Il Freitag, 19. April 1935 15. Jahrgang EliizeTprefe 70 IMtor («inichliafilich 5 Holler Porto) 1ENTRALORGAN._ DER DEITKCHEN SOZIALDEMOKRATISCH EN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag dl, fochova 42. telefon 53077. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR■ WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Unterredung Benes-Litwinow Paktunterzeichnung In Moskau? Genf. Minister Dr. Benes hatte DonnerS- taz nachmittags eine längere Beratung mit Litwinow. Die beiden Staatsmänner berieten über die Pakte, welche Frankreich mit Rußland und Rußland mit der Tschechoslowakei auf Grundlage bilaterialer Abkommen abschließen sollen. Sobald die Konvention zwischen Frankreich nnd Rußland unterzeichnet sein wird, wird ein fast identisches Abkommen zwischen der Tschechoslowakei und Rußland zu Ende beraten sein. Der russische-tschechoslowakische Pakt würde bei dem Besuche Dr. Benes' in Moskau unterzeichnet werden. Noch eine Differenz Ober den französisch-russischen Pakt Pari-.(Havas.) Außenminister Laval «stattete dem Ministerpräsidenten Flandin Bericht über seine Genfer Berhandlungeu mit Litwinow betreffend den französisch-sowjetrussischen Pakt. Die Sowjetregierung hat noch eine« Punkt des ge planten Pak- t e s zu genehmigen und falls— wie mit Wahrscheinlichkeit angenommen wird— über diese An- aelegnheit eine Einigung erzielt wird, wird Litwinow ohne weitere Verzögerung nach Paris kommen können, um das Abkommen zu paraphieren. Di« hauptsächlichste juristische Schwierigkeit liegt in der Harmonisierung des neuen Abkommens mit dem Lorarno-Pakt. Es ging darum, zu verhindern, daß Frankreich von England und Italien, den Garanten des Rheinland- paktes, in dem Falle als Angreifer angesehen werde, wenn es durch die entmilitarisierte Zone Rußland zu Hilfe käme. Eine Osterüberraschung? Beratungen bei Hitler In München Berli«..(Tsch. P.-B.) In gut unterrichtete« Kreisen verlautet, daß den Besprechungen, dir der gegenwärtig in München weilende Reichskanzler mit dem dorthin berufenen Außenminister Freiherr« von Neurath und seinem persönlichen Bertrauensmann Herrn von Ribbentrop pflegt, auch der Reichswehrminister General von Blomberg zugezogen wurde. Man erwartet, daß am Kärfreitag oder am Samstag eine wichtige Entscheidung HitlerS fallen wird. Provinzialwahlen in Holland 8 Prozent Fascisten Amsterdam. Aus 10 von 11 Provinzen liegen die endgültigen Ergebnisse der Wahlen zu den Provinzialversammlungen vor. Diese Ergebnisse weisen ziemlich weitgehende Verschiebungen, namentlich bei den in der Regierung vertretenen Parteien, zugunsten der Opposition auf. Prozentuell erhielten von den abgegebenen Stimmen die römisch-katholische Staatspartei (Regierungspartei) 28 Prozent, die Sozialdemokraten 21 Prozent, die Antirevolutionären (Regierungspartei) 11 Prozent, die christlichhistorische Partei(Regierungspartei) 8 Prozent, die Nationalsozialistische Bewegung 8 Prozent, die Liberalen(Regierungspartei) 6 Prozent» die Demokraten(Regierungspartei) 4,3 Prozent, und die Kommunisten 3,7 Prozent. Starhemberg als Rompllger Schuschnigg bei Mussolini in Ungnade? Wien. Vizekanzler Starhemberg hat im Flugzeug die R e i s e n a ch R o m ang'etretrn, wa er einig« Tage verweilen wird. Schon einmal war ein Flug StaichenckergS nach Rom der Anfang der Radikalisierung des ehemaligen Kabinetts Dollfuß, aus dem die letzten Auch-Demokraten auSgeschifst wurden. Auch diesmal sind allerhand Gerüchte im Umlauf, daß der gegenwärtige KabinettSchef Schuschnigg bei Mussolini bereits längst in Ungnade gefallen und Starhemberg zu seinem Nachfolger ausersehen sei. Das würde die Veran- kerung des hundertprozentigen fascistischen Heim« Wehrkurses bedeuten und den letzten Einfluß der ehemaligen Chrisilichsozialeu beseitigen. Ein Schandurteil Unerhört hohe Strafen Im SchutzbundprozeB Eifler zu 18, Löw zu 15, Musil zu 12 Jahren verurteilt— Vier weitere Angeklagte erhielten je 10 Jahre— Insgesamt 129 Jahre schweren Kerkers— Ein Freispruch Die Justizschande des Reichstagbrand-Prozesses übertroffen Wien. Donnerstag nach elf Uhr vormittags wurde daS Urteil im Prozesse gegen die 21 Angehörigen des Republikanischen Schutzbundes gefällt. 20 Angeklagte wurden im Sinne der Anklage von einem bis zu 18 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Es erhielten: der Angeklagte Alexander Eifler 18 Jahre, Rudolf Löw 15, Franz Musil 12, Josef Sispela, Johann Pokorny, Anton L a ß n i g und Theodor Schuhbauer je zehn Jahre» Ludwig Heinemann und Wilhelm Svatos je 8 Jahre, Ludwig B o e k l und Karl Kirchenberger je sieben Jahre» Franz D e ch a t fünf Jahre, Ludwig Dienst! zwei Jahre» Heinrich H a d anderthalb Jähre, Wilhelm Kohn, Karl T a m v o- r i n o, Josef B e r n e r t, Franz C e ch o t a, Ludwig Trotz und Heinrich Kern je ein Fahr schweren Kerkers. Wilhelm S t i x wurde freigesprochen. Dieses Urteil gegen die militärischen Führer des Republikanischen Schutzbundes der österreichischen Arbeiterschaft übertrifft die schlimmsten Erwartungen. Es übertrifft in mancher Hinsicht sogar die Justizkomödie, welche nach dem Berliner Reichtstagsbrand im Dritte« Reich aufgeführt wurde. Dort mußten sich die Richter Hitlers dazu bequemen, unter dem Druck der Weltmeinung D i m i t r o f f und T o r g l e r freizusprechen. Das klerofasristische Regime in Oesterreich aber glaubt das primitivste Rechtsempfinden nicht nur des eigenen Bylkes, sondern der ganzen zivilisierten Welt ungestraft herauSfordern zu können. Denn die demokratische Weltöffentlichkeit wußte, daß in diesem Prozeß die Schützerder republikanischen Verfassung Oesterreichs von Verfassnngsbre ch er« auf die Anklagebank gesetzt worden sind. Keiner der Angeklagten war am eigentlichen Febrranf- stand beteiligt, alle sind vorher verhaftet worden. Der erste und entscheidende Teil der Anklage, wornach die Schutzbundführer in einer angeblichen Sitzung im Jänner 1934 den Aufstand„beschlossen" haben sollten, ist im Laufe des Prozesses schmählich zusammengebrochen. Der Staatsanwalt mußte diese Beschuldigungen selbst zurückziehen. Somit blieb nur das Delikt der W a ffe n b es ch a f f« u g übrig. Waffen haben'sich aber die österreichischen Heimwehrfüh- rcr durch Jahre hindurch ungestraft besorgt. Zweimal wurde von den Heimwchren geputscht, zuerst unter der Führung Pfriemers in der Steier mark, dann in den einzelnen Ländern knapp vor dem Feberaufstand— niemand ist deshalb verfolgt worden, kein einziges Gewehr der Pfriemrr- Putschisten wurde beschlagnahmt. Dem Schutzbund sind dagegen seine Waffenbestände zum größten Teil von der österreichischen Heeresverwaltung aus Gründen der Landesverteidigung anvertraut, worden. Dafür werden nun die Männer, welche diese Waffen zur Verteidigung der Verfassung bereit hielten, auf viel« Jahre ins Zuchthaus geschickt. Der vielfach ausgezeichnete Frontoffizier Eifler soll 18 Jahre seines Lebens hinter Kerkermauern verbringen» weil er für die gerechte Sache der österreichischen Arbeiterschaft eintrat. Dieses Urteil ist ein Faust schlag gegen das primitiv st e Rechtsempfinden. Eine solche Rachejustiz wird unter einer christlichen Regierung praktiziert, die auf so schwachen Füßen steht, daß sie Rc blutigen Raufereien ihrer Landsknechte untereinander durch einen dekretierten „Ostersrieden" unterbrechen muß. So arbeitet Herr S ch u s ch n i g g für die„Befriedung" deS Landes und für die Konsolidierung Mitteleuropas. Was sagt der„Saarkämpfer" Hilgenreiner dazu? Die Rachepolitik des österreichischen Klero- fascismus, die um kein Haar besser ist als die Methoden Görings und Mussolinis, wird dem deutschen Katholizismus noch bittere Früchte tragen!" Berlin nach der Niederlage Protest gegen das Verhalten Englands und Italiens Wütende Pressestimmen— Neue Abstimmungskomödie? Die Genfer Entscheidung zieht ihre Kreise in der europäischen Politik. Sie erscheint zunächst wohl nur formeller Natur, dadieTatsache der deutschen Aufrüstung aufrecht bleibt. Dir Bedeutung der Abstimmung im Völkerbundrat liegt aber darin, daß sie die völlige Isolierung des Hitlerregimes offenbarte. Die Gesandten Italiens und E n g l a n d s in Berlin wurden am Donnerstag ins auswärtige Amt gerufen, wo ihnen der Staatssekretär Bülow in ziemlich scharfer Weise de» Protest der Reichsregierung gegen das Verhalten beider Länder in Genf ausdrückte. Im übrigen scheinen sich die deutschen Machthaber noch nicht im klaren zu sein, in welcher Weise sie sich über diese außenpolitische Niederlage hinwegsetzen sollen. Es verlautet, daß Hiller über die deutsche Aufrüstung und Außenpolitik wieder eine seiner berühmten Volksbefragungen einleiten will. In der amtlich gegängelten Systempkeffe wird vorläufig dick unterstri- chen, daß für eine Rückkehr Deutschlands nach Genf alle Brücken abgebrochen find. Antibolschewiftifche Orgien Im„Völkischen Beobachter“ Die Genfer Entscheidung bot dem»Völkischen Beobachter" Anlaß zu einem sehr scharfen Kommentar, in welchem jeder der im Völkerbünde vertretenen Staaten und auch der Völkerbund selbst seine» Teil erhält. Das Blatt schreibt unter der Ueberschrift:»Genf als Plattform des Welt- Bolschewismus— der Völkerbund im Dienste des Politbüros" unter anderem: Das Bild der Genfer Abstimmung bietet nichts Neues; neu dürfte lediglich für die europäische Politik die Tatsache sein, daß die in Genf versammelten europäischen Staaten sich ihre Stellungnahme, in großen Zügen von dem Außenminister des Bolschewismus als Hauptredner formulieren ließen. Wenn Litwinow in Genf gewissermaßen als Wort- jührer der Bölkerbundspo» litik aufgetreten ist, so dürfte es lediglich von Interesse sein,. einzelne Hintergründe zu beleuchten, welche die Richtung der Moskauer Außenpolitik bestimmen, nämlich das Streben nach einer s o- zialenWeltrevolution unter Führung der III. Internationale. Der Völkerbund hat sich mit seiner heutigen Tagung selbst die st ä r k st e Ohrfeige gegeben. Er hat sich als Tribüne des Pariser Militarismus und der MoSkauerBolschew i s i« r u n g selbst endgültig als. Institution-einer europäischen Politik ausgeschaltet. England antwortet nicht Loudon.