würden. veutscstland akzeptiert den Nichtangriffspakt für den Osten? Stresa. jHavas) Sir John Simon teilte Freitag abends offiziell mit, daß Deutschland bereit sei, einem, Nichtangriffspakt des Ostens beizutreten, selbst wenn einige Unterzeichner dieser Pakte Sonderabmachungen über Abkommen zur gegenseitigen Beistandsleistung untereinander treffen sollten. TagcsnculglKltcii ein Bummel, der 500.000 Kö gekostet hat. Prag. Der reichsdeutsche Staatsangehörige Rudolf Marschner, welcher vor einigen Tagen nach Prag gekommen war, um seinen Anteil an dem Gewinn der von ihm verliehenen Spielautomaten in Kaffeehäusern, Nachtlokalen usw. einHukassieren, erlebte hier ein böses Abenteuer. Gut gelaunt wegen des reichen Verdienstes, hatte er in Prag in Saus und Braus gelebt, Autoausflüge mit Barmädchen und Streifzüge durch die Prager Nachtlokale unternommen, bis er endlich Donnerstag nachts im„Sect-Pavillon" landete. Dort zog er bald die Aufmerksamkeit auf sich, da er seine dicke Brieftasche mit ausländischen Valuten herumzeigte. Im Laufe von zwölf Stunden— Marschner blieb bis zwölf Uhr mittags im„Sect Pavillon"!— machte er eine Zeche von ungefähr 18.000 XL. Als er in sein Hotel zurückgekehrt war, entdeckte er, daß nicht nur die 18.000 XL weg waren, sondern seine ganze Brieftasche, in welcher er«ine halbe Million XL, hauptsächlich in ausländischen Banknoten, mit sich trug. Die sofort verständigte Polizei durchsuchte die Bar und das Personal, vor allem die Barmad- chen, welche in Münchners Gesellschaft waren und einen Kellner, der sich verdächtig gemacht Hecken soll, doch war von dem Geld nichts zu finden. Piccard steigt wieder anf? Warschau. Dlättermeldungen zufolge wird der berühmte Professor Piccard nach Polen kommen, um mit einigen Firmen über die Anfertigung eines Ballons zu verbandeln, mit dem er einen neuen Stratosphärenftug unternehmen würde. Da»„Fnhrerlied". In verschiedenen SHF. Gruppen wird folgender als„Führerlied" bezeichneter Song einstudiert, der uns in einem hektographierten Abzug vorliegt: Der Führer ruft, das Banner weht im Kampfe uns voraus wer deutsch fi'chlt zu dem Führer steht Wer feig ist bleib zu Haus SHF marschiert. Wir wollen ohne Unterschied des Standes Brüder sein Kameraden nur in Reih und Glied die SHH vereint SHF marschiert Konrad Henlein führt. Es lebe unser Heimatland deutsch mög es immer sein der Heimatliebe heilig Band wer feig ist bleib zu Haus SHF marschiert Konrad Henlein führt. Hier ist alles vereint, was die SHF charakterisiert: ein zunr Kotzen unverdauliches Deutsch, eine Poesie, deren sich die Buschneger schämen würden, die unverkennbare Anlehnung an das Horst Wefsel-Lied, der Anspruch darauf, daß jeder Deutsch-F ü h l e n d e(und darum wahr- scheinlich nicht Deutsch-Sprechende) zu Henlein stehen Müsse, widrigenfalls er als Feigling zu gelten hat, und die Versicherung, daß ER führt, die jeden Untertan der Frage über- hebt, wohin ER denn führt. Zum Prager Kulturtag. Man schreckt uns: I Am 6. und 7. April hielt der Vorstand des Bundes I proletarischer Freckenker in Bodenbach Beratun- I gen ab, die sich insbesondere mit den Vorbereitun- I gen zu dem im Juli in Prag stattfindenden Kul- M turtag beschäftigten. Es konnte festgestellt werden,| daß die Aktion in der Arbeiterschaft eine ungemein 1 günstige Aufnahme gefunden hat. Aus allen I deutschen Gebieten der Republik liegen bereits| zahlreiche Anmeldungen zur Teilnahme vor. 12»' Sonderzüge sind schon gesichert. Da auch in den x tschechischen freiheitlichen Kreisen ein reges Inter-| esse wahrnehmbar ist, so kann mit einer gewaltigen| Kundgebung gerechnet werden. Brandkatastrophe durch Frühlingsgrwitter. In I der Gemeinde Nijni Verecky im Bezirk I Svalava ging heut« morgens das erste Frühlings-« gewitter nieder, das sehr heftig war. Während deS I Gewitters schlug der Blitz ein und zündete. Von I dem ausgebrochenen Feuer wurden zehn! Wohngebäude ergriffen und brannten voll- i kommen nieder. Das Löschen des Feuers war sehr i erschwert dadurch» weil die Spritze des Feuerwehr- N korps nicht funktionierte. Die Gendarmerie und I die anwesenden Beamten des Bezirksgerichtes I organisierten sodann die Löschung des Brandes in i der Weise, daß sie die Bevölkerung dazu verhielten, 1 in Eimern Wasser heranzubringen. Auf diese I Wesse gelang es, ein ganzes Viertel von 35 H ä u-« sernzuretten. Eine Hilfsakfion für die in-1 folge des Brandes obdachlos gewordenen I zwölf Familien wurde organisiert. Ein I Glück für die Bewohner war es, daß das Vich bereits auf die Wecke hinauSgetrieben war. Das täglich« Fliegernnglück. In Huch(im französischen Departement Gironde) stürzte ein« Militärflugzeug ab. Drei Personen I wurden auf der Stelle getötet, zwei verwundet.» Glimpflicher Anfall des„Graf Zevvclin".! In Recife de Pernambuco(Brasilien) ritz wäh- I rend der Landungsmanöver des Luftschiffes„Graf i Zeppelin" ein Halteseil des Ankermastes. Das Luftschiff wurde herumgeworfen, wobei eS an I einige Gebäude stieß. Später gelang es, das Luft-> schiff am. Mast zu verankern. Die ruffische Eisenbahn. Auf der Eisenbahn-I linie nach Perm entgleiste infolge Schienenbruchs 1 ein Personenzug. Eine Person wurde getötet, drei I schwer und sechs leicht verletzt. Abkühlung. Bei frischem Südostwind er-1 reichte die Temperatur in der Republik bei mäßig I bewölttem Himmel g e st e r n nachmittags 18 I bis 23 Grad Celsius. In den Ostalpen, Italien I und auf der Balkanhalbinsel stieg sie stellenweise 1 auf 27 Grad. Bon Spanien her webt nunmehr mit| großer Geschwindigkeit kühlere Luft in Beglettung I von Regenböen und Gewittern. Zürich hatte I gestern nachmittags nurmehr 7, Salzburg gleich-1 zeitig noch 26 Grad Celsius. Auch in Böhmen bil-1 deten sich Freitag gegen Abend Gewitter. Diel Abkühlung wird sich nunmehr auch auf die böhmi-| schen Länder ausbreiten. In der Nähe der Wärme-1 grenze, das ist im mittleren Teile des Staates,! ist stärkere Neigung zu Regentällen zu er-I warten. Für heute: Im Westteil der Republik» unbeständig, strichweise Regen oder G«wit-1 ter, kühler,«Adweftwind. Ein«« Freifahrtschein, welcher zur unentgclt/i lichen Fahrt in der 2. Klasse der Personen-, Eil-,| oder Schnellzüge auf die Entfernung bis 300 kB» hin und 300 km zurück auf beliebiger Strecke, kann j der gewinnen, welcher der 100.000. Besucher de«» Jeschken-Seilschwebebahn sein wird. Der gewon-I neue Freifahrtschein kann auch an andere Person«»« verschenkt werden. Die Beliebtheit der Jeschken-I seilschwebebahn ist derarttg gestiegen, daß deck 100.000 Besucher wahrscheinlich in den Tagen vowt 21.