Einzelpreis 70 Heller (oimchlioBlich 5 Halte Porto) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii..fochova«2. telefon 53077. HERAUSGEBER 1 SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS. PRAG. UNTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 15. Jahrgang Freitag, 26. April 1935 Nr. 98 Westböhmen fertigt die Henlelnterrorlsten ab Blutiger Kampf in Neudek am am und starker Bluterguß Blutbeulen am Schienbeinschlag, blutige Zusammenstöße In Neusattel Die anwesende Gendarmerie erklärte den Arbeitern» daß die Versammlung mit Rücksicht auf diese Vorfälle nicht stattfinde, man konnte aber von draußen an dem Beifall hören» daß die SHF- Brrsammlung doch weitergeführt wurde, obwohl auch unsere draußenstrhcndcn Genossen angriffen, setzten sich diese mit allem» was gerade zur Hand war» zur Wehr. Zaunlatten und Ziegelsteine wurden als Waffen benützt. Es entwickelte sich ein mörderischer Kampf» bei dem es zahlreiche Verletzte gab. Ihre genaue Zahl läßt sich nicht festlegen. Bon den Henleinordnern wurden vier ins Spital nach Elbogen eingelicfcrt, darunter einer mit einem Armbruch und ein zweiter mit einer erheblichen Verletzung am Kopfe. gene Henleingardisten» wie schon die W 0 h»- orte beweisen) verletzt: Ullmann Edmund, Neuhammer, starker Steinschlag am linken Unterschenkel. Fehl e r Lech Karlsbad, mehrere Kopfwunden und Handverlehungen. N ö ck l Alfred, E i b e n b e r g, Nasenbeinver- lehung. S ch ö d l Ernst, Dierbach, größere Kopfverletzung. Grimm Josef, Neudek, Schienbeinverletzung. Stadler Karl, Karlsbad, Backen- und Kopfverletzungen., Muck. Neuhammcr, schwer verletzt, Rippenbrüche(in Spitalspflege). RingelHahn Rudolf, Silberbach, Kopf- und Augenverlehungen. Die„Frankfurter Zeitung" macht einen interessanten Vorstoß, indem sie die Frage aufwirft, ob man nicht die Vertrauensratswahlen von den allgemeinen Parolen über die Staatspolitik etwas „distanzieren" solle. Für sehr populär scheint man sie also nicht zu halten. Das bedeutet doch nicht mehr und nicht weniger, als daß man in den Betrieben nicht so nationalsozialistisch auftreten soll wie anderwärts. Hier liegt ein wertvolles Eingeständnis. Man soll die Verhältnisse im Betrieb mehr in den Vordergrund stellen. Die Arbeiter sollen sich weniger zu der politischen Einstellung der zck Wählenden als zu deren Person äußern. Dieser Rückzug läßt auf große Unsicherheit schließen. Sehr energisch wendet sich das Blatt aber gegen das Experiment, das zwei BStriebsführer rm Westen unternahmen, die gleichzeitig darüber ab-' stimmen ließen, ob sie das Vertrauen der Gefolgschaft besäßen. Die Wahl'des Betriebsführers fei ausschließlich Sache des Unternehmers. Ein solcher Versuch widerspreche der deutschen Arbeitsverfassung und. sei ein Rückfall in parlamentarische Bräuche. Karlsbad.(E. B.) Mit einer großen Anzahl g em i e t e t r r O rdn e r, denen man auf den ersten Blick ansah, daß sie für kärglichen Sold in die Dienste der Kapitalisten getreten sind, traf Rudolf Sandner Donnerstag mittags in Neudek ein. Die Garden hatte er aus der nahen »nd weiteren Umgebung» aus G r a s l i tz, Karlsbad» selbst bis aus Bucha-: und sogar aus Marienbad mitgebracht. Schon um 1 Uhr mittags versammelten sich diese fragwürdigen Figuren in der Turnhalle» von wo sie ober über behördlichen Auftrag von der Polizei wieder entfernt wurden, dir sie nach Waffen durch- sachte. & Unterdessen hatten sich vor der Turnhalle Arbeiter in großer Zahl, vor allem So- ßialdemokraten, angrsammelt, die wegen der vor- "ngegangencn Ereignisse in Neusattcl in großer Erregung waren. Als plötzlich rin Gewitter losbrach, suchten die Wartenden in der Turnhalle Tchntz. In diesem Augenblick begannen die Henlein-Ordner plötzlich ohne jeden Grund mit Zaunlatten, Stöcken, Eisenstücken und anderen Waffen auf die Arbeiter einzu- sch l a g e n, die sich das selbstverständlich nicht gefallen ließen. So entwickelte sich eine große T ch l ä g e r e i, in der es eure bis jetzt nicht sicher festzustellende Zahl von Verletzten gab und der erst hie Gendarmerie ein Ende machte. Ueber die Teilnahme der Arbeiter an der Versammlung wurden Verhandlungen geführt» die damit endeten, daß die Gendarmereie zunächst immer je 20 Henleinordner und Reudekcr Arbeiter passieren ließ» bis der Saal gefüllt«ar und gtsperrt werden mußte. Alle Besucher wurden nach Waffen durchsucht. Ueber Einwirkung des Regierungsvertrrters gab sich S a n d- n er mit einer halbenStundeRrdezeit Zufrieden und sicherte dem Genossen Katz und dem Kommunisten R u st ebenfalls je eine halbe Stunde zu. Außerdem versprach er den Ge- genrrdnern auch ein Schlußwort. Sandner sprach sehr provozierend und versuchte seine Redezeit zu überschreiten. Als schließlich doch Genosse K a tz zu Borte kam, erhoben die Nazi— etwa rin Ttz it- tel der ganzen Bersammlnng— ei« so wüstes Geschrei, Pfeifen und Johlen» daß Katz sich nicht vernehmbar- machen konnte. Er forderte Sandner auf, sein Wort zu halten, worauf dieser höhnisch antwortete:»Das sällt mir nicht ein". Genosse Katz rief ihm daraufhin zu:„S irsindein Schuf t!" Nunmehr erklärte der Rcgierungsvertretrr die Versammlung für aufgelöst. Die Arbeiter hatten sich überzeugt, daß eine sachliche Diskussion mit den Wortbrüchige» nicht möglich sei und zogen Arm Bolkshaus» wo Genosse Katz eine durch Lautsprecher übertragene Rede hielt, in der er die bübische Kampfeswrise der Henleinleute brandmarkte. In Neudek herrscht Lier die Methoden der SHF ungeheure Erregung. Rach polizeilichen Fcst- sicllungen wurden folgende Leute(meist grdun- K a r l s b a d.(Eigenbericht.) Für Mitt woch abend hatten die Henleinnazi nach Reusattel bei Elbogen eine Wählcrversammlung einbrrufen, zu der sie ihren ganzen Heerbann aus dem Bezirk aufgeboten hatten. Gegen 200 Arbeiter, die nicht wußtcn, ob es sich um eine 8-2- oder um eine öffentliche Versammlung handle, gingen ebenfalls hin und warteten vor dem Versammlungslokal. Sie schickten eine Deputation in den Saal, um zu fragen, ob sie Zutritt hätten. Das wurde bejaht. Als aber die ersten Arbciter sich anschickten in das Lokal zn gehen, wurden sie noch dranßen auf dem Gange von Henleinordnern überfallen und mit Stuhlbeinen und anderen Gegenständen blu tig geschlagen. Den Angegriffenen blieb nichts anderes übrig, als dem Terror zn weichen. Als die Henleinordner jedoch nachdrängtcn und| drinnen auf den Tischen Verletzte lagen. Vettere 6!eicttscttattuns Her presse Im Httferrelch Berlin. Durch Verordnung der Reichs- Preffekammer wurde die Ausgabe aller jener Zeitschriften verboten, die„S onderinteressen vertreten" oder anderen Organi- sationen als der NSDAP angehören. Kein Preßorgan darf künftighin auf der Basis einer Aktiengesellschaft begründet sei«. Die Herausgeber und Inhaber jct Zeitungen müssen den Beweis erbringen, daß ihre Vorfahren und die ihrer Frauen bis zum Jahre 1.800 arischen Ursprungs sind. Die Verordnung seht auch die Einstellung von Kirchenblättern fest. Sie wird zur Folge haben, daß viele bürgerliche Zeitschriften ringrhen werde». Vie Wahrheit über die Vertrauensrätewablen Wie man Siegesmeldungen fabriziert Berlin,(AP.) Die Opposition hat auch bei diesen Vertrauensrätewahlen ihre Opposition je nach Lage auf zwiefache Weise zum Ausdruck ge bracht, entweder durch Stimmenthaltung oder durch Neinstimmen. Die Nationalsozialisten ha ben bei der Bekanntgabe der Resultate eine ver schiedene Taktik angewandt. Wo die Arbeiter überwiegend sich der Stimme enthielten, also nur ein kleiner Teil seine Opposition durch eine Nein stimme bekundete, brachten sie Prozentzahlen, z. B. Bochumer Verein 93 Prozent Ja, Krupp 90 Pro zent Ja. Dadurch wird der Eindruck erweckt, als betrage die Opposition nur 7 bzw. 10 Prozent. Das ist ein plumpes Roßtäuscherkunststück, und zwar deshalb, weil diese Prozentzahlen lediglich von den abgegebenen Stimmen errech net wurden! Die Mehrzahl der Oppositionellen aber enthielt sich in diesen Fällen der Stimme, nur wenige brachten ihre Opposition auf andere Weise zum Ausdruck. Dieser Umstand wurde aus genützt, um eine kleine Opposition vorzutäuschen. In Wahrheit hätte natürlich der Prozentsatz von der Zahl der Stimmberechtigten überhaupt genom men werden müssen. In anderen Fällen werden die Neinstimmen gegenübergestellt, aber gleichfalls die ungültigen Stimmen und erst recht nicht die Stimmenthaltungen mitgeteilt,' so daß wiederum die faktische Opposition nicht ersichtlich ist. Denn! gerade bei den Rüstungsbetrieben weiß man ja nicht mehr von früher her die Belegschaftsziffern. Wenn also bei den L e u n a w e r k e n z. B. die Zahl, der Neinstimmen die Hätte der Jastimmen, also ein Drittel der abgegebenen Stimmen be trägt, so kann man erst, ermessen, wie groß, einschließlich der Stimmenthaltungen, die Oppo- R i p p I Julius, Fischern, starker Knirscheibenschlag. Schmidt, N e u d ek, Nasenbeinschlag. Kraus Franz, Aich, starker Steinschlag Oberschenkel. Hasel Josef, Silberbach, StiHvunde linken Auge. Rohm Albin, Graslitz, Brustverlehung. Rippenbruch. Löffler Heinrich, Neudek, Kopfverletzung. Fischer Anton, Graslitz, im rechten Knie. K r 0 h Adalbert, Graslitz, Kopf. K ö h l er Johann, Graslitz, blutunterlaufen. Lehrer Ernst, F r ü h b u tz, Kcpsverlchung. Ullmann Eduard' Neuhammer, Wangenverletzung. Außer den hier genannten, der SHF ange- hörenden Verletzten, wurden eine Anzahl von unseren Genossen aus Neudek verletzt. Die beiden blutigen Kampfe in Neusattel und Neudek beweisen, daß die Zulassung saseistischer Parteien und ihrer bezahlten Söldner zu einem demokratischen Wahlkampf zudenschwerstenFolgenführt, daß sich die Arbeiterschaft selbstverständlich die Terrorisierung durch fasci- stische Rollkommandos nirgends gefallen läßt. Vie Arbeiter trotzen dem SHF-Terror sition gewesen sein muß, möglicherweise über 5 0 Prozent, so daß, die Ergebnisse für die NSDAP noch ungünstiger