(Havas.) In politischen Kreisen wird versichert, daß die britische Regierung auf die seitens Bülows im Gespräche mit dem britischen Botschafter"über die britische Politik in Genf zum Ausdruck gebrachte Stellungnahme nicht antworten werde. Koalltionswahlcn Die in der Regierungsmehrheit koalierten Parteien haben einen Schritt unternommen, der in der politischen Geschichte des Landes neuartig ist, aber ohne Zweifel von weiten Kreisen der Bevölkerung begrüßt und als Beruhigung empfunden werden wird. Sie wenden sich durch ein g e- meinsames Präsidium an die Wähler, um sie nicht nur zur Wahrung von Anstand und Würde im Wahlkampf aufzufordern, sonderst auch um ihnen die Bereitschaft zu verkünden, nach den Wahlen die durch fast sechs Jahre erprobte Zusammenarbeit fort- z u s e tz e n. Die zwei Hauptgründe, die für diesen Entschluß maßgebend und in dem Kommuniquee angeführt sind, werden sicher das Verständnis der demokratischen Wählerschaft finden. Das ist einmal die Erhaltung der dem o k r a t i- schen Grundlagen des Staates, die über alle Einzel-Interessen hinaus einen gemeinsamen Programmpunkt der Parteien bilden, die heute in der Regierung vertreten sind. Um die Demokratie zu verteidigen, wird es nötig sein, daß die Demokraten in diesem Punkte fest zusammenstehen und von Haus aus alle Versuche abweisen, Zwietracht in ihre Reihen zu tragen. Die Bevölkerung, die sich zu einer der demokratischen Parteien bekennt, muß Garantien dafür haben, daß diese Parteien auch nach den Wahlen bereit sind, für die demokratischen Prinzipien zu wirken und daß sie zu diesem Zwecke eine bewährte Zusammenarbeit bewährter Kräfte nicht gegen Experimente eintauschen. Gegenüber den Totaliätsbestre- bungen gewisser Parteien, gegenüber den fascistischen Allüren der Närodni sjenoceNi und der S H F erscheint es besonders wichtig, den Zusammenhalt der Koalitionspartner zu betonen. Beide nationalsozialistisch-oppositionellen Gruppen machen ihren Wählern Hoffnung darauf, daß nach den Wahlen eine Umgruppierung des Regierungslagers zu ihren Gunsten erfolgen wird. Die tschechische Rechte gibt die Parole der»Regierung ohne Deutsche", also eines Austausches der deutschen demokratischen Parteien in der Regierung gegen tschechische Fascisten aus, die SHF spielt mit dem Gedanken, ihrerseits die jetzigen deutschen Regierungsparteien zu ersetzen oder» was ihr im Augenblick wohl wichtiger wäre, sie durch einen SHF-Wahlsieg regierungsunfähig zu machen, so daß vom andern Ende her ebenfalls daS erreicht würde, was Stkibrnh anstrebt: die Verdrängung der Deutschen aus der Regierung. Die jetzigen Koalstionsparteien denken nicht daran, für sich den Alleinanspruch auf die Regierung zu erheben. Auch in ihrem Aufruf an die Wähler betonen sie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit anderen Parteien, wenn diese Parteien sich in loyaler Weise der jetzigen Gruppierung anschließen wollen. Daß diese aber der feste Kern jeder Regierungsbildung nach den Wahlen sein soll, daß Bewährtes nicht preisgegeben wird für Experimente, daß eine illoyale Opposition keine Aussicht hat, die Zusammenarbeit der bisherigen Koalition zu stören, ist ein Versprechen, das die demokratischen Wähler sicher in ihrer Gesinnung bestärken wird. Der Aufruf verweist zweitens auf das Prinzip der verhältnismäßigen Vertretung, das die Alleinherrschaft einer Partei ausschließt und die Regierungsbildung auf das Koalitionsprinzip stellt. Kann ohne Koalitionen nicht regiert werden, so sollen Koalitionen aber doch mehr sein, als zufällig zusammengewürfelte Gruppierungen von Parteien. Daß die koalierten Parteien wirklich züsammenarbeiten und daß sie gemeinsam die Verantwortung tragen wollen, das betont der Aufruf darum mit gutem Grunde. Es geht nicht an, daß ein Wahllampf zwischen Koalitionsparteien sich als wüstes Lizitieren, als Ab- wälzen der Verantwortung auf den Partner, als Beanspruchung aller Verdienste für eine Partei abspielt. Damit wäre nur den Gegnern der Koalition, also in unserem Falle auch den Gegnern der Demokratie und des Staates gedient. Darum muß eine Kollektiv-Verantwortlichkeit und der Wille zur Fortsetzung der gemeinsamen Arbeit gegeben sein. Die Koalition hätte kaum in der ursprünglichen Gestalt von 1929 die programmatische Zusammenarbeit über die Wahlen hinaus verkünden können. Erst die Umgestaltung det Koalition im Frühjahr 1934, die Ausschaltung der finanzkapi« Seite S Freitag, 19. April 193» Nr. 93 Hst Kramär Henlein abseschrieben oder umgekehrt? „Nörodnl sjednoceni“ und„Heimatfront* 4 In Reichenüerg erscheint das Tagblatt„SeveroLeskh den!!", das einen Bericht Mer die Der» sammlung der SHF in der Reichenberger Turnhalle brachte, die letzten Sonntag stattgefunden hat und in der Konrad Henlein sprach. Daraus führt das„Prävo Lidu" einige Stellen an und vergleicht das, was Henlein gesagt hat, mit dem, was Kramär in einer Rede ausgeführt hat, die er an demselben Tage in seiner Prager Billa gehalten hat. Auf Grund dieser beiden Reden ist das„Prävo Lidu" zur Erkenntnis gekommen, daß es nur drei Möglichkeiten gibt: entweder haben Henlein und Kramät dieselben Auffassungen in vielen Dingen, in welchen sie verschiedener Auffassungen sein sollten, wenn sie als das angesehen werden wollen, als was sie sich ausgeben oder hat Herr Dr. Kramäk seine Rede dem Henlein zum Abschreiben gegeben oder hat er sich das Manuskript vom Herrn Henlein ausgeborgt. Die nachstehenden Nebeneinanderstellungen zeigen die gleichen Auffasiungen der beiden genannten Herren. Kramif: Henlein: Warum haben sie sich verbunden Darin ist auch der ganze Wert unseres nationalen Programms zu sehen, weil dieses nationale Programm genau so das Programm der anderen Parteien war, mit denen wir uns in einer neuen Einheit verbinden wollen und wir sind nur taktisch voneinander geschieden gewesen. Täuschen wir uns nicht, eS ist wirklich arg. Ich will nicht davon reden, dass wir alle die Not fühlen, aber wenn wir uns erinnern, dah über 800.000 Arbeitslose, dah wir ein ungeheures Hundertmillionendefizit der StaatÄbahnen haben.°. Wir bleiben, Mr hleivrn, wie wir waren und ich habe nur einen Wunsch, dah unsere Bereinigung so rein bleibt, wie unsere Partei war und damit sie"innerlich so einheitlich und ehrlich bleibt, wie wir in unserer Partei waren. Dank den 1 Wir erkennen, dah bloß das Zusammenwirken aller Kräfte in der Nation und im Staate uns aus der Not herausführen wird, welche bereits die Grenzen des Erträglichen erreicht hat. Weite Gegenden unserer Heimat find schon einige Jahre von Elend und Not heimgesucht. Die sudetendeutsche Jugend erblickt vor sich nur daS graue Nichts der HoffnungSlosigkc't. Es ist unverantwortlich, unserer jungen Bewegung täglich neue Schwie- rigkeiten zu bereiten. vie wir waren Ich verspreche euch, dah nichts geschehen wird, was die Richtung unseres Weges im geringsten ändern würde, wir wollen aus dies«» Weg» fortschreiten. Erlauben Sie mir, damit zu schlietzen, dah ich Sie bitte, treu und ergeben dem zu bleiben, dem Sie bisher treu und ergeben gewesen find, was auch geschah. Wir werden niemals jene vergesien, welch« in entscheidenden Tagen Schulter an Schulter mit uns gestanden sind. Mandatspolitik Kommunistenprozeß Altona. DaS schleswig-holsteinische Sondergericht fällte das Urteil im Altoner Kommunisten« prozeh. Bon den zehn Angeklagten wurden verurteilt: die beiden Hauptangeklagten zu je 7 Jahren Zuchthaus und 7 Jahren Ehrverlust, zwei weitere Angeklagte zu je 6 Jahren Zuchthaus, eine Frau zu 3 Jahren Zuchthaus, ein weiterer Angeklagter zu 4 Jahren Zuchthaus und dir übrigen Angeklagten zu Gefängnisstrafen von 1 Jahr S Monaten bis zu 2 Jahren 6 Monaten. talistischtn Rationaldemokratie und der Weg einer konstruktiven Wirtschaftspolitik, der 1934 beschritten wurde, haben auS einer politischen Zweckgemeinschaft eine Art organisches Ganzes gemacht. Die Zusammenarbeit der bäuerlichen Schichten mit d em I n d u- strieproletariat und dem sozialistisch, orientierten Teil der Mittelschichten erwächst nicht einfach auS parlamentarischen Kombinationen, sondern hat ihre Grundlage in dem sozialen Gefüge deS Staates. Da weder die Industriearbeiter noch die Bauern allein regieren können, bleibt ihre Zusammenarbeit die für beide beste Form des Ge« samtregimcS und zugleich die solideste Basis deS Staates. Die Betonung deS Verbindenden gegenüber dem Trennenden, die Gesamthaftung für die Politik der Koalition, die Ausschaltung jeglicher Demagogie aus dem Wahlkampf bedeutet keine» Burgfrieden im Sinne eines Verzichts auf die Grundsätze der Partei. Keine der Koalitionsparteien wird es sich nehmen lassen, im Sinne ihres Programmes zu wirken und für ihr Programm Wähler zu werben. Keine wird bestehende weltanschauliche und politisch« Gegensätze vertuschen. Es gehört zum Wesen der Demokratie, dass auch im Rahmen gemeinsamer Arbeit und gemeinsamer Verantwortung Spielraum für die freie Urteilsbildung der Staatsbürger und für Krästeverschiebungen bleibt. Nur der totalitäre Fascismus leugnet die Verschiedenheit der Interessen und Meinungen, bestreitet den Wert des Zusammenspiels der Kräfte, an dessen Stelle er die eine diktatorische setzt, die alle andern unbesehen verwirft, zerstört, zur Unfruchtbarkeit verurteilt. Der Aufruf der Koalitionsparteien gibt den Wählern gewisse Zusagen, aber er kann selbstver« ständlich keine Bindungen Wer das Matz hinaus schaffen, das die Wähler selbst festlegen werden. Auch hier zeigt sich der tiefgehende Unterschied zwischen fascistischer und demokratischer FWrung. Dies« lässt das letzte Wort dem Volk. Wenn daS Volk gegen das Prinzip der Zusammenarbeit entscheidet, wenn daS Volk andere Kräfte beruft, dann werden andere regieren. So wird erst a m Ta gnachderWahl darüber enffchieden sein, ckb der Wille zur demokratischen Zusammenarbeit der bisherigen Koalitionspartner sich durchsetz!. Die demokratischen Wähler werden den Schritt der Koalftion mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Er zeigt ihnen, datz der Widerstand gegen die fascistische Hetze und die fascistischen Totalitätsansprüche in allen Kreisen der demokratischen Regierung lebendig ist, er beweist ihnen, datz man nicht von heute auf morgen fortwurstelt, sondern in der Zusammenarbeit der demokratischen Kräfte einen tieferen, den Bedingungen unseres Landes und seiner Nationen begründeten Sinn erblickt. Ich. möchte heute hauptsächlich zeigen, wie wenig die Politik des„Närodni sjednoceni" für uns eine Mandatspolitik ist, wie uns von vielen Seiten ausgesetzt wird. Ich habe niemals als Schwäche unserer Partei und unseres Programms empfunden, datz wir wenig Mandat« gehabt haben. Mauer Hainen— aber Ich triinsche mir, datz wir alle das Bewutztsein haben, dah wir der Nation gedient haben, indem wir uns vereinigten, als wir daran versahen, was uns getrennt hat. Wir wollen grundsätzlich die Meinung beseitigen, datz die Mandatsträger im Mandat einen neuen Beruf sehen. Denn die Abgeordneten, welche den Verlust ihres Mandates fürchten, vergessen allzu rasch auf di« Not ihrer Nation. sie sind Demokraten Das was uns groh gemacht und woran die Wut unserer Gegner zerbrochen ist, war die innere Geschlossenheit und Einheit der SHF. Dah wir für diese Einheit kämpfen und leben, ist das Gebot der Gegenwart. Hilsenreiner unterstützt Stflbrnfs Wahlparole Die„Deutsche Presse" rollt in ihrem Leitartikel vom Donnerstag(»Und nach den Wahlen?") wieder die Frage der sudetendeuffchen Emheitsfront auf und erklärt den Zusamnten-' schlutz der deutschen Parteien nach den Wahlen als eine natwnale Forderung. Die Deutschen mühten gemeinsam Forderungen stellen und dürften nur dann in die Regierung eintreten, wenn diese Forderungen erftillt wären. Ganz abgesehen davon, datz sich eine grotze deutsche Partei nicht von einer anderen ihre Taktik wird vorschreiben lassen, ist die Forderung Hilgen- reiners eine Unterstützung der Wahlparole Stki- brnys„Regierung ohne Deutsche!". Denn die unvermeidliche tschechische Antwort auf eine sudetendeutsche Einheitsfront wäre eben die tschechische Einheitsfront. Ob es Aufgabe der deutschen Politik ist, die Forderungen Stri-. brnys durchzusetzen, mögen die WWler entscheiden. Was di« Verpflichtung aller deutschen Parteien auf bestimmte Forderungen betrifft, so haben die Christlichsozialen als erste 1926 bewiesen, datz für sie gesamtnationale Interessen nicht massgebend sind. Um so weniger werden andere Parteien eS übernehmen, dem Hllgenreiner ober dem Henlein die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Die deutsche Sozialdemokratie hat die wahren deutschen Volks- interessen immer wahrgenommen, meist ohne Hilfe der Christlichsozialen, sehr»st aber g e g e n sie. Sie wird auch weiter die Interessen des arbeitenden deutschen Volkes zu schützen Wissen, was immer auch Hilgenreiner und Stki- brny wünschen. Parlamentsbilanz. Das Abgeordnetenhaus hat in der dritten Wahlperiode vom 12. Dezember bis 12. April 1938 insgesamt 373 Plenarsitzungen abgehalten, die 1818 Stunden dauerten, und«ine gemeinsame Sitzung mit dem Senat, In der Präsident Masarhk wiederge- wählt wurde. Die Ausschüsse hielten 1136, die Subkomitees 57 Sitzungen ab. Regierungsanträge wurde 243 vorgelegt, Senatsbeschlüsse 95, Initiativanträge 1022. Dringende Jnterpella- tionen wurden 189, gewöhnliche 