—22. April d. I., d. i. zu den Osterfeiertagc», k erreicht sein wird. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programme« 1 Somttag Prag, Sender L.: 7.80 Konzert aus Karlsbad. 12.15 Konzert. 13.45 Sozialinformationen- 17.30 Dr. Waffermann: Der Arzt in Indien. 17.80 Deutsche Sendung: Seckl: Vorschau auf da- Musikprogramm der tschsl. Sender. 18.00 Stern: Südöstlich der Reufundlandbank, Hörspiel. 22.20 Schall' platten: Brahms.■— Sender S.: 14.30 Deutschs Sendung: Landwirtschaft. 14.45 Arbeitersenduna' Freyburg: Der Strom der Zeit. 15.00 Geistliche und weltliche Lieder.— Brünn: 8.50 Violinduos- 10.00 Frühlingsmelodien. 17.50 Deutsche Sendung! Konzertstnnde: Bach—Händel. 20.40 RadioschraM- meln. 22.30 Hanousek-Salonquartett.— Mähr' Ostrau: 16.00 Heiterer Nachmittag.— PrrßburS- 111.00 Symphoniekonzert. schweren Verhältnissen vor sich gegangen sei. Dir Abgeordneten erhoben sich von de» Sitzen und applaudierten. Dr. BeneS referiert im Ministerrat Prag. In der am Freitag vormittags stattgefundenen Sitzung des Ministerrates erstattete der Minister des Aekkßeren Dr. Benes Bericht über die auswärtige Situatton, insbesondere über die internationalen Verhandlungen, die derzeit stattfinden, sowie auch über die außenpolitischen Fragen, mit denen sich die Sesiion des Völker- bundrateS befassen wird, die für die kommende Woche nach Genf einberufen wurde. Der Ministerrat genehmigt« ferner eine Reihe von Regierungsverordnungen» darunter Vorschriften über das Gewerbe der Erzeugung, der Reparatur und des Verlaufes von Gasmasken und deren Bestandteilen und Vorschriften über die Prüfung der Masken und deren Einfuhr und Ausfuhr. Ferner wurde der Bericht über die Borarbetten zu einem allgemeinenEisen» bahngesetz zur Kenntnis genommen und die Wirtschaftsminister beauftragt, mit Beschleunigung die verbleibenden, unerledigten, prinzipiellen Fragen zu lösen und den endgültigen Text zu beraten. Glcichzeittg wurde beschlossen, eine Son- derkommission für die Aufftellung eines a l l g e- meinenVerkehrsPlanes zu schaffen, die aus Vertretern der beteiligten Ressorts und der Fachkreise zusammengesetzt ist. Handelsvertrag mit Rußland ab 15. April in Kraft. Im gestrigen Ministerrat wurde der tschrchosloivakisch-russische Handelsvertrag und das dmnit zusammenhängende Abkommen über den gegenseitigen Schutz der Rechte des gewerblichen Eigentums angenommen, ebenso die entsprechenden Regierungstundmachungen über die provisorische Inkraftsetzung des Handelsvertrages und d«s erwähnten Abkommens mit Wirksamkeit vom 15. April. Mörderischer Staub Vie Abschiedssitzung des Abgeordnetenhauses Prag. Die letzte Sitzung des Abgeordnetenhauses am Freitag trug den Charakter einer normalen Arbeitssitzung, in welcher noch die Vorlagen über die B e st e u e r u n g der Motorfahrzeuge und über die M i n e- ralolsteuer verabschiedet wurden. Der Referent Gen. Brodeckh regte u. a. an, daß di« Eisenbahn und die Post die nöttgen Berufschauffeure den Reihen der privaten Chauffeure entnehmen sollen, soweit sie den gesetzlichen Bestimmungen genügen. Genosse Brodeckh setzte sich gegen die unqualifizierbaren Angriffe zur Wehr, denen er und Genosse Jng. Winter als Senatsberichterstatter ausgesetzt sind mck die sich sogar zu offenen Drohungen steigern. ES ist nicht wahr, daß die sozialen Forderungen der Chauffeure„von den Sozialisten in Verbindung mit der Bourgeoisie" abgelehnt wurden, wahr ist vielmehr, daß drei der wichtigsten Forderungen der Chauffeure, d. i. die Regelung der Arbeitszeit, der Schlitz derKollektivverträge einschließlich des Minimallohnes und der Schutz der Betriebsausschüsse, in die Vorlage ausgenommen wurden! Nur die Einreihung in die Pensionsversicherung konnte nicht durchgeführt werden, weil hiefür noch alle Berechnungen fehlen. Der Fürsorgeminister hat jedoch ausdrücklich erklärt, daß das Material bereits beschafft wird, um die notwendigen statistischen Unterlagen für die Pensions- versichermig der Chauffeure zu schaffen. Diese Arbeiten sind bereits im Gange. Die Angriffe seitens der kommunistischen Partei nick der Chanffrurgewerkschast find als» absolut unbegründet, falsch u nd beruhen auf erlogenen Voraussetzungen. Gegen die Vorlage liefen der Gewerbepartei- ler Ostry Sturm, er hofft von dem künftigen Parlament, daß es alles beseitigen wird, was in der letzten Zeit„gegen den Gewerbestand" beschlossen worden sei: Ihm entgegnete Netoltcky(National-Sozialist), der der Gewerbepartei ihre Flucht vor der Verantwortung vorwarf. Vor der Erlassung des Gesetzes herrschte im Autobusverkehr eine direkte Anarchie; Hunderte von Auto- busbesitzern hatten überhaupt keine Konzession, die Fahrkartensteuer wurde nie abgeführt, es gab keine Kautionen und keine Versicherung für den Fall, daß den Fahrgästen etwas zustieß. Diese Anarchie mutzte beseitigt werden. Die heutige Vorlage wird keinestvegs mit Jubel begrübt, weil sie keineswegs alle Härten beseitigt, aber sie ist doch ein Fortschritt. Zu den Gegnern des Gesetzes gesellten sich noch S p a 111(Rat.