IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TXGUCH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii„ fochova«r. telefon 0077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR* DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Einzelpreis 70 Heller (oinschlie&lich 5 Heller Porto) 15. Jahrgang Samstag, 27. April 1935 Nr. 99 Oie Doderer-Front und ihr Wahlfond Antwort auf einen frechen Ableusnunssversuch Die Meldung, daß Herr Generaldirektor Doderer, der Totengräber von Rothau-Neudeck, als Wahlfonds-Sammler für die SHF tätig war, hat in der Oeffentlichkeit mächtig Staub aufgewirbelt. Mit einer Verspätung von 14 Tagen entschloß sich die Dodererfront zu einer Erklärung, in der es hieß: Herr Doderer, kann bei Industriellen soviel Geld sammeln, wie er nur will, die Heimatfront hat damit nichts das mindeste zu tun. Dazu bemerkt die Deutsche Landpost: „Nun, Tatsache ist, daß Herr Doderer die Sammelaktion der deutschen Industrie für die SHF sehr energisch in Angriff genommen hatte. Von Tcplitz-Schönau angefangen, dis nach Raed-Mähre» und darüber hinaus, stellte« sich, besonders nachdem Rosche sein Schicksal mit der SHF verbunden hatte, die dentsche« Industriellen in den Dienst der SHF und es hinderte sie dabei die extrem sozialistische Einstellung der Sannnelpartei absolut nicht. Heber diese Fäden zur deutschen Industrie und über die vielen sehr, sehr denkwürdigen Schleichwege und Beziehungen, wird ja noch sehr vieles zu sagen sein." Ueber die„extrem sozialistische Einstellung" der Doderer-Front dürften die deutschen Unternehmer schon besser Bescheid gewußt haben, als die„Landpost". Wichtig ist auf alle- Käste di« Konstatierung dieses bürgerlichen Blattes, daß die Sammelaktion im Zusammenhang mit dem Uebertritt Rosches in die SHF durchgeführt worden ist. Weder Doderer noch Rosche haben diese Schnorraktion je In Abrede gestellt Für wen waren aber die gezeichneten 800.000 XL bestimmt? Um alle weiteren Leugnungsversuche im Keim zu ersticken, lassen, wir den Wortlaut eines offiziellen Rundschreibens der SHF-Leitung folgen, welches den Anschluß der Roschegruppe regelt: Eger, am 12. April 1935. Weisung Rr. 88. Geht an alle Orts-, Bezirks- und Kreisleitungen. Betrifft: Eingliederung der R» f ch e-G ruppe in die SHF. 1. Auf Grund des abgeschlossene« Vertrages zwischen SHF«nd Rosche- Gruppe, vom 29. März, hat die Organisation der Rosche-Gruppe beschlossen, sich in die SHF «inzngliedern. 2. Die bestehenden Organisationen der Rosche- Gruppe lösen sich mit heutigem Tage auf. Di« Mitglieder der Rosche-Gruppe werden aufgefordert, in die Ortsgruppen der SHF einzutreten. 3. Die von der Rosche-Gruppe,«nter welchem Titel immer(DAWG, DAWG Gruppe Ro- fche, Rosche-Gruppe»der auf rund einer Wahl- gemeinschast) besetzten Gemeindemaadate bleiben aufrecht. Die Mandatare bilden bis zu den nächsten Grmeindewahlen in die betreffenden Gemeinden die örtliche» Wahlgruppcn der Rosche-Gruppe. 4. Ter Zusammenschluß erfolgte als selbstverständlich» Folge einer bereits seit längerer Zett bestehenden gegenseitige« Fühlungnahme und Nnterftützung. Daher hat die Eingliederung der Mitglieder der Rosche-Grupp« in dir Ortsgruppen der SHF in freundschaftlicher«nd lohalcr Weise zu erfolgen. 5. Dir praktische Zusammenarbeit mit der eingegliederten Grupp« möge bereits bei Aufstellung der Kandidatenliste in die Bezirksvrrtretnngen laut Bezirks-Weisung Nr. 19 in die Wege geleitet«erden. Mit deutschem Gruß für die HaupUrittnrg: Somit schließt sich die Beweiskette. Doderer hat im Einvernehmen mit Herrn Rosche gesammelt. Rosche aber ging gerade zur selben Zeit zur SHF über. Wem fließen also die Wahlfondsspenden der Industrie zu? Angesichts dieses Tatbestandes mag die Oeffentlichkeit die Unverfrorenheit jener, Behauptung einschätzen,. die da sagt, die SHF hätte mit der Doderer-Aktion„nichts das mindeste" zu tun. Soviel jedenfalls, wie sie mit Herrn Rosche und seiner Gruppe zu tun hat! Doderer verreist Ins Ausland Einen Erfolg hatte der Entrüstungssturm, der gegen die Einmischung des Industriezerstörers Doderer in die sudetcndeütsche Heimatpolitik einsetzte, doch zu verzeichnen. Herr Doderer schien mit der SHF nicht die besten Erfahrungen gemacht zu haben. Er fuhr, wie die Landpost mitteilt, erbost ins Ausland und wird erst in Oktober zurückkehren. Gute Reise, Herr Doderer I Halten sie, bitte, Platz für Henlein, Biellricht kommt er bald nach! Parteitag verschoben I Prag. Die dienstägige Parteikonferenz hat beschlossen, den ursprünglich für den 3. bis 5. Mai nach Teplitz- Schönau einberufenen Parteitag mit Rücksicht auf die Wahle« zu verschieben. Mit der Einberufung des Partei- tages für einen geeigneten späteren Zeitpunkt wurde der Parteivorftand betraut. Der Pakt vor dem Abschluß? Unterredunsen Laval*Potemkin Paris. Der Moskauer Berichterstatter des »Petit Parisien" meldet, daß nach der Sitzung ' Rates der Volkskommissare am Donnerstag l"bends dem sowjrtrussischen Botschafter in