Nr. 94 Samstag, 29. April 1935 15. Jahrgang IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER T3CHECHQSI0WAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Kto Aktion ond Verwaltung nag xii.,fochova a. nwofl SS077. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS. PRAG. Einzelpreis 70 Heller («iiuchlieBlich 5 Heller Porto) Zar Boris ernennt Kabinett Toschew Sofia.(BTA.) König Boris betraute den Publizisten und ehemaligen Diplomaten Andreas Toschew mit der Bildung der neuen Regierung. Toschew hat diese Aufgabe übernommen. £ Der designierte Ministerpräsident Andreas Toschew nahm nach der Audienz beim Zaren Boris »« Spätnachmittag die Beratungen mit verschiedenen außerhalb der ehemaligen politischen Par» kirn stehenden Persönlichkeiten auf und gewann ffc sein Kabinett: den Ministerpräsidenten im zu- kickgrtretenen Kabinett General Zlatewfür das RriegSministerium, als Innenminister °cn Obersten Kolew, der das gleiche Reffort im borhrrgehenden Kabinett innehatte, als SultuS- dänister General R a d ew, der gleichfalls der zu» Hckgetretenm Regierung angehörte, und als Minister für Bolkswirtschaft den Direktor des staatöden Getreideamtes Kanhzirsti. Außrnmini. «er soll der Kanzleichef des Zaren Boris, Ge- wndtcr Kjosejwanow, werden. Weiter sollen lltzitzerfitätsprofessor Mutaftschiew und der «irektor des Arbeitsamtes Mvschanow in die «rgierung eintreten. m tr Die Kabinettsbildung gestaltete sich sehr Aviettg, weil von zwei Seiten her eine heftige «Position gegen den Kurs Zlatews bestand. Auf »tr«inen Seite machen die fascistischen kreise dem König die größten Schwierigkeiten, auf der«ncheren rühren sich die republikani« iche-n Offiziere. Die Stimmung schein» ichr- erregt zu sein. Das Volk füllt die Straßen don Sofia und diskutiert lebhaft die Phasen der Wtischen Umgruppierung. C a n k o w, der frü- «re fttscssttsche Diktator, ist in einer Villa bei Sofia mit einigen sener Anhänger verhaftet worden, als sie angeblch Vorbereitungen zu einem »ätsch trafen. --K Das neu« Kabinett scheint im wesentlichen kinr Fortsetzung der Regierung Zlatew ft sein, nur daß die politische Leitung in den Hän-- M eines erfahrenen Diplomaten und Politikers «egt. Zlatew hat sich augenscheinlich dadurch un- Mglich gemacht, daß er nach allen Seiten zugleich lbhschlagen und Cankow, den Repicklikaner Meläew und Georgiew verbannen wollte. M Die Stellung der A rm e e ist ungeklärt. Es Mt, daß mindestens die Hälfte der Armee repu- «nkanisch gesinnt ist. Ob die andere Hälfte mit nlatew dem König folgen würde, wenn es zu eine» Entscheidung käme, bleibt fraglich. o- MinisterpräsidentAndreasToschewistim 8ahre 1867 in der südbulgarischen Stadt Stara .8agora geboren. Er studierte die Rechte in Brüssel. Tom Jahre 1902 bis zum Jahre 1919 war er im diplomatischen Dienst und vertrat Bulgarien zunächst Äs Konsul in Bttolia, dann als diplomattscher Ber- ireter und Gesandter in Cetinje, Achen, Belgrad, Minnbül und Wien. Seit dem Jahre 1919 widmete er sich der politischen Publizistik. Er ist der Autor tiniger wichtiger diplomatischer Schriften, insbeson. d»e eines großen Wettes über die Balkan- iriege. Schweiz besteht auf Schiedsgericht Paris.(Tsch. P. B.) Der Schweizer Bun- deLrar für Auswärtige Angelegenheiten, Motta, betonte im Gespräch mit einem Redakteur des »Petit Parisien" über die Entführung des Journalisten Jacob, daß falls Deutschland es definittv aölehnen würde, dem im deutsch-schweizerischen Hertrag vorgefehenen Arbitrageverfahren beizutreten, eine Situation von gesteigerter Be- beutung entstehen würde. Er sagt:„Deutschland kann das Arbitrageverfahren nicht ablehnen, es tvürde sich dadurch so bedeutende moralische Fehler zuschulden kommen lassen, daß es nach meiner Meinung unnötig ist, darüber Erwägungen anzustellen." Auf eine Bemerkung des Journalisten, daß Deutschland beispielsweise nicht gezögert habe, die Verbindlichkeiten des Versailler Friedens zu verletzen, entgegnete Motta, daß das, rein rechtlich gesehen, nicht das gleiche sei. Deutschland führte zur Verteidigung seines Schrittes vom 16. März den Milderungsgrund an, daß«s den Versailler Frieden gegen.seinen Willen angenommen habe, während der deutsch-schweizerische Vertrag bvm Jahre 1921 frei und ohne jeden Druck unterschrieben, habe. Vie Parlamentswahlen für den 19. Mai ausgeschrieben Prag. Das heutige Amtsblatt veröffentlicht eine Kundmachung des Ministerium- deS Inner«, womit die Wahlen in daS Abgeordnetenhaus und den Senat der Nationalversammlung für Sonntag, den 19. Mai 193b ausgeschrieben werden. Die Wählerverzeichnisse werden vom 24. April angefanyen in allen Gemeinden zur Einsichtnahme durch vierzehn Tage aufgelegt. Die Kandidatenlisten sind spätestens am sechzehnten Tage vor dem Wahltag, das ist spätestens Freitag, den 3. Mai 1938, bis 12 Uhr mittags, dem Vorsitzenden der Kreis- wahlkommision vorzulegen. Die Vorsitzenden der Kreiswahlkommissionen mit dem Sitze in Prag, Brünn und Uzhorod amtieren bei der dortigen Landesbehörde, die Vorsitzenden der übrigen Kreiswahlkommissionen bei den B e z i r k s- behörden an ihrem Amtssitz. Die Kreiswahlkommission wird separat für die Wahl in das Abgeordnetenhaus und separat für die Wahl in den S e n a t errichtet. Die Mitglieder der Kreiswahlkommissionen sind. Bevollmächtigte der Wahlparteien. Sind mehr als zehn Wahlparteien vorhanden, ernennt die Mitglieder der Kreiswahlkommission aus den Bevollmächtigten der Innenminister. Ist der Be- vollmächiigte einer Wahlpartei fiir beide Häuser ein« und dieselbe Person» so ist Mitglied der Kreiswahlkommission für die Wahl in den Senat sein Ersatzmann, wenn nicht mehr als zehn Wahlparteien vorhanden sind. Die Wahlparteien haben spätestens bis 12 Uhr mittags des sechzehnten Tages vor dem Wahltage(3. Mai 1935) dem Innenministerium ein Mitglied und einen Ersatzmann«: die Zentra l- w a h l k o m m i s si o n beim Innenministerium zu beantragen, die für die Wahlen in beide Häuser gemeinsam ist. Spätestens 14 Tage vor dem Wahltage (bis zum 4. Mai einschließlich) gibt der Bevoll- mächtigte der Wahlpartei, oder sein Vertreter, bei der zuständigen Bezirksbehörde(bei Städten mit eigenem Statut und mit errichtetem Magistrat bei der Landesbehörde) den Vertreter seiner Partei und. ihre Ersatzmänner in die Bezirkswahlkommissionen bekannt. Die Kreiswahlkommision tritt ohne' Einladung an ihrem gesetzlich festgelegten Amtssitz bei ihrem Vorsitzenden zur Regelung der Kandidatenlisten am sechzehnten Tag vor dem Wahltage— Freitag, den 3. Mai, um 16 Uhr— und zur Durchführung des ersten Skruttniums den zweiten Tag nach der Wahl— Dienstag, den 21. Mai, um 10 Uhr— zusammen. Die Zentral w a hlkommission tritt ohne Einladung im Konferenzsaal des Innenministeriums zur Endregelung der Kandidatenlisten am 14. Tag vor dem Wahltag— Sonntag, den 5. Mai— und zur Durchführung des zweiten und dritten Skruttniums am achten Tage nach der Wahl— Montag, den 27. Mai — stets um 10 Uhr vormittags zusammen. Zum Vorsitzenden der Haupiwahlkommis- fion für die Wahlen in die beiden Kammern der Rattonalversammlung wurde durch Entscheidung des Innenministeriums vom 20. April JUDr. Bedkich B o b e k, Sektionschef im Innenministerium- ernannt.' Seelenkauf durch die SHF Die Verbindung mit dem Dritten Reich Aus derselben Gegend, in der die SHF Bettler als Agitatoren anwirbt, die durch Derabrelchung einer Legitimation besoldet werden, berichtet man uns von unerhörte« Methode«, die umso glaubhafter sind, als sie in die Reihe der Fälle gehöre«, die wir aus dem Weiperter und dem TepliHer Grenzgebiet bereits berichtet habe«. Zu den Grenzdörfern S ch a« z e« d o r s, Strombach, Lichte», w a l d e u. a. wird jedemArbeitslosen, der sich als Mitglied der SHF anwerbe»laßt, vier Monaten Arbeit im benachbarte» Sach- s e» garantiert. Die Agitation in diesem Grenzgebiet wird dauernd durch Leute aus Sachse«,».zw.durch SA-Leute aus Ohbi«, Waltersdorf und Zittau betrieben. Wie man uns berichtet, arbeiten diese Leute nicht nur mit Versprechungen und finanzielle« Aushilfen, sondern Andersdenkende« gegenüber auch mitDrohungen. Die demokratisch gesinnte Bevölkerung klagt, daß sie wegen ihres Bekenntnisses zur Republik und zur demokratischen Idee ihres Lebens nicht sicher ist und aufs schwerste unter dem Terror und de« Seelenkauf.Methode« der SHF, bezw. ihrer reichsdeutschen Bruderpartei, leidet. Der West-Ost-Dreibund Dem Berichterstatter desselben BlatteS zu-1 bei ihrer Beratung nach einem Exposee des Außenfolge hat das französisch-russische Abkommen noch< Ministers Dr. Benes, dieser Politik zugeftimmt hat. einen weiteren Inhalt. Falls Deutschland Frank- reich überfallen und Polen seinen Allianzver- Pflichtungen gegenüber Frankreich nicht nachkäme, hätte Rußland die Pflicht, falls Frankreich es darum ettuchen würde, in Polen einzuschretten. Und weiter: Falls PolendieTschecho- ch o s l o w a k e i ü b e r f a l l e n w ü r d e, hätte Frankreich, welches in diesem Falle nicht anders Vorgehen könnte, als seine Allianz mit Polen zu kündigen, bei der der Tschechoslowakei zu leistenden gemeinsamen Hilfe Rußland an seiner Seite. Zahlreiche Pariser Blätter würdigen den Fortschritt, welcher durch die Bereinbarung deS gegenseitigen Beistandsabkommens zwischen Frankreich, Rußland und der Tschechoflowakei erzielt wurde, und betonen, daß die Kleine Entente Paris.(Tsch. P.-B.) ,,L'Oeuvre" prä- zisiert die zukünftigen gegenseitigen Bande zwischen Frankreich» Rußland und der Tschechoslowakei folgendermaßen: Wenn z. B. Deutschland Rußland überfallen würde, würde dieses zunächst den Bölkervundsrat davon in Kenntnis setzen. Der Kölkerbundsrat hätte in diesem Falle innerhalb 48 Stunden zusammrnzutretrn. Wenn kein ein- müttger Entschluß zustande käme, besäße Frankreich und Rußland die Freihett, über ihr weiteres Lerhalte». eine Entscheidung zu treffen. DaS Blatt deutet, wie-wohl, der Tert noch nicht genau stilisiert ist» an, daß falls der eme oder andere Staat offen überfallen würde» du Vertragsparteien das Recht besäßen» sich unverzüglich biS zu dem Momente» in welchem der Bölkerbundsrat feine Entscheidung trifft, zu verteidigen. Ein Parlament der Arbeit Mit dem Auflösungsdekret vom 17. Mai hat die bisher längste Gesetzgedungsperiode in der parlamentarischen Geschichte der Tschechoslowaki- fchen Republik ihr Ende gefunden. Zum erstenmal hat das Abgeordnetenhaus seine verfassungsmäßige Dauer nahezu vollendet. Daß während dieser Zeit eine parlamentarische Mehrheit, die trotz des Abfalles zweier kleinerer Parteien in ihrer wesentlichen Zusammensetzung dieselbe blieb, die Polittk des Landes leitete, zeigt schoss rein äußerlich das Bild einer polittschen Stabilität, die inmitten schwerster Erschütterungen in unmittelbarer Nachbarschaft die Grundlagen der parlamentarischen Demokratie aufrechterhalten hat. Das muß angesichts der mttteleuropäischen Reaktton als große Leiftunq gewertet werden. Wenn das tschechoslowakische Parlament seine Funktton erfüllt hat, während in Deutschland und Oesterreich der Parlamentarismus zusammenbrach und nackte Gewaltherrschaft an seine Stelle trat, soll doch nicht verschwiegen werden, daß die politischen Voraussetzungen, die hierzulande bestehen, der Entfaltung eines reichen parlamentarischen Lebens, keineswegs günsttg sind. Die vielfältige soziologische Schichtung der Bevölkerung, durchkreuzt von der Gliederung in mehrere Nationen, hat ein Vielparteiensystem hervorgerufen, das zu Koalitionen von sehr uneinheitlichem Gefüge zwingt. Darum muß ein großer Teil der Auseinandersetzungen, die sich sonst auf öffentlicher Tribüne abspielen, in Vorberatungen verlegt werden und die Regierung unterzieht sich der Aufgabe, die ihr im parlamentarischen System gestellt ist, nämlich die Leiterin der gesetzgeberischen Arbeiten zu fein, mehr innerhalb der Koalition als im offenen parlamentarifchen Kampfe. Das findet einen umso stärkeren Ausdruck, wenn der Mehrheit, die nahezu alle zu ernster politischer Verantwortung bereiten Gruppen umfaßt, eine zerfahrene und demagogische Opposition gegenübersteht. Betrachten wir aber die Arbeiten, die das eben aufgelöste Parlament vollbracht hat, so dürfen wir sagen, daß es besser war als sein Ruf, besser als der Anschein, den es sich zu geben vermochte. Im Rahmen einer knappen Darstellung kann natürlich nicht einmal versucht werden, die Leistungen eines Parlamentes, das 255 Gesetze beschlossen hat, auch nur andeutungsweise aufzuzählen. Es kann und muß aber ausgesprochen werden, daß dieses Parlament in einer Zeit des beispiellosen wirtschaftlichen Verfalls und einer nie erlebten Finanznot die unter dem reaktionären Bürgerregime vollkommen erstarrte Sozialpolitik neu belebt hat, mit dem im heuttgen Europa