Mittwoch, 1. Mai 1935 15. Jahrgang Einzelpreis 70 HtUtr («imchlieBlich 5 Holtor Forte) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XIU FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURt WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Heraus zum roten Massensturm! , Wir brauchen heute-en Arbeitern ^icht zu sagen, daß dieser Tag i m Z e i- Een des Kampfes steht. Die Er eignisse der letzten Tage haben es zur Ge nüge bewiesen. Wirbrauchenkeine Mmpfparolen auszugeben— die Ge nossen in Westböhmen, im Böh- Nlerwald, in Mähren, im Brau- Nauer Ländchen haben durch ihre B lutzeugenschaft der gesamten Arbeiterschaft bewiesen, in welch hartem Kampfe wir stehen, welchen Gegner wir Nor uns haben, aber auch wie treu und opferbereit ein Soldat des Sozialismus J entscheidungsvoller Zeit zu seiner Fahne steht. Die heurige Maifeier ist nicht zu Kennen von dem Wahlkampf, die Demon- Mation für den sozialistischen Mai-Ge- oanken nicht von dem Bekenntnis, das ^ir am 19. und am 26. Mai für die Poli- E« der Partei ablegen werden. Je macht aller unser Aufmarsch am Ersten Mai, oosto größer wird der Elan sein, mit dem wssere Vertrauensmänner den Wahl- üunpf ausfechten werden. Unsere Gegner Weiten mit allen Mitteln der Gewalt blöder Lüge. Wir haben ihnen nichts ^lgegenzusetzen als unseren Idealis- Eus,unsere nackten Fäuste, un sren Glauben an die Berechtig« -ou der sozialistischen Sache. Daß unser Idealismus lebendig, daß unser Mut Mk, daß unser Glauben unzerbrechlich W'^das wollen wir heute durch unser "Urtes und sichtbares Zeugnis erweisen. Es ist für viele Arbeiter schwer ge worden, sich offen zur sozialistischen Sache wE zur Demokratie zu bekennen. Unter khmer und Meister sind nicht nur Agi- tatoren, sondern auch die erbarmungs- wsen Vollzugsorgane der fascistischen WF, die jeden Tag bereit sind, den Wnnungstreuen sozialistischen Arbeiter M seinem Arbeitsplatz verjagen, auf wo Straße setzen, ihn heimatlos machen Ä. lassen, um an seiner Statt einen Mietling der Kapitalisten und des Hitle- wsmus einzustellen. Der Arbeitslose, ^urit uns geht, muß gewärtig sein, daß M der Bürger und daß ihm die bürger- Uen Fürsorgestellen auch in bitterster "ot jede Hilfe verweigern. Denn Volks- t^emschast, christliche Nächstenliebe, Menschlichkeit— sie gelten für den deut- Bürger von 1935 nur soweit, als seine kleine Leistung größeren Ge- Mienst erhält, sofern er für einen Bet- s lreuzer dem notleidenden Volksgenos- >rn die Seele abkaufen kann. ... schwerer es für Zehntausende zur Fahne des Sozialismus, zu Men, desto treuer müssen wir die meistbedrohten Brüder durch das Band der W.anisation, durch die Gewißheit der Solidarität schützen. Wir wollen am Ersten nicht nur unseren Willen zu tätiger Hilfe, zu wirkli- ? e r Kameradschaft bezeugen, sondern vor allem die Verbundenen h e i t aller Unterdrückten und Hungernden in derbefreienden Idee des Sozialismus. Stärker als je muß in dieser Zeit der alte Maigedanke uns durchdringen, daß es für die Arbeitenden in aller Welt nur den einen Ausweg aus der furchtbaren Not des Proletarierdaseins gibt, den Weg zu einer gerechten Ordnung, zum Sozialismus. Stand der Sozialismus vor unseren Vätern als die ferne Zukunftsvision, der sie ihr Leben weihten, ohne die Erfüllung selbst noch erleben zu können, war er für die Generation des Weltkrieges und der Nachkriegszeit schon das aktuelle Gegenwartsproblem, um dessen Verwirklichung wir gerungen haben, zu dem es viele Wege zu geben schien, das langsam in den Bereich der Gestaltung trat, so ist er für die heute lebende und kämpfendeGenerationdie unmittelbare Frage von Sein oder Nichtsein. Die kapitalistische Wirtschaftsorvnung bricht zusammen, aber der Zusammenbruch hinterläßt nicht ein wohlbestelltes Feld, von dem wir ernten könnten, sondern er droht uns unter den Trümmern zu begraben. Nur wenn wir alles einsetzen, werden wir in das Trichterfeld wilder Kämpfe die lebendige Saat der neuen Gemeinschaft senken und in einer schöneren Welt weiterwirken können. Der zusammenbrechende Kapitalismus stürzt die Menschheit in neue Kriegsgefahren. Nur die Versöhnung der Völker in einer sozialistischen Gemeinschaft kann den Krieg von uns abwenden. Was vor 45 Jahren ferne Zukunft, was vor 15 Jahren ein Problem der Taktik und der staatsmännischen Gestaltung war, heute ist es bitterste Schicksalsfrage von Millionen.' Gerade weil der Sozialismus der einzige Ausweg der leidenden Menschheit ist, hat die Klasse der Ausbeuter in diesen Jahren der Entscheidung alles mobilisiert, um ihn niederzuwerfen, um den Harrenden und Hoffenden das Tor einer schöneren Zukunft zu versperren, ehe die Ersten es durchschreiten. In Italic n, in D e u t s ch l a n d, in O e st erreich hat die Bourgeoisie sich aller Mittel der Gewalt, der List, der Tücke bedient, um den Sozialismus zu Fall zu bringen. Wir denken heute schmerzlicher als sonst an unsere unterdrückten Brüder in diesen Ländern, wir denken voll Groll, Bitternis und Schmerz, aber auch voll glühenden Hasses daran, daß Wortbruch und Meineide der Staatsmänner, daß der würgende Zugriff der Henker, daß die Argumente des Maschinenge wehrs und der christlichen Haubitzen, daß die Schändung selbst des Wortes„Sozialismus" durch die lumpigen Söldner des Kapitals die Festungen der Arbeiter Deutschlands und Oesterreichs zu brechen vermochten. Mörderische Gewalt hat die rote Fahne vom Wiener Rathaus niedergeholt, die entfesselte Bestialität von Hunderttausenden Schergen hält die Arbeiterschaft Deutschlands nieder. Ihr Seite 2" Mittwoch, 1. Mai 1935 Nr. 102 Vatikan gegen Pressegesetz Paris. Der Berliner Berichterstatter der „Information Finanettre" meldet, daß der päpstliche Nuntius in Berlin Ms-re. Orsenigo am Dienstag bei der deutschen Regierung einen diplo» ma tischen Protestschritt gegen das neue gegen religiöse Zeitschriften gerichtete Pressegesetz unternommen habe. Dieses Gesetz, das die religiöse Presse in Deutschland radikal aufheben will» bedeutet in den Augen des BatikanS, wie in der Depesche hinzugefügt wird, eine offensichtliche gewaltige Verletzung drS g cl- tendcn Konkordats. Schicksal soll uns warnendes .E x e m p e l sein. Die letzten Tage haben bewiesen, daß die sudetendeutsche Arbeiterschaft den Sinn des Kampfes begriffen hat, der jetzt um die Schlüsselstellungen der Staatsmacht und der Wirtschaftsführung in der Tschechoslowakei tobt. Der erste Mai soll ein weiterer Beweis sein und von Stadt zu Stadt, die Grenzberge entlang eine Kette der Treue, der Solidarität, des Glaubens schließen, die sie nicht brechen werden! Unsere Feinde suchen hier wie anderswo das demokratische Instrument der Wahl zu gebrauchen, um das Volk zu entrechten, um es selbst den Todesstoß gegen seine Freiheit sAhren zu lassen. Sie werden versuchen, durch Lüge, Verleumdung und Panik das Uptell der Wähler zu trüben, in der Verwirrung zu siegen. Nichts kann diesem Vorhaben wirksamer einen Riegel vorschieben, als die Heerschau des Ersten Mai, die unsere Kraft erweisen, unsere Gesinnungstreue zeigen, uns Gelegenheit geben soll, einander die Hände zu reichen und uns Zusammenhalt zu geloben für die nächsten Wochen schwerer Kämpfe und für immerdar. Zeigen wir beit Feinden der Arbeiterschaft, daß der Marxismus l e b t,, daß die Sozialisten bereit sind„für ihre Idee zu kämpfen, daß .Zehntausende Zeugnis ablegen für die Gedanken des Friedens, des brüderlichen Zusammenhalts der Arbeitenden, des Aufbaues einer neuen Welt! Je gewaltige rd er rote Massensturm heute durch das Land braust, je lauter er unseren Gegnern in die Ohren dröhnt, je stärker er an den morschen Säulen des Kapitalismus rüttelt, umso größ er wird der" Triumph des Volkes am Tage der Entscheidung sein! 8 Dornin von Emil Yirhrlc-—i i_ Deutsch von Anna Aurednltek So blieben denn die, Kvnrade im Weizen stehen, das heißt die soliden Mieter blieben bei dem interessanten Gelichter, welches das Haus C.-Nr. 6660 auch weiter mit einem außergewöhnlichen atmosphärischen Druck' und wechselnder Buntheit versorgte. Hier hausten zwei Diebsfamilien, die sich auf das Plündern der Weinberger Dachböden spezialisiert hatten. Sie galten übrigens für musterhafte und angenehme Mieter. Hier wohnte auch die ruhige Näherin Smetanka, eine träumerische Seele, auf die das Mondlicht, verhängnisvoll wirkte. Sobald Vollmond war, galt es als gefährlich, an ihrei/Tür vorbeizukommen, denn die Näherin, auf die Dauer von vier Nächten zur Kurie geworden, stürzte sich mit bösen Worten und einer Schere auf jeden, der vorüberkam. , Setter wohnte im Vorderhaus die schwarze Katy, von der schon die Rede war. Sie war eine äußerst einflußreiche Person, nicht allein im Haus, .sondern auch in der Umgebung, und wurde von aller Welt verehrt. Sie hielt sich für den Schutzengel der Krauen, für die sie mit einer Bibliothek blutrünstiger Romane, mit ihrer prophetischen Gabe, ihrer Hebammenkunst und den Zimmerchen sorgte, worin Krauen in diskreter Lage Unterkunft fanden. Die Bibliothek, die sie nach ihrer Schwiegermutter geerbt hatte, war eine Rarität, ein Unikat. Es war eine vollkommene Sammlung blutigster Romane mit imponierenden Farben« drucken von so erschütterndem Inhalt,. daß die Bücher von Hand zu Hand gingen. Das Hebam mendiplom war der schwarzen Katy vom Gerichtstribunal weggenümmen worden. Wenn man den Reden der Leute glauben konnte, dann hatte diese Engelmacherin so unzählige vorzeitige Begräbnisse besorgt, daß sie den Folgen einer kleinen Schlacht glcichkamen. Wie alle Leichenbestattuntzsunterneh- mungen gebärdete sich die schwarze Katy mtt entsprechender Würde. Sie ging stets im schwarzen Ripskleid und mtt würdiger Haube zur Stadt. An den Händen trug sie schwarze, genetzte Halbhandschuhe. Sie sagte von sich: Ich bin die größte WohltAerin des armen Gesindels, und ihr Auftreten war tatsächlich eine Mischung von aristokratischer Erhabenheit und demokratischen Scharms. Die größte Zierde des Hauses C.-Nr. 6660 war jedoch die Hühnersteige. So hieß nämlich die Pawlatsche im ersten Stock. Sie war in der Zett entstanden, da ein einziger Dieb die Hühnersteige bewohnte. Es war Ferdinand Beinsteller, der älteste Mieter des Hauses C.-Nr. 6660, ein stiller Mensch, der nur selten auf der Pawlatsche erschien. Di« anderen vier Wohnungen waren von»Dämchen" in Untermiete besetzt. Nachdem sie am Nachmittag ausgeschlafen hatten, sonnten sich diese Fräuleins auf der Pawlatsche» schwatzten, naschten, kicherten und tratschten. Zwei- bis viermal die Woche rauften sie; zumindest fetzte eS einen scharfen Streit. Dann verwandelte sich die Pawlatsche in eine Bühne, das Haus in den Zuschauerraum. So erhielt die Pawlatsche ihren Beinamen. Diese Zetten gehörten der Vergangenhett an. Bon den fünf Dämchen war nur die Generalstochter, die schlamperte LoisiS, der Hühnersteige treu geblieben, zu deren Wohnung die zweite Tür neben Beinsteller.führte. Die dritte Tür ging in die Wohnung des Setzers Iaroslaw Duffek. Gar oft vernahm man Jammern, Flüche, Schläge, Beweise ehelicher Zwisttgkeiten. Die gab es immer, wenn die verblühte Frau Duffek ihren stattlichen Mann, den Vorstadtapollo Iaroslaw, der Untreue beschuldigte. Die vierte Wohnung gehörte der stillen Marie Maschin. Sie war eine gute, unendlich fruchtbare Frau, die das Schicksal mit einem Gcncrfllangnit auf die Krise Gegen Wirtschaftsverfall und Massenelend— Für Aufbau der sozialistischen Gesellschaft! Bon der Krise der kapitalistischen Wirtschaft wird in der Tschechoslowakei das sudetendeutsche Gebiet and seine arbeitende Bevölkerung besonders hart mitgenommen. Die wichtigsten Industrien unserer Wirtsibaft, so die Texttl-, Glas-, Keram-, Ton-, Metallindustrieü. der Kohlenbergbau find eS, die 60—80% ihrer Erzeugung zur Ausfuhr bringen müssen, wenn ihre Betriebe normal beschäftigt sein sollen.'Aber die Ausfuhr hat in den Jahren der Krise einen jähenRie- d e r.b r u ch erfahren: von Wer 21 Milliarden Kronen Ausfuhrwert im Jahre 1928 waren 1933 noch" 5.8 Milliarden Kronen übriggeblieben. 1934 konnten wieder für 6.4 Milliarden Kronen tschechoslowakische Waren ausgeführt werden. Hinter diesen nüchternen Ziffern verbirgt sich sowohl der Zusammenbruch vieler Jahrzehnte aller Exportindustrien unseres Staates, als auch das unsägliche Elend von wenigstens zweieinhalb Millionen Menschen; das seine Folge ist und das durch die Profitsucht der Privatkapitalisten eine ungeheuerliche Steigerung hat. Nach einer Erhebung des deutschen Ge- werkschaftSbundcs sind seit 1929 in den Grenzgebieten 560- größere Betriebe dauernd stillgelegt worden, in denen 102,624 Personen beschäftigt gewesen sind. Ueberall sieht man stillstehende Fabriken, und immer zahlreicher sind in den letzten zwei Jahren die Fälle geworden, in den sudetendeutsche Jndustrieunternehmer ihre allen Betriebe in den Grenzgebieten ftillegen und mit ihren Maschinen und anderem Kapital ins Ausland gehen. Durch das Zusammenwirken der Krisenfolgen und der privatkapitalistischen Profitsucht sind so nicht nur einst aufstrebende Industrieorte, sondern ganze Bezirke im sudetendeutschen Grenzland in Jndustriefriedhöfe verwandelt worden. Die Namen Rothau» Neudek, Holei- schen, Friedland, Zwickau werden immer die Erinnerung an die Tatsache' wachrufeu, daß privatkapitalistische Profitgier und Brutalität daS Elend für die Krisenopfer vermehrte und verschlimmerte, daß deutsche Jndustrieherren deutsche Arbeiter und Arbeiterinnen existenz- und erwerbslos machten, und sie mit ihren Kindern und sonstigen Angehörigen dem würgenden Hunger und der zermürbenden Not überantwortete«, ohne sich auch nnr daS gering, ste Gewisse« daraus-».mache«! Es ist notwendig, immer wieder darauf hin- zuweisen, bastzahlreiche. Betriebsstillegungen nicht durch die Krise erzwungen worden sind. ES seien hier nur die Eisenwerke Rothau und die Glaswerke Höllischen genannt. In beiden Fällen fielen der planlosen kapitalistischen Rattonalisierungs- sucht moderne Produktionsbetriebe und die Existenz von tausenden Arbeitern zum Opfer. In dem einen Fall war der Heimatfrontler Doderer dll treibende Kraft, in Holeischen erzwange« die Kapitalisten des internationalen Hohlglaskartells die Schließung! Es rächt sich heute an den schuldlosen Arbeitern auch die in früheren Zeiten von den damaligen bürgerlichen Beherrschern der sudetendeutschen Gemeinden betriebene engstirnige Jndustrieausschließungspolttik. Um die ortsansässige Arbeiterschaft ohne Konkurrenz in de« Händen zu haben, ist damals von den Fabrikanten und ihrem willfährige« Anhang manches Gesuch um die Niederlassung neuer Industriezweige abgelehnt worden.." Sie wollten die alleinigen Herren und Gebieter Wer„ihre" Arbeiter sein. Auch für diese Sünden müssen jetzt die Opfer schwer büßen. Vas soll nun werden? Sollen die Jndustriefriedhöfe eine Dauererscheinung in unserem Staate werden? Sollen Wer 800.000 Menschen noch weitere Jahre hindurch ohne Arbeit und Erwerb bleiben? Solle« alle weiteren Tage ihres Lebens nur rin Steigen der Elendswelle bringen» in der sie unterzugehen drohen? Soll eine neue Generation heranwachsen, die die produktive Arbeit nur noch vom Hörensagen kennt? Und soll endlich eine Keine Schicht von Jndustrieunternehmera die PrvdukttonSstätten und ihre auf das Eigentum über sie beruhende Verfügungsgewalt über die Wirtschaft weiterhin für privategoistische Zwecke mißbrauchen dürfen? Die sich gern als.Wirtschaftsführer" aufspielenden Herren sind» wenn auf diese Fragen um Antwort gebeten wird, nicht mehr so gesprächig wie einst. In den ersten Krisenjahren meinten sie, man solle ruhig abwarten, diese Krise werde ebenso vorübergehen, wie andere vor ihr. Allerdings vergaßen sie nicht hinzuzufügen, daß die Löhne und Gehälter abgebaut werden müßten» um die Produkttonskosten zu senken und die Konkurrenzfähigkett auf den Aüslandsmärtten herzustellen. Mit der Ausdehnung der Massenarbeitslosigkeit gelang ihnen auch der Lohnabbau in weitgehendem Umfang. Und der Erfolg? DaS kapitalistisch« Rezept der Krisenbe- kämpfnng verstrickte so die Wirtschaft immer tiefer in da- Krisennetz. Dann empfehlen sie noch ein anderes Mittel: DerStaat sollte sie von dem Unternehmerrisiko befreien, sollte ihnen in riesigen Ausmaßen Subventionen gewähren, sollte ihre Schulden übernehmen, die teilweise noch aus jenen Jahren stammen, in denen sie beträchtliche Profite eingeheimst haben. Dafür sollt« der Staat die soziale Hilfstätigkeit an den Aermsten des BolkeS einschränken. Dagegen bäumte sich daS soziale und demokratische Gewissen der Arbeiter, Angestellte«, der Bauern und ihxer Organisationen auf. WaS sonst noch von diesen„Wirtschafts- führecn" zur wirksamen Bekämpfung der Krise vorgeschlagen worden ist, ist zu Käglich, um registriert zu werden. Ihre Hilfslosigkeit brachte der .Ehrenvorsitzende des Hauptverbandes der Deutschen Industrie Jng. Schicht auf der Bollversamm- lung in Teplitz-Schönau drastisch in den Worten zum Ausdruck: «Alles, was heute in der Wirtschaft geschieht, angefangen von den Schwierigkeiten, die in de« Währungsverhältniffen liegen, ist gerade dazu angetan, daß eS nicht vorwärts, sondern rückwärts geht. Wir sehen keinen Ausweg aus diesem Dilemma, wenn nicht h ö- ungeschlachten, unmoralischen Schokoladereisenden vereint hatte, der ein ausgesprochener Kinderfeind war. Ernst und streng erschien in regelmäßigen die schwarze Katy bei der sanften Frau Maschin. Die gute Katy wußte stets einen Rat für ihren Nächsten. Dann ging die stille Frau Maschin einige Tage nicht aus, und wenn sie wieder erschien, war sie noch stiller und zarter. In der letzten Wohnung schließlich hauste die Wäscherin Chalupa, von der man nichts Schlechtes und nichts Gutes zu sagen wußte. Sie war eine Durchschnittsklatschbase und Arbeiterin, lebte mtt ihren beiden Töchtern, von denen die ältere, Sophie, ebenso solid war wie die jüngere Magdalena, unsolid. Seit einigen Wochen herrschte eine ungewöhnliche Spannung in der Hühnersteige, da Frau Duffek vermutete, daß ihr buhlerischer Gatte sich diesmal mit Magdalena eingelassen hatte. Es setzte endlose Streitigkeiten in der Hühnersteige, in der sonst völlige Ruhe an der Tagesordnung war. In normalen Zetten war die Hühnersteige eine Wett für sich; man lebte in völliger Harmonie, unterstützte sich gegenseittg. Wenn die würdige schwarze Katy zu der stillen Frau Maschin berufen wurde, deren Mann ewig auf Reisen war, die Frau bei einem einzigen ehelichen Besuch aber ins Unglück stürzte— dann wünschte ihr die ganze Hühnersteige gute Verrichtung. Hatte Loifis ihre stürmische Zeit, so wurde sie von den andern bedauert. War Frau Duffek wieder einmal unglücklich, so wünschte die Hühnersteige baldige Versöhnung und bewunderte insgeheim die stürmische Lebenslust des Gatten. Wurde Ferdi Beinsteller, der erklärte Liebling des Hauses, von der Polizei abgeführt, so waren alle Mitbewohner von aufrichtigem Mitleid erfüllt. Bei de« Bewohnern der Hühnersteige hatte sich ein starkes Gefühl der Solidarität entwickelt, ein gemeinsamer geistiger Rhythmus, der in den andern Teilen des Hauses nicht vorhanden war. Irgendwo im Hause rezitterte ein Lunge das Ge- here Kräfte und die Na tut selbst helfen." Gegen dieses kapitalistische Versage« stell die zur Sozialdemokratie und z« den frei« Gewerkschaften gehörende Arbeiterschaft id Programm der Lrisenbekämpfung, des A«i° baues und der planmäßigen Umgestaltung w fern Wirtschaft. Die hier schon besprochene Schrift unseres S& nassen Rehwald*) ist eine verdienstvolle ErgÄö zung dessen, was bisher von den freien Gewem s schäften und der Sozialdemokratie mtt druck vertreten worden ist. Der Verfasser W nachdem er den besonderen Charaüer der Krist der tschechoslowakischen Wirtschaft als Expo tf krise nachgewiesen hat, nachdrücklichen 5B®* auf positive Vorschläge zu ihrer UeberwinduM c Dabei wird betont, daß die«vorgeschlageivvz Maßnahmen nicht hinreichen werden, um in Hi"' kunst Wirtschaftskrisen auszuschließen. Wir halte" es für notwendig, ausdrücklich darauf hinzuirs' sen, daß eine krisenfreie Wirtschaft nur in«** sozialistischen Gesellschaftsordnung möglich ifM* der die Produktion nicht mehr dem Profit ei«' zelner, sondern dem Wohle der Gesellschaft Die sozialistische Planwirtschaft, die wir anftre' ben, wird wett über die hier vorgeschlagenen Mak' nahmen hinausgehe«." Ausgehend von der Erkenntnis, daß die W quidierung der Krise zur Aufgabe der innettsis aber auch äußeren Wirtschaftspolitik der Tsttz' choslowakischen RepWltt geworden ist, sotw! Rehwald mit einem umfassenden WirtschaftSplan einf* Plan der Arbeit, einen Generalangriff auf" Krise durch eine auf die Reuordnung der& landswirtschaft beruhenden Ervortoffensive. Das Ziel dieser Planwirtschaft ist nicht Hs Anpassung der Produktion an den Verbrauch, st^ dern umgekehrt desBerbrauches an dieProduktich c Also nicht ProdukttonSdroffelung und als SM L immer neue Verbrauchsschrumpfung, fomW I Steigerung der Verbrauchsfäh keil her Massen und bijini’] kett der Massen u« d Erweiterung der Prod u l t Darum stehen in dem Plan die.. nahmen' gegen die Selbstvernichtüng 8 Industrie, die Kontrolle der BetriebsstillesM I genund Massenentlassungen, die LohnregeW i und der Lohnschütz im Vordergrund. Gerade, Wettlauf der Betriebe um die' niedrigsten Löh* hat der Wirtschaft unermeßlichen Schaden zM[ fügt" und„die Krise unserer größten JnduE k könnte durch die Erhöhung der JnlandskauMl■ bedeutend gemildert werden.. Dem JnlaE absatz wird in Zukunft mit Rücksicht auf die jf günstigen Exportaussichtcn immer größere WI deutung zukommen." Den Vorschlägen, die eine Milderung m k industriellen Verschuldung, eine Kontrolle W| •)„Verfall oder Aufbau?" Bon F. Ns? Wald. Druck und Verlag Nordböhmische DW und Verlagsanstalt Gärtner u. Co.» G. m. b.< Bodenbach.. dicht«Nur vorwärts, teures Volk"—und iN H[ Hühnersteige wurden mit einemmal Fenster s I Türen geöffnet, auf der Pawlatsche erschien! Taschendieb Ferda, neben ihm die ehrenwertetzA I Ehalupa, Loifis, die von der Liebe lebte, der Mitzi Maschin, die an der Liebe zugrunde M Sie alle waren fest enffchloffen, mit dem Volk M! wärtszugehen. Wenn im Hof ein Leierkastens! tönte, wurde ihm von fünf Fenstern der-Ää steig« eine Antwort zugerufen und die KoÜA in der Hühnersteige drehte sich im Tanz. NutW i Setzer Duffek fehlte. Seine Frau gestattete"2 einmal, daß er der alten Ehalupa näher kanr-F brauchte nur zu donnern und die HühnerD- war solidarisch in Auftegung versetzt....] Die Hühnersteige war keine gewöhnE- dumme Pawlatsche mit fünf Mietparteien. war ein einziges Wesen mit fünf Gliedern,Df Hirn mit fünf Zellen, ein Herz mit fünf KamrU^ Deshalb fuhr auch die ganze Hühners^ auf, als Loifis die Tür zugeworfen hatte. 8 i dann Beinsteller bei allen Hühnersteiglern erE und förmlich bat, ihm morgen die Ehre zu EP sen und um fünf Uhr den Tee bei ihm zu M men, wünschten alle aus ganzer Seele, daß er n! Jubiläum so angenehm als möglich verbringst-1 Das viert« Kapitel beweist, daß nicht die beste Absicht und Erfahr^ ja nicht einmal ein Jubiläum den Menschen" Bösem zu schützen vermag. Am Tage nach der erregten AuseinanA setzung mtt Loisis hatte Beinsteller sett frA Morgen schon Pech. Es begann mit einem folg, als er sich nächst der Elektrischen, die votA Uhr fährt, betätigen wollte. Mittags liefen steiler unentwegt Geheimagenten in den war, als hätten sie einen Wink bekommen,'m Beinsteller seine Arbeit wieder aufnehmen (Fortsebung folgt.) Nr. 102 Mittwoch, 1. Mai 1935 Seite 3 Kredits und der Kapitalteilung, die Reform des Bankwesens und die Verhinderung der Kapitalflucht zum Ziele haben, folgen die Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung, Verkürzung der Arbeitszeit, Kontrolle der Rationalisierung und Regelung des Arbeitsmarktes und die Forderung eines Zeh n j a h re s p l a n e s zur Schaffung von Siedlerstellen für jene durch die Krise aus dem Produktionsprozeß ausgeschiedenen Arbeiter» die nicht wieder in der industriellen Erzeugung unterzubringen sind. Es könnten einige zchntausende Arbeitslose ange- fiedclt werden, hauptsächlich die Söhne von Land- tvirten und landwirtschaftlichen Arbeitern, die, bevor sie arbeitslos wurden, in der Industrie beschäftigt waren. Die Siedlerstellen mußten, so groß sein, daß ihre Besitzer auf eine zusätzliche Beschäftigung in der Industrie verzichten könnten. Wie ist nun im besonderen die Wirtschaft in den znsammengcbrochrnen Industriegebieten ne« zu beleben? Hunderttansende Menschen warte« auf eine Antwort auf diese Frage, suchen nach einem Ausweg aus ihrem jammervollen Dasein. Rehwald gibt die Antwort: Errichtung von neuen Industrien und Neuaufbau der Erportwirtschaft. Die neuen Industrien, di« mit billigen Krediten der Landesgeld- und Sozialversicherungsinstitute zu errichten sind, sollen Waren erzeugen, die entweder auf neuen Erfindung e n beruhen oder deren Verbrauch voraussichtlich noch weiter zunehmen wird. Es ist an die Produktion von Kunstseide, Radioapparaten, optische Gläser, photographischer Artikel, elektrischer Artikel u. a. gedacht. E.e sollen ihren Standort in jenen Gebieten wählen, die infolge des Rückganges der alten Industrien als Notstandsgebiete gelten oder gar zu Zndustriefriedhöfen geworden sind.»Daneben müßte die Pflege technischer Erfindungen und der technischen Forschung großzügig organisiert und gefördert werden. Die Tschechoslowakei deckt z. B. den größten Teil ihres Treibftoffbedarfes durch dir Einfuhr ausländischer MineralAe. In anderen Ländern geht man längst daran, die Verflüssigung der Kohle in den Dienst der Treibstoffversorgung zu stellen." Die finanziellen Schwierigkeiten, die sich dieser Maßnahme entgegenftellen, sind nicht wüösbar. Würde mit der Errichtung neuer Industrien bald begonnen, so würde damit der Anfang mit der Wiederaufrichtung der zusammengebrochenen Industriegebiete gemacht werde« und in tausende« von heute arbeitslosen Menschen würden neue Hoffnungen einziehen können. Alle diese Maßnahmen, die auf eine planmäßige Umgestaltung der Jnlandswirtschaft ab- zielen, müssen von einem Neuaufbau des Exports begleitet sein. Eine neue Exportpolitik muß darauf ausgehen, neue Länder als Absatzmärkte für die tschechoslowakischen Waren zu gewinnen, die der Einfuhr nicht die gewaltigen Hindernisse bereiren, die die bisherigen Hauptabsatzgebiete. Sie Macht eine Umstellung unserer Ausfuhr erforderlich, die mit der begonnenen Jndustriali- strrung unserer. Nachbarstaaten rechnet. Dabei wird auch von der Landwirtschaft die Bereitschaft gefordert, die Erzeugung auf solche Waren, zu beschränken, deren Produktion unsere industrielle Ausfuhr nicht schädigt. Dann muß die Wirtschafts- und Handelspolitik dem Export neue Wege öffnen und verschüttete wieder ebnen, dobei die Verpflichtung zur Initiative die tschechoslowakische Wirtschaft hat. Rur wenn wir«nscre Einfuhr aus den Ländern, die bisher mehr Waren von uns be- zogen haben als wir von ihnen, erhöhen, können wir erwarten, daß sie die Einfuhr tschecho- ssowakischer Erzeugnisse noch weiter steigern. Gerade diese Erkenntnis fehlte unserer Wirtschafts- und Handelspolitik in den letzten Jahren recht oft. llm die anzustrek^nden Exportchancen aus- >wtz«n zu können wird die Beseitigung der bestehenden handelspolitischen Hindernisse und die Herstellung der Konkurrenzfähigkeit durch Aufhebung von Zöllen ilsw. gefordert. Und wieder jolgen für den Neuaufbau der Exportpolitik ein: Reihe von Vorschlägen für positive Maßnahmen, me im ganzen zu einer planmäßigen Organisierung des- gesamten Exports führen. Ausbau der Exportpropaganda, des Informationsdienstes bei ben Auslandsvertretungen, die Kontrolle der Qualität der für den Export bestimmten Waren, die kollektive Bearbeitung fremder Märkte, die Errichtung einer Exportbank mit 300 Millionen Kronen Kapital zur besonderen Pflege des Exportkredits und der raschen Abwicklung des Zahlungsverkehrs, die Zentralisierung der Roh- stoftbeschaffung zur Vermeidung von überflüssigen Provisionen an ausländische Vermittler, dieSchaf- stmg von Jmportverbänden und schließlich die bewußte Einsetzung der Handelspolitik für die Forderung des Exports— es ist auch in diesen Punkten ein umfassender Plan tür den Generalangriff auf die K r i s e. ■ Ein Plan allerdings, der bei allen, die von oer Arbeit und von der Not der anderen leben, °uf heftigen Widerstand stoßen wird. Darum Mendet er sich an das schaffende Volk, an die Arbeiter, Angestellten,, Beamten, Kleinbauern, sw die Gewerbetreibenden. Bon ihnen hängt es w unserem demokratischen Staat ab, wieviel von mesem Programm und wann eS verwirklicht wird. Wird damit der Weg gezeigt» der heraus auS der gegenwärtigen Krise führt, auf dem, wenn er beschritten wird. Hunderttausend« unserer ArbeitS« «osen wieder an ihren Arbeitsplatz kommen, so schafft er gleichzeitig auch die Vorbedingung für die völlige Umgestaltung unserer Wirtschaft. Für diese neue Ordnung der Wirtschaft und Gesellschaft, die kommen w i r d, marschieren am 1. Mai in unserem Lande hunderttausende Arbeiter; darunter viele Opfer des heutigen Chaos. Dann folgen Tage schweren Kampfes; in denen dem ganzen arbeitenden Volke znm Bewußtsein 2n den Jahren, in denen die Sozialdemo- »kratie und die freien Gewerkschaften die Arbei- I terschast zum ersten Male zur Maifeier ausrie- c fen, befand sich der Kapitalismus in den europäischen Ländern im kräftigen Ausschreiten. Die Produktionstechnik entfaltete sich in raschem Tempo und ihre Massenprodukte