Mittwoch, 17. April 1935 Nr. 91 15. Jahrgang Etaeiwtls 70 Heiter (•in>chli«Slich$ Heller Ptrto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. KO AKTION und Verwaltung mag xii.. fochova c. TELEFON 53077. HERAUSGEBERI SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Ergebnislose Beratungen in Genf Opposition sesen den französischen Vorschlag: Polen. Dänemark, Iberische Staaten Dir Beratung der in Stresa von den drei Mächten akzeptierten Laval'schen Beschwerdenote im Bölkerbundrat ist auf unerwartete Schwierigkeiten gestoßen. Zunächst war kein Berichterstatter zu finden, da Madariaga(Spanien) über Weisung seiner Regierung, bei der Deutsch, land Borstellungrn erhoben hatte, das Mandat niederlegen mußte. Dann zeigte sich, daß Polen doch weit stärker, als man in Paris bisher annahm, an Deutschland gebunden ist. Oberst Beck antwortete Laval zunächst ausweichend, um im Rat dann offen gegen den französischen Vorschlag zu sprechen. Endlich erklärte der dänische Bertreter Munch, daß er gegen die Resolution stimmen werde. Ob bei D ä n e m a r k unmittelbarer Druck Deutschlands vorliegt, oder ob England durch eine kleine Jntrigur via Kr^enHagen die Resolution, die es selbst in Stresa billigte, doch noch zu Fall bringen will, ist schwer zu entscheiden. Dänemark liegt ebenso im Bereich der deutschen Geschütze und Bomber, wie es wirtschaftlich von seinem Export nach England abhängig ist. Endlich nehmen die lateinamerikanischen Staaten eine ablehnende Haltung gegen dir Resolution ein. Da Einmütigkett zu einem Beschluß des Rates unerläßlich ist, versucht man, nachdem der Dienstag ohne Ergebnis endete, die opponierenden Staaten zu bewegen, daß sirSlenderun- gen Vorschlägen, die ihnen wenigstens Stimmenthaltung ermöglichen würden. Im Rate sprachen Laval, Simon, Alois i, dann als Kontraredner B eck und als Pro- redner Dr. Benes. Als sich kein Berichterstatter fand, wählte Frankreich den ungewöhnlichen Weg, mit der Resolution direktindenRatzu gehen, statt sie den geschäftsordnungsmäßigen Weg passieren zu lassen. Darüber scheint die öffentliche Meinung Englands, den Reuterkommentarrn nach zu schließen, stark versttmmt zu sein. Wir hatten jedenfalls Recht, als wir in de« optimistischen Chor» der sich nach der Konferenz von Stresa erhob, nicht einstimmte«. Mussolini hat Glück Wieder einmal der Rache entgangen Paris.(Tsch. P.-B.) Wie der „Matin" erfährt, hat die französische Sicherheitspolizei i« der vergangenen Woche ein gegen die in Stresa versammelten Staatsmänner und vor allem gegen Mussolini geplantes Komplott aufgedeckt. In Marseille wurden drei italienische Anarchisten verhaftet» welche bei ihrem Verhör eingestanden, daß sie eine aus sechs Verschwörern bestehende Gruppe gebildet haben, welche fich nach Stresa begeben sollte. Die franzöfische Polizei machte unverzüglich sowohl die ttalienischen als auch die schweizerische Sicherheitspolizei darauf aufmerksam. Die französische Polizei verhaftete einige Anarchisten, auch außerhalb Marseilles, desgleichen sollen in Italien einige Verhaftungen vorgenommen worden sein. Schweiz schwer verstimmt Tie„BaselerRachrichten" schreiben zu der brutschen Antwortnote im Falle Jacob: „Die deutsche Antwort scheint die bisherigen korrekten deutsch-schweizerische« Beziehungen auf einen neuen Boden stellen zu wollen. Bisher konnte maa hoffen» di« deutsche Regierung werde sich angesichts deS präzisen schweizerischen Mag«. Materials von den kompromittierten deutschen AmtSstellen distanzieren und der Schweiz sür die schwere Verletzung ihrer Gebietshoheit Genug- tuung verschaffen, zumindest aber selbst das Schiedsverfahren Vorschlägen. DaS ist nun nicht geschehen. Man glaubt nun, den Fall Jacob erledigen zu können, indem man Dr. Wesemann abschüttelt, jeden Anhaltspunkt über die amtliche Berfchluus bestreitet und einige Worte über das verräterische Treiben der Emigranten macht. Auch die zwrite deutsche Version steht mit verschiedenen von der amttichen schweizerischen Untersuchung cruirrten Tatsachen nicht im Einklang. Reu kommt Hinz« daS Rätsel, warum die bereitstehenden deutschen Polizeibeamten wohl Jacob verhafteten, nicht aber Wrsemaun. Die schweizerische Oeffentlichkeit wird in Hinkunft den Fall Jacob mit ganz anderen, für die deutsch-schweizerischcn Beziehungen nicht günstigen Augen betrachten. Man muß zumindest annehmen, daß subalterne Aemter und Beamte für ihr« völkerrechtswidrige Handlungsweise von oben herab gedeckt werden. Wir bedauern dieS tief im Interesse beider Länder und der gegenseitigen Beziehungen." Genf. Die Ständigen Räte der Kleinen Entente und der Balkan-Entente widmeten ihre außerordentliche Sitzung den Prcchlemen, über die im Prinzip in Stresa verhandelt wurde, und haben ein Kommunique folgenden Wortlautes ausge- geben: Die Bertreter der fünf Staaten fyxöen die allgemeine europäische Lage im Lichte der letzten Ereignisse geprüft. Sie haben mit Genugtuung von den ihnen mitgeteilten Ergebnissen der Kan- ferenz von Stresa und den Bemühungen Kenntnis genommen, die im Hinblick auf die baldige Verwirklichung der für das Werk einer europäischen Fricdensorganisation geplanten Maßnahmen erfolgt sind. Sie hoffen, daß diese Ergebnisse schon jetzt eine der internationalen Zusani- menarbeit und der Friedensbefestigung günstige Entspannung zur Folge haben werden. Die Kleine Entente und die Balkan-Entente legen dem baldigen Abschluß von gegenseitigen Hilfeleistungsverträgen im Nordosten Europas sowie dem Erfolg der Verhandlungen für die Verwirklichung eines Sicherheitspaktes in Mittel- und Südosteuropa besondere Bedeutung bei. Vie Resolution Genf.(Tsch. P.-B.) Der vom franzöfi- scheu Außenminister L a v a l im Namen Fra n k- reich S, Englands und Italiens dem Völkerbundsrat unterbreitete Ent'chlicßnnssent- wurf lautet: I. „Der Völkerbundsrat ist der Ansicht: 1. daß die gewissenhafte Einhaltung aller Verpflichtungen aus den Berttägen«ine Grundregel des internationalen Lebens und eine Bor- aussetzung der Aufrechterhaltung des Friedens ist, 2. daß eS ein Hauptgrundsatz der Menschenrechte ist, daß keine Macht fich von den Verpflichtungen eines Vertrages loslösen kann, noch daß sie seine Bestimmungen ohne llebercinstimmung mit den anderen vertragsschließenden Parteien ab. ändert, 3. daß die d e u t s ch e Einführung des Wehrgesetzes vom 16. März 1935 in Widerspruch mit diese» Grundsätzen steht, 4. daß durch diese einseitige Maßnahme kein Recht ent st ehe« konnte, 5. daß diese einsettige Maßnahme, indem fir ein neues Störungselement in die internationale Lage brachte, notwendigerweise als eine Drohung gegen die europäische Sicherheit erscheinen mußte. Was die Revision des Militärstatuts der Unterzeichnerstaaten der Verträge von St. Germain, Trianon und Neuilly(Oesterreich, Ungarn, Bulgarien) anlangt, so haben die Vertreter der fünf Staaten von den Erläuterungen des Ministers Lapal Kenntnis genommen, namentlich daß die englische, die französische und die italienische Negierung davon abgesehen haben, ihre Ansicht über den Grund der Frage abzugeben, da diese durch die am unmittelbarsten interessierten Regierungen frei entschieden werden muß, daß die einzige Empfehlung; die die drei Regierungen in Stresa formulierten, das Bestreben betrifft, jeden Versuch auszuschalten, auf einem andere nWegealö demeines B ertrageszu einer Regelung zu gelangen, indem die drei Mächte das Verfahren freier Verhandlungen vorgeschlagen haben, deren Möglichkeiten eng von der Gewährung neuer Sicherheitsgarantien bedingt sind.. DaS Kommunique der Ständigen Räte der beiden Staatengruppen wurde in Genf mit Befriedigung ausgenommen. In der Erwägung daß andererseits 6. die britische Regierung«nd die Regierung Frankreichs mit Zustimmung der italienische« Regierung die deutsche Regierung fett dem 3. Feber 1st35 mit dem Programm einer allgemeinen Regelung befaßt hatten, mit dem Ziel«, durch freie Verhandlungen den Frieden in Europa zu organisieren, und zu einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung im Rahmen der Gleichberechtigung zu gelangen, bei gleichzeitiger Sicherstellung der aktiven Mitarbeit Deutschlands am Völkerbünde, 7. daß die einseifige Maßnahme Deutschlands nicht nur unvereinbar mit diesem Plane ist, sondern daß sie auch gerade zu der Zeit kam, als die Verhandlungen tatsächlich im Gange waren, erklärt der Rat: daß Deutschland gegen die Pflichten, die allen Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft auf. erlegt sind, verstoßen hat, nämlich dir eingegangenen Verpflichtungen einzuhalten. Der Rat verurteilt jede einseitige Aufkündigung der internationalen Verpflichtungen. II. Der Rat richtet an die Regierungen, dir daS Programm vom 3. Frbrr 1935 geschaffen haben, oder die sich ihm angeschlosscn haben, die Aufforderung, die Verhandlungen, die sie begonnen haben, fortzusetzen und vor allem im Rahmen des Völkerbundsabkommens die Verträge abzuschließen, die im Einklang mit den Verpflichtungen deS Völkerbundpaktes notwendig erscheinen sollten, um das Ziel zu erreichen, das in diesem Programm zur Sicherung der Aufrechterhaltung des Friedens vorgesehen ist. III. In Erwägung, daß die einseitige Aufkündigung internationaler Verpflichtungen sogar die Existenz des Völkerbundes in Gefahr bringen kann, also einer Einrichtung, die die Pflicht hat» die Aufrechterhaltung des Friedens zu sichern, und die all. gemeine Sicherheit zu organisieren, beschließt der Bölkerbnndsratr Daß bei einer derartigen Aufkündigung ohne Anwendung der Mittel, die in internationalen Verträge« schon vorgesehen sind, die Mitglieder des Völkerbundes imRahmendesBölker- bundpaktes alle geeigneten Mittel zur Anwendung bringen müssen, wen« es sich um Verpflichtungen handelt, die die Sicherheit der Völker und die Aufrechterhaltung des Friedens in Europa in Mitleidenschaft zieht. Der Rat beauftragt einen Ausschuß, zu diesem Zwecke Maßnahmen vorznfchla- g e n, die den Lölkerbundspakt hinsichtlich der Organisierung der allgemeinen Sicherheit wirksamer nmchen und im besonderen wirtschaftliche und finanzielle Maßnahmen auszuarbeiten, die angewandt werden könnten, falls in Zukunft ein Staat, ob er nun Mitglied deS Völkerbundes ist oder nicht, den Frieden in Gefahr bringt, indem er einsettig seine. internationalen Verpflichtungen austüudigt Henlein, der Gleichgeschaltete Um die Geführten in getreuer und ergebener Gefolgschaft zu erhalten, muß daS Haupt des Führers, auch wenn er es nur dem Namen nach ist, ein stets aufs neue blankpolierter Glorienschein umstrahlen. So lehrt es die Fibel des Fascismus und Konrad Henleins Manager halten sich an diese bei größeren Vorbildern bewährte Regiematzregel. Diese Manager lassen Henlein hoch oben auf Wolkenhöhen thronen und verhindern, daß er in die .Niederungen" der politischen Tageskämpfe herabsteige. Sofern er den Mund austut, sollen seine Gläubigen den Eindruck neuer hoher Offenbarungen empfangen, auch wenn. es nur die nichtssagendste und anderen abgelauschte Phraseologie ist, die da vorgetragen wird. Darum wird sein Auftreten jedesmal mit Musik, Trompetengeschmetter und Paukenschlag gefeiert und ganz wie Hitlet darf er fich niemals dem politischen Gegner zur Auseinandersetzung stellen, darf nur vor seine auserwählten Amtswalter treten, wie am Sonntag in Reichenberg, um ihnen seine Weisungen zu erteilen, oder er läßt sich auf großen Paraden hören, niemals aber wird er— auch genau nach Hitler— vor allgemein zugängliche Wählerversammlungen hintretcn, um in unmittelbarer Berührung mit dem deutschen Volke, das er zu führen sich berufen erklärt, um die Seelen und die Zustimmung seiner Zuhörer zu ringen. Freilich hat eS Konrad Henlein sehr nötig, sich mit einem mystischen und mythischen Zauber umgeben zu lassen, denn bei sorgfältigster Durchforschung seiner bisherigen Verdienste um das deutsche Volk wird man andere nicht aufspüren, als daß er es durch exakte Vollführung der Bauchwelle und Riesenwelle zum Vorturner oder gar Turnlehrer gebracht hat. Die lleinste Diskussion mit politischen Gegnern im Lichte der Oeffentlichkeit würde den Glorienschein des.Führers" in armselige Fetzen zerreißen, darum verwehren ihm die Drahtzieher der Sudetendeutschen Heimatfront das Kandidieren. Er muß, ebenfalls. nach dem Muster Hitlers, außerhalb deS Parlaments bleiben, damit der blaue Dunst, der der Gefolgschaft der SHF mit der Messiasrolle Henleins vorgegaukelt wird, nicht schon noch acht Tagen in alle Winde zerstiebe. Der so künstlich zum„großen Führer" aufgeplusterte Konrad Henlein wird auch in dem anhebenden Wahlkampfe nicht ein einzigeSmal dort zu finden sein, wo Wunden, aber auch Verdienste zu holen sind, das ist im dichten Kampfgetümmcl. er wird sich vielmehr damit begnügen, den modernen Generalstäben im Kriege gleich, weit, weit hin-. ter der Front die Phasen deS Wahlkampfes zu verfolgen. Am Sonntag hat Henlein den Wahlkampf für die SHF eröffnete doch in weiser Vorsicht sich darauf beschränkt, dies in einer„Amtswaltertagung" der SHF zu tun» wo er sein Sprüchlein heruntersagen konnte, ohne befürchten zu müssen, von den stramm mit der Hand an der Hosennaht stehenden„Amtswaltern" durch unbequeme Anfragen oder despektierliche Zwischenrufe gestört zu werden. Trug die Mache und Theqtralik dieser Tagung ganz Hitlersches Gepräge, so bewährte sich auch in dem, was Henlein vortrug, sein Talent im Kopieren der Art, wie sein Vorbild sich räuspert und spuckt. In keiner Rede Hitlers haben jemals die„vierzehn Jahre" gefehlt, die vierzehn Jahre demokratischer Verfassung, die er gröhlend als das„erwachende" Deutschland zur Beseitigung deS„korrupten Parlamentarismus" aufforderte. So offen gegen die demokratischen Grundlagen des Staates aufzutreten darf Herr Henlein wegen des als Damoklesschwert noch immer über ihm schwebenden Parteien-AuflösungSgesetzeS nicht wagen, aber auch er spricht vom„aufbrechenden Sudetendeutschtum" und da er daS Parlament nicht deutlicher zu schmähen sich getraut, so tut er es in dec Form, die SHF werde„durch eine neue Haltung" die Würde des Parlaments und"die Wüide der' Bollsvectreter wieder Herstellen. Das ist nichts anderes als eine Umschreibung der Hitlerschen For-' mel von der„Korruptheit" des Parlamentarismus und Henlein unterstreicht dies noch dadurch, daß er damit zu brechen verspricht,„daß Man-' datsträger in ihrem Mandat einen neuen Beruf sehen". Daß sich diese Beschimpfung des Parlaments und der bisherigen Gewählten von den ftinetzei»' rigcn Schmähungen Hitlers gegen den Parlamcn- 01« Südost-Ententen und die Aufrüstung der Italienischen Vasallen Seite 2 Mittwoch. 