einzigartigen Ergebnis, daß trotz einzelner Rückschläge die sozialpolitische Gesetzgebung des Landes heute auf einem weit höheren Niveau steht, als beim Antritt der jetzigen Regierung, beim Einbruch der furchtbaren Krise. Es muß gesagt werden, daß dieses Parlament die Justtzgesetzgebung, beginnend mit dem legiSlatorifchen Kleinod des Jugendstrafrechtes, wesentlich bereichert hat. Daß durch Eingriffe in das Kreditgefüge und das Kar- telüvesen die ersten Versuche einer Ordnung im wirtschaftlichen Chaos unternommen wurden. Daß der Agrarpolitik neue Bahnen gewiesen wurden. Daß zweimal den Selbstverwaltungskörpern wertvolle Hilfe gebracht wurde. Daß es gelungen ist, mit ungeheuren Anstrengungen und zum ersten Male unter aktiver parlamentarischer Mitwirkung durch den Spar- und Kontrollausschuß, den Staatshaushalt in Ordnung zu halten. Und durch Annahme des Sprengelbürgerschulgesetzes beendete das Abgeordnetenhaus seine Wittsamkett mit einer kulturpolitischen Tat. Auch als das Parlament, um eine raschere Lösung dringender wirtschaftlicher Probleme zu ermöglichen, der Regierung eine fachlich fest umschriebene und zeitlich begrenzte Ermächtigung erteilte, Hütte es keineswegs zu funktionieren auf. Es setzte nicht nur die politischen Arbeiten fott, es blieb auch auf wirtschaftlichem Gebiete weiter tätig. Es bewies seine Kraft zu raschem und entschlossenem Handeln durch die planmäßige Abwertung der Währung, die der verderblichen Deflation ein Ende machte, ohne das inländische Preisniveau aufzuwühlen. Und wenn die Nationaldemokratie aus diesem Anlaß unter Verleugnung einer mehrjährigen Mitverantwortung aus der Mehrheit Seite 2 SaknStag, 20. April 1935 Nr. 94 1 zwölfjähriger nur. um di« .Aber wie ist Der Ministerpräsident hielt Freitag eine Ansprache im Rundfunk. Er begründete eingangs die Wahlausschreibung vor völligem Ablauf der gesetzlichen Frist, wies auf den Unterschied zwischen' der Periode der Konjunktur und der Krisenzeit hin, in der daS Regieren mit schwerer Verantwortung verbunden war, und wandte sich dann, dem Problem der Bekämpfung der Wirtschaftskrise zu, wobei er gewissermaßen das Programm der K o a l i t i o n für die Zeit nach den Wahlen entwickelte. Er führte u. a. aus: Die Agrarkrise in den landwirtschaftlichen Gebieten und die Arbeitslosigkeit in den Industriegebieten und die daraus resultierende Bet» armu n g sowohl derLandwirte als auch der Jndustrieangestellten hatte eine verringerte Konsumfähigkeit dieser Schichten im Gefolge und verursachte dadurch schwere Schäden auch dem Handel und dem Gewerbe. Daraus folgte ein großer Rückgang der Staatseinnahmen, welcher notwendigerweise finanzieNe Ersparungen in der staatlichen und öffentlichen Verwaltung im Gefolge hatte, die die materiellen Verhältnisse der staatlichen und öffentlichen Angestellten schwer tangierten. Keiner der Staate« konnte sich mit der bis vor Kurzem gültigen Anschauung zufrieden geben, daß das Wirtschaftsleben von selbst gesunden werde» wem» man es der freien Entwicklung überläßt. Wir sehen daher in dem Kampfe gegen die Krise zwei Hauptbestrebungen» und zwar: Maßnahmen, deren Zweck die Milderung der landwirtschaftlichen Krise ist, und Eingriffe, die die Arbeitslosigkeit einerseits durch Belebung der Jndustrieerzeugung sowohl für den inländischen Verbrauch wie die Ausfuhr, cmderer- seits durch Beschaffung von Arbeit mit Hilfe öffentlicher, staatlicher oder autonomer Investitionen mildern sollen. Es ist natürlich, daß wir dabei vielen Schwierigkeiten begegni-tt, dit inKbeson- derer unsere Ausfuhr bei der Konkurrenz mit anderen Staaten und bei den allgemein geltend gemachten Bestrebungen aller Staaten, wirtschaftlich autark zu werden, berühren. Daß dabei jeder an das eigen« Interesse auch im Hirwlick auf die internationale polftische Unruhe denkt, ist selbstverständlich ES war und ist deshalb notwendig, in geeigneter Weise sowohl unsere Verwaltungs- ass auch gesetzlichen Maßnahmen den sich ändernden Verhältnissen anzupassen. Dabei ist eS aber nicht möglich, einfach alles nachzuahmen, wozu man anderwärts geschritten ist, wo einerseits die wirtschaftliche Struktur deS Staates eine andere ist, und wo die vollkommene Sicherheft der wirtschaft lichen und polnischen Unabhängigkeit ohne schwere und dauernde Folgen vielfache, we»m auch erfolglose wirtschaftliche Versuche, umöglicht.,. Als ein solcher Versuch wurde der Beschluß Englands im Monate September 1931 angesehen, als es die Goldbasis seiner Währung verließ und in ähnlicher Weise wurde das Vorgehen der Verewigten Staaten von Amerika heurteitt., Als sich diesen WährungSmatznahmen eine Reihe anderer Staaten«»schloß und als dadurch auf dem Weltmärkte die Fähigkeit unseres Wettbewerbes sehr ernst bedroht war, waren wir gezwungen, uns dem Preisniveau auf den Welt- märkten nicht nur durch scharf herabgesetzte Erzeugungskosten, sondern auch durch eine angemessene Regelung unserer Währung anzupass en. Es wurde so ein weiteres Abgleiten deS Wirtschaftslebens verhindert, demgegen- über wurde aber im Jahre 1984 unsere Gesamtausfuhr um annähernd 23.8 Prozent vergrößert. Die andauernde Unbeständigkeit der Währungen und die unruhigen internationalen Verhältnisse verhindern aber auch weiterhin eine raschere Entwicklung deS internationalen Handels und vermindern damü ohne unsere Schuld die günstigen Folgen unserer Bemühungen nach möglichst größter Belebimg unserer Ausfuhr. Das anfangs des Jahres durch Regierungsverordnung errichtete Ausfuhrinstitut soll auch dafür Sorg« tragen, systematischer und konsequenter, als dies bisher der Fall war, zur Erhaltung der bisherigen Absatzmärkte und zur Gewinnung neuer zu verhelfen. Neben der Sorge um die Ausfuhr, welch« die Vermehrung der Arbeitsgelegenheiten in den Ausfuhrbranchen verfolgt» mußte sich natürlicherweise auch di« Sorge für die Erweiterung der Ar- üeitsgelegenheft am Jnlandsmarkte durchsetzen. Hier war es das Bestreben der Regierung, zur Belebung des inneren Marktes durch die Investitionstätigkeit der öffentlichen Verbände, sowei es deren finanzielle Tragfähig- keit ermöglichte, beizutragen. Der, große Erfolg oft Arbeittänlerhe vor zwei Jahren, deren ganzer Ertrag nach und nach öffentlichen Investitionen gewidmet wurde und wird, ist dafür ein Beweis. Auch im Budget für daS Jahr 1935 ist im großen Matze an die öffentliche Investitionstätigkeit gedacht, etwa da, wo der Staat direkt Unternehmer ist, oder an die JnvestitionStätigkeft der autonomen Verbände, die der Staat durch Subventionen und Beiträge ermöglicht. Außer den laufenden Investitionen des Staatshaushaltes, an die im Budget gedacht wurde, kommt es zu einer Reihe weiterer Investitionen, z. B. für Straßen, Eisenbahnen u. A. Die gesamte Investitionstätigkeit deS Staates und der übrigen öffentlichen Verbände, die im Jahre 1935'verwirklicht werden Wird, geht in einige Milliarden und wird sich pfeilgerade in die Demagogie ä la Stribrnh hinübersprang, so ist die Arbeitsfähigkeft der Koalition gerade dadurch gesteigert worden. Denn das unterscheidet diese Regierungsmehrheit von allen früheren, die mü dem Herannahen von Neuwahlen immer brüchiger wurden, daß sie sich durch die Zusammenarbeit auch innerlich gefestigt hat. Während der Bürgerblock in einem häßlichen Streü um Ministersessel ausein- andcrbrach, wendet sich die jetzige Mehrheit an die Wähler mit dem Ausdruck der Bereitschaft, ihre Zusammenarbeft fortzusetzen. Ist auch die gegenwärtige Koalftion ursprünglich nichts als eine andere Form für die Austragung der Gegensätze zwischen Bürgerlichen und Sozialisten gewesen, so konnte sie sich nach dem Ausscheiden der Vertreter des Finanzkapitals zur festen Basis demokratischer Zusammenarbeit entwickeln. Sine starke sozialdemokratische Fraktion war und bleibt die Voraussetzung dieser demokratischen Zusammenarbeit, die allein imstande ist, die großen wirtschaftlichen und sozialen Prickleme zu meistern, vor die wir gestellt sind. Weder Stri- brnh noch Henlein, die in beachtenswerter, lleber- einstimmung dem Bolle«inen Willen und e i n Ziel aufdrängen wollen, ohne zu verraten, welches, sind zu diesem Werke fähig. Die Sozialdemokratie, die i« der abgelaufenen Gesetzgebungsperiode ihre sozialpolftische Initiative erfolgreich zu entfalten vermochte und auch allen anderen Zweigen der Gesetzgebung die sichtbaren Spuren ihrer schöpferischen Mitarbeit aufzuprägen verstand, wird im neuen Parlament wiederum der Träger fruchtbarer und aufbauender Arbeit sein. Dafür werde« die sozialdemokratischen Wähler sorgen l \ I Krisenbekämpfung durch Die neue norwegische Regierung am Werk Oft».(A. P.) Im Vordergrund der Tätig« seit der neuen norwegischen Regierung steht zunächst die Versorgungsgesetzgebung. Denn die Not der Fischerbevöllerung erheischt sofortig« Abhilfe. Der Lofoten-Fischfang, an dem 25.000 Mann teilnahmen, war der schlechteste seft 1902, und wichtige Abnehmer, wie Italien, verschließen sich jetzt dem norwegischen Fischexport, 1936 finden Neuwahlen stockt. Die Arbeiterpartei hofft, dann die absolute Mehrheit zu erlangen. Ms dahin muß sie sich durch Kompromiffe mü der Bauernpartei vor parlamentarischen Ueberraschungen zu schützen suchen. DaS ist nicht ganz einfach. Denn der von der Bauernpartei geforderte Preis ist hoch. Sie verlangt unter anderem, daß die But» terpreise von 2.90 Kr. auf 8,50 Kr. pro Kilo steigen und auch die Preise für Milch-und Margarine erhöht werden. Die Verteuerung der Lebenshaltungskosten soll nun durch ein Kartensystem, des einem Viertel der Bevollerung Vorzugspreis« verschafft, gemildert werden. Die Steuern werden eine Erhöhung um 10 bis 20 Prozent erfahren. Dis jetzt macht man also mit der Zusammenarbeft von Arbeitern und Bauern gut« Erfahrungen, und di« Regierung versteht geschickt, die Klippen zu umschiffen. Am 2. Juli soll eure gemeinsame Demonstra« iiert von Arbeitern und Bauern i n O s l o statt finden. In Rechtskreisen hat dies große Bestürzung hervorgerufen, da man dort fürchtet, daß die Bauern aus dem bürgerlichen Lager überhaupt herausgelöst werden.' Das erste Kapitel führt«ns in ein Haus, das der Schauplatz des Romans und der Sitz dreier Cherubinen ist. Es schildert ein« theorettsche Unterrichtsstunde des Meisters Beinsteller, des Helden dieses Buches. »Also Rotzbuben, ihr Lauser» ihr Diebskadetten", predigte Ferdinand Beinsteller drei Keinen Kerlchen und schüttelte dabei melancholisch ein Gefäß, in dem er einen kräftigen Schnaps aus den verschiedensten Bestandteilen braute. Er nannte ihn aus unbekannten Gründen Eierkognak. »Ihr habt euch also vorgenonnnen, Diebe zu werden. Das kann ich nur loben. Sin Dieb ist ein Mensch, der sich an dem andern rächt, ein angenehmes Leben führt, bis auf di« Keinen Malheure, die ihm dann und wann pasiieren. Wie man sagt, setzt sich das Weltall aus vielen solchen Erdkugeln Mammen, wie es unsere Erde ist. Auf manchen sind, wie ich hör', auch lebende Geschöpfe. Ich glaub' aber, daß man nirgends soviel Gesindel beisammenfindet wie bei uns. Ich stell' mir vor, die Erdkugel ist«in Sibirien, wohin der Herrgott alle Lumpen steckt, damit sie Hm nicht anderswo die Zucht verdettben." Rach diesen Worten öffnete Beinsteller das Gefäß, roch dazu, und als er konstattert hatte, daß die Flüsiigkeit noch nicht entsprechend duftete, reichte er«s dem ältesten Buben.»Karl, schütt!' ein wenig, ich kann nicht reden, wenn ich an etwas denken soll." »Herr Beinsteller," unterbrach ihn Karl, »erzählen Sie Leber von dem Hering aus Slany." »Kann schon sein", rief Beinsteller drohend, »mir scheint aber» Karl, daß du ein paar Ohr- «igen erwischen wirst, wenn du nicht ordentlich schüttelst." Der Cherub Katts schüttelte nun emsiger und Beinsteller dozierte weiter: »Der Rothschild hat bekanntlich Nachkommen; die sind heute die reichsten Leute auf der Welt, ausgenommen Amerika, denn dort nimmt jede Lumperei noch weft größere Dimensionen ein. Mft einem Wort, der Rothschild und seine Gleichgesinnten sind Großdiebe, schmutzige Krämer, an denen sich unsereiner kein Beispiel nehmen darf. Die Rothschilds sind so große Dieb«, daß mau sie in der Welt für die solidesten Bürger hält. An ihrem Beispiel will ich euch zeigen, wie man sich eia Vermögen macht. Der erste Rothschftd, der in der Geschichte bekannt ist, war so lange ein ordentlicher Mensch, solange er nicht wußte, daß er mit seinen eigenen zwei Händen ein« Million zusäm- .menraffen kann. Sobald, er nur daran dachte, traf er einen deutschen Herzog, der ihm sagte:»Lieber Rothschild, mein Land ist bettelarm, ich möchte aber gern reich sein, wie soll ich es anstellen?" »Durchlaucht", sagte darauf Rothschild,»das ist leicht zu machen. Ihr Land ist reich, denn es hat gesunde Burschen. Exportieren sie die in ein anderes Land, wo man keine solchen strammen Jungen hat."