2585, Jnter- pellationSbeantwortungen 2388 im Druck verteilt; bei 10 Interpellationen wurde die Beantwortung abgelehnt. Tatsächlich verhandelt hat daS HauS 180 Regierungsvorlagen, 98 Se« natsbeschlüsse und 5 Rechnungsabschlüsse;. werte rs wurden 10 Initiativanträge angenommen, 84 internationale Verträge ratifiziert und 35 Regierungserklärungen entgegengenommen. Sie sind,keine kapitalistische Partei Niemand wird ableugnen, dah eS niemals eine wahrhaftere, ehrlichere Zusammenarbeit in all unserer weiten sozialen Gesetzgebung gegeben hat, als gerade die unsere der sogenannten hundertpro» zentigru Kapitalisten. • Als weiterer Redner ergriff das Wort Dr. Walter Brand, welcher sich entschieden gegen den Vottvurf wandte, dah die SHF sich vom Kapitalismus hat kaufen lasse». Wir gehen zwar in die neue Bereinigung unter l Es ist unstatthaft uns auszusetzen, dah wir un- einem neuen Name«, aber wir bleiben ehrliche Demo-«demokratisch sind, weil wir einen neuen Namen haben, traten. I Vie innere Einheit Der Bauemhaiier Dm Otta rrladrlek Der Adjudant des Oberstburggrafen, ein Draufgänger durch und durch, eilte auf Dostal zu: ,„Humpevbein, waS hast du unter dem Rock?" —„Eine Peitsche für Schelme wie du", keuchte Dostal rot vor Zorn und lieh einen Hieb auf den Adjutanten niedersausen. Jetzt gab eS kein Halten mehr für die kaiserlichen Militärs. Di« Dragoner sprengten auf die Bauern loS, ihre Klingen funkelten in der Märzsonne und ehe die Bauern sich noch recht zur Wehr setzen konnten, wurden sie Lberritten und niedergeschlagen. Ein Teil rettete sich durch die Flucht, andere kämpften verzweifelt bis zum letzten Augenblick. Am standhaftesten hieüen sich» Seite an Seste gedrängt, Chwojka und Dostal; schliesslich wurden auch sie mit hundertfünfzig anderen gefangen genommen. Unter dem Hohn der Bürger, di« sie wie ein sonderbare- fremdes Wild bestaunten, führte man die Gefangenen ins Verliess. Nach einigen Wochen schwerer Haft kam es zum Prozeh, einigen Gefangenen, denen man Raubtaten nachweisen konnte, wurden gehenkt. Chwojka, Dostal und Nywlt, dessen man inzwischen habhaft geworden war, wurden immer erneuten Verhören unterworfen. Sie zu Een wagte man nicht, weil man ein Wiederaufflammen des Aufstandes danach befürchtete. Der Oberstburggraf war ein guter Menschenkenner, er ersann für Chwojka eine ebenso teuflische, wie geschickte Marter, er lieh den zu langjähriger Haft Bestraften nicht ins Gefängnis bringen, sondern, in Ketten gefesselt, durch alle Orte, in denen der Aufstand ausgebrochen war, unter sicherer Bedeckung und aufs komischeste ausstaffiert mit Krone, Zepter und Schwert aus blinkendem Blech, zur Schaustellung führen. Man setzte Chwojka auf einen störrischen Esel und schickte vor ihm zwei Ausrufer, die andauernd riefen:„Bauern, erweist eurem Kaiser die Reverenz, euer Wohltäter kommt, euer Bauenkaiserl" Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Die Anhänger von gestern suchten sich von ihrer eigenen Vergangenheit zu befreien» indem sie die wildesten Schmährufer wurden.„He, h«", neckten sie,„selbst der Esel ist zu llug, um sich dem Bauernkaiser zu beugen". Sie bewarfen ihn mit Eiern und Fallobst, sie hänselten den Reiter, der stumm und unbeweglich die Prozedur erduldete und hüpften um ihn herum, lustig wie beim Faschingstreiben. Matthias Chwojka war froh, als er wieder in die Stille eines Gefängnisses zurück durste, er war müde und grau geworden und nur bisweilen leuchteten seine Augen im alten Glanz. Er las viel, am liebsten im Plutarch, und wenn er an jene Zeilen kam, die vom Scherbengericht der Athener, von ihrem Undank gegen die eigenen Führer handelten, so las er nichts anderes als sein eigenes Schicksal. Es tröstet, im Unglück Freunde zu haben, aber es tröstet auch, Leidensgefährten zu finden in vergangenen Zeiten und unter anderen Sternen. Nach achtjähriger Hast wurden Chwojka und Dostal entlassen, sie trafen sich vor dem Tor des Gefängnisses, umarmten einander gerührt und zogen die lange graue Landstrasse, ineinander eingehackt, des Weges. Chwojkas einst glänzendes Auge war im Dunkel des Kerkers trifte geworden. Dostal hinkte noch stärker als früher. Wer die beiden sah, mochte sagen, dah der Blinde den Lahmen führe. Bon mitleidigen Menschen erhielten sie gelegentlich eine Geige und eine Ziehharmonika ge- schenkt, damit zogen sie auf die Dörfer und spielten bei Lustbarkeiten auf, so ernährten sie sich kümmerlich Jahr um Jahr. Einmal kamen sie auch nach Roudnicky. ChwojkaS Hof war längst in andere Hände übergegangen, seine Angehörigen waren tot oder verschollen, die Bauern dort lebten in grosser Armut, ihre Fron war schlimmer als zuvor. Aber es waren neue, junge Menschen herangewachsen und mit ihnen wuchs eine neue stille Empörung heran. Chwojka hörte beim Spiel unter der Linde ihre Reden, er hörte wie ein junger Bursche zum andern sagte:„Jetzt brauchten wir wieder einen Bauernkaiser, jetzt, wäre vielleicht für ihn die rechte Zeit gekommen". Da hÄb Chwojka die Fiedel hoch und spielte das alle Lied: „Den Herren die Habe Dem Kaiser den Leib Und dem Bauern bis zum Grcfte Die llntertänigkett." Wer er spielle länger als früher, neue Reime kamen ihm in den Sinn und als er spürte, wie die Schar der Zuhörer von Minute zu Minute wuchs, leuchteten seine Augen auf, seine brüchige Stimme erhielt Glanz und Schmelz wie zuvor und er endete, dah es wie ein Kampfruf klang: «Sie schlugen uns im Märzen Sie retteten den Thron! Sie brachen unsere Herzen, Doch nicht die Rebellion t" Die Bauern begannen mitzusummen, leise wie der Wind sich erhebt und dann immer lauter, so wie der Sturm über die Stoppeln zu fegen beginnt, klang es aus ihren Kehlen. „Sie brachen unsere Herzen, Doch nicht die Rebellion!" In diesem Augenblick kamen am Ende der Dorfstrahe zwei Reiter in Sicht, man hielt sie für Gendarmen und das Volk wurde unruhig. Die Menge rottete sich zusammen, da warf Chwojka Dostal einen kurzen Blick zu und Dostal verstand ihn sofort. AuS Leibeskräften begannen sie eine lustige Tanzweise zu spielen und all jene, die eben iwch vor Kampflust geglüht hatten, schwenkten um unter dem ansteckenden Jubel und Trubel, der Burschen und Mädchen ergriff. Nur ein alter Bauer trat trutzig an die Spielleute heran und sagte:„Ihr seid bösartige Hexenmeister, erst erregt ihr das Voll und dann nehmt ihr ihm alle Besinnung." Chwojka schüttelle den Kopf:„DaS versteht ihr nicht, sie müssen erst reif werden zum Kampf, aber man darf die Frucht nicht pflücken wollen, ehe sie rot und golden ist. Vorher braucht es viel Sonne, jedes Lachen ist ein Dtrechl, der kräftiger macht." So spiellen sie weiter und Wetter, plötzlich ging die Tanzweise wieder über in eine» getragenen Ton, die Bauern sangen mit, sie sangen und sangen und mertten gar nicht» dass auf Chwojkas Geige schon die letzte Saite zersprungen war. Chwojka flüsterte Dostal zu:„Merkst du, wie sie stärker werden? Sie hören die Geige, auch wenn sie schweigt, jetzt klingt sie in ihnen und eines Tages wird sie a u s ihnen tönen, dann ist die Zett gekommen..." Chwojka und Dostal humpelten am Abend des TageS langsam auS dem Dorfe, sie kamen an dem grossen Teich vorbei, auf dem die Sonne die Wellen mit ihrem letzten verglimmenden Rot blutig färbte. Dostal sagte zu Chwojka:„Wir sind zu früh geboren." Chwojka klopfte ihm auf die Schulter:„Man kommt nie zu früh, sondern allenfalls imVoraus—, wenn man den rechten Weg zu gehen weitz. Die einen säen, die anderen ernten. Man muh lernen, auch im Dunkel zu leben und zu steiften. Man hat ja doch ein wenig am Frührot teil, wenn man nur gewiss ist, datz es kommt!" So gingen sie getrost die Landstrahe hinein in die lange, schwarze, tiefe Rächt...„. Im Jänner des Jahres 1782 verlor Dostal seinen Gefährten. Matthias Chwojka erkrantte an einem heftigen Fieber und verschied nach wenigen Tagen.. Dostal und der Pfarrer waren die Einzigen, die hinter dem Sarge durch den hohen Schnee stapften. Dostal hielt in den froststarren Händen ein Zeitungsblatt, das noch feucht war von Druckerschwärze. Er ttat ans Grab heran und als der Sarg in die Grube versenkt wurde, legte er cs wie ein Fahnentuch über ihn. DaS Zeitungsblatt berichtete davon, dass der Kaiser Josef II. die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben habe. So fielen die Erdschollen gleichmässig auf den Toten und auf die späte Kunde seines SiegeS. (Schluss.' Nr. 93 Freitag, 19. Avril 1935 Seite 3 r fudeiendcutsdier Zeitspieget demokratische Partei übrig bleiben wird, denn wir wissen ganz genau, daß die Schwindler vom Hause Vorwärts in Karlsbad mit der Stribrny und BeneSgruppe Hand in Hand gehen— genannt die Internationalen. In wenig«» Tagen wird das Haus Vorwärts (damit ist zweifellos der„BelkSwille" genannt, d. R.) überhaupt angezündet, die Millionen Vermögen beschlagnahmt«nb die ganze Führerschaft den Staatsanwalten übergeben und dann inS Zuchthaus Wander«. Mit den Millionen wissen wir schon wohin damit, auch die Villen der Herren Lumpen werden beschlagnahmt und verlaust,— dies zur steten Erinnerung an das Jahr 1822. Das Parlament wird noch in dieser Woche ge- sprengt, damit im Mai die Wahlen vor sich gehen können. Dies zur Kenntnis. He«lei« Gruppe NordbähmenS Rayon Komotau—Kaaden. Kaaden 8. 4. 1885." Der Schreiber dieses Briefes wurde bereits sichergestellt und die Angelegenheit wird nun die Staatsanwaltschast beschäftigen. Der Ton des Herrenklubs. Neuerdings bürgert sich in der SHF vollends der Ton preußischer Junkerklubs ein. Da hat ein O h e r st a. D. Zedtwitz einen Artikel gegen Hodina geschrieben. Ihm antwortet Hodina(der ein Tvktor h. c.,«in Ehre ndoktor ist, obwohl ihm seine Partei allerhand Verstöße gegen Treue und Pflicht borgewör- fen hat):»Ich bin auch Soldat und war viermal an' der Front. Zum Krüppel geschossen, bi» ich jedoch auch noch in derFrie» denszeitSoldatgeblieben..." Auf den gleichen Artikel des O b e r st e n Zedt« Witz hat auch der Genossenschaftsdirektor und Henleinagitator Pfrogner geantwortet, auch er plötzlich als H u p t n, a n n a. D. Auch er hat sich ganz die Diktion zugelegt, die in der Aera P a p e n- S ch l e i- cher Eingang in die deutsche Politik fand:»So wie ein Offizier seine Mannschaft nicht der- lassen darf...TreueundGehorsam und Subordination find mir alsSoldaten ebenso heilige Begriffe wie Ihnen Herr Oberst. Aber auch das Dienstreglement sieht Fälle vor..." Cs ist buchstÄlich zum Kotzen. Da werden plötzlich Reisende mit Kunstdünger, Lagerhausverwgstsr, Sonntagsjäger und andere emeritierte* Helden wieder zu Obersten, Majoren und Rittmeistern, reden »als Soldaten" miteinander, suchen ihre klägliche Männlichkeit, die aus dem vermeintlich sinkenden Schiff der eigenen Partei aufs sichere Gefährt des Gegners schwimmt, hinter soldatischen Phrasen zu verschanzen und tun so, als sei das alte k. u. k. Dienstreglement wirklich der Ehrenkodex und die Richtschnur der tschechoslowakischen Politik. Tvs hat uns gerade noch gefehlt, daß 17 Jahre, nachdem man ihnen die Sterne von den Krügen gerissen hat, die Herren Leutnants wieder als Creme der Nation austauchen. In Wien und B u d a p e st hat man Verwendung für derlei Mätzchen, auch in Berlin. Vielleicht verlegen die Herren Offiziere ihre Auseinandersetzungen dorthin!. Die Biedermänner von der SHF Zwei Henleln*Asltatoren unter Betrussverdacht verhaftet Wir konnten uulängfft berichten, datz drei besonders rührige„Berufspolitiker" von der SHF im Pilsner Wahlkreis in peinliche Strafsachen verwickelt sind. Es handeüsich um ehemalige Versicherungsagenten, die ihren mühevollen Beruf verlassen und eine lohneirdere Beschäftigung bei der sudetendeutschen Mandatsversicherungs-A.