17. April 1935 Nr. 91 Beschimpfungen gegen die CSR Der Vorwend: erlogene BUrgerkrlegsvorbereltungen Nicht nur Sowjetruhland bedroht Europa, di« Kultur und den Frieden, sondern ein« nicht geringere Erfahr geht von der Tschechoslowakei aus. Nichts weniger al- die- wird in einem Ar« tikel behauptet, der die Runde macht durch die reichsdeutsche Press« und den nach Rosenberg führenden außenpolitischen nationalsozialistischen Journalisten Dr. vonLeers zum Verfasser hat. In der„Berliner Börsen-Zeitung" ist er unter dem Titel:„Roter Aufmarsch in der Tschechoslowakei. Organisation von Kampftruppen durch die So» zialdemokratie" in Nr. 144 erschienen. Er beginnt also: „E- wird in Europa viel zu wenig beachtet, daß nicht nur durch«ine naht geistige Verwandtschaft mit gewissen amtlichen und halbamtlichen Stellen es dem Marxismus gelungen ist, nach seiner Niederlage im Deutschen Reich sich eine neue AuSgangSstelle innerhalb der Tschechoslowakischen Republik aufzubauen. Eine sehr erhebliche Anzahl der marxistischen Emigranten au- dem Deutschen Reich hat ihren Weg nach Böhmen geleitt. Sie trafen hier nicht nur auf«ine im dortigen Volkstum bedauerlicherweise in manchen Gegenden eingewurzelte nnd im VolkSver- rat in Ulnehren ergraute sozialdemokratisch« Gruppe, sondern bekamen auch auö Oesterreich Zuzug... Hier trafen sich so einheimische Sozialdemokraten und Kommunisten, Emigranten au- dem Deutschen Reich und Emigranten au- Oesterreich. Eine neue Welle marxistische- Tätigkeit entstand." Di« Wut darüber, daß es noch demokratische Länder gibt, die den emigriert«» Opfern des Fascismus Gastfreundschaft gewähren, kommt in dem Artikel wiederholt zum Ausdruck. Sie läßt auch den Nachweis über die„Organisation von Kampftruppen durch die Sozialdemokratie" zu kurz kommen, der überhaupt nur zu erbringen versucht wird, mit der Wiedergabe der Tagesordnung eines in aller Oeffentlichkeit abgehaltenen Turn- und Wehrsportkursus d«s Atu- in Aussig und von Auszügen aus dem Programm für einen Wiederholungskursus. Daraus macht der Nazi„Bürgerkriegsvorbereitungen der Marxisten" und ruft mit Zitaten aus einer Arbeit über die Wiener Feberkämpfe— den Genossen Dr. Deutsch zum Zeugen anl Doch meint halb resignierend der fascistische Alarmtrommler gegen den Marxismus:„Trotzdem wird man inperhalb der Tschechoslowakei kaum eher äufwachen, ehe man ho»- Unglück nicht praktisch erlebt hat, das sich hier ankündigt." Denn natürlich hat der Marxismus seine„bewehrtest« l Unruhestifter" hier zusammengezogen, wo er„in einem nationalpolitisch gespaltenen, wirtschaftlich notleidenden und sehrjun« gen StqatSwesen starke Aussichten zu haben glaubt". Dann aber tst'S bei dem Doktor LeerS mit der Beherrschung völlig vorbei und die Beschimpfungen gegen den tschechoslowakischen Staat drängen sich nur so aus seiner Feder: „Statt«wer sich um diesen Weltfeind derKulturzu kümmern und seine Betätigung zu überwachen, setzt die tschechische Polizei ihre Jagd nach nationalsozialistischen Gedanken fort ... Wenn man die Urteil«, wie jenes neu«, liest, wonach Deutsche in der Tschechoslowakei wegen staatsfeindlicher Betätigung bestraft worden sind. Weil sie im Deutschen Reich, ohne mit diesen zu sprechen, mit zwei SA-Männern auf einer Bank sitzend gesehen worden waren, dann möchte man den Ruf erheben:„Psychiater an die Front! Dann möchte man wünschen, daß häufiger dir Amtsärzte sich um den Geisteszustand di«, fee Rechttpfleger als ärztliche Berater praphylak- tisch bekümmern möchten... An sich aber ist ek, wenn es nicht so traurig wäre, schon ein kleines Stück unerlaubter Narrheit: Friedliche Staatsbürger, die nun einmal von Na ur unv Abstammung Deutsche find, di« ja auch«ir- mand gefragt hat,»s st« sich dem tschechoslowakischen Staate»«schließen«olle«»der nicht, und die, natürlichem Recht entsprechend, an ih:er Volkseinheit, Kultureinheit und WillenSeinheit (?) festhalten, werde-, als Staatsfeinde üb'.r- wacht und verfolgt..." Das also war der Zweck, weswegen di« Bürgerkriegsvorbereitungen des Marxismus erlogen wurden: Die reich-deutsche Bevölkerung wird mit hundertfachen Lügen«nd durch Verächtlich» Helmatfront verurteilt Unter dem Titel„Die Heimatfront ist schuld" schreibt das„Ceskä Slovo" zu dem Urteil gegen den Troppauer Kreissekretär der SHF Gebauer u. a.: Der Kreissekretär ist nicht einer von tausenden einfachen Anhängern» dessen Tätigkeit für die Partei unkontrollierbar ist. Wurde ein Kreissekretär der SHF wegen hochverräterischer Tätigkeit verurteilt, so ist damit auch die Heimatfront selb st verurteilt worden. Bei uns gibt es Leute, die Beweise für die antistaatliche Tätigkeit der SHF haben möchten. Nun: Im Troppauer Prozeß haben sie einen hinreichenden Beweis, denn, der verurteilte Gebauer hat sich nicht nur einen Tag lang antistaatlich aufgeführt, so daß dies der Führung der SHF hätte entgehen können, im Gegenteil: seine Tätigkeit dauerte genug lange. Bei Gebauer ist der Unterschied gegenüber vielen anderen Angehörigen der SHF nur der, daß er sich erwischen ließ und daß Beweise gegen ihü gefunden wurden. Das ist aber nicht das einzige Gerichtsverfahren gegen Mttglieder der Heimatfront- Aber schon diese Angelegenheit muh unserer Meinung nach für verantwortungsbewußte Staatsorgane ausreichen, daß sie endlich das tun, was ihre staatliche Pflicht ist. Tschechische Agrarier und deutsche Industrielle In Besprechung der regionalistischen Konferenz macht de-„teilt Slovo" auf die Rede des Generalsekretärs des deutschen Jndustriellenver- bandes Dr. Kislinger aufmerksam, worin sich dieser für den von dem tschechischen Agrarier Dokwr Zadina vorgebrachten Antrag auf Errichtung eine» Donnerstag Urten Im SchutzbundprozeB Wien. In dem Prozeß gegen die 21 Angehörigen des Republikanischen Schutzbundes hielten Dienötag sechs Verteidiger ihre Plädoyer-. Der Mittwoch ist der Beratung des Gerichte- vorbe- l,alten. Am Donnerstag wird da- Urteil gefällt werden. tariümu- nur durch die geringer« Aufrichtigkeit unterscheidet, liegt auf der Hand. Daß übrigens anggerechnet die Henleinfront zu verhindern verspricht, daß Mandat-träger in ihrem Mandat einen neuen Beruf sehen, das wird bei jedem, der da weiß, wie viele beschäftigungslose Ingenieure, Advokaten und sonstige Bersorgungsanwärter nach Parlament-mandaten gieren, um sich durch die Politik zu versorgen, Heiterkeit Hervorrufen. Noch nie wurde di« Jagd nach Mandaten zu BersorgungS» zwecken so unverschämt betrieben, als seitdem sich da»„aufbrechende" Sudetendeutschtum in der SHF ralliiert hat. Man beachte nur den Mandatsschacher, den die SHF mit Herrn Rosche und mit der Deutschen Gewerbepartei eben abzuschlie- ßen im Begriffe steht und man wird die richtige Vorstellung von. der sittlichen Läuterung empfangen,-it das Parlament durch den sudetendeutschen Fascismus zu erwarten hat. Läge es in dessen Macht, auch es würde nach Hitlerschem Muster reformiert werden, das so aussieht, daß mehr als 600 Abgeordnete monatlich aus Staatsmitteln ungefähr je 6000 XL erhalten, ohne dafür etwas anderes leisten zu müssen, als etwa einmal im Jahre zu einer Rede des„Führers" Beifall zu klatschen. Wie schon gesagt, ist auch Hitler einstens ausgezogen, um aus der Politik die„Bonzen" und Pfründenjäger zu vertreten... Die Gleichschaltung mit dem Führer des HakenkreuzfasciSmuS bringt He,»lein auch dadurch zum Ausdruck, daß er wie dieser in der skrupellose- sten Weise mit Versprechungen und Verheißungen nicht spart. Er verspricht nichts geringeres, als di« Heimat aus Not und Elend hevauSzuführen, wobei er freilich nicht mit einem faßbaren Wort verrät, wie er dies zu bewerkstelligen gedenke, er beschränkt sich auf die nichtssagende Phrase, möglich fei dies nur durch„daS Zusammenspiel aller Kräfte im Volk und im Staate", was zu nichts verpflichtet und nichts besagt und doch den Eindruck wecken soll, da- Sudetendeutschtum brauche im Sinne und Geiste Henleins nur voll„aufzubrechen" und schon seien die Bedingungen einer neuen glücklichen Zukunft gegeben. Der sudetendeutsche Messias hat di« Großzügigkeit im Versprechen Hitler glücklich abgeguckt, der sich nach der Errichtung seiner diktatorischen Macht an diese Versprechungen nicht mehr zu erinnern braucht und jeden in ein Konzentrationslager sperren lassen kann, der ihn daran gemahnen wollte. Vorläufig bis auf weiteres wird es Henlein nicht so bequem haben, denn noch bietet die tschechoslowakische Demokratie Gelegenheit und Möglichkeit, ihn beim Worte zu nehmen und in einiger Zeit nachzuprüfen, wie er den von ihm erweckten Hoffnungen gerecht geworden ist. Nach aller Gleichartigkeit und tleberein« sttmmung mit dem Geist und den Methoden des Hitlersascismu» war es darum überflüfstg, daß Henlein am Sonntag in Reichenberg versicherte, die SHF sei di« erste Bewegung, die ihre Wurzeln Nicht in der alten Monarchie hab«, da doch ohnehin jeder erkennt, daß ihre Wurzeln nach einer ganzanderenRichtunghin verlaufen. Her Siweniimker voll IN- Vrtedrieh »Entsetzlich ist der entfesselte Mensch", dachte er einen Augenblick lang. «Das sind ja nicht mehr armselige Bauern und Knecht«, das sind hungrige Wölfe, dir in losgclassenem Rudel durch die EiGvüste nach Raub undBlut lechzen." Er wehrte ab.„Sucht euch einen anderen Führer, ich bin für Euch nicht der richtige Mann." Da brausten sie auf:„Also auch du willst uns im Stiche lassen. Dick« Bücher lesen, weise reden, das kannst du, aber jetzt, wo«- darauf ankommt, bist du feige."„Feigling, Feigling," höhnte ein Weib mit gellender Stimme und zerzausten Haaren. Das Wort traf ihn wie ein Peitschenhieb. Schon wollt« er zu ihnen eilen, aber da sah er unter ihnen den Dorfschulzen von Hertin, den dicken Nywlt, einen großsprecherischen Schreihals, der insgeheim seine Geschäfte mit den Herren machte, aber ins Gesicht den Armen gut« Worte gab. Wer weiß, zu welchem dunkeln Zwecke Nywlt mitmarschierte. Und überhaupt! Beschweren mochten sie sich ja, aber gleich mit Sensen, Flinten und Hacken auszurücken, das war zuviel. Außerdem das Gesindel, das sich nach vorne drängte! Das waren ja nicht nur die Notleidenden, das war dec Abhub aus allen Ecken der Güter zusammengefegt. Mochten sie tun, was sie wollten. Da- waren nicht die armen, edlen Men» scheu, für die«S zu kämpfen galt. Als der Haufe sah, daß er bei ihm nicht- auSrichten würde, zog er lärmend und johlend weiter. Jetzt konnte man beim Schein der Fackeln auch die Nachdrängenden erblicken. Da- waren aber kein« wilden Schreihälse mehr, keine Marodeure und Gelegenheit-sucher, da» war die Armut auf dem LeidenSmarsch.Alle in Fetzen, alle mit pergamentenen Gesichtern, deren Haut sich so über den Knochen spannte, daß die Köpfe aussahen wie mumienhaft« Totenschädel. Dazu keuchten sie, husteten erbärmlich und haften di« Kragen der zersetzten Röcke hochgeschlagen. Ihr Schritt war matt mü> schlürfend, ihr Rücken krumm und die Haare flatterten zerzaust im Wind. Matthias spürte, wie bei diesem Anblick sein Herz schwer wurde gleich einem Krug, der sich mit Wasser füllt. Ganz zuletzt sah er hinter dem Zuge den armen Dostal hinken. Ein hochmütiger Baron hatte den hübschen, gutgewachsenen Jungen, al» er ihm eines Tages nicht rasch genug auswich, in der Trunkenheit mit seiner Karosse überfahren. Seitdem schleppte er sich mit einem Holzbrin durchs Leben. Die Mädchen sahen an ihm vorbei und wenn er um Arbeit suchte, wurde er abgewiesen. Ein braver, etwas schüchterner Junge. Der Baron hatte ihn eine kleine Rente ausgesetzt, zum Sterben zuviel und zum Leben zu wenig.„Also auch der geht mit?" dachte Matthias.„Das wird ihm seine Rente kosten. So etwas riskiert er, und ich?" Der lärmende Zug verlor sich langsam aus seinem Gesicht, aber der kleine Dostal, der mit den anderen nicht Schritt halten konnte, klapperte mit dem Holzbein hinterdrein. Da» Holz schlug auf das Ei» wie ein Hammer,„klapp, klapp", schlug es. „Der geht mit dem Holzbein mit, der geht mit, mit dem Holzbein", arbeitete es in Chwojka» Kopf.„und ich?"... Plötzlich riß sich Chwojka los.„Man kann sie nicht allein lassen, sie laufen blindlings in ihr Verderben." So wie er war, ohne Hut und Mantel, lief er mit. Er fühlte sich fast erleichtert, als er den Jungen mit dem Holzbein eingeholt hatte. .Klapp, klapp" hämmerten jetzt auch seine Schläfen. Einig« sahrn sich um und erhoben, al» sie Chwojka erblickten,«in großes Geschrei.„Ehwojka ist da, er geht mit un»."„Nach vorn," riefen sie, und ehe er sich» versah, stießen sie ihn durch den Haufen und drängten ihn an di« Spitze de» Zuge» neben einen, der sich au» weißen und roten Hemden ein« phantastisch« Fahne zurechtgeflickt hatte. Di« spürten alle nicht mehr die Kält«, sie sangen und auf einmal kam etwa» wie Ordnung in den Zug. Nywlt, der Dorfschulze von Hertin, machte zwar ein paar bissige Bemerkungen mit fetter, lauter Stimme, und«in Mann mit einem wahren Raubvogelgesicht, der sich dem Zuge wenige Stunden zuvor angeschlossen hatte und vorgab, ein fremder Wanderer au» adeligem Hause zu sein. Er, der zuerst am lebhaftesten Chwojka zum Mitgehen aufgefordert hatte, schien jetzt wenig erbaut davon zu sein, daß einer hinzu gekommen war, der ihm seinen Einfluß auf die Masse streitig machen konnte. Aber Thwojka drängte sich nicht vor, nur als der Mann mit dem Raubvogelgesicht rief: „Jetzt geht» nach dem Schloß in Kratenau, da werden wir uns die Kasse des Herrn Verwalters holen", protestierte Chwojka:„Wir wollen kämpfen, nickt rauben und plündern". Ehe er noch etwas dagegen ausrichten konnte, stürmte die Masse dem nahegelegenen Schloß zu, aber sie fanden das Nest leer. Der Verwalter Ivar ausgcrückt und hatte die Kaffe wohlweislich irgendwo vergraben. Die Menschen waren über den Mißerfolg erbost und fühlten doppelt die Müdigkeit, die Kälte und den Hunger nach durchwanderter Nacht. Der Kleine mit dem Holzbein fieberte fast vor Ermattung, Thwojka sah ein, daß es so nicht weiterging, er stieg einige Stufen der Schloßtreppe empor und sagte:.Hetzt machen wir eine Weile Rast, auf eigene Faust geht keiner ins Schloß. Im Hof und in der Halle machen wir un- ein Feuer. „Einige Mann erbitten von den Bauern Brot und Fett!"„Wer wird uns das geben", gröhlten einige.