15. Jahrgang Freitag, 3. Mai 1935 Nr. 103 EhzBiprals 70 Hellar (ainschli.Blich S Heller Porto) IENTRALORGAN »ER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova a. telefon«77. HERAUSGEBER 1 SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR« WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Wir sind der Trotz und die Kraft Der 1. Mai dokumentiert die Unerschütterlichkeit der Sozialdemokratie Der 1. Mai 1935, das war ein reini- n d e S F r ü h l in g S g e w i t t e r. Im Mtendeutschen Grenzland regiert das Gerücht, p Sozialdemokraten sind natürlich schon mause- A. Nur noch einige Krankönkassenbeamte und ^iisumvereinsangestellte würden diesmal für sie ^onstrieren, hieß es. Das Volk stehe bereits ge. M»ssen hinter Henlein. Nach dem Wahltag wird ^Ointopfpartei angeblich die Macht im deutschen Msete übernehmen. Die Posten werden bereits ^teilt. Man sieht schon die reichsdeutschen Mo- Wäfterien über die Grenze vorstoßen. Und den ^Snern droht blutige Abrechnung. ' Witt solchen Redensarten soll eine Panik- Innung in der deutschen Bevölkerung hervoräsen werden. Ein Nebel von Gerüchten soll M politische Blickfeld des einfachen Menschen dunkeln. Er soll unter dem Eindruck einer un» Maltsamen Entwicklung der sudetendeutschen Witik zum Fascismus stehen. Unser braver Par- ^»ldat, der in der vordersten Reihe steht, soll ^Terrordrohung und der Einschüchterung er- ^Sen. aka m d e r 1. M a i. Ein kalter, v^vsicher Frühlingstag. Ein Schneeschauer nach TAMderen rauschte über unsere Grenzberge Wrr. Da erscholl der rote Weckruf. Wie klan- M hell die Fanfaren unserer tapferen Jugend. Abegann sichs zu regen in den Gebirgsdörfern, §^hen Jndustriegemeinden, in den Landorten. W logen sie aus unsere schlichten Proleten, un- Arbeitslosen mit ihren verhärmten Frauen DW Kindern, unsere roten Holzhauer, unsere Ww-Kleinbauern: zu feiern ihren 1. Mai, zu ?°hen Sturm und Wetter, zu trotzen ihrer Not einer Welt von Feinden. Ueber die Stra- As und Plätze unseres Grenzlandes flatterten M und kühn die roten Fahnen, wogten unsere i^pssrohen roten Bataillone, donnerte ihr Frei» '^gruß. . C s wareinAufbruch wieam 0 v e m b e r. Das Volk ist aufgestanden, das Wsfende, das leidende, das darbende Volk un» M^renzlandes. Aufgeständen ist es wider die ZWe der Tyrannei und der Kriegsgefahr, für gerechten sozialen Forderungen, für die ^heit, für den Sozialismus. Wir haben es K notig, uns mit Propagandamärschen selbst Uchelügen. Soviel ist nach allen vorliegenden ^lchten gewiß, daß die diesjährigen Maifeiern Maiveranstaltungen der letzten Jahre an Mt und Größe weit übertroffen haben. In r^kn Kreisgebieten waren sie ein durch- gender Erfolg. Und das Gesamter- Mlil: die sozialdemokratischen Reihen stehen ».brschüttert nach fünf furchtbaren Krisenjahren. Rotzen auch dem Ansturm der fascisffschen Äile und Gewalt und ihrer gemieteten Söldner. Ärgerliche Parteien zerbrechen, manche wagen ^tsarnicht um ihren Besitzstand zu kämpfen oder Adersuchen, die Reste ihrer Positionen durch Me Wahlkompromisse zu retten. Die Partei der ^eiterschast aber, die am stärksten der zermal- Alden Gewalt der Krise ausgesetzt ist, sie hält BW sie formiert ihre Kampftruppen, sie be» Mcht die Straße, sie marschiert mit wehenden Ahuen dem dichtesten Kampfgewühl zu. So Mchen glanzvollen Mastag haben unsere ??dnde erlebt in viereinhalb Jahrzehnten, viele Erinnerungen find damit verbunden, aber diesen stürmischen Kampf-Mai dürfen wir stolzesten sein. Er hat eine Härte der Gesin- Adtz geoffenbart, eine Treue ohnegleichen und ?^lDpfernust der Arbeiterschaft, vor der auch ihre Feinde das Haupt in Demut neigen müßten. Groß ist die politische Bedeutung der diesjährigen Maikundgebungen. Sie haben die Nebel der Panikmacherei zerfetzt, mit denen das Fasci- sienpack den gesunden Verstand der arbeitenden Bevölkerung umnachten wollte. Weithin sichtbar ist die sozialistische Kampffront wieder in Erschei- nung getreten. Den fascisffschen Lästermäulern ist durch die Aufmärsche der Arbeiterschaft Schweigen geboten worden. So war es im deutschen, so war es im tschechischen Staatsgebiet. Nichts wird es mit der schon tausendmal Prophezeiten Vernichtung des Marxismus! Nichts wird eS mit der Beseitigung der Arbeiterrechte«nd der republikanische» Freiheiten! Das demokratische Regime in der Tschechoslowakei hat»ach wie vor eine imponierende Mas- seabasis und es wird sie auch nach den Wahle« habe«. Das ist die Lehre des Maitages für unsere Gegner, die auf sie wie ei« kalter Guß der Eruüchteruug gewirkt habe« mag. Das war ein prächtiger Auftakt zur Wahl- entscheidung. Das Schwerste ist noch zu tun. Das Ringen um jede Arbeiterseele, der Kampf um jedes Dorf, um jede Häuserzeile muß noch auS- gefochten werden. Der durchwegs schwache, zumeist aber klägliche Verlauf der kommunistischen Maifeiern zeigt, daß die arbeitende Bevölkerung in Stadt und Land das Gebot der Stunde verstanden hat, sich zu einigen unter dem Banner der Sozialdemokratie gegen jede Reaktion. Guten Mutes und mit neugestärktem Glauben an die Sache können wir in die Wahlentscheidung gehen. Dieser Maitag hat bewiesen, daß die Ideale des Sozialismus, daß proletarischer Trotz«nd hoch- stürmender Freiheitswille unausrottbar verwurzelt sind i« de« Herze« des sudeteudentsche» Ar« beitervolks. Heerschau vor der Schlacht Der Verlauf unserer Maifeiern Kreis Bodenbach- Aussig-Warnsdorf Trotz der kalten Witterung, trotz Schnee Und Wind waren die heurigen Maikundgebungen in»ie- sem Wahlkreise stark besucht. In Aussig marschierten die Anhänger der sozialdemokratischen Bewegung in einer Masse auf, wie man dies seit langem nicht gesehen hat. Weit über 50 0 0 waren im Zug, noch einge Tausend mehr versammelten sich am Marktplatz, wo die Staatsflagge flankiert von den roten Fahnen der Arbeiterorganisationen wehte. Ein symbolisches Fe st s p i e l unter Leitung des Genossen Nanninger leitete di« Feier ein, worauf Chöre mit Musikstücken folgten. Den Vorsitz führte Genosse I ent sch, die Festrede hielt Genosse Pölzl, kür die tschechische Sozialdemokratie Genosse Dr. Cha:- v a t. Die Henleinleute standen betrübt an den Str,»» ßenecken, die Kommunisten brachten ganze 200 Mann auf. Bodenbach Auch in diesem Bezirke konnte man den starken Kampfwillen unserer Genossen beobachten. Die Lokalorganisationen hatten Vorfeiern veranstaltet, die durchwegs volle Säle aufwiesen, Falke l z ü g e mit starker Beteiligung fanden statt, eine Unzahl von Höhenfeuern verkündete weit h'n- aus ins Land, daß die Sozialdemokratie bereit ist, mit aller Kraft in den Wahlkampf zu treten. An dem Festzug in Bodenbach nahmen 5000 Personen teil, drei Viertelstunden dauerte der Vorbeimarsch. Am Masarykplatz fand die Kundgebung statt; Genosse Richard Reitzner sprach, nach ihm für die tschechische Bruderpärtei Genosse Dr. B 0 r 0- vansky. Störungsversuche der SHF wurden glatt und nachhaltig abgewiese.n. M>t dem Gesang der„Internationale" schloß die Feier. Im Böhm. Kamnitzer Bezirke waren am Vortage eine Reihe von lokalen Feiern glänzend besucht.. Am 1. Mai selbst marschierten die Gruppen um 10 Uhr vormittags bei Schneegestöber und eiskaltem Wind auf. Mit Fahnen und Musikkapellen zogen 4500 Menschen daher. Genosse Janich führte den Vorsitz, Referent war Genosse Löwh, Walter für die Jugend und Kovari! für oie tschechische Sozialdemokiptie. Auch in Bensen war der Maiaufmarsch überaus eindrucksvoll. Als erster Festredner sprach Genoss« S ch w e i ch h a r t, als zwefter ein Jugendredner. Die Stimmung der Teilnehmer war ausgezeichnet.— Der Schützenhaussaal in Wernsiadt war übervoll. Genösse Schweizhart sprach unter lebhaftem Beifall.— In Auscha sprach auf dem Marktplatz Genosse Kahabka, die Henleinleute versuchten die Kundgebung zu st ö r e n, worauf Gendarmerie einschritt. Dir Versammlung konnte ohne Zwischenfall zu Ende geführt werden. In*■' Böhm.-Leipa war die Beteiligung stärker als im Vorjahre, Redner war Genosse R e y z l. Die Teilnehmerzahl b:- trug hier 1200. In Haida sammelte sich alles beim Kino in Arnsdorf und zog auf den Arbeitersportplatz. Dort eröffnete Genosse C h r i st 0 f die Kundgebung, es sprach zunächst der Jugendgenosse Bürgern, eist er, sodann Genossin Kirpal. Anschließend fand ein Umzug start. Die fascistische Kundgebung war trotz der Verstärkung aus Leipa schwächer als die unsere. Auch in Leitrneritz war die Beteiligung ungleich größer als im Vorjahre. An der Kundgebung auf Marktplatz nahmen 2000Personen teil. Tschechisch sprach Sra- m e k(Aussig), deutsch Genosse Schwarz(Auscha). Di« Kundgebung wurde mit der Staatshymne abgeschlossen. Im ärgsten Krisengebiet in Zwickau, fand seit der, Spaltung zum erstenmal wieder eine öffentliche Maifeier statt. 800 Teilnehmer waren gekommen, Genosse Schaubschlä- ger gab bei der Eröffnung seiner Freude Ausdruck, daß es seit 14 Jahren wieder möglich sei, in Zwik- kau eine sozialdemokratische Maifeier zu veranstalten. Referent war Genosse K ö g l er, nach seiner Ansprache fand ein Umzug statt. In Rumburg fand eine überaus eindrucksvolle Kundgebung um 3 Uhr nachmittags auf dem Marktplatze statt. Der Versammlung ging ein imposanter Aufmarsch voraus. Genoss« Böhm eröffnete die Kundgebung, für die ffchechische Sozialdemokratie sprach Genosse R i h a, für die deutsche Jugend Schimmel, für die Partei Kügler. Begonnen wurde die 5bmd- gebung mit der Staatshymne und»Internationale". Die Zähl der Teilnehmer wird auf 2 0 0 0 geschätzt, die- Kundgebung der Kommunisten zählte 250 Besucher. Kreis Teplitz-Saaz Die heurige Maifeier in Teplitz-Schönau war außerordentlich gut besucht, die Referate hielten die Genosjen Dr. Ludwig C z e ch und Jirous, ferner sprach eine ffchechische Genossin und ein Jugend- genösse. Der Umzug hatte außerordentlichen Eindruck gemacht, es haben schätzungsweise 12.000 bis 15.000 Menschen teilgenommen. Besonders- ein drucksvoll war die Rede des Genossen Dr. Czech. D«e Kommunisten brachten zirka 400 Personen auf und auch die Henleinkundgebung war viel schwächer als die unsere. In Lobostft nahmen an unserer Kundgebung etwa 800 Mensch-n teil, sie war stärker besucht als im Vorjahre. Für unsere Partei sprach Genosse Rudolf Geißler un» für die ffchechische Genossin Svab 0 vä aus Schlau. Ein« kommunistische Kundgebung gab es dort nicht. Auch in Dux war der Besuch außerordentlich gut. Für die Partei sprach Senator Genosse Carl Heller aus Teplitz, für die ffchechischen Genossen Genosse Martinek. In BUin fand die Maikundgebung am Nachmittag statt, auch da war der Besuch besser als im Vorjahre. Die Referate hielten Genosse Seidel(deutsch) und Genosse Soukek aus Brüx(ffchechisch). Unsere Kundgebung war dreimal so stark besucht wie die Henleinkundgebung und hinterließ einen sehr günstigen Eindruck. Brüx , In Brüx fand die Maifeier am Vormittag statt, sie war weitaus stärker besucht als im Vorjahr».. Auf dem Svehlaplatz waren etwa 5000 Menschen versammelt; die Referate hielten Abgeordneter Genosse Kaufmann(deuffch) und Genosse Hladky(tschechisch). Bei der Maifeier in Brüx brachten die Kommunisten 450 Personen auf, das Referat hielt der Kommunist Smeral. Die ffchechischen Nationalsozialisten beteiligten sich bei ihrer Maikundgebung mit zirka 800 Personen und die ffchechischen Fascisten mit 500 Menschen. Bei den Henlein-Leuten wurden 1300 Personen im Umzuge gezählt. In Oberleutensdorf nahmen an unserer Maifeier im Umzuge 2 0 0 0 Personen teil, die Kundgebung selbst war noch viel stärker besucht. Das Referat erstattete Genosse Kleiner. In Katharinaberg im Erzgebirge beteiligten sich an der Maifeier zirka 500 Personen, die sich trotz dem furchtbaren Schneetreiben nicht abhalten ließen. Auch hier war unsere Kundgebung stärker als di« der Henleinleure. Für unsere Partei sprach Genosse Ferdinand Bund. Komotau In Komotau haben fremde Journalisten unsere,, Zug gezählt: etwa 6000 Arbeiter«nd Arbeiterinnen und 650 Kinder. An der Versammlung am Marktplatz selbst nahmen gegen 10.000 Personen teil. Das ’cite 2 Freitag 3. Mai 1935 Nr. 103 Referat hielt Goiosse Hubert Leinsmer in deutscher und Genosse Mariskü in tschechischer Sprache; für die Sozialistische Jugend sprach Genosse Kleiner.'''s In Seiastiansberg beteiligten sich an unserer Maifeier zirka 600 bis 600 Genossen, das Referat hielt Gen. Dietz.— Heinrichsdorf wies ebenfalls «ine Beteiligung von 600 bis 600 Personen auf. Abg. Genosse Franz Kaufmann hielt dort die Ansprache. Saaz In"Saaz fand unsere Kundgebung am Vormittag statt, die weit besser besucht war als im bongen Jahre; eS waren zirka 3000 Teilnehmer versammelt. Das Referat hielt Genosse Richard Lorenz in deutscher und Genosse BlaZek aus Laun in tschechischer Sprache, für di« Sozialistische Jugend sprach Genosse W a l d e r t. Die Kundgebung nahm einen schönen und ungestörten Verlauf urd hinterlieh einen guten Eindruck.— Bei der kam» munistischen Kundgebung in Saaz nahmen ein Radfahrer und 64 Fußgänger teil; die ganze Ver- anstaliung machte einen kläglichen Eindruck. In Postelberg fand die Kundgebung am Vormittag statt; sie war bedeutend besser besucht als im vorigen Jahre. Es sprach für unsere Partei Genosse Franz Müller auS Lang-Ugezd. Die Kommunisten wollten zu unS stoßen— neun Kommunisten und zwei Redner.,. Die Leute lachten über diesen Demonstrationszug und die„kommunistische Beteiligung" an unserer Veranstaltung wurde abgelehnt. Kreis Karlsbad Leder eine noch nie dagewesene Beteiligung an den diesjährigen Maifeiern kann aus Westböhmen berichtet werden. Trotz schneidender Kälte und Schneetreibens sind die Arbeitermassen aus den einzelnen Orten in unerwartet großer Zahl in die Bezirksstädte gezogen und dies ost stundenlang weit in mangelhafter Bekleidung. Da besonders bei den von auswärts kommenden eine Zählung sehr zuverlässig ist, konnten die Bertraurns- männrr dieser Orte durchwegs mit Stolz von einer größeren Beteiligung berichten. Einzelne Gemeinden wetteiferten geradezu darin, die anderen hinsichtlich der Teilnehmerzahl zu übertreffe«. Bei allen Kundgebungen herrschte eine Begeisterung, wie sie nur sieggewohnten Massen innewohnt; und eine geradezu stürmische Zustimmung zu den Ausführungen der Redner, die sich natürlich in erster Reihe mtt dem bevorstehenden Wahlkampf befaßten, zeigte den Gegnern, daß die klassenbewußte Arbeiterschaft alles daran setzen wird, um di« Hoffnungen der Heimatfrontler zuschanden zu machen. Die größt« Beteiligung hatte die Maifeier.in Karlsbad' aufzuweisen. 