—»Na schön", sagte darauf die Durchlaucht,»wenn eS Pferde wären, könnt' ich's glauben, aber wo ist daS Land, das für einen Burschen einen Taler zahlt?" Darmff sagte der Rothschild:»Gerade jetzt führt der Engländer Krieg mit dem Amerikaner und sucht Rekruten. Da könnt' man paar Faß Dukaten verdienen."—»Ja, ja, Rothschild", sagt darauf dez Herzog,»daran hab' ich auch schon gedacht. Der englisch« König ist mit mir verwandt, der möcht' schon zahlen, daS weiß ich. Ich kann doch aber nicht— ich, der Herzog— meine Untertanen wie die Pudel verrufen." »Wie heißt, verkaufen, Durchlaucht", sagt der andre,»Sie werden«M verkaufen, über« »Karl, Karl", sagt« Beinsteller tadelnd,»es ist wirklich traurig, daß du gar so wenig Vorlieche für die innere Seite seines Berufes hast. Die Theorie ist eine wichtige Schose, Jungens! Sie macht aus einem Buben«inen Engel und gerade unsere Beschäftigung wär' eine traurige Angelegenheit ohne Theorie. Ein Dieb! Ra, schön, mft dem ist ein jeder gleich fertig. Da könnt' ja unsereiner geradeaus ins Wasser gehen. Jeder Feder« üchser im Pelz kann einen begraben, ohne daß ihm etwas geschieht. Aber jetzt wollen wir's von einer anderen Seite betrachten. Der Dieb ist das Opfer der Gesellschaft. DaS Opfer dieser Federfuchser in Pelzen— das hört sich schon ganz ander- an, Buben. DaS ist Theorie, daS lernt man in keiner Schule. In der lernt man vom Wechselrecht, Handelsrecht» vom Staatskrach— von der höheren Dieberei—, Karl, Spezi, siiMt'l nur ordentlich! Meine Theorie heißt: Dieberei muß sesn, und was sein muß. ist nicht schlecht. Sie muß aus zweierlei Gründen sein, erstens— damft sich die Vermögensunterschiede ausgleichen. Ehrlich« Arbeit schafft nie einen größeren Besitz— der ist immer zusammengestohlen oder geerbt. Das ist gehupft wie gesprungen. Deshalb, Jungens, darf man niemals arme Leute bestehlen. Wer die be- stiehll, ist ein Lump und gehört nicht zu den Dieben von Charakter. Zweitens ist das Stehlen den Leuten, die Courage haben und sie irgendwie betätigen müssen, notwendig." »Ra ja", meinte Karl, ein Junge. Er unterbrach den Redner langwellige Erzählung abzukürzen. eS mit dem Hering aus Slany?" »Ihr Buben seid schon ganz vom Kino verdorben, ihr wollt immer nur Romane erzählen hören. Er wird schon an die Reihe kommen, der Hering, er hat schon seinen Platz in der Theorie. Aber ich will euch jetzt vom Rothschftd erzählen." »Vom Rothschild? Ist auch fein!" fteute sich Karl, der die ganze Theorie Beinftellers im kleinen Finger hatte. Roman von Emil Ynrhrk* 11 Deutsch von Anna Aurednitek 'rcherlich als willkommene ArbeitSgelcgenheü gerade in jenen Branchen auswirken, die durch die Baustagnation und die Niederhaltung der private« JnvestitionStätigkeft in den vergangenen Jahre» o viel gelitten haben. ES ist klar, daß wir bei dem Ausbau der Jnvestitwnen bei entsprechend« Rücksichtnahme auf deren wirtschaftliche Notwendigkeit auch dafür Sorge tragen müffen, soweft als möglich zur Milderung der Arbeitslosigkeit in de» durch'dieses Hebel besonders betroffene« Gegend« bcizutragen. Dabei waren wir uns immer dejse» bewußt, daß die Menge der JnvestttionSarbeite» im laufenden Jahre auch der finanziellen Trag- fähigkeit angepaßt sein muß. Auch hier zeigt ti sich, daß diejenigen nicht Recht haben, die meinen, da? auch bei den Jnvestilionsarbeiten nichts gemach zu werden braucht und daß man warten soll, bis die Entwicklung sich selbst irgendwie Hilst. Es haben aber anch diejenigen nicht Recht, die eil« unermeßliche Jnvestitionsbewegung ohne Rücksicht darauf entfesseln wollen, ob die Investitionen technisch vollendet vorbereitet sind und ob mich derA finanzielle Bedeckung in ordentlicher Weise entweder in der Gegenwart oder in der nahen Zukunft gesichert ist.' Außer dem Bestreben nach Erwetterung der Arbeitsgelegenheiten, das die leitende Idee aller Maßnahmen zur Linderung der Arbeitslosigkeit sein muß» mögen diese Eingriffe auf die Beleb un» der Ausfuhr oder aus die Belebung deS heimische» Marktes gerichtet sein, ist es notwendig, daß die gegebene Arbeitsmenß* zweckmäßig auf einen größeren Kreis Arbeiteader durch Verkürzung der ArbeftSzeft in de«- jenigen Brauchen und Bettieben aufgeteilt werde» wo dadurch Arbeitsstellen für bisher arbeitslose Kräfte freigemacht werden können.' Dieses Bestreben hat vorläufig dazu geführt, daß seft Anfang Feber bis Ende März l. I. freiwillige Abkommen vorläufig in fünf Branchen dek Jndustrieerzeugung erreicht wurden. Diese Abkommen weisen den Weg auch den übrigen Branchen, wo bisher eine längere Arbeitszeit besteht- und wo durch deren Verkürzung die Zahl der beschäftigten Kräfte erhöht und dadurch zur organischen Milderung deS schwierigen Arbeitslosenproblems beigetragen werden kann. Die volkswirtschaftliche Abte i l u n g des Präsidiums deS Ministerrates deren Aufgabe in der Prüfung unserer und dek ausländischen Wirffchaftsverhältnisse besteht, iß auch dazu bestimmt, die Besttebungen, die auf ein* Verbesserung unseres Wirtschaftslebens gerichtet sind, dort zu konzentrieren und die Hindernisse R mildern, die sich dem in den Weg stellen. Sie« t ein absolut neutraler Boden, auf welchem arm sehr abweichende Ansichten sachlich und unvored** genommen diskutiert und durch Abkommen geMi werden können. Wenn für weitere Abkommen über die Arbeit»-1 zeit nicht genügend guter Wille vorhanden sei» wird, wird es notwendig sein, die obligatorisch* Verkürzung der Arbeitszeit überall dort ein-»-I führe«, wo dies bei entsprechender Ueberleguickl der gewichtigen volkswirtschaftlichen oder teä- nischen Gründe, insbesondere schon im Hinbli» auf dir Erhaltung der Ausfuhrmenge durchführbar ist. Die Zahl der Arbeitslosen,, der Aufwand ihre Unterstützung und die moralischen Wirkung** einer länger andeuernden Unmöglichkeit, Arbeit^ finden, drängen Überall auf eine gründlich* und dauernde Lösung dieser schlimm^ Folge deS überstürzten technischen Fortschrittes lassen Sie die Ware mir, dann haben wir G*n wie Heu." J »Ist recht", sagt der gekrönte Bengel. User ließ paar tausend Burschen«infangen, und d** Rothschild hat sie wie daS liebe Vieh nach<2Ml land geführt. Die Engländer aber haben nie Geld genug gehabt, und da meinte der Rothschild »Jungens, ich leih' euch das Geld, aber es wj 1’ fünfzehn pro hundert kosten." Und sie haben eingeschlagen, weil Amerika ihre Soldaten verschlank Der Rothschild selbst aber hat das Geld nicht gehabt und hat dem deutschen Herzog gesagt' »Warum wollen Sie, Durchlaucht, Ihre Goldfüchse im Keller liegen lassen, wenn die bei Junge bekommen? Leihen Sie mir das Geld in- Geschäft und ich zahle Ihnen fünf pro hunderts »Und was hat der Herzog gesagt?", fragte Franzel» der jüngste Cherub. Er war erst ne»* Jahre all. j »Der hat sich natürlich sagen lassen, b*- daS Geld dem schlemen Gauner geborgt und biet** hat rhm's nach paar Tagen wiedergegeben, so, wäre eS von den Engländern. Er hat das Öt*‘ natürlich wieder zurückbekommen, hat eine Meng' andrer Sachen dafür gekauft, und so ist's weites gegangen. Schließlich hat er so viel Geld beiss«"' men gehabt, daß er nicht wußte, was er damit s»' fangen sollt'. Aber er hatte noch nicht genB wollte der reichste Mann der Welt sein, und ist ihm in den Napoleonischen Kriegen wirkli» gelungen." j »DaS ist eine schön« Geschichte, Kameraden j bemerke der Cherub Karl,»hören wir weiter zN-1 »Eines Tages aber hat der Napoleon bekommen", fuhr Deinsteller fort.»Es war& Waterloo, und der Rothschild, der im Kriegs quartter das Resultat erwartett, eilte Hals üA Kopf zum Meer. Es war ein furchtbar stürmis^ Tag. Er überredett aber einen Fisch.: und diew brachte ihn auf die andere Küste. Dabei wär** beide beinahe ersoffen, sie haben ordrnllich w geschluckt. (Fortsetzung fokgk.>' Rundfunkrede des Ministerpräsidenten Mafypetr Arbeitsbeschaffung« Arbeitszeitverkürzung, Planwirtschaft, Kreditverbilligung, Verbindlichkeit der Lohnvertrige, Schutz des Arbeitsplatzes, Entschuldung abends Nr. 94 SamStag, 20. Aprfl 1938 Sette 8 S" ) dir ateal brcn ' bei> nd«! ven» t a» bes I nb«| esse« I eiten rag«! ;t ti\ daß I rächt soll,! hilft, ein« k sicht I tech»^ >erck ent» Zu«! l bet' aller[ gleit I bunt sche« I enge iten* den- rteilt c ar> n. ührt. frei*! i der! Ab» ran»I steht, c be< >rga» äsen» Ab' atei, ) der iß ' eint ichtck se z« -ie iß aintl rein» ZelSß •ettf*! > sei« risch« inj* gutt rech' nbliß urch» d fist inge« ritz« ich' nme« ittetil GeS Un» d de« Eng' nicht child! wird ! ei* 'langst ge« -sagt! Aold' i nist d in» dcri/ lragst ne* . hat diese' o, ast Gest Bengts -eitel' isaw'I it a* lenu» d bist irkliß iden'i c zul Ha«4 X M riefln i MN rischetl dieset wäre'! Laiin Gut kochen beginnt beim Einkäufen I Nur aus guten Lebensmitteln vermag die Köchin ein wirklich schmackhaftes und gesundes Essen zu bereiten. Darum kauft die kluge Köchin stets nur Vitello, denn sie weife, damit gelingt jede Speise und der Preis entspricht der überlegenen Qualität. VITELLO MARGARINE Wollen Sie zu schauen wie sauber Vitello gemacht wird? Bitte besichtigen Sie unsere mustergültigen Anlagen in Krischwitz bei letschen an der Elbe. der durch den Weltkrieg ungemein beschleunigt wurde. Eine dauernde Erleichterung in der Arbeitslosigkeit mutz in der erhöhten Investitionstätigkeit im privaten Unternehmertum bei der Industrie, der Landwirtschaft un d beim Gewerbe gesucht werden. Das kann erreicht werden, wenn diese Betriebe dauernd und angemessen ertragreich sein werden, damit man in den Betrieb Geld mit der berechtigten Hoffnung, es nicht zu verlieren, investieren könne. Datz dazu billiger Kre- ditund Erleichterungen inderbisherigen Verschuldung notwendig sind, insbesondere in denjenigen Branchen, die sich infolge des Zusammenbruches der Weltpreise verschuldeten, ist heute ein allgemein anerkanntes Bedürfnis und es wurden deshalb fast in allen Staaten ernste Schrftte dazu unternommen. Das für sich allein würde aber nicht genügen, wenn das private Unternehmertum auf der bisherigen gorm absoluter und oft rücksichtslos benützter «reihest bei der Erzeugung und beim Absatz, die zu einer mörderischen Konkurrenz im In- und Auslande missbraucht wird, verharren würde. Mit Befriedigung kann festgestellt werden» daß die Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer organisierten Regelung in der Erzeugung und beim Absatz allgemein wird. Die sogenannte regulierte oder Planwirtschaft stünde aber nicht auf dauernden Grundlagen, wenn nicht die Interessen derjenigen berücksichtigt würden, die deren unabtrenrcharer Bestandteil sind, nämlich derAngestellten. Auch im Verhältnis des Angestellten zum Betrieb muh für eine festere Beständigkeit seiner SteUung in dem Sinne Sorge getragen werden» daß er nicht ohne eigene Schuld die Beschäftigung verliere und datz er für die gewissenhafte Leistung angemessen bezahlt werde. Das gilt analog auch von den Angestellten i n öffentlichen Diensten. Das Bestreben nach Bertind- lichkeit der Arbeits-, Kollektiv- oder Einzelverträge ist daher begreiflich und es ist notwendig» datz beide Gruppen» sowohl Arbeitgeber wie An. . gestellte gutes Berständnis dafür haben. i Mit dem Bewusstsein der Gegenseitigkeit und Verantwortlichkeit sollte jeder Bürger und jede Bürgerin in das Wahllokal bei allen Wahlen, und dar allem bei den Wahlen in die gesetzgebenden Körperschaften eintreten. Mit dem Stimmzettel entspricht man dem wichtigsten der demokratischen Rechte und entscheidet für die Zukunft, in welcher Richtung sich unsere Gesetzgebung und die Verwaltung des Staates bewegen soll. Bei den heurigen Wahlen wird darauf ins- öesondere in der Weise aufmerksam gemacht weihen, dass nach einer Verordnung des Ministeriums des Innern die S taats fla gg e auf jedem Gebäude wehen wird, in welchem «ine Wahlkommission amtteren wird. Es ist bei unseren Verhältnissen selbstver- ständlich, datz die Ausübung des Wahlrechtes frei sein wird und von keinem Druck öeeinfluht sein darf. Auch die Wahlagitation kann Nur nach diesen Prinzipien betrieben werden; es ivird aber keine geduldet werden, die die Ruhe Unordnung bedrohen würde und eine antistaatliche Richtung hätte. Der Wahlkampf beginnt in den Tagen, wo Has tschechoslowakische Rote Kreuz alljährlich >venigstens einen dreitägigen Frieden empfiehlt. M würde von bürgerlicher und demokratischer Reife zeugen, wenn wir uns nach dieser Empfeh- lung wenigstens zum Teile bei der Wahlagitation richten würden. Die Mehrheitsparteien haben «inen anständigen Kampf in der Presse und auf den Versammlungen empfohlen, da sie wissen, datz sie nach den Wahle« z« wei- • lereren gemeinsamen Pflichten und Berant- ■ Wörtlichkeiten wieder zusammentreten werden. Es wäre zu wünschen, datz dies allgemein würde. Es handelt sich um die Interessen aller und damit um das Interesse des Staates, den wir wnner und gegen jeden, ob vor, während oder nach den Wahlen schützen'werden. Die Republik ist und wird immer das wirkliche gemeinsame Vaterland aller ihrer Bürger sein. kunschak erhalt einen Maulkorb Wien.