Pa- kis, P o t e m k i n, neue Instruktionen gesandt wurden, aus denen auf die Verwirklichung des Abkommens und die völlige Beseitigung der Mißverständnisse zwischen den beiden Regierungen geschlossen werden könne. Tatsächlich hat am Freitag nachmittag eine l"nstündige Unterredung zwischen Potemkin»nd Laval stattgefunden, dir den günstigen Eindruck, in amtlichen Stellen herrscht, noch befestigte, när Samstag ist eine neue Unterredung der Vei- i ben Staatsmänner vorgesehen, an der bereits > Experten und dir juridischen Berater trilneh- »>kn werden. ■ Man ist in Paris der Meinung, daß die I Pvnvention späte st ens bis Montag abends unterzeichnet werden wird«nd ^aß Laval seine Reise nach Moskau im Laufe ■ d" nächsten Woche wird antreten können. Deutschland befestigt Rheingrenze? New flott(Havas) Der bekannte Publizist und Spezialist für Fragen der Außen- balitik, Philipp Sims, veröffentlicht "s dem New-Norker Blatt" World Telegramm", kitten umfangreichen Artikel, in dem er unter Berufung auf Informationen aus einer„absolut Zuverlässigen" Ourlle schreibt, daß Deutschland viitVolldampf die demilitarisierte ® I einz o ne befestige«nd dort diesig, Kriegsmaterial vor- r ä> e konzentriere. Sims behauptet, daß die Hitler-Miliz im Rheingebiet insgeheim in eine «inienarmee umorganisiert worden sei. Der Nuntius interveniert Berlin. Bon gutunterrichteter Seite vermutet, twß der päpstliche Nuntius in Berlin, r s r«i g o, der eben aus Rom zurückgekehrt 'ft» am Freitag im Auswättigen Amte bei Staatssekretär von Bülow Vorgesprächen habe, 'uobci er diesem die Besorgnisse des Heiligen Stuhles darüber zum Ausdruck gebracht haben 'vll, daß maßgebende Stellen der nationalsoziali» "ischrn Pattei die antichttstlichr Bewegung im "'kitrstcn Maße unterstützen. £vansellsche Geistliche In Berlin verhaftet I .. Berlin. Drei Pastoren der Bekenntniskirche nid Freitag in Berlin von der politischen Polizei 'crhaftet worden, u. zw. wie von nationalsoziali- scher Seite angeführt wurd,.weil sie die aus- 'undische Presse über die evangelischen religiösen Kämpfe in Deutschland informiert hätten. Auch Men sie sich mit katholischen stellen in Verbindung g e- tk.tz t haben, um den Kampf gegen das Neu- «identum Rosenbergs gemeinsam zu führen. In Kreisen der Bekenntniskirche ist man ttatürlich sehr erregt und sieht in der Verhaftung ven Beginn verschärfter konfessioneller Kämpfe, ft® heißt auch, daß der Landesbischof von Han-\ Jober, MarahrenS, mit dem Reichsminister bes Innern Frick eine Zusamenkunst hatte, "st aber ohne jedes Ergebnis verlaufen ist.- Neue deutschbürserliche Partei Deutschnatlonale kandidieren als„Deutsche Volkspartei** Helmatfront muB Namenswechsel vornehmen Wie die„Prager Presse" meldet, hat die Regierung den Beschluß gefaßt, das Verbot vom 4. Oktober 1933 aufzuheben, demzufolge die Tätigkeit der Deutschen Rationalpattei eingestellt worden ist. Die Aufhebung des Verbotes wird im Amtsblatt der Tschechoslowakischen Republik kundgemacht werden. An Hand dieses Beschlusses ist die ehemalige Deutsche Nationalpattei in die Lage verseht, nicht bloß für die Wahlen in die Nationalversammlung, sondern auchfürdieNeuwahlenindie Landes-und Bezirksvertre- t u n g e n Kandidatenlisten aus den Reihen.ihrer in. der Selbstverwaltung eingearbetteten Funktionäre aufzustellen. Die. Parteileitung der ehemaligen Deutschen Nationalpartei seht ihre am Dienstag wegen einer.Wahlbeteiligung in Prag aufgenommenen Verhandlungen am Samstag fort und es ist mit dem Zustandekommen des Beschlusses zu rechnen, als„D e u t s ch e Volks- Parte i" in die Wahlen zu gehen. Die„Sudetendeutsche Heimatfront" Konrad Henleins nimmt, wie die„Prager Presse" weiter meldet, gegen die Wiederzulassung der Deutschen Nationalpartei'in der schroffsten Weise Stellung und hat nichts unversucht gelassen, durch ihren jüngsten Exponenten Dr. Rosche, der selbst den deutschnationalen Reihen entstammt, die berufenen Stellen von ihrem Standpunkt zu überzeugen, daß die Wiederzulassung dieser Par- tei die politische Verwirrung im deutschbürgerlichen Lager nicht verttngern kann. Es steht übrigens fest, daß die„Sudeten- deutsche. Heimatfront" n i ch t unter dieser Bezeichnung zu den Wahlen zugelassen wird, weil die demokratischen Wahlgesetze der Tschechoslowakei nur Wahlparteien, aber keine Wahlfronten kennen. Die„Heimatfront" Konrad Henleins wird infolgedessen noch vor dem 3. Mai, dem Schlußtermin zum Einbringen der- Kandidatenlisten, wenn sie an den Wahlen teilnehmen will, einen. Namen w-e ch fei vorzunehmen haben, wobei von ihren bisherigen Initialen SHF Wohl nichts übrig bleibt, denn auch die Bezeichnung„H e im ät p a r t e i" wird als unzulässig erklärt.