„Ich werde mitgehen, und selbst dafür sorgen, erwiderte Matthias. Nach einer Stunde kehrte er zurück, er hatte im Dorf die Feuerglocke geläutet und den herbeigeftrömten Bauern gesagt, daß im Schlosse einige hundert bewaffneter Männer seien, die sich auf den Weg gemacht hätten, um in Prag gegen die Fronarbeit für die Gutsherren zu protestieren. Er hatte das den Bauern so klar und dringlich vorgestellt, daß sie tatsächlich Brot und auch Fleisch und Dein brachten, soviel sie nur hatten und daß sogar einige von ihnen selbst mitzukommen sich entschlossen haften. Dieser Erfolg schaffte Chwojka ungemeine Achtung, jetzt mochte der fette Dorfschulze reden, was er wollte und der Mann mit dem Raubvogelgesicht krächzen wie ein machung ihrer Einrichtungen-egen die dem«» kritische Tschechoslowakische Republik auf-ehrtzt. Damit wird einer politischen Spannung zwischen den beiden Ländern vorgearbeitet» von. der die Nationalsozialisten hoffen, daß sie sich gelegentlich zu ihrem Vorteil ausnutzen lassen wird. Wir wollen darauf heute nur antworten, daß in unserem Staate keine friedlichen StaatSbürg«c als Staatsfeinde überwacht und verfolgt werden; daß e» aber im Reiche de» Dr. Leer zehntausenoe friedliche Menschen gibt, die ohne da- geringste Vergehen in den Konzentrationslagern und in den Gefängnissen gefoltert werden, daß es in Deutschland Millian en Menschen gibt, die glücklich wären, wenn sie die Freiheit»nd die Sicherheit genössen, dir in der Tschechoflowakei jeder Staatsbürger ohne Unterschied der Bolts» Zugehörigkeit genießt. Aber wir machen auch gar keinen Hehl daraus, daß wir wünschen, die berufenen Organe des Staates möchten gegen d i e„friedlichen" Staatsbürger, die Dr. Leers meint, viel strenger vorgehen als bisher; nämlich gegen jene Fasciften, die mit reichsdeutschen Stellen zur Unterwühlung der demokratischen Verfassung konspirieren, die den Menschenraub in unserem Lande organisieren und die die Morde an den Jng. Formis und Hem Prof. Lessing vorbereiteten und begünstigten. Diese auf Anweisung von rrichsdeutschrn Stellen arbeitenden „friedlichen Staatsbürger" sind in der Tat eine Gefahr für unser Volk und für unser Land, wie jeder Tag der Existenz des nattonalsozialistischrn Terrorregimes Europa«nd den Frieden von neuem bedroht! ständigen Ausschusses ausspricht, der den Ausgleich zwischen Industrie und Landwirtschaft durchführen soll. Das Blatt bemerkt hiezu» daß diese beiden Reden allgemein^als vorbereitete Kundgebungen angesehen werden, welche die deutschen Industriellen an die tschechische Agrarpartei annähern sollen, wie die- auch der Plan bei der politischen Schützenhilfe für die SHF war, die so vor der Auflösung bewahrt werden soll, auch wenn die große Mehrheit der Bevölkerung diese Auflösung aus staatlichen und nationalen Gründen fordert. Tschechisch-sozialdemokratische Kandidaturen. Die daS„Närodni Osvobozeni" berichtet, hat der tschechische Genosse Dr. Lev Winter, der bisher den Wahlkreis Laun vertrat, wegen Krankheit auf die Spitzenkandidatur verzichtet. Er wird über eigenen Wunsch lediglich an 17. Stelle kandidieren. Die Senatsliste im Wahlkreis Laun führt, wie bisher der Vorsitzende des Senate», Dr. Soukup. Im Wahlkreis Prag A kandidieren die tsche- chischen Genossen den Minister Dr. Meißner, die Abgeordnete JarneLkovä und den Abgeordneten Tayerle, in Prag B führen die Genossen Hampl, Klein und Macek.-•- Landeswahlen rind Rundfunk. In der Sitzung de- Budgetausschusses der böhmischen Landesvertretung, die Dienstag stattfand und in welcher der Rechnungsabschluß für das Jahr 1934 genehmigt wurde, sprach in der Debatte für unsere Partei Genosse Dr. Strauß. Er regte u. a. an, daß in der Woche zwischen dem 19. und 26. Mai, d. i. unmittelbar vor den Neuwahlen der Landesvertretungen, führende Funktionäre der Selbstverwaltung im Rundfunk icher die Leistungen der Lan« deSvertretungen in der abgelaufenen Wahlperiode sprechen sollen, und zwar sowohl in tschechischer als auch in deutscher Sprache. heiserer Rabe. Alle hörten nur noch auf Mar- thiaSChwojka.„Wir marschieren nachChkumec"ver- kündete Matthias am nächsten Morgen, nachdem alle durch da- Nachtquartier in den warmen Ställen und in der guigeheizten Schloßhalle und durch eine heiße Einbrennsuppe sich gekräftigt hatten. In Chlumec residierte der Wirtschaftsdirektor Anton Pietsch, ein wahrer Bauernschinder. Chwojka teilte den Zug, der sich unterwegs noch zu einem schon nach Tausenden zählenden Haufen vermehrt hatte, in drei Abteilungen, um so rascher vorrücken zu können. Kurz vor Chlumec vereinigt« man sich wieder. Chwojka war allerdings genö- ttgt, den Mann mit dem Raubvogelgesicht aus der Schar auszustoßrn. Er hatte eine der beiden ao- gezweigten Abteilungen geführt und war unterwegs in Groß-Barchowek in die St. Nepomuk« kapelle eingedrungen, dort hatte er eine Monstrmrz geraubt und in einer für viele verletzendem Weise höhnisch den Segen erteilt, er gebärdete sich dabei wie ein Irrer, schwang seinen Rock wie zwei Flügel und sprang wie ein unruhiger Vogel umher, wobei er allerlei Kirchenlieder nach Gassenhauerweise krächzte. Als ihm einige wegen feiner Strenge zu dem„Raubvogel" Vorhaltungen machten, wies sie Chwojka entrüstet ab:„ein Narr i n unseren Reihen ist schlimmer al» zehn Reihen gegen un». Der Mann mit dem Raubvogelgesicht schlug in die Büsche, er lief geradenwegs zur nächsten Garnison, um sie zu alarmieren, di« Monstranz behielt er bei sich, er soll sich von ihrem Erlös bei einem Hehler später noch gute Tage gemacht haben. In Chlumec rüstete sich die Bürgerschaft zur Abwehr, man hatte ihr die Bauern als wild« Horden geschildert und so war sie weit davon entfernt, sich mit den Scharen verbrüdern zu wollen. Die Aussichten der Bürgerwehr waren freilich gering, denn auf ihrer Seite befanden sich lediglich eine militärische Wache von acht gut ausgerüsteten Soldaten und bei den Bauern hatte sich manch einer eingefunden, der daheim ein« Jagdflinte Ä>er sogar ein Gewehr im Schranke stehen hatte. .(Fortsetzung folgt.). I I« & ie ch ch ec «: 02 ih it ric He fei -» «.s Me s- a« n* dir n« 'n» ICIt ine vir en ••n ich een >cn jcn eh 1 en, üt« «f‘ -he INS en. der »iS« heit bcr' )ie- hrt, Olt» »e. die !ten i 'Pl. ung >er- der i nitf.' rtei, B in >. i. tre- wl- an- iode als ?ai- 1 Derbem läl-- urch n. slict tber.] h zu; ufen scher 'igle i enö-’ > der ao«| ihr«| nut« 1 ranz 1 Seife; >abei< Flü« 1 aher, iuer» i einer ngen ,e i n zehn! aub« f wen« mir« l st-b gute t zur Hot« i lernt. Di« ring. eine steten, nanch flinle hatte. Ne. 91 Mittwoch, 17. April 198». Seite 2 fudetendeutsefter£cifepicgef I Auch künftighin zwei jüdische Atgeordnet«. Zwischen der tschechischen sozialdemokratischen Partei und der jüdischen Partei ist ein Abkommen getroffen worden, wonach auf der Liste her tschechischen sozialdemokratischen Partei für die Juden der bisherige Abgeordnete Dr. Angelo Goldstein und der Direktor deS hebräischen Gymnasiums in Mukaäevo Dr. Kugel kandidieren werden. Am Montag meldet« der Leipziger Gender, daß die Gudetendeutsche DolkShilfe in 2280 Ausschüssen 6 Millionen K8 gesammelt habe. Diese echtGöbbelscheMeldung, der man die Unwahrheit auf den ersten Blick anmerkt, ist natürlich dazu berechnet, der Henleinfront Wahlhilfe zu leisten. Innerparteilicher Streit v»n Fasristen. In Gmunden geriet ein Angehöriger der Ostmärkischen Sturmscharen, Karl Würflinger, in einen Konflikt mit einigen Nationalsozialisten. Ein Nationalsozialist versetzte ihm einen Stich in den Unterleib, worauf Würflinger zwei Schüsse ab« feuerte und einen anderen Nationalsozialisten namens Förstinger traf. Beide mutzten in» Spital gebracht werden. zu einem so großmütigen Geschenke bereit gewesen wäre, daß sie sich dazu verstanden hätte, den auf ihren Listen unerwünschten Herren Jsraelite 1 nicht nur Wahlgelder abzunehmen, sondern auch Stimmen zu liefern, wieso hindert das Quorum den ritterlichen Konrad Henlein an dieser politischen Transaktion? Er kann noch heute der DAWG einen Wahlkreis und damit Mandate des ersten Skrutiniums schenken, und daß er ihr ohne Quorum deren mehrere und damit auch noch die Möglichkeit einer Reststimmenverwertung dar- geboten hätte, glaubt dsch die DAWG selber nicht, da sie nach dem Auszug»Roscher zwei Abgeordnete, aber keineswegs die dazugehörigen Wähler zählt. Aber sogar dieses Geschenk kann Herr Henlein der DAWG auch noch jetzt machen, ohne daß sich durch daö Quorum f ü r i h n etwa» ändert, denn die Reststimmen einer selb« ständigen spAWA-Liste würden der SHF auf jeden Fall verloren gehen, ohne Quorum nicht anders als mit Quorum. Die ganze Argumentation beruht auf der Vorstellung, daß das Quorum schon für das erst«, nicht, wie die Wahlordnung sehr deutlich bestimmt, erst für da» zweite Skrutinium, also für R« st» stimmenmandate gilt. Dabei handelt es sich keineswegs um einen Irrtum der„Bohemia", die schon seinerzeit den Inhalt der Wahlnovelle in ihrem Parlamentsberichte durchaus zutreffend wiedergegeben, ihren Sinn aber im Leitartikel verfälscht hat, sondern um ein« bewußte Blödmacherei, der in und außer Prag kein Mensch aufsitzen wird. Es bleibt also bei unserer Feststellung, daß die halbierte DAWG, unabhängig von der Einführung einer Quorums nicht selbständig kandidieren kann, da schon die ganze DAWG, als noch kein Quorum bestand, nicht selbständig kandidieren konnte. Berlin.(DNB.) Laut Mitteilung der Osna brücker Staatspolizei wurde der Bund katholischer Schüler an den höheren Lehranstalten„Reudeutschland" aufgelöst. Wie der„Angriff* hiezu erfährt, hatten vor wenigen Tagen acht dem Bund angehörende Schüler einen unerhörten Sabotageakt gegen die Hitlerjugend unternommen, indem sie ein in Lingen q. d. EmS neu eingerichtetes Hitler-Jugendheim zerstörten. Paris. Havas meldet aus Belgrad, daß Nachrichten aus Laibach zufolge, dort in den letzten Tagen ein gewisser Hildebrand weilte. Hildebrand soll einer der hitlerischen Emissäre sein, die im Jänner in Zähoki bei Prag den deutschen Emigranten Jng. Formis ermordet haben. Hildebrand weilte in Laibach insgeheim bei dem Vorsitzenden Schützenhilfe des Leipziger Senders für die Henleinfront Die deutschen Propagandastellen haben wiederholt zugunsten der Sudetendeutschen Heimat« front, deren Führer Konrad Henlein die Zustände in Deutschland nach seinen eigenen Erklärungen allerdings nicht kennt, propagandistisch eingegriffen. Im bevorstehenden Wahlkampf scheint man die hitlerdeutschen Methoden, die allgemein bekannt sind, noch vergröbern zu wollen. Vie belgischen Sozialisten Im Vormarsch Brüssel. Der' sozialistische Minister S p a a l Mrd». ssMWlS,zum.Abgeordneten gewählt. Gegenüber den letzten Wahlen haben die Sozialisten bedeutende Gewinne aufzupreisen. Vie Masaryk-Landesanstalt für die Tuberkulosebekämpfung Anläßlich deS 80. Geburtstages deS Präsidenten der Republik hatte die böhmische Landesvertretung beschlossen, eine Anstalt zu errichten, welch« der Bekämpfung der Tuberkulose dienen und den Namen deS Präsidenten tragen sollt«. AlS Ort war der Berg P a n z e r in der Nähe von E i s e n st e i n im Böhmerwald ausersehen. Auf Grund der in den Jahren seit der Beschlußfassung vorgenommenen Untersuchungen kam dar G c- sundheitsministerium zu dem- Gutachten, daß die vorgeschlagene Gegend sich nicht für die Errichtung einer Lungenheilanstalt eignet, hauptsächlich, weil die häufigen Nebelbildung.n den Krankheitsverlauf schädlich beeinflussen. Daneben führte da» ministerielle Gutachten noch ein« Reihe finanzieller und administrativer Gründ« an. die gegen das ursprüngliche Projekt sprechen. Der Landesausschuß legte demzufolge in der jetzigen Session der Landesvertretung einen Bericht vor, welcher in den Antrag auSklingt, von her Errichtung einer neuen Anstalt Abstand zu nehmen, ab.r die bereit» bestehende in Schwarz-Ko st«- letzt» Mittelböhmen auszubauen. Der Antrag wurde angenommen. Genosse Lorenz wieS in der Debatte darauf hin. daß bei der Auswahl des ärztlichen und des Hilfspersonals auf die sprachliche Qualifikation Bedacht genommen werden muß, damit die Pfleglinge deutscher Nationalität sich in der Anstalt Wohlfühlen können, i Der Antrag wurde zustimmend dem LandeSauS« schuh zugewiesen. Ist der Abschiedsbrief der Dora Fabian gefälscht? London.(AP) In bestimmten politischen Kreisen wird zur Untersuchung in der Angelegenheit Fabian—Wurm bemängelt, dass das Gericht die Tatsache deSzweimaligenEinbruchS bei Dora Fadian völlig autzeracht ließ und sich außerdem weigerte, verschieden« wichtige Zeugen» aussagen entgcgeuzunehmen, mit der Motivierung, sie gehörten in das Gebiet der Politik. Erst jetzt wird auch bekannt, daß der Brief, der angeb. lich von Dora Fadian geschrieben worden ist, wofür auch nicht ein Schatten eine- Beweises erbracht wurde, nicht nur, wie berichtet, nicht unterzeichnet, sondern sogar stenographiert wark Die Adresse auf dem Umschlag war mit der Maschine geschrieben. Alle- dies wirft auf die Angelegenheit de- angeblichen Selbstmorde- der beiden Frauen ein mehr al- merkwürdige- Licht. vergeben-, AlS sein Patient kurz vor Mittag für immer die Augen schloß, ging er gesenkten Haupte- leise zur Tür hinaus... Ehre jenen Soldaten, die da- furchtbare Antlitz de- kriegsmäßigen Massenmorden- zu mildern und di« Schuld der Kriegsstifter— seien dies« nun in der eigenen oder in einer fremden Ration zu suchen— dadurch zu sühnen bestrebt sind, daß sie keine Gelegenheit ungenützt lassen, Handlungen edelsten Menschentum- und selbst» üsser Nächstenliebe zu vollbringen| Den Namen de- jungen englischen Arzte- habe ich nie erfahren. Doch verdient vermerkt zu werden, daß er ein Angehöriger des Gloure« ster-RegimenteS der englischen Egypten-Division war. Zur Erinnerung habe ich mir daß Regi- mentSabzeichen dieser Truppe aufbewahrt, das ich von einem„Tommy" gegen ein andere- Andenken eintauschte: eine kleine Sphinx inmitten einegoldenen Lorbeerkranzes... • Damals, in den ersten Novembertagen de- JahreS 1918, fielen viele Taufende in Gefangen« schäft, und es ist möglich, daß sich unter diesen ehemaligen Kriegsgefangenen welche finden, die sich an die eben erzählte Begebenheit erinnern und diese Zeilen zu Gesicht bekommen. Ihnen sei noch folgendes gesagt: Der vorstehende Artikel wurde in den Londoner„Times" abgedruckt, worauf mir einige Tage später von Colonel Rewth. dem derzeitigen Kommandanten des Gloucester« shire-Regiments, ein Schreiben zuging, in dem er mir mittelte, daß er— auf Grund sofort ge- Wem dient das „deutschpolitische Arbeitsamt**? Eine Schnorraktion bei den Unternehmern Das in Prag H-993 befindliche„Deutschpolitische Arbeitsamt", die sich taxfrei als„Nationale