-G. gefunden haben. Ihre bisherige Firma konnte aber nicht umhin, diesen neugebackenen Bolksbrglückern je zwanzig bis vierzig Betrugsanzeige» auf ihre politische Laufbahn nachzusenden. Das Bekanntwerden dieser Tatsache scheint jedoch auf das Hauptquartier der SHF wenig Eindruck gemacht zu haben. Einer der betrügerischen Agenten, nämlich Herr Biedermann, hat noch am vergangenen Sonntag als Ver sammlungsredner für Henlein die Werbetrommel gerührt. Nun kommt aus Pilsen die Nachricht, datz zwei dieser»Berufspolitiker" am Donnerstag verhaftet worden find. Die Herren Biedermann und Bacek mußten ihren kaum eingrleiteten Feldzua gegen den Marxismus jäh unterbrechen, weil zu den bekannte« Betrugsfällen noch einige verbotene Eingriffe in die Parteikaffe der SHF passiert sein sollen. Auch das Delikt der Kuppelei wird nach unsere» Information«» als weiterer Ber- haftungsgrund bekannt. Schade um diese Kameraden Henleins und Sandners! Sie wäre berufen gewesen, manches schwierige finanzielle Problem auf leichte Art zu lösen und das sudetendeutsche Volk herrlichen Zeiten entgegenzuführen... Doderer als Wahlfondssammler Ein hinkendes Dementi Die sonst gut funktionierende Dementierspritze der Heimatfront scheint ausgerechnet nach dem Frühlingsanfang eingefroren zu sein. Seit längerer Zeit schon wird in der Presse die Sammeltätigkeit des Herrn Generaldirektors Doderer lebhaft erörtert. Bisher wurde von keiner Seite der geringste Zweifel laut, datz die Sammlungen Doderers etwas anderem als dem Wahlschatz der SHF gelten könnten. Nach langem Kopfzerbrechen entschließen sich die„Sudetendeutschen Presse-Briefe" endlich zu einem schwachen Ableugnungsversuch. Wir lesen da zwischen Wutausbrüchen gegen die Sozialdemokratie folgendes Gestammel: „.. hie Sammelaktion des Generaldirektors Doderer hat nicht daS mindeste mit der SHF z« tun. Doderer handelt weder al- Ber- trauenSmann Henleins noch alS BertrauenS- man» irgendeines anderen der Heimatftont angehörenden oder auch nur nahestehenden Politikers. Herr Doderer kann bei Industriellen ..soviel Geld sammeln, wie er nur will, die Heimatfront hat damit nicht das mindeste zu tun". Datz Doderer sammelt, wftd n i ch t bestritten, nicht einmal von ihm selbst. Datz er i m Einvernehmen mit Herrn Dr. Rosche sammelt, ist bekannt und wird ebenfalls weder von Doderer, noch von Rosche in Abrede gestellt. Daß Herr Rosche unlängst zu Henlein übergegangen ist, wird man doch hoffent- sich als wahr gelten lasten. Für wen sammelt dann Herr Generaldirektor Doderer? Für die Kommunisten etwa? Die SHF soll die Bevölkerung nicht für blöd halten und sich mit solchen durchsichtigen Leugnungsversuchen nicht Wester lächerlich machen. Stenzl von der SHF abselehnt Schon zu viel Bewerber um Mandate Der große Kuhhandel im deutschbürgcrlichen Lager um die Mandate für die Führer der kleinen Und kleinsten Parteien ist in vollem Gange und läßt noch allerhand'Ueberraschungen offen. Eine davon ist die offizielle Meldung deS Herrn Stenzl, des Führers der Deutschen Gewerbe- Vartei, datz seine Verhandlungen mit der SHF endgültig gescheitert sind, „weil die Sudetendeutsche Heimatfront im letzte« Augenblicke alle im Laufe der Verhandlung en gemachten Zusicherungen bezüglich der ständischen Vertretung des Gewerbe- nnd Handelsstandes, bezw. des StändebundeS für Handel und Gewerbe in den gesetzgebende» Körperschaften nicht einhalten wollte." Offenbar haben sich schon zu viele Generale ohne Truppen bei der SHF angemeldet, so daß diese Angst bekommt, es könnten vor lauter Mandaten für die Führer der alten Parteien, die sie im Anfangsstadium ihrer Bewegung als„Berufspolitiker" auf ewig verdammt hatte» zu wenig Mandate fiir die strebsamen Leute vom Kamerad- schaftsbund übrig bleiben. Stenzl stellt weiter fest, datz alle Pressekom- binationen über den llebertritt einzelner Parlamentarier oder führender Männer seiner Partei zur SHF sowie über SonderÄtionen und Kandidaturen auf der SHF-Liste aus der Luft gegriffen seien. Sein Ständebund für Handel und Gewerbe werde seine politische Selbständigkeit aufrecht erhalten und für die kouunenden Wahlen die notwendigen Schritte unternehmen. Jetzt dürften wieder verstärtte Bemühungen nach irgendeinem Wahlabkommen der kleinen Parteien einsetzen, so daß es nicht auSgeschloffen ist, daß der in letzter Zeit öfters ventilierte Mittelstandsblock doch irgendwelche greifbare Formen annimmt. Achtung, nicht stürzen! Uenleinbüsten aus Gips— 200 Kc Der Bvzantismus und Führerkult in der SHF kann sich immerhin neben den reichsdeutschen Vorbildern sehen lassen. Herr Henlein, dessen historisches Verdienst um die Sudetendeutschen zunächst darin besteht, datz er die haken- kreuzlerische Erbmasse übernommen und einige ausgeschriebene Reden heruntergelesen hat, ist offenbar dazu ausersehen, als erste Figur eine noch anzulegende völkische Siegsallee zu zieren. Wenn auch nicht in Stein und Bronze, so doch wenigstens in— Gips. Aus Znaim wird unS berichtet, daß dort ein geschäftstüchtiger SHF-Jünger mit der Fabrikation von gipsernen Henlein-Büsten begonnen hat. Trotz des wenig haltbaren Materials wird eine solche Büste nicht weniger als 200 KL kosten. Der Führer, welcher dazu zweifelsohne Modell gestanden hat, scheint sich selber also ziemlich hoch einzuschätzen. Die versprochene Wirtschaftsankurbelung ist sonach schon in vollem Gange; allerdings dürfte die Fabrikation von politischen Geschäftsartikeln der einzige Beitrag der SHF zur Arbeitsbeschaffung bleiben! Einer, der den Karlsbader „Volkswille“ anzünden wollte I Ein Frflchtel der Henleln-Polltlk Aus Brunnersdorf im Bezirke Kaaden erhielt unser Karlsbader„Volkswille" folgenden Brief: „An die Atminkstrasion der Volkswille OrganisationSzentvale für KonfesionSlose in Karlsbad. Anter Bezugnahme an unser seinerzeitiges Schreiben vom Jahre 1834 von der Gewerkschaftstagung in Kaaden, müssen wir uns veranlaßt fühlen, dem Parteisekretariate in Karlsbad zugleich Herausgeberin der Zeitung„Volkswille", das Hauptorgan für Erziehung der Konfessionslosen zu Gaunern Lumpen und Schwindlern, da die Organisatoren der Konfessionslosen die größten Gauner find, die die Konfessionslosen um die letzten Heller am meisten beschwindeln und um sie jetzt nicht mehr kümmern, da nichts mehr herauSzu- holen geht, was Monatsbeiträge anbelangt und jetzt nur noch den Finanzminister beschwindeln können, damit sich daS Parteisekretariat behaupten kann, daß daS nunmehr nicht mehr gehen kann, well die Parlamentswahlen vor der Tür stehen und die Karlsbader Kanzlei vor dem Zusammenbruche steht, weil wir darnach trachten werden, datz keine Stimme in ganz Böhmen für die sozial- Moskau.(Tsch. P.-B.) Mittwoch wurden sechs Angehörige der sogenannten„Leiferon- Bande" erschossen, die nicht weniger alS 86 Diebstähle, zahlreiche Ueberfälle und mehrer« Polizistenmorde auf dem Gewissen hatten. London. Das gesundheitliche Befinden deS LordsiegelbewahrerS Eden hat sich gebessert und die Aerzte hoffen, daß nach weiteren drei Wochen Erholung der Lordsiegelbewahrer vollkommen wieder hergestellt sein wird. Krise In Bulgarien Verbannung Zankows löst Kabinettsdemission aus So f i a. Am DonnerStag kam eS zu einer Regierungskrise, die schließlich zu einer Gesamt- Demission des Kabinettes des Generals Z l a t e w fürtc. Donnerstag früh wurde auf Befehl der Regierung der frühere Ministerpräsident und Führer der nationalsoziale« Bewegung Profeffor Z a n ko w festgenommen und in die Berbannung nach Burgas am Schwarzen Meer abgeschoben. DaS gleiche Schicksal erlitten der ehemalige Ministerpräsident Georgien», vier weitere ehemalige Minister und andere Politiker. Der Grund hiefür ist in einem Brief zu suchen, den Zankow vor zwei Tagen an seine Anhänger richtete. Darin hatte er sich in scharfer Weise mit der jetzigen Regierungspolitik auseinandergesetzt, die beschleunigte Rückkehr der Armee aus der Politik in die Kasernen und Wiederherstellung der vollen Rechte des Königs verlangt, da sonst dem Lande schwerste Erschütterungen drohen würden. Zankow galt in weiten Kreisen alS der komme» d e M a n», der das Militärregime ablöse« würde. Seine Maßregelung, die alS Sieg des Innenministers Obersten Kolew von der Kapitänsliga angesehen wird, die derzeit Bulgarien beherrscht, löste im Kabinett zunächst die Teildemission des. Justizministers aus; ihm folgten der Bolkswirtschafts. und der Außenminister. Daraufhin gab der Ministerpräsident die Gesamt- d e m i s s i o», die vom König genehmigt wurde. Zar Boris hat bereits die Berhandlungen über die Neubildung der Regierung eröffnet. Ganz plötzlich erreicht uns eine Trauerbotschaft: Genosse Josef P r e t s ch, der Zentralsekretär des Internationalen Metallarbeiterverbandes in K o m o t a u, weilt nicht mehr unter den Lebenden. Unfaßbar schien es uns, datz der Tod hier so rasch einem Leben ein Ende setzen konnte, das jahrzehntelang nur dem Dienste der Arbeiterklasse geweiht war. Noch in der letzten Zeit kam er treu seiner Pflicht im Dienste des Verbandes nach und nun hat der Tod doch unvermittelt diesem Leben ein Ende gesetzt. Vor kaum Wochensrist suchte Genosse P r e t s ch im Komotauer Krankenhaus Heilung von einem alten Bruchleiden. Die Operation verlief auch glücklich und alle wiegten wir uns bereits in der sicheren Hoffnung, den treuen Mitarbeiter bald wieder in unseren Reihen zu sehen. Da trat plötzlich eine unvorhergesehene Verschlimmerung ein, der Pretsch am 18. April um halb 7 Uhr früh erlag. Damit wurde einem Arbeiterlebcn ein Ende gesetzt, das reich an Mühsal und Entbehrungen, aber auch verschönert durch große Erfolge im Dienste der Organisation und für die Arbeiterklasse war. Pretsch wurde als Arbeiterkind am 30. Jänner 1880 zu Tschirn in Mähren geboren und mutzte nach Besuch der dreiklassigen Volksschule sofort sein Brot als Eisenwerksarbeiter in Witkowitz in der schwersten Form verdienen. Doch dies schreckte den Proletarierjungen keineswegs. Sobald er den Ernst des Daseins erfaßt und die proletarischen Leiden am eigenen Körper verspürt hatte, stand er auch schon unter den organisierten Arbeitern, die natürlich den jungen Mitarbeiter bereitwillig aufnahmen. Damals war es eine gefährliche und opfervolle'Sache, sich zurOrga- nisation zu bekennen, um für das Proletariat zu wirken. Doppelt schwierig war es aber, als Freigewerkschaster im Witkowitzer Eisenwerk zu wirken, denn damals wurden von einer rücksichtslosen Leitung die brutalsten Mittel gegen die aufstrebende Arbeiterbewegung angewendet. Aber all dies schreckte den jugendlichen Pretsch nicht, er hielt treu zur Organisation und wurde daher sehr bald durch das Vertrauen seiner Mitarbeiter in die Leitung der Witkowitzer Metallarbeiterverbands-Ortsgruppe gewählt. Sein Interesse für Organisationsarbeit trieb ihn dazu, nach der damals überlangen Arbeitszeit noch im Gewerkschastssekretariat aus reinem Idealismus unentgeltlich administrativ mitzuwirken. Sy er- warb er sich w zäher Selbstbildung, die von zhm so oft beklagte mangelhafte Schulbildung überwindend, jene notwendigen Kenntnisse, die es ihm ermöglichten, später immer wichtigere Posten in der Gewerkschaftsbewegung und den proletarischen Organisationen auszufüllen. Im Jahre 1910 wurde er zur Leitung der ersten Verwaltungsstelle in Bodenbach berufen. Unter seiner Führung wurde aus der Bodenbacher Ortsgruppe sehr rasch ein achtunggebietender Faktor im Gewerk- schaftSleben dieses Gebietes. Die Metallarbeiter, sind seit dieser Zeit in Bodenbach die matzgebende Gewerkschaftsorganisation. Es ist nur zu begreiflich, datz solche Erfolge dazu beitrugen, datz Genosse Pretsch sehr bald auch zum KreiSgewerk« schastssekretär und Bezirksvertrauensmann der Partei in Bodenbach bestellt wurde. .Ungeheueres aber mutzte Genosse Pretsch leisten, als der Krieg kam