22 Fackelzüge in den Bezirksorten bildeten die Einleitung am Vortage. Mit fast militärischer Püicktlichkeit trafen vor 2 Uhr nachmittags die nicht endentvollenden Züge auf dem Sammelplatz in Karlsbad ein. Ein großes Radfahreraufgebot, daS zugleich für das Bundesfest des Aruk Propaganda machte, leitete den Zug ein, dem starke Ordnerkolon- nen das Gepräge gab?n. Viel Jugend, viel Frauen und Männer zogen unter dem Spiel'von zehn Musikkapellen, Trommlern und Fanfarenchören, von den auf der Anhöhe versammelten hunderten Kindern stürmisch begrüßt, nach dem Becherplatz, der die Massen kaum zu fassen vermochte. Rach polizeilicher Schätzung nahmen um 2000 Menschen mehr als tat Vorjahre an-der Kundgebung teil, In der als erster-Redner Genosse De Witte dix Gefahren«ineS Henlein- Sieges gerade für die Kurstadt Karlsbad aufzeigte und das feig« Verhalten des Bürgertums in den Umsturztagen kennzeichnete. Für die tschechischen Genossen legte Genoss« Vondrak ein Gelöbnis für die innigste Zusammenaicheit zwischen tschechischen und deutschen Sozialdemokraten ab, worauf der Obmann des KeramarbeüerverbandeS, Genosse Neumann aus Teplitz, die Kampfverbundenheit zwischen Partei und Gewerkschaften als Voraussetzung des endgültigen Sieges aussprach. Graslitz Im Graslitzer Krisenbezirke wurden ü m 4 0 0 Menschen mehr gezählt als im Vorjahre, die in einem imposanten Zuge,' bei dem besonders die Rothauer Arbeiterschaft ein großes Kontingent stellte, zum Marktplatz zog, wo Genosse S ch a r i n g über die Bedeutung der Maifeiern vor dem Wahlkampfe sprach. In einem Umzuge, den die Hen- lei nfrontler am Vorabend veranstalteten, marschierten die Fabrikanten Kohlert, Stark und Fuchs, damit die Volksgemeinschaft der Fabrikanten illustrierend. Falkenau In Falkenau wurden zwei Maifeiern, und zwar in Falkenau selbst und in KöuigSterg veranstaltet, auch hier gab eS einen Massenaufmarsch mit großer Teilnchmerzahl. In Falkenau sprach Genosse Wondra! auf dem Marktplatze vor einer zirka 4000 zählenden Menschenmaffe, nach ihm der tschechische Genosse Slomitzky aus Prag. In Königsberg nahmen 2400 Mensche« am Umzug« teil. Genösse Katz erhob scharfe Anklage gegen die nationalistischen Volksbetrüger, worauf ein tschechischer Genosse«inen Schwur auf die rote Fahne leistete. Mit besonderem Interesse wurde der Maifeier in Neudek entgegengesehen, die zunächst mit Rücksicht auf di« kürzlich vorgefallenen Ereignisse bei der Henlein- demonstration verboten worden war. Das Verbot wurde erst ün letzten Augenblick zurückgezogen. Obwohl im oberen Teile des Bezirkes eine Maifeier in Bäringe» veranstaltet wurde, kamen nach teils stundenlangem Marsche über 5000 Mensche« in Neudek zusammen. Der Ort-Bernau allein stellte über tausend Besucher. Trotz des heftigen Schneegestöbers, das während der Marsches durch die Stadt und die ganzen Kundgebungen wehte, rührte sich kein Mensch von der Stelle. DaS Referat erstattete, von leidenschaftlichen Zustimmungskundgebungen wiederholt unterbrochen, Genosse H o r n aus Karls« bad. In einem, wirkungsvollen. Schlußwort-tmet-Ge« noffe 3 i ck e r t die Lüg«7U»tldung«».' istr GoebbelS- funkes zurück. Es^kam zu keinerlei Zwischenfällen. Petschau marschierte daS rote Proletariat in einer noch stattlicheren Anzahl als im Vorjahre auf. In Weipert prangerte der Redner bei unserer Kundgebung unter stürmischem Beifall di« Methoden der Henleinnazi» an. Beim Abmarsch unserer Teilnehmer überfiel ein Henleinmann auS Maierhöfen einen Arbeiterradfahrer und schlug ihn. Der Mann wurde von der Gendarmerie sofort f e st genommen. Die Maifeier in Pobersmtt wurde wieder mtt den tschechischen Genossen gemeinsam abgehalten, die Beteiligung war hcu«r doppelt so groß als im Vorjahr, obwohl im gleichen Bezirk noch eine zweite Maifeier in I e ch n i tz veranstaltet wurde. Es sprach Genosse Schneider aus Kaaden und Genosse Konza aus Prag. In Willomitz konnte nach vielen Jahren wieder eine eigene Maiveranstaltung durchgeführt werden, die der Partei«inen vollen Erfolg brachte. Genosse Siegmund aus Weipert erntete mit seiner Ansprache Mimischen Beifall. An der Kundgebung nahmen auch einige kommunistische Arbeiter teil. Ein großer Prozentsatz der Henleinleuk, die in einem eigenen Aufmarsch aufzogen, waren früher Kommunisten, In Jechnitz war die Maifeier von 200 Personen besucht. Genossin Schaffer aus Karlsbad überzeugte das Landvolk von den Vorteilen der Regierungsteilnahme der Arbeitervertreter für die kleinen Leute aus Stadt und Land. Ein Demonstrationszug schloß die Feier ab. Eger erlebte einen überaus imposanten DemonstrationS- zug, an dem besonders die starke Beteiligung der Jugend, der Turner, der Frauen und eine imponierende Ordnerschaft auffiel. Das Referat erstattete Genosse Dr. Franzel. Ei«« riesige Manifestation in Wildstei« Die Drohungen der Honleinleute und die freche Ankündigung der„Rundschau", unsere Genosse Katz dürfe in Wildstein nicht mehr sprechen, haben bewirkt, daß die Wildsteiner Kundgebung zu einer riesigen proletarischen Manifestation wurde, wie sie die Stadt noch nie gesehen hat. In Mndenlangen Märschen kamen die Arbeiter aus dem Wildsteiner Elendsbezirk, so daß der Wildsteiner Marktplatz sich fast als zu llein erwies, um die Massen zu fassen. Genosse Katz rechnet« in einer machwollen Kundgebung mit den Henleins gründlich ab. In Liebenstein sprach Genosse Dr. Franzel. Im Bezirk Elbogen gab es wieder zwei Kundgebungen; in Choda» und in Schlaggenwald. In Chodau betrug allein die Zahl der manifestierenden ' Frauen tausend.(Redner Abg. Genosse Müller, Aussig.) Krals Reichenberg Wie im Vorjahre war auch Heuer in Reicfienberg die Maifeier der Sozialdemokraten stärker als die der Kommunisten, sowohl beim Umzug als auch bei der Kundgebung. Deutsche und tschechische Sozialdemokaten hielten das Meeting am Theaterplatz ab, wo...die Genosse». Rosöder deutsch und Reöas kschtchisch Drachen. Unser Umzug war sehr wirkungS- 'boll und bot ein farbenreiches Bild dar. Außer den Jugendlichen in ihren blauen Hemden und deutschen und tschechischen Arbeitersportlern fiel besonders die stark verketene RW auf. Die Kommunisten,, deren Umzug an Stärke hinter dem unseren zurückblieb, zeigten aber auch wenigDisziplin. Ihre Reihen waren sehr ungleichmäßig und ein besonderes Merkmal war, daß sich an denkommuniftischenZug ohne weiters eine«roße Truppe Henlein» leute anschloß, die dann Flugblätter an die „Roten Arbeiter" verteilen konnten. Daß derartiges in Reichenberg den Kommunisten passieren kann, zeigt Wohl mehr als alles andere den Verfall der Kommunistischen Partei. Die Maikundgebung der Hen- leinleute wurde polizeilich untersagt. Bei d«r mustergültigen sozialdemokratischen Demonstration wagt« die Henlein-Leut« keine Provokationen. S In Kratzau referierte Genoss« U h I in deutsche und Genosse S u ch h in tschechischer Sprache.' Lut hier war unsere Kundgebung eindrucksvoll und stärk« als im Borjahr. In Kratzau hatten auch die Km' munisten und Henlein-Leute Maikundgebungen. In Grottau nahm die Kundgebung«inen glänzen den Verlauf. RW u. Arbeiter-Radfahrer verschönere ten das Bild,'sehr stark Kaken auch die Frauen in 8r> scheinung. Das Referat hielten Genosse Petek Schmidt deutsch und Genosse I a n o t a tschechish- Di« kommunistische Kundgebung war schwächer aö unsere. Die Henlein-Leut« begnügten sich damit, i* der Nacht die Fenster zu beschmieren und zu kleben. Sämtliche in Gablonz geplanten öffentlichen Aufmärsche am 1. Mai wurdet am 80. April von der Bezirksbehörde verbot» Unser« Gablonzer Genossen hatten daraufhin Schritte eingeleitet, damit die Maikundgebung st einem Saal erfolgen kann. Unsere Kundgebung st» im Saale des Hotels Schwan Mtt und war tnuP senh aft besucht. Das Referat der GenrM Rehwald in deutscher und des Genossen Nov«! in tschechischer Sprach« wurde mit besonders starken Beifall ausgenommen. Stärker als im Vorjahre war Heuer die Friä' länder Maidemonstration. Die Referenten, Genest R e h w a l d(deutsch) und Genosse R e i a s(tstst' chisch), wurden wiederholt durch Beifallskundgch^ gen unterbrochen. Die Kundgebung war ein Hektik Wahlauftakt. 1200 bei der Kundgebung in Tannwald Bei Tagesanbruch war das ganze Gebirge v" einem Winterkleid überzogen. Schnee und Kälte M ten aber die dort so schlecht gekleideten Gcbirg^ nicht ab, in Massen zu der Maifeier zu marschieret Die RW aus dem Kamnitztale bildete die Borst« ihnen folgten di« anderen. Trotz Kälte und hielten die Massen Mnd und lauschten den Worten*^ Referenten. Es sprachen Genosse H a w e l aus chenberg deutsch und Genosse Bren tschechisch." der Kundgebung beteiligten sich gegen 1200 Personen Es war di« stärkste sozialistische Kundgebung fest W letzten Jahren. In Rochlitz an der Jser sprach im Gafch^ Mähwald Genosse H a w e l aus Reichenberg. wl Ausführungen fanden lebhaften Beifall.- Kreis Prag Trotz ungünstiger Witterung war die ligung an der Maifeier in Prag im heurigen 3$ viel stärker als früher. Der sozialdemokratisch« mit fast zwanzigtausend Teilnehmern, 700 Mitgliedern der Bezirksorganisatton Prag deutschen Sozialdemokratie, welch««inen selbständig geschlossenen Abschnitt bildete, zeigte den'Ausstieg Sozialdemokratie in"bet Hauptstadt"Hinter Aufmarsch blieben die anderen Parteien zurück,^ wohl z. B. das Närodni sj«dnoc«nt weither aus der Provinz Leute zusammengeE hatte. Auf der sozialdemokratischen Manifestation^ der Slawischen Insel sprach als einziger tschechisch und deutsch der Vorsitzende der tschechiW sozialdemokrattschen Partei Genosse Hampl. j An einigen Stellen versuchten Anhänger. W Närodni sjednoceni den sozialdemokattschen J stören. Die Provokateure wurden an Ort und pj darüber belehrt, daß dies kein ungefährlicher Bens7 war. Bei dieser Gelegercheit gingen auch«if? Fahnen und Transparente der JndusKiellenpartnl Fetzen^ v Roman von Emil Vachek Deutsch von Anna Aurednltek Sie wimmelten an allen Kreuzungen und als sich Herr Holina in der Nähe des Rathauses hinter seine Zeitung versteckte und tat, als sei er ins Lesen vertieft/ gab Beinsteller augenblicklich seine Arbeit auf. Ohne das Jubiläum hätte Beinfteller nach all den Mißerfolgen heute jede Arbeit unterlassen. Es gibt gerade und frohe Tage, sie gleichen einer Landstraße im Frühling. Da geht alles glatt vor sich. Es gibt aber Tage voller Felsen, Dornen und Pech, da den Menschen bei der ersten Straßenbie- gung schon Unglück erwartet. Wer beim ersten Angelauswerfen Pech hat, wird beim zweiten Versuch gewiß gleich erwischt und beim dritten hat man ihn beim Schopf. In diesem FaU mutz man zwischen sich und das Schicksal einen Tag stellen. Beinsteller wußte aus Erfahrung, daß das Unglück einer Krankheit gleicht und sich mit Zeichen ankündigt. Diesmal durfte er aber weder böse, Zeichen noch die Weisheiten der Diebstradition beachten. Er hatte beim Selcher Zuzak für drei Uhr nachmittags einen Schinken bestellt. Dieser sollte der Glanzpunkt der Jause sein und.das Geld für diesen Schinken mußte er sich erst beschaffen. Vor zwei Uhr spazierte er, von seinen Eheritbinen gefolgt, harmlos längs derSchienen, auf dem Haupt, platz der Kleinseite. Er hatte die Absicht, in den Taschen eines Rates vom Landesgericht- zu pirschen. Dieser war der imaginäre Feind, der bei den geheimen Sitzungen präsidierte und fünfmal bereits die Strafe Beinstellers erhöht hatte. Es nahte die Stunde, in der alle staatlichen Aemter geschloffen werden, bisher war aber noch kein Landesgerichtsrat angetanzt. Beinsteller wurde nervös. Die Turmuhr an der St. Riklas- kirche rückte der Grenze näher, da der letzte hungrige Beamte den letzten Andrang auf dem Trittbrett der Elektrischen verursacht. Dann hieße es auf jede weitere Hoffnung verzichten. Wieder war eine Elekkische davongefahren; sie war voll von hungrigen Paffagieren. Beinsteller stieß einen Fluch aus. Auf der Straße waren nur drei kleine Reisende zurückgeblieben-— die drei Kadetten: Karl, Pepi und Franzi, der heute seine erste prattische Uebung absolvieren sollte. Nur vereinzelte Fußgeher kamen vorbei. Keiner davon war der Landcsgerichtsrat. Im letzten Augenblick, da eine größere Gruppe Herren auf die Elekkische wartete, die schon hinter der Ecke ratterte, stürzte endlich der Richtige heran. Beinsteller erkannte ihn auf den ersten Blick. Er war groß, stark, kaum vierzig Jahre all. Die goldene Uhrkette, die keinem LandesgerichtSrat fehlt, baumelte siegreich. Die Lippen waren zu einem diskreten Grinsen geschürzt. Er kam vom Strafgericht. Er überragte alle um einen halben Kopf: der Präsident! Bist ein braver Bursche, dachte Beinsteller. Dich werde ich eigenhändig abräumen, das wird eine Freude sein! Er verspürte dabei ein starkes beglückendes Vibrieren der Nerven, war voller Unternehmungslust, wie vor jedem Start, und seltsamerweise überzeugt, daß alles glatt vor sich gehen werde. Seine Augen erteillen Karl den Befehl: Ihm nach! Mtt zuckenden Nerven sah er, wie sich Karl von hinten an den Mann drängte, wie Pech und Franzi ein Gedränge markierten, um die notwendige, segenbringende Verwirrung herzustellen. Er selbst stürzte sich in den Menschenknäuel, arbeitete mit Ellenbogen und höflichen Entschuldigungen und war gerade bet seinem Mann angelangt, als di« Elektrische hielt. In dem Haufen entstwnd eine wilde Bewegung. Kaü legt« sich mtt seinem gan zen Gewicht an den Rat, feffelle dessen Aufmerksamkeit, während Beinsteller auf dem Trittbrett stehend, beide Hilfsstangen umllammerte und rief: »Bitte schon, fahren wir zum Belvedere?" Geschrei, Spott und Drohungen. Beinfteller drehte sich ungeschickt herum, er spürte, daß seine Fingerspitzen mit dem besten Fluidum der Welt geladen waren, er warf sich auf seine Beute und diese fluchte:„Donnerwetter, noch einmal!" Der Knäuel drehte sich und Beinsteller samt Karl waren auf dem Platz, der Rat aber in der Elektrischen. Im nächsten Augenblick standen alle vier im Bogengang nächst dem Montaghaus. Beinsteller erhitzt und besellgt, mtt faunisch leuchtenden Augen, betaMte ein ansehnliches Portefeuille in seiner Tasche, daneben eine silberne Uhr mit goldener Kette. Er hatte ja gewußt, daß die Arbeit glatt von, statten gehen werde, deshalb hatte er diese Meisterleistung gewagt, den Doppelgriff, der nur zwei- oder dreimal im Leben gelingt. ' Ihm war er socken zum elftenmal gelungen... Auch Karl war zufrieden, denn er ar- bettete auf eigene Faust. Er hatte aus der Hose des Herrn Rat die Geldbörse mit dem Kleingeld gestohlen. Die Buben konnten sich zur Feier der Ereignisse einen Jndianertanz nicht versagen. Beinsteller schnaufend, aber noch glückselig erregt, sagte nur:„Wie«in Schaf!... Und das ist der Rat vom Allerobcrsten, vielleicht sogar der Herr Vizepräsident!" Nächst dem Klein-Seitener Brückenturm steht ein kleines Wirtshaus, das in den Nachmütags- stunden immer leer ist. BeinMller bestellte etwas für di« ausgehungerten Kadetten. Er selbst, viel zu aufgeregt, begnügte sich mit einem Krügel Bier. Er konnte nicht erwarten, daß der Kellner die leeren Teller der Kadetten davontrug. Endlich waren sie allein. Mtt zitternder Hand, langsam, legte Beinsteller die Brieftasche auf den Tisch. Ein Portefeuille öffnet man stets wie ein Los. Ein Rätsel. Es gab ja Fälle, daß sogar Tisch liegt etwas andres. „DaS ist amtlich", flüstert Karl. Ein photographischer Film! (Fortsetzung folgt.). Zckntausender darin gefunden wurden. Manchs mal lagen aber nur schmutzige Legitimationen unbezahlte Rechnungen darin. BeinstellerS£9 ternde Nase zittert, ein Schweißtropfen steht A auf. Er spricht:„Paßt auf, Buben: Eine das ist immer ein Fonds. Heut liegt mir gar dran, was drin ist, wenn es nur auf den ken langt. Aber je mehr es ihn schmerzt, J9 Herrn Präsidenten, desto besser. Hab' ich recht? Ich glaub', daß genug drin sein Schauts her, Buben, wie dick die Tasche ist'^i „Nur los, Herr Beinsteller, nur lo-"<; sterte Karl,„ich brenn' schon vor Neugierta^ „Das ist aber auch eine Tasche!" Beinsteller beseligt, sein Glücksgefühl kann der nachfühlen, der auch schon gestohlen Ja „Wenn sich der Mann gerade einen Vorschuß E gefochten hätte!" Endlich macht er die Tasche auf. Sie ist ler Papiere. Papiere l Die Eherubinen sind niedergesch^ tert. Papiere! Ein gefalteks Papier liegt A dem andern. Beinsteller ist in Schweiß Er zieht ein Papier nach dem andern heraus^ es hat noch immer kein Ende. Dumme Pap>A weiter nichts. Nirgends Geld.„Rechnung:^' fragt Karl mit heiserer Stimme. „Ich bin ganz blöd davon", brummt EM stell«.„Himmel kruzi noch einmal, am war der Kerl Reisender in Papier!" „Was steht denn drauf?" frägt der .vielleicht sind- ganz besondere Papiere." steiler hält schon einen Stoß von Durchschlägt^ der Hand. Er läßt sie unbeachtet, hofft immk^i etwas besonderes zu finden. Tatsächlich. ist es^mit den weichen, raschelnden Papieren." dem «r. 103 Srettag, 3. Mak 1835 Sekte 3 Der Henleinzirkus verunglückt Sozialdemokraten als Samariter— Der von Henleinleuten verletzte Genosse Zischka bringt den Verunglückten erste Hilfe Freiwaldau, am 1. Mai.