eroberten sich die fernsten Absatzmärkte. Der Konkurrenzkampf und die Jagd nach neu zu unterwerfenden Gebieten verschärften die Gegensätze zwischen den kapitalistischen Staaten. Die Gefahren eines kommenden Krieges begannen sich immer deutlicher abzuheben. In dieser Periode, in der die Massenorganisationen der Arbeiterklasse erst schivach entwik- kelt lvaren, waren die Kundgebungen anr 1. Mai ein wirksames Mittel, neben dem Bekenntnis für den Kampf um die Verwirklichung wichtiger sozialpolitischer Forderungen den Widerstand gegen die kapitalistische Politik, die sich auf den Krieg einstellte, und für ihn rüstete, in den Massen zu wecke n. Die sozialistischen Organisationen blieben bei dieser Aufgabe nicht stehen. Je mehr sie erstarkten, desto mehr versuchten sie, die Macht der Massen für den Fall zu mobilisieren, daß der Krieg ausbrechen sollte. Mitten in der Vorbereitung für die Verhinderung des Krieges durch die internationale Arbeiterklasse wurde die Sozialistische Internationale von dem Kriegsausbruch überrascht. Als nach dem Kriege die ihm folgenden unmittelbaren Wirren verebbt waren, schien der Friede wenigstens in Europa bis etwa um das Jahr 1929 herum vielen gesichert zu sein. Die kapitalistische Wirtschaft erlebte in Europa, in den Bereinigten Staaten und etwas später auch in Japan einen neuen gewaltigen Auffchwung. An Stelle der gewaltsamen Auseinandersetzungen, mit denen bisher Interessengegensätze zwischen den kapitalistischen Staaten zum Austrag gebracht worden waren.traten die Versuche internationaler Verständigungen und Vereinbarungen. Es sah aus, wie eine friedliche Aufteilung der Welt unter die zahlreichen nationalen Kapitalismen. Diese„friedliche" Entwicklung fand ihre Ergänzung von der polttischen Sette her. Sn gebracht werden muß, daß eS von der Entfaltung feiner wirtschaftlichen und politischen Macht abhängt, ob der dann kommend« Generalangriff auf die Krise gelingt, ob der Verfall«ritergeht, das Maffenheer der Arbeitslosen eine Dauererscheinung bleibt» oder ob durch die kraftvolle Initiative der Arbeiter der Neuaufbau von Wirtschaft und Gesellschaft eingeleitet wird. einer ganzen Reche von Ländern übte die Arbeiterklasse mittelbar durch die sozialdemokratischen Parteien entweder einen Einfluß oder doch eine starke Kontrolle der Politik der Regierungen aus. Es gelang, die internationale politische Atmosphäre zu entspannen und einer Polittk der Verständigung der Staaten die Bahn zu ebnen. Diese Bemühungen trafen sich mit den Bestrebungen der entscheidenden bürgerlich-kapitalistischen Gruppen in manchen Staaten. Ganz deutlich sind nach dem letzten Kriege zwei Gruppen von Staaten zu unterscheiden. Der einen Gruppe gehören vor allem diejenigen Länder an, die die Besiegten warn und denen durch die Friedensverträge entweder territoriale Zugeständnisse abgezwungen wurden, oder die finanzielle Verpflichtungen und Einschränkungen ihrer militärischen Stärke in Kauf nehmen muhten. Je mehr sich in den Staaten dieser Gruppe die ausschlaggebenden kapitalistischen Schichten nach dein Kriege erholten und erstarkten, desto stürmischer erhoben sie die Forderung nach der Revision der Friedensverträge, der Wiederanglie- deung der abgetretenen Gebiete und der Wiedergutmachung der angetanen„nationalen Schmach". Die stärkste Macht in dieser Gruppe ist das fascistische Deutschland, das mit seiner Außenpolitik längst über das Ziel der bloßen Revision des Vertrages von Versailles Hinausgeschosscn ist und heute ganz offen die Eroberung fremder Gebiete, die Wiedererlangung von Kolonien verficht. Zur anderen Staatengruppe gehört die Mehrzahl der europäischen Länder, und es sind ihr auch die Vereinigten Staaten von Nordamerika zuzurechnen. Für eine ganze Reihe von ihnen handelt es sich darum, die neuaufgebaute staatliche Organisation zu festigen und die wirtschaftlichen und politischen Zustände im Innern zu konsolidieren. Ihre herrschenden Klassen sind darum nicht von Ueberfalls- und Eroberungsplänen erfülllt. Ihre Polittk verfolgt den Zweck, das Geschaffene und Bestehende zu erhalten uicd ihren Staat vor Angriffen zu schützen. Diese Staaten gruppe stand in der längsten Periode• der Nachkriegszeit unter französischer Führung, der sich wiederholt auch die englische Polittk zugesellt«. In ihr ist auch die Rolle der Tschechoslowakei von Bedeutung. Von der bisherig e n tsch e ch o s ko w aki- schen Außenpolitik kann man ohne Einschränkung sagen, daß sie stets das Ziel hatte, den Frieden in E ü r o p a z u e r h a l- ten unddurch einen Au so a u der Bündnis Politik zu sichern. Diese Bemühungen haben gerade in den letzten Monaten ein besonderes Gewicht erlangt. Die tschechoslowakische Außenpolitik hat die aktive Einschaltung Sowjetrußlands in die europäische, bzw. in die Welt-Politik gefördert und damit so wie die Dinge nun einmal liegen— zu einer Erstarkung der Front gegen die durch das fascistische Deutschland wesentlich verschärfte Kriegsgefahr beigetragen. Selbst wenn das Festhalten an der Verständigungspolitik, wie es in der Außenpolitik unserer Republik zum Ausdruck kommt, und der Versuch, die imperialistischen Vorstöße Deutschlands zu bannen, den drohenden Krieg nicht vermeiden sollten, so ist doch schon jede Hinauszögerung des Eintretens dieses entsetzlichen Unheils sür alle Völker ein großer Erfolg. Das darf auch die sozialdemokratische Arbeiterschaft anerkennen, ohne daß sie der Illusion verfällt, vom Kapitalismus den Völkerfrieden und die Beseitigung jeglicher Kriegsursachen zu erwarten. Es wird sie diese Anerkennung, die auch für die Länder gilt, deren Politik unter dem mft- bestimmenden Einfluß der Arbeiter steht, viel eher veranlassen, die Macht der s o z i a- listischenOrganisationenzu stärken und ihren Einfluß a u s- z u b a u e n. Dafür ist der erste Mai in allen Ländern der Tag des Gelöbnisses I Erst recht aber in unserer demokratischen Republik, in der die Arbeiterschaft mitten in der Rüstung für einen der schwersten Wahlkämpfe steht. Am 1. Mai müssen. Hunderttausende aufmarschieren für den Sieg der Deutschen soziäl- demokratischen Arbeiterpartei, am 19. Mai. Denn nur ihr Sieg ist eine Garantie für eine weitere Stärkung der europäischen Friedensfront. Ihr Sieg bedeutet gleichzei- ttg einen weiteren Schritt zum letzten Ziele ihres großen Kampfes: Zur Beseitigung der kapitalistischen Ordnung und der in ihr wirksamen Kriegsursachen, zum wahren Völkerftieden und zur wahren Völkerbefteiung. —, ,,,■ i Sozialistische Jugend Im Wahlkampf Eine prächtige Propagandafahrt Vergangenen Sonntag versammelten sich in Br a n d a u etwa 100 sozialistische.Jugendliche aus dem oberen Erzgebirge, um ihre erste Pröpa-' gandafahrt durch das Gebiet Brandau—-Katha- rinaberg— Gebirgsneudorf— Nickelsdorf anzutreten. Trotz des unschönen Wetters— Nebel und sogar noch heftige Regen- und Schneeschauer jungen abwechselnd nieder— war die Stimmung unter den jungen Menschen wunderbar. Bereits, in Brandau erregte der Zug das größte Aufsehen. Unsere Fanfarenbläser aus Bergesgrün waren unermüdlich tättg. Wirkungsvolle kurze S p r e ch ch ö r e wie:„Wer seine Heimat liebt, wählt am 19. Mai Liste Nr. 6" oder:»Für Freiheit und Brot, Volk wähle rot". —»Das Erzgebirge wählt am 19. Mai Liste Nr. 6".—„Schütze deine Heimat, wähle am 19. Mai Liste 6" und viele ander? solche Chöre riefen die Aufmerksamkeit der Bewohner hervor. Nach dem Marsch durch Brandau-Grünthal gings dann nach Katharinaberg, das fast völlig in dichten Nebel gehüllt war. Trotzdem auch hier überall das allergrößte Aufsehen, Auf dem Marktplatz hatten sich vor ihrem Vereinslokal. einige verdatterte Henleinleute angesammelt, die vor Ueberräschung kein Wort hervorbrachten, sondern den Zug der Jugendlichen nur anstärrten. Der nächste Ort wär G e b i r g s n e u d o r f. Der Rebel war inzwischen verschwunden. Die Fanfarenrufe lockten die Bewohner auch hier überall aus den Wohnungen. Fenster wurden aufgeriffen, vor den Türen standen, die Erzgebirgler und lauschten den Wahlparolen, die die Jugendlichen an sic richteten. Oben bei der Kreuzung, wo es nach Nickelsdorf hercingeht, hatten sich ein paar unentwegte Henlein- fascisten angesammelt, die unseren Zug mit Schmährufen empfingen. Aber sie waren sofort wieder still, als unsere Burschen und Mädels Halt machten und sich anschickten, mit ihnen kurzen Prozeß zu machen. In alter deutscher Ritterlichkeit machten sie sich aus dem Staube, als sie unsere braven Brandauer, die ja wahre Riesen sind, herankommen sahen. Aber aus dem Hinterhalt blökten sie hervor. Nur dem Eingreifen einiger Funktionäre gelang es, unsere jungen Erzgebirgler davon abzuhalten, den Burschen den Hosenboden anständig auszuklopfen. Eines wurde aber dabei erreicht. Bor den versammelten Leuten wurden nun die Wahlparolen der Sozialdemokratie verkündet, die von dön Menschen auch aufmerksam angehört wurden. Nach diesem Zwischenfallbewegte sich der Zug nach N i ck e l s d o r f. Vor Thiels Gasthaus hielt Genosse Josef Kleiner einen kurzen an- feuernden Schlußappell. Mit einem brausenden dreimaligen Hoch auf die Sozialdemokratie wurde der Propagandamarsch beendet. Für die Partei war diese Werbefahrt ein schöner Erfolg, für die Gegner aus der„Front" eine sehr bittere Bille. Sie haben sie schlucken müssen. I. Mai-lao unsere! liess«! Der 1. Mai ist das schönste, das lebendigste und das menschlichste Fest der Arbeiterschaft! In diesen Tagen, da das unsterbliche Leben tausendfältig seine Kraft demonstriert, wird der Marsch der Massen in den 1. Mai zum symbolhaften Zug in den Frühling, in die Zukunft schlechthin! Wenn überall in der Welt die Bedrückten und Entrechteten für Freiheit und Frieden, für Menschlichkeit und Sozialismus demonstrieren, wenn in einem einzigartigen Aufmarsch sinnvoller und zukunftsbeschwingter Solidarität die Millionen, die einst das Antlitz dieser Erde formen werden, ihre roten Fahnen in den Wind heben— so ist das ein Schwur, der mehr ist als eine bloße Manifestation. Dieser 1. Mai ist eine Verpflichtung, die wir erfüllen müssen! Der„Antimarxismus", dieser Bund der ewig Gestrigen, der sich auf „revolutionär" schminkt und doch nur ä l t e st e Vergangenheit repräsentiert, bekämpft uns— aber er muß uns bestehlen, da er selbst keine geistigen Inhalte aufzuweisen hat!, Unseren 1. Mai haben sie uns geraubt und geschändet. Aus einem Marsch in eine bessere Zukunft haben sie emen Triumphzug der Ausbeuter in finsterste Vergangenheit gemacht. Aber nichts kann überzeugender die sieghafte Idee des Sozialismus beweisen, als die Tatsache, daß seine schlimmsten F e i n d e sich mit ihr tarnen müssen, um vor dem Volke bestehen zu können! Aber die Tarnkappe wird fallen, der Erfolg der Lüge nur von kurzer Dauer sein! Uns gehört der erste Mai, weil uns die Zukunft gehört.— Wenn wir durch die Straßen des Frühlings ziehen, der Sonne und deur Leben entgegen, glüht in uns die Ueberzcugung, das? nichts diese Front der Massen brechen kann! Dieser 1. Mai— 18 Tage vor den Wahlen.— ist im besonderen Sinne des Wortes ein Kampfmai! Ein Bekenntnis zur Freiheit, ohne die es keine schöpferische Entwick- ! lung geben kann! Ei« Bekenntnis zur Zukunft, die mitklingt im Schritt der Millionen! Ein Bekenntnis zum Sozialismus, der siegen wird— trotz alledem—! Vorwärts, Genossen! Marschiert für unseren Sieg! Seite 4 Mittwoch, 1. Mai 1935 Nr. 102 1. Mai braun, Europa, Amerika, Australien, Asien, Afrika I fleberall auf der ganzen Erde, in allen Städten dröhnt das Straßenpflaster vom Marschtritt unzähliger Millionen Werktätiger Menschen, die heute für die völkerverbrüdernde Idee des Sozialismus demonstrieren. Unter roten Fahnen— Morgenröte der Freiheit— vereinigen sich diese Millionen, in den verschiedensten Sprachen, zu einem einzigen Gesang: die Internationale! Sechste Mai-Feier in der Weltwirtschaftskrise, die einer kurzen Scheinftabilisation folgte. Jenes Millionen-Heer, das heute marschiert, ist inrmer hohlwangiger geworden, seine Kleidung immer abgerissener. Mancher zieht mit, im Grunde des Herzens verzweifelt. In einigen Ländern andere wiederum: als unfreiwillig„Gleichgeschaltete" treten sie an. Nicht für den Gedanken des Sozialismus, des Internationalismus und des Bölkerfriedens— gezwungenermaßen müssen sie marschieren'.für den militantesten Nationalismus, für Rassen» Barbarismus und fascistisch getarnten Monopol- Kapitalismus. Unter den Klängen von.Militärkapellen trotten sie als„Gefolgschaft"/ Gefangenen gleichend und nicht Kämpfettden. lieber ihren Köpfen, die sie fchamvoll senken, wehen nicht die roten Fahnen der Freiheit, sondern die Symbole der Knechtschaft: Hakenkreuz und Rutenbündel! Es ist gemeint die Arbeiterschaft in Deutschland, in Oesterreich, in Italien und Spanien. Jene Ar- < beiterschast, die vom Kapitalismus und, Kleriko- FascismuS versklavt worden ist. Brauner Mai:„Führer" und„Gefolgschaft" haben sich heute unter dem Zeichen deS Halenkreuzbanners zum Appell für die„Volksgemeinschaft"' zusämmenzufinden. Hier müssen sie zum dritten Mal' daS schmachvolle Treuebekenntnis für den„Führer" und das„neue Deutschland" ablegen. Danach kehrt die Gefolgschaft heim zum unfreiwilligen„Eintopfgericht", während sich die„Führerschaft" an jene traditionelle Schlemmerstätte der Machthaber des natio- nalsozialistischen dritten Reiches begibt: in den „K a i s e r h o f". Nirgendwo sieht man mehr den überwältigenden roten Flaggenschmuck, den die Weimarer Republik zeigte. Heute hängen die Verängstigten daS Banner des Dritten Reiches aus ihren Fenstern. -! Das ist die sichtbare, die lärmende Seite dieses braunen Mai-Appells. Doch: es gibt noch etzie andere Seite. ES gibt noch Kämpfer, junge und alte, die heute in kleinen geheimen Gruppen >— gehetzter und verfolgter als unter dem Bis- marckschen Sozialisten-Gesetz— den roten Mai des internationalen Sozialismus" feiern. Hintex verschloßenen Türen bÄ verhängten Fenstern. Ich Flüsterton spricht.emer„ hält, di« Matxetze, erfüllt von höchster Begeisterung und Kampffreudigleit. Namenlose Helden... Dieser oder jener besitzt außer dem„Volksempfänger" wohl noch ein weltumspannendes Radio, sucht Stunde um Stunde nach Stationen, die ihm das Arbeiter-Lied, die .„Alternationale", in welcher Sprache auch * immer, bringen. Doch selbst solch gefahrvolle Teilnahme am roten Mai der Völker ist jenen verwehrt, die in den Gefängnissen, Zuchthäusern, und Konzentrationslagern sitzen, mit oder ohne Rechtsurteil. Schon den dritten Kampf-Mai erleben sie dort. Aber: selbst diese„unverbesserlichen Marxisten"— trotz aller Mißhandlungen— wissen den 1 Mai nach alter Freiheits-Tradition zu bege- schwarz, rot! hen. Mit Rufen von Zelle zu Zelle, mit dem Absingen der Internationale, mit heimlich geschriebenen Kampfgrüßen l Schwarzer Mai: Nicht mit dem gleichen äußerlichen barbarischen Pomp, nicht mit der gleichen äußerlichen brutalen Offenheit— doch nicht minder feindlich— begeht der fchwqrze FascismuS den symbolischen Tag der selbständigen freien Nrbeiter»Bewegung. Dort, wo er ihn nicht umfälschen konnte für seine dunklen Ziele, wendet er alle Mittel an, sein Feiern zu verhindern. Stillen Terror, geistige Demagogie oder— leere Versprechungen. Wehe dem, der es wagt, am 1. Mai unentschuldigt im Betrieb zu fehlen. Man wird ihn gnadenlos hinauswerfen. Zahllose Spitzel, in Uniform und Zivil, halten heute in den Städten und Dörfern dieser Länder Umschau nach hochverräterischen Abzeichen. U n d doch,wissen wir: trotz all. dieser Maßnahmen finden sich die unbeirrbaren Käinpfer für den sozialistischen Gedanken zusammen. Im vorigen Jahr haben es die 4 5 I a h r e sind seit jenem denkwürdigen, historischen Mai verflossen, an dem das internationale Proletariat zum e r st e n Male die Feier des Mai beging. Jener Tag ist von entscheiden- dem Einfluß auf die Arbeiterbewegung der, ganzen Welt gewesen^ Denn.hier im mächtigen symbolhaften AuSmarsch der Unterdrückten aller Kontinente in den Frühling, erwies sich die lebendige, durch aktuellste Interessenerhärjeje Jnternatio- nalität einer Bewegung, die in Chikagtv wie in Moskau, str Paris, Berlin und Madrid die zu- kunftsgläubigcn Massen gleichzeitig für ein großes Ziel in Bewegung zu setzen wußte:.Freiheit und Brot für die Unterdrückten und Ausgebeuteten dieser von kapitalistischer Mißwirtschaft verwüsteten Erde. Diese Kampfdemonstration deS 1. Mai 1890, die eine wahre Panik bei den Herrschenden, auslöste, ist der Beginn einer Maibelvegftmg gewesen, die sich im Siegeszug die ganze Welt erobert hat. Der suggestiven Kraft dieses Maibekenntnisses, das zugleich auch ein Bekensttnis zur- Zukunft- dor Menschheit. tvax in den Kasernen„in Bereitschaft" gehalten worden. Zwischenfälle ereigneten sich jedoch nicht,^ In der reichsdrufichen Provinz wqr.dii Br- !ftllig«N»-Nrst'Tmß kveft^fiäöker Als nsiVerliy. bvnvnsttiÜÄr in^HekMäs Höch«, bürst, ca. 20.000 Arbeiter. In der'Schweiz war dir Feier der i. Äos unterschiedlich. In Zürich und Bern fanden- bci teilweiser Arbeitsruhe, Vormittagsfeiern statt; i» St. Gallen, Glarus, Thurgau, Aargau und Nauenburg mußte man sich mit Abendfeiern begnügen.'!>,' Alles in allem: Der Gesamteindruck der erste» Maifeier war nachhaltig und tief.« Zehn Jahre Maifest Die zehnjährige Wiederkehr der Feier bei 1. Mai trug bereits gewisse traditionelle Züge- Ter Maifeiergedanke hatte sich durch gesetzt, dek Unsterblicher roter Mai! 45 Jahre— Weltfeiertag der Arbeiterschaft! „Hebt unsere Fahnen in den Wind“! Auf zwei getrennten Wegen marschierten die Jungsozialisten züm Teufelssee. Wie im großen, so hatte man sich auch im kleinen nicht einigen können. Der Konflikt zwischen der Richtung von „Hofgeismar" und den„Hannoveranern" stand auf seinem Höhepunkt. Die„Hofgeismarer" hatten ursprünglich der nach dem Kriege ins LÄen gerufenen jungsozialistischen Bewegung ihr Gesichr gegeben. Sie kamen zum großen Teil aus der Wandervogelbewegung und suchten das, was sie den„Geist von Weimar" nannten, in der Arbeiterjugend heimisch zu machen. Der„Geist von Weimar" war aus dem Bekenntnis zu der jungen deutschen Republik, aus der übergroßen Einschätzung ihrer Möglichkeiten und zugleich aus einem von der Jugendbewegung herstammenden Bekenntnis zu einer romantischen Volkstumsgesinnung, gepaart mit einem ehrlichen, moralischen Erneuerungswil- len geboren. Die„Hannoveraner" vertraten demgegenüber in ihrer Opposition den klassenkämpferi- schen Geist, sie lehnten in einer richtigen nüchternen Erkenntnis alle„Volksgemeinschafts"ideolo- gien der Hofgeismarer ab und machten nur ihrerseits den Fehler, gelegentlich in einen Vulgär- marxismuS zu verfallen, der, bei aller scheinbaren revolutionären Geste oft persönlich recht unverpflichtend blieb und im oberflächlichen Theoretisieren erstarrte. Ihre Namen führten beide Gruppen von den Tagungen in Hofgeismar und.Hannover her, die jeweils das Gepräge der nach ihnen sich nennenden Strömungen trugen. Beide Gruppen waren ehrlich in ihrem Wollen und Ringen und die Kämpfe, die sie in ihren„Jungsozialistischen Blättern" austrugen, waren ein lebendiger Beweis für die tiefe Anteilnahme der sozialistischen Jugendlichen'am Schicksal der Partei Und der Arbeiterbewegung. Wie es aber oft bei jungen Menschen zu gehen pflegt, eS fehlte ihnen ein UnterschcidungSvermögen jür das Wichtige und das Unwichtige und ihre theoretischen Konflikte lebten sich bis ins kleinste Vorkommnis des Alltags aus. Aus diesem Grunde ivaren sie auch nicht über einen gemeinsamen Marsch zu dem Maitreffen, das sie am Teufelssee planten, übereingekommen. Die einen mit blauen Kitteln, roten Krawatten und wehenden Haaren, zogen die Zupfgeigen im Arm, Burschen und Mädels eittgehackt, durch den Wald und am Rande der Wiesen entlang. Sie sangen alte Volkslieder und träumten sich romantisch in die mittelalterliche Zeit der fahrenden Handwerksburschen und Scholaren zurück. Die anderen, die Hannoveraner, waren, mit der Bahn heraus gefahren, hatten eine neu errichtete Arbeitersiedlung besucht und gingen gemessenen Schritts, tief in ihre Probleme verstrickt, des„Weges. Am Teufelssee traf man sich, aber man kampierte getrennt. Um ihre roten Wimpel saßen die„Hofgeismarer", fiedelten, sangen und tanzten alte Volkstänze, daß die buntgemusterten Reformfleider der Mädchen hell im Winde schwankten, wenn die Burschen im Wams und blauem Hemd sie zum Tanze nach Altvätersitte führten. Die„Hannoveraner" gruppierten sich um eine große rote Sturmfahne und lauschten einem älteren, bebrillten Genossen, der ihnen aus einer theoretischen Zeitschrift einen Artikel vorlas, den sie zu diskutieren beabsichtigten. Wer von Ferne her zum Teufelssee kam, mochte meinen, daß hier nicht ein Verband, sondern z w e i Verbände Rast hielten. Zwei Verbände, die nichts miteinander gemeinsam hatten, als das Rot ihrer Fahnentücher und Wimpel. Das mochten auch die beiden Wanderer denkens die um die Mittagszeit sich dem See näherten, der zwischen den hohen Kiefern einsam und verschlossen, wie all diese kleinen, nordisch herben Seen der Mark, mit unberührtem, glattem dunklen Spiegel, umkränzt von hohem Schilf dahischlummerte. Die beiden Ankömmlinge waren ArthurZick» l e r und sein Freund F ä h s e.'Arthur Zickler war eine kräftige, gedrungene Erscheinung,' mit einem gutgeschnittenen, scharfen Gesicht, dessen künstlerhafteS Gepräge nur durch die zynischen und groben Mundfalten eine unangenehme Note erhielt. jEr hatte sich aus einer fast lumpcnproletarischrn Existenz hinaufgearbcitet zu einem der beliebtesten jungen Arbeiterdichter. Er tvar. Kriegsdienstverweigerer gewesen und die humorvolle Art, wie er sich durch sein„Den wilden Mann spielen" dem Heeresdienst entzogen hatte, trug ihm in der pazifistisch gesinnten Jugend viel Sympathien ein. Nach dem Umsturz hatte er sich dann allerdings nicht, Ivie zu erwarten war, nach links, sondern eher nach rechts hin entwickelt. Sein geschmackloses Gedicht gegen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht hatte ihm in den eigenen Reihen viele Feinde gemacht. Dann aber hatte er einige Gedichte veröffentlicht, deren Schwung die Jugend mitriß und ihm zu neuer Popularität verhalf. Diese Popularität benutzte er, um vor allem in der Hofgeismargruppe sich ein Ansehen zu verschaffen, das er dank seiner rednerischen Fertigkeit auch denen gegenüber zu bewahren wußte, die ihm seinen bohemehaften Lebenswandel und einen immer häufiger zutage tretenden Mangel an Charakterfestigkeit vorwarfen. Mußte man anfangs Zickler zugute halten» daß vieles von dem, was er kritisierte, tatsächlich ehrlicher Enttäuschung entspringen mochte und daß sein Kampf gegen die gutgepolsterte Spießigkeit in den eigenen Reihen weder grundlos noch unnütz war, so zeigte sich in der Folgezeit doch, daß seine Entwicklung ihn, den ehemaligen Kriegsdienstver- weigerer, zu einem ungesundenNationalismus und zu einem romantisch gefärbten, höchst fragwürdigen Pseudosozialismus führte. Konnten ihm schon auf diesem Wege die meisten seiner Freunde nicht folgen, so zerschnitt freilich endgülfig daS Tischtuch zwischen ihm und ihnen eine Nachricht, die anfangs keiner glauben mochte: Arthur Zickler war mit seinem Freunde Fähse—„Käse" nannten diesen ünbedcutenden Schatten Zickler- die eigenen Genossen— in die Redaktion der„Deutschen Allgemeinen Zeitung", eines ausgesprochenen Stinnes- blatteS«ingetreten, um dort, sozusagen als Reno» mierproletarier die soziale Fassade der StinneS- schen Inflation-Macht dichterisch auSzuputzen. Jeder andere hätte sich gescheut, die Jungsozialisten, die ihn offiziell bereits ausgeschlossen hatten, wieder aufzusuchen. Nicht so Arthur Zickler. Er hatte einen breiten Rücken und eine, genügend harte Stirn, um, al- sei nichts geschehen- bei diesem Maitreffen zu erscheinen. Er setzte st« mit Fähse mitten unter die beiden Gruppen mst suchte in seiner spöttichen und amüsanten Art spräche anzuknüpfen. Durch gelegentliche M» merkrmgen gab er sich den Anschein, als ob er dst beiden Gruppen gcgenejtmnder auSzuspiele» trachte. Aber niemand entgegnete ihm. Da wandte er sich an die Hofgeismarer, er« flärte, sie sollten sich doch nicht zieren. Wo er aust schreibe, er vertrete nur seine Ansichten und d»t feiert" doch schließlich auch die ihren. Zuerst erhielt er keine Antwort, dann aber kam plötzlich eine Aist' wort, unerwartet und deshalb wirkungsstqrk. Eine kleine Gruppe von Schönberger Jun-' sozialisten stimmte ihre Klampfen und bcgün» plötzlich. Jungen und Mädels, mit Heller StlchW daS Lied zu singen:„Hebt unsere Fahnen in de» Wind!" Zickler wurde blaß. Dieses Lied, daS dst Jugend in Hunderten von Veranstaltungen in» Begeisterung gesungen hatte, stammte von ihi»- Jetzt sang man es ihm voll bitterem Trotz zu und, o Wunder, die Hannoveraner, die sonst den„SiE sang" verabscheuten, sangen aus voller Kehle nist- Sie batten verstanden, um was es ging. Das Lied tönte weiter und flang auS in Worte:„Wir kämpfen, weil wir. gläubig sind, del Mensch ist gut!" Bei den Worten„Weil wir glä»' big sind" nahmen die Stimmen einen erschreckend harten und vorwurfsvollen Ton an. Zicklel spürte das. In ihm, dem kalten Spötter Zyniker, mochte doch noch irgend etwa- wie Sckai» .fortleben, man merfle seiner Miene an, wie innerlich arbeitete, er wurde schlohweiß, preßte die Lippen zusammen, stand auf und schlich sich wort» los von dannen. Sein Freund. Fähfe trottete w’ ein begossener Pudel hinter ihm her. „Hannoveraner" und„Hofgeismarer" fühl' ten sich feit langem zum ersten Male wieder einifl, sie hatten gespürt, wieviel sie doch miteinander verband. Der Renegat, der gekommen war, w» wie ein Wolf in ihre Hürde einzubrechen, hatte sie zmammengeführt. Als die Maisonne zwischen den Kiefern hindurchlugte, fiel sie auf frohe und glaubensstarke Gesichter. Rr. 102 ■tÖSwiL 1. Stet 1935 Seite 5 Widerstand der Unternehmer gegen den Fekrtag des Proletariats, der Terror und Druck gegen die feiernden begannen nachgulaffen. In Wien herrschte allgemeine Arbeit-ruh«, km riesiger Zug in den Prater, der» von Lausenden und Abertausenden mnjubelt,„stundenlang dauerte", war die Krönung des Tages. Auch in der Provinz standen die Städte unter dem beherrschenden Eindruck des 1. Mai. Die Berliner Maiseier war sehr stark besucht. Zahlreiche überfüllte Gewerkschaftsversammlungen krönten den Erfolg. In Kiel demonstrierten 12.000 Arbeiter, die Kundgebung in Essen war, wie ein Augenzeuge mitteilt, erschütternd und erhebe nb". Auch die Schweizer Kundgebungen wiesen »stärksten Zulauf und begeisterte Stimmung" auf. Köln» Ruhe In Preußen... I 1910. Zwanzig Jahre Maifeier. In Oesterreich überall graste Umzüge und Versammlungen. Dien steht völlig unter dem Eindruck des 1. Mai. Viele Zehntausende marschieren in den Prater. Die Masten bilden Spalier. In Preusten find Umzüge verboten, trotzdem ist eine Mastenbeteiligung festzustellen. Die Versammlungen werde« su Dahlrechtsdemonstrationen. .Keine Ruh« in Preusten" schreibt der.Vorwärts",«ehe nicht das freie, gleiche, allgemein« und geheime Wahlrecht erobert ist". Allein im Friedrichshain demonstrierten 20.000 Metallarbeiter. In Mannheim marschieren 15.000 im Umzug mit, in Karlsruhe manifestiere» 8000 Proletarier unter freiem Kimmel. Auch in der Schweiz stärkste Beteiligung an den Maikundgebungen. In Genf kommt es zu Zusammenstößen mit der Gendarmerie, dm Fensterscheibe» eines Gendarmeriepostens werden «ingeschlagen, drei Verhaftungen. Vor dem Massenmorden... Mai 1914. Der letzte Mai vor Beginn des fürchterlichen, vierjährigen Massenmorden-. Unzählig« Maiversammlungen in Wien. Auch tschechische und polnische Veranstaltungen. Der Marsch durch Wien wird durch Wolkenbruch und Vewitter auseinandergesprengt. Vorahnung und Symbol des kommenden August 1914? In V ra g mächtiger Umzug. 2 0.0 00Soziali« st e n marschieren. Auch zahlreiche Saalkundgebun« -en finden statt. Im Reich stärkste Beteiligung. Riesenver- anstaltungen in Berlin, 40.000 marschiere« in Hamburg. In der Schweiz finden 100 öffenUiche Demonstration«» statt. In Zürich feiern auch die Angestellten der städtischen Werke und der Bunde», Serkstätten, di« Schulen find geschlossen. Der Reinertrag der abendlichen MaifestlichKiKn wird kstr die politisch«« Gefangenen in Rußland und die rusfischen politischen Flüchtlinge bestimmt. 