(Tfch. P.-B.) Staatsrat Kunschak batte für Freitag Nachmittag die Chefredakteure der Wiener Blätter zu einer Konferenz über die inncrpolitische Situation einberufen. Kunschak batte, wie verlautet, die Absicht, Aufklärungen darüber zu geben, warum er auf seine weitere politische Tätigkeit verzichten will. Bormittags hat Staatsrat Kunschak die Konferenz mit der Begründung abgesagt, daß er auf deren Abhaltung «us staatspolizeilichen Gründen drrzichten müsse. Die Ursache der beabsichtigten Resignation Kunschaks ist sein Konflikt w i t den Heimwehren, deren Anhänger itz letzter Zeit alle seine Versammlungen sprengten und die Losung verbreiteten, daß sie künftig- bin den Staatsrat Kunschak bei keiner Bersamm- lung zu Wort kommen lassen würden. Rom. Der ttalienische Ministerpräsident Mussolini empfing Freitag den österreichischen Vizekanzler Starhemberg. Die Unterhaltung bauerte über ein« Stunde,,* Die Wahrheit über Fulnek SHF für das vergossene Blut verantwortlich Für Freitag, den 12. April, hatte die SHF nach Fulnek eine Versammlung einberufen, in der Herr Jng. P e s ch k a aus Eger redete. Zu seinem Schutze waren Ordner von wett und breit zusam- mengettommett, die, etwa 100 an der Zahl, den Saal schon vor Beginn der Versammlung besetzt hatten. Der Vorsitzende machte die Versammelten darauf aufmerksam, dass volle Redefreiheit gewährt und der Redner keine andere politische Partei angreifen werde. Herr Peschka ist einer der „scharfen" Redner der SHF; seine Darlegungen zeichnen sich nicht gerade durch geistigen Gehalt aus. Wenige Minuten nach Beginn seiner Rede kam Peschka auf die Sowjetunion zu sprechen. Selbstverständlich lietz er jede Sachlichkeit vermissen. Die in grosser Zahl anwesenden Kommunisten machten Zwischenrufe, auf die nicht nur der Redner in „witzig" sein sollender Weise reagierte, sondern auch die SHF-Ordnermannschaft, die sich anschickte, die IwischenWser aus dem Saale zu werfen. Sie setzten sich natürlich zur Wehr, um so mehr, als sie bald sahen, daß es die Henleinleute nicht auf das Herstellen der Ruhe und Ordnung, sondern auf eine blutige Rauferei abgesehen hatten. Die„Ordner" setzten den« auch alle ihnen verfügbaren Mittel ei«, deren wichtigste Messer, Stöcke und Knüppel waren. Einige Gegner der SHF trugen blutige Verletzungen davon; ein Mann wurde so schwer verletzt, dass ihm der Arzt die Wundränder am Kopf mit dreizehn Klammern zusammenzichen muhte. Die „Ordner" stachen insbesondere auf die den Saal Verlassenden ein. Einige Verletzte wurde in das Krankenhaus gebracht.— Kurz nach Beginn der gewalttätigen Auseinandersetzung erklärte de: Regierungsvertreter die Versammlung für geschlossen und lietz den Saal räumen. Im Gegensatz zur Behautpung des„Eeske Slovo", dass sich die deutschen Sozialdemokraten an der Versammlung beteiligten und also gewissermassen die Auseinandersetzungen hervorgerufen haben, muh mit aler Entschiedenheit festgestellt werden, dass die sozialdemokratischen Parteistellen die Weisung ausgegeben hatten, der Versammlung fernzubleiben, weil ihnen bekannt ist, dass man sich mit Jng. Peschka geistig nicht auseinandersetzen kann und die So-1 zialdemokraten gewaltsame Auseinandersetzungen grundsätzlich nicht suchen. Die Sozialdemokraten haben denn auch diese Weisung restlos befolgt und haben sich an der Versammlung nicht b e t e i l i g t. Die Henleingegner in dieser Versammlung waren vor allem auswärtige Kommunisten. Diese Feststellung mindert die Blutschuld der Henleinleute nicht im geringsten, die nur durch daS energische Einschreiten der Gendarmerie daran gehindert wurden, einige ihrer Gegner vollkommen zu erledigen.— Unter den von der Gendarmerie Festgenommenen befindet sich ein ehemaliger n a- tionalsozialistis ch e r Gemeindever- treter. Volksgenosse. Held aus Reichstadt Der Sandner des Herrn Henlein und andere Künder der neuen Heilslehre bedienen sich in ihren Versammlungen eines großen Schlagers. Sie verlesen einen Lohnzettel des GEC-Bctriebes in B.-Kamnitz und wollen so den Beweis führen, datz die„sozialdemokratischen" Betriebe die schlechtesten Löhne zahlen, obwohl die Löhne des Kam- nitzer GEC-Betriebes höher sind als die vertraglichen Branchenlöhne der ganzen Republik. Da sich aber die Henleinredner anscheinend für Arbeiterlöhne stark interessieren, wollen wir ihnen Gelegenheit geben, in ihren Versammlungen ihren Hörern mit ähnlichen Attraktionen auf zuwarten und sind sicher, datz sie dabei die grösste Aufmerksamkeit finden werden. In Reich st adt lebt ein Mann namens Eduard Held. Er ist kein Unbekannter und sein Name wurde vor einigen Jahren im Zusammenhang mit der Heimkehr der Kriegsgefangenen viel genannt. Er ist seit Jahren Bürgermeister von Reichstadt und nunmehr soll er, wie wir hören, als Parlamentskandidat der SHF nominiert werden. Held ist aber auch Inhaber einer Christbaumschmuck- und Papierwarenerzeugung und beschäf- ttgt in seinem Betriebe und als Heimarbeiterinnen eine Anzahl Mädchen und Frauen. Dieser wak- kere Verfechter der Henleinschen„Volksgemeinschaft" nun zahlt seinen Arbeiterinnen Löhne, die wert sind, von Sandner und anderen Rednern der SHF in den Versammlungen genannt zu werden. Im Betriebe Held beträgt der Stundenlohn 8 0, in Worten achtzig Heller bis 1.30 XL. Eine Arbeiterin verdient also pro Tag 6.40 XL bis 10.40 KL, oder in der Woche 38.40 bis 62.40 KL, wovon noch die Kranken- und So- ,zialPex,sicheMgsbeiträge abgezogen werden. Noch elender ist die Bezahlung der Heimarbeit. Es gibt Heimarbeiterinnen, die bei der ihnen von Held übertragenen Arbett kaum mehr als zwei KL im Tag, fast niemals mehr als 20 KL d ie Wo ch« verdienen. Wieviel der Herr Held„verdient", entzieht sich leider unserer Kenntnis. - Und das ist der Kandidat der SHF, der Repräsentant der„Volksgemeinschaft". Wir glauben gerne, datz die SHF die Sympathien aller deutschen„Arbeitgeber" genießt. Soziale Fürsorge und ritterlicher Wahlkampf in einem ist es, wenn die SHF, wie«ns aus Nordböhmen zuverlässig berichtet wird, in Brins bei Deutsch-Gabel eine Ortsgruppe unterhält, die jeden Bettler aufnimmt und ihm eineSHF-Legiti- m a t i o n ausstellt. Für hungernde Volksgenossen ist wohl am besten gesorgt, wenn man ihnen statt Brot die Legitimation gibt und sie mit dem Bettelsack zu anderen Volksgenossen schickt, der ritterliche Wahlkampf aber erhäü eine besondere Note dadurch, datz man sich Bettler und andere arme Teufel, die auf der Landsttatze kampieren und wandern, als fahrende Agttatoren kaust. Oute Vorsätze der SHF „Falle, wer fallen mag!“ Unter den Liedern und Sprech-Chören, die den einzelnen Ortsgruppen der SHF von der Zentrale mit dem Auftrag übersandt wurden, sie unbedingt einzulernrn, findet sich auch das folgende: Lied:„Wett laßt die Fahnen Wehn", 1. Wett laßt die Fahnen wehen, wir wollen zum Sturm« gehen treu nach Lands knech ts- art. Laßt den verlornen Haufen voran zum Sturme laufen, wir folgen dicht geschart. 2. Die Mauern wir erklettern, die Türme wir zerschmettern und in die Stadt hinein! Wer uns den Lauf will hemnren, entgegen uns sich stenumn, der soll des Teufels sein. 3. Die Reihen fest geschlossen und vorwärts unverdrossen! Falle, wer fallen mag. Kann er nicht mit uns laufen, so mag er sich verschnaufen bis an den jüngsten Tag. Darnach scheint es, dass Henlein den Wahlkampf weniger auf ritterliche als auf landkuechtifche Art zu führen beabsichtigt. An unsere Abonnenten, Leser und Kolporteure! Anläßlich der Osterfeiettage wird im Buch- druckergewerbe am Montag nicht gearbeitet, WM so datz unsere Nummer am Dienstag, den 23. April entfallt. I Die nächste Ausgabe erscheint dann zur ge- Pa wohnten Stunde am Mittwoch, dem W 24. April. M Die Verwaltung.&£ Christliche Hyänen Die Strafen sind Ihnen zu niedrig Wien.(T. P.-B.) Wie die Blätter melden» hat der Staatsanwalt im Prozeß gegen die 21 Angehörigen des Republikanischen Schutzbundes hinsichtlich drS Strafausmaßes bei 17 Ber- urteilten Berufung eingelegt. Die Berufung erstreckt sich nicht auf Alexander Eifler, Rudolf Löw und Josef Sispela, die zu 18, iezw. 15 und 12 Jahren schwere« Kerkers verurtettt wurden. Auch gegen den Freispruch des Angeklagten Wilfried Stix hat der Staatsanwalt keine Berufung eingelegt. Für die übrigen 17 Angellagten fordert der Staatsanwalt ein höheres Strafausmaß. Namens der gesamten Betteidigung hat Rechtsanwalt Dr. Preßvurger die Nichtigkeitsbeschwerde gegen das gesamte Urteil eingevracht. Es wird deshalb eine neue Verhandlung vor dem Oberlandesgericht stattfinden. * Ole Arbeiter maßlos erbittert Wien.(Eigenbericht.) Entgegen den Meldungen der gleichgeschalteten Presse wurde das Urteil im Schutzbundprozeß keineswegs„ruhig" ausgenommen. Regierung und ihre Presse hüten sich davor, mttzuteilen, was sich in den Nachmit- tagsstunden vor den Toren des LandrsgettchteS, vor dem tausende Menschen angesammelt waren, abgespielt hat. Unter den Massen befanden sich die Verwandten der 21 tapferen Schutzbündler, die gültige Eintrittskarten in den Gerichtssaal hatten, jedoch vor dem geschlossenen Tor znrückgewiesen wurden. Schon dieser Umstand löste bei den An- gesammelten große Erbitterung ans, die sich schließlich in stürmischen Demonstrationen in der Alserstraße in„Pfui-Rufen" auf die Regierung und lautm„Freiheits"-Rufen auSdrückte. Als das Schreckensurteil bekannt wurde, bemächtigte sich der Wattenden ein« nicht zu beschreibende Erbitterung. Di« Fra« deS verurteilten Schutzbündlers Bechert erlitt auf der Straße, als st» das Utteil erfuhr, einen Rervenzusam- m e n b r« ch, sie bekam einen Schreikrampf und stürzte ohnmächtig zusammen. Das nahmen dir Polizeibestien des Herrn Schuschnigg zum Anlaß, mit dem Gummiknüttel auf die bewußtlose Fra« einznhauen und sie durch den Sttaßenkot in brutalster Att in die Wachstube zu schleppen. Später traf vor dem Landesgericht Militär rin, die das ganze Ge- richtsgebäude zernierte. Wie rin Lauffeuer verbreitete sich schon mittags in der ganzen Stadt das Urteil» obgleich die Regierung bett Zeitungen schon vorher verboten hatte, Extraausgaben herauszugeben. Trotzdem konnte bereits um 2 Uhr nachmittags durch ein illegales Flugblatt den Arbeitern Kenntnis von dem barbarischen Urteil der austrofasristtschen Schandjustiz Kenntnis gegeben werden. In den Abendstunden kam es in den Arbeiterbezirken z« großen spontanen Protestkundgebungen, die der Fascistrnpolizei wieder Gelegenheit gab, sich alS brutale Prügelgarde zu bewähren. Litwinow nicht nach Paris Paris.(Havas.) Die Verhandlungen zwischen dem Quai d'Orsay und der sowjetrusfischen Botschaft über diedrfinitive Fassung des französisch-sowjetrussischen Abkommens schreiten fort. Ueber die grundlegenden Bestimmungen des Abkommens ist im Prinzip bereits eine Einigung erzielt worden. Es verbleibt lediglich noch, eine be- fttedigende Formel für die Textierung des erzielte» Abkommens zu finden. Die paraphiette Urkunde wird zwischen Außenmister Laval und dem sowjetrussischen Bot« schafterPotimki« ausgtauscht werden, da Litwinow sich direkt nach Moskau begeben muß, ohne Patts zu berühren, wie es früher beabsichtigt war. Todeskampf um verfaulte Orangen In B r 2 n n führte der Frächter Burian eine. Fuhre angefaulter Orangen, die vernichtet werden sollten, zur Kehrichtstätte. Auf dem Wege dahin mutzte er auch eine Kolonie der armen Leute passieren, die bald auf die für sie— trotz der Fäulnis— kösüichen Früchte aufmettsam wurden und sich an den Wagen heranmachten, um die Orangen für sich und die Kinder zu erreichen. Dabei entstand gar bald ein solches Gedränge um den fahrenden Wagen, datz eine der um die Orangen kämpfenden Frauen, die B. Kolas, niedergestohen und von dem Wagen überfahren wurde. Sie mutzte schwe'""'lebt in das Krankenhaus geschafft werden. Seite 4 Samstag, 20. April 1935 Nr. 94 Ein Tag aus dem Wiener Schutzbundprozeß Wer auch nur einen Tag dem Schutzbundprozesse beiwohnt, empfängt den Eindruck, daß das ein Prozeß zur Verteidigung der verfassungsbrecherischen fascistischen Heimlvehr ist und ein Prozeß gegen jene, die die Verfassung der österreichischen Republik verteidigten. Der Staatsanwalt hatte es nicht leicht. Er muß die Wahrheit in das Gegenteil umdrehen. Er muß jene, die die Gesetzmäßigkeit schützten, als Aufrührer und Hochverräter hinstellen. Kein Mensch glaubt ihm seine Redereien. Er wohl auch selbst nicht. Aber es ist eine„Staatsnotwend g- fi’it", die Männer des Schutzbundes auf alle Fälle zu verurteilen. Es ist ein bewußter Justizmord, der hier geschieht. Einiges aus dem Prozeß: Verteidiger Dr. Preßburger: „Ich bitte Herrn Präsidenten, festzustcllen, daß di« Wiener Zeitungen eine unwahre Berichterstattung haben." Präsident:„Ja, ja, Herr Doktor, eS wird schon zug-geben, daß das, was in den Zeitungen steht, nicht so gesagt wurde." Dr. Preßburger:„Ich bitte, hoh'S Schwurgericht, ich bin wahrlich kein Anwalt für die sozialdemokratische Partei, ich habe ihr auch niemals angehört, aber ich nuiß sagen, daß ich meine Meinung über sie im Zuge des Studiums der Progeßakte um 100 Prozent revidieren mußte, ich bin bisher von den Zeitungen immer angelogen worden. Die sozialdenio- kratische Partei.ist gar keine Bürgerkriegspartei, sondern eine Partei der Staatserhaltung und des Rechtes. Ich habe diese Ueberzeugung aus dem Beweis- material gewonnen, ich mußte meine geschichtliche Auffassung eben revidieren. Was Recht ist, muß doch Recht bleiben, ich kann doch nicht, weil ich ein Anhänger des heutigen Zustandes bin, Tatsachen der Vergangenheit in das Gegenteil umkehren und Recht zu Unrecht machen.." StaatSwal t:„ES wird nicht gelingen, zu beweisen, daß gerade die Heimwehr mit allen Waffengattungen versehen war." Angeklagter Löw:„Ich kann das beweisen."