(Eigenbericht.) Heute in den späten Vormittagsstunden kam es im BezirL Freiwaldau zu einem schweren Autounglück. Ein mit der SHF-Kapelle besetzter mächtiger Autobus, der im Gefolge Konrad Henleins in den letzten Tage« durch Mähren und Schlesien zog, erlitt im verschneiten Altvatergebirge einen schweren Anfall, dem viele Schwer- und Leichtverletzte zum Opfer fielen. Im Krankenhaus i« Freiwaldau befinden sich mit Arm-«nd Knochenbrüchen und inneren Verletzungen eine ganze Reihe der Verunglückten. Zu diesem Unfall erfahren wir folgendes: l* Am 1. Mai fuhr die Kolonne Konrad Henleins von Römerstadt über das Altvatergebirge »ach Freiwaldau. Die ersten Wagen, in denen sich Henlein und sein Trotz befand, fuhren rasch daraus, während der mit den Musikern der SHF« Kapelle besetzte große Autobus den Abschlutz bildete. Hinter der sogenannten„Gabel", zirka rme» Kilometer vor dem Ort Walden bürg, geriet der Wagen, der anscheinend schneller fuhr, als bei dem abschüssigen Terrain und den verschneiten Wegen ratsam war, plötzlich ins Schleudern. Der Auwbus, dessen Lenker die Herrschaft über ihn verloren hatte, fuhr mit großer Schnel- ligkeit auf eine Böschung, kippte dort um und überschlug sich. Im Innern des Wagens, der, wie unsere Bilder zeigen, mit den Rädern nach oben liegen blieb und schwer beschädigt wurde, entstand«in fürchterliche sDurch- einander. Der Zufall wollte es nun, datz knapp hinter dem Henleinzirkus der sozialdemokratische Listen« sührer im Olmützer Wahlkreis, Genosse Rudolf Zischka gemeinsam mit dem Jugendsekretär Genossen Willi Schön von Römcrstadt zur Maikundgebung nach Freiwaldau fuhr. Unsere Genossen waren Zeugen des Unglücks. Genosse Zischka eilte sofort zur Stelle der Katastrophe, wo er erst feststellte, datz der Autobus zur Henlein- kolonne gehörte. Inzwischen waren zwei oder drei Personen aus dem Autobus herausgekrochen, so datz Genosse Zisckka den Umfang des Unglückes» feststellen konnte. Nach der Ermittlung, datz kein lebensgefährlich Verletzter zu bergen war, erklärte sich Genosse Zischka sofort bereit. Hilfe zu holen. Er fuhr in rasendem Tempo nach Freiwaldau und alarmierte die Rettungsstation und die G e n d a rm e r ie. Er selbst eilte auch sofort wieder zurück an die Unglücksstelle, wo sich die Leichtverletzten der Schwerverwundeten bereits angenommen hatten. Hiezu mutz in Erinnerung gerufen werden, datz Genosse Zischka erst am letzten Samstag in Schnobolin von He»leinordnern niederge sch lagen wurde; Spuren dieser barbarischen Kampfesweise sind heute noch an ihm sichtbar. Trotzdem erfüllte Genosse Zischka, ohne auch nur eine« Augenblick zu zögern, den Politi- schen Gegnern gegenüber in vorbildlicher Weise seine Menschenpflicht! Die SHF-Musiker machten, als sie sich von ihrem Schrecken etwas erholt hatten, erstaunte G e s i ch t e r, als sie unseren Genossen, be r ihnen als besonders aggressiver„marxistischer Untermensch" geschildert worden war, an Blauhemd, roter Nelke und Binde als den Mann erkannten, der ihnen erste Hilfe brachte. Das Verhalten des Genossen Zischka, daS den in sozialdemokratischen Kreisen üblichen Anschauungen über Menschlichkeit entspricht, steht in einem'grellen Kontrast zu dem Vorgehen der Henleinfascisten. Man sieht sich unwillkürlich veranlasst, einey Vergleich zu ziehen mit der Haltung jener schuftigen Gesellen, die nach den blutigen Vorfällen von Heinzendorf bei Braunau dem zur Hilfeleistung bestellten Arzt die Pneumatik durchschnitten und damit die Gefahr schufen, dass sozialdemokratische Arbeiter ohne ärztliche Hilfe verbluten. Begeisterte Kundgebungen Allem Terror zum Trotz in Ostböhmen Die Ereignisse der letzten Apriltage in eint« gen Gemeinden des Trautenauer Kreisgebietes Wlfften auf beiden Seiten, bei uns und der Fa- Mikante»Partei, eine aufgeregte Stimmung und ließen für den 1. Mai nichts Gutes ahnen. Die venleinbrigaden, zusammengesetzt aus Untermenschen, bezahlt von dem, den Arbeitern ausgesetzten Prosit der Fabrikanten, übten in den Agen vor dem 1. Mai einen Terror aus, wie er nur noch in Deutschland vor dem 5. März 1833 «obachtet werden wnnte. Kein Plakat unserer Partei blieb unbeschädigt, kein Flugblatwerteilcr «nnte ruhig seines Weges gehn, kein Haus, kein oinster und keine Tür blieb von der Schmutz- teklame.der gelben Front verschont. Zu all d-.m dach Drohungen gegen die Sozialdemokraten für arn Fall, dass die Kundgebungen der Hakinger verdaten würden. Und sie wurden verbot-n, Mail sie nichts als eine offenkundige Provokation gegenüber dex Arbeiterschaft waren. Da aus gründen der Sicherheit Dienstag auch die sozial- amiokratsschen Maikundgebungen untersagt werden sollten, enfftand unter den Arbeiter« eine nrchr Unbedeutende Verwirrung, die durch wilde Gerüchte, die von den Henleinleuten ausgesprengt wurden, noch gesteigert wurde. Schließlich aber wnnte noch Dienstag abends allen Organisation«», mitgetesit werden, daß keine der sozial» «emokratischenKund gedungen in, Preise Trautenau verboten sei u ad die Arbeiterschaft ausmarschieren könne. Daraufhin verstiegen sich die Söldlinge der ostböhmiscben Fabrikanten zu der Drohung, sie würden am l. Mai weder in Trautenau noch in einer anderen ^iadt die Marxisten auf den Marktplatz ziehen Wen. Diese Drohung verfehlte naturgemäß die Wirkung nicht, allerdings in anderer Richtung, als\ ® die Hakinger wollten. Die Arbeiter wunaen nun doch neugierig und mancher, dem das Wetter wnst den Marsch verleidet hätte, zog in seine Bc- ölrksstadt, um dabei zu sein, wenn die Burschen den Arbeitern entgegentreten sollten. So w-rr die Stimmung am Tage vor dem 1. Mai. Am Maitag selbst frühmorgens und den«ranzen Vormittag arges Schneegestöber und ein« Hundekälte. Konnte da erwartet werden, daß die Demonstrationen der Partei einen Erfolg bringe:? Und doch war der 1. Mai im Trautenauer Kreisgebiet ein großer und schöner Erfolg, der am 18 Mai sichtbar werden wird auch für jene, die da vor dem 1. Mai behaupteten, di« Sozialdemokraten würden am 1. Mai der Oeffentlichkeit zum letztenmal die Rest«— Kadaver— der„einmal" starken Partei vorführen. Diese Reste kamen und brachten di- ewig Gestrigen zum Schweigen, wenigstens für den einen Tag. Der 1. Mai zeigte die gewaltige Kraft der sozialdemokratischen Bewegung in Ostböhmen auf, vre um so mehr zu werten ist, als an diesem Tage auw der Niedergang der KPT festzustellen war Im ganzen Kreisgebiet« zogen am 1. Mai zirka 400 Kommunisten aus. In Trautenau selbst zeigte sich schon beim Anmarsch des gewaltige» Zuges mit den vielen roten Fahnen und Transparenten, daß die Fasciften des Mutes besseren Teil erwählten und sich nicht allzuviel bemerkbar mich», ten. Die Kundgebung, bei der die Genossen S ch ä- fer, Kovaiik und Reichest sprachen, war von einer noch selten erreichten Stimmung getragen. Das gleiche in Schatzlar, trotz dem sehr schlimmen Wetter. Redner war hier Genosse Dr. Mühlberger, der in scharfen Worten zum Kampf gerev den Fascismus aufrief. In Freiheit, wo die Kundgebung am Nachmittag des 1. Mai für die Arbeiter des oberen Aupatales stattfand, war der Aufmaqtz tadellos, bis auf einen von einigen Heileinbussher hervorgerufenen Zwischenfall. Er wurde rasch liquidiert, zwar etwas schmerzhaft für den Hauo.» stänkerer, aber zur Zufriedenheit der Arbeiter. Hrer sprach außer dem Genossin Schäfer noch Genosse Rambauske und Jugendgenoffe Lehel. Im Bezirke Arnau-Hohenelbe Verliesen di« Kundgebungen in Arnau, Königinhof»and Höhenelbe reibungslos und bei bester Kampfesstnn- mung. In Arnau sprach für die Partei Genosse John(Aussig), in Hohenelbe Krejki und in Königinhof Rambauske, der auch in tschechische, Sprache referierte. Der Bezirk Braunau zeigte an diesem 1. Mai eine organisatorische Glanzleistung. 300 uniformierte Ordner, darunter viele Verletzte aus der Saalschlacht von Heinzendorf, marschierten im Zuge. Die Lautsprecheranlage des Kreises, zum erstenmal im Betrieb, erregte Aussehen und ist wirkungsvoll. Der Ringplatz sst halb besetzt. Hier reden Franz Krejki und Genoss« T e m I i k. Im Krankenh rufe liegen drei schwerverwundete Genossen, einer von ihnen ringt mit dem Tode, sie werden aus tausenden Kehlen mit einem Freiheit-Rufe gegrüßt. Kreis Landskron Die Massen bei unS— Kommunisten: ei« Häuflein In Landskron veranstalteten die deutschen Sozialdemokraten am Vorabend einen Fackelzug mit Vorführungen am Stadtplatz, di« tschechischen Sozialdemokraten eine F e st a k a d e m i e. Die Beteiligung am Fackelzug war über alle Erwartungen sehr stark. Trotz des ungünstigen Wetters bewegte sich ein mächtiger Zug, von den Lampions hell beleuchtet, durch die Straßen. Die Vorführungen am Stadtplatz(Fackelschwingen, lebendes Bild der Atus- Genoffen,«in Sprechchor der Jugendlichen) gelangen ausgezeichnet. Es herrschte vorzügliche Stimmung— ein guter Auftakt für den nächsten Tag. Die Beteiligung an der Maifeier war, trotz des äußerst ungünstigen Wetters, bedeutend besser als im Vorjahr. Ein weit stärkerer Demonstrationszug als im Vorjahr bewegt« sich durch di« Straßen. Am Stadtplatz hielten die Genossen Abgeordneter Franz M a c o u n-Reichenberg in deusscher und Horak- Pardubitz in tschechischer Sprache mit starkem Beifall aufgenommene Ansprachen. Trotz des schlechten Wetters—«s schneite mitunter und war furchtbar kalt — zeichnete die Arbeiterschaft ausgezeichnete Stimmung aus. In Wildenschwert hielten die deutsche« und tschechischen Genossen ihre Kundgebung auf dem Masarystilatz, dem größten Platz Wildenschwerts, ab. Dix Beteiligung war stärker als in den früheren Jahren. Die diesjährige Maifeier hatte besondere Bedeutung auch dadurch, daß tschechische nationalistische Kreise verhindern wollten, daß am Masarykplatz in Wildenschwert deutsch gesprochen wird. Es war darum im Stadtrat ein heißer Kampf geführt worden. Das sschechische Referat erstatte Abgeordneter Genosse S r b a, der die Leistungen unserer Regierung sirr die Arbeiterschaft mit den Leistungen fascistischer Staaten verglich. Genosse T r e m l, der deutsch referierte, appellierte an alle, die Zeit bis zu den Wahlen zu benützen, damit am 18. Diai sich der Wahlsieg an die Fahnen der Sozialdemokratie hefte. Die Ausführungen der Redner— es sprach noch eine sschechische Genossin— wurden des öfteren von Beifall unterbrochen und mit Beifall quittiert.— Auch die Kommunisten hatten«ine Maifeier. Gezählte 47 Personen hörten dem kommunistischen Redner zu. In Böhmisch-Trüba» war die Beteiligung gleichfalls besser als im Vorjahr, besser vor allem aus den umliegenden deusschen Orten. Die Ausführungen des Genossen Pr o ch a s k a-Pardubitz, der tschechisch, und des Genossen Nits ch-Landskron, der deutsch sprach, fanden begeisterten Widerhall.— Dem kom- munistischen Redner hörten ganze 14 Personen zu, darunter ein Gendarm und der Regie- rungsvertreter. Kreis Pilsen-Budwels Do« verschneiten Bergen strömt das ArbettsvolK.— Die größten Maifeiern fett dem Umstürze.— Antwort auf den Henlein-Zirkus. Herr Henlein hat sich um das Gelingen der roten Maifeiern im Böhmerwald ein großes Verdienst erworben. Er unternahm hier gerade vor dem 1. Mai seine Zirkusfahrt. Dabei wurde soviel von der absterbenden Sozialdemokratie erzählt, datz die Menschen darauf neugierig würden, wie die Maikundgebung einer sterbenden Partei aussehen. Und siehe da: Wir haben bei unseren Maifeiern in den meisten Bezirken die Teilnehmerzahl der Henleinkundgebung verdoppelt. So war es in M i e s, in T a ch a u, in B i s ch of- t e i n i tz, in K r u m a u. In Neuern waren von unseren 3000 Wählern des ganzen Gerichtsbezirkes 2000 zur Maifeier erschienen. In Krumau marschierten 3000 Böhmerwaldproleten im Festzug, in Bischofteinitz war die gleiche Zahl von Bauarbeitern und Kleinbauern versammelt. Ta- chau hatte seine stärkste bisherige Maifeier mit 3000 Teilnehmern. In Blies brachten wir aus zwei Gerichtsbezirken 4800 Maidemonstranten auf die Beine, doppelt soviel als einige Tage zuvor Henlein begrüßten, obwohl seine Trabanten behaupteten, es wären 8000 Menschen dort gewesen. Außerordentlich gut besucht waren auch die Maifeiern in Neubistritz, Kaplih, Winterberg, Hartmanitz, Staab, Plan und Äiarienbad. Ueberall war der Kampfgeist ausgezeichnet. 700 Arbeiter in Plan bewiesen durch ihr« Teilnahme an der Mai-Kundgebung, daß sie dem Hakenkreuztum, das sich auch dort breitzumachen sucht, energischen Widerstand entgegenzusetzen bereit sind. Die Festversammlung,' in der Genosse Adolf Schmidt sprach, war'von bester Kampsstimmung getragen. In Weseritz sprachen vor sechshundert Versammelten die Genossen Stark, Pro sch und H a bla. An der Maifeier i« Hartmanitz nahmen nahezu tausend Personen teil. Das Referat erstattete Genosse Dr. Strauß aus Prag. Dudweis hatte trotz Schnee, Regen und bitterer Kälte eine prachtvolle Maidemonstration. Die Massen hörten die Referate der Genossen Trodl, Köhler und Kern mit Begeisterung an. In Dobrzan beteiligten sich am Umzug 700 Personen. Bei der Kundgebung auf dem Marktplatz, di« gemeinsam mit den sschechische» Genossen statssand, sprach für letzter« Genosse St raka-Pilsen; das deutsche Referat erstattete Genosse Emil F i s ch e r- Prag, für die Jugend sprach Genosse Kraft«. Bemerkenswert war die Teilnahme vieler Frauen. Kreis Brünn Im Brünner Kreisgebiete waren alle unser« Maifeiern ausgezeichnet besucht, jedenfalls viel stärker als im Vorjahre. In Brünn selbst fand gemeinsam mit den sschechsschen Genossen ein imposanter Umzug statt, der sich vom Arbeiterheim aus durch die Stadt bewegte; der größte Temonstrationözug, den Brünn keil langem gesehen hat. Es wurde!» im Zuge unzählige Transparente und Tafeln mit Wahlparolen getragen und zu beiden Seiten der Straßen standen di« Menschen in dichtem Spalier. Auf dem Wilsonplatz fand um halb 11 Uhr die große Kundgebung statt. Die Referate hielten Genosse Siegfried Taub aus Prag und Genosse Dr. E k e r. In Nikolsburg bewegte sich um 2 Uhr nachmittags der Festzug durch die Stadt, bei dem eine viel . Seite 1 Freitag, 3. Mai 183» Nr. 183 stärkere Beteiligung als im Borjahre festgestellt wer» den konnte. Auf dem Sportplatz wurde das Meeting abgehalten, eS sprach Genosse R o t h e r aus Brünn, nachhex wurden noch turnerische Vorführungen und .Fußball-Wettspiele veranstaltet. In Porlitz fand die Kundgebung um 2 Uhr nachmittags statt, gemeinsam mit den tschechischen Genossen. Es sprachen Genosse Pistölak tschechisch und deutsch Genosse S ch m e r d a aus Brüin. Vorher trugen die Genossen Harrens und Soukek deutsche und tschechische Rezitationen vor. Nachmittags gab es sportlich« Veranstaltungen und am Wend eine künstlerische Akademievorstellung, bei der oi». Genossen Pitsch, Schmerda und Goldschmidt sprachen. Auch in Mißlitz fand eine gemeinsam« Kundgebung der tschechischen und deutschen Sozialdemokraten statt; die Referat« hielten die Genossen M»- t u s ch k a aus Brünn in deutscher und Genosse Vito v s k h in tschechischer Sprach«. Auch die Maifeier in ZlabingS wies eine stärkere Beteiligung als im Vorjahre auf. Am Hauptplatz hielt Genosse W l a s s a k aus Znaim das Referat und richtete auch einige tschechische Worte an unsere tschechischen Genossen. Die Jglauer Veranstaltung war ebenfalls gut besut; das Referat hielt Genosse Katschinka aus Brünn. 4000 sozialdemokratische Demonstranten in Znaim Die Beteiligung am Festzug war stärker als im Vorjahre; es nahmen daran mehr als 4000 Personen teil. Die Festreden hielten die Genossen Dr. Mares und Fritz Urbane k.— Die Maifeier der Kommunisten war von ein paar Dutzend Menschen besucht... InJoslowitz hatten die Henlein-Anhänger gedroht, allen, di« fich an unserem Festzug beteiligen würden, di« Arbeitsgelegenheit zu entziehen! Trotzdem war die Beteiligung, wenn auch etwas schwächer als im Vorjahr, gut. Das Referat erstattete Genosse llrbanek. Auch in Saitz, dieser südmährischen, meist von Kleinbauern und Eisenbahnern bewohnten Gemeind-., die sich seit Jahren fest in den Händen unserer Parte; befindet, war die heurige Maifeier ein« eindrucksvolle Kundgebung. Zu den zahlreichen Versammelten sprach Genosse Dr. Brügel. Herrliche Kundgebung in M.