-Dem.) und der deutsche Christlichsoziale B o b e k. Das Haus nahm ferner die Vorlagen über das Verbot von Zugaben beim Warenverkauf und über die Ratengeschäfte an und erledigte dann noch die restlichen Immunitäten. Gegen 3 Uhr mittag schloß der Vorsitzende dir Sitzung mit einer kurzen Ansprache» in der er auf die alljährliche Verkündung des Friedens des Roten Kreuzes am Karsamstag aufmerffam machte und für den Fall» daß»»die heutige Sitzung die l e tz t e in dieser Wahlperiode gewesen" sein sollte» allen Abgeordneten für die schwere und erfolgreiche Mitarbeit auf gesetzgeberischem Gebiet dankte» die unter so außergewöhnlich Millionen-Schaden in USA New N o r k. Wie aus Kansas berichtet wird» wurde der Süden und der Mittclwrsten der Bereinigten Staaten erneut von furchtbaren Sandstürmen heimgesucht. Die Stürme, die von den Staaten Kansas» Colorado» Wyoming» dem westlich« Oklahoma» Texas und Reu-Mexiko ihren Ausgang nahmen» breiteten sich mit rasender Geschwindigkeit über Iowa«nd Arkansas bis nach Ohio«nd Tennessee a«s. Der Schaden» den vor allem die Landwirt- s ch ast erlitten hat, ist ganz ungeheuer. Er wird allein für di« Weizenernte auf 30 Milli o n c n Dollar geschätzt. Taufende von Farmern verlassen mit ihre» Familien die verödeten Felder und ziehen nach Osten» um sich vor dem mörderischen Stand zu retten» der die Menschen mit dem Erstickungstod« bedroht und vor allem bei Kindern sehr — Flucht tausender Farmer häufig zu schweren Lungenentzündungen führt, zumal er selbst durch Fensterritzen dringt«nd in einigen Staaten bis zu 15 em Höh« liegt. Jr. zahlreiche» Orffchasten liegen alle Geschäfte völlig darnieder. Di« Schulen find geschlossen. In einigen Gegenden hat sich der Staub infolge des Da- zutretrns von Regenwolken z« Schlamm verwandelt» der als Regen vom Himm:l kommt. Selbst in Chicago machen sich die Auswirkungen dieser Naturkatastrophe bemerkbar. Die im dortigen Bahnhof eintrrffenden Züge aus dem Westen und Süden sind völlig mit Staub und Schlamm bedeckt und treffen mit Verspätung bis zu sechs Stunden ein, da die Signallichtrr durch Sand«nd Schlamm verklebt sind. Nr. 88 SamStag, 13. April 193S „Soziakßemokrak" Seite 5 Nicht zögern mit der Schuhreparatur! Schuhe, die Sie uns bis 14. April anvertrauen, reparieren wir binnen 3 Tagen. Später übergebene Aufträge können erst » nach den Feiertagen fertiggestellt werden. Nationalistischer Wahnsinn illustriert durch zwei Gerichtsverhandlungen Prag. In einer Zeit, da große Völler dem nationalistischen Massenwahn verfallen, der zu nichts anderem führen kann, als zur Ausrottung der Kulturmenschheit, wenn dem Amoklauf der Tollhäiisler nicht rechtzeitig Einhalt geboten wird, ist jedes Symptom dieser Massenpsychose bemerkenswert. In diesem Sinne verzeichnen wir diese zwei Verhandlungen vor dem hiesigen Kreisgericht. I. Verkommener Alkoholiker und Hitlerverehrer.des Randes«»geklagt, verteidigt sich mit„nationaler Entrüstung". Vor dem freitägigen Schwurgericht(Dorf. OGR. V ä v r a) war der 50jährige Rudolf D o n d a aus R a k o n i tz des Verbrechens des Raubes ang'eklagt. Die Anklage führt aus: Am 21. Jänner d. I. besorgte ein gewisser Josef L u k ä L in einem Rakonitzer Laden einige Einkäufe und legte nach Verlassen des Geschäftes auf der Straße das Wechselgeld, darunter eine Fünfzigkronennote, in die Brieftasche. In diesem Augenblick sprang ei» Unbekannter auf ihn zu, versetzte ihm einen Fußtritt, schlug ihn einigemal ins Gesicht und entriß ihm die Fünfzigkronennote, worauf er die Flucht ergriff. Es folgte eine wilde Hetzjagd, wobei sich der Angreifer mehrfach vergeblich zu verbergen suchte. Die Verfolgung endete in dem Hause, in dem der Angeklagte als Untermieter wohnte. Er sperrte sich in sein Zimmer ein und ließ sich erst nach längeren Verhandlungen herbe», die Tür zu öffnen und dem inzwischen geholten Porizisten zu folgen. Und nun die Verteidigung des Angeklagten: Von Raubabsicht keine Rede! Von der entrissenen Fünfzigkronennote wisse er nichtSi Bor dem betreffenden Laden habe er lediglich eine Auseinandersetzung mit zwei Leuten gehabt, die vor einem Auto standen und laut deutsch redeten. Er habe sie aufgefordert,„nicht zu pro- voziereu" und als er eine grobe Antwort erhielt, habe er einem der beiden eine Ohrfeige gegeben und sei dann geflohen, weil er„nichts mit der Polizei zu tun Haber: wollte". Der Angeklagte ist nach Feststellung der Gerichtsärzte schwerer chronischer Alkoholiker. Seine eigene Tochter sagte vor Gericht aus, daß er längst von seiner Familie getrennt lebe und nur gnadenweise von ihr Zuwendungen erhalten habe, damit er sein Leben fristen könne. Im übrigen wurde durch keinen einzige« Zeuge« die Verteidigung des Angeklagten hinsichtlich der angeblichen„Provokation" bestätigt. Insbesondere erklärte der Hauptzeuge Lukäs, dem die Banknote enrissen Und der durch die Faustschläge des rabiaten Säufers leicht verletzt wurde, unter voller Bestätigung der Anklage, daß er mit niemandem deutsch gesprochen habe und der Angeklagte also auch nicht von ihm„provoziert" werden konnte. Den Gipfelpunkt des Grotesken erreicht die Sache aber dadurch, daß der „national entrüstete" Angeklagte wegen des Ausrufes„Heil Hitler" vorbestraft ist! Soweit der gerichtsmäßig festgestellte Sachverhalt. Und hier das Verdikt der Geschworenen: Der Angeklagte wurde vom Verbrechen des Raubes fveigesprochen und bloß wegen leichter Verletzung zu vierzehn Tagen Arrest verurteilt. Urteile zu kommentieren ist nicht gestattet... n. Abfuhr eines tschechischen Hitler«gentem Vor dem Senat M a r e i e k war der 28- jährige Kutscher Josef H a n z l i k der Aufreizung gegen den Staat und der rohen Schmähung der Staatsnation angeklagt. Der Angeklagte, der selbst tschechischer Station ist, hatte eines Sonntags die auf dem Dorfplatz des Dorfes Piskoupky versammelte Dorfjugend mit einem lauten„Hell Hitler" begrüßt. Dieser Gruß fand in dem' tschechischen Dorf keine Gegenliebe und so erging sich der Angeklagte unter Schmähungen seiner eigenen Ration in Lobpreisungen Hitlers, wobei er u. a. erklärte, er selbst würde sich gegebenenfalls die Uniform des Dritten Reiches anziehen und nicht auf die Hitlertruppen schießen, sondern auf die eigenen Landsleute. Der Bursche bekam seinen Lohn auf der Stelle ausgezahlt und wurde dann der Gendarmerie übergeben. Wir wissen, welche Kreise in beiden „n a t i o n a l*e n Lagern" an solcher Propaganda ihre Freude haben. Nur wird der deutsche Spießbürger, der in seiner grenzenlosen Borniertheit derartige Fäll« begrinst, erkennen müssen, daß solche Agitation auch ihre unangenehmen Seiten hat. Denn vor Gericht erklärte der Angeklagte, er verdanke seine„nationale Einstellung" der Erziehung in den Schulen des„deutschen Schulvereins". Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu zehn Monaten schweren Kerkersunbedingt. ib. Eine Schlacht gegen Seeräuber Schanghai. Nach Meldungen aus Nanking kam es zwischen dem chinesischen Sicherheitsdienst und Piraten an der nördlichen Küste der Provinz Äiangsu zu einer blutigen Schlacht. Mehrere Seeräuberbanden hatten sich vereinigt und insgesamt 50 Dschunken zum Kampf mit der Seepolizei gestellt. Den Beamten gelang es schließlich, die etwa 300 Piraten in die Flucht zu schlagen. Ueber 20 Seer ä u b e r wurden getötet. 12 Dschunken fielen in die Hände der Polizei. Große Mengen von Waffen konnten erbeutet werden. Staudamm-Bruch. Aus allen Teilen des Siegenlandes(Westfalen) werden schlvere Hoch- ivasserschäden infolge der Schneeschmelze und der Niederschläge der letzten Tage gemeldet. Besonders schwer wurde der Ort Liktfeld betroffen. Hier brach in der Nacht zum Donnerstag oer Staudamm eines großen zur Elektrizitätsgewinnung benutzten Weihers und überflutete in kürzester Zeit den Ort. Die Einwohner wurden vom Wasser im Schlafe überrascht. In einzelnen Häusern stand das Wasser schon kniehoch in den Zimmern, als die Bewohner es bemerkten. Sie retteten, nur ganz notdürftig bekleidet, ihre Kinder und das Vieh, das vielfach schon bis zum Hals im Wasser stand, nach den oberen Stocklverken. So schnell, wie das Wasser gekommen war, so schnell war es auch wieder abgeflossen. Es ließ große Verwüstungen zurück. Alles, was nicht befestigt war, war fortgeschwemmt. Der Schaden läßt sich nicht annähernd beziffern, ist aber sehr bedeutend. Die Wassermassen, die sich in das Dorf ergossen, schätzt man auf 15.000 Kubikmeter. Menschenleben sind glücklicherweise nickt zu beklagen. Wie man in England Gewerkschaftsmitglieder gewinnt. Die Rekrutierungskampagne des Britischen Gewerkschastsbundes(TUE) zeitigt erfreuliche Resultate. Bis jetzt wurden insgesamt nahezu 40.000 neue Mitglieder geworben. Um die Tätigkeit anzuregen, hat der Generalrat des TUE beschlossen, dem weiblichen und männlichen Mitglied, das in einem Jahr die höchste Zahl von Neurekru- tierungen erzielt, eine goldene Medaille zu verleihen. Dieses Mitglied wird ferner für ein Jahr Inhaber eines silbernen Pokals werden. Kapitalflucht aus der Schweiz! Der Bericht der Schweizer Nationalbank verzeichnete am letzten Wochenende einen Goldabfluß von nicht weniger als 9 2 0 M i l l i o n e n XL aus diesem Lande, das bisher vom wandernden Kapital als Asyl so bevorzugt wurde, daß die Schweizer Banken ausländischen Einlegern schon seit Jahren keine Zinsen mehr zahlten. Allerdings schätzt der neue eidgenössische Finanzminister Hermann Obretsch die ausländischen Guthaben auf über18MiI- l i a r d e n XL. Man vermutet, daß die Abziehung der 920 Millionen auf die Furcht der Besitzer zurückzuführen ist, daß auch die Schweiz demnächst den Auslandswert des Fränkel» herabsetzen wird, so daß man beim Wechseln in anderen Ländern einen beträchtlichen Verlust erleiden würde. Blutiger Ueberfall auf Polizisten. Eine Polizeistreife, bestehend aus zwei Polizisten in Zivil, wurde gestern nachts in UFhorod von einem Mann überfallen, der den Polizeimann Bklohlävek ohne jede Ursache mit einem Brecheisen über den Kopf schlug und ihn schwer verletzte. Der zweite Polizist wollte gegen den Angreifer einen Schuß aus seiner Dienstpistole abgeben, doch versagt« die Waffe, worauf sich zwischen ihm und dem An- gleifer«in Handgemenge entwickelte. Dann flüchtete der Mann und hinterließ verschiedenes Diebsgut, darunter 40 Liter Wein. Die Polizisten hatten in dein Angreifer den bekannten Gewalttäter und Dieb Alexander K o v ä 6 erkannt. Die Nachforschungen wurden eingeleitet. Schmuggler. Gestern zeitlich früh stieß eine Streife der Grenzfinanzwach-Abteilung Bodolovo im Bezirk Berehov» auf eine Bande von Schmugglern ans der Gemeinde Bodolovo, die sich auf dem Rückwege aus der ungarischen Gemeinde Tarpa befand. Als die Schmuggler der Aufforderung der Finanzwachorgäne, stehen zu bleiben, keine Folg« leisteten und im Gegenteil die Flucht ergriffen, machten die Finanzwachorgane von der Waffe Gebrauch. Durch einen Schuß in das Knie wurde der 21jährige ledige Arbeiter Josef Jakob aus der Gemeinde Bodolovo verletzt; er wurde in das Berehovoer Landeskrankenhaus geschafft. Grotzfeuer. In der Stadt Aamagata (Japan) brach aus noch unbekannter Ursache Feuer aus, da sich mit-unheimlicher Schnelligkeit der breitete und trotz aller Bemühungen der Feuerwehr in kurzer Zeit 60 Häuser, darunter das Be- zirksamt, das Postgebäude und das Gymnasium in Schutt und Asche legte- Ei« schweres Unglück, das durch unverantwortlichen Leichtsinn verursacht wurde, ereignete sich Freitag in Weißensee bei Erfurt. Als ein Omnibus neuen Brennstoff aufnehmen wollte, setzte ein Mitreisender in unmittelbarer Nähe des offenen Tanks ein Streichholz in Brand. Im gleichen Augenblick entzündete sich das Benzin und wenige Sekunden später ergriffen die Flammen den ganzen Wagen. Der Kraftwagenführer, der sich neben dem in Brand geratenen Tank befand, erlitt ebenso wie zwei andere Mitfahrende, schwere Brandwunden. Die übrigen Fahrgäste, die im Wagen saßen, mußten die Fensterscheiben zerschlagen, um ins Freie zu gelangen. Dabei zogen sich einige Insassen Schnittwunden zu. Die drei Schwerverletzten wurden nach Anlegen von Rötverbänden in das Erfurter Krankenhaus gebracht, die anderen sechs konnten in ihre Wohnorte gebracht werden. Der Omnibus ist völlig verbrannt. Das Mißtrauen der Sparer in Deutschland Im Jahre 1933 wurden von den Sparkassen Deutschlands über 625 Millionen Reichsmark mehr zurückgezahlt, als bei ihnen eingezahlt wurden. In den vorhergehenden Jahren hatten die Einzahlungen die Rückzahlungen stets stark übertroffen. 