sind als im vorigen Jahre. Kommt noch hinzu, daß man hier auch aus den Zahlen selbst etwas herauslesen kann. Denn das Leunawerk hat ja viel mehr als 15.600 Arbeiter. Sehr kleinlaut ist übrigens von nationalsozialistischer Seite selbst zugegeben worden, daß im Beuthener Bezirk die Zahl der Jastimmen nur 52, im Bezirk Hindenburg(Oberschlesien) nur 57,8 Prozent betragen habe. Vie Reifeprüfung“ der sudetendcutsdien So sind wir also mitten drin in der gottgesegneten Ausbruchszeit der sudetendeutschen »Volksgemeinschaft". Unser Bürgertum hat sein monotones Wehklagen über die schlechten Zellen unterbrochen und jauchzt seinem neuen Führer zu, der zwar nicht von Gott gesandt, aber dafür von Hitlers Geist erleuchtet ist. Ganze Autoprozessic- nen begleiten Henlein auf seinen Versammlungsreisen.. Tie wackeren Kleinuntcrnehmcr unser:r Provinzstädte unterbrechen bereitwillig ihren.zähen Kampf gegen die Vierzigstundenwoche und machen früher Betriebsschluß, damit ihre Arbeiter den Genuß einer Henleinrede nicht versäumen. Wenn in vorgerückter Stunde die feuchtfröhliche Stimmung am heimatlichen Stammtisch ihren Höhepunkt erreicht, haut der Herr Fabrikant noch einen Tausender für den Wahlfonds der SHF auf di: Tischplatte. Das geschieht angesichts des Massenelends hunderttausender arbeitsloser Volksgenossen, das ist die Begleitmusik zum völkischen Tagwerk des Lohnabbaus, der Betriebsstillegungen und gelegentlicher Verbrüderungen mit Herrn Generaldirektor Prciß von der Zivnostenskä banka. Mit den üblichen Mitteln der fascistischen Regie und des Untcrnehmerterrors soll, die arbeitende Bevölkerung in einen Zustand nationalistischer Besoffenheit verletzt werden, damit sie ein geeignetes Versuchsobjekt für machtgierige Beutepolitiker und Abenteurer abgibt. Mit ähnlichen und gleichen Methoden ist das sudetendcutsche Volk 1911 und 1914 besoffen gemacht worden. Mit Hoch- und Heilgebrüll ist es in den Abgrund d:s Krieges und der Katastrophe getaumelt. Diesmal aber haben es die völkischen Abenteurer schwerer, ans Ziel zu gelangen. Denn die Trümmer, die von den Katastrophen des sudeten- deutschen Nationalismus zurückgeblieben sind, wirken als Warnungszeichen. Zwischen dem völkischen Rummel, den ein K. ,H. Wolf inszeniert hat und der Barnumkomödie selbsternannter SHF- Größen liegen drei Jahrzehnte schwerster Lehr- und Leidenszeit. Ihre Spuren sind allenthalben sichtbar und sie sind sief eingegraben in die Erinnerung unserer werktätigen Menschen. Diesmal geht es härt ä""u f ch a tl? Dich sozialistische Arbeiterschaft ist entschlossen, den Katastrophenpolitikern den Weg zu verlegen wird ihnen nicht gelingen, sich auf. Schleichwege^ zu ihren,fascistischen Zielen durchzupäschcn.' Mv dem Tribunal des Volkes müssen sie Reds-md Antwort stehen.,■-•? ß j l Unser Parteivorsitzender Dr. Luditssg'(?Me,'ch hat in seiner Rede auf der Prager Parteikönfer-nz die politischen Grundfragen. dieses Wahlkampre- im deutschen Lager aufgerollt. Er hat die Sudetendeutschen vor die Frage gestellt, ob sie als ein schwer bedrängtes Minderheitsvolk mit ihr m Schicksal hasardieren wollen. Wollen sie weiter ein Faktor der Staatspolitik bleiben oder sich selbst' ausschalten?— das ist die Frage, vor der die Wähler gestellt sind. Der Feldzug der Henlein «nd Sandner wird in Wahrheit gegen die dcupche Mitregierung im Staate geführt. Mit ihrer Zwie- spä-^gkeit und mit ihrem politischen Doppel'viel werden, sie die Funktion,.die bisher die deutschen aktivistischen Parteien innerhalb der Regierung auSübten, niemals ersetzen können. Man kann nicht gleichzeitig in den deutschen Gebieten den Hakenkreuzwählern nach dem Munde reden, alle Register der fascistischen Volksverhetzung ziehen und in Prag als regierungsfähiger Demokrat gelten. Die kindische Vorstellung, daß man sich mit dem trojanischen Pferd, geheuchelter Loyalitätserklärungen in die Staatsmacht einschmuggeln könnte,, wird früher erledigt. sein, als so mancher denkt. Somit könnte ein größerer Wahlerfölg der Heimatfront bestenfalls eine Unterbrechung der deutschen Mitarbeit im Staate erzielen und zu« gleich' die schwerste Gefährdung zehntauscnder deutscher Existenzen, die unmittelbar oder mittelbar im Einflußbereich des Staates liegen. Für uns wäre es ein schivacher Trost, daß dann auch unsere bürgerliche Oeffentlichkeit eine Lektion empfangen würde» was durch die Regierungsüe- teiligung deutscher Parteien in nationalen Dingen gerettet, aufrechterhalten oder abgewehrt werden konnte. Den nationalen Schreiern kommt es ja SekteS Freitag, 26. April 1935 «r. 88 Einwendungen Deutschlands beantwortet Paris. Der römische Korrespondent der Agentur Havas meldet über die fünf deutschen Einwendungen gegen den Donaupakt und über die Erwiderung Italiens auf diese Einwendungen: 1. Die Frage Deutschlands, warum nicht auch die Schweiz zu dieser Konferenz geladen wurde, beantwortet Italien mit dem Hinweis auf die Neutralität der Schweiz. Die Abwesenheit Englands erklärt Italien damit, daß Groß-Bri- tannien auf dem Kontinent keine über seine auö dem Vertrag von Locarno hinausgehenden Verpflichtungen übernehmen wolle. 2. Auf die Frage Deutschlands, ob der französisch-italienische Konsultativpakt über die Unabhängigkeit Oesterreichs, der in London abgeschlossen wurde, auch nach Abschluß deSDonau- paktes in Kraft bleiben werde, erwidert- Italien, daß dieser Konsultativpakt der drei Großmächte seine Geltung verlieren wird, bis alle interessierten Staaten der Konvention über die Nichteinmischung in die innere Politik beitreten werden. 8. Die Frage Deutschlands, ob sich die Nichteinmischungskonvention auf die Definition und auf die daraus erfließenden Verpflichtungen be schränken, oder aber noch durch gegenseitige Hilfspakte ergänzt werden wird, antwortet Italien, daß der Abschluß derartiger Pakte der freien Entscheidung eines jeden der interessierten Staaten anheim gestellt werden wird. 4. Zu dem Begriff der Nichteinmischung hat Italien eine dahingehende Aufklärung erteilt, daß sich die Signatarstaaten verpflichten werden, keine Agitation oder Propaganda zu dulden oder selbst zu betreiben, welche die territoriale Integrität und das politische, bzw. soziale Regime eines Vertragsstaates bedrohen würde. 8. Auf die Frage Deutschlands, welche Rolle der Völkerbund bei der Anwendung des Donaupaktes spielen werde, erteilt Italien die Antwort, daß diese Rolle durch den Völkerbundpakt bestimmt und abgesteckt ist. Deutschland hat sich, wie es heißt, über die Beantwortung der ersten drei Fragen befriedigend geäußert, aber gegen die Beantwortung der beiden letzten Fragen neue Einwendungen erhoben. Diese Einwendungen überbrachte der deutsche Botschafter von Hassel dem Ministerpräsidenten Mussolini. Der Balkan In Unruhe Stemtsl.(AB.) Die türkische Presse fordert immer Mrmischer die Militarisierung der Dardanellen. Dwbei wird erklärt, solange Bulgarien nur 20.000 Mann gehabt habe, seien die Dardanellen nicht in Gefahr gewesen. Bei einer Wiederaufrüstung aber sei Bulgarien imstande, 600.000 Mann aufzustellen. Dann aber verlören di« Bestimmungen deS Lausanner Vertrage» ihren Sinn. Die Blätter wenden sich sehr schm^ gege»England, von woher bekanntlich der schärfste Widerspruch gegen die türkischen Forderungen kommt. Die Türkei sei gezwungen, unverzüglich die Militarisierung der Dardanellen und Ostthraziens vorzunehmen, falls Bulgarien «in« Aufrüstung zugestanden würde. Bedeutungsvoll ist, daß die g r i e ch i sch e Presse hier auf der Seite der Türkei steht. Es wird erklärt, daß durch eine AufrüMng Bulgariens auch griechisches Gebiet(Mazedonien und West-Thrazien) bedroht sei und daß man der bulgarischen AufrüMng nur zustimmen, könne, wen» Bulgarien sich endlich dem Balkanbund anschließe und damit den territorialen Status quo auf dem Balkan erneut feierlich anerkenn«. schließlich doch nur darauf an, einen möglichst großen Scherbenhaufen anzurichten. E» fällt un» nicht ein, ihnen dafür freie Hand zu geben und nachher die Scherben wieder aufzuräumen. Darum konnte Genosse Dr. Czech, gestützt auf die eindrucksvolle Solidaritätskundgebung der Koal.- tionSparteien, erklären, daß die deutsche Sozialdemokratie ihre verantwortungsbewußte Arbeit unbeirrt fortsetzen wird. Sie ist und bleibt ein fester Bestandteil des demokratisch-republikanische.i Lagers. Wer sie ausschälten oder vernicht:» wollt«, müßte zuerst eine fascistische Gewaltherrschaft in der Tschechoslowakei aufrichten. Dazu haben die Herren Stkibrny und P r« i tz keine Aussichten, am allerivenigsten jedoch die Henlein und Sebekowsky. Die Heimar- frent hat weder einen Weg zur demokratischen, noch zur faseistischen Gewaltausübung vor sich. Nur ein« einzige Funktion könnte sie erfüllen: eine Karte in der Kriegsvorbeteitung Hitlerdeutsck- lands zu sein. Ohne Krieg könnte Hitler seinen sudetendeutschen Trabanten allerdings so wenig helfen, wie den Deutschen in Polen, Ungarn oder Südtirol. Im Kriegsfälle schließlich bestünde seine Hilfe freilich in den sehr konkreten Wirkungen der deutschen Zerstörungswaffen aus dem grenzdeutschen Heimatboden. Keine ernste Erwägung kann daher die Feststellung Dr. Czech» entkräften, daß im innerpolitischen Kräftespiel jede deutsche Stimme für Henlein eine verlorene Stimme bedeutet. Solche Stjmmen wären ein leerer Protest, wie jene Million Stimmzettel, die seinerzeit fü" die KPC abgegeben wurden und von denen man vergeblich auch nur die Spur einer politischen Wirkung suchen wird. Außenpolitisch sind die Stimmen für die SHI keineswegs verloren, sondern sie fallen verhängnisvoll für die Verschärfung der Kriegsgefahr ins Gewicht. Mag sein, daß diese Aussicht die verblendete Razijugend nicht schreckt. Sie soll aber nicht mit dem Feuer spielen, sonst könnte sie einer Tages erfahren, wie ein wirklicher Krieg aussieht. Dieser Mahlgang ist di« wahre Reifeprüfung d,es