■ Staatsanwalt:„Nennen Sie mir nur' einen Beweis als Beispiel." Angeklagter Löw:„Einmal hat uns ein H ei m w e h r m a n n>z w e i Ka nonen angeboten zum Kampf um den Betrag von 2 0.0 0 0 Schil- l i n g e» s w." Angeklagter Löw:„Parteipflicht geht über Staatsbürgerpflicht." Staatsanwalt:„Sind Sie auch heute noch der Meinung, daß eS so ist?" Angeklagter Löw:„Jawohl!" Staatsanwalt:„Also Sie sind auch heute noch der Meinung, daß die Parteipflicht vor Staatsbürgerpflicht geht." Angeklagter Löw:„Jawohl." Staatsanwalt:„Also, was wissen Sie über die Bewaffnung der Arbeiterschaft und über die Vorbereitungen." Zeuge:„Die Proletarier haben S taatSanwalt:„Was heißt Proletarier, Sie wollten sagen Arbeiter." Zeuge:„Mir ist der Ausdruck Proletarier geläufiger und gebräuchlicher." * Angeklagter Laßnig:„Es ist Pflicht jedes Staatsbürgers, sich aus eigenem zur Vom Rundfunk Der Osterfriede im Rundfunk Der Beginn der Erinnerungsfeier an die Toten des Krieges wird in Prag durch einen Kanonenschuß angezeigt, welchem ein besonderes Signal der staatlichen Sternwarte in Prag vorangehen wird. Dieses Signal, welches durch den Rund- filick verbreitet werden wird, besteht aus einem um 11 Uhr 87 Mnuten 33 Sekunden gesendeten langen Ton, welchem in Abständen von je einer Sekunde 16 kurze folgen werden, von welchen der letzte den Beginn der zwei Minuten dauernden Verkehrsstille bedeuten wird. Durch einen zweiten Kanonenschuß wivd genau um 12 Uhr der PietätS- akt geschlossen werden. Anfangs- und Endsignal gelten auch für all« Gendarmerie- und Militärtrompeter, in der ganzen Republik, welche auf den Hguptplätzen und wichtigsten Straßenkreuzungen in den Städten den Ostersrieden anzeigen werden. Empfehlenswerter an» de« Programmen: Sonntag: Prag, Sender L.: 7.30: Konzert aus Karlsbad, 8.80: Schallplätten: Bach, 11.28; Aus der literarischen Welt, 14: Sozialinformationen, 17.43: Deistsche Sendung: Orchesterkonzert, Dirigent: Dr. Swoboda, 18.48: Deutsche Press«, 18.56: Schallplatte», 19.50: Militärkonzert, 21.10: Orchesterkonzert, 22.25: Deutsche Presse. Sender S.: 14.30: Deutsche Sendung: Landwirtschaft, 14.46: Arbeiters e n d u n g: Tcjessy: Thomas Münzer in Böhmen.— Brün» 14:' Deutsche Sendung: Hörspiel, 22.30: Orchesterkonzert.— Mährisch-Osten» 12.15: Buntes Programm.— Preßburg 10.15: Orchesterkonzert, 18.10: Klavierkonzert.—» Wehr zu setzen, wenn fascistische Kräfte die Verfassung der Republik stürzen wollen." e Vorsitzender:„Also, Herr Zeuge, wo wohnen Sie?" Zeuge, Schwimmlehrer Bergmann(im Sträflingsanzug vorgeführt):„Konfessionslos, ledig, wohnhaft„derzeitStein an der Donau"(Strafanstalt). Vorsitzender erteilt die Belehrung dem Zeugen über seine Pflicht und fragt, ob gegen ihn auch eine Untersuchung war und warum. Zeuge:„Jawohl, ich war Kompagniekommandant in Ottakring beim Schutzbund und war unter Anklage wegen Hochverrat, Aufruhr, Sprengstoff, verbotenem Waffenbesitz usw." Vorsitzender:„Was haben Sie für eine Strafe?" Z e u g e:„Zwei Jahr« schweren Kerker." Vorsitzender:„Sie haben also anzugeben, wer Ihnen die Waffen gegeben, ob Sie etwas TagcsncDlgkeltcn Der Bau der Kinitzer Talsperre Zwecks Ermöglichung einer raschen Verwirklichung des Baues der Kinitzer Talsperre-hat das Arbeitenmini st erium für den 18. April d. I. eine Beratung einberufen, an der außer den Vertretern des Arbeitenministeriums auch die Vertreter des Finanzministerin m s, der mährisch-schlesischen Landes- b e h ö r d e und derStadtBrünn unter Führung des Bürgermeisters Tomes teilnahmen. Den Vorsitz in der Beratung führte der Minister für öffentliche Arbeiten Dr. C z e ch. Die Beratung, die mehrere Stunden dauerte, nahm einen durchaus einmütigen Verlauf. Es wurden alle in Betracht kommenden Fragen eingehend erörtert und insbesondere auch jene Bedingungen im einzelnen verhandelt, von deren Erfüllung daS Finanzministerium die Zustimmung zur Inangriffnahme der Arbeiten abhängig gemacht hat. Im Laufe der Beratung wurden unter Zustimmung aller Teilnehmer alle bis dahin noch offen gebliebenen Fragen geklärt, worauf konstatiert wurde» daß der Ausschreibung des Baues und der Inangriffnahme der notwendigen Vorarbeiten nichts mehr im Wege steht. Auf Grund des Ergebnisses dieser Beratung wird daher mit den Arbeiten im Herbst d. I. begonnen werden können. Der Vorsitzende dankte allen Teilnehmern für ihre Bereitwilligkeit, mit der sie alle noch bestehenden Schwierigkeiten beseitigen und einer Verwirklichung dieses für die Landeshauptstadt Brünn außerordentlich bedeutsamen Werkes die Wege ebnen halfen. Latvmen-Tod Bludenz. Beim Ausgraben von Holz unter einer Lawine wurden am Donnerstag fünf Arbeiter von einer neuen Lawine verschüttet. Vier Arbeiter konnten sich selbst befreien, während einer tot aus den Schnecmassen herauSgezogen wurde. Vier Todesopfer eines Blindgängers Moskau. In der Nähe von Statt n g r a d fanden Kinder einen Blindgänger, mit dem sie spielten. Die Granate explodierte, vier Kinder wurden auf der Stelle getötet, eines wurde schwer verletzt. Amerikanische» Sittenbild Smithfield.(Gentucky.) Bor der Hinrichtung eines wegen der Vergewaltigung einer Frau zum Tode verurteilten Weißen, D e b o e, ereignete sich eine bewegte Szene auf dem Richtplatz vor dem Gerichtsgebäude. Der Verurteilte sprach, die gefesselten Hände über dem Kopf haltend, zu seinem„Opfer", das sich unter der vor dem Gerichtsgebäude versammelten Menge befand, u m der Hinrichtung zuzusehen mit Donnerstimme:„Wenn ich 600 Dollar gehabt hätte, würde ich nun nicht zum Richtplatze schreiten, da Sie sie angenommen hätten."—„Auch 1000 Dollar würde ich nicht von Ihnen angenommen haben," antwortete die Frau(aber vielleicht 1100?). Deboe, der einen Diebstahl eingestanden, aber die ihm zur Last gelegte Tat, für die er zum Tode verurteilt wurde, geleugnet hatte, starb ruhig. Seiner Hinrichtung sahen sein Vater und seineSchwesterzu. Die Schwester wurde im Augenblick der Hinrichtung ohnmächtig. Weitere Besserung des Wetter« itt Aussicht? Die Druckstörung, unter deren Einfluß es bei uns MN Freitag im mittleren Teile der Republik noch geregnet hat, zieht nunmehr nach Rumänien ab. Infolgedessen tritt eine weitere allmähliche Wetterbesserung ein. Am Freitag- Nachmittag traten in Mitteleuropa nurmehr vereinzelt lokale Regenschauer auf. Die Lüftdruckverteilung über dem Binnenlande wird ziemlich gleichmäßig. Es kann daher ziemlich ruhiges und tagsüber etwas wärmeres Wetter erwartet wissen, welche Vorbereitungen getroffen wurden, wer die Anordnungen gegeben hat und so weiter. Da Ihr Verfahren beendet ist, so wird es für Sie nur vom Vortest sein, wenn Sie wahrheitsgetreu berichten." Zeuge:„Ich habe schon bei der Polizei gesagt, ich nenne keine Namen, habe das auch bei meinen Prozeß gesagt und wiederhole es heute. Ein Lump jeder Verräter!" Vorsitzende r:„Na, ich muß sagen, das ist etwas merkwürdig und die Bezeichnung trifft so allgemein auch gar nicht zu. Hier handelt es sich um einen Aufruhr gegen die Staatsgewalt, gegen die Regierung. Da sind Sie verpflichtet, alles genau anzugeben, da ist der Ausdruck gar nicht zulässig dafür." Zeuge:„Herr Präsident, der Herr Bundeskanzler pocht so oft auf sein Offiziersehrenwort, das er halten muß und daS wird anerkannt und dem wird zugestimmt. Ich habe auch eine Ehre und«in Ehrenwort, das gehalten werden muß, denn ich bin proletarischer Offizier. Ich nenne keine Namen."(Der Zeuge wird sofort wieder nach Stein zurückgeführt.) Dr. Preßburger:„Wahrlich, die Geschichte wird noch einmal zu Gericht fitzen über den Prozeß und hüten wir uns auS Liebe zu unserem werden. In Deutschland stieg die Temperatur am Freitag stellenweise bis auf plus 18 Grad Celsius und auch in Westböhmen wurden wieder 15 Grad erreicht.-— Wahrscheinliches Wetter von heute: Im Nordwesttefl des Staates: Vorübergehend wieder etwas stärkere Bewölkung. Kein« oder nur geringfügige Niederschläge. Im übrigen Staatsgebiete: Fortschreitende Besserung, wechselnd be- wiMt, tagsüber mäßig warm. Abflauender Wind. Im äußersten Osten: Etwas kälter.;— Wetter- aussichten für Sonntag: Wechselnd bewölkt, im allgemeinen ein wenig wärmer. Eine Spitzenleistung. Fm März 1934, also vor mehr als einem Jahr, hatte die Gestapo den Arbeiter Wilhelm S a u e r in Duisburg in Hast genommen und ins Amtsgerichtsgefängnis ein- geliefert. Weder Sauer noch seiner Ehefrau war jemals der Grund zu dieser Inhaftierung mitgeteilt worden. Fetzt, nach 13 Monaten Hast, ist der Arbeiter vom Sondergericht zü anderthalb Jahren Gefängnis verurteist worden. In der Verhandlung wurde Sauer endlich über sein Verbrechen informiert: er hatte 1.50 Mark auf einer Sammelliste für„Notleidende im Konzentrationslager" gezeichnet. Für diese gute Tat bestrafte ihn das System mft 18 Monaten Kerker. Eine Spitzenleistung selbst für die neüdeutsche Unrechtsjusüz. Der Präsident der Republik dankt allen jenen, welche mit ihrer Unterschrift in Prag auf der Burg oder bei den Landes-Bezirks- und anderen Behörden ihm zu seinem 85. Geburtstag ihre Glückwünsche vermittelten, auf diesem Wege, da eS ihm unmöglich ist, jedem einzelnen zu danken. Mährische Lehrer in USSR. Gestern ist in Leningrad eine 24 Mitglieder zählende Exkursion der mährischen Lehrer unter Führung Dr. Kon- vickas eingetroffen. Die Exkursion wird von der Zentralvereinigung der mährischen Lehrerschaft veranstaltet. ESR— 15 Millionen Einwohner. Bei der letzten Volkszählung vom Dezember 1930 besaß die Tschechoslowakei 14,729.000 Einwohner. Aus Grund der letzten Erhebungen über die natürliche Bevölkerungsbewegung konnte nun zum 31. Dezember 1934 die Einwohnerzahl der Tschechoslowakei ermittelt werden: Innerhalb der verflossenen vier Jahre hat die Tschechoslowakei um 3 6 5.0 00 Einwohner zugenommen und demnach um 95.000 Einwohner die 15 Millionen überschritten, Von der Gesamtzunahme entfällt der größte Teil auf die S l o w a k e i, wo gegenüber dem Stande vom Dezember 1930 um 141.000 Einwohner mehr- gezählt wurden. Auf die einzelnen Gebietsteile der Republik entfallen nun nachstehende Einwohnerzahlen: Böhmen 7,220.000(plus 111.000), Mähren- Schlesien 3,62 3.000(plus 58.000), Slowakei 3,471.000(plus 141.000) und Karpatho- rußland 780.000(plus 54.000). Die verhältnismäßig größte Zunahme verzeichnet nach wie vor Karpathorußland, und zwar 73 Prozent, an zweiter Stelle steht die Slowakei mit einem relativen Bevölkerungszuwachs von 4.2 Prozent, dann Mähren-Schlesien mit 1.6 Prozent und endlich Böhmen mit 1.5 Prozent relativer Zunahme. Die Bevölkerung im äußersten Osten der Republik nimmt daher fünfmal schneller zu als im Westen des Staates. Dr. Sternbach, der frühere tiroler deutsche Abgeordnete in der römischen Kammer, der vor einiger Zeit, wie erinnerlich, zu mehrjähriger Verbannung verurteilt tvuvde, ist begnadigt und sofort in Freiheit gesetzt worden. Flug Unglück. AuS bisher noch unbekannter Ursache stürzte ein Flugzeug mit Oster- ausflüglern über Hallingdal(Norwegen) ab und geriet in Flammen. Bier Passagiere verbrannten. Im Auto verbrannt. In einer Gasse der französischen Stadt Chartres stießen ein Personenwagen und ein Lastauto zusammen, wobei das Personenauto in Brand geriet und verbrannte. Drei Insassen des Wagens kamen in den Flammen ums Leben. Der Amtsschimmel unbelehrbar Ueberflüsige Schikanen bei der Abzugs- steuer Vor kurzem ging eine Nachricht durch die Blätter, daß das Finanzministerium in einem Erlaß den untergeordneten Behörden aufgetragen