1934 melden die deutschen öffentlichen Sparkassen zwar eine Steigerung der Spareinlagen um 1500 Millionen Mark. Aber davon entfallen etwa 900 Millionen Mark auf Aufwertungs-Gutschriften, und nur 600 Millionen Mark sind Zuwachs an Spareinlagen. In diesen 600 Millionen Mark sind die Zinsgutschriften mft enthalten, die 1934 mindestens ebenso hoch sind wie 1933, also rund 400 Millionen Mark betragen. Es verbleibt demnach nur ein wirklicher Spareinlagen-Zuwachs von höchstens 200 Millionen Mark. Da nun 1933 eine Mehrabhebung von über 625 Millionen Mark erfolgte, so wirken sich die zwei Jahre Hitlerdikta- tur für die deutschen Sparkassen in einem Rückgang der Spar-Neueinlagen um über 425 Millionen Mark aus. Bei der von den Nationalsozialisten behaupteten Besserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse und demebenso oft behauptetenangeb- lich unbegrenzten Vertrauen des Volkes zur Hit- lerregierung hätten die deutschen Sparkassen im Jahre 1934 gegenüber 1932 einen erheblichen Zuwachs ihrer Einlagen verzeichnen müssen, i „Geheime Wahl“ Niemand erfährt das Ergebnis In den reichsdeutschen Betrieben haben setz: die„Gefolgschaften" die Vertrauensräte neuzu- tvählen. Die regierenden Verbrecher haben allen Grund, einen Massenprotest durch Stiminzettel zu fürchten, zumal soeben die Danziger Wahl gezeigt hat, daß es noch Dämme gegen die braune Flut gibt. Da jedoch in jedem Betrieb nur die Naziliste aufgestellt werden darf, kann ihre Ablehnung nur durch Abgabe eines ungültigen Zettels kundgetan werden. Ungültig ist jeder Zettel, der irgendwie beschrieben ist, sei es auch nur mit dem Kreuz, das zu setzen die Wähler noch aus der Zeit gewöhnt sind, da Deutschland noch ein Kulturstaat war. Nun ist angeordnet worden, daß ungültige Zettel und Umschläge ohne Zettel überhaupt nicht als abgegeben betrachtet, also auch nicht gezählt werden. So schützt man sich davor, daß die Stärke der Opposition ziffernmäßig bekannt wird. Bleiben aber zu wenig gültige Zettel übrig, so multipliziert man sie eben einfach in der nötigen Weise. Die Saar erwacht— aber zu spät! Die „Straßburger Neuesten Nachrichten" bringen interessante Einzelheiten Wer die Entwicklung anderSaar. Darnach hat die Hochstimmung der Jännerwochen einer tiefgreifenden Depression Platz gemacht. Die wirtschaftliche Entwicklung geht in steifer Kurve abwärts. Betriebe werden still- gelegt oder eingeschränkt, die Zahl der A r- beitslosenhat nach dem Siege des Nationalsozialismus geloaltig zugenommen. Auch die neue deutsche Grubenverwaltung ist beretts zu umfangreichen Entlassungen geschritten. Frankreich hat alle Aufträge bei der saarländischen Industrie annulliert, ein Ausgleich ist durch deutsche Rüstungsaufträge nicht zu erzielen. Die P r e i se steigen, besonders Butter und Schmalz sind erheblich teuerer geworden. Hand in Hand mit diesem wirtschafttichcn Rückschlag geht eine von Woche zu Woche sichtbarere Abkehr der Saarbevölkerung von der NSDAP. Die Versammlungen der Partei weisen immer schwächeren Besuch auf. So war die zen- ttale Saarbrückener Veranstaltung gegen den „litauiscken Justizmord" von insgesamt 317 Personen besucht... Auch im Winter> Jetzt sind die Eier frisch und billig— jetzt muß man sie kaufen und einlegen. Mit Wasserglas bleiben die Eier frisch. Dabei ist das Einlegen so einfach und billig: man braucht ja auf neun Teile Wasser nur einen Teil Wasserglas. Wasserglas MWULLSMü-M 300.000Ki„Kopfpreis“ I Wie unser Züricher Parteiblatt, das „Volksrecht", aus jeden Zweifel ausschließender Quelle erfährt, war auch beabsichtigt, den ehemaligen preußischen Innenminister Albert Grzesinski, der früher in der Schweiz lebte und sich jetzt in Paris aufhält, an die Grenze zu locken, zu betäuben und in bewußtlosem Zustand nach Deutschland zu schaffen. Die Gestapo hat einen Preis von 3 0.0 0 0 Reichsmark(annähernd 300.000 XL) aus Grzesinskis Kopf gesetzt. Ausgrführt sollte der Handstreich von Mitgliedern der Schweizer fasristischen Arütlergrnpve „Saentis" werden, die im Spitzeldienst der Gestapo stehen. Der Arütlerterrorist G l o r befindet sich im Besitz der Geheimbulletins der Gestapo, die eine Art„ReichSanzciger" des Terrors sind. In diesen Bulletins werden den„VertrauenSley- ten" der Gestapo Direktiven gegeben und zur Anreizung der Spitzel die jeweiligen„Kopf- Preise" für jene Emigranten mitgcteilt, auf deren Ergreifung die Gestapo besonderen Wert legt!. Ein englisches Blatt über die österreichische Sozialdemokratie „Manchester Guardian weekly" schreibt in seiner Ausgabe vom 5. April über den Wiener Schntz- bnndprozeß: „Die österreichische'Regierung hat nm» dir Mitglieder der österreichischen sozialistischen Partei seit über einem Jahr verfolgt und nun stehen 21 Schutzbundführer vor Gericht. Die österreichische Regierung kann tu«»der sage«, was sie will, kein« offiziell» Propaganda, keine Gerichtsverhandlung oder Nrteils- sprnch können den Eindruck verwische«, den dir österreichische sozialistische Partei durch ihre prächtige konstruktive Leistung in Wien, durch ihre heldenhafte Verteidigung dieser Leistung wührrnd der Jahre politischen Drucks und wirtschaftlicher Krise duvch ihre heroische Haltung und schließliche Niederlage— eine Niederlage, bei der a l l e Eh r e n» e S Kampfes aufihrerSeite wirren— auf die zivilisierte Welt gemacht hat. Nnd von allem anderen abgesehen, die Zerstörung der österreichischen sozialistischen Partei hat sich al- eine politische Katastrophe ersten Ranges erwiesen. Tie österreichische Unabhängigkett ist zugegebenermaßen ein allgemeiner europäischer Belang geworden, eS waren die Sozialiste»», welche die sicherste Garantie für srtne Unabhängigkeit darstelltcn. Ihre Zerstörung erfolgte auf Anregung Mussolinis. Er wird zweifellos diese Anregung bedauert habe«, Anregungen, die auch gut noch zu einer Eroberung Oesterreichs durch die Nazis«nd damit durch Deutschland führen können und so Italien das bringen, was«S mehr als sonst etwas verhiitdern möchte: Deutschland als Nachbarn zu haben. Die Schutzbündler, die jetzt vor Gericht stehen, haben an dem bewaffneten Aufstand vor über einem Jahre nicht einmal teilgenommen. Sie wurden vor Begiim des Aufstandes verhaftet und sind angeklagt, denselben vorbereitet zu Haber». Selbst wenn die Beschuldigung richttg wäre» bleibt doch immer noch die Tatsache, daß der Aufstand rin Akt verzweifelter Selbstverteidigung und mrendlich mehr gerechtfertigt wirr, als die Aufstandsbewegungen, welche die Heimwehren zu rein aggressiven Zwecken zu führen