Sudetendeutschtums. Er ist mehr. Er ist vielleicht die letzte Gelegenheit, die ihm di« Geschichte darbietet, zwischen Ausstieg od-r Untergang zu wählen! Für weitere aktive Politik der Deutschen Mahnwort eines bürgerlichen Blattes Bemerkenswert ist der Kommentar, mit , welchem der.Prager Mittag" di« Rede begleitet, die Minister Dr. Czech auf der Konferenz der deutschen Sozialdemokratie am Dienstag gehalten hat. Das Blatt schreibt: Obwohl uns nur noch etwas mehr als drei Wochen von den bevorstehenden Parlamentswahlen trennen, herrscht im Lager der deutschbürgerlichen Parteien noch immer die gleiche Verwirrung und Unklarheit wie in der ganzen letzten Zeit. Niemand weiß, was mit den kleinen Parteien geschehen wird, die— bei selbständigem Vorgehen — keine Aussicht haben, mit Erfolg zu kandidieren. Verhandlungen zwischen Deutschdemokratrn und Bund der Landwirte haben sich, wie man heute hört, zerschlagen, ebenso Verhandlungen zwischen der deutschen Gewerbepartei und den Ungarn. Aber— es wird weiterverhandelt, obwohl es doch eigentlich schon höchste Zeit wäre, an den Wähler heranzutreten. Angesichts dieser Verwirrung im bürgerlichen Lager und der fortdauerndes Ungxwißhclt darüber,'öb es überhaupt eine bürgerliche Linkspartei, eine bedingungslos freiheitliche, demokratische, Henlein» Heimatfront ablehnende bürgerliche Partei geben wird, gewinnt der Wahlaufruf und di« Wahlkampfrede des Ministers Czech auf der deutsch-sozialdemokratischen Parteikonferenz erhöhte Bedeutung auch für die bürgerlichen Wähler. Denn fS ist vor allem ein Gesichtspunkt, den der Wahlaufruf und die Rede des Ministers in den Vordergrund stellen: Der Gesichtspunkt, daß eine aktive RegierungS- beteiligungderDeutschenauchnach den Wahlen möglich sein müsse und daß eS darauf ankomme, so zu wählen, daß nicht in Zukunft die sogenannte deutsche Totalität di« von Kramak und Stkibrnh bereits ausgerufen». tschechisch-nationalistisch« Totalität und damit daS Ende der deutschen Regierungsbeteiligung zur Folge habe. Um den Mittelstandsblock Noch keine Entscheidung Prag. In den letzten Tagen haben in Prag verschiedene Verhandlungen zwischen den kleinen deutschen. Parteien und Gruppen stattgefunden, deren Zusammenschluß zu einem Mittel- standsblock erwogen wird« Dieser Block könnte nur dann in die Wahlen gehen, wenn die Wahlgemeiiischaft der ungarischen Nationalpartei und der ungarischen Christlichsozialen ihn auf einer gemeinsamen Kandidatenliste mitnimmt und ihm im zweiten Skrutinium die Mandate zuweist, die den in den historischen Ländern aufgebrachten Stimmen entsprechen. Als Teilhaber dieses Mittelstandsblocks kommen die Hanreichgruppe, dir Gewerbepartei, die ihren Bestand immer noch auf 80.000 Stimmen schätzt, die Reste der Deutschnationalen, soweit sie nicht schon bei der SHF sind, die Partei des Simon Stark und die Schuldnerpartei in Betracht, die sich kürzlich der Oeffent- lichkeit durch eine kostspielige Reklame im„Prager Montagsblatt" vorgestellt hat. Wie wir erfahren, haben die ungarischen Christlichsozialen bereits ihre grundsätzliche Zustimmung zu dem Wahlbündnis gegeben; sie stellen aber weiterhin die Bedingung, daß di« deutschdemokratische Freiheits- Partei aus diesem Block-aus- geschaltet bleibt. Die Verhandlungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen, da man zunächst die Entscheidung der Regierung hinsichtlich der Wiederzulassnng der deutschnationalen Paxtei abwarten will. Am Freitag findet vor dem Ministerrat u. a. eine Beratung der politischen Minister statt, die sich damit befassen soll. Wichtige Fristen für die Wahlen in die Bezirks- und Landesvertretunsen 1. Am 28. April(vier Wochen vor dem Wahltag) werden die Wahlen im Landesverordnungsblatt oder Amtsblatt ausgeschrieben. 2. Am 1. Mai wird die Verlautbarung über die Wahlausschreibung in den Gemeinden ausgc- hangt und werden die ständigen Wählerverzeichnisse aufgelegt. 3. Am 5. Mai um 12 Uhr mittag» endet die Frist zur Einreichung der Kandidatenlisten. Der Vorsitzende der Landes«, bezw. Bezirkswahlkom- mision beruft eine Sitzung wegen des Verfahren» zur Richtigstellung der Kandidatenlisten ein. 4. Spätestens am 10. Mai ist die Sitzung der Landes-, bezw. Bezirkswahlkommiffionen abzuhalten. 8. Längstens bis zum 11. Mai können die Parteien der politischen Behörde die Vertreter ihrer Partei und die Ersatzmänner in der Distriktswahlkommission nominieren. Längstens um 12 Uhr mittags des 11. Mai muß die Verhandlung der Landes-, bezw. der Bezirkswahlkommissionen beendet sein. 6. Spätestens am 12. Mai ist die Koppelung der Kandidatenlisten aNzumelden, worauf sie der Vorsitzende der Landes-, bezw. der Bezirkswahl« kommission verlautbart. 7. Spätestens am 17. Mai ist die Vorkehrung nach 8 73 der Wahlordnung und 88 8 und 7 der Regierungsverordnung 67/1827 zu treffen. 8. Spätestens am 18. Mai hat die Wahlkundmachung zu erfolgen. 9. Spätestens am 20. Mai find die Wählerlisten wieder. aufzulegen. 10. Spätestens am 21. Mai kann eine Kandidatur mit Wirkung nach 8 28, Abs. 1, der Wahlordnung widerrufen werden. Dieser Widerruf ist vom Vorsitzenden der Wahlkommiffion kundzumachen. Ein Widerruf einer Kandidatur nach diesem Tage hat nur zur Folge, daß der Kandidat beim Skrutinium nicht berücksichtigt wird. 1 11. Bis zum 23. Mai sind den Wählern die Kandidatenlisten und die Legitimationen zuzustellen. 12. Am 26. Mai erfolgen die Wahlen. 13. Am 28. Mai treten die Landes, bezw. Bezirkswahlkommiffionen zur Vornahme de» Skrutiniums zusammen. Die Eisenbahn weiter«in Sorgenkind. Am Donnerstag fand in Prag eine Plenartagung des Zentraleisenbahnrates statt, in der Sektionschef Dr. R j h a in Vertretung des verhinderten Eisenbahnministers ein Referat über die heutige Situation der Staatsbahnen erstattete. Dr. Riha betonte hiÄei, daß die wirtschaftliche Situation der Bahnen ständig Gegen st a Md ernster Sorge ist. Die Entwicklung des Eisenbahnverkehrs verläuft keineswegs in einer gerade« Linie, sondern unter kleineren Schwankungen, welche zeigen, daß sich eine wesentliche Besserung der Betriebsergebnisse nur sehr langsam einstellt und daß namentlich die verschiedenen Anläufe zu einer Verstärkung des Verkehrs nicht die erforderliche Beständigkeit haben. Im Jahre 1834 wurden auf den Staatsbahnen im Vergleich zum Vorjahre um 3.3 Prozent mehr Reisende und um 8.8 Prozent mehr Güter befördert. Die Zahl der beigestellten Waggons war jedoch schon im Feber 1938 wieder unbefriedigend und im März 1838 wurden sogar weniger Waggons geladen als im März deS Vorjahres. 4 Roman m Emil Varhrk. Deutsch von Anna Aurednltek Das zweite Kapitel ist der Generalstochter gewidmet,.Schlumperte LoisiS" genannt, und führt uns auf die berühmte Hühnersteig«, auf der Ferdinand Beinsteller Vorbereitungen für sein Jubiläum trifft. Kaum hatte Beinsteller zu Ende gesprochen, stieß der Cherub Karl einen Jubelschrei au». .Darauf hab' ich gewartet, jetzt geht eS wieder an, Gott lohn's Ihnen, Herr Beinsteller. Ich hab' schon rechte Angst gehabt, daß Sie schon ganz verdorben sind, weil gar so lange nichts los war." .Na siehst du, Karl, du bist eben ein Tepp. Ich hab' mir das Unternehmen für mein Jubiläum aufgehoben. Wenn man wartet, bekommt man einen größeren Appetit, besonders, wenn eS sich um«in so festliche» Jubiläum handelt." Der Cherub Karl tat ungewöhnlich verschmitzt und begrüßte diesen Entschluß mit neuem Jubel. Er sprang wie ein Füllen, das am Morgen auf eine sonnig« Wiese geführt wird..Aber die Geschichte hat einen Haken, Herr Beinstelleri Sie erklären un», daß wir die Unternehmungen nicht durcheinander bringen sollen, aber selbst tun Sie'S! DaS ist ein schlechtes Beispiel!" Beinsteller konnte seine Verlegenheit nicht verbergen. .Da» ist ein ganz besonderer Fall, Karli," sagte er ausweichend..Ich muß es tun, damit sich mein Gewissen beruhigt. Morgen werde ich mirs schon richten. Wir machen ein Bankett, Jungens, fürs Geld vom Herrn Landesgerichtsrat; das wird die beste Jubiläumsfeier." «Jubiläum, Herr Beinsteller," sagte der Cherub Karl.«Sie erzählen immer von einem Jubiläum. WaS heißt das eigentlich?" «Das heißt," erwiderte Beinsteller mit' grenzenlosem Stolz,„das heißt, daß ich Sonntag früh um drei Uhr fünfzig Jahre alt werde." Ttotzdem Cherub Karl keinen blaffen Dunst hatte, warum man deswegen stolz sein müsse, sagte er einschmeichelnd:.Da schau her, Herr Beinstiller, für die Jahre sind Sie aber noch ein strammer Kerl!" .Das glaub' ich, ich spür' die fünfzig Jahre überhaupt nicht, bin wie ein Junger— wahrscheinlich, weil ich Junggeselle geblieben bin." Nach dieser Erklärung trat der berüchtigte Dieb,Beinsteller zu dem blinden Spiegel. Er sah darin ein Männchen, etwa hundertfünfzig Zentimeter hoch und auffallend wie ein frischgetünchtes Haus. Drei Merünale waren besonders hervorstechend: die kleine Gestalt, fuchsrote, zerzauste Kraushaare und graueAeuglein, die durchdringend wie ein Reflektor leuchteten. Obwohl Augen und Gesicht eine ansehnlich« Intelligenz ausdrückten, machte Beinsteller in Anbetracht seines BildeS ein finsteres Gesicht und kehrte ihm den Rücken zu, so, daß ein viertes auffallendes Merkmal sichtbar wurde. Ein großer Buckel, der neben der linken ! Schulter saß, den ganzen Oberkörper aus der natürlichen Achse hob und die rechte Schulter zu Boden drückt«. ES war das nicht daS erstemal, daß Beinsteller seinem Bilde den Rücken kehrte. Er hatte eS sein Leben lang ohne jeden Erfolg getan. Er konnte seinem Schicksal nicht den Rücken kehren, das in der Form eines Buckel- ihm anhaftete. ES war ein AuSrufungSzeichen, das mit dem einen Ende gegen den Himmel, mit dem anderen zu seinem Herzen wieS. Unglücklicherweise war der Buckel bereit, mit ihm zy. jubilieren. Beinsteller ging einige Mal« elastisch in der Stube auf und ab, wiegte sich in den Knien und vergaß völlig an sein Lebensunglück. Er wurde elegisch und sagte