und fast alle Funktionäre der Arbeiterorganisationen zum Militär berüfen-wurden. Ans ihm, der durch einen Unfall im Witkowitzer Eisenwerk invalid war und nicht zum Kriegsdienst einbezogen werden konnte, lastete die hundertfältige Arbeit für die Organisation in den KriegSjahren. Mochten auch die ständigen Einberufungen immer neue Lücken in die Reihen der organisierten Metallarbeiter reihen, Genosse Pretsch verzagte nicht, denn für ihn war dies alles nur ein Ansporn, um desto mehr an den Ausbau deS Vertrauensmännerkörpers zu schreiten, damit die unter dem Kriegsdienstleistungsgesetz stehenden Proleten ein größeres Stück Recht und oftmals in der Zeit der Hungersnot auch ein größeres Stück Brot erhielten. Seine unaufhörlichen Bemühungen fanden denn auch den gebührenden Lohn. Als im Jahre 1917 die Wiener Arbeiter einen Vorstoß gegen die Kriegsmaschinerie unternahmen, da konnte auch in Westböhmen für die in den Kriegsbetrieben schuftenden Metallarbeitern ein Erfolg erzielt werden, denn die Beschwerdekommissionen wurden damals den k. u. k. Heeresgewaltigen abgetrotzt. In die Reichenberzer Beschwerdekommission wurde Pretsch ganz selbstverständlich entsendet und es gelang ihm auch, für die Metallarbeiter dort eine erfolgteiche Tätigkeit zu entfalten. Nach Kriegsende berief die Reichskonferenz der Metallarbeiter, welche am 16. April 1919 in Komotau die Gründung unseres„Internationalen MctallarbeiterverbandeS" in der Tschechoflowaki- schen Republik vornahm. Genossen Pretsch als Zentralsekretär in die BerbandSzentrale, in der er durch seine organisatorischen Kenntnisse und sein kühles Abwägen der jeweils gegebenen Situation viel dazu beitrug, daß der Internationale Metall« arbeitetverband zu jener machtvollen Organisation wurde, die er heute ist. Genosse Pretsch stand in allen proletarische» Organisatione» Seite k Sreifrt®, 19. April 1935 Nr. 95 Lawinen Unglück in der Sch«eiz Drei Todesopfer An unsere Abonnenten, Leser und Kolporteure! Anläßlich der Osterfeiertage wird im Buch- I??. druckcrgewerbe am«Montag nicht gearbeitet, K| so daß unsere Nummer am s'U Dienstag, de« 23. April entfällt. I Die nächste Ausgabe erscheint dann zur ge- gg? wohnten Stunde am Mittwoch, dem Kl 24. April. H Die Verwaltung. und verweigerte nie die Mitarbeit, wenn der Ruf an ihn erging, obwohl ihm seine Stellung im Metallarbeiterverband nur wenig Zeit gab, auch auf anderen Gebieten hervorzutreten. Sein Rat aber wurde stets überall gebührend gewürdigt. Noch in den letzten Wochen war er im Verein mit seinen engsten Mitarbeitern eifrig bestrebt, die Metallarbeiter auf die Notwendigkeit eines günstigen Wahlausganges aufmerksam zu machen und cs verging buchstäblich kein Tag, an dem er n'cht die Gelegenheit benützte, um für einen proletarischen Erfolg bei den kommenden Wahlen die notwendigen Voraussetzungen schaffen zu helfen. Er war vollständig frei von jedem Streben nach Geltung in der Oeffentlichkeit, ihm ging die Sache st e t s über die Person und er war es, der selbst in der hitzigsten Debatte zu ruhiger Ueberlegung mahnte. Seine Ruhe und sein Weitblick trugen denn auch viel dazu bei, daß selbst in der schwersten Zeit immer wieder Erfolge für die Organisation erzielt werden konnten. An seiner Bahre trauern deshalb nicht nur seine Angehörigen, sondern die gesamte organisierte Arbeiterschaft. Den Metallarbeitern aber und seinen engsten Mitarbeitern wird er stets als Beispiel proletarischer Pflichterfüllung gelten, dem nachzueifern das Streben aller sein muß. So wird sein Wirken für das Proletariat in der proletarischen Bevölkerung unvergeßlich bleiben I, Maltzpetr für eine gute Prrffe. Aus Anlaß der alljährlichen Verkündung des Osterfriedens des Roten Kreuzes am Karsamstag veröffentlicht Ministerpräsident Maltzpetr eine Kundgebung, in der er auf die diesjährige Devise„Eine gute Presse" hinweist, die durch die bevorstehenden Wahlen eine besondere Wichtigkeit erhält. Es- sei das Recht des Roten Kreuzes, auch im geistigen Kampf vor der Anwendung von Waffen zu warnen, die vergiftend wirken und verheerende Folgen haben können; eine schlechte Presse sei eine solche verwerflich« Waffe. Bon der g u t e n, das heißt anständigen und wahrheitsgemäßen Presse verlangt der Ministerpräsident, daß sie dem Leser richtige Nachrichten übermittelt, und ihn mit den wichtigen Erscheinungen des öffentlichen, politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens im In- und Auslande bekannt macht. Sie soll belehren, unvoreingenommen kritisieren, wobei sie sich die Kritik nicht durch leichte negative Stellungnahme erleichtern soll, ohne das ernste Bestreben nach Remedur durch einen Vorschlag, wie sie erreicht werden soll, bekunden zu wollen. Sie soll nicht Sen- sasionen nachjagen und soll sich vor doppelsinnigen Andeutungen und persönlichen Angriffen hüten.. ES wäre ein großer Fortschritt, wenn di« Kritiker von Personen den Mut hätten, sich nicht hinter den Vorhang deS Redaktionsgeheimnisses zu verbergen. Vom Rundfunk Erweiterung der deutschen Pressemeldungen Ab 23. April werden im Prager Rundfunk die deutschen Pressenachrichten am Abend durchwegs auf 10 Minuten verlängert. Sie werden immer in der Zeit von 18.4S bis 18.58 Uhr gesendet werden. Die vorhergehenden Sendungen werden um je fünf Minuten vorverlegt, das Nachmittagskonzert, das um 18.55 beginnt, um drei Minuten verkürzt. J» der Prager deutschen Arbeitersendung fallen heute die„Aktuellen zehn Minuten" aus, da das Radiojournal mittlerweile für den Karfreitag anders disponieren zu müssen glaubte. Zum Ersätze liefert morgen Samstag von 18 Uhr bis 18 Uhr 10 Dr. O t t o F r e Y-Prag ein „Tudctendeutsches Kulturrelief". Die Rundfunkrede des Ministerpräsidenten I. Malupetr, die für Donnerstag abends angesetzt war, wurde infolge einer stimmlichen Indisposition des Ministerpräsidenten auf Freitag abends um 19 Uhr 45 verlegt. * Empfehlenswertes ans den Programme«: Samstag Prag, Sender L.: 10.05 Deuffche Presse. 12.20 Schallplatten. 15.55 Konzert. 16.40 Lieder. 18.05 Deuffche Sendung: Aus dem sudetendeutschen Kulturleben. 18.10Vom Eise befreit. Hörfolge zur Oster« zeit. 23.00 Tanzmusik.— Sender 15.00 Deuffche Sendung: Lieder von Gustav Mahler.— Brünu: 12.40 Orchesterkonzert. 17.50: Deuffche Sendung: Der Frühling im deutschen Liede.— Mährisch-Ostrau: 19.40 Leichte Musik,» Bern. In den Walliser Alpen südlich des Dorfes Saas-Fee ereignete sich Mittwoch ein Lawinenunglück, das drei Menschen das Leben gekostet hat. Eine aus etwa 15 Personen bestehende deutsche T o u r i st e n g r u p p e aus Baden wurde beim Aufstieg zum Plattje, den sie trotz Schneefalles am Morgen und trotz vorheriger Warnung unternommen hatte, von einer vom Mittaghorn niedergehenden Staublawine überrascht. Von den Verschütteten, die zum Teil verletzt wurden, konnten einige lebend geborgen werden. Einer der Teilnehmer blieb in der Lawine und e r st i ck t e. Von den Geborgenen sind später zwei ihren Verletzungen erlegen. ♦ Neuschnee in Oberitalien Mailand. In den Bergen oberhalb von Stresa hat der Winter einen unerwarteten Vorstoß unternommen. Während das Thermometer auf Null Grad sank, fiel auf den Bergen bis zu 700 Metern herunter Schnee. Auf der Spitze des Mottarone, des bekannten Skiberges von Mailand, werden 25 Zentimeter Neuschnee gemeldet. Sogar an der Riviera haben die Berge unversehens wieder ein Winterkleid angelegt. In Livorno tobte ein s ch w e r e r S t u r m, der beträcht- Tagcsncnlglfcltcn Blutiger Bergarbeiter-Streik in USA Corbin. Bei einem Zusammenstoß mit Bergarbeitern, welche, 250 an der Zahl, die Polizei während des Streikes in den Kohlengruben angriffen, wurden 16Poliziste« und 2 5 Bergarbeiter verletzt. Den Bergarbeitern halfen mit Stöcken, Hammern und Steinen bewaffnete Frauen. Eine Frau aus dem Gefängnis entführt Wien. Eine verwegene Entführung ereignete sich am Mittwoch abends im Bezirksgericht H a l- lein in Salzburg. Zwei unbekannt gebliebene Männer drangen mit Masken und vorgehaltenen Revolvern in das Gerichtsgebäude ein, erzwangen sich den Zugang zu den Zellen des Gefangenenhauses und erbrachen dort eine Z e l l e, in der-sich drei weibliche Häftlinge befanden. Sie nahmen eine der Frauen namens Mizzi Maier mit und entkamen unbehelligt. Fememörder Schuschnigg Wien. Wie aus Klagenfurt gemeldet wird, sind im Zusammenhang mit dem Fememord an dem Maurergehilfen Adolf Mandl in den letzte» Tagen die ersten Verhaftungen vorgenommen worden. Einer der Festgenommenen ist der B r u d e r des flüchtigen Fememörders, namens S ch u s ch n i g g, der verdächtig ist, an dem Mord direkt beteiligt gewesen zu sein. Es heißt, daß er bereits ein Geständnis abgelegt haben soll. Die anderen Verhafteten sind Personen, die im Verdachte stehen, den drei geflüchteten Fememördern Geldmittel zur Flucht tnä Ausland zur Verfügung gestellt zu haben. Streikende Briefträger singe« die Internationale. Nizza. Hundertneunzig Briefträger des Postamtes in Nizzä hatten den Eindruck, daß ihnen zuviele Briefe zum AuStragen übergeben werden. Sie protestierten gegen die Arbeitsüberbürdung und schloffen das Hauptpostamt, worauf sie die Internationale zu singen begannen. Von diesen Vorgängen wurde unverzüglich das Ministerium für Post und Telegraphen verständigt, welches die sofortige Suspendierung der Streikenden anordnete. Bom Geist und Ungeist der Deuffchen. Endlich hat einer das Wort ergriffen, um in dieser Zeit, da Tag für Tag der deutsche Name von abenteuernden Barbaren geschändet, der deutsche Geist von rasenden Schwätzern verfälscht und der deutsche Wert von blutrünstigen Menschheitsfeinden verdunkelt wird, vom wahren Deutschtum zu sprechen. Endlich hat einer daran erinnert, daß es keine ärgere Beleidigung des Deutschtums gibt, als es mit dem Wüten der hakenkreuzlerischen Diktatoren gleichzusetzen, die drauf und dran sind, der entsetzten Welt das Bild eines roheitstrunkenen, von Kriegslärm berauschten und von geistlosem Größenwahn befallenen Deutschland darzubieten, wie es bösartiger auch von den wütendsten Deutschenhassern nicht gezeichnet worden ist. Endlich hat sich einer gefunden, der statt von der Schande vom Geist der Deutschen sprach: von jenem Geist, der Kantes Sittengesetz und Weltfrie- denslehre, der Goethes völkerverstehende Humanität hervorbrachte. Von jenem Geist, den zu retten und zu bewahren die große Aufgabe aller Deutschen sein müßte, die das Schicksal davor bewahrt , hat, zu Opfern der Goebbels'schen Lautsprecher lichen Schaden anrichtete. Auch aus Piacenza, in der norditalienischen Tiefebene und aus den Dolomiten, wo einige Straßenübergänge unpassierbar geworden sind, werden Schneefälle gemeldet. InTrient ist bis an die Ränder der Stadt Schnee gefallen. Hefttge Gewitterstürme haben in den letzten Tagen in ganz Süd- und Mittelitalien großen Schaden angerichtet. An der toskanischen Küste werden mehrere Fischerbarken vermißt, andere konnten nur unter größten Schwierigkeiten den Hafen erreichen. Bei Anzio fanden Mei Fischer den Tod in den Wellen. Auch aus anderen Hafenstädten liefen Unglücksnachrichten ein» so aus Gallipoli, wo die Leichen von. vier Seeleuten geborgen worden sind. * Oesterreich unter einer Schneedecke Der Kaltlufteinbruch in den beiden letzten Tagen hat ncMzu ganz Oesterreich Schnee gebracht. Nur diestiederungen des Alpenvorlandes sind Schneeftei geblieben. Schon die Hügel um Wien weisen eine dünne Schneedecke auf. Seit Menschengedenken haben in den österreichischen Bergen um diese vorgerückte Jahreszeit nicht mehr solche Schneemassen gelegen, wie in diesem Jahr. und Rotationsmaschinen, zu heilrufenden Statisten der Goeringschen Spektakel, zu Sklaven einer haß- speienden, menschheitsverhöhnenden und kriegstollen Diktatur zu