Zentralstelle des Deutschtum- in der Tschechoslowakischen Republik" bezeichnet, unternimmt bei Unternehmern und Körperschaften«in« großzügige Schnorrattion. Hiebei wird versichert, daß das Arbeit-mnt als„einzige über allen Parteien stehende natio« nalpolsiische Zentralstelle" dem„gesamten Deutschtum wertvolle Dienste geleistet" habe. Auch der Arbeiterklasse? Dann wird von der Durchführung einer grundlegenden Umformung seine- organisatorischen Aufbaues gesprochen. Dann wird aufgezählt, welch« Leistungen des„Deutschpolstische Arbeit-« amt" in letzter Zeit vollbrachte. Wörtlich heißt eS: es „gekeng, die einen»roßen Teil fudetendcutscher TtammeSgenessen in ihrer Existenz gefihrdenden Berdächti-nngen-n zerstreuen und bezüglich der Lieuidation schon anhängizer Fälle«in Amnestie- und Ab«» litionSverfahrenznwirken, ferner nntzevechttgt verdSchtißt« Organisationen von der drohenden Auflös u n g zu bewahren,«inseftell- ten Vereinen zur Wiederzeneh- miaunzihrer Tätigkeiten v«r- helfen und die weitere Mstardeit deS Sudeten» deutschwmS in verschiede neu internet! e» nalenArbeitSbereichen, wie z. B. den Eurepäischen Rationalitätenkongreß, den verband der deutschen Volksgruppen in Europa zu sichern.. Osine viel Umschweife kann darnach behauptet werden, daß da«„Deutschpolitische Arbeitsamt" sich rühmt, den offenen und versteckten Nazis, die seitens der Staatsbehörden unter die Lupe genommen wurden und deren Organisationen erfolgreiche Hilfe geleistet zu habenI Da hiebei von„einer ständischen Unterstützung aller politischen Faktoren" die Red« ist, muß man annehmen, daß neben Minister Dr. Spina auch noch andere politische Kräfte(tschechische Agrarier!) ihre Hände im Spiele hatten. Herr Minister Dr. Spina hat inzwischen den wohlverdienten Dank seitens der Hitler-Henleinbrüder erhalten, für di« anderen wird er auch nicht auS- bletben. Die Schnorrerei wird kamst begründet, daß das„Deutschpolitische Arbeitsamt" augenblicklich eine Passiva von 90.000 Kö aufweist und heuer trotz aller Sparsamkeit einen Jahresbedarf von 800.000 KC hat. Die Angeschnorrten werden vom Präsidium— Dr. Eugen Ledebur- Aich«l n, Minister Dr. Spina, Großindustriellen Braß und— Konrad Henlein höflichst gebeten, den Bettelbrief als„dringliche Angelegenheit entgegenkommendst zu erledigen". Hoffentlich greifen di« Herren Rosche, Doderer, Liebieg usw. tief in die Tasche und sanieren das.Deutschpolstische Arbeitsamt", das so ausgezeichnet durch.überparteiische Arbeit" das„gesamte Volkstum" schützt. Di« aus dem Arbeitsamt hervorgegangenen engsten Mitarbeiter Henleins und dieser selbst, haben nach dem oben angeführten Aufgabenkreis des »Deutschpolitischen Arbeitsamtes" wohl das größte Interesse daran, daß es erhalten bleibt... legten. Leider muß eingestanden werden, daß dieser Herr— im Gegensatz zu seinen Kameraden, über die ich auf Grund meiner mehrjährigen Frontdienstleistung nur Beste- sagen kann!-— sich um die ihm anvertrauten SpstalSinsassen herzlich wenig bekümmerte und in erster Linie bestrebt war, von der ihm eingeräumten völligen Bewegungsfreiheit ausgiebigst Gebrauch zu machen. Indes erschien alsbald ein blutjunger englischer Sanitätsoffizier, der— ohne mit einem einzigen Wort die Handlungsweise seines österreichischen Berufskollegen zu kritisieren— dessen Obliegenheiten übernahm und sich vor allem der Pflege und Behandlung de- schwer leidenden Oberleutnant- Schuster widmete, vierzig Stunden, während welcher er kaum zwei« oder dreimal das Zimmer auf fünf Minuten verließ, verbracht« er ohne Unterbrechung am Bett des Kranken, und ich bin in der Lag«, zu bezeugen, da* er sich diese ganze Zest über nicht einmal so viel Muße gönnte, um auf einem Stuhl ein Weilchen auszuruhen! In den frühen Morgenstunden des 9, November stand e- mit Oberleutnant Schuster bereits sehr schlecht. Der junge englisch« Arzt, der sich keinerlei Ermüdung anmerken ließ, war verzweifelt, al- ging« es um da- Leben seines Bruders. Da hörte er das Rattern eines Auto-,... stürzte hinunter und erfuhr, daß der Wagen aus Trient Lebensmittel holen sollte. Ohne sich mit dem Wagenlenker in eine lange Debatte einzulassen, gab er ihm den Befehl, auszusteigen. sprang dann selbst in den Wagen und raste wie irrsinnig davon. Innerhalb einer unglaublich kurzen Zeitspanne war«r wieder da: mit einem Gummiballon und einer Sauerstofflasche. Und nun begann er jene- Rettungswerk, das das einzige und letzte war, von dem er sich noch einigermaßen Erfolg erhoffen durfte.., leider s Warum legen übrigens die Herren so groß, n Wert darauf, weiterhin DAWG zu heißen, ob« > wohl von den beiden Bestandteilen dieses Gcbil- > des nur einer übriggeblieben ist? Sie wollen offenbar nicht Demokraten g?« jnannt werden. Das ist wichtig zu wissen. Aber dann mögen sie auch gütigst darauf verzichten, anderen eifervolle, jedoch falsche Belehrungen über Demokratie zu erteilen. Erfolgreiche Werbetätigkeit der Llskowltzer Genossinnen Unsere roten Kolonisten in Liskowetz im Kreisgebiete Troppau haben nicht«Nein in ihrer Erzgebirgsheimat» in Rothau, Fischern und wie die Orte alle heißen, vorbildliche OrganisationS« und Parteiarbeit geleistet, sondern sie wissen auch waS ihre Pflicht als klaffenbewußte Arbeiter und Arbeiterinnen in ihrem neuen Wohnsitz, in ihrer neuen Arbeitsstätte ist. Die Vorsitzende der Frauensektion berichtet, daß die Frauentag-feier ihr« anhaltende Wirkung nicht verfehlt hat. Neun Genossinnen haben sich in den Dienst der guten Sache gestellt und 87 neue Genossinnen der Partei al- Mitglieder zugeführt. Unser« fleißigen Genossinnen Hatzen durch die geleistete Werbearbeit wieder den vewei- erbracht, was guter Wille und Arbeit-terettschaft für di« Partei zu vollbringen vermag. pflogener Erhebungen— in^der Lage sei, mir deS Deutschen Kulturbundes. Der Vorsitzende mitzuteilen, daß jener blutjunge englische Sani», dieses Kulturbundes reiste gestern nach Graz ab, tätSofsizter, von dem ich berichtet habe, ein Hildebrand soll sich noch auf slowenischem Gebiet Australier war mit Namen Browman. 1 aufhalten. Dle„Bohemla",dat Quorum und die Tatsachen Die„Bohemia" setzt ihre Bemühungen fort, die Einführung eines Quorums von 120.000 Stimmen zu einem Wahlschlager zu gestalten. Da Wahlschlager für die DAWG auf keinerlei Weise zu konstruieren sind, kann damit nur ein Wahlschlager gegen die Sozialdemokraten beabsichtigt sein. Dieser versuch wird auf folgende Art unternommen: „Wäre dieses Quorum nicht beschlossen worden, so wäre es der DAWG mit Unterstützung der SHF möglich gewesen, ohne daß ihre Kandidaten auf der SHF-Liste zu kandidieren gehabt hätten, mit eigenen Listen in die Wahlen zu gehen. Erst das Quorum führte zu der Erwägung, daß die DAWG-Kandidaten auf der SHF-Liste erscheinen und im weiteren Verfolg zu einer Ablehnung, da einige Voraussetzungen der SHF in diesem Falle aus prinzipiellen Gründen für die DAWG nicht tragbar find,"(Bohemia, 1Z, April 1935.)- Erwägung und Ablehnung, deutsch gesagt Bittgang und Fußtritt, werden also erneut-uge, standen, aber der Zusammenhang mit dem Quorum bleibt absolut schleierhaft. Wie hätte denn die DAWG mit Unterstützung der SHF, jedoch auf eigenen Listen, zu kandidieren vermocht? Das wäre doch nur so möglich gewesen, daß die SHF in einem Wahlkreise, in dem sie auf ein bis zwei Mandate hofft, nicht kandidiert, sondern ihren Anhängern die Wahl der„selbständigen" DAWG» Liste empfohlen hätte. In den anderen Wahlkreisen hätten die DAWG-Leute, einschließlich der Prager Juden, für die SHF stimmen müssen. Gesetzt den unwahrscheinlichen Fall, daß die SHF Heldentum von Ernst Machet. Da in den meisten Werken der heutigen Kriegsliteratur neben Schilderungen verschiedener Kriegsgreuel fast ausschließlich von jenen„Heldentaten" die Red« ist, die sich auf eine bravoröse Leistung im Dienste der Menschenvernichtung beziehen, ist es nur recht und billig, auch einmal einer jener wirklichen Heldentaten zu gedenken, die Menschenliebe zur Triebfeder haben.... Als wir nach dreitägigem Rückzug das Plateau der Sieben Gemeinden endlich hinter uns hatten und, halb verhungert und zu Tode erschöpft, in das Suganatal hinabgestiegen waren, in der Hoffnung, uns der feindlichen Umklammerung noch in letzter Minute entziehen zu können—, liefen wir den Engländern in die Arme. Wer noch halbwcaS imstande war, sich auf den Beinen zu kalten, wurde nach Trient dirigiert, die Kranken und„Zusammengebrochenen" dagegen brachte man in die umliegenden Feldspitöler. Dies geschah am 7. November 1918. Im ehemaligen k. u. k. Feldspttal in Taldom uazzo, in das ich nebst andern eingeliefert wurde, befanden sich durchaus Marschunfähige und Bon« Kräften-Gekommene(also keine ausgesprochenen Kranken), bis aus einen einzigen schweren Fall: »en des Artillerieüberleutnants Schuster aus Graz, bfr sich eine Lungenentzündung oder etwas ähn- nches zugezogen hatte, . Die Engländer, die uns in keiner Weise silh- ien ließen, daß wir uns in Gefangenschaft hefan- »en, glaubten nun, untz dadurch in besonderem Maße entgegenzukommen, daß sie die Spitals» lettung in die Hände eines gleichfalls in Gefangenschaft geratenen österreichischen Assistenzarztes Kommunisten: Generale ohne Truppen Da-„Cestt Slovo" schreibt zu dem jüngsten kommunistischen Angebot gemeinsamer Maifeiern, daß dieses Angebot zwar der Form nach ganz ungewohnt anständig sei und nicht ein einzigesmal auch nur das Wort Sozialfaschisten vorkomme, aber diese plötzliche Wendung der kommunistischen Führung könne irremachen. Die kommunistische Führung hat nicht nur jede» politische, sondern auch jedes menschliche vertrauen längst verloren. Die sozialisttschen Parteien, die sich ihre Positton durch ehrliche Arbeit für di« arbeitenden Klassen und für den Staat erworben haben, werden nicht die verlorene Position der kommunistischen Führung stärken helfen. Die kommunistische Mitgliedschaft wendet sich schon in Haufen von"der analphabetischen und unfähigen Polttik ihrer Führung ah, die nur den Boden für die wirtschaftliche und soziale Reaktion vorbereitet hat. Die kommunistische Führung sind Generale ohne Truppen, denn hinter ihnen steht heute nur mehr ein Häuflein abhängiger Schreier. Seite 4 Mittwoch, 17. Avril 1935 Nr. 91 184 Perlenfischer ertrunken Sturmkatastrophen Tokio. An der Westküste Australiens, westlich von Vroom, gerieten Perlenfischer in einen schwere« Sturm. Die Boote der Fischer kenterten und die Insassen stürzten ins Meer. 184 Perlenfischer, unter ihnen 61 Japaner, ertranken oder fielen den Haifischen zum Opfer. Chittagong(Bengalen). Ein Wirbelsturm von noch kaum dagewesener Stärke brauste über den Ostteil des Bezirkes von Chittagong dahin. Binnen einer halben Stunde waren mindestens 1000 Häuser und fast alle großen Bäume umgerisfen. Die Gewerbeschule von Chittagong wurde buchstäblich 50 Meter weit fortgeweht. * Kalkutta. Der Sturm über Kalkutta erreichte am Montag abends eine Geschwindigkeit bis zu 115 Stundenkilometern. Umstürzende Bäume zerrissen die Oberleitungen der Straßenbahn, wodurch der Verkehr stillgelegt wurde. Ein Schaffner wurde durch einen elektrischen Schlag getötet. Der Telephon, und Telegrammverkehr von Kalkutta nach Madras und Rangoon ist gestört. Die Stromversorgung in Südkalkutta ist unterbrochen. * W a r s ch a u. In zwei Kreisen des südwestlichen Polens vernichteten Wirbelstürme etwa 150 Gr bände und richteten auf den Feldern gewaltigen Schaden an. Tagcsncnlgkcitcn 25 Todesurteile in Sofia Sofia. Tas Sofioter Militärgericht führte in den letzten Monaten im ganzen 20 Prozesse gegen mazedonische Terroristen, die in den mazedonischen Bezirken Razlog, PetriL, Küstendil und Nevrokop Mordanschläge verübten, durch. Im ganzen wurden 23 Todesurteile gefällt, von denen der größteTeil durch das Militär- lassationsgericht bestätigt wurden; worauf stc vollstreckt werden. Weitere Urteile wurden gegen jene Terroristen gefällt, die vermißt oder ins Ausland geflüchtet sind. Der Führer der revolutionären Organisation, I v a n M i ch a j l o v, der sich in der T ü r k e i aufhält, wurde dreimalzum Tode verurteilt. Die Vollstreckung dieser Urteile hängt von der Entscheidung einer besonderen Kommission ad, der zahlreiche Begnadigungsgesuche vorgelegt wurden. 29 Bergarbeiter getötet Tokio. In einem Bergwerk in Dusen in Korea ereignete sich ein schweres Grubenunglück. 29 koreanische Bergarbeiter fanden den Tod. Zehn Mann der Belegschaft konnten gerettet werden. Sprengstofflager explodiert New N o r k. In Helenwood(Tennesse) ereignete sich rin furchtbares Explosionsunglück. Ein Brand, der in einem Wohnhaus ausgrbrochen war. breitete sich auf einen Lagerschuppen, in dem 20 Kisten mit Dynamit und 200 Kisten mit Schießpulver aufgespeichert waren. Dir gesamten Sprengstoffvorräte explodierten. Außer der Bahnstation wurden 36 Gebäude zerstört, bezw. schwer beschädigt, 100 Menschen wurden mehr oder weniger schwer verletzt. 200 Personen sind obdachlos geworden. Eine Reihe von Personen hatte sich kurz vor der Explosion in Sicherheit drin, gen können» da der Bahnhofvorsteher die Einwohner noch rechtzeitig warnte. Pulvermagazin in die Luft geflogen Warschau. In der staatlichen Schießpulver- fabrik in Pianki bei Radom erfolgte heute nachmittag in einem Pulvermagazin eine Explosion. Das Atagazin flog in die Luft. Vier Arbeiter fanden den Tod, drei erlitten überaus schwere Verletzungen und wurden in hoffnungslosem Zustande ins Spital überführt. Die Ursache der Explosion ist bisher noch unbekannt. Grubenunglück in Jugoslawien Belgrad. Im Bergwerk Novo Brdo bei Mitrovica am Kosovo ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Während eine Partie von Bergleuten in einem 180 Meter tiefen Schacht auf den För- derlorb wartete, stürzte derselbe infolge schadhaften Drahtseiles in den Schacht. Zwei Bergleute wurden auf der Stelle getötet, einer schwer verwundet. Pauatt Jstrati gestorben Bukarest.