nachdenklich:»Fünfzig Jahre. Wißt ihr. Jungens, was das heißt? Wer es so lange aushält, der ist schon etwas wert, Kinder... Fünfzig Jahre schweren Lebens..." Jetzt trat, ohne anzuklopfen, ein schlankes Weib herein. Die Frau war im Unterrock und Hemd, hatte einen bunten Schal um den Hals geschlungen und tat, als sei sie hier zu Hause. Mi» der heiseren Stimme der alten Prostituierten sagte sie:„Ferdl, hast was für mich? Oder ein Ziga- rettl?" Ohne eine Antwort abzuwarten, trat sie an das Schränkchen und untersuchte eifrig alle Flaschen und Fläschchen, die sich darin befanden. Da sie nichts finden konnte, setzte sie sich ärgerlich auf Beinstellers Bett. Ihr Gesicht, ihr ganzes Aussehen erinnerte an— eine alte Fahne. Einst schön, farbenprächtig, lustig im Winde flatternd, jetzt schlapp, mit verblaßten Farben, voller Löcher, aber doch noch außergewöhnlich und auffallend. Beinsteller, durch ihr Kommen in heiterste Stimmung versetzt, erwiderte:„Ich habe weder ein Schluckerl noch eine Sport, dafür ein« Kurze." „Her damit," sagte Loisis lässig und zündete sich die Zigarre an. Sie war heute verstimmt und mißlaunig. Diese Frau, die schon verblüht war, den schönen Körper und das lebhafte Temperament aber bewahrt hatte, war interessant. Sie rauchte flott und leidenschaftlich wie ein Mann, und ihre lüsternen Lippen verrieten, daß sie das Zeug hatte, sich gierig auf alles zu Mrzen, was das Leben brachte. Der scharfe Rauch und ihre Gedanken schienen sie zu reizen, sie wurde immer erregter. Beinsteller, der sie gut kannte, wußte den Grund dieser Aufregung. Einmal im Monat wenigsten» betrat Loisis höchst erregt und verlegen das Vorderhaus, um die alte, schwarze Katy zu besuchen, deren Kartenkunst bekannt, unfehlbar und weit und breit berühmt war. Dort erfuhr sie, daß der sehnlichst erwartete Umschwung in ihrem Geschick, da» strahlende Wunder im Leben der altem- den Prostituierten sich noch in keiner Weise angekündigt hatte. Dann wurde sie böse, und so«in Tag endete entweder mit einer Rauferei auf der Hühnersteige vor dem Haus oder auf dem Fußsteig vor der alten„Hundshütte", dem wichtigsten Ort ihres Rayons. „Du bist ein alter Narr, Loisis," sagte Beinsteller mitleidsvoll. Die Sphinx rührte sich, warf den Zigarrenstummel auf Beinsteller und krächzte:„Laß da» gefälligst sein, hat dich jemand gefragt?" „Wir unglücklichen Leut' sind Dummköpfe," meinte Beinsteller.„Heul', wenn dir leichter wird, Loisis, aber verdirb mir nicht meine Freude." „Ich pfeif' auf deine Freude," verkündete Loisis. Als sie den weggeworsenen Zigarrenstummel fand, machte sie einige tüchtige Züge, bi» er brannte, und setzte sich mit blitzenden Auge» wieder nieder.«Freude? Mensch, bist du blöd?"■ „Blöd oder nicht blöd, Loisis! Ich hab' ein« Mordsfreud'." Dann setzte er noch boshaft hinzu: „Und ich hab' eine Idee! Du könntest dabei eigentlich— Hausdame spielen?..." Loisis paffte nur drohend und die Buben waren starr vor Staunen. Niemand in der Nahbarschaft wagte einen Scherz mit Loisis, wenn fi« von der schwarzen Katy kam. Beinsteller aber fuhr in seiner Rede unerschrocken fort:„Ich will nämlich morgen ein kleine» Fest arrangieren. Ich braue schon einen Eierkognak dazu. So einen Rout kann man ob«« Frauenzimmer nicht machen. Das weißt du cb. Wenn ich zum Beispiel einen guten Bissen sehe, vergeß' ich alles um mich und friß und, friß. Den Gästen möchte dann keiner zureden, daß sie auch fressen." Lolsi», die bei dem Worte Eierkognak den Kopf wie ein« witternde Wachtel erhoben hatte, fragte die Buben:„Hat der Quatsch, den er von sich gibt, überhaupt Hand und Fuß?" „Ja, Fräulein Loisis," rief Karl,„ich kockst wirklich den Schnaps und Herr Beknsteller wird übermorgen fünfzig Jahre alt; das will er feiern." (Fortsetzung folgt.? Nr. 98 Freitag, 26. April 1935 Sekte 3 fudctendeutscfier Zeitspicgcf Henlein- ein Liebling der Ausbeuter Die Tachauer Fabrikanten verkürzen die Arbeitszeit/ Statisten um 20 KC Eine Versammlung kostet 14.000 Kronen Sold Heber eine bombastisch arrangierte» aber keineswegs imponierend verlaufene SHF-Kund- gebung in Tachau lesen wir in der»Zukunst": Schon 14 Tage vor Bekanntwerden des Auftretens des sudetendeutschen Zirkusdirektors Konrad Henlein mit seiner Truppe wurde in den Ortschaften die Werbetrommel gerührt und die Statisten angekaust. Die Statisten erhielten alle eine Armbinde und eine Hiebwaffe in die Hand, damst sie den etwa mit der Vorstellung unzufriedenen Volksgenossen schlagende Beweise von der„Zugkraft" der Heimatfront beibringen können sollten. Der Sold für die Statisten war Kd 20.— für die Vorstellung. Nachdem der Direktor unter 700 Statisten nicht auftreten wollte, so kosteten diese allein für die Vorstellung die Kleinigkeit von Kd 14.000.—. Zu diesem Aufwand sollen die Herren Unternehmer tatkräftig beigesteuert haben. Damit auch die arischen Unternehmer Beweise ihres Bolksbewußtseins lieferten, haben sie die Arbeit früher, als sonst, ruhen lassen und die von ihnen beigestellten Statisten dennoch entlohnt. Der Besuch der Vorstellung blieb hinter den Erwartungen West zurück. Man rechnete mit 5000 bis 7000 Personen. Bon Haid und Umgebung waren allein 1000 Personen, die mit der Bahn kommen sollten, gemeldet. Nachmittags wurde dem Tachauer Direktor-Stellvertreter telephonisch mitgeteilt, daß 1500 Personen mit der Bahn kommen. Um 5 Uhr find dann wirllich mit der Bahn 40(vierzig) Personen auf der Haltestelle angekommen. Bürgerliche Besucher wurden bis von Eger herangeschleppt. Man sah feine Herren und Stutzer in Autos angefahren kommen»und auch mü Motorrädern, so daß man sagen kann, daß Hen- Oberfall auf einen Vertrauensmann In Lihmitz bei Karlsbad hatten die Ar- keiterradfahrer zu Ostern ein Kränzchen veran- stältet. Dabei mußten zwei Bolksgemeinschastler, die als ungeladene Gäste kamt» und zu stänkern begannen, an die Lust gesetzt werden. Spät abends kam der sozialdemokratische Vertrauensmann Wenzel Heuer ins Lokal und blieb dort bis gegen halb zwei Uhr früh. Auf dem Heimwege wurde der zweiundsechzigjährige Mann mit Zaunlatten, in denen noch die Rägel staken, niedergeschlagen und am Kopfe, im Gesicht und am Rücken erheblich verletzt. Die Gendarmerie ist bemüht, der Täter habhaft zu werden, die zweifellos in den Reihen der Volksge- meinschastler zu suchen sind. StSnde-Aukbau, Stände-Unslnn... Die„Deutsche Presse" läßt sich über die Wirtschastsziele der Thristlichsozialen wie folgt dernehmen: Die einzig mögliche Neuordnung , der Wirtschaft liegt im ständischen Aufbau der Wirtschaft. Der ständische Aufbau garantiert«ine gerecht« Vertretung aller Wirtschaftsständ« in der Gesamtleitung der Wirtschaft und schaltet jede Parteipolitik aus diesem Be- lein einen ziemlichen Troß von weither mitbrachte, beziehungsweise voraus sendete. Nach einwandfreien Schätzungen waren aus den Bezirken Asch, Eger, Falken au,Tepl, Marienbad, Pl an, Tachau und B i- schofteinitz rund 1800 Besucher. Man hat also bei äußerstem Kraftaufwand und Beistellung von rund 1000 Statisten nur 800 Leute in Bewegung setzen können, das sind soviel Besucher der sudetendeutschen Zirkusvorstellung, als wir in unserer Roßhaupter Versammlung hatten, deren Besucher aber nur aus fünf Landgemeinden zusammengekommen waren. Ein Fabrikant spendet 1000 Kk kür den SHF-Wahlfonds Wie die„Zukunft" aus Mies berichtet, betätigt sich der dortige Fabrikant Just als eifriger Förderer der Heimatfront. Schon fest längerer Zeü stellte dieser notleidende Unternehmer den Agitatoren Henleins bereitwillig sein Auto zur Verfügung. Außerdem greift der Mann noch tief in den Säckel, wenn es um die Bekämpfung der Arbesterbewegung geht, wie aus folgendem Vorfall ersichtlich ist: Da saßen im Gasthaus „Zum Brückenturm" mehrere Gäste beisammen und unterhielten sich anscheinend sehr gut. Herr Just ließ eine Runde um die andere auffahren— das Bier war schon längst ausgesoffen, der Wirt, der das größte Interesse an der SHF-Bewegung hat, weil sie ihm einen erhöhten Umsatz brintzt, mußte nun seinen Wein aus dem Keller holen. In dieser feuchffröhlichen Stimmung ließ man den Herrn Just hochgehen, nämlich nur auf die Schullern seiner Getreuen, wofür er aus Dankbarkeit 10*00 Kd für den Wahlfonds der SHF spendete. Er weiß wohl nur zu gut, daß sich diese Spenden bezahlt machen werden. reiche aus. Wir wissen freilich, daß wir für diese Ideen die deutschen Sozialdemokraten nie gewinnen werden, da sie noch nicht einmal soweit sind, Stoischen dem rein sachlichen Aufbau einerständischenWirtschaftundden verschiedenen f a fc i st i j ch e. u S p i e l. arten des S t'ä tl d estä a te s piitek- scheiden zu können. Die Deutsche Christlichsoziale Vollspartei tritt grundsätzlich für die Entpolitisierung der Wirtschaft ein, für ihren ständischen Aufbau, weil nur so die Wirtschaft in den Dienst am Gesamttvohl gestellt werden kann. Vielleicht würden.wir den«rein sachlichen Ausbau einer ständischen Wirtschaft" von den fascistischen Spielarten unterscheiden lernen, wenn man endlich einmal sehen oder wirklich hören könnte, was der neue sachliche, gerechte Ständestaat ist. Was wir bisher sahen und wofür die Chriftlichsozialen doch schwärmen, das sind sene Staaten, in denen"der Henker st and als der vornehmste gilt und die „Entpolitisierung" der Wirtschaft teils in der Aufrichtung her Unternehmerdiktatur, teils in der reinen Diebswill- kür besteht. Aber wir fürchten, daß die Christlichsozialen uns das nie erklären können, weil sie selbst augenblicklich von der Schwindelhaftigkeit des reinen Ständestaates überzeugt sind und die Freude an den fascistischen Spielarten nur schlver verbergen können. Nationalbank gewährt Krediterleichterunsen Wie, das„Prävo Lidu" meldet, hat die Rc- llierung auf Grund des Ermächtigungsgesetzes eine Regierungsverordnung ausgearbeitet, durch welche Re direlle Kreditgewährung der Nationalbank an die Exporteure