1. Friedens-Mal Der erste 1. Mai nach dem Weltkriege. Ein stürmischer Mai. Riesige Kundgebungen in Wien, ober im Reich stehen sich die Arbeiter in Hast und Mut gegenüber. Ein sprechender Ausschnitt auS der deutschen Proletarier-Tragödie. Zerrissene, gespalten« Demonstrationen, die verpuffen. Am 1. Mai ziehen die Regierungstruppen nach hartem Kampf in München ein, die dortige Räterepublik ist "iedergeworfen. Blutige Strasten kämpfe in Madrid! Hundert« don Verletzten in Paris! Gendarmerie und Militär gegen di« VolkSmaffen- Letzter Mal In Freiheit Mai 1932. Gewaltig« Demonstrationen in Wien, eindrucksvoller Fackelzug der Jugend am Vorabend. Zehntausend« von Fackelträger». Die Kundgebungen im Reich von erregten, fiebernde» Masse« stark besucht. Rach dem Debakle der Preustenwahl. Schweiz: Eindrucksvolle Volkskundgebungen. Geschändetes Arbeiterfest Mai 1933. In Wien demonstrieren Zehntausend« trotz Verbot der Dollfuß-Regierung, trotz Stacheldraht und Polizeikarabinern. In Deutschland; DK Arbeiterbewegung nieder» nerungen, ihre Funktionäre und Repräsentanten erschlagen, eingekerkrt, wie Hasen gehetzt. Der Terror rast und die Mörder des 1. Mai schänden ihn im SAavenaufmarsch auf dem Tempelhofer fistle Unsterblicher 1. Mal— Aber der 1. Mai lebt—! And die Riedergeworfenen, die Verfolgten, die Gehetzten, fi« werden die Sieger von morgen sei«! Auch in den Ländern der Distatur wird er tmeder auferstche«—» der»»sterbliche rote Keil 1. Mol 1935 Roter Fahnen flammend Meer Brandet hoch in olle« Gaffen. Horch! Ls singt im frühen Winde MMonenschritt der Massen. Singt von Tränen, Rot und Schmach. Singt von Tod nnd Merkermauern. Leder ernsten Stirnen fchattets Der Geschlagenen dnmpfes Trauern. Aber horch! Da gellt im Chor Auf der Schrei: Au neuem Mampfe! Fäuste werfen sich empor And die Augen stehn im Glanze Einer großen, heilige« Flamme. Wie seht stark und Heist Zm Wind Der Millionen Herzen schlagen! S— sie fühlen, datz sie heut' — Sieger schon— Den Erdball tragen! Erna HaberzettL dieser JKai! Von Gerhard Sommer Dieser Rai ist Fanfare, ist Hammerschlag! Ist Euer Bekenntnis, ist Euer Tag! Die Fahne, die Flamm« der Zukunft sie loht! Vorwärts, Ihr Massen, für Freiheit und Brot! Erster, heiliger KampfeSmai, Triff' sie, Hammer der großen Partei——> Die Henleinwühler, die Phrasendrescher, Die Hitlerkoprsten, die frecher und frecher Aus ihren Löchern ans Licht sich wagen. Der Eisenhammer wird sie zerschlagen l Volk der Sudeten, ist und bleibt frei! Wir schwören es, heute, am heiligen Rai! • Dieser Mai ist Bekenntnis, ist Fackelschein—- Nie wollen wir, Brüder, mehr Sklaven sein! Die Zukunft ist unser, der Massen Lauf, Kein Hitler, kein Henlein hält ihn mehr auf! a Dieser Mak i^ Sturm, ist Bekenntnis zur Tat! Wir ziehen die Furchen, wir säen di« Saat! Di« Saat, die der Heimat Erdreich durchbricht. Vorwärts! Wir trommeln zum Volksgericht l • Dieser Mai ist Losung! In Stadt und in Landl Ein eiserner Wille,«in eisernes Band—I Die S trotzen erzittern von unserem Schritt! Vorwärts, die Zukunft, die Zukunft zieht mit! Erster, heiliger Kampfesmai, Triff' sie, Hammer der grotzen Partei——* Die Henleinwühler, die Phrasendrescher, Die Hitlerkopisten, die frecher und frecher AuS ihren Löchern ans Licht sich wagen. Der Eisenhammer wird sie zerschlagen! Volk der Sudeten, ist und bleibt freit Wir schwören«S, heute, am heiligen Mai! Aas Gleichnis vom Satten Von SMJMett Seit Stunden hallt dk Straße von den Schritten der Tausende, die hinaus vor die Stadt Ziehen. Ein langer Zug, ein Strom von Köpfen und Gliedern, eine murmelnde Schlange, aus der -uweilen schmetternde Marschmusik auftönt. Seit dem frühen Morgen find sie unterwegs: die Dre» der und Schmiede, die Köche und Bäcker, die Fleischer und Tischler, die Schreiber und Verkäufer... Seit dem frühen Morgen, als sie sich vor ihren Arbeitsstätten versammelten, um beim Namensaufruf nicht zu fehle», um von uniformierten Kommandeuren in Reih und Glied gestellt zu werden und sich dem großen Zuge anzuschließen, der hinaus aufs alte Exerzierfeld befohlen ist, um dort den ersten Mai der Diktatur zu feiern. Die Neugierigen bilden Spalier. Eine viel- tausendäugige Menschenmauer, die sich vor den Häusern aufgebaut hat, um den abgezählten, in Rech und Glied gruppierten, murmelnd-schmet» ternden Festzug zu betrachten. Zwischen denen, die schauen, und denen, die marschieren, schreiten dk Wächter in Uniform. Sie haben die Ohren gestützt, um kin Wort zu überhören, das hin und her fliegt, sie spähen mißtrauisch nach beiden Seiten, nach dem Zug, den sie bewachen, und nach den Zuschauern, dk ihn beobachten. Sie schreien Kom- mandos, wenn der Marsch ins Stocken gerät, denn die Kolonnen sich auSeinanderziehen,— aber sie können er nicht verhindern, daß immer dkder einer aus den marschierenden Gliedern ausbricht, um in der Zuschauermenge zu ver schwinden, und sie wissen im voraus, daß sich auf dem Exerzierfeld unter den Lautsprechern und Hakenkreuzfahnen weniger Frierende einfinden werden als früh beim Appell. Eine alte Frau steht in der Menge der Zuschauer. SK blickt auf den vorbeifließende» Menschenstrom und schweigt. Sie erinnert sich an Maitage, die vergangen sind. An dk Zeit ihrer Jugend, da die Männer im Mai-Umzug als Aufrührer galten und da sie mit einem Gemisch aus Stolz und Furcht auf ihren Mann blickte, wenn er die rote Nelke ins Knopfloch steckte, um mitzumarschieren— mit dem Heer der Zukunft, wie er trotzig sagte. Sie denkt an^die Mai-Feiern nach dem Kriege, bei denen er nicht mehr mitmarschie- ren konnte, weil er im Heer der Toten fern im Massengrab lag,— sie denkt an diese Feiern des Friedens, die sie mit dem Glauben an den Anbruch einer besseren Zeit erfüllten. Die alk skht und schweigt. Jetzt führt man dk Massen hinaus aufs Exerzierfeld, von bewaffneten Wächtern umringt, wie einen Zug von Gefangenen. Die Kommandorufe gellen, dk Blechmusik schmettert, die Trommeln rasseln. Aus Glaube und Hoffnung ist Zwang geworden, aus Frkdensfreude Kriegsgetöse. Am Tage, der Hoffnung und Freiheit bedeuten sollk, führt man sie neuem Verderben entgegen. Das Gesicht der alten Frau ist wie versteinert. Niemand, der sk sieht, kann erraten, wie ihr zumute ist. Aber keiner, der hier in der Menge steht, vermag die Gedanken der anderen zu erkennen, und keiner gibt die eigenen Preis. Eine unheimliche Heimlichkeit, eine lastende Verschlossenheit. Die Alte läßt ihre Augen über die Gesichter ringsum wandern. WievieK lügen, indem sie schweigen. Wieviele heucheln, indem sk gleichgiil- tig sind. Nicht daß sie elend sind, nicht daß sk rechtlos sind, nicht daß sie betrogen wurden,— nein, diese Schande des Schweigens ist das Schlimmste der Sklaverei. Oh, wenn sie jung wäre!.Sie würde nicht still sein, schreien würde sie, anklagen, unerhörte Worte würde sie sprechen. Wer wer hört auf«ine alte Frau? Da gehen zwei Junge im Zug. Sie reden miteinander. DK Alte versucht in ihren Augen zu lesen. Wissen diese Junge», welches Schicksal ihnen zugedacht ist? Können sie sich noch des Grauens erinnern, als der Mord in der Welt umging? Sind sie so blind, daß sk ein Feuerwerk verblenden kann? So mutlos, daß sie sich dem Wahn ergeben, der die am Denken verweifelnden Hirne mit dem Gespensterglauben an Blut und Boden und Führergöttlichkeit betäubt? Die alte Frau muß sich beherrschen, damit ihre Augen nicht Trauer oder Zorn verraten, wenn sie diese Jungen betrachtet, die leise redend in Reih und Glied im grotzen Zug an ihr vorüberziehen. SK kann nicht hören, daß jetzt der eine von den Jungen zum Nebenmann sagt:„Damals vor zwei Jahren habe ich noch geglaubt, daß es ehrlich ist. Heute weiß ich's besser. Du hast recht gehabt. „Sie kann nicht hören, daß der Andere erwidert: „Und ich weiß, daß du nicht der einzige bist. Das Erwachen kommt."„Wer wann?" fragt der erste.„Wie lange soll das noch dauern? Wie ost noch die Schande, daß wir hier wie ein« Hammelherde hinausgetrieben werden— und am ersten Mai. der unsere Feier sein sollte, dk Mörder und Betrüger feiern. Wk lange sollen wir noch flüstern, wo wir schreien möchten? Wk lange noch Komödie spielen?"„Ich weiß nicht, wie ümge," sagt der andere.„Aber ich weiß, daß der Tag kommen wird, daß er mit jedem Schrsit näher kommt."„Ja, wenn man glaube« kann, wie du," stöhnt der ersk," wenn man nie geschwankt hat, nk irre wurde! Aber,'weißt du, ich möchte manchmal verzweifeln: an mir selbst, well ich den Schwindlern nachgelaufen bin, und an den anderen,— an allen, die hier mitmarschkren, an allen, die hier gaffen..." Doch der andere berührt seine Schulkr: „Wir dürfen nicht verzweifeln. Gerade an einem Tage wie heute nicht. Man hat uns unsere Fekr stehlen wollen. Aber ist es nicht unsere Feier geblieben? Ist nicht die alte Verheißung in ihr? Mögen sie ihre Mordfahnen über uns schwenken, mögen sk ihre lärmenden Reden halten, mögen sie ihre Wächter spitzeln lassen,— sie haben den ersten Mai nicht ausrotkn können, sie können ihn nur«ine Weile mißbrauchen. Sie haben den Sozialismus nicht ausrotten können, indem sk sich Sozialisten nannten. Und wird nicht Deutschland weiterleben, auch wenn sie sich national nennen? Man kann das Echte nicht vernichten, indem man es fälscht. Aber sie haben es nur fälschen können, sie wußten, daß wir es nie vergessen werden. Und sk ahnen schon, daß wir es wiederfinden." Er blickt an einem Fenster empor,' oben an der Häuserfront, an der sie Vorbeimarschkren. Er weiß, daß sein Bruder hinter diesem Fenster skht. Vielleicht sieht er ihn. Vielleicht sehen ihn dk Genossen, dk bei ihm sind. Er kann nichts erkennen. Aber er hebt den Kopf und nickt, als wollte er ein Versprechen erneuern. „Ja, er geht auch mst," sagt der Bruder. „Und nicht nur er. Tausende gehen im Zug. dk zu uns gehören." Er steht am Fenster und blickt hinaus auf die Straße, auf die Fahnen an den Häusern, auf dk marschierenden Massen und aus die Wächter, di« sie begleiten. Dann wendet er sich Sei te 8 Mittwoch, 1. Mai 1S3S Nr. 102 Vie Wahlen in die Nationalversammlung Wähler und Wählerinnen in den freien Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes I Am 19. Mai finden die Neuwahlen in die tschechoslowakische Nationalversammlung statt. Als das letzte Mal die Wahlberechtigte Bevölkerung unserer Republik an die Urnen gerufen wurde, um ihre parlamentarischen Vertreter zu Wahlen, rechnete sie mit dem Bürgerblock ab, der drei Jahr: hindurch in den gesetzgebenden Körperschaften die Geschäfte der kapitalistischen Klassen besorgt hatte. Seine Wiederaufrichtung war durch den Wahlausgang im Jahre 1929 unmöglich geworden.„Doch nur unter großem Widerstreben der frieren Bürgerblockparteien kam es zur Bildung der Koalitionsregierung, in der die politische Vertretung der Arbeiterklasse den Platz eingeräumt erhielt,. auf welchen sie nach dtzm Wahlergebnis Anspruch Hatje. In engster Verbundenheit und Kampfgemeinschaft mit den freien Gewerkschaften Haden die beiden sozialdemokratischen Parteien der Republik in den seither verflossenen fünfeinhalb Jahre» restlos ihre Pflicht getan. Ihre Ausgabe war nicht leicht! Die Krise der kapitalistischen Wirtschaft nahm in aller Welt ihren Anfang und vermehrte auch in unserer Republik von Monat zu'Monat die Zahl"der Arbeitslosen. Zu Ende d^s Jahres 1929 wurden 82.908 Arbeitslose im ganzen Staatsgebiete gezählt. Im Winter 1932/?3 gab. es über 900.000 Beschäftigungslose und gegenwärtig stehen außerhalb des Produktionsprozesses noch immer über 800.00 Arbeiter und Angestellte. Was die Bürtzerblockregierung in einer Zeit guter wirtschaftlicher Verhältnisse bei einem günstigen Stande der Staatswirtschaft in der Arbeitslosenfürsorge versäumt hatte, mußte unter sozialdemokratischer Führung das Ministerium für soziale Fürsorge nachholen. Das ist geschehen durch eine wes e nt- liche Verbesserung des Gesetzes üb^r-den staatlichen Zuschuß zur ge- werks cha ftlich en Arbeitslosen- unterstützung. Für die außerhalb der gewerkschaftlichen Unterstützung stehenden beschäftigungslosen Arbeitsmenschen wurde die staatliche Ernährung s a k t i o n eingeführt, die ihre Ergänzung in mehreren außerordentlichen Hilfsaktionen der Regierung für Kurzarbeiter und für Kinder von Arbeitslos« fand. Die Einrichtung der produktiven Arbeitslasenfürsorge machte es vielen Bezirken und Gemeinden möglich, Notstandsarbeiten auszuführen und damit zehntausenden Arbeitslosen Beschäftigung und Verdienst zu geben. Drei Jahre lang haben die sozialistischen Regierungsparteien alle Angriffe auf die Arbeits- losenunterstützung abgewehrt. Als sich aber die finanzielle Lage des Staates im Jahre 1933 so verschlechterte, daß mit einem Gebarungsabgang von zweieinhalb Milliarden gerechnet werden muhte, kam es zu einer Kürzung der Arbeitslosenunterstützung und zu einigen anderen Einschränkungen. Das Arbeitslosenunterstützungsgesetz blieb aber noch weit über dem, was vor Antritt der Koalitionsregierung in Sachen des Staatszuschusses zur gewerkschaftlichen Arbeitslosenunter« stützung bestanden hat. Dabei handelte es sich bei den im Jahre 1933 vorgenommenen Aenderun- gen in der Arbeitslosenunterstützung nur um eine vorübergehende Maßnahme für die Dauer des Krisenzustandes. Neben der Verteidigung der bestehenden Ein- schen Vertretung und der fatalistisch« Minister, für Arbeitsbeschaffung zu sorgen. Es ging um unmittelbare Anbei tS- beschaffung durch die öffentlichen Verwaltungskörperschaften, durch den Staat, und duröh Vermehrung von Arbeitsgelegenheit in der privaien Wirtschaft. In der Ausgestaltung der Jnbestitionstätig- keit ist auf Drängen der sozialdemokratischen Parteien im Parlament vieles geschehen. Schon im Jahre 1930 wurde der Regierung ein Betrerg von 180 Millionen zur Bekämpfung der Krisenauswirkungen bewilligt. Wenn die produktive Ar- beitslosmfürsorge bald nach ihrer Einführung ins Stücken geriet, so lag das vielfach an dem Mangel an Mitteln. Daran trug das vom Bürgerblock beschlossene Gemeindefinanzgesetz und die auS jener Zeit stammende Verwaltungsreform den größten Teil der Schuld. Doch ist es auch da dm unermüdlichen Bemühungen der sozialdemokratischen Minister in der Regierung gelungen, im Jahre 1938 wieder eine Besserung durchzusetzen. Daß sich in dm letzten Monaten die tschecho- slowakische Regierung für eine Verkürzung der Arbeitszeit auf vierzig Stunden in der Woche einsetzte, ist gleichfalls ein Ergebnis sozialdemokratischer Arbeit in der K/rlition. Der frühere Fürsorgeminister, Dr. E z e ch, hat bereits vor Jahr« einen Gesetzmtwurf über die Einführung der 40stündig« Arbeitswoche zur öffentlichen Diskussion gestellt und gegenwärtig liegt ein neue: Antrag deS Fürsorgeministeriums, unter der LeiM tring des sozialdemokratischen Ministers Doktor Meißner, vgr, der ebenfalls die Herabsetzung der Arbeitszeit anstrebt, um Mehreinstellungen von Arbeitslüsten in die Betriebe zu ermöglichen. In allen Fragen des Arbeüer- und Angestelltenschutzes ist in dem fünfeinhalbjihrigen ParlamentS- abschnitt Wertvolles und Vorbildliches geleistet worden. So wurden die Befugnisse der Gewerbes« sp.ektoren erweitert und die Ge« Werbeinspektion durch die Einrichtung von eigenen Jugendabteilungen auSgebaut. Das große Verständnis des Ministeriums firr soziale Fürsorge für den Schutz der arbeitenden Jugend drückt sich ferner durch die Errichtung von Heimstättm für arbeitslose Jugendliche in den Ge- bieten mit größerer Arbeitslosigkeit aus. Diese auf die Wintermonate berechneten Heimstätte« bieten vielen jugendlichenBeschäftigungslosen nicht nur vorübergehende Unterkunft und Verpflegung, sondern auch reiche geistige Anregung. ES sei dann noch erinnert an die vom Fürsoraeministe- rium im Jahre 1934 veranstalteten Arbeitslager, die auf der vollen Freiwilligkeit und Mitwirkung der Jugendlichen in der Leitung beruhen. Daß bei Arbeiten aus dem Titel der produktiven Fürsorge 15 Prozent jugendliche Arbefter beschäftigt werden müssen, zeigt ebenfalls, daß die verantwortlichen Stellen darauf bedacht find, jugendliche Arbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen'. Die Schutzgesetzgebung für die Bergarbeiter wurde wesentlich verbessert und die Bergbauinfpektion im Sinne einer jahr- zehntelangcn Forderung der Bergarbeiterschaft auSgebaut.. Die Berginspekwren sind nunmehr mit einer Verfügungsgewalt ausgestattet, die den Durchführung der Inspektion ist in dem neuen Gesetz über die Berginspektoren verwirklicht. Endlich wurde das Gesetz und die Durch>ihrungsver- ordnung über die Revierräte im Bergbau weseut» lich verbessert und der Entlassungsschutz der' Betriebsräte auf die Dauer von zwei Jahrm über die Funktionsperiode hinaus verlängert In der Arbeitsgerichtsbarkeit ist durch die Einführung der Arbeitsgerichte für eine rasche RechtSverfol«' gung bei Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis gesorgt. Weitere. Maßnahmen der Koalitionsregie- runa, die auf die Mitwirkung der politischen Arbeitervertretung zurückzuführen sind, umfassen die Abänderung des 8 82 der G.-O., dm Schuh der Kollektivverträge,den Schutz gegen willkürliche Betriebsstill- l e g u n g und vieles andere. In den besonder« Fragen desAngestelk- tenrechtes und der Angestelltenfürsorge habm die Koalitionsregierung und daS Parlament wertvolle gesetzliche Maßnahmen getroffen. Das Be>.iebSauSschüssegesetz wurde auf die Bankm ausgedehnt. Ein neues Privat- angestelltetwesetz wurde im Jahre 1934 beschlossen, da» an die Ste'tz deS früherm Handlungsgehilfengesetzes getreten ist. Mehrjährige schwierige Verhandlungen sind diesem Beschluß vorausgegangen. Von den Auswirkung« der WirffchastSkrise wurden überall, so auch in unserer Republik, di' Einrichtungen der Sozialversicherung stark betroffen. Die von mehreren bürgerlichen Parteim ausgehenden Novellierungsvorschläge zum Sozialversicherungsgesetz bedeuteten eine Bedrohung der Grundlagen des Sozialversicherungsgesetzes überhaupt. Vor all-n drängen die Unternehmer darauf, daß eine Reform der Krankenversicherung vorgenommen werde, weil ohne einer solchen die Beiträge in diesem Zweige der Sozialversicherung hätten allgemein erhöht werdm müssen. Gegen eine Beitragserhöhung siräubtm sich die Arbeitgeber. Sie wurden hiebei unterstützt von der kommunistischen Partei. Es ist deni scharfen Auftreten der sozialdemokratischen Koali- tiottSparteiertz unter der Mitwirkung der sozialistischen Mitglieder der Regierung gelungm, d i e schlimmsten Vorstöße gegen die Leistungen der Krankenversicherung abzuwehren und in dem Zweige der AlterS- und JnvaliditätSversicherung sogar einiH- bedeutfache Verbesserungen durchzuführen, Auch in diesem Kapitel der Gesetzgebung hat die Mitarbeit der Sozialdemokratie in der Koalitionsregierung ein Ergebnis gehabt, das unter anderen Umstän« dm nicht hätte erreicht werden können. DaS'leh« ren uns. die Erfahrungen aus der Zeit hsS Bürgerblocks.. Daß in dm letztm fünfeinhalb Jahren die sozialpolitische Gesetzgebung in«nserer Re« publik in so starkem Maße die Regierung und da» Parlammt beschäftigt hat und trotz aller Widrigkeiten vorwärts gerächt worden ist, zeigt am überzeugendsten, daß dft organisierten Arbeiter und Angrstelltm der Tschechoflowakischen Vom Ministerium des Inner» wird milgeteilt: In der letzte» Zeit wurde eine Reihe politischer Bersammlungen von Anhängern einer ande- een politische« Richtung gestört und unmöglich gemacht. Die Störung und Unmäglichmachung von Versmnmlnugrn wurde des öfter« im vorhinein durch persönliche Agitation»der Flugblätter vorbereitet, ja sogar in dm Zeitung« wurden manchmal die Anhänger einer bestimmten politisch« Richtung in sehr durchsichtiger Weise aufgefordert, einer ander« Partei Versammlung« eventuell mit Gewalt unmöglich zu mach«. Unsere gültige Rechtsordnung, die insbesondere m der BerfaffungSurkuude verankert ist, schätzt die Freiheit der frei« Meinungsäußerung in den Grenz« des Gesetzes und die Freiheit, sich ruhig zu versammel«, als Teil der bürgerlich« Grundgesetze. Sie verbürgt besonders diese Rechte ihr« Bürge« und hat auch für der« Schutz durch ei» besonderes Gesetz, nämlich durch das Gesetz gegen d« Terror und zum Schutz der Freiheit von Versammlung«, Sorge getragm. , Das Ministerium deS Inne« hat daher««erlich den untergeordnet« Aemtem in Sänneruug gebracht, daß das geschilderte Vorgehen nicht nur d« eingelebt« Grundsätzen der Demokratie und der Rücksicht auf die Mitbürger anderer politischer Ueberz«g«ng zuwiderläuft, soudem daß es direkt verfassungswidrig und strafbar ist, indem eS in schwerer Weise die öffentliche Ruhe und Ordnung bedroht, und daß jeder, der in der erwähnt« Art vorgeht» E l e• I mente« behilflich ist, die bestrebt sind, d« Abgrund zwisch« den einzeln« Schichte» der Bevölkerung zu vertiefen, das Vertraue« der Bevölke«ng in dm unparteiische« Staat zu»»t ergrabe««nd so die öffentliche Ruhe, die gültige RechtSordnnng und sogar die Sicherheit des Staates zu bedrohen. Republfl gut berate» waren, als sie nach de« Wahlkampf im Fahre 1929 iwn Eintritt in die Koalitionsregierung beschlossen.? /] Nun Aflt.es, bes den jetzigen Wahlen dafV zu sorgen,, daß kein Rückschlag eintritt. Die Vernichtung der Demokratie und del politischen Freiheft im fascistischen Hitlerreiche uni die brutale Zertrümmerung der sozialdemokratm scheu Arbeiterbewegung in Oesterreich durch de« Nerikalen Fascismus haben auch bei.unS die fascistischen Strömungen im Bürgertum verstärk; AIS gehässigster Feind tritt der Arbeiterflasse die Sndetmdeutsche Heimatfront entgegen.- Sie Vereinigt in ihrep Reihen alle fascistischen Kräfte des Bürgertums. Sie kopiert genau die Propaganda-Methoden des reichsdeutschen Fascis- mus. Hsie arbeitet mit Entstellungen und Lüge« und macht für die o,s der Krise entstandene Not nicht die kapitalistische Wirtschaftsordnung und dre Kapitalismus, sondern die Sozialdemokratie verantwortlich. Auch ihr geht es darum, die Gehirne der Arbeiter zu verwirren, sie fv einen wahnwitzige« und überspannten Nationalismus zu gewinnen- um sie zu gefügig« Geschöpfen ohne politische!« Selbstbewußtsein zu machen. In Deutschland ur.d in Oesterreich sind die Gewerkschaften der Arbefter zerstört und vernichtet. In der soziaken Gesetz' gebung haben die Arbeiter in diesen Ländern der Diktatur nichts mehr zu sagen. Ausschließlich bestimmt und regelt daS Arbeitsverhältnis dcr Unternehmer. Der Arbeiter- ist Sklave. In de« demokratischen Staat«— und dazu zählt die Tschechoslowakische R^blik— fällt den Gewerkschaften»ine mftbestimme.nde und. entscheidende Funktion zu. Diese müssen wir erhalten und verteidigen und wir verteidigen sie am besten, tpen» wir an der polftischen Freiheft festhaltm und die Eroberungspläne der Feinde der Demokratie zuschanden machen. Arbeiter- und Angestellten-Wähler schlage» sich selber ins Gesicht und. trag« mft zur Schwächung der Kräfte der Gewerkschaft« bei, wenn si< am Wahltage nicht zur sozialdemokratischen Partei stehen, sondern ihre Stimme dem schlimmstes und gefährlichst« Feinde der Demokratie geben.' Wähler und Wählerinnen in den feien. Gewerkschaften! Denkt an Euere Zukunst! Denkt an die brutale Behandlung der Arbeiter und Angestellten in Deutschland, denkt an die Verzweif- lungskämpfe, die das österreichische. Proletariat illegal führen muß, um ihre organisatorische Bewegungsfreiheit wieder zurückzuerobern und handelt darnach! Kein« Stimme für die Sndctmdentsche Hei' matfront, denn sie richtet sich, geg« Euch selbit! Keine Stimme für dir kommunistische Partei, denn diese ist verlor« für das Kampfziel der freien Gewerkschaft«, aber auch keine Sttmme dca Christlichsozial« und ander« bürgerlich« Pal- keim, die dem Fascismus dir Plauer mach«. Auf zmn Wc/ kampf gegen unsere Feinde! Wähtt sozialdemokratisch! Da» Ministerium des.Inner» hat daher alle untergeordnete« Behörden nachdrücklich aufgrfordcrt, sich mit all« gesetzliches Mittet« für die Beseitigung a l l c l jener, Erscheinungen cinznsctzcn- durch die die bürgerliche Freiheit der freien Meinungsäußerung und die Versammlungsfreiheit bedroht werdm könnt«. Die Vorstände der untergeordnet« Vehördes wurde» besonders aufgefordert, dies« unselige» Erscheinungen persönlich größte Aufmerksamkeit, insbesondere während der gegenwärtigen Bor Wahlperiode, zu widme», wo sich die erwähnt« Erscheinung«»och steiget» könnte«. Das Ministerium des Inne« hat dabei der Erwartung Ausdruck gegeben, daß eS vielleicht nicht immer nötig sei« wftd, zu drastischen Mittel» des Gesetzes zu schreiten, daß aber im Hinblick aus die demokratische Veranlagung der Mehrheft unserer Bevölleruug erwartet werd« kann, daß ein rechtzeitige» Zurede« fett«» der Repräsentanten der Behörde« und der Hinweis auf die erste Bürgerpflicht, den Gesetz« zu gehorch«, dort Remedur schaff« wftd, wo Gefahr droht. W» man sich allerdings nicht verlass« kau«, daß diese» Vorgehen absolut volle Garantie bietet, hat das Ministerium de» Inne« angeorduet, daß die Behörde rechtzeitig solche Präventivmaßnahme» ergreift, dft d« ungestört« Verlauf der Kundgebung« garantier« würden. Wo Präventivmaßnahmen trotzdem nicht von dem erwünscht« Erfolg begleitet wären, werd« dft SicherheitSorgaae gegen dft Störer der Kundgebung« und insbesondere gege« jene Gewalttäter einschreiten und dft Ordnung mit aller Energie und Rücksichtslosigkeit wiederherstolle««ad die Schuldige« den zuständigen Behörde« zuk Bestrafung zur Anzeige zu bring«, Gewerbeinsprltor« noch nicht zuerkannt wurde. Die aktive Mitwirkung der Arbeiterschaft bei der richtungen der Arbeitslosenfürsorge bildete eine der wichtigsten Aufgaben unserer parlamentari- am, zu der Schwester, die tief gebückt auf ihrem Stuhl sitzt» die Augen geschlossen, dft Hände krampfhaft an die Ohren gepreßt.„Ich will das nicht sehen und hören," flüsterte sft wft eine Fft- bernde.„Es ist ein Tag der Schande., Wenn ich an alle denke, die man erschlagen, gefoltert verjagt, geschunden und eingesperrt hat, möchte ich auffchreien wie irrsinnig. Hat man sie denn vergessen? Wie eine Viehherde lassen sie sich treiben — von den Schlächtern ihrer eigenen Genossen!" Der Bruder legt ihr die Hand auf dft Schulter. „Wir müssen stark bleiben. Stark in Wachsamkeft. Stark zur Rache." Er blickt sich im Zimmer um und sieht jedem der Genossen in dft Augen. Hier stehen sie in Halbdunkel, in ihren Taschen die geheimen Zeitungen und Flugblätter, auf ihren Gesichtern die bittere Spannung der Umlauerten und Gehetzten. Draußey hallen die Schritte. Draußen rasseln die Trommeln. Er hat der Schwester die Hände sacht von den Ohren gelöst.„Hörst du sie marschieren?" fragt er.„Heute peitscht sie noch Hunger und Furcht. Aber aus Hunger und Furcht wird Empörung. Dann werden sie wieder marschieren. Und wir werden die Fahne ftagen!" Die Schwester schluchzt. Tränenlos, mft geballten Fäusten. Die Genossen sehen sft schweigend an. Das Leid hat sie wortkarg gemacht. Sie wissen, waS diesem Mädchen geschehen ist: daß sie von braunen Banditen gepeitscht wurde, daß ihr Geliebter verschleppt wurde und keiner weiß, ob er noch am L^ben ist, daß ihr Bruder, der hier im Zimmer sftht, von den Schergen der Dittatur gejagt wird, ein Mensch ohne Heim, ohne Namen, ohne Ruhe,— ein Kämpfer, der nicht weiß, ob er den nächsten Tag noch erleben wird. „Weißt du noch?" sagt er zu der Schwester, p,als sie in unser Häuschen kamen, damals vor ztvei Jahren? Sft haben alles zerschlagen, alles zerstampft und zerfetzt. Auch den Garten haben sie zertrampelt und aufgewühlt. Sft haben gegraben und nichts gefunden. Und dann haben sie Schlacke und Scherben hingeschüttet. Eine schmutzige Wüste hab« sie aus unserem Gart« gemacht." Er schweigt und holt tief Atem, währmd die Schwester von neuem schluchzt.„Aber gestern bin ich an unserem Gart« vorübergekommen. Niemand hat ihn gereinigt, niemand gepflegt. Aber ich habe gesehen: eö werden dort doch wieder Blumen blühen. Man kann einen Garten zerstampfen und verschütten. Aber das Leben kann man nicht auslöschen. Es bricht wieder durch. Man kann die Blüten zerstören. Aber man kann nicht verhindern, daß immer wieder ein Frühling kommt. Man kann dft Ernte vernichten. Aber man kann nicht verbieftn, daß neuer Same angeweht wftd." Er blickt sich wftder im Kreise um, jedem Genossen in die Augen.„Heute ist erster Mai, und immer wieder wttd erster Mai sein. Immer wieder neuer Frühling. Man hat verschüttet, was blühte. Aber es wird von n«em blühen. Es ist das Gesetz deS Lebens, daS Gesetz der Notwendigkeit. Immer wieder wird der Wind neuen Samen bringen. Kein Zaun und kein Gitter kann ihn fernhalten. Denkt an die Genossen, dft draußen sind! Denkt an dft Mei-Feiern, die man jenseits der Grenzen feiert! Noch gibt es Gärten, die blühen." Er faßt in seine Tasche und knistert leise mit . den Flugblättern.