ver- suchten. Seite o „Sozialdemokrat" Samstag,»3 April 1935. Nr. 88 PBAGtB ZHTBMft Eine verdienstvolle Tat der kommunistische« Partei In den großen Urania-Saal hatte der Kreis Prag der KPC und die„Opposition in der D. S. Ä. P." für gestern eine große öffentliche Versammlung einberufen, welche offiziell hegen den Fascismus, in Wahrheit aber gegen die sozialdemokratische Partei gerichtet war. In dankenswerter Weise haben die Kommunisten selbst Klarheit darüber geschaffen, wie klein ihr deutscher Anhang in Prag ist und welche Bewand- nis es mit der ominösen Opposition in der Partei hat. Der große Saal, welchen die deutschen Sozialdemokraten vor wenigen Tagen anläßlich einer Versammlung bis auf den letzten Platz.gefüllt hatten, war gestern zu Beginn der Versammlung von ganzen dreißig Mann besetzt. Im Laufe des Abends stieg ihre Zahl so, daß der Abgeordnete K r e i'b ich schließlich 70 bis 80 Zuhörern eine Rede halten konnte. Nach dem Referat Kreibichs war„die Opposition" angekündigt. Sie erschien in Person eines Herrn Hahn, von dem wir zwar picht wissen, ob er zahlendes Mitglied der KPE ist— Wenn es tsolche noch gibt— mit Bestimmtheit aber, daß er sich immer als Kommunist gebärdet hat und mit der Sozialdemokratie ungefähr so viel zu tun hat, wie der kommunistische Abgeordnete. Als dann ein Delegierter der„Opposition" auf den Teplitzer Antisascisten-Kongreß gewählt werden sollte, ging der Bersammlungsleitung der Humor, welchen sie bis dahin bewiesen hatte, verloren. Es wurde beschlossen, die Wahl erst Freitag in einem engeren(noch engeren?) Kreis vorzunehmen. So brachte man uns um das Vergnügen, den Herrn Hahn als Sozialdemokraten nach Teplitz fahren zu sehen. Das war das einzige Unerfreuliche an. der großen öffentlichen Versammlung. Einbrecher beim Polizisten. In der Nacht auf gestern, zwischen 2 und 3 Uhr früh, drangen zwei Einbrecher in den Lebensmittelladen der Marie Polak in Brevnov ein, indem sie mit einem Dietrich erst das Haustor, dann die Kellertür öffneten und durch den Keller in den Laden stiegen. An der Ladentür war jedoch eine Alarmglocke angebracht, die, durch die Diebe in Tätigkeit gesetzt, das Ehepaar Polak werde. Zufällig wohnte bei den Polaks gerade ein Polizist, der bereit war, mit den beiden in den Keller zu gehen. Tatsächlich konnte der eine Täter, der 38jährige arbeitslose Frismirgehilke Vaclav Stanek aus Neu-Wysotschan auf der Stelle verhaftet werden. Er hatte 200 KL bar und Lebensmittel bei sich;' mit dem weitaus größeren Teil der Beute— tS waren 800 Kc in bar und Lebensmittel und Spirituosen im Werte von über 1000 KL gestohlen worden— war es dem anderen Täter gelungen. in der Dmckelheit in der Richtung zum Stadion zu entfliehen. Maurer vom Gerüst gestürzt. Gestern um 1 Uhr mittags wollte sich der 60jährige Maure: Franz Alferi au» Unt-r-Jirkan. der au der rückwärtigen Fassade des Hauses Nr. 438 in Nusle gearbeitet hatte, zum Mittagessen begeben. Ms die Schwebebalken, auf denen er sich herabließ, noch etwa zwei Meiter vom Boden entfernt waren, fiel er plötzlich herunter. Mit zwei Rippenbrüchen wurde er auf die Klinik Jirasek gebracht. Richt die Menge, die Qualität schafft den Genuß. Diana- Schokolade ist beste Qualität. VvrirSöc Die Tschechoslowakei im Kriegsfall Oberst im Generalstai Moravec über Technik, Politik und Propaganda im Krieg. Ueber die Probleme, die sich für di« Tschecho- stowakei im Falle eines kriegerischen Konfliktes ergeben, sprach Mittwoch, den 10. April, im Klub „Ptitomnost" der Professor der Kriegsschule und Oberst im Generalstab Emil M ö r a v e c. Wie weit, fragte der Vortragende, ist es wünschenswert, die Vorkehrungen geheimzuhalten? Im Jahre 1914 kannte weder das deutsche Auswärtige Amt noch die Marineleitung den Plan, durch Belgien zu marschieren'und die Aktion wurde politisch nicht genügend vorbereitet. Darum muß man das richtige Matz der Geheimhaltung wählen, denn Panik ist eine Folge der Desorientierung. Aehnliches gilt für neue Waffen, deren Bedeutung nicht überschätzt werden sollte. Waffen, die zu gut in Laboratorien verborgen sind, bleiben dann auch jenen unbekannt, die sie gebrauchen sollen. Und gegen jede Waffe findet sich ein wirksamer Schuh.— Man gibt heute in Deutschland zu, daß die berühmte»Dicke Berta" nicht so gefährlich war und die 42er waren keine Ueber- raschng. Eine Ueberraschung von großer Tragweite aber war der Eintritt Englands und Japans in den Weltkrieg an der Seite der Alliierten. Das zeigt die riesige Bedeutung der richtigen Einschätzung der politischen Gegebenheiten und Möglichkeiten für den Krieg, und den Vorteil, den Elastizität und Imagination gewährt. Die deutsche Diplomatie hatte das Reich vor 1914 in die Isolierung geführt. Darum mußte der Generalstab die Theorie von der qualitativ überlegenen Minderheit aufstellen. Doch auch der beste Stratege muß die realen, nicht nur die heroischen Möglichkeiten erwägen und erkennen, daß die moralische Ueberlegenheit mit der Zeit der materiellen weichen mutz. Menschen und Material im kriegführenden Staate müssen sich im Gleichgewicht befinden oder es muß durch den Mschluß von Bündnissen und die Zerschlagung gegnerischer Bündnisse hergestellt werden. Ein strategisches Gleichgewicht mit einem anderen Staat garantiert nur, daß man nicht vernichtet wird, nicht, daß man siegt. Darum muß eine Uebermacht angestrebt werden; je größer sie ist, desto kleiner die Verluste. Im Krieg geht es nicht um die Verteidigung der Grenzen, die ost unverhältnismätzige Opfer kostet, sondern um di« Niederwerfung des Gegners. Es ist politisch unwichtig, äb er an der Greife oder mitten im iiiiiiiiiiHi'liiilliiTliTiRfni i. 2». Leitender Arzt Dr. A. Gaube. Phys-diätet. Heilanstalt für alle inneren und Stoffwechselkrankheiten, rheumatische Erkrankungen, Ischias, Nervenkrankheiten. Prospekte 8 und Auskünfte durch die Verwaltung. Telefon 32. 