erleichtert wird. Das Prinzip dieser Maßnahme besteht darin, daß der Finanzminister ermächtigt ist, eigene Schuldverschreibun- gen bis zur Höhe von 300 Millionen Kd auszu« heben, welche bei der Nationalbank hinterlegt werden und welche die Garantie bilden für Wechsel» die den Exporteuren ausgestellt werden. Bisher war es bekanntlich notwendig, daß auf Wechseln, welche durch die Nationalbank eskonttert werden, drei Unterschriften sein mußten, worunter sich i>: e Unterschrift einer Bank befinden mutzte. Das har den Wechselkredit verteuert. Wohl gewährte die Nationalbank diesen Kredtt zu einem Zinssatz von 3.5 Prozent, aber die Privatbank verlangte für ihre Unterschrift gleichfalls einige Prozent, so daß durch das Dazwischentreten der Bank der Kredit verteuert wurde. Durch die neue Verordnung de: Regierung wird nun die Unterschrift der Bank überflüssig und dadurch der Wechselkredit verbilligt, was naturgemäß eine große Bedeutung für unseren Export hat. Zu dieser Kreditverbilligung tritt nun noch das, was im Gesetz über die Exportkredite verfügt wurde. Dadurch, daß der Staat diese Export- Iredite garantiert, ist eS für den Exporteur ein viel geringeres Risiko ein Geschäft einzugehen. Auch dadurch wird der Export belebt.' Aber auch für den innern Markt ist etwas geschehen, und zwar durch das Gesetz über die Kassaanweisungen, wodurch der Staat Schuldverschreibungen bis zur Höhe von 800 Millionen Kd ausgibt. Mit diesen Anweisungen bezahlt der Staat Lieferungen und die Lieferanten können bei der Landesbank die Kassaanweisungen gegen Bargeld umtauschen. Alle diese Maßnahmen werden zweifellos die Wirkung haben, eine Belebung des Exports sowie auch eine Belebung des Wirtschaftslebens im Jnlande herbeizuführen. Investitionsarbeiten der Staa Die Verwaltung.’■ Gewohnheitsdiebe. In UZHorod und in den Gemeinden der Umgebung wurden in der letzten Zeit zahlreiche Diebstähle und Einbrüche in Gasthäuser und Geschäftsläden verübt. Die Nachforschungen nach den Tätern blieben unter der Zivilbevölkerung ohne Erfolg, weshalb die Polizei ihre Aufmerksamkett jenen Mannschaftspersonen der Uzhoroder M-I'- tärgarnison zuwandte, welche im Zivil bereits wegen Diebstahls vorbestraft sind. Diese Nachforschungen führten zur Verhaftung zweier Soldaten des 36. Infanterieregiments, des Eduard M i ch n a und des Jan Petrik, welche zwei Tage der Kaserne ferngeblieben waten. Sie gestanden alle Diebstähle«in und wurden in di« Haft des GarnisonSgcsängnisseZ eingeliefert. Auch die Hehler, welche die gestohlenen Gegenstände gekauft haben, wurden verhaftet; es sind dies Josef TudaS und deffen drei Kinder. Waldbrand. Unweit von Thorn in Pome« rellcn wütet seit der letzten Nacht ein Waldbrand. 400 Hektar Wald wurden von den Flammen erfaßt. Führer untereinander Sturm der Wcißenberger Wcißcn-Käse-Gcmcmbi! gegen den„Angriff" (DG) Josef Weißenbergs Gemeinde ist eine ganz besonders religiöse Sekte, die aus dem Weißen Käse(Quark) alles erklärt und mit weißem Käse alles soziale und seelische Elend heilt. Diese nationalsozialistische Sekte ist wegen de? Neuheidentums in den natic- nalsozialistischen Reihen so erbost, daß sie zum Sturm auf Goebbels»Angriff" übergegangen ist. Sie hat einen Brief an den»Angriff" geschrieben, den dieser veröffentlicht und der folgenden originellen Wortlaut hat: »Gott zum Gruß! Meine Herren vom»Angriff"! Nennen Sie eS vielleicht Dankarkeit, wo Sie jetzt, nachdem Sie groß geworden sind, unseren Herrn und Meister,in Christus in Schmutz treten?' Doch, nur durch die Einwirkung unseres göttlichen Meisters und dal- Gebet seiner Gemeinde ist ihr e he maliges unscheinbares Blatt, der»Angriff",, groß geworden. Auch nur durch di« Einwirkung unseres Meisters ist es gelungen, daß Adolf Hitler zum Füh- •tet wurde. Was sind denn Euere Geistlichen?' Schwindler ist ein noch schönes Wort für sie. Glauben denn Sie, daß Sie uns vertreiben können wie die gottlosen Kommunisten? Nein. Wir sind ein starkes Gottesvoll, unseres Gottes in Josef Weißenberg. Wir werden Euch beweisen, wie stark wir sind. Wir und unsere Kinder werden Euch verachten. Wenn Ihr uns den Gottes- dienst verbietet, so werden wir und unserE Familien dem Gottesdienst fernbleiben, den Ihr Ungläubigen und Verirrten huldigt. Wir- werden unseren Gottesdienst unter uns in Familien ad- halten, wo Ihr nichts zu suchen habt und es«ns nicht verbieten könnt. Ihr nennt uns und unsere Kinder verblödet. Besser blöd zu sein, als nicht an Gott in Josef Weißenberg zu glauben. W:« wir vom Meister wissen, war Euer Führer Adolf Hitler schon mehreremale bei unserem Meister, um seinen Segen zu empfang e-r. Wenn Sie, die Herren vom„Angrifi", alles widerrufen, was Sie in Ihrer Zeitung schlechtes über unseren Meister geschrieben haben, so wird die Gnade des Meisters noch einmal auf Euch herabkommen. Sonst wehe Euch. Ihr werdet zugrun'e gehen, keine Gnade vom Geiste Josef Weißenberg finden. Noch einmal werden wir mit unseren Kn- dein für Euer Seelenheil bitten./ Alfted W. u. Frau." Der»Angriff" nimmt diese Kampfansage von der humoristischen Seite. Er sollte aber trotzdem die Behauptung widerlegen, daß der Führ-r Adolf Hitler früher öfters bei dem Propheten Josef Weißenberg war, um deffen Segen zu empfangen. Im Grunde passen die beiden sehr gut zusammm, nur hat Adolf das Geschäft besser verstanden als Josef Weißenberg. Vom Rundfunk tapfthleniwirtei aus den Programment Freitag Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 10.15 Mexikanisch« Lieder. 11.00 Schallplatten. 12.10 Opernouvertüren. 13.45 Chansons. 16.40 Tschechisch für deutsche Hörer. 16.55 Ondrikekquar- ! tett. 18.45 Deutsche Sendung: Sportschau. 18.35 Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten. 19.10 Salonguartett. 20.05 Uebertragung aus dem Sme- tanasaal.— Sender S.: 14.35 Liederkonzert. 15.00 Deutsche Sendung: Leichte Musik.— Mähr.-Ostrau: 17.50 Deutsche Sendung: Lieder von Aich.— Preß- - bürg: 18.00 Klavierkonzert Nr. 88 Krefta«, 2«. April 1935 Serie 5 l e l > i VolKswlrtschaft und Sozialpolitik Ak MkWMÄki in Bet ioBnütieOen VkWBMn so betrug der Jah- Rußland, Schweden, Japan, für die der die Die industrielle Warenproduktion der Welt bewegt sich nach dem starken Rückschlag durch die Krise seit ettoa zwei Jahren in aufsteigender Richtung. War schon zu Ende des Jahres 1834 im ganzen der Stand vom Jahre 1828 wieder erreicht, so ist bis zum Frühjahr 1835 die industrielle Wellproduktion schon darüber hinausgekommen und hält einen nur noch ganz geringen Abstand von der höchsten Weltproduktion 1928. In einem seiner letzten Wochenberichte gibt das Institut für Konjunkturforschung in Berlin die jährlichen Indexziffern der industriellen Welt- ' Entwicklung interessante Auf macht ich euch ebenfalls die Prognose stellen." Wieder dieses verfluchte gönnerhafte Lächeln.„Du bist zu schnell fortgegangen. Könntest du nicht mit uns zurückkommen? Wir würden zunächst für dich sorgen. Du siehst wirklich recht schlecht aus." Ein Wunder, daß sie nicht sagen: reduziert, heruntergekommen. Ich habe keine Lust, ihnen lange Erklärungen abzugeben. Warum ich fortging, warum ich nicht zurück kann und auch nicht will. Kurz und schroff:„Ich bleibe, weil ich es für richtig halte. Wer recht hat, das wird sich zeigen. Ich fühle mich weder überftüsiig noch verloren. Ich Hecke meine Genossen hier." Der andere Freund will gehen. Er ist in einer fremden Stadt, er will sich amüsieren. Man fragt mich nicht, man schleppt mich mit in ein elegantes, sogenanntes mondänes Nachtlokal mit Eintänzern im Smoking und glitzernden Barmädchen. Dort treffen wir auch die anderen Bekannten. Vater, Mutter, Tochter. Vater und Mutter weißhaarig, sitzen mit starrem würdigen Blick hinter ihrem „Punsch romain", die Tochter lutscht gedrückt an einem Strohhalm, getaucht in Gin-Fizz. Alle drei folgen kritisch den Tanzvorführungen, zwischendurch sagt das junge Mädchen traurig zu mir, das Leben in Deutschland wäre scheußlich für sie, sie sei Laborantin und schon lange ohne Posten. Ende des Jahres ginge sie nach Palässina, dort wolle sie ein neues Leben anfangen. Die Alte hat uns mit ängstlichem Gluckenblick beobachtet.„Hat Ihnen wegen, Rumänien, Chile. Diese Industrialisierung geht weiter» obwohl in den alten Industrieländern«in großer Teil des industriellen Produktionsapparates stillliegt. So betrug 1934 die Ausnutzung der Produktionskapazität in Prozenten: Tschechoslowakei 59» Polen 53, Belgien 66, Bereinigte Staaten von Nordamerika 58, Kanada 58, Oesterreich 61, Frankreich 62 Italien 68, Deutschland 73, Ungarn 81, Großbritannien 88, Die Ausnützung der industriellen Produktionskapazität war demnach in der Tfchechoflowakri 1934 noch günstiger als in Polen, Belgien, Kanada und selbst in den Bereinigten Staaten! Da der Aufschwung der industriellen Weltproduktion in erster Linie auf die gewaltige internationale Rüstungswelle zurückzuführen ist und alle Länder das Bestreben haben, ihre Rüstungsindustrie stark auszubauen, so wird die Vergrößerung der industriellen Produktionskapazität in bisher nicht hochindustrialisierten Staaten fortschreiten, während in den alten Industrieländern die Ausnutzung der gegebenen industriellen Produktionsmöglichkeiten bestenfalls nur langsam steigen wird. Dabei ist wichtig, zu bedenken, daß unter der Rüstungsindustrie heute nicht nur mehr die Schwerindustrie zu verstehen ist, sondern daß die Textilindustrie die Lederindustrie, die chemische Industrie und die Lebensmittelindustrie als ihre Teile angesehen werden müssen. Margot auch gesagt, daß sie nach Palästina will?, Ich verstehe nicht warum. Sie braucht doch nicht zu arbeiten. Wir haben genug Geld. Und es ist alles nicht so schlimm. Unser Führer tut keinem etwas, der sich anständig benimmt." Ich habe mich nicht verhört. Sie hat es laut und deutlich gesagt, diese alte schamlose Frau.