„Wenn sft drüben ihr Feuerwerk steigen lassen, dann gehen wir an die Arbeit. Ihr Blendwerk wird verpuffen. Aber der Same, den wir streuen, wird Wurzel fassen." Die Zentralkommission des Deutschen Gewerkschaftsbundes Gegen Gewaltmethoden Zum Schutz der demokratischen Versammlungsfreiheit Nr. 102 Mittwoch, 1. Mar 1935 Seite 7 Schwere Grenzverletzung unzweifelhaft nachgewiesen Eisenstein— ein Prüfstein In Teplitz-Schönau hat Minister Doktor Benes die freundschaftliche Zusammenarbeft der deutschen und tschechischen Bevölkerung au dem Gebiete der Republik erneut zur Forderung erhoben. Bei dieser Gelegenheft betonte er den Killen der Regierung, auch mft dem deutschen Nachbarstaats gute und korrekte Beziehungen auf. rechtzuerhalten. Wenige Stunden später haben die Behörden die Feststellung treffen müssen, daß bei der Verschleppung des reichsdeutschen Emigranten Lampersberger, die sich am vergangenen Samstag in Eisenstein ereignete, eine Verletzung der tschechoslowakischen Hoheftsrechte durch offizielle Beauftragte des Dritten Reiches in der gröblichsten Form erfolgt ist. Der Fall Lampersberger liegt offener und schlimmer als der FallJa- c o b. Konnte dort noch der Versuch gemacht werden, einen freiwilligen Uebertriü Jakobs auf deutsches Gebiet vorzutäuschen und— bis zu dem Zeitpunkte, zu dem die Schweiz feststellte, daß einer der Mittäter, Dr. Richter, ein Kommissar der Gestapo sei— die Beteiligung behörd- licher Stellen abzuleugnen, so handelt es sich hier um einen gänzlich anderen Tatbestand: Am hellichten Tage vor Zeugen und gegen den Einspruch tschechoslowakischer Beamter erfolgte der Menschenraub, an dem nicht nur»zivile" Täter, deren Gestapo-Jdentttät noch nicht restlos festge- strllt werden konnte, teilgenommen haben, sondern bei dem ein uniformierter Beamter, der Gendarm Wiesbeck, unter ständiger Drohung mft seiner Dienstwaffe mitwirkte.» Die Kette Ser menschenräuberischen Ueber- falle, in der die Namen Lessing, Formis, Jacob die bekanntesten, wenn auch nicht dir einzigen Bindeglieder darstellen, ist um ein Vor- .konunnis verstärkt worden, das in der Chronik solcher europäischer zwischenstaatlicher Differenzen seinesgleichen kaum finden dürste. D Wohin sollen wir kommen, wenn mitten im Frieden die Organe eines Staates sich anmaßen, eine Gewaltjustiz innerhalb der ^renzpfähle des Nachbarlandes auszuüben! Man hat in Locarno anläßlich des deutschen Vertragsbruches an jene ewigen Rechte appelliert, ohne die ein geordnetes Zusammenleben der Staaten nicht möglich ist. Eben hat die Schweiz sich gezwungen gesehen, wegen des Fal- les Jacob vor dem Internationalen Gerichtshof un Haag ihre Klage anhängig zu machen, noch ist der Fall Formis ungesühnt, und schon wird die Kell vor ein neues Kapitalverbrechen gesteift, das völlig unmöglich wäre, wenn nicht die europäische Kullurweft allzulange solchen Gang- sle t Methoden gegenüber in der verblüff- len Wehrlosigkeft des beleidigten AnstandeS der- harrt hätte. So ist jenem Menschentypus, der in der Welt das üble Schimpfwort Boche leider allzubald zu dem Worte Barbaro-Boche zu verstärkten droht, die Möglichkeft gegeben worden, sein Piratentnm mft Hilfe staatlicher Organe des eigene« Landes über de« Bereich der Haken- Ereuzflagge anszndehnen. So kann und darf eö nicht wei- Zergehen l Die»Times", die gestern aufs nharsste dem Abscheu der Weltmeimmg gegen Laiche internationalen Derbrecherstücke Ausdruck verliehen, hat mft ihrem Protest recht. Aber was putzen bloße Worte gegen eisenbewehrte gierige Näuberhände? Auch zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland besteht ein S ch i e d S- p e r t r a g, ähnlich wie zwischen Deutschland und der Schweiz. Soll eö lediglich der kleinen Schweizer Republik Vorbehalten blei» den, für ihr gutes Recht zu kämpfen? Soll ein Staatvon 16 Millionen Mensch e n sich derarttge Uebergriffe gefallen lassen? Soll er sie lediglich mit Beschwerde führenden Noten beantworten, deren Echo aus der Wilhelm- straße man kennt? Nein, alle juristischen handhaben müssen angewendet werden, um diesen Kleinkrieg in Frieden, der einseftig, aber Unaufhörlich geführt wird, ein rasches und ^rundliches Ende zu machen. Andernfafts müßte sich Brandstoff auf Brandstoff häufen. Gerade lver den Frieden sichern will, muß sich bei Zeilen sein Recht erkämpfen. E i s e n st e i n ist ein P r ü f st e i n. Und muß fiir das Piratentum ein G r e n z st e i n werden, auf dem geschrie- den steht:»BiL hieher und nicht weiter I" IS sächsische Pestoren im Konzentrationslager Berlin. In dem sächsischen Konzentrationslager in Sachenburg befinden sich zurzeit 19 oppositionelle Pastoren hinter dem Stacheldraht. In Kreisen der Bekenntniskirche in Sachsen herrscht große Erregung über die dauernde Gleichgültig- leit der sächsischen Regierung gegenüber allen ihren Beschwerden. Eisenstein.(Tsch. P.-B.) Im Berlaufe der weiteren Untersuchung der gewaltsamen Ber- schleppung eines reichsdeutschrn Emigranten wurde genau festgestellt, daß Mitglieder der deutschen Geheimen Staatspolizei und auch der bayrische Gendarm Wyspeck die Grenze des Deutsch e n Reiches überschritten und tschechoslowakisches Staatsgebiet betreten haben, wo sie mitGewaltihr Opfer ergriffen. Dies beweist auch die Photographie der Spuren'des Kampfes, auf der auch der tschechoslowakische Grenzpfahl mit dem Staatswappen zu sehen ist. Diese Spuren befinden sich vor dem Pfosten, demnach auf tschechoslowakischem Staatsterritorium. Der Emigrant befand sich ursprünglich 15 Meter vom Grenzpfahl entfernt, das um de» Emigranten entstandene Handgemenge fand vier Meter von der Grenze statt, uzw. noch immer auf tsche- choflowakischem Gebiete, was der Gendarm Whspeck, der bereits drei Monate Grenzdienst versieht, sicherlich gut wußte. Was die Person des Verschleppten anbe- trifst, nimmt man an, daß es sich um den am 16. September 1912 in der Gemeinde DegernSdorf im Bezirke Rosenheim in Bayern geborenen und nach Aubing bei München zuständigen Josef Lampesberger handelt. Sein letzter Wohn- Zwischen den Bertreteru der zwei magyarischen bürgerlichen Parteien, di« mft einer gc- memsamen Liste in die Wahlen gehen,«nd Ber- tretern der klestnoiren deutsche« bürgerliche« G r u tz p e n, ist ei» A b- kommen unterzeichnet worden, das die Aufstellung einer gemeinsamen Kandidatenliste für die parlamentarischen Neuwahlen zum Gegenstand bat. Die Wahlliste wird den Namen führen„Bereinigte magyarische Parteien und Zipfer deutsche Partei und Sudetendeutsch r r Wahlbl» tf". Unter diesem Sammelnamen werden zusammengefaßt die Gruppen, die sich um die bisherigen deutschvölkischen Abgeordneten Horpynka, Dr. Hassold und Dr. K e i b I scharen, ferner der „Sudetendeutsche Landbund" mft dem bisherigen Abg. Dr. H a n r e t ch an der Spitze, der in der letzten parlamentarischen Wahlperiode bei der Deutschen Nationalpartei hospitierte und auf ihre Lifte im Wahlkreis Brünn gewählt war, ferner die deutsche Gewerbepartei unter der Führung des bisherigen Abg. S t e n z l, soweit ihre Mitglied- Wien. Der kürzliche Besuch Starhem» b e r g s in Rom bei Mussolini scheint das Selbstbewußtsein der Heimwehren außerordentlich getürkt zu haben. Die Regierung mußte dem Druck der Heimwehren, die nach der Totalität streben und die ehemaligen christlichsozia- l e n Funktionäre samt dem Herrn Schuschnigg an- cheinend nicht mehr lange dulden wollen, bereits insofern nachgeben, als jede Art von Versammlungen außerhalb des Rahmens der Vaterländischen Front verboten bzw. an die ausdrückliche Genehmigung des obersten Heimwehr-Häuptlings Starhembergs gebunden sein soll. Die SicherheftS- direktoren in Salzburg und Tirol haben dieses Verbot bereits erlassen, die übrigen Länder dürften bald nachfolgen. Bei einem Essen der anglo-amerikanischrn Journalisten, bei dem sich der bereits vollkommen mundtot gemachte K u n s ch a k hatte entschuldigen lassen, war Minister Reither, ein alter Christlichsozialer, erschienen. In einer Ansprache an die Journalisten ließ Reicher durchblicken, wie r r n st gegenwärtig die Situation im Rvgierungslager sei. Er gab ausdrücklich zu, daß die Heimwehren, besonders deren Unterführer, einen größeren Anteil an der Staatsmacht fordern, als ihnen gehöre. Reicher hofft zwar, daß ei« Urbereinkommen zustande kommen werde. SchleBerei Wie gespannt daS Verhältnis zwischen den beiderseitigen Wehrbünden ist, beweist folgender Vorfall, den die„R e i ch s p o st" fälschlicherwersc als„bedauerliches Mißverständnis" auSgibt: i ort war in Lindenhau bei Eger. Lampesberger war früher Angehöriger der reichsdeutschrn sozialvemo- katischen Partei. Am 26. April erhielt er aus Pilsen ein Telegramm, in welchem er aufgefordert wurde, am 27. April nach Neuern ins Hotel „Rathaus" zu kommen. Lampesberger reiste tatsächlich nach Neuern, wo er angab, noch einen Freund in Eisenstein besuchen zu wollen. „floral, die die zivilisierten Staaten nicht dulden können“ Die„Times** Ober den Elsenstelner Menschenraub London. Der Leitartikel der„Times" ist der Frage der Entführung des Journalisten Jacob gewidmet. Die deutsche Regierung, sagt das Blatt, gewohnt, unbarmherzig die Rechte des Individuums und di« politische Freiheit im eigenen Lande mit Füßen zu treten, habe offenbar keine Vorstellung davon, mit welchem A b s ch e u die Weltmeinung diesen Raubzügen nationalsozialistischer Pftaten gegenübersteht, von deren Treiben eben ausPrag eine neue Meldung eintrifst. Im Augenblicke, da diejenigen, die Deutschland nur GuteS wünschen und ihren Ein- flutz geltend machen» damit Deutschland in die Völkergemeinschaft Eingang finde, sind Fälle, wie der Jacobs und der a u s Prag gemeldete, Anzeichen für«ine öffentlich« Moral, di« die z i v i l i f t« t i e n Staaten nicht dulden können. schäft nicht in den von Direktor Enhuber geleiteten und der„Sudetendeutschen Partei" Konrad Henleins affiliierten„Handels- und Gewerbestand" übergetreten ist, und schließlich die Gewerkschaftsgruppe des ehemaligen Senators F a h r n e r. Ein Mandat für Kostka? Zu dem sudetendeutschen Wahlblock werden sich noch Gruppen der Deutschdemokratischen Freiheitspartei schlagen. Die heute von ihren Vertretern in Prag mit Vertretern der deutsch-magyarischen Wahlpartei gepflogenen Verhandlungen haben ebenfalls zu einem günstigen Abschluß geführt. Die Karrüidatur des Bürgermeisters von Reichenberg, des bisherigen Senators Kostka, eines führenden Mitgliedes der Deutsch- demokratischen; Freiheitspartei, darf als gesichert gellen. r An den in Bratislava geführten Abschlutzver- hanÄlüntzen hat der bisherige Abgeordnete der magyarischen Christlichsozialrn Dr. S z ü l l ö nitA teilgenommen. Montag in den späten Wendstunden waren in der Ottakringer Stülße Angehörige des christ« lichsozialcn Freiheitsbundes angeblich im Auftrag der Vaterländischen Front mit der Anbringung von Plakaten beschäftigt. Ein patrouillierender H eimw e hr m ann, also ein Star- Hembevg-Jünger, glaubte angeblich, es mit illegalen Plakatklebern zu tun zu haben, und gab drei Schüsse ab. Ein FrecheitSbündlcr wurde durch einen Prellschuß verletzt und mußte in die Unfallstatton gebracht werden. In Wirklichkeit war das Ganze offenbar-ine frisch-fromm-fröhliche Schießerei zwischen ity zwei Lagern der Wehrverbände, die einander aufs tiefste hassen. Bombenexplosion Wien. Dienstag abends erplodierte vor der Polizei-Wachstube in der Falzachstraße in der Bri. gittena« ein, wie nachträglich festgestellt wurde» primittv hergestellter Sprengkörper, der mit der offensichtlichen Bestimmung hinterlegt worden.ist,«m gegen die Wachstube einen Anschlag zu verüben/ Dieser Anschlag hat schwere Folgen gehabt. Der in der Nähe wohnhafte Ministerial- sekretär des Bundeskanzleramtes Dr. Kahn- h o f e r, der gerade im Augenblick des Spreng- schlageS die Stelle passierte, wurde am rechten Unterschenkel und am Knie so schwer verletzt, daß eine Amputation erfolgen mußte. Außerdem erlitten zwei Mädchen und ein Wachetramter Zerreißungen des Trommelfells und Verletzungen an den Knien. Die Polizei vermutet, daß der Anschlag von kommunistischer Seite ausgeführt wurde. Gemeindepollzisten im Dienste der SHF Sozialdemokraten werden verprügelt Montag nachts wurden in Trautena«, also in der Stadt, in der DHF-Strolche ungehindert, ja unterstützt von Gemeindeorganen, jede Lausbüberei gegen Sozialdemokraten und ihre Wahlpropaganda verüben können, zwei Sozialdemokraten bei der Verteilung von Handzetteln für den 1. Mai gefaßt und zur Polizei gebracht. Auf dem Wege dahin wurden die als ruhige, anständige Menschen bekannten Sozialdemokraten von den Polizisten schwer mißhandelt. Unsere Genossen in Trautenau, über diese Infamie auf das Höch st e aufgebracht, fordern nunmehr die Ablösung der im Dienste der Fascisten stehenden Polizisten durch eine neutrale Polizei während der Wahlzeit. Das Dritte Reich an der SHF interessiert Die Goebbelspresse tritt offen für Henlein ein Bis vor kurzem hatten die reichsdeutschen Blätter Weisung, ihren Sympathien für Henlein nicht allzu offen Ausdruck zu geben, um ihm durch Aufdeckung der Karten nicht zu schaden. Jetzt, unmtttelbar vor den Wahlen, hält man in Berlin den Augenblick offenbar für gekommen und macht kein Hehl mehr daraus, wieviel Hoffirungen man auf die SHF setzt. Im Rundfunk, der täglich in die druffchsprachigen Gebiete herüberfunkt, und in der Presse befaßt man sich außerordentlich stark mit dem Wahlkampf in der Tschechosiowakri. Zum Teil unter Berufung auf die„Sudetendeutschen Pressebriefe" der Henlrinfront werden tendenziöse Meldungen in die Welt gelassen, deren Charakter sich schon in den Titelseiten äußert.„Terror im ganzen Lande",„Ueberall blutige marxistische lleberfälle auf die SHF", das ist ungefähr die Art, in der man dem Leser deutlich macht, daß seine Sympathien Henlein in nicht geringerem Maße gehören müssen als irgendeiner national- sozialistischen Bewegung im Ausland. Um so durchfichttger find die hie und da eingeflochtenen Bemerkungen, daß die SHF auf dem Boden der Loyalität stehe. Der deutsche Leser» der nicht allzuweit in die Vergangenheit zurückdenken muß, weiß» waS diese Behauptungen bedeuten. Wer Ist kür die Henlein-Presse maßgebend? Von dem neuerlichen Menschenraub der braunen Mordgesellen in Eisenstein nimmt auch die in Henleins Diensten stehende Presse Notiz. Sie tut das natürlich in ihrer Art. Die Warnsdorfer„Abwehr" z. B. schreibt, als ob es sich um unbestimmte Gerücht« handle, daß ein Emigrant mit Gewall auf bayrisches Gebiet geschleppt worden sein„soll". Sie schließt ihre Meldung folgendermaßen: »Die Untersuchung des Falles wurde sofort eingeleitet. Ihre Ergebnisse sowie die Stellungnahme der zuständigen reichsdeutschen Stellecr sind abzuwarten." Es ist bemerkenswert, daß die„A b w e h r" die Stellungnahme der»zuständigen reichsdeutschen Stellen" abwarten will, ehe sie eine eigene Meinung äußert. Diese Stellen sind doch nicht am Ende auch für die»Abwehr" die zuständigen oder doch? Verunglückte Stromfahrt der SHF-Kapelle Die Konzertdampferfahrt der SHF-Kapelle auf der Elbe gelegentlich des Blütenfestes in Sales«!, wurde in Salesel und Umgebung mit größtem Tamtam propagiert. Es wurde vorgetäuscht, daß die SHF-Kapelle gratis spiele, und noch mehr derlei Märchen wurden erzählt. Die Saleseler SHF-Kameraden erlebten aber eine arge Enttäuschung. Die„kameradschaftliche" Henleinkapelle hat im letzten Moment wegen zu geringer Entlohnung ihre ftermdliche Mitwirkung abgelehnt... Als Ersatz wurde die Musiflapelle des Leit- meritzer Schützenvereins engagiert. Als der Konzertdampfer angefahren tarn, sah man recht enttäuschte Gesichter der Henleinanbeter, die vergeblich auf die„berühmte" Kapelle gewartet hatten. Die Herrschaften, die mit dem Wort Kamerad nur so herumwerfen, sind anscheinend der Meinung, daß die Saleser Musiker nicht tauglich waren. Ein großer Teil der örtlichen Musiker ist arbeitslos, zum Teil sind sie Kurzarbeiter. Es wäre daher angezeigt gewesen, auf die armen Teufel Rücksicht zu nehmen und ihnen eine fleine Berdienftmöglichkeit zu schaffen. Die Musiker haben in den früheren Jahren mit großem Erfolg bei den Bkittenfesten mitgewirft. Jetzt aber, wo auch das Blütenfest zu einem polittschen Schacher herabgewürdigt wurde, mutzten die ansässigen Musfter der getarnten Hakenkreuzkapelle, die später absagte, Platz machen. Zu der nun sagenhaft gewordenen Strom- fahrt wird uns noch geschrieben: Als der große Tag, der ungeheure Vorbereitungen erforderte, herangekommen war, zeigte es sich, daß die SHF „Sudetendeutscher Wahlblock“ wird von den Ungarn aufgenommen Die Heimwehrfascisten streben nach Alleinherrschaft Gespannte Situation Im österreichischen Regierungslager Sette 8 Mittwoch, 1. Mai 1935 Nr. 102 Das Krisenbekämpfungs programm der norwegischen Arbeiterregierung Oslo. Die neue norwegische Arbeiterregierung hat beschlossen, das dem Parlament von der vorhergegangenen liberalen Regierung unterbreitete Budget abzuändern. Das Budget sür das Jahr 1935-36 soll um 26,300.000 norwegisch» Kronen erhöht werden, die zur Bekämpfung der Wirtschafskrise,«. zw. hauptsächlich für öffentliche Arbeiten, sowie zur Unterstützung der Fischerei und Landwirtschaft Verwendung finden sollen. Zur Deckung dieser außerordentlichen Ausgabe schlägt die Regierung eine Erhöhung der Einkommen st ener und die Einführung d-r besonderen Umsatzsteuer im Detailhandel vor. im Elbetal durchaus nicht die erwartete Anzahl Anhänger hat, von denen sie offenbar immer geträumt hat. In Aussig starteten zwei Dampfer zu der großen Stromfahrt zur Huldigung der Hen- leinfront. Kurz vor der Abfahrtzelt, 10.18 Uhr/ war nur der eine Dampfer mittelmäßig besetzt. Weil man sich aber nicht blamieren wollte, gingen Damen, mit dem SHF-Abzeichen geschmückt, mit den Teilnehmerkarten, die man sonst mit 10 XL an den Mann zu bringen gedachte, bei den Schaulustigen hausieren, fanden aber sehr wenig Gegenliebe mit ihrer Spende. Nur einige der Zuschauer bequemten sich, die billig« Fahrt auf Kosten der SHF-Kaffe mitzumachen. Trotz der plötzlichen großen Freigebigkeit— und warum sollen die Henleins nicht freigebig sein, sie haben es ja— konnte nur der eine der beiden Dampfer zu seinem Ziel über Lobositz nach Salesel abfahren. Fordernden der Angestellten Am 28. April l. I. fand in Olmütz eine Konferenz der Fachgruppe Handel im Allgemeinen Angestellten-Verband Reichenberg statt. Der Fachgruppenobmann Richard Schönfelder(Prag) leitete die Verhandlungen mit wirtschaftspolitischen Betrachtungen ein, wonach von Roman Wirkner (Reichenberg) der Sekretariatsbericht erstattet und vom Verbandsobmann Bergmann sozialpolitische Fragen und Organisationsangelegenheiten der Genoffenschaftsangestellten behandelt-vurden. Die Konferenz beschloß nach einer sehr lebhaften Debatte eine Resolution, in welcher sie sich ganz Entschieden gegen di« Forderungen der Kaufmannschaft in bezug auf die Wochentagsladensperre, das Offenhalten der Geschäfte an Sonntagen und den Vorweihnachts-Sonntagen ausspricht, das mangelnde Verständnis der Vertreter der Kaufmannschaft bei den Verhandlungen über die Arbeitszeitverkürzung verurteilt und sich mit aller Schärfe gegen die Praxis der.Gehaltsherabsetzungen und geringen Entlohnung wendet. Die Angestelltenschaft fordert: 1) die einhettliche Regelung der Wochentags- Ladensperr« für alle dem Kundenverkehr dienenden Geschäfte für das gesamte Staatsgebiet vorläufig auf 7 Uhr abends, wobei für den Verkauf an Samstagen keine Verlängerung erfolgen darf und beharrt darüber hinaus weiter auf dem Verlangen nach- dem einheitlichen Sechs- Uhr- Wochemags- Ladenschluß, wobei das Oesfnen und Schließen der Geschästsläden mit dem Beginn und Ende der gesetzlichen Höchstarbeitszeit von derzeit acht Stunden täglich zusammenfällt; 2) die gesetzliche Festlegung der zweistündigen Mittagssperre; 3) die vollständige SonntagSnche im gesamten Staatsgebiete;. 4) die Verkürzung der Arbeitszeit auch im Handel-und den verwandten Berufen auf vorläufig 40 Stunden wöchentlich; 5) die gerechte Entlohnung der Homdelsange- stellten ohne Rücksicht auf das Geschlecht, geleitet von dem Grundsätze der gleichen Entlohnung für gleiche Arbeit; 6) die Abstellung des Ueberstuirdenunwesens; 7) die Einführung des Samstag-Mittagschlusses in Engros-Geschäften und Kanzleien; ö) Die Schaffung eines LehrlingsgesrtzeS, in welchem'die gesetzliche Beiterbehaltspflicht durch mindestens ein Jahr nach der AuSlehre vorgesehen ist; die Verlängerung des schulpflichtigen AlterS und die Herabsetzung der Lehrzeit; 9) die Sicherstellung der Auszahlung der Kom- miffionsgebühren nach den Tarifen, der Feiertags ruhe, wie bei den Gerichten unb der Existenzgrundlagen auch der Advokaturs-, Notariats- und Patentanwaltsangestellten; 10) die Ausrichtung der WirtschastS» und Handelspolitik nach dem Grundsätze des Allgemeininteresses und den maßgeblichen Einfluß des größten VylksteileS, der Arbeitnehmerschaft; 11) die notwendigen sozialpolitischen, arbeits- und steuerrechtlichen Vorkehrungen, die die. Existenzgrundlagen der Angestellten aller Berufsgruppen sichern und auf ihren Lebensstand und ihre Bedeutung im Wirtschafts- und Gesellschaftsleben Rücksicht nehmen; . 12) die gesellschaftliche Freiheit, da nur dadurch die wirtschaftliche Entwicklung einer Besserung zugeführt werden kann, wobei aber die Voraussetzung geschaffen werden muß, den Einfluß der Vertreter her Arbeitnehmerschaft in den gesetzgebenden Körperschaften zu stärken, wozu die Angestellten aufgerufen weoden., Jugend am Werk Im Zeichen des Jahres der Kameradschaft der SJ In einem der schönsten Teile Böhmens, am Hirschberger See, liegt das Erholungsheim der Arbeiterfürsorge, ein Werk der eigenen Kraft unserer Arbeiterbewegung, ein Stück sozialisfischen Gemeinschaftswillens. Vielen tausenden Kindern und Augendlichen der sozialistischen Arbeiterbewegung hat dieses Heim das erstemal ermöglicht, wirklich Menschen sein zu können, sich satt effen zu können, ein Bett allein zu haben und der drückendsten materiellen Sorgen enthoben zu sein. Das Hirschberger Heim ist ein Stück Sozialismus, der Vorbote einer neuen Zeit, ein Fanal inmitten des Zusammenbruches der kapitalistischen Gesellschaft. Dort werden im Laufe der nächsten Wochen zweihundert Funktionäre der sozialistischen 3u» gendbewegung zusammenkommen, um zweierlei Aufgaben zu erfüllen: einmal sich für die weitere Arbeit in der Bewegung zu schulen, zu lernen für den Kampf der Unterdrückten, und andermal«in Stück Arbeit für die Gemeinschaft zu leisten: es wird ein neues Jugendheim errichtet und ein Sportplatz angelegt. Diese Arbeit wird von den Jugendlichen geleistet werden, die sich freiwillig dieser Aufgabe unterziehen, weil sie wissen, daß sie für die Gemeinschaft wirken, der sie alles verdanken. Am Dienstag der vergangenen Woche traf der erste Turnus ein. Es waren in erster Linie Burschen aus dem Karlsbader Kreis, einige Prager und einige Genoffen aus Trautenau. Der weitaus größte Teil der Jugendlichen kam mit dem Rad, ein anderer Teil, ging zu Fuß, weil eS nicht möglich war, das Reisegeld aufzubringen. Die meisten kannten das Heim noch nicht. Sie waren überrascht über die Schönheit der Gegend, noch mehr über die zweckmäßige Einrichtung des Heimes selbst, das ihnen nun einige Wochen lang angenehmster Aufenthalt sein wird. Rasch hatten sich alle, die einander noch nicht kannten, bekannt gemacht und bald bildeten alle eine große Familie. Am Mittwoch, dem 24. April, war die Eröffnung der Aftion. Begeistert sangen die Jungen ihr Kampflied„Jungvolk, Kameraden!" Dann sprach der Vertreter des Vorstandes des Sozialistischen Jugendverbandes, Genoffe Rudolf Geißler. Er sprach über die Lage der Jugend in der heutigen Zeit, über die Bestrebungen der Feinde der Arbeiterbewegung, diese zu vernichten und über die schweren Kämpf«, die in den nächsten Wochen der Sozialismus in diesem Staate zu führen hat. Sich für diesen Kampf reif zu machen, nicht nur Erkämpfer sondern auch Erbauer einer neuen Welt zu sein, das ist die Aufgabe der sozialistischen I Jugend. Diesem. Ziel soll uns die Aktion näher bringen, die ein Werk der Gemeinschaft für die I Gemeinschaft ist. In diesem Sinne begrüßte Geißler alle Gekommenen und eröffnete das Lager. Die stürmische Zusttmmung der Jungen, bewies, daß ihnen aus dem Herzen gesprochen wurde. Der Lagerleiter, Genoffe Erich E r n st, besprach dann alle jene Dinge, deren Beherzigung und Erfüllung erst das Leben in einer Gemeinschaft ermöglicht. Mit dem Liede„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" wurde die Eröffnungsfeier geschloffen. Nachmtttags wurde dann die Arbeit eingeteilt und am Donnerstag früh ging es fteudig und begeistert ans Werk. In wenigen Tagen wird das Jugendheim schon stehen, in zwei Wochen wird der zweite Turnus bereits im Heim untergebracht werden. Ein systematisches Schulungsprogramm sorgt für die Behandlung aller notwendigen Fragen, deren Klärung eine Voraussetzung für unseren Sieg ist. So wurde durch die sozialistische Gemeinschaft, Dank gebührt in erster Linie unserer.Ar- beiterfürsorA", Hilfe geschaffen sür 200 junge Menschen, die einige Wochen dem trübsten Leben entzogen wurden und die auf der anderen Seite wieder der Gemeinschaft durch ihr Wirken helfen. So setzen Partei, Arbeiterfürsorge und SJ, den Phrasen der Henleinleute, di« sozialistische Tat entgegen, eine Tat, die viel mehr wiegt, als ähnliche Aktionen, die von den Gegnern durchgeführt werden, denn hier haben die Aermsten der Armen, für die Jungen, denen es heute am schlechtesten geht, aus eigener Kraft ein prächtiges Werk geschaffen. Schon die ersten Tage waren ein verheißungsvoller Auftakt für diese größte Aktion im Rahmen des Jahres der Kameradschaft der SJ. R. G. Rir die arbeitslose Jugend Am 27. April sprach beim Arbeitsminister Genoffen Dr. C z e ch ein« Abordnung des Sozialistischen Jugendverüandes, bestehend aus den Genossen K ern, Geißler und Neuwirth vor, um ihm über die Notlage der Jugend in den Krisengebieten der Republik zu berichten und über Maßnahmen zu beraten, die dem Notstand des arbeitslosen Nachwuchses steuern könnten. Der Minister sagte die ausgiebigste Unterstützung der von der Abordnung vorgeschlagenen Maßnahmen zu, worauf die Vertreter des Sozialistischen Ju- gendverbandeS mitteilten, daß sie nach Fühlungnahme mit den tschechischen sozialistischen Jugend- verbänden auch bei den anderen maßgebenden Mitgliedern der Regierung für die Forderungen der arbeitslosen Jugend eintreten werden. Hitlerdeutschland hofft auf einen Sieg der tschechischen Fascisten I Kramtf als Leitartikler der Wir haben wiederholt auf die Zusammenhänge zwischen tschechischem und deutschem FasciS- mus hingewiesen, auch darauf, daß die tschechischen Fascisten mit der Existenz der Republik, hasardie- ren und daß dieHoffnungderBerliner Außenpolitik auf den Sturz Beness und den Sieg Stkibr- n Y s geht. Diese Auffaffung wird bestätigt durch einen Leitartikel des.Dresdner Anzeigers"(in der Nr. 94 vom 4. April). Der Artikel heißt..Grenzen der Bündnisfähigkeit Moskaus" und beginnt mü der Behauptung, daß in der tschechoslowakischen Armee russische Offiziere dienen, daß in der Republik die Kommunisten gehätschelt und der Bolschewismus großgezüchtet werde, während .zum Beistnel di« tschechischen Fascisten imb andere, weiß Gott, staatSerhal- tende Parteien nicht wiffen, ob sie nicht z» Staatsfeinden erklärt und verboten‘ werden. Kurzum die natürliche Ordnung ist richttggehend auf den Kopf gestellt. Aber es gM eine»gesunde Reaktion" auf diesen nach Nazi-Meinung widernatürlichen Zustand. Und nun wird ein Arttkel Kramäis gegen Sowjettußland zitiert, in einem Umfang, daß man ruhig sagen kann, der Leit- Nazipresse artikel sei überhaupt von Kramäk. Nach der Wiedergabe des Kramak-Attikels heißt eS: Soweit Kramät. Benes wird Eden von diese« Aussatz kaum Mitteilung machen. Ader vielleicht wird der englisch« Gesandte in Prag seinem Minister diese Begrüßung pflichtgemäß zur Kennt- «iS bringen«ad wird hinzufügr«, daß Kramät in der sschechischen Politik nicht irgendeiner ist, sondern immer noch sür daS nationale Tschechent«« der Heros, nnd wenn dar, real genommen, nur»in Nimbus ist, so kann eS morgen schon eine politische Machtstellung sein. Den« Kramät ist der Führer der nationale« Bereinig««g,»nd diese nationale Bereinigung gewinnt im Volk immer größere« Anhang. Ihr Ziel ist, BeneS aus de«Sattel z« Heden. Wenn ihr daS bei de» bevorstehenden Wahlen gelingt, so ist der im sschechischen Volk höchst««populäre Bolschewiken- kurS revifionSrrif, w e n n n i ch t»och mehr... Dann also wird Hitlers Stunde schlagen. Dann ist die Tschechoslowakei bündnisreif für Berlin, das heißt, sie würde in das System deutscher Vasallenstaaten einbezogen. Der tschechische FascismuS wird hier richtig ringe- schätzt. Er ist ohne Zweifel wirklich bereit, sich und den Staat mit Haut und Haar an Berlin zu verkaufen und Berlin wieder opfert dem Stkibrny dafür die sudetendeutschen Arbeiter! Wie Katholiken im Dritten Dctth behandelt werden London. Der Berichterstatter der„Times" meldet aus Lasel: Di« erste Gruppe von Autocars, welche junge Katholiken von der römischen Wallfahrt«ach Deutschland zurückbrachte, passierte die Grenze bei Otterbach in der Nähe von Basel am 28. April. Gleich nach dem Grenzübertritt wurden di« Wallfahrer von einer Gruppe Nationalsozialisten in Braunhemden ü b e r f a l l e n, die ihnen di« SA-Uniforme« herabrissea, den Leder gurt, die Abzeichen»nd auch die Erinnerungsstücke, die sie auö Rom mitgebracht hatten, Wegnahmen. Darauf sie gezwungen wurden, Zivil k leider anzuziehen. Sie wnrden schließlich ins Konzentrationslager abgeführt. Die Ursache dieses Arberfalles ist, wie der Korrespondent meldet, in dem Verhalten der jungen deutschen Katholiken in Rom zu suchen. USA-Flotte fährt In die Manöver San Pedro sKalifornien). Beim erste» Tagesanbruch ist die amerikanische Schlachtflotte zu den großen Flottenmanövern im Pazifische» Ozean ausgelaufen, die sechs Wochen dauern werden. An der Spitze der Flotte segelt der Kreuzer „P e n s y I v a n i a", an dessen Bord sich der Oberkommandant Admiral Reeves befindet. Der Awblick der 183 Schiffe verschiedener Größe, die den Hafen verließen, war großartig. Hakenkreuzterroristen Herr Henlein wird nicht müde, seine Loyalität und StaatStteue, aber auch seine„Ritterlichkeit" zu beteuern. Wer die gehäffige Art der„Rundschau" sieht, die es geradezu zum Volksverrat stempelt, wenn man nicht an die alleinseligmachende Mission des Herrn Turnlehrers glaubt, wird allerdings bald anderer Meinung werden. Aber daS macht den Herren nicht viel aus, denn sie verstehen es, neben schmutzigen Anfeindung«! auch ganz andere Mittel in Anwendung zu bringen, wie die Versammlungen in Neudek und Neu- sattl sowie in vielen anderen Orten gezeigt haben. Daß sich dieses politische Rowdytum immer mehr steigert, je näher der von Henlein nervöS erwartete Wahltermin rückt, ist selbstverständlich. Nach berühmten Mustern auS dem Dritten Reich geht man nun auch dazu über, vor Beschimpfungen und Drohungen strotzende Drohbriefe an dir mißliebigen Funktionäre der sozialdemokratische» Arbeiterbewegung zu verschicken, um so eine ausgemachte Pogromstimmung erzeugen zu können. Dieser Tage erhielt d/r tschechische Kreisgewerk- schastssekretä r H ü l a in Reichcnberg ein— naturgemäß anonymes— Schreiben, in dem ei wörtlich heißt: ' An Hüla! Wir müssen Euch Patrioten einmal eine rii' tige Antwort geben. Ihr habt ja alle längst daran! gewartet, daß man mis auflösen soll, doch jetzt st! es zu spät. Ja, die Enttäuschung ist da und groß nicht wahr? Haben wir ein« gewaltige Anzai! Vertteter im Parlament, so werden wir da! Nötige Euch zeigen. Hauptsächlich Euch Tscheche» werden wir beweisen, was das heißt, unsc,e» deutschen Arbeitsplatz uns wegzunehmen(i» stehlen). Besonders mit den Gaunern, welche ebenfalls Deutsche sind und die tschechische Organisation mit unS Deuffchen großgezogen haben. Dir werden diese Leute bald haben. Funttionären und Euch Sekretären werden wir einen Denkzettel geben, vielleicht genügt eine gute Nacht. Dir mögen nicht unter Euch Gesindel, Ihr gehört a»' einen Meierhof oder Misthaufen. Auch werden n»r mit Marxist-Kommunisten fettig werden. Euere» 1 Helfershelfern. Dieser Krach wird schwiettger, aber besiegen werden wir sie, wie in Deutschland da» unser Führer gemacht hat. Wir glauben eS schon, daß Ihr nicht mehr hetzen könnt, weil kein Parlament mehr ist, die«iss verbieten können. Euch Hochnasen glauben wir ss sehr gerne. Der baldige Beweis wird der 1. Mai sei»- Aber nur vorläufig, daS andere kommt da»» schöner. Erzlumpen und Gauner, Ihr werdet bald purzeln und baumeln.