werden. Aber so notwendig und so beglückend es war, daß diese Worte gesprochen wurden, so beschämend ist es, daß sie keiner von den Deuffchen gesprochen hat, die sich dazu berufen meinen, den deutschen Geist zu vertreten. Kein deuffcher Universitätsprofessor oder Schriftsteller hat die Teplitzer Rede über die Aufgaben der Deutschen in unserer bastbarisierten Zeit gehalten, sondern eints chechoslowakischerMi- n i st e r. Keiner von denen, die sich fortgesetzt auf die deutschen Kulturgüter berufen, die sie von Berufs wegen zu schützen haben, hat gegen die Zerstörung Lieser Güter in Hitler-Deutschland Stellung genommen, und keiner von ihnen hat dem deuffchen Volke so wie Dr. D e r e r die geschichtliche Sendung klargemacht, die in der Verteidigung deuffcher Kultur gegen die Angriffe und die Anmaßung der Barbaren besteht... Während unser »nationales" Bürgertum in Scharen dem Apostel zuströmt, der di« Gleichschaltung mit der Hitlerei bei uns einführen will, die wie nichts zuvor die deuffche Nation erniedrigt hat, hat der Vertreter einer anderen Nation den Wert und das Wesen des ewigen Deuffchtums verkündet. Und während die Verleumder des Marxismus, die diesen als geistlose Anbetung der Materie beschimpfen, das Kriegsmaterial des Dritten Reiches und die geistverneinenden Theorien von Rasse, Blut und Boden wie Götzen verehren, hat ein Sozialist den Glauben an den Geist verkündet, ohne den die Technik zum Mißbrauch statt zum Segen wird. Zwei Minuten Stille. Das RoteKreuz führt auch heuer am Karsamstag eine Zwei- Minutenpause zum Gedenken der im Weltkriege Gefallenen und für den Frieden und die Demokratie durch. Genau zwei Minuten vor 12 Uhr mittags beginnt diese Zwei-Minutenpause nach voraufgegangenen Signalen. Die Straßenbeleuchtung flammt auf, alle Fußgänger bleiben stehen und nehmen die Hüte ab, alle Fahrzeuge halten im Fahren inne. In allen Industrie-, gewerblichen und kaufmännischen Betrieben, in allen Kanzleien, Geschäften und sonstigen Arbeitsstellen, wie auch in privaten Haushalten soll jegliche Arbeit unterbrochen werden. Punkt 12 Uhr ertönt das Signal zum Zeichen der Beendigung des Pietätsaktes. Die ganze Bevölkerung wird ersucht, sich an dieser Kundgebung zu beteiligen. Lehrlings-Unglück. Mittwoch abends stürzte der 16jährige Lehrling JosefSchrott, der bei dem Malermeister Hermann Nisos in Karlsbad beschäftigt ist, in der S t ä d t i- scheu Markthalle von einem neun Meter hohen Gerüst auf den Betonboden der Halle. Er schlug mit dem Hinterkopfe auf und wurde mit schweren Kopfverletzungen und wahrscheinlich auch mit einem Bruch des Halswirbels in das Krankenhaus in bewußtlosem Zustande eingeliefert. Sein Zustand ist sehr besorgniserregend. Fürchterliche Verleumdung! Ist es ei« Verbrechen, jemandem eine menschliche Regung-unterzuschieben, die er nicht hat? Nirgends wohl auf der ganzen Welt, außer in Deutschland. Dort hat man die„Essener Volkszeitung" Verbote« und den verantwortlichen Redakteur verhaftet, weil der unselige Mann innerlich so wenig gleichgeschaltet war, anzunehmen, daß ein in Essen zum Tode verurteilter Mörder begnadigt worden sei—. Kaum war die selbstverständlich falsche Nachricht in die Welt gegangen, als das Essener Polizeipräsidium zornentbrannt gegen diesen schamlosen journalisttschen Rückfall in die menschlichere„Systemzeit" protestierte und mit männlichem Stolz und zur allgemeinen Bruhigung fesfftellte, daß der Verurteilte bereits geköpft worden sei. Womit die„Ehre" ditses unaussprechlichen Regimes wieder hergestellt war—. 50 Prozent Fahrpreisermäßigung auch Einzelreisenden, auf allen tschechoflowaffschen I Bahnen, wird den Teilnehmern an dem 1. Bundes-W feste des Aruk gegen Vorweis der Bahnlegitimaffon i und des Dauer-Festausweises gewährt. Die Fahrt 4 nach Karlsbad kann in der Zeit vom 1. bis 1 7. Juli, die Rückfahrt in den Wohnort in der’j Zeit vom 6. bis 12. Juli erfolgen.— Die Fahr-| Preisermäßigung wird auch Nichtmitgliedern einge-.1 räumt, wenn durch einen Aruk-Verein die Bestellung j des Dauer-Festausweises und der Bahnlegitimaffon« erfolgt. Für Mitglieder 33 Prozent Ermäßigung der\ Rad- Transportkosten auf der Bahn gegen Vorweis| des Aruk-Mitgliedsbuches und der Bahnlegiffmaffon. j BundrSmitglieder! Parteigenossen und -Genossinnen! Das Bundesfest des Aruk bietet euch Gelegen« j heit, billig in die weltberühmte Kurstadt Karlsbad zu] kommen und die Großveranstaltung des Aruk gleich- 1 zeitig zu erleben. Sichert euch diese Reisebegünstigung M durch rechtzeiffge Meldung zur Teilnahme bei einem D Aruk-Verein, bei welchem Dauerfestausweis und> Bahnlegiffmaffon bestellt werden muß. Die Eintrittspreise ermöglichen es dir, das 1 1. Bundesfest des Aruk mitzuerleben, sie sind sehr 1 niedrig I Der Tauer-Festausweis berechtigt zum Ein- fl tritt zu allen Veranstaltungen(auch zur Abendver- D anstaltung!) an beiden Tagen. Dauerausweisbesitzer V erhalten außerdem Freiquartier und das künstlerische J Festabzeichen. Preis Kd 8.—. Die Sonntagskarte berechtigt zum Eintritt zu 1 allen Veranstaltungen am 7. Juli und kostet Kd 4.—. J KindrrauSwrise für da? ganze Fest Kd 2.—, füi^j Sonntag allein Kd 1.—. Die Bahnlegitimation zur Inanspruchnahme der 1 50prozentigen Fahrpreisermäßigung dritter Klaffe 4 Pcrsonenzug, über 100 Kilometer auch Schnellzug, j und der Transportkostenermäßigung für Saal-, 4 Renn- und Straßenräder kostet Kd 2.—. Als besondere Begünstigung erhalten jene Teil- W nehmer, die den Dauer-FestauSweis bis zum 1. Juni I bezahlt haben, den Festführer gratis! Tausend Teilnehmer sind bereits angemeldrt und auch du mußt an dem 1. Bundesfest des Aruk j am K. und 7. Juli 1935 in Karlsbad teilnehmen! j Der Aruk ruft dich! Elendstragödien. In Wien haben sich wieder zwei Elendstragödien abgespielt, die vier Menschenleben forderten. Im 21. Bezirk vergiftete sich der 30jährige Monteur Georg Weiß mit seiner Gefährtin, der 32jährigen Anna Dnxinger, durch Einatmen von Kohlengasen. Arbeitslosigkeit und Not trieben die beiden zur Verzweiflungstat. — In einem Hotel im 2. Wiener Bezirk erschoß der 24jährige Fleischergehilfe Karl Kerner seine Braut, die 22jährige Friederike K o r n- Herr, durch zwei Revolverschüsse und tötete sich dann selbst durch einen dritten Schuß. Die Tat verübte Kerner ebenfalls aus Not. Der Postveffkehr an den Osterfeiertagen. Samstag, den 20. April 1935, enden die Amtsstunden für den Parteienverkehr im Postdienste sowie auch dir Briefpostzustellung um 15 Uhr. Montag, den 22. April 1935, wird der Dienst im Post-, Telegraphen- und Telephonverkehr wie an Feiertagen versehen. Ziehung der Klassenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Donnerstag-Ziehung der 5. Klaffe der 32. Tschechoslowakischen Klaffenlotterie wurden folgend« Treffer gezogen: 40.000 Kd das Los Nr. 66179. 10.000 Kd di« Los« Nr. 33292 55524 62277 90539 35418 77988 105991 87411. 5000 Kd die Lose Nr. 76401 80755 83187 11063 71408 49850 35773 29998 100237 10928 108012 75203 95681. 2000 Kd die Lose Nr. 8008 54758 34174 11821 88179 56638 108556 19254 87789 88472 39905 58968 98711 68341 71511 20733 86434 47991 453365 54765 54897 85385 52887 64662 48237 91201 21533 49798 103808 16345 99104 33139 30271 25404 67512 90366 66427 5353 84989 56772 95968 39735 88728 87967 33668 34907 77824 48640 46953 3662 67678 196 25815 11730 90459 48429 58062 54623 75481 36483 2749 9846 40215 85009 61054 21082 31052 76281 102392'43036 108329 24568 63558 85566 17560 91015 32045 31100 100115 9678 69373. 1560 67754, Nr. 93 Freitag, 19. April 1935 Seite 5 Pieee»rd- Pläne Warschau. Der Warschauer„Expreß Po- rannh" erklärt, daß Professor Piccard im Mai in Polen eintreffen und mit den militärischen Bal- lonwerkfiätten in Jichlonna-Legionowo Verhandlungen betreffend die Konstruktion eines Ballons in diesen Werkstätten führen wird, auf welchem er noch im Laufe dieses Jahres einen neuen Stratosphärenflug unternehmen will. Rach dem genannten Blatte beabsichtigt Professor Piccard, diesen neuen Stratosphärenslug, bei welchem er eine Rekordhöhe von ZOKilometern erreichen tvill, von polnischem Boden aus zu unternehmen. In diesem Falle würde der Stratosphärenballon de» Professors Piccard vom Flugplatz der polnischen militärischen Ballonwerkstätten in Jablonna- Legionowo starten. Devise« in der Thermosflasche. Bei der deutsch-polnischen ZollütergangSstelle in Beuchen, in der Hohen Ltndenstraße, wurde rin Mann verhaftet, der' schon vor seinem Grenzlibertritt durch sein unruhiges Wesen die Aufmerksamkeit der Zollorgane auf sich lenkte. Zunächst untersucht« man vergeblich. Schließlich entdeckte man in einer Thermosflasche raffiniert versteckt 11.000 Mark in Goldscheinen und ferner Dollars und Goldpeseten im Werte von 12.000 Reichsmark. Der Schmuggler namens Najmann lvurde verhaftet und in das Gefängnis eingeliefert. Auf der Such«»ach Petroleumquellen. Um den l. Mai wird aus Moskau eine wissenschaftliche Expedition abgehen, die die Wüste Karakum und die Tiefebene zwischen dem Kaspischen Meer und dem llral-Se« geologisch erforschen wird. Der Hauptzweck der Expedition besteht darin, nach Petroleumquellen iv forschen. Etwas besseres Wetter in AuSstcht. Heber unsere Pogenden verlief am Donnerstag eine Wärmegrenze, m deren Näh« noch immer Regen fällt, wenngleich die Niederschlaysneigung bereits ein wenig nachläßt. Strichweise traten nachmittags in Mitteleuropa «Witter auf. Sehr kühl ist es in Oesterreich und im Aüdzipfel Böhmens, wo in den Niederungen nachmittags nur vier bis fünf Grad Celsius verzeichnet taten. In höheren Lagen des Böhmerwalde» herrscht l ei ch t e r Frost und Schneefall. Dagegen betrug die Tencheratur am Nordostvand des Staates am Nachmittag 13 bis 13 Brad Celsius. Die Drmkftörun«, welche über Jugoslawien liegt, zieht Wgen die Karpathen ab, so daß im Westen und Südwesten des Staates für Freitag bereits etwa» dessereS Wetter erwartet werden kann.— wahrscheinliche» Wetter von heute: Im Westen und fel Eüdweftteil der Republik Abnahme der Nieder- fchlagsneigung, strichweise auch etwas verringerte DtwMung und untertags ein wenig wärmer. MS- stiger Westwind;, im Karpathengebiete vorwiegend bewölkt, strichweise Regen und kühler.— Wetter- MKfichten für SamStag: Wetterssage unsicher. Mitteilungen au» dem Publikum tlnch Ihne» liegt der Frühling in den Gliedern! So herrlich schön«S ist, wenn die Knospen sprießen, Natur erwacht, so sehr spürt der Körper den vrühling, wird müd und matt-.. Doppelt gut ist«S Frühling, sich in Momenten des Schlaffseins des n l p g, Franzbranntwein» zu erinnern: ein paar Tropfen auf Stirn und Schläfen und gleich ist man feieder frisch! Und regelmäßige„Alpa"«Einreibungen vchibiereu schon im voraus das Mattwerden l Fragen Sie doch einmal Ihren Arzt deswegen! 