„Unser Führer!" Weitz sie wirklich nichts von den Vertriebenen und Gemarterten, empört sich nichts in ihr gegen die Diffamierung ihrer primitivsten Menschenrechte? Ich sehe dem alten Mann mir gegenüber ins Gesicht. Er hat die Worte seiner Frau gehört. Er.wird sehr blaß unter meinem Blick. Er senkt den Kopf. E r schämt sich. Ich stehe auf. Wenn ich nicht fortgehe, auf der Stelle, gibt es ein Unglück. Ich werfe den Tisch um, ich schreie sie an, ich mache eine Dummheit. Ich will aber keine machen. Wozu kann man Kopfschmerzen erfinden.„Wir bringen dich nach HauS. Im Auto natürlich." Jawohl, natürlich, das ist ihnen ja noch geblieben. Ihr dreckiges stinkendes Geld. Sie können noch fressen, saufen, huren und Auto fahren. Nur baden dürfen sie nicht mehr. Und ein bißchen unsichtbar machen müssen sie sich. Dafür haben sie aber ihre schönen Wohnungen und ihre kostbaren, weltverbindenden Radioapparate. „Danke, ich habe keine Lust Auto zu fahren. Ich gehe lieber zu Fuß nach Haus. Und allein." Draußen wölbt sich ein milder, nachtblauer, ster- nenbesfickter Himmel über der Stadt. Nachdenklich gehe ich durch leere Gaffen. Das also waren einmal meine Freunde? Sonderbar. Niemand ist mir heute fremder als sie. Diese dort— sie gehen mich nichts mehr an. Aber auch nichts mehr. Katja. Was sehen sie mich noch an? Besuch aus Deutschland Diese Tabelle gibt industriellen Produkfion recht schlüffe. So zeigt sie, daß unter den 19 aufg« führten Ländern nach Polen und Belgien Tschechoslowakei 1934 die drittletzte Stelle einnahm. An dieser Rangierung hat sich in den ersten drei Monaten des Jahres 1835 nichts wesentliches geändert; die Produktion ist in der Mehrzahl der Länder kräftiger gestiegen, bei uns hält sie sich ungefähr auf der Höhe des Durch- schnitts vom vorigen Jahre oder neigt sogar zu einem leichten Rückschlag. Bemerkenswert ist wieder, daß die industrielle Produktion in zehn Ländern, zu denen auch die Tschechoslowakei gehört, sich 1834 teilweise auch recht erheblich unter dem Stand von 1928 bewegte, während sie in den übrigen Ländern darüber lag. Sieht man die Lander genauer an, so kommt man zu der Feststellung, daß die alten Industriestaaten ihre vorhandenen Produktionsmöglichkeiten bei weitem nicht auS» nützen können und— mit Ausnahme von Großbritannien mit der Industrieproduktion 1934 noch hinter der von 1928 zum Teil stark zurückgeblieben find, daß aber andere Länder ihre industriellen Produktionsmöglichkeiten erweitert, also neue Industrien eingeführt oder bestehende erweitert haben. Zu dieser Ländergruppe, die die fortfchres» tende Industrialisierung der Welt ausdrückt, ge- chören Dänemark, Finnland, Griechenland, Nor- Diese günstige Entwicklung der industriellen Weltproduktion wird überraschen; trotzdem wird wohl kann die Behauptung gewagt werden, daß damit auch die Weltkrise der Wirtschaft vorüber sei. Es genügt darauf zu verweisen, daß, obwohl die industrielle Weltproduktio» im ganzen im Frühjahr 1935 den Stand von 1929 erreicht hat, daS Millionenheer der Arbeitslosen in der Welt heute erheblich größer ist alS zur Zeit der Hochkonjunttur 1929! Das gilt für die Tschechoslowakei ebenso wie für alle hochindustrialisierten Länder und zum Teil weisen auch die übrigen Staaten eine wesentlich höhere Arbeitslosigkeit aus. So günstig der Weltindex der industriellen Produktion ist,- so ungleich verschiedenartig hat sich die Industrieproduktion der einzelnen Länder entwickelt. Geht man wieder von 1928 aus uäd setzt dieses Jahr gleich 109, reSdurchschnitt: An Feiertagen wagen sie sich manchmal noch ( hinaus. Mit irgendeinem Gesellschaftsreiseunter- ' nehmen oder mit dem eigenen Auto kommen sie > über die Grenze, um Luft zu schöpfen. Um aufzu- ■ atmen. Aber so unfrei fühlen sie sich, daß ihnen dieser Atemzug kaum gelingt. Daß er zumindest unterbrochen wird von scheuen Seitenblicken, ob auch nicht jemand... man kann doch nicht wissen... und bist du ganz sicher, daß der Herr am ■ sinken Nebentisch kein Spitzel ist...? Das sind sie. Das sind sie jetzt. Die„Noch- K Schuldeten". Die„Noch-Verdiener". Die„Dage- bliebencn". Die auf das Hinausgeworfenwerden \ zitternd Wartenden. Das sind die Juden imDeutschland von heute. Ein paar Mann noch haben sie eS riskiert, Ostern nach Prag ’ zu reisen. Haben sogar den Mut besessen, mich aufzusuchen. Als sie an meiner Tür klingelten, waren sie enttäuscht, sichtlich enttäuscht, daß ich I keinen Freudenschrei ausstieß. Wo sie es doch so I„kolossal" fanden, überhaupt zu mir zu kommen, ' zu der Verfemten, der Lffenllich Angeprangerten. / 8m Grunde freute ich mich wirklich. Wenigstens I zuerst. Aber das begriffen sie nicht qleich: daß mgn sich sehr verärckert hat. Hier. In der Emigration. ! Und daß man schwerer, zögernder lächelt als ' früher. - Fünf gute Bekannte aus Deutschland. Zwei > darunter richtige Freunde. Frühere Freunde. Der ! Fest: eine sogenannte Familie. Vater, Mutter, er- I wachse ne Tochter. Natürlich sind sie neugierig. Der sie wollen auch nicht taktlos sein. Nicht gleich drauf los fragen. Vorläufig heißt es:„Du siehst dlaß und schmal auS. Scheinst abgenommen zu haben". Dem gewiegten Aerzteblick der Freunde fällt dies zuerst auf. Bis es zu einem richtigen Gespräch kommt, bedarf eS vieler Stunden. Bedarf er gemeinsamen Mittagsmahls, Burgbesichtigen, üaffeetrinkens und begeisterten Ah-Sagens vor den barocken Schönheiten der Stadt. Denn natürlich: in erster Linie sind die Freunde doch zum Besuch der fremden Landschaft gekommen. Und sie sieden interessiert vor Kirchen und Kapellen, am User der Moldau und auf dem alten Juden-Fried- hof, vor Dürers„Rosenkranzfest" und dem St. «ettsdom. Und du gehst mü ihnen, und du findest eS auch sehr schön. Rur— so wichtig wie einstmals scheint dir das kaum. Jetzt lebst du hier nicht zu deinem Vergnügen. Jetzt hast du andere Auf- kvben und nebenbei noch die: für deines Lebens bescheidene Notdurft zu sorgen. ; Endlich ist eS Abend. Warum können alle Leute abends besser reden? Sonderbares Geheim- uii nächtlicher Verzauberung. Lichter flammen über Prag und um Prag. Da ist eine kleine «Finärna".■ Gläser stehen auf dem Tisch, Wein nießt, tief, schwer, von der Foabe wie alter Fpgnak— die Freunde wollen, daß du es wieder küunal gut haft(oh ja, warum nicht)-— und sann wagt man die in diesem Fall sehr heikle mchschr sinnvolle Frage:„Wie geht es euch?" Sie idtveigen ein paar Sekunden. Dann hebt der eine bon ihnen das Glas, kostet, sagt:„FamoS", und plötzlich stellt er eS mit einem Ruck hin, fährt sich mit dir Serviette über den Mund, stützt den Kopf Ichwer in beide Hände, sieht dich groß an, endlich: »Heute— gut. Heute ausgezeichnet. Heute war ein schöner Tag. Der schönste seit langem." Ich lächle, er fährt fort:„Aber nicht daS Besichtige» War das Schönste. Sondern das Schwimmen. Ja, das Schwimmen in der herrlichen Badeanstalt. Morgen früh geh ich gleich wieder hin." Ich, er« Aunt:„Aber d a S hast du doch auch in Berlin?" "roßer verwunderter Blick.„Nein, das habe ich nicht, das haben wir Juden alle nicht. ES wagt keiner von uns in ein« öffentliche Badeanstalt zu Sehen." Wieder bedrücktes Schweigen.„Was macht 'hr denn sonst, nach der Arbeit?"—„Nichts. Wir "titschen keine Theater, keine Cafes, keine Restaurants. Wir besuchen uns gegenseitig, wir haben Radio-Apparate, wir leben in unserem engge- schloffenen Kreis."—„Also Ghetto-Kultur?"— •Senn du's so nennen willst."—„Immerhin verdient ihr noch Geld."—„Niemand von ünS weiß wie lange. Gegen die wenigen zur Kaffen- praxis zugelaffenen Aerzte wird genug gehetzt. Renunt man sie uns, so kannst du dir denken, was daS bedeutet. Du weißt ja, daß wir in einem Ackeiterviertel praktizieren." Wieder sieht sich der Freund um.„Suchst du Salzstangen?"—(Er ißt sie so gern.)„Was denkst du. Ich guck nur aus Vorsicht." Immer wieder das. Ueberall, in jedem Raum. Immer die «ngst.—„Ra und sonst? Im allgemeinen? Wie seht ihr die Dinge? Wie erscheinen euch die Ver- hältniffe?"—„Augenblicklich ist Konjunktur, müstungskonjunktur. DaS wirkt sich aus. Theater, RinoS, Restaurants, alles voll. Die Arbeiter aber stöhnen, schimpfen. Auch jener Teil der Bour- gwisie, den man als„Kulturträger" zu bezeichnen pflegt. Die Arbeiter, weil sie trotz Sinken- der urbeitslosenziffer ständig schlechtere Löhne erhalten, die gewisse Schicht des Bürgertums, weil sie über die Vernichtung geistigen Lebens, geistiger «erte empört ist. Aber immerhin..."„Was heißt das, dieses„immerhin"?"— Mich trifft ein mitleidig-herablassender Blick:„Weil ihr doch hier, ihr Emigranten, auf ziemlich hoffnungslosen kosten kämpft. Es wird nicht so schnell anders werden. Weißt, du, ein Patient zahlte mir neulich fteiwillig da- doppelte Honorar. Das ist kein Witz. Dafür wollte er noch eine Auskunft. Er fragte: „Sagen Sie, Herr Doktor, wie lange kann man mit Kehlkopfkrebs leben?" Ich antwortete ihm: »Sie werden's nicht erleben." So ungefähr Produktion seit 1913 wieder (1928— 100): Jahr Index. . Jahr Index 1813 73 1927 96 1919 65 1928 100 1920 71 1929 107 1921 82 '1930 96 1922 73 1981 87 1923 79 1932 77' 1924 32 1933 87 1925 88 1934 96 1926 90 1929 1930 1981 1932 1983 1934 Tschechoslowakei.. ««•••«• 104 98 84 66 . 68 70 Deutschland.,,, 100 90 74 61 69 86 Belgien,,»,, <•«<••• 101 85 76 63 67 66 Frankreich.,,. 