(Diese Angelegenheit fällt in die Kompetenz des Innenministeriums! D. Red.) Ein Mahnwort Ein Wiener Genosse, der seit mehr als einem Jahre in unserer Republik lebt, schreibt uns: Ihr werdet in wenigen Tagen, in freier, demokratischer Wahl die Männer Eueres Vertrauens bestimmen, die Ihr dazu ausersehen habt, Euere Interessen in der kommenden Regierung zu vettreten. Vielleicht muß man erst das hatte Erlebnis der Emigration mitgemacht haben, um die ganze Größe und Bedeutung dieses Rechtes ermessen zu können. Wir haben im roten Wien seit eineinhalb Jahrzehnten manchen Wahlkampf erlebt, wir haben das berauschende Glück der proletarischen Mässensolidarität, den zähen, herrlich schweren Kampf um jedes Stückchen sozialen Fortschrittes erlebt. Es ist wahr, wir haben neben dem Stolz der Wahlsiege unserer Partei, hinter der schließlich mehr als zwei Fünftel des gesamten Volkes standen, neben dem Stolz unserer wundervollen Maidemonstrationen, bei denen eine Viertelmillion Arbeiter auf der Wiener Ringstraße hinter den Fahnen des Sozialismus marschierten, auch die Bedrückung darüber bekannt, daß wir ttotz Wahlsiegen und Massenorganisationen noch immer so weit vom Sozialismus entfernt waren, loir haben auch den Zweifel gekannt, ob der W e a des Stimmzettels überhaupt jemals zu dem mit allen Nerven und Gedanken ersehnten Ziel des klassenlosen, sozialistischen Staates der Freiheit führe, Das österreichische Bürgertum, Adel, Pfaf- sen, Bankherren und Industrielle haben bei uns in trauier„Volksgemeinschaft" brutale Antwort auf diese Frage gegeben. Ihr Söldnerheer aus gesinnungslosem Lumpenproletariat, ihre Kanonen und Maschinengewehre haben die Freihett vernichtet, die Brücken, die die Arbeiterschaft in stiedlich demokratischer Arbeit in eine bessere Zukunft bauen wollte, zerstört. In Oesterreich sind die Würfel gefallen: das Bürgertum, das den demokratischen Kampfboden selbst zerstört hat, wird nach den gleichen Gesetzen davongejagt werden, nach denen es an die Macht gekommen ist. Wir österreichische Sozialdemokraten sind um eine Erfahrung, eine schwer bezahlte Erfahrung reicher. Aber eben weil wir um diese Erfahrung reicher sind, können wir, die wir hier, fern von unserem Land, als Gast bei Euch Eueren Wahlkampf miterleben, vielleicht noch besser als Ihr ermessen, was es bedeutet, daß ein solcher Wahlkampf überhaupt geführt werden kann. Es geht mit der Demokratie so wie mit vielen anderen Gütern; man lernt fie er st rechtschätzen, wenn man sie verloren hat. Mag die Antwott auf die Frage, ob der Sozialismus schließlich allein mit dem Stimmzettel erobert werden kann, ausfallen wie immer— eines ist sicher: die Demokratie bedeutet fürunsdieA t e m lüft, diewirb rauch e n, den Kampf um dieses Endziel zu führen. Nur wer erlebt hat, wie im jetzigen Oesterreich Menschen, bloß deshalb weil sie eine Zeitung lesen, bloß deshalb, weil sie zu Fünft in einer Wohnung saßen, in die fascistischen Kerker geworfen werden, nur wer die freche Willkür der Bourgeoisie erlebt hat, das auf die„Klaffe der Majore" gestützt, jedes Recht des Arbeiters auf Brot und menschenwertes Dasein verhöhnt, nur der weiß wirklich, was die Erhaltung der Demokratie bedeutet. Es gibt Genossen, die mir sagten:„Was hat denn all das für Sinn? Ihr habt es ja in Oesterreich erlebt, wie die Bourgeoisie die Demokratie in dem Augenblick abwürgt, in. dem sie ihr unangenehm zu werden droht und ihren Profit gefährdet. Warum sollte es bei uns in der Tschechoslowakei anders kommen?" Ich glaube, daß diese Genössen sich irren. Als der Fascismus in Italien und dann später in Deutschland an die Macht kam; schien es wirklich, daß das BürgertutN in Terror und Rechtsbruch ein geeignetes Patenthttlmittel gefunden habe, um die Demokratie in dem Augenblick, da sie ihr unbequem wurde, zu zerschlagen. Aber gerade die Erfahrungen, die das Bürgertum seither mit dem österreichischen Fascismus gemacht hat, dürften ihm den Geschmack daran; es nochmals mit dieser Methode zu versuchen, gründlich genommen haben. Eine„autoritäre" Regierung, die von. Woche zu Woche ihres Bestandes, ja des Lebens ihrer Mitglieder nicht sicher ist, ist kein verlocken- Sri«? 2• SamStag, 27. April 1935 Nr. 99 ^ussckreibuns der Wahlen in die Landes- und Bezirksvertretunsen Das Ministerium des Innern hat am 26. April 1935 die Wahlen in die Landes» und Bezirk-Vertretungen für Sonntag, den 26. Mai 1935 festgesetzt. Die Kundmachungen darüber find in den Landes- und Bezirksamtsblättern enthalten. Die ständigen Wählerlisten liegen zur Einsicht vom 1. Mai 1985 angefangen durch 14 Tage in allen Gemeinden auf. Die Parteien haben di« Kandidatenlisten in zwei Parten spätenstens am Sonntag, dem 8. Mai 1933, bis 12 Uhr mittags den Vorsitzenden der zuständigen Wahlkommissionen (Landespräsident, resp. Bezirkshauptmann) bei den Landes» bzw. Bezirksämtern vorzulegen. Die Wahlparteien haben durch ihren Bevollmächtigten oder seinen Vertreter, welchen sich der Bevollmächtigte nach Ernennung der Mitglieder und Ersatzmänner der Bezirkswahlkommissionen für sich bestimmt und der politischen Behörde mitgeteilt hat, bei der politischen Behörde, welcher die direkte Aufsicht in der Gemeinde zusteht— und zwar spätestens Samstag, den 11. Mai 1938— die Vertreter ihrer Partei