(Verdient habt Ihr e- Euck und Eure deutschen Funktionäre). Dann könnt Ihr Freiheit brüllen. Es ist ja schon eine alte Erfahrung, daß Heilsjünger des Hitler mit der deutschen Sprach« auf dem Kttegsfutz stehen. Aber das steht nicht zur Debatte, sondern vielmehr die offett Drohung, daß man am 1. Mai irgendwelche Lumpereien verüben will, um die Arbeiter t» provozieren. Nach außenhin ist Herr Henlein di* Biederkeit selbst, aber seine Knappen können sich nicht genug tun an echtestem Hakenkreuzgeist u»d wird dann einer einmal geschnappt, so war natürlich immer nur der Einzelne schuld und nicht etwa die Heimatfront. Nur daß sich solche Betriebsunfälle immer mehr häufen, so daß man sich tat' sächlich wundern muß, wie lange eigentlich Staatsgewalt zögern will, um diesem freche» Treiben ein Ende zu bereiten. Angst genug hatte» die Herrschaften vor der Auflösung, aber sie irre»- wenn sie annehmen, daß es dazu zu spät wärt. Wenn unsere Staatsbürger, besonders im Grenss gebiet, vor diesen gewalttätigen Sttolchen geschützt werden sollen, dann ist es höchste Zeit, ihnen daö Handwerk gründlichst zu legen! De Broucköre Vorsitzender der Internat!»' nale. Da der bisherige Vorsitzende der Exekutiv der SAJ, Emile Bandervelde, nach seine»! Einttitt in das neue belgische Ministerium statutengemäß aus der Exekutive ausscheidet, hat da» Bureau der SAJ einstimmig Louis de B r o u!/ köre provisottsch zum Vorsitzenden gewählt. Dit endgültige Wahl wird in der nächsten Sitzung de» Exekutive stattfinden.— Nach den Statuten gehören der Geschäftskommission der SAJ die Miil glieder der Erekytive an, die von der Partei de» Landes gewählt wurden, in dem das Sekretärin! der SAJ seinen Sitz hat. Infolge der Berlegu»» des Sitzes deSSekretariats von Zürich nach SBrüfaJ (162 rue de Laeken) scheidet nunmehr Roben Grimm(Schweiz) aus der Geschäftskomnnsi sion aus. Diese besteht künftig aus dem Vorsitzes den der Exekutive De Broucköre, den belgischen Exekutivmitgliedern Huysmans u»" Bouchern, dem Sekretär Adler und de»! Kassier Van Roosbroeck. Mittwoch, 1. Mai 1935 Seite 9 Kriegsgericht und Justizmord Von MUOr. O. Fischer, Professor en der Deutschen Universität In Prag vor 20 Jahren Zwanzig Jahre sind es her, seitdem der Infanterist Kudrna von einem Kriegsgericht zur Schande altösterreichischer Militärgerichtsbarkeit unschuldig zum Tode verurteilt und ölsentlich hingemordet wurde. Wenn ich heute nach 20 Jahren etwas über diesen Fall zu erzählen mich unterfange resp. entschließe, so ist das deshalb, weil ich bei dem damaligen Kriegsgericht als psychiatrischer Sachverständiger fungieren und das ganze Gerichtsverfahren mitansehen und miterleben mußte. Diese» Erlebnis gehört zu den Geschehnissen, die mich in der Kriegszeit am meisten aufgewühlt und am stärksten erschüttert haben; ich hatte ja in den vier Kriegsjahren, d. h. einer vierjährigen militärärzt- lichen Dienstzeit, so manches furchtbare Schicksal miterlebt, in einem mehrjährigen Kamps« gegen eine goldbetreßte, militärärztliche Kamarilla gar so viel Unglaubliches erfahren und so manches an milüärischer Gewissenlosigkeit und vaterländisch garniertem Zynismus milangesehen, aber der Fall des armen, hingemordeten Kudrna überragte so ziemlich alles und bleibt in meiner Erinnerung ein Denk- und Schandmal kommandierter Kriegs- iustiz. E» war im Mai 1915, als mich eines Tages um ü Uhr morgens eine militärische Ordonnanz mit einem dringenden Dienstzettel weckte; der Dierrstzettel stammte vom Oberstabsarzt Dr. Pektrka, dem damaligen Chefarzt beim Prager Militärkommando, und enthielt den lakonischen Befehl, ich habe mich um 8 Uhr beim Divisionsgericht am Hradschin als Sackverständiger einzufinden. Mündlich teilte mir die Ordonnanz noch mst, ich möge an einem bestimmten Orte der Kleinseite auf Oberstabsarzt Pecirka warten. Als wir dort zusammentrafcn, sagte mir Peäirka:»Ich kann dir nicht viel sagen, ich weiß selber viel zu wenig, aber es wartet auf dich eine schwere Sache, du bist Sachverständiger bei einem Kriegsgericht. Es handelt sich um die Frage der Trunkenheit, der Fall ist sehr schwer und sehr wichtig.! deshalb habe ich dir als zweiten Sachverständigen noch den Starken st ein l damals Assistenzarzt heim ErgänzungSbezirkSkommando in Prag und jetzigen Professor der Pharmakologie an der Deutschen Universität) beigegeben. Du wirst schwere Arbeit haben; mehr kann ich dir leider nicht sagen, aber du wirst schon selber sehen, was du zu tun hast. Servus!" 'jj.. Nack einem eigenartigen, ich möchte, sagen sine gewM iuner^ Erregung verratenden Hände-, druck verschwand er.' Ich Halle den Eindruck, er Mte mir gerne mehr sagen wollen, und versuchte dabei so dienstlich als möglich zu erscheinen; jedenfalls fühlte ich aus alldem, daß etwas Besonderes bevorstand; in Tragödienstimmung stieg ich zum .Hradschin hinauf. , Bei Gericht traf ich mit Doz. Dr. S t arte n st e i n und dem I.U.Dr. Alfr. Meißner, dein jetzigen M i n i st e r, welcher als Verteidiger .fungieren sollte, zusammen. Niemand wußte etwas Bestimmter, es hieß nur, daß ein Kriegsgericht über d r e i S o l d a t e n, die der M e u- .lerer beschuldigt sind, gehalten werden sollte. Ich erwartete, daß uns wenigstens der Verteidiger etwas Näheres werde mitteilen köimen, doch dieser durfte seine Klienten weder sehen noch sprechen. Um 8 Uhr begann die Gerichtsverhandlung; als Leiter fungierte ein Oberstauditor, als Gerichtshof fünf Offiziere, der jüngste war ein Leutnant/ der älteste der Prager Stations- tommandant Oberst Heckendorf. Der Tatbestand, der sich aus dem Material der Verhandlung, also den Zeugenaussagen und den Aussagen der Angeklagten ergab, lvar folgender: In Beneschau bei Prag befand sich der Kader eines Marschbataillons; Stationskommandant war daselbst ein sogenannter„ausgegrabener" Hauptmann a. D., ein p e n s i o n i e r t e r Hauptmann, der zu Kriegszwecken und Hinterlanddiensten wieder aktiviert worden«war. Wie dies gewöhnlich der Fall war, so war es auch hier: der pensionierte Offizier wollte seine besondere Tüchtigkeit zeigen und stramm sein; meistens zeigte sich diese Strammheit in unnötigem Schikanieren der Soldaten; auch der Stationskommandant von Pene- schau war sehr unbeliebt, angeblich aus den gleichen Gründen. Am Vorabend sollte eine Marschkompanie auf den Kriegsschauplatz abtransportiert werden; die Soldaten lagerten marschbereit auf einem umzäunten Platz vor einer Scheune, die ihnen als Ouartier gedient hatte, die Gewehre waren in Pyramiden aufgestellt, alles war zum Abmarsch fertig. Wie immer bei solchen Gelegen» heitew Hai sich auch hier eine falsche Fröhlichkeit eingeschlichen, an der zum größten Teil der konsumierte Alkohol schuld war. Am Zaun stand ein großer Haufe von F r a u e n, die noch in letzter Stunde mit den vielleicht auf Nimmerwiedersehen wegziehenden Männern plaudern wollten. Nichts störte die Ruhe; da ging der Stationskommandant vorüber, beanstandete, daß sich die Frauen hier aufhielten, und wies sie weg, sie hätten hier vor dem Abmarsch nichts zu suchen. Daraufhin erscholl ein hefttges Gejohle aus den Reihen der angeheiterten Soldaten, wobei es auch an Schimpfworten gegen den Stationskommandanten nicht gefehlt haben soll. Dieser entfernte sich schnellstens und kurz darauf erschien auf dem Platze die Bereitschaft, das ist eine bewaffnete Abteilung von Soldaten, um die angeblich gefährdete Ordnung wieder herzustellen.. Es dämmerte bereits und als die Bereitschaft einmarschierte, setzte bei der Marschkompanie eine Unruhe ein; es lourde gemurrt, doch etwas Besonderes ereignete sich nicht; es hieß nur, daß drei Soldaten in großer Aufregung geschimpft hätten und zu den Pyramiden gesprungen wären, um die Gewehre zu ergreifen. Dies« drei Soldaten wurden verhaftet und stauden jetzt vor dem Kriegsgericht. Der erste dieser drei Soldaten schied schon nach den ersten Zeugenaussagen aus; er wurde aus Irrtum arretiert und hatte mit der ganzen SÄbe nichts zu tun; man sieht, daß mgn sozusagen aufs Geratewohl darauf kos ärretletke. Die anderen zwei Soldaten, ein Korporal, dessen Namen mir entfallen ist, und der,Infgnterist Kudrna, waren die eigentlichen Angeklagten; von diesen hieß es, daß sie beim Einrücken der Bereitschaft zu den Gewehren greifen wollten. Doch als die als Zeugen verhörten Soldaten präzis aussagen sollten, wie das alles geschah, ergab sich, wie unsicher die Anklage aufgebaut war; denn wegen der recht weit vorgeschrittenen Dämmerung konnte keiner der Zeugen mit Sicherheit die Vorgänge schildern, eS war eben schon zu dunkel. Nach den Aussagen aller Soldaten, die den Korporal und Kudrng arretierten und ahführten, waren diese beiden sehr stark betrunken; sie gingen taumelnd mit und kaum daß sie ins Arrestlokal kamen, toarfen sie sich hin und schliefen fest ein; sie könnten früh» vor dem Abtransport nach Prag nur mit Mühe geweckt welchen. Bon dem ersten Soldaten, der eigentlich irrtümlich arretiert worden war, soll nicht weiter gesprochen werden. Die Aussagen der zwei anderen Angeklagten waren recht charakteristisch. Am einfachsten war die Aussage des Korporals: er wußte, daß beim Erscheinen des Stationskommandanten geschrien wurde, nur undeutlich erinnerte er sich, daß etwas mit einer Bereitschaft los war, doch was weiter geschah, wußte er nicht; er wußte nichts von seiner Arretierung, seiner Abtransportierung usw.; er kam erst am Morgen zur Besinnung. Am Ver- handlungstage roch er noch nach Alkohol. Der Infanterist Kudrna, der das drittemal auf den Kriegsschauplatz sollte, gab zu, an dem Nachmittage viel getrunken zu haben; er wußte, daß beim Herannahen des Stätionskom- mandanten eine Unruhe entstand und Schimpfworte fielen, er wußte, daß in der Dämmerung die Bereitschaft einmarschierte; er behauptete jedoch, daß es nicht stimme, daß er zur Pyramide ging und ein Gewehr ergreifen wollte oder ergriffen haben sollte; an die Arretierung erinnerte er sich auch nicht, an den Abtransport erinnerte er sich; auch Kudrna roch sehr intensiv nach Alkohol. Der Vormittag war der Einvernahme der Zeugen und der Angeklagten gewidmet. Den Nachmittag füllten die Gutachten der Sachverständigen und die Plädoyers des Verteidigers und des Militäranwaltes aus. Als erster Sachverständiger sprach Doz. Dr. S t a r k e n st e i n; er nahm die Sache vom pharmakologischen Standpunkte auf, besprach die Wirkung des Alkohols, seine lähmende und gelegentlich auch reizende Wirkung und schloß damit, daß wir in beiden Fällen die typis che Wirkung schwe rer Trunke n h e it vor uns haben; wie genau das Gutachten war, ist daraus zu ersehen, daß sein Vortrag eine halbe Stunde dauerte. Dann kam mein Gutachten an die Reihe; für mich war es klar, daß juridisch alle Angeklagten unschuldig waren, daß von einer Meuterei im Sinne der Anklage keine Rede sein konnte, respektive daß keinem der Angeklagten etwas Derartiges bewiesen worden tvar. V o m psychiatrischen Standpunkte war die Sacke deS Korporals recht einfach. Es war feststehend— und alle Zeugen gaben das zu— daß er betrunken war; er selbst behauptete, sich an nichts zu erinnern; damit war der Schluß gegeben, daß sich der Mgnn im Zustande der Bolltrunkenheit befunden hatte und deshalb im Sinne des Gesetzes sich seiner Handlung nicht bewußt war. sckwierÄer war. es'bei Kudrng,£eh RWerik oas Pathologische des Falles klar en' machen. Kudrna war schwerbetrunken; das erhellte aus den Aussagen der Zeugen- unnamentlich aus dem Umstande, daß er sich, trotz der Aufregung, in der er sich beim Arretieren befunden haben mußte, im Arrestlokal sofort niederwarf und fest einschlief. Wenn er nun einfach ausgesagt hätte, er wisse sich an gar nichts zu erinnern, so wäre die Tatsache der einfachen Volltrunkenheit gegeben gewesen. Nun gab aber Kudrna an, daß er sich nur an einen Teil des Geschehens erinnern könne, wogegen ihm für einen Teil die Erinnerung fehlte. Damit war der Fall eines sogenannten pathologischen Rauschzustandes gegeben, in dem die Betrunkenen nicht einmal den Eindruck der Volltrunkenheit machen müssen, doch übt dabei der Alkohol trotzdem eine weitaus größere Wirkung auf das Gehirn aus, in dem sich die Betroffenen ganz geistesabwesend benehmen; als charakteristisch für diese Zustände gilt der teilweise oder vollständige Erinnerungsdesekt. Der Umstand, daß Kudrna behauptete, nur für ein zelnes den Erinnerungsdesekt zu haben, sprach eindeutig gegen eine Simulatton. Das Gutachten schloß aber damit, daß sich der Korporal im Zustande der Volltrunkenheit, Kudrna im Zustande eines sogenannten pathologischen Rausches befand und also beide zur Zeit der Tat des Gebrauches der Vernunft beraubt waren. Dann sprach der Militäranwalt kurz, geschäftlich und auffällig gefühllos; für ihn existierte keine Volltrunkenheit und kein pathologischer Rauschzustand, beide Soldaten waren schuldig, was bei einem Kriegsgericht den Tod durch Erschießen bedeutet. Darauf folgte die Rede des Verteidigers; er hielt sich zuerst an den Tatbestand, er betonte, daß den Angeklagten außer der Trunkenheit nichts bewiesen wurde, da die vorgeschrittene Dämmerung jede genaue Beobachtung der Vorgänge ausschloß; schließlich wies er auf die ärztlichen Gutachten hin, denen die wichtigste Rolle beim Fällen des Urteiles zukomme. Dann zog sich der Gerichtshof zurück; nach der Beratung des Gerichtshofes, die etwa eine halbe Stunde dauerte, wurde verkündet, daß das Urteil erst morgen um 8 Uhr früh verlesen werden würde. Traurig gingen wir nach Hause, denn das bedeutete einen traurigen Ausgang. Inzwischen bekam das Marschbataillon von Beneschau den Befehl, sofort in voller Marschadju- stierung nach Prag aüzumarschieren. Um 8 Uhr morgens wurde das Urteil verlesen; der erste Soldat und der Korporal wurden freigesprochen, Kudrna zum Tode durch Erschießen verurteilt, und das Urteil solle sofort vollstreckt werden, d. b. es lvar schon vorher bestätigt worden. Alles war schon dazu vorbereitet: inmitten eines großen Kordons wurde der Delinquent zu Fuß vom Hradschin zum Exerzierplatz in M o t o l geführt und hinter dem Kordon fuhr gleichzeitig der militärische Leichenwagen. Vor den Augen des Bataillons, das die ganze Nacht marschieren mußte, um der Hinrichtung beizuwohnen, wurde der Infanterist Kudrna erschossen. Dieser Ausgang hat mich natürlicher Weise sehr ergriffen; ich dachte, daß ich im Gutachten alles aufgewandt habe, um die Richter von dem krankhaften Geisteszustände zu überzeugen, und doch geschah es anders. Ein anderes, ordentliches Gericht hätte nichts anderes tun können, als einen Freispruch zu fällen, hier sprach alles dafür, daß es nicht die Justitia war» die das Urteil fällte, sondern eine andere, höhere Macht. Etwa eine Woche später traf ich Oberstabsarzt Dr. Peöirka; selbstverständlich kam die Rede auf das Kriegsgericht und ich verhehlte nicht meine Betrübnis über den Ausgang. Da sagte Peöirka:„Ich habe dir ja gesagt, daß du schwere Arbeit haben wirst; wir haben ja gewußt, daß man den Fall> exemplarisch behandeln und erledigen will; ich sage ja nicht. Laß da ein Befehl existierte, vielleicht war es nur ein W u n s ch, aber du weißt doch, daß es Situationen und Zeiten gibt, wo ein Wunsch mehr ist als ein Befehl. Deshalb habe ich doch gleich den Pharmakologen dazukommandiert, man mußte alles versuchen. Uebrigens kann ich dir ettvas Interessantes verraten: einer der Richter erzählte mir den Hergang des Prozesses und zum Schluß setzte er hinzu:„In diesem Prozeß haben wir zwei Verteidigungsreden gehört, die des Verteidigers und die des psychiatrischen Sachverständigen." Damit kannst du also zufrieden sein!" Das ist die Geschichte eines Kriegsgerichtes, über welches- keine Detailakten existieren, denn über die Verhandlung eines Kriegsgerichtes werden keine Detailakten geführt» einer Tragödie eines armen, unschuldigen Opfers, eines einfachen Soldaten, der zweimal schon an der Front gewesen war und im Begriffe war, das drittemal in die Feuerlinie abtransportiert zu werden. Del den fort Doll Indianern T. S. Wo der weiße Mann in der Welt vor- d.rang, bedeutete es Grausamkeit und Brutalität Kegen den Eingeborenen. Eines der traurigsten Kapitel weißer Grausamkeit bildet die Behandlung der Eingeborenen des nordamerikanischen Kontinents, der Rothäute. Und man kann sich heute stets eines Lächelns nicht erwehren, wenn man von ameri- kansschen Nationalisten— die gibt es natürlich hier auch!•.— mit Stolz die Berufung auf ihr hundertprozentiges Amerikanertum hört! Hundertprozentig amerikanisch find natürlich nur die Indianer, die Ureinwohner, die die Weißen bei ihrer Eroberung dörfänden. Die Indianer, die die Einwanderer zunächst freundlich aufnahmen, mutzten bald die aller- fchwersten Kämpfe mit ihren Gästen bestehen, Kämpfe, die nicht etwa nur ganz in der Anfangszeit ssattfanden, sondern sich ausdehnten bis in die zweite Hälfte deS letzten Jahrhunderts. ES interessierte mich darum, nachdem ich bereits in einer meiner Versammlungen einen Indianer-Häuptling in Originaltracht als aufmerksamen Zuhörer hatte, meinen kurzen Aufenthalt im Staate Idaho dazu auszunutzen, um die dort gelegene Reservation der Fort Hall Indianer aufzusuchen. Ein Professor, der llniver- fität. Idaho, der sich speziell mit dem Problem der Indianer befaßt, erklärte sich bereit, mir den Zutritt zu verschaffen und mich zu begleiten. Da Idaho zu den dünnst bevölkerten Staaten gehört, ist es ein weites Gelände, das den Indianern sur Verfügung gestellt wurde. Schon auf dem Wege »ur Reservatton begegnen wir jungen, stolzen Indianerinnen, hoch zu Rotz, Pferdegespannen mit Jndianerfarmern in ihrer primitiven,' doch malerischen Tracht. In der Reservatio« werden wir im Schulhaus vvn dem Superintendenten und dem Schulleiter empfangen, Regierungsbeamten, denen die Fürsorge für die Reservation obliegt. Einige junge Indianer, die gut englisch sprechen, stellen sich zu unserer Verfügung, um alle unsere Neugierde zu befriedigen. Dabei fällt uns da» außerordentlich taktvolle Verhalten der Indianer auf. Niemals, unterbrechen sie die Rede eines anderen. Dabei fällt mir ein, daß mir mein Begleiter schon vorher die außerordentliche Diskretion der Indianer gerühmt hatte. Geschwätz und Klatsch ist ihnen vollkommen fremd. Auch die besondere Art, wie der weiße Mensch den Begriff des Eigentums auffaßt. Kommt ein hungriger Indianer an einer Hütte vorbei, wo er Nahrung vorfindet, nimmt er sich davon; er findet eS ebenso natürlich, daß ein hungriger Weitzer auch von seiner Nahrung nimmt. Und doch ist mancher Konflikt aus diesem natürlichen Verhalten des Indianers entstanden! Doch wir lassen unS erst von unseren jungen Indianern von ihrem Leben und ihren Wünschen erzählen. Sie treten uns ohne Feindschaft und ohne Bitterkeit gegenüber. Auch hier hat der Indianer eine UeberlegeNheit gegenüber unS. Er verallgemeinert nicht, läßt nicht die Gesamtheit der Weißen dar entgelten, was andere ihm und seiner Rasse angetan. Er unterscheidet ganz einfach zwischen dem guten und dem bösen Individuum. Und so erzählen sie un» von dem recht ärmliche« Leben der zirka 2000 Indianer der Reservation. Doch laßt unS erst klarstellen, was diese Reservation eigentlich ist.. Nachdem die Weißen in jahrzehntelangem Kampfe die Indianer immer wieder aus ihren Positionen verdrängt, ihnen Land abgenommen und tausende und abertausende ermordet hatten— weil auf dem betreffenden Boden Oel, Gold, Erze oder andere Schätze entdeckt wurden— hat endlich das Gewissen der amerikanischen Regierung geschlagen. Schien es doch, als sollten die Ureinwohner des Landes, de Rothäute, vollkommen aussterben. Und dabei zeigen die Forschungen, daß die Indianer schon etwa seit fünfundzwanzigtausend Jahren auf dem nord- amerikayischen Kontinent lebten! Als die Weißen Amerika eroberten, lebten annähernd eine Million Indianer dort; im Jahre 1920 aber war ihre Zahl zurückgegangen auf 24s.000! Schon in einer früheren Periode, vor etwa fünfzig Jahren, hatte man den Indianern bestimmte Gebiete Landes zugewiesen; aber dennoch bedeutete das für die Indianer keine Sicherheit. So geschah eS beispielsweise, datz man, als im Staate Oklahoma Pettoleum auf dem Territorium der Reservatton gefunden wurde, den Rothäuten einfach den Boden wegnahm und ihnen zum Ersatz recht armes Land dafür anbot. Jetzt endlich scheint man den Verfolgten Ruhe lassen zu wollen. Sie haben in verschiedenen Staaten Amerikas ein bestimmtes Gebiet Land zugewtesen, wo sie leben dürfen und meist primitive Landwirtschaft treiben. Mit Vorliebe Viehzucht. Die Regierung Hilst daneben noch au» durch Unterstützungen und besonders durch Lieferungen in Naturalien. Wie unS unsere jungen Indianer erzählen, versteht die ältere Generation der Indianer nicht die Art, in der die Weißen arbeiten- Aber dennoch widersetzen sie sich nicht dem Bemühen, die Kinder in die Schule der Reservatton zu hicken. Der weiße Schulleiter erzählt, datz, wenn auch praktisch kein Druck auf die Eltern ausgeübt wird» eS doch gelungen sei, bis auf zwei Familien alle von -er Nützlichkeit des Schulunterrichtes zu überzeugen. Die Resultate scheinen ganz befriedigend. Die Intelligenz des Indianers ist von der der Weitzen verschieden— sie sind auch nicht so ehrgeizig wie wir. Wenn auch in der Familie die Sprache des Stammes weiter gesprochen wird, können doch sehr viele bereits gut englisch, besonders die ju«ge Generation- Aber noch heute bestehen unter den amerikanischen Indianern mehr als 50 verschiedene Sprachfamilien! Und nicht alle Indianer der verschiedenen Sprachgruppen können einander verstehen. Dafür haben sie aber eine Zeichensprache, die zur gegenseitigen Verständigung dient. Die jungen Indianer klagen uns sehr darüber, wie auherordentlich schwer es für die junge Generation der Indianer sei, zu einer leitenden Tätigkeit in der Gemeinschaft zu kommen. Wir konnten sie mit der Feststellung trösten, daß dieser Kampf der Generationen nicht nur in den indianischen Reservation» geführt werden müsse! Die Jungen wollen natürlich eine Reihe von Reformen herbeiführen, insbesondere, um die soziale Lage der Indianer zu verbessern. Sie leben in dieser Reservatton meist in ärmlichen Einfamilienhäusern, mehr Hütten zu nennen. Denkbar dürftig auSgestat- tet. Meist nicht einmal Betten— man schläft mit Decken auf dem Fußboden. Die Reinlichkeit läßt oft zu wünschen übrig— bei der großen Armut nicht verwunderlich. Viele» auS den alten Sitten ist noch beibehalten— so lebt auch noch der Medizinmann. Seine Heilmethode ist verbunden mit einem kultischen Aft; darum geht der Behandlung eine» Kranken eine recht feierliche Zeremonie voran»— und die wichtigste Heilmethode ist da» sogenannte„Schwitzhaus". Die Hitze wird erzeugt durch das Erhitzen der Steine im Feuer und die ganze Prodezur wird mit Gebeten begleitet. Dabei ist aber ein grundsätzlicher Unter- Seite 10 Mittwoch, 1. Mai 1935 Nr. 102 Vom RundSunk Sie AM M(tK ArMllWM zum 1. Mai Mittwoch, den. 1. Mai, von 18 Uhr 10 bis 18 Uhr 50, veranstaltet die Deutsche Arbeitersendung über den L i b l i tz e r Sender folgendes Programm: O r ch e st e r-Vorspirl:„Egmon t"-Ouvrr- türe von L. v. Beethoven Chorgesang: LicdderArbcit M a i g r u ß unseres Parteivorsitzenden Genossen Dr. Ludwig C z e ch Chorgesäng: Hymne an die Freiheit (Uthmann) Rezitation: Spartakus(von Jaroslav Brchlirky) Die Stadt in Tränen (von Jaroslav Seifert) Chorgesang: Trauermarsch(Scherchrn) M a i l i e d(Scheu) Rezitation: Eine Szene aus Friedrich Schillers: „D i r Verschwörung de sFiesko zu Genua" Aus der R e d e Viktor Hugos zur Jahrhundertfeier für Voltaire Chorgesang: Schmiede(Pfirsting) Orchester-Schlußspiel: DicBtarseillaisc (Diese Chöre werden von der Prager Volks- singgemeinde unter Leitung ihres Chormeisters Genossen Edwin I a n e t.s ch e k gesungen; die Rezitationen bringt Genosse HanZ Lichtwitz-Prag.) Empfehlenswertes ans de» Programmen: Donnerstag Prag, Sercker L.: 10.05 Deutsche Presse. 10.15 Salonorchesterkonzert. 12.35' Unterhaltungsmusik. 17.45 Deutsche Sendung: Jugendstunde. 10.10 Wir lernen russisch. 19.25 Populäres Konzert. 22.25 Salonorchesterkonzert.— Sender S.: 15.00 Deutsche Sendung: Klouöek: Unsere Kreuzotter. 15.15 Leichte Musik. 18.20 Schrammelkonzert.— Brünn: 13.35 Deutscher Arbeitsmarkt. 17.50 Deutsche Sendung: Habel: Von Sängern und Singen. 20.40 Schallplatten: Lieder.-— Mährisch-Ostrau: 15.55 Orchesterkonzert. 17.45 Deutsche Sendung: Fisch: Die Wohnung von heute. 18.25 Harmonikaspiel.— Preßburg: 18.05 Klavierkonzert. Freitag Prag, Sender L.: 10.05 Deutsche Presse. 10.30 Schulfunk. 11.00.-Schallplatten:' Schubert. 13.35 Akbeitsmarki. 13.45 Arien aus Opern von Smetana. 15.55 Blasorchesterkonzert. 18.10 Deutsche Sendung: Schimetschek: Sportvorschau. 18.15 Dozent Wele- minsty: Wie und wodurch kommt es bei Krankheiten zur Ausheilung? 18.85 Arb^eitersendung: Aktuelle zehn Minuten. 18.45 Deutsche Presse. 10.10 Konzert des Piano-Harmonikaquartetts. 22.15-Tanzmusik.— Sender S.: 15.00 Deutsche Sendung: Für die Frau. 18.00 Chansons.— Brünn: 12.15 Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 12.35 Mittagskonzert. 13.40 Unterhaltungsmusik. 18.10 Deutsche Sendung: Die Alten und die Jungen, von Lorm. 21.10 Abendkonzert.