(OR.) Der bekannte rumänische Schriftsteller Panait Jstrati ist Dienstag früh nach langer Krankheit gestorben. Panait Jstrati wurde am 11. August 1884 in Braila in Rumänien geboren. Mit 14 Jahren verließ er die Heimat und begab sich in die weite Welt, wobei er verschiedene Berufe ausübte. Jstrati bereiste Italien, die Schweiz, Frankreich, Griechenland, Kleinasien, Aegypten und Rußland. Von Ramain Rolland, dessen Humanismus Jstrati nahestand, wurde er in die Literatur eingeführt. Jstrati war der Typus des literarischen Autodidakten. Er setzte sich in der Weltliteratur durch den spontanen, elementaren und glühenden Eifer, mit dem er seine Ideen verfocht, durch. Zahlreiche seiner Werke wurden in verschiedene Sprachen übersetzt. So wurde das letzte Werk des Dichters„Die Geschichte des Adrian Zograffi" in 16 Sprachen übertrage,». Den meisten seiner Werke liegen Selbsterlebniffe zugrunde. Panait Jstrati ist vor allem den Arbeitern bekannt. Nach dem Kriege begannen seine Romane in deutschen Uebersetzungen unsere Bibliotheken zu erobern. Die Bewindung von leidenschaftlicher Wahrheitsliebe und sachlicher Schilderung mit einem glühenden Temperament und der Freude am Abenteuer machten seine Bücher beliebt, die Anteilnahme Romain Rollands an seinem Schaffen ließ ihn über Paris den Weg in die Weltliteratur finden. Zuerst K o m m u n i st, wandte sich Jstrati nach längerem Aufenthalt in Rußland sehr heftig gegen die Ungerechtigkeiten, Grausamkeiten und die Engstirnigkeit der Cliquen- und Bürokratenwirtschaft unter der Dittatur. In drei Büchern(„Rußland nackt") schilderte er seine Eindrücke. Vor kurzem hieß es, Jstrati habe sich dem rumänischen Fascismus zugewandt. Es war nicht festzustellen, ob dieses Gerücht auf Wahrheit beruhte. Nach dreimaligem Selbstmordversuch den Tod gefunden Prag. Von der Palacky-Brücke sprang Dienstag nachmittags ein unbekannter Mann in die Moldau. Im letzten Augenblick hielt er sich jedoch an einem Brückenpfeiler fest und wartete. bis zwei Wachleute in einem Boot sich näherten. Dann aber setzte er sich mit einem Messer gegen sie zur Wehr, so daß den Rettern nichts anderes übrig blieb, als den hartnäckigen Selbstmörder erst wirklich ins Wasser zu stoßen, um ihn dann in das Boot ziehen zu können. Kaum hatten sie ihn ans Ufer gebracht, als der Mann von neuem in den Fluß sprang. Nach einer halben Stunde wurde seine Leiche geborgen. Ein Exemplar Edelrasse Ein Genosse schreibt uns: . Im Zusammenhänge mit der Entführungsgeschichte des Journalisten Berthold Jacob wurde immer der Name des Kapitän Manz genannt. Wer ist dieser Manz? Hier ein kleiner Beitrag zu seiner Naturgeschichte. Hugo Man; rüstete im Jahre 1919 beim deutschen Heer al? Hauptmann d. R. ab und wurde kurze Zeit hernach Verlagsdirektor und politischer Redakteur einer demokratischen Provinzzeitung. Das war in Lörrach, jenem Städtchen an der Schweizer Grenze, in das Berthold Jacob von Basel aus entführt worden ist. Die Zeitung„Oberländer Bote" gehörte damals zum größten Teile dem ehemaligen Reichsminister Hermann Dietrich. Manz war ein phantasiebegabter Herr und verkörperte jenen Typ des deutschen Nachkriegsmenschen, dem Krieg und Soldatenspielen alles bedeutet, sozusagen höheres Ziel nienschlichen Seins darstellt, der sich aber in e)n bürgerliches Leben nicht eii- zuordnen vermag. Verschiedene Skandale machten Manz in Lörrach unmöglich. Große Rech-a« fehler, die aus der Kasse des Schwiegervaters berichtigt wurden und schuldig gebliebene Privatrechnungen^ einschließlich Friseur mit Rasieren, Seife/ Pinsel und Rasiermesser für den Hausgebrauch, rundeten das Bild. Nichtsdestoweniger — sechs Wochen später gab Manz in Weil am Rhein, eine Wegstunde von Lörrach, an der Grenz- Deutschland—Schweiz—Frankreich, eine eigene Zeitung heraus. Es war ein Revölverchen. Alles und jedes wurde poussiert. Die„interessante Lokalgröße", die„verkannt" wurde, das kleinste Schulmädchen, wenn es ein Gedicht artig a:s- sagte, wenn der Pate des neuen Blattes„Grenzbote", Bürgermeister Kraus von Weil, eine Markgräfler Weinbeize besuchte. Und das war es, nämlich das viele Besuchen der Markgräfler Weinbeizen, das dem„Grenzboten" schon nach kurzer Zeit das Genick gebrochen hat. Nur dem „Grenzboten", dem Manz nicht. Denn die Leute dortzulande gaben auch damals noch alles für ein Offiziersehrenwort. So konnte der Dianz die Abonnenten- und Jnseratengeldcr in Markgräfler Wcinexkursioncn investieren und die Papierkosten für sein Blättchen,.schuldig bleiben. Der, völkische Allerweltsherold Paul Pfaff hat daun das Manzsche Revölverchen übernommen und schon nach den ersten Versuchen, in die Nachttische Mißliebiger hineinzuleuchten, durfte er es zu Grabe tragen. Manz hingegen verließ bie_ für ihn so ungastlichen Gefilde, siedelte nach Pforzheim über und machte in Bijouterie. Von den Lörracher Rechenfehlern und dem dort schuldig gebliebenen Rasierpinsel, über die Markgräfler Weinzechereien und die verkauften und nicht- bezahlten Schmucksachen in Pforzheim, führie Manzens Weg zum Lloyd-Reisebüro, wo er Agent wurde. Ich hatte Gelegenheit, kurz vor dem nationalen Kladeradatsch Herrn Manz zu sprechen. Er gab sich sehr national und tat^ehr gekränkt. Das deutsche Volk habe für die Frontkämpfer nichts übrig, meinte er. Und:„Sehen Sie, was macht diese Politik? Sie verdirvt alles, Menschen und Charaktere", was wohl stimmen mag, wenn Man berücksichtigt, daß viele solche verdorbene-Charaktere wie Manz damals in Deutschland öffentliche Meinung machten. Daß er Gestapo-Agent wurde, das liegt im Wesen dieser Kreatur. Er verkörpert treu und brav den ewigen Deutschen des Nibelungenberrats. —fb— Wo ist das Geld Bor einigen Tagen hat, wie wir berichtet haben, der reichsdeutsche Kaufmann Rudolf Marschner nach einer inderPraqerBar „Sect Pavillon" durchbummelten Nacht die Anzeige erstattet, daß ihm dort 20.000 Mark gestohlen wurden. Die Polizei hatte einige Angestellte des Betriebes festgenommen, dann aber wieder freigelassen. Ihre Aufmerksamkeit galt seither dem Chauffeur, lvelcher Marschner aus der Bar ins Hotel gebracht hatte und seither verschwunden war. Dienstag kehrte aber der Chauffeur, von dem man nicht wußte, ob er nicht der Dieb oder ein Opfer der Diebe ist, in seine Wohnung zurück. Er war von einer unbekannten Frau für Fahrten in verschiedene Orte in der Republik gemietet worden. Als sie nach Prag zurückkmnen, ließ ihn die Frau vor einem Haus in der Spälenä stehen und verschwand, ohne die mehrtägige Fahrt zu bezahlen. Die Polizei hat jetzt also eine neue Aufgabe, ohne das Rätsel um den Verlust der 20.000 Mark gelöst zu haben. Der Aufstieg... Staatsrat Eßberger, einer der deutschen Schiffahrtsmagnaten, berich. tete in der Seefahrtsgesellschaft zu Hamburg, daß die Wirtschaftslage weit schlechter ist als vor einem Jahr und daß in der nächsten Zukunft mst der Stillegung eines beträchtlichen Teiles der deutschen Handelsschiffahrt gerechnet werden müsse. Der deutsche Seehandel im Osten, so fügte Eßberger hinzu, ist in starkem Maße von Ruß. land übernommen worden, im Westen dagegen von England. Banriulrscu gestorben. Der Fliegerkommodore Banciulescu, der den Präsidenten der internationalen Fliegervereinigung, Prinzen Bibescu, auf seinem letzten Afrikaflug begleitete, ist in Kairo den Folgen einer Grippe erlegen. Banciulescu kam als Frontoffizier zur Fliegertruppe. Er machte sich bald als mutiger Flieger, aber auch als hervorragender Techniker, einen Namen. Der einzige Flugunfall, den er erlitt— er stürzte mit einem Flugzeug in der Tschechoslowakei ab, hatte allerdings zur Folge, daß Banciulescu beide Füße amputiert werden mußten. Mit ein« ungeheuren Energie und dank besonders konstruierter Prothesen, gelang es ihm jedoch, seine Tätigkeft als Flieger wieder aufzunehmen. In der letzten Zeit flog er hauptsächlich in Gemeinschaft mit dem Prinzen Bibescu. Sportflieger-Tod. In Stuhlweisenburg(Ungarn) mußte ein Sportflugzeug eine Notlandung vornehmen, wobei diebeidenJn- sassen den Tod fanden. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Die Feuerkrenzler. In der Nacht auf Dienstag drangen unbekamite Täter gewaltsam in die Lokale der sozialistischen Organisation des Seine-Bezirkes ein und verwüsteten sie. Zwei der Täter wurden festgenommen. Es wurde festgesteNt, daß sie der Rechtsorganisation„Feuerkreuz" angehören. Bagger umgestürzt. Im Tagbau des staatlichen Hedwig-Scbachtes bei Seestadtl stürzte ein Bagger ab, weil das Erdreich der Böschung nachgegeben hatte. Dem Heiz« und seinem Maschinisten gelang es, rechtzeitig abzuspringen, während der zweite Maschinist Wenzel Hornos mitabstürzte. Er erlitt Quetschungen der inneren Organe sowie Verbrühungen durch ausströmenden Dampf und mußte in Spitalspflege gebracht werden. Berliner Knavenmörder wird entmannt. Das Berliner Schwurgericht verkündete gestern das Urteil gegen den 25jährigen Knabenmörder HansHoller, der am 26. Jänner d. I. in den Abendstunden den achtjährigen Schüler Paul Herms auf dem einsam gelegenen Büschnerweg in Niederschönhausen durch einen Messerstich in den Hals tötete. Der Angeklagte ist nach denk Urteilsspruch des Mordes schuldig und wird zu 15 I a h- ren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Außerdem wird die Entmannung des Angeklagten angeordnet, ebenso nach Verbüßung der Strafe seine Unterbringung in eine Heil- und Pflegeanstalt. Eine Unglücksnacht. Montag nachts ereigneten sich in Oesterreich mehrere Unglücksfälle. In der Nähe von Korneuburg in Niederösterreich stieß das Automobil des Direktors der Firma Hofherr Sc Schrantz, Matthias Fleig, gegen einen Baum und zerschellte. Fleig, der das Auto selbst gelenkt hatte, wurde aus den Trümmern schwer verwundet geborgen und verschied kurz nach sein« Einlieferung ins Krankenhaus.— In Niederösterreich stieß auf einem Bahnübergang zwischen den Stationen Haslach und Rohrbach das Automobil des Gutsbesitz«s Johann Eisberg aus Wels mit einem Personenzug zusammen und wurde zertrümmert. Der Kaufmann Stefan Picklinger aus Ob«-St.-Vcit wurde getötet, bi« andere Personen schwer verwundet.-— In der Nähe von Havein zerriß die Garnitur eines aus 60 Waggons bestehenden Güterzuges in zwei Teile. Ein Eline zetgemäße Erinnerung Die Kämpfe innerhalb der KPC vor sehn Jahren Im„Rärodni Osvobozeni" findet sich«in vermutlich von einem derzeitigen oder ehemaligen führenden kommunistischen Funktionär stammender Artikel, der sich mit Ereignissen beschäftigt, welche sich vor etwa zehn Jahren in der Kommunistischen Partei zugetragen haben. Wir heben aus dem Artikel einiges hervor: Es sind gerade zehn Jahre verflossen, seitdem die kommunistische Partei der Tschechoslowakei von einer schweren inneren Krise erschüttert wurde. Damals wurden von der Leitung der Dritten Internationale— Sinowjew war noch Vorsitzender— den kommunistischen Parteien in Europa der sogenannte linke Kurs kommandiert. Auch in der Tschechoflowakei wurden gegen den Willen der Parteimehrheit sogenannte Linke an die Verantwortlichen Stellen gesetzt. Dagegen lehnte sich vor allem der Abgeordnete B u b n i k auf, mit dem die Mehrheit der Abgeordneten ging und auch die Vertrauensmänner der großen Kreise standen hinter ihm. Bubnik wurde aber als„Liquidator" hingestellt und kurzerhand aus der Partei ausgeschlossen. Damit war aber der Kampf nicht zu Ende. Insbesondere Smeral, Zapotocky, Tausik und die Sekretärin Kienovä traten gegen die neue Parteileitung auf und in einer großen Vertrauensmännerversammlung in Prag wurde beschlossen, im Zentralsekretariat der Partei und im Zentralorgan Ordnung zu machen. Mit der Leitung der Redaktion und deS Sekretariats sollte Zäpctocky betraut werden, aber Zapotocky schrak im letzten Augenblick zurück. Die Vertreter beider Richtungen wurden dann nach Moskau berufen und unter dem Druck Sinowjews und Bucharins kam eine V«einbarung zustande, nach der Smeral und Zäpotocky in einen Exekutivausschuß eintraten, der sich in der Mehrheit aus Linken zusammen- setzte. Das taten sie, obzwar sie vor ihr« Abreise nach Moskau erklärt haftendes eventuell auf einen Bruck mit der Dritten Internationale an- kommen zu lassen. Wenn Smeral und Zäpotocky damals ihr Wort gehalten hätten, wäre die Kommunistische Partei eine große und ernst« Partei geworden, welche auf die Gestaltung der politischen Verhältnisse in der CSR einen bedeutsamen Einfluß ausgeübt hätte. Interessant ist auch, daß die Rechte damals darauf hinwies, die Kommunistische Internationale bereite durch ihre falsche Politik in ganz Europa dem F a s c i s m u s den Weg. Die Rechte hat insbesondere den unsinnigen Kampf gegen die Sozialdemokratie verurteilt und die Bezeichnung der Sozialdemokraten als den linken Flügel des Fascismus sowie die Bezeichnung„Sozialfascisteü" verurteilt.. Die Rechte war xhrlich für die Einheitsfront und hätte man ihr gefolgt, würde es heute in ganz Europa anders ausschauen. Die Politik» die Sowjetrußland jetzt verfolgt, rechtfertigt am besten die damaligen Auffassungen der Rechten. Teil kam zum Stehen, d« zweite kollidiert« mit einer anderen Zugsgarmtur. 15 Waggons wurden zertrümmert, oder beschädigt, zwei Eijenbahnangestellte schwer der-, w u n d e t. D« älteste Wien« gestorben. Dienstag früh starb in Wien der älteste Wiener, der 101 Jahre alte Schuhmachermeister Josef Bojanovsky aus dem,13. Bezirk. Dieser älteste Wiener ist ein gebürtiger Mährer und— tschechoslowakischer Staatsbürger. Explosion im Gaswerk. In der Hafenstadt S f a x in Südtunis ereignete sich aus bisher unbekannter Ursache im Gaswerk eine Explosion, wobei fünf Personen schwer verletzt wurden. Eisenbahn-Rückfahrkarten zu Ostern. Die Sonntagsrückfahrkarten werden während der Osterfeier- tage für die Hinfahrt vom Mittwoch, den 17. d., bis Montag, den 22. d. und für die Rückfahrt vom Sonntag, den 21. d. bis Mittwoch, den 24. d.. Geltung haben. Die Rückfahrt kann also erst am 21. April oder an einem der folgenden Tage angetreten werden; am letzten dieser Tag«, am 24. April, jedoch spätestens mit einem Zuge, der um 12 Uhr von der Zielstation der Osterfahrt abfährt und spätestens um 24 Uhr ankommt. Ostertelegramm-Wort für zehn Hell«. Die durchgreifende, Herabsetzung für Glückwunschtelegramme TLT(Nachlaß 75 Prozent— das Bon nur zehn Heller) ermöglicht es jedem, seine Oster- wünsche auf telegraphischem Wege auszusprechen.' Für«ine Auszahlung von 3 Kä wird das Tele-, gramm dem Adressaten auf einem künstlerisch aus. gefüllten Blankett in einem Umschlag zugestellt. In formationen bei den Post- und Telegraphenämtern Vom Rundfunk ■mpfahlenswcrtes aus«Ian Programmen! Donnerstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse. 16.55: Musizieren für die Jugend, 17.50: Deutsch« Sendung: Jugendstunde, 20.25: Frühlingsliedcr. Sender S: 14.30: Ondricek-Ouartett. 15: Deutsche Sendung: Pirchan: Malendes Licht, 18.20: Schrammelkonzert.