110 111 98 76 85 78 Großbritannien.,. • 106 98 89 88 93 105 Norwegen,,», •••«V■« 112 86 108 103 109 Schweden,,,, • m 106 102 89 84 87 105 Oesterreich,,,, ••••aii 108 87 76 60 67 72 Dänemark,,,, ••«•••• 08 118 108 98 113 121 Finnland.,., ••••«•• 102 84 78 81 94 107 Griechenland,,, • i••••• 109 105 109 103 112 126 Italien..... ••■■»ii 100 100 85 78 81 87 Polen.,.,. •••• i•• 100 82 69 54 55 68 Rumänien,,,, 101 105 100 96 109 128 Ungarn..... i i•*« a■ 101 94 87 75 82 96 Bereinigte Staaten von Nordamerika«■ 107 87 78 58 69 71 Japan..... ■••••• i 110 102 103 117 187 153 Kanada,..., ■• i••• i 108 92 77 68 65 80 Chile...... ■■••••• 120 111 84 85 95 113 Ein Hauptdarsteller aus dem rnstischen Espe-Film „Petersburger Nächte". So zeigt diese kurze Betrachtung die Ursacken auf, warum die industrielle Produktion in der Tschechoslowakei sich langsamer aufwärts bewegt als in manchen anderen Ländern. Das Unternehmertum mag daraus ersehen, daß daran nicht die angeblich zu hohen Soziallasten und die letzten Löhne schuld sind, deren niedriger Stand im Gegenteil von einer anderen Seite her ebenfalls die Entfaltung der Verbrauchsgüterproduktion hemmt. Handelsabkommen in Arbeit Unter den Wirtschaftsverhandlungen, die die Tschechoslowakei gegenwärtig mit einer Reihe von Staaten führt, sind die mit Ungarn und mit Oesterreich von besonderer Bedeutung. Mit• der ungarischen Delegation scheint bereits insoweit'eine Uebereinstimmung erzielt worden zu sein, als das bestehende Schweine-Holz-Abkommen erweitert werden soll. Weiter sind in den vor dem Abschluß stehenden Abkommen vorgesehen: Lieferungen von Geflügel, Grünzeug und Obst gegen tschechoslowakische Jndustrieartikel. Außerdem sol-. len ungarische Jndustriewaren gegen tschechoslowakische Jndustriewaren getauscht werden. Die Industrialisierung UNgarnk hat" in''Nen letztew""^ Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, und schon jetzt kann die ungarische Industrie in einzelnen Waren mit den tschechoslowakischen Erzeugnissen konkurrieren. Ungarn wird u. a. Glühbirnen, Radiolampen und photographische Artikel nach der Tschechoslowakei liefern. *... Für die Verhandlungen der Tschechoslowakei mft Oesterreich ist die Stellungnahme des tschechoslowakischen Gesandten in Wien, Fierlur- ger, bemerkenswert. Er setzt sich für eine S o n- dervorzugsbehandlnng der österreichischen Waren auf Gegenseitigkeit ein. Er hat sich darüber kürzlich so geäußert:„Wir müssen insbesondere günstige Bedingungen für bestimmte österreichische Spezialwaren, sei es im Wege von Präferenzen, sei eS im Wege entsprechender Zoll- ermäßigungen, schaffen. So ist eS undenkbar, daß wir in Zukunft, wenn auch in geringem Maße, Automobile nach Oesterreich ausführen können, daß aber andererseits nicht ein einziger österreichischer Wagen wegen des hohen Zollschutzes, den unsere Auwmobilindustrie genießt, in die Tschechoslowakei eingeführt werden kann. So verhält eS sich mit einer ganzen Reihe anderer wichtiger Ar-' tikel. Nun ist der entscheidende Augenblick gekommen, alle Kräfte anzuspannen, den österreichischen Wünschen, soweit sie berechtigt sind, entgegenzu«. kommen und einer erhöhten österreichischen Einfuhr entsprechend die Wege zu ebnen." Bisher war von tschechischer Seite als Gegenleistung für den Einfuhrüberschuß tschechoslo- wakischer Waren nach Oesterreich eine Steigerung des Fremdenverkehrs in Aussicht gestellt worden. Wenn jetzt Zugeständnisse auch fsir die Einfuhr österreichischer Jndustriewaren gemacht werden, so geschieht das sicher in der Erwartung, dadurch eine weitere Einschränkung der tschechoslowakischen Warenausfuhr nach Oesterreich zu verhindern. Protest gegen das Brauereikartell Die straffe Kartellierung der Brauereien und das Zustandekommen eines Kontingenwertrages für die Bierproduktion hat im gesamten Gastwirtsgewerbe lebhafte Unruhe ausgelöst. Vorher hatte sich schon die Arbeiter- und Angestelltenschaft der Brauindustrie gegen die ihr aus den Zusammenschlußbestrebungen des Unternehmertums drohenden Abbaugefahren /gewehrt. Danach haben auch die kleineren Brauereien bekundet, daß das Vorgehen der Großbetriebe für sie schädliche Wirkungen hat. Dieser Tage haben die Prager Gastwirte in einer großen Versammlung gegen den Koniin« genwertrag und gegen das Brauereikartell protestiert, weil sich für sie die Folgen bereits in einer Verteuerung des Bieres gezeigt haben. Aber das Brauerei-Großkapital nimmt auf keinen dieser Proteste Rücksicht.> Seite 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 26. April 1935. Nr. 98 PRAGER ZEITUNG Der Film Die weiße« Nächte von Petersburg Danksagung Von den Beweisen der Anteilnahme anläßlich des Ablebens unseres lieben, unvergeßlichen Zentralsekretärs Josef HZretsG l Der Vorstand des Internationalen Metallarbeiterverbandes. Genossinnen, Achtung! Hilfsbereite Genossinnen werden gebeten, sich morgen um 18 Uhr im Parteiheim«inzufinden. WühlarbeitenI Dieser seltsame Fall' erregte auch dar Gericht Kopfschütteln und verhaltene Heiterkeit. Die Angeklagte verteidigte sich damit, dass der Magazineur Josef Svoboda, der wirkliche Vater des Kindes sei, sich nach dessen Geburt zu ISO Kd Monatsalimenten verpflichtet habe/ wobei er sich aber ausbedang. dass er..um kein« Schande zu haben," nicht als Kindesvater genannt, sondern dass ein Strohmann vorgeschoben werden sollte, eben in Gestalt des Franz Srojer aus ZiAov, der von der ganzen Sache nichts wusste und den die Wilma C. als ehemaligen Untermieter ihrer Mutter flüchtig kannte. Den Grund zu der sonderbaren „Aenderung" aber gab das schäbige Verhalten des um seine„Ehre" so besorgten Herrn Svoboda, der die Alimente nach einmaliger Zahlung schuldig blieb. Josef Svoboda wird von der Staatsanwaltschaft in separatem Verfahren verfolgt. Di« Kindesmutter wollte durch„vorsichtige Enthüllung" des Inkognitos des Herrn Svoboda diesen zur Einhaltung seiner Verpflichtungen veranlassen. Das Delikt war freilich gegäien und Wilma E. wurde zu zwei Monaten Kerker bedingt verurteilt. rb. voll gestaltete die Künstlerin ihre grossen Szenen ns zweiten Akt. mit Telramund, mit Elsa und bei« Kirchgang Elsas. Hier sah man wieder einmal eine Ortrud, die das in dieser Person verkörperte SehSri, sche. Dämonische und Fürchterliche eindringlichst u 0 ganz im Geiste Wagners zum Ausdruck brachte. Die Sängerin Reich-Dörich war diesmal ganz besonders gut disponiert und liess den Wunsch wach werden, sie endlich in einer ihrer grossen dramatischen Wag«< nerpartien als Isolde oder.Götterdämmerung"« Brünhilde zu sehen und zu hören. Denn in ihrer gesanglichen Leistung paart sich sieghafte Stimm» schönbeit mit kultivierteste Stimm behänd- l u n g. Nach der mit leidenschaftlichstem Affekt u>0 verschwenderischem Ton gesungenen Götteranrufunk hatte die Künstlerin spontanen Beifall auf offen« Szene. E. Jl'N Vorgänge und Reden zuweilen nicht klar genug find und der Aufbau des Ganzen nicht einheitlich genug ist. Der Film rollt ab wie die Szenenfolge eines Schaustnels. und di« Bilder(die nicht ineinander übergehen) wirken wie Eindrücke einer Theateraufführung. Aber gibt es ein Theater, das solche Eindrücke schafft? Ein Theater mit Szenen wie die Musikprobe am Anfang, wie der Konzertskandal, wie das nächtliche Gespräch an der Brücke, die Auseinandersetzung mit dem Rivalen im Wirtshaus— uni der singende Marsch der Verbannten? Ein Theater, in dem nicht Rollen gespielt, sondern Gestalten sichtbar gemacht werden, in dem aus Licht und Schatten, aus Gesichtern, und Bewegungen, aus Perwektiven und Klängen ein Kunstwerk entsteht, das expressionistisch nicht im Sinne der Uebertreibung, sondern der Intensität ist? Man notiert, dass die männliche Hauptrolle von dem.Schauspieler Dobromanow und die weibliche von der Hauptdarstellerin des„Gewitter"-Films Parasowa verkörpert wird. Aber auch sic sind nur Einzelheiten im grossen Gesamteindruck dieses Filmkunstwerkes.—eis— seinerzeitigen Angaben eine A«nderung vornehmen dürfe. Das wurde ihr natürlich gestattet und sie gab nun folgende„Abänderungen" zu Protokoll: Der Kindcsvater wohne nicht in Nummer 28, sondern 29...„Gut!" nickte der Protokollierende und Wilma C. fuhr fort: Er wohne auch nicht in Zizkov. sondern in Prag l und nicht in der Hara n t o v a, sondern in der Karpfengasse..^ Auch dagegen war nichts einzuwenden. Er sei übrigens auch nicht Handelsvertreter, sondern Magazineur. Hier begann der Protokollführer zu stutzen, aber Wilma§. fuhr unbeirrt fort, dass der Kindesvater ü berhaupt nicht Franz Srojer. sondernJosefSvoboda heisse.. Mit einem Wort: die.kleine Aenderung" bestand darin, dass als Kindesvater auf einmal ein ganz anderer Mann hing«stellt wurde und das Ende war. dass Wilma E. wegen falscher Zeugenaussage unter Anklage gestellt wurde. Spielpla» des Neuen Deutsche« Theaters. Heute, Freitag halb 8 Uhr«wends: D i« Fledermaus, DI.— Samstag halb 8: Die Fledermaus, AI.— Spielpla« der Kleinen Bühne. Heute Freitag 8 Uhr: Die grosse Katharina, Der Kammersänger, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Ping' P o n g. Ihre tollste Nacht Premiere des reizenden Luitsviels Freit««. Hier ist— auf dem Umweg über Paris— ein Russenfilm zu uns gekommen, der für den Freund der Filmkunst ein glückhaftes und begeisterndes Erlebnis ist: ein Film, der den Betrachter bannt und bezwingt, der unvergessliche Bilder bietet, der nicht rührselig, sondern ausrührend, nicht nach einem Schema gearbeitet ist, sondern sich seinen eigenen Stil zu schaffen versucht. Der Regisseur Alexandrow wollte der westlichen Filmoperette eine russische an di« Seite stellen, als er .Di« ganze Welt lacht" schuf,— und er hat. wie bekannt, sein Vorbild mit einem Schlag erreicht und übertroffen. Die Regisseur? Roschal, und Strojenoff hecken im Bemühen, den russischen Tonfilm in die Nachbarschaft des(technisch höher entwickelten) amerika-europäischen Films zu bringen. auf eine andere, bei uns sehr beliebte Gattung gezielt: auf pen Musikerfilm. Da gab es freilich nichts einzuholen und zu übertreffen.— da galt es. zu den kitschigen Scherzen und Sentimentalitäten, die man auf Schubert und Chopin, auf Strauss, Paganini und diverse Tenöre gehäuft hatte, einen eindrucksvollen Gegensatz zu schaffen. Und so haben die Russen (unter Verwendung einzelner Motive aus frühen Romanen Dostojewskis) diesen Film von den Petersburger Nächten eines Musikers geschaffen, dem die Kunst zum Schicksal lvird, der vom Fluch des Genies verfolgt, aber vom Segen der Nachwelt umstrahlt ist. Da bleckt nichts vom„Dreimäderlhaus"- Schmalz und seinen filmischen Nachahmungen.