habe, den Verkehr mit den Steuerträgern i n urbanen Formen abzuwickeln und ihren berechtigten Wünschen nach Möglichkeit entgegenzukommen. Leider wird es anscheinend- Jahrzehnte dauerst, bis dieser Erlaß von den Steuerämtern auch tatsächlich respektiert werden wird. Vorläufig geht die alte Wirtschaft noch lustig weiter, wie Fälle aus der jüngsten Zeit beweisen. Im Gefolge der Krise find leider in vielen Betrieben sogenannte Wechselurlaube üblich; das heißt, ein Teil der Arbeiter setzt wochenweise mit der Arbeit überhaupt aus. Di« Folg« ist, daß die Arbeiter zwar in den Zeitabschnitten, wo fi« io Arbeit stehen, einen Wochestlohn nach Hause bringen, der eventuell 193 Kä überschreitet und damit derAbzugsteuer unterliegt, daß sie aber im Jahresdurchschnitt an das einkommensteuerfreie Minimum noch lange nicht herankommen. Bisher haben die Arbeitgeber im Einvernehmen mit den Steuerbehörden in solchen Fälle« den Steuerabzug unterlassen. In der letzten Zeit sind die Steuerbehörden jedoch von dieser Praxis abgegangen und bestehen, insbesondere unter Berufung auf die Einführung desW ehrbei- träges, auf der Durchführung des Abzuges. Auf dies« Weise müssen«lso die Arbeiter eine Steuer entrichten, von der von vornherein feststeht, daß fir zu ihrer Leistung nicht verpflichtet sind. Diese Maßnahme hat daher unter der betroffenen Arbeiterschaft begreifliche» Unwillen hervorgrrnfen. Das Vorgehen der Steuerbehörden ist um ft unverkändlicher, als sie auch für die Behörden selbst, wie auch für die Arbeitgeber durch die Verrechnung und spätere Rückzahlung eine vollkommen überflüssige administrative Mehrbelastung zur Folge hat, die dein Staat keinerlei Nutzen bringt. Aus diesen Gründen hat Genosse Roscher an den Finanzminister die Anfrage gerichtet, ob er bereit ist, den unterstellten Behörden die Weisung zu geben, daß sie die frühere, nicht nur für die betroffenen Arbeiter, sondern auch für die Behörden und die Arbeitgeber günstigere Praxis wiederum handhaben. Stürme im Mittelmeer. Das westliche Mittelmeerbecken ist am Donnerstag von einem Unwetter heimgesucht worden, wie man es seit Jahren nicht mehr erlebt hat. Der Schiffsverkehr wurde stark behindert. Besonders schwierig gestaltete sich der Verkehr zwischen Frankreich und Korsika. Sämtliche Dampfer trafen mit vielstündiger Verspätung an ihren Bestimmungsorten ein. Bon 100 an Bord der„Ile de Be- aute" befindlichen Passagieren sind 24 infolge des hohen Seeganges, bei dem das Schiff hin und her geschleudert wurde, mehr oder weniger schwer verletzt worden. Einige Dampfer haben gegen das Unwetter überhaupt nicht ankämpfen können» sie mußten in ihre Heimathäfen zurückkehren. Die Moldau steigt. Infolge der ausgiebigen RegenfMe in den letzten Tagen und der Schneeschmelze in den Bergen des Böhmerwaldes ist der Wasserstand der Moldau und einiger ihrer Zuflüsse gestiegen. In Böhm.-BudweiS wurden Donnerstag pluS 100 Zentimeter über dem Nor- nuile verzeichnet. Freitag um 7 Uhr früh plus 178. Am Pegel in Zvikov wurden plus 222 Zentimeter abgelesen. In Kanchk stieg das Wasser gestern früh auf plus 146 Zentimeter. In Modiany bei Prag wurden gestern früh pluS 75 verzeichnet. In Modiany dürfte der Kulminationspunkt etwa 135 Zentimeter erreichen. Eine Hochwassergefahr drohtnicht, da die Flüsse größtenteils nur Regenwasser führen. Im Böhmerwalde friert es in den höheren Lagen fast überall.— Infolge des rapiden Ansteigens des WasserstaAdes der Moldau und deren Zuflüsst mußten gestern die beweglichen Stauwehr« auf der Moldau auf der Strecke Prag—Meinst unverzüglich ausgeschützt und die K o n- struktionen umgelegt werden. Ziehung der Klassenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Freiwg-Ziehung der 5. Klass« der 32. Tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden folgende Treffer gezogen: 200.000 K5 das Los Nr. 46146 20.000 Kö die Lose Nr. 87896, 90518 99723 10.000 K6 die Lose Nr. 71115 16945 28761 48552 5000 Kd die Lose Nr. 66876 67070 37514 106843 56759 27278 88631 22530 27764 6362 5220 48531 86817 92112 98584 44405 43466 98689 6745» 28520 89878 92200. 2000 K5 die Lose Nr. 15334 37301 63234 4471» 97792 106262 69614 94373 28877 81984 8697? 41910 95308 68001 70290 48052 60730 3294» 81795 18986 16969 68561 93345 4763 83090 81504 39781 32165 105716 38074 101191 3307 6369» 64272 70882 93099 86013 34370 61741 95606 66654 82207 9063 86907 3336 87775 51098 88618 33490 81792 35545 68517 14499 61670 21715 95887 2066» 22156 56832 76607 80112 20187 40985 2424? 27806 42917 104085 3092 20656 42617 28734 75736 Vaterland, dass wir in diesem Prozeß Dinge Inn, über di« die Geschichte sagen müßte, daß sie den Boden des Rechte- verlassen haßen." H. M. Sfr. M SamStag, 20. April 1838 Sette S Buster Grabbe Messacher Olympiasieger, spielt die Hauptrolle in dem Abenteurerfilm„König der Dschungel"« Im internationalen Tpionageprozeß in Bari- wurden insgesamt 28 Personen der» urteilt. Die größte Strafe von"fünf Jahren Gefängnis erhielten Lydia Stahl, weiters der Oberstleutnant Demoulin. der russische Staatsangehörige Berlowitsch und Professor Louis Martin, der Chef der Chiffrenabteilung und lieber setze r im Marineministerium war. Zehn weitere Personen wurden zu Gefängnisstrafen in der Dauer von zehn Monaten bis zu vier Jahren verurteilt. Sechs Personen wurden freigesprocken. darunter der jugoflawische Chemiker Vatroslav Reich sowie der bekannte amerikanische Flieger Gordon With und dessen Gattin. Die übrigen freigesprochenen Ausländer werden unverzüglich aus Frankreich ausgewiesen werden. Da- Kriegsgericht in Saloniki hat in dem Brrtzeß gegen 82 Aufitändische das Urteil gefällt. Zwei der Angeklagten wurden zu lebenslänglichem Ketter, fünf zu ü bis 18 Jahren und 18 zu% bi- 8 Jahren Kerker verurteilt. 27 Angeklagte wurden freigesprochen. Segelflng-Rekord. Die Königsberger Medizinstudentin Liesl Z a n g e m e i st e r hat einen neuen Segelflugrekord für Frauen mit einem Dauerflug von 12 Stunden 87 Minuten auf- gestellt. Radfahrer unter« Aut». Mittwoch mittag- wurde ein Obersteiger aus Janeffen. der auf der Straße gegen Karlsbad mit dem Rade fuhr, von einem ins Schleudern geratenen Automobil niedergeftotzen und in schwer verletztem Zustande ins Krankenhaus eingeliefert. Pariser Fernsrhdienst. Einer Nachricht des französischen PoftministeriumS zufolge wird End« Aprst an der Pariser Rundfunkstation ein Tele- vijionSdienst organisiert werden. Frühling in-er Stadt Ein warmer Tag streichelt die Stadt. Die Glasbuchstaben der Firmenschilder funkeln in der Sonne. Hoch über den Straßenschluchten stehen die Fenster der Dachwohnungen weit offen, kleine, schwarze Nüstern, durch die, die Stadt die leichte, toarme Luft begierig einzuatmen, scheint. Bor einem der Fenster dreht sich fleißig ein Federrad? das Kinderspielzeug macht die linde Lüft sichtbar, die um die Dächer streicht. Der bunte Federkreis spielt mit einer Leichtigkeit, die dem Leben in den Dachstuben fremd st; es sind ärmliche Wohnungen, vor deren Fenstern solcher Tand flattert, ober er flirrt so fröhlich, al- sei auch in. die Stichen der Armut ein Glück geweht: der Frühling macht alles leichter. Unten brausen di« Autos durch die Straße. Die Hupkn rufen hell aneknaiidtt vorüber; die schnelle Fahrt zieht die Signale durch verzerrte Halbtöne, als sei e- Zeit, übermütig zu werden. In den Scheiben lackblanker Limousinen spiegelt sich di« glitzernd« Pracht der Schaufenster. Eine elegante Frau lehnt in rcsedafarbenen Polstern; ein violetter Bausch hinter Glas: Veilchen— bor- bei. Und oben dreht die Federmühle ihren bunten Kreis, als ob sie das Leben in der brausenden Straßentiefe triebe... Sind nicht di« Winterkleider dumpf und staubig? Sie find mü der schweren Lust der Arbeitsstätten und Wohnstuben, der Bersammlungssäle und Kinos getränkt; sie haben den Dunst des ganzen künstlichen Lebens eines Großstadtwinters ein« gesogen, und die Kälte der Straßen hat das alles in ihrem Gewebe konserviert es ist nicht mehr An einem Tag im Jahi Wasserglas Sonntags wird man hinauSgehen,«in Stück vor die Stadt, ins Freie. Vertraute Wege, vertraute Hügel und Täler, Wälder und Felder; kleine Variationen eines Themas. Die Goldsonnen des Löwenzahns im Gras, die Kirschblüte am Feldrain, der sachte Wellenschlag des sommerlichen Flusses, rot« Aepfel in herbstlichen Gärten werden uns erfreuen auf kleinen Entdeckungsreisen zu Fuß, die einige Stunden dauern. Und ein Sommer ist wieder vorüber. Das Leben stiegt dahin —«in Sommer, zwei Sommer, drei Sommer— vorbei... Ein Finkenschlag schmettert im Gezweig über der Bank in den Anlagen— alles schmettert der kleine rotbrüstige Vogel in die zitternde Luft, was das Herz von Sehnsucht weiß. Ein blankes Auw gleitet auf leisen Gummisohlen vorüber; schwere Reisekoffer sind hinten ausgeschnallt. Es fahren Züge nach dem Süden; langsam mit langem Schlafwagen entwinden sie sich dem Grau der Großstadt; die Sonne lässt die goldne Aufschrift funkeln: Mitropa. Der Frühling wird vergehen und der Sommer wird vergehen— in einigen Monaten gibt eS wieder Schneebeeren... „Wie beglückend warm es ist. Ermüdend süß ist die Sonne über den funkelnden Knospenschwärmen der Sträucher. Man zieht den Maistel aus, hängt ihn über die Lehne der Bank und spürt die Sonnenwärme bi- ins Herz. Die Lust zittert vor sprossendem Gezweig; aus blaudurchfloffenen Gründen jenseits des sonnigen Rasens steigen Frühlingsträume auf. Gläubig sieht man dem ersten Zitronenfalter nach, der wie die goldene Gaukelei eines nahen Glücks den Blick in blaue Fernen zieht und taumelnd entschwindet. E. H. Maas bis an die Memel, von Monschau im Hohen Venn bis nach Böh- misch-Leipa. Jene allbekannten Stammtische. über denen eingerahmt jeweils ein dürftiges Bismarcksches Antwortschreiben auf irgendwelche Glückwünsche zu seinem Geburtstag feierlich hängt — jene Stammtische, die Sankt GambrinuS und Sankt Patriotismus gleichermaßen huldigen und die zu ihrem und der Welt Unheil in die Große Politik verschlagen worden sind. F. E. R o t h. scheu Mentalität im Sinne grenzenloser Verachtung und Verkennung aller anderen Völker, ihrer Eigenart und ihres Verdienstes am gemeinsamen Werk der Zivilisation, im Sinne kindisch.« und hysterischen Machtwahns, im Sinn« schnöder Schändung alles dessen, was Goethe oder Immanuel Kant in die Reihe der Allergrößten, eben als Deutsche, stellt— das alles ging zur Hauptsache praktisch-propagandistisch vom Lehmann'schen Editionskreis aus..Im Weltkrieg hatte Lehmann Hochkonjunktur.„Gott strafe England!" ober „Jkder Schuß ein Ruß'!"— so ungefähr waren die Sttchworte seiner literarischen Massenbetreuung in der„großen Zeit". Nach dem Kriege wieder verdiente er nicht schlecht an der Dolchstoßlegende(meinen halben Meter vor dem Endsieg..."), bis dieser"der klassische Prozeß, den gerade gegen die Gewährsmänner seines Verlages die Redaktion der sozialdemokratischen „Münchener Post" führte, wenigstens für alle tendenziöse. Geschichtsforschung durch ein klassisches Zeugenaufgebot besonders auch der militärisch-n Sachverständigen, di« damals„mit dabei" waren, ein unrühmliches Ende bereitete. Lehmann wqr sicher als Privatmann eine ganz integre Figur. Ein vir produs, ein rechtschaffener Mann, wenn man so will! Sein Schicksal, da- moralische Opfer der alleinseligmachenden Bismarckschen Blut- und Eisentheorie geworden zu sein, teilte er ja nur mit Millionen seiner StammeSverwandten: Er war der Alldeutsche in Loden und mit dem grünen Jägerhut, waS Erich Ludendorff, seinMLnchener Haus nachbar, in GeneralswichS und Hurradüte war! Erst als nach dem Krieg die Isarstadt auch zur Emigrationsstätte des preußischen Militarismus wurde, wanderte der Poltergeist Lehmann auS den harmloseren Gefilden der Literatur in die realere Welt tragischer Tatsachen aus, wie sie jetzt eben das Dritte Reick seines Zauberlehrling- Hitler darstellt. Der jetzige deutsche „Führer"' nützte nur für sich damals die Konjunktur aus, als sich Theorie und Praxis des Alldeutschtums, als sich Lehmann und Lickendorff an der Isar fanden und die nunmehrige Mischung von Theorie und Organisation einen rethorisch befähigten Handelsvertreter brauchte. Nicht als Freund Httlers ist Julius Friedrich Lehmann geswrben. obschon man es nicht gut im Dritten Reich gewissermaßen aus AnstandSgrün- den versäumen konnte, ihm an seinem siebzigsten Geburtstag vor einigen Wochen den«Adlerschild deS Deutschen Reiches" als höchste Auszeichnung, die die ehemalige Republik vorerst noch zu vergeben hat, zu überreichen. Beide, Lehmann und Hitler, waren nämlich Spinnefeind« im Geschäftlichen geworden! Denn obwohl der„Führer" sicherlich in den Anfängen der nationalsozialistischen Pattei von.Lehmann bare Münze genug bezogen hat— Herr Hitler