— Brünn 18.35: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.50: Deutsche Sendung: Arbeite r f u n k: Bruno Ha«ens: Literatur als Zeitspiegel Wochenaktualitäten, Theater und Film, 10.55: Der Quacksalber, mittelalterlich. Osterspiel. — Mährisch Ostrau 15.55: Orchesterkonzert, 17.20: Klavierkonzert. Nr. 91 Mittwoch, 17. Äpril 1935 Seite 8 Die««verfolgte** Universität Das Politisieren der Hochschulen schadet der Nation Die Bürger dieser Landes find schon seit lan- «nn gewohnt, am Morgen, wenn sie ihre Zeitung zur Hand nehmen, zu fragen:„Also was gibt's heute an den deutschen Hochschulen wieder Neues?" Diese Gewohnheit ist durch die Neigung dieser Lehr» anstalten, ihre eigenwilligen Individualitäten möglichst oft in der Oeffentlichkeit behandelt zu sehen, ausgebildet worden. Steht einmal nichts im Blatt, so wird der Leser mißtrauisch, geradezu unruhig: „Dar ist denn los, daß nichts los ist? Woher diese ungewohnte Zurückhaltung?" fragt er fich kopfschüttelnd und besorgt. Anderswo figurieren die Universitäten im Weltbild der Bürger als wissenschaftliche Zentren und als die höchsten Lehranstalten; dir deutsche Universität in Prag erweckt ganz andere Assoziationen: fie ist ein politischer Star erster Größe und ständig darauf bedacht, zu verhindern, daß diese ihr« Rolle in Vergessenheit gerät. Weil man nun schon zehn bis zwölf Tage nichts mehr von der deutschen Universität gehört hatte, wodurch dir Besorgnis der Oeffentlichkeit auf ein unerträgliches Maß gestiegen war, veröffentlichte die. str Tage der Akademische Senat der deutschen Universität in der Presse ein vier Spälten lange» Dokument, das sich als„M e m o r a n d u m" an die Regierung bezeichnet und sich durch zahlreiche diplomatisch« und andere Vorzüge auSzeichnet. D:r Senat richtet in diesem Memorandum an die zu- stindigen Behörden„das dringende Ersuchen", sie möchten der Universität„denSchutz a n gedeihen lassen, auf dem jede StaatSanstalt Anspruch hat und ohne den sie ihren wissenschaftlichen Abgaben nicht nachkommen kann." Die gegen Denunziantentum so überaus empfindlichen Herren d»n der Hochschule erblicken nämlich in der Wieder» Sabe von Tatsachen, die die deutsche Universität betreffen, durch di« tschechische Presse eine„planmäßige Hetze" politischer Gegner, die„unbekümmert Mn Gesetz und RechtSgefühl zu Haß und Verachtung Segen die Universität aufreizen." DaS sei„Aufreizung gegen eine nationale Minderheit deS Staates oder eine staatliche Institution", stelle somit einen Straftatbestand nach drmSchutz« «esetz dar; das Memorandum stellt rügend fest, „daß noch niemals eöageschritten wurde". Die Angelegenheit G a ch, sagt das Memorandum bedauernd, bilde Gegenstand einer gerichtlichen Untersuchung und könne daher„nicht in voller- Oeffentlichkeit behandelt werden." Trotzdem legt tat Memorandum großes Gewicht auf die Feststellung, daß Bach„kein Tscheche" gewesen sei. Daß die«, ebenso wie die immer wieder vermerkte Tatsache, Gach sei militärfrei gewesen, einen mildernden Umstand bilden könnte, würde ein Verschulden fest- «stellt, ist nicht wahrscheinlich. Eher find solche Fest» Ölungen schon daxauf berechnet, bei gewissty Leuten Ml bißchen Stimmimg zu machen. Wie man sieht, fühlt fich die deutsche Universität im Gegensatz zu ihren„ungehemmten Gegnern"— mit Recht„von vornherein in eine ungünstig« Lage versetzt", die ihr ober immerhin noch so viel Bewegungsfreiheit läßt, iiveimal namentlich und an mehreren Stellen durch Susichrung des GesrtzeStexteS da»— sonst in diesen ^reisen nicht sehr beliebte— Schutzgesetz anzurufen. 9urz, Dr. Gach war ein Naderer und die Universität ist die Gralshüterin der Verfassung und die Eechgarde deS Schutzgesetzes. Diese beiden Funktionen geraten allerdings in llonflikt untereinander, wenn die Herren vom Akademischen Senat in ihrem Memorandum ein« parlamentarische Interpellation oll„für die öffentliche Ruheund Sicherheit nicht gleichgültig" bezeichnen und unmittelbar an di: Behörden anschließen. Wenn sie also eine verfassungsrechtliche Auffassung vertreten, wonach di« Verhinderung eines verfassungsmäßig gewährleisteten Rechtes eine» ssicktor» der Gesetzgebung durch„di: Behörden" als wünschenswert erscheint. Die erstaunliche Unbe- fougenheit findet fich noch gepaart mit väterlichstem Wohlwollen für die deutschblütigen Studenten, deren ^«halten in der bekannten Versammlung Anlaß zur Interpellation gab; daS Memorandum entschuldigt nicht nur die rednerischen Gipfelleistungen der Stu» vtnten, sondern übernimmt ihren Inhalt in neuer stilistischer Fassung, indem er von der«nicht mehr IK überbietenden Schreibweise. eines Teil- der Press:" spricht. Kurz und gut, das Memorandum stellt— im Gegensatz zu der beanständeten Interpellation— einen für„die Ruhe und Sicherheit in der heutigen Zeit" höchst förderlichen Akt dar. Es ist überhaupt für di« ruhige und sicher: Existenz der deutschen Bevölkerung dieses Landes äußerst förderlich, wenn ihre höchste Lehranstalt nun schon seit Jahren ständig im Mittelpunkt von Affären steht, ständig Anlässe zur Behandlung für die Presse bietet, ständig mit politischen Erklärungen, Verwahrung rn, Beschwörungen, Entschuldigungen, Feststellungen, Hilferufen, Kommentaren, Glaubensbekenntnissen und was«S sonst noch an naturgegebenen LebenSäutzerungen einer wissenschaftlichen Institution gibt, an die Oeffentlichkeit tritt. Da haben einmal jugendbewegte Studenten das Bedürfnis, den Lehrbetrieb auf amüsante Weise zu unterbrech:»— schön, also erklären sie; daß ihnen der Rektor nicht paßt, und dann wird einfach gestreikt, das Parlament muß sich mit der Angelegenheit be» fassen, der Schulminifter muß mit der Sperrung der Universität für ein Semester drohen, um die Lehranstalt zur Wiederaufnahme des Betriebes zu bewegen, denn die Herren Professoren erweisen sich al- ungeeignet, die Hörer wieder auf die Schulbänke zu bringen.— Ein andermal paßt den Herren Hochschülern eine Verfügung des Schulministeriums nicht: prompt schreiten sie zur„S e l b st h i l f e" als dem dem Deutschtum unter den gegebenen Umständen förderlichsten Mittel der Behauptung eines R:chtsstand« Punktes, Da wird ein öffentliches Gebäude besetzt, werden Vorlesungen verhindert; in finsterer Nacht verharren heldische Jünglinge in düsteren Hörsälen, ihren Hunger stillend von einem Brotlaib, den sie an einem Strick durchs Fenster heraufgezogen halben (Siehe„Rundschau" vom 2. Dezember 1984); akademische Senatoren legen mit der Geste edler Römer ihre Aemter nieder— und inzwischen ist es dem tschechischen organisierten FasciSmuS zum ersten Male gelungen, große Menschenmassen auf die Straße zu führen mit der Parole„Fort mit den Deutschen", Jede zweite Rektorswahl ist eine Staatsaffäre, in neuester Zeit vollziehen sich sogar Sekundärarzt-Ernennungen so, daß die Oeffentlichkeit auf- Intensivste damit befaßt wird. Einmal wird ein Studentenkalender verboten, zu dem ein aktiver Minister da- Vorwort schrieb; ein anderes Mal wieder bekunden und betäfigen akademische Würdenträger in aller Oeffentlichkeit ihre Sympathie mit politischen Angeklagten. Einer Stu- dentenorganisafion wird nicht gestattet, di« Aufforderung an ihre Mitglieder in der Universität zu plaka- tieren, sie mögen sich an der HuldigungSfeier anläßlich der Wahl des Präsidenten der Republik betei- figen.,Umgekehrt aber erlabte tn£ gleiche SMsch;ste „ausnähmStveise" die Ankündigung eines Vdtträgi^ den Dr. Goebbels int Jahre 1931 in Prag hielt. Studenten, die einen außerhalb der Universität stattfindenden Vortrag des fortschrittlichen ArzteS Hodann in rüdester Weise zu stören versuchten, wird um 10 Uhr nachts ein Hörsaal zur Abhaltüng einer „P r o t e st v e r s a m m l u n g" zur Verfügung gestellt; einer Studentenorganisation, die die politt« sch« Richtung einer Regierungspartei vertritt, wird seit Jahren kein Hörsaal für irgendeine Veranstaltung bewilligt.— In einem Lande, an dessen Spitze der Humanist Masaryk steht, in einem Lande, das sich mit Stolz auf die Tradifion Hus' und Komenskv'» beruft, finden an der deutschen Universität in Vorlesungen und Seminarien Abstimmungen über die Todes, und die Prügelstrafe statt, wobei 90 Prozent der Abstimmenden— jungen Menschen, die bekanntlich Ideale haben— für die Todesstrafe und angeblich fast 100 P r o z e.n t für die Einführung der Prügelstrafe in den Schulen votieren. — Der Lehrer der Verfaffung-rechteS an der deutschen Universität schrieb knapp vor der Aüfiösung der nationalsozialistischen Partei einen Leitartikel für deren Organ, den„Tag", der auch Borträge des betreffenden Herrn ankündigte und empfahl; in der Vorlesung einer anderen RechtSlehrers veranstalteten Studenten eine wüst« Demonstration, weil der betreffende Professor— in der vertraulichen Beratung deS Kollegiums—• für die Berufung Kelsens eingetreten war. Der StrafrechtSlehrer, Heraus« Im Prater Rundfunk Wenn man die Sendungen— er kann hier Wieder nur von den erreichbaren die Rede sein!— vreier Wochen überblickt, so bietet sich rin Bild, da» vfan wohl Mit einer Landschaft vergleichen könnte, Vie seitab vom Lauf der Zeit ihre Schlupfwinkel hat fischen bergenden Hängen, über di« hinweg nichts Wrängen kann vom lärmenden Räderwerk des Geschehens; wo Lämmlein auf der Wiese weiden und v«n Kirchturm ein dünne- Älöcklein seine frommen Mahnungen hinau-bimmelt. ganz ruhig in dem "h-nrn Bewußtsein, daß nur ein leises Echo ihm antworten, nie aber«in anderer Ruf ihm widerspre» Mn kann. Ja solch friedlicher Weltabaekehrtheit ist v«r recht« Platz für«in Daheim im Sinne Volks- "Unsicher Kalender; kein zudringlicher Laut von Mußen darf die beschaulichen.Strelfzüge durch den ?öhmerwald" stören den man nach einigen Wochen "undfunk so ziemlich in- und auswendig kennen- aelernt bat, besonders dort, wo«r«in Begriff der Mundartlichen Dichtung ist und wo tr seine Ausläu- nj vorschiebt inS.Lustige Egerland". daS sich der Mitwelt überhaupt nur als fröhliches Duliö rund um M Dudelsack bekannt gibt, mit Tatiz und derben Zitzen. DaS Leben hat eben im Rundfunk«in« so ulerauS beglückend«.versonnen« idyllische Ruhe"; ist so gütig.väterlich und mütterlich"; sein Rhythmus gehorcht allenthalben den Spuren deS Volksliedes; die schweigenden Zeugen.großer Vergangenheiten" hocken in malerischen Winkeln beisammen und schweigen sich in sagenhafter Weisheit aus über die Dimensionen der Gegenwart, deren Erschütterungen irgendwo in namenloser Fern« höchsten» dann und wann zu einer.heroischen Gebärde" Anlaß geben.— In solcher Feierabendftille zieht beispielsweise Elisabeth Strachotinskv ihre seltsamen Kreise.Rund um den Kirchturm", als wäre die Welt «in zullende» Kind, da« man mit Eia-popeia in den lächelnden Schlummer singen könne;, als wäre die Gesellschaft von heute wirklich der Säugling, dessen rote Schlafbäckchen heraufleuchten, wenn man den Abend eben au» der Kirchturmperspekffve beschaut. Alles fiiedlich, alle» in Träum« hinübergaukelnd... o Täler weit, o Höhen I Einmal fieilich horcht man auf und traut seinen Obren kauml Ist'» möglich? Jft's faßbar, daß ein Abgeordneter Monsignore Pater, also ein politisch beglaubigter Herr des geistlichen Standes namens Fritscher aus seiner..Arbeitsmappe eine« Ar- beiterseelsorgers" den... Klassenkamvf predigt! Daß er geistig« Schulung des Proletarier» fordert, um ihn zu wappnen für den.Kampf gegen den Kapitalismus"? Gegen seine.Ausbeuter"?? Kann man sich«» leibhaftig vorstellrn, daß esn katholischer Priester in das stille Tal der Hirten eindringt und dort, mit dem geistigen Rüstzeug eine» sozialdemokratischen Redner», die Einheit von Sozialirmus uüd Kirche predigt? Der Zweck, der solche Mittel geber der„Prager Juristischen Zeitschrift", druckt in seinem Blatt eine reichsdeutsche Verfügung ab, wonach eine Liste der' nichtarischen tschechoslowakischen Anwälte ausgenommen werden soll und tut dies kommentarlos. Hingegen bringt das Blatt zum er st en Male seit seinem Bestand die Besprechung eines VortragsabendeS der„Deutschen Juristischen Gesellschaft", als dort ein Herr Westphalen-Fürstenberg die „Freiheit und Gleichheit im liberalen und totalen Staat" miteinander vergleicht, wobei er ungeniert die Grundsätze der polittschen Gleichheit und Freiheit als „überkommene Rechtshegriffe" hezeichnet, die„dem Wandel unterworfen" seien, und noch ungenierttr die Vorzüge des„universalistisch-towlen" Staate- nämlich, des unverwässert fasciftischen, anpreist, in dem— welch unbekannte- Zitat!— Gemeinnutz vor Eigennutz gehe. Die Wiedergabe des VorttagS im Blatt des Nniversitätsprofessors ist zustimmend und eS wird ausdrücklich vermerkt, der Herr Westphalen habe„zu politischen Tagesfiagen keine Stellung genommen". Einzelne von den angeführten vielen anderen Vorfällen setzen sich in großen polittschen Akttonen fort, einzelne finden ein gerichtliches Nachspiel, andere wieder führen zu Konflikten zwischen Hoch- schulo nd dem Unterrichtsministerium. Fast alle sind Gegenstand der Beharrung durch dir Presse, der erregten Besprechung durch die Oeffentlichkeit. DaS geht nun feit Jahren so. Aber in der letzten Zeit spielen sich wahre Orgien derBerständ- niSlosigkeit ah. Seit der Insignien-Affäre im November sind die Gefühle der tschechischen Oeffent- lichkeit für die Universität nicht warmer geworden. Da platzt die Affäre Gach hinein. Dann kommen die Auseinandersetzungen über die Berufungen neuer Professoren, folgt die StudeMenversammlung mit der schon beinahe selbstmörderischen Rede über die„politische Unttrwelt". Und inmitten der gereizten Sttm» mung, in der besonder» empfindlichen Wahlperiode, in einer Atmosphäre, in der die in der Massenpsychologie sicher gut hewanderte Stkibrnh-Presse die Parole auSgibt:.Die nächste Regierung ohne Deutsche", inmitten dieser für das Deutschtum der Republik gewiß entscheidenden Situation hält es der akademische Senat für angezeigt, noch einmal an die Oeffentlichkeit zu gehen, noch einmal Auseinandersetzungen zu provozieren, öffentlich um Schutz zu bitten! Und noch Lazu in einem Schriftstück hon solcher Jnstinkrsicherheit, daß es parlamentarische Interpellationen kritisiert und Schuhgesetzverfahren fordert; in einem Dokument, das in unbegreiflicher Naivität das Recht zur.Selbsthilfe" verteidigt, indem es behauptet, die deutsche Universität sei„gezwungen, die ihr au» polittschen Gründen auigezivun- genen Kämpfe selbst zu führen" und das die„berufenen Faktoren" der mangelnden Pflichterfüllung beschuldigt! Das eine— für eine öffentliche Insti tution ganz ungewöhnlich«— Schärfe gegenüber jene» politischen Richtungen entwickeln zu müssen glaubt, die allein zum Schuh der deuffchen Universität, wie der nattonalen Rechte des