und ihre Ersatzmänner in die Kreiswahlkommissionen bekanntzugeben. Die Landes- und Kreiswahlkommissionen treten zum erstenmal über Aufforderung des Vorßtzenden zur Richtigstellung der Kandidatenlisten zusammen, des Beispiel. Es könnte sein, daß gerade der Heldenkampf, den die Wiener Arbeiter im Feber vorigen Jahres gekämpft haben und seither ungebrochen in der Illegalität weiterkämpfen, dem sterbeirden Kapitalismus auch in den anderen Ländern den Gusto genommen hat, sich den Lebensabend durch recht unsichere Gewaltexperimente zu würzen. Aber gerade weil dem Bürgertum jetzt der Weg der nackten Gewalt zur Sicherung seiner Herrschaft zu riskant erscheint» verdoppelt es die Bemühungen, die verhaßte Demokratie auf«kaltem Wege", durch Dummachen der Wähler, durch demagogische Agitation zu erledigen. Die österrei« chischen Arbeiter waren gezwungen, mit der Waffe gegen das Söldnerheer eines Bürgertums zu kämpfen, das mit brutaler Waffengewalt gegen die Demokratie zu Felde zog. Die österreichischen Arbeiter haben diesen Kampf verloren, aber die Sieger sind ihres Sieges seither nicht froh geworden,*fo wenig froh, daß das Bürgertum dieser Republik sich wohl hüten wird, das Experi- ment nachzumachen. Hier und jetzt harrt Euer eine andere Aufgabe: die, die Demokratie, die der Gegner mit verlogenen»demokratischen" Mitteln^zu untergraben sucht, mit wach r h a f t d r mo- kratischen Mitteln zu verteil d i g e n. Wir, die wir aus Oesterreich verjagt wurden und die, die drinnen weiterkämpfen, verfolgen Eueren Kampf in glühender Solidarität, mit heißem Mitgefühl. Wir haben am eigenen Leib erfahren. was der Verlust der Demokratie bedeutet, um deren Erhaltung Ihr kämpft. Wir wifien, daß Ihr um die Lust kämpft, in der allein man atmen kann, wir wifien, datz Ihr um den Boden kämpft, auf dem allein man unter menschenwürdigen Umständen den Kampf für eine glückliche strie sozialistische Zukunft führen kann. UndweilwirdaSwissen, begleiten unsere brennenden Wünsche Euere nKampf k Sozialdemokratie im Kampfe gegen die Krise Produktive Arbeitslosenfürsorge verschafft 188.000 Menschen Arbeit Die große Bedeutung der produktiven Arbeitslosenfürsorge,.' bie seinerzeit noch unter Genossen Dr. C z e ch im Fürsorgeministerium begonnen wurde und von Genossen Dr. Meißner tatkräftigst fortgeführt Wird, geht aus folgenden Ziffern hervor, di» das Fürsorgeministerium der Presse zur Verfügung stellt: Aus dem Titel der produktiven Arbeitslosenfürsorge führt das Ministerium für soziale Fürsorge zw e i Aktionen durch: Erstens bewilligt es Zuschüsse zu de« Löhnen der Arbeiter, welche bei Bauten beschäftigt sind, die östrntliche Korporationen durchführen. Aus dieser Aktion hat da- Ministerium für das Jahr 1934-35 bisher 2825 Gesuche behandelt und an Staatsbeiträgen insgesamt 44,714.400 XL bewilligt. Dadurch wurde für 137.246 Arbeitslose ein« direkte Arbeitsgelegenheit geschaffen. Die zweite Aktion im Rahme« der pro- duktiven Arbeitslosenfürsorge ist ein Kredit von 45 Millionen, respettive von weiteren 70 Millionen XL, aus dem Selbstverwaltungskörpern Zuschüsse, bzw. Anleihen für öffentlich-gemeinnützige Arbeiten bewilligt werden, falls di« betreffenden Selbstverwaltungskörprr selbst die bescheidene auf sie entfallende Quote nicht aufbringen können. Das Ministerium hat bisher aus diesem Titel insgesamt 497 Gesuche behandelt, aus Grund deren ein Staatsbeitrag, bzw. Anleihen in der Gesamthöhe von 60,370.909 XL gewährt wurden. Der Gesamtaufwand für diese produkttven Arbeiten beträgt, da für den weit aus größten Teil der Kosten der Staat, verschiedene Fonds, die Länder usw. aus ihrem Budget aufiommen, rund zehnmal soviel, nämlich 621,334.038 XL. Durch die Bewilligung dieser Gelder hat das Fürsorgeministe- rium bisher 51.065 Arbeitslosen eine Arbeitsgelegenheit verschafft. Aos beiden Aktionen haben also 188.311 Arbeitslose Arbeit erhalten, davon Heuer allein 97.704! Mllliarden-Investltionen Wie bekannt, so schreibt das..Prävo Lidu", hat die Regierung Jnvestitionspläne vorbereitet, von denen bereits ein Teil durchgeführt wird, während der Rest noch im Frühjahr und zu Gommerbeginn zur Durchführung gelangt. Im Voranschlag sind Jnvestitionsarbeiten für den Betrag von ungefähr zwei Milliarden XL vorgesehen, das Ministerium für Nationalverteidigung hat die Investitionen fast um eine Milliarde, das Eisenbahnministerium um eine Viertel-Milliarde erhöht und außerdem gibt es Projekte auf weitere zwei Milliarden Jnvestitionsarbeiten, für die bisher eine Bedeckung nicht gefunden worden ist. Nichtsdestoweniger kann man damit rechnen, daß Heuer für ungefähr vier Milliarden, günstigenfalls für fünf Milliarden Investitionen werden durchgeführt werden. Die positive Arbeit der Sozialdemokratie im Kampf gegen die Krise gehtdaraus überzeugend hervor. Unsere Kandidatenlisten ffttr die Landesvertretungen A) Böhmen: 1. Grund Bruno, Bezirksrichter und Landesausschußbeisitzer, Tetschen a. E. 2. Dr. Strauß Emil, Redakteur, Prag 