8 PRAGER Iuweliergeschäst ausgeraubt Die Serie der Einbrüche bei Uhrmachern und Juwelieren wurde gestern durch einen neuen Fall vermehrt. Die Wache bemerkte in der Nacht auf gestern, daß die Auslage der Firma I. Dvorak in der Terronskä in Prag XIX geöffnet und ausgeraubt wurde. Der herbeigeholte Geschäftsinhaber schätzt den Wert der geraubten Gegenstände, 120 Ringe, Lorgnons, etc auf 80.000 XL Gerichtsbeamtin fährt schwarz. Die Frau, die, wie gemeldet, vor einigen Tagen den Chauffeur Ivan Bdovicenko und seither einige ander« Taxichcmffeure um ihr Fahrgeld geprellt hat, ist gestern mittags verhaftet worden. Sie ist eine ehemalige Gerichtsbeamtin namens E. H. Zärtlichkeiten statt Taxe. Bor einigen Tagen erlebte ein Prager Taxichauffeur ein unliebsames Abenteuer. Ein« Dame, die er von seinem Standplatz am Wenzelsplatz zu ihrer Wohnung nach Zij- kov fuhr, erklärte beim Aussteigen, kein Geld zu haben, und bat den Chauffeur, mit in ihre Wohnung zu kommen, wo sie ihm die Taxe auszahlen werde. Aber, wie sich bald zeigte, hatte die vergeßliche Dame auch ihren Wohnungsschlüssel vergessen und ließ sich von dem in Schloff«rkünsten bewanderten Chauffeur die Türe öffnen. In der Wohnung war bald nicht mehr die Rede vom Geld. Der Chauffeur wurde reichlich mit Wein bewirtet, sodann erst mit eßbaren, dann mit anderen Süßigkeiten; aber ehe es noch zu letzteren recht gekommen war, ermannte er sich noch einmal urb forderte, brüsk seine Taxe. Di« Dame, die bereits gehofft hatte, ihrerseits eine Taxe zu er» (icrlclitssaal Das»Prager Tagblatt" und das»Dritte Reich" Ein interessanter Preffeprozetz. Prag. Ein recht interessanter Preffeprozeß wurde Donnerstag vor dem hiesigen Pressegericht abgeführt. Kläger war Herr Harry Klepetäi, verantwortlicher Redakteur des„Prager TagblatteS" und der„Prager Abendzeitung", der gegen den Verantwortliche» Redakteur des„Prager Mittag" Rudolf K l i n g S b e r g, eine Presseklage angestrengt hatte. Gegenstand oer Klage bildete ein im„Prager Mittag" am 8. August 1834 veröffentlichter Artikel, dessen Titel lautete: Gesandter De. Koch gegen die Freiheit der tschechoslowakische» Press«: Hitler greift»ach Prag. Das„Präger Tagdlatt" im Dienste de» Dritte« Reiches" In dem, eingeklagten Artikel wurde di« publizistisch« Praxis des„Prager Tagblatt" und der „Abendzeitung" einer scharfen unterzogen. Den Anlaß grä ein eingeherches Referat dieser beiden Blätter über eine Gedächtnisrede, die der Prager deutsche Gesandte Dr. Koch vor der hiesigen reichsdeutschen Kolonie anläßlich des Totes Hindenburgs gehalten hatte. DaS„Prager Tagblatt" widmete diesem Nekrolog deS Herrn Gesandt«»«in« volle Spalte und die’„Prager Abendzeitung" gar zwei Spalten ihres Textteiles. Der„Prager Mittag", glossierte den Eifer der(im„Dritten Reich" verbotenen) Mercy-Blätter, der selbst gewiffe andere Blätter, die dem»Dritten Reich" weit näher stünden, inten Schatten stelle, wobei u. a. angedeutet wurde, daß der Einfluß des reichsdeutschen Pro« pagandamimsteriumS sich offenbar nicht mehr auf ZEITUNG halten, wurde rasch nüchtern und warf den herben Gast hinaus. Aber damit nicht genug. Ein« Stunde später erschien sie abermals am Wenzelsplatz, wo sie Lärm schlug und den Chauffeur verhaften ließ, weil er ihr angeblich eine goldene Dabatiere im Werte von 4500.— gestohlen habe. Aber nun zeigte sich auf dem Polizeikommiffariat die Solidarität der Prager Taxichauffeure in hellem Glorienschein. Scharenweise kamen sie auf die Polizei, um ihren Kollegen zu entlasten, ja manche wußten von einem ähnlichen Abenteuer zu berichten, das ihnen, offenbar mit der gleichen Dame, in letzter Zeit zugestoßen sei. Der Chauffeur wurde, da sich di« völlige Haltlosigkeit der Beschuldigung erwies, sofort«nt- ! lassen, die„Dame" in der Person einer 28jährigen Prostituierten verhaftet. Zusammenstoß zweier Elektrische». Gestern um 2 Uhr mittags stand ein Motorwagen der Einser- Strecke an der Station in der Bölohorskä in Btev« nov, als ein 22er-Wagen in voller Fahrt in die Station einfuhr und gegen den Schleppwagen der stehenden Einser stieß. Der Zusammenstoß war so heftig, daß beÄ>« Wagen zur Weiterfahrt unbrauchbar gemacht wurden. Ein Passagier des Einser- Wagens erlitt eine Schnittwunde auf der Hand. Im 22er-Wag«n erlitt der Kondukteur Quetschungen am Brustkorb; der Wagenlenker, der über Schmerzen im Mag«n und im Ohre klagte, wurde auf die Röntgenabteilung geschickt, da sich äußer« Verletzungen nicht konstatieren ließen. Der Kaffendtenst bei der Postsparkasse in Prag endet am SamStag, dem 20. April d. I., um 15 Uhr. M o n ta g, am 22. April d. I. wird bei der Postsparkasse für den Parteienvcrkehr nicht amtiert. den Inseratenteil der Mercy-Blätter beschränke, sondern sich auch im Textteil zur Geltung bringe. Die Bemühungen des Vorsitzenden(OGR. Dr. BernäSek) um einen Vergleich scheiterten zunächst, so daß ter Vertreter der geklagten Partei erklärt«, den Wahrheitsbeweis, bzw. den Beweis d«S entschuldbaren Irrtums anzutreten und eine Reihe sehr interessanter Beweisanträge stellte. DaS Beweisverfahren mußte sich natürlich in der Richtung bewegen, daß die Mercy-Blätter, obwohl in Deutschland verboten, doch in ziemlich engen kommerziellen Verbindungen zum autoritären Naziregime stünden und daß diese kommerziellen Verbindungen gewiss« Rückwirkungen auf di« ideologische Einstellung dieser Presse Wien. So wurde der Beweis darüber angeboten, d?>ß ter Verlag Heinrich Mercy Sohn bis zum heutigen Tage an ter restlos gleichgeschalteten.Neuen Leipziger Zeitung" beteiligt ist und ebenso an dem ebenso gleichgeschalteten Berliner R o w o h l t-V e r- l ag. Bemerkenswert ist dabei, daß an der„Neuen Leipziger Zeitung" der bekannte„E h e r- V e r la g" (München-Berlin) hauptsächlich beteiligt ist. Dieser „Eber-Verlag" ist ater heute eine Domäne des Herrn Adolf Hitler und hat U. a. auch die Bibel de» „Dritten Reiches", nämlich das„Werk"'des^.Führers" herausgegeben, das sich betitelt„M ein Kampf". Ferner wurde ter Beweis darüber angeboten, daß das„Prager Tagblatt" in seinem Inseratenteil u. a. für die^Heidelberger Festspiele" ausgiebigst Reklame gemacht hat, als deren„Schutzherr" niemand anderer zeichnete, als Herr Goebbels persönlich. Zur Charakterisierung der„ideologischen Unklarheit" des„Prager Tagblatt" und der „Abendzeitung" wurde, weiter ins Treffen geführt, daß kurz vorhcr ein Artikel des ermordeten Prof. Lessingim„P. T." veröffentlicht worden war, der sich mtt ter Persönlichkeit Hindenburg» kritisch auSeinandersetzt und nicht recht in Einklang stehe mit der Beflissenheit gegenüber der glorifiziererten Leichenrede des Herrn Gesandten Dr. Koch, um de ren detailliert« Wiedergabe die beiden Mercybläüer so sehr bemüht waren. Als Zeugen beantragte der Vertreter der geklagten Partei U. a. den Herausgeber des„Prager Dagblatt",. Herrn Dr, Keller, ferner den Prokuristen der Firma Mercy. Herrn Dr. Egon FuchS, Herrn Max und Frau Miny BenieS und die Ehegatten R o st i tz. Wie erwähnt, scheiterten zunächst die Vergleichsversuche, so daß sich das Gericht zur Beratung über die eingebrachten Beweisanträge zurückzog. Die Richter waren indessen nicht genöttgt, ihre Beratung zu Ende zu führen, denn inzwischen war doch ein Vergleich zwischen den stteitenden Parteien zustande gekommen, dernzufolge der geklagte Redakteur des „Prager Mittag" die Erklärung abgab, daß er die llägerischen Redattionen nicht beschuldigen könne, siir das Dritte Reich Propaganda getrieben zu haben. Durch diesen Streit war der Stritt"beendet. rb. Drei Jahre für einen Kinderschänder Nachtbild von der Großstadtperipherie Prag. Das Schwurgericht tagte Donnerstag unter Ausschluß der Oeffentlichkett. Angeklagt war der 28jährige, schon vorbesttafte Kellner Karl Stt- pänek aus Zijkov des Verbrechens der Notzucht. Nach dem, was uns von dieser Sache bekannt wurde, ist dieser Fall ein schreckliches Sittenbild au» dem Milieu ter Großstadtperipherie. D«r Angeklagte wohnte al» Untermieter bei der Familie B in ZiZkov. Er machte sich an die neu njäh r i g e Tochter seiner Quartiersleute heran, die kleine Ernestine, ein hübsches, natürlich ganz unentwickeltes Kind. Wie es zu all dem, was heute Gegenstand der Anklage bildet, kam, kann nicht daraeftellt werden, daß der Angeklagte die Kleine auf den Zijka- berg lockte und sie bewog, ihm für neun Kronen zu Willen»u sein.». Angeblich hat er sie dann durch Drohungen ter- anlaßt, über das Borgesallene zu schweigen. Und das Kind schwieg tatsächlich... Schwieg so lange, bis es eines Tages entdeckte, daß eine Mitschülerin sich den unnatürlichen Gelüsten des Angeklagten für eine Krone zur Verfügung stellte. Dann erst erzählte sie das Borgefallene und Karl Stkpänek wurde in Hast genommen. Er versuchte di« Sache so darzustellen, daß es sich um einen Racheast der Mutter des mißbrauchten Kindes gebandelt habe, die angMich ihre Tochter zu einer fälschlichen Bezichttgung mmehalten babe. Wir wissen nicht, was sich im Verlaufe dieser geheimen Verhandlung begab und können nur das Endergebnis verzeichnen. Der Angeklagte wurde vdü den Geschworenen einstimmig schuldig er- k a n n t und der Schwurgerichtshof unter Vorsitz des GR. T r o st verurteilte den Angeklagten zu drei Jahren schwere»«nd verschärfte» Kerker». rb. Aus der Partei Deutsche sozialdemokratische Dezirksorganisatio« Prag Heute, Freitag,«m 8 Uhr abends findet im Parbeiheim, Närodni 4, eine wichtige Sitzung der Bezirksvertvetnng statt, bei der das 0-rfcheinen aller Mitglieder ter Bezirks«ertrrtung dringend erwünscht ist! Verelnsnadirlditcn Deutsche LolkSfinggemeinde Prag» Nächsten Dienstag Hauptprobe für den Rundfunk. Vollzähliges Erscheinen unbedingt notwendig. Probe beginnt um 8 Uhr. Die Probe des FrauenchoreS entfällt. Tragische Robinsonade Bor einem Pariser Gericht stehen zwei Arbeiter und die Vertreter einer großen Aktien- gesellschast. Der Prozeß, ter jetzt durchgeführt wird, bildet den Abschluß eine» furchtbaren Dramas. Als ein Redasteur des Pariser»Matin" als Erster Publizist die Sache aufgriff und seinen Bericht über das Drama verfaßte, beschrieb er St. Paul mit den folgenden Worten: »Sieben Quadratkilometer vulkanischen Bo- °rns, die auf den geographischen Karten nicht verzeichnet sind, bilden die verfluchte Insel St. Paul, verloren in der Wasserwüste des Indischen Ozeans, bedeckt von unfruchtbarer Lava. Nur vereinzelt wächst an den wenigen, nicht ganz trostlosen Stellen genügsames Rohr, es wimmelt von blatten und wilden Kaninchen. Ohne Unterlaß peitscht.das ewig neugeschaffene Meer" die zerrissene Küste, die nur von Madreporen und Längsten bevölkert wird." DaS also ist der Schauplatz. Eine Pariser Firma entdeckte, daß ungeheure «lassen der schmackhaften Langusten die öde Küste tat St. Paul bevölkern. Der Fortschritt ist unaufhaltsam, er macht die Niagarafälle zu«Was- strkraft", die Maschinen treibt, er legt Autostraßen durch die Sahara und schreckt die verschleieren Tuareg-Krieger mit Töff-Töff und Tu-Tu. *r überwand die chinesische Mauer; nichts konnte Hn hindern, auch di« Langusten von St. Paul in tat Netz der weltwirtschaftlichen Beziehungen ein» -ufpinnen. Biele Gutachten wurden von erstklassigen mchleuten ausgearbeitet. Man hatte bis auf dir kleinste Einzelheit die Einrichtung ter Fabrik und l>er Arbeiterhäuser besorgt, auch Nahrungsmittel hatte man in genügender Menge bereitgestellt und im Jahre 1928 die ersten Arbeiter, brave, steißige Bretonen aus Concarneau und Pont« Aden, ankamen, konnte mitten im Indischen Ozean eine industrielle Produktion beginnen, durch nichts unterschieden von ter Arbeitsweise, wie sie überall auf der Welt üblich ist. Auch für die Ablösung dieses vorgeschobenen Postens ter Zivilisation war gesorgt. 