-Trübau Schau der Fackelzug am Vorabend des 1. Mai legte würdiges Zeugnis von der Geschlossenheit unserer Arbeiterschaft ab: am grossartig verlaufenen Fackelzug nahmen 750 Personen— also mehr als im Vorjahr— teil. Aber die Demonstration am nächsten Tage bewies noch viel mehr diese Geschlossenheit unserer Partei. Am Demonstrationszug, der sich vom Bolkshaus zum Sportplatz des Ärbeiterturn- vereines bewegte, nahmen LOO Menschen mehr teil, im Vorjahre. Und bei der Kundgebung a». Sportplatz selbst lauschten mindestens 2500 Menschen «— oft mit Beifall unterbrechend— den Worten der Redner. Als erster Referent sprach Genosse Sturma. Er erinnerte an den Smichover Kongress, von wo an die sozialdemokratischen Parteien in der Republik ihre Kämpfe gemeinsam siegreich führen. Er wies auf die fascistischen Gefahren in der Republik hin. Der 10. Mai werde ein bedeutender Tag sein, an dem die tschechischen und deutschen Arbeiter darüber zu entscheiden haben werden, ob sie den Fascismus schlagen oder untergehen wollen. Dann gelangte, lebhaft begrübt, Genosse Taub za Worte. Er erklärte, dass die heurige Maifeier die bedeutendste seit vielen Jahren ist, denn sie steht im Leichen des entscheidenden Kampfes des deutschen und tschechischen Proletariats um Demokratie und Sozialismus. Genosse Taub richtete an die tschechischen Genossen in ihrer Muttersprache Wort«, in denen er der gemeinsamen Kämpfe gedachte. Dann fuhr er deutsch fort, eindrucksvoll werbend für die Sozialdemokratie, aufrufend zur Arbeit in diesem bedeutungsvollen Wählkampf, In Brösau fand um 10 Uhr vormittags gemeinsam mit den tschechischen Genossen die Maifeier statt, an der über 1000 Personen teilnahmen. Das deutsche Referat erstattete Genosse T i n k e l- Zwittau. In Zwittau war die Maidemonstration auf dem Stadtplatz trotz dem im günstigen Wetter sehr stark mit lebhaftem Beifall und Zustimmung zur Kenntnis genommen. Krals Sternberg Trotz der Ungunst der Witterung, die sich in diesem gebirgigen Teil« deS Laüdes ganz besonders schwer auswirkte— die Teilnehmer mussten oft stundenweit im Schneegestöber marschieren—, gestalteten sich unsere Maifeiern überall zu gewaltigen Kundgebungen. Die letzten Vorkommnisse, die vom Henleinterror Zeugnis gaben, haben unserer Bewegung einen mächtigen Auftrieb verliehen. Die Agitationsreise des Herrn Henlein, die sich allerdings nur noch in eingeschränkter Weise auswirken konnte, hat die Kampfentschlossenheit unserer Genossen mächtig angefacht. Noch selten wurden die Referate mit so stürmischer Zustimmung begleitet, wie in diesen, Jahre. Sternberg Hier sand wie alljährlich ein gemeinsamer Aufmarsch mit den tschechischen Genossen statt. Drr gewaltige Zug von 2000 Personen gruppierte sich auf dem Marktplatze zu einer mächtigen Mali» festation, in der Genosse Ernst Paul aus Prag referierte. Seine Rede fand begeisterte Zustimmung. Nach ihm sprach Genosse Z i s ch k a, der. stürmisch akklamiert, über den Unfall des SHF- Autobus berichtete. Bemerkenswert war auch hier das Fiasko der Kommunisten. Ein Grüppchen von 15 Mann hatte fich auf dem Marktplatz versammelt und wollte einen Redner stellen. Das war aber selbst dem kommunistischen Referenten zu dumm, der sich weigerte, unter diesen Umständen zu reden. Freudenthal Im Zuge, der sich beim Arbeiterheim versammelte, marschierten über 1300 Personen. An der Kundgebung nahmen mehr als 2000 Arbeiter urtb Arbeiterinnen teil. Das Referat erstattete, nachdem die Kundgebung durch die»Internationale" und einem Männerchor eröffnet wurde, oft von B«'- fall unterbrochen, in wirkungsvoller Weise Genoss« Ernst Paul aus Prag. In Bautsch fand die Kundgebung um 9 Uhr vormittags im Arbeiterheim statt. Bei dem Festzuge durch die Stadt konnte ein. stärkerer Besuch als voriges Jahr feftgestellt werden. Das Referat des Genossen Fischer aus Freudenthal wurde mit vollem Beifall aufgenommen. Die Kundgebung ist ruhig und ohne Zwischenfall verlausen. — In Bärn fand nachmittags um 2 Uhr der Aufmarsch der organisierten'Arbeiterschaft statt, worauf die Kundgebung am Ringplatz fotzte. Genosse Fischer hielt daS Referat; Stimmung ausgezeichnet. Besuch sehr gut.— Braunseifen: Nachmittags um 2 Uhr Demonstrationszug durch die Stadt, anschliessend Kundgebung im Arbeiterheim. Das Referat hielt Genosse U l l m a n n aus Freudenthal. Durch die starke Beteiligung der Genossen aus der Umgebung war die Veranstaltung eine sehr imposante, sie verlief in vollster Ruhe und Ordnung.— Klein-Moldau: Um 2 Uhr nachmittags bewegte fich der Demonstrationszug durch den Ort, anschliessend fand die Kundgebung statt, bei welcher Genoss« Lang aus Römerstadt das Referat hielt. Auch hier konnte eine befriedigende Beteiltzung und eine gute Stimmung festgestellt werden. Die Kundgebung in Müglitz fand, wie alljährlich, auf dem Marktplatz« statt und war gut besucht, da aus den umliegenden Orten viele Genossen und Genossinnen sich eingesunden hatten. DaS Referat hielt Abgeordneter Genosse Wilhelm HäuSler. Auch die tschechischen Genossen nahmen an der Kundgebung teil. Die Kinder-Maifeier wurde im Kinosaal abyehakten und zählte 200 Teilnehmer. Freiwaldau Trotz Schnee und Hagelwetter verlief die Maifeier für den Bezirk in Freiwaldau glänzend. Roch stärker als in den letzten Jahren war die Beteiligung. Ueber 2000 Männer und Frauen, begleitet von zwe^ Musikkapellen, ihr Feftzug erhebend unterbrochen von Transparenten und roten Fahnen, angeführt von einer Abteilung RW. Auf dem Ringplatz würdigten die Genossen Palm und W e i ss die historische Bedeutung des 1. Mai und wiesen in zündenden Worten auf die Wichtigkeit der bevorstehenden Wahlen hin. Die Ausführungen der Redner wurden okr durch begeisterten Beifall unterbrochen. Henlein hielt ein« Stunde später in zwei Säle» seine mit grossem Aufwand propagierte Wahlkund- gchungen ab, die aber kaum Haid so viel Teilnehmer aüfzuweisen hatten wie unsere Demonstration. 5000 Teilnehmer in Mähr^Srhönberg Trotz dem kalten und schlechten Wetter und zeitweiligen Schneegestöber war unsere Maikundgebung zumindest so stark wie im Vorjahre. In Heinrichsthal war ein Sonderzug eingeschaltet worden, die Strassen waren von Zuschauern dicht besetzt. Die ganze Stadt stand vollständig unter dem Eindruck unserer Kundgebung. An der Spitze des Zuges marschierte die RW, der AtuS und die SJ. Am Marktplatz sprachen dann von der RathauSrampe zn mindestens 5000 Teilnehmern Genosse Vierer und Genosse V i n c o u r aus Olmütz. Die Kundgebung wurde von den Arbeiternsängern des Bezirks mit einem Thor eingeleitet. Im Zuge befanden fich fünf Musikkapellen, die zum Abschluss der Kund, gebung di«.Internationale", das.Lied der Arbeit" und die Staatshymne spielten. Die Kinder-Maikeier war ein« eigene Veranstaltung, an der sich etwa ILOOKinder beteiligten.— Die Kommunisten hatten in ihrem Zuge etwa 300 Leut« gut gezählt. Krals Troppau Die schlesischen Maifeiern litten Heuer unter der ungünstigen Witterung, es wehte ein schneidend kalter Wind, der sogar Schnee brachte. ES ergab sich die Frage, ob es den Arbeitslosen, die sich in ihrer schon schlissigen Kleidung gegen d;e Kälte kaum zu schützen vermögen, überhaupt möglich sein wird, an den Kundgebungen teilzunehmen. Wer kein einziger der sozialistischen Proletarier ließ sich durch das Wetter abschrecken. Sic sind alle gekommen und haben noch tausende mutz ebracht, die im vorigen Jahre zu Hause geblieben waren. Die Aicheiter haben begriffen, daß es bei dieser Maifeier um eine Borwahlentscheidung ging, da teils von dem Ausgang unserer Maikundgebungen der Ausgang der Wahlen abhängt. Die riesigen Massen, die da in die Städte zu unseren Kundgebungen strömten, bildeten eine lebendige Widerlegung des Märchens vom sterbenden Marxismus. Sie schlugen die Hoffnungen der Gegner auf Schwächung unserer Reihen durch WirtschastSnot und politische Demagogie nicht nur durch ihre gewaltige Zahl in Trümmer, sondern mehr noch durch den Geist, der sie beseelte. Nie- Eine aufsehenerregende sozialpolitische Errungenschaft: Die Unabdingbarkeit der Kollektivverträge verwirklicht Am 30. April ist die auf Grund des Ermächtigungsgesetzes erlassene Regierungsverordnung vom 28. April 1835 SIg. Nr. 83 verkündet worden und am gleichen Tage in Kraft getreten, mit welcher die Geltung der Kollektivverträge verlängert wird. Eine Verordnung mit der gleichen Bezeichnung ist schon im Vorjahre(15. Juni 1834 Slg. Nr. 118) erschienen und hat festgesetzt, daß Kollektrvverträge, sofern sie Lohnoder Gehaltsfragen regeln, bis 30. April 1835 nicht gekündigt werden können. Die eben erlassene neue Verordnung beschränkt sich nun nicht darauf, die Frist, die am 30. April 1835 abgelaufen ist, um zehn Monate(bis 1. März 1836) zu verlängern, sondern sie enthält eine Reihe weiterer Bestimmungen über Kollektivverträge, die die umstrittensten Grundbegriffe unseres Arbeitsrechtes berühren und eine grundsätzliche Abkehr von Anschauungen bringen, an denen unsere juristische Praxis und auch die Gesetzgebung bisher frstgrhaltcn hat. Nach der herrschenden Praxis gelten nämlich die im Kollektivvertrag vereinbarten Lohnsätze und sonstigen Arbeitsbedingungen n i ch t als zwingend. Sie können bei der Wschließung des einzelnen Arbeitsvertrages durch individuelle Abmachung zwischen dem Arbeitgeber und dem einzelnen Arbeiter oder Angestellten auSgeschaltet und(auch zu Ungunsten des Arbeitnehmers) abgeändert werden. Diese Abdingbarkeit des Kollektivvertrages widerspricht, wie z. B. der berühmte Privatrechts« lehrer Ehrenzweig schon in der 1920 erschienenen 6. Auflage seines Obligationenrechts festgestellt hat, seinem Zweck,„durch eine feste, gleichförmige Ordnung des Arbeitsverhältnisses den wirtschaftlichen Frieden zu sichern". Die moderne Gesetzgebung über das Problem hat darum die zwingende Kraft des Kollektivvertrages statuiert, so das französische und das schweizerische Recht, daS Recht der deutschen Republik und der Republik Oesterreich. Die tschechoslowakische Gesetzgebung war in dieser Hinsicht merkwürdig zurückhaltend und konservativ. Nur in einigen Spezialgesetzen ist für einzelne Kategorien von Arbeitnehmern der zwingende Charakter der Kollektivverträge festgelegt worden(Hausbesorger, Heimarbeiter, Aerzte der KrankenversicheungSan- stalten, unter bestimmten Voraussetzungen Bauarbeiter, Angestellte der Einheitspreisgeschäfte.) Die Judikatur hat zwar in den ersten NachkriegS- jahren den Versuch gemacht, Abweichungen von den Kollektivverträgen zu Ungunsten der Arbeitnehmer für sittenwidrig und darum ungültig zu erklären.(Entscheidung deS Obersten Gerichtes vom 24. Juni 1924, Sammlung.Väznh Nr. 4009.) Dieser Standpunkt wurde aber in der Plenarentscheidung vom 24. November 1925(VäZnh 5479) verlassen und seither erklärt di« Praxis Kollektivvrrträge in ständiger Judikatur für abdingbar. Selbst das in sozialpolitischee Beziehung in mancher Richtung gewiß wertvolle neue Privatangestelltengesetz vom 11. Juli 1931 im 8 4, daß der Kollektivvertrag nur gilt, wen» der Dienstgebcr mit dem Dienstnehmer nicht- anderes vereinbart hat. Die neue Verordnung bestimmt aber nun im 8 4, daß durch Einzeldienswcrträge die Lohnan- spräche des Dienstnehmers, die aus Bestimmungen der Kollektivverträge hervorgehen, während der Dauer der Wirksamkeit der Kollektivvetägt nicht verkürzt werden dürfen, eS sei denn, daß die vertragschließenden Arbeitnehmerorganisationen dem zustimmen. An die Stelle der dem Kollektivvertrage widersprechenden Bestimmungen des Einzeldienst- vertrages, die aus diesem Grunde ungültig sind, treten die günstigeren Bestimmungen des Kollektivvertrages. Den Kollektivverträgen sind Vergleiche und Erkenntnisse der LohnschiedSgerichte für das Baugewerbe und anderer Organe, die zur kollektiven Regelung sind, gleichgestellt. Die Bestimmung deS 8 4 drr Verordnung, welche die W>* bedingbarkeit der Kollektivverträge nunmehr ganz allgemein, ohne Beschränkung auf einzelne Branchen in unser Recht einführt, ist zeitlich nicht beschränkt. Dafür, daß diese Bestimmung sich nur auf die bereits bestehenden nunmehr bis mindestens 1. März 1936 verlängerten Kollektivverträge bezieht, bietet der Wortlaut der Verordnung keinen Anhaltspunkt. Die Unabdingbarkeit wird also auch solchen Kollektivverträge" zukommen, die erst in Zukunft abgeschlossen werden. Die Bedeutung der neuen Vorschrift wird noch erhöht durch 8 5 der Verordnung, wonaä Handlungen oder Unterlassungen gegen§ 4 der Verordnung, also das Vereinbaren oder ZMen geringerer Löhne und Dienstbezüge, als sie der Kollektivvertrag vorschreibt, mit Strafe bedroh sind. Der Dienstgeber, der die Kollektivverträg" nicht einhält,- ist von der politischen Behörde wr- gen Uebertretung mit Geldstrafe bis zur 50.00^ Kd oder Arrest bis zu sechs Monaten und inst Verlust der Gewerbeberechtigung zu bestrafen.- Man sieht also, daß es sich.um Line weit* tragende, mst ernsten Kautelen der Durchsetzung auSgestattete Errungenschaft der Arbeiterklasse handelt. malS noch ging es auf unseren Maikundgebungen so leidenschaftlich zu wi« Heuer und selten noch weckten die Worte unserer Redner so stürmischen Beifall. Die Kraft, die die Sozialdemokratie bei diesen Maikundgebungen entfaltete, war so imponierend, daß sie auch Gleichgültige mitriß und' den verbissensten Gegnern Achtung abrang. Der Elar, von dem unsere Kundgebungen getragen waren,, setzte sellbst unsere Vertrauensmänner, die doch vir Opferwilligkeit und Treue unserer Arbeiterschaft kannten, in Erstaunen. Wo immer unsere Kund- gedungen stattfanden,'überall ergab sich das gleiche Bild: überall herrschte prächtige Kampfstimmung! Die Maifeier in Reu-Oderberg brachte am 80. April eine Maivorfeier im^Orpheum" mit einem Referat des Genossen Dr. Lederer und Vorführungen der einzelnen Kulturorganisationen, darunter einem Wahlkabarett der SJ. Der Umzug am 1. Mai wies eine Teilnahme von rund 1000 Personen und die Versammlung von etwa 1300 Personen auf. Das Referat erstattete Genosse Kreuz aus Mähr.-Ostrau. 3« Reu-Titfchein marschierte trotz grimmiger Kälte ein nicht nur durch die Zahl der Teilnehmer, sondern auch durch die Gliederung, die Menge der Fahnen und die Buntheit der Kleider der Sozialistischen Jugend und der Arbeitersportler beachtenswerter Festzug durch die Strassen der Stadt nach dem Masarykplatze zur Versammlung. Die Staatshymne und das„Lied drr Arbeit" sowie das„Trutzlied" leiteten die Kundgebung ein. Die Genossen Hofbauer und Ka- s p r z y k(tschechisch) hielten Festansprachen, die mit stürmischem Beifall aufgenommen wurden. Mit der „Internationale" wurde die Feier geschloffen. Trotz grimmiger Kälte war die Beteiligung der Arbeiter an dieser sowie den anderen Maifeiern im Kuhländchen außerordentlich stark. Krals Pressbure Etwa zehntausend Menschen nahmen an dem prächtigen Demonstrasionszuge teil. Das Referat für die tschechischen Genossen erstattet« Genosse Minister D11« r, d^r ein offenes Bekenntnis der Verbrüderung mit der deutschen Sozialdemokratie verkündete. Für die deutsch« sozialdemokratische Partei sprach Abgeordneter Genosse K r e m s e r, für di« ungarische Seksion Sekretär Schulz. Der Aufmarsch dauerte eine Stunde, di« Beteisigung war also eine so starke wie noch nie. Im Vergleiche zur Stärse unseres Zuges war der Aufmarsch der anderen Partei«" (Kommunisten) verschwindend. In Handlovä versammelten sich zur Erste" Maifeier 2 0 0 0 P e r f o n« n, di« sich auch von bO 1 schlechten Wetter nicht abhalten ließen. Für die tschf' chischen Genossen sprach Genosse O ch und für dst deutschen Genosse Ladisiaus Deutsch. In KeSmark beteiligten sich zirka 500 Mensch"" an unserer Maikundgebung, das Referat hielt W Genosse Wagner. In Krrmnitz sprach für die tschechischen Genosst" Senawr Pocisk und für die deutsch« Partei Genosst Schmidt. Die Beteiligung war sehr befriedigt und wird auf zirka 2000 Personen geschätzt Nur sieben Minuten Hitler Berlin. Entsprechend dem offiziellen Pro- gramm nahm Hitler an der 1. Mai-Feier teil. A stellte sich bereits um halb 9 Uhr früh bei Ewn nung der Feiern ein und hielt eine nur etwa ft"* 6 en Minuten dauernde Ansprache. Sei"* Stimme klang sehr verschleiert. MllltSrparaden In Moskau Moskau. Sechshundertsechzig Flugzeuge a&(( Art kreisten bei der großen militärischen Maises über dem Roten Platz. Umgeben von hoht" Sowjetfunktionären nahm Stalin auf einer v" Wien etwa 500 Angehörige der aufgelösten pf>^ tischen Parteien, u. zw. Kommunisten, Sozin^ demokraten und Nationalsozialisten perlustric^ Etwa 200 Personen wurden in Hast behalten»^* übrigen wurden wieder freigelassen. In den fr^ hen Morgenstunden des 1. Mai wurden in W Arbeiterbezirken von Angehörigen der verboten"" Parteien Mengen von Druckschriften u. ä. v«^ streut. An einigen Stellen, wie zum Beispiel in Burggasse, wurden an schwer zugänglichen Stef" lenroteFahnen angebracht, welche die Pch nicht die letzte Niederlage brächten. Was hier für den kleinen Danziger Abschnitt Xfsagt wurde, gilt naturgemäß auch weit darüber wnaus. Wer ob der nationalistischen und fasciftischen ^rlle, die durch die ganze Welt geht und so entsetz- »ches Leid auSgelöst hat, nicht den Kopf verloren und w>ch die fünf Sinne beisammen hat, wer in den Tic- ssn des Wirtschafts- und Gesellschaftsprozesses zu Mrfen versteht, wer die gesellschaftlichen Zusauimen- MNge auch nur annähernd begreift, wer di« geschicht- 'Mn Erkenntnisse und Erfahrungen parat hat, besonders aber, wer durch die marxistische Schule geigen ist, der läßt sich durch Rückschläge, die der Sozialismus in den Nachbarländern erlebt hat, nicht Entmutigen. Er weiß, daß sich di« jetzigen Berhält- wfse zwar nicht von heute auf morgen, also nicht im Handumdrehen wandeln werden. Er weiß, daß die Ödende Menschheit noch vor so manche schwer« und Sorte Gedullchroben gestellt sein wird, aber er zwei- lEst keinen Augenblick, daß der Zusammenbruch der fasciftischen Gewalten "«aufhaltsam EE, daß der Kapitalismus wohl noch so viel Lebens- söhigleit und Lebenskraft besitzt, um sich mit der größten Verzweiflung und Verbissenheit zur Wehr ietzen zu können, daß aber sein« liberalen Wirtschaftsund Staatsideen längst schon überholt find und im Kampfe mit den neuen Ideen und mit der neuen Welt des Sozialismus unterliegen müssen. Und mit dem Kapitalismus wird auch seine Präw- rianergarde, der Fascismus, elend verrecke«. Gerade im heurigen Jahre haben wir allen Grund, die Maifeier zu einer grandiosen Kundgebung des kämpfenden Proletariats zu gestalten. Denn der Fascismus treibt immer mehr dem Kriege zu. Immer schwerer bedroht er den Frieden Europas und die Verständigung der Völker. Immer mehr steigert er seine Kräfte, um auch noch weitere Teile der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung unter brachialen Druck zu setzen. In letzter Zeit wagt er sich sogar an das Proletariat unseres Landes heran, um auch ihm das Schacksal der Arbeiterklasse der fasciftischen Nachbarländer zu bereiten. Das haben unsere Arbeiter verstanden und darum dieser herrliche Aufmarsch, der geradezu von bezwingender Schönheit ist. Wenn ich dieses herrliche Maffenbild auf mich wirken lasse, fällt mir' das Wort von der„sterbenden Sozialdemokratie" ein. Nein, rufen wir unseren Gegnern zu, die Sozialdemokratie stirbt nicht, weil sie nicht sterben darf, weil sie leben muß, weil ihrer noch In Stadt Tuschkau wurde unlängst der Henlein-Agitator Biedermann aus Pilsen von der Arbeiterschaft heimgeschickt. Der KreiSleiter Biedermann ist inzwischen der Oeffeutlichkcit als ein Mann vorgestellt worden, gegen den 40 Betrugsanzeigen und außerdem rin Verfahren wegen Kuppelei anhängig find. Diesen Biedermann reinzuwaschen wollte sich Herr Sarndner höchstpersönlich bemühen und er hat ausgerechnet für Freitag um 9 Uhr vornrittagS eine Wählerversammlung anberaumt. Noch bevor Biedermann wegen Kuppelei eingesperrt wurde, hat er durch ein Zirkular zum Besuche der Sand- ner-Dersammlung aufgefordert, und zwar sollten die Ordner schon am Vorabend eintreffen und »feldmätzig" im Bräuhcmssaal übernachten. Nun wird uns aus Tuschkau telephoniert, daß Donnerstag abends tatsächlich die ersten Transporte eingetroffen sind, und zwar 144 Mann per Bahn und 66 zu Rad. Die mit der Bahn gekommen sind, stammen meist aus dem 40 Kilometer entfernten Dachauer Grenzgebiet. Darunter sind bekannte Mitglieder der Verbrecherkolonie in B ö h m.