Deutschtums' überhaupt, bereit und fähig sind, dafür aber jener fasciftischen Presse nach dem Mund zu reden versucht, di« e» dann diplomatischer Weise abschätzig als .Boulebardpreffe" bezeichnet und aus dem Pauschalappell an den Staatsanwalt nicht ausnimmt. Kurz, das Memorandum dokumentiert ein ganz, seltenes Maß der Fähigkeit, niemandes Interesse zu vertreten und alle vor den Kopf zu stoßen, diejenigen zu gefährden, dir man zu verteidigen vorgibt und diejenigen zu beleidigen, deren Hilfe man verlangt. Aber entscheidender noch als der Inhalt des Dokumentes ist die Tatsache des neuerlichen politischen Auftretens der Universität. In den hoch- entwickelten modernen Staatswesen sind die'verschiedenen staatlichen und gesellschaftlichen Funkttonen systematisch rufgeteilt: Die Universitäten sind zum Lehren da, die Eisenbahn zum Fahren; zur Erfüllung polittscher Aufgaben gibt es die verschiedenen verfassungsmäßig hierzuberufenen Fattoren. Zu diesen gehört die Universität keineswegs. Es besteht weder «ine rechtliche Grundlage dafür, noch liegt ein Anlaß dazu vor, daß sie mit den Behörden auf dem Umweg über Presse und sonstige Oeffentlichkeit verkehrt. Sie hat im Rahmen ihrer Autonomie ihre Verwaltungsagenda genau nach den bestehenden Normen zu erledigen, für daS ordnungsgemäße Funktionieren des Lehrbetriebs zu sorgen und auf die Einhaltung der disziplinären Vorschriften zu achten. Streiks, Gebäudebesetzungen, Memoranden und Affären jeder Art gehören nicht zu ihrem Aufgabenkreis. Ihre nationale Würde betone die Universität durch die sachliche und ruhige Betteuung der ihr übertragenen Aufgabe, nicht durch de- und wehmütige Hilferufe und Schuhgesetzanrufungen; ihre in letzter Zeit so häufig beteuerte nationale Per-- söhnlichkeit dokumrnti.ere sie durch Erfüllung ihrer Lehr stätten mit dem G e i st nationaler Toleranz und Verständnisbereiffchaft; ihre Verfassungstreue wird am besten durch die p r a k- tische Betätigung der in der Verfassung' ausgesprochenen Prinzipien zum Ausdruck kommen; und ihre Verbundenheit mtt dem deuffchen Volke dieses Staat:- kann nicht wirksamer mantfrsttert werden, als daß sie ihm ordentlicheAerz t e, Lehrer und Richter ausbildet. Sie ttte dies fortan möglichst schweigsam und ohne Gesten vor einer Oeffentlichkeit, die zu rinem Teil aus Leuten besteht, die yur darauf warten, gleich den ganzen Betrieb einstellen zu können, und die durch die bisherige segensreiche und umsichtige UniversttätSdiplomatte schon manchen Antrieb empfangen haben. Ein Akademiker. Karlsbader„Beseda-Krawalle" turn 1908 nach 27 Jahren vor der endgültigen Entscheidung Mittwoch entscheidet Oberstes Verwalt«ngsgericht über die Haftung der Stadt Karlsbad.— Das DlitzzugstemHo des adMinistrative» Verfahrens. Prag. Vor dem vierten Senat des Obersten Berwaltungsgerichtes begann DienStag die Verhandlung über eine Sache, die seinerzeit— d. h. vor 87 Jahr en— viel Staub aufgewirbelt hat und die nun vor der endgültigen Erledigung steht. Den Vorsitz fühtt der Rat der OVG Dr. Koschin. Das Jahr 1908 war bekanntlich ein stürmisches Jahr, in dem die Wellen des nationalen FanattS» mus besonders hochgingen. Die aufgestachelten nattonalen Leidenschaften führten zu schweren Exzessen und eine der markanten Episoden jener Zeit waren die stürmischen und gewalttätigen Demonstrationen gegen daS damalige Zentrum der Karlsbader Tschechen, die»Slovanskä Beseda". Am 2 5. Mai 1908 sollte eine tschechische Versammlung in der Karlsbader„Beseda" stattfin- den, gegen die von der nattonalen deutschen Presse eine heftige Kampagne eingeleitet wurde, so daß der damalige BezirkShauptinann die Versammlung verbot. An ihrer Stelle wurde eine 8-2-Ver- samnüung abgehalten. AIS deren Teilnehmer das Lokal verließen, wurden sie von der aufgestachelten Menge verprügelt, wobei es zu ernsten Verletzungen kam.* Am 2 7. September 1908 mußte ein von den Karlsbader Tschechen veranstaltete- K i r ch- heiligt, gab sich ja nun freilich deutlich genug zu erkennen. Aber immerhin... daß auch der Weg üb» Karl Marx nach Rom führt, ist doch eine der überraschendsten Offenbarungen deS abgelaufenen Drei- wochenprogramms der deutschen Sendung. Sie kommt wie aus einer Märchenwelt, die Univ.-Prof. Dr. Adolf P a s ch a r mit soviel Liebe in ibre botanischen Bestandteil« zerlegt und über die sich wie«in süßer Traum seligster Beglückung Eugen L i g o tz k i» Abendmusik für Streichquartett und zwei Frauenstimmen niedersenfi. aus der in inniger Berührung mit dem ewig Irdischen^Der Liebe Lust und Leid" aufersteht, in Liedern von Brahms und Reger in weit geöffnete Herzen getragen. Der gleichen Bestimmung zu gehen auch die Lieder der Rei- chenberger Komponisten Kamillo Horn, Ferdinand Gerhardt, Wilhelm Walli sch und Max Hüt- t e l. Und an der Pfotte zum Ziel empfängt sie der Chor' der Prager Lehrerbildungsanstalt(Leitung Prof. Klem) mit einer Fülle fein abgestimmter Harmonien.— Wäre noch bedeutsames Ereignis die Funkbearbeitung der aus weltlichen und religiösen Motiven geflochtenen Oper„Ouo vadir?" von Frater Nirasius Schusser. Das Hörspiel wurde repräsentiert durch das Märchen„KrauSkopf und Flachkopf". Die musikalische Untermalung leitete Dr. Swoboda.— Als sozialer Berater und Führer durch die aktuellen Ereignisse bewährte sich unser Arbeiterfunk, soweit die ihm zugemessene Zeit diese Pflicht» erfüllung ermöglichte. ErnftThöner. w e ih f e st angesichts der drohenden Haltung gewisser BevülterungSkreise abgesagt werden, was aber nicht verhinderte, daß es trotzdem zu Ausschreitungen kam, wobei die Fenster der Karlsbader„Beseda" eingeschlagen wurden- Die Exzesse wiederholten sich und erreichten ihren Höhepunkt am 18. und 19. Oktober 1908, alS das vxrschÄiene Kirchweihfest wirklich stattfand. Nicht nur, daß die«Beseda" demoliert Und 70 Fenster eingeschlagen wurden— die Ausschreitungen richteten sich auch gegen tschechische Geschäfte Und PrWatwohnungen, wobei natürlich schwerer Schaden angerichtet wurde. Da die, d a- malS städtische. Karlsbader Polizei völlig versagte, mußte Gendarmerie eingreifen, die schließlich die Ruhe herstellte und einige Demonstranten vor Gericht brachte. ' Die Geschädigten machten nun ihre Schadenersatzansprüche gegen die Stadt- gemtindeKarlSbad geltend, unter Berufung auf 8 37 der Gemeindeordnung. nach welchem d r Gemeinden für Aufrechterhaltung der. öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu sorgen, oder doch durch ihre Organe die Ruhestörer festzustellen und der Be- strafung zuzufüchren haben. Die Grundlage der Ansprüche bildete eben das von den Ansprrlchstellern behauptete Versagen und vollkommen passiv« Verhalten der Karlsbader städtischen Polizei. Sowohl die Bezirkshauptmannschaft als auch die Statthalterei und auch das Wiener Innenministerium wiesen die Ansprüche der Geschädigten ab und erst da? Wiener Oberste Verwaltungsgericht hob auf Grund der ringebrachten Verwaltungsbeschwerde diese Entscheidungen auf und ordnete neuerliche Erhebungen an.; lieber das Tempo dieser Amtshandlungen gibt die Tatsache Aufichluß, daß zu Beginn des Weltkriege-(also sechs Jahre später) dies« Erhebungen noch nicht abgeschlossen waren. Während des Krieges ruhte die Angelegenheit überhaupt und wurdr erst Nach dem Umsturz wieder aufgegriffen. 1921 sprach di« Karlsbader politische Bezirks- Verwaltung die Schadenersatzpflicht der Karlsbader Stadtgemeinde im Sinn« des§ 87 au». Im Jahre 1924 kam es zu einer gleichlautenden Entscheidung der politischen Landesberwaltung, wobei nur in einigen Puntten Aenderungen getroffen wurden. Und sieben Habre später sprach daS Innen-' Ministerium mtt Erlaß vom 22. September 1981. die Haftung der Stadt Karlsbad in vollem Umfang», au». Nachdem der Instanzenweg erschöpft war,, bracht« die haftpflichttg erklärte Stadt Karlsbad die Beschwerde an da» Oberstt BerwaltungSgericht«in. über die gegenwärtig verhandett wird. So wirr also nach 27 Jahren endlich die endgültige und nicht weiter anfechtbare Enffcheidung fallen. Diese Entscheidung wird voraussichtlich Mittwoch fallen. rb. Seift S „Sozialdemokrat" Mittwoch, 17. April 1925. Nr. 91 PRAGER ZEITUNG Schonet die Blüten! Der Magistrat der Hauptstadt Prag Hat über Anregung des Primators bereits in zwei Kundgebungen darauf hingewiesen, daß Ausflügler br- sondevs im Frühjahr rücksichtslos die Blüten verschiedener Baumsorten vernichten und Blumen pflücken, die sie dann in verwelktem Zustande weg- werfen. Dieser Unsitte rücksichtsloser Einzelpersonen fielen die Blüten der Haselnuststauden, Palmkätzchen sowie die Blüten der Obstbäume zum Opfer und es wurde Schaden angerichtet, von dessen Höhe sich viele dieser Personen oft keinen Begriff machen können. Es leidet dadurch nicht nur die Pflanzenwelt der Umgebung Prags, von der mehrere wertvolle Arten bereits im Aussterben begriffen sind, sondern durch das Betreten fremder Grundstück; wird auch die Landwirtschaft geschädigt und durch das Abbrechen blühender Zweige wird den Obstbäumen groster Schaden zugefügt. Autzerdem werden Blüten und Blumen von Landbewohnern nach Prag gebracht, die keine Gewerbeberechtigung zum Verkauf und keine Bescheinigung des Gemeindeamtes darüber besitzen, daß die Blüten aus ihrem Eigentum stamme«. Der Magistrat hat nach Artikü 8, Absatz 1, des Gesetzes vom 14. Juli 1927, Nr. 125 Slg. d. Ges. u. Vdg., das Pflücken von Blüten und Blumen in der freien Natur verboten; Zuwiderhandlungen gegen die Kundmachung werden, soweit sie sich nicht als ein anderes Delikt darstellen, im Sinne des zitierten Gesetzes mit einer Geldstrafe von lübis 5 0 0 0 Kö und allenfalls mit Arrest von zwölf Stunden bis zu vier Tagen geahndet. In gleicher Weise werden nach der Gewerbeordnung»wer anderen Gesetzen jene Personen bestraft, die ohne Berechtigung Blüten und Blumen zum Verkauf anbieten. Da den bisherigen Kundmachungen von einem Teil der Bevölkerung nicht die entsprechende Beachtung geschenkt wurde, hat der Magistrat der Haupt- stadt auch den Stadtbildungsausschuß ersucht, die Verwaltungen und Direktionen der Schulen mit der Belehrung der Schülerschaft in diesem Sinne zu beauftragen. Ein gleiches Ersuchen um Mitarbeit wurde auch an den Rundfunk gerichtet. Hilfsbereitschaft gegenüber den Fahrgästen kann, wie ein Vorfall bei der Haltestelle der Strastenbahn beim Nationaltheater Dienstag mittag bewies, auch schlecht belohnt werden. Bei dieser Haltestelle stieg eine ältere— allerdings sehr vornehm aussehende— Dame ein und der Schaffner, der bemerkte, daß die Frau nicht sehr behende das Trittbrett des Wagens der Zweierlinie erklomm, faßte sie beim Arm, um sie bereitwilligst heraufzuziehen. Darob war die Dame austerordentlich entrüstet und sie schlug mit denk Schirm auf den Schaffner, der nicht wußte wie ihm ge-- schoch, los. Wahrscheinlich fühlte sich die Frau in ihren aristokratischen Ansichten verletzt, weil ein nach ihren Begriffen proletarischer Bediensteter es wagte, sie anzugreifen. Allerdings begnügte sich der tief beleidigte Schaffner mit einer scharfen Zurechtweisung der Frau, statt sie, wie alle Beobachter des Vorfalles wohl erwarteten und wie es auch seine Pflicht gewesen wäre, der Polizei zu übergeben. Die Frauen aus dem Volke sind für jede ihnen vom Fahrpersonal bewiesene Hilfeleistung dankbar, nur die sogenannten besseren Damen scheinen nicht zu wisien, wie wertvoll Zu- vorkommenhett der Angestellten der Straßenbahn ist. Blutspender gesucht. Die I. chirurgische Klinik Prof. Dr. A. Jiräseks, Prag IL, Allgemeines Krankenhaus, sucht Blutspender für Heilzwecke. Anmeldung am Montag, Mittwoch und Freitag nach 10 Uhr in den Ambulatorien der Klinik. Geschäftsruhe in den Sparkassen Groß-Prags zu Ostern. Die Böhmische Sparkasse, di« Prager städtische Sparkasse und die Weinberger städtische Sparkasse halten am Karsamstag und Ostermontag ihre Kassenschalter sowohl in der Hauptanstalt als auch in allen Exposituren ganztägig geschlossen. SenderanSflugSzüge nach Brünn und zur M a c o ch a mit Versorgung am 4. und 6. Mai für 190 Xi pro Person, Nach Sternberk nad Sazavou mit Versorgung am 5. Mai für 43 XL und ins Riesengebirge vom 20. bis 22. April für 13> XL fertigt die Staatsbahndirektion in Prag ab. In dem genannten Preis sind das Logis, die Verkost'- gung, die Versicherung, Führung und der Autobus inbegriffen. Anmeldungen für alle genannten Sonderzüge übernimmt der Basar neben dem Wilsvn- bahnhof, Telephon 383-35. ticrichlssaal Falschmünzerei— ein gefährliches Gewerbe Zwei Angeklagte— zusammen neun Jahre schweren Kerkers. Prag. Die dienstägige Schwurgerichtsverhandlung betraf drei junge Leute, die des Verbre- chens der Geldfälschung angeklagt waren. Vor dem Schwurgerichtshof des OGR. Krystu- fek hatten sich zu verantworten: der 2Sjährige arbeitslose Maschinenschlosser Josef N o b i- l i s, der 30jährige Hilfsarbeiter Alois K u b e c und die Geliebte des Nobilis, die 32jährige Barbara F r an 11. Falschmünzerei ist ein Delikt, das seit jeher mit schwersten Strafen bedroht war und fo ist jeder solcher Prozest eine für den Angeklagten sehr ernste Angelegenheit. Die Motive in diesem Fall sind klar. Josef Nickilis, der Hauprangeklagte, der 1930 seine Stellung hei der Ceskamoravskä-Kolben-Danek verloren hatte und durch Strastenverkauf und Hausie- rereien kümmerlich sein Leben fristete, kam auf die Idee, durch eigene Herstellung des stets fehlenden Geldes seiner Not abzuhelfen. Verhängnisvoll wurde der Einfluß seines Bekannten Kubec, der auf die praktische Durchführung des Projektes drängte. Kubec übersiedelte schließlich in die Häuslichkeit des Nobilis und seiner Gefährtin Barbara FranLk und nun ging es an die Versuche. Sie begannen mit der Herstellung von Gipsformen für Zehnkronenstücke, in welchen sie dann aus einer Blei-Zinnlegie- r u n g Falschstücke zu gießen suchten. Diese primitive Art führte indessen nicht zur Herstellung guter Falsifikate. Sie gingen daher zu einem freilich recht einfachen Prägeverfahren über, indem sie sich eine Bücherpresse anschafften und in heißem Messing Negativs von Zehnkronenstücken herstellten, mit deren Hilfe sie dann Münzen aus Zinnblech Erstellen wollten. Nach der Anklage hat die mitangeklagte Geliebte des Nobilis diese Versuche aus ihren Ersparnissen finanziert. Es mag eine mühevolle Arbeit gewesen sein, bis es schließlich gelang, Münzen von solchem Aussehen herzustellen, daß arglose Leute getäuscht werden konnten. Immerhin gelang eS den Falschmünzern, drei solcher Falschstücke anzubringen, zwei bei einer