— Mährisch-Ostrau: 17.50 Deutsche Sendung: Liederkonzert. schied in der Art des Gebets zwischen dem Indianer und dem Weißen: Der Indianer spricht nicht beim Gebet, er betet ausschließlich in Gedanken! Welche Ueberlegenheit— ist doch so jedes gedankenlose Dahinsprechen auSgeschaltet! Richt immer wird das Essen in einem Ofen im Hause gekocht, sondern häufig auch nach alter Sitte im Freien. Dabei ist die Kost noch immer außerordentlich primitiv. Auch ist die alte Sitte aufrecht erhalten, daß die werdende Mutter, wenn sie die Geburt des Kindes nahen fühlt, das Haus verlassen muß. Sie findet dann in einem primitiven Wigwam(kegelförntig zusaunnengestellte Stangen, die mit Teppichen und Tüchern behangen werden) Aufnahme und muß auch nach der Geburt ihre bestimmte Zeit von der übrigen Gemeinschaft getrennt leben. Eine Frau ist ihr bei der Gehurt behilflich. Die Regierung stellt zwar Hospitale für die Aufnahme der Mutter zur Verfügung und auch ärztliche Behandlung—* doch nicht immer will die Indianerin die alten Sitten preisgeben. Di« Folge davon ist eine sehr starke Kindersterblichkeit bei den Indianern. Wenn im Sommer die Hitze zu stark wird, wandert die ganze Familie aus der Hütte aus und bezieht das Wigwam— eine ähnliche zeltartige Behausung, wie sie die werdende Mutter aufsucht. Das größte Fest in der Reservation ist die Zeit des Sonnen-FesteS..Während drei Tagen und drei Nächten wird dem Sonnengott durch ununterbrochenen Tanz gehuldigt. Festlich gekleidete Indianer beteiligen sich am Rundtanz so lange, bis sie vor'Ermüdung unterbrechen müssen; dann ruhen sie sich kurz aus-— und wieder beginnt der Tanz, bei hem sie sich in einer Art Tranee-Zustand befinden. Als schließlicher Triumph dieses Festes wird an die Auferstehung aller toten Indianer geglaubt. Unsere jungen Freunde allerdings glauben nicht mehr so ganz an den Sonnengott; sie beteiligen sich nicht an dem alten Kult, sondern sind zum Protestantismus Lbergetreten. Das ist jedoch nicht in allen Reservationen gleich. So berichten sie uns zum Beispiel, daß in den Reservations des Südwestens die reinblütig- sten Indianer leben, dort die alten Traditionen streu- mc Busemann ermordet wurde In seiner Woünung totgeschlagen Der Londoner„Daily Hcrald" meldet, daß der Vorsitzende des Internationalen Bergarbeiterverbandes Ebby Edwards aus Deutschkand einen genauen Bericht über die Ermordung des deutschen Bergarbeiter-Führers Husemann erhalten hat. Aus diesem Bericht, den Edwards an alle Organisationen der Bergarbeiter-Internationale weiterleiten wird, geht hervor, daß Husemann nicht im Konzentrationslager„auf der Flucht" erschossen» sondern in seiner Wohnung totge- schlagen wurde. Der Ermordung war ein Verhör bei der Gestapo vorangcgangen, die Husemann beschuldigtc, über seine Erlebnisse m der Schutzhaft Aeußerun- gen getan zu haben. Als er sich weigerte, eine S ch w e igrverpflichtung e i n- z u g c h e n, entließ man ihn in seine Wohnung, wo er noch am selben Abend von einem Mordkommando aufgesucht und z u T o d e geprügelt wurde. Um den Mord zu vertuschen, wurde der Leichnam noch in der Nacht nach dem Konzentrationslager Börgermoor transportiert und von dort erst den Angehörigen ausgrliefert, die ihm auf dem Dortmunder Zentralfriedhof bessetzen. bemalen— der geistige Raub des 1. Mai wird ihnen nicht gelingen. Auf den Maifeldern des Dritten Reiches, bei den heimlichen Mai-Zusammenkünsten in österreichischen Wäldern, unter der Kveuzeslast des Haken- und des Krukenkreuzes denkt die entrechtete Arbesterschaft an die roten Fahnen, die an diesem, ihrem Festtage über den freien Ländern wehen. Und wenn wir heute unter roten Fahnen marschieren, so gedenken wir der Gefallenen und Erschlagenen, der Eingekerkerten und Gefolterten, der Entrechteten und Verfolgten. Unsere Gedanken, unsere Herzen sind bei ihnen, und die ihren sind bei uns! Tagcsncuighcitcn Die Denkmals-Enthüllung in Ossegg am kommenden Sonntag Sonntag, den 5. Mai 1935' um 10 Uhr vormittags findxt in Ossegg die feierliche Enthüllung des Denkmals für die Grubenopfer j'.i Nclson-111- Schachtes statt Für die Feier ist folgendes Programm vom R e v i e r r a t in Brüx vorgesehen: Die Teilnehmer versammeln sich um 9 Uhr vormittags auf dem Athanasius-Platz; von dort gemeinsamer Abmarsch zum Denkmal. Absingen des Bergmannslicdes. E r ö f f n u n g der Feier durch dir Vertreter des Rcvierratcs Brüx. Gedenkrede deS Ministers für Sffent- lichc Arbeiten Dr. C z e ch und Ncbergabe des Drnkrnales in den Schutz der Stadt Ossegg. Ansprache der Vertreter der S t a dl- gemeinde Ossegg. Staatshymne. Defilierung der Vereine, Körperschaften und Abordnungen vor dem Denkmal. Die Groteske'Kaufmann-Han! Kabarett, Tagebücher und Sorgen der Prager Kaffeehäuser Während der Fälscher Kaufmann in. Triest in Hast sitzt, bis über seine Auslieferung entschieden sein wird, beschäftigen sich gewisse Prager .Kreise immer lebhafter mit seiner Frau. Der Prager Rechtsanwalt und Schriftsteller Dr. Ztrvrel ist nach Triest gefahren, um Marie Hanl beiz'I- stehen. Außer ihm sind noch Berichterstatter von Boulevardblättern und Freunde der Hanl in Triest. Seitdem die kommunistischen„Hallo-No- vinh" berichtet hatten, daß die Hanl ein Tagebuch geführt hat, in welchem die Namen ihrer Verehrer mit allen näheren Angaben eingetragen waren, zerbricht sich„Prag" den Kopf, warum so viele Bekannte der Hanl die Reise nach Triest nicht gc- scheut haben. In diesem mysteriösen Tagebuch sollen Namen bekannter Personen enthalten sein Ein Prager Kabarettdireftor hat die Situation begriffen und der Frau bereits das Angebot ge< ger gehalten und keine Fremden hereingelaflen werden. Die jungen Leute sehen kritisch die sozialen Nachteile, die für den Indianer erwachsen. Bei Fortdauer der herrschenden Arinut erblicken sie keine Möglichkeit des sozialen Aufstiegs. Sie haben draußen studiert und modernen Komfort kennen gelernt, den sie auch den Angehörigen der beiden Stämme' bringen möchten, die in der„Fort Hall" Reserva- tion Zusammenleben. Sie beklagen es, daß sie keinen Kredit auf den Boden auftiehmen können, weil ja das Land unveräußerlich ist. Auf meine Frage jedoch, ob sie eine andere Organisation des Lebens ihrer Stämme als in den Reservationen wünschen, erwidern sie mir ganz osten: Im Augenblick ziehen sie doch die Gemeinschaft in der Reservation vor; aus dem einfachen Grunde, weil ihnen das etwas mehr Sicherheit in der schweren Wirtschaftskrise gibt! Wie ärmlich es auch sei, so ist ihnen doch eine gewisse Sicherheit durch die Regierungsmaßnahmen gegeben. Formal haben die Jndianerstämme in den Re- serbastonen.auch etwas dreinzureden, eins gewisse Art Selbstverwaltung; freilich eine Art von Selbstverwaltung, die nicht zu sehr in Widerspruch kommen darf mit den Absichten und Maßnahmen der Regierungsverwaltung! Doch beklagen sich die Indianer im Augenblick darüber nicht. Und doch ist das Leben der Indianer Nordmacht, in seinem Betrieb aufzutreten. Von anderer Seite wieder wird mitgeteilt, daß die Hanl einen Roman mit dem verheißungsvollen Titel „Geheimnisse der Liebe" erscheinen lassen will. Bier Munitionsarbeiter von einer Granate zerrissen Paris. Bei der Anfertigung einer Granate großen Kalibers wurden vier Arbeiter der Hauptschule für Feuerwerker in Bourges durch eine Explosion getötet. Zwei von ihnen wurden zerfetzt. Die Explosion war so stark, daß der Eisenbeton- Unterstand, in dem die Arbeiten auSgeführt wurden, völlig zertrümmert wurde. Nur dank der getroffenen Vorsichtsmaßnahmen konnte größeres Unglück verhütet werden. Einbrecher von Witkowitz fsstgenommen ! An: 7. April wurde in Witkowitz in Mähren . im Lagerraum der Witkowitzer Markthalle eine ! feuerfeste Kasse erbrochen. Den Tätern fielen 122.000 Kö in die Hände, davon 12.000 in Banknoten, der Rest in Münzen von 10 bis 50 Hellern. Da die Täter alle Spuren sorgfältig verwischten, waren die Nachforschungen der Polizei sehr er schwert. Trotzdem gelang cs jetzt der Polizei, die. I Täter in der Person des bekannten Kassenknackers 1 Adolf Vysnickh, seines 29jährigen Bruders Karl 1 und des 30jährigen Fr. Forkal festzustellen. Die Einbrecher hatten die Münzen in drei Säcken weggetragen und die gesamte Summe aufgeteilt. Den Anteil Karl Vysnickhs hinterlegte seine Frau in der Sparkasse. Das Buch verbrannte sie, damit cs bei einer Hausdurchsuchung nicht gefunden werde. Vorher hatte sie Nummer und Losungswort des Buches notiert. Alle drei wurden in die Hast des Kreisgirichtes Mähr.-töstrau eingeligferft Der 1. Mai, von der internationalen sozialistischen Arbeiterschaft als ihr Festtag aus eigenem Willen proklamiert und gefeiert, ist längst als fester Begriff ins Bewußtsein der Welt eingegangen. Selbst Völker, die wie die slawischen Nationen eigene Monatsnamen haben und in ihrer Sprache den Monat Mai anders benennen, haben für diesen Ta g jedoch die internationale Bezeichnung angenommen: 1. Mai. Und sogar die Feinde der Gedanken, Forderungen und Ziele, für die das Proletariat am 1. Mai demonstriert, empfanden den zwingenden Appell, der von diesem Tage ausgeht; sie mußten versuchen, den 1. Mai gewissermaßen zu entwaffnen, indem sie unter grober Fälschung seiner Bedeutung diesen Tag in ihren Jahresfestkalender aufnahmen. Wenn die Diktatoren des Dritten Reiches den 1. Mai„feiern", wenn sie die entrechteten Arbeiter auf die Festplätze kommandieren, wenn aus den Großlautsprechern die„Mai-An- sprachen" Hülers und Goebbels', Fricks und Leys dröhnen, so ahmen sie nach, was vor Zeiten die christliche Kirche tat, als sie die heidnischen Feste in kirchlich-christlick)e Feste umwandclte, als sic die alten Opferstätten zerstörte und an deren Stelle ihre Altäre errichtete. Doch was. vor Jahrtausenden als Sieg einer neuen, höheren Kultur über unterworfene Barbaren gelang, das gelingt nicht im 20. Jahrhundert als Sieg der Barbarei über vorwärtsdrängendes Kulturstreben. Sie können ein Kalenderblatt mit ihrem Hakenkreuz Todesurteil in Klagenfurt. Der sogenannte Kärnter Räuberkönig Isidor Stürz! hatte sich am Dienstag vor dem Schwurgericht in Klagenfurt wegen der Ermordung des Polizeibeam< ten Hermann Schurz zu verantworten, den Stürz! bei seiner Verhaftung erschossen hatte. Stürz! wurde U um Tode durch den Strang verurteill.'1 Großfeuer an Bord vor dem Stapellauf. Der im Hafen von Glasgow liegende neue englische ?opvelschraubendampfer„M a r w a r r i", dessen Stapellauf am 1. Mai stattstnden sollte, iß durch ein Großfeuer beinahe zerstört worden. Das Feuer brach aus bisher unbekannter Ursache in vergangener Nacht in einem Laderaum aus und ergriff in kurzer Zeit einen großen Teil des Schiffes. Erst in den Morgenstunden gelang es, das Feuer auf den Brandherd zu beschränken. Der angerichtete Sachschaden ist sehr groß. Glück im Unglück. Die weltbekannte englische i Fliegerin Frau Amy Johnson-Mollison ' entging am Montag,- als ihr Flugzeug bei der ! Landung auf dem Flugplätze von Croydon zerschellte, nur um Haaresbreite dem Tode oder einer ernsten Verletzung. Schulnachricht. Laut Entscheidung des Ministeriums für Landwirtschaft wird im Schuljahre 1935/36 die deutsche Abteilung des Staatlichen pädagogischen Seminars für Kandidaten des Lehreramtes ! an landwirtschaftlichen Schulen in Prag XII., Siez- ! skä 7 eröffnet werden. Die eigenhändig geschriebenen I und mit allen vorgeschriebenen Dokumenten belegten | Gesuche sind bis Ende 1035 der Seminardircktio» . vorzulegen. Die Gesuchssteller sind verpflichtet, sich ■ über Aufforderung der Seminardirektion vorzustellen. Andauern des unbeständigen Wetters. Außer in der Südsiowakei war es Dienstag nachmittags in unseren Gegenden zwar um 1—3 Grad wärmer, dec allgemeine Witterungscharakter ist jedoch noch sehe unbeständig und vielfach treten Schauer auf. Weitere Erwärmung ist noch nicht zu erwarten. Da sich-über Nordeuropa ein Hochdruck-' gebiet gebildet hat, wird sich der Wind voraussichtlich nach Nordosten drehen und eine neue Abkühlung bringen. In Skandinavien, über der Ostsee und in Nordwest-Nußland werden stärkere Nacht-, fräste verzeichnet und auch am Tage liegt dort die Temperatur nahe- dem Grftierpunkt. In Pommer» herrscht dichter Schneefall.— Wahrscheinliches Wettervon heute: Andauer des unbeständigen Witterungscharakters, strichweise, Schauer. Weitere Abkühlung, Winddrehung gegen Nordost. Wetteraussichten für Donnerstag: Wechselnd bewölkt, Abnahme der Nie- derschlagSneigung, strichweise Nachtfrost. Ziehung der Klassenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Dienstag-Ziehung der 5. Klasse der 32. Tich.'chosloivatischcn Klaffcnlotterie wurde« folgende Treffer gezogen: 300.000 ne das Los Nr. 92755. 80.000 Ni das Los Nr. 74997. 20.000 Ne die Lose Nr.: 27461 4336 56697. 10.000 ne die Lose Nr.: 105052 11089 12587 23924 93745. 5000 Ne die Lose Nr.: 53452 9024 1 2955» 74944 32851 22414 25741 98133 47676 1278s 7340t 92465 1541 99112 99535 37051 9166» 99084 55329 26078 32290 11930 83886 91737 95891 32041 88268 96314 54716 2779. 2000 NS die Lose Nr.: 93388 Z7517 10399k 51986 64927 1 5365 44826 7264 5109 3406'! 20938 106807 1093 86366 27705 15397 2601 4 69258 23257 91189 9192t 79335 76691 277O 1 68186 85860 58833 54310 88751 20841 2370 5 7023 73289 23745 29004 52498 12813 10675- 49009 77402 61173 96858 92262 44445 7261« 88325 27347 70364 64596 106590 82304 76S', 18732 102559 66536 36537 42700 24031 2205’: 68605 80949 86534 6286 29616 100284 994-' 17467 12262 59399 58489 15467 95596 32250 102526. Flottenverhandlungen verschoben Englisches Kabinett prüft die„ernste Situation** amerikas der letzte Akt einer ergreifenden Tragödie. Die weite amerikanische Wildnis brauchte eine wilde, starke und primitive Bebölkeruna, um den Kampf mit der Natur aufzunehmen. Anstelle dieser Wildnis ist heute die Zivilisation, dichtbevölkerte Städte, getreten. Man braucht den Mann der Wildnis nicht mehr — und dieser Typ ist daher am Ende doch zum Aussterben verurteilt. Und mit Recht schrieb Genosse O. O. Howard über die Behandlung der Indianer durch die Weißen: ..Es ist schwer, die fast gleichartige Ungerechtigkeit der Amerikaner gegen die Indianer zu erklären. Wir können die Morde der Bartholomäusnacht und die Grausamkeit der Jnainsition gleichstcllen der Behandlung, die wir dem roten Mann angetan habenI".... London.(A R.) Die durch die Nachrichten über die deutsche Flug- und Deerüstungen entstandene e r n st e Situation wird von der Regierung sorgfältig geprüft. Uebrr die Angelegenheit berät das Kabinett, das, wir verkantet, detaillierte Informationen über die deutsche Flugrüstung und über dir deutschen Pläne auf diesem Gebiete zur Verfügung hat. Wie das Reuter-Biiro mitteilt, wurden die deutsch-britischen Flottrnbcratungen nunmehr bis znr dritten Maiwoche verschoben. Es ist bisher noch nicht bekannt, ob an Deutschland eine Protestnote hinsichtlich der Frage der Unterseeboote gerichtet werden wird. und bisher wurde auch über eine diesbezüglich* Beratung mit den übrigen interessierten Länder« keine Entscheidung getroffen. Wenn die englischdeutschen Beratun-wn tatsächlich stattsinden sollte«, fügt das Renter-Büro hinzu, wird Großbritannien gegenüber den deutschen Flotten-Forderungen sicherlich in einem allgemeinen Einvernehme« mit den übrigen Großmächten vorgehen. Nach erner Meldung des„D a i l y E x' preß" soll H i t l e r selbst um die B e r s ch i e- bung der englisch-deutschen Marinebesprechungen angesucht haben. Hitler will Mitte Mai eine bedeutsame Kund- gebung über die deutsche Außenpolitik machen. «r. 102 Mittwoch, 1. Mai 1935 Seite 11 Worte helfen nicht Es müssen Inten sein? Die flaffenbewutzte sozialistische Arbeiterschaft schlägt eine Wahlschlacht. Einen Gegner sehen, ihn als solchen erkennen, das schafft uns klare Fronten und einen entschiedenen Kampf. Am die Stimme der Arbeiterschaft wird von allen Parteien geworben. Wie es aber die Jahre her mit der politischen und wirtschaftlichen Interessenvertretung des Arbeiters bestellt war, das ist ein Kapitel für sich. Sehen wir denn nicht das Schauspiel vor sich gehen, dass jene politischen Parteien, die sich in Praxis— und auf die allein darf es dem Arbeiter ankommen— und bei allen sozialpolitischen Forderungen der sozialistischen Arbeiterschaft auf die Seite der Klassengegner schlugen, fetzt auf einmal tun, als ob sie davon nichts wüßten? Sollen wir uns einfach damit abfinden? Deutsche und tschechische Sozialdemokraten haben der bürgerlichen Mehrheit im Parlament im Verlaufe der Wirtschaftskrise Milliarden Kronen abgerungen, um der bittersten Not der Masten ru steuern. Aber deutsche und tschechische Kaufleute inaren es, die in einer gemeinsamen, gesamtstaatlichen.Kundgebung für eine Herabsetzung der Leistungen des Staates für die Arbeitslosen ein- »ttrrtrn find? sie haben in einer Resolutton gefordert, daß der Staat jenen die Arbeitslosen- nnterstützung entziehen müsse, die„sich einer Arbeitspflicht nicht unterwerfen wollen". ,• Deutsche und tschechische Sozialdemokraten bad die freien Gewerkschaften führten einen schweren Kampf gegen das Ausbeutertum der Unternehmer. Dem Generalsekretär des Reichs- derbandes der Kaufmannschaft(Teplitz-Schönau) blieb es Vorbehalten, von dem Fabrikanten als orm„natürlichen Bundesgenossen der Händler" iu sprechen. In den Mitteilungen des Deutschen Hanpt- berbandcs der Industrie. darf der Herr Dr. Player-Exner, der Generalsekretär des Peichsverbandes der Kaufmannschaft, an führen- d«r Stelle gegen die Wirtschaftspolitik der„mar- kHischen Parteien" Stimmung machen. Er kann im Fachblatt der deutschen Fabrikanten schreiben: "Es geht jedenfalls auf die Dauer nicht an, die "laste der Unternehmer wegen einiger vorüber- »chenden Vorteile für den Verbraucher der Klasse fkr Konsumenten zu opfern." Erhältlich in allen Verteilungsstellen der Konsumgenossenschaften In der bürgerlichen Karlsbader„Bäder- Zeitung" darf ein Kaufmann eine wesentliche Einschränkung des schwer erkämpften Lehrlings- schütze- fordern:„Für angestellte Lehrlinge sind die Fortbildungsschulen an Abenden einzurichten r Lehrlinge, welche weiter als zwei Kilometer von der Schule entfernt wohnen, sind vom 1. Oktober bis 1. April vom Besuche der Fortbildungsschule zu dispensieren". Die Lehrlinge sollen sich also nach zehn- bis zwölfstündiger Arbeitszeit in die Schule setzen, und im Winter brauchen sie überhaupt nicht zur Schule zu gehen. Doch weiter! »Im Monat Dezember dürfen Geschäftsläden bis 10 Uhr abends offen gehalten werden." Mit zynischer Offenheit darf„Die Woche des Kaufmanns" erklären:„Wir streben di« Freigabe der Sonntage für den Verkauf an." Und Herr Dr. Mayer-Exner, der Generalsekretär des Reichsverbandes der Kaufmannschaft, ist mit dem erbittertsten Gegner der Arbeiterschaft, mit der Sudetendeutschen Doderer-Front, in Mandatsverhandlungen getreten! Und seht euch einmal die verschiedenen örtlichen Kaufleute an! Sind nicht viele unter ihnen, die seit jeher den Freiheitskampf des klassenbewussten Proletariats verachten und schmähen? Sind sie es nicht, die gegen jede sozialpolitische Forderung der Arbeiterschaft immer und immer wieder den schärfsten Protest einlegen und alles daransetzen, um im Bündnis mit dem Unternehmertum die Errungenschaften der Arbeiterschaft zu beseftigen? Wahltag ist Zahltag!— Aber darf das allein genügen? Hat die flaffenbewußte Arbeiterund Angestelltenschaft nicht noch andere, auf die Dauer und im Alltag weit wirksamere Waffen in der Hand? Genossenschaftliche Selbsthilfe! Worte allein tun es nicht, es müssen Taten sein. Niemand kann der klassenbewussten Arbetterschast vorschreiben, wo und wie sie ihre Kaufkraft verwendet^ Es bei der Bekämpfung der kapitalistischen Privatwirtschaft in der Theorie bewenden lassen, oder den Weg der organisierten Berbrancher gehen, die ganze Kaufkraft den Freunden der flaffenbewußten Arbeiterschaft, den Konsumgenossenschaften, zuwenden. Und da muß jeder Tag ein Zahltag sei»! Emil Fischer. Das Geheimnis der Frauenabteilung Eine Geschichte zum 1. Mai Von Ernst Dittmar Am Hebelgriff der Maschinen standen die "Auen. Waren es fünfzig, waren es hundett, ^uren es fünfhundert? Im öden, grauen Dunst -er Fabrikhallen verlor sich der Blick, die fahlen, «uden Gesichter verschwommen zu einer einzigen fesichtslosen Masse. Die Maschine, erdrückend in “tot eisernen Beharrlichkeit, zerschlug jede Eigenwägung. Normierte Arbeit normte auch die Men- >4en, die ihr dienen mussten. Schweigend, in ihre Gedanken verbissen, ^beiteten die Frauen. Die Luft war von bleiener E^were, an den Wänden hingen Tropfen der Feuchtigkeit. Mit schnellem, katzenartig schleichendem ^britt ging der Auffeher durch die Reihen, scharfe flicke nach links und rechts werfend. An der Tür tol ein Plakat auf, gross, in Buntdruck, schreiend itoü, zur Betrachtung zwingend: »Schönheit im Arbeitsraum l Volksgenosse Arbeiter! Die Arbeit soll dir eine Lust sein! Stellt Blumen und Bilder an euere Arbeitsplätze. Jn- war die » Kraft durch Freude!" Das Plakat hing bereits fünf Monate, huschen blätterten die Wände ab, die Luft Origer als je zuvor, im Winter hatten "tauen gefroren oder waren im Rauch fast er- M, jetzt, im Frühjahr, kroch die Feuchtigkeit die ?Michen Wände entlang—, doch das Plakat rief gekümmert nach der Schönheit des Arbeitsplatzes, nach Blumen und Bildern » Wenn die Blicke der Frauen den grellen Aiakatdruck an der Türe» streiften, huschte wohl sttstr und jener ein Lächeln über die angespann» ten Züge.. Ein bitteres, verächtliches Lächeln... » >. Draussen am Schwarzen Brett drängten sich le Frauen nach Arbeitsschluss. »Betriebsbekanntmachung" las man.«Am 1. Mai, dem Tage der Arbeit, marschiert der Betrieb geschloffen mit. Wer fehlt, hat sich die Folgen selbst zuzuschreiben. Die Vertrauensleute werden Kontrollmarken ausgeben und so jeden Fehlenden mit Leichtigkeit feststellen. Der Geist der Volksgemeinschaft verlangt zielbewußte Einsatzbereitschaft! Heil Hitler!" Zu dichten Klumpen geballt, standen die Frauen und starrten auf das Plakat. Kein Wort fiel. Wer konnte der Nachbarin trauen? Uebcrall saßen die Spitzel und lauerten auf ihre Opfer. Vorgestern erst hatten sie eine Frau direkt vom Arbeitsplatz weggeholt. Eine unvorsichtige Aeusserung und schon war zugegriffen worden. Die Frauenabteilung galt als„marxistisch verseucht". Und dabei war sie hundertprozentig in der NSBO. organisiert—. Freiwillig— gezwungenermassen!»Ich kann natürlich niemanden in die Betriebszelle zwingen", hatte der braune Obmann grinsend gesagt,»aber wer nicht drin ist, fliegt selbstverständlich. Nur der nationalen Disziplin halber!" Da waren sie zähneknirschend hineingegangen... Sollten sie verhungern—? Manche hat. ten Kinder zu Haus, die sie ernähren mussten. Andere wieder,, die Mädels, sorgten für ihn arbeitslosen Eltern. Aber in ihnen brannte es. Wut und Scham zugleich. Aussen braun und innen rot Anhänger bekam man durch Zwang, Freunde nicht—. Die zweiundzwanzigjährige Emma P. war früher organisierte Sozialistin gewesen. Heute stand sie auf der schwarzen Liste der Betriebsspitzel. Wie Schatten schlichen sie ihr überall-hin nach. In jedes Gespräch, das sie mit den Kolleginnen führte, drängte sich das Ohr eines bezahlten Schnüfflers. Aber Emma hielt stand. So leicht fing man sie nicht. Sie war eine Illegale, die den billigen Kniffen der halb und ganz»Geheimen" getvachsen war. Wie versehentlich sttess sic Martha an. Kaum sichtbares Kopfnicken. Im»Dritten Reich" brauchte man nicht deutlicher zu werden... Als sie draussen waren und durch den früheren»Pappelweg", der heute„Göringweg" hiess, ihren Heimweg in die Altstadt gingen, sagte' Emma plötzlich, leffe, aber eindringlich:„Du, da muss was geschehen. Ich spüre es. Die Frauen verlieren die Nerven unter dem Druck. Wenn da keine Aufmunterung kommt, kein sichtbares Zeichen, daß die andern noch da sind, bricht alles zusammen". „Wirst schon recht haben—" bemerkte Martha einsilbig,„aber sie sind doch wie die Bluthunde hinterher. Und auf den 1. Mai haben sie sich feswebiffen. Den 1..Mai, den sie uns gestohlen haben! Aber eine Paradeziffer soll heraus- gequetscht werden. Das ist die Rache für den Misserfolg in der Frauenabteilung." Emma lachte über das ganze Gesicht. „Die Paradeziffer gönn' ich ihnen! Je mehr solcher Ziffern, desto schneller und rabiater das Ende. Zwang erzeugt Haß. Aber eine Spritze, weißt du, eine Gesinnungsspritze für das Innerliche—, die muß sein!" Eine kleine Pause entstand. „Kommst du mit zu mir?" sagte sie dann gleichmüttg.„für eine Weile?" „Ein Stündchen hsitt' ich schon noch Zeit, Emma..." „Genügt" rief Emma fröhlich,„ich hab' da so einen Gedanken... Aber den sag' ich dir später..." I Und dann sahen sich beide an und brachen in ein schallendes Gelächter aus... Am anderen Tag trauten die Frauen den eigerten Augen nicht, als sie ihren Saal betraten. Da hing das Plakat von„Kraft durch Freude", schön bunt und grell wie immer alle Blicke auf sich ziehend, und quer über den ganzen Text liefen in roter Plakatschrift, mit Farbe gemalt, diese Worte: „Wir werden ihn uns wieder holen! Nieder mit dem Hitlersystem!" Keine gab auch nur„inen Ton von sich. Aber seit langer Zeit hatte man in der Frauenabteilung nicht so viel blanke Augen und fröhlich gelockerte Münder gesehen, Ivie an diesem Morgen! Der Aufseher und die NSBO-Funktionäre kamen angerannt, lasen den Text und wurden vor Entsetzen totenbleich. Das Plakat, das angcflebt war, wurde abgekratzt. „Kraft durch Freude" hatte wirllich an diesem Morgen Freude vermittelt. „Bandel" schrie der Aufseher,„alle kommt ihr ins Kittchen! Hochverrat ist das, glatter Hochverrat!" Dann kam die Gestapo und die Betriebsspitzel fischten ziemlich wahllos aus der Belegschaft dreißig Frauen heraus, darunter auch Emma. Martha war nicht darunter. Im Konferenzsaal der Direktion unterzog man die Frauen einer gründlichen Leibesvisitatton. Dann nahm man sie ins Kreuzverhöhr. Stundenlang ging das Trommelfeuer der Fragen auf die Sistierten nieder. Alle waren unschuldig. Am unschuldigsten war Emma. Und nach fünf Stunden entließ man die dreißig, nicht ohne vorher auch ihre Spinde revidiert zu haben. Verdammt noch mal, da hatte man also die falschen erwischt— * Aber tags darauf, am Tag vor dem 1. Mai also, war noch Unerhörteres geschehen. An dec Wand, gerade da, wo ftüher der grellbunte Verschönerungsaufruf von„Kraft durch Freude" geprangt hatte, las man, in roter Farbe und in Plakaffchrfft gemalt, dies: „Und wenn ihr platzt— wir bleiben fest! Wir wünschen den braunen Bonzen die Pest! Hoch der rote Mail" Diesmal griff man 30 andere Frauen, nahm, gänzlich ergebnislos allerdings, Schriftproben vor und brachte die Festgenommenen ins Polizeigefängnis. Nach fünf Tagen Hast und vielfachen Verhören mutzten sie allerdings entlassen werden. Am 1. Mai aber marschierten die Frauen— soweit sie nicht in Haft saßen■— geschlossen im Festzuge. Auch Emma und Martha waren dabei. Vor ihnen wurden drei große Hakenkreuzfahnen getragen, eine Kapelle der SA. spielte das Horst- Weffel-Lied' Die Frauen gingen stolz, mit ernsten, von innerer Spannung belebten Gesichtern. Die Worte an der Wand des Fabrikssaales zogen mit ihnen mit und in ihren Herzen brannte der Satz:»Hoch d r r ro te Mai!" 1 Veite 12 Mittwoch, 1. Mai 1935 «e. 192 Lin Buchhalter in Chicago Skizze von Hilde Busch Dorothy Thompson bürstete ihrem Mann den Ueberrock ab. Dann drückte sie ihm das Frühstückpaket in die Hand, gab ihm den traditionellen Abschiedskuß und sagte wie gewöhnlich: „Good bye, darlingl" Die Tür fiel hinter Ernest Thompson ins Schloß, er ging schnell: die Treppe hmunter— denn es war schon spät— und fuhr mit her Tramway in die City. Thompson’ entfaltete, soweit das in der überfüllten Bahn möglich war, die Morgenzeitung, durchflog alle sensationellen. Neuigkeiten aus Politik und Wirtschaft, geschehen auf der ganzen Erde und auch in seiner Heimatstadt Chicago. Fett und groß wartn die Meldungen von Ueberfällen aufgemacht, verübt auf eine Bank—„wann werden wir Wohl dran kommen", dachte Thompson beim Lesen— ferner die Scheidungen, und Eheschließungen. einiger Filmstars. Eine ganze Spalte war den Hochzeitsfeierlichkeiten eines europäischen Ministerpräsidenten gewidmet. Ministerpräsident in einem Staat, der das Wort Sozialismus benutzte, um es seiner ureigentlichen sinnvollen Bedeutung zu entkleiden, es zu verhöhnen und damit auf plumpe Art Schindluder zu treiben. An viel weniger auffallender Stelle befanden sich die Nachrichten über den Chicagoer Arbeitsmarkt, über das Steigen und Fallen der Arbeitslosigkeit. Betrübt vermochte Thompson nur eine Zunahme jener Bedauernswerten festzustellen, die von der Unordnung dieser Zeit betroffen, müßig gehen mußten, gegen ihren Willen verurteilt: zu feiern und zu hungern. Ernest Thompson las es nun zum soundsovieltenMale in denKrisenjahreN: daß einerseits auf der Wett Ueberfluß an Gütern, andererseits Ueberfluß an Menschen war. Daß man in dem einen Land Lebensmittel vernichtete und in dem anderen Frauen, Männer, Kinder Hungebs starben. Doch wenn man es noch so ost las, es wurde darum nicht einleuchtender. 2m Gegenteil: immer eindringlicher fragte sich Thompson, wie lange solch Zustand wohl noch dauern, und wann er denn endlich ein Ende haben würde. In diesem Augenblick hielt die Tramway vor dem Bankgebäude der Brother Wright und Woodward. Hier mutzte Ernest Thompson aussteigen, denn er war bereits seit zwcmzig Jahren Buchhaller in dem stolzen rauchgeschwärzten Wolkenkratzer, den sich die Brothers Wright u. Woodward an einer der belebtesten Straßenecken der Chicagoer City erbaut hatten. Thompson steckte die Zeitung zu den Frühstückbroten in die Tasche, trat eilig durch, das große Tor der Angestellten und- fuhv Mit dM PäierNvstek-in den sechzehnten Stock, in dem eng und abseits fein Arbeitssaal lag, den er mit neunundzwanzig Kollegen teille. Als Ernest Thompson vor zwanzig Jahren— ein hoffnungsvoller junger Mann -— nach kurzer Tätigkeit bei anderen Firmen das Bankhaus der Brüder Wright u. Woodward betreten hatte, war auch er vom„Traum der großen Karriere" erfüllt gewesen. Vom Traum einer echt amerikanischen Karriere. Nach ein paar Jahren gedachte Thompson führender Bankier in New Uork-Wallstteet und Dollar-Milliardär zu sein, vielleicht auch noch einiges andere: etwa Kunst-Mäzen, Gatte einer schönen Frau, Besitzer einer bequemen Geliebten, Bummler durch die Well, was weiß ich..■ Doch es war nichts aus all diesen Träumen geworden. Ernest Thompson könnte sich zuerst nicht erklären, warum. Er war doch fleißig •— fleißiger als alle anderen— er sah doch gut aus, hatte beste Umgangsformen und war auch nicht dämm. Eines Tages aber entdeckte er, was ihm zum Karrieremachen fehlte: dien o t- wendige Hartheit des H e rzens! Keine Sentiments hemmten Thompson, durchaus nicht. Aber es Mangelte ihm der Mut zu grdtzen Gemeinheiten, Und den mußte man haben, um reich zu werden. Thompson er- kannte es, wenn er die anderen beobachtete. Wie sie milleidslos unzählige Existenzen vernichteten, wenn es darum ging» zu Gunsten dieses oder jenes Unternehmens die Kurse an der Börse zu regulieren und damtt den eigenen Vorteil zu wahren. Ueberhaupt: alle Eigenschaften, die den Stotz eines jeden Bürgers jn seiner privaten Atmosphäre ausmachen.