- N e u h ä u s e l, die in ganz Nach der Unterzeichnung des Abkommens empfing Laval und auch Potemkin di« Vertreter der Presse. Laval erklärte bei dieser Gelegenheit, daß die Vertreter der zwei Staaten einzig und allein im Sinne hatten, die Beteiligung beider Staaten an der europäischen Sicherheit zu organi« sieren. Hiebei verharrten sie beide absichtlich und freiwillig im Rahmen des Völkerbundes. Botschafter Potemkin erklärte, das Abkommen könne mit Recht als außerordentlich wichtiger Beitrag zur Organisierung der europäischen Sicherheit angesehen werden. Es sei selbstverständlich, daß dieses Abkommen gegen keinen Staat gerichtet sei, im Gegenteil, die sowjetrussische Regierung sei der Ansicht, daß die Ver- Erfolsreiche Demonstration in Wien Wie«.(Reuter.) Donnerstag vormittags wurde die elektrische Strom« leitung in einigen Tellen der Hauptstadt unterbrochen. Es heißt, daß diese Stö« rnng durch revolutionäre Stoßtrupps verursacht wurde. Der Straßenverkehr war znm großen Telle lahmgelegt, da alle Wage« der elektrischen Straßenbahn stehe» blieben. gewaltige Aufgaben harren, weil ihr vor allem anderem die Mission-«fällt, den FasriSmuS z« Grabe zu tragm. Für die sozialistische Arbeiterklasse ist der Weg klar vorgezeichnet. Sie wird gemeinsam mit der tschechischen Bruderpartei und mit allen in diesem Lande wirkenden demokratischen Kräften alles daransetzen, um schon die ersten Versuche des fasciftischen Ansturmes, wie er sich in der Heimatfront-Bewegung verkörpert, niederzuschlagen und der Demokratie und der Völkerverständigung, der Zusammenarbeit der Nationen, dem sozialen Neuaufbau unserer Wirtschaft den Weg bahnen. Genossen I Voll guter Zuversicht ziehen wir in den Kampf, der uns. nach jeder Richtung gerüstet findet. Je stärker der gegnerisch« Ansturm, um so wüchsiger war immer unser Gegenstoß. Trotz deS höllischen konzentrischen Feuers aller unserer Gegner find unsere Kcrntruppen immer wagemusig vorwärts gestürmt und haben sich mitten durch das gegnerische Feuer tapfer ans Ziel durchgeschlagen. DaS sudetendeutsche flaffrnbewußte sozialistische Proletariat ist ei« herrliches Volk, daS sich nicht unterkriegen läßt. Der jahrzehntelange Haßkampf der kapitalistischen Bourgeoisie hat es nicht zu beugen vermocht, sondern im Gegenteil noch kampfesfreudiger, noch hingebungsvoller gemacht, es mit einem noch größeren Feuereifer und noch größerer Leidenschaft erfüllt, die auS dem gerechten Zorn gegen seine Widersacher und ihre Söldlinge fließt. Freunde, der internationalen Sozialdemokratie, die die einzige Hoffnung der leidenden Menschheit ist, gilt unser innigster Gruß. Ihr gehört die Zukunft. Ihr wird der Sieg zufallen. Südwestböhmen verrufen ist. Bor kurzer Zeit haben dies« Elemente noch äls Kommunisten eine Versammlung der Heimatfront gesprengt, wobei es eine fürchterliche Messer st eche- rei mit einigen Schwerverletzten gab. Inzwischen find die meisten dieser Terroristen— für 20 Kd täglich—„Volksgenossen" und Ordner Henleins geworben. Dies« Elemente, von denen sich jeder beim Rasseamt mit einer reichhaltigen Strafkarte aiMveffen könnte, werden nun als Sandner-Garde in fremde Bezirke geschleppt. Die Gendarmerie nahm bei den in Tuschkau ringetroffenen Henlein-Ordnern.eine Wos- fensnche vor und fand: Schlagringe, Dolche, Gummiknüppel, Eichenstöcke«sw. Die„Ordner" wurden dauauf- hin sofort wieder mit der Bahn avgeschobcn. Gestern um 10 Uhr nachts wurden weitere Trupps dieser Biedermänner bzw. Sandn-r- Gardisten in Tuschkau von der Gendarmerie erwartet. Bei Redaktionsschluss wird uns gemeldet, daß aus dem Marktplatz von Tuschkau 800 Ar- bester und Arbestorinnen in erregter Stimmung gegen diese beispiellose Provokation demonstrieren. Kindlichkeiten dieses Abkommen auf eine größere Zahl von Staaten ausgedehnt werden könne und müsse, die den Interessen des Friedens aufrichtig ergeben sind. DieTchechoslowakel verständigt Das französische Außenamt verständigte noch im Laufe des Donnerstag abend den Leiter der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Paris von der Beendigung der französisch-sowjetrussischen Verhandlungen und ließ ihm den Text des unterzeichneten französisch-sowjetrussischen Vertrages, betreffend die gegenseitige Hilfeleistung überreichen. Auch die übrigen diplomatischen Vertreter der anderen mit. Frankreich befreundeten Staaten wurden hievon verständigt. ein englisches Blatt über den Menschenraub von Eisenstein London.„Manchester Guardia" befaßt sich mit der Verschleppung eines reichsdeutschen Emigranten in Eisenstein auf deutsches Gebiet und spricht die Hoffnung aus, daß die Tschechoslowakei dieselbe Entschiedenheit an den Tag legen werde, die in einem analogen Fall die Schweiz bewiesen habe. ES ist jedoch notwendig, fährt das Blatt fort, daß beiden Ländern jedmögliche internationale Unterstützung zuteil werdr,.damtt das Gespenst I nicht neuerliche Fänge auf fremdes Gebiet aus- i strecke. Ein neuer Vorstoß? Deutsches Militär am Rhein London.„D a i l v Herold" meldet, daß Deutschland in der demilitarisierten Zone bereits Militär eingesetzt habe. In London soll Mittwoch abends die glaubwürdige Nachricht ringetrof- fen sein, daß Deutschland neuerdings den Frie» drnsvertrag dadurch verletzt habe, daß es mindestens an zwei Stellen des linken RheinnferS die Polizei durch Militärtruppen ersetzt habe. Die amtlichen«reise haben bisher keine Mitteilung über diese Angelegenhett erhalten. * In der Sitzung des englischen Kabinetts am Mittwoch wurde der Plan des Luftfahrtministers betteffend die Reorganisierung der britischen Luftmacht grundsätzlich genehmigt. Das Kabinett soll auch auf der Entscheidung bestanden haben, daß in der zweiten Maihälfte Flottenverhandlungen mit dem Deutschen Reiche stattfinden. Erst nach diesen Beratungen wird die britische Regierung entscheiden, cck es möglich ist, jene Klausel des Londoner Vertrages anzuwenden, die Großbritannien die Erweiterung seines Flotte^Programms zugesteht, wenn irgendeine Macht, die den Londoner Vertrag nicht unterzeichnet hat, das gegenwärtige Gleichgewicht im Verhältnis der Flottenkräfte bedrohen würde. Setamte Blamage Die KPt als„Einheitsfront" Die Kommunisten haben sich Heuer nicht damit begnügt, den Ersten Mai durch ihre Einheits- frontmanöver zu verschönern, sondern haben sich vielerorts, wie uns gemeldet wid, eines besonderen Tricks bedient. Sie sind nicht mehr nur mit Standarten aufmarschiert, in denen sie zur Einheitsfront aufriefen(statt die Einheit durch Eingliederung in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei zu verwirklichen). Sie haben Heuer auch nicht den berühmten sozialdemokrattschen Arbeiter aufmarschieren lassen, der angesichts der Menge und, bezwungen von der revolutionären Ueberzeu- gungskrast des Viktor Stern, seine Parteilegiti- matton zerreißt, auch zu den üblichen Versuchen, sich mit KP§-Standarten in unsere Züge einzureihen, scheint es nirgends gekommen zu sein. Dafür marschierten die Kommunisten in den meisten Orten unter der neuen Firma »Einheitsfront" auf. Sie verzichteten darauf, ihre Aufmärsche als Veranstaltungen der KP§ zu firmieren. Drei- Pfeile- Fahnen, Tafeln»Opposition der DSAP" und ähnliche Attribute des Schwindels wurden getragen. Die Kednex betonten, daß es sich um die Maifeier der proletarischen Einheitsfront harchle. Man ließ sogar die Sozialdemokratie hochlebenf Wie wir feststellen konnten, wurde bei Indifferenten vielfach wirklich der. Eindruck erweckt, als handle es sich um eine neue Partei oder eine Veranstaltung sozialdemokratischer Separatisten. Dabei dürften außer einigen, der Sozialdemokratie beretts nicht mehr angehörenden Phantasten und Karrieremachern, die allesamt noch kein Dutzend ergeben, weit und brest nur die letzten Reste der organisierten KPE an den Kundgebungen teilgenommen haben. Wahrscheinlich hat gerade die zu erwartende B l a m a g e die Kommunisten veranlaßt, sich als »Einheitsfront" zu tarnen.. Mit Recht mochte man fürchten, daß die klägliche Beteiligung an den kommunistischen Demonstrationen— die in der Regel ein bis fünf Prozent der sozialdemokratischen Teilnehmerzahl betrug—, als ungünstiges Vorzeichen für die Wahl gewertet werden könnte. Also versteckte man sich hinter der„Einheitsfront". Fiel es jämmerlich aus, so konnte man ja den Sozialdemokraten die Schuld an dem Versagen geben; und in gewissem Sinne mit Recht: denn da wirklich keine Sozialdemokraten an diesen kommunistisch en Einheitsfrontaufmärschen teilnahmen, ßnd natürlich die Sozialdemokraten schuld, wenn die Kundgebung nicht das von den Kommunisten verheißene Ausmaß annimmt. Vor dem indifferenten und bürgerlichen Publikum wurde absichtlich der Eindruck erweckt,. daß die KP-2 überhaupt nicht aufmarschiert sei. Man konnte annehmen, ihre Aufmärsche seien verboten worden. Das kleine Häuflein Unentwegter, das sich da durch die Stadt schlängelte? Ach, das sind nicht die Kommunisten, das ist die„Einheitsfront", die haben ja Drei-Pfeilfahnen l So bleibt die KPÜi zunächst— allerdings nur bis zum 19. Mai— die große Sphinx, deren revolutionäre Massen nur deshalb nicht zu sehen waren, weil sie„un- terirdisch" arbeiten müssen, die blamablen M i- niatur-Demonstrationen der K P§ aber segeln unter der Flagge einer nicht bestehenden»Einheitsfront" l Ein fein ausgeklü- geltes Manöver, das aber doch nicht verfangen wird! Göring verbreitet„Greuelmärchen" Berlin.(Havas.)„Unser Militärflugwesen ist das modernste auf dergan- z r n Welt" erklärte General Göring auf einem Essen, daS z« Ehren ausländischer Journalisten statfland. Er fügte noch hinzu, daß bereits länerals einFahtr in den deutschen Fabriken Tag und Rächt gearbeitet werde, um das Militärflugwesen auszubanen. ist Henlein-Banden wollen Tuschkau zernieren Gendarmerie konfisziert Henleln*„Ordnern" allerhand Mordinstrumente Eine Verbrecherkolonie wird 40 Km weit aus dem Grenzgebiet geholt Die Gendarmerie sucht Waffen und findet: Dolche, Schlagringe, Gummi* knlittel, Eichenstöcke— Die Volksgemeinschaftler wurden heimgeschickt Das französisch-russische Bündnis unterzeichnet Paris.(Tsrh. P.-B.) Der sowjetrussisch-französische Pakt wurde Donnerstag abends in Paris durch den französischen Außenminister Laval und den sowjetrnssischen Botschafter Potemkin unterzeichnet. Seite 6 Freitag, 3. Mai 1935 9h. 103 Mai-Grüße durch den Aether Eine Weihestunde am Radio Die Prager deutsche Arbeitersendung hat am Mittwoch abends ihre Hörer durch eine eindrucksvolle Maifeier erfreut. Nach der Egmont-Ouver- türe brausten die unsterblichen Klänge des»Liedes der Arbeit", gesungen von der Prager Volkssinggemeinde, durch den Aether. Höher schlug das Herz bei dem Gedanken, daß so mancher sozialistische Radio-Hörer in Oesterreich und Deutschland auf diesem Wege unseren Maigrust empfangen wird. Stark in der Wirkung und von echtem sozialistischen Kampfgeist erfüllt war der darauf- wlgend gesprochene Maigruß des Part-ivorsitzen- den Dr. Ludwig C z e ch. Uthmanns»Hymne an die Freiheit" schuf den Uebergang zu den anschließenden Rezitationen des Genossen Lichtwitz, der n a. Victor Hugos Rede zur Jahrhundertleier für Voltaire mit sprachlicher Vollendung zum Vortrag brachte. Zum Schluß rauschte die Marseillaise stuf, als Botschaft an die Welt, daß der 1. Mai in der Tschechoslowakei von freien Arbeitern und in sozialistischem Geiste gefeiert worden ist. SHF-Terror in Ostböhmen Die Henlein-Banditen mit Gaspistolen ausgerüstet Die Verrohung der Henleinsölimer zeigt sich am besten daran, daß dem in Heinze n darf verwundeten Genossen K r a t i n a in das Krankenhaus eine Karte mit neuen Drohungen geschickt wurde, und dem Genossen Da m b a u s k e in Braunau eine schwarzumränderte arte, durch die ihm mitgeteilt wird, daß man nnr darauf warte, bis seine Wunden ausgeheilt seien, um ihm aufs neue den Schädel einzuschlagen. Schlimmer fast noch als im Braunauer Bezirk wüten die SHF.