3. Wondrak Heinrich, Privatangestellter, Karlsbad 4. Lorenz Richard, Privatangestellter,. V,- Trplitz-Schönau 5. Hala Franz, Fachlehrer, Kofolup 6. Jllner Franz. Fachlehrer, Landskron 7. Zenker Josef, Kleinlandwirt, Zebus 8. Hahn Otto Dr., Verbandssekretär, Rcichenberg' 9. Michel Josef, Kleinlandwirt, Barzdorf 10. Reih» Anna, Privatbeamte, Teplitz-Schonau 11. Hauff« K. W.. Privatangestellter, Turn 12. Grimm Josef, Gewerbetreibender, Saaz 13. Schwab Bruno, Sekretär, Wegstädtl- 14. Metzl Wilhelm Dr., Advokat, Dux 15. Huschner Ferdinand, Buchbinder, Aussig 16. Klrinander Gustav, Werkmeister, Grulich 17. Gulich Franz, Gewerbetreibender, Warnsdorf 18. Zettel Johann, Eisenbahner. Brüx 19. Denk Andreas, Gewerkschaftssekretär, Böhmisch-Krumau 20. Lienert Gustav, Arbeiter, Schmiedeberg 21. Bauer Ernst, Bergarbetier, Seestadtl 22. Rauscher Eduard, Rentamtsleiter, Joachims thal 23. Dietz Wenzel, Kleinlandwirt, Litschkau 24. Schäfer Else, Private, Reichenberg 28. Haas Josef, Textilarbeiter, OberleutenSdorf 26. Konrad Wenzel, Privatangestellter, Rumburg 27. Höst Anton» Bergarbeiter, Königsberg 28. Pawek Johann, Eisenbahner, Hilbetten 29. Just Franz, Textilarbeiter, Oberaltstadt 30. Hobler Josef, Kleinlandwirt, Planes. B) Mähren-Schlesien 1. Pipal Edmund, Maschinenmeister und Landesausschußbeisitzer, Brünn 2. Kamler Narziß, Bürgerschuldirekwr, Neutitschein 3. Schreier Raimund, Konsumvereinsleiter, Mährisch-Schönberg 4. Schuster Theodor, Dr.. Landesgerichtsrat, Brünn 5. Haas Wilhelm, Dr., Advcckat, Mähr.-Ostrau Unsere Üsinnmmei erscheint Mittwoch, den 1. Mai, in| verstärktem Umfang. Die D Donnerstagausgabe entfLllt anläsi- M lich des Feiertages.Am Freitag, U dem 3. Mai, erscheint unser Blatt i zur gewohnten Stunde."Th« Die Verwaltung. S 6. Ullman« Franz. Textilarbeitersekretär, Freudenthal 7. Müller Amalie. Private, Mährisch-Trübau 8. Mareth Johann, Fabrikarbeiter, Wigstadtl 9. Grund Josef, Angestellter, Olmütz 10. Zdrajil Johann, Sekretär, Brünn 11. Ullrich Josef, Dürgerschuldirettor, Jägerndorf 12. Drescher Josef, Fachlehrer, Freiwaldau 13. Zeger Karl, Kleinlandwirt, Probitz 14. Langer Alois, Kontrollor, Troppau 15. Maier Arnold, Beamter, Römerstadt 16. Jirka Adolf, Konsumvereinsangestellter, Zwittau 17. Svoboda Otto, Beamter, Reutiffchein 18. Weinest Alois, Tischler, Reitendorf 19. Ehrenreich Gustav, Bürgermeister, Mährisch-Trübau 20. Schweitzer Gustav, Professor, Brünn Oer Modus videndl Stadt des Vatikan.(Havas.) Die Verhäng lungen zwischen dem Hl. Stuhl und der Ts Verhandlungen zwischen der Tschechostowakei dem Hl. Stuhl sind demnach so weit gediehen, M ein erheblicher Teil des Modus vivendi, häufte sächlich soweit er die äußere Delimitik' rung der Grenzen betrifft, in nächst^ Zeit durchgeführt sein wird. Vom Rundfunk mm 4m PrearMMMS 1 SamStag Prag, Sender I.: 10.95 Deutsch« Presse. 12.1]’ Leichte Musik, 15.55 Nachmittagskonzert. 17.^ Klavierkonzert 17.85 Deutsche Sendung: Volkslied aus dem 16. und 17. Jahrhundert. 22.15 Tanzmui^ — Sender S.: 15.00 Lieder der Nacht. 15.30 Ko" turrelief. 15.40 Deutsche Preffenachrichten Brünn: 12.35 Orchesterkonzert. 17.00 Tanzmoio> 17.45 Deutsche Sendung: Klavierkonzert.— SHF Ostrau: 17.00 Violinkonzert. 19.15 Mandoline^ konzert. 22.30 Orchesterkonzert.— Preß barg: 19.3“ Jazzorchester. 20.50 Aus bekannten Opern V’ Operetten. 5 Roman«o* Emil Vachek-i Deutsch von Anna AurednKek »Sonntag um drei Uhr früh, Loisis," erklärte Beinsteller rührselig.»Fünfzig Jahre." Eine Pause trat ein. Die LoisiS warf den Stummel auf den Boden, mustert« Beinsteller durchdringend, dann nahm ihr Gesicht«inen sentimentalen Ausdruck an und sie sagte verträumt: »Du wirst also schon fünfzig, Ferdl... wie die Zeit vergeht... hast schon genug hinter dir..." »Jawohl, Loisis, fünfzig Jahre und neunundvierzig Strafen." Der Cherub Peperl, sonst ein kluger Junge, lachte laut auf. Die Loisis wurde wieder wütend und fing zu beulen an. »Wirst darüber lachen, du Knirps? Wirst noch lange warten, ehe du dich mit dem Ferdl nur in einem Atem nennen kannst." »Aergere dich nicht über den Buben, Loisis l Er ist mein bravster, nur ein bißchen dumm." Loisis hatte längst schon an den Pepi vergessen. Melancholisch sagte sie:»Fünfzig Jahr« wird der Ferdl... Hu, mir läuft der Tod über den Rücken... Das ist«in Jubiläum, wie es selten vorkommt. Ein Leben, das nicht ein jeder zuwege brächte.Und in der Zeitung wird gar nichts darüber stehen..." Sie maß Karl wütend mit den Augen, weil er bei ihren Worten gelacht hätte, so wie sein Bruder vorhin. Dann sprach sie mit lauter Stimme: »Von jedem dummen Schweinehändler, von jedem Reichen, von unserem Hausherrn möchte» die Schreiber eine lange Predigt in di« Zeitung setzen, obwohl dir keiner von denen das Wasser reicht! Von dir, Freund, wird aber keine Silbe in der Zeitung stehen!" Plötzlich— bei ihr war alles plötzlich—- schwammen ihre Augen in Tränen. Sie sprang zu Beinsteller und umschlang seinen Hals: »Jungens, habt ihr eine Ahnung, was