ging, als es so weit war, daß er daran denken konnte, hin und setzte seinem Wohltäter und Mäzen in Gestalt seines eigenen Ehrler scheu Verlages ein Konkurrenzunternehmen auf die Nase, daS durchaus nur in die eigne Tasche arbeitete. Das Geschäft, dar bisher Lehmann mit den Plattfüßen und den Hakennasen der Semiten und mit den blauen Äugen und langen Schädeln der Wikinger machte, bereichette also jetzt Hitler persönlich. Das mußte den alten Choleriker, mit dem Münchener Boden und mit der„guten Gesellschaft" der bayrischen Hauptstadt ganz verwachsen, schwer verdrießen. Sicher ist: An Julius Friedrich Lehmanns Grabe stehen und weinen im Geiste heute alle deutschen Stammtische von der erträglich; oh— nun wird man sie endlich ablegen, wird in die Sonne gehen, frei, leicht, glücklich! Im Schaufenster einer Kunsthandlung sind Farbenholzschnitte ausgestellt. Der Blick fällt auf ein Blatt: Zweige mit stumpfgrünen Blättern und weißen Beeren— Schneebeeren. Wehte nicht ein kalter Hauch in den Sonnenschein? Schneebeeren — das ist Herbst, Winter. Raschelnde schwarze Amseln im Gestrüpp kahler Gätten; weiße Beeren, dje blasig zerknallen, wenn man sie zertritt, und in deren Innern das weiße Fruchtfleisch wie Eis« schäum glitzett. Wie lange wird es dauern und es gibt wieder nur diese weißen, eiskalten Beeren, von Froftnächten angegilbt— einige Monate, und alles ist vorbei, was jetzt so glückverheißend be« ginnt. Und das Leben verfiiegt. Ein Sommer und wieder ein Sommer und wieder ein Sommer— das Leben saust an uns vorbei. Nun hebt wieder ein Frühling an; ein Sommer kommt. Apttlstaub wirbelt hinter den fegenden AutoS auf— Goldstaub im Sonnenschein. Man ahnt schon die siedende Schwüle der Stadt. Man fühlt im voraus die Sehnsucht— irgendwo wiegen Palmen ihre Wedel— nickt für uns. Irgendwo klovft sachte Brandung einen weißen Strand—: nicht für uns. Irgendwo lockt der Glanz weißer Gipfel unter blauem Himmel— nicht für uns. In den Schaufenstem der Reisebüros hängen wasserblaue Scekatten mit roten Dampferlinien— nicht für uns. Der Salzduft aller Meere des Erdballs lockt— in die Träume vom Süden läutet herttsch die Straßenbahn, die zur Arbeitsstätte fährt. fürs ganze Jahr! hält• die Ei ex frisch AIS Adolf Hitler noch nicht der„Gefreite des Welttrieges" war, sondern in den Jahren ahnungsloser Fttedenszeit an der schönen blauen Isar als aus der Bahn verschlagener Kleinbürgerssohn seine arbettslosen Tage verbummelte — niemand kann sagen, wovon er damals in München gelebt hat und er selbst schweigt sich darüber auch in seinem sonst so schwatzhaften„Mein Kampf" wie das Grab aus—, lebte in der baytt- schen Hauptstadt schon lange ein jovialer, etwas polteriger und cholerischer Mann, der mindestens literarisch das vorwegnahm, was„der Führer" später begründen sollte: das Dritte Reich! Der alldeutsche Münchener Verleger Julius Friedrich Lehmann, der dieser Tage, kurz nach seinem siebzigsten Gebuttstag, verschieden ist und der in mindestens vier Jahrzehnten Pan-Germanien mit den trüben verlegerischen Erzeugnissen eines bornierten Antisemitismus, eines verschrobensten Atterwahns, eines stärkst bramarbasierenden NattonaliSmuS überschwemmt hatte, hat sicherlich den jungen Httler geistig zu dem gemacht, was er heute auf der Weltbühne darstellt: Missionar jener Sorte von„Patriotismus", wie sie leider nur der deutsche Boden bisher erzeugt hat! Merkwürdig— und doch wieder so recht bezeichnend für gewisse Zusammenhänge, die geraoe gegenwärtig die besondere Schande des Hakenkreuzlandes darstellen-—, daß Julius Friedrich Lehmann„eigentlich" Mann der Wissenschaft wär! Die reguläre Einnahmequelle seine- Berlages bildeten nicht so sehr die alldeutschen Schmöker, als die Herausgabe einer allgemein anerkannten-ärztlichen Fachzettung, der„Münchener Medizinischen Wochenschrift". Gerade au- diesem seinem medizinischen Bereich stieß er ja auch in die öde Steppe des Anttsemitismus und in die Niederungen deS Rassel' und Teutonenfimmels vor,. Aber ist das nicht eben ganz charakteristisch für die spezifisch deutsche Form des Fmgo- tumS?! Selbst für seine Laster hält der Deutsche die Systematisierung, wenn nicht gar die Metaphysik bereit. Kein Bttte witt> Gott oder auch nu» Vie Musen zu Hilfe rufen, wenn er sein „RHule the Wawes" begeistett deklamiett. Die Pariser Akademie der Unsterblichen ehrt den Humanisten und Kommunisten Anatol« France ebenso wie den Namen der Revanche Poincare. Im neudeutschen nattonalistischen Wesen, wirklich nicht erst seit Hitler geworden und gewachsen, verbündet sich aber der Himmel mit dem Froschteich, muß der liebe Gott preußische Feldwebeldienste leisten, ist auch di« Wissenschaft nur die Scheuerfrau jedweder noch so abscheulichen„nationalen"' Raison... Fast alle übrigen Offizinen des vorhikler- schen AlldeutschtumS im Reich— wenn man von einigen längst selig entschlafenen Berliner Tages- zcitungen absehen will— waren Winkelanqe- legenheiten und industrielle Obskuritäten l„Ham- mer"-Fritsch in Leipzig, Dinters antisemitische. Sudelküche in Thüringen(„Die Sünde wider das Blut!"), der„Fridettcus" in Hamburg, die jetzt von den Nazis aus Konkurrenzgründen verbotene Berliner„Wahrheit", die von Erpressungen an jüdischen Honoratioren förmlich lebte, erzeugten im allgemeinen Produfte, denen sich zwar nicht aus politischen, wohl aber aus Änstands- und Geruchsgttinden der„nationale" Durchschnittsdeutsche nur mit der Feuerzange näherte. L:h- manns Verlag dahingegen war hoffähig und gesellschaftlich anerkannt, vielleicht gerade wegen seiner Tarnung als ein pseudo-wissenschastlicher. Der allergrößte Einfluß ohne Zweifel in Richtung auf die Deformierung und Mißbildung der deutttMtf SBd WWW Vorstandssitzung des Internationalen Bundes der Privatangestellten in Genf Die diesjähttge Sitzung des Vorstandes des I. B. P. fand in Genf am 81. März und 1. April statt. Für die Tschechoslowakei war Gen. Karl Pacovsky aus Prag anwesend. Genosse Klein, der ebenfalls Vorstandsmitglied ist, konnte an der Beratung nicht teilnehmen. Im Geschäftsbericht ist an erster Stelle die ungemein rege Tätigkeit des internationalen Seketariats festzustellen. Die Verbindungen mit den Organisationen der einzelnen Länder werden intensiv gepflegt und wurden auch auf überseeische Gebiete erweitert. Die Tätigkett des Sekretariats hat durch die Ausscheidung der reichsdeutschen und österreichischen Gewerkschaften verhältnismäßig keinen Abbruch erlitten. Im Anschluß an diesen Bettcht beleuchteten die anwesenden Vorstandsmitglieder die sozialpolitisch« und wirtschaftliche Lage der Privatangestellten in den einzelnen Ländern. Das größte Interesse erweckten di« Berichte über Ungarn und Spanien.— Im Anschlüsse an den Geschäftsbericht wurden Referate über die Tätigkett der Fachgruppen Handelsangestellte, Bank- und BersicherungSangeftellte, Techniker und Werkmeister, schließlich der Geschäftsreisenden entgegengenommen und Angelegenheiten der kaufmännischen Jugend und der Arbeitslosen erörtett.— Es wurde beschlossen, für den Monat September Konferenzen aller Fachgruppen nach Paris einzuberufen. Im Zusammenhänge damit wurden in mehtttündiger Debatte die sozialpoli- ttschen und wirtschaftlichen Forderungen dieser Angestellten behandelt und daS Programm der Konferenzen festgelegt. Die Finanzlage des I. B. P. ist zufriedenstellend und wurde hiezu der vorgetragene Bericht genehmigt. Der Vorstand des I. B. P. trat hierauf in eine Diskusion über die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund ein. Es wurde festgestellt, daß di« Zusammenarbeit mit allen Berufsinternationalen klaglos vor sich geht. Mit dem Internationalen Ärbeitsamte bestehen ebenfalls gute Verbindungen. Die Bor-, standssitzung befaßte sich insbesondere mit den Vorbereitungen zur Sitzung des Angestelltenausschusses beim I. A. A., in welcher über den Schutz der kaufmännischen Jugend, die Rechtsstellung der Geschäftsreisenden und Vertreter, die Arbeitsbedingungen der Bankangestellten und die Zulassung fremdländischer Angestellter verhandelt wird. Die Borstandssitzung des I. B. P. wurde nach zweitägiger Dauer geschloffen. Zusammen- iassend kann behauptet werden, daß sich die Tätig« !eU der Angestellten-Jnternationale auf vorbildlicher Höhe bewegt und daß sie stets vettbeffert und erweitett wird. ES kann festgestellt werden, daß die Internationale einen großen Einfluß auf die Tätigkeit der angeschloffenen Verbände in den einzelnen Staaten auSübt und in dieser Richtung ihr« Aufgabe voll erfiillt. verlange! überall Dolhsziinder! Der Pflegevater des Dritten Reiches Zum Tode des Münchener Verlegers Julius Friedrich Lehmann Das kann man jetzt: denn ) jetzt sind die Eier am billigsten; jetzt muß man sie kaufen und einlegen. Mit Wasserglas ist das ja so einfach und billig: man braucht auf n e u n Teile Wasser nur ei« nen Teil Wasserglas. Sette S „Sozialdemokrat" Samstag, SO. April 1935. Nr. 94 PRAGER ZEITUNG Dar veruntreute Unschlitt. Bereits seit längerer Zeit beobachteten Detektive den 43jährigen, in Däblice wohnhaften Fan Karafiat, der aus den Prager Schlachthallen täglich größere Mengen Unschlitt rätselhaften Ursprungs nach Hause trug.' Als er sich' vorgestern am späten Abend vor einer Garage in Dahlie«, wo er den Unschlitt verstaut hatte, zu schaffen machte, wurde er verhaftet. Er gab an, bereits seit einem halben Jahr den Unschlitt im Winter zu 8 KL, im Sontmer zu 2.80 KL'pro Kilo von dem 30jährigen, in den Prager Schlachthallen beschäftigten Fleischer Josef Spalensky zu beziehen, lvas zur Festnahme auch des Spglensty führte. Dieser, der augenblicklich sei der Firma Zelenka beschäftigt ist, war geständig; beim Abhäuten von Tieren den unter Haut befindlichlichen Unschlitt für sich behalten zu haben. Da Spalensky, der im letzten halben Jahr« bei vier Firmen beschäftigt war, dies regelmäßig fortgesetzt hat, beläuft sich der angerichtete Schaden— nach den Angaben der Geschädigten — auf 28.000 KL. Radialer Bettler. Geitern vormittags wurde der 82jährige Martin Btezinsky aus Hrdlokez bei der Bettelei betreten. Als er aufs Polizeikommis- fariat vorgeführt werden sollte, zog Brezinsky plötzlich ein offenes Taschenmesser und stach nach dem Wachmann, der ihn führt«. Dieser wich dem Stoße aus und mit' Hilfe eines herbeigerufenen zweiten Polizisten gelang es ihm, Btezinsky, der stch wütend wehrt«,, das Messer zu entreißen. Der Vorfall hatte einen großen Menschenauflauf zur Folg«; die Passanten nahmen gegen den Bettler Partei. Dem angefallenen Wachmann war der linke Rockärmel durchschnitten worden; verletzt ist er nicht. Ausflugszüge. Am 1. Mai ein»Sonderzug mit Verpflegung und Führung nach, H l u b o k ä nad Vltavou zum Preise von 80 KL: in den Tagen vom 4 und 5. Mai in die Macocha und nach Brünn zum Preise von 190 KL. Anmeldungen für beide Züge nimmt das Aüsflugsreferat im Basar neben dem Wilsonbahnhof täglich von 8 bis 16 Uhr entgegen. Telephon 383.35. .freiwillige Zuwendungen" bzw. Darlehen gehandelt. Diesem Schema blieb mich der Herr Ohrada treu. Bei der Verhandlung kam freilich zutage, daß der Angeklagte, abgesehen von den vorgenannten Betrügereien sich noch durch volle zwei Jahre von seiner„Braut" erhalten ließ, welchen Schaden die Betrogene mit etwa 19.000 KL veranschlagt. Der Angeklagte wurde zu sechs Monaten schweren und verschärften Kerkers verurteilt, rb. Kunst und wissen Heute„Die Fledermaus" in der Reinhardt'- schen Neufassung. Festvorstellung zugunsten des Ferialfonds. Beginn halb 8 Uhr. Hauptpartien: Walter— Rosalinde, Rahn— Adele, Carpen- tier— Ida, Dörner— Eisenstein, Preger— Alfred, Götz— Frank, Schmerzenreich— Orlof- sky, Padlcsak— Falke, Taub— Blind, Dudek— Frosch. Inszenierung: Liebt, Dirigent: Rieger, Tänze: Aubrecht, Bühnenbild: Kotulan. 8 Bilder. Sämtliche 100 Kostüme nach den Originalfigurinen. Einlage: Das Hofopernballet beim Prinzen Orlofsth. Erste Vorstellung auf der neuen Drehbühne! Im großen Zwischenakt spielen die Wiener Philharmoniker über die neue Lautsprecheranlage die„Schöne blaue Donau." Abonnement aufgehoben. KL 6.— bis 64.—. Heute Shaw-Premiere im Rodt divadl». Heute abends bringt das„Nove divadlo" eine der, besten Komödien G. B. Shaw's:„S pravdou ven"(„Heraus mit der Wahrheit") zur Aufführung. Die Regie führt Ferdinand Hart. Wochenspielpla« des Neue» Deutsche« Theaters. Samstag halb 8: D i e F l e d e rmau s, Erstaufführung,(Festvorstellung zugunsten des' Ferialfonds) ohne Abonnement.— Sonntag halb 3: Das Land des Ä ä ch e l n s, halb 8: Die Prinzessinauf derLeiter, Gastspiel Felix B r e s s a r t, C 2,— Montag halb 3: Dasunbekannte Mädchen, halb 7: D i e Meistersinger v o n Nürnberg, Wagnerzyklus l, D 2.—Dienstag halb 8: Die K l e i n st ä d t e r, A 1.