-Untermenschen im T raute n a u er Gebiet. In der Rächt vom Dienstag! auf Mittwoch schlugen sie am Ringplatz einen körperlich schwer behinderten Genossen, ohne jede Ur- sache, nnr weil ihnen bekannt war, daß der Genosse bei der Sozialistischen Jugend aktiv tätig ist, nieder. In Ob e r a l t st a d t bei Trautenau überfielen einige Henleinleute, darunter Angestellte der Firma I. A. Kluge, einige Genossen und gaben fünf bis sechs Schüsseaus Gaspistolen gegen sie ab. Mit einem Schuß aus diesen Scheintodpistolen hatten die Räuber Erfolg. Der Gen. Franz Strobl wurde durch den Schuß bewußtlos und blieb eine Viertelstunde ohne Besinnung. Im Trautenauer Bezirk hat dir SHF. an die 3 0 0 bezahlte Menschen in ihren Diensten. Die Leute bekommen pro Tag— oder Rocht— 10 Kd, eilte Hauptmahlzeit, Bier und Zigaretten. Kein Wunder, wenn die ausgehungerten und von keinen Hemmungen beschwerten Randproleten zur Ausführung aller Aufträge bereit sind. Am bedenklichsten sind' die Zustände in der StadtTrautenau selbst, wo Horden von 5 bis 15 Mann von nachts um 12 Uhr bis früh um 5 Uhr durch die Stadt und die Vororte ziehen, alle sozialdemokratischen Plakate und Anzeigen von den Plakatiermtgstafeln ab- reißen und jeden freien Platz auf Häusern, Zäunen, Fenstern und sogar die Gehsteige mit ihren Druckerzeugnissen verunreinigen. Die Burschen I dringen in geschlossene Höfe und Gärten der poli-\ tischen Gegner der SHF. in verüben hier ihre Schurkenstreiche. Daß unter solchen Verhältnissen sehr bald zu den schärfsten Maßnahmen auf der anderen Seite gegriffen werden muß, wenn von den für Ruhe und Ordnung bestellten Organen nichts geschieht, um den Burschen das Handwerk zu legen, das wird schließlich jedermann begreifen! Noch eine stolze Säule... via Mandatsversieherung der DAWG Der Pressedienst der Deutschen Arbeitsund Wirtschaftsgemeinschaft teilt mit: Das Wahlübereinkommen zwischen dem S u- betendeutschen Wahl block und der DAWG ist in der Weise abgeschlossen worden, daß die DAWG auf den gemeinsamen Listen des Sudetendeutschen Wahlblocks unter der Urigarischen Nationalpartei, sowie der Ungarischen christlichsozialen Partei kandidiert. An Hand dieses Wahlübereinkommens wird an aussichtsreicher(?) Stelle ein W a h l w er b e r der DAWG sowohl für das Abgeordnetenhaus als auch für de'n Senat kandidieren. Hitlers Kriessvorbereitunsen Metallrequirierung Berlin. Durch eine im Reichsanzeiger veröffentlichte Anordnung wird der Kreis der schon bestehenden Verwendungsverbote für Kupfer, Nickel, Zinn und QuecksUber, sowie deren Legie- rimgen erweitert und auf Blei und dessen Legierungen, sowie auf Chrom und Kobalt ausgedehnt. Hunderte von Gegen- ständen des täglichen Lebens und hauswirtschast- licher Artikel werden angeführt» deren Herstellung aus den genannten Metallen nunmehr verboten wird. Das eingefrorene„Mailüfterl" Die tiefste Maitemperatur in Prag seit 160 Jahren Wie die Staatsanstalt für Meteorologie mit-- teilt, setzte sich am 29. April vom Polarmeer her eine sehr intensive Kältewelle südwärts in Bewegung, die in Jnnerskandinavien und Nordrußland stellenweise Fröste von minus 10 bis 20 Grad brachte. Die kalte Luft wurde am 30. April in ihrem Fortschreiten über der Ostsee vorübergehend aufgehalten, brach jedoch in der Nacht auf den 1. Mai auch in unsere Gegenden ein und zwar zunächst in die böhmischen Länder, Unter zahlreichen Schneeschauern sanken die Temperaturen in den Niederungen auch tagsüber wiederholt unter Null Grad. In Prag wurde am 1. Mai um 14 Uhr eine Temperatur von nur plus 1 Grad verzeichnet, was den normalen Temperaturverhältnissen um den 25. Jänner entspricht. Eine weitere Senkung trat in Böhmen in der Nacht auf den 2. Mai ein und zwar durch Ausstrahlung bei heiterem Himmel. In der Staatssternwarte in Prag-Klementinum betrug dabei das Minimum der Temperatur minus 1.2, das ist d i e t i e f st e Maitemperatur seit dem Jahre 1 7 75, wo die regelmäßigen Beobachtungen ausgenommen wurden. Die bisherigen tiefsten Maitemperaturen wurden am 1. Mai 1782 mit minus 0.2 und am 3. Mai 1877 mit 0.3 Grad verzeich net. Von der großen Klarheit derLuft, die eine starke nächtliche Abkühlung durch Ausstrahlung ermöglicht, zeigt eine Messung der Jntensivität der Sonnenstrahlung, welche in Prag am 1. Mai um Mittag 1.429 Gramm- I kalorien pro Ouadratzentimeter und Minute erreichte; das ist der Höch st e in Prag bisher erreichte und verzeichnete Wert. Von anderen Orten der Republik wurden am ;2. Mai folgende Nachtminima gemeldet: Spind- lermühle minus 7, E g er minus 6, Kla t- tau, Pilsen, minus 5, Reichenberg minus 4 Grad. Auf den Bergkämmen und Gipfeln, wo in den letzten Tagen 20 bis 30 Zentimeter Schnee gefallen sind, sank die Temperatur allgemein unter minus acht Grad. Die tiefsten W e r t e melden: die Schneekoppe minus ! 13, die Schwarzschlagbaude und der Altvater(Schäferei) minus 12, Lysä Hora minus 11, und der Panzer minus 10 Grad Celsius. Die Nachtfröste haben sich westwärts bis nach Frankreich und in südlicher Richtung bis nach Ungarn ausgebreitet. Tagcsnculglfcltcii Todessprung eines Bankräubers Brünn. Am Mittwoch wurde der 36jährige Vüclav Kalabus aus Brünn, der auf Ersuchen der Gendarmerie in Trenöin verhaftet worden war, in die Haft der Polizeidirektion in Brünn eingeliefert. Kalabus hatte die Kasse der Slowakischen Allgemeinen Kreditbank in TrenLin ausgeraubt, wobei ihm 330.000 KL z u r Beute fielen. Als Kalabus in der Untersuchungskanzlei der Polizeidirektion mit einem Gendarmeriewachtmeister allein war, bat er um ein Glas Wasser, das ihm der Wachtmeister reichte. Kalabus trank das Wasser aus, stellte das Glas auf den Tisch nieder, und sprang zum geschlossenen F e n st e r, zertrümmerte es mit seinem Kopfe und stürzte sich auf die Straße, wo er bewußtlos auf dem Pflaster liegen blieb. T«r Wachtmeister wollte ihm beim Sturz aus dem Fenster noch rasch bei den Füßen zurückhalten, doch gelang ihm das nicht. Kalabas wurde von der Rettungsstation ins Landeskrankenhaus geschafft, wo er bald darauf verschied. Beim Verhör in der Untersuchungskanzlei waren keine Anzeichen von Aufregung an Kalabus zu bemerken. Bürgerkriegs-Schlacht in China Bei I u n a n f u wurde am Dienstag, wie aus Peking gemeldet wird, zwischen 6000 Soldaten dieser Provinz und kommunistischen Truppen(etwa 15.000 Mann an der Zahl) eine Schlacht geschlagen. Me Junan-Regie- rung hat beschlossen, die Stadt Junanfu mit allen Kräften zu verteidigen, und sendet ihren Truppen Verstärkungen. Von Kwei- tschau sind 30.000 Mann Nankingtruppen abgegangen, die nur mehr zwei Tagemärsche von den Kommunisten entfernt sind. Von den Toren der Stadt Junanfu sind die Vorhuten der Kommunisten nur 25 Kilometer entfernt. Der größte Teil der Frauen und Kinder britischer, amerikanischer und französischer Staatsbürger haben am Mittwoch vormittag mit der Bahn die Stadt verlassen. Die restlichen Ausländer reisen ehestens ab. Me Regierungstruppen nähern sich rasch den Kommunisten. Den letzten Meldungen zufolge beabsichtigt auch das Personal des amerikanischen Konsulates unter Mitnahme des Konsulararchivs die Stadt Junanfu zu verlassen. Ziehung der Klassenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der Donnerstag-Ziehung der 5. Klaffe der 32. Tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden folgende Treffer gezogen: 20.000 K£ das Los Nr. 6682« 10.000 KL die Lose 80546 74418 5000 KL die Lose 11629 48250 9325 79386 57666 74518 9073 23530 73399 6998 54217 6121 58417 23071 3193 2000 KL die Lose 30823 63338 45865 46922 51118 77185 24347 59775 21026 69113 44993 80543 91437 81072 79933 107898 21161 31001 37528 20060 1255 35934 2456« 7246• 64196 66203 15418 63494 89911 8455 96892 76286 86335 74137 28092 50524 62819 28633 53025 70361 55867 9152 88648 85662 43790 28889 60220 80157 934 25692 11490 5285 94973 105763 38105 61657 101374 82810 50981 42257 58351 76677 88544 58002 29284 76931 1644 59911 44716 20660 28472 7942 107561 62769 9.818 24120 7690 95395 58447 28710 15586 29968 11735 89946 86555 42163 10195 Tödliche„Ertüchtigung" Die Gruppe»Seeteufel" des nationalsoziaiii- stischen Danziger Jungvolks veranstaltete am Mittwoch eine Art römischen > W a g e n'r e n'n e n s. Zur Ausführung benütz- jten die Knaben schwere Lastfuhrwerke, die ein Eigengewicht von 30 bis 35 Zentnern besitzen. Kurz nach dem Start kam einer der Wagen zu nahe an den anderen heran, so daß die Knaben anscheinend befürchteten, überfahren zu werden. Sie liefen daher davon, jedoch kam einer von ihnen zu Fall und die anderen stürzten über ihn hinweg. Einem elfjährigen Schüler ging infolgedessen das linke Rad des schweren Lastfuhr Werkes über den Kopf, so daß er sofort tot war. Ein gleichaltriger Schüler erlitt schwere innere Verletzungen, denen er am Mittwoch im städtischen Krankenhause erlegen ist. Ferner wurden vier weitere Schüler teils schwer, teils leichter verletzt. Schneestürme in Pole» Ganz Polen wurde in der Nacht zum Donnerstag von schweren Schneestürmen heimgesucht. Warschau ist tief verschneit. In Posen blieb der Schnee in den Straßen bis zu einer Höhe von fünf Zentimetern liegen. Von der Geliebte« erschossen Ter bekannte französische Radrenn- 'f a h t'e'f Heß r y P e l e s s i e r, det nach dem Kriege bei zahlreichen französischen ünd internationalen Radrennen den Sieg davon trug, wurde gestern in seiner Villa von seiner Geliebten erschossen. Die Mörderin wurde verhaftet. Sie führte als Ursache ihrer Tat Erregung nach einem heftigen Wortwechsel an. Walters Kanalüberquerung mißlungen Der Versuch des Deutschen Walter, den Aermelkanal auf einer Art. von S k i e r n, die wie ganz enge Schiffchen aussehen, zu überqueren, ist mißlungen. In den Händen hatte Walter bei seinem Versuche zwei mit Schwimmern versehene Stöcke. Walter gab seinen Versuch nach 165 Minuten in einer Entfernung von drei englischen Meilen vom Kap Gris Nez, von wo er gestartet war, auf. In der ersten Stunde legte er vier englische Meilen zurück, dann begann aber ein heftiger Nordostwind zu wehen, der in in der Richtung zum Kap zurücktrieb. Walter gab hierauf den weiteren ungleichen Kampf auf und bestieg das ihn begleitende Motorboot, das ihn nach Dover brachte. Walter erklärte, daß er seinen Versuch wiederholen werde. 200 Todesopfer eine» Erdbebens Ankara.(Havas.) Mittwoch abend wurde die Gegend von Kars von einem ungewöhnlich heftigen Erdbeben heimgesucht. Viele Häuser sind eingestürzt, andere wurden schwer beschädigt. Die llnterpräfektur in Digor teilt mit, daß 200 Personen ums Leben kamen und 500 schwer verletzt wurden. Die Erdstöße wiederholen sich in unregelmäßigen Pausen. Die Hilfsaktion ist sehr erschwert, da die Straßen und Wege aufgerissen sind.(Kars und Digor sind Städte in Armenien.) Es liest sich recht michter», wenn amtlich gemeldet wird, daß*der Ministerrat beschlossen hat, die Regierungsverordnung über den Schutz der Kollektivverträge bis Ende Feber 1936 zu verlängern und gleichzeitig die Frist für den Abschluß freiwilliger Abkommen über die Kürzung der Arbeitszeit bis zum 31. Mai 1935 festzu- setzen. Aber in diesen knappen Sätzen, über die mancher so leicht und flüchtig hinwegliest, drückt sich doch der starke Einfluß aus, den sich die Ar- beiterschaft auf die Gesetzgebung unserer Republik in zähem Vorwärtsdrängen errungen hat. Und um eben diesen Einfluß, um die Erhaltung des tatkräftigen Mitbestimmungsrechtes bei so wichtigen arbefts- und sozialpolitischen Entscheidungen gehtesam19. Mai! Das ist eine ! Position, deren Bedeutung die Arbeiter erkennen ! und die sie mit dem sozialdemokratischen Stimm ; zettel verteidigen müssen. Die Gegner haben ' das erkannt, und sie bieten alles, die ganze Macht ihres Geldes auf, um die Vertreter der Arbeiter schäft aus den Regierungspositionen zu verdrängen. Das ist der tiefere und eigentliche Sinn des Kampfes, den die Henlein und Rosche, die Kra- mak und Stiibrnh hinter irreführenden Masken und Verkleidungen führen. Und um dieser Bedeutung willen gilt in demokratisch regierten Staaten auch das Wort in seinem alten Sinne nicht mehr, daß der Proletarier nichts zu verlieren habe als seine Ketten— o doch, er kann alles verlieren, was er an Rechten in jahrzehntelangen schweren Kämpfen errungen hat. Die Arbeiterschaft Deutschlands hat es mft tragischer Schwere erfahren müssen und empfindck es von Monat zu Monat drückender, wieviel sie zu verlieren hatte und wie ungeheuer viel sie verloren hat. Es geht am 19. Mai für die Arbeiterschaft um das Recht, ihr eigenes Lebensschilk- sal mitzubestimmcn! Und wenn die Arbeiter, blind und taub gemacht von heuchlerischen Phrasen, d a s am 19. Mai nur für die eine Stunde- nur für den einen Augenblick der Stimmzettelabgabe vergessen würden, so würden auch sie wie ihre reichsdeutschen Schicksalsgenossen als mißbrauchte, entrechtete und kommandierte Sklaven jahrelang, vielleicht jahrzehntelang die Kosten eines trügerischen Rausches aus ihrer geplünderten Lohntüte zahlen niüssen! Ein schweres Berkrhrsunglück ereignete W am Mittwoch abend bei Hillcröd auf der I n s il Seeland. Ein mit drei Personen besetzter schwedischer Kraftwagen wurde an einem unbewachten Bahnübergang von einem Motorzug erfaßt und etwa zehn Meter weit mitgeschleift. Ta» bei entgleiste der Triebwagen des Zuges, WÄ- rend der Wagen vollständig zertrümmert wurde. Di? drei Insassen des Kraftwagens, die aus Malmö und Helsingborg stammen, wurden auf der Stelle getötet. Bei einem der Verunglückten- die sich auf der Rückreise von Bremen nach Schweden befanden, handelt es si ch um den schwedischen Multimillionär und Schiffsreeder, Konsul Eci« Banck aus Helsingborg. Roch ein Todesopfer des Warschauer Unglücks. Am Mittwoch starb der Photoreportek B i n e k als drittes Opfer des Nnglüäö- das sich am vergangenen Sonntag in der Nähe von Warschau bei den Motorradrennen'ereigne- hat. Zusammenstoß zweier Flugzeuge. Bei einet Flugübung in Chateauroux in Frankreich- stießen zwei Militärflugzeuge in der Lust zusal»- men. Die beiden Piloten fände" den Tod. Opfer des OsterverkchrS. Die Statistik der Brr- kehrsunfälle in England in der Osterwoche ergibt 12» Tote und 4180 Verletzte. In der gleichen Woche K* Vorjahres betrug die Zahl der Getöteten ebenso^ genau 126 und die der Verletzten 4035. Der Wiener-Reustädter-Kanal wird verschüttet- Wie die„Reichspost" mitteilt, wird der im 1’- Jahrhundert erbaute Wiener-Reustädter-Kanal, hxeinige Zeit hindurch zum Transport von Holz n** Kohle benützt wurde, im Rahmen der Investitionarbeiten der Stadt Wien verschüttet werden. Da>»" fallen definitiv alle früheren und gegenwärtig Pläne mit diesem Kanal, insbesondere das Projeu seiner Verlängerung nach Ungarn und weiter J 1*’’ 1 Adriatischen Meer. Bon der deutschen Arbeitsgemeinschaft Volksgesundheit. Die diesjährige H a u p t ö e* sammlung der Deutschen Arbeitsgemeinschn" für Volksgesundheit findet am 4. Mai, 19 llV in Prag, Deutsches HauS statt. Aus der Tage-" ordnung: Tätigkeitsbericht der Hauptgeschäftstelle, der Landesstelle, des Hygienischen Bo- dungsdiensteS, des Reichsausschuffes für ländliche Gesundheitspflege. Berichte über Schulzahn pflege, Krankenhauswesen. Freie Anträge.. h fj Vom Rundfunk IlmpfthlMiiwarfM aus«len Programm«*' SamStag Prag, Sender L.:^0.05 Deutsche Preffe. Schallplatten: Opernouverturen. 13.45 Zithersom-- 16.45 Rundfunk für die Jugend. 17.15 Liederkonstk» 17.55 Deutsche Sendung: Aus dem sudetendeutschf. Kulturleben. 18.05 800 Jahre Klaviermusik. 22-t Tanzmusik.— Sender S.: 14.30 Konzert des M»". dolinenklubs. 15.00 Deutsche Sendung: Lieder»n- Toccaten. 18.10 Kinder, wir wollen turnen I Brian»: 17.45 Deutsche Sendung: SchrammelmuN- Mährisch-Oftrau: 17.15 Opernduette.— Kasch»»- 11.00 Schallplatten. Nr. 103 Frekkag, 3. Mai 1935 Seite 7 Vortrupp des Hakenkreuzes Die„Bereitschaft” und ihr„Weg”— Schlagworte und ihr Hintergrund In der Osternummer veröffentlichte« wir die Einleitung zu der Anklageschrift im Troppauer I Prozeß gegen Prof. Patscheider und Konsorten, welche beschuldigt sind, Anschläge gegen dir Republik begangen zu haben. Der heute folgende Abschnitt gibt eine Uebersicht der im I n l a n d entfalteten Tätigkeit. So absurd manchmal ihre Art zu sein scheint und so sehr sie romantischer Leveinsmeirrei ähnelt, so wenig ist ihre Wirkung und ihr Einfluß zu unterschätzen. Wenn man an den KamrradschaftSbund denkt, der ohne viel an die Oeffentlichkeit zu treten in der Geschichte der H e n l e i n b e w e g« n g ein so großes Kapitel einnimmt, so kann man ermessen» daß eine Gruppe von zirlbcwußt arbeitenden Drahtziehern unschwer die auf allgemeine Phrasen von Lolkstum, Bolksgemeinschaft u. ä. eingestellten Menschen«ach ihrem Willen lenken kann. Ueber die Organisation der Gruppe Patsch eider sagt die Anklageschrift: Die ganze Aktion der Angeklagten teilt« sich in eine inländische und eine Aktion in Deutschland. Die inländisch« Aktion gliederte sich in eine administrative und eine propagand i* irisch«. Sie ging von der Ansicht aus. daß die deutschen politischen Parteien in der Tschechoslowakei dar größte Hindernis auf dem Wege zur Erreichung der gesetzten Ziele find, denn nicht nur, daß sie die Deutschen voneinander trennen, bearbeiten sie sie bis zu einem gewissen Grade in derRichtung zum tschechoslowakischen Staat, und zwar insbesondere, soweit es 'ich um die deutschen Regierungsparteien handelt. Von kampffähigen Parteien könnte man mit der n atio» «alsoziali st»scheu und der deutschnationalen Partei rechnen, da aber jede von ihnen ihr» darteiexistenziellen und Wahlintereffen hat, kann auch ihnen nicht die Führung des deutschen Abwehrkampfes aavertraut werden. Bedingung für sein Gelingen ist, daß die Aktion das ganze deutsche Volk in der Tschechoslowakei ohne Unterschied der Parteien durchdringen und zum gemeinschaftlichen antistaatlichen Kampf erziehen muß. Da aber ein Risiko einerseits von den staatlichen Faktoren, anderseits von den deutsche« Regierungsparteien her droht, muß die ganze Aktion vorsichtig und geheim durchgeführt werden, bzw. soweit sie die breiten Schichten des deutschen Volles betrifft, in besonders geschickter Form. z. B. durch »kulturelles Bewußtwerden", durch Entfachung von Differenzen unter de« Tschechen, durch Verhinderung aller Unternehmungen» welche von tschechischen und deutschen Faktoren gemeinsmu ver- «staltet werden, durch Verherrlichung Deutschlands und der dortigen Verhältnisse, durch herabsetzende Kritik unserer Verhältnisse«sw. Die administrative Tätigkeit war territorial geteilt in einen Ostraum, einen Westraum und «inen Südraum. Jeder dieser„Räume" hatte seinen „Generalstab", lbelcher aus sorgfältig gewählten Personen und bewährten'- Feinden der Tschechoslotvakischen Re- dublik bestand. Der Ostraum hatte seine Führung «Troppau und in Tschechisch-Teschen. Der Westraum in Reichenberg und Prag And der Südraum in Brünn. Wie aus den beschlagnahmten Dokumenten hervorgeht, wurden selbstverständlich außer den Sitzungen der Funk- sionäre eine- jeden»Raumes" von Zeit zu Zeit auch gemeinsame Sitzungen abgehalten, in welchen die Funktionäre aus den verschiedenen»Räumen" und außerdem auch reichsdeutsche Funktionäre zu- sammenkamen. An diesen Sitzungen wurden Be- tatungen abgehalten und Pläne für das weitere Borgehen gemacht sowie Varbindungen mit reichsdeutsche« Faktoren angeknüpft, durchwegs bedeutende und einflußreiche Persönlichkeiten, die dann zu Hause an den zu- ständigen Stellen Verständnis für die ganz» hoch» berräterische Aktion schaffen und ihr moralische und materielle Unterstützung sichern sollten. Die offizielle Form dieser Sitzungen waren die so- «nannten»Schlesischen Kulturwochen". Aus dem beschlagnahmten Material ist ersichtlich, daß ihrer ueun waren, und zwar 1925 in Reichenberg, 1926 tu Troppau, 1927 in Hohenclbe, 1928 in M.