— und selbst ein so glücklicher Sonderfall wie der englische Film von der„treuen Nymphe" verblasst in der Erinnerung. Der Weg eines Künstlers im Zarenreich wird gezeigt: der Weg des Musikers Jefimow, der im Privatorchester eines- adligen Gutsherrn die Klarinette bläst, von dem durch Selbstmord iseendeten italienischen Geiger die kostbare Violine erbt, die er dem Gutsherrn um keinen Preis verkaufen will, wes- hajb chn der Gcwalfige einsperren lässt. Erst als ein berühmter französischer Virtuose brieflich auf das Talent des Gefangenen hinweist, lässt ihn der Gutsherr frei und schickt ihn in die Hauptstadt. Ein weiter Weg. auf dem man dar Reisegeld vertrinken und sein Talent an Schusteren vergeuden kann.— bis eines Tages der Ekel und. der Ehrgeiz den Unsteten packt und ihn— mit einer Geliebten und einem Rivalen — nach Petersburg treibt. Und dort beginnt das vergebliche Ringen um Anerkennung: das feine Publikum brüllt ihn nieder, weil seine Musik die Herzen des Volkes entzündet, der Rivale stiehlt ihm seine Einfälle, um sie erfolgreich zu frisieren, der Verleger weist ihm die Tür. und Jefimow muss zusehen, wie der andere, der.Kunstbeamte"(namens Schulz), zu Ruhm und Ehren kommt. Verhöhnt und höhnend irrt er durch die Kneipen und Nächte von Petersburg, nur Kinder und Betrunkene hören ihm zu.— aber in einer Winternacht hört er vertraute Klänge: die Verurteilten vom Weberstreik singen sein Lied vom sibirischen Leid und vom Tage der Wiederkehr, als man sie hinaus in die Verbannung führt. Man könnte an' Einzelheiten, der Handlung ebenso Kritik üben wie an Einzelheiten der Regie und der(von dem Komponisten Kowalewski besorgten) Musik. Aber wichtig ist allein der Gesamteindruck, denn der ist bedingend, auch wenn die Eifersuchtsmord auf der Klamovka? In der Nähe der Klamovka in Smichov hat vor ungefähr einem Jahre die 34jährige BoZena Stegrovä ein Milchbufett eröffnet, welches sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Bohdan Seidl betrieb. Die häufigen Streitigkeiten zwischen den beiden führten gestern zu einer Katastrophe. Als gegen 10 Uhr der Kaufmann P o s p i s i l das Häuschen betrat, kam ihm Seidl entgegen und erzählte, dass sich seine Frau bei einem Sturze eine gefährliche Verletzung mit'einem Küchenmesser zugezogen hätte. Als die Wache kam, war die Frau bereits verblutet. Seidl wurde verhaftet, da die Polizei vermutet, dass die Stegrovä nicht einem Unglück zum Opfer gefallen ist, sondern von Seidl ermordet wurde. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung inS HauS oder bei Bezug durch die Pott monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48.—, halbjährig KC 96.—. ganzjährig KC 192.—.— Inserate werde» laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Di« Leitungsfrankatur wurde von der Poft- und Tele» graphendirettion mit Erlass Nr. 13.800/VII/1S30 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck-. Verlags- und 8sttungS-A.-G.. Prag. Urania-Kino, Kllmcntsha 4. Fernsprecher 61623- tiefbewegt, sagen wir im eigenen Namen und im Namen der Hinterbliebenen herzlichen Dank. Komotau, im April 1935. Kunst und Wissen Lohengrin Diese problematische„Lohengrin"-Aufführunz von vorgestern war keine Empfehlung für den im Deutschen Theater gegenwärtig veranstalteten Wagner-Zyklus, dem das Publikum ohnedies nicht allzu grosses Interesse entgegenbringt. H. G. S ch i ck s musikalische Leitung der Oper macht« einen sehr improvisierten Eindruck, war unerträglich in den Tempoverschleppungen und zeigte eine ebenso unerträgliche Unausgeglichenheit im dynamischen Sinne. War«s wirklich notwendig, dass eine festlich sein sollende Opernaufführung im Nahmen eines Zyklus der dritte Kapellmeister übernehmen musste, während die unbeschäftigten beiden ersten Kapellmeister ihr von der Kapellmeisterloge aus gemütlich zusahen? Als verunglückt war auch das Gastspiel des-TenoS Robert'Tüllmann als Lohengrin zu bezeichnen- da die Qualitäten dieses Sängers nicht einmal-ausreichon,-ein Aushilfsgastspest zu rechtfertigen, geschweige-denn ein Engagementsoder, At.traktiqns-Gqstspiel.. Herrn Tullmanns Stimme klingt verbraucht Md blechern, ist wenig modulätiönssähig, dynamisch unausgeglichen und ohste Schmelz:' der Sänger selbst ist nicht allzu musikalisch, steht mit'deck Takt und Rhythmus auf Kriegsfuss und- ist- ein herzlich unbedeutender und langweiliger-Darsteller.-Warm wurde man bei dieser,(auch. in. fast allen anderen-Hauptpartien unzureichend besetzten).„Lohengrin"-Aufführung erst im zweiten Akt.. Denn da.standen zwei Künstler von grossem Format in aesanglicher sind schauspielerischer Hinsicht' auf der Szene: Theodor S ch e i d l als TelraMuNd und' Fr. Fine Reich-Dörich als Ortrud.- Diese Ortrud fesselt schon, noch bevor sie einen-Ton gesungen hat,- durch ihr teilnahmsvolles und ausdrucksstarkes-Spiel- in der- Gottesgericht- Szene. des ersten Aktes.- Ausserordentlich eindrucks- Richtigstellnng. Unser gestern gebrachter richt über di« österreichischen„Naturfreunde" wustU im Titel fehlerhaft wiedergegeben. Es soll selbW verständlich richtig lauten:„Oesterreichs NatiivN freunde" lassen sich nicht gleichschalten!" ticrlchtssaal Wieder ein Jahr für einen gewissenlosen Chauffeur Begrüßenswerte Strenge gegen gemeingefährliche Trunkenbold« am Volant. Prag. Di« Strafgerichte beweisen erfreulicher- weise die grösste Strenge gegen skrupellose Autnlenker. Auch der vor dem Senat H o m a n angeklagte 38jäh- rige Chauffeur Anton S l ä d e k kam nicht leichten Kaufes davon. Am 10. Dezember v. I. fuhr der Angeklagt« in angetrunkenem Zustande von C h u ch l e gegen Prag — natürlich in einem rasenden Tempo. Der linke Kotflügel seines Wagens erfasste den jungen Mediziner Wenzel HouHvikko. der ahnungslos auf dem Strassenbankett seines Weges ging, von rückwärts und warf ihn weit zur Seite. Der bedauernswerte junge Mann, der einige Wochen später zum Doktor promoviert werden sollte, erlist, wie später die Obdukston feststellte, einen Schädelbruch und eine Leberzerreihung. Der Ballettmeister des Nastonaltheaters Sasa R a s i l o v, der zufälligerweise mit seinem Wagen daherkam, nahm sich des Verunglückten an, konnte aber nur eine Leiche im Krankenhaus abliefern. Der schuldtragende Chauffeur Anton S l ä d e k aber raste, ohne sich um sein Opfer auch nur im mindesten zu kümmern, mit abgeblendeten Lichtern gegen Prag weiter und wäre vielleicht auch entkommen, wenn er nicht in Smichov, gleichfalls durch eigenes Verschulden mit einem A u t o- bu s zusammengerannt wäre. Bei diesem Zusammenstoss geriet der von Slädek gelenkte Tatra- wagen in Brand und der Autobus erlitt eine, schtvere Havarie, wobei auch drei Fahrgäste verletzt wurden. Dass der skrupellose Chauffeur auch den Tob des Mediziners Houzbicka auf dem Gewissen hatte, konnte trotz seines Leugnens schlagend nachgewiesen werden. ^Alles Leugnen und alle, zum Teil sehr läppischen Ausreden nützten dem Angellagten nichts. Er wurde des Vergehens der fahrlässigen Tötung schuldig erkannt und zu einem Jahr strengen Arre st es verurteilt, und zwar unbedingt. rb. ________ Eine„kleine Richtigstellung" Sonderbarer Zwischenfall in einem Vaterschaftsprozeß. Prag. Der Fall der 33jährigen Arbeiterin Wilma§., die Donnerstag vor dem Senat K r y s- t u f e k der falschen Zeugenaussage angeklagt war. mutet wie eine unwahrscheinliche Humoreske an. Im März 1933 bekam die Angeklagte ein uneheliches Kind, als dessen Vater sie einen geloissen Franz Srojer angab, von Beruf A g e n r, 28 Jahre alt und wohnhaft in Zizkob, Harantova 28. Das Vormundschaftsgericht nahm diese Angaben zur Kenntnis und alles schien in Ordnung. Einige Wochen später erschien aber Wilma C. in der Gerichtskanzlei und fragte bescheiden, ob sie an ihren Sport• Spiel• KUrperpflege Zweimal Frankreich—Belgien Sieg Frankreichs im Ouerfeldeinlauf.— Fu schall» Länderkampf unentschieden. Zu Ostern trafen sich französisch« und bcklgischk I Arbeitersportler in Paris zu ihrem traditionelle» Länderwetstampf im Querfeldeinlauf und im Fusses ball. DaS regnerische Wetter war beiden Veranstaltungen nicht sehr förderlich, aber das hielt wedel Sportler noch Zuschauer ab und so war es trotzdaV ein schöner und gelungener Erfolg. In Savigny wurde der Querfeldein^ lauf Frankrei ch—B«lgien au sge trage« Jeder Verband stellte acht Läufer. Die Strecke wal in drei Abschnitte zu je drei Kilometer eingeteilt- Loville(Frankreich) führte in allen Runden uiüi sicherte so seinem Verband den Sieg. Di« Eidklas'i sifizirrung lautet: 1. Loville(Frankreich) 34:16*1 Min.; 2. Vanderoos(Belgien) 50 Meter zurülsts 3. Vanderberghe(Belgien). In der MannschafÄ Wertung siegt« Frankreich mir 37 vor Belgien inii 41 Punkten. Der Fussball- Land erkämpf B elA g i e 71—F rankreich ging in Clichy vor einÄ mehrere Tausende zählenden Zuschauermenge WJj sich. Vor dem Spiel wurden die beiden Mannschaft! ten u. a. vom Genossen Guillevec begrüsst und nach' dem die Wimpel unter den Klängen der„JnteA nationale" ausgetauscht waren, begann das«pW Die Bodenverhältnisse waren infolge des Rege« nicht günstig. Die Belgier gefielen durch ihre übe« legene Technik und waren grösstenteils vor dem Tow der Franzosen. Doch zur lleberraschung errangH sie keinen Sieg und muhten sich mit einem linear schieden von 3:3(2:2) zufriedengeben. In de< französischen Mannschaft war besonders der Tort mann ausgezeichnet, welcher eine sichere Niederlage verhütete. Der Kampf war spannend und fand S« 1- verdienten Beifall der zufriedenen Zuschauer. Mitteilungen aus dem Publikum. V I« jede« guten Haushalt gehört bestimmt aU"I ein wichttgeS Mittel: Alpa-Franzbranntwein! Taf» Bestreichen von Schläfen und Stirn mit Alpa crfrssW angenehm und Einreibungen mit diesem bewährtM Präparate lindern rheumatische Schmerzen.