— Mittwoch 7: Lohengrin, Wagnerzhklus II, B 2.— Donnerstag halb 8: G l o r i u s, derWunder- komödiant, C2.— Freitag halb 8: Die Fledermaus, DI.— Samstag habb 8: DieFledermauS, AI.— Wochenspielpla« der Kleinen Bühne. Samstag 8 Uhr: Ich Habs getan, volkstümliche Vorstellung.— Sonntag 3 Uhr: Mädchen für a l l e s, halb 8: Ping Pong, Gastspiel Paul Morgan, Erstaufführung.— Montag 3 Uhr: Fremdenverkehr, 8 Uhr: Ping Pong. — Dienstag 8: Die große Katharina, Der Kam m e r s ä n g« r, Bankbeamte und freier Verkauf.— Mittwoch 8: P in g- P o n g. — Donnerstag 8: Ping-Pong.— Freitag 8 Uhr: Die große Katharina, Der K a m m e r s ä n g e r, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Ping- Pong,. Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisatton, Prag Dienstag, den 23. April 1935, um 8 Uhr abends HKlenarverfarnmwng Gerldilssaal Schwere Strafen für gewalttätige Störung einer fafcistifchen Wählerversammlung Prag. AM 1. Dezember v. I. fand in der Ortschaft C h a b r y bei Prag eine vom„N a r o d n i Sjednoceni" anläßlich der damals bevorstehenden Gemeindewahl veranstaltete Wählerversamm- lmrg statt, die ein böses Ende nahm. Es kam ztr blutigen Ausschreitungen, als sich di« politischen Gegner der fasciftischen Einberufer den Zutritt in den abgesperrten Saal zu erzwingen-suchten. Das gerichtliche Nachspiel hatte diese Affäre in einem dreitägigen Prozeß vor dem Senat des OGR P a z- d e r s k y, vor welchem sechs Angeklagte des Verbrechens des Hausfriedensbruches und der gefährliches Drohung angeklagt waren. Am Freitag erging das Urteil, durch welches die Angeklagten zu schweren Kerkorstrafen zwischen acht und I sünfzehn Monaten unbedingt verurteilt wurden. Die Angeklagten gehören zum Großteil der kommunistischen Partei an und sind zum Teil wegen gemeiner Delikte schwer vorbestraft. Wir w'llen hoffen, daß die Sicherheitsorgane auch in Fällen, in denen«S sich nicht um anti- fascisttsche Akttonen handelt, die gleiche Schlagfertigkeit beweisen. Wir werden jedenfalls Acht daraus haben! rb. Ei« Heiratsschwindler, der seiner „Braut" sogar das Hochzeitskleid herauslochte Prag. Di« Prozesse"wegen Heiratsschwindels zählen zum eisernen Bestand des Verhandlungs- progranunes der Strafgerichte und es besteht allem Anschein nach wenig Aussicht, daß die immer wieder auftauchenden abschreckenden Beispiele auch nur die mindeste heilsame Wirkung üben. Vevnunftgründe verwögen leider wenig, wenn es sich um Gefühlsangelegenheiten handelt und auf dieser Erfahrungstatsache bauen denn auch die Heiratsschwindler ihre betrügerischen Akttonen auf. Der 36jährige Kaufmann Andreas Ohrada ans Zi^kov hat sich dieses Rezeptes in skrupellosester Weise bedient. Durch Inserat in der„N a r o d n i Pol i t i k a" machte er die Bekanntschaft einer gewissen BoZena S.,.die er bewog, eine Lebensgemeinschaft mit ihm einzugehen unter der Vorspiegelung, daß er sie heiraten werde. Binnen zwei Monaten lockte er der allzu veotrauensseligen „Braut" ihre gesamten Ersparnisse im Betrage von 12.000 KL heraus. Als er dann merkte, daß bei ihr nichts mehr zu holen war, verwandele sich der zärtliche Liebhaber in einen brutalen Tyrannen ärgster Sorte. Er quälte und- mißhandelte die BoKenaS. in schwerster Art, um sich ihrer auf diesem Wege zu entledigen. Er ging soweit, daß er ihr sogar das vorbereitete Hochzeitskleid herauslockte, unter dem Vorwand, daß er es bei einer bekannten Schneiderin umarbeiten lassen wolle. Wie sich später herausstellte, verehrte er dieses Hochzeitskleid einer anderen„Braut", mit der er angeblich ernstlich in den heiligen Ehestand treten wollte. Burschen dieser Sorte pflegen: ihre Verteidigung auf die Behauptung zu gründen, es habe sich um Mitteilungen aus dem Publikum. Wie viele Eier brauchen Sie im ganzen Winter? Und wie teuer werden Sie sie bezahlen müssen? Beantworten Sie sich diese beiden Fragen und legen Sie jetzt Eier ein mit Wasserglas. Dann sparen Sir Geld und haben auch im Winter gute Eier. 2873 Zahl: 21.411.» Tagesordnung: Die Wahle« in die Rational«ersammlrurg ►>►>►> Das Lokal wird im Sonntagsblatt bekanntgegebe«! KKU Der Film Golgatha Auch wer den französischen Filmregisseur Julien D u v i v i e r, der durch die Entdeckung Harry Baurs(in„David Golder") und des Wunderknaben Robert Lynen(in„Poil de carotte") berühmt wurde, immer nur für einen guten Dürchschnittskön- ner gehalten hat, unvergleichbar mit Filmkünstlern wie Rene Clair und Jacques Feyder, wie Benoit- Levy und Renoir,— auch wer also Duvtvier.nie überschätzt hqt, wird sagen müssen, daß er mit diesem Golgatha-Film seine eigenen Fähigkeiten nicht gerecht geworden ist. Nicht geschmacklos genug, um die Legende des Evangeliums gleich den Amerikanern im protzigen Piloty-Stil zu verfilmen, nicht frei genug, um der Tragödie des ans Kreuz geschlagenen Erlösers einen menschlichen Inhalt zu geben, und nicht Künstler genug, um in Bildern Symbolisches zu gestalten, hat er im Sttl klassizistischer Historienmalerei mit einem erstaunlichen Massenaufwaich eine ebenso eindrucksarme wie überflüssige Nacherzählung einer allbekannten Geschichte zustandegebracht. Er hat keine Episode vergessen, den Judaskuß nicht und auch nicht den Hahnenschrei, er zeigt uns, wie Pilatus seine Hände in Unschuld wäscht und der Tempelvorhang in zwei Teile zerreißt. Er illustriert die ge- flügelten Worte der Paffionsgeschichte— und glaubt sie durch Volksgemurmel, Massenbewegungen, Rie- senkuliffen und eine(von Jacques Jbert gelieferte) zahm-atonale Musik beleben zu können. Für schauspielerische Entfaltung, ist im Rahmen dieses Films natürlich kein Platz. Immerhin kann man an der kurzen Szene, die der Herodes Harry Baurs mit seiner Ueberlegenhett erfüllt, und an den paar Auftritten Jean G a b i n s als Pilatus ermessen, wie sehr alle anderen selbst hinter den bescheidenen Möglichkeiten zurückbleiben, die auch hier noch vorhanden waren. Es muß die Frage gestellt werden, warum die Auswahl, die unsere Verleiher aus der französischen Filmproduktton treffen, so seltsam einseitig' ist. Während dieser mißlungene Dnvwier-Film bald nach seiner Entstehung zu uns gekommen ist, hat man uns Benoit-Levys„Jtto", Fehders„Pension Mimosas" und Renoirs„Toni" bis heute nicht gezeigt, obwohl sie älter sind.—7«is— Die Bachstelze Dieser neue tschechische Lustspielftlm, der vorerst in einer Matinee gezeigt wurde, hat seine Handlung angeblich einem(dem Berichterstatter unbekannten) Theaterstück„Cacorka" entnommen, dessen Witz darin zu bestehen scheint, daß sich jemand, der nicht malen kann, als Dialer ausgibt, und daß die vornehme Dmne, die er kennen lernt, die Tochter von Hausmeistersleuten ist. Das ist weder aufregend noch besonders'lustig,— und in der Verfilmung des Regisseurs Jan Svoboda hat diese Handlung auch nichts an Reiz hinzugewonnen. Auf eine recht einfältige Art ist. hier aus Waschküche, Atelier und Tanzcafe eine langweilige Szenenfolge gebaut worden, die weder durch das Gebell des im tschechischen Film populär gewordenen Wolfshundes Rek noch durch das ziellos verpuffende Temperament der Ljuba Hermannovä interessant wird,— von der„komischen" Figur einer Swtternden ganz zu schweigen. Das Gefälligste ist noch die anspruchslos glatte Begleitmusik von Josef Dobes.—eis— Greta Garbo als Susanne Lenox. Sport»Spiel• Körperpflege Arbeiter-Radrenne« Paris Roubaix 160 Rennfahrer über 240 Kilometer Der 14. April— der Tag des ersten Radrennens Paris—Roubaix— war nicht nur ein sthöner und großer Tag des französischen Arbeitersports, sondern auch eine imposante sozialistische Manifestation für den Sozialismus, für seine Presse, für die Verwirklichung seiner Ideale. 16 0 Arbeiter-Radfahrer haben sich trotz des erbärmlichem Wetters— es regnete in Strömen— einen harten Kampf um den Sieg über die, 2 40 Kilometer lange Strecke geliefert. In allen Orten hat eine zahlreiche und begeisterte Menge die Fahrer aufgemuntert und die„rote Karawane" des „Populaire"(unter deren Patronanz das Rennen vor sich ging) herzlichst akklamiert. In Roubaix erwarteten dreitzigtausend Menschen die Ankunft der Fahrer, die die Sieger mtt großer Begeisterung empfingen. Dem Sieger Decru wurde vom Genossen LebaS, Deputierter von Roubaix, ein Blümenstrauß und eine Medaille überreicht. Die „Internationale" beendete dieses erste große Radrennen der französischen Genossen- Das Ergebnis: 1. Decru(Lens) 8:19:03 Std.; 2. Wybon(Roubaix), 3 Längen hinter dem Sieger; 3. Castelin(Armentieres), 3 Minuten später; 4. Lefa.it(Lens) 2 Minuten später; 5. Macelak (Lens); 6. Duponchelle(Lysoire) usw. Der Sieger Decru fuhr mtt einer durchschnittlichen Stundengeschwindigkeit von 30,650 Kilometern. Brauner Vandalismus. Seitdem den Arbeitersportlern in Danzig die städtffchen Plätze entzogen sind, behelfen sie sich mtt dem Trohlplatz. AllsoNn- täglich löst dort ein Spiel das andere ab. Das hat die Gegner des Arbeitersports mächtig geärgert. Bor HILLOH, haben Sie nicht vergessen das Best; vom Besten mitzunehmen? kurzer Zeit berichteten wir, daß über Nacht Arbeiter- eigenttnn beschädigt worden war. In der Rächt zum Wahlsonntag hat man die To rpfosten durch- gesägt. Ein Tor schleppte man zirka 150 Meter weit an die Weichsel und warf es ins Wasser. Der gleichfalls frei auf dem Platz stehende Umkleideraum wurde aufgebrochen und das Inventar herausgeschleppt. Man hat auch versucht, die aus Holz erbaute Umkleidebude umzuwerfen, doch ist das den braunen RowdieS nicht gelungen. Französische Arbeiter-Leichtathletik In Pa r i S fand am vergangenen Sonntag ein reich beschicktes leichtathletisches Meeting der Arbeitersporüer statt, von welchem wir die wichtigsten Ergebnisse wiedergeben. Sportler: 80 Meter: Tetard(Courbe- voie) 9 Sek. 300 Meter: Te'tard 39 Sek. 4X30 Meter: SC Eft 29 Sek. 600 Meter: Coudreau(SC Eft) 1:22 Min. 2000 Meter: 1. Cnudde(Jvry) 6:22 Min. 110 Meter Hürden: Tremelet(Est) 19 Sek. Diskus: Le Dourain 32.68 Meter. Kugel: 19 Sek. Diskus: Le Douarin(Levallrns) 82.68 Meter. Kugel: Le Douarin 10.72 Meter. Weitsprung: Tremelet 6 Meter. Hochsprung: Savard (COP) 1.50 Meter.— Sportlerinnen: 50 Meter: Francois(Montreuil) 8 Sek. Kugel: Biro- lini(Levallois) 8.92 Meter. 200 Meter: Birot (Jvry) 29 Sek. Hochsprung: Birot 1.40 Meter. 60 Meter: Birot 8 Sek. Weiffprung: Birot 4.58 Meter. 4X60 Meter: COP 37 Sek. 500 Meter: Birolini 1:34 Min. Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Kuß im Schnee." Käthe Walter, Rodenberg, Taub, Wanka. Premiere der deutschen Fassung. Adria:„Golgatha."— Fr. Alfa: „Der Held einer Nacht." Vlasta Burian.— Tsch. Avion:„Golgatha." Jug. ftei.— Fr. Fenix: „Ein Kind fällt vom Himmel." M. Chevalier.— Fr. Flora:„Im Zeichen des Kreuzes."— A. Hollywood:„Barbara rast..." Nedosinfkä.— Tsch. Hvkzda: Micky-Prögramm. W. Disneys färb. Grotesken.„Silly Symphonies" und Micky-Mouse- Borstellung, halb 8. halb 5, halb 7, halb 9 Uhr. Kinema, B-Th.: Journale, Grot., Report. Koruna: „Der König d. Dschungel." Buster Crabbe.— A. Kotva:„Suzanne Lenox." Garbo.— A. Lu- rernnr.„Susanne Lenox" Gr. Garbo,— A. Öltzmpic:„Eva oder Peter?" Franziska Gaal.— D. Praha:„Der Held der Prärie."— A.-Tsch. Tkaut:„Im Zeichen des Kreuzes."— A. Sotto- zor:„Battbara rast..." Nedosinfkä.—- Tsch. Alma:„Der geheimnisvolle Fall Dover—Calais." — D. Laurel und Hardy:„Die Kammerzofe-des Gnädigen Herrn." Baikal: ,Mrß im Schnee." Heimischer Film. Belvedere: ,Lm Zeichen des Kreuzes."— A. Befeda:„Der rote Pimpernell."— E. Favorit:„Die ganze Welt lacht." Jugend zugänglich.— R. Konvikt:„Im Zeichen des Kreuzes."— A. Lido II.:„Menschen im Hotel." G. Garbo. I. Barrymore. Rory:„D i e ganze Welt lacht."— R. Sport Smichov:„Wol- k e n st ü r m e r." Amerikan. Großfilm. Baldek: „Die ganze Welt lacht."— R. Reich und schön blühen auch Ihre Blumen, wenn Sie zu ihrer Pflege UMeil'SMerdviik verwenden. 1 Paket KL 5.60, durch die Verwaltung der„Frauenwelt", Prag XII, Fochova tr. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich. wo Word« ich heuer mit iornia Geld meinen llrloMb aut und Noeckmähia derbrin- aent Wer diese Frage gluck- iich lösen will, lasse sich von der Ortsarupve Karlsbad des T.-B.„Die Naturfreunde" in Karlsbad, Nantstrahe. einen Prospekt der Karlsbader Na» turfreundehwte in der idyllischen Sommersrische Reu- hämmer im Erzaeblrae schicken. 2988 Pistyan: 2871 Wen RHEUMA plagt, der nütze den Frühling zu einer Thermalkur in Pistyan. Ermässigter Pauschaltarif: Pistyan- büro, Praha L, PHkopy(Öedok) OPTIK u. FOTO DEUTSCH PHkopy DrehMnke, Fräsmaschinen, Horizontal*Bohr- und Fräswerke, Radialbohrmaschinen, Shaplng- und Hobelmaschinen sowie Universalspannfutter für höchste Leistung in modernster Ausführung erzeugt: Werkzeugmaschinenfabrik Arno Plauert Warnsdorf, CSU. 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