- Schönberg, 1929 in Gablonz, 1930 in Neu-- titschein. 1931 in Braunau, 1932 in Ratibor, *933 in Aägerndorf. Aus den Ortsnamen ist bereits ersichtlich, was alles als»Schlesien" im deutschen Sinne betrachtet wurde... Nach außen hin gaben sich diese -»Kulturwochen" als Versammlungen, welche der Geschichte und Kultur Schlesiens gewinnet waren, in Wirklichkeit wurden dort Beratungen darüber abgehalten, wie die einzelnen Teile Schlesiens ohne Rücksicht auf ihre staatliche Zugehörigkeit vereinigt und unter die Herrschaft Deutschlands gebracht werden könnten. Der häufigste Redner war Prof. Patscheider, Jug. Fulda u. a. Am gewagtesten sprach man auf der„Kulturwoche" im Jahre 1932 in Ratibor. an welcher sehr viele Vertreter reichsdeut- schrr Korporationen und Institutionen teilnahmen» welche die ausländische Propaganda und das Deutschtum im Ausland überhaupt sich zur Sorge wachten. Der in den Breslauer»Schlesischen Jahrbüchern" veröffentlichte Bericht über diese Sitzung «ibt den klaren Beweis, daß es nicht um kulturelle, sondern um rein politisch« Interessen ging, und äwar um die Angliederung der deutschen Teile unserer Republik an Deutschland. Jeder Raum war allerdings in kleinere Ver- ivaltungs- und Agitationssprengel eingeteilt und w jedem Sprengel war die Leitung einer oder wehreren besonders energischen und vertrauens- würdigen Personen anvertraut. Das Rückgrat sollte die„Bereitschaft" sei«, die mllitLrisch organisiert sein sollte bzw. war. Die„Bereitschaft" wurde von dem Reutitscheiner Lehrer Max Kudera, dem Lehrer Walter Tinkel und Zug. Rud. Staffen gegründet. Auf der Versammlung in Olmütz im Jahre 1930 wurde die oberste Leitung der»Bereitschaft" unter dem Namen „Der oberste Führnngsring" konstituiert, dessen Vorsitzender Jng. Rudolf Staffen wurde, und dem die einzelnen „Landes führungsringe" unterstanden, und zwar für Böhmen(welchen Jng. Staffen selbst behielt) und für Mähren und Schlesien, welche Max Kudera und Erwin Wittek anvertraut wurden. Diese Landesführungsringe waren jeder gegliedert in fünf„Gilden", und zwar: 1. Gilde der Aerzte, 2. GUde der Techniker, 3. Gilde der Lehrer, 4. Gilde der Schutzarbekter und 5. die allgemeine Gilde. Diese militärisch organisierte Korporation war die Avantgarde des S.A.-Rings(Sudetendeutscher Arbeitsring) resp. des S.O.-Rings(Sudetendeutscher Ordnungsring), bestand hauptsächlich aus jüngeren und agilen Menschen und hatte u.a. die Aufgabe, den Gedanken des Widerstandes in die breitesten Schichten der deutschen Bevölle- rung zu tragen. Ihre Hauptfunktionäre(In,. Staffen, Kudera, Wittek ufw.) beteiligen sich an den erwähnten„Schlesischen Kulturwochen" und waren in ständiger Verbindung mit dem Generalstab des S.A.R und D.O.R.. von welchem sie Weisungen»sw entgegennahmen. Anderseits nahmen Funktionäre des S.A.R. und S.O.R. an de« Sitzungen der„Bereitschaft" teil. Die„Bereitschaft" nahm vor allem die Jugend aufS Korn, deshalb stand sie in Verbindung mit den deutschen Lehrerorganisationen, mit Gesangsvereinen und anderen Korporationen auf dem Land, in welche sie iy Sitzungen, bei Unterhaltungen, und ähnlichen Gelegenheiten hochverräterische Ideen hineintrug, so wie die Hauptleitung cs angab. Die Hauptleitung des S.A.R. und S.O.R. benützte freilich auch jede andere unpolitische deutsche Korporation und Institution, die auf der Basis des deutschen Volkstums aufgebaut war, um mit ihrer Hilfe leichter die gestellten Aufgaben erfüllen zu können. So war sie z. B. in ständiger Verbindung mit dem deutschen Verband„Finke n st e i n e r Bund", mit dem»Bund der Deutschen in Schlesie n", mit der„G e- sellschäft für deutsche Bolksbil- dunginReichenbe r g", mit dem„Turnverband", mit der„DeutschenJugend- fürsorge", mit dem»Landesverband d e r I u g e nd v e r e in ig u n g e n" in Troppau, dem»Kulturverband" in Brünn, der Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Gewerkschaften und die neue NJRA Am 16. Juni d. I. wird die NIMA, das von Roosevelt im Jahre 1983 in Kraft gesetzte Wieder- aufbaugesetz, abgelaufen sein. Ein neues Gesetz ist bereits ausgearbeitet worden und dürfte ohne Schwierigkeiten an die Stelle d«S alten treten. In den abgelaufenen zwei Jahren hat sich gezeigt, daß die Voraussetzung jeglichen Erfolges für die Arbeiterschaft in erster Linie eine möglichst straff« gewerkschaftliche Organisation und damit auch ihre niöglichst starke Vertretung in den verschiedenen Instanzen der NJRA, d. h. der Verwaltung, ist. An beiden» hat es während der zwei Jahre erheblich gefehlt, weshalb denn auch das Hauptaugenmerk des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes(A. F. of L.) jetzt wie früher auf die Rekrutierungskampagne gerichtet ist. Was die Vertretung in den NJRA-Jnstanzen betrifft, so kann die A. F. of L. soeben einen schönen Erfolg melden: sie hat in der obersten Leitung der NRA, dem NRA« Amt» die gleiche Bertreterzahl er- haltenwiedieUnternehmer. In diesem Amt, das insgesamt 7 Mitglieder umfaßt, wu» die Arbeiterschaft bis jetzt nur durch einen Delegierten vertreten(Sidney Hillman, Vorsitzender des Vereinigten BekleidungSarbeiter-VerbandeS von Amerika). In Erwartung der Annahme des neuen Gesetzes ist nunmehr als zweiter Vertreter P. Murray ernannt worden, der Dize-Dor- sitzende des Vereinigten Bergarbeiter-VechandeS. Die übrigen 5 Vertreter setzen sich auS zwei Jnbu» „Landständischen Jungmann sch aft" in Brünn, mit der„HansKudli ch-V olks- hochschule" und mit anderen ähnlichen Vereinen. Unter diesen Korporationen wurden von Zest zu Zeit gemeinsame Jnformationssttzungen abgehalten. So wurde z. B. in den Tagen vom 25. bis 28. August 1933 eine gemeinsame Sitzung des „Bundes der Deutschen Schlesiens" mit der»Gesellschaft für deutsche Volksbildung" in Reichenberg (in Kunau) abgehalten, wo Prof. Patscheider zum Thema»Die Raumpolitik des Sude- tendeutschtums". im großdeutschen Sinne sprach. Auf anderen ähnlichen Versammlungen kamen L a m ä t s ch und andere zur Geltung. Ans der ganzen Konzeption dieser Tätigkeit kann man schließ« n, daß die Aktion Henleins ganz parallel läuft und bestrebt ist, ans das Gebiet einer politischen Partei alle die Arbett zu überführe», welche Prof. Patscheider«nd Konsorten autzerhalb der politischen Parteien leisteten. Deshalb mutz Henleins Bestreben von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet werden. Für diese politische umstürzlerische Tätigkeit wurde immer der Mantel der»kulturellen Arbeit" verwendet. So warz.B. Prof. Pätsch e i d e r langjähriger Vorsitzender des offiziellen deutschen Bezirksbildungsausschusses, und zwar nur aus dem Grunde, damit die Behörden die in Wahrheit umstürzlerische und politische Tätigkeit nicht bemerken, welche der Generalstab des S.O.R. mit seiner Zeitschrift»Weg" dirigierte. Die Persönlichkeiten in der Leitung dieser Zeitschrift bemühten sich, im Staate eine besondere Organisation„Volksverband" zu schaffen, die sich nach einer besonderen Verfassung richten und das gesamte öffentliche Leben der deutschen Minderheit erfassen und zentralisieren und solcherart den Boden für die Errichtung des letzten Zieles vorbereiten sollte, d. i. die Bereinigung von Teilen des tschechoflowakischen Staates mit dem Deutschen Reich zu einem Großdeutschland oder zu einem »Mitteleuropa" unter der Herrschaft Deutschlands. Der„Weg" schreibt in Nr. 3/1933 von diesem Bolksverband:»Wir sagten schon, daß wir im Bolksverband eine dem„Staate" wohl nccht gleiche, doch aber sehr nahekommende Lebensform anstreben." I« andere« Artikeln des„Weg" wird das Führerpvinzip geltend gemacht. Die öffentliche Verwaltung des „VolkSverbandeS" sollte in vier Sektoren geteilt werden: 1. Staatlichkeit, 2. Wirtschaft, 3. Geistiges Leben«nd 4. Wehrhaftigkeit. Ihre Träger sind ad. 1) der Verband der deutschen politisch«» Parteien, welcher nach den Grundsätzen des großdeutsch«» Programms gleichgeschaltet sein sollt«, ad. 2) der Kulturverband, welcher die höchste Instanz in Bil- dungs-«nd Schulangelegenheile»» sein sollte, ad. 3) die Schutzverbände, welche die materiellen«nd wirtschaftlichen Interesse« der Minderheit schützen sollten und ad. 4) der Turnverband, welcher die Wehrmacht bilde« sollte. Damit sind die Hauptzüge der administra- twen und propagandistischen Tätigkeit dieser Aktion im Inland umrissen. striellen, zwei Hochschulprofessoren und einem Vorsitzenden zusammen. Das Amt des Vorsitzenden bekleidete bis vor kurzem S. Clav Williams, der von der Arbeiterschaft wegen seines unsozialen Verhaltens auf das heftigste bekämpft wurde und deshalb fallen gelassen und nunmehr durch R. Richberg, den früheren Generalrat der NRA, ersetzt wurde. »Die Ernennung von Murray und die Reorganisation des NRA-Amtes hat", wie»International Labor News Service"(JLNS) sagt, „den Bruch zwischen der organisierten Arbeiterschaft und der Verwaltung geheilt". Die nächste Aufgabe besteht nunmehr darjo, auch in allen anderen NRA-Organen, insbesondere in den Aemtern, die die Codes für die Arbeits- und Produktionsbedingungen aufstellen(in denen die Gewerkschaften bis jetzt sehr schlecht oder überhaupt nicht vertreten waren) ebenfalls eine entsprechende Vertretung zu erhalten. Der JLNS schreibt deshalb mit Recht:«Ermutigt durch die Erzielung einer paritätischen Vertretung im NRA-Amt wird sich nun die Arbeiterschaft mit aller Kraft für die gleiche!8«rtretung in allen BerwaltungSämtern, Codes-Behörden und NRA-Jnftanzen einsetzen." Der Außenhandel der Sowjetunion 1934 Nach den letzten Angaben der Hauptversammlung der UdSSR betrug der gesamte Außenhandelsumsatz der Sowjetunion im Jahre 1934 660 Millionen Rubel, davon entfallen auf den Import 232 Millionen Rubel und am den Export 418 Millionen Rubel. Der Aktivsaldo der Handelsbilanz betrug also 186 Millionen Rubel. Der russisch« Außenhandel hat in den letzten vier Jahren folgende Entwicklung genommen:- Die Kandidaten der tschechischen Sozialdemokratie Für die tschechische Sozialdemokratie sichren die Liste ins Abgeordnetenhaus: Im Wahlkreis Prag A, Minister Dr. Meißner, Prag B, Parteivorsitzender Hampl, in Königgrätz der bisherige Abgeordnete Chalupa, in Jungbunzlau Chefredakteur Stivin, in Böhm-Leipa Redakteur Dr. Charvät, in Lau« Lehrer Hladkh, in Karlsbad Vondräk, in Pilsen Bürgermeister Pik, in Budweis Inspektor Dlouhh, In Jglau Dr. Mares, in Brünn Abgeordneter Polach, in Olmütz Minister Bechyne, in Ungarisch-Hradisch der Legionär Jasa, in Ostrau Sekretär Langr, in Trnava Dr. Markoviä, in Novü Zämky Minister Därer, in TurLansky Sv. Martin Abgeordneter Benda, in Banskä Bystrica Abg. Becko, in Liptos Sb. MkuläZ Laitdesausschußbeisiher Korman, in Ka- schau DrahovskH, in Präov Gregor«, in Uzhörod Revaj. In den Senat sichren die Kandi atcn- listen: In Prag Modrääek, in Königgrätz Toma- sek, in Jungbunzlau Dundr, in Laun Dr. Soukup, in Pilsen der bisherige Abgeordnete Vojta Benes, in Brünn Filipinskh, in Ostrau Chalupnik, in der Slowakei die bisherigen Senatoren. In die Landevertretungen führen die Km»didatenlisten in Böhmen: MachaLek, Marek und Ksandr, in Mähren Rouöek, in der Slowakei Korman, in Karpathorußland Revaj. Von neuen Kandidaten sind erwähnenswert: der Vertreter der DTJ Redakteur Vaverka und der Vertreter der Jugend Görner, in Pardubitz Sekretär Lausmann, in Königgrätz der Klubsekretär Dr. Svkräk, in Jungbunzlau Lulak, in Böhmrsch-Leipa Dr. Charvät, in Laun Lehrer Hladky, Sekretär Nemec u»»d Victor«, in Pilsen Esner, in Budweis Slaboch und Konsul Sedmik, in Ostrau Langr, in der Slowakei Korman. In den Senat kandidieren die bisherigen Abgeordneten Brodeckh, TomaSek, Vacha, Vojta Benes und Chalupnik. Aus dem Parlament scheiden auS: der ehemalige Minister Dr. Leo Winter, der Ostrauer Bürgermeister Prokes, dann Svoboda, Humlhans, Binovec, weiters die Senatoren Dr. Witt, F. V. Krejöi, JohaniS und FarkaS. Einfuhr. Ausfuhr. U eberschuß In Millionen Rubel 1934 1933 1932 1931 , 232 348 704 1105 . 418 495 575 811 . 4-186 +147 —129 —294 Wie aus der Tabelle ersichtlich, ist eine starke Schrumpfung des russischen Außenhandels in den letzten vier Jahren zu verzeichnen. Der Import ging im Jahre 1934 im Vergleich zu 1931 um ca. 77 Prozent zurück. Auch der Export weist eine sinkende Tendenz auf, wenn auch nicht im gleichen Ausmaße wie der Import: Gr ging um ca. 50 Prozent zurück. Diese Verminderung des russischen Exports schein» uns für die Beurteilung der allgemeinen Wirtschaftslage der Sowjetunion von entscheidender Bedeutung zu sein. Denn Rußland exportierte früher Lebensmittel, obwohl im Lande selbst ein großer Mangel an diesen herrschte. Infolge der Fortschritte der russischen Industrialisierung ist der Importbedarf geringer geworden und hat infolgedessen der Export,zwang nachgelassen. Diese neue Tendenz der russischen Außenhandelspolitik hebt bezeichnenderweise sogar die deutsch« WirtschaftSpreff« hervor. So schreibt der Wirtschaftsdienst vom 25. April über den Sowjethandel u. a. folgendes: Di« Liste der Ausftchrwaren steht unter der Einwirkung zwei entgegenwirkender Fakwren: Einmal der Notwendigkeit zur Ausfuhr, zur Devisenbeschaffung, sodann aber der erhöhteAn- spruch des Inlandsbedarfes, dem ja nach den Beschlüssen d«S letzten Parteikongresses in größerem als bisher Rechnung getragen werden soll, soweit die bessere Versorgung der Bevölkerung damit erreicht wird. So hat bestimmt die auffällig« Abnahme der AuSsichr von Getreide, Butter, Zucker, Baumwollgewebe ihre Ursache eher in diesem Bestreben als in mangelnder Absatzgelegenheit. In ähnlicher Weise hat auch di« Ausfuhr von Naphthaprodukten den Anforderungen des inneren Bedarfes zum Teil zum Opfer gebracht werdrn müssen. Da die in den nächsten Jahren zur vollen Kapazität gelangten Automobil-»nd Traktorenwerke eine weit stärker« Motorisierung der Ver- kehreS ermöglichen werden, droht auch der AuSsichr von Naphthtprodukten ständiger Rückgang. Ein deutliches Symptom für die geschilderte Tendenz muß insbesondere in der starken Abnahme der Ben- zinauSsichr gesehen werden. Da» hochwertig« Produkt wird am dringendsten im Lande benösigt. Interessant sind schließlich die Angaben über die wichtigsten Länder, die mit der Sowjetunion im Warenaustausch stehen: in Millionen Rubel Einfuhr aus: Ausfuhr nach: 1931 1934 1932 1931 1984 1932 Deutschland 28,9 148 827 98,4 85,7 100,5 England 46,8 30 91 69,2 87,0 138,5 Holland 15,8 6 3,6 22,2 25.9 21.5 Frankreich 11,-6 5 4,4 21,9 22,9 28.7 Italien 11,8 18,9 27,1 19,0 22,2 27.6 U.S.A. 17,9 18,6 31,7 14,8 14,0 17,2 Der Warenaustausch mit Deutschland hat ein nicht erlebtes niedriges Niveau im Jahre 1934 erreicht, schreibt der Wirtschaftsdienst, ein deutliche». Beweis für die politische Funktion des russischen Außenhandelskommissariates. Freitag, 3. Mai 1935 Nr. lyz Sekte 8 PPäfiEB IBITIIIQ W MlMtnD in loildMtgtMtn Mn Die stärkste und geschloffenste Kundgebung Ungünstige Witterung, empfindliche Kälte und Schneegestöber haben es nicht verhindert, daß der heurige 1. Mai größere Massen auf die Straße rief als in den vergangenen Jahren. Zum Teil bewirkte dies die Vorwahlstimmung, welche deutlich in Erscheinung trat, in bedeutendem Maße spielte aber bei den Maiaufmärschen der Arbeiterschaft der Wille mit, zu zeigen, daß Prag eine sozialistische Mehrheit hat und daß alles Geschrei der