-—Ehrlichkeit, Freimut, Treue, Freundschaft und Nächstenliebe— sie. waren überflüsiigster Ballast irr. geschäftlichen Sein. Man wußte es an Schlechtigkeit und niedriger Gesinnung mit einem Gangster aufnehmen können, man mußte imstande, fein, alles zu verleugnen, elementarste Empfindungen der Menschlichkeit— man mutzte im wahrsten Sinn des Wortes die Fähigkeit haben, über Leichen zu gehen— den Blick starr geradeaus auf das ferne unbekannte Ziel— dann wurde man ein Dollarmilliardär. Dann brachten, die großen Zeitungen spaltenlange Berichte über hie Karriere eines „kleinen Stiefelputzers", und übex das gelobte Land Amerika, in dem„Keine Stiefelputzer" derartige Karrieren machen konnten. Nie wurden die unbekannten namenlosen Helden des Alltags erwähnt, die, nicht minder fähig, nicht.minder.begabt, nur deswegen im Schatten der Armut und eines schlichten Lebens blieben, weil es ihnen an Mut zur Rücksichtslosigkeit mangelte und weil man ihnen darum keine Chance gab. Zu diesen »bcr gehörte. Ernest Thompson. Jetzt sah er so aus: mittelgroß, schmal, ein wenig gebeugt, vom vielen Sitzen über großen schwarzen Büchern, die Augen hinter randloser Brille etwas trübe, das Haar grau, fahl, dünn und ein Zug müder Schlaffheit über dem ganzen Gesicht. Ereiferte sich Thompson, was mitunter vorkam, so straffte sich seine Gestalt, in seine Augen trat der alte Glanz früherer Jahre, und man ahnte, was er gewesen war: ein tapfere r M e n s ch. Doch meistens lebte der Buchhalter Thompson im stumpfen Trott seines ereignislosen Daseins, das nur kleine häusliche Geschehnisse unterbrachen. Thompson war seit fünfzehn Jahren verheiratet. Keine schöne Frau hatte ihn genommen, kein berühmter Filmstar. Sondern ein junges Mädchen ohne Ambitionen, eine Angestellte und Kollegin aus der Bank. Nichts gab. es gegen Dorothy einzuwenden. Sie war eine brave Frau geworden, deren Jugendreize bald verblaßten, nachdem sie drei Kindern das Leben geschenkt hatte. Zwei Jungens und einem Mädchen, die alle drei schnell in die Höhe schossen, Kinderkrankheiten bekamen, viel Lärm und Unruhe verursachten, ohne bis heute irgendwelche ungewöhnlichen Eigenschaften zu zeigen. Eine prächtige Frau, prächttge Kinder. Mehr ließ sich von Thompsons Familie nicht sagen. Schließlich schien es genug. Vielleicht wäre der Buchhalter Thompson mit seinem Schicksal längst ausgesöhnt gewesen, wenn ihn nicht die Arbeit in der Bank immer wieder daran erinnert hätte, daß andere von Glück be- günsllgter gewesen waren als er. Zum Beispiel der Büchsenfleisch-Fahrikant William Smith. William Smith war mit Ernest Thompson zusammen zur Schule gegangen, doch heute, fuhr er mit seinem Sechs-Zylinder an dem kleinen Bankbuchhalter vorbei, kannte er ihn nicht. Smith sah gut und gern zehn Jahre jünger aus als Thompson, er hatte sich frisch erhalten, durch Sport und Reisen, durch immer wieder neue Eindrücke, wie sie waghalsige Unternehmungen im Geschäft und in der Liebe mit sich führen. William Smith also hatte es zum Dollar-Millionär gebracht. Und viele andere nach, deren Konten der Buchhalter Thompson zu bearbeiten hatte, und von denen er wußte, wie sie zu ihrem Vermögen gekommen waren. „Sie machen ein griesgrämiges Gesicht, Thompson, Merken Sie nicht, daß es draußen Frühling ist?" Thompson schreckte auf. Ein Kollege hatte es ihm vom Nebenpult zugerufen, einer der noch jung war, ftoh, daß er überhaupt Stellung hatte und vielleicht auch etwas ttäumte, von später und so. Der Kollege packte sein Frühstücks- Krot-aus hem.fettundurchlässigen Papier, Es war HM ÜHU'W zehn Minuten. Muftis Thöinpson' ließ den'Federhalter sinken, starrte aus dem Festster,„Komisch, ich hätt's gar nicht gemerkt. Hier zwischen den himmelhohen Häusern." Der andere lachte.„Mcm riecht's, Thompson. Man sieht's hier nicht. Aber inan spürt's. Die Lust ist anders."— „Ja", sagte Thompson,„nun wird meine Frau bald mtt den Kindern spazieren gehen. Sonntags geh' ich mit."—„Ich werd' auch bald heiraten. Ich hab'n feines Mädchen. Sie arbeitet als Kontoristin in der Büchsenfleischsabrik von William Smith." Thompson zuckte zusammen, Er konnte nie den Namen William Smith hören, ohne daß es ihm einen Stich gab. Der Kollege fuhr unbekümmert fort:„Das ist ein Betrieb. Trotz der Krise immer noch obenauf. Na, Sie kennen ja einen Teil des Smithschen Besitzes. Aber ein Geizkragen soll das sein. Das heißt, nur in seiner Fabrik. Seinen Arbeitern und Angestellten gegenüber. Sich gönnt er schon alles. Aber sagen Sie ihm mal, er soll hunderttausend Dollars für die Arbeitslosen geben. Dann wird er Ihnen was husten. Dann hält er Ihnen einen Vortrag, daß auf solche Weise die Not nicht zu beheben ist. Damit hat er schon recht. Alles sollte man ihm wegnehmen, ihm und den anderen. Dann gäb's keine Krise mehr. Diesen Herren Smiths müßte man es besorgen. Oh la la." Der junge Mann pfiff durch die Zähne. Eine Keine Glocke Kirrte durch den Saal. Die Venttlawren verstummten. Die Frühstückspause war zu Ende. Im Bankhaus Wright L Woodward ging die Arbeit weiter. Das Mitagessen nahm Ernest Thompson im Kasino des Betriebes. An weitzlackiertem glatten Tisch atz er Würstchen auf Speck gebraten und ttank dazu Grapefruit-Limonade. Dann las er die Zeitung zu Ende. Vierhunderttausend Arbetts- lose in Chicago! Und William Smith, der rote wohlgenährte Büchsenfleisch-Fabrikant hält grotze Reden, frißt, säuft, hurt weiter, als gäbe es ne- bm ihm nicht das bitterste Elend. Vielleicht nur ein paar Häuser weit von William Smiths prunkvoller Villa verreckt einer vor Hunger. Stirbt einer, weil er keinen Arzt bezahlen kann. Friert einer, weil er keine Kleider hat, keine Wohnung. Und er, Ernest Thompson, ttägt täglich dicke Zahlen in das Credet von William Smith ein. Die Zahlen häufen sich, türmen sich, wachsen ins Riesenhafte, ins Unendliche. Sinnlos-sinnvolle Zahlen.„Mir ist heute ein bißchen dumm im Kopf", dentt Ernest Thompson,„vielleicht kommt das auch von der Lust. Ich werde nachher zu Fuß heimgehen, nicht mit der Tramway fahren. Wird mir ganz gut tun." Üm fünf Uhr ist zn Ende addiert. Im Schwarm der vielen hundert Angestellten verläßt der Buchhalter Ernest Thompson das Bankhaus Brüder Wrigth L Woodward. Schwarz sind die Sttaßen von Menschen. Von müden Menschen, von fiebrigen Menschen, von gierigen Menschen. Kinos locken, Lichter blitzen, erregend bunt, sie wirken grotesk, abschreckend in der Helle des Nachmittags. Eis-Salons haben sich bereits aufgetan, Bufetts versuchen, mit kunswollen Auslagen, den Appettt der Hastigen zu wecken. Thompson achtet auf nichts. Geht ein bißchen gebückt in seinem Mantel, der schon fadenscheinig glänzt— dieser Glanz wird unterstrichen vom frühlingshaften Licht— geht gedankenversunken, durch viele Sttaßen, achtlos, unaufmerksam und steht plötzlich— weiß selbst nicht wie eS gekommen ist — vor der Villa seines einstigen Schulgefährten, des Büchsenfleisch-Milliatdärs William Smith. Thompson hat dies nicht gewollt. Auf Keinem Umweg gedachte er nach Hause zu gehen. ZuDo- roihWM den dicei ÜltMiNden RattßeM DaS Hier wär unbeabsichtigt, Die Villa des William Smith ist ein scheuß- liches stilloses protzenhastes Gebäude. Gold, Marmor, Stuck. Rngsherum ein Park. Der Park ist schön. Mit sanften Rasenflächen und Bäumen, die bereits Knospen ttagen. Jn der Villa sind die meisten Jalousien herabgelassen. Der Büchsen- fleisch-Fabrikänt scheint nicht zu Hause zu sein. „Natürlich", denkt Thompson— so etwas weiß er aus der„Chicago Tribüne"—„jetzt ist„man" an der Riviera. Jetzt spielt„man" dort Golf und Tennis, badet im blauen Meer und fährt auf weißen Segelbooten. Mein Schulfreund William Smith ist auch dabei." Thompson ftagt sich allen Ernstes, ob es Mißgunst ist, was ihn den William Smith so Haffen läßt. Er ftagt sich ganz ruhig, mit klarem Kopf. Dann gibt ihm die innere Stimme Antwort. Es ist nicht Neid. Er, Thompson, will nichts von den Millionen. Heute nicht Am Scheideweg Der rechte Weg fahrt nach links mehr. DaS war einmal. Er möchte diese Millionen für die anderen. Für die vierhunderttausend Arbeitswsen von Chicago zum Beilspiel. Thompson weiß ganz gut, denn er ist ja nicht dumm, sondern nur anständig: mtt den Millionen der Büchsenfleisch-Fabrikanten kann man die sozialen Probleme nicht lösen. Ein paar Millionen in dH Rachen der Not geworfen— das ist Philanthropie, führt zu keiner Aenderung der bestehenden Zustände.(Worauf es ankommt.) Aber dennah — so im Augenblick, eS wäre doch ganz hübW Noch dazu, da zur Zett keine Aussicht besteht, dir Dinge von heut auf morgen grundlegend zu bessern. Tomphson geht nachdenKich auf und ab, immer hübsch vor der Villa des Büchsenfleisch- fabrikanten William Smith. Lange, sehr lange Bis die untergehende Sonne das falsche Gold»ab den echten Marmor am Hause deS Millionärs H ein süßes rotes Licht taucht. Bis die DunkeW hereinbricht. Bis die mattvioletten BogenlamM aufsttahlen und- den stillen silbernen Mond üb kl- glänzen. Da ist Ernest Thompson mtt seine» Nachdenken fertig. Da ist der Plan in chm entstanden. Wenn keiner etwas tut, er Thompsof- ein Buchhalter in Chicago, ein Keiner Mann, ei« unbedeutender Mann, ein herzlich-gleichgültiger Mann. Für die 400.009 Arbeitslosen. Und plöft lich strafst sich seine Gestalt. Wie ehemals. Augen leuchten. Wie ehemals. i Richter:„Sie geben also zu, Angeklagia- im Laufe des letzten halben Jahres von dem Bankkonto des Fabrikbesitzers William Smith 100.000 Dollars durch falsche Buchungen unterschlagen A haben?" Angeklagter Thompson:,„Jawohl, Hw Vorsitzender."— Richter:„Und Sie bchaupte» von diesem Dettag keinen Cent für sich privat oder für die Bedürfnisse ihrer Familie verwand zu haben?"— Angeklagter:„Jawohl, Herr Vok- sitzerider," Verteidiger des Angeklagten Thompson:„Dafür können wir den WahrheitsbetvHj anttetrn. Ich berufe mich auf die Aussagen w Zeugen, ich verweise auf die Postabschnitte v>ü Schecks, aus denen sich die Gesamtsumme des, n«' tcrschlagenen Betrags ergibt. Mein Mandant W in der Tat keinen Cent für sich oder seine Angehörigen genommen. Er hat die gesamten 100.00» Dollars an arbeitslose, schuldlos in Not gerate^ Familien, deren Adreffen er sich zu verschaffe« wußte, überwiesen." 7— Staatsanwall:„Diese Behauptungen sind tatsächlich durch das Ermittlungsverfahren und die Voruntersuchung bestätv worden. Ich für meinen Teil verzichte auf erweitere Beweisaufnahme." DaS Gericht zieht fw zur Beratung zurück. Einige Minuten später ves- kündet der Vorsitzende, daß man ebenfalls o» Zeugenvernehmungen verzichtet. Das Plädogck des Staatsanwalts, eines jungen, blonden, gA genährten ManneS, ist ziemlich kurz. Er sprE! von dem„himmelschreienden Unrecht", das.| .Änghklagtg gegen^.dje..bestehende.,gqttgew^ Ordnung" begangen hat, im ubtigen..gber ist? nicht für Versagung mildernder UmMÄ«, da& Buchhalter Ernest Thompson die Unterschlagung^ zu keinem eigenen Vorteil verübte. Der 1 gutgenährte Mann beantragt 1 Jahr und 6 nate Gefängnis. Ohne Bewährungsfrist natürW Unbedingt. Der Verteidiger hält eine schöne Rede. Ä Zeitungen interessieren sich für den Fall. Es WPjJ verschiedene Reporter auf den Pressebänken. Anwalt spricht pathetisch von„edler GesinnM, seines Mandanten, der die Not der Umwell nM mehr mitansehen konnte. Er fordert FreisprechA im vollen Bewußtsein, daß sie nicht erfolgen Nach dem Plädoyer hört der Verteidiger mtt ftiedigung Schluchzen im Zuhörerraum. Es'N Frau Dorothy Thompson, die dort weint stD irmerlich denkt:„BolÜommen verrückt geWortes mein Mayn. Er gehört in eine Irrenanstalt, ab^ nicht inS Gefängnis." „Angeklagter, Sie haben daS letzte Wort^ Ernest Thompson steht auf. Niemand ftfl ihn ohne Neugier an. Sonderbarer Fall. Ein kW ner Buchhalter, der 100.000 Dollars unters PC gen hat. Und nicht für Weiber, Wein und Pst^ Nein, für die Menschen ohne Arbeit in der gr^8 Stadt Chicago. Jetzt bietet sich Ernest Thorns j die schönste Gelegenheit, der Welt von. He6^ seine Meinung zu sagen. Auch William Sm^. der es schon durch die Zeitungen erfahren Da steht Ernest Thompson, nicht mehr Buchhai'^ im Bankhaus Brother Wrigth& Woodlook" sondern nur noch ein Angeklagter, dst^ vornübergeneigt, mit schütterem, grauen Ho«.'', den Zwicker auf der Nase, kein Held, Agitator, keine imponierende Erscheinung. Wa — er sagt gar nichts. Er hebt nur Hand zu einer leisen schüchternen Geste.^^ möchte sehr gern reden, dieser ehemalige Halter, dieser entgleiste kleine Bürger. Er sogar eine ganze Menge zu bekunden. Aber\ geht nicht. Er fürchtet sich vor all den leeren. sichtern ringsum, vor den kalten Mienen, di« 1^| zeigen würden, spräche er von seinem Schwel von seinem Mitleid, seinem Haß. DaS letzte deS Angeklagten Thompson ist— Schweigen. Der Vorsitzende zuckt die Achseln. Nach™ zer Beratung lautet daS Urteil: 1 Jahr GefaE- nis— unbedingt. Mildernde Umstände hat- zugebilligt. Die Begründung ist kurz. Ein barer Fall. Gesinnungstäterschaft kann dem geklagten nicht abgesprochen werden. TrosftM mußte man ihn bestrafen. Unterschlagung btt„ Unterschlagung. Weshalb, warum— das fPj hierbei keine Rolle. jA Der Angeklagte Thompson nimmt daS 11*2: ruhig auf. Läßt sich geduldig abführen. In«rj j enge Zelle ohne Licht. Kommt er hinaNS, fo 1®* er das Schicksal jener teilen, denen er he-"j wollte. l « f i d r r s ti n l d, 0 d s ii ü 8 r l. v 1 »j $ di li K ri ft, k tz li dl Y Ul rr ii ü 1 n üi ft *1 r ft Nr. 102 Mittwoch, 1. Mai 1935 Seite 13 Die hitler-deutsche Weltgefahr Die italienische„Gazetta del Popolo" veröffentlicht in großer Aufmachung„verläßliche Jn- brmationen" eines Sonderkorrespondenten, denen zufolge Deutschland nicht nur seine Aspirationen ßegenüber Litauen, Rußland uitt> Oster- reich nicht aufgegeben habe,— sondern auch Mbet sei, in I r l a n d eine Operationsaas i S gegen England zu errichten. Daß in jüngster Zeit Fäden zwischen irischen Hyper- Nwionalisten und dem deutschen Fascismus ange- hiüpft worden sind, war Eingeweihten schon vor den Enthüllungen der„Gazetta del Popolo" kein Geheimnis. Neu ist nur, daß die Konspirationen der deutschen Jrredenta bereits derart greifbare Resultate gezeitigt haben. In England, das sich jetzt anschickt, mit Deutschland in Verhandlungen wer die Marine-Kontingente zu treten, haben die Feststellungen des italienischen Blattes erhebliches Rufsehen erregt. I> Neber das Arbeitslager der jungen Arbeits- bfcn in Aussig, das auf Anregung des Bürger- meifters Genossen Leopold P ö l z l seit Juni l83t bis zum Jänner 1935 errichtet wurde, veröffentlicht der Stadtrat zu Aussig einen Bericht. Die Mitglieder des Arbeitslagers verrichteten für die Gemeinde Arbeiten(Sportplatz und Sperre liir den Kleische-Bach) im Betrage von 106.300 Der Aufwand für das Arbeitslager inklusive Ünierkunst, Verpflegung(fünfmal täglich), Auf- kicht der fachlichen Arbeiten und di« täglichen Entschädigungen von 5 XC betrugen nur 143.650 XL. ®in Arbeitslagermitglied kam der Gemeinde täg» -ich auf 16.48 XL zu stehen und bei 56 Mit- »liedern betrug der tägliche Austvand 762.80 XL. Reben der Arbeitsleistung wurde ein erzieherischer und moralischer Erfolg erzielt. Die Mitglieder des Arbeitslagers absolvierten während ihrer freien Beit, außer der Zeit, die sie dem Sport, Aus- fliigen m'w. widmeten, 93 Vorträge auf prak- äschem bürgerlichem» sprachlichem und körper« Erzieherischem Gebiete. Mit Lott für Krupp und Hitler Nur Zitaw. L.■•••• Der alte Ascher sah lange aufs Meer dmaus. ,Lwei Söhne habe ich im.Kriege ver- ", sagte er dann,„aber ich möchte sie » ch einmal verlieren können— jür Deutschland". Aus einem deutsche» Zeitungsroman, d L„Alles für den Führer. Ihm unser letzter Rtemzug und unser erste» Gebet, mit ihm Anfang "ub Ende, Vergangenheit und Zukunft, Tod und Ruferstehung.*- Alfred Kotz in reichsdeutschen Blättern. „Wir find da» friedlichste Volk auf «r Erde.....* Au» einer Rede de» stellvertretenden nationalsozialistischen Parteiführer» Hetz, u L_„In einer Zett, in der wir noch 2 Millionen Rcheitrwse haben, können die Unternehmer keine Dividenden ausschütten, Ebenso wie die Arbeiter auf die Erhöhung ihrer niedrigen Löhne ^kzichtrn müssen." Dr. Leh vor den Krupp-Arbeitern. Mailied der Arbeitslose« Die Tage vergehn und die Wochen vergehn— Immer abseits stehn—. Immer abseits stehn—. Kit finsterem Herzen, mit knurrendem Magen Ans Kreuz der Wirtschaftskrise geschlagen—. Weshalb? Der Unternehmer ist satt, Ob der schon einmal gehungert hat?! Ähr hungert, weil sichS für ihn renttert— Wollt Ihr warten, warten, bis ihr krepiert?! Arbeitsloser, nur Kampf macht dich frei! Da» sei dir Losung dr» heutige» Mai! Die Wochen vergehn und die Jahre vergehn Jmmex abseits stehn—? Immer abseits stehn—? In Brasilien schütten sie Kaffee inS Meer,— Du hungerst—. Wahnsinn, was willst du noch mehr—? I Hier— überall— in der ganzen Welt M dein Hunger mit in die Rechnung gestellt! .Millionen Hände, zum Rasten verfiucht. Werden beim Abschluß schmunzelnd verbucht— I Deine Frau? Dein« Kinder?! Immer weiter Zum höheren Wohl der Couponabschneider? I Arbeitsloser, nur Kampf«acht dich frei! Das sei die Losung de» heutige» Maik Die Tag« vergehn—, und die Wochen vergehn, Richt mehr abseits stehn! Nicht mehr abseits stehn! I greift in die Räder! Regt Eure Händel Schluß mit dem Siechtum! Dem Feiern ein Endel ^me neu« Ordnung! Sine bessere Welt! Die den Menschen und nicht die Profit« erhält! Dsiibt wachsam! Auf jeden von Euch konr■' an! Zu uns heran! macht dich frei! uttge« Maik P i e r r„ ^ttrg! Krieg dem Chaos Arbeitsloser, nur Kampf D«S fei di« Los»»» de» d Bürger-Stammtisch am 1. Mat lGarantiert wortgetreue Wiedergabe). „Prösterchen, Herr Motz. Ja, das sind Zeiten—. Wie bitte? Natürlich, Sie müssen aus- spielen—. Wie das wieder heute durch die Fenster zieht—! Na, kein Wunder, wo wir doch den ersten Mai haben-— „Kreuz Junge sticht, Herr Bicrbein—-. Aufpaffen müssen Sie schon, wenn Sie Mit Fachleuten Karten spielen! Was sagen Sie, erster Mai? Sollte überhaupt verboten werden, der ganze Rummel! Führt nur zu neuer Begehrlichkeit der Massen——. Wissen Sie, meine Herren—, der Hitler——. Na, ich will nichts■ gesagt haben—-—'-—!"„Lange Farbe nachziehen, Herr Spültopf! Wie Sie spielt schon mein Jüngster im Schlaf! Trümpfe sind doch keine Heringsware! Was ich sonst noch sagen wollte—, ich bin ja kein Reaktionär—, Heimatfront natürlich. Ehre und Sitte, Blut und Boden und so—. Na prost, meine Herren! Aber, im Vertrauen, der Führer drüben hat das richtig gemacht—Fort mit der ganzen sozialen Sentimentalität! Wer nichs arbeitet, soll auch nichts essen, basta! Unsereiner hat auch seine Sorgen und kein Hahn kräht danach—Das haben uns nur die Juden eingebrockt mit diesem diesem Mai- monides". „Unsinn, Marr heißt er! Da habe ich neulich im„Stürmer" gelesen, wissen Sie, das Blatt, das der Streicher herauSgibt. Ist ja verboten hier, man liest so was eben ganz legal unter der Hand—" .Sie reizen, Herr Bock! Pich, ja, natürlich, mich! Was ist denn das für ein Lärm draußen? Wa—a—-as! Rote Fahnen—) die„Internationale"?! Unverschämtheit, gerade an unserer Stammkneipe ziehen sie vorbei! Franz, lassen Sie schnell die Vorhänge runter!"„Heil Henlein, meine Herrn—. Ich spiel' nicht mehr mit. Mir legt sich so eine Aufregung gleich an den Magen, wissen Sie—. Mahlzeit—!“ 1 Ros. 42.— 5.— 8.— den Was würden diese armen Kleinen tun. Nebrigens wäre das- auch zu teuer. Per- (Aus dem Französischen übersetzt) allein leben 250 Kinder samt ihren Familien davon. wenn ich ihre Arbeit durch Maschinen ersetzen wollte. sönlich würde ich mir ja nichts anderes wünschen; aber man muß mit der Konkurrenz rechnen— Und bei der heufigen Depression auf dem Seidenmarkt, da ist eS nur die billige Handarbeit, die Zu beziehen von der Zentralstelle für das Bildungswesen, PRAG XIU Slezska 13.=33 Sie nennt sich Pao-Eul, das so viel bedeutet wie„Kostbares Mädchen". Sie ist zwölf Jahre alt. Zwölf, wie man sie in China zählt. Nach westlicher Rechnung mutz man ein Jahr davon abziehen. Also— elf Jahre. Sie glaubt, daß das wohl ihr Alter ist; ganz sicher ist sie dessen nicht, weil man ihren Geburtstag nie gefeiert hat. Unsere Fragen scheinen sie sichtlich in Erstaunen zu setzen. Ihre Augen in dem mageren Gesicht werden noch ernster und noch forschender. Worin sie sicher nicht irrt, ist, daß sie jetzt den sechsten Winter in der Spinnerei arbettet. Sie setzt die Zeigefinger gegeneinander und macht die Rechnung. Dann hält sie inne, ihre Bewegungen wie ihre Worte sind gleich zurückhaltend. Es ist an uns, sie weiter zum Sprechen zu bringen. Man hat sie bei der Hand zu uns, in das große helle Hotelzimmer geführr. Sie hält sehr steif, mehr gestützt als sitzend auf dem Rande des Fauteuils, und sieht sehr klein und dünn in den um sie schlotternden Kleidern aus— einer Hose aus schwarzem Zwilch und einer grauen, gestreiften Baumwolljacke— beide von der Arbeit steif und schmutzig. Sie hat nur diese. Wenn sie ganz abgenützt sein werden, wird„Ma" ihr andere kaufen. Auf unsere Fragen antwortet sie einsilbig, mtt leiser, ernster, sanfter Stimme. Zwischen Frage und Antwort verstreicht längere Zeit, wie wenn unsere Worte ihr aus sehr weiter Ferne kämen. Es ist wahr, daß dieses„modern-" Shang- hei mit seinen großen, schönen Gebäuden, Banken und Geschäften eine sehr entfernte Welt von jener repräsentiert, die diese kleine Arbeiterin, die mit ihren elf Jahren schon sechs Jahr« Werkstatt erlebt hat, kennt. So entfernt und so verschieden, daß sie nicht verstehen kann, was sie jetzt sieht. Sie blickt geradeaus vor sich hin. vermeidet unsere Augen, wie ein Hund in einem finsteren Winkel des Zimmers eine Sache fixiert, die nur für ihn selbst sichtbar ist. Wieviel Stunden arbeitet sie während des Tages? Genau weiß sie es nicht. Das heißt, es ist noch Nacht, wenn die Sirene sie weckt, und sie muß sich beeilen, um pünktlich zu sein. Und es ist wieder Nacht, wenn sie die Fabrik verläßt.(5 Uhr morgens bis halb 6 Uhr abends, dazu eine halbe Stunde, um die Fabrik zu reinigen,— flüstert das junge Mädchen, das sie begleitet hat.) Nein, es ist nicht angenehm, im Finstern aufzustehen. Ost Iveint ihre Schwester Ah-san, das dritte Kind der Familie— auch sie arbeitet— wenn man sie weckt. Aber die ist eben noch oanz klein. Wenn sie Weggehen, essen Pao-Eul und ihre Schwester jede einen kleinen Reiskuchen, die man beim Händler um 4 coppers(ungefäkr 5 Heller) kauft. Das ist das Frühstück. ZuMtttag hat jede zwei Schalen Reis mit ein wenig gesalzenem Kohl darin; und zu Abend, wenn sie nach Hause kommen, nochmals zwei Schalen Reissuppe. Zuweilen, wenn es sehr kalt ist, wie eben jetzt, gibt ihnen „Ma" ein Ei mit. Wieviel verdient sie? 25 Cent täglich. Die kleine Schwester, Ah-san, bekommt vorläufig nur 15 Cents. Es ist schon lang«, daß„Pa" nicht mehr arbeitet. Das heißt, manchmal verkauft er in den Straßen Cacahuetes oder Wasserkastanien. Aber — die Kastanien sind teuer und es sind so viele, die sie verkaufen. Wieviel seid ihr zu Hause?—„Pa" und „Ma", dann mein Bruder, dann das Baby, dann Ah-san und ich. Früher, aber das ist schon lange her, war auch die Großmutter da, aber die ist jetzt tot. Als sie gestorben ist, sind alle vom Feld zum Begräbnis heimgekommen. S' erzählt man das; sie selbst, Pao-Eul, erinnert sich daran nicht mehr, sie war damals noch ganz klein. Man hat nicht immer in Shanghai gewohnt, man ist aus dem Distrikt Kem-Po, vom Norden des Aangtse gekommen. Dort gab es nichts zu essen, deshalb ist man weggezogen. Hier leben alle in einem Zimmer hinter dem Poutung, auf der drüberen Seite des Whangpou.„Ma" und„Pa", der Bruder und das Kleine schlafen nn Bett. Pao- Eul und Ah-san liegen auf der Erd«. Wenn es regnet, muß man sich ganz gegen die Wand drücken; und selbst da wird man zuweilen ganz durchnäßt. „Sag uns, Pao-Eul, welche Arbeit machst du in der Fabrik?"— Diese Frage brauchte man eigentlich nicht zu stellen. Man hat nur die Hände des Kindes anzusehen, die geschwollenen Finger mit den gewölbten Nägeln, die zerrissene» verdickte weißliche Haut. Die Hände einer alten Wäscherin. In der Werkstatt hatte ich schon Dutzende von solchen Pao-Euls gesehen. Kleine. Silhuetten in einer Reih« vor mit kochendem Wasser angefüllten Waschbecken stehend, in denen sich kleine weiße Kugeln bewegten. Heber diese Waschbecken gebeugt, rührt das Kind die Kokons mtt einem eisernen Löffel umher, nimmt dann ein« nach der andern in seine kleinen, geschickten Finger, um das Ende des Fadens herauSzuziehen, den es über den Tisch der Spinnerin zu reichen hat. Drei Kinder kommen auf eine Spinnerin. Den ganzen Arbe'ttstag halten sie sich hier im Schmutz und dem Gestank der toten Seidenwürmer auf und handhaben die kochenden Kokons, deren Faden so dünn wie das Gewebe einer Spinne ist. — Ja, sagt Pao-Eul, man muß brav arbeiten. Denn'hinter jeder Reihe von Hosen und Zöpfen geht ein Mann mtt einem Stock in der Hand hin und her. Kein großer Stock, ein einfacher Bambusschaft, der aber sehr weh tut, wenn — Welche von diesen Puppen, willst du haben, Pao-Eul? Schüchtern gleiten ihre Augen über diese ganze brillante Herrlichkeit und bleiben an einer der Puppen längen. In den Augen wirklich etwas wie ein Lächeln. Sie weist mit dem Finger auf sie: Diese dal— Halb versteckt von den Beinen und schönen Gewändern anderer Puppen ist es eine kleine chinesisch angezogene Puppe, eine sehr bescheidene, wie man sie auf allen dortigen Jahrmärkten findet. — Du weißt bestimmt, daß dir diese am besten gefällt?—Sie nickte entschlossen mit dem Kopf.— Ja.— Und jetzt läßt Pao-Eul ihre Puppe nicht mehr aus den Augen, während der Verkäufer sie einpackt. Wird man sie ihr wirklich reichen? Sie sieht der Wahl der Spielsachen für ihren Bruder, eine Trommel, eine Trompete, ein chinesischer Sabel und eine Peitsche, wie ganz von fern zu. Ja, ja, was viel Lärm macht, das wird ihm schon Freude machen. Und dann hält sie das kleine Paket in beiden Händen und pr?ßt die geschwollenen Finger darüber, als fürchte sie, man könnte es ihr wieder nehmen. — Sag' danke— flüstert ihr das junge Mädchen, die sie uns zugeführt hat, zu. Pao- Eul hebt einen unbeschreiblichen Blick zu mir auf, und sagt langsam: Danke. Ich schäme mich. Ich denke, daß es in dieser Stadt Shanghai hunderte, vielleicht tausende Pao-Euls gibt, Kinder ohne Alter und ohne Hoffnung, Opfer eines Gesetzes so furchtbarer Not, daß die meisten vorziehen, nichts davon wissen zu wollen, um nicht gedcmütigt erröten zu müssen. Pao-Eul verläßt uns. mtt gesenktem Kopf, ihr Paket fest an sich gedrückt. Ich verliere ihre , kleine, graue, anonyme Gestalt in der Menge bald Ich bücke mich, um i uns rettet und uns noch erlaubt zu arbeiten— Die Lippen sind ge- Pao-Eul— Kostbares Mädchen— Wahr man ihn auf di« Neinen geschwollenen Hände schlägt. — Sage, Pao-Eul, bist du zufrieden, wenn der Sonntag kommt? Das Kind sieht fragend auf.„Sonntag?"— — Ja, dein freier Tag, wenn du nicht in die Fabrik gehst? —- Ah, ja! Einmal im Monat, oder sogar zweimal— wenn es weniger Kokons gibt. — Und was machst du an diesen seltenen Tagen, wo du nicht arbeitest? Pao-Eul denkt nach. Dann antwortet sie mit ihrer kleinen, ernsten Stimme: Ich wasche das Geschirr. Ich gebe auf meinen Bruder und auf die Kleine acht; und ich helfe„Ma" die Wäsche waschen. — Du spielst nie? — Spielen? Der Blick ist fast ein Borwurf. Langsam senkt sie den Kopf. Ich beharre auf einer Antwort. Pao-Eul, hast du nie eine Puppe ge habt? Grausame Frage. Ich schäme mich, sie gestellt zu haben. Pao-Euls Gesicht verfinstert sich«in wenig. Aber sie antwortet stolz: Mein Bruder hat einen Ball. — Und wenn man dir eine Puppe geben würde, Pao-Eul? Sie hebt das Kinn und steht mir das erste mal gerade in die Augen. Dann senkt sie wieder den Kopf.„Gib sie lieber meinem Bruder." — Warum deinem Bruder? — Weil er mein Bruder ist.— Das ist selbstverständlich, Pao-Eul staunt, daß die Erwach senen es nicht zu verstehen scheinen. Sanft erklÄtt sie: Wenn ich sie ihm nicht gebe, weint er» und dann wird meine Mutter mich schlagen. Ueber ihren Kopf hinweg wechseln die Er wachsenen einen traurigen Blick. Ah! Du trägst mit Recht deinen Namen— Kostbares Mädchen—» du, die du mit deiner klei nen Schwester eme ganze Familie erhältst, du lebst in einem Lande, wo dir Mädchen tief im Kurse stehen. Es genügt nicht, daß du dem Moloch der Industrie ausgeliefert bist, dem Verschlinge! klei ner Kinder, dem Aufseher und seinem Stock. Auch das Ungeheuer hundertjähriger Tradition hält dich in seinen Fängen. Bei diesem Punkt unserer Unterhaltung überfällt mich eine fixe Idee: Ich muß dieses Kind mit den starren Gesichtszügen, diese Arbeiterin von elf Ähren, das nichts vom Spielen weiß. lächeln sehen... — Pao-Eul, du bekommst eine Puppe. Du wirst mit mir kommen und sie selbst wählen, in einem großen Geschäft im Honan Road, wo wir auch Spielsachen für deinen Bruder kaufen werden. In. dtp Tiefe der ernsten Kindersitzen zieht, etwas wie ein freudiger Schein vorüber. Aber' aus den Augen. sie lächelt nicht, sie erhebt sich nur gehorsam. Jmj— Ich hoff-, sie wird ihre kleine Puppe bc- Borraum lege ich die Hand auf ihre magere halten dürfen, sagt meine chinesische Begleiterin. Schulter. Sie zuckt wie unter einem drohenden> m*■ s-**«-—-- Schlag zusammen.— Was hast du, Pao-Eul?— Sie neigt den Kopf.— Ich fürchte mich vor Fremden. — Warum denn? — Weil sie böse sind... Das lernt sie zu Hause— flüstert mir eine meiner Begleiterinnen zu. — Wo hast du denn Fremde schon früher gesehen? — Run, in der Fabrik,— sagt sie. In der Straße gleitet sie durch die Menge Trottoir mit dem sicheren Instinkt eines Kin« aus dem Volke. Die Leute machen ihr keine am des aus oem rvorre.»ne rreure macyen ryr reme i>««»-,->>>-««.. Furcht. Aber vor dem Laden bleibt sie schüchtern einigen Tagen mtt dem Besitzer einer Seidenstehen und drängt sich an unsere Röcke. Was ich Weberei geführt habe. nicht erwartet hätte, sie faßt meine Hand. Diese---Die Kinderarbeit— ja. Sie haben recht. Menge hier, die kennt sie nicht. Mütter ihrer das ist eine abscheuliche Sache, ich mutz es zu- eigenen Rasse in seidenen Kleidern und Pelzmän-! geben-- sagte er. Aber b/denken Sie, bei mir teln, pausbäckige Kinder auf den Armen der Wär-! terinnen« eine Bande kleiner Mädchen, di« zwit schern wie die Spatzen. Fetzt aber fällt, ihr Blick auf die aufgestellten Spielzeuge. Keine chinesi schen, Japan und Deutschland hat sie geliefert. Mechanisch bewegte Tiere, Dampfmaschinen, Autos, Luftschiffe, die sieht sie nicht an» aber höher, da thronen europäische Puppen, blond und rosig, in seidenen Kleidern. Pao-Euls Gesicht zu sehen.'