es heißt, fünfzig Jahre alt zu sein? Vom Schicksal herumgestoßen werden, gehetzt wie ein wildes Tier? Man hat immer das Gefühl, im Winter nackt aus der Gasse zu stehen... So schaut das Leben aus, und ihr Mistbuben lacht noch dazu!" „Ferdl, du miserabler Bub du, hast mich mit deinem Jubiläum zum Weinen gebracht. Am liebsten möcht ich dir für die fünfzig Fahr zu Füßen fallen. Wenn es überhaupt einen Herrgott gibt, so muß er heute nacht zu dir kommen und sagen: Ferdl, Liebling, fünfzig Jahre lang hast du wie ein Hund geläbt, mach dir nichts draus, du wirst belohnt werden..." Dem Beinsteller wurde angst und bang bei der Innigkeit, mit der LoisiS diese Worte var- brachte. Auch die Umarmung, mit der sie ihn umfing, war ihm nicht ganz geheuer. Er merkte j schon lange, daß Loisis ihm mehr Freundschaft erwies, innigere Zuneigung entgegenbrachte, alS ihrer gesunden Einstellung zueinander, eigentlich entsprach. Er wußte es nicht bestimmt, fürchtete aber, daß die unberechenbare Loisis sich in den Kopf gesetzt hatte— ihn zu verheiraten. Ihn mit sich selbst zu verheiraten—natürlich. Er sehnte sich ganz und gar nicht nach der Ehe, am wenigstens mit der Loisis. Obwohl er sie gern hatte, wie man eben eine alte Freundin gern hat, wußte er genau, daß sie eine ganz schlechte Gattin wäre. Beinsteller war ein Dieb, aber er hatte Charakter. Die Loisis war eine alle Dirne. Sie ttank gern und war der Schrecken ihrer ganzen Umgebung. Ihre Hysterie hatte die eigen« willigsten, unberechenbarsten Formen. Einmal hielt sich die Loisis für eine große Dame, dann erschien sie in Seide, die Finger voll unechter Ringe. In dieser Zeit mußte die Hausmeisterin die Kammerjungfer spielen. Loisis ignorierte alle ihre alten Bekannten, besuchte elegante Kaffeehäuser und BarS, wo ihre Vornehmheit mit einem tüch- tigen Affen ein jähes Ende fand. Im Handumdrehen verwandelte sie sich in ein einfaches, alterndes Freudenmädchen der Vorstadt, das ohne jeden Anlaß Menschen prügelte, die chr just in den Weg kamen. Sie zerschlug in den Wirtshäusern das Geschirr, zerkratzte die Gesichter ihrer Freundinnen und bewahrte nur ihren scharfen Instinkt: Angst vor den Wachleuten. Wenn es noch so schlecht um sie stand, gelang es ihr seltsamerweise immer wieder, ihnen auSzuweichen. Dann erwachte sie aus ihrem Rausch und fühlte sich als schlichte, fromme Frau, die nur von einer Sehnsucht erfüllt war: Gott. Sie verschwand in Kirchen, beichtete lange und schmerzlich, manchesmal fünfzehnmal täglich in verschiedenen Stadtvierteln, ging zu den Nonnen, um sich seelischen Txost zu holen und träumte davon, den Rest ihres Lebens in klösterlicher Einsamkeit zu verbringen. Eines Tages— es kam ganz unerwartet—- verlor sie jede Spur von Frömmigkeit und wurde eine zänkische, keppelnde Person von unglaublicher Arroganz. Sie hetzte die Nachbarn gegen, einander, schrieb anonyme Briefe und stürzte sich in eine neue Verwandlung. Sie hatte diese Verwandlungen dutzendweise in Vorrat, sie erfüllten ihr ganzes Leben, bis auf einige nüchterne Tage, da sie abwechselnd sanft und schwermütig war. Dann wieder kamen Zeiten, da sie ihre Freunde von Selbstmordversuchen zurückhielten, die sie bereits einige Male inszeniert hatte. Nein, das Leben mit Loisis wäre keineswegs angenehm gewesen, auch wenn sie Beinsteller liebte. Er wußte nur zu gut, daß sie es mehr auf seine Geldbörse als auf seine Liebe abgesehen hatte. Deshalb befreite er sich zart aus ihrer Umarmung und sagte beschwichtigend:„Aber Loisis, das alles darf man doch nicht meterzentnerschwer nehmen! Ich will ja nicht heulen, ich will fidel sein, hab doch allen Grund, stolz zu sein!" „Das nimmt dir doch niemand. Ferdl,& jeder weiß doch, daß du ein tüchttger Fachman" bist." „Fachmann, Loisis l Das glaub ich. Wee" man„Beinsteller" sagt, so nennt man ei»> Marke. Wer hat diese Cherubinen entdeckt?.W Der Beinsteller!" Die Loisis, die ihren Plan noch nicht auf* gegeben hatte, versuchte eS nun mtt der Lod' Hudelei. „DaS solltest du mir einmal erzählt»' Ferdl!" „Ja, das ist eine sonderbare Geschiihll- Loisis. Das waren höhere Eingebungen. T«' malS ist eS elend gegangen. Die Wachste" haben jeden wie einen falschen Groschen gekaM» und haben mich erwischt, ehe ich noch waS angt' stellt hatte. Ich hab schon gedacht, daß ich Unternehmen in der Elektrischen aufgeben u»* etwas anderes probieren muß. Mit den Finget haben die Leute auf mich gezeigt, weil meint Photographie in allen Zeitungen war. Kau? war ich im Wagen erschienen, so haben alle dir Hände auf die Taschen gehalten. Dem Kondul* teur haben sie zugerufen:„Haben Sie noch Jh? Tasche?" Ja, damals war ich schlecht daran, Lo>* siS; ost hab ich einen rechten Hunger gehaft' meiner Seel!" „Das weih ich, Ferdl, hab' ich dich damals nicht gefüttert?" Beinsteller wußte nichts davon» ließ abef Loisis dieses Verdienst und fuhr fort:„Ich Hai Theater gern, aber ein gutes Theater, nicht eint Dilettantenschmiere. Im Theater nämlich falle» mir die besten Gedanken ein. Und einmal, da mH ich bei einer Vorstellung:„Cyrano" hat das Sti^ geheißen, und als der naserte Kerl seine Kamt* raden versammelt und sie über den blauen Kitt lobt, da hab' ich eine Idee gehabt. Das wär' waö- Ferdinand, so eine verläßliche Bande müßte ms» haben! .