fascistischen Rechten an dieser Tatsache nichts ändern wird. Ueber den Wenzelsplatz zogen in der Zeit von halb 10 bis 1 Uhr fünf Züge. Das Närodni sfednoceni hatte zum erstenmal seine Anhänger aufgeboten, zur Sicherheit aber mit großem Aufwand an Geld von weither Leute zusammengeführt. Tvs Gemachte an dem Aufmarsch war auf den ersten Blick zu erkennen. Alle Fahnen, Transparente usw. waren einheitlich von einer zentralen Stelle angekauft und unter die Teilnehmer verteilt worden, genau so uniform und ideenlos waren die eingelernten Sprechchöre. Vom Hotel „Sroubek" aus sahen Dr. Kramar und Prof. Mares dem Zuge zu, der unter völliger Teilnahmslosigkeit des Spaliers auf die Schützeninsel ging, wo u. a. Dr. HodäL über die Not der Arbeitslosen sprach. Die Sozialdemokraten und Nationalsozialisten marschierten gleichzeitig über den Wenzelsplatz. Die Nationalsozialisten hielten ein Meeting auf dem Altstädter Ring ab. Redner waren Sen. Klo für und die Abgeordnete Zeminovä. Während die nationalsozialistische Kundgebung sichtlich unter der Lustlosigkeit der Teilnehmer zu leiden hatte, war der sozialdemokratische Aufmarsch lebhafter und wuchtiger als jemals. Hinter einer Vorhut von Ordnern und Radfahrern marschierten Arbeiterturner in Uniform, Mitglieder der Parteileitung, Skauts und dann in überraschend großer Zahl die Jugend. Ihre blauen Blusen, ein großes allegorisches Rad mit der Aufschrift„Werft die Räder an^wir wollen leben!", ein Trommler- und Bläserchor, gaben diesem ersten Teil des Zuges das Gepräge. Es folgten, die Gruppen der Studenten» der Straßenbahner, Eisenbahner und Gemeindeangestelltcn. Vor der Parteimitgliedschaft der tschechischen sozialdemokratischen Partei marschierten die deutschen Sozialdemokraten Drei Zehnerschafjen d?r RW und ungefähr 100 Angehörige der, sozialistischen Jugend in blauen Blusen eröffneten den Zug, welcher mehr als 700 Teilnehmer zählte, von welchen die Hälfte ungefähr Frauen waren. So wir im Vorjahre, kam es auch heuer an verschiedenen Stellen zu Provokationen von Anhängern des Närodni sjednoceni. Auf dem Wenzelsplatz» in der Gasse des 28. Oktober und beim Cafe„Slavia" wurden die Sozialdemokraten von Sprechchören der tschechischen Fasci- strn«»gestänkert. Anfangs begnügten sich die Arbeiter mit den ironischen Sprechchörrn„Es lebe der Jndustriellenverband!" und„Nie nej uhli!". Als jedoch beim Nationaltheater Gruppen des Närodni sjednoceni mit Standarten und Fahnen zu provozieren begannen, griffen die Ordner und Menschen aus der Zuschauermrnge ein und stellten exemplarisch die Rude wieder her. An den heurigen 1. Mai werden nicht wenige Anhänger des Dr. Hodäk ungern zurückdenken. Auf der Slawischen Insel sprach auf der Kundgebung als einziger Redner der Vorsitzende der tschechischen sozialdemokratischen Partei Genosse Hampl Im deutschen Teil seiner Rede betonte er, daß die heurige Maifeier zeigt» daß die Arbeiterschaft aus den gewonnenen Positionen nicht zu weichen gewillt ist, mag die internationale Lage noch so schwierig sein. Die tschechoslowakische und die deutsche Arbeiterschaft erklärt, daß sie mit allen Kräften und Mitteln das demokratische Prinzip in der Tschechoslowakischen Republik verteidigen"wird. Sie wird keiner Gewalt weichen und wird sich auch durch die Doppelrolle Henleins nicht täuschen lasseir. Die Arbeiterschaft wird in der heutigen schweren Zeit ihre Pflicht als Schöpferin einer nruen Gesellschaftsordnung erfüllen. Nach der Annahme der von Genossen Havelka verlesenen Entschließung wurde die Kundgebung mit den Staatshymnen geschlossen. Die tschechische Gewerbepartei veranstaltete Sonntag ebenfalls eine Maifeier, die sehr bunt und erheiternd war. Ungefähr 28 allegorische Wagen sollten nach der Msicht der Veranstalter das Leben der Gewerbetreibenden früher und jetzt zeigen. Auf dem Havliöekplatz sprach außer dem Abg. Najman eine Reihe von Rednern. Der kommunistische Zug zeichnete sich durch eine außerordentlich große Zahl von Fahnen und Transparenten aus. Vor dem Pulverturm sprach u a. Sen. Haken. Di« tschechische Volkspartei verzichtete diesmal auf jedwede Maikundgebung. Gespenstergeschichte. In der Nacht auf vorgestern, um 3 Uhr früh, kamen die beiden Musikanten Alois Pänek aus Defwitz und Bohumil Ju- nek aus ZiZkov, die bis zu dieser Zeit in einem Gasthaus in Podhori gespielt hatten, in leicht angetrunkenem Zustande zu der Ueberfahrtsstelle in Troja und riefen laut nach einem Fährmann, daß| er sie übersetze. Daß einer kommen"würde, erwarteten sie Wohl selber ckaum; so betrunken waren sie nicht, um um 3 Uhr nachts noch einen Fährmann bei der Moldau zu vermuten. Wer also beschreibt ihr Erstaunen, als plötzlich, wie in Gou- nods„Mireille", ein Fährmann„wie aus dem Boden gewachsen" vor ihnen stand? Mit dumpfer Stimme forderte er sie auf, ihm zu folgen; seine Fähre liege bereit. Me beiden Musikanten folgten mit widersprechenden Gefühlen. Schon waren sie beim Boot.„Bitte," sagte der Fährmann grinsend,„bitte, nur eivzusteigen!" Die Musikanten nahmen Platz, der Fährmann setzte sich schweigend ans Steuer. Schon waren sie in der Mitte des Flußes,— da riß plötzlich das Seil und das Boot trieb stromabwärts. Die beiden Musikanten, nun von der dämonischen Natur des Fährmanns völlig überzeugt, sprangen ins Wasser und gelangten schwimemnd ans andere Ufer. Ob der geheinr- nisvolle Fährmann ein Gespenst war oder nicht, ist bisher nicht festgestellt, dagegen hat der wirkliche Besitzer der Fähre, Anton Zijka, das Boot um 12 Uhr nachts ordnungsgemäß angebunden und beziffert den ihm verursachten Schaden mit rund 20.000 XL; das Boot wurde nämlich gestern bei der Ortschaft Keean gesunden, wo es sich in ein Wehr eingerannt hatte und zertrümmert worden war. Das Aerar beziffert seinen Schaden— das Wehr hat natürlich ebenfalls gelitten— gleichfalls mit XL 20.000. Zwei kleine Mädchen überfahren. Gestern um 3 Uhr nachmittags liefen in der Tyrsova in Straschnitz die Volksschülerinnen Jaroilava Hrdi- nek und Helene Oliva, beide sieben Jahre alt, über die Fahrbahn, als sie vom Lastauto P—18.702,1 das der Chauffeur Stanisslav HrabL aus Vrsovice- lenkte, erfaßt und überfahren wurden. Die Hrdi- nek wurde bewußtlos ins Weinberger Krankenhaus geschafft, ivo festgestellt wurde, daß sie außer einigen Quetschungen einen Schädelbruch erlitten hat; das andere Mädchen ist leichter verletzt. Das Strafverfahren wurde eingeleitet. Hnndebesiher. In letzter Zeit, trifft man zahlreiche. Hunde, die nicht vorschriftsmäßig anSgesMttet sind. Wir machen aufmerksam, daß jeder Hund außerhalb der Behausung mit Maulkorb und gültiger Marke versehen sein muß, ansonsten besteht die Gefahr, daß er bei der Streifung des Wasenmeisters eingefangen wird. Abgesehen von den namhaften finanziellen Opfern und Scherereien sind damit für das Tier große Qualen verbunden, welchen Folgen man durch Einhaltung der Kontumazvorschriften Vorbeugen soll.— Bereinigung der Tierfreunde, Prag XII., Mänesova 42. AuSflugszüge. Die Direktion der Staatsbahnen in Prag fertigt folgende Ausflugszüge ab: Nach Sternberg am 5. Mai. Der Zug ist bereits gesichert. Abfahrt von Prag XII., um 6.04 llhr,— Nach K a r l s b a d zu e inem dreiwöchigen Kuraufenthalt am 12. Mai vom Masarykbahnhof, Abfahrt um 7.02 Uhr. Der Zug hält in Dejvice und Kladno. Ankunft in Karlsbad um 10.44 Uhr. Rückfahrt am 2. Juni. Preis des Aufenthaltes 3. Klasse XL 1100.— 2. Klaffe 1130.—. Nach M a r i e n b a d am 12. Mai. Abfahrt von Prag Wilsonbahnhof um 8.23 Uhr. Der Zug hält in Smichov. Ankunft in Marien- bad um 11.31 Uhr. Rückfahrt am 2. Juni. Nach der Ankunft in den Zielstationen werden die Teilnehmer samt deren Gepäckstücken in das Bad befördert und einlogiert werden. Preis des Aufenthaltes in Marienbad 3. Klaffe XL 1000.— in der 2. Klaffe 1030.-— Anmeldungen mit einer Angabe von 100 XL bis zum 10. Mai" ninunt das Ausflugszugsreferat im Bazar neben dem Wilsonbahnhof entgegen. Tel. 383.33. «01151«na wissen Maifeier-Festvorstellung im Deutschen Theater Es gibt kaum eine zweite Oper, die als festliches Werk zu festlichem Volksanlaffe geeigneter wäre als Richard Wagners volkstümliche 'Oper„Die Meistersinger von Nürnberg", die im Volke spielt, die als das hohe Lied der Kunst, wie sie im Volke lebt, dem Volke so Nahe steht und die heute wirkliches. Volksgut geworden ist! Aber auch rein musikalisch genommen ist der Charakter der Musik zu den„Meistersingern" so festlich geartet, daß diese Oper immer wieder ihre Stellung als die Festoper behauptet. Das zeigte sich auch bei unserer Maifeier-Festvorstellung, die sich des W^kes zur Verherrlichung der Vorfeier iinseres größten proletarischen Feiertages bedient hatte. Obwohl sich die festliche Stimmung infolge neryöser Zerfahrenheit im Orchester und auf der Szene nicht gleich einstellen woure, wurden Ausführende und Publikum im Verlaufe der Aufführung von der festlichen Bedeutung der „Meistersinger"-Musik erfüllt und zu jener Begei- stellüng entzündet, die das. festliche Bewußtsein mit sich bringt. Da wir über den durch Kapellmeister Fritz Zweig gewährleisteten musikalischen Wert der .Meistersinger"-Aufführung erst kürzlich anläßlich der Wiederaufnahme der Oper in den Spielplan im Rahmen des Wagner-Zyklus berichten konnten, begnügen wir uns heute damit, die Hauptsolisten und ihre Lefftungen kurz anzuführen: den stimmlich und darstellerisch bedeutenden Sachs Josef S ch w a r z', den stimmfrischen Stolzing Adolf Fischers, den nach langer Zeit wieder einmal auf der Szene erschienenen, ausgezeichnet charakterisierten Beckmesser Adolf F u ch s', den munteren David Fritz G ö l l n i tz', den stimmlich imponierenden Pogner Julius Guttmanns, Vera Mansingers liebliches Evchen und Lydia Kindermanns warmherzige Magdalena. E. I. Spielplan des Reuen Deutschen Theaters. Freitag halb 8 Uhr: Glorius, der Wunderkomödiant, D 2.— Samstag 7 Uhr: Tannhäuser, Wagner-Zyklus 3, A 2. Spielpla» der Kleinen Bühne. Donnerstag 8: Schule für Steuerzahler, volkstümliche Vorstellung.— Freitag, 8: Ping- P o n g, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag, 8:Charleys Tante, neueinstudiert. Ans der Partei Wahlberechtigte Gen offen und Genossinnen, welche bereit sind, am Wahltage als Mitgliederder Sprengrlwahkkommis- s i o n e n und Vertrauensmänner der Partei zu fungieren, mögen sich Freitag, den 3. Mai um 7 Uhr abends im Parteiheim, Praha H., Närodni tk. Nr. 4, melden. Mitteilungen aus dem Publikum Im Frühling fühlt man sich neu beschwingt, doch die schwere Frühlingsluft macht matt und müde und das unstete Frühlingswetter bringt Verkühlungen! Regelmäßige Körpermassagen mit dem Franzbranntwein Alpa bannen ErmüdungZgifte und machen widerstandsfähig gegen das gefährliche Uebcrgangswetterl Das bestätigt gern auch der Arzt! Der Film „Filmverrürbt" Wer lacht, wenn Glastüren serienweise in Scherben zerfallen, wenn aus dem vertauschten Frack eines Zauberers weiße Mäuse ins Gewühl der Tanzenden Hüpfen und wenn zwei Nebenbuhler im Filmatelier so hartnäckig aufeinander losschlagen, daß am Ende sämtliche-Requisiten als Wurfgeschoffe verbraucht sind und das Atelier unter Waffer steht, — der wird beim Anblick dieses Harold Lloyd- Films nicht nur lachen, sondern brüllen. Wer freilich zu seiner Erheiterung so etwas wie Witz braucht und deshalb von der Filmgroteske verlangt, daß sie zerbrochene Scheiben, Treppenftürze Und Zusammenstöße nur als Mittel zum parcttnstischen oder satirischen Zweck gebraucht, den wird auch diesmal wieder die komische Veranstaltung Harold Lloyds kaum aus der Ruhe bringen(und er wird dem Alptrmnn der Micky-Maus, der als Vorprogramm läuft, den Vorzug vor dem geben, was nachher kommt). Aber beide, die Brüllenden und die Ruhigen, werden sich über zweierlei einig sein: erstens, daß dieser Film— von dem Regisseur Bruck- m a n n— technisch glänzend gemacht ist, und zweitens, daß er die langweilig« Liebesgeschichte des komischen Helden und der mit sich selbst"verwechselten Filmdiva entbehren könnte, ohne im geringsten an Wirkung zu verlieren.—eis— Anny Ondra spielt die Hauptrolle in dem neuen Lustspiel „Großreinemachen". Sport• Spiel• Körperpflege Der belgische Arbeiter Athleten-Vcaband trug vor kurzem seine Landesmeisterschaften im griechisch- römischen Ringkampf aus. Meister wurden im: Mittelgewicht: D. Houdt(Antwerpen), Halbschwergewicht: Kebels(Holcvken), Schwergewicht: Jansen (Boelen).— Die Bewegung macht zur Zeit in Flandern große Fortschritte, wo gegenwärtig sechs Vereine bestehen. In Antwerpen ist die Beweguas sehr stark. Mehr als 15 Vereine mit 500 Mitgliedern find in der.Federation Ouvrir" vereint. In Brabant ist ebenfalls ein Fortschritt zu verzeichne«. Jugendgruppen gibt eS in der Provinz Hainaut und in der Provinz Lüttich gibt es rund«in Dutzend Vereine. Zur Dritten Olympiade 1037 in Antwerpen wollen di« belgischen Arbeitcrathleten international ihre Kräfte messen und sie hoffen, daß fie sich mit Erfolg placieren werden. Reue Leichtathletik-Weltrekorde. Im Stabhochsprung erzielte der Amerikaner Bill Gräber bei einem Meeting in Kalifornien 4.40 Meter.— Der Deutsche Schröder warf den Diskus 53.10 Meter und überbot damit den Weltrekord des Schweden Anderson, welcher 52.40 Meter betrug. Zwei bürgerliche Fußball-Stars. Wie die Blätter melden, wurde der bekannte und teuerste Spieler der Prager Slavia, Svoboda, von seinem Verein zu?000 Xö Strafe verdonnert, weil«r 0 von der Oslerfahrt nach Wien ohne Bewilligung drückte. Es heißt, daß der Spieler nun aus Protest seinen Vertrag kündigen will..-y- 3» Dritten Reich hat es einen großen„Amateur" erwischt, nämlich den Spieler Richard Hofmann vom Dresdener Sportklub, weil er sich gegen dse Amateurbestimmungen verging. Eine Zigarettenfabrik hatte sei i Bild als Reklame-Mittel— gegen Bezahlung, natürlich— benützt. Hofmann wurde aus dem Fußballbund ausgeschlossen, sein Verein erhielt 800 Mark Strafe und der Vorsitzende del DSC. Puschel, weil er davon wußte und es deckte, wurde ebenfalls ausgeschloffen. In Deutschland kann man allenfalls einen Zigarrenladen u. dgl. W einrichten laffen, aber so offen Geld zu nehmen, dad entspricht nicht der heute dort herrschenden.Moral", und solche.Dummheiten" müffen bestraft werde«, Womit das.System" gerettet ist•..?! Urania>Klno, Klimenhhä 4. Fernsprecher 61623. «d ftreitM,»en 3. Mai 1935. 2976 Ferien vom eigenen idi BÖHMISCHE UNION-BANK (vereinigt mit dem ALLGEMEINEN BÖHMISCHEN BANK*VEREIN) Die Herren Aktionäre der Böhmischen Union-Bank werden hiemit zur 63. ordentlichen Generalversammlung, welche am 18. Mai 1935 nm 11 Uhr vormittags in Prag im Kassensaale des ehemaligen Allgemeinen Böhmischen Bank-Vereins. Na Pfikopö 3, stattfinden wird, eingeladen. TAGESORDNUNG:' 1. Bericht des Vorstandes und Vorlage der Bilanz per 81. XII. 1934. 2. Bericht des Aufsichtsrates. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes. 4. Statutenänderung. 5. Wahlen in den Verwaltungsrat. 6. Wahl des Aufsichtsrates. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche.an der Generalversammlung teil^uneamen beabsichtigen, werden ersucht, ihre Aktien mit Coupon Nr. 55— auf 10 Aktien entfällt eine Stimme— spätestens bis 10. Mai d. J. bei einer der folgenden Stellen zu hinterlegen und dagegen die Legitimationskarten in Empfang zu nehmen: bei der Böhmischen Unien-Baak in Prag oder bei einer ihrer Filialen in Asch, Aussig, Bodenbach« Böhmisch-Budweis, Bratislava« Brannan 1. B.« Brünn, Brüx, Freiwaldan. Frf’dek. Gablonz a. N., Graslits« Hohenelbe, Irian, Jägerndorf, Karlsbad, Königinhof a. E., Leitmeritz, Marienbad, Mähr.-Ostran, Mährisch-Sehönberg, Neu-Titschein, Olmütz, Pardubiee, Pilsen, Prostä- Jov, Reichenberg, Rumbnrg, Saaz, Teplitz-Schönan, Trautenau, Troppan, Warnsdorf. Zwittau, in Wien: bei der Oesterreichischen Creditänstalt— Wiener Bankverein oder bei Rosenfeld & Co., Rathausstraße 20. in Basel: bei der Basler Handelsbank, in Brüssel: bei der Banque Beige pour l’Etranger, in Mailand: bei der Banca Commerciale Italiana. PRAG, am 2. Mai 1935. Der Vorstand. (Nachdruck wird nicht honoriert.) Bezugsbedingungen: Bei Zustellung mS Haus ode» bei Bezug durch die Pott monatlich XL IS.—. vierteljährig XL 48.—, halbjährig XL öS— ganzjährig XL 1v2.—".— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Di« Zeitungsfrankatur wurde vor der Post- und Tele- grapbendirektion mit Erlaß Nr. l3.800/VIl/1S3S bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.