. öffnet, die Wangen leicht gerötet, zum erstenmal| hastig, dein Name ist richtig gewählt, gleicht dieses Gesicht dem eines Kindes. Neue Bücher Julius Deutsch: Kontinent in Gärung, geb. Kc Karl Heinz: Nacht über Oesterreich brosch. Ke Kurt Doberer: Prolet, das bist du. Gedichte kart. KL Gespräch mtt Paol-Eul .— Warum denn nicht? frage ich. — Ich fürchte, daß man sie ihr nimmt, um sie zu verkaufen. Ich weiß, daß die Spinnerei, in der sie arbettet, schließen will. Krise der Seidenindustrie. Vom menschlichen Standpunkt wäre dies natürlich kein Unglück. .— Aber was wird sie dann denn anfangen? •— Nun. man wird wahrscheinlich versuchen, sie in eine Tabakmbrik zu stecken. Wenn dies nicht gelingt, wird sie und ihre kleine Schwester Zündholzschachteln zu Hause fabrizieren. Denn schließlich, dir Familie muß leben... Leben— man muß leben,— der Ausspruch erinnert mich an eine Unterhaltung, die icb vor Seile 11 Mittwoch, 1. Mai 1935 PRAGER ZEITUNG Uhr: Harold Lloyd und Constance Cummingsovä. Bezugsbedingungen: Bel ZEellüng ins Sau? vd« bei B^zua.durch die Bost monatlich XL 16,—, vierteljähriaXL 4?,—. halbjährig inn Preise von 43 XL; vom 8,.bis30. Msti einen Badezug nach Sliak zum Preise von 1100 XL; vom 12. Mai bis 2. Juni nach KarlÄ>äd und Marienbad zum Preise von 1000 XL. Anmeldungen für diese Züge nimmt das Ausflugs- zngsreferat im Basar neben dem Wilsonbahnhof (Mqphon 383-35)^enHegen. SASI-Techniker tagten in Prag Wintersport-Olympiade im Riesengelirge Am 26. April tagte in Prag die technische E x e k u t i v e d e r S A S I, die fich in der Hauptsache mit dem 3. Arbeiter-Olympia 1937 in Antwerpen beschäftigte. In der'Sitzung wurde ein provisorisches Programm für die Arbeiter- Olympiade beschlossen, das noch der Bestätigung der Fachausschüsse bedarf. Außerdem wurden in bezug der.Olympiade einige Beschlüffe in turntechnischer Beziehung gefaßt. Von Interesse ist, daß die Wintersport-Olympiade, die.bekanntlich dem Ains zur Durchführung übertragen würde, im Riesengeiirge stattsinden wird. Das Programm steht folgende Wettkampfarten vor: Lang-, Dauer«. Abfahrtsläufe, Slalom;' kombinierte und Mannschaftsläufe sowie Sprunglauf; ferner Eiskunst- und Schnellaufen, Eishockey und Rodeln. Zur Förderung des internationalen Sportverkehrs wurde der' technische Ausschuß beairsiragt, mit S.oMüetru j; land wegen einer Wettkampf« «ÄBMMWviSWair«-u treten.! Lilian Harvey in dem ersten amerikanischen Film„Der Wagen seiner Majestät"^ Krach beim TFK Spiegelbild bürgerlich-kapitalistischer Sportpolitik Die Spielerverkäufe des Teplitzer FK haben in letzter Zeit die Oeffentlichkeit sehr beschäftigt. Eine Versammlung der Mitgliedschaft dieses Vereines zu Ende vergangener Woche»ft in mancher Beziehung sehr aufklärend in bezug der Verhältnisse — nicht nur der finanzielle^!— im bürgerlichen Sport und im besonderen natürlich im TFK. Ist dieser Versammlung ging eS sehr hoch her und, wie die.bürgerliche Presse selbst berichtet, von. rüdeste« Anpöbelungen, Verdächtigungen übelster Art sowie Beschimpfungen auSgefüllt. Einem früheren Obmann wurde von einem derzeitigen Vorstandsmitglied gesagt, daß er eine„M ißgeburt" und dem amtierenden Obmann mit„diktatorischen" Bvllmach- Vcrcinsnadirlditcn Deutsche VoNsfinggemeiude Prag Alle Dangesgenoffeu versammeln sich h e u t c Mittwoch, pünktlich um fünf Uhr, im Hause deS R a d i o j o n r n a l s, Prag XII., Fochova Nr. 19, zur Rnndfuntprobe. Für diS Endrunden dar Fußballmeisterschaft der belgische« Arbeitersportler haben sich qualifiziert:' „Avemr" für Brabant,„Pernvelz" für Hamaut, „Mouscron"'für Westflandern,„Turnhout" für Antwerpen. Lüttich wird entweder durch„Saint-Gilles" oder„Tougres" vertreten sein und in Ostflandern liegt die Entscheidung zwischen„VDB" und „Endxacht" Gand.- Der Verlauf der Meisterschaft in den einzelnen Provinzen brachte interessante Spiele. Seit Bestehen dieses Wettbewerbes(1921) ist es das erstemal, daß sich„Pernvelz",„Turnhout",„Tougres" und„Saint-GilleS" bis in die Endrunden durchgespielt haben. Sowjetrussische Schwerathleten in Finnland. Der finnische Arbeitersportverband(TUL) hat vor einiger Zeit mit dem der Sotvjetunion einen Vertrag betreffs Sporwerkehr abgeschlossen. Der erste Wettkampf,«nd zwar im Ringen, fand bereits Anfang April in HelsingforS statt. Das Interesse für diese Ringer-Wettkämpfe war so groß, daß viel« Jausende keine Einlaßkarten mehr bekommen konnten. Nachdem Finnland im Ringkampf, in der SASJ den ersten Platz einnünmt, war man auf den Ausgang der Begegnung gespannt. Den Sowjetsporklern gelang es, die finnisch« Mannschaft zu besiegen. Holländischer Arbeitersport. Im Fußball gab es am vergangenen Sonntag eine Reihe beacht« kicher Begegnungen. Im Kreis Twente holte fich Hengebo den Meistertitel, da Enschede knapp mü 8:2 verlor. Volhaching im Kreis Südholland wurde von Algemene 0:3. geschlagen. Im Kreis Utrecht schlug Den Dolder AmerSfort mit 5:1. Kreis Limburg: VoorwaartS gewann gegen Stecds Hoger mit 7:1 und Rode Ster gegen Rode Duivels 4:3.— In der Handball-Meisterschaft der Westgruppe gab es folgend« Ergebnisse: Bei den Frauen gewann Amsterdam gegen Zaandam 2:1 und Utrecht gegen Hilversum 3:0. Bei den Männern Amsterdam über Zaan- dam mit 3:1 und Utrecht gegen AmerSfort gar mit 13:3 erfolgreich.— Um dieTenniS-Meisterschaft spielte Den Haag gegen Rotterdam. Den Haag gewann 6:1. w ezug.so roin g un g e o: wei. guneuuna in» wou« w«,hi.uuhh u«-vim nivuumu,——•• 'Tarif billigst berechnet Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.—'Rückstellung von Manuskripten er'okgt nur bei Einsendung der Retourmarkon.— Die c^itungSfrankatur wurde vor der Vott« und»eu qraphendirektion mit Erlaß Nr. i3.800/Vll/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Drück-. Verlags« und ZeitungS-A.-G.. Prag. Uhr: G luditta, C. 1.— Freitag, halb 8 I G l o r'i u s, der W und erkomödiant, D 2.— Samstag 7:Tannhäuser, Wagner- Zyklus 8, A 2. Spielpla« der Kleinen Bühne. Heute Mittwoch, geschlossen.— Donnerstag, 8 Uhr: .'Schule für Steuerzahler, volks- tümliche Vorstellung.-— Freitag, 8: P i n g>- P o n g, Kultuiwerbandsfreunde und fteier Verkauf.— Samstag, 8: Charleys Tante, neueinstudiert. Lv§«er psiitt Wahlberechtigte Genoffen und Genossinnen, welche bereit sind, am Wahltage als M i t g l i c- derber Sprengelwaülkommis- s i o n und Vertrauensmänner der Partei z« fungieren, mögen sich Freitag, den 3. Mai nm 7 Uhr abends im Parteiheim, Praha H.» Rärodni tk. Rr. 4, melden. ten wurde gar entgegeNzxhalten, daß' er„eia Schandfleck" seil Das ist doch sehr deutlich! Die Moral im bürgerlichen Sportleben, feiert traurige Triumphe! Dort, wo-das kapitalistische Syjtea seine Hände im Spiel hat, kann der Verfall, del Unterga^ nicht mehr aufgehalten werden. Dai findet seaie Bestätigung in den Berichten über Ließ TFK-Versammtung. Schulden, nichts Äs Schulde»! Spieler warten und bangen um ihre Gage'iwd W Staat muß die ihm gebührenden Steuern im exeku« tiven Wege einzutreiben versuchen. Um aus der finanziellen Misere herauszukommen,- werde«-dir Spieler regelrecht wie eine tote Ware ver> schachert. Ein unmenschlicher und unwürdigtk Zustand, gewiß; doch er gehört mit zu der kapitaliA scheu Einstellung des bürgerlichen Sports. Traum genug für jene Arbeitersportler aber, die' es sich eine„Ehre" anrechnen, für solcherart geleitete Fuß' ballklubs spielen zu können. Sie werden mit eüuv Pappem'tiol abgefertigt, das wettere bleibt man ihn^ gnädigst schuldig und zmn Ueberfluß— wenn o® Stricke reißen— für horrende Beträge verkauft, W* denen sie nicht«ine Krone erhallen. Und daß»ei' tere Spieler des TFK verkauft werden sollen, hat dck Obmann Fürth selbst gesagt, da er„sein Gelt auf andere Weise nicht erhalten kann. Zum Schbv wollen wir noch bekanntgeben, daß der TFK n»>t 168.000 XL an Passiven hat. Die Rechnung^ legung war— immer nach den Berichtens bürgerlichen Presse—nie vollständig und schon M nicht kontrolliert, weil nicht einmal ReE . ren aufzutrechen" waren, die die Verantwortung ft' ihre Richtigkeit übernehmen wollten,.. Moderne Geschichte eines Häsen, ‘Si. KnfHW, Helden Die Monatsschrift der französische«„Natur' fteunde"(Sektion. Paris)-.veröffentlicht, in ftrck Aprilnummer unter obigem Titel folgendes schichtchen; Die Ueberschwemmungen hatten mich auf Feldern von Conds überrascht und am Fuße ei»r- Baumes kauernd, von welchem einige Wurzeln s Wasser überragten, verging ich vor Källe Entkräftung. J ■ Da bmnerfte mich armes Häschen ein juE Mann, welcher auf diesem, traurigen Ozean's, Boot lenkte und er bemächttgte, sich meiper. handelte sich'zu meinem Glück'um ein Mllg^ der Naturfreunde. Er«npfing mich bei sich — um ihm für die Möhren und den KVU,^ welchen er mich reichlich nährte, zu danken*" grub ich Gänge ijj seiner Küche. Acht Tage später: wurde ich wieder in heit gesetzt— mitte« im Walde von Fontai»^ bleau. ,, Sei versichert, Genosse Mensch, daß ich DA barmherzige Geste nicht vergessen werde und ich für Deinen Verein unter den Tieren“ WaldeS Propaganda machen werde. T..., Hasen-Genosst. Wir verbürgen uns, so schreibt das oben zifst^ Blatt unserer französischen Genossen, für die Dav heit der Geschichte., Aeberfall in der Altstadt Die 47jährige Marie V o n ö r a c lk o v ä Nlchm gestern nachts einen gewissen B./Svab, einen angMicheft Reifenden,-inft in ihre Wohnung in der KoZni in Ppag I. Als sie von chist 20 XL verlangte, versuchte-der Bursche,.. ihr ejm- Stück wertlosen zerknüllten Papse rs aufzüdrHygevz. dann aber, als sie den Betrug Merkte, fiÄ er plötzlich Mer sic her und drohte, sie zu erschlagen, wenn sic ihm nicht chr Geld geben würde. Die Fran chatte alles in allem 29 XL und. eüiige Heller, tvelche sie dem Dlau« gab. Nun begann Svab, ihr die Ringe von den Fingern zu'zerrens Endlich gelang es der Frau,.ins Stiegenhaus zu entkommen, wo sie um Hilfe t\aT. Vvab wurde aus die Polizei geschafft, wo er sich auf Volltrunkenheit ausreden wollte'. Er wurde'in Hast belassen und wird wegen Raubes vor Gericht gestellt werden.'. Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Ihre tollste Nacht". Pran^ Max Hansen, Halmay, Olden.— Adria:„0% gatha". Französisch.— Alfa:.„Der Sri. einer Nacht". Vlasta Burian. Tsch.— Avion: gatha". Fr.— Beran«!:»Das Phantom von don". A.— Fenft:„Ein Kind fällt vom Hionnk', — Hollywood:„Die weißen Nächte — Hollywood:„Die weiße« Nächte PeterSbur g". Ruff.— HvLzda: ,S iss Symphonie s" und Mickeh-Mouse-Vorstelb^ — Kinema: Journale, Groteske, Reportage,^ Koruna:„Der König der Dschungel". A.— „Suzanne Lenox". Greta Garbo. A.—‘fti cerna:„Suzanne Lenox". A.— Metro:„Jfi j pajew". Ruff.— Olympic:„Die toeiKS, Nächte von Petersburg". Ruff.—»l, sage:„Liebe der Königin Karoline". Engl.— ÄfJ; „Der Graf von Monte Cbrisw". A.— „Unter fremden Fahnen". A.— Svötozor:„DakbA rast..." Tsch.— Alma:„Ant. Cermak—'s, Mann mit Mut". A.— Baikal:„Eine ansgclaA Nacht". Tsch.— Beseda:„Mutter Kraünev^ Tsch.— Carlton:„Laurel und Hardy übersieh er«. Klavier", A.— Favorit:„Ball im Savoy'-^, — Illusion:„Ball im Savoy". D.— Lido:. rel und Hardy übersiedeln ein Klavier". Ä. Louvre:„Ter unsichtbare Mann". A.— Mattel „Dle Rothschilds". Geqrg Arliss. A. „Ball im Savoy". D. J'TM Kunst and Wissen Bon der Deutschen Musikakademie. Es war selbstverständlich. daß unsere sudetendeutsche Musikhochschule das diesjährig«'Bach-Jübiläum zum Anlaß nehmen Gourde, eines ihrer muftergülttgen Schülerkonzerte der Tonkunst des großen Thomaskantors zu widmen. Der vorgestern abgehal- '. teste öffentlich« Musikabend war als Bachabend '-- in Szene gesetzt worden, bei dem die i n st r u m e n« " tale Musik Jvh. Sebastian Bachs zur Geltung - kam; eine Parttta, eine Toccata und ein« Fantasie mit Fuge für Klavier, eine Sonate für Violine. Oboe, ■- und. Klavier bildeten das sorgfältig auSgewählte Programm. Seine künstlerische Durchführung war namentlich in der zweiten Hälfte beachtlich-gut. Der Pianist Heinrich Berg vor allem erwies sich als . technisch und geistig hochentwickelter Künstler, der den gotischest Monumentalstil Bachs im grandiosen Auf- ; bau und in der Klarheit der polyphonen Gliederung, überzeugend zur Geltung bringt. Auch der Cellist i. Josef Merz zeigt« neben bedeutendem technischen { Können und tonischer Sauberkeit die richtige Einstellung zur Tonkunst. Bachs. Durch sehr schönes Zu- A sammempiol ßeicknÄeü-Mh stt-ddch'klirnststyiü-.en Kättt- M meÄystzcrt der Geiger Walter W a tz k e. der Obökst Rudolf Langer und der Pianist Anton Fritsch - üus. Jin ersten Teil des öffentlichen Musikabends ließen sich noch der Pianist Arthur F-r a n z und der Geiger Friedrich Werner hören. Zu bedauern war f wie immer, daß der Musikabend nicht größeren Zuspruch seitens des kunstbedürfrigen Publikums fand. E. I. Donnerstag 7.30 Uhr:„Giuditta" anläßlich i Lchärs 65. Geburtstag. Titelrolle: Anny Coch a. G., ! Octavio— Preger.(C I) Gutscheine. Umtauschrecht für Vsertelahonnenten. Samstag: Wagner-Zyklus III„Tannhäuser". , Konetzni, Reich-DLrich a. G., Fischer, Hagen, Andersen etc.(A 2) Zhklus-Abonn., Gutscheine. SamStag ne«rmsi«diert„Charletzs'Tante" in der Kleinen Bühne mit Hans Götz. Regie: Liebl. Ermäßigte Preise: XL 10.— bis 80.—. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute Mittwoch' geschloffen.— Donnerstag, halb 8 Sport• Spiel• KOrperpIleoe. Westböhmischer ÄrbeiterspM Sonntag fand in Falkenau eine Sitzung aller Bezirkstechniker mit den KreiSspartenleitern statt. Es waren alle Bezirke sowie alle Sparten des Kreises vertreten. Nach-einem Referat deS Genossen M y k u r a über di« Situation im Kreisverbastd und über die W a h l e n wurde« alle Vorarbeiten für das Kreistnrnfest, welchÄ zu Pfingsten in Eger stattfindet, fertiggestellt. Außerdem wurde der Sommerarbeitsplan beraten, wolcher mn einem zweitägigen gemeinsamen Kurs für Turnen, Sport und Spiel am 22. und 23. Juni eingeleitet wird. Am Aruk-Verbandsfest wird der 6. Kreis mit 400 Durnerimien und 400 Turnern (Freiübungen) auftreten, außerdem besucht der Kreis «in Gebietsfest der DTJ am 30. Juni in Pilsen. In den Ferienmonaten wird di« Sportabzeichenattion und ein Jugendlager organisiert. Am gleichen Tage, fanden auch Spartensitzungen der Wassersportler und Schachspieler mit den Bezirkstechnikern- statt. Der Handballbetrreb hat Sonntag ebenfalls begonnen. Im ersten Spielbezirk trafen Atus Karlsbad und AtuS Fischern zusaustnen, 2:2 war daS Resultat. Jin zweiten Spielbezirk(Eger und Asch) wird sich dieses Jahr ein sehr güter'Turn- spielbetrieb entwickeln;«S sind bereits 14 Raff« und Handballmannschasten gemeDet. Sonntag spielte BundeShantBallmeister Eger gegen Roßbach und blieb 4:0 Sieger. Der Entschcidungskampf im oberen Erzgebirge Das Fußballtreffen in Eibenberg bei Reudek am Sonntag kann als Entscheidungskampf dieser Serie angesehen werden. Zahlreiche Zuschauer aus dem KarlSb«r. Gebiet gesellten sich zu den Fußball- anlhängern des oberen Erzgebirges, sie alle wollte« den bedeutungsvollen Fußballkampf des Spitzenführers Maierhöfen gegen die Sportbrüder sehen. Der Wurf ist gelungen, Maierhöfen siegte auf dem kleinen Platz und Holle sich die wichtigen Punkte. ASB Altrohlau gewann bereits vornnttags gegen Atus Karlsbad und steht immer noch mit 30' Punkten an zweiter Stella Da niemand mit einem Sieg Maierhöfens in Eibenberg rechnete, waren die Porzellane! Sonntag. Svitzenführer. Daß auch E g e r die gefährlichen GraSlitzer mit einer Niederlage heimschickte, überraschte, der'ASK bleibt dadurch sicherer„Dritter". Auch der Sieg des FFK Falkenau in Fleißen überrascht etwas, das Gegenteil hätte jedoch einen Umsturz in der Tabelle gebracht. Atus Fra»z ensbad'' kommt durch sein erfolgreiches Spiel von der gefährlichen vorletzten Stelle weg, dagegen fällt AtuS Cbodau sichchar zurück. AtuS Unterreichenau konnte Neudek schlagen und seine Stelllmg in der ersten Hälfte der Tabelle befestigen. AtuS Drahowitz siegte ebenfalls und rückte nach vorn.--- Die Ergebnisse: ASK Eger gegen ASB Graslitz 4:8, Atus Franzensbad gegen AtuS Chodau 3:1, Atus Fleißen gegen FFK Falkenau 1:4, AtuS Unterreichenau Segen ASV Reichel 2U), Sportbrüder- Eibenberg gegen ASV !. 102 Mittwach, 1. Mai 1935 SeHelS Haus! hl i»d.» irh.bo.ch•»••(»«.C.rl>ältlU« ARBEITER! ARBEITERIN! Du gehörst zu uns! ■Bufendu Inserat GBtAM* Ca.»GGOG)GGGOGGWZ)OOA L s> elegantes Imprimt» kleid au* Crepe Roma Tn K£ iw- KONRAD EHRL Kunstwalzenmühle Hammern• Post Eisenstraß(Böhmerwald) •/< Paletot (od e r langer f Mantel) aus Wollgeorgette schon von Kc 98*- originelles Trotteurkleid mit Pelerine schon von Kä ss- Fahrräder von KC 480*— entwirf* Sichere Dir die Vorteile der Mltslledscheft im Urteiler-Rad- H.Iraftfalirer- Bund CSR. Fahrradmäntel von KC 15*— entwirf* Fahrradschläuche von KC 6.50 entwirf* Fahrradbestandteile eiter Art zu billigsten Tagespreisen! ♦ Markenräder ,ES-Ka‘ .Premier*,.Achilles, ♦_ Fahrradhaus„flllfrei“ VOLKSZÜNDER! Kl em ent 2T.--PoMC, J6. VOLKS ZÜNDER SOLO£s.I. Was Sie fetal Ssauekea.^ AWXinifl Verlanget Sitz; Turn-Teplitz, Mariascheinerelrasse 16 Alle Arten Rad- und Motorradsport ♦! Unterstützung bet; KONSUMVEREINS-LIEFERANT I»S« LeinDoDiek gesund bet Erkrankungen des Magens, Darmes, der Leber, Gallenblase, Gelbsucht, Nierensteine, Blasenleiden, JuSerlrankhelt, Gicht, Folge zustände nach Lropenkrankhelten usiv- htfortebai *u>tBnftt und Broschüre« durch«2« Zwriaftellrn und Biro« der Wrm« tedok, durch alle übrigen Reisebüro» oder dire« durch di«»urverwaltuvg»arlrbad Narkobader Mineralwasser und natürliche» Eprudelsalz versendet' di« ikarlobaber Uwat wasseroersendung Löbei& Schottländer,®. m. b. H. 2986 Der Berson°C»nrav Absatz ist die Neüheü, HC wir herausgebracht haben. Er bewirkt einen gleich« mäßigen, sicheren und elastischen Gang, schützt daher vor Ermüdung. Verlangen Sie bei Ihrem Schuhe ,> macher ausdrücklich Berson-Eoncav-Absätze. Weise* * I Sie in Ihrem eigenen Interesse Sürchahmungen zurück. UnteN rfaktpNchtenspeiicken Tvdesstun UedMedsUMI StervoteN,, Nechtsetrttten durchkoatm- lose Beistellung eines Anwaltes ♦ 18.000 Mitglieder 500 Ortsgruppen 2935-- Wr. 102 Mittwoch, 1. Mak 1S3S Seite 17 i I SILBERSEIDE „OLLÄ'g um? Für höchstelÄhqprüche | J. SALZ ERDEN| Staab- Stad.| fr g fr Abt.: Kommissionär der Lst. Getreide- S Q. gesellschaft A Di Abt.: Futtermittel, Heu, Stroh etc. Abt.: Landwirtschaft: SAAT-Getreide Z Lr[= Qi Abt.: Edelpilz-Züchterei(Champignons) j}J £wuwwowwpiaopoM&Mjwii.i(aiaujl <9ißseZwei zeigen was wir leisten f IDEAL: Kc 159.-399. u. höher LORD: Iß 119.-349. u.höher KLEIDUNG mitQmJieachm Frühjahrs-Ware (einfärb., engl., wasserdichte Mäntel, Complets, Kostüme, Blusen, Kleider sowie Kinder- Kleidchen und-Mäntelchen) ^„10-15% billiger Die ursprünglichen sowie die reduzierten Preise sind auf jedem Stück deutlich ersichtlich Pra;, prihopu 27 (Mitte des Grabens)" Eingang innen im Hause nur im I. Stock iiustfi S**ES Modenschau 2912‘’ JUL. DOSTAL Llpnfk nad BeEvou POSTSCHECKAMT PRAG No. 19.202 TELEFON No. 22 Velkonäkupni spoleinost druxstev Genottentch. m. b. H 2803 Entgegennahme von Geldanlagen auf Sparbücher und laufende Rechnung. Durchführung sämtlicher Bankgeschäfte ZENTRALE: Prag II., TSSnov 3-5.- Telefon 64751-57 ZWEIGSTELLEN: Brünn, Zilina, Tetschen, Zvolen FABRIKEN und MÜHLEN: in Prag II., VIII., X., Nelahoze- ves, Cernoiice n. L., BohuSovice n. Ohrf, Kladno, Kyjov, Sumperk Allgemeine Genossenschaftsbank Praha 11., Bredovskä 4 Telephon 227-51 bis 227-55 Exposituren: Brno, U Solnlce 3 a Mor. Ostrava, NädraEnl tf.32 Vcrbandsstoil-Wcrkc IcplMz-Sdiönan Fabrik: Turn-Teplltz, Mariasdielncrstraoc 27 Verbandswatten, Verbandsstoffe, medizinische Pflaster, chirurgische Gummiwaren und Kranken* pflegeartikel aller Art Sonderabteilung:„Säuglingsausstattungen“ Vertragliche Lieferanten des Reichs verbandes deutscher Bezirkskrankenversicherungsanstalten in Prag samflidie Artikel für Turn- und Sportverbände prompt und billigst lieferbar On. I 2914 Werdet Mitglieder eurer Brtlichen Kontumgenojtentchaft! Bel lf n Q Einkäufen verlangen Sie ausschließlich Waren mit der Marke V■ Ua I Seite 18 Mittwoch, 1. Mai 1935 I Nr. 102 I I 2883 2907 TEPLITZSCHONAU, WATT ST HA SSE NR. IIS» 3008 2988 VERBAND DER GLAS- UND KERAMARBEITER UND ARBEITERINNEN IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Der Verband der Holzarbeiter, Drechsler«. verw. Berufe in der äSR. «it dem Sitz in Reichenberg, Gutenbergstraße Nr. 7 ist die zuständige Gewerkschaftsorganisation für di« Arbeiterschaft nachstehender Berufe: Brettsägenarbeiter, Bürsten- und Pinselmacher, Binder, Drechsler für Holz, Horn, Bein, Perlmutter-, Galalith- und Steinnu^knopfarbeiter. Holzschläger, Holzwarenarbeiter, Korb«, Flecht- und Korbwarenarbeiter. Klavier« und Orgelmacher, Streich- und Zupfinstrumentenmacher, Spielwarenarbeiter, Tischler, Tapezierer, Vergolder und Wagner. ES ist Pflicht jedes überzeugten, klaffenbewutzten Arbeiters aus den angeführten Berufen, seiner freigewerkschaftlichen Organisation anzugehören und die Bestrebungen derselben auf wirtschaftliche. sozial« und kulturelle Besserstellung zu unterstützen. Parteigenossen! Haltet in eueren Kreisen Umschau und werbet für unseren Verband. Allgemeiner Angestellten-Verband Reichenberg, Turnerstraße 27 Geschiflut eilen in Karlsbad, Teplitz-Schönau, Bodenbach, Reichenberg, Trautenau, Jigemdorf Brünn, M.-Ostrau Freie Gewerkschaft für alle Privatangestellten im Gebiete des Deutschen Gewerkschaftshundes Reichenberg| Der Ddilcidongsaritciicrvcrband in der CSR. mit dem Sitze in Reldienbcrg, Luftgassc Id ist die größte Organisation und wirksamste Interessenvertreterin für die Schneidergehilfen und-Gehilfinnen, Hutarbeiter, Lederarbeiter, Schuhmacher und Lederhandschuhmacher, Ledergalanteriearbeiter und Koffermacher sowie der Friseurgehilfen Parteigenossen und Genossinnen 390 werbet unter diesen Berufsgruppen für unseren Verband! Arbeiter-Konsumverein Bodenbach registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung Eigene Dampfbäckerei, Bodenbach, Schlachthofstraße Kandel u. Zentrallaserhaus: Bodenbach, Schiachthofstraße Telephon 504 Unterlaser: Bensen, Mühlsasse, Telephon 15 46 Verteilungsstellen | 10.000 Unfälle h 2979 DRUCKSORTEN jeder Art liefert in bekannt einwandfreier Ausführung bei billigsten Preisen DRUCKEREI GARTNER& CO. Bodenbach, Schlachthofstr. 834 ereignen sich jährlich im Berufe, auf der Straße, bei der Ausführung des Sportes und im Heim Sichern Sie Ihre Zokunü vor llnfallsfällen durch die günstige u. billige Unfallversicherung für Mitglieder: Allgemeiner Angestelltenverband Reichenberg, Turner Skale Nr. 27 Kostenlose Information in der Zentrale, bei den Ortsgruppen und Funktionären Der Fabrikarbeiter-Verband i.d.tSR SITZ AUSSIG a.E. FABRIKARBEITER, AUF ZUR TAT! 2981 Bist du noch nicht Mitglied, dann vollziehe ohne Aufschub deinen Beitritt. Bist du aber Mitglied, dann agitiere unerschrocken und erfolgreich unter deinen noch Indifferenten Arbeitskollegen. vertritt jederzeit und rückhaltlos die wirtschaftlichen und sozialen Interessen der gesamten organisattonszustfcndlgen Arbeiterschaft. Es ist daher Pflicht einen jeden Fabrik, arbeiten, seiner Gewerkschaft anzugehören. Die sozialen Kämpfe der Zukunft verlangen unbedingt die geschlossene gewerkschaftliche Front der Arbeiterklasse. Verband der öffentlichen Angestellten Sitz Reichenberg, Müblfeldstraße 52 mt Sekretariate: Reichenberg, Mühlfeldstraße 25 Karlsbad, Haus„Volkswille“, Kantstraße Olmütz, Gabelsberger Gasse Nr. 4/1 ll freigewerkschaftliche Organisation der Angestellten des öffentlichen Dienstes Fachgruppen und Sektionen für die einzelnen Berufsgruppen- Krankenunterstützung, Notfallsunterstützung, Stellenlosenunterstützung sowie Stnatszuschuß, Rechtsschutz in allen Berufsangelegenheiten-120 Ortsgruppen Fachblatt„Der neue Weg“- Es liegt im Interesse jedes einzelnen, alle noch außerhalb unserer Reihen stehenden öffentlichen Angestellten für den Verband zu werben- Niemand schützt euch, wenn nicht die Organisation! Metallarbeiter! Die Kampforganisation der Metallarbeiter ist der Internationale Metallarbeiter-Verband ER HILFT AUCH IN DER ZEIT DER NOT 122 Millionen Kronen hat er seit 1925 an seine arbeitslosen Mitglieder ausgezahlt TRITT AUCH DU BEI! Beitrittserklärungen bei allen Betriebs Vertrauensmännern und in den Seketariaten in Aussig, Bahnhofsplatz 1- Bodenbach, Poststraße 813- Böhmisch Lalpa, Schloßgasse 51- Brüx, Weitengasse 4- Eger, Schiffgasse, Volkshaus- Graslltz, Steingrube 99- Jägerndorf, Arbeiterheim* Fischern, Theatergasse 67- Komotau, Kreuzgasse 3- Mährisch Ostrau, liedlergasse 1- Pilsen, Husova tr. 35- Reichenberp' Hafnergsse 7-Teplltz, Masarykstraße 128-Trautenau,Kreuzplatz2 Wamsdorf IV., Vereinshaus Lr. 102 1. 9M 1935 Sette» *< WtyÜ Josef fcfiön 3M) 1 -F m Gl sind die leistungsfähigen Wirtschaftsunternehmungen der organisierten Verbraucher im nordböhmischen Nlederiand Auslands-Filialem Belgrad, Bukarest, London, Sofia er elegante Herr- trägt tuäOCho mi.td.Qr Glocken* Großgaststätte Deutsches Haus Prag, Grabe« 2« Volkskeller v 3>amen~3£onfcRtion Srunn, Jia pondrce Jefe/on 19152 tcddaektrnjupdiQ WakOLin. OKui/iaffQ^ faoffling&XLd. —■> flnglo-Cechoslovakische und Prager Creditbank VL'Wfcn., CDipdäm-juPcIia&hoslovahifcha *Rqpublik in tyxglLjj^owova.7. [ xxxzokxxxxxxxrnxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxnoorxxxxzvoooooooookxxxxxv! Rosemann& Spitz M Reichenberg Fabrik für automatische Bäckereimaschinen 52 Filialen in der Cechoslov. Republik 6 Exposituren in Prag Vorzügliche Speisen und Getränke bei Volkspreisen 7,1 Egerer Wtien-Dier AL 170 7.1 Pilsner Urquell.. AL 2-20 7.1 Tischwein, weiß.. KL 3'5O 29« Leitung: Dir. GchOniger 0A5 QUALIIATZBIkR 0ER ER5IEN AKTIEN-BRAUEREI IN EGER Mr DfiAHTGEFLKUTE T S.SEMLER-fi.H IRSCH . PltSEN- CVOKARSKÄ1W Parteigenossen, welche sich im Verbreitungsgebiet der WM- UBÖ SWWüMWIWMM" r.8.m.b.S..Sitz SMIm | befinden, decken ihren ganzen Bedarf nur in deren Dertellungsstellen! vor Nordböbmisebe Ronsum und 8i»arvere'm in Teich statt und die Rrbeiterbäckerei in Ruinburg Jn dßp^atvan VJannßptylpty 3um 3l3)ojembae 1934- haben um» in derfedwfl0vafcitfheii jteniMifc mehr alt u tGG Millionen »I/aW 8 VAVVNIMAHRElBL UHU ALLEIN MEHR Alf ßONlUJffi an un/QPQ l^fichßFÜan. und davon J tmjg&amt. JSbon^QFrichQPi^ t 1 1 M S£ 8| A K -EW« Seift 20 Sozialdemokrat Mittwoch, 1. Mar 1935. Nr. 1« >-wUWWdW6NFM>WWMW - ELBE Lebensversicherungsanstalt A. G.|| Schadenversicherungsanstalt A. G. Er* u. Ablebens-, Aussteuer-, Renten-, Erbs teuer- u. andere ähnliche Versicherungen mit und ohne ärztliche Untersuchung Telephon 36187 Feuer-, Einbruch-, Hagel-, Haftpflicht-, Unfall-, Transport-, Maschinenbruch-, Automobil-', Glasbruch- und Kranken- Versicherung bei freier Ärztewahl Telephon 21290 und 32714 PRAG U Närodnl 27 (im eigenen Hausei Spezialhaus für Bekleidung der Jugend „HIRSCH“, PRAG I., Zeleznä 14. Unser Erfolg ist kein Geheimnis, gute Qualität, Schnitte u. Stoffe. Teplitz-SCH., JO-GR, Graupnerg. 15 Schutzmarke Prag II., Lutzowova 55 Telefon: 25851 55, 20038, 26838, 31261-3, 22313 Telegrammadresse: MAYRAU PRAHA Werke: Kladno, Königshof, LibSice Erz-undKohlengruben-Erzeugnisse: Roheisen, Gußware, Rohstahl. Walzware, Halb- und Fertigfabrikate, Schrauben und Nieten. Kleinzeug. Thomasmehl. Kohle. 2934 Verlanget überall Volkszünder „C&Hjdette" spiegelt sich jetzt In unseren Schaufenstern I Wir zeigen reizende Roch- und Kleider-Complets mit halb-, dreiviertel- oder ganz langem, lose fallendem Mantel, auch klassische Schneider-Kostüme, unseren wasserdichten SLIP EL A in schönen Farben und vieles andere. COMPLETTE ELEGANZ Ist die Losung, von der Sie sich zwanglos bei uns Überzeugen könne! I die gute Damenkonfektion em« Jindriiskd 2 0. Riunione Adriatica di Sicurtä in Triest Aktienkapital und sonstige Garantlemlttel Ende 1933 Lire 903,770,831•— Gegründet 1832 Direktion für die Cecboslovakische Republik in Prag II, Im eigenen Fal.li, Ecke Nirodnl und Jungmanneva ttida Telefon-Nr.: 30751 Serie, 24772, 31090, 31091, 39497, 3MM Versicherungen auf Leben, gegen Feuer und Hagelschlag, Versicherung von Transporten gegen Beschädigungen, Diebstahl, Abhandenkommen, Einbruchsdiebstahl und Glasbruch-Versicherun- gen, Versicherungen gegen Betriebsstillstand infolge Brand, Versicherungen gegen Maschinenbruch, Unfall-, Haftpflicht- und Autoversicherungen. Ueber Wunsch werden von der Direktion Prospekte und detaillierte Kostenberechnungen gratis zur Verfügung gestellt Die FrihlingSmonatr, welche für die ganze Natur eine Regeneration bedeuten, eignen sich auch besonders für die bewährten HanStrinkkuren mit Biliner Sauerbrunn, denn auch hier wird eine Regeneration des ganzen Organismus erzielt durch Anreicherung des Körpers mit wertvollen Alkalien, durch Tilgung der schädlichen Säure» und durch Förderung der Ausscheidung von Harnsäuren Salzen. ARPAD-DAMPFMUHLE ERNST BACK NITRA erzeugt anerkannt erstklassige Produkte: Weizenmehle, Roggenmehle, Rollgerste(Graupe), Erbsen, Hirse in ihren Mühlen in Nitra, Vrable, Trencin, Ivanka bei Nitra und in der Nitraer Schälerei Gesamt-TascskipizHIl 30 Waggon» 2020 gg Unterstützet W sidie heimische§ W Papierindustrie W 2977 ZZZ SEIDEN•, WOLLE KOLLINSKY PRAG I.. RytlKkä 30 O TEPLITZ-SCHONAU. Haus Uhle G PILSEN, Haus Vesecky bietet das Modernste. Reichste Auswahl, beste Ware und bekannte Solidität in SEIDENWAREN UND WOLLSTOFFEN