(Fortsetzung folgt. Nr. SS SamStag, 27. April 1935 Seite 3 Mrd Griechenland • wieder Königreich? M London. Der ehemalige König von Griechenland, Georg, ist Freitag abends in London eingetroffen. Er erklärte dem Berichterstatter des Reuter-Büros, daß die Gerüchte über seine 'angebliche Rückkehr auf den griechischen Thron das Produkt einer überreizten Phantasie darstellen. i Dagegen erklärte der Stellvertreter des griechischen Ministerpräsidenten K ntylis zu den Nachrichten über eine Tagung der griechischen Monarchisten in Paris, daß die Frage einer Aenderung des Regimes bisher überhaupt nicht aufgetaucht sei. S p ä t e r, bis alle dringenden Staatsprobleme geregelt sein werden,„werde die hellenische Regierung nicht zögern, wenn dies der Wunsch der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung sein wird, dem Volke die Frage des Regimes, frei von allen Verpflichtungen gegen wen immer, zur Entscheidung vorzulegen. Die Entscheidung des hellenischen Volkes werde dann allseits respektiert werden." Wollen Sie zuschauen wie sauber Vitello gemacht wird? Bitte besichtigen Sie unsere mustergültigen Anlagen in Krischwitz bei Tetschen an der Elbe. Ist jede Margarine gleich gut? Nein! Je edler die verwendeten Rohstoffe, Je sauberer und hygienischer die Erzeugung, je tüchtiger und erfahrener die Fachleute, die die Herstellung leiten, desto besser ist die Margarine. Selbstverständlich beeinflußt die Qualität auch bei der Margarine den Preis. Die beste Margarine muß etwas teurer sein als mindere Qualitäten. Unübertroffen ist heute VITELLO MARGARINE fudetendeu tedicr Zeitepie^cl Sozialdemokratische Riesenkundgebung in komotau Einen grandiosen Auftakt des bevorstehenden Wahlkampfes bildete die große öffentliche Wähler-Versammlung unserer Partei, die am Freitag abends in den Parksälen inKomota« statt- sanh und an der weit über 2000 Personen teilnahmen. Das Referat erstattete Abgeordneter Genosse Wenzel Falsch, der auf die Bedeutung der Wahl hinwies und betonte, daß deren Ausgang für das Schicksal der sudetendcntschen Arbeiterklasse entscheidend sein werde. Seine aufschlußreichen Darlegungen, die zugleich eine wuchtige Anklage gegen die Henleinfascisten waren, wurden öfter durch Zustimmungskundgebungen unter» örochrn und am Schluß mit minutenlangem Beifall quittiert. Das„W a h l- K o in i t c derdeut- e n Kaufmannschaft" versendet an »ie Mitglieder der Gremien ein Rundschreiben, in hem es u. a. heißt: ■ Liebwerter Kolleg«! L<. Sie wissen, daß die dauernde Zurücksetzung des Handelstm öffentlichen Leben zu Gunsten agrarischer und Marxistischer Interessen nur darauf zurückzuführen ist, daß er auf parlamentarischem Bo- ben so gut wie keine Vertretung hätte. Wir sind nun in der angenehmen Lage, Ihnen Mstteilen zu können, daß diesem unhaltbaren Zustande ein Ende bereitet werden kann. Denn durch Vermittlung des Herrn Abg. Dr. Rosche sindderdeutschen Kaufmannschaft angesichts der bevorstehenden Wahlen innerhalb der S H F 1 bis 2 Parlamentsmandate angeboten worben... Wir haben daher das Anerbieten angenommen, halten es aber für Ehrenpflicht, daß nunmehr aus Kreisen des Handels zum Wahlfonds ber Partei entsprechend beizest e ü e r t werde. Im' Sinne dessen ersuche« wir Sie, die dortige deutsche Kaufmannschaft zu einer unverzüglichen Speisung dieses Fondes aufzurufen. Die einlangenden Beträge sind an die Kreditanstalt der Deutschen, Hauptstelle Prag, zu überweisen und werden von feder Filiale dieser Anstalt entgegengenommen. Wir bitten, dieser Einladung so rasch und so ausgiebig als möglich nachzukommen. Zu näheren Informationen steht daz Wähl-Ko- mite des Deutschen Handels unter dem Vorsitz des Herrn Landesvcrtreter R. C z i r n i ch, Böhm-Leipa, zur Verfügung. Beachten Sie: Es geht um die Zukunft eines bet wichtigsten Bestandteile der Wirtschaft dieses Staates! Es geht um die Zukunft des Handels! • Es ist rührend, wie schlicht kaufmännisch hier das ganze Problem von Volksgemeinschaft, Bewegung und nationaler Einsicht in die nüchterne Sprache der Tatsachen übersetzt wird. Da schwefelt der Konrad von S u- detendeutschen Ostern, vom heiligen Lehen von der Durchbruchsschlacht, der Entscheidung und der An der Debatte sprach für die kommunistische Partei Herr Redakteur Freund, der in Revolutionsromantik machte, ohne allerdings zu sagen, wie er sich die Verwirklichung seiner revolutionären Pläne praktisch vorstrllt. Dem Genosse» Jaksch war es ein leichtes, den Versammlungsteilnehmern im Schlußwort auseinaderzu- srtzen, daß man in der Politik mit leeren Phrasen nicht weit kommt, weil man da mit realen Tatsachen rechnen muß. Mit dem Appell, des Vorsitzenden Genossen R e i ch l, am 19. Mai vom Stimmrecht