Gurkenverkäuferin und eines bei einem Eishändler. Es ist aber nicht gelungen, diese Falsifikate ausfindig zu machen. Aber all das genügte ihnen nicht und sie gingen zu komplizierteren chemischen Verfahren über und schafften sich schließlich eine große Presse an, wobei nach der Anklage wiederum die Franck das Geld vorstreckte. Schließlich fabrizierten sie aus einer Nickellegierung tatsächlich ziemlich gelungene Falschmünzen. Aber der Zufall machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Einem Polizisten fielen die beiden Erstangeklagten auf, als sie auf dem Wenzelsplatz sich eifrig Wer ihre letzten Fabrikate unterhielten und die zuletzt erzeugten Meffingprägestücke begutachteten. Er hielt sie an, sie wurden festgenonnnen und hi« sofort eingesetzte Haussuchung deckte die gut eingerichtete Fälscherwerkstätte auf. Die Verhandlung dauerte bis in die Nachmittagsstunden und endete damit, daß die Geschworenen sowohl Josef Nobilis, als Alois Kubec einstimmig schuldig erkannten, wogegen sie die Schuldfrage hinsichtlich der Barbara F r a n L k mit neun Stimmen verneinten. Diese wurde daher freigesprochen. DaS Schwurgericht verurteilte Josef Nobilis zu fünf und AloiS Kubec zu vier Jahren schweren und verschärften Kerkers. Die Verurteilten nahmen das Urteil an. rb. Kunst and Wissen Konzert der Thpografia Das tschechische Konzerwublikmn ist um die ihm gebotenen Männerchorkonzerte zu beneiden. Denn ein halbes Dutzend erstrangiger Männerchöre bestreiten diese; Männerchöre, die zu den besten Kunstchören der Welt gehören und internationalen Ruf besitzen. Zu ihnen gehört auch die.Typografia", der Gesangschor der Prager tschechischen Buchdrucker, deren diesjähriges Frühlingskonzert am Sonntag abends im Smetanasaal des Gemeindehauses stattfand. So wie!ne anderen berühmten Prager tschechischen Männerchöre legt auch die.Typografia" den Hauptwert auf di« Qualität ihrer Sänger, nicht auf deren Quantität. Ihr« sechzig singenden Mitglieder besitzen durchwegs gute Stimmen. sind musikalisch und gesanglich vortrefflich geschult, in der Atemtechnik vorzüglich ausgebildet und rhythmisch sowie dynamisch musterhaft diszipliniert. Diese gleichmäßige Schulung des Chores ermöglicht es seinem Dirigenten V. B. Aim, den Chorvortrag ganz nach seiner persönlichen, Auffassung zu gestalten und all« beabsichtigten Wirkungen zu erzielen. Auch die Stimmenzusammensetzung des „Typografia"-Chores ist die denkbar beste, da sie den Fundamentstimmen der Bässe entsprechende Beachtung schenkt. Wenn etwas bei diesem Chor noch der Vervollkommnung bedarf, ist es die Stimmbehandlung der ersten Tenöre, deren Ton noch edler und weicher und deren Intonation(namentlich im Forte) noch gleichmäßiger sein könnte. Musterhaft war auch das Programm dieses Chorkonzertes, das unter dem Gesamttitel„Aus drei Generationen" Chöre von VitLzslav N o v ä k. Bohuslav V o m ä ö k a und Anton D v o- t ä k enthielt, also einen Ueberblick über'die neuzeitliche tschechische Männerchorliteratur gewährte., Als Hauptwerk ddr Vortragsordnung war VomäLkas „Ballade vom Traum"(nach W o l k e r s bekannter proletarischer Dichtung) anzusehen, ein großangelegtes, durch den tiefen Ernst und die dramattsche Ausdruckskraft seiner Musik Nesselndes modernes Chorwerk. Di« Sänger und ihr ausgezeichneter Dirigent wurden vom zahlreich erschienenen Publikum mit Recht Mimisch gefeiert. Das Chorkonzert der.Typografia" war übrigens auch vom Standpunkte seines äußeren Arrangements aus vorbildlich und allen Kon- zertveranstältern zur Nachahmung zu empfehlen. Denn es war populär in seinen Eintrittspreisen und trug der musikalischen Volksbildung auch dadurch Rechnung, daß es das Programm samt den notwendigen Liedertexten zu billigstem Preis« bereitgestellt hatte. E. I. Nora Rikisch und Ewald Schindler gaben im Bühnensaal« der„Urania"«inen Vortragsabend, der sich durch geschmackvolle Auswahl und sinnvolle Zusammenstellung des Programms auSzeichnet«: von alt- ägvvtischer Lyrik bi- zu Stefan Georges Verlckine- und Baudelaire-Nachdichtungen, von Li-tai-pe bis Hofmannsthal und Wolfskehl waren hörenswerte Verse aneinandergereiht, in einer thematischen Anordnung. die stimmunggebend wirkte und die, da sie ans Ende Dichtungen vom jüdischen Volke stellte, wenigstens an einem Punfte an Aktuelles rührte. Auch daß man heimischen Dichtern wie Rilke und Bkezina, Kafla und Srämek.. Max Brod und Otto Bick erheblichen Anteil am Programm gab. verdient bejahend vermerkt zu werden, wenn auch durch die Vorlesung der Brodschen Nachdichtung des biblischen .Liedes der Lieder" der Abend zu sehr in die Läng« geriet. Di« beiden Vorttagenden enttäuschten die Erwartung nicht, daß sie sich der so sorgsam ausge- wähllen Dichtungen mit Lieb« annehmen würden, und der Dank der Hörerschaft äußerte sich lebhaft. Ewald Schindler, der 11 Dramatischen mehr als im Lyrischen überzeugt, wirkte am stärksten, wo er auf Zurückhaltung verzichten konnte: bei Li-tai-pes Trinklied also, bei einer Billon-Ballade und bei der (als rhetorisches Paradeftück aufgefaßten) Erzählung vom Tode des Kammerherrn aus Rilkes.Malte Laurids Brigge". Nora Nikisch ließ ihrerseits eine engere Verbundenheit mit dem lyrischen Gehalt der rezitativen Verse erkennen, ohne ihm freilich mit ihrer nicht reich genug entwickelten Stimme genügend zur Geltung bringen zu können.—eis— Frederic Lamont», der weltberühmte Pianist, gab Montag nach längerer Pause wieder einen seiner vorbildlichen Beethoven-Klavier- a b e n d.e. Lamond gehört mit Rosenthal und Sauer zu den letzten großen Meistern des goldenen Lisztschen Klavierzeitalters; als Beethoven-Spieler ist er heute unbedingte Autorität. Dies bestättgte auch neuerdings sein montägiger Beethoven-Abend; in den Ausmaßen seines Programmes und hinsichtlich seiner genialen reproduktiven Kunftleistung. Denn nur ein Meister von der Art Lamonds ist imstande, vier große Sonaten Beethlwens und dazu noch ein Rondo an einem Abend zu bewältigen und bei dieser physischen Riesenleistung auch die geistige nicht zu kurz kommen zu lassen. Man hörte Beethoven wieder einmal, wie man sich ihn denkt in der zwingenden Macht seiner. Töne: leidenschaftlich, tiefste Empfindung offenbarend und elementaren Ausdruckes voll. Das erfreulicherweise zahlreich erschienene Publikum nahm Lamonds Kunst mit begeistertem Dank und Beifall entgegen. E. I. Wagner-ZykluS— vier Vorstellungen im Deutschen Theater: 22. April:„Meistersinger von Nürnberg"(D 2), 24. April:.Lohengrin"(B 2). 4. Mai: Tannhäuser"(A 2), 9. Mai:„Der fliegende Holländer"(C 2). Extra-Abonnement. Preisermäßigung gegenüber den Kassenpreisen bis zu 45 Prozenti Jcchresäbonnenten können die nicht auf ihre Serie entfallenden Vorstellungen zum ermäßigten Zhkluspreis beziehen! Vorverkauf täglich. Gastspiel Felix Breffart und Else Lord„Die Prinzessin auf der Leiter". Sonntag, 7lh Uhr. (C 2). Keine Gutscheine! Gewöhnliche Preise! Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters: Mittwoch 7sh: Die Kleinstädter, Uraufführung. B 1.— Donnerstag 7%: Hoffmanns Erzählungen. C 1.— Freitag: geschlossen.— Samstag 7%: DieFleder- m au s, Festvorstellung zugunsten des Ferialfonds, Abonnement aufgehoben. Wochenspielplan der Kleinen Bühne: Mittwoch 8: Das unbekannteMädchen.— Donnerstag 8: Di« große Katharina, und Der Kammersänger.— Freitag: geschlossen.— Samstag 8: Ich Habs getan, volkstümlich« Vorstellung. Vcrclnsnadirldilcn Atus, Prag. Donnerstag, den 18. April, um halb 8 Uhr abends, im Parteiheim wichtige Äusschutzsitzung. Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker. Ausschußsitzung heute. Mittwoch. 29 Uhr. Parteiheim. Rückkehr der Roten Falken aus Schelesen am Montag, dem 22. April, um 20 Uhr 15 am Denis- bahnhof.• Sport»Spiel»Körperpflege ANMklle toi I. MMinfl) Samstag und Sonntag, den 13. und 14. April, fanden in allen fünf TurnbezirkLn Weschöhmens Verbandsappelle des Atus statt, in Südwestböhmen bereits am 6. und 7. April. 363 Funktionäre aus 82 Avbeiter-Turn- und Sportvereinen waren gekommen, um die Weisungen der Bundesleitung entgegenzunehmen. Als Redner hatte die Bundeslei- tung nach Karlsbad und Falkenau den Abg. Genossen Müller und zu den übrigen Appellen den Genossen M Y k u r a entsendet. Die kommenden Wahlen sowie das zu Pfingsten stattfindende Kreisturnfest wurden dabei eingehend besprochen. Die Atus-Funktionäre werden am Platze sein, wenn es gilt, die Interessen der Arbeiterklasse zu verteidigen. Trotz der Wirtschaftskrise wurde«ine erhöhte Aktivität in den meisten Vereinen festgestellt, erfreulicherweise konnte auch die finanzielle Grundlage gefestigt werden. Für die Gruppe Marienbad wird der Appell noch stattfinden. Da in vielen Gebiete»: gleichzeitig Parteiappelle stattfanden, konnte eine restlose Beteiligung leider nicht erreicht werden. Besonders stark war der Appell des Graslitzer Bezirkes(zehn Vereine mit 115 Teilnehmern) besucht, obwohl dieser an einem Freitag abends, weitab von der Bahn, stattgefunden hat. A.G.B. Graslitz gewinnt in Maierhöfen! Bisher war es nur dem ASK Altrvhlau gelungen, dem Spitzenführer Maierhöfen zwei Punkte ahzuxingen. Mit zwölf gewonnenen und drei unentschiedenen Spielen hat der ASK Maierhöfen seine sportliche Qualität gezeigt. Sonntag gelang es den ASV Graslitz, den Kreismeisteranwärter auf eigenem Platz zu schlagen. Die Spitzengruppe Maierhöfen, Altrohlau, Eger, Eibenberg und Graslitz rückt immer näher zusammen; FFK Falkenau ist nach der Niederlage in Franzensbad in das Mittelfeld abgestiegen, wo ihm Reichenau und Meißen auf der Ferse sitzen. Die Spielergebnisse vom Sonntag: ASB Neudek gegen ASK Eger 1:2, ASV Hauptversammlung des Reichst verbandet sozialdemokratischen Lehrer In der Tschechoslowakei Sonntag, den 14. April, nachmittags, fand im Städtischen Kurhaussaal in Teplitz-Schönau die! Haupwersammlung der sozialdemokratischen Lehre«» gswerkschaft statt. Obwohl bei der Urlaubserteilui« seitens der Behörden kein besonderes Entaegenkom^ men gezeigt worden war, war die Tagung aus alle« I' Teilen Böhmens gut beschickt. Die Anmeldung zut Pädagogischen Woche hatten allerdings viele Lchra zurückgezogen, weil erst sehr spät die Bescheide wegePi des Urlaubs einlangten. Genosse Hudl eröffnete und leitete die Ta« gung. Er wurde auch bei den Wahlen neuerlich ein»!! mutig an die Spitze des Verbandes berufen. In de» Ausschuß wurden Vertreter aus allen Kreisgebietm|< gewählt. Herzlich begrüßt, ergriff Genossin Kirpal i« Namen des Parteivorstandes und der Delegierieol aller proletarischen Körperschaften als erste das WorW zur Begrüßung. Genosse Vürgermeister R u s s y be-r grüßte die Tagung im Namen des Stadttates. Ei» I Brief vom Internationalen Berufssekretariat aus! Holland fand besonders an der Stelle fteudige ZiiD stimmung, wo er die Sympathie für den PräsidentaM M a s a r y k zum Ausdruck bringt. An die Wiener Genossen Seih und Glöckel! wurden Telegramme abgeschickt, in denen der treuen Erinnerung und dankbaren Anerkennung fürs ihre großen Verdienste um das Schulwesen AusdruiM gegeben wird. In längerer Rede sprach Landesvertteier Ge« I nasse Illner über die schulpolitische Lage und gab einen glänzenden Rechenschaftsbericht über die TätigE leit der sozialdemokratischen Landesvertreter, Abge-M ordneten und Senatoren im Dienste von Schule un>| Volkskultur, der den Bericht der Funftionäre er-1 gänzte. Hierauf nahm Genossin Kirpal Gelegenheit^ nachzuweisen, daß unsere Partei bei allen SchulM fragen eine Aktivität entfaltete, mit der sich dit« Tätigkeit der Bürgerlichen nicht vergleichen läßt. DaS Hauptteferat erstattete Genosse F r i ck t 1 über die Aufgaben der Organisation. Sein formell und inhaltlich ausgezeichnetes Referat wurde mit! großem Beifall ausgenommen und endete mtt des 1 Gelöbnis, auch weiter treu im Dienste der Partei z» arbeiten. Hierauf wurde eine Resolution angcnom-1 men, die folgende Forderungen enthält: Neunjährige Schulpflicht, definitive vierte Bürger-1 schnlklassc, Sprengelbürgerschulcn, Regelung der I Lehrerbildung, Modernisierung der Schulverwal- ä tuns, Zwangspensionierung mit 35 DienstjahreO-M Am Abend fand eine Begrüßungsfeier! statt, bei welcher die Genossen Kohler, Ruffy, Dk. I Heller und für die tschechischen Genossen Dozent« Prihoda und Genosse Thml sprachen. Der Bezirks»« kammerchor unter Leitung des Genossen Zelenka und die Sängerin Spiegel trugen Lieder vor; als Rezi-H tator wirkte Genosse Saxl mit. Die Feier nahm I einen erhebenden Verlauf und war ein würdiger Auf-1 takt zur Pädagogischen Woche. Graslitz gegen ASV Maierhöfen 8:1, Atus Fran-I zenSbad gegen FFK Falkenau 4:2, ASV Altrohlau gegen Atus Drahowitz 4:0, AtuS Fischern gegen 1 Atus Karlsbad 2:1, Sportbrüder Eibenberg gegen I Atus Unterreichenau 4:1. Der nachsteSonntag bringt keine Serien- spiele. Es werden dafür eine Reihe erstklassiger 1 Vereine aus dem 5. Kreis in Westböhmen spielen.l So wird der Bundesmeister Kleinaugezd in I Maierhöfen, Graslitz, Reichenau und Falkenau an-1 treten. Weiter sollen Verhandlungen mtt S a o 11 und Komotau abgeschlossen sein. Der Tabellenstand: ASV Maierhöfen, 18 13 3 2 29 86:32 ASV Altrohlau.. 18 10 6 2 28 76:40 ASK Eger... 18 11 4 3 25 39:22 Sportb. Eibenberg. 17 11 1 5 23 61:43 ASB Graslitz.. 18 10 3 5 23 63:4« FFK Falkenau. 18 11 1 6 19 64:50 Atus Unterreichenau 18 7 4 7 18 53:43 Atus Meißen.. 17 8 2 7 18 49:5» AtuS Chodau.. 17 5 4 8 14 37:47 ASV Neudek.. 18 5 2 11 12 51:71 i Atus Drahowitz.. 18 4 4 10 12 33:5«■ Atus Fischern., 18 4 3 11 12 31:5» Atus Franzensbad. 18 4 3 11 11 45:7&.i Atus Karlsbad.. 17 2 2 13 8 40:68; BezirkskmnkenversicherungSanstalt Komotau. G.-Zl. 951/35. Kundmachung. Bei der Bezirkskrankenversicherungsanstalt in Komotau gelangt die Stelle eines 3a9ntn9nttcM zur Besetzung. Reflektiert wird nur auf selbständige Kräfte, welche in allen GoD- und Kautschukarbeiten vollkommen perfekt sind. Offerte mit" Gehaltsansprüchen sind unter dem Kennwort„Zahntechniker" an die Bezirkskrankenverficherungsanstalt in Komotau bis 30. April 1935 einzureichen. Bezickskrankeuverflcherungsanstalt Komotau, am 13. April 1935. Der Obmann: Der leitende Beamte: Alois May m. p. Edmund Reichl m. P. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder be: Bezug durch die Post monatlich XL 16.—. vierteljährig XL 48.—, halbjährig XL 96.—. ganziährtg XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele» graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck-. Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.