2888 Lande besiegt wird. Den Erfolg entscheidet nicht die Zahl der eroberten Quadratkilometer, das war eine Notideologie der Mittelmächte, die im Weltkrieg keinen entscheidenden Erfolg erringen, konnten. Von der Schnelligkeit der Mobilisierung, die in kleinen Staaten natürlich größer ist als in großen, hängt viel ab, vor allem Ort und Zeit, an denen sich das strategische Gleichgewicht herausbildet. Die Aufmarschgeschwindigkeit war vor dem Kriege viel geringer als heute, denn die Motorisierung hat seither große Fortschritte gemacht. Das Flugzeug z. B. hat die hundertfache Geschwindigkeit eines Infanteristen. Das neue Bewegungstempo hat den Charakter des.Krieges vollkommen verändert. Die Ueberlegenheit einer Armee über eine andere wird auch davon abhängen, wieviel PS auf den einzelnen Mann entfallen. Wie wird der nächste Krieg aussehen? Das ist schwer vorauszsagen. Gewiß wird es keine Kriegserklärung geben. Schon im russisch-japanischen Krieg verschaffte sich Japan durch die überraschende Vernichtung der russischen Flotte eine große Ueberlegenheit. Im künftigen Krieg werden ganz unvermutet schnelle motorisierte Einheiten so tief wie möglich ins Land vorstoßen und dabei von Fliegern unterstützt werden. Erst dann werden die Armeen folgen. Das richtet sich allerdings wieder nach dem Charakter des Landes. Für Rußland wäre das ein Nadelstich, für Litauen etwa eine furchtbare Erschütterung. Zur aktuellen Lage übergehend sagte Oberst Moravec, Deutschland stöhe heute einer erdrückenden Mehrheit gegenüber. Darum sucht es krampfhaft Verbündete. Es ist, auch mit Polens Hilf«, nicht imstande, einen Zweifrontenkrieg zu führen, aber vielleicht zwei Kriege an je einer Front. Diese Gefahr macht eine entsprechende Außenpolitik notwendig.. Von dem Kriegspotential wird es abhängen, wie hoch der Preis des Sieges sein wird; je besser die Vorbereitung, desto geringer die Verluste. Von den Vorbereitungen hängt es auch ab, wo die Front verlaufen wird. Bismarck sagte einmal, an Rüstungen sparen, heiße für die Kriegsentschädigung an den Sieger zu sparen Eine wichtige Kriegswaffe wird die Propaganda sein, die di« seelische Front des Gegners durchbrechen und damit die Voraussetzung für den Sieg schaffen muß.' In der Diskussion lenkte ein sozialdemokratischer Redner die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit der planmäßigen Organs- sierurrg derJndustrie. Wenn es in der Landwirffchast möglich sei, das allgemeine Interesse vorauszustellen, müsse auch die I n d u st r i e, die in allen ihren Zweigen von großer Wichtigkeit für die Kriegführung ist, diesen höheren Interessen rechtzeitig untergeordnet werden. Es wird notwendig sein, immer wieder darauf hinzweisen, welche Aufgabe der Arbeiterschaft im Falle ernster Ereignisse zufällt. Der Bedeutung dieser Aufgabe sollte auch der Einfluß entsprechen, den sie auf Organisierung und Betrieb der industriellen Unternehmen nehmen kann. Fh. Konst und wissen Bruno Walter Bruno Walter ist heute zweifellos einer der Gröben unter den Meistern der Stabführungskunst. In vieler Hinsicht ist er selbst To^canini und. Furtwängler vorzuziehen. Denn er hat diesen beiden die Wärme des Gefühls voraus. Sind jene beiden ekstatische Priester ihres Amtes, so ist Bruno Walter der seiner Sendung in hingebungsvoller Liebe und strenger Güte dienende Priester. Dies wird schon äußerlich jedem offenbar, der Walter bei der Zelebrierung seines Kunstamtes beobachten kann; wie in seinem durchgeistigten Antlitz alle Regungen inneren Erlebens und Fühlens wach werden und suggestiv auf die ausführenden Künstler einwirken. Unerhört ist dabei die Klarheit und Vollkommenheit seiner Interpretation im technischen Sinne, die Ausgewogenheit seiner Dynamik und Rhythmik, die zwingende Größe seiner Stilgestaltung. Letztere ist bei Mozart ebenso vorbildlich unbeschwert und süß wie sie bei Gluck weihevoll und bei Beethoven dämonisch und von heroischer Größe ist. Beispielhaft zeigte dies das Programm des vorgestern unter Bruno Walters Stabführung im vollbesetzten großen Luzernasaale abgehaltene Sonderkonzert der Prager Tschechischen Philharmonie. Es enthielt Chr. Glucks Ouvertüre zu„Iphigenie in Aulis" in der stilgerechten Bearbeitung von Richard Wagner. Mozarts meistgespieltes Violinkonzert in D-dur und Beethovens immer wieder begeisternde, gewaltige Neunte Symphonie. Ganz hervorragend spielte das Orchester der Tschechischen Philharmonie, das insbesondere in den Streichern schönen Glanz enffaltete und durch die Weichheit im Ton der Holzbläser entzückte. Ausgezeichnet löste seine Aufgabe der musterhaft disziplinierte gemischte Chor des Prager ffchechischen Gesangvereins„Hlahol"(Chormeister Herle). Auch, das mitwirkende Soloquartett(die Damen Book und K r ä s o v ä sowie die Herren Ria w e c und Kluis) entsprach klanglich und gesangstechnisch den Erfordernissen Beethovens und seiner nicht immer singbaren Stimmführung. Instrumentalsolist des Konzertes war der bekannte Geiger Josef S z i g e t i, ein Künstler, der mehr durch die wundervolle Abgeklärtheit seines Spieles imponiert als durch Gefühl und Temperament des Vortrages. E. I. Uraufführung von Beidls Oper„Die Kleinstädter" Mittwoch(B 1). Dirigent: Szell; Regie: Mordo. „Die Fledermaus" in der Neufassung Max Reinhardts. Samstag Fesworstellung zugunsten des Ferialfonds. Inszenierung: Liebl.(Abmi- nement aufgehoben.) 6 bis 64 KL. Wochenspielplan des Renen Deutschen Theaters: Samstag iy 2: Figaros Hochzeit, B 2.— Sonntag 2J4: Menschen in Weiß, 7/^: Hoffmanns Erzähl u n g en, CI.— Freitag: geschlossen.— Samstag 71/2: Die Fledermaus, Fesworstellung zugunsten des Ferialfonds, Abonnement aufgehoben. Wochenspielplan der Kleinen Bühne: Samstag V/ 2 t D i e große Katharina, Erstaufführung, neuinszeniert: Der Schlachtenlenker.— Sonntag 3: Mädchen für alles, 8: Das unbekannte Mädchen.— Montag 8fH: Fremdenverkehr, volkstümliche Vorstellung.— Dienstag 8: Die große Katharina, Der Schlachtenlenker.— Mittwoch 8: Das unbekannte Mädchen.— Donnerstag 8: D i e groß« Katharina, Der Schlaph- tenlenker.— Freitag: geschlossen.