1929 kamen neue Arbeitskräfte auf die kleine Insel. Dann aber traten Ereignisse ein, die von den Direktoren nicht vorgesehen waren: man hatte vergessen, von Sachverständigen der Geologie Gutachten«inzuholen, und das rächte sich nun. E» zeigte sich, daß die Insel St. Paul vulkanischen Charakter hat. Ende 1929 bäumte sich der Boden der Insel auf wie ein junges Pferd» dem man eine ungewohnte Last aufgelegt hat. Das Erdbeben zerstörte viel, nur wenige Lebensmittel konnten vor den Lavafluten gerettet werden, doch Nieten auch diese armseligen Vorräte nicht unbeschädigt. DaS Schlimmste war aber, daß es fast kein Wasser mehr gab. Ein einziger Bach, trüb, brackig und schlammig, lieferte ein ekelerregendes, Krankheiten erzeugendes Getränk, das erst lange gekocht werden mußte, ehe man eS genießen konnte. Die unglück- liche Kolonie konnte niemanden zu Hilfe rufen, sie war verstummt, das Erdbeben hatte ihre Stimm:, den Radiotelegraphen, zerbrochen. Der Züftll, dieser Freund der Schiffbrüchigen und Verunglückten, ließ den englischen Dampfer«Euripides" an ter verdammten Küste halten. Das Schiff verproviantierte die Unglücklichen notdürftig und brachte die Kunde von der Katastrophe in die Zivilisatton. Das war Anfang Jänner 1930. Bis in den Monat März dauerten die Beratungen in Paris. Endlich entschloß man sich, die Arbeiter aus diesem Vorzimmer der Hölle zu erlösen und in ihre Hermat zurückzubringen. Doch auf der Insel blieben die Anlagen, in denen Kapital der Gesellschaft steckte. Also mußten auch Menschen dort bleiben, um das Gut vor Zerstörung zu schützen. Sieben Leute meldet:» sich: M. M. Pulloch und Le Merdy, Hilfsarbetter aus Pont-Aven, Viktor Brunon aus Concarneru und dessen Frau. Dann waren noch da: LomS Herledan und Quillivie aus Benzec-Conau und der Neger Francois, Am 26. März 1930 gab Frau Brunon unter Tränen und Schmerzen einem Kinde das Leben. Nach wenigen Wochen verließ das arme Wesen diese Welt, die sich ihm nur als eine unwirtlich» Insel zeigte, auf ter arme Ausgesetzte ein elendes Leben mühselig fristeten. Da» Kind war ter einzige Gast der sieten Robinsons; es schien, daß man sie vergessen habe. Die Vorräte schwanden dahin, trotzdem viele Lebensmittel verdarben, erzwang der Hunger ihre Verwendung. Ununterbrochen tauchte der öde Felsen Schwefeldämpfe aus. DaS Leiten der Unglücklichen gab dem Korrespondenten des«Matin" Gelegenheit» solche Titel zu verfassen: Mitten im Indischen Ozean! Sieben Personen bleiten von aller Welt abgeschlossen! Vier von ihnen vom Skorbut und vom Wahnsinn dahingerafft l Diese großen Titel blieben hinter der Wirklichkeit noch zurück. Niemand kann einen Titel finden, der all das ausdrückt, was Arbeiter erdulden mußten, die nicht ausgezogeu waren, um Abenteuer zu erleben, sondern für sich und ihre Kinder ein Stückchen Brot zu erwerben. Skorbut brach aus. Langsam starten vi-c der Einsamen. Nach stundenlangem Todeskampfe brachte der Tod Erlösung. Und in den Köpfen der Ueberlebenden lauerte der Wahnsinn. AIS ter Neger Francois den Tod kommen fühlte, schleppte er sich mit seiner letzten Kraft auf eine einsame Klippe und starb allein stn Angesicht des grausamen, ewigen Meeres. Schauerlich schrien die Vögel, die sich um seinen armen schwarzen Leichnam stritten. Brunon starb in den Armen seines Frau, die sich tapfer, wi« cs nur eine Frau sein kann, aufrecht hielt. Am 27. Oktober 1930 kleidete sich Pierre Ouivillie mit besonderer Sorgfalt an. Er hatte beschlossen» diesen öden Felsen zu verlassen, die Heimat sollte ihren langvermißten Sohn, würdig belleidet, empfangen. Er stieg zum Ufer nieder, machte das einzige Fahrzeug der Insel, einen wackligen Kahn, los und ruderte in das offene Meer. Lächelnd und hoch aufgerichtet stand er in seiner bretonischen, gestickten Weste, den Kopf mit dem schnallenbesetzten Hut bedeckt, in dem Bort. Er fuhr in die Unendlichkeit des Ozeans hinaus, in den Tod. Im Dezember kam endlich das ersehnt Schiff, es fand nur Noch zwei Menschen am Leben: Louis Herledan und Le Merdy. Sie sind nun gerettet. Tie Langusten von St. Paul sind nun wieder unbchelligte Besitzer ihres Strandes. Bis die Industrie einen neuen Vorposten auf der verfluchten Insel errichten wird. * Am 12. April 1931 ging diese Meldung durch die Weltpresse: ,M a r s e i Ile, 11. April. Gestern ist hier an Bord des französischen Dampfers.Chambord" der zwanzigjährige Bretone Louis Herledan, einer der zwei Ueberlebenden ter Tragödie auf ter St, Paul-Insel, angekommen." Und nun rollt ter letzte Akt des Dramas ia einem Pariser Gerichtssaal ab. Es wird ein ttockener ZivilprcHeß geführt. Die Ueterleten- den haben die unternehmungslustige Konservenfirma auf Schadenersatz geklagt. Vielleicht wird man ihnen einige hundert Franken zusprechen. Die Summe wird nicht übermäßig groß sein, Und die fünf Menschen, die auf der verfluchten Insel starben, werden der Firma nicht lästig fallen. Sie sind tot und Tote führen keinen Zivilprozeß. Alfred Madras. Sette 8 ,Sozialdemokrat* Freitag, 18. April 1935. Nr. 93 - Heute entschlief sanft in seinem 56. Lebensjahre unser Neber Genoffe Loses VretM deMralfrtrctfir veB internationalen 9netollar*ettertterBanle4 in 6er i. s. n. Der Vorstand des Internationalen Metallarbeiterverbandes. Me«earntenseyaft de-S internationalen^netaUnrbeiterberOan&ea, in»er Zf4«ofl0loaHf«en VAepnvl»,«itz ftomotan. wurde anfangs der dreihiger Jahre fertiggestellt. Die> tümlich melodiöser Weise,, teils durch übertriebene Anregung zu ihr erhielt der Komponist durch eine! Sentimentalität, um parodistisch zu wirken. Auch datz während■ der Direktionsära Kramer bewirkte aus-! sie manchmal hart den Operettencharakter streift und gezeichnete Aufführung des Lustspieles»Die Klein- bedenklich banal wird, will bewustt im satirischen städter" von Kotzebue. An dieses alt« Lustspiel Sinne verstanden sein. Geschlossene Nummern von bat sich Beidl in seiner Oper, deren Tertbearbeitung Arien. Ensembles und Finales bilden das Rückgrat er. selbst besorgt«, nach Tunlichkeit gehalten und nur t der Oper; auffallend einfach gehaltene und ost nur dort Aenderungen vorgenommen, wo es der knappere' akkordlich gestützte Rezitativs stellen die Verbindung musikalische Ablauf der Handlung oder ihre opern-' zwischen ihnen her. Bemerkenswert ist der überall Urania-Kino, Klimentska 4. Fernsprecher 61623. am 18. April 1935, um halb 7 Uhr früh nach kurzer Krankheit im 56. Lebensjahre im allgemeinen Bezirkskrankenhause in Komotau verschieden ist. Die Trauerfeierlichkeiten und die Ueberführung des Verblichenen ins Krematorium nach Brüx finden am Samstag, dem 20. Aprll, um halb 3 Uhr nachmittags von der städt. Leichenhalle in Komotau aus statt. Die Einäscherung im Krematorium Brüx erfolgt am gleichen Tage um halb 5 Uhr nachmittags. Durch das Hinscheiden unseres geliebten Zentralsekretärs mitten aus der FAle der Arbeit für unserere Organisation und für das Wohl der Metallarbeiter verkett unser Verband nicht nur einen seiner ersten FunMonäre, sondern auch einen schaffensfreudigen, edlen und guten Menschen, der seine reichen Kenntnisse und organisatottschen Fähigkeiten durch mehr als 30 Jahre in den Dienst der Metallarbeiterbewegung und der sozialdemokratischen Arbeiterpattei gestellt hat. Er hat sein kostbares Leben, Kopf, Herz, Blut und Nerven im Dienste für unsere Organisatton verbraucht. An seiner Bahre danken wir ihm für alles, was er unserer Organisation gegeben und für fie im Interesse der Metallarbeiter geleistet/hat. Wir werden ihm ein ehrendes und dankbares Gedenken bewahren. Komotau, am 18. Apttl 1935. Im Schnee 1* Der erste Stof-,film mit Käthe Salier, Rolf Waat«, 2»X Rodrabera und Walter Taut. Mustk: S-errti Gvulei u. Salier. Regie: Rudolf Kaischee Persönliches Auftreten von Käthe Walter, Luz Rodenberg und Walter Taut. Normale Preise Kunst und Wissen Theodor Veldl: .Die Kleinstädter" Nrauffnhrnng am Prager Deutschen Theater.. Die»Kleinstädter" sind des sudetendeutschen Tondichters Theodor Veidls vierte Opernschöpfung. Zwei Operneinakter—»Ländliches Liebes- orakel" und„Die G e s ch w i st e r"(nach Goethes— stammen aus der«rsten Schaffenszeit des Komponisten, und die nach einem Libretto des Böhmerwald-Dichters Hans, Watzlik komponierte Märchenoper.Kranwit" wurde im Jahre 1929 am Prager Deutschen Theater uraufgeführt; letztore trug ihrem Schöpfer den tschecho- .slowakischen Musikstaatspreis ein. Dir komische Oper»Die Kleinstädter" Der Borftan--es Internationale« Metallarbeiterverbandes in-er Tschechoslowakische« Republik gibt in tiefster Trauer bekannt, daß Genosse mau« als politisierender Bürgermeister. Fra Kindermann als bessere Ehehälfte. Früulsä K o n e tz n i und Frau W a n k a als drastisch-humm volle Muhmen, Göllnitz als Dichterling. Frm lein Rahn als Magd, Andersen als Polizist etc. NM geringen Anteil an dem Heiterkeitserfolg des AbflU hatte auch ein vierbeiniger Nitwirkender, ein bra«4 drolliger Dackel. E. II Spielplan des Rene» Deutschen TieaterS. Freit« geschlossen.— Samstag 7%: Die Fled-lf maus, Festvorstellung zugunsten des FerialfovW Abonnement aufgehoben. Spielplan der Kleine« Bühne. Freitag: m schlossen.— Samstag 8: Ich Habs sei au volkstümliche Vorstellung. zu spürende volkstümliche Einschlag der Musik Veidls und ihre betont einfache instrumentale Ausstattung, die. wie der Komponist selbst erklärt, sich eines Orchester? bedient, das nur um einen Mann stärker -ist als das von Mozarts»Figaro". Zusammenfafsend kann gesagt werden, daß Veidls.Kleinstädter" Ovar nicht als komische Oper im modernen Sinne anzusehen sind, datz sie aber als modernes Sing- sp i el alle Aussicht haben, ihren Weg zv machen. Sie wurden auch vom Publikum überaus freundlich ausgenommen, das allen Mtwirkenden, vor allem aber dem mit Blumen und Kränzen reit' beschenkten Komponisten reichen Beifall spendet«. Aus der Taufe hatte das Werk Prof. Georg Szöll gehoben, der bedacht war,.den leichtbeschwingten Charakter zu betonen. also der Rhythmik zur entsprechenden Geltung zu verhelfen, und die parodistisch-satirische Note der Musik sestzuhalten. Sehr schön in der abgetönten Dynamik klang unter seiner beschwingten Stabführung auch das Orchester. Vortrefflich diszipliniert und zu schöner Wirkung gesteigert waren die Ensembles und Chöre. Renato M o r d o s Regie, die sich auf die schönen Biedermeier-Szenenbilder Leopold Ko- t u l a n s stützte, war bestrebt, den burlesk-parodistischen Ton der Musik auch szenisch zum Ausdruck zu bringen und zeigte(wenn auch bisweilen übertrieben) Witz und die noiwendige Beweglichkeit. Als gut besetzt erwiesen sich die Hauptrollen des Singspiels: Rose Book als koloraturfeste Braut Sabine, Herr Vopovicz als stimmschöner Freier Amor, Gut- 3ofef VretfG, ,3entralfefretar des internationalen onetaHarüelterberbanöeO. Wir verlieren an ihm nicht nur einen unserer Vorgesetzten, sondern auch unseren lieben Freund. Die Lauterkeit seines Charakters, die Vornehmheit seiner Gesinnung, die stete Hilfsbereitschaft und das warme Herz für seine Mitarbeiter, haben chm die Zuneigung aller gewonnen und sichern chm ein ehrenvolles Gedenken. Die Trauerfeierlichkeiten und die Einäscherung finden am Samstag, dem 20. Aprll 1935, nachmittags statt. Komotau, am 18. April 1935 mätzige, auf dl« Mitwirkung von Ensemble und Chor angewiesene Gestaltung erforderte. Di« konzentrierte ,'Fassung des Stückes in drei Akten, ist ebenfalls als Opernerfordernis anzusehen. Di« Handlung I des Kotzebueschen Biedermeier-Luftstriels, nach der -der fremde Freier Olmers im Städtchen Krähwinkel für den Kronprinzen gehalten, wird, woraus sich' bis zur Aufklärung der Mystifikation die köstlichsten, das 'Kleinstadtleben' so witzig charakterisierenden und ^parodierenden Szenen ergeben, ist im Opernlibretto Veidls durch eine drastisch-naive und alles Geschehen mitbestimmende Hammeldiebstahls- Geschichte erweitert worden. Der naiven Handlung des Lustspieles und seiner naiv-kleinstädtischen Personen ist auch die Musik Veidls angepatzt. Sie reicht stilistisch bis mif das Singspiel Albert Lortzings zurück, ist durchaus leichtbeschwingter Art, stark mit ornamentalem Zierat versehen und überrascht durch ihre mit primitiven Mitteln erreichte komische Note. Wo sie, lyrische Momente charakterisiert, tut fie dies teils in volks- BezugSbedingrtngen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kö 18.—, vierteljährig KC 48.—, halbjährig Kä VS.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut T-E«Mas Turtgmfi. SM öfteren Einschaltungen PreiSnachlatz.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post« und Tele« graphrndirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1980 bewilligt.— Druckerei:.Orbis", Druck-, Verlags« und Zeitungs-A.-G.. Prag.