den richtigen Gebrauch zu machen, wurde die herrliche Versammlung, die von dem Kampfgeist der Komo- taurr Arbeiterschaft ein glänzendes Zengnis ablegte und ohne den geringsten Zwischenfall verlief, geschloffen. Igläubigen Sehnsucht der Herzen, aber in die Sprache der praktischen SHF^ Politik übersetzt heißt das doch nur: Was zahlt man jetzt für ein Mandat? Wir offerieren Ihnen 2-—3 Stück ä.:.. Kä. Weil wir vom Lehen reden— pumpen S t e uns etwas für den Wahlfonds! Aber gern, ist doch Ehrenpflicht. Die Interessen des Handels, bisher von der DAWG betreut, werden auf diese Weise durch einen Handel„Hier Geld— Hier Mandat" von der SHF zu den ihren gemacht. Hoffentlich wissen die apostrophierten agra- rischenund marxistischen Preise, also Bauern und Arbeiter, wo sie ihre Interessenvertretung finden! Oie kreunde Henleins Daß Henleins politische Freunde und Verwandte die Nationalsozialisten im Reiche sind, dafür braucht man angesichts der Unterstützung und der Propaganda, die der reichsdeutsche Rundfunk für die Sudetendeutsche Heimatfront entfaltet, kei- Die Todeskandidaten Paris. Der Berliner Korrespondent deS „Le Journal" meldet, daß»infolge der Entscheidung über die Unterordnung aller rcichsdeutschen Prrsseerzeugniffe unter die Kontrolle der Nationalsozialistischen Partei eine Anzahl bedeutender Blätter in ihrem Bestände bedroht ist, so u. a. die „Frankfurter Z e i t u n g", die„M o r- g e n p o st",„B. Z. a m M i t t a g", die „Brrgwerks-Zcitun g", dir„Leipziger Neuesten Nachrichten" ufw. Amerikanisches Flottenprogramm wird nicht gekürzt Washington. Tas Repräsentantenhaus hat einen Abänderungsantrag zum Budget des Ma- rieneministeriums, durch welchen der Bau von 24 neuen Kriegsschiffen im Laufe des Jahres 1936 unmöglich gemacht werden sollte, abgelehnt und damit bekundet, daß es jedweden Aufschub sowie jede Verringerung des Marineprogramms ablehnt. nerlei andere Beweise mehr beizusteuern. Aber wichtig ist, aufzuzeigen, daß die nationalsozialistische Reichsregierung, die vorgibt, den Sudetendeutschen helfen zu wollen, durch ihre wirtschaftlichen Maßnahmen gerade die Arbeiter und die kleinen Gewerbetreibenden im sudetcndeutschen Gebiet empfindlich schädigt. Ein Beispiel dafür ist die Neudeker Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei. Dieses Unternehmen, das bis vor einem Lahre in großem Umfange seine Erzeugnisse nach Deutschland geliefert hat, war schon im März vorigen Jahres gezloungen, große Betriebsein- schränküngen vorzunehmen und schließlich mehr als 500 Arbeiter zu entlassen, weil infolge der Einfuhrdrosselung der Absatz zu stocken begann. Jetzt hat das Unternehmen weitere 250 Arbeiter entlassen, und die noch verbleibenden 600 Arbeiter müssen nach jeder Woche Arbeit 14 Tage aussetzen. In schlimmer Lage befinden sich, ebenfalls durch das Vorgehen der reichsdeutschen Behörden» die Gastwirte, wie überhaupt die auf die Fremdenindustrie angewiesenen Bevölkerungskreise in den Grenzgebieten, besonders in der böhmischen Schweiz...Infolge der. planmäßigen Propaganda gegen den Besuch der Tschechoslowakei, und des Verbots, mehr als zehn Mark mit über die Grenze zu nehmen, ist der Fremdenverkehr, der früher stark war, fast ganz unterbunden, und die bereitstehenden Uebernachtungsgelegenheiten können nur noch von wenigen Ausflügler« in Anspruch genommen werden. Der geschäftliche Ausfall bringt die auf den Fremdenverkehr eingestellte Bevölkerung in eine schwere wirtschaftliche Notlage. Es ist notwendig, den Opferns und darüber hinaus weiteren Kreisen, klar zu machen, daß es die Gesinnungsgenossen der Hcimatfront sind, die sic in den Ruin hineintreibcn. Henlein-Tagblatt im Mercy-Verlag? Die Meldungen, daß Konrad Henleins»Heimatfront" noch vor den Wahlen in Prag eine Tageszeitung herauszugeben gedenkt, sind zu bestätigen. Tas Blatt soll an Stelle der bisherigen„Sudettndeutschen Tageszeitung" erscheinen, die der Deutschen Nationalpartei als Parteiorgan zur Verfügung stand. Die Verhandlungen über die Druckerei, die das Organ herstellen soll, sind bisher nicht abgeschlossen. Nach den Informationen der„Pr. Pr." besteht die begründete Aussicht, daß die mit. dem Mercy-Verlag in Prag eingeleiteten Verhandlungen zu einem positiven Ergebnis führen werden. Die Schweiz läßt nicht locker Bern. Der schweizerische Bundesrat hat in seiner freitägigen Sitzung die Note festgelegt, die im Falle Jakob an die deutsche Regierung in Beantwortung ihrer Rote ergehen wird. Die Schweizer Note wird Sonnahend durch den Schweizer Gesandten in Berlin im Auswärtigen Amt überreicht werden. vonaukonkerenz am Z. Juni Rom. An amtlichen Stellen wird erklärt, daß die Einladungen zur Donaukonferenz in Rom an Polen, Rumänien und an die Nach- barländerOesterreichs gesendet wurden. Bulgarien wird in dem Falle eingeladen werden, wenn die Aufrüstungsfrage zur Verhandlung gelangen würde. Man rechnet damit,^daß die Konferenz am 3. Juni zusammentreten wird. Soben erschienen: Karl Heinz: Na