— Samstag 8: I ch Habs getan, volkstüml. Vorstellung. Der Film Ein Mann mit Mut Es fällt schwer/ auf die vielen Mängel dieses amerikanischen Films hinzuweisen, weil er zweifellos gut gemeint'st und weil sein Thema ihm hierzulande von vornherein ein fteundliches Interesse sichert. Er wollte den Lebenslauf des amerikanischen Tschechen Antonin Cermak schildern, der es vom Bergarbeiter zum Senator des Staates Illinois und zum Bürgermeister von Chicago bracht«, das er von der Korruption und der Verbrecherherrschaft zu säubern versprach und das ihn— soweit es nicht mit den Gangstern im Bunde stand— lebhaft bedauerte, als ihm die Kugel eines Attentäters traf, die nicht ihm, sondern Roosevelt gegolten hatte. Sympathisch, daß man dem nicht. hundertprozentigen Uankee. dem Emigrantensohn und Mann der nationalen Minderheit. ein ehrendes Denkmal zu errichten gedachte. Nicht minder sympathisch, daß man ihn als echten Demokraten zeigen wollt«: als Kämpfer gegen Wahlschiebung und Bestechung, als Fürsprecher streikender Bergarbeiter, als schlichter Fanatiker der öffentlichen Sauberkeit und gläubigen Apostel der Gleichberechtigung aller. Und auch die Ehrlichkeit, mit der man ihn seinen Kampf gegen die Prohibition begründen läßt(„Ich trinke selbst und will nicht, daß man das Geschäft den Banditen überläßt") berührt angenehm. Aber mehr läßt sich von den Vorzügen dieses Films leider nicht sagen. Die Regie(für die Hamilton Mac Fadden verantwortlich ist) weiß Nebensächliches von Wesentlichem nstbt zu unterscheiden und kennt weder Aufbau nocki Steigerungen. Die Schauspieler sind weniger als mittelmäßig, und der Cer- mak-Darsteller Preston Foster sieht dem, den er darstellen soll, so unähnlich wie möglich. Wer etwas vom Leben der amerikanischen Tschechen zu erfahren hoffte, sieht sich mit einem böhmischen Tanz, ein paar tschechischen Diälogfetzen und einem ziemlich echten „koläL" abgespeist. Und wer etwas von Chicago zu sehen hoffte, geht völlig leer aus.—eis— Micky-Maus und Silly-Symphonien Ein Kinoprogramm, das eine Folge Walt Dusneyscher Schöpfungen bringt, gezeichnete und gemalte. parodistische und märchenhafte, bekannte und unbekannte, ist kein Gegenstand der Kritik, sondern der heiteren Bewunderung. Auch wer mit dem Titel Meisterwerk so sparsam umgeht, wie es sich gehört, wird ihn keinem dieser kleinen spielerischen Trickfilme versagen, die nur deshalb so leicht wirken, weil sie Ergebnisse eines unerhörten Könnens und einer unvorstellbaren Mühe sind. Was in diesen anspruchslos vorüberwirbelnden Fiftnchen an Einfall und Geschmack, an Sorgfalt und Phantasie, an Witz und Formgefühl steckt, ist ebenso cinzigarttq wie die von keinem Nachahmer je erreichte Uebereinfttmmung von Bewegung und Musik, aus der sich die ebenso groteske wie überzeugende Wirkung aller dargestellten Un« Wahrscheinlichkeiten ergibt. Das Spiel, das die MickY- Maus-Filme mit Tiergestalten und menschlichen Einrichtungen, mit hikwrischen Kostümen und moderner Technik treiben, hat jene anmutige Ironie, die sich von der Wirklichkeit loslöst, ohne beim Kitsch zu lan- Kreditanstalt der Deutsche» r. g. m. b. H., Prag. Durchführung aller Geldgeschäfte. Verwaltungs-Kapital 800 MillionenKC. Haftungs-Kapital 80 Millionen KC. 81 Niederlassungen. den,— und der farbenfrohe Humor, mit dem die Silly-Symphonien alte Märchen wiederbeleben, hat di« Gabe, den Zuschauer kindhaft jung zu sttmmen. —eis— Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Sonntag, den 14. April, Wandertreffen. Treffpunkte: S. I. Holleschowitz: halb 9 Uhr Endstatton der 21. S. I. Zentrum und Weinberge: halb 9 Uhr Endstation der 5. in Hloubetin. Kreistteffpunkt 1 Uhr Bahnstatton Jirua-Klanovice. Vcrclnsnadiriditcn © Naturfreunde— Ortsgruppe Prag: Sonntag, 14. April um 8.30 Uhr bei der Endstatton der Elektrischen 23 in Vokovice, Wanderung Sarka, Ziegenrücken, Suchdol, Podbaba. Führt P l 0 tz. Mitteilungen aus dem Publikum. Jede kluge Hausfrau will sparen! Kaufen Sie daher die Eier, wenn sie am billigsten sind und legen Sie dieselben in das verläßliche und billige Eier- Konservierungsmittel— Wasserglas— ein! Wasserglas zum Eier-Einlegen ist bei jedem Drogisten und Kaufmann nebst Gebrauchsanweisung erhältlich. Durch diese kleine Ausgabe sichern Sie sich einen billigen Wintervorrat an genuß- und küchengebrauchsfähigen Eiern. 2873 Filme in Prager Lichtspielhäusern Bis einschließlich Donnerstag, den 18. April. Adria:„Unter ftemden Fahnen".(A.)— Alfa: „Das hohe Lied".(A.— M. Dietrich.)— Avion: „Skandal in Rom".(A.— Eddie Cantor).— Beranrk:„Wir fiedeln ein Klavier über".(A.)— Fen ix:„Ein Mann mit Mut".(A.)— Flora: ^Lieb mich heute nacht".(A)— Hollywood:„Barbara rast...".(Tsch.—- Nedosinskä.) Hvczda: Mickey-Programm. Farbige Grotes-. ken.(Halb 3. halb 5, halb 7, halb 9.)— JuliS: „Eine ausgelassene Nacht".(Tsch.)— Kinrma: Journale, Grotesken, Reportagen.(%2—7.)— Koruna:„Aus dem Regen in die Traufe".(A.— Laurel. Hardy.)— Kotva:„Abdul Hami d". (Engl.— Fritz Kortner.)— Lacerna:„Abdul Hamid".(Engl.— Regie Carl Grüne.)— Praha: „Azew, Spion und Verräter".(D.)— Radio:„Wir siedeln ein Klavier über".(A.)— Skaut:„Lieb mich heut« nacht".(A.)— Svetozor:„Barbara rast...". Tsch.— Nedosinskä.)— Bajkal: „Lieb mich heute nacht".(A.)— Beseda: „Eine von Millionen."(Tsch.)— Carlton:„D i e Rothschilds".(A.— G. Arliß.)— Favorit: „Wir siedeln ein Klavier über".(A.)— Konvikt: „D i e Rothschilds".(A.)— Roxy:„D i e Rothschilds".(A.)— Sport:„Der Sohn des King-Kong".(A.)— Baldek:„Jägerblut".(Tsch.) Mit„Zauberdung" behandelt wächst alles eins, zwei, drei, und trotzdem ist der„Zauberdung“ noch lang’ nicht Hexerei 1 Paket za KC 5*60 durch die Verwaltung der „Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tf. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich OPTIK u. FOTO DEUTSCH PHkopy Drehbänke, Fräsmaschinen, Horlzontal-Bohr* und Fräswerke, Radialbohrmaschinen, Shapins- und Hobelmaschinen sowie Universalspannfutter für höchste Leistung in modernster Ausführung erzeugt: Werkzeusmaschlnenfabrik Arno Mauert Warnsdorf, CSR. ssos Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KülS.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL SS.—, ganzjährig KL 1V2.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post« und Tele- graphendirektton mst Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.OrbiS". Druck-. Verlags« und Zeitungs-A.-G., Prag.